801  Robert Ryman Prints 1969–1993.

€ 750

Introduction and catalogue by Amy Baker Sandback. New York, Parasol Press 1993. Mit fünf farbigen Aquatintaradierungen. Lose Blätter in Originalleinenkassette.

Eins von 250 Exemplaren. – Bibliophiles Werkverzeichnis des amerikanischen Künstlers. Robert Ryman, geboren 1930, beschäftigt sich in seinen analytischen Malereien mit der Farbe »Weiß«. – Die hier beigelegten Radierungen sind Teilschnitte von größeren Formaten (»originial etching elements«). – Auf unterschiedlichen teils geprägten Papieren und Folien gedruckt. – Tadellos erhalten.

36,5 : 36,5 cm. [4], 32 Blätter, 5 Radierungen.

802  Nelly Sachs. Der magische Tänzer.

€ 200

Versuch eines Ausbruchs. Für zwei Menschen und zwei Marionetten. In: Hortulus 41. Illustrierte Zweimonatsschrift für neue Dichtung. Herausgegeben von Hans Rudolf Hilty. Jahrgang IX, Heft 5. St. Gallen, Tschudy 1959. Mit einer beigelegten Farbtafel und einigen Textillustrationen. Illustrierte Originalbroschur.

Erstdruck. – Mit eigenhändiger Widmung »Für Seherin mit der Seele gleiches suchend! Nelly, 30.II.59«. – Das Heft enthält auch »Ein Wort für Nelly Sachs« als Einleitung des Herausgebers sowie Beiträge von Gabriele Wohmann, Peter Hamm u. v. a. – Dazu: Nelly Sachs. Sternverdunkelung. Gedichte. Stockholm, Bermann-Fischer 1949. Originalpappband. Erste Ausgabe der zweiten lyrischen Buchveröffentlichung. – Nelly Sachs war 1940, ihrem Abtransport in ein Vernichtungslager im letzten Moment entgehend, nach Stockholm geflohen. Dort entwickelte sie als Übersetzerin einen eigenen lyrischen Stil. Sie gilt als die erste Dichterin, die die »Schornsteine von Auschwitz« zum Inhalt einer Dichtung machte. Nach jahrelanger Nichtbeachtung in Westdeutschland erhielt sie 1966 den Nobelpreis für Literatur.

20,9 : 14,7 cm. Seiten 138–145. – 22,8 : 14,4 cm. 82, [2] Seiten. – Rücken leicht gebräunt, minimal berieben.

Kersten 18 und 3

803  Antonio Saura – [Francisco de] Quevedo. Trois Visions.

€ 750

Paris und Genf, Yves Rivière 1971. Mit 42 Lithographien von Antonio Saura, teils blatt- und doppelblattgroß, davon eine signiert. Lose Doppelbogen in Originalumschlag und -chemise. Zusammen im schuber.

Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 140). – Gedruckt auf Velin d’Arches. – Antonio Saura (1930–1998) bleibt aufgrund seines ganz eigenen Stils zeitlebens unabhängig von allen künstlerischen Bewegungen und Tendenzen seiner Generation. Ab 1959 entstand ein umfangreiches Œuvre grafischer Arbeiten, darunter Illustrationen zu Cervantes’ »Don Quixote«, Orwells »1984«, »Pinocchio«, Kafkas Tagebüchern und zahlreichen anderen Texten.

38,3 : 29,0 cm. [152] Seiten.

Galfetti 87–128. – Nicht bei Monod

804  Antonio Saura – Franz Kafka. Tagebücher.

€ 300

Gelesen von Antonio Saura. Stuttgart, manus presse 1988. Mit 69 Lithographien, teils blatt- und doppelblattgroß. Lose Doppelbogen in Originalleinenchemise mit geprägten Titeln und im Originalleinenschuber.

Eins von 360 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – »Antonio Saura zählt zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. … Nach einem intensiven Studium der Texte Kafkas realisierte Saura eine Folge von fast 70 Lithografien, in denen er sich als kongenialer Gestalter der Welt Kafkas entpuppt.« (Edition manus resse).

32,3 : 24,8 cm. 79, [9] Seiten.

Nicht mehr bei Galfetti

805  Paul Scheerbart. Jenseits-Galerie.

€ 800

Berlin, Oesterheld 1907. Zehn Strichätzungen nach Zeichnungen. Mit einem Doppelblatt lose in roter Originalleinenmappe mit grüngeprägtem Titel.

Erste Ausgabe. – Auf dem Titelblatt von Scheerbart in roter Tinte nummeriert »No. 113« und signiert. – Aus Scheerbarts »wissenschaftlicher« Einleitung: »Die zehn vorliegenden Zeichnungen sind Nachbildungen von dem, was wir jenseits der Neptunsbahn entdeckt haben.« Scheerbart bezeichnete diese Zeichnungen von »Asteroïdenbewohnern mit vielen neuen Organen und bisher noch nie gezeigten Gliedmaßen« 1904 als seine bis dato gelungenste Produktion. In der »Jenseits-Galerie« »gibt er seinen Wortträumen in seltsamen surrealen Phantasiewesen, die an Redon erinnern, optischen Ausdruck« (Hans Bolliger). – Die Lithographien nach Zeichnungen von Paul Scheerbart auf Japan, der Vorderdeckel der Mappe wurde nach seinem Entwurf gedruckt. – Sehr schönes Exemplar.

29,3 : 19,5 cm. [4] Seiten, 10 Tafeln. – Mappe minimal lichtrandig. – Titelblatt unten mit kleinem Eckknick.

Kohnle S. 37. – Raabe/Hannich-Bode 260.19. – Dokumentations-Bibliothek II, 363

806  Heinar Schilling. Meinungen.

€ 600

Geschriebenes und gesprochenes Wort über Kultur und Zeit. Heft I: Die lange Zigarettenspitze. Novelle über Lebenskunst. Heft II: Die Richtung. Dialoge mit einer Sphinx. Dresden, Felix Stiemer 1918. Originalbroschuren mit Titelschild.

Erste Ausgaben. – Eins von 300 Exemplaren bzw. eins von 100 Vorzugsexemplaren auf Bütten, beide vom Dichter signiert. – Beide Texte entstanden im Oktober 1917 in Karlsbad. – Heinar Schilling (1894–1955) gründete im Dezember 1917 gemeinsam mit Rudolf Kaemmerer den expressionistischen »Dresdner Verlag«. In die dort erschienene Reihe »Das neueste Gedicht« wurde das zweite Heft übernommen. – Beide mit Stempel »Ex libris Anthon Bakels«, der u. a. mit Hannah Höch befreundete »holländische Verleger, Anarchist und Dadaist« (Thomas Hatry).

23,5 : 15,2 cm. 30, [2]; 38, [2] Seiten. – Umschlagränder leicht bestoßen, Rückenfalz von Heft II mit Fehlstellen. – Leicht fingerfleckig, Vortitelblätter mit Radierspuren.

