1  [Fritz Heinsheimer]. Ein Längsschnitt durch den deutschen Kunstbetrieb.

€ 400

Graphisch dargestellt unter Mitwirkung zahlreicher Gelehrter, aller einschlägigen Fachverbände und Behörden. Herausgegeben vom Forschungsinstitut für bildende Kunst. Berlin 1931. Mit 23 blattgroßen Radierungen. Originalbroschur mit Deckelschild.

In kleinster Auflage im Eigenverlag erschienen. Der Druckvermerk zählt nur zehn Exemplare »für die Mitglieder der Völkerbundskommission für internationale Kunstfragen in Genf« – da dieses Gremium eine Phantasie des Herausgebers war, darf auch die genannte Auflagenhöhe bezweifelt werden. Wir konnten allerdings außer einem Vergleichsexemplar mit Widmung Heinsheimers kein weiteres im Handel oder via Worldcat nachweisen. – Das Widmungsexemplar (Auktion Berlin 2010) dient hier der Zuschreibung: Radierungen, Einleitung und Zwischentitel stammen demnach von Fritz Heinsheimer (1897–1958). Der Meisterschüler von Max Slevogt erhielt wegen seiner jüdischen Abstammung 1933 Berufsverbot, 1936 folgte der Ausschluss aus der Reichskunstkammer und 1939 das Malverbot. Befreundet mit verschiedenen Regimegegnern fanden in Heinsheimers Berliner Atelier mehrere Treffen von Widerstandsgruppen statt. 1942 konnte er nach Frankreich fliehen, wo er unter dem falschem Namen Ferdinand Husser lebte. In diesen Jahren entstand eine langjährige Freundschaft zu Ernst Jünger. – In seinem satirischen Bilderbogen karikiert Heinsheimer Aspekte und Auswüchse der bildenden Kunst und des Kunsthandels. So spottet er über Dürer, Secession, Brücke (»keiner kommt ins Museum außer uns«), Kunstverleger, Restauratoren, bestechliche Experten und Auktionshysterie.

26 : 31 cm. [76] Seiten. – Umschlag mit leichtem Eckknick, Deckelschild mit Randausriss. – Vorblätter minimal stockfleckig.

2  Albrecht Dürer. Der Heilige Hieronymus in der Felsgrotte.

€ 1000

Holzschnitt. 1512. 17,0 : 12,6 cm.

Abdruck um 1600. – Ohne die Jahreszahl und rückseitig ohne Text. – Mit der bei Meder beschriebenen Horizontlücke zwischen Schiff und Kreuz. – Auf Bütten ohne Wasserzeichen. – Rückseitig unkenntlicher Sammlerstempel und Bleistiftanmerkungen, unter anderem »Duplicate«. – Aus dem Nachlass des Buchhistorikers Hans-Joachim Koppitz, Mainz.

Hinterlegte Ausdünnung am rechten Rand, linker Rand hinterlegt, dadurch recto schwache Bräunungen. – Rückseitig Anheftungsreste.

Meder 229 2 b (von c). – Bartsch 113

3  Albrecht Dürer. Der Apostel Paulus.

€ 2500

Kupferstich. 1514. 11,6 : 7,3 cm.

Schöner klarer Druck in Schwarz. – Mit dem schwach sichtbaren vertikalen Kratzer über der Mauer. – Auf Bütten. – Rückseitig mit dem eigenhändigen Besitzvermerk »P. Mariette 1669« ((vgl. Lugt 1787–1790). Pierre Mariette erbte 1657 die ohnehin schon bedeutende Sammlung seines gleichnamigen Vaters und erweiterte diese um zahllose hervorragende Drucke. – Aus dem Nachlass des Buchhistorikers Hans-Joachim Koppitz, Mainz.

Bis in die Einfassungslinie beschnitten. Rechter Rand unbedeutend schwach gebräunt. Mariettes Besitzvermerk etwas durchschlagend.

Meder 47 2 b (von d). – Bartsch 50

4  Michelangelo – Giorgio Mantovano Ghisi. Il Giudizio Universale.

€ 300

Zehn Kupferstiche nach Michelangelos Gemälde. Mitte 1540er Jahre/1650. 45 : 63 cm.

Vollständige Folge der zehn Szenen aus Michelangelos 1536–1541 entstandenem Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle. – Die detailreich gestochenen Darstellungen Ghisis (1520–1582) entstanden kurz nach Fertigstellung des Gemäldes. Zusammengesetzt ergäben Sie eine Größe von etwa 120 : 100 cm. – Blatt L mit Adresse des Verlegers J. J. de Rubeis, Blatt I mit der Widmungskartusche und nach Löschung der Datierung »Cenci 1650«. – Jeweils der letzte bei Lewis verzeichnete Zustand, jedoch noch vor Schattierung einiger heikler Partien der nackten Figuren. – Auf Bütten. – Ergänzt werden sie in der vorliegenden Ausgabe durch eine Gesamtdarstellung des Freskos, gestochen von Sebastian Fulcaro, Kupferstecher in Rom um 1612–1640, mit Adresse Gio. Iacomo Rossi, und einem Porträt Michael Angelus Bonarota, monogrammiert »GMF«. Diese beiden Stiche finden sich zusammen auf dem ersten der insgesamt elf Blätter.

. – Einband beschädigt und fleckig, Bindung stark gelockert. – Besonders die Ränder etwas fleckig und gebräunt, kleinere Randeinrisse und Stauchspuren, einige Bleistiftanmerkungen.

