Ergebnisse der Auktion 22/2, 16./17. Januar

Auktion 22/1 (Lose 1-632 Buchsammlung der Achilles-Stiftung) versteigern wir, der Corona-Einschränkungen wegen, erst im Mai 2021

683  Willy Meyer[-Osburg]. Skizzenbuch, Köln 5.12.65.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Limit: € 800

21, teils montierte Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen (farbige Kreiden, Tusche, Bleistift), auf neun Blättern. 1965. 44,5 : 59,5 cm. Jedes Blatt signiert und datiert. Als Buch gebunden, eine weitere große Zeichnung auf dem Vorderumschlag.

Unikales und frühes Album. – Fünf Zeichnungen formatfüllend auf den großen, querformatigen Bogen, eine weitere auf dem Umschlag. Die übrigen, auf verschiedenen Papieren unterschiedlichen Formats, wurden auf die Bogen montiert und zum Teil mit Fettkreide gerahmt und »verbunden«. Zwei dieser Collageblätter mit handgeschriebenem Text (»Zeichensoße für Rabelais«) bzw. Widmung »Halt ein! Mit Gespenstern spielend, wirst du zum Gespenst. für Horst«. – Das Buch entstand im Herbst 1965. Seit 1960 lebte Willy Meyer-Osburg (1934–2005) in Köln. 1964/65 hatte er eine Einzelausstellung im Museum Wuppertal, 1966 begann sein internationaler Durchbruch. – Ausstellung: Willy Meyer. Böttcherstraße 1970, Bücher/Mappen 15. – Tadellos.

Das erste leere Blatt lose. Innendeckel mit Abklatsch von Filmoplaststreifen.

  684a    Willy Meyer-Osburg. There’s The Tempest

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

in the Woodpile. Mit Texten aus Shakespeares ›Sturm‹ eingerichtet und gesetzt von D. E. Sattler and his ›Letter to William‹. Worpswede, Cohrs-Zirus 2004. Mit 20 farbigen Illustrationen nach Holzdrucken. Originalbroschur und Holzschnitte in Originalhalbleinenmappe.

Exemplar 20/50, eins von 50 der Vorzugsausgabe mit einer signierten Suite von zehn kolorierten Holzdrucken auf Velin »Somerset England«. – Nach dem Druckvermerk sollte in den Suiten der Exemplare 11–50 nur ein Holzdruck koloriert sein, hier aber alle zehn. Die Nummerierung der Einzelblätter unterschiedlich, wahrscheinlich wurde bei einigen Stöcken die Auflage nicht erreicht. – Auch im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Die Holzdrucke entstanden von nur minimal bearbeiteten Ausschnitten aus Baumscheiben, deren Umrisse das Profil menschlicher Köpfe bilden.

30 : 21 cm. [24] Seiten, 10 Holzdrucke.

  684    Willy Meyer[-Osburg]. 1968.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Limit: € 280

Sechs kolorierte Radierungen. 1966. 33,8 : 24,0 cm. Als Buch gebunden, Umschlag mit Temperabemalung und montierter kolorierter Radierung.

Die einer Bildgeschichte ähnelnde Folge entstand, der Signatur und Datierung in der ersten Platte folgend, bereits 1966, wurde aber erst 1968 koloriert und zum Buch gebunden. – Auf festem Velin, zusammen mit zwei leeren Blättern und zwei hellgrünen Bütten-Vorsatzblättern in dem Originalbüttenumschlag. Der Vorderdeckel vom Künstler farbig signiert und »1968« betitelt, als Vignette eine kleine Radierung. – Tadellos erhalten, erwartungsgemäß sehr selten. – Ausstellung: Willy Meyer. Böttcherstraße 1970, Bücher/Mappen 10.

685  Bauhaus – Gerhard Marcks. Das Wielandslied

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

der älteren Edda in der Übersetzung von R. Simrock. Holzschnitte von Gerhard Marcks. München-Weimar, Bauhaus-Verlag 1923. Zehn Holzschnitte, alle monogrammiert und datiert. Mit dem gefalzten Textblatt mit Holzschnitt-Signet lose in Originalhalbpergamentmappe (Otto Dorfner).

Exemplar 42/110. – Das erste Mappenwerk von Gerhard Marcks, gedruckt »nach meinen Angaben in der Druckerei des Staatlichen Bauhauses in Weimar vom Stock mit der Handpresse« (Druckvermerk). – Vollständige Folge, die Holzschnitte auf Hadernbütten gedruckt und auf Kartonblätter montiert. – Über dem lithographierten Druckvermerk prangt das große von Oskar Schlemmer entworfene Bauhaus-Signet, das seit 1922 verwendet wurde. – Die Mappe wurde mit bedrucktem Spritzdekorpapier, Innendeckel und Mappenflügel mit dunkelblauem Stempeldruckpapier bezogen. – »Das schönste Dokument der Begegnung dieses Künstlers mit dem Expressionismus ist die von Otto Dorfner gebundene Mappe mit den zehn Holzschnitten zum Wielandslied der älteren Edda […], die in 110 Abzügen auf der Handpresse im Staatlichen Bauhaus zu Weimar gedruckt worden sind. Ihr Stil erinnert an die naiven Illustrationen alter Märchen« (Lang, Expressionistische Buchillustration, S. 26). – »Nicht nur wegen der hohen Auflage, sondern auch wegen ihres in den Auseinandersetzungen am Bauhaus nahezu programmatischen Charakters, besitzt die Graphikfolge […] ein besonderes Gewicht im Frühwerk.« (Lammek, S. 24).