Raabe/Hannich-Bode 264.14/15

807  Hermann Harry Schmitz. Der Säugling. Die vorzügliche Kaffeemaschine.

€ 250

[München 1924]. Mit fünf kolorierten Holzschnitten im Text, davon eine Vignette, von Irmingard Straub. Kolorierter Originalpappband.

Eins von 30 Exemplaren. – Auf Bütten. – Druck in den Werkstätten der Kunstgewerbeschule München. – Mit Erwerbsvermerk »Ostern `24« auf dem hinteren Innendeckel. – Irmingard Straub (1904–1987) war damals wohl Studentin der Kunstgewerbeschule. Der Text von Schmitz war 1911 bei Rowohlt erschienen.

21,7 : 17,6 cm. 21, [3] Seiten. – Etwas stockfleckig, Vorsätze stärker.

808  W. G. Sebald [und] Jan Peter Tripp. »Unerzählt.«

€ 250

33 Texte und 33 Radierungen. Mit einem Gedicht von Hans Magnus Enzensberger und einem Nachwort von Andrea Köhler. München, Carl Hanser 2003. Mit 33 Abbildungen nach Radierungen. Originalleinenband mit -bedrucktem Folienumschlag.

Eins von 333 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einer beigelegten signierten Radierung von Jan Peter Tripp (Porträt von Max Sebald, dem Großvater des Dichters, betitelt »Max«, nummeriert). – Jan Peter Tripp schuf die Radierungen, Augenpaare von Dichtern und Künstlern nach Gemälden oder Fotografien, zu Texten von W. G. Sebald, die zwischen 1999 und 2001 entstanden. – »Der Maler zeigt, wie die Menschen schauen, der Dichter, wie ihre Wahrnehmung die Welt modelliert. So ist dieser Dialog zwischen Text und Radierung auch ein Blickwechsel zwischen Dichtern und Malern, zwischen den Lebenden und den Toten« (Essay). – Eigenwilliges Künstlerbuch, tadellos erhalten.

28,9 : 17,9 cm. 71, [9] Seiten.

809  Rudolf Alexander Schröder – Jean Baptiste Razine. Benenize.

€ 120

Tragödie in fünf Akten. Im Versmaß des Originals übertragen von Rudolf Alexander Schröder. Lichtenfels 1951. Mit fünf ganzseitigen Holzschnitten von Werner Gothein. Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste vollständige Ausgabe der Versübersetzung Schröders, die Adolph nicht und Kindler erst für 1964 verzeichnet. Fragmente erschienen bereits 1931/32 in »Corona«. – Gedruckt bei H. O. Schulze in Lichtenfels in einer Auflage von 300 nummerierten Exemplaren für die Fränkische Bibliophilen-Gesellschaft. – Auf Zerkall-Bütten. – Mit eigenhändigem launigem Vierzeiler und längerer Widmung Schröders für den Schweizer Dichter Emanuel Stickelberger: »Das Stück ist schön, der Druck pompös, Der ›Buchschmuck‹ – leider! – schauderös. […] zum siebzigsten Geburtstag sein rechtsrheinischer Kollege« – Schönes Exemplar.

34,5 : 23,5 cm. 104, [4] Seiten.

Vgl. KNLL XIII, 874 und Fromm V, 2150

810  Kurt Seligmann – Jean Paul Collet. Flaques.

€ 600

Poemes ornés de trois eaux-fortes originales. Paris, Les Écrivans Réunis 1935. Mit drei Radierungen. Originalbroschur.

Eins von 140 Exemplaren. – Auf Van Gelder-Bütten. – Kurt Seligmann (1900–1962) war 1929 aus Basel nach Paris übersiedelt und hatte – von Jean Arp und Max Ernst tief beeindruckt – versucht, sich den Surrealisten anzuschließen. Kurz nach der auf Ermutigung von Pierre Courthion 1933/34 erfolgten Veröffentlichung seiner ersten beiden Radierfolgen wurde er durch Breton in die Gruppe aufgenommen. – Vollrandiges, unaufgeschnittenes Exemplar, sehr gut erhalten.

28,0 : 21,5 cm (!). 31, [1] Seiten. – Hinterumschlag mit leicht geknitterter Ecke.

Mason 57–59. – Monod 3075

811  Max Slevogt – James Fenimore Cooper. Lederstrumpf – Erzählungen

€ 2500

Übersetzt und bearbeitet von K. Federn. Mit Original-Lithographien von Max Slevogt. Berlin, Paul Cassirer 1909. Mit 312 Lithographien, davon 52 blattgroß. Roter Originalmaroquinband, Rückenfileten, Kopfschnitt, Deckelvignette und Deckel- und Innenkantenbordüren vergoldet.

Erster Druck der Pan-Presse. – Eins von 60 Exemplaren der Luxusausgabe auf Reisfaser-Papier, jedoch ohne die dazugehörende Japansuite (Gesamtauflage 310). – Der Titel, alle Überschriften und die typographischen Initialen wurden von Emil Rudolf Weiß gezeichnet. Seine Frakturtypen-Initialen wurden über die etwa 5 : 5 cm großen »Initialzeichnungen« Slevogts gedruckt. – Den Einband und die blau-schwarzen Vorsatzpapiere entwarf Karl Walser. – Druck des Textes von Imberg & Lefson, Berlin, die Lithographien auf der Pan-Presse als deren erste Edition gedruckt. Alle Lithographien wurden von Slevogt direkt auf den Stein gezeichnet. – »The Leather Stocking Tales« wurden von J. F. Cooper (1789–1851) nach den Erlebnissen von Johann Adam Hartmann (1748-1836) geschrieben, der 1764 aus der Pfalz nach Amerika ausgewandert war und zu dem berühmten Trapper Lederstrumpf wurde. – Mit Vorwort von W. Krickeberg, am Ende eine »Vorbemerkung« des Übersetzers. – »Im Lederstrumpf ist Slevogt auf das vollkommenste Herr der Mittel einer malerisch suggestiven Kreidezeichnung […] In Umfang wie an Bedeutung steht Slevogts Lederstrumpf unerreicht da in der Geschichte der neueren Buchillustration« (Curt Glaser, in: Die Graphik der Neuzeit, S. 489ff., zitiert nach Caspers). – »Die Pan-Presse, im Jahre 1908 gegründet, stellt den ersten Versuch dar, das immer stärker werdende Bedürfnis des Künstlers nach Originaldrucken mit den Bedürfnissen des Buchdrucks harmonisch zu verbinden.« (Paul Cassirer in einer Anzeige 1919, zitiert nach Caspers, S. 41).

47,0 : 36,0 cm. [6], 473, [5] Seiten. – Steh- und Oberkanten mit kleinen Schabstellen. – Gelegentlich die Ränder etwas gebräunt, vereinzelt dort auch kleine Stockflecken.

