Zum Sonderkatalog “Die Sammlung der Achilles-Stiftung”

Die 2010 gegründete Barbara Achilles-Stiftung Hamburg hat sich entschlossen, ihre Buchsammlung durch eine Versteigerung aufzulösen und die Erlöse für die weitere Arbeit der Stiftung einzusetzen. Wir freuen uns, dass Frau Edith Achilles und die Stiftung uns mit dieser Auktion beauftragt haben. Nur wenige Tage nach Vertragsabschluss verstarb, trotz hohen Alters unerwartet, die 95jährige Sammlerin am 7. August 2020, zehn Jahre nach ihrer Tochter Barbara. Da sie die Auktion nicht mehr miterleben wird, ist es uns eine besonders ehrenvolle Verpflichtung, den Verkauf der ebenso wertvollen wie persönlichen Sammlung im Sinne beider Sammlerinnen durchzuführen. Es war stets deren Wunsch, die Bücher durch einen vereinzelnden Verkauf wieder in neue Sammlungen zu “befördern”.

Die Versteigerung der Achilles-Sammlung mit ihren kostbaren Pressendrucken, Einbänden und illustrierten Büchern der deutschen Buchkunst des 20. Jahrhunderts darf zu Recht in einer Reihe mit anderen bedeutenden Auktionen genannt werden: Hermann Hesse-Sammlung Martin Bodmer (Venator 1973), Bibliothek Salman Schocken (Hauswedell, 1975/76), Insel Verlag Alfred Bergmann (Hauswedell & Nolte, 1982), Bibliothek Victor Achter (Hauswedell & Nolte, 1992), Bibliothek Hans L. Merkle (Reiss & Sohn, 2002-2004), Pressendrucke F. B. Schmetz (Venator & Hanstein, 2008) sowie in unserem Haus der Nachlass Victor Günthert (2014-2016) und Teile der Sammlung Herbert Kästner (2016).

2012 haben wir den damaligen Bestand der Achilles-Sammlung in dem opulenten Dokumentationskatalog „Wege zum Idealen Buch“ beschrieben. In Vorbereitung der Auktion bieten wir die Restauflage zu Sonderpreisen: Die gebundene Ausgabe für 38 EUR, die Broschur für 19 EUR (zzgl. Porto). Ihre Bestellung nehmen wir gern entgegen.


Wichtiger Hinweis:

  So    markierte Katalognummern werden in einer Online-Auktion am Sonntag, 17. Januar, ab 15 Uhr versteigert.

Schriftliche Vorgebote sind möglich, telefonische Teilnahme nicht.

783  [Sebastian Meyer]. Von dem pfründtmarckt der Curtisanen vnd Tempelknechten.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 280

[Basel, Adam Petri] 1521. Neuer Halbpergamentband mit Kleisterpapierbezügen.

Erste und einzige Ausgabe des Berner Theologen (1465–1545), der einer der frühesten und eifrigsten Anhänger der Lehren Luthers in der Schweiz war. Wegen der theologischen Auseinandersetzung mit dem Dominikaner Hans Heim wurden beide der Stadt verwiesen. – In vorliegender Schrift kritisiert Meyer die Geldgier der Geistlichkeit und zeigt deren üble Folgen auf. »Da wöllen sy die besten pferd reiten, die schönsten frouwen haben […] vnd was guts vor der hellen ist, freßen vnd suffen, sy raßeln vnd spilen wie die hippen buben, sy tragen güldin ketten an den selsen, syden vnd damast ist ir gewandt […]«. – Goedeke vermutete noch Wurm von Geydertheim als Verfasser.

20,0 : 14,6 cm. [20 Seiten]. – Minimale Läsuren am ersten und letzten Blatt fachmännisch angerändert.

VD16 M 5120. – Goedeke II, 279, 10

784  Martin Luther – Colloqvia Oder Tischreden Doctor Mart. Luthers,

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 700

So er in vielen Jaren gegen Gelarten Leuten, auch frembden Gesten vnd seinen Tischgesellen geführet… zusammen getragen Vnd jetzt Auffs newe Corrigieret (von Johannes Aurifaber). Frankfurt am Main, Martin Lechler für Simon Hüter 1568. Mit großer Hozschnitt-Titelvignette und -Druckermarke. Schweinslederband der Zeit mit Blindprägung.

Frühe Ausgabe der Tischreden, die zuerst 1566 erschienen. – Herausgegeben von Johannes Aurifaber aus Weimar, dem Famulus und Begleiter Luthers. Seit 1545 hatte er als Theologiestudent im Haus des Reformators gelebt und ihn 1546 auf seinen beiden letzten Reisen begleitet. – Die von ihm zusammengetragenen »Tischreden« sind eine wichtige Quelle zu Leben und Anschauungen des Reformators. – Der Holzschnitt auf dem Titel zeigt Luther in einer Tischrunde, davor stehen vier knabenhafte Schüler. – Hübscher Einband mit reicher floraler Verzierung und einem lackierten Rückentitel.

32,8 : 22,4 cm [12], 449, [15] Blätter. – Teils etwas gebräunt, insgesamt aber schönes Exemplar.

VD 16 L 6752

785  Matthäus Merian – [Martin Zeiller]. Topographia Franconiæ,

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Das ist Beschreibung, Und Eygentliche Contrafactur der Vornembsten Stätte und Plätze des Franckenlandes […]. – Anhang Zu deß Martin Zeillers im Jahr 1648 erstlich gedruckter Topographia Franconiæ. Frankfurt, Matthaeus Merian [1648]. Mit einem blattgroßen gestochenen Titel, einem Wappenkupfer, einer gestochenen Karte und 48 Kupferstichen, davon 38 gefaltet, zwei mehr als doppelblattgroß. Späterer Halbpergamentband mit rot-goldenem Lederückenschild.

Erste Ausgabe. – Neunter Band der Merianschen Topographien, der zwei Jahre vor dem Tod des Herausgebers und Verlegers erschien. – Die Topographien mit den Texten von Martin Zeiller und vor allem (und namensgebend) den Kupferstichen von Matthäus Merian vermitteln mit ihren vielen und teils großformatigen Ansichten einen beeindruckenden Einblick in die städtebauliche Situation der deutschen Länder im frühen 17. Jahrhundert. Viele der Bauwerke und »Skylines« waren allerdings zum Zeitpunkt des Erscheinens der Bände schon nicht mehr wiederzufinden, hatte doch der Dreißigjährige Krieg landesweite Verwüstungen hinterlassen. – Enthält die Karten von Franken sowie Ansichten von Bamberg, Coburg, Kitzingen, Lauf, Neckarsulm, Nürnberg (Vogelschau, Grundriss, Panorama, Fleischbrücke und Rathaus), Rothenburg ob der Tauber, Schweinfurt (Vogelschau, Panorama und St. Johannis) und Würzburg. – Aus der Bibliothek des Stuttgarter Industriellen Gustav Siegle (1840–1905), der Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich zum Aufstieg der BASF beitrug. Die Stuttgarter Antiquariatsmesse fand viele Jahre im Stuttgarter Gustav Siegle-Haus statt. – Einband des 19. Jahrhunderts, insgesamt schönes Exemplar, der Kupfertitel und viele Wappenkartuschen koloriert.

30,8 : 21,3 cm (Einband), 29 : 20 cm (Buchblock). IV, 78, [10]; 56, [8] Seiten, 49 Kupfer. – Rückenschild mit Randläsuren. – Buchblock knapp beschnitten. Titelkupfer etwas fingerfleckig, vereinzelt leicht stockfleckig.

Wüthrich IV, 39. – Schuchhard 40 A

786  Georgius Agricola. De re metallica

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 3600

libri XII. Quibus officia, instrumenta, machinæ, ac omnia denique ad metallicam spectantia […] De animantibus subterraneis […] Basel, Emanuel König 1657. Mit Titelholzschnitt, zwei gefalteten Holzschnitt-Tafeln und 270 Textholzschnitten, davon 67 blattgroß. Pergamentband der Zeit mit Wappensupralibros auf beiden Deckeln und vergoldetem Besitzvermerk auf dem Vorderdeckel.

