3  Leonhard Posch. Napoleon Bonaparte.

€ 3000

Porträtbüste, Gips. 1814. 11,4 : 4,5 : 4,0 cm. Signiert.

Rückseitig mit der eingeritzten Signatur und Bezeichnung: »Am 3. Januar 1814 nach dem Leben modelliert von L. Posch zu Paris«. – Leonhard Posch (1750–1831) wurde bereits in jungen Jahren seiner außerordentlichen Fähigkeiten wegen beim Porträtieren für Bildnismedaillons bekannt. Von 1803 bis 1810 lebte er, dem Ruf von Johann Gottfried Schadow folgend, in Berlin und fertigte dort zahlreiche Bildnismodelle (Menadier: »köstliche Bildnisse«) von Angehörigen der königlichen Familie, fürstlichen Personen, Offizieren, Gelehrten und Künstlern. 1810 ging er, nicht zuletzt der besseren Verdienstmöglichkeiten wegen, für vier Jahre nach Paris. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wien kehrte er nach Berlin zurück. »Der letzten Zeit in der französischen Hauptstadt ist eine kleine vollplastische Arbeit zu verdanken, die in Poschs Werk eine Ausnahmestellung einnimmt (Anmerkung: Sonst ist keine nach dem Leben modellierte Porträtbüste von Poschs Hand bekannt.) […] Ist sie in Poschs Werk als vollplastische Arbeit schon eine Seltenheit, so wird ihr ikonographischer Wert bedeutsam durch die erstaunliche Tatsache, daß Napoleon in jenen für ihn bereits so kritisch gewordenen Tagen […] Zeit und Neigung gehabt hat, dem deutschen Künstler zu sitzen. Das Ergebnis überrascht vielleicht den, der von dem Antlitz des ›Korsen‹, des ›Imperators‹ eine andere, energiegeladene Vorstellung hat. […] Aber wir erinnern uns, wie ihn sein Kabinettssekretär Baron Fain […] geschildert hat: › […] Sein Blick war sanft, die Nase schön geformt, die Lippen anmutig geschwungen … ‹. […] Es bleibt nur zu bewundern, wie wiederum der Künstler dem kaum zollgroßen Köpfchen solche Lebenstreue zu geben verstanden hat« (Lothar Frede). – »Der Reisebericht Napoleons erwähnt diese Büste: ›3 janvier 1814 (lundi). – Ce jour-là, Léopold [sic!] Posch a modelé sa tête d’apres natur‹« (Katalog Posch, Nr. 892). – Diese Ausführungen finden sich als Würdigung des bis dahin einzig bekannt gewordenen Exemplars der Büste, das im Besitz von Johann Wolfgang von Goethe war und sich heute im Besitz des Goethe Nationalmuseums befindet. Der Dichterfürst wurde 1827 von Posch im Profil porträtiert. Dies geschah auf Empfehlung von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (»Halte ihm dein halbes Haupt willig dar und siehe freudebringend dazu aus«. – »Besonders [Poschs] nach dem Leben modellierten Darstellungen von Mozart (1788, 1789), Napoleon (1814, einzige vollplast. Büste) und Goethe (1827) gelten im Vergleich mit den vielen anderen Bildnissen dieser Persönlichkeiten als authentische, auch das Wesen der Dargestellten erfassende Porträts, abweichend von den bestehenden Konventionen« (Gerlind Werner).
Provenienz: 1971 als Geschenk von Wolfgang Vulpius an den Vorbesitzer. Vorher in dauerndem Familienbesitz Vulpius. Nach Untersuchungen von Renate Müller-Krumbach gelangte das Exemplar vermutlich aus dem Besitz von Christiane (Vulpius) und Johann Wolfgang von Goethes Sohn August, der ein großer Bewunderer Napoleons war, nach seinem frühen Tod (1830) in den Besitz der mütterlichen Familie. Denkbar ist, dass Goethe, der ja bereits einen Abguss besaß, diesen zweiten für seinen Sohn vom Künstler geschenkweise erhielt oder erwarb.

Literatur:
Lehnert/von Kühlewein, Der Bildhauer und Modelleur Leonard Posch. Berliner Münzblätter. NF II (1907), Nr. 72. – Menadier: Amtliche Berichter aus den Königlichen Kunstsammlungen, Jg. XXX (1909), Sp. 237ff. – Frede: Zeitschrift für Kunstwissenschaft, Bd. XII (1958), Heft 3/4, S. 179. – Werner: NDB XX, 647. – Müller-Krumbach (Hrsg): Verlassenschaften – Der Nachlass Vulpius. Weimar 1995.– Forschler-Tarrasch, Leonhard Posch. Berlin 2002

Minimal angestaubt, Sockel rückseitig mit sehr kleinen Flecken und einigen winzigen unbedeutenden Kratzern.

ChristianHesse