Lewis, Ghisi 9

5  Jacques Callot. De Droeve Ellendigheden van den Oorloogh.

€ 300

Seer aerdigh en konstigh afgebeelt […] en in druck vytgegeven door Gerret van Schagen. Amsterdam, Leonard Schenk ohne Jahr. 18 Radierungen von van Schangen nach Callot. Halblederband der Zeit.

Spätere Ausgabe, wohl Mitte des 18. Jahrhunderts. – Die Radierungen auf Velin. Vorlage war Jacques Callots berühmte Folge »The Miseries and Misfortunes of War«, die wiederum Goya zu seinen »Desastres« angeregte.

Plattengröße 9,2 : 19,2 cm, Blattgröße 14,3 : 23,5 cm. – Teils stärkere Altersspuren, Einband abgegriffen und berieben. – Ränder etwas fleckig.

Vgl. Meaume 564-581. – Hollstein (van Schagen) 8-25

6  Giovanni Battista Piranesi. Piramide di C. Cestio.

€ 600

Radierung. 1756. 39,0 : 53,3 cm (55,0 : 79,0 cm).

Ansicht des berühmten pyramidenförmigen Grabmals des römischen Prätors Gaius Cestius Epulo. Piranesi dokumentiert den Zustand nach der ersten Restaurierung im 17. Jahrhundert: Damals waren mehrere Meter Erdreich abgetragen worden, um die Pyramidenbasis freizulegen, wobei auch zwei Säulen wiederentdeckt wurden. Die neueste Sanierung erfolgte 2012–2015. Im Mittelalter als Grab des Remus bezeichnet, fehlt das entsprechende Gegenstück, das Grab des Romulus, seit mehr als 500 Jahren. Diese zweite Pyramide wurde um 1500 für eine Zugangsstraße zum Vatikan abgerissen, ihr Marmor in der Engelsburg verbaut. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Schöner kräftiger Abdruck des ersten Zustands, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas fleckig, unten links geknittert.

Hind 36 I (von III). – Focillon 745

7  Giovanni Battista Piranesi. Veduta […] Templi de Sole, e della Luna, o d’ Iside e Serapide.

€ 400

Radierung. 1759. 41,0 : 55,0 cm (55,0 : 78,8 cm).

Tempel der Venus und der Roma, von Piranesi als Tempio de Sol e Luna benannt. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Abdruck des vierten Zustands, nach Überarbeitungen, Änderung des Titels, Löschung des Preises, aber noch vor der Nummerierung.

Etwas stockfleckig und gewellt.

Hind 50 IV (von VI). – Focillon 812

8  Giovanni Battista Piranesi. Veduta interna della villa di Mecenate.

€ 600

Radierung. 1764. 47,5 : 62,0 cm (55,0 : 79,0 cm).

Villa von Maecenas, Innenansicht. – Die figürliche Staffage der großartigen und beeindruckenden Innenansicht vermittelt eindrücklich die Rezeption der altehrwürdig verfallenen Bauten des alten Roms im 18. Jahrhundert. Die prachtvolle Ruine in Tivoli, über einem kleinen Seitenarm des Anio gelegen, war das Ziel vieler Italien-Reisender. 1796 wurde sie für ein Bauvorhaben des römischen Hofes zerstört. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Prächtiger Druck des zweiten Zustandes, nach den Überarbeitungen aber noch vor der Nummerierung.

Ränder, besonders der obere, stockfleckig, so auch in der Darstellung, dort aber nicht störend. – Oberrand mit drei winzigen Einrissen.

Hind 73 II (von IV). – Focillon 769

9  Giovanni Battista Piranesi. Rovine delle Terme Antoniniane.

€ 600

Radierung. 1765. 44,5 : 69,5 cm (55 : 79 cm).

Bäder von Caracalla. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas stockfleckig.

Hind 76 I (von III). – Focillon 852

10  Giovanni Battista Piranesi. Avanzi Del Tempio del Dio Canopo nella Villa Adriana in Tivoli.

€ 600

Radierung. 1768. 45,5 : 58,5 cm (55,0 : 78,5 cm).

Hadrians Villa, Canopus. – Großartige Ansicht der Ruine, kräftiger Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Zweiter Zustand, mit den Überarbeitungen aber noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas braunfleckig, Unterrand mit hinterlegtem Einriss bis an den Plattenrand. – Rechte Ecke (außerhalb der Darstellung) geknickt.

Hind 90 II (von IV). – Focillon 844

11  Giovanni Battista Piranesi. Avanzi di una Sala appartemente al Castro Pretorio nella Villa Adriana in Tivoli.

€ 400

Radierung. 1774. 44,0 : 57,0 cm (55 : 79 cm).

Hadrians Villa, Apsis der »Halle der Philosophen«. – Kräftiger Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas braunfleckig, links größerer Einriss. – Zwei vertikale Quetschfalten.

Hind 112 I (von III). – Focillon 831

12  Giovanni Battista Piranesi. Interno de Tempio d.o di Canopo nella Villa Adriana.

€ 600

Radierung. 1776. 45,5 : 58,5 cm (55,0 : 78,5 cm).

Hadrians Villa, Canopus, Innenansicht. – Eindrucksvolle Ansicht des Inneren der Ruine, kräftiger Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas braunfleckig, Unterrand mit hinterlegtem Einriss bis an den Plattenrand. – Rechte Ecke (außerhalb der Darstellung) geknickt.