Erste und einzige lateinische Gesamtausgabe der Werke Agricolas, enthält der Band doch auch die sechs Anhänge »De animantibus aubterraneis«, »De orto et causis subterraneorum«, »De natura eorum quae effluunt ex terra«, »De natura fossilium«, »De veteribus et novis metallis« und »Bermannus, sive de re metallica«. – Das bedeutendste Werk der Renaissance auf dem Gebiet von Bergbau und Metallurgie und der damaligen Technik überhaupt. – Die ebenso zahlreichen wie prachtvollen Holzschnitte illustrieren Agricolas Erklärungen von Bergwerken und deren Fördertechnik bis hin zur Verarbeitung von Erzen, Kohle und Gestein. – Der Sachse Georg Agricola (1494–1555) gilt als »Vater der Mineralogie« und Begründer der Montanwissenschaften. Als hervorragender Renaissancegelehrter erreichte er überregionale Bedeutung. – Vorderdeckel außer dem Wappen mit goldgeprägter Beschriftung: »Churfürstlich Sachsisch. Ober und Bergambt Freyberg« und »1682«.

34,5 : 21,0 cm. [10], 708, [90] Seiten. – Vordergelenk oben eingerissen, Rücken etwas fleckig. – Stempel auf Titel (ausgekratzt). – Durchgehend etwas gebräunt.

VD17 3:309843V. – Darmstädter, Agricola S. 45/46 f. – Michaells/Proscher 58

787  Johann Gottfried Gregorius. Die curieuse Orographia,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Oder accurate Beschreibung derer berühmtesten Berge in Europa, Asia, Africa und America […] in Alphabetischer Ordnung. Frankfurt, Leipzig und Erfurt, Hieronymus Philipp Ritschel 1715. Mit einem gestochenen Frontispiz. Späterer Lederband.

Sehr seltene erste und zugleich einzige Ausgabe der ersten geographischen Spezialenzyklopädie. – Der Autor, als Hauslehrer in Arnstadt tätig, verfasste eine Vielzahl von Büchern zur Regionalgeschichte und Geographie. Seine »Orographia« umfasst Berge aus aller Welt, deren Besonderheiten und Geschichte er ausführlich beschrieb. In alphabetischer Folge stehen Aetna und Alpen neben Burg Altenburg, auf den Brocken folgt der Calvarienberg Golgatha usw. – Das Register verzeichnet besondere Ereignisse und Personen, die mit bestimmten Bergen in Verbindung stehen. – Das Frontispiz vereint kleine Ansichten berühmter Berge, darunter Ararat, Tafelberg, Aetna und Vesuv.

18,0 : 10,5 cm. [40], 728 (pag. 727), [16] Seiten, 1 Kupfer. – Vordergelenk brüchig. – Frontispiz und Titel im Falz etwas verklebt.

788  E. B. A.. Der in allen Vorfällen vorsichtige Banquier,

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Oder: Gründlich und Deutliche Anweisung, Was Ein Banquier in seinem Negotio, auch allen und jeden darin vorkommenden Fällen […] seine Handlungen vorsichtig führen könne. Prag und Nürnberg, Johann Friedrich Rüdiger 1733. Pergamentband der Zeit.

Erste und offenbar einzige Ausgabe. – Der anonyme Verfasser wird in keiner der maßgeblichen Bibliographien und auch im KVK nicht ermittelt. Das Buch ließ er auf eigene Kosten drucken, der Nürnberger Buchhändler Rüdiger übernahm den Vertrieb in Kommission. – Angesichts der Erfahrungen der Finanzkrise 2008, den zahlreichen Klagen gegen bekannte Bankhäuser und dem jüngsten Skandal um einen deutschen Finanzdienstleister sind besonders die ausführlichen Überlegungen zu den Anforderungen an einer Banker (er sei erfahren, redlich und aufrichtig, verschwiegen, reell und prompt sowie exakt) lesenswert und unterhaltsam. Alle Aspekte des Bankwesens und besonders des Wechselgeschäfts werden ausführlich erläutert, im zweiten Teil werden 104 »Kauffmanns-Parere« – Grundlagen der damals gültigen Wechselordnungen – kommentiert. – Es erschien noch ein zweiter Band mit internationalen Wechselordnungen. – Schönes Exemplar.

21,0 : 17,5 cm. [8], 502, [50]; 263, [1] Seiten.

Nicht bei Kress. – Humpert 6791

789  Johann Rudolf Schellenberg. Studien für geübtere Anfänger.

Schätzpreis/Estimate: € 800 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Ein Duzend [sic!] neue abwechselnde Gegenden. Winterthur 1781. Zwölf Kupferstiche. Fadengehefteter Umschlag der Zeit.

Sehr schönes Exemplar der seltenen ersten Ausgabe. – Die Folge der großformatigen Kupfer, die im Kunststudium als Vorlage dienen sollten, enthält das Titelblatt, eine Tafel mit zwei Motiven und elf weitere reizende Kupferstiche, meist mit Schweizer Landschaften mit figürlicher Staffage. – Johann Rudolf Schellenberg (1740–1806) zählt zu den bekanntesten Schweizer Künstlern des Vorklassizismus. Die Reihe der von ihm illustrierten Bücher ist lang (Biblische Geschichten, Sittenlehre), zu zahlreichen Werken steuerte er Kupferstiche bei (Lavaters Pyhsiognomie). Viele Kupferstecher der Zeit wurden von ihm ausgebildet.

15 : 11 cm. (Kupfer), 27,5 : 21,5 cm (Umschlag). – Der Umschlag etwas stockfleckig, die Kupfer sehr schön.

Lonchamp 2633. – Brun, Schweizer Künstlerlex. III, 33, 14

790  [Johann Wolfgang von Goethe]. Die Vögel. Nach dem Aristophanes. Erster Ackt.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Limit: € 2400

Handschrift auf Papier. [Weimar, wohl Anfang 1781]. Pappband der Zeit.

Abschrift der ursprünglichen Fassung, angefertigt von Goethes Sekretär Christian Georg Karl Vogel in brauner Tinte, mit Echtheitsbestätigung durch Dr. Jürgen Behrens (Frankfurter Goethe-Museum) vom 23.11.1989. – Auf starkem englischem Bütten (Wasserzeichen). – Nach den Angaben bei W. Arndt, der 1886 eine kommentierte Druckfassung des Gothaer Manuskripts herausgab, sind die Einbände des Gothaer und des vorliegenden identisch, beides Pappbände in »gelber Steinfarbe.
Das kleine Stück wurde im August 1780 im Liebhabertheater Ettersburg mit Goethe in der Rolle des Schriftstellers »Treufreund (als Scapin)« uraufgeführt. Die literarisch-politische Satire »voller Muthwillen, Ausgelassenheit und Thorheit« (Goethe) bezeichnete Wieland in einem Brief an J. H. Merck als »Goethens Epops maximus cacaromerdicus« und fährt begeistert fort: »Außer der mächtigen Freude, die der Herzog und die Herzoginmutter an diesem aristophanischen Schwank gehabt hat, ist’s auch für Goethens Freunde tröstlich zu sehen, daß er mitten unter den unzähligen Plackereien seiner Ministerschaft noch soviel gute Laune im Sack hat«. – Belegt ist, dass Goethe kurz nach Fertigstellung ein oder zwei Abschriften des (inzwischen verloren gegangenen) Originalmanuskripts anfertigen ließ, wahrscheinlich beide durch seinen Sekretär Vogel, in dessen »ungemein sauberer und zierlicher« Handschrift. Eine Abschrift korrigierte Goethe eigenhändig. Bevor er diese dem Prinzen August von Gotha übersandte, fertigte Vogel die vorliegende Abschrift an, in der die Korrekturen eingearbeitet sind. Besonders bedeutend ist das nur hier enthaltene ausführliche Personenverzeichnis, das im Gothaer Manuskript fehlt und in den Druckfassungen gekürzt wurde. Für den Druck bei Göschen 1786 überarbeitete Goethe den Text nochmals und ersetzte unter anderem eine etwas anstößige Szene.

20,2 : 16,5 cm. Kollation (einschließlich der Vorsatzblätter): Blatt 1 recto/verso leer, 2r Titel, 2v leer, 3r Personen, 3v leer, 4–47r/v und 48r Text, 49v und 50r/v leer.