35,8 : 29,8 cm. 10 Holzschnitte, 1 Doppelblatt. – Einige Holzschnitte leicht stockfleckig, der erste und das Textblatt etwas stärker. – Die Mappe innen etwas berieben.

Lammek H 77.1–11. – Katalog Lindenau-Museum 3014-3023. – Vgl. A und O des Bauhauses, Kat. 137, Abb. 23

686  Emil Nolde. Petri- und Jacobikirche, Hamburg.

Schätzpreis/Estimate: € 1500 ( R16 )

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Radierung. 1910. 41,3 : 31,4 cm (45,3 : 60,3 cm). Signiert, am Unterrand betitelt.

Nach Schiefler »mindestens« 21 Exemplare. – Auf Bütten. – Druck bei Genthe und Sabo. – Im zweiten und endgültigen Zustand mit dem schwarz schraffierten Haus am linken Bildrand. – Streifig gewischte, dunkle Tonätzung. – Die beiden Türme in starkem Hell-Dunkel-Kontrast.

Im Passepartoutausschnitt etwas gebräunt.

Schiefler/Mosel/Urban 142 II (von II)

687  Emil Nolde. Hamburg, Alsterbassin.

Schätzpreis/Estimate: € 1500 ( R16 )

Zuschlag/Hammerprice: € 7000

Radierung. 1910. 31,3 : 41,2 cm (41,8 : 51,2 cm). Signiert, im Unterrand betitelt.

Eins von 21 Exemplaren. – Auf Bütten »Van Gelder-Zonen«. – Mit hellem, körnig-fleckigem Plattenton. – Gedruckt bei Genthe und Sabo. – Für die Auflage wischte Nolde die Segel und einige der Wolken über der Lombardsbrücke weiß.

Etwas braunfleckig, besonders unter dem Passepartout.

Schiefler/Mosel/Urban 146 II (von II)

688  Emil Nolde. Hamburg, Kran.

Schätzpreis/Estimate: € 1500 ( R16 )

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Radierung. 1910. 31,2 : 41,0 cm (43,8 : 53,8 cm). Signiert, im Unterrand betitelt.

Nach Schiefler »mindestens« 13 Exemplare. – Auf Bütten »Van Gelder-Zonen«. – Mit grau gewischtem Plattenton. – Gedruckt bei Genthe und Sabo.

Leicht braunfleckig, unter dem Passepartout gebräunt.

Schiefler/Mosel/Urban 148 II (von II)

689  Jan Oeltjen. Begegnung.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Acht Holzschnitte und eine Kohlezeichnung. 1923. Ca. 45 : 36 cm. Signiert, betitelt und »egh. Dr.« bezeichnet, die Zeichnung monogrammiert und datiert.

Exemplar V/X, aus der Vorzugsausgabe auf Japan und mit einer Handzeichnung (Gesamtauflage 30). – Jan Oeltjen (1880–1968) hatte in Wien Kokoschka und andere Vertreter des Wiener Expressionismus kennengelernt, die seine künstlerische Ausdruckweise beeinflussten. Noch während des Ersten Weltkriegs stellte er in der Berliner Galerie Paul Cassirer aus. 1919 bis 1923 entstanden mehrere Holzschnittzyklen. Nach der Datierung der Handzeichnung entstanden erste Entwürfe für die vorliegende Folge schon 1918. – Die großformatigen Holzschnitte im Stock monogrammiert und am Unterrand vom Künstler eigenhändig signiert, mit »Begegnung 1 [bis] 8« betitelt und als eigenhändiger Druck bestätigt. – Alle Graphiken und die beiden mit Tusche kalligraphierten Textblätter (Titelblatt und Druckvermerk) liegen in Passepartouts. Diese lose in der Originalhalbpergamentmappe mit goldgeprägtem Titel. – Erschienen im Rikola »Verlag neuer Graphik«.

Die Mappe etwas berieben und stärker fleckig. – Die Holzschnitte leicht, die letzten beiden stärker stockfleckig.

Gäßler/Steffens 24–31. – Nicht im Katalog Lindenau-Museum

690  Alexander Olbricht. Ober-Weimar.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

Acht kolorierte Radierungen. Um 1920. Ca. 5 : 6 bis 8 : 11 cm. Alle signiert, betitelt und bezeichnet.

Alle auf dünnem Japanpapier. – Auf dem Innendeckel der Mappe eigenhändig als »handkolorierte Vorzugsdrucke« bezeichnet und dort nochmals signiert. – Diese Mappe enthält die Radierungen: »In Oberweimar«. »Kirche zu Ehringsdorf«, »Pfarrhaus zu OberW.«, »Mauerecke«, »Haus Nr. 40«, »Eingeschneites, Haus No. 189a zu OberWeimar«, »Berggasse in Weimar« und »Am Viadukt in W.« – Alle Radierungen signiert, mit Reihen- und Einzeltitel, dem Zusatz »Vorzugsdr.« sowie einer Exemplarnummer bezeichnet. Alle in Passepartouts und diese in flaschengrüner Kalbledermappe. Die Mappe wurde von Otto Dorfner angefertigt und signiert. Der Rückentitel, Olbrichts Monogramm auf dem Vorderdeckel, Deckelkantenfileten und Eckverzierungen (Signet »WeimarVerlag«) wurden vergoldet. Die Innendeckel und Mappenflügel sind mit gelbem Kleisterpapier bezogen. – Alexander Olbricht (1876–1942) kam 1899 nach Weimar und studierte an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule. 1902 begegnete er Marcus Behmer, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. In den 1920er Jahren war Olbricht Professor an der Weimarer Hochschule für bildende Künste. – Tadellos schönes Exemplar mit Schutzpapierumschlag und im Schuber.

