ChristianHesse

Architektur · Bauhaus · Typographie | Hesse-Auktionen
Architektur · Bauhaus · Typographie

259  Architektur – A. Michailov. Gruppirovki Sovetskoi Architektury.

€ 450

(russisch: Gruppierungen in der sowjetischen Architektur). Moskau und Leningrad, Ogiz – Izogiz 1932. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Redaktion: Janel, Textredaktion: P. Sergejev. – Mit Text- und Bildbeiträgen zur konservativen und avantgardistischen Architektur, mit speziellen Schwerpunkten auf Konstruktivismus und der schon damals ausgefochtenen Formalismus-Debatte. – Ein Abschnitt behandelt die Entwürfe des 1931 ausgeschriebenen »Palast des Sowjets«. Neben dem ansatzweise realisierten Monumentalbau von Boris Iofan werden auch andere Entwürfe gezeigt. – Der blaue Originalumschlag mit einer architektonischen Fotomontage.

21,2 : 14,5 cm. 133, [3] Seiten. – Fehlstellen und Knicke im Umschlag restauriert, Rücken erneuert. – Einzelne Lagen mit stockfleckigen Rändern. Titelblatt mit Exlibris-Stempel.

260  Architektur – Jakob Tschernychow. Architekturnye fantazii.

€ 3500

(russisch: Architektonische Fantasien). Unter Mitarbeit von D. Kopanitzin und E. Pawlowa. Leningrad, Meshdunarodnaja Kniga 1933. Mit 101 Farbtafeln, 101 Vignetten und zwölf ganzseitigen einfarbigen Abbildungen im Textteil. Originalleinenband mit Blindprägung.

Erste Ausgabe, erschienen im Verlag »Internationales Buch«, mit Titelblättern in Russisch, Deutsch, Französisch und Englisch. Der ausführliche Text in beispielhafter Typographie, die breiten Ränder mit jeweils zwei architektonischen Vignetten. – Die Farbtafeln mit Abbildungen nicht realisierter Architekturvisionen. – Das bedeutende und aufwendig gestaltete Werk gilt als Hauptwerk der utopistischen Architektur des 20. Jahrhunderts und war zugleich eines der letzten Avantgardebücher der Stalin-Ära. – Besonders innen sehr gut erhalten. – »an amazing compendium of […] inventions which still excite the imagination today, […] The verdict must surely be that Chernikhov’s almost unlimited imagination for architectural forms provide a pattern book for modernist architecture, rather than a repertoire of viable designs.« (Susan Compton).

30,5 : 22,0 cm. 102 Seiten, 101 Tafeln. – Einband leicht fleckig, der schwere Buchblock etwas gelockert. Buchschnitt etwas fingerfleckig.

Rowell/Wye 1022 und Abb. Seite 227. – Holstein 105, 342. – MoMA 378.2001.1-214. – Compton S. 142

261  Architektur – Sowjet-Pavillon, Eingang der Halle. Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1930.

€ 750

Fotografie (Vintage, Silbergelatine, rückseitig mit Postkartenaufdruck). 1930. 8,7 : 13,8 cm.

Anonyme Aufnahme des eindrucksvoll gestalteten Eingangsbereichs. Die 2. Internationale Hygiene-Ausstellung fand 1930 statt, zahlreiche Länder waren mit eigenen Ausstellungen und Pavillons vertreten. Der Pavillon der Sowjetunion wurde in enger Anlehnung an El Lissitzkys Gestaltung der Kölner Pressa-Ausstellung 1928 konzipiert. – Sechs Fotografen waren von der Ausstellungsleitung für offizielle Aufnahmen anerkannt: Else Seifert mit ihren Dresdner Kollegen Wilhelm Moeck, Hermann Schulze, Rudolf Rost, Hans Höhne und Otto Wehlitz. – Makellos und unbenutzt.

262  Fritz Kahn. Der Mensch als Industriepalast.

€ 750

Farblithographie. 1926. 94,0 : 46,3 (95,8 : 48,0 cm).