Sievers/Waldmann 90–401. – Rümann 14 a. – Caspers 3.1. – Feilchenfeldt/Brandis 35.0.A. – Lang, Impressionismus 188. – Rodenberg 452, 1

812  Max Slevogt – Benvenuto Cellini

€ 250

[Selbstbiographie] deutsch von Goethe mit Steinzeichnungen von Max Slevogt. Berlin, Bruno Cassirer [1914]. Mit 303 Lithographien. Fünf Originalbroschuren.

Erste bis fünfte Lieferung, so vollständig. – Auf Hadernpapier. – Schönes Exemplar der reizend illustrierten Autobiographie Cellinis, selten in den unaufgeschnittenen Originalbroschuren. – Von den Lithographien Slevogts, die bereits 1913 entstanden, wurde in Paris eine Vorzugsausgabe auf Chinapapier gedruckt. – Goethes Text erschien erstmals 1803. – Beiliegend: Ankündigungsprospekt des Verlages. Berlin, Bruno Cassirer 1914. – Dazu: Dasselbe in der gebundenen Fassung. Originalhalblederband mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Sievers/Waldmann 496–798. – Rümann 12. –Lang, Impressionismus 197

813  Max Slevogt – Publius Naso Ovid. Lehrbuch der Liebe.

€ 250

Deutsch von Ernst Hohenemser. Lithographien von Max Slevogt. Berlin, Paul Cassirer 1921. Mit acht Lithographien im Text. Cremefarbener Originalschweinslederband. Rückentitel, Deckelvignette, Innenkantenbordüren und Kopfschnitt vergoldet (signiert H. Fikentscher. Leipzig 1920.) Im Schuber.

18. Werk der Pan-Presse. – Eins von 300 für den Handel bestimmten Exemplaren (Gesamtauflage 320). – Paul Cassirer lobte Slevogt überschwänglich und versicherte ihm » […] wie wundervoll Ihre Graphik ist. Das Titelblatt gehört zu dem Schönsten, was ich von Ihnen kenne« (zitiert nach Feilchenfeldt). – Die kleine Lithographie auf Seite 5 gilt als ironisches Porträt Paul Cassirers und Tilla Durieux’ in einer Theaterloge.

31,8 : 24,5 cm. [2], 90, [8] Seiten. – Einband etwas angestaubt. Rücken gebräunt, Ränder leicht berieben.

Söhn 473–480. – Rümann 69 a. – Feilchenfeldt/Brandis 152.A. – Rodenberg 454, 18. – Schauer II, 84. – Lang, Impressionismus 210

814  Nicolas de Staël – Pierre Lecuire. Voir Nicolas de Staël.

€ 900

Paris, Lecuire 1953. Mit zwei blattgroßen Radierungen und einer Farblithographie (als Umschlag) von Nicolas de Staël. Lose Doppelblätter in Originalumschlag.

Eins von 190 Exemplaren (Gesamtauflage 210). – Auf Vélin d’Arches. – Das erste von Pierre Lecuire realisierte Buch. – »Die abstrakte Sinnlichkeit der Konfiguration, die Lecuires Sprachkunst kennzeichnet, fand ihre intimste Entsprechung in der graphischen Kunst Nicolas de Staëls. Der Begegnung des 22jährigen Dichters mit dem Maler folgten in enger Freundschaft und gemeinsamer Arbeit an Plänen eine Reihe realisierter Projekte […]« (Bücher von Pierre Lecuire; Ausst.-Katalog Bayer. Staatsbibl.1978, S. 10f.).

25,3 : 16,7 cm. [6], 102, [12] Seiten. – Stellenweise minimal gebräunt.

Kat. Staatsbibliothek München 1978 KatNr. 1. – Monod 7033

815  Pierre Stampfli – François Villon. Ballades et testaments.

€ 400

Lithographies originales de Pierre Stampfli. Zürich, Editions des Gaules 1945. Mit 27 Lithographien, davon neun blattgroß. Hellbrauner Maroquinband mit mehrfarbiger Lederintarsie auf dem Vorderdeckel. In der Originalhalbpergamentchemise. – Widmungsexemplar des Verlegers.

Eins von 45 Exemplaren auf »Vergé du Marais« und mit einer signierten Tuschfederzeichung (zu »Ballade des femmes de Paris«) auf Transparentpapier, dieses auf das Vorblatt montiert (Gesamtauflage 61). – Von Pierre Stampfli und dem Buchgestalter Louis Grosclaude signiert und von letzterem Hans Fretz gewidmet, der die Ausgabe drucken ließ.

33,7 : 25,5 cm. 133, [3] Seiten.

816  Gertrude Stein. Operas and Plays.

€ 750

Paris, Plain Edition 1932. Originalbroschur in -schuber. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe dieser Sammlung von 22 Stücken, die meist in den 1920er Jahren entstanden waren. – Eins von 500 Exemplaren, gedruckt von Daranthière in Dijon. – Vortitel mit eigenhändiger Widmung der Dichterin »For Peter Mame [?] this book [Operas and Plays] in memory of a pleasant afternoon Gertrude Stein«. – Der Band enthält u. a. den Erstdruck von »Four Saints in Three Acts«, dem Libretto der Oper, die Virgil Thomson (1896–1989) damals in Zusammenarbeit mit Gertrude Stein komponierte (Orchestrierung 1933) und deren Uraufführung 1934 im Wadsworth Atheneum in Hartford, Conn., Skandal machte, sowie zahlreiche andere Kurzstücke sowie Filmlibretti. 1933 erschien die erfolgreiche Autobiographie der Dichterin unter dem Namen ihrer Lebensgefährtin Alice B. Toklas.

18,3 : 13,3 cm. 400, [4] Seiten (einschließlich Vorsätze). – Vordergelenk des Umschlags angeplatzt.

817  Hugo Steiner-Prag – Nikolaus Lenau. Don Juan.

€ 300

Dramatische Szenen. Mit Steinzeichnungen von Hugo Steiner-Prag. Berlin, Paul Graupe 1918. Mit fünf signierten Lithographien und elf Lithographien im Text. Originalhalbseidenband mit Kopfgoldschnitt, Rückentitel und Deckelillustration farbig lithographiert (Leipziger Buchbinderei, vorm. Gustav Fritzsche). In der Originalkassette mit Deckelschild.

Eins von 100 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf dem Vorsatzblatt gedruckter Dedikationsvermerk für Emil Hirsch. – Der Münchner Antiquar Emil Hirsch (1866–1954) betrieb sein Geschäft seit 1897, versteigerte wichtige Sammlungen (Sayn-Wittgenstein, Piloty, Georg Hirth u. a.) und pflegte engen Kontakt mit Literaten und Künstlern. »Laut Emil Preetorius waren H.’s Geschäftsräume […] ›der inoffizielle Treffpunkt […] für das geistig-künstlerische München‹.« (Ernst Fischer, Verleger, Buchhändler & Antiquare, S. 139). 1907 war Hirsch Gründungsmitglied der Gesellschaft der Münchner Bücherfreunde, regte Hans von Weber zu den »Hundertdrucken« an und unterstützte als Subskribent die »Bremer Presse«. 1933 begannen die Repressalien unter den Nationalsozialisten. Zunächst wurde es Hirsch untersagt, weiterhin Auktionen zu veranstalten, 1937 musste er sein Geschäft ganz schließen. Er konnte 1938 zu seinen bereits ausgewanderten Kindern nach New York emigrieren und war dort bis zu seinem Tod als Antiquar bei Walter Schatzki in der Madison Avenue tätig. – Annähernd tadellos schönes Exemplar.