17,5 : 23,0 cm. – Die erste Radierung minimal stockfleckig.

Vgl. Müller-Krumbach R 102–109 (Kat. Weimar 1976 387–395)

691  Alexander Olbricht. [Weimar].

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Acht Radierungen, davon sieben koloriert. Um 1920. Ca. 7 : 11 bis 14 : 15 cm. Signiert.

Die etwas größerformatigen Radierungen mit Ansichten aus Weimar und Umgebung (»Kirche und Brücke«, »Zaun im Winter«, »Häuser am Dorfrand«, »Ehringsdorfer Teichlandschaft«, »Bahnübergang«, »Scheune mit Bahnübergang«) sowie »Boltenhagen mit Fahne«. – Auf Bütten, alle signiert, zwei mit »handcolor.« bzw. »orig. color. Handdruck« bezeichnet. – Irrtümlich in der Halbledermappe »A. Olbricht / Holzschnitte« von Otto Dorfner: Schwarzer Kalblederrücken mit vergoldetem Titel, blaue Kleisterpapierbezüge und vergoldete Schmuckkanten. – Aus dem Nachlass Otto Dorfners, in dessen Reiher- und Weimar-Verlag mehrere graphische Folgen Olbrichts erschienen, was die irrtümliche Zusammenstellung erklärt.

Vgl. Müller-Krumbach (Weimar 1976) 404ff. R 119–122, 124, 125 und 127 (eine Radierung nicht aufgeführt)

  692    Alexander Olbricht. Sechs Pflanzenzeichnungen.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Lithographien nach Originalen im Städtischen Museum zu Erfurt. Mit einem Geleitwort von Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob. Weimar, Reiher 1922. Mit sechs ganzseitigen Lithographien und vier Vignetten. Originalbroschur mit gelben Japanpapierbezügen und dunkelblauer Seidenband-Durchstichsheftung.

Eins von 80 Exemplaren der Ausgabe B auf dünnem Japanpergamentpapier (Gesamtauflage 100). – Druckvermerk vom Künstler signiert. – Als Blockbuch gebunden. – Edwin Redslob über Olbrichts Arbeiten: »sie sind zart und kostbar, man möchte sich ihrem Genuss still und ohne Worte hingeben«. – Alexander Olbricht (1876–1942) war zu dieser Zeit Professor an der Weimarer Hochschule für bildende Künste. Zusammen mit Walther Klemm, der zu den ersten Lehrern des Weimarer Bauhauses gehörte, war er künstlerischer Mitarbeiter des Reiher-Verlags, den Otto Dorfner 1922 gegründet hatte.

38,7 : 26,3 cm. [16] Seiten. – Das gelbe Japanbezugspapier mit wenigen leichten Stockflecken, sonst sehr schön erhalten.

Müller-Krumbach (Weimar 1976) 530

693  Pablo Picasso. Nègre, nègre, nègre … Portrait d`Aimé Césaire.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 3400

Kaltnadelradierung. 1949. 39,5 : 28,5 cm. Signiert.

Probeabzug auf Monval. – Durch Signatur des Künstlers bestätigt. – Die Radierung erschien als Frontispiz in »Corps perdu«. Auf einem gefaltetem Doppelblatt mit dem Titel des Buches auf der rechten Blatthälfte. – Verso typographisch datiert 1949.

Bloch 633. – Baer 841. – Cramer 56

694  Pablo Picasso. Vallauris 1953 Exposition.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Klischeedruck auf farbig getöntem Papier. 1953. Ca. 63 : 50 cm (79,7 : 60,3 cm). Signiert.

Die Tuschzeichnung, die Picasso 1952 produziert hatte, wurde als Klischee gedruckt. Für diese größere von zwei Versionen des Plakates wurde ein leichtes Papier verwendet, das mit hellen Farben (von Hand?) eingefärbt wurde. Das Klischee bewirkte einen sehr kräftigen Abdruck, der an einen Linolschnitt erinnert. – Czwiklitzer und Rodrigo beschreiben die kleinere Variante, bei der der Hintergrund in kräftigeren Farben im Buchdruck ausgeführt wurde. – Mit rotem Kreidestift signiert.

Auf Trägerkarton montiert.

Rodrigo 18. – Czwiklitzer dtv 79

695  Pablo Picasso. La Tauromaquia.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

Heliogravüre. 1960. 26,4 : 31,0 cm (57,0 : 45,8 cm). Signiert.

Eins von 50 Exemplaren ohne Text. – Auf Velin d’Arches. – Für das Plakat zur Ausstellung der Galerie Lucie Weill, Paris 1960, wurde ein Ausschnitt der Radierung »Alceando a un toro«, dem abschließenden Blatt der »Tauromaquia« von 1957, als Lichtdruck reproduziert und von Picasso authorisiert. – Mit blauem Kreidestift signiert.

Minimale diagonale Knickspur.

Rodrigo 102. – Czwiklitzer dtv 172. – Vgl. Bloch 976

  696    Dieter Roth. Mein Auge ist ein Mund.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Zweifarbige Radierung. 1966/1968. 50,0 : 39,5 cm (75 : 36 cm). Signiert.

Eins von 750 Exemplaren. – Auf weißem Bütten. – Im Entstehungsjahr wurden nur wenige Probe-Handabzüge gedruckt. – Die erste Dieter Roth-Arbeit in der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg.

