Zum Sonderkatalog “Die Sammlung der Achilles-Stiftung”

Die 2010 gegründete Barbara Achilles-Stiftung Hamburg hat sich entschlossen, ihre Buchsammlung durch eine Versteigerung aufzulösen und die Erlöse für die weitere Arbeit der Stiftung einzusetzen. Wir freuen uns, dass Frau Edith Achilles und die Stiftung uns mit dieser Auktion beauftragt haben. Nur wenige Tage nach Vertragsabschluss verstarb, trotz hohen Alters unerwartet, die 95jährige Sammlerin am 7. August 2020, zehn Jahre nach ihrer Tochter Barbara. Da sie die Auktion nicht mehr miterleben wird, ist es uns eine besonders ehrenvolle Verpflichtung, den Verkauf der ebenso wertvollen wie persönlichen Sammlung im Sinne beider Sammlerinnen durchzuführen. Es war stets deren Wunsch, die Bücher durch einen vereinzelnden Verkauf wieder in neue Sammlungen zu “befördern”.

Die Versteigerung der Achilles-Sammlung mit ihren kostbaren Pressendrucken, Einbänden und illustrierten Büchern der deutschen Buchkunst des 20. Jahrhunderts darf zu Recht in einer Reihe mit anderen bedeutenden Auktionen genannt werden: Hermann Hesse-Sammlung Martin Bodmer (Venator 1973), Bibliothek Salman Schocken (Hauswedell, 1975/76), Insel Verlag Alfred Bergmann (Hauswedell & Nolte, 1982), Bibliothek Victor Achter (Hauswedell & Nolte, 1992), Bibliothek Hans L. Merkle (Reiss & Sohn, 2002-2004), Pressendrucke F. B. Schmetz (Venator & Hanstein, 2008) sowie in unserem Haus der Nachlass Victor Günthert (2014-2016) und Teile der Sammlung Herbert Kästner (2016).

2012 haben wir den damaligen Bestand der Achilles-Sammlung in dem opulenten Dokumentationskatalog „Wege zum Idealen Buch“ beschrieben. In Vorbereitung der Auktion bieten wir die Restauflage zu Sonderpreisen: Die gebundene Ausgabe für 38 EUR, die Broschur für 19 EUR (zzgl. Porto). Ihre Bestellung nehmen wir gern entgegen.


Wichtiger Hinweis:

  So    markierte Katalognummern werden in einer Online-Auktion am Sonntag, 17. Januar, ab 15 Uhr versteigert.

Schriftliche Vorgebote sind möglich, telefonische Teilnahme nicht.

934  Ludwig von Hofmann. Acht eigenhändige Briefe und eine eigenhändige Ansichtskarte, alle mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Limit: € 500

Weimar 1907–1909, Oberstdorf 1917 und Dresden 1919 und 1931

I. Brief, Weimar 13. II. 1907: Wohl an Karl Robert Langenwiesche, den Herausgeber der Zeitschrift »Die Freude«: »Nachdem ich die 5 Bände der ›Freude‹ durchgesehen habe, will es mir scheien, als ob es sehr schwer sein müsste, aus meinen Arbeoten solche auszusuchen, die in den Rahmen und den Geist des Unternehmens hineinpassen. Der ganze Gefühlston, das vorwiegend ›Gemütvolle‹, ist mir im Lauf der Jahre mehr und mehr fremd geworden.« – Alle übrigen an den Dresdener Rechtsanwalt und Justizrat Dr. Felix Bondi, als Teilhaber der Bank Bondi & Maron wohlhabender Kunstsammler und Mäzen: Brief 29. VII. 1907: Übernimmt den Auftrag, ein Bild für die Nische über dem Kamin zu malen. Erbittet Geduld und ein Foto der Kaminwand »Prof. Van de Velde empfiehlt den Photographen Max Fischer«. – Brief 18. VIII. 1908: »Das Bild ist gerstern per Fracht an Ihre Adresse abgegangen. Ich hoffe, dass es seinen Platz gut ausfüllen wird.« – 8. X. 1908: Bedauert, aus Zeitgründen einen gemeinsamen Besuch mit Henry van de Velde in Dresden absagen zu müssen. Van de Velde würde »in der nächsten Zeit auf der Rückreise aus Chemnitz, wo er zu thun hat, nach Dresden kommen. […] er hat eine sehr große Erfahrung und Sicherheit in diesen Dingen, und wird ohne mein Zuthun sicher das Richtige finden«. – 6. XI. 1908: Dankt für eine Einladung. – 6. I. 1909: »… es freut mich, dass das Bild nun seine definitive Umrahmung hat«. Henry van de Velde war wegen des Rahmens konsultiert worden. – 28. X: 1919, Hofmanns leben mittlerweile auch in Dresden, lädt der Künstler den Justizrat Bondi und dessen Frau zum Essen ein. – 27. VIII. 1931: Danksagung für Glückwünsche zum 70. Geburtstag (Brief und gedruckte Danksagung) »Dasselbe freundschaftliche Wohlwollen, das Sie und Ihre Frau Gemahlin schon vor unserer Übersiedelung nach Dresden meiner Frau und mir erwiesen haben, ist uns in den 15 Jahren unseres Hierseins immer wieder freudig zum Bewusstsein gekommen […] Und sagen Sie bitte Ihrer Frau Tochter, die ich bekanntlich anbete, daß die Fußballattrappe ausgezeichnet geschmeckt hat, fast wie Melone!« – Alle mit eigenhändig adressierten Umschlag.

935  Ludwig von Hofmann – Homer. Odyssee.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Deutsch von J. H. Voss. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Askanischer Verlag 1924. Mit Titelholzschnitt und zahlreichen Holzschnitten im Text. Originalpergamentband mit reicher Rückenvergoldung, goldgeprägter Deckelvignette und Kopfgoldschnitt.

Sechstes Buch der »Behmer-Drucke« bei Otto von Holten. – Eins von 100 römisch nummerierten Vorzugsexemplaren, bei denen der Druckvermerk von Marcus Behmer, der Titelholzschnitt vom Künstler signiert wurden. – Auf starkem Zanders-Bütten.

30,4 : 25,4 cm. 337, [7] Seiten. – Vorderdeckel etwas angestaubt.

Schauer II, 43. – Rodenberg 244

  936    Ludwig von Hofmann – Homer. Odyssee.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Deutsch von J. H. Voss. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Askanischer Verlag 1924. Mit Titelholzschnittund zahlreichen Holzschnitten im Text. Originalpergamentband mit reicher Rückenvergoldung, goldgeprägter Deckelvignette und Kopfgoldschnitt.

Sechstes Buch der »Behmer-Drucke« bei Otto von Holten. – Auf starkem Zanders-Bütten. – Eins von 1000 unsignierten Exemplaren.

30,4 : 25,4 cm. 337, [7] Seiten.

Schauer II, 43. – Rodenberg 244

  937    Hugo von Hofmannsthal – Eranos.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Hugo von Hofmannsthal zum 1. Februar 1924. München, Verlag der Bremer Presse 1924. Mit drei Originalgraphiken. Pergamentband mit vergoldetem Rücken, goldgeprägten Fileten und Bordüren sowie Kopfgoldschnitt. Im gefütterten Schuber.

Eins von 1050 Exemplaren. – Festschrift zu Hofmannsthals 50. Geburtstag. – Mit einer Radierung von Ludwig von Hofmann und je einer Lithographie von Max Liebermann (»Der Fischer und das Weib«. Achenbach 80, aus: Goethe, Gedichte) und Emil Orlik. – Mit Textbeiträgen u. a. von Rudolf Borchardt, Rudolf Kassner, Thomas Mann und Rudolf Alexander Schröder. – Den Titel und die Initialen zeichnete Anna Simons. – Schönes Exemplar in einem, den Arbeiten von Frieda Thiersch sehr nahen, Pergamentband.

