Zum Sonderkatalog “Die Sammlung der Achilles-Stiftung”

Die 2010 gegründete Barbara Achilles-Stiftung Hamburg hat sich entschlossen, ihre Buchsammlung durch eine Versteigerung aufzulösen und die Erlöse für die weitere Arbeit der Stiftung einzusetzen. Wir freuen uns, dass Frau Edith Achilles und die Stiftung uns mit dieser Auktion beauftragt haben. Nur wenige Tage nach Vertragsabschluss verstarb, trotz hohen Alters unerwartet, die 95jährige Sammlerin am 7. August 2020, zehn Jahre nach ihrer Tochter Barbara. Da sie die Auktion nicht mehr miterleben wird, ist es uns eine besonders ehrenvolle Verpflichtung, den Verkauf der ebenso wertvollen wie persönlichen Sammlung im Sinne beider Sammlerinnen durchzuführen. Es war stets deren Wunsch, die Bücher durch einen vereinzelnden Verkauf wieder in neue Sammlungen zu “befördern”.

Die Versteigerung der Achilles-Sammlung mit ihren kostbaren Pressendrucken, Einbänden und illustrierten Büchern der deutschen Buchkunst des 20. Jahrhunderts darf zu Recht in einer Reihe mit anderen bedeutenden Auktionen genannt werden: Hermann Hesse-Sammlung Martin Bodmer (Venator 1973), Bibliothek Salman Schocken (Hauswedell, 1975/76), Insel Verlag Alfred Bergmann (Hauswedell & Nolte, 1982), Bibliothek Victor Achter (Hauswedell & Nolte, 1992), Bibliothek Hans L. Merkle (Reiss & Sohn, 2002-2004), Pressendrucke F. B. Schmetz (Venator & Hanstein, 2008) sowie in unserem Haus der Nachlass Victor Günthert (2014-2016) und Teile der Sammlung Herbert Kästner (2016).

2012 haben wir den damaligen Bestand der Achilles-Sammlung in dem opulenten Dokumentationskatalog „Wege zum Idealen Buch“ beschrieben. In Vorbereitung der Auktion bieten wir die Restauflage zu Sonderpreisen: Die gebundene Ausgabe für 38 EUR, die Broschur für 19 EUR (zzgl. Porto). Ihre Bestellung nehmen wir gern entgegen.


Wichtiger Hinweis:

  So    markierte Katalognummern werden in einer Online-Auktion am Sonntag, 17. Januar, ab 15 Uhr versteigert.

Schriftliche Vorgebote sind möglich, telefonische Teilnahme nicht.

  833    Inselbücherei – Österreichische Bibliothek.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Herausgegeben von Hugo von Hofmannsthal und anderen. Alle 26 Bände der Reihe. Leipzig, Insel 1915–1917. Gelbe Originalpappbändchen mit Deckel- und Rückenschildern.

Vollständige Folge; alle Titel der Österreichischen Bibliothek innerhalb der Reihe nur in einmaliger Auflage. – »Seitenstück der Insel-Bücherei« in gleichem Format und ähnlicher Ausstattung. – Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Reihe nicht fortgesetzt, Restbestände wurden in roter Broschur verkauft oder in die Insel-Bücherei übernommen: Die tatsächlich in der Originalausstattung ausgelieferten Auflagenhöhen dürften also fast durchweg niedriger als die bei Kästner angegebenen »meist je zehntausend Exemplare« sein. – Insgesamt gut erhalten. – Mit dem achtseitigen Beilageprospekt zur Reihe mit einem längeren Text von Hugo von Hofmannsthal.

18,3 : 12,0 cm. – Rücken und vereinzelte Deckelränder etwas angestaubt. Drei Deckel und ein Deckelschild mit kleinen Schabstellen. – Acht Bände mit Besitzvermerk, zwei mit dem Leipziger Zensurstempel. – Vereinzelt leicht stockfleckig.

Kästner S. 249f. – Houghton Library Catalogue 497 und 498ff

834  Marées-Gesellschaft – Sappho. Carmina

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

(griechisch). München, Piper 1921. Mit zwölf Radierungen von Renée Sintenis sowie radiertem Titel und 24 radierten Textseiten. Originalpappband mit Japanbezugspapier und vergoldetem Rückentitel.

31. Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 185 Exemplaren auf handgeschöpftem Bütten (Gesamtauflage 250). – Renée Sintenis (1888–1965) und Emil Rudolf Weiß (1875–1942) schufen mit diesem Druck der Marées-Gesellschaft eines der schönsten Bücher des 20. Jahrhunderts: Weiß radierte die griechischen Texte nach Vorbild einer alten Minuskelhandschrift, seine Ehefrau steuerte zwölf blattgroße Radierungen bei, anmutige, »hauchzarte Umrisse ihrer Figurinen, die in ihrer zerbrechlichen Schönheit den Text mit graziöser Anmut begleiten« (Jürgen Eyssen).

26,8 : 20,5 cm. [40] Seiten. – Das rosagefärbte Japanpapier auf den Außenseiten der Deckel etwas verblasst.

Rodenberg 371, 31. – Schauer I, 218. – Eyssen S. 58

835  Marées-Gesellschaft – Marées-Gesellschaft. [Erste bis] Elfte Reihe der Drucke.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

München, R. Piper 1917–1925. Acht Originalbroschuren, drei Originalpappbände, teils mit Holzschnitten.

Die vollständige Reihe der bibliophil gestalteten Werbeprospekte, aus dem Nachlass des Verlegers. – Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe, ein Verehrer des deutschen Malers Hans von Marées (1837–1887) gründete 1917 die bibliophile und kunst-affine Gesellschaft als gemeinsame Initiative mit dem progressiven Verleger Reinhard Piper. Bis 1926 erschienen 45 Drucke in elf Reihen. – »Die Prospekte der Gesellschaft sind […] kleine Kunstwerke; sie […] sind unter E. R. Weiss’ Leitung und künstlerischer Mitarbeit so ausgestattet worden, daß sie künstlerische Bedeutung gewinnen.« (Julius Rodenberg). – Dazu: Prints of Old & Modern Masters […] published by the Marees-Society. London, Batsford [1926]. Originalbroschur. Mit einem Verzeichnis der 45 Drucke. – Werbeprospekt und Subskriptions-Bestellkarte für den 45. Druck (Paul Guaguin. Noa Noa). Originalbroschur.

Mit leichten Alterungsspuren, teils auch etwas fleckigen Unterrändern.

Rodenberg 361. – Isphording I, 268 und 269 (die Hefte 10 und 11)

836  Maximilian-Gesellschaft – Bibliothek Walter Metzenberg.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Luxus- und Pressendrucke, die Drucke der Maximilian-Ges., Bibliographie und Buchwesen. Berlin [1931]. Originalbroschur, Umschlag mit blau-goldenem Deckelschild.

Katalog 57 des Antiquariats Utopia in Berlin, 795 Nummern. – Walter Metzenberg war Inhaber der Berliner Graphischen Kunstanstalt Richard Labisch. Im Zusammenhang mit der misslichen wirtschaftlichen Lage und dem wenig später folgenden Konkurs seines Unternehmens veruntreute er das Barvermögen der Maximilian-Gesellschaft, deren Schatzmeister er bis zu seinem Freitod 1931 war. Seine Privatbibliothek wurde an die Dresdner Bank verpfändet und im Herbst 1931 durch das Berliner Antiquariat Utopia verkauft. – »Überblicken wir das Ganze dieser Sammlung, so erhalten wir ein eindrucksvolles Bild von dem, was die Buchkunst der letzten Jahrzehnte bedeutet, in stetem Fortschritt von den Zeiten des ›Pan‹ bis zu dem ›Shakespeare der Ernst Ludwig-Presse‹. Vielleicht wird für die künstlerische Kultur dieser Epoche später einmal neben der Architektur nur die Buchkunst als der wesentliche Repräsentant angesehen werden« (Kurt Freyer, Inhaber des Antiquariats im Vorwort des Kataloges). – Dazu: Drei Versteigerungskataloge mit Luxus- und Pressendrucken: Victor Werner (Hans Götz Hamburg, 1927, 600 Lots, mit Tafeln). – Max Kirdorf (Emil Hirsch München, 1929, 373 Lots, mit Tafeln). – N. N. (Paul Graupe Berlin, 1935, 2526 Lots, mit Tafeln). – Beigabe: Vier Publikationen der Maximilian-Gesellschaft (Jahrbuch 1928/29, Sternaux 1928, Chroniken 1937–1961 und 1961–1986).