Kann mit Rahmen erworben werden, Mehrkosten: 80 EUR. – Freistehend gerahmt, nicht außerhalb des Rahmens begutachtet. – Farbfrisch und sehr gut erhalten.

Dobke 66 II (von II). – Griffelkunst 172 A4

  697    Dieter Roth. 4 Löwen.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Farbserigraphie. 1973. 64,0 : 77,5 cm. Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 85/100. – Auf weißem Bütten. – Durch unterschiedliche Kombination der sechs verwendeten Druckfarben entstanden 100 Unikate, weitere 30 waren dem Künstler vorbehalten. – Gedruckt von Frank Kicherer, Stuttgart. – Ediert vom Kunstverein Hamburg.

Kann mit Rahmen erworben werden, Mehrkosten: 80 EUR. – Freistehend gerahmt, nicht außerhalb der Rahmung begutachtet. Kleine Flecken (eventuell durchschlagende Montierungsspuren) am äußersten linken und am oberen Rand.

Dobke 271

  698    Dieter Roth. Taschenzimmer.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Materialcollage. 1987. 10,7 : 7,3 : 1,8 cm. Monogrammiert und datiert.

Seit 1968 in unnummerierter Auflage innerhalb der Reihe »Kleinkunst im Haushalt« erschienen. – Auf die gestempelte Zeichnung eines Tisches wurde eine Bananenscheibe genagelt, deren stets unterschiedlicher Verfallsprozess bildhafte Wirkung erreicht. – In der originalen Kunststoff-Spielkartenkassette. – Ediert vom VICE-Verlag. – Ohne die Kartonschachtel. – Der Acrylglasdeckel etwas matt.

Dobke, Bücher + Editionen, Seite 25 mit zwei Abbildungen. – Slg. Schnepel R5-49

  699    Christian Schad. Sechs Holzschnitte.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 950

1915–1917/1971. Ca. 18: 12 cm (35 : 30 cm). Signiert, datiert und betitelt.

Eins von 100 Exemplaren. – Die vollständige Folge, erschienen in der Edition Panderma von Carl Laszlo, Basel, enthält folgende Holzschnitte: Selbstbildnis. 1915. – Vor dem Ballett. 1915. – Midinette. 1915. – Mme. de B. 1915. – Verräterin. 1917. – Mrs. de Marville. 1917. – Lose in der Originalumschlagmappe. – Von seinen frühen Holzschnitten druckte der Künstler in der Entstehungszeit meist nur einzelne Handabzüge.

Zwei Blätter mit schmalem Knick am linken Rand.

700  Otto Schubert. Bei uns.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

20 Radierungen und eine Titelradierung. 1920. Meist ca. 33 : 25 cm. Signiert, mit den Blattnummern und »Selbstdruck« bezeichnet.

Sehr selten graphische Folge, 1923 erschien eine zweite Folge. – Auf der Titelradierung, die auch die 20 Bildtitel auflistet, vom Künstler eigenhändig als »Außerhalb der Auflage · Probemappe« bezeichnet. – Otto Schubert radierte hier Szenen aus seinem ländlich-familiären Leben am Dresdner Borsberg, die Mappe erschien im Eigenverlag. Im selben Jahr entstand, mit sehr ähnlichen Motiven, das für Schuberts Kinder konzipierte Bilderbuch »für Tyll und Nele« mit Farbholzschnitten. – Die Radierungen auf Japanbütten, jede in Passepartout und diese lose in einer Halbleinenmappe mit dem Titel in Stempeldruck. – Otto Schubert (1892–1972) studierte von 1906 bis 1909 an der Dresdner Kunst- und Gewerbeschule, wurde Bühnenmaler und hatte erste Erfolge mit Illustrationsfolgen. Er gehörte zu den Begründern der Dresdener Sezession und kam in Kontakt zu den Verlegern Reinhard Piper und Alfred Flechtheim. Ein Großteil seiner Arbeiten wurde bei der Bombardierung Dresdens 1945 zerstört.

40 : 33 cm (Mappe).

Sennewald 192, 20.8. – Vgl. Katalog Lindenau-Museum, das in seinem umfangreichen Schubert-Bestand nur die zweite Folge besitzt

701  Ronald Searle. Germany. Berlin Wall. Holiday.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 8000

(Friedensengel auf der Berliner Mauer). Tusche und Aquarell. 1963. 49,0 : 36,8 cm. Signiert, datiert und betitelt.

Die vielfach reproduzierte Zeichnung ist ein der markantesten Motive in der Serie zur Berliner Mauer. – Auf Zeichenkarton, dieser auf Pappe aufgezogen. – Rückseitig mit Ausstellungsaufkleber der Bianchini Gallery, New York, mit Katalognummer (?) »#99«. – Der britische Künstler Ronald Searle (1920–2011) zählt zu den renommiertesten Karikaturisten des 20. Jahrhunderts. Unvergessen sind seine »St. Trinian’s« Cartoons (1948). Anfang der 1960er Jahre entstanden mehrere Serien zur bundesdeutschen Gegenwart. – Aus dem Besitz des Hamburger Stern-Karikaturisten Peter Neugebauer.

702  Ronald Searle. Buxtehude.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

Tuschzeichnung, laviert. 1964. 50 : 38 cm. Signiert, datiert und betitelt.

In umfangreichen Folgen dokumentierte der Karikaturist Ronald Searle seine Eindrücke während einer Deutschlandsreise in den frühen 1960er Jahren. – Auf weiß gestrichener Malpappe. – Ehemals Sammlung Peter Neugebauer, Hamburg. – Rückseitig nochmals betitelt und mit Searles eigenhändig notierter Pariser Anschrift.

