Auktion 22: Ende November 2020

Die 2010 gegründete Barbara Achilles-Stiftung Hamburg hat sich entschlossen, ihre Buchsammlung durch eine Versteigerung aufzulösen und die Erlöse für die weitere Arbeit der Stiftung einzusetzen. Wir freuen uns, dass Frau Edith Achilles und die Stiftung uns mit dieser Auktion beauftragt haben. Nur wenige Tage nach Vertragsabschluss verstarb, trotz hohen Alters unerwartet, die 95jährige Sammlerin am 7. August 2020, zehn Jahre nach ihrer Tochter Barbara. Da sie die Auktion nicht mehr miterleben wird, ist es uns eine besonders ehrenvolle Verpflichtung, den Verkauf der ebenso wertvollen wie persönlichen Sammlung im Sinne beider Sammlerinnen durchzuführen. Es war stets deren Wunsch, die Bücher durch einen vereinzelnden Verkauf wieder in neue Sammlungen zu “befördern”.

Die Versteigerung der Achilles-Sammlung mit ihren kostbaren Pressendrucken, Einbänden und illustrierten Büchern der deutschen Buchkunst des 20. Jahrhunderts darf zu Recht in einer Reihe mit anderen bedeutenden Auktionen genannt werden: Hermann Hesse-Sammlung Martin Bodmer (Venator 1973), Bibliothek Salman Schocken (Hauswedell, 1975/76), Insel Verlag Alfred Bergmann (Hauswedell & Nolte, 1982), Bibliothek Victor Achter (Hauswedell & Nolte, 1992), Bibliothek Hans L. Merkle (Reiss & Sohn, 2002-2004), Pressendrucke F. B. Schmetz (Venator & Hanstein, 2008) sowie in unserem Haus der Nachlass Victor Günthert (2014-2016) und Teile der Sammlung Herbert Kästner (2016).

2012 haben wir den damaligen Bestand der Achilles-Sammlung in dem opulenten Dokumentationskatalog „Wege zum Idealen Buch“ beschrieben. In Vorbereitung der Auktion bieten wir die Restauflage zu Sonderpreisen: Die gebundene Ausgabe für 38 EUR, die Broschur für 19 EUR (zzgl. Porto). Ihre Bestellung nehmen wir gern entgegen.

Bis zum Erscheinen des Kataloges, der auch alle Zukäufe der Stiftung in den vergangenen Jahren enthalten wird, veröffentlichen wir hier eine Vorschau auf ausgewählte Höhepunkte der Sammlung.





Vorschau 42 : Bremer Presse. – Rudolf Alexander Schröder. Widmungen und Opfer.

Gedichte. München 1925. Ziegelroter Maroquinband mit Rücken- und Deckelvergoldung, vergoldeten Deckel- und Innenkantenfileten sowie Kopfschnittvergoldung (signiert »EA«). Im Schuber mit Lederkanten.

Handpressendruck der Bremer Presse. – Erste Ausgabe. – Eins von 150 Exemplaren, davon 30 Belegexemplare. – Den Titel und die Initiale zeichnete Anna Simons. – Gedruckt auf Zanders-Bütten. – Der schöne Handeinband stammt von Ernst Ammering, Ried. – Exlibris Feuerbacher Heide.

Vorschau 41 : Cranach-Presse. – Rainer Maria Rilke. Duineser Elegien.

Elegies from the Castle of Duino. Translated from the German by V. Sackville-West and Edward Sackville West. London, Hogarth Press, und Leipzig, Insel 1931. Mit 20 vergoldeten Holzschnitt-Initialen von Eric Gill. Roter Originalecrasélederband mit vergoldeten Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten und Titeln (signiert: O. Dorfner, Weimar).

Unnummeriertes Exemplar auf Pergament mit vergoldeten Initialen, »Printed specially for V. Sackville-West and not for sale«. – Laut Druckvermerk wurden für den Verkauf acht Exemplare auf Pergament und 230 auf Maillol-Kessler-Bütten gedruckt. Laut Kessler-Verzeichnis waren drei von zehn Pergamentexemplaren und zehn weitere Büttenexemplare nicht für den Handel bestimmt. – Druckvermerk von den beiden Übersetzern signiert. – Satz aus der Johnston-Kursiv und Jenson-Antiqua. – Die Titelzeile und die Übersetzerhinweise am Ende der zehn Elegien wurden in Rot gedruckt. – »Hinter dem Auftraggeber ›Hogarth Press‹ verbarg sich der Verlag des Schriftstellerpaares Virginia und Leonard Woolf […] im Verhältnis zum hauptsächlichen Verlagsangebot ist die englisch/deutsche Ausgabe der ›Duineser Elegien‹ ein Einzelfall, der sich am wahrscheinlichsten durch die Übersetzung von Vita Sackville-West erklärt, die mit Virginia Woolf eng verbunden war« (100 Jahre Cranach-Presse, S. 172).

Vorschau 39 : Cranach-Presse. – William Shakespeare. Die tragische Geschichte von Hamlet

Prinzen von Dænemark in deutscher Sprache. Neu übersetzt und eingerichtet von Gerhart Hauptmann, begleitet von Auszügen, die den Geschichten von Saxo Grammaticus und François de Belleforest und der Hystorie of Hamblet entnommen sind. Mit Figurinen und Holzschnitten gezeichnet und geschnitten von Edward Gordon Craig. Leipzig, Insel, und Berlin, S. Fischer 1929. Mit 74 Holzschnitten im Text. Senffarbener Maroquinband. Rückentitel, Deckelkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet, Innenkantenfileten blindgeprägt und Originalhalbpergamentmappe mit Titeln in Rotdruck.

Erste Ausgabe dieser Übersetzung. – Eins von 17 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Kaiserlich-Japan. Die beide Suiten auf gelbem bzw. weißem Japan enthalten je 46 Holzschnitte, teils variierend, drei monogrammiert, und einige Dubletten. Beiden Suiten liegen in der Halbpergamentmappe des Verlages.

Kesslers Vorhaben, eine Hamlet-Ausgabe mit Holzschnitten von Craig zu drucken, reichen bis in das Jahr 1910 zurück. Aber erst das Zusammentreffen mit Gerhart Hauptmann und Anton Kippenberg auf der BUGRA in Leipzig im Mai 1927 brachten die Pläne in eine konkrete Realisierungsphase. – Die Holzschnitte Craigs entstanden ganz im Hinblick auf seine Bühnenbildentwürfe, sie waren zum Teil wirkliche Figurinen und Versatzstücke für das kleine Modelltheater von Craig in Florenz. – Der Satz der Schrift mit den verschiedenen Text- und Kommentarblöcken und der oft aus mehreren Stücken bestehenden Holzschnitte stellte höchste Anforderungen an Walter Tanz. Der Druck der Holzschnitte erfolgte teils mit mehreren »Zurichtungen«, um die feinen Farbnuancen in einem Druckvorgang zu erzielen. Fachleute bewunderten diese Leistung: »Poeschel sagte mir privatim, der ›Hamlet‹ habe ihm eine schlaflose Nacht bereitet, so habe er sich über ihn aufgeregt. Er begreife nicht wie wir die Zweifarbendrucke von einem einzigen Holzstock gemacht hätten. Da Poeschel wohl der beste deutsche Drucker ist, will das allerhand heißen, wenn er mir das sagt« (Harry Graf Kessler, Tagebücher, 14. III. 1930; ausführliche Bilddokumentation bei Brinks, S. 323ff.). – Der »Hamlet« wurde von der Jury 1929 einstimmig zum schönsten Buch des Jahres gewählt.

Vorschau 40 : Ernst Ludwig-Presse. – Das Buch der Fabeln.