27,5 : 19,8 cm. 71, [1] Seiten. – Umschlag leicht fleckig. – Ecken unten teils mit kleiner Knickfalte.

100 Jahre Maximilian-Gesellschaft, S. 86

  837    Georg Müller Verlag – Meisterwerke orientalischer Literaturen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 550

In deutschen Originalübersetzungen herausgegeben von Hermann von Staden. Erster [bis] Neunter Band [alles Erschienene]. München, Georg Müller 1913–1923. Mit farbigen Bordüren der Doppeltitel. Originalhalblederbände mit ornamentaler Rückenvergoldung, rotem bzw. schwarzem Rückenschild und farbigen Modeldruck-Bezugspapieren.

Vollständige Reihe in der besseren Einbandvariante. – Das ambitionierte Verlagsprojekt enthält folgende Bände: I. Mesnevi oder Doppelverse des Scheich Mewlana Dschelal ed din Rumi. Aus dem Persischen. – II. Chinesische Novellen. – III. Sukasaptati. Das indische Papageienbuch. Aus dem Sanskrit. – IV/V. Katharatnakara. Das Märchenmeer. Eine Sammlung indischer Erzählungen von Hemavijaya. – VI. Asobi. Altjapanische Novellen. – VII/VIII. Hikayat Hang Tuah. Die Geschichte von Hang Tuah. Aus dem Malayischen. – IX. Vetala-Pantschavinsati. Die fünfundzwanzig Erzählungen eines Dämons. – Aufgrund des langen Erscheinungszeitraums wurden verschiedenfarbige Leder für die Einbände benutzt. Zudem sind vollständige Exemplare selten.

21,4 : 13,5 cm. – Rücken minimal berieben, ein unteres Kapital mit kleinen Einrissen.

25 Jahre Georg Müller Verlag S. 175

838  Das Prisma – Jakob Wassermann. Die Gefangenen auf der Plassenburg.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Mit Steinzeichnungen von Kurt Werth. – Ernst Weiss. Hodin. Mit Steinzeichnungen von Nicolai Pusirewski. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1923. Mit 15 bzw. zehn Lithographien, davon sechs bzw. vier ganzseitig und signiert. Braune Originalmaroquinbände mit Vergoldung (signiert: Handeinband Wübben & Co., Berlin).

Das Prisma, Band 8 bzw. Band 13. – Je eins von 100 Vorzugsexemplaren. – Druckvermerke von den Autoren signiert. – Die Reihe »Das Prisma« erschien 1922/23. Alle fünfzehn Ausgaben enthielten Originallithographien als Illustrationen. Die Vorzugsexemplare wurden auf Bütten gedruckt und einheitlich in Leder gebunden. Die blattgroßen Lithographien wurden vom jeweiligen Künstler signiert. – Laut Sennewald betrug die Gesamtauflage jeweils 300 Exemplare.

27,0 : 18,0 cm. 68, [4] Seiten. – Vorderdeckel am Oberrand und Rücken etwas verblasst, Band II mit kleinen Schabstellen an den unteren Stehkanten.

Sennewald I, 8 und 13

  839    Rowohlt Verlag – Honoré de Balzac. Gesammelte Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 300

[45 in 40 Bänden]. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt 1953–1964. 40 blaue Originalleinenbände mit rot-goldenen Rückenschildern und Rückenvergoldung.

Die vollständige Hamburger Ausgabe. Im Kleinformat und als Dünndruckausgabe fast so platzsparend wie ein e-Book, allerdings haptisch deutlich angenehmer. – Die Übersetzungen stammen von Walter Benjamin, Franz Hessel, Else von Hollander, Walter Mehring, Max Krell, Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Otto Flake u. a. – 1. Der Alchimist. 2. Albert Savarus. 3. Die Geschichte der dreizehn. 4. Beatrix. 5. Buch der Mystik. 6. Caesar Barotteau. 7. Eine dunkle Geschichte. 8. Ehefrieden. 9. Der Ehekontrakt. 10. Eugenie Grandet. 11. Die Frau von 30 Jahren. 12. Die Geheimnisse der Fürstin von Cadignan. 13. Die Bauern. 14/15. Glanz und Elend der Kurtisanen. 16. Heimliche Könige. 17. Honorine. 18. Junggesellenwirtschaft. 19. Katharina von Medici. 20/21. Die Kleinbürger. 22. Die Königstreuen. 23. Künstler und Narren. 24. Der Landarzt. 25. Der Landpfarrer. 26. Zwei Frauen. 27. Modeste Mignon. 28. Nebenbuhler. 29. Oberst Chabert. 30. Pariser Novellen. 31. Pierette. 32. Sarrasine. 33/34. Tante Lisbeth. 35. Die tödlichen Wünsche. 36/37. Trollatische Geschichten. 38. Ursula Mirouet. 39. Vater Goriot. 40/41. Verlorene Illusionen. 42. Vetter Pons. 43. Der Volksvertreter. 44. Die Lilie im Tal. 45. Maitre Cornelius. Der verstoßene Sohn.

14,5 : 9,0 cm. – Einige Rücken verfärbt, zwei leicht berieben, zwei leicht fleckig.

Fromm S. 122–143

  840    Rupprechtpresse – Christoph Martin Wieland. Geron der Adlige.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Limit: € 170

Eine Erzählung. München 1918. Pergamentband mit farbiger Deckelbemalung (signiert: ., Berlin).

Viertes Buch der Rupprechtpresse. – Eins von 200 Exemplaren. – Auf dem weichen Hadern-Bütten, von dem Ehmcke trotz Kriegsmangel im Sommer 1918 einen größeren Posten erwerben konnte. Gleich drei aufeinander folgende Drucke (der zweite bis vierte) wurden auf diesem Papier gedruckt. – Ab 1917 übernahm der Verleger Walther Hirth den Vertrieb der Drucke der Presse. – Insgesamt schönes Exemplar in einem unikalen Einband.

24,0 : 14,7 cm. 55, [3] Seiten. – 1 Blatt mit Einriss im Text. – Die Blätter teils mit umlaufenem Feuchtigkeitsrand.

Backe S. 122f. – Rodenberg 130, 4. – Günther/Zeilinger 415

841  Einbände – Ziegelroter Ecrasélederband von Otto Dorfner, Weimar,

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 3600

mit reicher ornamentaler Vergoldung. – Inhalt: Friedrich Schiller. Die Räuber. Ein Schauspiel. München, Hyperionverlag Hans von Weber 1912.

Dritter Hyperiondruck. – Eins von 100 römisch nummerierten Exemplaren auf Hundertbütten (Gesamtauflage 657, davon sieben auf Pergament und 550 auf Van Gelder-Bütten, so die ersten fünf Hyperiondrucke ). – Gedruckt bei Joh. Enschede en Zonen, Haarlem. – Auch für seine »Hyperiondrucke« »wählte der auch im Herstellerischen genießerische Verleger seltene Typen früherer Jahrhunderte, wie sie bei Enschedé und bei anderen alten Druckereien […] anzutreffen waren« (Schauer I, 102). Die Hyperiondrucke wurden auch an die Mitglieder der Vereinigung »Die Hundert« ausgegeben und wie bei dieser Reihe erfolgte die Auswahl der verwendeten Drucktypen durch Beschluss der Subskripenten. – Prachtvoller unikaler Handeinband: Beide Deckel mit breiten Deckelbordüren aus verschlungenen Kreislinien, fünf Rückenfelder mit mehreren Fileten gerahmt, das sechste mit dem vergoldeten Rückentitel. Der Kopfschnitt vergoldet, Seiten- und Unterränder unbeschnitten. – Makellos erhalten, mit Schutzpapierumschlag und gefütterter Halbleinenkassette.

27,7 : 20,6 cm. 140, [4] Seiten.