31,2 : 20,8 cm. [2], 58, [4] Seiten. 5 Lithographien. – Bezugspapier mit wenigen kaum wahrnehmbaren Stockflecken.

Sennewald 18, 3

818  Hugo Steiner-Prag – [Johann Wolfgang von] Goethe. Stella.

€ 300

Ein Trauerspiel. Mit Radierungen von Hugo Steiner-Prag. Berlin, Franz Schneider [1922]. Mit acht Radierungen, davon sechs signiert und blattgroß und je eine Titel- und Schlussvignette. Grüner Originalkalblederband mit vergoldeter Deckelvignette, gepunzter Stehkantenfilete, Rücken- und Kopfschnittvergoldung (H. Sperling, Leipzig).

Eins von (laut Sennewald) 75 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Ganzleder (Gesamtauflage 200). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert.

26,8 : 19,5 cm. 85, [3] Seiten, 6 Radierungen. – Rücken verfärbt. Ränder etwas berieben. Deckel mit kleinen Kratzern, vorn am Oberrand kleine Farbflecke.

Sennewald 22, 2

819  Hugo Steiner-Prag – Heinrich Heine. Gespenstische Balladen.

€ 300

Mit Radierungen von Hugo Steiner-Prag. Berlin, Propyläen 1924. Mit zehn blattgroßen signierten Radierungen und einer radierten Titelvignette. Originalhalblederband mit Rückenschild, reicher Rückenvergoldung, vergoldetem -titel und Kopfgoldschnitt.

Unnummeriertes Exemplar, neben der Auflage 200 Exemplaren. – Alle blattgroßen Radierungen und der Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Bütten. – Hugo Steiner-Prag radierte zu Heines düster-schauerlichen Dichtungen großformatige kongeniale Illustrationen. – Schönes Exemplar.

33,2 : 25,2 cm. [2], 92, [6] Seiten. – Kanten unmerklich berieben.

Sennewald 24,2

820  Otto Stoessl. Gesammelte Werke.

€ 500

Erster [bis] Vierter Band. Wien, Saturn 1933–1938. Originalleinenbände mit Rückenschildern und -vergoldung.

Eins von 150 signierten Exemplaren für Subskribenten. – Die wohl durch den Tod Otto Stoessls (1875–1936) abgebrochene Werkausgabe beinhaltete in den ersten Bänden bis dahin unveröffentlichte Texte (Arcadia; Schelmen-Geschichten; Geist und Gestalt; Schöpfer). – Stoessl hinterließ ein reiches erzählerisches Werk. Der Zeitgenosse von Karl Kraus, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke und Vertretern des »Jungen Wien«, war Schriftsteller, Journalist und Beamter, machte sich aber auch als Literaturtheoretiker und Kritiker einen Namen. Sein Hauptwerk, der Roman »Das Haus Erath«, der den Niedergang einer österreichischen Familie über mehrere Generationen beschreibt, wird mit den »Buddenbrooks« verglichen.

21,9 : 15,5 cm.

821  Bram Stoker. Dracula.

€ 400

Roman. Autorisierte Übersetzung aus dem Englischen von Heinz Widtmann. Leipzig, Max Altmann 1908. Marmorierter Kunstlederband mit schwarz-goldenen Titelschildern.

Erste deutsche Ausgabe eines der bekanntesten Romane des Genres. – Die Originalausgabe war 1897 in London erschienen. Der Ire Bram Stoker (1847–1912) begann um 1895, »den Vampirroman zu schreiben, der zum berühmtesten der Gattung wurde. […] Die ganze Gruselmythologie des Vampirismus wird massiert und kalkuliert eingesetzt [… und es] ist die Gestalt des Grafen Dracula als des Super-Vampirs bei Stoker endgültig gestaltet.« (KNLL). – Wohl aus dem Besitz eines schreckhaften Vorbesitzers, da ungelesen.

19,7 : 13,8 cm. [6], 554, [8] Seiten. – Die erste und letzte Seite mit Flecken durch die alte Originalbroschur, sonst makellos. Ein Fragment der alten Originalbroschur liegt bei.

KNLL XVI, 7

822  Stuart C. Cumberland. Besucher aus dem Jenseits.

€ 300

Breslau und Berlin, S. Schottlaender [1885]. Privater und geprägter Leinenband mit ornamentaler Blind-, Rot- und Schwarzprägung, sowie Kopfgoldschnitt.

Mit eigenhändiger Widmung des Autors »á Madame Ida Falk homage de l’auteur, July 29th 85«. – Stuart Cumberland (1857–1922) war ein britischer Hellseher und Spiritist, er hatte sich auf das »Gedankenlesen« (Muskellesen) spezialisiert und bereiste als Schausteller die USA, Europa, Australien und Portugal. Der Begriff des Muskellesens oder Cumberlandismus ist auf ihn zurückzuführen.

24,0 : 15,5 cm. 62, [2] Seiten. – Exlibris. – Erste und letzte Seiten stockfleckig.

823  Hermann Struck – Arthur Silbergleit. Die Balaleika.

€ 200

Ein Versreigen. Herausgegeben von der Vereinigung Künstlerdank (Clauß-Rochs-Stiftung). Berlin, Eigenbrödler [1918]. Mit acht signierten Lithographien. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 für Subskribenten gedruckten Exemplaren, auf dem Titelblatt von Verfasser und Künstler signiert. – Auf Bütten. – Hermann Struck emigrierte 1923 nach Palästina, Arthur Silbergleit, der in dem vorliegenden Gedichtband seine Erlebnisse an der Ostfront verarbeitete, wurde 1943 verhaftet und starb im KZ Auschwitz.

22,3 : 17,5 cm. 41, [3] Seiten. – Vorsätze stärker, sonst nur vereinzelt und leicht stockfleckig.

Nicht bei Lang, Impressionismus. – Jüdisches Lexikon IV/2, 406

824  Antoni Tapies – José-Miguel Ullán. Anular.

€ 1500

Paris, Éditions R.L.D. 1981. Mit fünf Radierungen, davon vier signiert und eine als Umschlag, und grafischen Arbeiten von Antoni Tapies. Leporello in Originalumschlag und Chemise, zusammen im Schuber.