Literatur: Gräf, Goethe II-4, S. 392ff. – Provenienz: Erworben 1989 im Hamburger Antiquariat (mit einer dankens-, lese- und lobenswerten Beschreibung durch Henning Kluger), seitdem in deutscher Privatsammlung. – Einband leicht berieben, Ecken gering bestoßen. – Innen tadellos, die Blätter später mit Bleistift paginiert

791  [Johann Wolfgang von] Goethe. Clavigo.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Ein Trauerspiel. Leipzig, Weygandsche Buchhandlung 1774. Pappband der Zeit mit Buntpapierbezug und Rückenschild.

Erster Druck der ersten Ausgabe mit allen bei Hagen genannten Merkmalen. – Goethe schrieb das Trauerspiel im Frühjahr 1774 innerhalb weniger Tage. Bereits im Sommer lag es gedruckt vor. Erstmals wurde der Name des Dichters auf dem Titel genannt, alle vorherigen Texte – auch der »Götz« – erschienen noch anonym. Im August 1774 wurde das Stück in Hamburg uraufgeführt. – Unbeschnittenes Exemplar auf festem, gelblichem Papier und in schöner zeitgenössischer Kartonage. – Provenienz: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, später Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1809). Auch die KatNrn. 792–794 stammen aus dem Besitz des Hamburger Antiquars und Auktionators (1901–1983). Spätestens mit dem Auktionskatalog seiner Sammlung (1795 Katalognummern, bearbeitet von Susanne Koppel unter Mithilfe von Klaus Hänel und Brigitte Reimers) verstand man Hauswedells wiederholt getätigte Aussage, er sei »Händler und kein Sammler«, die er 1968 in einem Privatdruck zur Stuttgarter Antiquariatsmesse mit dem Ausspruch »Mao sammelt auch nicht« noch unterstrich, als hanseatische Untertreibung.

17,5 : 11,1 cm. – Rücken etwas verblasst. – Minimal fleckig.

Goedeke IV/3, 159, 2. – Hagen 64 D1. – Slg. Kippenberg 352

792  [Johann Wolfgang von Goethe]. Die Leiden des jungen Werthers.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

Erster [und] Zweyter Theil [in einem Band]. Leipzig, Weygandsche Buchhandlung 1774. Mit einer gestochenen Titelvignette von Oeser und zwei Holzstichvignetten, auf Titel 2 und am Schluss. Marmorierter Lederband des 19. Jahrhunderts mit Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild. Rot-weiße Kleisterpapiervorsätze.

Erste Ausgabe, zweiter Druck mit den korrigierten Druckfehlern. An Stelle des Druckfehlerverzeichnisses auf Seite 224 nun die Holzstichvignette »Sense mit Sanduhr«. – Man darf getrost behaupten, dass Goethe nach »Götz« und »Clavigo« spätestens mit diesem Buch seinen Weltruhm begründet hat. Der Briefroman mit dem bekannt-tragischen Ende hat nicht nur Scharen von Nachahmern – sei es im Hinblick auf das Werther-Gewand oder den Freitod aus verschmähter Liebe – gefunden, sondern auch viele Schriftsteller inspiriert. – Sehr selten. – Provenienz: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, später Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1811).

16,3 : 10,0 cm. 224 Seiten. – Kanten teils leicht berieben. – Auf etwas einfacherem Papier als der Estdruck. – Titelblatt 1 mit kleinem hinterlegten Ausschnitt und im Falz etwas fleckig. Durchgehend leicht fleckig.

Goedeke IV/3, 163, 3. – Hagen 80 D1a. – Nicht in Slg. Kippenberg. – Dorn 271

793  [Johann Wolfgang von] Goethe. Der Triumph der Empfindsamkeit.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Limit: € 360

Eine dramatische Grille. Ächte Ausgabe. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1787. Halblederband der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild und hübscher Rückenvergoldung.

Erste Einzelausgabe. – Sonderdruck (mit dafür gedrucktem Titelblatt) aus dem vierten Band der »Schriften« nach Entfernung der Bogennorm und Verrückung der Paginierung. – Der epochale Begriff »empfindsam«, der sich sogleich in der deutschen Dichtung verbreitete, wurde »zum erstenmal gebraucht von Bode, der in der vorrede zu Yoricks empfindsamer reise (1768) erzählt, dasz Lessing es ihm als übersetzung von sentimental empfohlen habe« (Grimms Wörterbuch). – Schönes unbeschnittenes Exemplar auf stärkerem Papier. – Exlibris Goethe-Sammlung Edwin Redslob (mit dessen Zusatz »Dublette!«) und seinem Besitzvermerk auf dem Vorsatzblatt. – Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1313).

16,9 : 11,0 cm. [2], 118, [2] Seiten. Etwas berieben und leicht fleckig. – Ränder von Titel und Schlussblättern leicht gebräunt.

Goedeke IV/3, 232, 37. – Hagen 185. – Kippenberg 1358. – Dorn 344

794  [Johann Wolfgang von] Goethe. Faust.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

Ein Fragment. Ächte Ausgabe. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen 1790. Marmorierter Pappband um 1900.

Erste Einzelausgabe, zweiter Druck, da mit der Zeilenwiederholung auf den Seiten 144/145 und allen weiteren bei Schulte-Strathaus beschriebenen Merkmalen des Doppeldrucks Sm. Anton Kippenberg galt im Übrigen diese Variante als Erstdruck. – Goethes »Faust«, der ihn über Jahrzehnte beschäftigte, – 1808 erschien die vollendete Fassung von Teil 1, 1833, also erst aus dem Nachlass, der Tragödie zweiter Teil – gilt als die berühmteste dramatische Dichtung der deutschen Nationalliteratur. Das Faust-Fragment erschien 1790 auch im siebten Band der »Schriften« (Göschen 1787–1790). – Ehemals Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1318).

16,0 : 9,8 cm. [2], 168 Seiten. – Vordergelenk minimal angeplatzt. – Leicht gebräunt. Titel mit Besitzvermerk.

Goedeke IV/3, 611, 2. – Hagen 204. – Slg. Kippenberg 2377

795  J[ohann] W[olfgang] von Goethe. Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Gotha, Carl Wilhelm Ettinger 1790. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts mit drei vergoldeten Rückenschildern.

Erste Ausgabe, erster Druck. – Die Herausgabe dieser naturwissenschaftlichen Schrift wurde von Göschen abgelehnt. Nicht zuletzt diese Entscheidung führte zum Bruch Goethes mit seinem Hausverlag: »Ich konnte schwer begreifen, warum er [Göschen] mein Heft zu drucken ablehnte, da er im schlimmsten Falle durch ein so geringes Opfer von sechs Bogen Makulatur einen fruchtbaren, frisch wieder auftretenden, zuverlässigen, genügsamen Autor sich erhalten hätte« (Goethe). – Goethe versuchte in diesem Werk – lange vor Darwin –, die Entwicklung der Pflanzen aus einer Urform zu erklären. Vor dem Druck legte Goethe sein Manuskript dem Jenaer Botaniker Bartsch zur Überprüfung und Begutachtung vor. – Sehr schönes fleckenfreies Exemplar auf festem Papier. – Aus der Bibliothek der Franziska von Hohenheim (1748–1811, zunächst Mätresse, seit 1785 zweite Ehefrau von Herzog Carl Eugen von Württemberg, seit 1790 Herzogin von Württemberg) mit den typischen grün-rot-goldenen Rückenschildern.

17,5 : 11,5 cm. [4], 86, [2] Seiten. – Titel mit fast vollständig gelöschtem Stempel.

Goedeke IV/3, 576, 17. – Hagen 211. – Kippenberg 368

796  [Johann Wolfgang von] Goethe. West-oestlicher Divan.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Stuttgart, Cotta 1819. Mit gestochenem Doppeltitel von C. Ermer. Blauer Orginalinterimsumschlag.

Erste Ausgabe. – Mit der korrekten Titelzeile »Talismane« auf Seite 9. Die als Viertelbogen zum Austausch gedachten Korrekturseiten 7–10 wurden im letzten Bogen des Buches gedruckt und sind im vorliegenden Exemplar eingeheftet. – Im August 1814 reiste Goethe nach 17 Jahren erstmals wieder in seine Heimatstadt Frankfurt. In Wiesbaden traf er den Bankier Johann Jakob Willemer und dessen Lebensgefährtin Marianne Pirngruber, die österreichische Sängerin, die Willemer 1814 – wahrscheinlich auf Goethes Anraten – heriratete. Auch der 65jährige Dichterfürst fühlte sich zu der jungen Frau hingezogen. Aus der beiderseits leidenschaftlichen Beziehung entstanden einige der schönsten Gedichte des Bandes, die zum Teil von der Hand der Verehrten stammen. In seiner »Suleika« setzte Goethe Marianne von Willemer ein bleibendes Denkmal. – Meist noch unaufgeschnittenes, deshalb ganz breitrandiges Exemplar.