Gedruckt bei Fricke & Co, Stuttgart. – Im Unterrand typographisch bezeichnet, hier die nach Patrick Rösslers detaillierter Untersuchung früheste Fassung (siehe: Aus dem Antiquariat, Heft 2018/1, S. 18ff.) – Der Berliner Gynäkologe Fritz Kahn (1888–1968) verfasste und illustrierte mehrere populärwissenschaftliche Werke. – »Pionierleistung des modernen Informationsdesigns, die bis heute durch Themen- und Stilvielfalt, Humor und originelle Analogien fasziniert« (Debschitz). Sein Wirken und seine »industriellen Visionen der Natur« (Spiegel online) würdigte eine international viel beachtete Ausstellung im »Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité«.

Gefaltet, leichte Knitter und winzige Einrisse in den Ecken.

Rössler A.1. – Uta und Thilo von Debschitz, Man Machine – Maschine Mensch, Heidelberg/New York 2009

263  16. Jahresversammlung des Deutschen Werkbundes.

€ 600

Einladung und Programm. Doppelblatt. Zweifarbiger Buchdruck. Berlin 1927. 29,7 : 21,0 cm.

Konsequent in Rot und Schwarz und nach den Regeln der neuen Typographie gestaltetes Doppelblatt. – Mit dem Programm der Tagung in Mannheim und Stuttgart vom 27. bis 30. September 1927. Am letzten Tag war eine »Fahrt mit bereitstehenden Kraftwagen in die Siedlung am Weißenhof« vorgesehen. – In den 1920er Jahren hatte sich der Werkbund, nicht zuletzt unter Einfluss der Bauhäusler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, verstärkt der Architektur zugewandt. Die Ausstellung »Neues Bauen« und die Stuttgarter Werkbund-Ausstellung »Siedlung am Weißenhof« 1927 dürften als Meilensteine dieser Phase des Werkbundes gelten. – Das Faltblatt entwarf der Berliner Graphiker Andreas Niessen, gedruckt wurde es bei Otto von Holten, Berlin. – Dazu: Deutscher Werkbund. Briefumschlag. Buchdruck, Entwurf Herbert Bayer. 1926. 16,3 : 23 cm. Minimalistisch gestalteter großer Briefumschlag für den Deutschen Werkbund Berlin aus Bayers Zeit am Dessauer Bauhaus. Der entsprechende Briefbogen im MoMA New York (ehemals Sammlung Elaine Lustig Cohen Collection. Minimale Knickfalten am rechten Rand.

Einmal quer gefaltet.

265  Lyonel Feininger – Die Baugilde.

€ 400 ( R7 )

Baukunst, Bautechnik, Bauwirtschaft. Herausgeber H. de Fries. Jahrgang VII, Heft 6. Berlin, Otto Stollberg 1925. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur mit Umschlagillustration nach einer Zeichnung von Lyonel Feininger.

Seltenes Beispiel einer Umschlagillustration von Lyonel Feininger, wenn man von seinen Karikaturen und Comiczeichnungen für »Lustige Blätter«, »Ulk« und andere Magazine der Jahrhundertwende, also ein Vierteljahrhundert zuvor, absieht. – Inhaltsreiche Ausgabe der Zeitschrift mit Planungen für die kroatische Stadt Split, den Potsdamer Platz in Berlin, das Zürcher Seeufer sowie Eindrücke aus Manhattan (mit Plan und Ansichten) u. v. m. – Die Zeitschrift war das Organ des Bundes Deutscher Architekten und der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs. 1925 verließ H. de Fries die Redaktion.

31,3 : 23,3 cm. Seiten 293–360. – Umschlagränder etwas gebräunt. – Ein Doppelblatt aus der Heftung gelöst.

Jaeger 1043

266  El Lissitzky – Wendingen.

€ 4000 ( R7 )

Serie IV, Heft 11. Sonderheft Frank Lloyd Wright. Amsterdam, De Hooge Brug 1921. Mit 18 Abbildungen sowie illustrierten Anzeigen. Originalbroschur mit der zweiteiligen Farblithographie von El Lissitzky auf Vorder- und Hinterumschlag, die gestalterisch eine Einheit bilden.