Eins von 90 Exemplaren (Gesamtauflage 150). – Mit einem Text von José-Miguel Ullán. – Gedruckt auf Arches-Bütten (Umschlag), Auvergne-Richard de Bas-Bütten und Büttenpapier (zwei Radierungen) von Atelier Morsang, Paris. – Die Seiten wurden zu einem Leporello montiert. – »Anular« – Annullierung oder Ungültigkeit – präsentiert den Text einer frühen spanischen Verfassung als maschinengeschriebenes Manuskript mit hervorgehobenen kurzen poetischen Sätzen Ulláns und Tàpies’ symbolartigen Buchstaben. […]Teile des Textes werden zerrissen, auf den Kopf gestellt oder sogar durch Tàpies’ »Graffiti« verdeckt. Der visuelle Gesamteindruck erzeugt ein Gefühl von Widerspruch und Weigerung, während er gleichzeitig einen Akt der Aufhebung beinhaltet« (vgl. MoMA.org).

33,2 : 25,8 cm.

Galfetti/Homs 823–827

825  Michel Terrasse – [Sidonie-Gabrielle Claudine] Colette. L’enfant et les sortilèges.

€ 600

Poème. Lithographies originales de Michel Terrasse. [Paris,] Éditions d’Aude 1949. Mit elf Farblithographien sowie vier lithographierten Kalligraphien. Dunkelblauer Halblederband mit goldgeprägtem Rückentitel.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen, Lithographien von Michel Terrasse, dem Neffen von Paul Bonnard. – Eins von 250 Exemplaren, weitere drei kamen nicht in den Handel. – Die außergewöhnlich gestaltete Ausgabe erschien ein Vierteljahrhundert nach der Erstausgabe und der Uraufführung der von Maurice Ravel vertonten Dichtung. Von dieser war u. a. Theodor W. Adorno restlos begeistert: »Nach den Noten zu urteilen und in Kenntnis von Ravels Wesen: ›L’Enfant et les sortilèges‹ muss sein Meisterstück sein. Kindlich verzaubert ist jeder Takt bei ihm.« – Der Text wurde auf unterschiedlich gefärbte Büttenpapiere gedruckt, jeweils einer Textseite folgt ein Passepartoutblatt mit einer eingeklebten Lithographie. Auch die Titelzeilen, die auf dem Umschlag wiederholt werden, und die beiden Zwischentitel malte Terrasse auf Lithosteine. – Die Gesamtgestaltung der Ausgabe suggeriert ein zeitgenössisches Künstlerbuch. – Selten und gut erhalten.

49,8 : 32,2 cm. [6], 60, [6] Seiten.

Blieb Monod unbekannt

826  Georg Trakl. Gedichte.

€ 400

Leipzig, Kurt Wolff 1913. Neuer Halblederband mit vergoldetem Rückentitiel und Schuber; der von Wilhelm Wagner gestaltete Originalbroschurumschlag, Merkmal der ersten Bindequote, wurde hinten eingebunden.

Erste Ausgabe der ersten Buchveröffentlichung Trakls, zugleich der einzigen zu Lebzeiten. – Der jüngste Tag, Band 7/8. – Gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig. – Nach Werfel, Hasenclever, Kafka, Hardekopf, Emmy Hennings und Carl Ehrenstein eröffnete Trakls Erstling die zweite Serie der legendären Buchreihe. – Albert Soergel schreibt in »Dichtung und Dichter der Zeit« angesichts der Trakl-Ausgaben »[…] das ist nicht Nachahmung, das ist Neugeburt. Das schuf einer, Hölderlin an Wesen und Schicksal ähnlich, aber beschwert durch die Entwicklung dreier Geschlechter nach ihm«.

22 : 13 cm. 65, [3] Seiten. – Rücken minimal verblasst.

Ritzer 1983 2.1/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.3. – Raabe, Zeitschriften 145, 7/8. – Smolen/Stammerjohann 7/8.1.A. – Göbel 142

827  [Kurt Tucholsky] Peter Panter. Träumereien an preußischen Kaminen.

€ 1000

[Berlin]-Charlottenburg, Felix Lehmann 1920. Mit sieben ganzseitigen Illustrationen und einer Titelvignette von Alfons Woefle sowie einem illustrierten Widmungsblatt. Späterer Pergamentband mit vergoldetem Rückentitel, farbig illustrierter Originalvorderumschlag hinten eingebunden. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Auf einem eingehefteten Büttenblatt die Widmung »Charles Lousin – zur Erinnerung an manchen bunten Versammlungsabend. Th. Ignaz Wrobel, 1920«. – Der Band enthält sieben skurrile Erzählungen mit ebensolchen Illustrationen. Mit dem gedruckten Widmungsblatt »Einer jungen Schrumpelhexe aus Kurland in altem Gedenken« für Tucholskys damalige Geliebte und spätere zweite Ehefrau Mary Gerold, die er während des Krieges im Kurland kennengelernt hatte.

20,6 : 12,8 cm. 87, [1] Seiten. – Vereinzelte Blätter und die meisten Ränder papierbedingt etwas gebräunt.

Bonitz/Wirtz C 5

828  Günther Uecker – Eugen Gomringer. Einsam Gemeinsam.

€ 5000

Ode. Fünf Prägedrucke von Günther Uecker. Duisburg, Guido Hildebrandt 1971. Mit fünf signierten ganzseitigen Blindprägedrucken. Originalbroschur mit -umschlag.

Hundertdruck X. – Eins von 100 Exemplaren. – Die fünf Nagelbilder vom Künstler, der Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Auf Kupferdruckbütten, als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Auch der Text und Druckvermerk wurden geprägt. – Tadellos.

39,3 : 26,4 cm. [30] Seiten.

Van der Koelen L 7101. – Spindler 157.10. – Isphording II, 511

829  Günther Uecker – Eugen Gomringer. Wie weiß ist wissen die Weisen.

€ 2500

Hommage à Uecker. Zirndorf, Verlag für Moderne Kunst 1975. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur, Umschlag mit Prägedruck von Günther Uecker.

Eins von 200 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit vier signierten Prägedrucken von Günther Uecker, rückseitig nummeriert und mit der Blattnummer bezeichnet, als Suite. – Die Prägedrucke lose im Originalumschlag und zusammen mit dem Buch in der schwarzen Originalleinenkassette. – Der Text von Eugen Gomringer, entstanden 1972, wurde durch einen Computer in 720 Kombinationen wiedergegeben. – Die Abbildungen dokumentieren Werke Ueckers aus den Jahren 1957 bis 1974.

32 : 23 cm. [88] Seiten, 4 Prägedrucke.

Van der Koelen L 7505

830  Günther Uecker – Eugen Gomringer. Wie weiß ist wissen die Weisen.

€ 400

Hommage à Uecker. Zirndorf, Verlag für Moderne Kunst 1975. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur, Umschlag mit Prägedruck von Günther Uecker.

Der Text von Eugen Gomringer, entstanden 1972, wurde durch einen Computer in 720 Kombinationen wiedergegeben. – Die Abbildungen dokumentieren Werke Ueckers aus den Jahren 1957 bis 1974.