28,8 : 20,5 cm. [8], XXXVI, 159, [7] Seiten, 3 Graphiken. – Einband und Buchschnitt minimal stockfleckig. – Exlibris.

Houghton Library Catalogue 264. – Lehnacker 58. – Rodenberg 60

938  Horst Hussel – Fritz Rudolf Fries. Don Quixote

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 240

flieht die Frauen oder Die apokryphen Abenteuer des Ritters von der traurigen Gestalt. Mit vier Radierungen von Horst Hussel. [Berlin], Dronte [1994]. Mit vier blattgroßen Farbradierungen und einer fünften, lose beiliegenden, alle signiert. Originalpappband mit Fabrianobüttenbezug und vergoldeten Titeln (Klaus Adam, Glauchau).

Erster Druck der Dronte Presse. – Eins von 110 Exemplaren. Der Druckvermerk nennt eine Auflage von 250, diese wurde nach einer eigenhändigen Anmerkung des Künstlers nicht ausgedruckt. – Handsatz aus der Didot, gedruckt in der Offizin Haag-Drugulin, Leipzig, auf Hahnemühle-Bütten. – Die Dronte Presse wurde von den beiden Graphikern und Buchgestaltern Lothar Reher und Horst Hussel 1994 gegründet. – Tadellos erhalten. – Mit eigenhändiger Widmung des Künstlers.

36,0 : 24,3 cm. [2], 43, [3] Seiten.

939  Horst Hussel. Ein Album für Gerhard Lampersberg in Maria Saal.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 480

Berlin, Dronte Presse [1995]. 16 Radierungen, davon eine beiliegend, 15 signiert. Originalpappband mit Fabrianobüttenbezug.

Eins von 43 Exemplaren auf Roma-Handbütten (Gesamtauflage 55). – Der Druckvermerk vom Künstler nummeriert und mit kleiner Widmungszeichnung. – Gerhard Lampersberger (1928–2002) lebte als Komponist und Mäzen der österreichischen literarischen Avantgarde auf dem »Tonhof« in Kärnten. Besonders seine Auseinandersetzungen mit Thomas Bernhard (um dessen Buch »Holzfällen«) sorgten Anfang der 1980er Jahre für Aufmerksamkeit. – Jedem Exemplar wurde eine kolorierte Radierung beigelegt, ein Notenblatt »Für Stimme und Maultrommel« mit dem ersten Vers von Justinus Kernes »Du herrlich Glas, nun stehst du leer« in Lampersbergs Vertonung.

39,0 : 28,8 cm.

940  Richard Janthur – Das Blumenboot der Nacht.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Chinesische Liebesgedichte. Berlin, Fritz Gurlitt 1921. Mit elf blattgroßen signierten Lithographien von Richard Janthur. Gelbe Originalbroschur und silberfarbene Originalschuber, beide mit Deckellithographie.

Das geschriebene Buch, Band 6. – Nach der Nummerierung eins von 20 Exemplaren der Vorzugsausgabe, die Lithographien aber nicht koloriert und das Buch nicht in Seide gebunden. – Im Druckvermerk von den beiden Nachdichtern Alfred Richard Meyer und Ernst Ulitzsch signiert, ebenso von Hans Steiner, der die »Gedichte in einer selbstentworfenen Type auf den Stein schrieb«. – Vollständig von Lithosteinen auf der Gurlitt-Presse (Rogall) auf Bütten gedruckt und als Blockbuch gebunden. – Bemerkenswert schönes Exemplar. – Dazu: Rabindranath Tagore. Vierzehn Gedichte. Mit Steinradierungen von Richard Janthur. Berlin, Karl Schnabel 1920. Mit zwölf Radierungen und 29 radierten Bordüren. Originalhalblederband mit Java-Buntpapierbezug. Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 400). – Druckvermerk vom Künstler monogrammiert.

29,5 : 25 cm. [48] Seiten. – 29 : 21,5 cm. [36] Seiten, 12 Lithographien. – I: Rücken minimal angestaubt.

Lang E 156 und 146

  941    James Joyce. Ulysses.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Vom Verfasser geprüfte deutsche Ausgabe von Georg Goyert. Erster [bis] Dritter Band. Basel, Rhein-Verlag 1927. Originalhalblederbände mit goldgeprägten Rückenschildern und Kopfgoldschnitt.

Erste deutsche Ausgabe des Jahrhundertromans. – Eins von 1000 Exemplaren auf Bütten, weitere 100 Presse-Exemplare wurden auf Dünndruckpapier gedruckt. – Privatdruck durch Vermittlung des Pariser Büros des Rhein-Verlags in Basel.

20,6 : 14,8 cm.

Slocum/Cahoon D 45.2

942  Ernst Jünger. Ein Vormittag in Antibes.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 900

Olten 1960. Dunkelbrauner Originalmaroquinband. Rückentitel, Kopfschnitt und Deckelverzierungen vergoldet, Deckel zudem mit blindgeprägten Fileten (signiert: H. Peller). Im Schuber mit Lederkanten.

86. Publikation der Oltner Bücherfreunde. – Erste Ausgabe. – Erschienen anlässlich des 65. Geburtstages von Ernst Jünger. – Eins von 33 römisch nummerierten Exemplaren der Luxusausgabe (Gesamtauflage 653) in Ganzledereinband und mit einem ganzseitigen eigenhändigen Text (»Schmetterling auf Lavendelblüten …«) auf einem Vorblatt. – Uns fiel noch folgende Passage auf: »In der Nähe des Strandes tauchen in Bikinis gekleidete Gestalten auf, Gazellen, die in kleinen Rudeln zum Meere ziehen. Es scheint ein Wettbewerb zu herrschen, der auf den geringsten Stoffaufwand zielt. […]«. Es folgen – man liest Ernst Jünger – Überlegungen zur Kulturgeschichte (»Schon die Venus von Milo deutet ihn mit ihrer Gestik an«), Etymologie (»die dreifache Zuspitzung im I«) und Assoziationskraft des Wortes (»Man sieht […] zugleich den verheerenden Blitzstrahl«). – Tadellos und aufgrund der kleinen Auflage der Luxusausgabe sehr selten. – Das Exemplar für Heinrich Lustig, Inhaber der gleichnamigen Offizin in Gelterkinden, in der einige VOB-Publikationen gedruckt wurden.

20,0 : 12,5 cm. 52, [4] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 40

943  Ernst Jünger. Neun Erstausgaben,

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

erschienen als Publikationen bzw. Lieberhaberdrucke der Vereinigung Oltner Bücherfreunde. Olten 1951–1970. Originalhalblederbände mit Buntpapierbezügen und vergoldetem Rückentitel. Alle im Schuber.

Alle in der Vorzugsausgabe, von der jeweils etwa 100 Exemplare erschienen. Diese wurden in Halbleder gebunden und von Ernst Jünger auf dem Vortitel signiert. – I. Das Haus der Briefe. 1951. VOB 51. – II. Sonnentau. 1955. VOB 65. – III. San Pietro. 1957. VOB 73. – IV. Das spanische Mondhorn. 1962. VOB 95. – V. Sturm. 1963. VOB L 1. – VI. Grenzgänge. 1965. VOB L 6. – VII. Im Granit. 1967. VOB L 12. – VIII. Zwei Inseln. Formosa / Ceylon. 1968. VOB L 16. – IX. Lettern und Ideogramme. 1970. VOB L 21. – Alle Exemplare für das Mitglied der Oltner Bücherfreunde, den Basler Sammler Peter Lukas Bertolf. – Es erschienen in Olten noch zwei weitere Erstausgaben von Ernst Jünger (Geburtstagsbrief für Walter Matheson. Privatdruck. 1955) und »Ein Vormittag in Antibes« (1960, siehe KatNr. 942).

20,2 : 12,8 cm. – Alle sehr gut erhalten.