  703    Heinrich Siepmann. Ohne Titel.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 440

Collage (Wellpappe und Karton), bemalt und auf Gouache montiert. 1989. 28,0 : 39,5 cm (50,0 : 39,5 cm). Signiert und datiert.

Mehrschichtig erweitert sich die Bildgröße, erst auf dem vollen weißen Bogen signiert und datiert. – Heinrich Siepmann (1904–2002) studierte an der Folkwang-Schule Essen. Beeinflusst von den geometrisierten Bildkompositionen der Bauhauszeit setzte er nach Kriegsende, inzwischen Mitglied der Recklinghausener Künstlergruppe »junger westen«, dieses Gestaltungsprinzip konsequent fort und blieb ihm bis ins hohe Alter treu.

  704    Renée Sintenis. Junge mit Fohlen.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Radierung. 21,8 : 17,0 cm (38,2 : 27,3 cm). Signiert.

Auf festem, leicht getöntem Karton. – Unten rechts Besitzvermerk »Erich Lüth«, wohl der Hamburger Publizist (1902–1989).

Leicht gebräunt, rückseitig umlaufend Montierungsreste.

  705    Jiri Sliva. Kamikatze. – Patent. – Chat Neuf du Pape.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Drei Farblithographien. Signiert und nummeriert.

Aus Auflagen von 55 bis 65 Exemplaren. – Formate: 24 : 19 cm (50 : 40 cm). – 31,5 : 39,5 (47 : 53 cm). – 24 : 32 cm (43 : 33 cm). – Jiro Sliva (geboren 1947) ist einer der bekanntesten tschechischen Karikaturisten und Illustratoren. Er vermengt in seinen Arbeiten naive mit surrealistischen Motiven.

Können in den gleichartigen Rahmen erworben werden, Aufpreis inkl. Versand 150 EUR. – Auf glattem Karton. – Alle gerahmt, im Passepartoutausschnitt unterschiedlich stark gebräunt, Blatt 2 mit kleinem Braunfleck im Unterrand.

706  Eugen Spiro. Das Podium.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Künstlergesten aus dem Concertsaal. 34 Lithographien. Ca. 30 : 25 cm. Signiert.

Exemplar 44/55. – Erste Ausgabe, später erschienen 30 Mappen mit drei zusätzlichen Blättern. – Die Lithographien wurden auf Japan gedruckt und blattweise signiert. Jede in Passepartout mit der faksimilierten Signatur des jeweiligen Künstlers. – Mit Porträts berühmter Musiker, Dirigenten und Sänger der Zeit, u. a. Arthur Nikisch (2), Lilli Lehmann, Ferruccio Busoni (2), Carl Flesch, Artur Schnabel (2), Richard Strauss, Claire Dux, Leo Slezak, Franz von Vecsey, Arnold Rosé sowie Hess-Quartett und Rosé-Quartett. – Mit dem lithographierten Widmungsblatt für Arthur Rosenheim und dem Inhaltsverzeichnis lose in der Originalmappe mit Deckellithographie. – Vollständig selten zu finden.

Mappe mit leichten Alterungsspuren, Rücken mit aufgeklebtem Titeletikett.

Thieme/Becker XXXI, 390 (datiert 1906). – Sennewald 293 (ca. 1920)

707  Hermann Struck. Porträt Albert Einstein.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Kaltnadelradierung. 1920. 19,8 : 14,1 cm (28 : 22 cm). Signiert und nummeriert, in der Platte monogrammiert und datiert. Am Unterrand von Albert Einstein signiert.

Exemplar 20/150. – Eins von 50 Exemplaren, die auch vom Porträtierten signiert wurden, so als Blatt 1 in der Vorzugsausgabe der Mappe »Köpfe 1920«, der 1921 und 1922 noch zwei weitere Mappen folgten. – Auf Bütten. – Es ist überliefert, dass Albert Einstein von diesem 1919 entstandenen Porträt nicht sonderlich begeistert gewesen sein soll. – 1919 bestätigt die Auswertung einer Sonnenfinsternis die von Einstein vorhergesagte Krümmung des Lichts im Schwerfeld der Sonne und machte den Physiker weltberühmt.

Umlaufend etwas beschnitten, rückseitig leicht gebräunt. – In Passepartout montiert.

Katalog Lindenau-Museum 6003. – Bei Söhn nur die beiden späteren Mappen

708  Hermann Struck. Hochzeitsreise 1920.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

17 Lithographien. 1920. Signiert.

Exemplar 7/30. – Enthält folgende Ansichten: Elbufer, Bad Schandau, München, Bozen (2), Meran, Trento, Gardasee, Venedig (9). – Die Lithographien auf unterschiedlichen Papieren, einzeln signiert und in Passepartouts montiert. – Mit dem Titelblatt (mit signiertem Auflagenvermerk und der Bildliste) in Originalhalbleinenmappe. – Die Steine wurden nach dem Druck abgeschliffen. – Sehr selten, wir konnten bei artprice kein Exemplar nachweisen. In der Auktion der Sammlung Stinnes (1936) ist Exemplar 1/30 unter KatNr. 1256 identisch beschrieben.

44 : 33 cm (Mappe). – Mappendeckel etwas stockfleckig. Mappenflügel in den Gelenken eingerissen.