32 : 23 cm. [88] Seiten.

Van der Koelen L 7505

831  Günther Uecker – Eugen Gomringer. Kein Fehler im System.

€ 300

Eine unsystematische Auswahl von Sätzen aus dem gleichnamigen (imaginären) Computer-Lesebuch. Günther Uecker. 7 Lithografien auf Prägedruck. Zürich, Verlag 3 1978. Mit sieben Prägedrucken, einer auf dem Umschlag, einer doppelblattgroß. Lose Doppelbogen und Graphiken zusammen in Originalumschlag und Schuber.

Eins von 130 Exemplaren (Gesamtauflage 185). – Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert. – Die Lithographien und Blindprägungen wurden auf der Erker-Presse, St. Gallen, gedruckt, die Steine wurden nach dem Druck abgeschliffen.

22,3 : 18,3 cm. 27, [5] Seiten, 6 Prägedrucke.

Van der Koelen L 7815

832  Dieter Honisch. Uecker

€ 1500 ( R7 )

Stuttgart, Klett-Cotta 1983. Originalleinenband mit Schutzumschlag sowie ein signierter Prägedruck und eine mehrseitige Lithographie, lose in Leinenmappe. Zusammen im Originalschuber.

Eins von 50 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe D mit dem signierten Prägedruck »Permutation« auf Büttenkarton (datiert, nummeriert und betitelt) sowie der 16seitigen Lithographie (»Lebenslauf«, auf der letzen Seite signiert und nummeriert) von Günther Uecker. – Das maßgebliche Werkverzeichnis der Gemälde, Plastiken, Reliefs, Objekte, Aktionen und Filme erschien in der Reihe »Monographien zur Kunst der Gegenwart«.

34,0 : 29,5 cm. 16 Seiten, 1 Prägedruck; 268 Seiten. – Ränder des Schubers, Rücken der Mappe gebräunt.

Van der Koelen L 8330

833  Paul Valéry. Études pour »Mon Faust«.

€ 450

Illustrations de l’Auteur. Interprétées en gravure sur bois par Pierre Bouchet. Paris, Société de Femmes Bibliophiles Les Cent Une 1941. Mit Holzstichen nach Paul Valery. Lose Doppelbogen in Originalhalbleinenchemise, zusammen im Schuber.

Jahresgabe der Bibliophilen Frauengesellschaft »Les Cent Une«, Paris. – Eins von 101 Exemplaren. – Pierre Bouchet übertrug Valérys Zeichnungen auf Holzstöcke, den Text druckte er in Rot und Schwarz auf seiner Handpresse. – »Derselbe Valery, der einmal gemeint hatte, es fehle ihm nur ›ein Deutscher, der meine Gedanken zu Ende denken würde‹, dachte nun als Greis ein berühmtes deutsches Werk weiter und kam in seinem ›Faust‹, den er auch verwegen ›Mon Faust‹ nannte, zu dem Schluß, daß in unserer modernen Welt nicht nur der Teufel völlig harmlos und also überflüssig geworden sei, sondern auch der Geist gründlich ausgespielt habe – jener Geist, dem Valery ein Leben lang bedingungslos gedient hatte, ja, der sein einziger Gott gewesen war, dem er früh sogar die Gabe seiner Dichtung zum Opfer gebracht hatte« (Der Spiegel, 2/1991).

30,5 : 24,5 cm. 122, [6] Seiten.

Monod 10858

834  Maxime Vallotton und Charles Goerg. Felix Vallotton.

€ 300

Catalogue raisonné de l’œuvre gravé et lithographié […] of the printed graphic Work. Genf, Éditions de Bonvent 1972. Mit hunderten Abbildungen. Gelber illustrierter Originalpappband.

Eins von 2000 Exemplaren. – Das maßgebliche Werkverzeichnis der Graphik, Text in Französisch und Englisch.

26,8 : 27,8 cm. XXIII, [1], 285, [3] Seiten.

835  Karl Walser – Theophile Gautier. Mademoiselle de Maupin.

€ 500

Roman. Deutsch von Arthur Schurig. Farbenlithographien von Karl Walser. München und Leipzig, Georg Müller 1913. Mit zehn farbigen Lithographien und Vignetten. Pinkfarbener Originalkalblederband, Fileten in Blindprägung, Deckeltitel und -vignette, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet, und eine Originalhalbpergamentmappe.

Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Leder gebunden und mit einer Extrasuite der zehn farbigen Lithographien, eine signiert (Gesamtauflage 1000). – Die Lithographien wurden unter Aufsicht des Künstlers auf der Pan-Presse, Berlin, gedruckt. – Auch der Einbandentwurf stammt von Karl Walser. – »Das Meisterstück von Walsers Illustrationskunst war die Folge von farbigen Lithographien zu Gautiers ›Mademoiselle de Maupin‹ (1913). Die von einer sprühend hellen Titelei eingeleitete Typographie steht in köstlichem Zwiegespräch mit den Bildern […]« (Georg K. Schauer).

28,2 : 22,0 cm. 245, [3] Seiten. 10 Lithographien. – Rücken verfärbt. Ecken minimal gestaucht, untere mit Feuchtigkeitsspur.

Badorrek-Hoguth A 8.1. – Hayn/Gotendorf IX, 226. – Schauer I, 212 und II, 56 (mit Abbildung)

836  Robert Walser. Geschwister Tanner.

€ 1000

Roman. Berlin, Bruno Cassirer 1907. Farbig lithographierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe des ersten Romans von Robert Walser. – Die Auflage betrug lediglich 1000 Exemplare. – Die berühmte Einbandillustration schuf Karl Walser, der Bruder des Dichters. – Ein »Entwicklungsroman […], dessen Held sich jedoch kaum entwickelt« (KLL 3904). – Unbeschnittenes, sehr gut erhaltenes Exemplar in der Originalbroschur.

20,6 : 14,5 cm. [4], 319, [1] Seiten. – Umschlagecken leicht geknittert, Gelenke unten minimal eingerissen, Hinterumschlag angestaubt, Rücken leicht verblasst.

Badorrek-Hoguth B 84.1

837  [Nicolaas] Warb [Sophie Warbung]. Aperçus et pensées sur la peinture abstraite.

€ 300

Paris 1942. Originalbroschur mit einer farbig serigraphierten Deckelvignette.

Erste Ausgabe, wohl nur in kleiner Auflage als Privatdruck erschienen. – Großzügige Typographie, einseitig auf glattes Velin gedruckt. – 1906 in Amsterdam geboren, lebte und studierte die Künstlerin seit 1928 in Paris. »Mit Jean Leppien befreundet, wirkt sie seit der Eröffnung des ›Salon des Réalités Nouvelles‹ (1946) bei der Veranstaltung mit und bleibt ihm bis zu ihrem Tod treu«. (Galerie MC). 1966 wurde dort neben Werken von Francis Picabia, Albert Gleizes, Nicolas de Stael, Chaissac, Auguste Herbin, Roger Bissière und anderen eins ihrer Werke als posthume Hommage an sie ausgestellt. – Tadellos, sehr selten.