Des Coudres/Mühleisen B 22, 30, 35, 43, 47a, 52, 58, 60 und 63

944  Ernst Jünger. Im Granit.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Olten 1967. Olivgrüner Originalhalblederband mit goldgeprägtem Rückentitel, Kopfgoldschnitt und Buntpapierdeckelbezügen (Hugo Peller, Solothurn).

Erste Ausgabe. – Zwölfter Oltner Liebhaberdruck. – Eins von 110 Vorzugsexemplaren, auf dem Vortitel vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 630). – Sehr schönes Exemplar des Tagebuchs der Korsikareise des Verfassers im Frühjahr 1966. – Dazu: Ernst Jünger. Zeitsprünge. Träume. Stuttgart, Klett-Cotta 1990. Originalhalblederband im -schuber. Erste Ausgabe. Eins von 500 Exemplaren der signierten Vorzugsausgabe.

20,0 : 12,5 cm. 63, [5] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 58

945  Ernst Jünger. Die Zwille.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Stuttgart, Klett 1973. Hellbrauner Maroquinband mit blindgeprägten Fileten und Vignetten sowie farbigen Lederapplikationen. Im gefütterten Schuber mit Lederkanten. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vortitel mit eigenhändiger Widmung » ›… das Schöne gehört uns allen; an ihm gibt es kein Eigentum.‹ (p 329) | für Alfred Ott, den Liebhaber der Bücher, den Freund der Texte: Ernst Jünger | W., 17. IX. 1973«. – Alfred Ott band die sieben als Xerokopien gedruckten Exemplare von »Carabus Rutilans« (siehe C./M. B 61). Möglicherweise stammt auch der vorliegende unikale Einband von ihm.

22,00 : 13,8 cm. 329, [3] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 70a

  946    Ernst Jünger. Die Zwille. – Aladins Problem. – Autor und Autorschaft.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Stuttgart, Klett-Cotta 1973, 1983 und 1984. Originalleinenbände mit -schutzumschlägen. – Widmungsexemplare.

Erste Ausgaben. – I. »Für Alfred Ott mit herzlichem Dank für das prächtige Gewand des Manuscripts«. Alfred Ott hatte 1968 die sieben Xerokopie-Exemplare von »Carabus Rutilans« (vgl. C/M. B 61) gebunden. – II. »Karl Korn zum 75. Geburtstag mit herzlichen Wünschen in alter Verbundenheit.« – III. »Fritz Lindemann, nach langer Abwesenheit und in Erinnerung an gemeinsam erlebte Tage […]«. Mit eingeklebter Porträtpostkarte, rückseitig von Jünger datiert »Wilflingen 65«. – Dazu: Die Schere. 3. Auflage. 1990. Signiertes Exemplar.

21,8 : 13,5 cm. 329, [5], 121, [3] bzw. 277, [3] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 70a, 82 und 85

947  Ernst Jünger. Zwei Mal Halley.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Vierte Auflage. Stuttgart, Klett-Cotta 1988. Originalleinenband mit illustriertem Originalschutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Dem ›Halley-Genossen‹ Theodor Baader mit guten Wünschen zum 88sten Geburtstag von […] und Ernst Jünger | 10. VII. 1993«. – Bei dem Widmungsempfänger handelte es sich um den Sohn des Oberdada Johannes Baader, der wie der zehn Jahre ältere Jünger, zwei Begegnungen mit dem berühmten Kometen erlebte. – Die Widmung wurde von Peter Baader (1936–2020), einem großen Jünger-Verehrer, für den Vater initiiert.

21,8 : 13,5 cm. 100, [4] Seiten.

  948    Ernst Jünger. Die Schere.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Stuttgart, Klett-Cotta 1990. Roter Originalmaroquinband, Rückentitel vergoldet, Deckelvignette blindgeprägt. Mit Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Eins von 200 Vorzugsexemplaren, in Leder gebunden und vom Verfasser signiert. – Tadellos.

21,8 : 13,5 cm. 186, [2] Seiten.

949  Ernst Jünger. Subtile Jagden.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Mit 10 Farbstiftzeichnungen von Walter Linsenmaier. Stuttgart, Klett-Cotta 1995. Originalhalblederband mit zwei Deckelvignetten und vergoldetem Rückentitel.

Eins von 500 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Halbleder. – Druckvermerk vom Verfasser und vom Künstler signiert. – Das Tafelverzeichnis zählt neun entomologische Tafeln, davon eine Doppeltafel und die beiden Zeichnungen auf den Deckelvignetten. – Aus Anlass des 100. Geburtstages von Ernst Jünger erschienen. – Tadelloses Exemplar. – Beigabe: Rudolf Triebel. Porträtmedaillon Ernst Jünger. Bronzeguss, brüniert. 1970. Durchmesser: 8,6 cm. Recto: Porträt des 75jährigen, dessen Signatur und die Paraphe des Künstlers. Verso: Skarabäus und die Jahreszahl MCMLXX. – Drei signierte Radierungen von Susanne Theumer ((Exlibris Ernst Jünger Sammlung Wolfgang Wissing, zwei Radierungen mit Ernst Jünger-Zitaten). – Mit dem Buch in privater Halbleinenkassette.

31,2 : 22,5 cm. 228, [6] Seiten, 9 Tafeln.

  950    Ernst Jünger. Der Baum.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Essay. – In: Bäume. Photographien schöner und merkwürdiger Beispiele aus deutschen Landen. Ingelheim am Rhein, C. H. Boehringer Sohn 1962. Mit 65 Tafeln. Originalleinenband mit graphischen Beigaben in eleganter Halbleinenkassette.

Erste Ausgabe des Essays, der als Geleitwort zur Bildfolge von Alfred Renger-Patzsch entstand. – Dazu: Radierungen von Susanne Theumer (Exlibris Ernst Jünger Sammlung Wolfgang Wissing, zwei Radierungen mit Ernst Jünger-Zitaten) und Claudia Berg (fünf Radierungen zum Thema »Bäume«).

35,5 : 27,0 cm. [2], 17, [1] Seiten, 65 Tafeln.

Des Coudres/Mühleisen C 27 a

951  Ernst Jünger. Zwei Porträtpostkarten, eine mit Widmung und zwei eigenhändige Briefkarten mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 460

1936–1945.

I. Porträtfotografie. 1920. Abzug auf Agfa Lupex. Mit der gedruckten Signatur Jüngers und der eigenhändigen Widmung seiner Frau Gretha »Dem Freund des Hauses, Fritz Lindemann.« Rückseitig dessen (?) Notiz: Abschiedsgeschenk anlässlich des Umzugs nach Überlingen im Dez. 1936«. – II. Porträtpostkarte nach der Zeichnung von Rudolf Stumpf. Mit eigenhändiger Widmung »Mit bestem Gruss Ernst Jünger«, rückseitig von Jünger adressiert »Herrn Hans Ludwig Beese, Neubrandenburg, Bahnhof 4«, Poststempel 1937. – III. Briefkarte an Kurt Fried, Verleger und Kunstsammler in Ulm. Überlingen, 10. XI. 1938. »Am 1. April ziehe ich […] nach Norddeutschland um, bis dahin treffen Sie mich – nach vorheriger Anmeldung – an. […]«. Ab 1939 lebte Jünger in Kirchhorst nahe Hannover. – IV. Briefkarte an Gustav Schenk, wohl den Schriftsteller, der 1943 unter anderem »Feldpostbriefe an die Geliebte und Frau« veröffentlicht hatte.

952  Ernst Jünger. Zwölf eigenhändige Briefe, sieben eigenhändige Post- und Briefkarten und sechs maschinengeschriebene Briefe, alle mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Limit: € 1300

Ravensburg, Wilflingen und Antibes 1950–1953.

Alle an Fräulein Mimi Schwarz in Freiburg, wohl Inhaberin oder Geschäftsführerin des dortigen Novalis-Verlages. – Meist über Buchprojekte, Rezensionen und einige persönliche Dinge. Bei einer Karte wurde die Adress-Seite abgerissen, bei einer die Briefmarke. – Dazu: Fünf eigenhändige Briefe von Greta Jünger an Mimi Schwarz.