Zusammengestellt von Christian Kleukens. Eingeleitet von Otto Crusius. Leipzig, Insel 1913. Violetter Ecrasélederband mit vergoldeter Deckelvignette, Kopfschnitt- und reicher, ornamentaler Rückenvergoldung.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten und im Ledereinband. – Die Titelblätter der 2000 Exemplare der Normalausgabe zierte eine Vignette von Ludwig Enders. Auch für die Vorzugsausgabe waren die Titelblätter schon gedruckt, wurden jedoch nicht verwendet. – Friedrich Wilhelm Kleukens zeichnete Titel und Vignette neu; von ihm stammt auch der Einbandentwurf. – Die Überschrift der Einleitung und die große Initiale wurden in Rot gedruckt, die Titelvignette gelb koloriert. – Der Band enthält über 250 Fabeln antiker bis zeitgenössischer Autoren sowie Volksdichtungen und Fabeln aus Asien, Afrika und Nordamerika. – Exlibris Lucy Spiegl.

Vorschau 38 : Heinrich Vogeler-Worpswede. Dir. Gedichte.

Berlin, Verlag der Insel bei Schuster & Löffler 1899. Mit zahlreichen kolorierten Illustrationen und Bordüren des Dichters. Originalpergamentband mit blindgeprägter Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Eins von sechs Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe: 40 Exemplare wurden auf Van Gelder-Bütten gedruckt, jedoch nur die ersten sechs vom Künstler eigenhändig koloriert, signiert und nummeriert und in Pergament gebunden. – Heinrich Vogeler stand, wie auch andere Worpsweder Künstler, Illustrationsaufträgen skeptisch, ja ablehnend gegenüber. Noch 1898 äußerte er gegenüber Gerhart Hauptmann und dem Verleger Eugen Diederichs seine Bedenken, durch »plumpe Hand« Dichtung zu »vergröbern und verderben«. Seine Zeichnungen in »Dir« wurden von dem überschwänglichen Rezensenten Johannes Schlaf als »Offenbarung der Seele des jeweils Dargestellten« goutiert, die Dichtungen als »Glossen, die erläutern« (vgl. Worpswede-Moskau, Ausstellungskatalog Worpswede 1989, Seite 131f.) – »Vogeler […] brachte die empfindsame und zugleich gegenständliche Richtung des Jugendstils zu vollkommenem Ausdruck. Die von ihm selbst verfaßten und niedergeschriebenen Verse des Bandes ›Dir‹ von 1899, feinstrichig, schlank und dicht, bilden die wahre Mitte des rahmenden Liniengespinstes aus Blütengewächsen und Geäst« (Schauer I, 47). – Eines der typischsten Bücher des deutschen Jugendstils. – Sehr schönes Exemplar.

Vorschau 37 : Max Beckmann. – Kasimir Edschmid. Die Fürstin.

Mit sechs Radierungen von Max Beckmann. Weimar, Gustav Kiepenheuer 1918. Mit sechs Radierungen. Originalwildseidenband. Rückentitel, Deckelvignette, Rücken- und Deckelkantenfileten silbergeprägt.

Erste Ausgabe. – Eins von 370 Exemplaren auf holländischem Bütten im Rohseideneinband (Gesamtauflage 500). – Der Einbandentwurf stammt von Else von Guaita, der Schülerin Henry van de Veldes, dessen ornamentaler Stil in der Deckelvignette noch deutlich sichtbar ist. – Das starke Bütten mit Kopfschnitt in Silbergrau, Seiten- und Fußsteg unbeschnitten. – Eines der schönsten Beispiele expressionistischer Buchillustration. – Edschmid hatte Max Beckmann im Atelier seines Vetters Ugi Battenberg kennen gelernt und berichtete davon in seinem Tagebuch: »Damals begann der neue Beckmann […] Er machte sechs Radierungen zu einem Buch von mir, ›Die Fürstin‹ […] Der Verleger Kiepenheuer schrieb an einen Freund in der Schweiz: ›Beckmann und KE – ich mag sie beide nicht, aber sie sind aktuell.‹ Die Auslandspost ging durch die Militärzensur, und so wußten wir schon am nächsten Tag von dem Geständnis. Ohne Kommentar erhöhten wir das [geforderte] Honorar, jeder um 1000 Mark« (zitiert nach Jentsch).

Vorschau 36 : Officina Serpentis. – Johann Wolfgang von Goethe. Prometheus.

Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Drei handgemalte zweifarbige Initialen, entworfen von Hanns Thaddäus Hoyer. Dunkelroter Maroquinband. Rücken-, Deckel- und Innenkantenfileten, Deckelverzierung, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Walter Hacker, Leipzig). Im Leinenschuber.

Der dritte Goethe-Druck. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf starkem Handbütten und mit den in Blau und Grün handgemalten Initialen (Gesamtauflage 200) – Handpressendruck, gedruckt in Rot und Schwarz. – Hoyer entwarf auch den Titel und die drei Zwischentitel; diese wurden wie das Pressensignet von Bruno Rollitz in Holz geschnitten.

Vorschau 35 : George Grosz. – Alfred Richard Meyer. Lady Hamilton

oder Die Posen-Emma oder vom Dienstmädchen zum Beefsteak à la Nelson. Eine ebenso romanhafte wie auch novellenschaukelnde durchwachsene Travestie […] fleissigst und fleischigst bebildert von George Grosz. Berlin, Fritz Gurlitt 1923. Mit acht signierten, kolorierten Lithographien. Originalhalbpergamentband mit Buntpapierdeckelbezügen.

Die Neuen Bilderbücher V/2. – Eins von 50 römisch nummerierten Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe, bei der alle Lithographien koloriert und signiert wurden. Bei den nächsten 100 Exemplaren wurden sie nur signiert, bei den weiteren 150 Exemplaren hatte der Künstler »nur noch die Kraft einer zwofachen Signierung« (Druckvermerk). – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – »Gedruckt – unglaublicherweise! – in der Stefan George-Type« (Kobbe). Dass Alfred Richard Meyer für seinen deftigen Text just diese Schrift aus dem Bestand bei Otto von Holten auswählte, wirft ein Licht auf seine parodistische Verwendung von Typographie. – Auf imitiertem Japan-Bütten. – Alfred Richard Meyer (1882–1956) war ein ebenso erfolgreicher wie lebenszugewandter Verleger, Schriftsteller und Bohemian. Früh verkehrte er in expressionistischen Kreisen, Dichter wie Heinrich Lautensack, Paul Zech, Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler, Alfred Lichtenstein oder Yvan Goll ließen ihre frühesten Veröffentlichungen bei ihm drucken. Bereits 1921 hatte George Grosz Meyers Gedichte »Munkepunke Dionysos« illustriert.

Vorschau 34 : Henry van de Velde – Friedrich Nietzsche. Also sprach Zarathustra.

Ein Buch für Alle und Keinen. Leipzig, Insel 1908. Mit üppigem Buchschmuck in Purpur und Gold von Henry van de Velde. Originalpergamentband mit breiten »Yapp edges«, vergoldeten Vignetten auf Vorderdeckel und Rücken sowie Kopfschnittvergoldung.

Eins von 430 Exemplaren im Pergamenteinband (Gesamtauflage 530). – Sehr breitrandig in Gold, Purpur und Schwarz gedruckt in der Offizin W. Drugulin, Leipzig, mit zahlreichen kleinen, in Gold gedruckten Alineazeichen. Die Schrift wurde von Georges Lemmen, Brüssel, 1900 gezeichnet und von ihm unter Mitwirkung von Harry Graf Kessler geschnitten. – Auf handgeschöpftem Van Gelder-Bütten mit dem von van de Velde entworfenen Signet des Weimarer Nietzsche-Archivs als Wasserzeichen. – Die gesamte Ausstattung des Buches und die Drucklegung übernahm Henry van de Velde.