Hind 131 I (von III). – Focillon 845

13  Giovanni Battista Piranesi. Veduta di un Eliocamio per abitarvi l’ Inverno […]

€ 400

Radierung. 1777. 42,5 : 60,5 cm (55,0 : 78,5 cm).

Hadrians Villa, Sonnenkamin. – Eindrucksvolle Innenansicht des Raumes, der im Winter durch Sonnenlicht beheizt werden konnte. – Mit reicher figürlicher Staffage. – Schöner Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas braunfleckig.

Hind 133 I (von III). – Focillon 847

14  Giovanni Battista Piranesi. Dieta, o sia Luogo […] nella Villa Adriana.

€ 450

Radierung. 1777. 45,0 : 58,0 cm (55,0 : 78,5 cm).

Hadrians Villa, Halle der Academia. – Düster-eindrucksvolle Innenansicht, mit gekonnten Licht-Schatten-Effekten. – Mit figürlicher Staffage. – Schöner Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas stockfleckig, unten mit zwei hinterlegten Einrissen bis an den Plattenrand. – Obere rechte Ecke geknittert.

Hind 134 I (von III). – Focillon 848

15  Giovanni Battista Piranesi. Vedute di Roma.

€ 1000

Daraus sechs Radierungen. 1748–1768/86?

Alle aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Titelblatt, Frontispiz mit der Minerva-Statue sowie drei Ansichten: Veduta interna del Sepolcro di S. Costanza […] 1756. – Veduta interna del Pronao del Panteon. 1769. – Veduta interna del Panteon volgarmente detto la Rotonda. 1786. – Beigabe: Radierung (untere Hälfte des Inhaltsverzeichnisses mit Plan der Stadt Rom und der Widmung an Papst Clemens XIII.).

Meist stockfleckig und etwas gebräunt, einige schwache Quetschfalten.

Hind 1 IV (von V), 2 V (von VII), 37 IV (von VI), 82 I (von III), 136 I (von III)

16  Francisco de Goya y Lucientes. Los caprichos.

€ 4500

80 Radierungen mit Aquatinta, Kaltnadel und Stichel. 1799. Ca. 20 : 15 cm (31,5 : 23,0 cm)

Ohne den Drucktitel, sonst vollständig. – Wohl die 9. Auflage (um 1910, 180 Exemplare): Auf festem, leicht gelblichem Velin ohne Wasserzeichen, Druck in Braunschwarz. Mit den bei Harris ab der sechsten Auflage beschriebenen Kratzern auf den Platten 19 und 66. Die auf Fälze montierten Radierungen wurden vor der Bindung umlaufend etwas beschnitten. – Dunkelblauer Ecrasélederband mit goldgeprägtem Deckeltitel und Monogramm »HW«, Innendeckel mit Exlibris »Hedwig E. Michels«. – Die bekannteste Folge in Goyas druckgraphischem Werk entstand nach einer Reihe von durchaus satirischen Zeichnungen aus den 1790er Jahren. Goya verspottet darin die Verkommenheit des Volkes, die Verlotterung des Hofes und der Aristokratie, die Verblödung von Mönchen und Pfaffen. Um sich vor der fast zwangsläufig drohenden Anklage durch die Inquisition zu schützen, übergab er die Druckplatten nach einer ersten Auflage von 1799 1803 dem spanischen König für dessen »Real Calcografia«. Erst mehr als 25 Jahre nach Goyas Tod erschien eine zweite Auflage.

Einband mit Schabstellen. – Ränder minimal gebräunt.

Harris 36–115, III. – Delteil 38–117

17  Francisco de Goya y Lucientes. Los desastres de la guerra.

€ 8000

Coleccion de ochenta láminas inventadas y grabadas al agua fuerte. 60 (der 80) Aquatintaradierungen. 1863. 24,2 : 32,5 cm.

Erste Ausgabe, nach Korrektur einiger Bildtitel gedruckt von der Real Academia de Nobles Artes de San Fernando Madrid. – 1863 erschienen 500 Exemplare, die in Lieferungen zu je zehn Radierungen in farbigen Umschlägen ausgegeben wurden. – Auf festem, leicht chamoisfarbenem Velin mit Wasserzeichen »J. G. O.«. – Gebunden in einen prachtvollen weinroten Kalblederband des 20. Jahrhunderts (signiert »Devauchelle«) mit reicher ornamentaler Gold- und Blindprägung. Dieser enthält die Radierungen der Lieferungen 1–5 und 7 (von insgesamt acht), das gestochene Titelblatt mit handschriftlichem Erscheinungsort und -jahr, das biographische Textblatt und die sechs Deckblätter der grünen Lieferungsumschläge. Vor dem Einbinden wurden die Radierungen in der Breite etwas beschnitten. – Die Suite entstand in den Jahren 1810–1814 unter dem Titel »Fatales consequencias de la sangriente guerra en Espana con Buonaparte« (Verhängnisvolle Folgen von Spaniens blutigem Krieg gegen Bonaparte). Sie gilt in ihrer apokalyptischen Darstellungsweise als die vollendetste Leistung des Künstlers auf dem Gebiet der Radierung. Der Künstler emigrierte 1823/24 nach Bordeaux. Von den in Spanien verbliebenen Druckplatten drucke die Königliche Kunstakademie erst 35 Jahre nach seinem Tod diese erste Auflage. – Im Gegensatz zu den eher bilanzierenden »Caprichos«, der Auseinandersetzung mit der Spätphase der höfischen Kultur in Madrid, sind Goyas »Desastres« ein anklagendes Plädoyer gegen Krieg und Vernichtung, gegen den damit einhergehenden Verlust der Menschlichkeit. – Schönes, wenn leider auch nicht ganz vollständiges Exemplar der seltenen und in ihrer Druckqualität unübertroffenen ersten Auflage.