953  Ernst Jünger. Fünf eigenhändige Karten sowie ein Brief und eine Karte, beide maschinengeschrieben, alle sieben mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Meist Wilflingen, 1951–1969 und 1994.

An verschiedene Empfänger. – Schreibt zu persönlichen Anlässen, über verschiedene Publikationen und 1969 zur Parteinahme eines Schriftstellers: »Gewiss hat der Autor, der eine Partei propagiert, die eine Hälfte seiner Leser für sich, während er die andere verstimmt. […] Ergreift er Partei, so kann das seinen Einfluß mehren, obwohl er sich als Halber, sei es als Rechter oder Linker, decouvriert. […] Aus diesem Grunde steht auch Priestern, Königen und sogar Präsidenten Parteinahme schlecht an. Heut freilich ist das anders, da jeder sich möglichst schnell als Dummkopf vorzustellen liebt.« – Etwa 15 Beigaben (Danksagungskarten, teils signiert, u. a.).

954  Ernst Jünger – Oskar Kreibich. Ernst Jünger.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Tusche. 1960. 64 : 50 cm. Signiert und datiert, von Ernst Jünger signiert.

Der aus Nordböhmen stammende Maler Oskar Kreibich (1916–1984) hatte sich nach Kriegsende in Backnang niedergelassen. Er porträtierte zahlreiche Künstler, Dichter und Politiker. – Eine veränderte Fassung wurde 2019 in einer Pforzheimer Auktion versteigert. – Auch die vorliegende wurde nicht nur vom Künstler sondern auch vom Porträtierten signiert.

Ecken und Ränder mit kleinen Knickfalten, ein senkrechter Kratzer neben der Zeichnung. – Rückseitig umlaufend Montagereste.

955  Franz Kafka. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Band I [bis ] VI. Berlin, Schocken 1935, und Prag, Heinrich Mercy 1936. – Max Brod. Franz Kafka. Eine Biographie. (Erinnerungen und Dokumente). Prag, Heinrich Mercy 1937. Mit einigen Tafeln. – Sieben Originalleinenbände mit Vergoldung.

Erste Werkausgabe mit der ergänzenden Biographie des Kafka-Vertrauten. – Herausgegeben von Max Brod und Heinz Politzer. – I. Erzählungen und kleine Prosa. 1935. – II. Amerika. Roman. 1935. – III. Der Prozess. Roman. 1935. – IV. Das Schloss. Roman. 1935. – V. Beschreibung eines Kampfes. Novellen, Skizzen, Aphorismen aus dem Nachlass. 1936. – VI. Tagebücher und Briefe. 1937. – 1934 stimmte Kafkas Mutter dem Vertrag zu, mit dem der Berliner Schocken Verlag Max Brod die Herausgabe der Werke Kafkas übertrug. Brod hatte sich bereit erklärt, die gesamte Arbeit ohne Entgelt zu leisten. In jüdischen Buchhandlungen durften Kafkas Bücher nur an Leser ausgehändigt werden, die sich als Juden auswiesen. Vier von geplanten sechs Bänden lagen vor, als der Schocken-Verlag nach New York übersiedeln musste, Band V und VI sowie seine Kafka-Biographie gab Max Brod 1936/37 im Prager Exil heraus.

19,3 : 12,5 cm. – Band VI an der Seitenkante und dem Buchschnitt mit leichter Druckstelle, Rücken der Biographie leicht verblasst. – Vorsatzblatt von Band III und IV mit Anmerkungen.

Raabe/Hannich-Bode 146.13 und 45.51

  956    Rockwell Kent – Beowulf.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Verse translation by William Ellery Leonard. New York, Random House 1932. Mit acht Lithographien von Rockwell Kent, davon sechs ganzseitig, eine als Titel- und eine als Schlussvignette. Schwarz-weiß melierter Originalleinenband mit weißgeprägter Deckelillustration und dem Originalschutzumschlag.

Eins von 950 nummerierten Exemplaren, im Druckvermerk vom Künstler mit dessen Daumenabdruck signiert. – Gesetzt aus der Hammer Unziale und gedruckt in Rot und Schwarz, die verzierten Initialen in Blau. – Auf chamoisfarbenem Bütten. – Rockwell Kents (1882–1971) Bilder vermengen historisierende Elemente mit surrealistischen Details. Einige seiner Bildschöpfungen erinnern an William Blake. – Die »Unciale« des österreichischen Typographen und Graphikers Victor Hammer (1882–1967) zählt zu den markantesten Druckschriften des 20. Jahrhunderts. 1923 hatte er sie für die Gießerei Klingspor entworfen, nach seiner Emigration in die USA entwickelte er 1943 die »Neue« oder auch »Amerikanische« Version.

34,5 : 27,1 cm. [4], 145, [3] Seiten. – Schutzumschlag mit kleinen Ein- und Ausrissen. – Blattränder minimal gebräunt. Exlibris und Prägestempel.

957  Richard Dehmel. Der Buntscheck.

Schätzpreis/Estimate: € 700 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Ein Sammelbuch herzhafter Kunst für Ohr und Auge deutscher Kinder. Herausgegeben von Richard Dehmel. Köln, H & F Schaffstein 1905. Zweite Ausgabe. Mit Illustrationen von K. F. von Freyhold, Karl Hofer, Ernst Kreidolf und E. R. Weiß. Farbig illustrierter Originalpappband.

»Vielleicht das bedeutendste Buch der neuen Kinderbuch-Malerei« (Doderer-Müller, S. 251). – Das wegen seiner Illustrationen berühmte Kinderbuch vereint Texte von Oskar Wiener, Paul Scheerbart, Gustav Rühl, Paula und Richard Dehmel, Peter Hille und vielen anderen. – Gegenüber der ersten Auflage von 1904 wurde das von den Rezensenten heftig kritisierte »Märchen vom Kinderkriegen« in »Singinens Geschichten« weggelassen. – Die Vereinigung von Beiträgen »erster Dichter deutscher Sprache« und den für ihre Zeit avantgardistischen, vor allem von Hofers Auffassungen geprägten Illustrationen ließ einen, wenn nicht den Höhepunkt des deutschen Kinderbuchs im 20. Jhdt.« entstehen (Stark, Schaffstein, S. 45).

31,4 : 23,5 cm. 55, [1] Seiten.

Vgl. Bilderwelt 514, Stuck-Villa II, 237, Pressler 203 (alle die EA 1904). – Hess-Wachter, Kreidolf C41

958  Ernst Kreidolf – Alte Kinderreime

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 400

mit Bildern von Ernst Kreidolf. Köln, Hermann & Friedrich Schaffstein [1905]. Mit 17 farbigen Bildern, davon 15 blattgroß, eins als Titel und eins als Schlussvignette. Farbig illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vorsatz verso mit eigenhändiger Widmung für den Schweizer Schriftsteller und Kritiker William Ritter, signiert »Ernst Kreidolf 1905«. – »Dieses Bilderbuch Kreidolfs unterscheidet sich von seinen Bildermärchen, in denen die Natur meist phantasievoll belebt ist, durch die vorgegebenen Texte, die oft eine wirklichkeitsbezogene Illustration verlangen« (Brüggemann). Doch Kreidolf wäre nicht Kreidolf, fänden sich nicht doch solch phantastische Motive wie ein Flamingoreigen, der von Müllersburschen getragen wird, Käferbalett zu Rattenmusik, Zwerge, Hexen u. v. m. – Sehr schönes Exemplar.

30,0 : 23,8 cm. [32] Seiten. – Gelenke leicht berieben. – Kleines Buchhändlerschildchen Gunnar Kaldewey.