Vorschau 33 : Officina Serpentis – Tres Epistolae Platonis.

Berlin 1926. Mit sechs vergoldeten und teils in Rot ornamentierten Initialen von Hanns Thaddäus Hoyer. Ziegelroter Maroquinband mit blindgeprägten Deckel- und Innenkantenfileten sowie vergoldetem Rücken- und Deckeltitel und Kopfschnitt (signiert: Hans Glökler, Berlin).
In Halbleinenschuber mit Pergamentkanten.

Eins von sieben Exemplaren auf Pergament mit vergoldeten Initialen. Es erschienen weitere 333 Exemplare auf Zerkall-Bütten, bei denen die Initialen nur in Rot gedruckt wurden. – Gesetzt aus der Griechischen Tischendorf-Type von Schelter & Giesecke, die hier erstmals für einen fortlaufenden Text verwendet wurde, und der Elzevir-Cursiv von Gentzsch & Heyse, Hamburg. – Handpressendruck. – Hanns Thaddäus Hoyer, Lehrer an der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbe-Museums entwarf auch den Titel dieser Platon-Ausgabe. – Der Druck wurde den Mitgliedern der Maximilian-Gesellschaft gestiftet. – »Alle Kritiker vollends zum Verstummen bringen sollte die Ausgabe der ›Tres Epistolae Platonis‹ (1926). Angesichts der Harmonie dieser Seiten im sorgfältig ausgependelten Gleichgewicht der Satzblöcke […] und den beiden beschwingten, ›geschrieben‹ wirkenden Initialen, ist es wohl erlaubt, von einer typographischen Höchstleistung zu sprechen.« (Jürgen Eyssen).

Vorschau 32 : Dorfner-Einband: Honoré de Balzac. Die Chouans

oder Die Bretagne im Jahre 1799. München, Der Bücherwinkel 1923. Mit 60 Lithographien von Friedrich Heubner, davon 20 im Rötelton im Text und 40 auf Tafeln. Hellroter Ziegenlederband, Titel, Bordüren, Innenkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet (signiert: O. Dorfner – Weimar).

Zweiter Druck des Bücherwinkels. – Exemplar 229 von 300 (Gesamtauflage 375). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Den Einband arbeitete Dorfner nach eigenem Entwurf. – Sehr schönes Exemplar, aus dem Nachlass Otto Dorfners.

Vorschau 31 : Bremer Presse – Dante La Divina Commedia.

München 1921. Gelber Maroquinband mit reicher vergoldeter Filetenverzierung, Kopfschnittvergoldung und intarsierten Pergamentspiegeln (signiert: O. Dorfner · Weimar). Im Originalschuber mit Lederkanten.

Neuntes Buch der Bremer Presse. – Exemplar 89 von 300. – Auf Zanders-Bütten mit dem Wasserzeichen der Presse. – Titel und Initialen zeichnete Anna Simons. – Eindrucksvolle, streng geometrisch verzierter Einband von Otto Dorfner, der einige Jahre die Buchbinderei des Weimarer Bauhauses geleitet hatte. Besonders die asymmetrische Gestaltung der Innendeckel hebt sich von vielen seiner Entwürfe ab. – Ehemals Sammlung Edwin Redslob (1884–1973), von 1920 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten Reichskunstwart. Seine bedeutende Goethe-Sammlung stiftete er 1968 dem Goethe-Museum Düsseldorf.

Vorschau 30 : Insel-Verlag – Die Spielkarten Philipp Otto Runges.

Leipzig, Insel 1924. 32 Spielkarten, davon 24 koloriert. In Original-Pappschuber und -kassette mit Deckelschildchen.

Exemplar 191 von 330. – Das bis dahin unveröffentlichte Kartenspiel wurde nach den wiederaufgefundenen von Gubitz geschnittenen Originalstöcken Runges in der Spielkartenfabrik Altenburg gedruckt und mit der Hand koloriert. – Philipp Otto Runge, der neben seinen künstlerischen Arbeiten auch an der Gestaltung von Alltagsgegenständen arbeitete (Tapeten, Buchumschläge, Theatervorhänge), erfand das noch heute allgemein verwendete Prinzip der spiegelbildlichen Figuren auf den Spielkarten.

Vorschau 29 : The Bear Press – Ernst Jünger. Flugträume.

Bayreuth 1983. Mit sechs ganzseitigen Holzschnitten von Jürgen Wölbing. Hellbrauner Originalmaroquinband mit Seidenvorsätzen. Fileten, und Titel vergoldet, Rücken und Deckelvignette blau- und goldgeprägt. Im Originalwildlederschuber mit Blindprägung.

Vierter Druck der Bear Press. – Exemplar V von zehn römisch nummerierten der Luxusausgabe auf Pergament (Gesamtauflage: 210). – Im Druckvermerk von Künstler und Verfasser signiert. – Satz aus der Trajanus-Antiqua. – Alle Holzschnitte signiert und nummeriert, ein zusätzlicher sechster, in Blau gedruckt, als Frontispiz. – Verlagsfrisches Exemplar, eine der größten Seltenheiten aus Wolfram Bendas Presse.

Vorschau 28 : Sechzig Pressendrucke in Handeinbänden von Christian Zwang.

1956–1984. Hamburg 1985. Mit 27 blattgroßen Abbildungen. Tiefschwarzer Ecrasélederband mit Negativblindprägung auf dem Vorderdeckel und blindgeprägtem Rückentitel (Christian Zwang). Im Originalschuber.

Eins von wenigen Exemplaren im Handeinband von Christian Zwang, im Druckvermerk monogrammiert »CZ«. – Mit einem Vorwort von Bertold Hack. – Der Katalog, gestaltet von Otto Rohse, stellt ausgewählte Höhepunkte aus dem Schaffen Christian Zwangs vor. Er kam 1954 nach Hamburg und wurde Schüler von Kurt Londenberg (1914–1995), dem Nachfolger von Ignatz Wiemeler als Leiter der Einbandklasse der Hamburger Landeskunstschule. Noch im gleichen Jahr gründete er mit seinem Bruder Theophil die bis heute berühmte Hamburger Werkstatt, die heute von seinem Sohn Thomas geleitet wird. Namhafte Pressendrucker wie Otto Rohse, Gunnar Kaldewey und Roswitha Quadflieg ließen und lassen ihre Bücher in der Eimsbütteler Werkstatt binden.

Vorschau 27 : Pravoslav Sovak – Heinrich Böll. Du fährst zu oft nach Heidelberg.

Radierungen von Pravoslav Sovak. Mailand, Grafica Uno 1983. Mit fünf signierten ganzseitigen Farbradierungen. Lose, gefalzte Doppelbogen in Originalumschlag und Originalhalbleinenkassette.

Eins von 36 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einer signierten Extrasuite der fünf Radierungen. – Im Druckvermerk von Verfasser und Künstler signiert. – Die Erzählung, 1977 erstmals veröffentlicht, basiert auf Mitteilungen des Heidelberger Graphikers Klaus Staeck, dem Böll diesen Text widmete. – Pravoslav Sovak (geboren 1926) verließ nach dem “Prager Frühling” 1968 seine tschechische Heimat und lebt seither in der Schweiz. – Das letzte Buch, das Mutter und Tochter Achilles gemeinsam erwarben, im Mai 2010 in unserer Auktion 1. Wenige Wochen später verstarb Barbara Achilles und ihre Mutter gründete die Stiftung.

Vorschau 26 : Ernst Ludwig Presse – Maurice de Guérin. Der Kentauer.

Übertragen durch Rainer Maria Rilke. Leipzig, Insel 1911. Dunkelbrauner Original-Ecrasélederband. Titel und Kopfschnitt vergoldet.

Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan. Mit einer großen vergoldeten Initiale, wie die Titelschrift gezeichnet von Friedrich Wilhelm Kleukens. – Exlibris Lucy Spiegl.

