47  Werner Gilles. Tropische Vegetation.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 2500

Öl auf Leinwand. 1928. 40,0 : 54,5 cm. Signiert.

Entstanden wohl während einer längeren Reise durch Frankreich mit anschließendem Malaufenthalt an der Côte d’Azur. – »›Es wird vieles ruhiger und selbstverständlicher in mir, Wolken und Bäume schließen sich langsam auf […] ein Maßstab wächst in mir für das Kreatürliche und Sinne entstehen neu, um das Menschliche wieder zu stillen, um das Wachstum zu ermöglichen‹ […] In dieser glücklichen Stimmung ist das kleine Ölgemälde ›Tropische Vegetation‹ entstanden, das in seinen leuchtenden Farben und temperamentvollen Pinselzügen vielleicht Erinnerungen an in Paris gesehene Bilder lebender Franzosen, etwa von Raoul Dufy, nachklingen läßt, wenn auch der Duktus von Gilles ganz selbständig bleibt« (Alfred Hentzen). – Unten rechts signiert, verso handschriftlich bezeichnet »Tropische Vegetation« und datiert »1928«. Ausstellung: Kölnischer Kunstverein 1964). – Literatur: Alfred Hentzen, Werner Gilles, S. 46 und farbige Abbildung auf Tafel 29. – Provenienz: Vom Vorbesitzer 1966 durch Vermittlung und mit Echtheitsbestätigung von Walter Hummelsheim aus dem Nachlass des Künstlers erworben. – Werner Gilles (1894–1961) war unter anderem Bauhausschüler bei Lyonel Feininger. Nach seiner ersten Italienreise kehrte er nochmals ans Bauhaus zurück, 1923 verließ er Weimar und reiste wieder nach Italien, Frankreich und mehrfach ins Rheinland, nach Berlin, an die Ostsee und nach Norwegen. »Seine Bildvorstellungen wurzeln in Landschafts-Eindrücken, nicht nur in den eigentlichen Landschaften, die einen breiten Raum in seinem Werk einnehmen, sondern auch in den figürlichen Kompositionen, in denen mythische und dichterische Vorstellungen neue Wirklichkeit gewinnen.« 1936 lernte er auf Ischia Eduard Bargheer, in Berlin Werner Heldt kennen, mit beiden blieb er eng befreundet. Sein künstlerisches Werk »ist in hohem Maße zugleich musikalisch und dichterisch, und zwar nicht nur durch seine Themen, sondern durch die Form und den reinen harmonischen Klang der Farbe. Gesehenes und Geträumtes verschmilzt ihm zu unlösbarer Einheit. Wie für einen archaischen Menschen sind die wirkenden Kräfte der Natur und des Schicksals für ihn Taten und Ausstrahlungen mythischer Gestalten, die ihm nicht nur Symbole, sondern Wirklichkeit sind. […]« (Alfred Hentzen, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 397). Die hier angebotenen Arbeiten von Werner Gilles wurden vom Vorbesitzer meist aus dem von Eberhard Seel verwalteten Nachlass des Künstlers erworben, wobei die dazu vorliegenden Dokumente die Vermittlungstätigkeit des Münchner Kunsthändlers Walter Hummelsheim belegen.

Montiert in Passepartout, dort am Oberrand Ausstellungs-Etikett.

ChristianHesse