Stark, Schaffstein 186. – Hess/Wachter B 20. – Stuck-Villa II, 229. – Bilderwelt 489. – Brüggemann I, 457. – Lex. KJL II, 256

  959    Kinderbücher – Kling-Klang Gloria.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Zuschlag/Hammerprice: € 120

Deutsche Volks- und Kinderlieder. Ausgewählt und in Musik gesetzt von W. Labler. Illustriert von H. Lefler und J. Urban. Wien und Leipzig, F. Tempsky und G. Freytag 1907. Mit 16 ganzseitigen farbigen Illustrationen und Buchschmuck. Illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – »Dieses bekannteste der Bücher, die aus der Kooperation von Heinrich Lefler und seinem Schwager Joseph Urban hervorkam, kann als hervorragendes Beispiel für die Verschmelzung dekorativer Stilisierung (die wahrscheinlich von Urban stammt) und erzählender Illustrationsgraphik (Leflers Anteil) gelten« (Bilderwelt). – Die beiden Wiener Sezessions-Künstler Joseph Urban und Heinrich Lefler arbeiteten oft zusammen, Urban lieferte dabei stets die dekorative Umrahmung zu Leflers Illustrationen. Beide zählen zu den wichtigsten Künstlern des europäischen Jugendstils.

25,5 : 32,0 cm. 64, [2] Seiten. – Deckelkanten etwas berieben, insgesamt sehr schön.

Bilderwelt 545. – Seebaß I 1089 und II, 1040. – Stuck-Villa I, 421

960  Elisabeth Weidenreich – Gebrüder Grimm. Der Froschkönig

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 380

oder der eiserne Heinrich, ein Märchen. Sechs Holzschnitte von Elisabeth Weidenreich. Berlin 1927. Mit sechs ganzseitigen Holzschnitten und einer Titelvignette. Originalpappband mit Deckelvignette.

Eins von 30 Exemplaren. – Im Druckvermerk von der Künstlerin signiert und nummeriert. – Gesetzt und gedruckt in der Buchdruckwerkstatt der Vereinigten Staatsschulen, Charlottenburg, die 1924 gegründet worden war. – Ein Jahr zuvor hatte die Studentin an der Kunstgewerbeschule München sieben Gedichte von Hugo von Hofmannsthal mit Linolschnitten gedruckt. – Nicht im KVK.

12,6 : 15,3 cm. [18!] Seiten. – Einband leicht fleckig.

  961    Kinderbücher – Hans Leip. Das Zauberschiff. The Magic Ship.

Schätzpreis/Estimate: € 150 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 150

Ein Bilderbuch nicht nur für Kinder. A Picture Book not only for Children. Hamburg, Hammerich & Lesser 1946/1947. Mit 13 blattgroßen Illustrationen. Neuerer Pappband.

Erste Ausgabe. – Der Originalbroschurumschlag wurde eingebunden. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – »Seit zwanzig Jahren geplant, entstanden im Galtenberghaus zu Alpach bei Brixlegg in Tirol, Mai/Juni 1946« und noch im gleichen Jahr veröffentlicht. – »Das ursprünglich nur seinen vier Töchtern zugedachte Bilderbuch enthält zu dreizehn von ihm selbst entworfenen klarfarbigen expressionistischen Kompositionen kleine Texte als Erlebnisfolge eines Kindes, in deutscher und englischer Sprache.« (M. Dierks, zit. nach Lex. KJL). – »Für Halbey ›[…] ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus‹, das bewußt dort anschließt, wo durch den Nationalsozialismus die freie Entwicklung der Kunst in Deutschland unterbrochen war.« (Hoffmann/Thiele, Künstler illustrieren Kinderbüchern 206).

28 : 26 cm. [32] Seiten.

Lex. KJL II, 333. – Stuck-Villa II, 248. – Bilderwelt 785

962  Erich Kästner. Pünktchen und Anton.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Ein Roman für Kinder. Illustriert von Walter Trier. Berlin, William & Co. 1932 [1931]. Mit 13 Illustrationen nach Federzeichnungen, davon neun ganzseitig, und einer Farbtafel. Originalhalbleinenband mit farbigem Deckelbild. Mit einem Fragment des Schutzumschlags.

Erste Ausgabe, sehr selten (Hatry: »nahezu verschollen«). – Im Druckvermerk datiert »1932«, das Buch wurde aber bereits im Herbst 1931 ausgeliefert. Nach dem großen Erfolg erschien noch vor Weihnachten 1932 eine zweite Auflage (7.–12. Tausend). Offenbar gab es innerhalb der ersten Ausgabe Bindequoten, hier in der von allen anderen Kästner/Trier-Büchern gewohnten Halbleinen-Ausstattung, was die These von Thomas Hatry widerlegt, es hätte die Erstausgabe nur als Pappband und ohne Schutzumschlag gegeben. – Edith Jacobsohn, die Witwe des Weltbühne-Gründers, hatte 1929 Erich Kästner und Walter Trier miteinander bekannt gemacht und sich für ihren William-Verlag ein gemeinsames Kinderbuch gewünscht. Als erster von vielen Titeln des kongenialen Duos erschien 1929 »Emil und die Detektive«, gefolgt von »Das verhexte Telefon« und »Arthur mit dem langen Arm«. – Beilage: Fragment des Originalschutzumschlags mit dem Personenverzeichnis und Angaben zu Ort (»Berlin«) und Zeit der Handlung »das Jahr 1931«.

20,0 : 15,7 cm. Seiten [3]–223, [3] (so korrekt), 1 Farbtafel. – Leicht bestoßen, Hinterdeckel etwas fleckig, hinteres Gelenk gerissen. – Bindung gelockert.

Vgl. Hatry 191 (EA, aber nur Pappband) und 194 sowie Kat. Brüggemann III, 466 (nur 2. Auflage)

963  Erich Kästner. Der 35. Mai

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 850

oder Konrad reitet in die Südsee. Illustriert von Walter Trier. Berlin, Williams & Co. 1933 [1932]. Mit 21 Illustrationen nach Federzeichnungen, davon 14 ganzseitig. Originalhalbleinenband mit farbigem Deckelbild und illustriertem Schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Trotz der hohen Startauflage, die sicher in dem Erfolg von »Emil und die Detektive« begründet war, ist diese erste Ausgabe ungemein selten und um ihr tatsächliches Erscheinungsdatum rankt sich manche Ungereimtheit. Es scheint aber sicher, dass sich der Verlag auch hier das Weihnachtsgeschäft nicht entgehen lassen wollte und das Buch mit Imprint 1933 bereits im Herbst 1932 ausgeliefert wurde. Mit Bleistift auf dem hinteren Innendeckel ein Kauf- oder Lesedatum »22.X.32«. – Mit einem schönen Verlagsprospekt »Wir wollen auch Williams Bücher lesen 1932/33« als Beilage. Auf 16 Seiten werden viele Bestseller des Verlages vorgestellt und mit Pressestimmen beworben, darunter fünf Kästner/Trier-Titel sowie Dr. Dolittle und Dr. Überall. In guter Typographie zweifarbig in Orange und Grün gedruckt (18,0 : 12,2 cm).

20,5 : 15,7 cm. 131, [1] Seiten. – Eine Ecke minimal bestoßen. – Der Schutzumschlag mit einigen Einrissen, mit Japan hinterlegt. – Einige Ränder mit leichten, sehr kleinen Stockflecken.

Vgl. Kat. Brüggemann I, 426, Hatry 205 und Bilderwelt 697 – alle nur die 2. Auflage (11.-30. Tausend)

  964    Walter Klemm – H. J. Christoffel von Grimmelshausen. Ausführliche und wunderseltsame Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courage.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Mit 10 ganzseitigen Radierungen von Walter Klemm. Weimar, Weimarschau 1923. Mit zehn signierten Radierungen. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel und marmorierten Deckelbezügen.

