213  August Sander. Wohltätigkeitsvorstellung »Die Puppenfee«

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Fotografie (Vintage, Silbergelatine, rückseitig mit Postkartenaufdruck). Um 1905. 8,9 : 13,8 cm.

August Sander (1876–1964) begann seine Laufbahn als Fotograf im österreichischen Linz. Für die dortige »Photographische Kunstanstalt« Greif arbeitete er ab 1901 als Angestellter, 1902 übernahm er das Atelier, zunächst gemeinsam mit Franz Stukenberg. 1904 wurde Sander Alleineigentümer des »Atelier für bild-mäßige Photographie« und nahm an Ausstellungen und Wettbewerben teil. In diese Zeit fallen die auf breiter Front geführten Diskussionen um eine Erneuerung der Fotografie. »Der ›Piktoralismus‹ der Jahrhundertwende und die kommerzielle Studiophotographie gerieten mehr und mehr ins Kreuzfeuer der Kritik. Vor allem beim Portrait wurde der Ruf nach mehr Lebensnähe und Authentizität laut. August Sander fand sich hier in seiner eigenen Suche nach neuen gestalterischen Mitteln bestätigt – und anerkannt. Als die Familie 1909 nach Köln übersiedelte, waren die Grundlagen für die weitere Entwicklung seines photographischen Werks gelegt« (Katalog Linz, Stiftung Kultur Köln).
Nur die erste Fotografie konnten wir im Katalog »August Sander – Linzer Jahre« nachweisen (dort KatNr. 102). Die folgenden drei entstanden wohl bei der gleichen Vorstellung, zwei weitere als Freiluftaufnahmen, möglicherweise im Theatergarten. Alle sind auf der Rückseite noch mit ungeteilter Textanordnung bedruckt, die in Österreich ab dem 23. November 1904 eingeführt wurde. Die im »Linzer Katalog« angegebene Datierung »1907« muss somit wohl korrigiert werden. Alle sechs Fotografien zählen zu den frühesten publizierten Arbeiten August Sanders – und dieser wiederum zu den stilprägendstenDie Piupp Fotografen des 20. Jahrhunderts.

ChristianHesse