19,8 : 11,5 cm. 2 Kupferstiche, 556 Seiten. – Die Broschur mit Einrissen und kleinen Fehlstellen, der Buchblock verzogen. – Der Doppeltitel außen mit kleinem Wasserflecken.

Goedeke IV/3, 492, 110.I. – Hagen 416. – Slg. Kippenberg 400. – Fischer, Cotta 1189. – Dorn 361

797  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 340

oder Die Entsagenden. Ein Roman. Erster Theil [alles Erschienene]. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1821. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts mit grün-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Die elf Gedichte bzw. Sprüche auf den Vorblättern im Erstdruck, die einzelnen Novellen des Romans, der unvollendet blieb, erschienen seit 1809 im »Taschenbuch für Damen«.

16,2 : 10,5 cm. [8], 550, [2] Seiten. – Einband etwas bestoßen und berieben. – Sauberes Exemplar, nur die ersten 6 Blätter etwas wasserrandig. – Vorsatz mit Besitzvermerk »A. v. Brandenstein 1855«.

Goedeke IV/3, 434. – Hagen 425. – Fischer, Cotta 1300. – Slg. Kippenberg 402. – Dorn 388

798  Jean Paul – Ludwig Roentgen. Gebetbuch aus Romanen gezogen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Der Rhapsodieen [Erstes bis] Drittes Heft. Zweyte rechtmäßige Auflage (Hefte 1 und 2). Neuer marmorierter Pappband.

Erste vollständige Ausgabe. Die ersten beiden Hefte erschienen 1801 zunächst im Selbstverlag unter dem Titel »Rhapsodieen zum Genuß der Morgenstunden eines ganzen Jahres. Für höhere und bessere Menschen«. Die gemeinsamen Freunde des ostfriesischen Theologen Roentgen, Jean Paul und Emanuel Osmund, hatten sich um 1804 bei der Bayreuther Buchhandlung J. A. Lübecks Erben offenbar mit Erfolg für eine Neuauflage eingesetzt. Jean Paul regte den neuen Titel an, den Roentgen begeistert aufgriff und auf die neuen Titelblätter »jetzt hat das Buch seinen rechten Namen« setzen ließ. – Der Verfasser formulierte – ganz im Geiste und Stil des von ihm hochverehrten Jean Paul – Betrachtungen und Belehrungen auf »alle« Tage des Jahres, es erschienen allerdings nur diese drei Teile, die vom 1. Januar bis 6. Juni reichen. – Als Einleitung zum zweiten Heft wurde der kurze Briefwechsel zwischen Jean Paul und dem Verfasser verwendet, hier im Erstdruck. Hefte 2 und 3 mit beiden Titeln, alt und neu, Heft 3 erschien 1805 in erster Auflage. – Selten.

16,0 : 16,3 cm. XX, 314; [2], XVI, 310; VIII, 286 Seiten. – Gelegentlich etwas stockfleckig.

Berend /Krogoll 400 Anmerkung

799  Friedrich Nietzsche. [Ecce homo]. Aus Friedrich Nietzsches Leben.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

Seinen eigenen Aufzeichnungen entlehnt. Mitgeteilt von M. G. Conrad. – In: Die Gesellschaft. Monatsschrift für Litteratur und Kunst. Herausgegeben von M[ichael] G[eorg] Conrad und Karl Bleibtreu. Leipzig, Wilhelm Friedrich, September 1890.

Erstdruck dieser frühesten Auszüge aus Nietzsches Autobiographie, die vollständig erst 18 Jahre später unter dem Titel »Ecce homo« erscheinen sollte. – In Heft 9, Seiten 1253–1262. In Heft 10 folgte Leo Bergs Nietzsche-Essay und das Porträt des Philosophen. – Michael Georg Conrad (1846–1927), der Herausgeber der Zeitschrift, hatte Zugang zum Manuskript erhalten und publizierte umfangreiche Auszüge aus den Kapiteln »Warum ich so klug bin« und »Warum ich so weise bin« und eine Schlussbemerkung. – Die für den deutschen Naturalismus wichtige Zeitschrift, »die eine deutsche Erneuerung aus den Ideen Nietzsches und Wagners anstrebte« (Kafemann, zitiert nach Krummel), erschien teils im Eigenverlag der Herausgeber. Zu diesen zählten neben dem Schriftsteller Conrad, der die Zeitschrift gründete, Karl Bleibtreu, Hans Merian, Ludwig Jacobowski und Alfred Gotendorf. – Hier die vollständige Folge der Jahrgänge 1–8 (1885–1892), außer Band I alle in den Originalleineneinbänden.

24,5 : 16,0 cm. – Pappeinband 1 beschädigt, sonst sehr gut erhalten. Teils dezente Besitzerstempel rückseitig auf den Titelblättern.

Krummel I, 194 AE. – Schaberg S. 256 Anmerkung. – Dietzel/Hügel 1162. – Schlawe I, 19ff

800  Cranach-Presse – Das Hohelied Salomo.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

Leipzig, Insel 1931. Mit elf blattgroßen Holzschnitten und 13 Holzschnitt-Initialen von Eric Gill. Originalhalbpergamentband, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Im Originalschuber.

Eins von 100 Exemplaren auf Maillol-Kessler-Bütten (Gesamtauflage dieser deutschen Ausgabe 158). – »Der text dieser ausgabe des Hohen Liedes ist wörtlich nachgedruckt der ersten ausgabe der Lutherischen bibelübersetzung; seine dramatische gestaltung der Vulgata entnommen« (Druckvermerk). – Die Kolumnentitel wurden in Rot gedruckt. – Eric Gills Holzschnitte, flächig dunkelgrau auf hellgelber Tonplatte gedruckt, bezaubern durch ihre rätselhafte Anmutigkeit. Dem Künstler gelang die Verallgemeinerung der Sujets und die Vermeidung jeglicher »Süßlichkeit«. – Sehr schönes Exemplar.

26,2 : 13,5 cm. [2], 31, [7] Seiten. – Schuber leicht berieben. – Innendeckel mit kleiner Tintenstift-Nummer.

Brinks 89. – Müller-Krumbach 55. – Schauer II, 75. – Sarkowski 1393. – Gill 284

801  Cranach-Presse – Edward Gordon Craig. Fünf Holzschnitte zu »Hamlet« auf gelbem Japanpapier, einer monogrammiert.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Limit: € 750

Weimar 1926–1928. Ca. 16 : 8 cm (36 : 24 cm).

I. Soldier with Shield (Act 1, Scene 1). – II und III. Actor. – Bird Dancer (Act 3, Scene 2, pages 92/93 in opposite). – IV. Yorick (Act 5, Scene 1). – V. Soldier (monogrammiert, Act 5, Scene 2).

Blatt 4 und 5 mit kleinem Braunfleck, Blatt 2 und 3 leicht verfärbt.

802  Cranach-Presse – Hamlet.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Doppelblatt mit drei Holzschnitten von Edward Gordon Craig. Weimar [1929].

Zweiter Prospekt zur deutschen Ausgabe des »Hamlet«, gedruckt auf der Cranach Presse für den Leipziger Insel-Verlag und S. Fischer in Berlin, bei denen die Buchausgabe erschien. – Gesetzt aus der Hamlet-Fraktur und gedruckt in Schwarz und Rot auf Maillol-Kessler-Bütten im Format des Buches. – Mit dem Schrifttitel von Eric Gill und folgenden Holzschnitten: Hamlet lesend vor Kissen. – Hamlet mit gezogenem Schwert. – Der Wächter. – Auf den Innenseiten die Seiten 110/111 aus dem Buch, auf der Rückseite die Verlagsankündigung mit Preisangaben der verschiedenen Ausgaben und Einbandvarianten. – Harry Graf Kessler war dieser Prospekt offenbar so wichtig, dass er ihn (laut Anmerkungen von John Dieter Brinks) einigen Pergamentexemplaren des Buches beibinden ließ.