Drittes Werk des Weimarschau-Verlages. – Eins von 100 Exemplaren. – Auf Bütten. – Die Radierungen wurden in der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst in Weimar gedruckt. – Im Weimarschau-Verlag erschienen 1923 drei von Klemm illustrierte Bücher. Walther Klemm (1883–1957) war bereits seit 1913 Leiter der Graphikabteilung der Weimarer Großherzoglich Sächsischen Hochschule, aus der 1919 das Bauhaus hervorging. Er zählte von Anfang an zu dessen Meistern. »Große Verdienste erwarb er sich als Illustrator von Werken der Weltliteratur. Seine Bildbeigaben […] sind Meisterwerke der Buchillustrationskunst […]« (Tesch/Völkel, Kleines Lexikon Bauhaus).

29,3 : 23,0 cm. 83, [5] Seiten, 10 Radierungen.

Sennewald 23,5

965  Oskar Kresse. Die Überwinder des Todes.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Mit Zeichnungen von Carl Reimann. Berlin, John Schwerin 1911. Mit 16 zweifarbigen Tafeln und zwei, auf allen Doppelseiten wiederholten, Bordüren. Graubrauner Maroquinband, Deckelillustration und Titel schwarzgeprägt.

Erste illustrierte Ausgabe. – Der phantastische Roman von Oskar Kresse erschien wohl erstmals 1908, ohne Nennung des Verfassers. – Biographische Daten beider am Buch Beteiligten sind rar: Oskar Kresse verfasste mehrere Wörterbücher, u. a. 1915 eines zur »Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter«, Karl (Carl) Reimann veröffentlichte lt. Ries (»biographische Daten unbekannt«) zwischen 1903 und 1911 Zeichnungen in der Zeitschrift »Jugendblätter«. – Der Einband entstand sicher als Vorzugsausgabe des Verlages, da das Titelbild absolut identisch mit dem der normalen Halbleinenausgabe ist.

26,0 : 19,0 cm. [2], 232 Seiten, 16 Tafeln. – Deckelränder und Rücken etwas gebräunt. Vorsätze mit Roma-Bütten erneuert.

  966    Alfred Kubin. Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Limit: € 170

Wernstein, 8. I. 1930. Zwei Seiten.

An den Berliner Bibliophilen und Lektor Emil Tuchmann. – Kubin stellt detaillierte Fragen zu zwei Büchern, die aus Anlass des 25. Jubiläums des Berliner Bibliophilenabends erschienen (Otto Stoessl »Der bedenkliche Kauf« und »Der Dichter und das Buch«, herausgegeben von Emil Tuchmann und Karl Schönberg). »[…] soll es ein Umschlag, Einbandzeichnung oder ein Innentitel, Frontispice werden – soll 4. in die betreffende Zeichnung Schrift […] 5. Zum Abzeichnen der Lithographien würde ich die Firma O. Felsing (Charlottenburg) oder H. Birkholz (Berlin W 35) empfehlen. Ich habe bei Qualität und Preis die besten Erfahrungen besonders auch mit Felsing. […] – Mit Absenderstempel. – Die Herausgeber folgten Kubins Empfehlung, die Lithographie wurde bei Felsing gedruckt.

Vgl. Marks A 121 und A 124 und Deutsche Bibliophile 1898–1930, Seiten 104 und 106

967  Melchior Lechter – Maurice Maeterlinck. Der Schatz der Armen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

In die deutsche Sprache übertragen durch Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Florenz und Leipzig, Eugen Diederichs 1898. Mit Holzschnitten von Melchior Lechter, darunter Titel, 13 Initialen und Buchschmuck. Halbleinenband, der illustrierte Originalbroschurumschlag eingebunden.

Erste deutsche Ausgabe. – Das erste von Melchior Lechter gänzlich gestaltete und illustrierte Buch. Neben dem großen Titelholzschnitt schnitt er zahlreiche ornamentierte Initialen und Zierstücke, die Paginierung sowie alle Haupt- und Zwischentitelzeilen, die in Rostrot gedruckt wurden. – Auf bräunlichem Bütten. – »Mit diesem Buch beginnt die deutsche Buchkunst unseres Jahrhunderts« (Jürgen Eyssen). – Nachgebunden ein Doppelblatt mit Anmerkungen des Übersetzers und bibliographischen Notizen. In der Typographie des Buches und auf dem selben Bütten gedruckt. – Aus der Bibliothek des Kalligraphen MK Neudold mit dessen Exlibris.

20,3 : 17,5 cm. 105, [3; 4] Seiten. – Ränder etwas gebräunt.

Raub A 20. – Landmann 108. – Eyssen, Seite 11. – Schauer I, 53 und II, 12 (mit Abbildung)

968  Melchior Lechter – Stéphane Mallarmé. Herodias.

Schätzpreis/Estimate: € 10000

Zuschlag/Hammerprice: € 9000

Umdichtung von Stefan George. Berlin, Blätter für die Kunst 1905. Cremefarbener Originalperkalineinband mit Goldprägung.

Erste Ausgabe der Umdichtung. – Eins von sieben Exemplaren auf Japanpapier, weitere zwei entstanden auf Pergament. – Gedruckt unter Aufsicht von Melchior Lechter bei Otto von Holten, Berlin, in Gold und Blau, komplett aus Versalien gesetzt. Melchior Lechters Urnen-Signet wird auf dem Vorderdeckel und dem Titel verwendet. – »1905 gestalteten George und Lechter […] eines der edelsten Bücher, die je von Ihnen produziert wurden; ein geplantes Rarissimum: ganz in Blau und Gold gehalten, […] nur durch Schrift und Farbe wirkend, ein Zwitter von Druck und Handschrift, erschien in nur sieben Exemplaren Georges Übertragung von Mallarmés ›Herodias‹ […]. Dieses Rarum war in einem gewissen Sinne ein Geschenk Georges an Melchior Lechter, dessen Wünschen es ganz und gar entsprach« (Ute Oelmann, Die Schrift- und Buchkunst Stefan Georges. Stuttgart 2009. S. 18). – »Stefan Georges Herodias-Übersetzung ist das seltenste und kostbarste Buch von George und ein Rarissimum der neueren deutschen Literatur.« (Katalog Marbach, Stefan George 209). – Provenienz: Deutsche Privatsammlung. – Das Exemplar aus der Sammlung Castrum Peregrini, Amsterdam, 2010 bei Hauswedell & Nolte (Auktion 422, Lot 41) erworben. Es war seit 80 Jahren das erste Exemplar im deutschen Handel. »1929 erzielte ein Exemplar der ›Herodias‹ bei Graupe den für damalige Verhältnisse exorbitanten Preis von 2500 Reichsmark«.

35,8 : 27,2 cm. [12] Seiten. – Einband minimal angestaubt, die Ecken und Kapitale leicht bestoßen. – Vereinzelt leichte Radierspuren, zwei Seiten im Falz mit Abklatsch des Lesebändchens, das lose beiliegt.

Landmann 240. – Raub A 54 A (nennt irrtümlich auch für die Japanexemplare Handmalereien Lechters)

969  Aristide Maillol – Longus. Les Pastorales ou Daphnis et Chloé.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Version d’Aymot revue et complétée par P.-L. Courier. Bois originaux d’Aristide Maillol. Paris, Philipp Gonin 1937. Mit 48 Textholzschnitten und sieben Holzschnitt-Initialen. Pergamentband mit Durchstichheftung und vergoldetem Rückentitel. Zusammen mit Originalumschlag zur Suite in Halbpergamentkassette.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 500 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Bütten mit Maillols Wasserzeichen. – Mit einer in Rot auf Bütten gedruckten Suite aller 46 Holzschnitte – zwei Vignetten wurden im Buch wiederholt verwendet – und 15 ornamentierten Initialen auf einem Blatt. – »Small in scale, it is perhaps the most harmonious of Maillol’s illustrated books« (Garvey). – Kaum eine Holzschnittfolge Maillols ist anmutiger als die zu der Erzählung von der unschuldigen Liebe der Hirtenkinder Daphnis und Chloe. »Sensual, sometimes erotic but in the best sense of both terms Maillol […] is a perfect illustrator of ancient and modern classics […] the predominant feeling that emanates from the wood engravings is one of tenderness« (W. J. Strachan). – Schönes Exemplar, das Buch elegant gebunden, die Suite lose im Originalumschlag.