Harris 121–170, 181–190, III 1.b. – Delteil 120–169 und 180–189

18  Francisco de Goya y Lucientes. Los desastres de la guerra.

€ 2000

80 Aquantintaradierungen. 1863/1903. 24 : 32 cm.

Dritte Auflage, eins von 100 Exemplaren. – Gedruckt in Dunkelbraun und Schwarz, auf Velin, ein Teil der Auflage wurde auf dünnem Bütten gedruckt. – Mit Titelblatt und dem biographischen Textblatt in einem Halbleinenband der Zeit. – Wegen des recht harten Papiers nicht in der Güte der ersten beiden Auflagen.

Deckelkanten beschabt, Ecken und Kapitale etwas bestoßen. – Ränder leicht gebräunt. Vorsatzblätter geknittert.

Harris 121–200 III.3. – Delteil 120–199

19  Francisco de Goya y Lucientes. Los Proverbios.

€ 1500

Colección de diez y ocho láminas inventadas y grabadas al agua fuerte. 18 Aquatintaradierungen in Sepia. 1930. 38 : 56 cm.

Achte Ausgabe von Goyas letzter großer Radierfolge, die erstmals 1864 erschienen war. – Gedruckt in der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando Madrid, auf leicht getöntem Bütten von Arrches mit dem Wasserzeichen der Real Academia. – Schönes Exemplar. – »Goya präsentiert uns in dieser Serie die Welt inhaltlich als Tollhaus und formal als Chaos von hellen und dunklen Massen, die in der Radierung künstlerisch gebändigt werden und Gestalt gewinnen. Aber die menschlichen Gestalten sind nicht selten entmenschlicht, Tiere und Monstren gewinnen Macht über sie, fressen sie auf, entführen sie. Diese Tollheiten, Torheiten und Absurditäten […] sind aber nicht nur die einer vergangenen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Sie sind bis heute in uns selbst, in den seelischen Abgründen menschlicher Natur, aus denen sie immer wieder hervorbrechen als Wünsche, Sehnsüchte, Hoffnungen, Grausamkeiten, Ängste und Gefühle« (Ewald Gäßler, Oldenburg 1990, Seite 160). – Dazu: Proverbios von Goya. 21 getreue Nachbildungen in Lichtdruck. Herausgegeben von Hugo Kehrer. München 1920. Mit vier Textblättern in Originalhalbpergamentband. Eins von 500 Exemplaren. Mit drei der vier in den ursprünglichen Auflagen nicht enthaltenen Radierungen von 1877. Einband etwas berieben, Gelenke angeplatzt.

Vorderumschlag mit kleiner Klebespur. – Blatt 11 mit kurzem Randeinriss.

Harris 248–265. – Delteil 202–219

20  Francisco de Goya y Lucientes. Tauromachie.

€ 500

Faksimileausgabe. 43 Heliogravüren. Herausgegeben von Dr. Heinrich Pallmann. München, Delphin 1911. Mit 43 Heliogravüren. Originalhalbpergamentband. Deckelsignet, Rückentitel und Kopfgoldschnitt vergoldet. Im Originalschuber.

Eins von 325 Exemplaren auf Holländisch Bütten (Gesamtauflage 400). – Einbandentwurf von Walter Tiemann. – Herstellung der Kupferplatten und Kupferdruck von der Graphischen Kunstanstalt J. B. Obernetter, München, Textdruck bei Poeschel & Trepte. – »Tauromachia« war nach »Caprichos« und »Los Desastres de la Guerra« der dritte und letzte zu Lebzeiten des Künstlers vollendete große Radierzyklus. – Die »Tauromachia«, zunächst als Illustration einer Geschichte des Stierkampfes von Don Nicolás Fernández gedacht, erweiterte Goya später, löste sich von der literarischen Vorlage und gab 1816 eine Folge von 33 Blättern heraus. »Zu den von Goya selbst numerierten Blättern treten in unserer Ausgabe 10 neue hinzu. 7 von ihnen hatte bereits der Pariser Kupferstecher und Händler Loicelet in der dritten Ausgabe veröffentlicht hatte, während die übrigen drei Blätter die Biblioteca nacional in Madrid und Dr. Hofmann in früheren Abdrucken besitzt. So finden sich hier zum ersten Male alle Radierungen Goyas, Stierkämpfe darstellend, in einer Ausgabe vereinigt.« (Nachwort). – Sehr schönes Exemplar.

37 : 51 cm. 2, Seiten, 43 Tafeln, [2], 10, [2] Seite.

21  Exlibris – Max Klinger. Radierungen zu Apulejus’ Märchen Amor und Psyche.

€ 400

Opus Va [und] Vb. München, Theo. Stroefer [1880]. 14 (von 15) Radierungen und 32 radierte Vignetten. Auf zusammen 23 Blättern, lose in den Originalhalbleinenmappen.