36,3: 24,3 Seiten [4] Seiten. – Seite 4 etwas gebräunt.

Brinks 75. – Müller-Krumbach 41 Anmerkung

803  Eugen Diederichs – [William] Shakespeare. Hamlet.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 440

Deutsch von Wilhelm Schlegel und Ludwig Tieck. Jena, Eugen Diederichs 1916. Mit einer Holzschnittinitiale und -kopfleiste von E. R. Weiß. Weinroter Originalsaffianlederband. Rückenverzierung, Lederrückenschild und doppelte Deckelkantenfileten vergoldet.

Eins von 150 Vorzugsexemplaren auf Strathmore-Japan (Gesamtauflage 1650). – Die Typographie und der sparsame Buchschmuck stammen von dem zweiten bedeutenden Buchkünstler, dessen Mitarbeit sich der engagierte Verleger in Jena versicherte: Emil Rudolf Weiß. – Für die Vorsätze wurde blau-rot-graues Oleographiepapier verwendet.

27,8 : 18,0 cm. [6], 213, [3] Seiten. – Rücken mit wenigen und kleinen Bereibungen. – Die Ränder teils leicht gebräunt.

  804    Eugen Diederichs Verlag – Atlantis.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Volksmärchen und Volksdichtungen Afrikas. Herausgegeben von Leo Frobenius. Band I [bis] XII [alles Erschiene]. Jena, Eugen Diederichs 1921–1928. Mit zahlreichen Tafeln, Karten und Illustrationen. Illustrierte Originalhalbleinenbände mit farbiger und goldgeprägter Rückenverzierung.

Die vollständige Reihe, herausgegeben als Veröffentlichungen des Forschungsinstituts für Kulturmorphologie. – Inhalt: I–III. Volksmärchen der Kabylen. – IV. Märchen aus Kordofan. – V. Dichten und Denken im Sudan. – VI. Spielmannsgeschichten der Sahel. – VII. Dämonen des Sudan. VIII. Erzählungen aus dem West-Sudan. – IX. Volkserzählungen und Volksdichtungen aus dem Zentral-Sudan. – X. Die atlantische Götterlehre. – XI. Volksdichtungen aus Oberguinea. – XII. Dichtkunst der Kassaiden. Weitere Bände (XIII–XV) waren geplant, sind aber nicht mehr erschienen. – Im Jahre 1898 gründete der Ethnologe und Forschungsreisende Leo Frobenius (1873–1938) in Berlin das »Afrika Archiv« als private Stiftung. Nach dem ersten Weltkrieg wurde es als »Forschungsinstitut für Kulturmorphologie« nach München, 1925 nach Frankfurt am Main verlegt. – Die Buchgestaltung stammt von F. H. Ehmcke, der maßgeblich für die Bedeutung des Diederichs Verlages in der deutschen Buchkunst war. – Beilage: Brief des Forschungsinstituts München, 24. IX. 1921: »Auf Veranlassung von Herrn Leo Frobenius übersenden wir Ihnen fünf Abgüsse afrikanischer Terrakotten.

21,4 : 15,0 cm. – Vereinzelte Besitzvermerke.

  805    Chrysos-Druck – E. T. A. Hoffmann. Ignaz Denner.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

Mit 12 handkolorierten Originallithographien von Walter Wellenstein. Berlin, Carl P. Chryselius 1923. Mit zwölf signierten Lithographien, eine davon als Textillustration. Originalhalbpergamentband, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Im Schuber.

Erster Chrysos-Druck. – Eins von 200 Exemplaren. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Walter Wellenstein (1898–1970) studierte u. a. bei Emil Orlik. Er veröffentlichte Zeichnungen u. a. im »Simplicissimus« und »Eulenspiegel«, illustrierte das Gesamtwerk von E. T. A. Hoffmann, russische Literatur und Kinderbücher. – Sehr schönes Exemplar.

30,4 : 24,8 cm. 44, [4] Seiten, 11 Lithographien.

Sennewald 23,1

  806    Dreiangeldrucke – Gottfried August Bürger. Balladen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

München, Hans von Weber 1919. Mit zahlreichen Lithographien von Franz Kolbrand im Text, davon sieben ganzseitig. Preußischblauer Maroquinband mit Vergoldung (signiert: O. Herfurth, MdE).

Neunter Dreiangeldruck. – Auf glattem Japanpapier, »höchstens 80« Exemplare wurden auf Velin gedruckt. – Das Beiheft (Nachwort von Erich Ebstein) wurde am Ende eingebunden. – Eleganter Einband von Otto Herfurth, Deckel-, Steh- und Innenkanten und Rückenfelder mit vergoldeten Fileten. Vorderdeckel mit dem vergoldeten Monogramm des Buchbinders, seine eigentliche Signatur mit dem Zeichen der Innung »Meister der Einbandkunst« im hinteren Innendeckel. – Kopfschnittvergoldung, marmorierte Vorsätze. – Mit dem radierten und signierten Exlibris eines Berliner Sammlers von Horst Hussel.

24,0 : 18,0 cm. [4], 131, [1] Seiten. – Rücken etwas verblasst.

Rodenberg 417, 9

  807    Drucke der Pforte – Das Lied von S. Anno.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Übertragen von Richard Benz. Heidelberg und Offenbach, Wilhelm Gerstung 1924. Hellbrauner Originalkalblederband mit Blindprägung (Helene Fanck, Stuttgart).

Erster Druck der Pforte. – Eins von 400 Exemplaren, nach Rodenberg wurden nur die Vorzugsexemplare in Leder gebunden. – Auf Bütten. – Druck in Dunkelrot und Schwarz, gesetzt aus der »Liturgisch«, einer von Otto Hupp entworfenen gotischen Fraktur. – Der literarischen Gemeinschaft der »Pforte« gehörten unter anderem Hans Thoma und Alfred Mombert an. Unter Leitung von Gustav Wolf errichtete man eine Werkstatt für Graphik und Buchkunst. In Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Buchbinderei Helene Fanck entstanden die ersten Pressendrucke. Die literarische Leitung hatte dabei Richard Benz, welcher die bis heute maßgebliche Übersetzung der »Legenda aurea« anfertigte.

29,0 : 20,7 cm. XLVII, [5] Seiten. – Vorsätze im Falz leimschattig.

Rodenberg 234, 1

808  Ernst Ludwig-Presse – Das Hohelied von Salomo.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Leipzig, Insel 1909. Mit illustriertem Doppeltitel und acht ornamentierten Initialen von Friedrich Wilhelm Kleukens. Malvenfarbiger Originalkalblederband mit vergoldetem Titel und Kopfgoldschnitt.

Fünftes Buch der Ernst Ludwig-Presse. – Eins von 300 Exemplaren. Auf Japan. – Textbearbeitung von R. A. Schröder nach der Übertragung von Emil Kautzsch. – Breitrandiger Handpressendruck in Schwarz und Gold, für den erstmals die von F. W. Kleukens entworfene Cicero Kleukens Antiqua verwendet wurde. – Einbandentwurf von F. W. Kleukens, der sich gegenüber Anton Kippenberg allerdings mit seinem Wunsch, weißes Leder zu verwenden, nicht durchsetzen konnte. Schlussendlich wurden (laut Kleukens-Archiv und Sarkowski) 260 Exemplare in malvenfarbenes Kalbleder und 40 weitere in violettes Maroquin gebunden. – Exlibris Max Kirdorf.

25,2 : 16,3 cm. XXI, [3] Seiten. – Ränder mit kleinen Schabstellen, Rücken verblasst. – Bindung nach dem Doppeltitel angeplatzt.

Stürz 5. – Kleukens Archiv ELP 6 (5). – Sarkowski 1392. – Rodenberg 74, 5

809  Ernst Ludwig-Presse – Longus. Die Liebesgeschichte von Daphnis und Chloe.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Leipzig, Insel 1910. Grüner Originalkalblederband; Rückentitel, Deckelvignette und Innenkantenbordüren vergoldet. Im Originalschuber, samtgefüttert und mit Lederkanten.

Zehntes Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von 250 Exemplaren auf italienischem Büttenpapier (Gesamtauflage 300). – Die Buchgestaltung lag in den Händen von Friedrich Wilhelm Kleukens, von ihm stammen der Titel mit schmückender Bordüre, die vier großen vergoldeten Initialen, die gesamte Typographie und der Einbandentwurf. Die Einbände schuf Peter A. Demeter. – Exlibris Alma Joswich (Franz von Bayros).