25,0 : 20,0 cm. [8] Blätter.

838  Klaus Waschk – Karl Marx. Das Kapital.

€ 200

Kritik der politischen Ökonomie. Mit Illustrationen von Klaus Waschk. Ausgabe in zwei Bänden. Leipzig, Faber & Faber 2007. Mit zahlreichen, meist farbigen, Abbildungen nach Zeichnungen. Originalhalbpergamentbände mit Rückenschild. zusammen im Schuber.

Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Halbpergament. – »Konnte Marx aber auch nur ahnen, dass seine Kritik an der zu immer größerem Verschleiß führenden Unwucht im Zirkulationsprozess des Kapitals zu den wirkmächtigsten Büchern des Kosmos avancieren würde? Und dass es trotzdem kaum gelesen würde? Vielleicht fehlten nur die Bilder.« (»Kapitaler Schmöker«, FAZ 2.7.2008).

25,5 : 18,0 cm. 324; 825, [3] Seiten.

839  Josef Magnus Wehner. Der Weiler Gottes.

€ 200

Mit zehn Holzschnitten von Peter Trumm. München, Delphin [1921]. Mit zehn blattgroßen signierten Holzschnitten sowie einer Titelvignette. Brauner Originalecrasélederband mit Vergoldung.

Erste Ausgabe des Erstlingswerkes. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Holzschnitten (Gesamtauflage 260). – Auf Van Gelder-Bütten. – Im Druckvermerk von Künstler und Verfasser signiert. – Das Frühwerk Wehners ist noch geprägt von seiner katholisch-mystischen Grundhaltung. Als früher Anhänger des Nationalsozialismus unterzeichnete er 1933 das »Gelöbnis treuester Gefolgschaft« für Adolf Hitler. – Die biblischen Holzschnitte des in Straßburg geborenen Peter Trumm (1888–1966) erinnern an Arbeiten von Seewald oder Goldschmitt.

25,5 : 19,7 cm. 93, [3] Seiten.

Sennewald 21, 2. – Thieme/Becker XXXIII, 454

840  Clemens Weiss – Albert Vigoleis Thelen · Clemens Weiss. Gedichte. Zeichnungen.

€ 400

Mönchengladbach, Juni Verlag 1989. Mit zwölf blattgroßen Originalzeichnungen (Tuschefeder und Aquarell). Originalpappband in -schuber.

Eins von 100 unikaten Exemplaren, im Druckvermerk signiert, datiert und nummeriert. – Die Edition verbindet zwei Künstler vom Niederrhein: Es ist das erste Künstlerbuch von Clemens Weiss (Jahrgang 1955) und erschien kurze Zeit nachdem er endgültig nach New York übersiedelte. Albert Vigoleis Thelen (1903–1989) lebte und arbeitete in verschiedensten Ländern, kehrte aber für seinen Lebensabend in seine Heimat zurück. – Bleisatz aus der Times, gedruckt auf Bütten bei Düsselberg, Krefeld. – Die zwölf formatfüllenden Zeichnungen, je eine zu jedem der Gedichte, brachte Clemes Weiss direkt in die fertigen Bücher ein. – Tadellos erhalten.

30,5 : 22,7 cm. [52] Seiten.

841  Franz Werfel. Der Weltfreund.

€ 250

Gedichte. Berlin, Axel Junker [1911]. Farbig illustrierte Orignalbroschur.

Erste Ausgabe von Werfels erster Veröffentlichung. Das Buch vereint 68 Gedichte in den Kapiteln »Kindheit, Rührung und vermischte Gedichte«, »Bewegungen« und »Erweiterung, der Weltfreund«. – »Werfel ist tatsächlich ein Wunder; als ich sein Buch ›Der Weltfreund‹ zum ersten Mal las (ich hatte ihn schon früher Gedichte vortragen hören), dachte ich, die Begeisterung für ihn werde mich bis zum Unsinn fortreißen. Der Mensch kann Ungeheueres.« (Franz Kafka in einem Brief an Felice Bauer, 12. Dez. 1912).

18,7 : 13,0 cm. 116, [2] Seiten. – Ränder etwas gebräunt.

Raabe/Hannich-Bode 330.1

842  Franz Werfel. Heimkehr ins Reich.

€ 300

– In: Die Österreichische Post. Courrier Autrichien. Jahrgang I, Nummer 4. Paris, 1. Februar 1939. Drei gefaltete Bogen.

Sehr seltene Originalausgabe der Exilzeitschrift mit dem Erstdruck von Werfels Kommentar zum Anschluss Österreichs (»Was aber ist das Reich? Und wer kehrt heim?«) auf Seiten 1 und 2. – Weitere Beiträge in dieser Ausgabe stammen von Alfred Polgar, Joseph Roth u. a. – Dazu drei seltene Werfel-Ausgaben: I: Gesänge aus den drei Reichen. Ausgewählte Gedichte. Leipzig, Kurt Wolff 1917. Originalbroschur mit dem seltenen blau-goldenen Broschurumschlag. Der jüngste Tag 29/30. – II: Neue Gedichte. Berlin, Wien und Leipzig, Paul Zsolnay 1928. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel. Eins von 400 Exemplaren, auf Bütten, gedruckt für den Wiener Bibliophilentag 1928. – III: Das Reich Gottes in Böhmen. Tragödie eines Führers. Ebendort 1930. Originalleinenband. Mit eigenhändiger Widmung für seinen Dichterfreund »Rudolf Kassner in Herzlichkeit Franz Werfel«.

44,0 : 29,5 cm. 12 Seiten. Gebräunt, zweifach gefaltet, Falze brüchig. – Beigaben: I: Umschlag am Rücken verblasst, minimale Randläsuren. – III: Lesespuren.

Raabe/Hannich-Bode 330.7, 24 und 28 (nur die Beigaben). – Smolen/Stammerjohann 29/30.1.A.1 (mit Abb. 64)

843  Raoul Tranchirer [Ror Wolf]. Das Lexikon der feinen Sitte.

€ 400

Neues Universalbuch des guten Tones und der feinen Lebensart. Frankfurt am Main, Diskus 1964. Mit zahlreichen Abbildungen, darunter zwei nach Fotografien von Abisag Tüllmann. Originalbroschur.