Vorschau 25 : Zwei Goethe-Drucke der Officina Serpentis in Einbänden von Otto Dorfner





Achilleis. – Prometheus. Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit teils farbig eingemalten Initialen, entworfen von Hanns Thaddäus Hoyer. Schwarze Ecrasélederbände (Otto Dorfner, Weimar). In gefütterten Originalhalbleinenkassetten.

Der zweite und dritte von fünf Goethe-Drucken der Officina Serpentis. – Achilleis: Eins von 50 Exemplaren mit dem handgemalten farbigen Initial. – Hoyer entwarf auch den Titel, der wie das Pressensignet von Bruno Rollitz in Holz geschnitten wurde. – Die prächtigen Handeinbände stammen von Otto Dorfner, blieben aber unsigniert. Titel, Stehkanten, zehnfache Fileten auf den Deckeln und der Kopfschnitt wurden handvergoldet. – Backe/Köppen 69 und 70

Vorschau 24 : Kalligraphie Johann Holtz – Jesus Christus gestern und heute

und derselbe auch in Ewigkeit. Den Evangelien nacherzählt und geschrieben von Joh. Holtz. Handschrift mit Bildern, großen figürlichen Initialen und Buchschmuck in Farben und Gold. Roter Maroquinband mit reicher Goldprägung, farbigen Lederintarsien sowie vergoldeten Eckbeschlägen mit Ziersteinen und Emaillearbeiten (signiert: W. A. Petersen · Flensburg · Werkstatt für Buchkunst)

Überaus prächtige Handschrift des Flensburger Kalligraphen Johann Holtz (1875–1944), entstanden wohl Mitte der 1920er Jahre. – Jedes der fünf Kapitel mit einem besonders aufwendig ausgemalten und vergoldeten Zwischentitel: »In deo spes · Licht«; »In deo vis · Wort«, »In deo pax · Geist«, »In deo victoria · Tod« und »In deo gloria · Auferstehung«. – Am Ende ein Inhaltsverzeichnis. – Die reich illustrierten, kalligraphisch beeindruckenden und mit Blattgold und aufwendigen Einbänden verzierten Handschriften wirken wie die »Reinkarnation« der mittelalterlichen Evangeliare und Stundenbücher. – Die Anordnung der Texte, das Rankenwerk und die Bordürenrahmen sind ebenso wie die ganzseitigen, reich vergoldeten Zwischentitel- und Widmungsblätter und die ganzseitigen und im Text eingestreuten Miniaturen von der klösterlichen Schreibkunst dieser alten Zeit geprägt. Durch die Verwendung von modernen Stilelementen gewinnen Holtz’ Kalligraphien aber ihre über eine bloße Nachahmung hinausgehende künstlerische Selbstständigkeit. Einige seiner handschriftlichen Unikate wurden nachgedruckt bzw. faksimiliert.

Vorschau 23 : El Koran. Übersetzt und gestaltet von Lazarus Goldschmidt.

El Koran, das heißt Die Lesung. Die Offenbarungen des Mohammed ibn Abdallah des Propheten Gottes. Zu Schrift gebracht durch Abdelkaaba Abdallah Abu-Bekr übertragen durch Lazarus Goldschmidt im Jahre der Flucht 1334 oder 1916 der Fleischwerdung.

Berlin, Brandus 1916. Bordeauxroter Maroquinband. Rückentitel und -fileten, Deckel- und Innenkantenfileten sowie Buchschnitt vergoldet (signiert: H. Fikentscher, Leipzig).

Exemplar B von zehn auf Pergament. Weiterhin erschienen 29 Exemplare auf Japanvelin, 200 auf Van Gelder-Bütten sowie ein Exemplar auf Kalbpergament (Fürstenausgabe für den Übersetzer). – Gesetzt aus Lettern der extra für dieses Buch geschnittenen Delitsch-Antiqua. Die Entwürfe für Schrift, Titel, Zierleisten und die gesamte Ausstattung stammt von Lazarus Goldschmidt.

Vorschau 22 : Insel-Verlag – Miguel de Cervantes Saavedra. Don Quixote. – Novellen.

Besorgt von Konrad Thorer. Leipzig, Insel 1908. Mit ornamental verzierten, farbig gedruckten Doppeltiteln. Rote Originalmaroquinbände mit Rückenvergoldung.

Je eins von 100 Vorzugsexemplaren auf rein geripptem Insel-Bütten und im Maroquineinband. – Die Bordüren der Doppeltitel, die in Blau und Schwarz gedruckt wurden, und die schöne ornamentale Rückenvergoldung der Einbände entwarf Carl Czeschka, der damals gerade seine Lehrtätigkeit an der Hamburger Staatlichen Kunstgewerbeschule Lerchenfeld aufgenommen hatte. – Aus dem Besitz von Heinrich Stinnes, mit dessem »dezenten« eigenhändigen Besitzvermerk auf allen Vortitelblättern.

Vorschau 21 : Doves Press – Gedruckt auf Pergament, gebunden von Frieda Thiersch

John Milton. Paradise regain’d. A Poem in IV Books to which are added Samson Agonistes & Poems, both English and Latin compos’d on several Occasions. – John Keats Keats. [Selections]. – Hammersmith 1905 und 1915. Rote Originalmaroquinbände mit reicher ornamentaler Rücken- und Innenkantenvergoldung. Deckel- und Stehkantenfileten sowie Buchschnitt vergoldet (signiert: Frieda Thiersch).

Eins von 22 bzw. zwölf Exemplaren der Vorzugsausgaben auf Pergament. Druck in Rot und Schwarz. – Beide mit dem Sammlerstempel von Ernst Kyriss.

Vorschau 20 : Einband von Ignatz Wiemeler für die Walter Tiemann-Festschrift 1936

Senffarbener signierter Ecrasélederband mit Blind- und Goldprägung. – Inhalt: Walter Tiemann zu seinem sechzigsten Geburtstage herzlichst zugeeignet von seinen Kollegen. [Leipzig] 1936. Mit zahlreichen eigenhändigen Glückwünschen, Aquarellen und Zeichnungen.

Der Lederband mit umlaufenden Fileten, zehn in Blindprägung, eine vergoldet. – Vorderdeckel mit den vergoldeten Initialen »W.T.«. – Vergoldeter Rückentitel. – Stehkanten mit doppelten, Innenkanten mit dreifachen vergoldeten Fileten. – Schnittvergoldung. Im Originalschuber mit Lederkanten.

Unikum. – Am 29. Januar 1936 feierte Walter Tiemann, Pionier und Leitfigur der deutschen Buchkunst der Moderne, seinen 60. Geburtstag. 1920 war er zum Direktor der Leipziger Staatlichen Akademie für Graphik und Buchgewerbe berufen worden. Dieses Amt hatte er bis 1941 und nach Kriegsende nochmals kurz kommissarisch inne. Mit der vorliegenden Festschrift gratulierten ihm folgende Lehrer der Akademie mit Beiträgen in Wort und Bild, meist eigenhändig geschrieben, gezeichnet und gemalt: Alois Kolb (1875–1942, Leiter der Radierklasse; drei Seiten eigenhändiger Text mit zwei Tuschzeichnungen), Hans Alexander Müller (1888–1962, Leiter der Holzschnittklasse; eine Seite eigenhändiger Gruß, acht Seiten »Der Fall Taku«, mit fünf Holzstichen des Verfassers), Julius Zeitler (1874–1943, Dozent, Verleger, Bibliophiler; eine Seite eigenhändiger Gruß), Georg Belwe (1878–1954, Leiter der Abteilung Satz und Druck; Grußwort, Tusche), Carl Blecher (Grußwort, Tusche), Wilhelm Buhr (Klasse für Gebrauchsgraphik; Drei Seiten handschriftlich mit drei Aquarellen), Kurt Otte (Aquarell und Gedicht mit Bordüre), Walter Gasch (Typographie und Tiefdruck, seit 1933 Tiemanns linientreuer Stellvertreter; gedrucktes Gedicht mit eigenhändigem Gruß), Karl Max Schneider (Direktor des Leipziger Zoos, wo Studierende in Tierkunde unterrichtet wurden; vier Seiten, eigenhändiges Gedicht), Horst Schulze (drei Seiten, Text mit Tuschzeichnungen), Hans Soltmann (Leiter der Akt-Klasse; drei Seiten, Text mit Zeichnungen), Hellmuth Weißenborn (Zeichenlehrer, zwei Seiten, Text und zwei Aquarelle) und anderen.