Als Einzelheft in der Originalbroschur mit der berühmten Farblithographie von El Lissitzky, die in buchgestalterischer Hinsicht zu seinen Hauptwerken zu zählen ist. – Eins von insgesamt sieben Frank Lloyd Wright-Heften der von H. Th. Wijdefeld u. a. herausgegebenen Kunst- und Architekturzeitschrift »Wendingen«. – Der Text stammt von H. P. Berlage. – Mit zahlreichen Abbildungen von Bauten des amerikanischen Architekten und vielen Anzeigen. – Als Blockbuch gebunden und mit Bastkordel geheftet. – Makelloses und absolut farbfrisches Exemplar der fragilen Broschur.

33,0 : 33,0 cm. 38 Seiten.

Lissitzky-Küppers Abb. 70. – Rowell/Wye 346. – Katalog Kurt Schwitters Merzgebiete, S. 142 mit farbiger Abbildung

267  El Lissitzky – Pelikan Siegellack.

€ 400 ( R19 )

Originalkartonschachtel mit farbiger Banderole. Entwurf: El Lissitzky, 1924. Wohl um 1950.

Der Entwurf der berühmten Verpackung stammt von El Lissitzky, der Mitte der 1920er Jahre mit einer Werbekampagne für die Pelikanwerke Hannover beauftragt war. Nach seiner Teilnahme am Internationalen Kongress Progressiver Künstler in Düsseldorf und am Konstruktivistenkongress in Weimar 1922 wurde in der Berliner Galerie van Diemen eine Ausstellung mit Werken russischer Künstler eröffnet, bei der auch El Lissitzky vertreten war. 1923 ging er nach Hannover und lernte dort seine spätere Frau Sophie Küppers und den Merzkünstler Kurt Schwitters kennen. 1924 erkrankte El Lissitzky an Tuberkulose und musste ein Sanatorium in Locarno aufsuchen. In dieser Zeit entstanden Entwürfe von Werbematerial und Plakaten für die Firma Pelikan. – Beschriftung an den Seitenbanderolen in Deutsch und Englisch. – Enthält fünf von ursprünglich 15 Stangen Siegellack. – Sehr gut erhalten.

21,3 : 8,8 : 3,8 cm.

268  El Lissitzky – Ilja Selvinskij. Zapiski Poeta.

€ 450

Povest (russisch: Aufzeichnungen eines Dichters. Eine Erzählung). Moskau und Leningrad, Gosizdat 1928. Mit einer Fotomontage von El Lissitzky auf dem Vorderdeckel.

Erste Ausgabe. – El Lissitzky betitelte für die Umschlagillustration den dargestellten mit »Jewgeni Ney«. Das Doppelporträt seines Dichterfreunds Arp, dem Mitherausgeber der »Kunstismen«, hatte er bereits 1924 mit Picabias Dada-Zeitschrift »391« als Hintergrund komponiert. – »Aufzeichnungen eines Dichters«, eines der ganz wenigen mit einem El Lissitzky-Fotogramm illustrierten Bücher, enthält auch die Dichtungen des fiktiven Dichters Jewgeni Ney. »Das halb groteske Bild Jewgeni Neys war die ›schwankend-verdoppelte› foto-grafische Porträtdarstellung des Malers und Dichters Hans Arp. Selwinski seinerseits beschrieb unerhört genau das ›doppelköpfige Äußere‹ Arps in dem Gedicht ›Porträt Jewgeni Neys‹, dessen Text dem Oval des Gesichtes aufgedruckt war [d. h. in einem ovalen Rahmen gedruckt wurde]« (Lissitzky-Küppers S. 387). – Ilja Selvinskij (1899–1968) war in diesen Jahren Anführer einer Gruppe literarischer Konstruktivisten.

17,4 : 12,7 cm. 91, [5] Seiten. – Umschlagränder bestoßen, Vorderdeckel mit Knickfalte, hinterer mit Stempel.

Katalog Sprengel Museum 1999, Nr. 135 und insgesamt drei Abbildungen der Fotografie und ihrer Verwendung. – Rowell/Wye 750 mit Abb. S. 215. – Bowlt/Hernad 73

269  Bart van der Leck. Metz & Co. Amsterdam – Den Haag.

€ 400 ( R7 )

Papiertasche mit Buchdruck in Rot und Schwarz. Um 1940. 31,0 : 13,0 cm.