709  Hermann Struck. Amerikanische Reisebilder.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 3800

44 Lithographien. 1922. Signiert. 35 : 45 cm (Mappenformat). Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1922.

»Archiv-Exemplar I«, wie die fünf Vorzugsexemplare in zwei Ganzledermappen mit goldgeprägten Titeln (Gesamtauflage 45). – Die vollständige Folge, u. a. mit folgenden Ansichten: New York (»Wolkenkratzer«, Hochbahn, Central Park, Freiheitsstatue, Metropolitan Opera, Brooklyn u. v. m.), Chicago, Lake Michigan und Niagara-Fälle. – Hermann Struck (1876–1944) bereiste noch vor dem Ersten Weltkrieg Palästina (1903), Schweden, England und die USA (1912/13). Seine graphischen Eindrücke veröffentlichte er erst nach dem Krieg, teils als Mappenwerke, teils mit Texten von Arthur Holitscher (Palästina, Amerika) und Hermann Hesse (Italien). – »Amerikanische Reisebilder« erschien als erste »Tillgner-Mappe« zeitgleich mit dem ersten »Tillgner-Druck« (Struck/Holitscher, Amerika, allerdings mit Radierungen). – Alle Lithographien auf Japanpapier, signiert und in Passepartout. Je 22 mit einem Titelblatt in den beiden dunkelblauen Originalmaroquinledermappen. – Sehr selten, zumal in der Vorzugsausgabe.

Die Mappen leicht fleckig und berieben. – 6 Lithographien etwas stockfleckig. – Einige Lithographien mit abweichenden Exemplarnummern und Auflagen nummeriert.

Nicht bei Thieme/Becker

  710    Théo Tobiasse. Les fruits de Brugges.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

Farblithographie. Um 1980. 50,0 : 65,5 cm (57,5 : 77,5 cm). Signiert und nummeriert.

»EA XXV/XXV«. – Eins von 25 Künstlerexemplaren, auf Japon nacré. – Farbenprächtige Lithographie des französischen Künstlers (1927–2012), der bereits als Kind mit seinen Eltern aus Palästina nach Paris kam.

Vier Anheftungen leicht durchschlagend.

711  Heinrich Vogeler. Im Mai.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R16 )

Zuschlag/Hammerprice: € 480

Aquatintaradierung. 1897. 34,4 : 25,0 cm (38,2 : 28,0 cm). Signiert.

Eins von 50 signierten Exemplaren auf Japan, dabei eins aus der in Braun gedruckten Teilauflage. – Nuancierter Frühdruck mit dem Käfer als Remarque im Plattenrand.

Kann mit Rahmen erworben werden, Aufpreis inkl. Versand 100 EUR. – Wohl auf Japan aufgezogen und deutlich beschnitten. Die äußersten Papierränder gebräunt und mit zwei kleinen Kugelschreibermarkierungen.

Rief 16 II b (von II d)

712  Paul Wunderlich. Landschaft.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Radierung. Um 1952. 9,0 : 34,7 cm (23,8 : 51,8 cm). Signiert.

Nicht im Werkverzeichnis der Druckgraphik. – Im Frühwerk Paul Wunderlichs finden sich (datiert 1952) einzelne Radierungen ähnlichen Sujets und Formats, wie die vorliegende ohne Auflage. Schon Mitte der 1950er Jahre wandelte sich das graphische Œuvre, nach Selbststudium der Lithographie (1957/58) auch im Hinblick auf die verwendete Technik. – Wir danken der Edition Huber in Offenbach für freundliche Auskunft und mündliche Expertise.

Leicht gebräunt, rechts unten Wasserrand.

713  Ellen Auerbach. Das Wirkliche als Komposition.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Sechs Fotografien. 1930–1954/2012. 30,5 : 24,0 cm.

Vollständige Folge von sechs Fotografien, die einen Überblick auf das vielfältige Œuvre der Fotografin bieten: Werbefotografie von 1930, Leben in Amerika 1940er-1954 u. a. – Abgezogen von den Originalnegativen aus dem Nachlass in der Kunstsammlung der Akademie der Künste, Berlin. – Während ihrer Ausbildung beim Bauhaus-Fotografen Walter Peterhans lernte Ellen Rosenberg, die 1937 Walter Auerbach heiratete, 1929 Grete Stern kennen und eröffnete mit ihr für wenige Jahre das Fotostudio »ringl + pit«. – Ediert von der Griffelkunst Hamburg, 346 C1–6. – Mit dem Textheft in der Originalhalbleinenmappe.

  714    Karl-Heinz Bast. Ezra Pound.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1972. 38,7 29,7 cm. Signiert, rückseitig betitelt und mit dem Copyright-Stempel des Fotografen.

Das markante Porträtfoto entstand im Todesjahr des Dichters in Venedig. – Karl-Heinz Bast (geboren 1937) war seit 1960 als freier Bildjournalist in Bonn u. a. für FAZ, Süddeutsche, Stern und Die Zeit tätig. Bekannt wurde er auch durch seine Porträtfotografien von Konrad Adenauer, Oskar Kokoschka, Mark Tobey, Leonor Fini, Antoni Clavé, Max Ernst, Ezra Pound, Heinrich Böll, Günter Grass, Marcel Marceau u. a.

  715    Anna und Bernhard Blume. Waldeslust. – Im Holz. – Auf der Schwarzwaldhöhe.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Duplex-Offsetdrucke mit Lack, nach Fotografien. 1982–1985/2000. 50,0 : 31,5 cm (65,0 : 43,2 cm). Signiert, datiert und betitelt.