Gebunden von einem der bedeutendsten Buchbinder des 20. Jahrhunderts: Ignatz Wiemeler (1895–1952). Von 1925 bis 1945 wirkte Wiemeler, der auf Vorschlag Tiemanns als Lehrer an die Leipziger Akademie berufen worden war, im »Mekka der Buchkunst« und hatte dort »seine große Epoche« (Kurt Londenberg). Seinem Freund und Kollegen widmet er den vorliegenden Einband mit einer ungewöhnlich langen »Glückwunsch-Signatur«, vergoldet am Unterrand des hinteren Innendeckels: »MIT ALLEN GUTEN WÜNSCHEN UND IN HERZLICHER VEREHRUNG IGNATZ WIEMELER«. – Bereits 1926 war eine Festschrift zu Tiemanns 50. Geburtstag erschienen und auch diese hatte Wiemeler gebunden (siehe WVZ 92/93).

Vorschau 19 : Ernst Ludwig-Presse – Reinke Voß

eene ole Geschichte, upt Nee vertellt […] mit bunte Biller von F. W. Kleukens. Leipzig, Insel 1913 Mit zahlreichen farbigen Illustrationen im Text. Originalpergamentband mit grün-rot-gold-geprägter Deckelvignette, vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

20. Buch der Ernst Ludwig-Presse. – In der Ausstattung der Vorzugsausgabe in Ganzpergament (lt. Sarkowski 1–50 in Pergament, 350 in Halbpergament). – Auf Bütten mit Wasserzeichen »EL«. – Die frühere der beiden von Friedrich Wilhelm Kleukens illustrierten Reineke-Ausgaben. “Noch war man bestrebt, der »Typographie Raum und Freiheit vom Dekorativen« zu verschaffen. Erst in der von ihm selbst begründeten Ratio-Presse konnte sich Kleukens unabhängig seinen eigenen Vorstellungen widmen, die dort erschienenen Drucke, einschließlich der des Reineke Fuchs von 1929, waren »reich geschmückt und fast durchweg illustriert.” (vgl. Schauer I, 65f.)

Vorschau 18 : Svato Zapletal – Gottfried Benn. Blaue Stunde.

Grafik Svato Zapletal. Hamburg, Svato 1992. Mit 15 meist blattgroßen und signierten Farblinolschnitten. Originalkalblederband mit farbig geprägten Titeln und Deckelillustration (Kurt Willscher, Hamburg). Im Schuber.

Exemplar VIII von 20 römisch nummerierten der Vorzugsausgabe A mit einem zusätzlichen Farblinolschnitt. – Es wurden weitere 100 Exemplare auf Alt Holländisch Bütten (Ausgabe B) und nach der Nummerierung der Linolschnitte noch weitere 15 Künstlerexemplare gedruckt. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gesetzt aus der Futura. – Gedruckt auf Rives Bütten. – Die Auswahl der 41 Gedichte besorgte der Künstler-Verleger Svato Zapletal.

Vorschau 17 : CTL-Presse – Yoko Tawada. Ein Gedicht für ein Buch. Fotos Stephan Köhler.

Hamburg, Edizioni Clemens-Tobias Lange 1996. Lose Doppelblätter in der Originalmappe mit Perlrochenhautbezug (Thomas Zwang, Hamburg).

Erster Druck der Edizioni CTL. – Eins von 45 Exemplaren, im Druckvermerk von Autorin, Künstler und Verleger signiert (Gesamtauflage 45). – Die Fotos von Stephan Köhler sind Silbergelatine-Handabzüge auf nahezu transparentem Büttenpapier, das Stephan Köhler in der Paperbridge Mill in Gifu/Japan mit der Hand geschöpft hatte. Die »schmetterlingsleichten« Seiten sind nicht fest eingebunden, sondern liegen beweglich übereinander. So ergeben sich beim Umlegen der Seiten veränderliche Bilder. – Der Text der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada wurde direkt über die Fotografien gedruckt, das vollständige Gedicht nochmals auf einem Japanblatt beigelegt. – Stephan Köhler, der abwechselnd in Cotonou/Benin und Gifu/Japan lebt, hat weitere Buchprojekte in der CTL-Presse veröffentlicht. – Clemens-Tobias Langes Pressendrucke sind, bei aller Eigenständigkeit von Inhalt, Material und Gestaltung, stark von Arbeiten der New Yorker Kaldewey Press geprägt. Nicht von ungefähr enthält der Druckvermerk eine Danksagung an diese Presse. – Die Innendeckel der außergewöhnlichen Mappe aus Perlrochenhaut (Galuschat) sind mit grauem Wildleder bezogen.

Vorschau 16 : Alastair – Frank Wedekind. [Lulu].



Die Büchse der Pandora. Tragödie in drei Aufzügen. – Erdgeist. Tragödie in vier Aufzügen. – Mit [je] 12 Bildbeigaben und einem Vorsatz von Alastair. München, Georg Müller 1920. Dunkelgrüne Originalmaroquinbände; Rückentitel und -fileten, Deckelvignette und -bordüren vergoldet (signiert: E. A. Enders, Leipzig) und Originalhalbpergamentmappe mit vergoldetem Titel, alle zusammen im Originalschuber.

Exemplar 21 von 50 der Luxusausgabe auf Bütten mit einer zusätzlichen Folge aller 26 Tafeln auf Japan, lose in einer Originalhalbpergamentmappe (Gesamtauflage 500). – Bei Erscheinen von »Erdgeist« 1895 wurde das Buch beschlagnahmt, 1896 erschien eine zweite Ausgabe. Beide Stücke blieben skandalträchtig und verfolgt. – Die 1904 von Wedekind unter dem Titel »Lulu« vereinte Fassung bildet die Vorlage für die gleichnamige Oper von Alban Berg. – Hinter dem Pseudonym Alastair verbirgt sich der deutsche Künstler Hans-Henning von Voigt (1887?-1969), um dessen Herkunft und Jugend sich allerlei Gerüchte ranken. So galt er einem Vertrauten seiner letzten Lebensjahrzehnte als illegitimer Sohn des englischen Königs Eduards VII. und einer spanischen Sängerin russisch-jüdischer Herkunft. Offiziell wurde er als Sohn eines in Karlsruhe lebenden preußischen Offiziers geboren, wobei gemutmaßt wird, er habe lediglich die Identität eines verstorbenen Sohnes dieser Familie angenommen. Etwa 1907–1910 hatte er in nahezu allen europäischen Metropolen mit mehreren Ausstellungen großen Erfolg, 1912 nahm er Kontakt zu dem Beardsley-Verleger John Lane auf. Sein Stil ist stark von diesem Vorbild beeinflusst, wobei er sehr viel stärker die Zeichnung der Fläche als die Feinheit der Linie beherrscht. »Er teilte mit Beardsley die Neigung zum Ornamentalen und Japonismus, mit Bakst die Vorliebe für das Kostüm. […] Seine minutiös ausgeführten Blätter entsprechen mit artistischem Raffinement den Formauffassungen und intellektuellen Besonderheiten des Jugendstil. A. bevorzugte die Rot-Schwarze Graphik dieser Epoche (am vollkommensten in seinen Ill. zu Wedekinds Büchse der Pandora und Erdgeist).« (AKL II, 7).

