1  [Fritz Heinsheimer]. Ein Längsschnitt durch den deutschen Kunstbetrieb.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Graphisch dargestellt unter Mitwirkung zahlreicher Gelehrter, aller einschlägigen Fachverbände und Behörden. Herausgegeben vom Forschungsinstitut für bildende Kunst. Berlin 1931. Mit 23 blattgroßen Radierungen. Originalbroschur mit Deckelschild.

In kleinster Auflage im Eigenverlag erschienen. Der Druckvermerk zählt nur zehn Exemplare »für die Mitglieder der Völkerbundskommission für internationale Kunstfragen in Genf« – da dieses Gremium eine Phantasie des Herausgebers war, darf auch die genannte Auflagenhöhe bezweifelt werden. Wir konnten allerdings außer einem Vergleichsexemplar mit Widmung Heinsheimers kein weiteres im Handel oder via Worldcat nachweisen. – Das Widmungsexemplar (Auktion Berlin 2010) dient hier der Zuschreibung: Radierungen, Einleitung und Zwischentitel stammen demnach von Fritz Heinsheimer (1897–1958). Der Meisterschüler von Max Slevogt erhielt wegen seiner jüdischen Abstammung 1933 Berufsverbot, 1936 folgte der Ausschluss aus der Reichskunstkammer und 1939 das Malverbot. Befreundet mit verschiedenen Regimegegnern fanden in Heinsheimers Berliner Atelier mehrere Treffen von Widerstandsgruppen statt. 1942 konnte er nach Frankreich fliehen, wo er unter dem falschem Namen Ferdinand Husser lebte. In diesen Jahren entstand eine langjährige Freundschaft zu Ernst Jünger. – In seinem satirischen Bilderbogen karikiert Heinsheimer Aspekte und Auswüchse der bildenden Kunst und des Kunsthandels. So spottet er über Dürer, Secession, Brücke (»keiner kommt ins Museum außer uns«), Kunstverleger, Restauratoren, bestechliche Experten und Auktionshysterie.

26 : 31 cm. [76] Seiten. – Umschlag mit leichtem Eckknick, Deckelschild mit Randausriss. – Vorblätter minimal stockfleckig.

ChristianHesse