Bart van der Leck gründetete zusammen mit Piet Mondrian und Theo van Doesburg in den Niederlanden »De Stijl« und fand früh einen abstrakten Stil, bei dem er sich meistens auf die Primärfarben Rot, Blau und Gelb fokussierte. 1930 entwickelte Bart van der Leck die markante Schrift und setzte bis Mitte der 1930 damit das Design der Werbemittel und Drucksachen des berühmten Einrichtungshauses durch. – So tadellos sehr selten.

Katalog Otterlo 1976 K9

270  Bauhaus – Joost Schmidt. Wir feiern am 29. Nov. 1924 das 5jährige Bestehen des Bauhauses.

€ 3000

Einladungs- und Eintrittskarte. Zwei Lithographien (eine in Schwarz, eine in Rot gedruckt) nach Entwurf von Joost Schmidt. 1924. 15 : 12 cm.

Sehr seltene Dokumente einer der letzten Veranstaltungen des Weimarer Bauhauses. – Nachdem sich die Angriffe auf das Bauhaus im Sommer 1924 von Seiten der neuen bürgerlichen Landesregierung verschärft hatten, am 1. September allen Bauhaus-Meistern per April 1925 gekündigt worden war und im November der Etat um zwei Drittel gekürzt wurde, mutet die Ausrichtung des Jubiläumsfestes am 28./29. November als ein trotziges »Nun gerade« an. – Programmpunkte des Abends im Ilmschlösschen waren die Farbenspiele von Hirschfeld-Mack, eine Premiere der Bauhausbühne und ab 10.38 (!) Kaffee-Tafel, Tanz, Tombola u. a. – Beide Karten gestaltete der damals wichtigste Typograph des Bauhauses, Joost Schmidt. Die Gestaltungselemente ähneln sich bei Einladung und Eintrittskarte, beide Entwürfe sind dennoch eigenständig. Die Eintrittskarte mit dem Signet von Joost Schmidt, Einladung mit seiner lithographierten Signatur. – Provenienz: Ehemals Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), Blatt 1 mit seinem Namensstempel. – Nahezu tadellos erhalten.

Blatt 1 mit winziger Knickspur am linken Rand, Farbe bei Blatt 2 am Oberrand minimal verwischt.

Fleischmann, S. 101 (nur Einladung, dort auch eine Einladung zum Fest am Vortag, entworfen von Herbert Bayer). – Nicht in »Das A und O des Bauhauses«, nicht bei Wingler erwähnt

271  Bauhaus – Nachtrag zu den Pressestimmen für das Staatliche Bauhaus Weimar

€ 900

(März-April 1924). Weimar, Druck von R. Wagner Sohn 1924. Originalbroschur.

Gedruckt auf gelbem Papier, die typographische Gestaltung stammt von Moholy-Nagy. – Fortsetzung der im März 1924 erschienenen Sammlung »Pressestimmen (Auszüge)«, die Paginierung schließt an das frühere Heft an, ein abschließender Teil verzeichnete »Kundgebungen im Oktober 1924«. – »Gropius sorgte für eine gedruckte Dokumentation positiver Urteile über das Bauhaus, die er systematisch seit der großen Ausstellung von 1923 anforderte und sammelte, um sie im Kampf um die Existenz des Weimarer Bauhauses einsetzen zu können.« (Ute Brüning, in »Das A und O des Bauhauses, S. 86). – Sehr selten, tadellos erhalten. – Provenienz: Ehemals Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit seinem Namensstempel.

23,0 : 15,4 cm. Seiten 73–101, [3].

Fleischmann S. 96ff. – A und O des Bauhauses, KatNr. 129/2

272  Bauhaus – Pressestimmen zur bevorstehenden Schließung des Bauhauses Weimar.

€ 200

Fünf Originalzeitungsbogen 1924.