Vorschau 15 : Ernst Ludwig Presse – Die Psalmen.

Übertragung Martin Luthers nach der letzten von ihm selbst durchgesehenen Ausgabe der deutschen Bibel (Wittenberg 1545). Leipzig, Insel 1911. Originalsaffianlederband mit reicher Deckel- und Rückenvergoldung sowie Innenkantenfileten und Kopfschnittvergoldung (signiert: E. A. Enders, Leipzig).

15. Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von zehn Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe auf Pergament. Daneben wurden 50 Exemplare auf Japan und 440 auf Van Gelder-Bütten mit dem EL-Wasserzeichen gedruckt. – Gesetzt aus der Cicero Kleukens-Antiqua. – Die Titel und die 150 Initialen zeichnete Friedrich Wilhelm Kleukens, der auch den Einband entwarf. – Mit dem Originalschuber.

Vorschau 14 : Einband Roland Meuter – Aristophanes. Die Frösche.

Eine Komödie. Übertragen von Johann Gustav Droysen. Mit Holzstichen von Imre Reiner. Frankfurt am Main 1961. Mit 23 Textholzstichen. Dunkelgrüner Maroquinband mit Deckelillustration aus grauen Lederintarsien und vergoldeten Fileten (signiert: Roland Meuter, Ascona).

Zwölfter Druck der Trajanus-Presse. – Exemplar 114 von 200; 50 römisch nummerierte Exemplare waren nicht für den Handel bestimmt. – Von Imre Reiner im Druckvermerk signiert. – Auf Trajanus-Bütten von Hahnemühle. – Dunkelgrüne Wildledervorsätze und -spiegel. – In einer Halbleder-Seidenkassette mit vergoldetem Rückentitel und Wildleder-Innendeckeln.

Vorschau 13 : Cranach Presse – Hugo von Hofmannsthal. Der Tod des Tizian.

Bruchstück. Leipzig, Insel 1928. Mit zwei Initialen von Eric Gill, ornamentiert von Aristide Maillol. Ziegelroter Originalecrasélederband. Rücken-, Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten sowie Rückentitel und Buchschnitt vergoldet (signiert: O. Dorfner-Weimar).

Exemplar V von 13 römisch nummerierten auf Pergament, wovon die Exemplare X–XIII nicht in den Handel kamen. Weitere 225 Exemplare wurden auf Maillol-Kessler-Bütten gedruckt. – Druck in Rot und Schwarz, die Initialen der Pergamentexemplare wurden mit Gold gehöht.

Vorschau 12 : Ernst Ludwig Presse – Das Buch Ruth.

(in der Übertragung Martin Luthers nach der letzten von ihm selbst durchgesehenen Ausgabe der Deutschen Bibel, Wittenberg 1545). Darmstadt 1914. Grüner Originalecrasélederband. Vorderdeckel mit Titel und Filetenfeldern, Hinterdeckel mit umlaufender doppelter Filete, alles, wie auch der Buchschnitt vergoldet (signiert: KGS Weimar).

Ungezählter Druck der Ernst Ludwig Presse, Darmstadt. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Pergament. Lediglich Sarkowski nennt als Auflage nur 20 Pergamentexemplare und weitere 20 Exemplare auf Bütten, diese Angabe scheint aber durch Kleukens’ eigene Titelbeschreibung (siehe Kleukens-Archiv S. 632) widerlegt. Für die niedrigere Anzahl spräche allerdings die Sparsamkeit von Kippenberg, der mit dem Vorschlag der Brüder Kleukens, die Vorzugsausgaben ihrer Pressen auf Pergament zu drucken, nicht einverstanden war, so dass diese auf Japanpapier gedruckt werden mussten (Ausnahmen sind die 15 Pergamentexemplare der »Psalmen« und die zehn Pergamentexemplare von »Wieland, der Schmied«). Unzweifelhaft ist aber, dass weitere 10.000 Exemplare vom Handsatz der Ernst Ludwig Presse auf handgeschöpftem Büttenpapier mit dem Wasserzeichen der Presse für die Insel-Bücherei mit einem alten Titelholzschnitt gedruckt wurden. – Titelschrift und Pressensignet wurden von Friedrich Wilhelm Kleukens gezeichnet und in Rot gedruckt, die vier Initialen, ebenfalls nach seinem Entwurf, wurden in den Vorzugsexemplaren von seiner Ehefrau Luise Kleukens handvergoldet.

Vorschau 11 : Einband von Mary Horstschulze – Thomas Bernhard. Die Mütze.

Mit drei Original-Radierungen von Bernhard Schultze. Neu-Isenburg, Edition Tiessen 1986. Mit drei Radierungen, davon zwei blattgroß. Hellbrauner Maroquinband, Deckel bemalt und mit Leder- und Wollapplikation (signiert: Mary Horstschulze). Im schwarzer Leinenkassette.

49. Druck der Edition Tiessen. – Eins der zweiten 45 Exemplare (Gesamtauflage 90). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Velin d’Arches. – Der Originalumschlag mit einer Radierung wurde eingebunden. – Mary Horstschulze absolvierte ihre Ausbildung bei Eva Aschoff (1960-1963) und an der Münchner Akademie für Graphisches Gewerbe (1966–1968). 1970–1977 war sie Dozentin an der Ascona Legatoria Artistica. Bereits 1975 errang sie eine Goldmedaille im Wettbewerb »Prix Paul Bonet«, seit 1974 ist sie Mitglied des Vereins “Meister der Einbandkunst”.

Zwischen Edith Achilles und dem Münchner Sammler Victor Günthert entspann sich um dieses Buch in unserer Auktion 5 (2012) ein legendäres Bietgefecht: Den letzten ihr noch fehlenden Druck der Edition Tiessen ersteigerte die Stiftung schließlich zur zehnfachen Taxe (350 -> 3600 EUR)!

Vorschau 10 : Theodor Däubler. Hymne an Venedig.

Berlin, Heinz Barger [1917]. Weinroter Originalecrasélederband mit vergoldeter Deckelvignette, Rückentitel und Deckelkantenfileten (signiert: Maria Lühr, Berlin).

Exemplar 54 von 100 auf Old Stratford-Bütten. – Druckvermerk vom Autor signiert und nummeriert. – Erste Ausgabe. – Kriegsdruck der Cranach-Presse: »Harry Graf Kessler hat zur Herstellung dieses Werkes seine Presse, seine Arbeiter und seine Typen zur Verfügung gestellt, trägt aber im übrigen für den Druck technisch keine Verantwortung, da er ihn wegen Kriegsabwesenheit nicht überwachen konnte.« (Druckvermerk). – Die Druckleitung lag möglicherweise bei Henry van de Velde. – Satz von Walter Tanz und Max Geski aus der Caslon-Antiqua. – Druck in Rot und Schwarz. – Sehr seltene Einbandvariante in Leder, gearbeitet in der Werkstatt von Maria Lühr, die auch den Einband für den nächsten Kriegsdruck der Cranach-Presse, Wielands »Sulamith«, schuf. Sie war wie Douglas Cockerell eine Schülerin Cobden-Sandersons und trug maßgeblich zur Überarbeitung der deutschen Übersetzung von Cockerells Buch »Der Bucheinband und die Pflege des Buches« bei. – Das Copyright für Däublers Text lag beim Georg Müller Verlag, wo 1916 die »Hymne an Italien« erschienen war. – »Die Bezeichnung ›Heinz Barger Verlag‹ ist auf eine Eigenmächtigkeit Bargers zurückzuführen, der neben dieser Ausgabe bereits die »Erste George Grosz Mappe« […] unter seinem Namen veröffentlicht hatte.« (Frank Hermann). – Alle Publikationen seines Verlages »Neue Jugend« gingen nach den Querelen um die von den Brüdern Herzfelde übernommene Zeitschrift an den Malik-Verlag über. – Kessler druckte kurze Zeit später auch Wieland Herzfeldes »Sulamith«. – »Eindrucksvoll ist das großflächige Format des nur zwanzig Seiten umfassenden Buches, das durch den roten Seideneinband mit einer linearen Zeichnung des Markuslöwen in Gold betont wird. Der schmale Band bekommt dadurch etwas Luxeriöses […]« (Renate Müller-Krumbach, S. 36). – Theodor Däubler gehörte neben George Grosz zu den engsten Freunden von Wieland Herzfelde und John Heartfield.