Suitenausgabe des großartigen Illustrationswerkes. – Klingers »graphische Blätter – besonders zu Apulejus’ ›Amor und Psyche‹ […] – haben mit ihrem symbolischen Gehalt und nicht zuletzt wegen ihrer damals modernen Auffassung und der ornamentierten Randleisten zu einem frühen Zeitpunkt starke Anregungen für die Kunsterneuerung gegeben, und dies nicht nur im deutschen Raum« (Alfred Langer). – Die Radierungen und die gruppierten Vignetten allesamt auf China gedruckt und auf weißen Karton aufgewalzt.

43 bzw. 46 : 32 cm (Mappenformat). – Es fehlt Blatt 10 (Psyche auf dem Felsen, Singer 73). – Mappe II lichtrandig. – Die Ränder etwas angestaubt und – bei Mappe 2 auch stärker – stockfleckig.

Vgl. Singer 64ff

22  Exlibris – Max Klinger. Aus Bode’s Bücherei.

€ 150

Kaltnadelradierung. 1894. 6,4 : 5,7 cm (8,8 : 6,6 cm, Platte; 26,5 : 18,5 cm, Papier). In der Platte monogrammiert und datiert.

Exlibris des Kunsthistorikers und Museumsdirektors Wilhelm von Bode (1845–1929). – Auf chamoisfarbenem Van Gelder-Bütten. – Abgedruckt bei O. Felsing, Berlin, von der Originalplatte für die »Beilage zur Ex libris-Zeitschrift«, Jahrgang 1897, Heft 1. – Rückseitig mit Sammler- oder Druckerstempel »SH« (?, nicht bei Lugt). – Aus dem Nachlass eines Druckers der Steglitzer Werkstatt. – Tadellos. – Dazu: Titelbild zu »Der neue Tannhäuser«. Radierung. 1885. 17,5 : 12,7 cm. Der endgültige Zustand, gedruckt auf China und aufgewalzt. Als Frontispiz in der 13. Auflage von Eduard Grisebachs erotischen Erzählungen. Am Unterrand typographisch signiert und mit der Verlegeradresse.

Singer 301 IV (von IV) und 285 IV (von IV). – Gutenberg-Museum 5504

23  Exlibris – Max Esterle. Ex libris Esterle.

€ 200

Farbige Lithographie. 1899. 8,3 : 7,0 cm (11,2 : 8,5 cm). Im Stein monogrammiert und datiert.

Das Eigenexlibris des Künstlers. – Abzug auf feinem Japan. – Max Esterle (1870–1947) studierte in Wien, Paris und München. Von 1910 bis 1913 war er Karikaturist für Ludwig von Fickers »Der Brenner« und arbeitete nach Fronteinsatz und Kriegsgefangenschaft an der Universität Innsbruck. Georg Trakl widmete dem Künstler, der auch ihm ein Exlibris zeichnete, das Gedicht »Winterdämmerung« (siehe KatNrn. 585 und 586). – Tadellos erhalten.

Nicht im Exlibris-Katalog Gutenberg-Museum.

24  Exlibris – Fernand Khnopff. On n’a que soi

€ 120

(französisch: Man gehört sich nur selbst). Lithographie. 1892. 8,0 : 5,9 cm (10,0 : 7,5 cm). Im Stein signiert und datiert.

Auf dünnem gelbem Japanpapier. – Fernand Khnopff (1858–1921) schuf neun Exlibris, davon zwei für seine eigene Bibliothek, wovon dieses das spätere ist. – Das Bildmotiv soll auch als Gemälde den Votiv-Altar in seinem 1900 erbauten Haus in Paris geschmückt haben. – Tadellos und sehr selten.

25  Exlibris – Melchior Lechter. Exlibris Bibliothek des Baurat Carl von Groszheim’schen Hauses.

€ 150

Zweifarbige Lithographie. 1897. 10,1 : 6,1 cm (10,7 : 6,6 cm). Im Stein monogrammiert und datiert.

Eine der frühesten graphischen Arbeiten Lechters, in dessen Œuvre Raub fünf Exlibris nachweisen konnte. – Blick durch ein gotisches Fenster auf eine Burg. Mit dem Sinnspruch »Aus dem Tiefsten muss das Hoechste zu seiner Hoehe kommen«. – Rückseitig mit Sammler- oder Druckerstempel »SH« (?, nicht bei Lugt). – Aus dem Nachlass eines Druckers der Steglitzer Werkstatt. – Tadellos.

Raub A 14

26  Exlibris – Franz Marc. Exlibris Franz Marc.

€ 200

Lithographie. 1904. 7,1 : 7,2 cm (10,0 : 9,2 cm).

Frühe graphische Arbeit Marcs, noch ganz gegenständlich und dem Jugendstil verhaftet. – Sicher das schönste unter den Exlibris’ des Künstlers. – Auf weißem Papier. – Rückseitig Monogramm- oder Druckerstempel »SH« (?). – Aus dem Nachlass eines Druckers der Steglitzer Werkstatt, wo Marc zumindest dieses (und das folgende) Exlibris drucken ließ. Die Druckerei wurde 1900 von Fritz Helmuth Ehmcke, Friedrich Wilhelm Kleukens und Georg Belwe gegründet. – Tadellos erhalten.

Gutenberg-Katalog 7025

27  Exlibris – Franz Marc. Ex libris Paul Marc.

€ 180

Lithographie. 7,0 : 5,5 cm (9,9 : 7,7 cm).

Die zweite Fassung des Exlibris für den Bruder des Künstlers, nun mit dem Sockel links unten. – Auf weißem Papier. – Rückseitig mit Sammler- oder Druckerstempel »SH« (?, nicht bei Lugt). – Aus dem Nachlass eines Druckers der Steglitzer Werkstatt. – Tadellos.

