855  Einbände – Dunkelbrauner Maroquinband von Paul Kersten, Berlin,

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 900

mit farbigen Lederapplikationen und reicher Vergoldung. – Inhalt: [Claude Henri de Fusée] de Voisenon. Romans et contes. Tome premier [et] second. London 1775. Mit zwei gestochenen Frontispizen.

Sehr origineller und fein gearbeiteter Einband des berühmten Buchbindemeisters Paul Kersten (1865–1943). Er zählt zu den wichtigsten und besten Buchbindern des frühen 20. Jahrhunderts. Als Lehrer der Buchbinderklasse an der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg gab er sein Wissen und Können an später so namhaft gewordene Schüler wie Otto Dorfner weiter. Zusammen mit Carl Sonntag gründete er 1912 den Jakob-Krauße-Bund, eine Vereinigung der führenden Buchbinder der Zeit. Seine Streitlust, deren Opfer Kollegen, Sammler und Verleger vielfach wurden, führte 1923 zur Abspaltung einer neuen Vereinigung, den »Meistern der Einbandkunst«. – Beide Deckel mit Bordüren aus Punktlinien, Streicheisenfileten und Fleurons. Ebenso reich verzierte Kersten die Innenkanten, welche den bestickten Brokat umrahmen, der für Spiegel und Vorsatz verwendet wurde. Sechs Rückenfelder wurden mit Fileten gerahmt und mit Fleurons, Titeln und der Jahreszahl »1775« gefüllt. – Auf den Deckeln als farbige Lederintarsie je eine Vignette, die das berühmte Henne-Ei-Problem verbildlichen. – Die erotischen Erzählungen Voisenons erschienen erstmals 1767, der Nachdruck im Todesjahr. – Sehr gut erhalten.

13,3 : 9,5 cm. 238; 236 Seiten. – 2 Seiten mit leichtem Fleck, eine Blattecke restauriert.

ChristianHesse