Diskus-Bücher 1. – Erste Ausgabe. – Parodie auf das um 1880 mehrfach aufgelegte Original von Karl Adelsfels, nun mit zahlreichen Abbildungen nach Collagen Ror Wolfs, der in den 1960er Jahren darin Max Ernst und Peter Weiss nacheiferte. – Als Herausgeber zeichnen der Verfasser und Karl Riha. – Mit der fiktiven Auflagenangabe »1.–102. Tausend«, tatsächlich aber so selten, dass selbst für die Frankfurter Ausstellung 2012 zum 80. Geburtstag des Dichters kein Exemplar dieser zweiten eigenständigen Veröffentlichung Ror Wolfs aufzutreiben war. – Ror Wolf, der 1953 aus der DDR geflohen war, studierte in Frankfurt Literatur, Soziologie und Philosophie und wurde 1959 Redakteur der dortigen Studentenzeitung »Diskus«.

20,8: 14,5 cm. [64] Seiten. – Umschlagrücken und Seitenränder minimal gebräunt.

844  Wols – Jean-Paul Sartre. Visages,

€ 900

précédé de portraits officiels […] avec 4 pointes-sèches de Wols. Paris, Pierre Seghers 1948. Mit vier blattgroßen Radierungen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von angeblich 900 Exemplaren auf Papier »Crèvecoeur du Marais«, weitere 15 auf China. Ob Kaltnadelradierungen in einer Auflage von fast 1000 Exemplaren druckbar wären, kann bezweifelt werden. – Druck in Schwarz und Bister. – Druck der Radierungen bei R. Haazen, Paris. – Schönes Exemplar.

19,4 : 12,7 cm. 41, [7] Seiten. – Oberränder, besonders außen am Umschlag etwas angestaubt.

Grohmann 46-49. – Monod 10172

845  ZERO – Mack – Piene – Uecker.

€ 400

Herausgegeben vom Kaiser Wilhelm Museum. Krefeld 1963. Mit zahlreichen Abbildungen, davon drei blattgroße farbige. Originalbroschur mit Klischee-Prägedruck.

Der frühe Ausstellungskatalog des Museums Haus Lange Krefeld, 20. Januar bis 17. März 1963. – Mit dem Faltblatt mit Einleitung von Paul Wember und Bio- und Bibliographien. Je zwei Doppelseiten sind jedem der drei Künstler gewidmet. Zwei Seiten Zero-Dokumentation.

32,0 : 23,7 cm. [20] Seiten. – Einband leicht fingerfleckig. – Bindung gelöst.

Van der Koelen S. 541

846  XXXV Biennale di Venezia, Padiglione Tedesco. Lenk / Mack / Pfahler / Uecker.

€ 750

Commissario: Dieter Honisch. Essen und Venedig 1970. Vier Originalbroschuren mit zahlreichen Abbildungen und je einer beigelegten Originalgraphik. Zusammen in einem Originalumschlag.

Das Mappenwerk erschien anlässlich der von Dieter Honisch kuratierten Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der 35. Biennale in Venedig durch die vier Künstler. – Mit einem Prägedruck von Günther Uecker und je einer Farbserigraphie von Thomas Lenk, Heinz Mack und Georg Karl Pfahler.

36,6 : 22,5 cm. – Umschlag minimal fleckig, hinten kleine Notiz am Oberrand. – Der Prägedruck von Uecker mit Abreibungen der Druckerschwärze.

Van der Koelen L 7003

847  Emil Zbinden – Jeremias Gotthelf. [Werke in Einzelausgaben.

€ 300

16 Bände]. Zürich, Büchergilde Gutenberg 1937–1953. Mit hunderten Textholzschnitten von Emil Zbinden. Originalhalbpergamentbände mit goldgeprägten Rückentiteln.

Gildenbibliothek der Weltliteratur, Band 6–21. – Vollständiges Exemplar der Vorzugsausgabe. Von dieser wurden nach Erinnerung Emil Zbindens (1908–1991) jeweils 1.000 Exemplare auf besserem Papier gedruckt und in Halbpergament gebunden. Nur für diese Vorzugsausgabe wurden die zahllosen Holzschnitte von den Originalstöcken gedruckt. – 1933 waren die Verlagsräume in Berlin durch die SA besetzt und der Leiter Bruno Dreßler verhaftet worden. Die Geschäfte wurden nun von Zürich aus weitergeführt. Im Juni eröffnete die Schweizer Büchergilde-Zeitschrift ihr Heft 1 mit folgenden Worten: »Die Hakenkreuzfahne weht über dem Buchdruckerhaus zu Berlin, in dem die Büchergilde Gutenberg ihr Heim hat. Der Geist, der darin lebte, jener Geist, dem wir uns tiefinnerlich verbunden fühlten, mußte aus dem Haus weichen. Die Freiheit des Gedankens […] machte den einseitigen Parolen, der offenen und versteckten Propaganda für ein nationalsozialistisches Diktat Platz. […] Aufrichtige demokratische Tradition verträgt kein Diktat, keine sklavische Gesinnungsuniformierung« (buechergilde.de). – Einer der wichtigsten Beiträge zur Schweizer Buchillustration im 20. Jahrhundert. Von der Normalausgabe wurden pro Band etwa 20.–30.000 Exemplare gedruckt. 1945 hatte die Büchergilde in der Schweiz 100.000 Mitglieder.

21,8 : 14,0 cm.

Juker/Matorelli 16

848  Heinrich Zille. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

€ 150

[Berlin Oktober 1912]. Eine Seite.

An die »verehrte Redaktion des ›Ulk‹«. – »Anbei eine Zeichnung mit der Bitte, davon dort eine Querseite zu machen. Könnte mir die Zeichnung für die Schwarz-Weiß-Ausstellung (Secession) geliehen werden?« – Mit Bleistiftnotiz (Eingangsdatum 11.10.1912).

849  Heinrich Zille. Bilder vom alten und neuen Berlin.

€ 450

Dresden, Carl Reissner 1927. Durchgehend illustriert und nach Zilles Handschrift faksimilierter Text. Farbig illustrierte Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Titel mit eigenhändiger Widmung Zilles für Karl Weiss, datiert 10.1. 1928. – Innendeckel mit eingeklebtem eigenhändigem Brief an denselben, datiert 12.1.1927. Zille bittet Weiss, seinen Besuch einige Tage zu verschieben, da er erkrankt sei. – Später Sammelband mit den bekanntesten Arbeiten Zilles aus dem »Milljöh«.

25,5 : 19,4 cm. [92] Seiten. – Es fehlt möglicherweise ein Vorblatt.

850  Stefan Zweig – André Suarès. Cressida.

€ 400

Wien, E. P. Tal 1920. Originalkalblederband, Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe der freien Übersetzung von Stefan Zweig unter Mithilfe von Erwin Rieger. – Exemplar einer kleinen, aber nicht erwähnten Vorzugsausgabe in Leder (Gesamtauflage 1000). – Auf »Japan-Dokumentenpapier«. – Im Verlag von Ernst Peter Rosenthal gab dessen stiller Teilhaber Carl Seelig die Reihe »Die zwölf Bücher« heraus.

16,5 : 12,0 cm. 128, [4] Seiten. – Vorsatzblatt und das erste, leere Blatt entfernt.

Klawitter I 77. – Fromm VI, 24849a

ChristianHesse