Gutenberg-Katalog 7026

28  Exlibris – Heinrich Vogeler. Ex libris Jenne Eggert.

€ 500

Radierung. 1923. 9,0 : 6,7 cm (12,7 : 10,0 cm). Signiert, in der Platte monogrammiert.

Schöner Abdruck in Graugrün auf starkem breitrandigem Japan. – Rückseitig mit Sammlerstempel Alfred Misch (Lugt 1816f). – Dazu: Heinrich Vogeler. Ex libris Gustav Borgmann. Radierung. 1911. 8,3 : 5,8 cm (12,2 : 9,2 cm). In der Platte monogrammiert. In Hellbraun, gedruckt auf Japan. – Rief 141. – Beide gerahmt.

Tadellos, in Museumsrahmung.

Rief 179

29  Eduard Bargheer. Inselfrühe.

€ 250

Radierung. 1967. 42,0 : 32,0 cm (51,0 . 40,0 cm). Signiert und datiert.

Exemplar H, eins von 15 für Künstler und Verleger (Gesamtauflage 250). – Auf Velin mit dem Trockenstempel der Edition. – In: Salvatore Quasimodo. Insel des Odysseus. Isola di Ulisse. Gedichte. Edition de Beauclair, Portfolio-Ausgaben mit Originalgraphik zeitgenössischer Meister, 3. – Mit dem Text auf grauem Kupferdruckkarton zusammen in Originalleinenmappe. – Tadellos.

Rosenbach 254. – Spindler 40.41

30  Heinz Battke. Hiddensee – Alt Bessin.

€ 450

Tuschfeder. 1931. 33 : 59 cm. Signiert und datiert »A31«.

Nach dem Werkkatalog entstanden im Sommer 1931 mehrere Zeichnung auf Hiddensee. – Auf Bütten. – »Was bleibt vom Werk Heinz Battkes? […] Eine Anzahl von Zeichnungen, die in der vielfältigen und hektischen Szene der Kunst nach 1945 ihren eigenen Platz beanspruchen dürfen. Gewiß, keinen Platz im Zentrum – die Hauptentwicklungslinien der modernen Kunst zielten in andere Richtungen als das Battkesche Œuvre. Und dennoch keinen unbedeutenden.« (Wieland Schmied, in: Cüppers, Werkkatalog, Hamburg 1970).

Stärker gebräunt, einige Partien in grauer Tusche stark durchschlagend.

Cüppers 39

31  Max Beckmann. Pierrot und Maske.

€ 200

Lithographie. 1920. 31,0 : 20,2 cm (32,3 : 24,2 cm).

Erschienen in Kurt Pfisters »Deutsche Graphiker der Gegenwart«.

Mit Bräunungsschatten.

Hofmaier 173 B b

33  Giorgio de Chirico. La partenza di Giasone.

€ 900

Farblithographie. 1966. 30,5 : 45,5 cm. Signiert.

Späte Lithographie, angelehnt an das Motiv des Gemäldes »Aufbruch der Argonauten« von 1920. – Auch im Stein signiert. – »In den Bildern Chiricos erscheint alles in sein Gegenteil verkehrt. Wir finden nicht, was wir in ihnen suchen. […] Die Piazza wird zum Ort, an dem sich die Unmöglichkeit von Kommunikation erweist. Die scheinbar vertraute Perspektive der Renaissance schlägt um in Irritation. Die Fassaden verbergen Architekturen, in denen nicht mehr gewohnt wird. Oft sind die Schatten mächtiger als die Objekte. Der Horizont ist verstellt. […] Kein bildnerisches Werk artikuliert wie das Chiricos die »conditio humana« zu Anfang dieses Jahrhunderts. Die immer wieder beschworenen Empfindungen einer Epoche, Angst und Unsicherheit, Isolation und Entfremdung, Vorahnung und Verhängnis sind hier in knappsten Chiffren und halluzinatorischer Nüchternheit ausgedrückt.« (Wieland Schmied, Die Zeit, Dezember 1978).

Nicht außerhalb des Rahmens begutachtet.

34  Salvador Dali. Infra-terrestres … croyait insecte.

€ 300 ( R19 )

Radierung auf Farblithographie. 1974. 74,5 : 55,0 cm (85,7 : 61,0 cm).

Probeabzug der Farblithographie aus der Folge »La conquète du cosmos« (Die Eroberung des Kosmos).

Michler/Löpsinger 649

35  Salvador Dali. Arrugas de espermatozoides melancólicos.

€ 400 ( R19 )

Radierung mit Pochoirkolorierung. 1977. 23,0 : 17,5 cm (44,5 : 31,5 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 20/200. – Blatt 15 aus der Folge »Les Caprices d’après Goya«. – Auf Bütten »BFK Rives«.

Michler/Löpsinger 862

36  Salvador Dali. Espeluznante columna concreta.

€ 400 ( R19 )

Radierung mit Pochoirkolorierung. 1977. 23,0 : 17,5 cm (44,5 : 31,5 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 20/200. – Blatt 17 aus der Folge »Les Caprices d’après Goya«. – Auf Bütten »BFK Rives«.

Michler/Löpsinger 864

37  Salvador Dali. Les rinden las máquinas fosfénicas.

€ 400 ( R19 )

Radierung mit Pochoirkolorierung. 1977. 23,0 : 17,5 cm (44,5 : 31,5 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 20/200. – Blatt 34 aus der Folge »Les Caprices d’après Goya«. – Auf Bütten »BFK Rives«.