Rodenberg

842  Einbände – Friedrich Hölderlin. Elegien.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1920. Schwarzer Originalbastardlederband. Deckeltitel, Deckel- und Innenkantenfileten sowie der Kopfschnitt vergoldet (signiert: O. Dorfner, Weimar). Mit Schutzpapierumschlag und Schuber.

Unnummeriertes Belegexemplar aus dem Nachlass Otto Dorfners, wie die 50 Vorzugsexemplare auf Japanpapier gedruckt und in nachtschwarzes indisches Schafsleder gebunden (Gesamtauflage 550). – Die Auswahl der Hölderlin-Elegien besorgte Hermann Kasack. – Gedruckt wurde bei Drugulin in Leipzig, dabei das jeweils erste Wort eines Gedichts in Blau. – Neben einigen Einzelausgaben edierten Friedrich Seebaß und Hermann Kasack 1920/21 die Hölderlin-Werkausgabe des Kiepenheuer-Verlags. – Tadellos schönes Exemplar.

25,2 : 20,0 cm. [2], 59, [3] Seiten.

Seebaß S. 20 (irrtümlich unter 1921). – Berger, Kiepenheuer 39

843  Einbände – Senfgelber Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

mit reicher ornamentaler Vergoldung. – Inhalt: Bertold Georg Niebuhr. Carsten Niebuhrs Leben. München, Rupprechtpresse 1921.

Elftes Buch der Rupprechtpresse. – Eins von 150 Exemplaren. – Gesetzt aus der Garmond Schwabacher, Handabzug auf Bütten. – Gedruckt unter Leitung von F. H. Ehmcke im Auftrag von Walter C. F. Hirth. – Prächtiger Handeinband, beide Deckel mit in den Eckfeldern verschlungenen Bändern aus vergoldeten Fileten. Zwei der sechs Rückenfelder, die durch Doppelbünde getrennt werden, sind mit Fileten vergoldet, eines mit dem Titel in Goldprägung. Die Stehkanten ziert eine einfache, die Innenkanten dreifache Fileten. Auch der Kopfschnitt des ansonsten unbeschnittenen Bandes wurde vergoldet. – Otto Dorfner, der häufig einfarbige Vorsatzpapiere bevorzugte, verwendete hier gelbliches Büttenpapier. – In gefütterter Hableinenkassette, diese von Otto Dorfner eigenhändig beschriftet. – Carsten Niebuhr war einer der bedeutendsten Forschungsreisenden im 18. Jahrhundert. Seine »Reisebeschreibung nach Arabien und andern umliegenden Ländern« galt bis ins 20. Jahrhundert als Grundlagenwerk. Die Biographie, verfasst von seinem Sohn, erschien erstmals 1817. Die Neuausgabe erfolgte durch Wilhelm Niemeyer.

28,2 : 19,2 cm. 49, [3] Seiten. – Einband mit winzigen Stockflecken, ebenso das Futter der Kassette.

Rodenberg 130, 11. – Backe S. 140f

844  Einbände – Brauner Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Punktlinien der Deckelkanten, Deckelvignette, Innenkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Ernst Müller. Lasset die Hände mir los! Einige ausgewählte Gedichte. Offenbach, Wilhelm Gerstung 1921.

15. Rudolfinischer Druck. – Exemplar 76 einer nicht genannten Auflage (nach Rodenberg 100 Exemplare). – Zwei Zierstücke, fünf Initialen und das Pressensignet wurden von Rudolf Koch mit Aquarellfarbe eingemalt. – Auf Van Gelder-Velin. – Der kleine Band enthält fünf Gedichte des bereits mit 16 Jahren verstorbenen Dichters. Der Darmstädter Gymnasiast zählte zu den Gründungsmitgliedern der literarischen Zeitschrift »Die Dachstube«. – Die Rudolfinischen Drucke wurden von dem Schriftkünstler Rudolf Koch und Rudolf Gerstung geschaffen. Den Vertrieb übernahm der Verlag von Rudolf Gerstungs Bruder Wilhelm. – Tadellos erhaltenes Exemplar in schönem Einband. Makellos, mit Schutzpapierumschlag und in einer gefütterten Halbleinenkassette.

17,4 : 12,3 cm. [16] Seiten.

Rodenberg 126, 15

845  Einbände – Ziegelroter Ecrasélederband von Otto Dorfner, Weimar,

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 1900

Deckelfileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: J. W. Goethe. Zuschriften und Erinnerungsblätter. Aus den Jahren 1807 – 1832. Stuttgart, Julius Hoffmann 1923.

Neunter Druck der Juniperus-Presse. – Eins von 200 Exemplaren. – Hergestellt in den Werkstätten der Kunstgewerbeschule Stuttgart. – Die Juniperus Presse wurde von F. H. Ernst Schneidler begründet, die Pläne entstanden noch in seiner Berliner Zeit, nach Rodenberg 1914 auf einem Spaziergang durch Wacholdersträucher im Grunewald (Wacholder = juniperus). »Die […] Drucke legen durch ihre schlicht künstlerische und technisch sachgemäße Form Zeugnis von dem bedeutenden Können der jungen Presse ab« (Rodenberg). – Tadellos schönes Exemplar in dekorativem Handeinband. – Mit Schutzpapierumschlag und in gefütterter Halbleinenkassette.

15,8 : 9,8 cm. [4], 56, [4] Seiten.

Rodenberg 99, 9. – Büttner/Koch/Ziegler, S. 326

846  Einbände – Grüner Saffianlederband von Otto Dorfner, Weimar,

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 900

Titel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Johann Wolfgang von Goethe. Zum neuen Jahr. Heidelberg, Richard Weißbach [1928].

Neujahrsgabe des Heidelberger Verlages. – Satz und Druck aus einer (unserer Meinung nach etwas zu) großen Frakturschrift bei Joh. Enschede en Zonen in Haarlem. – Auf Bütten. – Der leuchtend grüne Handeinband wurde mit vergoldeten Fileten auf den Bünden, Deckel-, Steh- und Innenkanten verziert. Vorsatzblatt und Spiegel wurden mit grauem Marmorpapier bezogen. – Tadelloses Exemplar mit Schutzpapierumschlag und in einer gefütterten Halbleinenkassette.

22,9 : 18,6 cm. [8] Blätter.

847  Einbände – Leuchtend roter Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

mit reicher Fileten- und Bordürenvergoldung. – Inhalt: Hans Fürstenberg. Das französische Buch im achtzehnten Jahrhundert und in der Empirezeit. Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen 1929.

Eins von 1500 Exemplaren auf Bütten, weitere 88 nummeriert auf »mattem Löwen-Bütten«. – Das umfassende Werk verfasste der große Bibliophile Hans Fürstenberg (1890–1982). Sein beträchtliches Privatvermögen, das er durch seine Tätigkeit als Bankier der Berliner Handels-Gesellschaft erwarb und mehrte, war die Grundlage für seine spektakuläre Sammlung. – Etwa ein Drittel des Buches nehmen chronologische Tabellen, Bibliographien und die ausführlichen Register ein. – Otto Dorfner, der Buchbinder des Bauhauses und Anhänger einer sachlichen Einbandgestaltung, »überwand« für den vorliegenden Einband, den er auch auf Ausstellungen zeigte, diese Präferenz und schuf mit floralen Rankwerkbordüren und in der Kombination von »maroquin rouge« und Gold ein frankophiles Meisterwerk. Jeder Deckel wird von sieben Fileten und einer Bordüre umrahmt, der Rücken durch Fileten und Bordüren gegliedert. Auch Innen- und Stehkanten mit Fileten und Bordüren, alle handvergoldet. Der Kopfschnitt wurde vergoldet und poliert. Vorsätze aus Marmorkleisterpapier. – Tadellos erhalten, in gefütterter Halbleinenkassette, die von Dorfner beschriftet wurde.

30,4 : 24,0 cm. VIII, [2], 431, [3] Seiten.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930, S. 9

848  Einbände – Julius Rodenberg. Die Druckkunst als Spiegel der Kultur in fünf Jahrhunderten.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Berlin 1942. Mit zahlreichen, teils zweifarbigen blattgroßen Illustrationen und beigehefteten Originalbeispielen. Pergamentband mit Vergoldung (Otto Dorfner, Weimar).