26,8 : 18,0 cm. 167, [7] Seiten. – Rücken stark verblasst, Deckel minimal fleckig und berieben.

Stürz 10. – Kleukens Archiv ELP 13 (10). – Rodenberg 75, 10. – Sarkowski 1039

  810    Ernst Ludwig-Presse – Francis Jammes. Die Gebete der Demut.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Limit: € 170

München, Kurt Wolff 1921. Blaugrüner Originalmaroquinband mit reicher Vergoldung und Marmorpapiervorsätzen.

Stundenbücher 4. – Eins von 350 Exemplaren. – Die Übertragungen von Ernst Stadler erschienen zuerst 1913 in Kurt Wolffs expressionistischer Reihe »Der jüngste Tag«. – Handpressendruck in Rot und Schwarz auf Bütten von C. H. Kleukens. – Der Einbandentwurf der »Stundenbücher«, einem bibliophilen Seitenstück des Verlages, stammt von Emil Preetorius. – Das leere Vorblatt mit Widmung vom 5. Dez. 1931 »zur Erinnerung an die christliche ›Demut‹ …«, sonst tadellos.

18,3 : 12,2 cm. [48] Seiten.

Stürz 30. – Göbel 533. – Rodenberg 77, 4. – Schauer II, 64. – Fromm III, 12981

  811    Mainzer Presse – Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vor dem Deutschen Reichstag am 7. März 1936.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 80

Mainz 1936. Originalpappband mit Pergamentkapitalen und goldgeprägter Deckelvignette.

Erschienen Weihnachten 1936 auf Anregung des Mainzer Bürgermeisters zur Erinnerung an den Einmarsch der deutschen Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland. – Gesetzt aus der von Kleukens entworfenen Burte Fraktur. – 1927 wurde Christian Heinrich Kleukens an die von der Stadt Mainz gegründete Presse berufen. Dort erschienen auch noch die wenigen späten Drucke der Ernst Ludwig-Presse, deren Leitung Kleukens weiterhin inne hatte. 1945 wurde Kleukens, der dem Gedankengut der Nationalsozialisten durchaus nahestand, als Leiter der Mainzer Presse, die noch bis 1953 existierte, suspendiert.

25,0 : 16,5 cm. 53, [3] Seiten.

812  [Johann Wolfgang von] Goethe. Unbekannte Erotische Epigramme

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 750

mit Radierungen nach des Dichters Sammlung erotischer Gemmen von Carl Heinz Roon [Walter Günteritz] und einem Nachwort der Neuherausgeber. Venedig, Privatdruck für den Markuskreis 1924. Mit 37 monogrammierten Radierungen. Originalhalbpergamentband mit Rückenvergoldung, roten Saffianlederbezügen und goldgeprägter Deckelvignette. Mit Schutzpapierumschlag und -schuber.

Eins von 30 Exemplaren. – Als »Privat-Ausgabe für den Markuskreis auf der Manutiuspresse gedruckt«. – Seltene erste Separatausgabe der erotischen Epigramme Goethes, die bis dato »in den schwindelerregenden Reihen des Sophien-Goethes vergraben« waren. – Text und Radierungen in Blau jeweils recto auf Bütten gedruckt. – Der Graphiker Walter Günteritz (1888–1962) unternahm nach ersten Tätigkeiten in Lübeck ausgedehnte Reisen. In dieser Zeit entstanden seine erotischen Adaptionen antiker Gemmendarstellungen. In der Zeit des Nationalsozialismus leitete er die Städtische Kunstsammlung Neubrandenburg und war im Kulturkreis der SA tätig. Die zeitgenössische Kritik bezeichnete ihn 1933 als »schmissigen Porträtist mit starker Konzession an das Damenhafte bzw. Kavalierhafte« (Mecklenburgische Monatshefte 1933/9). – Sehr schön erhalten.

25,8 : 17,3 cm. [4], 77, [3] Seiten, 37 Radierungen.

Slg. Kippenberg 1792

  813    Janus-Presse – Goethes Meister-Prosa.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Auswahl des Wortlauts [und Nachwort] von A[nton] K[ippenberg] und G[eorg] W[itkowski]. Leipzig 1926. Originalbroschur mit farbig marmoriertem Umschlag.

Für die Teilnehmer des Leipziger Bibliophilen-Abends am 11. Februar 1926 »hinter dem fünfzigjährigen Rücken Walter Tiemanns von Carl Ernst Poeschel mit gleichfalls ermattenden Kräften hergestellt« (Druckvermerk). – Der tatsächlich letzte Druck der Janus-Presse, der 1907 begründeten ersten deutschen Privatpresse, die bereits im Frühjahr 1923 mit dem »Schlemihl« ihre Tätigkeit eingestellt hatte. »Ihre Seele, die Schrift, war versenkt, nicht wie Cobden Sanderson’s Doveslettern in die Themse, sondern in ein Paket mit grauem Packpapier« im Archiv des Insel-Verlages. Für den seltenen Privatdruck wurde sie noch ein letztes Mal verwendet. – Keiner der Texte stammt wirklich von Goethe, die Herausgeber schoben dem Dichterfürsten diverse Briefe, Ansprachen etc. unter. – Dazu vier weitere Gaben des Leipziger Bibliophilenabends: I. 1908: Ein Halbes Dutzend Leipziger Promotions-, Hochzeits-, Liebes- etc. etc. Gedichte aus der Barockzeit. Originalbroschur. Schriftprobe verschiedener Unger-Frakturen. Stifter: Carl Poeschel und Julius Zeitler. – II. 1910: Herz mein Herz was soll das geben? Faksimile der Handschrift. Ein Blatt in Büttenumschlag. Eins von 99 Exemplaren. Stifter: Kurt Wolff. – III. 1922: Briefe berühmter Meister der Musik aus meiner Autographensammlung. Originalbroschur. Faksimiles von acht Briefen. Stifter: Henri Hinrichsen. – IV. 1933: Theodor Fontane. Kleine Geschichte aus dem Riesengebirge. Originalpappband. Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 300). Stifter: Gerhard Schulze.

24,9 : 17,8 cm. 30, [2] Seiten. – Broschurumschlag mit kleinen Fehlstellen.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930, S. 83 sowie S. 72 und S. 79

814  Insel Verlag – [Johann Wolfgang von Goethe]. Annette.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Leipzig, Insel [1923]. Braun marmorierter Originalkalblederband mit reicher Vergoldung von Rücken und Stehkanten, grünem Rückenschildchen und Marmorpapiervorsätzen, Deckelkanten- und Schnittvergoldung (signiert: H. Sperling, Leipzig). Im Originalschuber.

Eins von 350 handschriftlich nummerierten Exemplaren. – Auf Zanders-Bütten. – Faksimile-Ausgabe der 1767 von Ernst Wolfgang Behrisch aufgeschriebenen und mit Vignetten verzierten Liedersammlung des Leipziger Studenten Goethe. – Druck der Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig. – Sehr gut erhaltenes Exemplar dieses reizenden Faksimiles.

17,9 : 12,5 cm. [108] Seiten.

Sarkowski 576. – Slg. Kippenberg 7919

815  Insel Verlag – Goethes Italienische Reise.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Mit den Zeichnungen Goethes, seiner Freunde und Kunstgenossen. Neu herausgegeben vom Goethe-Nationalmuseum. Leipzig 1925. Mit 174 teils farbigen Abbildungen auf Tafeln und im Text. Blauer Saffianlederband mit reicher Vergoldung und marmorierten Vorsätzen.

Prachtvoll gebundenes Exemplar der leicht veränderten zweiten Auflage. – Neben »Dichtung und Wahrheit« bildet die »Italienische Reise« den wichtigsten autobiographischen Text von Goethes Hand. Sein künstlerisches Bemühen spiegelt sich in unzähligen Zeichnungen und Skizzen, die in der vorliegenden Ausgabe um Schöpfungen von Angelika Kauffmann, Philipp Hackert, J. H. Tischbein, Kniep, Joh. G. Schütz (Römisches Carneval) und anderen erweitert wurden. – Der Einband, leuchtend blau und grobnarbig, mit breiten vergoldeten Fileten, dem Titel auf dem Vorderdeckel in Liniensatz und vergoldetem Kopfschnitt blieb unsigniert.