Im Herbst 1924 verschärften sich die Angriffe der bürgerlichen Landesregierung auf die Institution des Bauhauses, Ende des Jahres erklärte Gropius dessen Auflösung in Weimar. – Das Konvolut enthält fünf vollständige Artikel auf Einzel- bzw. Doppelseiten: »Der Kampf um das Staatliche Bauhaus in Weimar | Der Leiter Gropius soll zur Strecke gebracht werden« (Das Volk, 17. November 1924). – »Das Ende des Bauhauses in Weimar | Ein kulturpolitischer Sensationsprozeß hat sich vor kurzem in Weimar abgespielt …« (Das Volk, 10. Dezember 1924, und Fortsetzung am 11. Dezember). – »Die Kundgebung der Bauhausmeister | Auflösungserklärung – Die Kündigungen des Lehrpersonals als Hindernis der Weiterentwicklung« (Allgemeine Thüringische Landeszeitung, 29. Dezember 1924). – »Walter Gropius gegen Leutheußer | Der Leiter des Bauhauses übergibt der presse folgende Erklärung …« (Das Volk, 8. Januar 1925). – Dazu: »Das neue Bauhaus in Dessau« (4 Abbildungen nach Fotografien von Lucia Moholy, auf Seite 2 von »Der Welt-Spiegel, Berlin, Nr. 51, 19. Dezember 1926). – Provenienz: Ehemals Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), jeweils mit seinem Namensstempel am Oberrand.

Knickfalten, sonst sehr gut erhalten.

273a  Architektur – Heinz und Bodo Rasch. Wie bauen?

€ 250

Materialien und Konstruktionen für industrielle Produktion. Jahres-Ausgabe 1928. Stuttgart, Akademischer Verlag Dr. Ernst Wedekind [1927–1929]. Mit hunderten Abbildungen. Illustrierter Originalhalbleinenband.

Die dritte (von sechs) Begleitpublikationen zur Stuttgarter Werkbundausstellung »Die Wohnung« und zur Weißenhofsiedlung. – Nachdem »Bau und Wohnung« die zur Ausstellung errichteten Bauten der Weißenhofsiedlung, der zweite Band deren »Innenräume« vorgestellt hatte, folgte 1927 das Baukonstruktionsbuch »Wie bauen?«. Ausführlich werden einzelne Konstruktionsteile und -methoden sowie deren historische Entwicklung erläutert, im zweiten Teil einzelne Baumaterialien und Haustechnik mit Lieferantennachweisen. – Hier die stark erweiterte Jahresausgabe, eins der Exemplare mit dem – wegen verzögerter Fertigstellung notwendigen – Aufdruck »1929 Nr. 2«. – Insgesamt erschienen in der Reihe sechs Bände. – Exlibris eines russischen Architekten B. A. Smirnov, Titelblatt mit seinem Besitzvermerk.

29,5 : 21,5 cm. 287, [1] Seiten. – Kanten minimal berieben. Vorsätze erneuert.

Jaeger 792, Abb. 251 und ausführlich S. 143

273  Bauhaus – Saalgestaltung Weihnachtsfest Staatl. Bauhochschule Weimar 1926.

€ 300

Drei Originalfotografien. Silbergelatine oder Bromsilberabzüge auf Karton. 1926. Ca. 9,5 : 7,5 cm (14 : 9 cm).

Die Saalgestaltung entwarf Ernst Neufert, Gropius-Schüler am Bauhaus und 1922 bis 1924 dessen Bauleiter auf verschiedenen Großbaustellen. Neufert war maßgeblich am Neubau des Bauhauses in Dessau beteiligt und wurde dort Lehrer an der Bauabteilung, bevor er zum Professor der neugegründeten Staatlichen Bauhochschule in Weimar berufen wurde. – Die Dekoration des Saales verband traditionelle Elemente (Weihnachtsbaum, Glaskugeln) mit aufwendigen Metallkonstruktionen an der Saaldecke. – Die Fotografien wurden von »Beyers wissenschaftlichem Institut für Projektions-Photographie« in Weimar als Postkarten gedruckt. – Sehr gut erhalten.