Opulent in Inhalt und äußerer Gestalt: Schwere Buchdeckel mit stark gemasertem Pergament bezogen, die Titel auf Rücken und Vorderdeckel vergoldet, der Vorderdeckel am Gelenk, der Rücken an den Kapitalen jeweils mit einer breiten vergoldeten Filete. Der Kopfschnitt wurde ebenfalls vergoldet. – Mit Schutzpapierumschlag und Schuber, dieser von Otto Dorfner eigenhändig beschriftet. Der Einband wurde nicht signiert, stammt aber aus dem familiären Nachlass Dorfners. – Der Kunsthistoriker und Bibliograph Julius Rodenberg (1884–1970) hat eine Vielzahl von Publikationen, besonders zur modernen Buchkunst und Bibliophilie des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Als Bibliotheksrat der Deutschen Bücherei legte er in Leipzig eine der bedeutendsten buchkünstlerischen Sammlungen an.

26,5 : 20,5 cm. 568 Seiten, ca. 32 Beilagen.

849  Einbände – Brauner Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

mit Vergoldung, Schutzpapierumschlag und Schuber. – Inhalt: Edwin Redslob. Goethes Begegnung mit Napoleon. Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen 1944. Mit Abbildungen auf vier Tafeln.

Fünfter Werkdruck der Gesellschaft der Bibliophilen. – Typographische Gestaltung und Druck von Carl Ernst Poeschel, »dem führenden Drucker Deutschlands«, der am 19. Mai 1944 verstorben war. – Gewidmet Anton Kippenberg, »dem großen deutschen Verleger, Goethesammler und Förderer deutscher Buchkultur« zum 70. Geburtstag. – Angemessen eleganter Einband des Weimarer Buchbinders, den Vorderdeckel zieren zwei Lorbeerkränze, die Goethe und Napoleon ebenso wie Kippenberg und Poeschel zukämen. – Deckelränder, Steh- und Innenkanten sowie Kapitale mit vergoldeten Fileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. – Tadellos erhalten.

21,4 : 14,8 cm. 75, [5] Seiten, 4 Tafeln.

850  Einbände – Halbleder-Pergamentdeckel-Einband von Otto Dorfner, Weimar,

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

mit vergoldeten Titeln, Rückenfileten und Kopfschnitt. – Inhalt: Theo Piana. Weimar. Stätte klassischer Tradition. Bilder von Günther Beyer und Klaus Beyer. Weimar, Volksverlag 1955. Mit 125 ganzseitigen Abbildungen.

Prachtvoll unikal gebundenes Exemplar: Dunkelblauer Maroquinrücken mit vergoldetem Titel und vergoldeten Fileten an den Bünden. Der vordere Pergamentdeckel mit dem Titel in Gold und Blauprägung. In passender Halbleinenkassette mit goldgeprägtem Titel. – Der Bildband bietet Ansichten von Stätten der Weimarer Klassik, Innenansichten, Kunstwerke und Theateraufführungen, alle mit ausführlichen Erläuterungen. – Gesetzt nach der Typographie von Horst Erich Wolter aus Walbaum Schriften, gedruckt bei Offizin Andersen Nexö, Vorblatt mit einer sehr offiziellen Widmung von »Mitarbeitern im Staatsapparat«. – Makellos.

32,0 : 24,8 cm. 161, [3] Seiten.

Heidtmann 17799 (kennt erst eine Ausgabe von 1966)

  851    Einbände – Blindgeprägter Schweinslederband von E. A. Enders, Leipzig

Schätzpreis/Estimate: € 200

Limit: € 130

(signiert). – Inhalt: Felix Wolff. Ægypten und der Hafen der Ewigkeit. [Leipzig, Insel] 1914.

23. Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von 70 Exemplaren auf Old Stratford-Velin (Gesamtauflage 100). – Der Titel wurde in Gold gedruckt. – Die deutschen Texte wurden nach der englischen Übersetzung von Wallis-Budge übertragen. – Die ornamentale Blindprägung und das weiße Schweinsleder erinnern an Einbände von Enders’ Hamburger Kollegen Franz Weiße.

21,3 : 14,8 cm. 143, [5] Seiten. – Einband etwas nachgedunkelt und an den Gelenken etwas berieben. Deckel leicht verzogen.

Stürz 23. – Rodenberg 76. – Schauer II, 64. – Sarkowski 1929a

  852    Einbände – Cremefarbener Schweinslederband von Walter Gerlach

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 500

mit ornamentaler Blindprägung, Buntpapiervorsätzen und -spiegeln sowie Schnittbemalung und -vergoldung. – Inhalt: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift deutsch von Martin Luther. 1. Band [mehr nicht erschienen]. Berlin, Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser Verlag [1927]. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen, farbiger Titelbordüre und farbigen Initialen.

Meisterdruck für die Mitglieder des Volksverbandes der Bücherfreunde. – Es erschien lediglich dieser erste Band, der die Geschichtsbücher und die poetischen Bücher des Alten Testaments enthält. – Prachtausgabe der sogenannten »Cranach-Bibel«, der Text nach der Ausgabe von 1545, die Illustrationen von Lucas Cranach nach dem Pergamentexemplar der Ausgabe von 1541 aus dem Besitz der Staatsbibliothek Berlin. – Walter Gerlach schuf einen unikaten Einband, dessen Blindprägung etwas zurückhaltender und moderner wirkt als der Originalentwurf von Kurt Siebert. Die Schnittverzierung in Gold, Rot und Schwarz, mehrfarbig handumstochene Kapitale. – Sehr gut erhalten.

31,2 : 21,5 cm. 967, [1] Seiten. – Deckel minimal angestaubt.

MNE II, 405

853  Einbände – Ziegelroter Maroquinband von Walter Hacker, Leipzig,

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 900

mit reicher floraler Vergoldung. – Inhalt: Goethe. Pandora. Ein Festspiel. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Zürich, Seldwyla 1923. Mit acht ganzseitigen Holzschnitten.

Fünfter Seldwyla-Druck. – Eins von 300 Exemplaren, im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gedruckt bei Jakob Hegner in Dresden-Hellerau auf Bütten. – Walter Hacker war in den 1920er Jahren Nachfolger von Carl Sonntag in dessen Werkstatt in der Leipziger Sternwartenstraße. In der Zeitschrift »Der Zwiebelfisch« schreibt er 1922: »Ich habe bei der früheren Firma Carl Sonntag jun. als alleinige Spezialität 3 1/2 Jahre nur Pergamentbände gearbeitet, und zwar schon im Jahre 1909; erst 1912 kam Fräulein Thiersch zu Herrn Sonntag, um sich im Bücherbinden weiter auszubilden; ich habe Fräulein Thiersch den Pergamentband gelehrt, bin dann im Jahre 1913 bei Fräulein Thiersch in Stellung gewesen, war danach ebenfalls in Bremen bei der Bremer Presse in der Binderei und habe dort als Alleiniger sämtliche Pergamentbände gearbeitet.« – Auch Leder »konnte« Hacker ganz offensichtlich: Der leuchtend rote Lederband erglänzt durch die breiten floralen Goldbordüren, die Innenkanten mit nur wenig schmaleren. Als Vorsatzpapier verwendete Hacker handmarmoriertes Kleisterpapier, der Kopfschnitt vergoldet, die Kapitale zweifarbig umstochen.

32,6 : 25,4 cm. 94, [6] Seiten.

Rodenberg 469,5

854  Einbände – Gelber Maroquinband von Holzhey und Sohn, Leipzig,

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 280

mit farbig intarsierten und goldgeprägten Deckelbordüren. – Inhalt: Das Hohe Lied Salomos. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Otto von Holten 1921. Mit elf Holzschnitten, einer davon blattgroß.