36,3 : 24,5 cm. [8], 343, [5] Seiten, 126 Tafeln.

Sarkowski 591 A

816  Insel Verlag – Ernst Hardt. Schirin und Gertraude.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Ein Scherzspiel. Leipzig, Insel 1913. Mit Titelillustration und Initialen von Karl Walser. Farbig illustrierter Originalpergamentband mit Kopfgoldschnitt.

Eins von 59 Vorzugsexemplaren, auf handgeschöpftem Bütten und in Pergament gebunden. – Tadellos schönes Exemplar der sehr seltenen Vorzugsausgabe.

19,2 : 12,9 cm. 168, [4] Seiten.

Sarkowski 674 VA. – Badorrek-Hoguth B 29.1

817  Insel Verlag – [Friedrich] Schiller. Musen-Almanach für das Jahr 1797.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 700

[Faksimileband und Kommentarheft.] Leipzig, Insel 1907. Mit beiden illustrierten Umschlagdeckeln, dem Frontispiz und acht gefalteten Notenblättern. Flexibler marmorierter Originalpergamentband mit Rückenschild, vergoldeten Deckelbordüren und Schnittvergoldung und Originalbroschur. Zusammen in rotem Chagrinlederschuber.

Eins von 50 Vorzugsexemplaren auf Bütten und in Ganzpergament (Gesamtauflage 300). – Kommentarheft mit einem Begleitwort zur neuen Ausgabe von Hanns Holzschuher. – »Es sind Bücher und Bände über diesen Almanach geschrieben worden – über dies merkwürdige, seltene und kostbare Buch der Weltliteratur. Kostbar, weil es als Sammelstätte Dichtungen und Werke unserer größten Dichter birgt« (Begleitwort). – Nahezu druckfrisches Exemplar.

16,8 : 10,6 cm. [22], 302, [10] Seiten, 8 Falttafeln; LXV Seiten, 3 Tafeln. – Der Umschlag des Beihefts am Oberrand angestaubt.

Sarkowski 1176

818  Arthur Schopenhauer. Sämmtliche Werke

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

in fünf Bänden. Leipzig, Insel [um 1920]. Braune flexible Kalblederbände mit vergoldeten Titeln und Kopfgoldschnitt.

Großherzog Wilhelm Ernst Ausgabe. – Insgesamt erschienen in der Reihe 34 Bände (Schiller, 6. – Schopenhauer, 5. – Koerner. – Goethe, 16. – Kant, 6). – Die Titel und Überschriften waren die ersten typographischen Arbeiten von Eric Gill. – Herausgegeben von Eduard Grisebach, Max Brahn und Hans Henning. – Nachauflage der erstmals 1905–1910 erschienenen fünfbändigen Dünndruckausgabe.

17,7 : 10,8 cm. – Rücken verblasst.

Sarkowski 1526. – Gill/Corey/Mackenzie 302

819  Insel Verlag – Rudolf Alexander Schröder. Elysium.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

Ein Buch Gedichte. Leipzig, Insel 1906. Flexibler Originalpergamentband mit gold gedrucktem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Exemplar 25 und somit eigentlich das letzte Vorzugsexemplar, entgegen dem Druckvermerk jedoch nicht auf Pergament sondern auf Büttenpapier gedruckt (Gesamtauflage 300). – Die Gestaltung übernahm Alfred Walter Heymel, die Initialen wurden in Rot gedruckt. – Das Büchlein ist dem weniger Monate zuvor verstorbenen Komponisten Felix vom Rath gewidmet, der mit den Insel-Gründern Heymel und Bierbaum (und somit sicher auch Schröder) befreundet war.

24,5 : 16,5 cm. [40] Seiten. – Der Pergamentumschlag wie meist etwas wellig und fleckig. – Vereinzelte Stockflecken.

Sarkowski 1535. – Adolph 7

820  Insel Verlag – [Rodolphe Töpffer]. La Bibliothèque de mon oncle.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Limit: € 130

Leipzig 1923. Originalmaroquinband mit reicher ornamentaler Rücken- und Deckelvergoldung und Goldschnitt (signiert: A. Köllner, Leipzig). Mit dem Originalschuber.

In kleiner Auflage erschienen. – Faksimile eines Exemplars der ersten Ausgabe von 1832. Als Vorlage diente das Goethe zugeeignete Exemplar, den das Buch jedoch nicht mehr rechtzeitig erreichte, er starb vorher. Töpffer hatte das extra breitrandig belassene Exemplar im Unterrand mit 75 originellen Federzeichnungen versehen. – Mit dem separaten Begleitwort zur Faksimile-Ausgabe von Walther Vulpius.

22,3 : 13,4 cm. 78, [2] Seiten. – Rücken etwas verblasst, sonst tadellos.

Sarkowski 1758

  821    Inselbücherei – Gottfried August Bürger. Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen […]. 11.–25. Tausend. Leipzig, Insel 1913. Mit einem Titelbild. Brauner Originalkalblederband. Rückentitel, Inselschiff-Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Die einzige Lederausgabe von Inselbändchen 7 [1A]. – Vorsatzpapier Jenne 36.3. – Schönes Exemplar.

18,5 : 12,0 cm. 103, [1] Seiten. – Kanten minimal berieben.

Kästner IB, S. 231. – Jenne II, 131

  822    Inselbücherei – Hugo von Hofmannsthal. Der Tod des Tizian.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Bruchstück. 1892. 61.–68. Auflage. Leipzig, Insel [1926]. Blauer Originallederband. Rückentitel, Inselschiff-Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Eine von drei Lederausgaben des frühen Inselbändchens, das von 1908 bis 1948 erschien. – Vorsatzpapier Jenne 68. – Auf festem Velin. – Sehr schönes Exemplar.

18,5 : 12,0 cm. 39, [1] Seiten.

Kästner IB, Seite 231, 8. – Jenne II, 131

823  Inselbücherei – [Das Buch] Ruth.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

In der Übertragung Martin Luthers nach der letzten von ihm selbst durchgesehenen Ausgabe der Deutschen Bibel, Wittenberg 1545. Leipzig, Insel [1914]. Mit Titelvignette nach einem alten Holzschnitt. Flexibler schwarzer Originallederband. Deckeltitel, Kantenfileten und Buchschnitt vergoldet.

Eins von etwa 100 bis 150 Exemplaren der seltenen schwarzen Ledervariante, auf Bütten der Ernst Ludwig Presse. – Vorzugsausgabe von Inselbändchen 152 [1], eine Bindequote aus der komplett auf der Ernst Ludwig Presse gedruckten Auflage von 10.000 Exemplaren. – Satz aus der Korpus Schlanke Kleukens-Antiqua. – Die Titelzeile und die vier Initialen wurden in Rot gedruckt. Anders als bei den Pergamentexemplaren (vgl. KatNr. 80) wird im Druckvermerk der vertreibende Insel Verlag genannt, das erste Blatt hier mit dem Verlagssignet, der Titel mit der Abbildung eines alten Holzschnitts.

18,7 : 13,0 cm. 21, [3] Seiten.

Stürz 43b. – Sarkowski 1383. – Jenne II, 48

824  Inselbücherei – [Nicolo] Machiavelli. Von den Menschen. Vom Staat. Vom Kriege. Von Religion und Vaterland.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Gedanken Machiavellis, ausgewählt und übersetzt von Emil Schaeffer. Leipzig, Insel [1918?]. Originalbroschur.

Ohne Druckvermerk. – 1918 erschienen die Texte Machiavellis in Übersetzung und Auswahl Emil Schaeffers als Inselbändchen 240.1A. – Der vorliegende Druck ist erst in der überarbeiteten Neuausgabe von Heinz Sarkowskis Bibliographie des Insel-Verlags verzeichnet und wird dort mit »[1944]« datiert. Das erscheint insoweit irrtümlich, als die Texte des jüdischen Kunsthistorikers und Publizisten Schaeffer (1874–1944) nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sukzessive unterdrückt wurden und das Inselbändchen 1940 und 1944 in der »unverfänglichen« Übersetzung Johannes Zieglers aus dem 19. Jahrhundert erschien. – Nach Meinung von Herbert Kästner dürfte es sich vielmehr um einen Probeandruck handeln, der 1918 typographisch überarbeitet und mit Druckvermerk in der Inselbücherei erschien. Es handelt sich wahrscheinlich um ein nahezu unikales Stück, wir konnten nur noch ein weiteres Exemplar im Gutenberg-Museum Mainz nachweisen.