Vorschau 9 : Hugo von Hofmannsthal. Der Kaiser und die Hexe. Mit Zeichnungen von Heinrich Vogeler-Worpswede.

Berlin, Verlag der Insel bei Schuster & Löffler 1900. Mit illustriertem farbigen Doppeltitel, einer figürlichen Initiale und kleinen Zierstücken. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel, breiter vergoldeter Innenkantenbordüre und farbig und in Gold gedruckten Vorsatzpapieren.

Erste Buchausgabe. – Exemplar 28 von 200. – Breitrandiger Druck in Rot und Schwarz auf starkem Insel-Bütten. – Gedruckt bei Otto von Holten im Auftrag von Alfred Walter Heymel. – »Vogeler entwarf Buchschmuck und Doppeltitel zu Hofmannsthals lyrischem Einakter. […] Die Wirkung des phantasievollen Doppeltitels wird von der klassisch anmutenden Schlichtheit der Römischen Antiqua und des Druckbildes des Textes noch gesteigert.« (Papiergesänge). – »Als Buchkünstler hat er dann eine ganze Reihe von Werken ausgestattet, wie beispielsweise seine eigenen Gedichte oder die ersten Buchausgaben des jungen Gerhart Hauptmann. Nie wieder übertraf er die Leistung von ›Der Kaiser und die Hexe‹. Der ›Lyriker des Jugendstils‹ (Walter Tiemann) verwandelte den Doppeltitel hier unter Zuhilfenahme der sechs Farben Gold, Mattrot, Violett, Lindgrün, Braun und Hellblau in einen romantischen Zaubergarten […] Beim Betrachten glaubt man die jugendfrische Begeisterung zu spüren, von der eine ganze Künstlergeneration um die Jahrhundertwende getragen wurde.« (Jürgen Eyssen). – Rilke bestätigte angesichts der Titelblätter Vogeler, dass dessen »ruhig und geschlossen wirkende und doch innerlich so reiche Linienkunst wie keine geeignet ist, neben dem Gange der edlen Lettern wie ein Gesang hinzugehen.« – Ein Höhepunkt der Buchkunst des Jugendstils.

Vorschau 8 : Friedrich Wilhelm Kleukens. Das Vogel-ABC







in 52 Bildern. Darmstadt 1920. Mit kolorierten Lithographien. Originalpappband mit kolorierter Deckelillustration und Kordelbindung.

Erster Ratio-Druck. – Unnummeriertes Künstlerexemplar. Gesamtauflage 110, die ersten zehn in Seide gebunden. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Jede Lithographie wurde von F. W. Kleukens eigenhändig koloriert. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden.

Vorschau 7 : Kirchner – Georg Heym. Umbra vitae.

Nachgelassene Gedichte. Mit 47 Originalholzschnitten von Ernst Ludwig Kirchner. München, Kurt Wolff 1924. Grüner Originalleinenband mit Holzschnitt in Gelb und Schwarz über beide Deckel und zwei farbigen Holzschnittvorsätzen. Im Originalschuber mit Deckelschild.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 500 Exemplaren auf gelblichem Bütten. – Diese »Krönung expressionistischer Buchillustration« (Jürgen Eyssen, in: Buchkunst in Deutschland, S. 130) ist einer Initiative von Hans Mardersteig zu danken. Ende Februar 1922 schrieb er an den Verleger der (noch unillustrierten) Erstausgabe, Kurt Wolff: »Er [Kirchner] hat in seinen Mußestunden schon seit Jahren zu eigener Freude Heyms Umbrae vitae illustriert. Und zwar derart, daß er die alte Ausgabe hernahm und jeweils unter den einzelnen Gedichten […] einen kleinen Holzschnitt eingefügt hat […] Ich würde Ihnen dringend raten, daß Sie einen Neudruck des Bändchens mit den Holzschnitten machen. […] Das Buch würde ein Novum unter illustrierten Büchern darstellen.« (K. W. Briefwechsel eines Verlegers, S. 391). – Neben den Textholzschnitten schuf Ernst Ludwig Kirchner auch die Holzschnitte für die rosa-blau gedruckten Vorsätze und den farbigen Einband. – »Umbra vitae was the artist’s major effort« (Castleman S. 229). – »Wer wissen will, was Expressionismus heißt, braucht nur in den Seiten dieses Buches zu blättern« (Jürgen Eyssen, S. 162). – Derartig farbfrische und fleckenfreie Exemplare sind inzwischen sehr selten. – Aus dem Nachlass des Bauhausdesigners Wilhelm Wagenfeld (1900–1990) mit dessen Besitzvermerk. – Die letzte Buch-Erwerbung der Barbara Achilles-Stiftung.

Vorschau 6 : Gelber Maroquinband von Paul Kersten

mit Vergoldung und grünen und roten Lederintarsien. – Inhalt: Clemens Brentano. Das Märchen von Komanditchen.. Mit sechs Farblithographien von Maria Krauß. Leipzig, Verlag der Diovis-Bücher 1924

Schöner, sehr dekorativer Einband von Paul Kersten (1865–1943), einem der führenden Buchbinder des frühen 20. Jahrhunderts. – »K. war ein begabter Alleskönner: Fachschriftsteller, Direktor der ›Aschaffenburger Buntpapierfabrik‹ und Fachlehrer an der ›Berliner Innungsfachschule‹.«. 1912 gründete er mit Carl Sonntag den »Jakob-Krause-Bund« und war dessen Vorsitzender von 1914–1921. Er schrieb viele Fachaufsätze sowie grundlegende Bücher zur Einbandkunst (»Der exakte Bucheinband«, »Das Goldschnittmachen«, »Die Herstellung aller Arten von Buntpapier«, »Die Marmorierkunst«, »Leitfaden für Buchbinder«, »Neuzeitliche Entwürfe für Bucheinbände« und zusammen mit dem letzten JKB-Vorsitzenden Paul Klein, das »Lehrbuch der Handvergoldung«). Sowohl seine Gestaltungsidee als auch ein von ihm verbessertes Werkzeug wurden nach ihm benannt: »Kerstenstil« und »Kerstenfalzbein«. – Exemplar 156 von 1.000. – Gesetzt aus der Korpus Weiß-Fraktur. – Gedruckt auf Zerkall-Bütten. – Druck von der Graphischen Kunstanstalt Günther, Kirstein & Wendler, Leipzig. – Der Druckvermerk wurde hinsichtlich der Angaben zum Einband handschriftlich abgeändert und ergänzt. – »Die Künstlerin Maria Krauss war bis 1921 in Wien Schülerin der privaten Schule und Werkstätte von Emmy Zweybrück und gehört zur zweiten Generation der Wiener Werkstätte. Später war sie Schülerin von Walter Tiemann in Leipzig. Im Jahr 1925 heiratete sie den Graphiker Walter Cyliax, der die Druckausstattung des Buches übernahm.« (vgl. Katalog »Angewandte Kunst Bilderbuch-Entwürfe vom Biedermeier bis zum Kinder-Fernsehen« der Antiquariate Sabine Keune und Dr. Ruth Wölfle).