Fast schonungslos dokumentarische Fotografien des Künstlerpaars, die Bildinhalte konterkarieren die Bildtitel (oder umgekehrt). – Auf festem Offsetkarton. – Die vollständige von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg edierte dreiteilige Folge, Editionsnummern 298 B4–6. – Tadellos erhalten.

  716    Anna und Bernhard Blume. 6 eingefleischte Tatsachen.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 190

Sechs Farboffsetdrucke nach Polaroidfotos. 1996/97. 15,8 : 12,4 cm (50,0 : 35,5 cm). Signiert.

Vollständige Folge mit Titel- und Textblatt im Originalumschlag. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 286 A1–6.

717  Andreas Feininger. Schiffe auf dem East River, New York.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Fotografie. 1940/2010. 30,5 : 39,5 cm (39,5 : 49,5 cm).

Großformatiger Abzug vom Originalnegativ aus dem Nachlass. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer E 463. – Tadellos.

718  Andreas Feininger. Fischmarkt in der South Street, New York.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Fotografie. 1940/2010. 39,5 : 30,5 cm (49,5 : 39,5 cm).

Großformatiger Abzug vom Originalnegativ aus dem Nachlass. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer E 464. – Tadellos.

719  Tim Gidal. Hamburg, Gängeviertel 1929.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 21 : 16,8 cm. Rückseitig signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

Rückseitig später signiert und betitelt sowie zusätzlich mit englischen Angaben »early print«, »Hamburg. Red light district 1929« »open flash (powder, a big load!)« sowie Stempeln und Maßangaben. – In Tim Gidals Publikation »Chronisten des Lebens« (S. 82) betitelt: »Eine Gasse im Hamburger Arbeiterviertel«. – Eine der frühesten Aufnahmen des damals gerade 20jährigen. Nach Anmerkung bei Hans-Michael Koetzle schenkte ihm sein Bruder 1929 die erste Leica und noch im selben Jahr folgte eine erste Veröffentlichung in der »Münchner Illustrierten«.

720  Tim Gidal. München, Englischer Garten, Dec. 1929.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1929. 23,1 : 16,8 cm. Rückseitig signiert, datiert und betitelt sowie beschriftet.

Sehr frühe Aufnahme des damals gerade 20jährigen. Tim Gidal (1909–1996) war durch seinen Bruder Georg, der Pressefotograf war, zum Fotografieren gekommen. Bereits 1929 arbeitete er als Fotojournalist und gilt als Pionier dieses Berufsbildes. – Wie meist bei Aufnahmen aus seinem privaten Archiv auch hier mit zahlreichen Beschriftungen und Stempeln auf der Rückseite. Nach Bericht seines Sohnes vertrat Gidal die Auffassung, Fotos könne man, wenn schon nur rückseitig, gar nicht oft genug signieren. Hier finden sich, außer Titel, Datierung und Signatur noch der zusätzliche Bildtitel »Einsam bin ich nicht, – alleine …« mit dem Zusatz »(Interpunktion beachten)«, zwei Copyright-Stempel sowie die Widmung »for Peter with love Dad«.

721  Tim Gidal. Fishing barges in Marseilles (Invasion fleet).

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1930. 18,3 : 12,0 cm. Rückseitig signiert, betitelt und bezeichnet.

Wohl auf einer der ersten Reisen Gidals entstanden und deutliches Beispiel für seine Kombination aus künstlerischer Komposition und dokumentarischem Inhalt. – Rückseitig betitelt (erste Zeile nachträglich gestrichen), mit Stempel »Photo by Tim Gidal« und signiertem Bleistifthinweis »Vintage print 1930« sowie »for Peter«.

Linke untere Ecke mit kleinem Knick.

722  Tim Gidal. Fernsehgesicht, München 1930.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Fotografie. Silbergelatine. 15,0 : 12,6 cm. Rückseitig signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

Experimentelle Fotografie. – Rückseitig zusätzlich beschriftet »veröffentlicht 1930 in der Münchner Illustrierten Presse« und später »not certain whether vintage print or not. Can’t remember! TG« und »probably vintage print 1930 | (TG 1990)«. – Einige Maßangaben für Reproduktion und Montagespuren.

723  Tim Gidal. Anna Freud und Dr. Stekel, Luzern 1934.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1934. 16,7 : 22,0 cm. Unten rechts signiert und datiert, rückseitig nochmals signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

1934 hatte Tim Gidal als Fotoreporter den 13. Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Luzern dokumentiert. – Dort entstand dieses spontane Porträt von der Tochter Sigmund Freuds und Wilhelm Stekel, dem bedeutenden Wiener Psychoanalytiker. – Rückseitig ausführlich beschriftet, hier u. a. mit zweiter, späterer Signatur, Archivnummern und Copyrightstempel.

Zwei Klebereste von ehemaliger Montage.

724  Tim Gidal. Pin ups on the Ceiling of the Sheikh of Kuwait’s Room.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 4200

Queens and Actresses. Kuwait 1942. Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 29,1 : 21,8 cm. Signiert und datiert, rückseitig nochmals signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

Die großartige Fotografie entstand während Gidals Einsatz als Bildreporter der »Eighth Army« in Arabien. Die dokumentarische Aufnahme erfasst die an die Saaldecke montierten Porträts und einen dort sichtbaren Deckenventilator – und nur dieser ermöglicht es dem Betrachter, die Blickrichtung des Fotographen nachzuvollziehen. – Rückseitig – wie meist bei Gidals Aufnahmen – ausführlich beschriftet, hier u. a. mit monogrammiertem Zusatz »Eigener Vintage Print 1943«, Widmung »für Pia TG« (seit 1980 Gidals zweite Ehefrau), zwei Angaben zu den Porträts und zwei Stempeln.