Zweites Buch des Verlages Otto von Holten in der von Marcus Behmer gezeichneten Schrift. – Eins von 350 Exemplaren, von denen 50 nicht für den Handel bestimmt waren (Gesamtauflage 380). – Auf Zandersbütten. – Schöner, dekorativer Handeinband, mit stilsicherem Zusammenspiel von farbigen Intarsien und Goldfileten. – Vorsatzblatt mit handschriftlicher Widmung der Familie Holzhey. – Dazu: Das Hohelied Salomos. Strassburg und Leipzig, Josef Singer, um 1920. Kalblederband mit Vergoldung. Eins von 150 Exemplaren. Auf festem Whatman-Papier. Einband mit kleinen Schabstellen.

28,5 : 19,5 cm. [6], 21, [9] Seiten. – Einband etwas unfrisch, hinteres Gelenk angeplatzt. – Vorsatzblatt mit Sammlerstempel. – Innen makellos.

Rodenberg 244, 2

855  Einbände – Dunkelbrauner Maroquinband von Paul Kersten, Berlin,

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 900

mit farbigen Lederapplikationen und reicher Vergoldung. – Inhalt: [Claude Henri de Fusée] de Voisenon. Romans et contes. Tome premier [et] second. London 1775. Mit zwei gestochenen Frontispizen.

Sehr origineller und fein gearbeiteter Einband des berühmten Buchbindemeisters Paul Kersten (1865–1943). Er zählt zu den wichtigsten und besten Buchbindern des frühen 20. Jahrhunderts. Als Lehrer der Buchbinderklasse an der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg gab er sein Wissen und Können an später so namhaft gewordene Schüler wie Otto Dorfner weiter. Zusammen mit Carl Sonntag gründete er 1912 den Jakob-Krauße-Bund, eine Vereinigung der führenden Buchbinder der Zeit. Seine Streitlust, deren Opfer Kollegen, Sammler und Verleger vielfach wurden, führte 1923 zur Abspaltung einer neuen Vereinigung, den »Meistern der Einbandkunst«. – Beide Deckel mit Bordüren aus Punktlinien, Streicheisenfileten und Fleurons. Ebenso reich verzierte Kersten die Innenkanten, welche den bestickten Brokat umrahmen, der für Spiegel und Vorsatz verwendet wurde. Sechs Rückenfelder wurden mit Fileten gerahmt und mit Fleurons, Titeln und der Jahreszahl »1775« gefüllt. – Auf den Deckeln als farbige Lederintarsie je eine Vignette, die das berühmte Henne-Ei-Problem verbildlichen. – Die erotischen Erzählungen Voisenons erschienen erstmals 1767, der Nachdruck im Todesjahr. – Sehr gut erhalten.

13,3 : 9,5 cm. 238; 236 Seiten. – 2 Seiten mit leichtem Fleck, eine Blattecke restauriert.

856  Einbände – Pergamentband von Heinz Petersen, Düsseldorf, mit plastischem Rückentitel, vier durchgezogenen Bünden und Messingbeschlägen.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 550

– Inhalt: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift […] nach der Übersetzung Martin Luthers. Kleinquart-Ausgabe. Stuttgart, Württembergische Bibelanstalt 1954.

Der Einband Petersen, verbindet Stilelemente des 16. und 20. Jahrhunderts. – Beide Deckel mit je vier »Schonerbeschlägen« aus Messing, deren jeweils zwei an den Seitenrändern zugleich für Schließen verwendet wurden. – Der Rückentitel wurde durch unterlegte Kartonausschnitte plastisch gestaltet. – Der Buchschnitt mit Graphit eingefärbt. – Mit dem Atelieraufkleber Petersens auf einer eingelegten Banderole. – In der gefütterten Originalleinenbox. – Das Buch tadellos, die Leinenbox minimal stockfleckig. – Heinz Petersen (1908–1991) absolvierte seine Ausbildung zum Buchbinder u. a. bei Richard Riemerschmidt an den Kölner Werkschulen und später in Leipzig, wo er an der Staatlichen Akademie u. a. Schüler von Ignatz Wiemeler war. Bereits 1932 gründete er seine Werkstatt und war zunächst in Köln, später in Düsseldorf tätig. Er unterrichtete an verschiedenen Einrichtungen des Rheinlands und zählt zu den Initiatoren des Deutschen Buchbindermuseums im Gutenberg-Museum Mainz.

27,5 : 19,8 cm. 1008, 130, 334, 77 Seiten, teils farbige Karten und Bilddtafeln.

857  Einbände – Gelber Ziegenlederband, monogrammiert »S«, mit zahlreichen farbigen Applikationen und vergoldeten Titeln.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

– Inhalt: [Johann Wolfgang von Goethe]. Das Römische Carneval. Weimar und Gotha, Ettlinger 1789. [Leipzig und Frankfurt, Insel 1965]. Mit 20 kolorierten Tafeln.

Die zweite Faksimileausgabe des Insel-Verlages. – Die Abbildungen wurden von Georg Schauer von Hand koloriert, die originalen Einbände fertigte Gerd Prade. – Für dieses Exemplar wurde ein unbeschnittener Buchblock verwendet (29 : 23 cm, die Schnittmarken noch sichtbar). – Der vorliegende Einband entstand möglicherweise an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, wir konnten das Monogramm »S« (hinterer Innendeckel, in Goldprägung) nicht entschlüsseln. – Beide Deckel mit 99 applizierten farbigen Lederpunkten und zahlreichen schwarz aufgemalten. Der Titel, in kleinen Versalien goldgeprägt. Türkisfarbene Vorsätze. In einem Halbleinenschuber mit gelben Kanten und türkisfarbenem Bezugspapier.

29,7 : 23,3 cm. 69, [3] Seiten, 20 Tafeln, 1 Beilageblatt (Editionsvermerk).

Sarkowski 605 A

858  Einbände – [Johann Wolfgang von] Goethe. Römische Elegien.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Dachau, Einhorn Verlag 1923. Roter Saffianlederband mit vergoldeten Mäander-Bordüren auf den Deckeln, Rückentitel, Steh- und Innenkantenfileten ebenfalls vergoldet (signiert: Frieda Thiersch).

Eins von 1000 Exemplaren, die Nummer in roter Tinte eingemalt. – Unikaler Einband der damals vor allem für die Bremer Presse in München tätigen Buchbinderin, auch Rodenberg erwähnt keine Vorzugsausgabe. – Auf Bütten. – Gedruckt bei Wilhelm Gerstung, gesetzt aus der neuen Antiqua von Rudolf Koch, von dem auch die Satzanordnung stammt. – Dazu: Elegien. Erotica Romana. Faksimile der Handschrift der »Römischen Elegien«. Herausgegeben von Max Hecker. Leipzig, Insel [1920]. Originalpappband und -broschur in -kassette. Eins von 165 Exemplaren (Gesamtauflage 240).

19,0 : 14,6 cm. [4], 27, [1] Seiten. – Der Einband an den Kanten leicht berieben.

Rodenberg 231. – Beigabe: Sarkowski 578

859  Einbände – Dunkelgrüner Maroquinband mit blindgeprägtem Filetenmuster, Titel und Kopfschnitt vergoldet.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

– Inhalt: Charles Dickens. Oliver Twist. Erzählung aus dem Englischen, vollständig übertragen von Mira Munkh. Berlin 1928. Mit Illustrationen von Gerhard Ulrich.

Möglicherweise Vorzugsexemplar, gedruckt auf besserem Papier, breitrandig und in einem exquisiten, wenn auch unsignierten Einband. Die Deckel mit breiter, kammlinienartiger Filetenprägung und vergoldeten Versalien. – Hellrosa Seidenvorsätze und Spiegel, diese mit doppelter vergoldeter Filete gerahmt. – Im Schuber mit Batikpapierbezug. – Tadelloses Exemplar.

25,5 : 18,5 cm. 512, [6] Seiten.

860  Einbände – Grüner Maroquinband mit Blindprägung und Metallapplikation auf dem Vorderdeckel.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Limit: € 400

– Inhalt: Persönliche Glückwünsche. Herrn Willi Lehmann zum Abschluß seiner fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit im Hause der Otto Elsner KG. Berlin 1934.