22,0 : 14,0 cm. [12], 217, [15] Seiten, 47 Holzschnitte.

Carteret IV, 243. – Rauch 141. – Garvey 174. – Guérin I, 76–127

970  Longus. Daphnis et Chloe. – Drei illustrierte französische Ausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

1919–1946.

I. Avec les figures dessinées et gravées sur bois par Carlègle. Paris, Pichon 1919. Mit 27 Textholzschnitten. Lederband der Zeit mit reicher Vergoldung. Eins von 50 Exemplaren der dritten Vorzugsausgabe, gedruckt auf China und mit einer Suite der Holzschnitte, ebenfalls auf China (Gesamtauflage 395). Carteret IV, 242 »Belle publication cotée, surtout en grand papier«. Leicht stockfleckig. – II. Illustrations de Louis Touchagues. Paris, Éditions du Bélier 1945. Mit zahlreichen, teils farbigen Illustrationen. Lose Bogen in illustrierten Originalumschlägen, -chemisen und -schuber. Eins von 700 Exemplaren (Gesamtauflage 805). – III. Compositions lithographiques originales de Suzanne Ballivet. Monte-Carlo 1946. Mit zahlreichen Lithographien im Text, davon 17 blattgroß. neuer grüner Lederband mit Schuber. Eins von 890 Exemplaren auf Grand Vélin Renage (Gesamtauflage 994).

  971    [René] Magritte.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

[La boîte bleue. Die blaue Schachtel. The Blue Box]. Paris und Gent/Amsterdam, Ludion 2003. Katalogbuch mit zahlreichen, meist farbigen, Illustrationen und drei »Portfolios« in blauer Originalhalblederkassette mit Objektdeckel und Titel in Silberprägung.

Eins von 950 Exemplaren der Vorzugsedition zum Ausstellungskatalog, herausgegeben von Daniel Abadie und Ronny van de Velde. – Der Katalog erschien zur Ausstellung in der Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris, im Frühjahr 2003. – Die aufwendige und originelle Luxusedition enthält drei Umschlagmappen. I: Drei Originalradierungen auf Velin, stempelsigniert und nummeriert. – II: Fünf Ausschnitte aus dem Gemälde »L`Evidence éternelle«, reproduziert in Originalgröße auf Leinwand. – III: Farbdrucke von zwei Gouachen, je acht Stück auf Klebefolie. – Im Vorderdeckel der Kassette ein farbig reproduziertes trompe-l`œil unter Plexiglas. – Makellos.

36,5 : 32,0 : 8 cm (Kassette).

972  Vladimir Majakovskij. Groznyi smekh.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Limit: € 500

(russisch: Das schreckliche Gelächter). Moskau/Leningrad, GIChL 1932. Mit 37 Bildseiten nach Rosta-Fenstern, einem Porträt und illustrierten Vorsätzen. Originalpappband mit Typographik auf dem Schutzumschlag.

Eins von 3000 Exemplaren. – Die den Rosta-Plakaten gewidmeten Texte erschienen zwei Jahre nach Majakowskis Tod. Das Buch besticht durch seine außergewöhnliche Gestaltung von Warwara Stepanova: Die Textseiten, nach den Regeln der modernen Typographie unter Verwendung verschieden starker Balken gesetzt, werden ergänzt durch die am Außenrand halbseitengroß abgebildeten legendären Plakate der russischen Telegrafen-Agentur ROSTA, die seit 1919 besonders in Zusammenarbeit mit Majakowski entstanden. Jedes zweite Textblatt blieb unillustriert und wurde in schmalem Hochformat eingebunden, so dass die Abbildungen stets unverdeckt bleiben. – Mit der berühmten Fotomontage von Boris Ignatowitsch in Rot und Schwarz auf den Vorsätzen. – Warwara Stepanowa (1894–1958) war auf der Ersten Russischen Kunstausstellung in Berlin (1922) vertreten. Die Textildesignerin arbeitete unter anderem zusammen Majakowski für die Zeitschrift LEF. Sie »schuf mit ihrer Gestaltung des Buches ein wegweisendes, modernes Werk« (Bowlt/Hernad).

24 : 21 cm. 79, [1] Seiten. Schutzumschlag folienkaschiert. Rückenbezug des Pappbands brüchig und restauriert. – Alle Blätter mittig mit leichten senkrecht verlaufenden Quetschfalten.

Rowell/Wye 1006. – Bowlt/Hernad 104

973  Thomas Mann. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift und Adresse.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

München, 10. IV. 1929.

An Paul Stolterfoht, Hamburg. – Dankt für »die gütigen Worte der Teilnahme, die Sie anläßlich des Todes meiner Mutter an mich richteten«. – Paul Stolterfoht (1847–1931), der wohlhabende Kaufmann aus Riga, war die erste große Liebe von Julia da Silva Bruns, der späteren Mutter Thomas Manns. Nur durch das Verbot von Julias Vater kam eine Ehe nicht zustande. Pauls Bruder, Nikolaus Heinrich Stolterfoht, heiratete 1867 Julias Schwester Maria und wurde 1875 Thomas Manns Taufpate. 1921 – zu Julia Manns 70. Geburtstag – sah man sich wieder. (vgl. Dagmar von Gersdorffs Julia Mann-Biographie, Insel 2018). – Mit dem Münchner Adressstempel »Dr. Thomas Mann«.

974  Thomas Mann. Zweimaliger Abschied. – Siehst du, Kind, ich liebe dich. – Monolog.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Limit: € 200

[Drei Gedichte]. – In: Die Gesellschaft. Monat- (bzw. Halbmonat)schrift für Litteratur, Kunst und Sozialpolitik. Herausgegeben von M[ichael] G[eorg] Conrad (und L. Jacobowski). Leipzig, Wilhelm Friedrich 1893 und 1895, und Minden, Bruns 1899. Zwei grüne Originalleinenbände, ein Halbleinenband der Zeit.

Drei der sieben Gedichte Thomas Manns im Erstdruck. – Nach Potempa wurde »Zweimaliger Abschied« als erste literarische Veröffentlichung des damals gerade 18jährigen zuvor in dem unauffindbaren Heft 1 der Schülerzeitschrift »Der Frühlingssturm« abgedruckt. – Hier in den Heften IX/10, Heft XI/1 und XV/2/3. – In der Zeitschrift wurden auch zwei frühe Novellen von Thomas Mann erstveröffentlicht (siehe die nächste Katalognummer).

24,5 : 16,0 cm. – Mit je drei Porträttafeln. – Dezenter Besitzerstempel rückseitig auf dem Titelblatt von Band 1 und 2. – Kleiner Randeinriss.

Potempa F 1.2, 4.1 und 6.1. – Dietzel/Hügel 1162. – Schlawe I, 19ff

975  Thomas Mann. Gefallen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Novelle. – Luischen. – In: Die Gesellschaft. Monat- (bzw. Halbmonat)schrift für Litteratur, Kunst und Sozialpolitik. Herausgegeben von M[ichael] G[eorg] Conrad (und L. Jacobowski). Leipzig, Wilhelm Friedrich 1894 und Dresden, E. Pierson 1900. Grüner bzw. roter Originalleinenband.

Erstdrucke der beiden frühen Novellen, die im Sommer 1894 bzw. 1897 entstanden. – I. Jahrgang 10, Heft 11, Seiten 1453–1458. – II. Jahrgang XVI, Band 1, Heft 1, Seiten 35–50. – In der wichtigen Zeitschrift des deutschen Naturalismus, die von 1895 bis 1902 erschien, wurden auch mehrere Gedichte von Thomas Mann erstveröffentlicht (siehe die vorige Katalognummer). – Dazu weitere Bände der Zeitschrift (Jahrgänge 1893–1900) als Beigabe.