274  Bauhaus – Walter Gropius. Internationale Architektur.

€ 450

München, Albert Langen 1925. Mit zahlreichen Abbildungen. Gelber Originalleinenband mit Rotdruck.

Bauhausbücher 1. – Erste Ausgabe. – Der erste Titel der legendären Reihe, herausgegeben vom Direktor des Bauhauses, der auf mehr als 100 meist ganzseitigen Abbildungen die gesamte Elite der zeitgenössisch modernen Architektur in herausragenden Beispielen vorstellt. – Die Typographie der gesamten Reihe entwarf Laszlo Moholy-Nagy. – Wie die meisten Bände der ersten Reihe war auch Band 1 schon 1924 abgeschlossen, Druck und Ausgabe erfolgten aber erst nach dem Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau. – Schönes Exemplar. – Dazu: Die Bühne im Bauhaus. Herausgegeben von Oskar Schlemmer. München, Albert Langen [1925]. Mit zahlreichen Abbildungen und einer farbigen Falttafel. Originalleinenband. Bauhausbücher 4. Erste Ausgabe. Reihentitelblatt am Oberrand um etwa 4,5 cm beschnitten (Textverlust).

23,5 : 18,5 cm. 106, [2] Seiten. – Vorderdeckel minimal fleckig.

Wingler 563

275  Bauhaus – Kasimir Malewitsch. Die gegenstandslose Welt.

€ 600

Die Übersetzung besorgte A. von Riesen. München, Albert Langen 1927. Mit 92 meist ganzseitigen Abbildungen. Gelb-roter Originalleinenband mit illustriertem Schutzumschlag und dem Originalschuber.

Erste deutsche Ausgabe. – Bauhausbücher 11. – Kasimir Malewitschs kunsttheoretischer Beitrag zu den Bauhausbüchern, unter anderem mit der Abhandlung zum Suprematismus wird durch zahlreiche eigene Werke und Arbeiten aus verschiedensten Kunstepochen illustriert. – »Drei Tage in Weimar, und man kann auf Lebenszeit kein Quadrat mehr sehen. Malewitsch hat 1913 schon das Quadrat erfunden. Welch ein Glück, daß er sich’s nicht hat patentieren lassen.« (Paul Westheim). – Die Umschlaggestaltung stammt von Laszlo Moholy-Nagy. – Tadelloses Exemplar.

22,8 : 18,2 cm. 104 Seiten.

Wingler 563, 11 und Abb. auf Seite 425

276  Bauhaus – L[aszlo] Moholy-Nagy. Schiwobis ili fotografija

€ 650

(russisch: Malerei und Fotografie). Moskau, Ogonek 1929. Mit 33 ganzseitigen Abbildungen nach Fotografien. Gelb-rote Originalbroschur.

Der kommentierte Auszug aus Moholys Bauhausbuch 8 erschien in der russischen Übersetzung von A. N. Teleschew innerhalb der Reihe »Biblioteka Schurnala Sowjetskoje Foto«. – Broschurumschlag und Typographie in Anlehnung an das deutsche Original aus dem Jahr 1925, Bildmaterial (Fotos von Renger-Patzsch, Moholy-Nagy u. a.) und Texte aber deutlich gekürzt.

23,2 : 17,5 cm. 87, [1] Seiten. – Umschlagrücken beschädigt, Ränder mit kleinen Ausrissen.

277  Bauhaus – Metallisches Fest.

€ 3000

Glocken – Schellen – Klingel – Fest. Bauhaus-Fasching 9. Febr. 1929. Einladung. Dessau 1929. 10,4 : 14,8 cm.

