623  Theodor Nöldeke. Neun eigenhändige Briefe und zwei eigenhändige Briefkarten, alle mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausrufpreis/Starting bid: € 1100

Zusammen 25 Seiten. 1898–1923.

Briefe des Straßburger Orientalisten Theodor Nöldeke (1836–1930) an den Gelehrten Immanuel Löw (1854–1944), der seit 1878 Rabbiner im ungarische Szeged war. Er erforschte und systematisierte die talmudische und rabbinische Lexikographie und vor allem die biblische Botanik. Während seiner Studien entstand der Kontakt zu Nöldeke, der sich mit semitischen Sprachen und der arabischen, persischen und syrischen Literatur befasste. – 20.9.1898: »Soeben bin ich damit fertig geworden, Ihre Verbesserungen in mein Exemplar des Payne Smith einzutragen«. – Die folgenden Briefe mit vielen Detailerörterungen zu Übersetzungen, Lesarten und Schreibweisen mit arabischen und hebräischen Zitaten. Nöldeke zitiert und kommentiert viele Publikationen ausführlich. – 1921 wurde Immanuel Löw wegen staatsfeindlicher Äußerungen zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt und verfasste dort sein bis heute gültiges Hauptwerk »Die Flora der Juden«. – 15.2.1921: »Endlich also wieder einmal von Ihnen ein Schreiben, wenn auch nicht von Ihrer eigenen Hand! Warum Sie nicht frei über sich verfügen können, ist mir vollkommen rätselhaft.« – Drei Monate später bedankte sich Nöldeke, der inzwischen wohl von der Inhaftierung erfahren hatte, für einen Artikel Löws in der »Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft der Juden«: »Besten Dank für Ihren ›Kuss‹! Dass Sie unter so trübseligen Verhältnissen solch eine Abhandlung fertig kriegten, so voll allseitiger Gelehrsamkeit und zugleich Zeugnis Ihres Geschmacks, macht Ihnen alle Ehre!« – Die letzte Karte schrieb Nöldeke am 19.6.1923, »unmittelbar vor der ungeheuren Erhöhung der Porti, die durch die von Allah zugelassenen Scheuslichkeiten mit so vielem anderen Elend notwendig geworden zu sein scheint«. Das Porto für eine Briefkarte betrug damals bereits 1.400 Mark. – Inhaltsreiche Briefe mit bedeutenden Überlegungen zu semitischen Sprachen und dem Verhältnis der abrahamitischen Religionen.

ChristianHesse