Unikales Exemplar. – Anlässlich des 25jährigen Berufsjubiläums erhielt der Kommanditist Willi Lehmann den opulenten Band mit Grußworten von etwa 140 Mitarbeitern der Firma, einige auch mit Zeichnungen. – Der Jubilar scheint bereits 1934 ein strammer Parteigenosse gewesen zu sein. Sein signiertes Porträtfoto am Anfang des Bandes zeigt ihn mit dem Parteiabzeichen der NSDAP, sein Gabentisch (Foto am Ende des Buches) wird von zwei Führer-Porträts gesäumt. – Die 1871 gegründete Druckerei und Verlagsbuchhandlung Otto Elsner zählte zu den Berliner Traditionsfirmen. Der prächtige Einband mit dem montierten Klischee des Verlagssignets entstand sicher in der hauseigenen oder einer angeschlossenen Binderei. – Einige Beilagen (Briefe des Inhabers, Zeitungsausschnitte, Glückwunschtelegramm, Liedtexte der Jubiläumsfeier).

33,0 : 25,0 cm. 150 Blätter. – Stehkanten minimal berieben. – Der Seidenbezug der Vorsatzblätter an den Kanten verschlissen.

  861    Einbände – Willy Baur. Vier zollerische Historien.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

Privatdruck der Firma Heinrich Maute, Bisingen/Hohenzollern. Bisingen 1953. Mit acht Illustrationen und vier figürlichen Initialen von Herbert Günterberg. Zweifarbiger Ecrasélederband mit reicher Vergoldung.

Unnummeriertes Exemplar, über die sicher nur kleine Auflage gedruckt und hier wohl unikal gebunden. – Auf Japanpapier gedruckt, die Vorsätze aus Pflanzenfaser-Papier. – Beide Deckel werden durch ein vergoldetes Filetenlineament verziert, der Vorderdeckel mit großem Mittelfeld aus grünem Leder und einem aus rotem Leder applizierten »M«. – Der Privatdruck erschien zum 65. Geburtstag des Inhabers der Textilfirma Reinhold Maute, am Ende faksimilierte Unterschriften der Angestellten. – Tadellos.

21,1 : 17,7 cm. 75, [5] Seiten.

862  Zehn Jahre Verlag Kurt Desch.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Berichte 1945–1955. – Ein Almanach der Autoren des Verlages Kurt Desch. Wien, München und Basel 1955 und 1963. Mit zahlreichen Porträts und Illustrationen. Originalecrasélederbände mit reicher Blind- bzw. Goldprägung und Schnittvergoldung. Beide in Schuber mit Lederkanten.

Überaus luxuriös gebundene Exemplare der frühen Verlagsalmanache, so wohl nur in kleinster Auflage oder Einzelanfertigungen. – I. Auf Bütten. Rotes Leder, beide Deckel mit vielen kleinen Fleur-de-Lis, dem Signet des Verlages, in Blindprägung. Auch Rückentitel und einige Fileten wurden blindgeprägt. – II. Auf Dünndruckpapier. Blaues Leder, die Lilien in Goldprägung, ebenso das Verlagssignet »D« und der Rückentitel. – Aus den frühen Jahren des damals sehr erfolgreichen Verlages, der 1945 gegründet worden war. »Weil er sich geschickt, wenn auch nicht ganz zutreffend, als politisch Verfolgter darstellte« (Reinhard Wittmann 1991), gewann er durchaus progressive Autoren und erhielt großzügige Unterstützung seitens der alliierten Kontrollorgane. In den 1960er Jahren erschütterten Prozesse und Skandale den Verlag und seinen Gründer.

I: 18,5 : 12,0 cm. 392, [2] Seiten. Tadellos erhalten. – II: 20,3 : 13,0 cm. 851, [3] Seiten. Mit einem montierten Frontispiz. Rücken verfärbt.

  863    Einbände – Neun Werke über Einbandkunst.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

London, Paris, Berlin u. a. 1900–2004. Alle mit zahlreichen, teils farbigen, teils montierten Tafeln und Abbildungen. Meist Originaleinbände.

I. Modern Book-Plates [… and:] Modern Book-Bindings and their Designers. The Studio, Special Winter-Number 1899–1900. – II. Jean Loubier. Der Bucheinband in alter und neuer Zeit. Berlin und Leipzig [1905]. – III. Deutsche Pressen- und Bibliophile Reihendrucke. Sonderheft vom »Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik. Leipzig 1924. – IV. Festschrift Hübel & Denck. Leipzig 1925. – V. Catalogue de l’exposition la Reliure originale. Paris, Bibliotheque Nationale 1947. – VI. Julius Rodenberg. Otto Dorfner. 1955. –VII. Un demi-siecle de reliures d’art contemporain en France et dans le monde. Exposition.1984. – VIII. 400 Jahre Buchbinder-Innung. München 1996. Festschrift und Katalog in einem Band. Nummeriertes Vorzugsexemplar im Pergamenteinband. – IX. Handeinbände. Internationale Beispiele aus den Jahren 1970 bis 2000, vorgestellt von der Vereinigung »Meister der Einbandkunst«. Hamburg 2004.

  864    Einbände – Zwei Werkverzeichnisse zur französischen Buchbindekunst.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Paris, Auguste Blaizot 1965, und Toulouse, Arts et forms 1984. Mit hunderten Tafeln.

I. Pierre Legrain Relieur. Répertoire desriptif et bibliographique de 1236 reliures. Introduction par Jacques Millot. Études sur l’œuvre et l’homme. Paris, Auguste Blaizot 1965. Mit 78 Tafeln, davon sechs farbig. Leinenband. Eins von 600 Exemplaren. Ausführliche Dokumentation des Schaffens des berühmten, jung verstorbenen Buchbinders Pierre-Émile Legrain (1889–1929). – Beschreibung der Einbände nach Verfasseralphabet. Auf Velin von BFK Rives. – II. Marcel Garrigou. Georges Cretté. Études par Harry Vinckenbosch. Toulouse, Arts et Forms 1984. Mit 204 teils farbigen Tafeln und einigen Textabbildungen. Lose Bogen in Originalumschlag in -schuber. Eins von 450 Exemplaren. Ausführliche Dokumentation des berühmten Buchbinders Cretté (1893–1969). Beschreibung von 679 Einbänden, geordnet nach Verfasseralphabet.

33,5 : 26,5 cm. XLVIII, 204, [2] Seiten, 78 Tafeln. – 35,0 : 25,5 cm. [8], 265, [6] Seiten, 204 Tafeln.

865  MK Neudold – König Ludwig von Bayern. Römische Distichen. Rom 1820.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Handschrift auf Papier. Frankfurt am Main 1946. Roter Originalmaroquinband mit reicher Vergoldung (A. Rohrmann, Frankfurt).

Opus 503. – Auf Bütten. – In schwarzer Tinte kalligraphiert, eine kleine Vignette auf dem Vortitelblatt. – Der Editionsvermerk von MK Neudold signiert, mit Werknummer und seinem Stempel. – Der Band enthält 269 der insgesamt 369 Sinnsprüche, die Kronprinz Ludwig von Bayern 1820/21 in Rom verfasste. 1810 hatte er Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen geheiratet. Diese »Prinzenhochzeit« begründete die Tradition des Münchner Oktoberfests. Das Kronprinzenpaar bereiste häufig Italien, die Distichen erschienen 1829 in der zweibändigen Gedichtsammlung des mittlerweile zum König von Bayern gekrönten Ludwig I. – Großzügig kalligraphiert – jeder Zweizeiler auf einer Seite – und elegant gebunden. – Mit Japanpapierumschlag und in der Originalkassette.

15,3 : 24,0 cm. [280] Seiten.

866  MK Neudold – Friedrich Hölderlin. Der Tod des Empedokles.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Handschrift auf Papier. Mit einer Tuschzeichnung als Titelvignette. Frankfurt am Main 1947. Schwarzer Originalsaffianlederband. Rückentitel und -zierstücke, Deckelvignette und -kantenfileten vergoldet (A. Rohrmann, Frankfurt).

Opus 669. – Auf weißem Fabriano-Bütten. – Schöne, sehr elegante Handschrift in schwarzer Tinte, das Personenverzeichnis in Rot. – Am Ende mit dem signierten und gestempelten Editionsverrmerk. – Der Einband mit Schutzpapierumschlag und in Halbleinenkassette. – Tadellos erhalten.