24,5 : 16,0 cm. – Band 1 mit drei Porträttafeln. – Dezenter Besitzerstempel rückseitig auf dem Titelblatt von Band 1, Besitzvermerke auf dem Vorsatzblatt von Band II.

Potempa E 2.1 und E 8.1. – Dietzel/Hügel 1162. – Schlawe I, 19ff

976  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

Schätzpreis/Estimate: € 3000 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 6500

Novelle. Berlin, S. Fischer 1913. Marmorierter Originalpappband in -schuber, beide mit Rückenschild.

Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten, davon 50 für den Verkauf. – Im Auflagenvermerk vom Verfasser signiert. – Die erste öffentliche Ausgabe erschien in Thomas Manns Hausverlag. – Gedruckt bei W. Drugulin, Leipzig. – Als hätte Fischer von Hans von Weber »gelernt«, wurde das Büchlein in einem locker gebundenen und mit hübschem Marmorpapier bezogenen Interimspappband ausgeliefert. Noch seltener als der Hundertdruck (KatNr. 132), aber vielleicht nicht ganz so spektakulär.

19,3 : 12,6 cm. 144, [4] Seiten. – Rücken verblasst.

Potempa E 26.3

977  Thomas Mann. Rede und Antwort.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze. Berlin, S. Fischer 1922. Hellbraune Originalbroschur, unbeschnitten. Einbandgestaltung und -typographie von Kurt Erich Mende.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Der erste, tatsächlich bereits Ende 1921 ausgelieferte, Band der ersten Werkausgabe (»Gesammelte Werke in Einzelausgaben«). Hier in der seltenen broschierten Ausgabe (die Potempa nicht verzeichnet). Nur für die Broschur dieses ersten Bandes wurde eine frühe Variante des »Bogen und Leier«-Signets verwendet. Der Graphiker Kurt Erich Mende verkleinerte seinen Entwurf für alle weiteren Ausgaben. – Beilage: Faltprospekt des S. Fischer Verlags mit Ankündigung dieses Buches und der Werkausgabe (»Mit diesem neuen Essaybuch […] beginnen wir den Aufbau der gesammelten Werke Thomas Manns«) sowie Werbung für weitere lieferbare Titel von Thomas Mann.

19,5 : 12,7 cm. XII, 402, [2] Seiten. – Broschur angerändert und Rücken etwas brüchig.

Vgl. Potempa B 64. – Kiwitt (in Vorbereitung) A 1.1.2 und alpha.1921.1

978  Thomas Mann. Novellen.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Erster [und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1922. Tiefblaue Originalkalblederbände mit rotem Rückenschild, vergoldeter Deckelvignette, Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Aus der Vorzugsausgabe der »Gesammelten Werke in Einzelausgaben«. – Eins von 150 Subskribtionsexemplaren auf Hadern-Velin-Papier. – Im Druckvermerk vom Autor signiert.

19 : 12 cm. [4], 373, [7]; [4], 451, [5] Seiten. – Einband von Band I etwas verblasst, der Rücken verfärbt.

Potempa B 6

979  Thomas Mann. Der Zauberberg.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Roman. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1924. Graue Maroquinbände mit Rückenschild, goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (signiert: Buchb. Meink, Berlin). Im Schuber mit Lederkanten.

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der »Gesammelten Werke in Einzelausgaben«, hier in schönen Handeinbänden. – Die originalen Broschurumschläge wurden eingebunden. – 1912 verbrachte Katja Mann mehrere Monate in einem Davoser Lungensanatorium. Die dortigen Eindrücke bewogen den Autor mit »Der Tod in Venedig« zunächst zu einer »Art humoristischem Gegenstück«. »Der Zauberberg«, der dritte große Roman Thomas Manns, entstand dann in den Jahren von 1913 bis 1924. Der Erste Weltkrieg zwang Thomas Mann zur Schreibpause, erst 1919 setzte er seine Arbeit fort. Der Roman weitete sich zum Zeitroman aus, zur Kritik an spätbürgerlichen Lebens- und Denkformen der Vorkriegszeit, deren Repräsentanten auf dem »Zauberberg« versammelt sind.

18,8 : 12,8 cm. 578, [2]; 629, [3] Seiten. – Rücken leicht verfärbt. – Besitzermonogramm auf Vorblatt.

Potempa D 3.1

980  Thomas Mann. Die Begegnung.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Olten 1953. Originalhalblederband mit Modeldruckpapierbezügen. Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet (Max Grollimund, Basel). Im Schuber.

Erste Einzelausgabe dieses Auszugs aus »Felix Krull«, die Einleitung im Erstdruck. – 58. Publikation der Vereinigung Oltner Bücherfreunde. – Eins von 125 Exemplaren der signierten Vorzugsausgabe (Gesamtauflage 765). – Makellos.

20,2 : 13,2 cm. 73, [3] Seiten.

Potempa D 12.3.29

981  Thomas Mann. Gesammelte Werke

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R5 )

Zuschlag/Hammerprice: € 380

in zwölf Bänden. Frankfurt am Main, S. Fischer 1960. Hellbraune Originalmaroquinbände. Rückentitel und Deckelvignette (TM-Signatur) sowie der Kopfschnitt vergoldet. In Schubern mit Lederkanten.

Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Leder. – Herausgegeben von Hans Bürgin. – Enthält die Romane (I–VII), Erzählungen (VIII) und Reden und Aufsätze (IX–XII).

20,0 : 12,8 cm. – Rücken gleichmäßig und ganz schwach verfärbt.

Potempa A 6

  982    Henri Matisse – Marguerite Duthuit-Matisse und Claude Duthuit. Henri Matisse. Catalogue raisonné de l’œuvre gravé […]

Schätzpreis/Estimate: € 750

Limit: € 500

Tomes I et II. – Catalogue raisonné des ouvrages illustrés […] établi avec la collaboration de Françoise Garnaud. Preface de Jean Guichard-Meili. Paris 1983 und 1988. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Originalleinenbände, einer mit Schutzumschlag.

Die bis heute maßgeblichen und unverzichtbaren Werkkataloge zur Graphik (Band 1: Radierungen, Band 2: Lithographien u. a.) und illustrierten Büchern.

»L’œuvre gravé« mit Folienumschlag, mit Filmoplast auf den Innendeckeln fixiert. – Stempel auf Vorsatzblättern. – »Ouvrages illustrés« mit Schutzumschlag. Bindung etwas gelockert.

  983    André Maurois. Introduction a la méthode de Paul Valéry.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R5 )

Limit: € 170 ( R7 )

Paris, Éditions des Cahiers Libres 1933. Halblederband mit Marmorpapierbezug. Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Eins von zehn römisch nummerierten Exemplaren der Luxusausgabe auf festem »Japon nacré«, weitere 35 wurden auf Bütten gedruckt (Gesamtauflage 1045). – »Ce texte est celui d’une conférence prononcée à l’Université des Annales, le 13 Décembre 1932«. – Die Texte der seit 1907 von Yvonne Sarcey unter dem Namen »Université des Annales« initiierten Konferenzen wurden in einer gleichnamigen Zeitschrift veröffentlicht. Einige Einzelausgaben erschienen in Buchform. – Maurois’ Titel zitiert den von Valérys berühmter Abhandlung »Introduction à la mèthode de Leonardo da Vinci«. – Selten, sehr schön auf dem edlen Japanpapier.

17,5 : 11,5 cm. [6], 109, [7] Seiten. – Rücken leicht aufgehellt und mit winzigen Bereibungen. Die oberen Ecken leicht bestoßen.

Talvart/Place XIV, 25, 58

ChristianHesse