Michler/Löpsinger 881

38  Salvador Dali. Bon jour.

€ 400 ( R19 )

Radierung mit Pochoirkolorierung. 1977. 23,0 : 17,5 cm (44,5 : 31,5 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 20/200. – Blatt 36 aus der Folge »Les Caprices d’après Goya«. – Auf Bütten »BFK Rives«.

Michler/Löpsinger 883

39  Salvador Dali. No.

€ 400 ( R19 )

Radierung mit Pochoirkolorierung. 1977. 23,0 : 17,5 cm (44,5 : 31,5 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 20/200. – Blatt 38 aus der Folge »Les Caprices d’après Goya«. – Auf Bütten »BFK Rives«.

Michler/Löpsinger 885

40  Salvador Dali. De hibernación.

€ 400 ( R19 )

Radierung mit Pochoirkolorierung. 1977. 23,0 : 17,5 cm (44,5 : 31,5 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 20/200. – Blatt 40 aus der Folge »Les Caprices d’après Goya«. – Auf Bütten »BFK Rives«.

Michler/Löpsinger 887

41  Salvador Dali. Torcuato de Tarso.

€ 400 ( R19 )

Radierung mit Pochoirkolorierung. 1977. 23,0 : 17,5 cm (44,5 : 31,5 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 20/200. – Blatt 77 aus der Folge »Les Caprices d’après Goya«. – Auf Bütten »BFK Rives«.

Michler/Löpsinger 924

42  Otto Dix. Selbstporträt

€ 900

(von vorn, vor dunklem Hintergrund). Lithographie. 1964. 40,8 : 29,6 cm (54,5 : 42,7 cm).

Unsignierter Probedruck vor der Auflage von 46 Exemplaren. – Auf weißem Bütten. – Gedruckt von Roland Ehrhardt, Dresden, und aus dessen Besitz. – Sehr gut erhalten. – Mit Expertise von Florian Karsch.

Ober- und Unterrand je etwa 3 cm beschnitten, dadurch die rückseitige Widmung nicht mehr zuschreibbar.

Karsch 300

43  Max Ernst. Rosier millénaire. – Nain en courte chemise.

€ 600

Zwei Lithographien. 1973. Ca. 17 : 10 cm (38,5 : 28,5 cm). Signiert

Je eins von 15 Exemplaren. – Die beiden Lithographien zu »Max Ernst, 24 Frottagen«, erschienen 1973 bei Hans Bolliger, Zürich. Neben den Drucken für die Vorzugsausgabe wurden je 15 Exemplare in Schwarz, Blau, Rot und Ocker auf breitrandiges »Japon nacré« gedruckt. – Tadellos erhalten.

Spies/Leppien 246 I/II E (von H)

44  Paul Gangolf. Koksende Hure.

€ 500 ( R19 )

Lithographie. 1926. 31 : 25 cm (40,8 : 30,8 cm). Signiert.

Je eins von 100 Exemplaren. – Auf Bütten. – Blatt 7 aus »Die Schaffenden«, V. Jahrgang, Mappe 2, 1926. – Dazu: Vier weitere Graphiken von Paul Gangolf. – I. Löwen. Lithographie. 1926. – II. Tom Mix. Radierung. 1928. – III. Marseille. Holzschnitt. Um 1929. – IV. Hyde-Park Reiter. Radierung. 1930. Je ca. 41 : 31 cm (Blattformat). Alle signiert. – Alle aus »Die Schaffenden«. – Paul Gangolf (eigentlich Paul Loewy, 1879–1939) stand stilistisch George Grosz sehr nahe, 1922 erschienen im Berliner Malik-Verlag seine Lithographien zu »Metropolis«. Als »entarteter« Künstler, Kommunist und Homosexueller verfolgt, emigrierte er nach zeitweiser Haftzeit in einem Konzentrationslager nach Portugal und wurde 1939 bei dem Versuch, illegal nach Deutschland zurückzukehren, an der Grenze erschossen.

Ränder schwach gebräunt und mit kleinen Knittern.

Söhn HDOG 72718-7 und 72718-6, 727120-6, 72722-1, 72724-4 (Beigaben)

45  Willi Geiger. Paar mit Tier.

€ 120

Lithographie. 1917. 23,0 : 17,2 cm (38,0 : 27,0 cm). Signiert, im Stein monogrammiert und datiert.

Auf Japan. – Aus der Vorzugsausgabe der Zeitschrift »Marsyas« (Heft 3), somit wohl eins von 35 Exemplaren.

Oberrand mit Anheftungsspuren.

Söhn HDOG 13803-14

46  Willi Geiger. Dostojewski: Das junge Weib.

€ 1200

12 Radierungen. 1922. 17,7 : 13,7 cm (32,0 : 25,3 cm). Alle signiert, datiert und bezeichnet.

Vollständige Folge der zwölf Radierungen, darunter das Titelblatt mit großer Vignette und radiertem Text nach Geigers Handschrift. – Auf Velin »Van Gelder Zonen«. – Alle bezeichnet mit »2. Pr[obe] Dr[uck] A« und dem jeweiligen Zustand (hier 1.–4.), alle signiert und datiert »1922«. – Die endgültige Auflage für das Buch wurde bei H. Wetteroth, München, gedruckt. Das Buch erschien in einer Auflage von 200 Exemplaren im Leipziger Seemann Verlag. – Kräftige Abdrucke mit schönem Plattenton.