14,0 : 14,0 cm. 60, [4] Seiten. – Umschlag am Rücken leicht gebräunt.

Sarkowski 1046 a. – Vgl. IB 240.1A und 1B

825  Inselbücherei – Das kleine Blumenbuch.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Zeichnungen von Rudolf Koch, in Holz geschnitten von Fritz Kredel. Leipzig, Insel [1933/34]. Mit 58 Farbtafeln. Originalpergamentband mit rotem Deckeltitel (signiert: Gerhard Prade, Leipzig). Mit hellgrünem Schutzpapierumschlag und Schuber.

Sonderausgabe von Inselbändchen 281.2. – Bindequote der 2. Auflage (51.–100. Tausend) im Handeinband. – Das berühmte Blumenbuch von Koch/Kredel war 1929/1930 in der Ernst Ludwig Presse und dann in der Mainzer Presse gedruckt worden, beide Ausgaben vertrieb der Insel-Verlag. 1933 erschien die vorliegende kleine Auswahlausgabe als Inselbändchen, 1942 folgte eine 80 Motive umfassende Auswahl im Originalformat. Seit 1933 wurde als Schrift nicht mehr Kleukens’ Antiqua sondern eine Fraktur verwendet.

18,5 : 12,0 cm. [4], 58, [6] Seiten.

Kästner IB, S. 238 »Geschenkausgabe«. – Jenne II, 63 (irrtümlich »Gerd Prade«). – Salter 1.11.4

826  Inselbücherei – [Johann Wolfgang von] Goethe. Novelle.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Leipzig, Insel [1919]. Mit Titelzeichnung und 36 Illustrationen von Bernhard Hasler. Originalpappband mit goldgeprägtem Deckeltitel.

Eins von 100 Exemplaren auf Bütten. – Vorzugsausgabe zu Inselbändchen 296.1A. – Erschienen anlässlich Goethes Geburtstag am 28. August. Das Büchlein wurde wohl verspätet fertiggestellt, so dass nun der 171. Geburtstag zum Anlass genommen werden musste (Deckeltitel: »Dem 28. August 1920«).

21,3 : 14,2 cm. 35, [5] Seiten. – Kapitale minimal bestoßen.

Sarkowski 601. – Kästner IB, S. 238. – Jenne II, 52

827  Inselbücherei – W. Hey. Hundert (»Fünfzig« und »Noch fünfzig«) Fabeln für Kinder.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 160

Mit Bildern von Otto Speckter. Leipzig, Insel [1929/1933]. Mit Titelbordüren und zahlreichen Illustrationen nach Lithographien. Farbig illustrierter Originalleinenband.

Sonderausgabe der Inselbändchen 309.2 und 402. – Nach Jenne erschien diese Sonderausgabe, die die Buchblöcke beider 1929 erschienenen Bände verband, erst 1933. – Die Deckelillustration stammt von Walter Tiemann. – Tadellos.

18,5 : 12,0 cm. [4], 50, [2], [4], 50, [2] Seiten.

Sarkowski 724. – Kästner IB, S. 238. – Jenne II, 63

828  Inselbücherei – Gottfried Keller. Der Schmied seines Glückes.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Mit 29 Holzschnitten von Karl Rössing. Leipzig, Insel 1921. Mit 29 Holzschnitten, davon acht ganzseitig und einige als figürliche Initialen. Originalhalbpergamentband mit weinrotem Batikpapierbezug und Kopfschnittvergoldung. Im Schuber.

Eins von 120 Exemplaren, gedruckt auf Van Gelder-Bütten und in größerem Format. – Vorzugsausgabe von Inselbändchen 328.1. – Bei der Vorzugsausgabe wurden die Holzstiche (Eichhorn/Mair: »vermutlich«) noch von den ungalvanisierten Stöcken gedruckt. – Die Erzählung Kellers erschien im Lauf der Jahrzehnte in der Insel-Bücherei mit Illustrationen von Karl Rössing, Carl Tesche, Joachim Kölbel und Rudolf Güthinger. – Hervorragend erhalten, teils unaufgeschnitten.

20,0 : 13,5 cm. 54, [2] Seiten.

Sarkowski 898. – Kästner IB, S. 238. – Jenne II, 55. – Eichhorn/Mair 1.19

829  Inselbücherei – Anatoli Lwowitsch Kaplan. Farbige Keramik.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

Leipzig, Insel 1973. Mit 32 ganzseitigen Farbabbildungen. Farbig illustrierter Originalpappband mit eingeprägtem rot-goldenem Rückentitel. Im schwarz-grün marmorierten Originalschuber.

Sonderausgabe von Inselbändchen 975. – Sehr seltene Sonderausgabe für »Deutscher Buch-Export und -Import GmbH Leipzig«. – Als Bezugspapier diente ein stark vergrößerter Ausschnitt einer Abbildung. – Die Aufnahmen stammen von Lothar Reher, das Geleitwort von Lothar Bolz. – Die Leipziger Handelsfirma übernahm kleine Teilauflagen für Geschenkausgaben. Diese erhielten ein abgeändertes Titelblatt und wurden individuell gebunden. – Wir konnten bisher kein Exemplar dieser Sonderausgabe im Handel nachweisen, auch den befragten Spezialantiquaren ist – wie auch Jenne – diese Ausgabe unbekannt.

18,5 : 12,2 cm. [4], 47, [1] Seiten.

  830    Inselbücherei – Die Geschichte von Aucassin und Nicolette.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Limit: € 130

[Leipzig], Insel 1956. Mit 16 kolorierten Holzschnitten, zehn Motive teils wiederholt, und Holzschnitt-Musiknoten von Fritz Kredel im Text. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel (Gerhard Prade, Leipzig). Im Schuber.

Eins von 500 Exemplaren. – Vorzugsausgabe zu dem 30 (!!) Jahre später erschienenen Inselbändchen 1071. – Die Holzschnitte dieser Leipziger Ausgabe wurden von Martin Schauer nach Vorlagen von Fritz Kredel koloriert. – Bereits 1954 erschien eine einfarbige Fassung innerhalb der Inselbücherei (IB 14.1B), die kolorierten Sonderausgaben (Wiesbaden 1955 und Leipzig 1956) wurden allerdings jeweils neu gesetzt. Da 1986 ein Reprint der Leipziger Variante in der Inselbücherei erschien, verzeichnet Jenne die vorliegende als Vorzugsausgabe. – Tadellos erhalten.

21,5 : 13,8 cm. 70, [4] Seiten.

Sarkowski 519 A. – Jenne II, 60. – Vgl. Kästner IB, S. 236 (nennt aber nur die Wiesbadener Ausgabe). – Salter 1.230.4

831  Inselbücherei – Hugo von Hofmannsthal. Der Tor und der Tod.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Limit: € 170

45. Auflage. Frankfurt am Main und Leipzig, Insel 2015. Farbig illustrierter Originalpappband.

Insel-Bücherei 28. – Exemplar der Karl-Georg Hirsch-Sonderausgabe A, von der 2019 25 nicht für den Handel bestimmte Exemplare erschienen. – Beigelegt sind eine Tuschfederzeichnung und ein zweifarbiger Holzstich, beide signiert, datiert, betitelt und nummeriert. – Mit einer weiteren signierten Bleistiftzeichnung auf dem Vortitelblatt. – Makellos.

18,5 : 12,0 cm.

832  Inselbücherei – Peter Bichsel. Wo wir wohnen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Geschichten. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Rainer Weiss. 2. Auflage. Frankfurt am Main und Leipzig, Insel 2016. Farbig illustrierter Originalpappband.

Insel-Bücherei 1253. – Exemplar der Karl-Georg Hirsch-Sonderausgabe A, von der 2019 nur zehn nicht für den Handel bestimmte Exemplare erschienen. – Beigelegt sind eine Tuschfederzeichnung und ein zweifarbiger Holzstich, beide signiert, datiert, betitelt und nummeriert. – Mit einer weiteren signierten Bleistiftzeichnung als Titelvignette. – Makellos.

18,5 : 12,0 cm.

ChristianHesse