Linke untere Ecke mit winzigem Knick. – Rückseitig Klebereste von ehemaliger Montage.

725  Tim Gidal. Alexandria.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1943. 17,5 : 12,0 cm. Rückseitig signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

Rückseitig auch mit mehreren Stempeln, u. a. »Pictorial Press, London«. Tim Gidal war 1936 für kurze Zeit nach Palästina emigriert. Von 1938 bis 1947 arbeitete er in London für »Picture Post« und »Parade«, das Magazin der »Eighth Army«. Dieser Großverband des britischen Heeres war von 1941 bis 1943 in Ägypten eingesetzt.

Winzige Druckspuren in der Bildschicht.

726  Tim Gidal. C. G. Jung.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1958. 16,8 : 25,3 cm. Rückseitig signiert, betitelt und bezeichnet.

Ende 1957 hatte Tim Gidal (1909–1996), der damals in den USA lebte, den Psychiater Carl Gustav Jung (1875–1961) in der Schweiz besucht. Es entstanden mehrere Aufnahmen in dessen Haus, hier in der Bibliothek. – Rückseitig signiert, betitelt, datiert und beschriftet: »vintage print || only print in existance | must be returned«. – Mit dem Jerusalemer Adressaufkleber (Gidal lebte von 1936 bis 1948 und von 1970 bis 1996 in Palästina bzw. Israel), einem Copyright-Stempel und einigen Archivnummern.

Ecken minimal bestoßen.

  727    Nan Goldin. April in the window, N. Y. C.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Fotografie, Cibachrome. 1983/1996. 30,5 : 40,5 cm. Rückseitig signiert.

Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer 282 A3. – Tadellos.

  728    Nan Goldin. Kee in bed, E. Hampton, N. Y.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Fotografie, Cibachrome. 1988/1996. 30,5 : 40,5 cm. Rückseitig signiert.

Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer 282 A5. – Tadellos.

729  Richard Hamilton. Whitley Bay.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 475

Kolorierte Fotografie mit farbigem Siebdruck. 1969. 10,5 : 15,5 cm.

Eins von wohl 150 unikalen Exemplaren. – Die Karte basiert auf dem gleichnamigen Gemälde von 1965 und wurde als Einladung der Robert Fraser Gallery verschickt. – Hamilton kolorierte die gerasterte Fotografie mit pastellartigen farbigen Tinten und akzentuierte jedes Exemplar unterschiedlich mit kleinen roten Farbsprenkeln. – Robert Frasers Galerie im Londoner Stadtteil Marylebone zählte zu den wichtigsten Plätzen der Pop-Art. Die Galerie und ihr Besitzer waren in den 1960er Jahren skandalträchtig und medienpresent: Drogenrazzien, Jim Dines teils aufgelöste Ausstellung und der erste Gilbert & George-Auftritt waren »Höhepunkte« dieser Zeit. 1969 wurde die Galerie geschlossen. – Richard Hamilton steuerte 1968 ein Poster zum »White Album« der Beatles bei, Rob Fraser entwickelte das Logo und den Namen der Beatles-Firma »Apple Corps«.

730  Gerhard Kerff. Duisburg. Kanalbrücken.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Fünf Fotografien. Um 1935. 39,8 : 28,8 cm bzw. 29,8 : 23,8 cm.

Gerhard Kerff war während seines Studiums an der TH Stuttgart 1930/31 Praktikant beim Hochbauamt in Duisburg. Nach seinem Diplomabschluss arbeitete er ab 1934 im Atelier Heinrich Blecken in Duisburg. Die Aufnahmen könnten zu seinen frühesten Arbeiten zählen, die vorliegenden Abzüge entstanden sicher später. – Aus dem Nachlass der Lebensgefährtin des Fotografen. – Der großformatige Abzug rückseitig mit ihrem Besitzvermerk und wohl von ihr betitelt, die weiteren vier Abzüge ohne Hinweise.

Gerhard Kerff (1908–2001) arbeitete nach Kriegsende zunächst als Architekt in Hamburg, von 1967 bis 1973 hiesiger Baudirektors. Obwohl lebenslang nur Amateur-Fotograf, war er auf diesem Gebiet so professionell, dass Albert Renger-Patzsch, der Kerff 1932 in einem Kurs für Amateurfotografen kennengelernt hatte, sein Mentor wurde. Zahlreiche Briefe belegen die Entwicklung Kerffs »zu einem Fachmann auf Augenhöhe«, der Renger-Patzsch in technischen und gestalterischen Fragen beriet. Beide konzentrierten sich auf Architektur- und Landschaftsfotografie. Aufnahmen von Gerhard Kerff, die ab 1941 während vieler Reisen entstanden, wurden u. a. im Reisemagazin »Merian« veröffentlicht. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe erhielt von Kerff tausende Fotografien sowie die gesamte Korrespondenz mit Renger-Patzsch. 2010 wurde der Nachlass an das Albert Renger-Patzsch Archiv der Münchner Stiftung Ann und Jürgen Wilde angegliedert.

731  Gerhard Kerff. Schleswig. Grabstein.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

Fotografie. Silbergelatine. 1938. 36 : 27 cm.

Späterer Abzug. – Rückseitig mit »Foto Kerff« signiert, betitel und mit »ca. 1936« datiert. – Aus dem Nachlass der Lebensgefährtin des Fotografen.

ChristianHesse