22,8 : 15,2 cm. 176 (paginiert 186), [8] Seiten.

867  MK Neudold – Charles Baudelaire. Kleine Gedichte in Prosa.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Übertragen von Erik-Ernst Schwabach. Handschrift auf Papier. Mit acht ganzseitigen Tuschzeichnungen. Frankfurt 1947. Schwarzer Saffianlederband mit montierter Tuschzeichnung als Deckelvignette.

MK Neudold opus 681. – Auf Fabriano-Bütten, in schwarzer Tusche. – Die Illustrationen entstanden nach Vorlagen Baudelaires. – Am Ende der Editionsvermerk Neudolds, von ihm signiert, gestempelt und mit der Werknummer versehen.

22,7 : 15,2 cm. 91, [5] Seiten. – Rücken minimal berieben.

868  MK Neudold – Albrecht Dürer. Von der Molerei.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Salus 1512. Handschrift auf Papier. Mit einer Tuschzeichnung als Frontispiz. Frankfurt am Main [1947]. Originalpappband mit getuschtem Deckelmonogramm. Im Schuber.

Opus 708. – Kalligraphie in schwarzer Tusche, die Eingangsinitiale in Rot. – Auf Bütten. – Der Editionsvermerk signiert, mit der Werknummer bezeichnet und mit dem Stempel der »Offizina MK. Neudold«. – Als Frontispiz ein Dürer-Selbstporträt.

25,0 : 16,3 cm. [16] Seiten. – Rücken leicht gebräunt.

869  MK Neudold – Johann Wolfgang Goethe. Urfaust.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Handschrift auf Papier. Mit einer aquarellierten Tuschzeichnung als Titelvignette. Frankfurt am Main 1949. Mit sieben Farbtafeln nach Aquarellen von Karel Svolinsky. Schwarzer Originalpappband mit Deckweißzeichnung auf dem Vorderdeckel.

Opus 775. – Großformatiges Ausgabe. – Der Editionsvermerk gestempelt, signiert und mit der Werknummer. – Der Text in Schwarz und Rot kalligraphiert. Als Illustrationen verwendete Neudold die sieben Bilder des tschechischen Graphikers Svolinsky, die 1948 in einer Faust-Ausgabe der Bauerschen Gießerei erschienen waren. Die gedruckten Tafeln wurden in die Handschrift eingebunden. Eine Tafel diente dem Kalligraphen als Vorlage für Titel- und Einbandzeichnung.

30,7 : 22,7 cm. 106, [4] Seiten, die Tafeln in die Paginierung einbezogen.

870  MK Neudold – Johann Wolfgang Goethe. Römische Elegien.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 1050

Erotica romana. Handschrift auf Papier. Mit einer blattgroßen Tuschzeichnung und 20 weiteren im Text. Frankfurt am Main 1949. Originalhalblederband, Rückentitel vergoldet, Deckel mit Titelschild (H. Schuh, Frankfurt).

Ohne Werknummer. – Auf gelblichem Bütten. – Der Editionsvermerk signiert, datiert und mit Neudolds Monogrammstempel. – Der opulent kalligraphierte Titel mit einer farbig lavierten Vignette, gefolgt von einem ganzseitigen Aquarell. Als Vorlage und Inspiration für alle Illustrationen der Neudoldschen Handschrift dienten Zeichnungen des schwedischen Künstlers Yngve Berg (1887–1963), die 1938 in einer Ausgabe der »Römischen Elegien« der Bauerschen Gießerei Frankfurt gedruckt worden waren.

38,8 : 27,6 cm. [64] Seiten.

871  MK Neudold – Omar Chajjam. Sinnsprüche.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

Handschrift auf Papier. Mit acht ganzseitigen farbigen und goldgehöhten Miniaturen. Frankfurt am Main 1954/1955. Bemalter Originalpergamentband (Kurt Hagen, Frankfurt).

Opus 780. – Auf festem Velin. – Der signierte Editionsvermerk lautet: »Die Sinnsprüche Omar Chajjam wurden nach den ältesten Handschriften aus dem Persischen verdeutscht von Chr. H. Rempis. Die Abbildungen nach alten Vorlagen gezeichnet und geschrieben von MK Neudold 1954/55«. – In schwarzer Tinte kalligraphiert, Anfangs ein persischer Titel. Auch die Bildtitel der Miniaturen in persischer Sprache. – Sehr aufwendige Handschrift. Beide Deckel des Pergamenteinbandes wurden mit einer Miniatur und breiten Bordüren bemalt. – Mit Schutzpapierumschlag. Tadellos erhalten.

25,7 : 16,5 cm. [104] Seiten.

872  MK Neudold – Oscar Wilde. Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Handschrift auf Papier. Mit einer aquarellierten Tuschzeichnung. Frankfurt am Main 1953. Originalpappband mit einer Tuschzeichnung auf dem Vorderdeckel.

In der Übertragung von Albrecht Schaeffer. – Editionsvermerk signiert. – Außer der großen Porträtzeichnung, die auf dem Einband und als Frontispiz verwendet wird, verzierte Neudold noch die Eingangsinitiale, diese mit roter Tusche.

23,5 : 16,0 cm. 46, [6] Seiten.

873  MK Neudold – Johannes von Saaz. Der Ackermann und der Tod.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Handschrift auf Papier. Mit einem Aquarell. Frankfurt am Main 1957. Halbpergamentband mit kalligraphiertem Rückentitel.

Auf Hahnemühle-Bütten. – Mit brauner Tinte im Stil einer mittelalterlichen Handschrift kalligraphiert. Titel, Paginierung, Initialen und Rubrizierung in Rot. – Das Titelbild zeichnete Neudold nach einer alten Vorlage aus dem 15. Jahrhundert, der Entstehungszeit des Textes. – Am Ende vom Kalligraphen signiert und datiert.

25,8 : 16,3 cm. 120, [8] Seiten.

874  Hommage à Hans Arp.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

St. Gallen, Galerie im Erker 1966. Mit 14 signierten Originalgraphiken, diese lose in Originalhalbleinenmappe, mit der illustrierten Originalbroschur im Schuber.

Erschienen zur Ausstellung »Hans Arp«, die vom 5. November 1966 bis 31. Januar 1967, also wenige Monate nach dem Tod des Künstlers, in der Erker-Galerie gezeigt wurde. – Eins von 100 Exemplaren der Sonderausgabe mit den signierten Graphiken, meist Farblithographien, von 14 »Freunden des Künstlers«, nämlich Max Bill (Stanzung), Camille Bryen (Radierung), Piero Dorazio, Hans Hartung, Bernhard Heiliger, Marcel Janco, Asger Jorn, Alberto Magnelli, Robert Motherwell, Giuseppe Santomaso, Michel Seuphor (Linolschnitt), Antoni Tàpies, Fritz Wotruba und Ossip Zadkine. – Makelloses Exemplar mit der selten vollständigen, da häufig »vereinzelten« Suite.

22,8 : 17,5 cm (Katalog und ebenso die Graphiken).

  875    Georges Badin – Serge Mestre. Naissance d’un paysage.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

Interventions originales de Georges Badin. [Béthune], Collection Ecbolade [um 1978]. Mit zwei Originalgouachen. Lose Bogen in Originalumschlag.

Collection Ecbolade 16. – Eins von 80 Exemplaren (Gesamtauflage 95) mit den beiden Gouachen von Badin, beide mit Collage. – In Schwarz und Blau gedruckt. – Der französische Schriftsteller Georges Badin (1927–2014) hatte sich in den 1970er Jahren der Malerei zugewandt. Er lebte und arbeitete in seiner Heimatstadt Ceret. Serge Mestre, geboren 1952, war seit Anfang der 1970er Jahre literarisch tätig.

33,5 : 23,7 cm. [9] Doppelblätter. – Umschlag mit kleinen Druckstellen.

876  Aubrey Beardsley – Aristophanes. Lysistrata.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

In deutscher Übertragung. Mit den acht Illustrationen des Aubrey Beardsley. Privatdruck [Wiener Verlag Fritz Freund] 1905. Mit acht Tafeln nach den Zeichnungen von Aubrey Beardsley. Schwarzer Samteinband der Zeit.