Die legendäre Einladungskarte entwarf der holländische Architekt Johan Niegeman (1902–1977), damals Gastdozent für Fachzeichnen am Dessauer Bauhaus und an Gropius’ Planungen des dortigen Arbeitsamts und der Wohnsiedlung Dessau-Törten beteiligt (siehe Karin Wilhelms Gropius-Monographie, Braunschweig 1983, S. 283). – Der silberbeschichtete Außenkarton auf dem Vorderdeckel mit Rot und Blau bedruckt, das eingeheftete Doppelblatt mit Blau und Gelb. – »In einer zierlich und der üblichen Kleinbuchstaben-Bauhausschrift gedruckten metallfarbenen Karte hatten das Dessauer Bauhaus und der Kreis seiner Freunde zu einem ›Metallischen Fest‹ geladen. Metall ist hart. Aber es ist auch glänzend und strahlend. Das Fest am Sonnabend-Abend wies die letztgenannte metallische Eigenschaft auf … Das Fest war glänzend, war strahlend […] Schon der Eintritt zu den Festräumen war originell. Er führte über eine […] Rutschbahn, auf der man selbst die würdigsten Persönlichkeiten in die Festräume hineingleiten sah.« (Anhalter Anzeiger, 12. Februar 1929, zitiert nach Wingler, S. 164). – Provenienz: Ehemals Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), der unbedruckte Innendeckel mit seinem Namensstempel. – Ein Bauhaus-Rarissimum ersten Ranges.

Die Silberfolie und die aufgedruckten Farben mit leichten, fast unvermeidlichen Kratzern. – Rückenfalz mit leichtem Verlust der Silberbeschichtung.

A und O des Bauhauses 251 und Abb. 188. – Wingler S. 499. – Fleischmann S. 248f

278  Bauhaus – Walter Köppe. Unterricht Kandinsky. Farbspektren.

€ 1800

28 collagierte Temperafarbflächen auf Karton. 1927/28. 38,2 : 24,2 cm. Rückseitig signiert und bezeichnet.

Außerordentlich dekorative Arbeit, zugleich eine künstlerisch-handwerkliche Umsetzung der Farblehren, die Wassily Kandinsky in seinen Kursen am Bauhaus vertrat und unterrichtete. Die Beschäftigung mit Farben, deren Zusammensetzung, Vermischungen und daraus folgende praktische Anwendungen nahmen im Œuvre vieler Bauhäusler einen breiten Raum ein, man denke nur an Johannes Itten, Benita Koch-Otte, Paul Klee, Joost Schmidt, Ludwig Hirschfeld-Mack mit seinen Farbenlichtspielen und Josef Albers. – Walter Köppe (1906–1973) studierte von 1927 bis 1931 in Dessau. Er besuchte den Vorkurs von Wassily Kandinsky sowie Kurse bei Laszlo Moholy-Nagy, Joost Schmidt und Oskar Schlemmer. Es folgten Ausbildungen in der Wandmalerei-Werkstatt bei Hinnerk Scheper und in der Bau-Abteilung von Hannes Meyer. – Im Entstehungsjahr der hier vorliegenden Arbeiten setzten sich in den am Bauhaus unterrichteten Farblehren zunehmend die wissenschaftlichen Auffassungen von Wilhelm Ostwald durch. Er unterschied zwischen »unbunten« und »bunten« Farben, ordnete erstere in einer sogenannten »Grauleiter« und benannte acht »Vollfarben« (vgl. hierzu den Artikel »Farbunterricht« von Britta Kaiser-Schuster in »Das A und O des Bauhauses«, Leipzig 1995, S. 206ff.). – In der aktuellen Bauhaus-Ausstellung der Berlinischen Galerie wird die Bedeutung von Schülerarbeiten, die bisher immer im Schatten der Meister und Lehrer standen, besonders gewürdigt.

Ränder minimal gebräunt, die Farben frisch und unbeschädigt.

279  Bauhaus – Walter Köppe. Farbspektren.

€ 1200

Vier collagierte Pastellkreidezeichnungen auf schwarzem Karton. 1927/28. 35,8 : 24,8 cm. Rückseitig signiert.

Neben Tempera und Gouache versuchte Walter Köppe auch, die Farbspektren in Pastellkreide umzusetzen. So konnte er die von Wilhelm Ostwald als »hellklar« bezeichneten Farben, die durch die Mischung der Grundfarben mit Weiß entstanden, besser darstellen.

280  Bauhaus – Walter Köppe. Konstruktionen von Schwarz zu Weiß.

€ 1200

Zwei bzw. fünf collagierte Zeichnungen (Tusche, Tempera, Kreide), auf zwei Kartonblättern. 1927/28. 36 : 25 cm. Rückseitig signiert.