Katalog Lindenau-Museum 791–802

47  Werner Gilles. Tropische Vegetation.

€ 2500

Öl auf Leinwand. 1928. 40,0 : 54,5 cm. Signiert.

Entstanden wohl während einer längeren Reise durch Frankreich mit anschließendem Malaufenthalt an der Côte d’Azur. – »›Es wird vieles ruhiger und selbstverständlicher in mir, Wolken und Bäume schließen sich langsam auf […] ein Maßstab wächst in mir für das Kreatürliche und Sinne entstehen neu, um das Menschliche wieder zu stillen, um das Wachstum zu ermöglichen‹ […] In dieser glücklichen Stimmung ist das kleine Ölgemälde ›Tropische Vegetation‹ entstanden, das in seinen leuchtenden Farben und temperamentvollen Pinselzügen vielleicht Erinnerungen an in Paris gesehene Bilder lebender Franzosen, etwa von Raoul Dufy, nachklingen läßt, wenn auch der Duktus von Gilles ganz selbständig bleibt« (Alfred Hentzen). – Unten rechts signiert, verso handschriftlich bezeichnet »Tropische Vegetation« und datiert »1928«. Ausstellung: Kölnischer Kunstverein 1964). – Literatur: Alfred Hentzen, Werner Gilles, S. 46 und farbige Abbildung auf Tafel 29. – Provenienz: Vom Vorbesitzer 1966 durch Vermittlung und mit Echtheitsbestätigung von Walter Hummelsheim aus dem Nachlass des Künstlers erworben. – Werner Gilles (1894–1961) war unter anderem Bauhausschüler bei Lyonel Feininger. Nach seiner ersten Italienreise kehrte er nochmals ans Bauhaus zurück, 1923 verließ er Weimar und reiste wieder nach Italien, Frankreich und mehrfach ins Rheinland, nach Berlin, an die Ostsee und nach Norwegen. »Seine Bildvorstellungen wurzeln in Landschafts-Eindrücken, nicht nur in den eigentlichen Landschaften, die einen breiten Raum in seinem Werk einnehmen, sondern auch in den figürlichen Kompositionen, in denen mythische und dichterische Vorstellungen neue Wirklichkeit gewinnen.« 1936 lernte er auf Ischia Eduard Bargheer, in Berlin Werner Heldt kennen, mit beiden blieb er eng befreundet. Sein künstlerisches Werk »ist in hohem Maße zugleich musikalisch und dichterisch, und zwar nicht nur durch seine Themen, sondern durch die Form und den reinen harmonischen Klang der Farbe. Gesehenes und Geträumtes verschmilzt ihm zu unlösbarer Einheit. Wie für einen archaischen Menschen sind die wirkenden Kräfte der Natur und des Schicksals für ihn Taten und Ausstrahlungen mythischer Gestalten, die ihm nicht nur Symbole, sondern Wirklichkeit sind. […]« (Alfred Hentzen, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 397). Die hier angebotenen Arbeiten von Werner Gilles wurden vom Vorbesitzer meist aus dem von Eberhard Seel verwalteten Nachlass des Künstlers erworben, wobei die dazu vorliegenden Dokumente die Vermittlungstätigkeit des Münchner Kunsthändlers Walter Hummelsheim belegen.

Montiert in Passepartout, dort am Oberrand Ausstellungs-Etikett.

48  Werner Gilles. Forio d’Ischia.

€ 1000

Aquarell. 1938. 48,5 : 62,0 cm. Signiert und datiert.

Rückseitig mit eigenhändiger Widmung »Zur frdl. Erinnerung an Ischia Januar – Feb. 1939 WGilles«. – Vom Vorbesitzer durch Vermittlung und mit Echtheitsbestätigung von Walter Hummelsheim aus dem Nachlass des Künstlers erworben.

Am Unterrand winziger Einriss. – Unter Passepartout montiert. – Gerahmt.

49  Werner Gilles. Schwarzenbach.

€ 1000

Aquarell. 1946. 31,5 : 41,5 cm. Signiert.

Vom Vorbesitzer 1965 durch Vermittlung und mit Echtheitsbestätigung von Walter Hummelsheim aus dem Nachlass des Künstlers erworben.

Umlaufend fest in Passepartout montiert.

50  Werner Gilles. Salome tanzt vor Herodes.

€ 700

Farbige Kreide und Tuschpinsel. 1949. 27,0 : 38,0 cm (29,3 : 40,0 cm).

Rückseitig mit dem Stempel »Nachlaß Werner Gilles«. – Vom Vorbesitzer 1966 durch Vermittlung und mit Echtheitsbestätigung von Walter Hummelsheim aus dem Nachlass des Künstlers erworben.

Größerer Einriss unten rechts rückseitig mit Klebeband hinterlegt. Verso Montierungsreste am oberen Blattrand.

51  Werner Gilles. Ophelia.

€ 300

Farbige Lithographie. 1947. 39,0 : 52,0 cm (48,0 : 61,0 cm). Signiert, datiert, betitelt und mit »Orig.Litho« bezeichnet.

Vom Vorbesitzer durch Vermittlung und mit Echtheitsbestätigung von Walter Hummelsheim aus dem Nachlass des Künstlers erworben.

Im Passepartoutausschnitt schwach gebräunt, in den Rändern wenige, kaum sichtbare Stockflecken. Verso Montierungsreste am Oberrand, davon herrührend schwache Knicke.

ChristianHesse