Eins von 400 Exemplaren. – Die Tafeln auf Japan und auf graue Kartonblätter montiert, der Text auf Pannekoek-Bütten. – »Originalausgabe in 4° von bekannter Seltenheit! […] Von d[ies]er echten Wiener Lysistrata-Ausgabe sind Exemplare kaum aufzutreiben« (Stern-Szana). – Hayn/Gotendorf bemerkt zu dieser ersten im deutschen Sprachraum erschienenen Ausgabe: »Die starke Erotik der Abbildungen übertrifft noch die Komödie an zügelloser Derbheit.« – Makellos schönes Exemplar in einem vornehm-rätselhaften Handeinband: Schwarzer Samt mit aufgestickten weiß-roten Kreisen, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet, schwarze Wildseidenvorsätze.

30,4 : 24,0 cm. [64] Seiten, die letzten beiden leer, 8 Tafeln (H./G. und Stern-Szana verwechseln Seiten und Blätter).

Hayn/Gotendorf IX, 23. – Stern-Szana 236. – Lasner 107 A

877  Ulrich Becher. Männer machen Fehler.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Berlin, Rowohlt 1932. Illustrierter Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe von Bechers Erstling. – Titelbaltt mit eigenhändiger Widmung »für die Aufspürung seines 1933 verbrannten Erstlings kopfherzlich dankend«. – Die Umschlagillustration »mit bissigem George-Grosz-Stil« (Jügen Holstein) stammt von Verfasser. Ulrich Becher (1910–1990) wurde nach seinem Abitur Meisterschüler von George Grosz. Mit seinem Erstling stand er als jüngster Autor auf der »Liste auszusondernder Literatur«. – Fünf Beigaben, u. a. Bechers Grosz-Rede zur Ausstellungseröffnung in der Akademie der Künster Berlin 1962 mit Widmung, dem entsprechenden Katalog und »Die Ballade von Franz Patenkindt« (Universitas 1979).

19,1 : 11,5 cm. 247, [5] Seiten. – Hinterdeckel leicht fleckig, Rücken minimal gebräunt.

Holstein, Blickfang 440

  878    Marcus Behmer – Homer. Ilias.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Deutsch von J[ohann] H[einrich] Voss. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Askanischer Verlag 1923. Mit Titelholzschnitt und 46 Textholzschnitten. Originalschweinslederband mit Rückenvergoldung und -blindprägung. Deckelvignetten und Kopfschnitt vergoldet.

Fünftes Buch der »Behmer-Drucke« bei Otto von Holten. – Eins von 100 römisch nummerierten Vorzugsexemplaren, bei denen der Druckvermerk von Marcus Behmer, der Titelholzschnitt vom Künstler signiert wurde. – Auf starkem Zanders-Bütten. – In den Jahren 1920–1924 wurden bei Otto von Holten sechs Bücher unter Verwendung der von Marcus Behmer gezeichneten und bei Klingspor geschnittenen Antiqua gedruckt. Die Vignette auf dem Hinterdeckel mit einer für Behmer typischen »Anagramm-Vignette« der Initialen »LvH«, »AV«, »MB« und »OvH«. – Innen sehr gut erhalten.

30,5 : 24,0 cm. 420, [8] Seiten. – Deckel stockfleckig, Rücken aufgehellt und unten mit kleinem Einriss. – Vorsätze etwas fleckig.

Schauer II, 43. – Rodenberg 244, 5

879  Gottfried Benn. Morgue

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

und andere Gedichte. Berlin, A. R. Meyer [1912]. Fadengeheftete Originalbroschur.

Erste Ausgabe der literarischen Erstveröffentlichung des Dichters. – Lyrische Flugblätter 21. – Eins von 500 Exemplaren auf Hadernbütten (Gesamtauflage 505). – Der Verleger der »Lyrischen Flugblätter«, Alfred Richard Meyer, erinnerte sich: »Wohl nie in Deutschland hat die Presse in so expressiver, explodierender Weise auf Lyrik reagiert wie damals bei Benn. Sogleich katalogisierte ihn Richard M. Meyer in seiner Literaturgeschichte als den ›Höllenbreughel‹. Die Hamburger Abendzeitung zeterte los: ›Pfui Teufel! Welch eine zügellose, von jeglicher Herrschaft geistiger Sauberkeit bare Phantasie entblößt sich da, welche abstoßende Lust am abgründig Häßlichen […]‹ […] Wie zog sich die Berliner ›Post‹ aus der stotternden Verlegenheit? ›Endlich hat sich der Poet gefunden, der unsere Zukunft heraushebt aus der Nichtigkeit und uns wieder hohe Ziele weist. Goethe muß nun seinen Platz verlassen auf dem Olymp; ein anderer wird ihn einnehmen, und dieser andere heißt Gottfried Benn […]‹« (aus: Die Maer von der Musa Expressionistica, Düsseldorf 1948, S. 15).

18,4 : 14,2 cm. [16] Seiten, einschließlich des »Titelumschlags«. – Rückenfalz fachmännisch und unauffällig restauriert, Vorderdeckel mit winzigem Eckverlust oben am Falz.

Lohner/Zenner 1.1. – Raabe/Hannich-Bode 24.2. – Raabe, Zeitschriften 144.21. – Josch D 4.1

880  Gottfried Benn. Der Ptolemäer.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Limit: € 300

Typoskriptdurchschlag mit eigenhändiger Ergänzung. [Berlin, ca. Oktober 1948]. Eine A4-Seite.

Maschinenschriftlicher Titelblattentwurf zu dem im Februar 1949 erschienenen Buch. – Den unterstrichenen Haupttitel ergänzte Gottfried Benn eigenhändig um den Untertitel »Berliner Novelle 1947«. – Die geplanten Untertitel »Lotosland«, »Der Glasbläser« und auch »Der Ptolemäer« wurden gestrichen, das Buch enthielt schlussendlich »Weinhaus Wolf«, »Roman des Phänotyp« und »Der Ptolemäer«. Auf der unteren Blatthälfte handschriftliche Anweisungen zum Satz, wohl von dem Verleger Max Niedermayer.

Gefaltet, Heftlöcher.

Vgl. Lohner/Zenner 2.85

881  Gottfried Benn. Roman des Phänotyp. Landsberger Fragment, 1944. Inhalt.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Limit: € 400

Typoskriptdurchschlag mit eigenhändigen Korrekturen, Paraphe »G.B.« und Stempel. Berlin [ca. Oktober 1948]. Eine A4-Seite.

Der maschinengeschriebene Entwurf des Inhaltsverzeichnisses. Gottfried Benn korrigierte drei Tippfehler und nummerierte die Inhaltsangabe von 1 bis 18. – Alle Korrekturen bestätigte er durch seine Paraphe und versah das Blatt unten rechts mit seinem Berliner Stempel »Dr. G. Benn | Arzt | Berlin-Schöneberg | Bozener Straße 20«. – Das Buch »Der Ptolemäer«, das »Roman des Phänotyp« enthielt, erschien im Februar 1949 im Limes Verlag.

Mit Faltspuren und Heftlöchern.

882  Gottfried Benn. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Berlin, 15. VI. 1952. Zwei Seiten.

An Helmut Wiemken, Göttingen. – Gottfried Benn bedankt sich für eine Aufführung von »Die Stimme hinter dem Vorhang«. Er habe in seiner Stammkneipe in einer Zeitung »die grosse gute Besprechnung Ihrer Aufführung« gelesen. »Ich war entzückt u. ich spreche Ihnen hiermit meinen Dank und meine Bewunderung aus, dies so fragwürdige Stück aufgeführt zu haben. Es muss ja äusserst interessant gewesen sein zu sehen, was Ihre Regie daraus gemacht hat.« – Aus dem beiliegenden Schreiben Wiemkens an den Benn-Verleger Niedermayer geht hervor, dass es sich um eine Uraufführung der szenischen Fassung im »Göttinger Studio« am 2. Juni 1952 handelte. – Der Brief auf einer Briefkarte (11 : 9 cm) mit gedrucktem Briefkopf Benns. Mit eigenhändige adressiertem Umschlag.

ChristianHesse