Vorschau 5 : Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

Novelle. München, Hyperion 1912 Blauer Originalecrasélederband mit Vergoldung (signiert: E. Ludwig Frankfurt a/M). Im Originalschuber.

13. Druck für die Hundert. – Exemplar LXXI von 100, handschriftlich nummeriert. – Gesetzt in der Tiemann-Kursiv der Gebrüder Klingspor, die hier erstmals verwendet wurde. – Gedruckt auf Hundertbütten bei Poeschel & Trepte, Leipzig. – Erste Ausgabe der Novelle, die nach der Adriareise von Thomas und Katja Mann 1911 entstand. Im Helden der Novelle, Gustav von Aschenbach, setzt Thomas Mann dem Komponisten Gustav Mahler ein Denkmal, von dessen Tod er während seiner Reise erfuhr. »Leidenschaft als Verwirrung und Entwürdigung war eigentlich der Gegenstand meiner Fabel« (TM an Carl Maria Weber, 4. VI. 1920). – Eine der seltensten und gesuchtesten Thomas Mann-Erstausgaben, sie erschien noch vor dem Abdruck in »Die Neue Rundschau«. Der Text dort wie in allen späteren Drucken von der hier vorliegenden Textfassung leicht abweichend. – Exlibris Lucy Spiegl.

Vorschau 4 : Schwarzer Maroquinband von Kurt Londenberg,

mit großflächiger Blindprägung nach Eduardo Chillida. – Inhalt: André Frenaud. Le chemin des devins suivi ménerbes. Eduardo Chillida. Paris, Maeght 1966. Mit elf Radierungen und einer Prägedruck auf dem eingebundenen Originalvorderumschlag.

Der Einband zitiert auf beiden Deckel die typische Formsprache des Künstlers, Chillidas Linieamente wurden von Londenberg tief ins das tiefschwarze Maroquin geprägt. – Rückentitel in Schwarz auf hellgraues Leder gedruckt, dieses aufgewalzt. – Exemplar 43 von 175 und somit eines von 50 auf Papier Auvergne von Richard de Bas, von denen die ersten 25 Exemplare zwei zusätzliche Radierungen, und die ersten zehn zudem eine Originalzeichnung enthielten. 125 Normalexemplare wurden auf Velin d’Arches gedruckt. Ferner erschienen 20 Exemplare »hors commerce«. – Tadellos schönes Künstlerbuch in einem kongenialen Einband. – Ehemals in der Sammlung Peter W. Brand, versteigert in Hamburg 1979 (Auktion Hauswedell & Nolte 229, KatNr. 1163).

Vorschau 3 : Imre Reiner – Aristophanes. Die Vögel.


Übertragen von Christian Voigt mit 37 Holzstich-Illustrationen von Imre Reiner. Hamburg, Maximilian-Gesellschaft 1965. Mit 37 Holzstichen im Text, acht davon blattgroß. Weißer Schweinslederband und weißer Halbschweinslederband, zusammen in Doppelschuber mit Pergamentkanten (signiert Legatoria Artistica Ascona 1972).

Exemplar VI von zwölf römisch nummerierten Künstlerexemplaren. – Druckvermerk vom Künstler mit Rotstift signiert und nummeriert. – Dieses, auch innerhalb der kleinen Künstlerauflage, ganz unikate Exemplar enthält zusätzlich: sieben Originalzeichnungen (Tusche und Aquarell) und 25 Holzstiche als Probedrucke. Die Zeichnungen, teils Gouachen und Aquarelle, teils aquarellierte Tuschzeichnungen, und 13 der Probedrucke auf Japan sind auf eingebundene Blätter am Ende des Bandes montiert, 12 Probedrucke liegen lose bei. Alle »Beigaben« signiert, meist auch datiert und betitelt, die Holzstiche als »Probedrucke« oder »épreuve« bezeichnet. – Besonders die farbenfrohen Aquarelle überraschen in ihrem Gegensatz zu den – zumindest auf den ersten Blick – strengen Holzstichen. – Besonders bemerkenswert die zweite Beigabe: Sechs in Rot gedruckte Aquatintaradierungen in deutlich größerem Format als das Buch, jede signiert und mit «Probeabzug (Die Vögel)« bezeichnet. Die Radierungen auf Kartonblätter montiert, diese gebunden in Halbschweinslederband. Auf dem Vorsatzblatt die eigenhändige Anmerkung Reiners: »Es war meine Absicht, das Buch in diesem Format zu planen und mit Radierungen zu illustrieren, die Umstände wollten es anders. Statt Radierungen machte ich Holzstiche u. somit änderte sich auch das Format. I. R.« – Das Buch erschien als Jahresgabe der Maximilian-Gesellschaft für 1964 in einer Auflage von 1500 Exemplaren. Die Typographie stammt von Richard von Sichowsky, gedruckt wurde bei Hans Christians, Hamburg, auf Hahnemühle Kupferdruckpapier. Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Die Einbände stammen von J. Stemmle, der 1965 in Ascona die »Legatoria artistica« eröffnet hatte. Aus dieser ging später die Stiftung »Centro del bel libro Ascona« hervor. – Die künstlerische Entstehungsgeschichte der Illustrationen lässt sich kaum besser nachvollziehen als an diesem Exemplar aus dem Nachlass des Künstlers. – Tadellos erhalten.

Vorschau 2 : Doves Press – Johann Wolfgang von Goethe. Torquato Tasso.

Ein Schauspiel von Goethe. Hammersmith 1913. Hellroter Originalmaroquinband mit vergoldetem Rückentitel und Rücken-, Deckel-, Steh- und Innenkanten- sowie teils gepunzter Schnittvergoldung (signiert: The Doves Bindery 19 C – S 13).

Eins von zwölf Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe auf Pergament mit sieben vergoldeten Initialen. Zudem wurden weitere 15 Pergamentexemplare ohne Vergoldung und 200 Exemplare auf Bütten gedruckt. – Satzanordnung von William Jenkins, gedruckt von H. Gage-Cole und Albert Lewis. – Die Initialen wurden von Graily Hewitt handvergoldet. – Titel, Personen, Regieanweisungen und der Akt- und Szenentitel wurden in Rot gedruckt. – Der Text folgt der Weimarer Ausgabe.

Vorschau 1 : Cranach Presse – Homer. Die Odyssee.

Neu ins Deutsche übertragen von Rudolf Alexander Schröder. Erster bis zwölfter Gesang. Des Gesamtwerkes erste Abteilung. – Dreizehnter bis vierundzwanzigster Gesang. Leipzig, Insel Verlag 1907–1910. Mit Titeln und Initialen von Eric Gill und fünf Holzschnitten von Aristide Maillol. Dunkelblaue Originalseehundlederbände mit reicher Vergoldung und roten Lederintarsien (signiert: WHS).

Exemplar 8 von 425, von denen 350 für den Verkauf bestimmt waren. – Exemplar der Vorzugsausgabe in den blauen Lederbänden. – Vorblatt mit eigenhändiger Dedikation: »Für Richard Dehmel von H. K.«. – Gesetzt aus der Caslon-Antiqua. – Druck unter Leitung von Harry Graf Kessler bei R. Wagner Sohn, Weimar. – Auf Bütten. – Eric Gill entwarf die Titelblätter, jeweils mit einer Holzschnittvignette von Maillol, und die Holzschnittinitialen, von denen drei von Maillol ornamentiert wurden. – Die Titel- und Zwischentitelzeilen sowie die Ornamentierungen der Initialen wurden in Rot gedruckt. – Die Bezugspapiere der einfachen Ausgabe wurden bei den Vorzugsexemplaren als Vorsatzpapiere benutzt.

ChristianHesse