31  Asger Jorn. Fin de Copenhague.

€ 9000

Conseiller technique pour le détournement G.-E. Debord. Kopenhagen, Bauhus Imaginiste 1957. Mit 32 farbigen Offsetlithographien. Fadengeheftete Originalbroschur mit »Flan«-Umschlag.

Exemplar 99/200. – Von Asger Jorn und Guy Debord signiert. – Gedruckt bei Permild & Rosengreen in Kopenhagen. – Das Buch entstand innerhalb von 24 Stunden. Zunächst montierten Jorn und Debord Ausschnitte aus dänischen, französischen, deutschen und englischen Zeitungen zu Text-Bild-Collagen. Diese wurden in der Druckerei fotografiert und für den Offsetdruck auf Druckplatten übertragen. Anschließend schüttete Asger Jorn von einer Leiter aus Druckfarben auf die Platten und ließ diese verlaufen. Durch den daraus folgenden Irisdruck vermischten sich die verwendeten Farben von Druck zu Druck. – Als Einband diente ein sogenannter »Flan«, ein eigentlich – ganz im Sinne der »Situationisten« – nur kurzzeitig existierendes Zwischenprodukt beim Zeitungsdruck. Vom fertigen Bleisatz mit Typen und Linien wurde ein Abguss aus einer nach geheimer Mischung angefertigten Papier-Masse erzeugt. In diese Form wurde dann flüssiges Metall gegossen und so die biegsame Druckplatte für den Rotationsdruck erzeugt. Durch das heiße Metall verfärbte sich der »Flan«, der nach Gebrauch als Druckform vernichtet wurde. Für die kleine Auflage von »Fin de Copenhague« wurden mehrere solcher Flans zerschnitten und als Umschlag verwendet. Die bräunlichen Verfärbungen sind in diesem Fall kein Mangel sondern ein beabsichtigtes Gestaltungselement. Sowohl durch den Irisdruck als auch diese Umschläge entstanden 200 unikate Buchobjekte. – Nach der »Internationalen Bewegung für ein imaginistisches Bauhaus gegen ein imaginäres Bauhaus«, die Jorn nach der Auflösung von COBRA gemeinsam mit Pierre Alechinsky, Karel Appel, Enrico Baj, Anders Österlin und dem Deutschen K.O. Götz 1953 gegründet hatte, entstand 1957 in Zusammenarbeit mit Guy-Ernest Debord die »Situationistische Internationale«. »Fin de Copenhague«, Jorns und Debords Kritik am zunehmenden Kunstkonsum, entstand unmittelbar vor deren Gründung. Sowohl dieses Buchobjekt wie auch die folgenden »Mémoires«, die in Schleifpapier gröberer Körnung gebunden wurden, zählen zu den frühesten Dokumenten der Bewegung. Während der folgenden Jahre hatte die Gruppierung linker europäischer Intellektueller und Künstler auch großen Einfluss auf Popkultur und Fluxus. – Sehr gut erhalten.

25,4 : 17,4 cm. [36] Seiten.

ChristianHesse