Wilhelm Ostwalds »unbunte Farben«. – Nach seinen Auffassungen führte ein Mischen der acht Vollfarben mit verschiedenen Grautönen zu »hellklaren« und »dunkelklaren« Farbtönen. Ostwalds Farbpyramide erinnert, besonders durch die exakten Berechnungen der Mischungsverhältnisse, an ein Pendant, das Johann Heinrich Lambert 150 Jahre zuvor publiziert hatte (siehe KatNr. 532).

281  Bauhaus – Walter Köppe. Geometrische Kompositionen.

€ 1500

Zehn teils mehrfarbige Tuschfederzeichnungen auf vier Blättern, jeweils auf Karton montiert. 1927/28. 36 : 25 cm. Rückseitig signiert.

Die Zeichnungen in Blau-Schwarz, Grün-Schwarz und vier Farben auf chamoisfarbenem Zeichenkarton, jeweils auf dunklen Karton aufgezogen. – Dazu eine Umschlagmappe mit Widmung der Witwe des Künstlers, die alle vorliegenden Arbeiten 1987 verschenkte (siehe Kurzbiographie Walter Köppe in »Das A und O des Bauhauses«, S. 324).

282  Bauhaus – Herbert Bayer. Der Direktor. Bauhaus Dessau. Hochschule für Gestaltung.

€ 300 ( R19 )

Buchdruck in Rot und Schwarz. 14,8 : 21,0 cm.

Von Herbert Bayer entworfen 1926, also noch unter der Direktion von Walter Gropius. – Rückseitig Typoskript mit eigenhändiger Unterschrift »Raggi« (Livia Meyer, Tochter von Hannes Meyer und spätere Ehefrau von Felix Klee). Der Basler Architekt war 1927 ans Bauhaus berufen worden und löste 1928 Walter Gropius als dessen Direktor ab. Livia war fünf Jahre alt, als sie nach Dessau kam. Bereits 1930 verließ Hannes Meyer Dessau wieder und lebte die nächsten Jahre in der UdSSR, später kehrte er nach Basel zurück. Noch in Weimar hatte Livia Meyer Paul Klees Sohn Felix kennengelernt, den sie später heiratete. – Der undatierte Text, in konsequenter Kleinschrift wie vom Bauhaus propagiert, ist der abschließende dritte Teil einer Buchabschrift über die Erlebnisse eines »Gulo« und »Hunsakindern«. Raggi schließt : »ach, ich könnte dir das ganze buch abschreiben! salü, und geniess es noch recht! [eigenhändig mit Bleistift:] Raggi«.

283  Willi Baumeister – Stuttgarter und Berliner Sezession 4. Ausstellung

€ 400 ( R7 )

im Neuen Kunstgebäude am Schlossgarten, Mitte April bis Ende Mai 1927. Mit 26 ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur mit Vorderdeckel-Typographik, wohl nach Entwurf von Willi Baumeister.

Seltener Katalog, erschienen im Jahr, als der Deutsche Werkbund in Stuttgart mit der Ausstellung »Die Wohnung« die legendäre Weißenhofsiedlung präsentierte. Deren Drucksachen entwarf, wie auch den ganz ähnlichen Katalog zur 3. Ausstellung der Stuttgarter Sezession (1926), Willi Baumeister. Mit eigenen Arbeiten war Baumeister in der 4. Ausstellung nicht mehr vertreten. Nachdem er bei der Neubesetzung von vakanten Professorenstellen an der Stuttgarter Akademie übergangen worden war, folgte er dem Ruf von Fritz Wichert an die Kunstgewerbeschule Frankfurt am Main und verließ 1928 Stuttgart. – Tadellos erhalten.

15,5 : 11,4 cm. 34 Seiten, 26 Tafeln, 6 Anzeigenseiten.

Vgl. Kermer 28 und S. 73ff

284  Ausstellung Moderner Bildwirkereien.

€ 900 ( R7 )

bei J. B. Neumann und Guenther Franke. München Oktober 1930. Mit 15 Abbildungen im Heft und zwei auf dem Umschlag. Originalbroschur mit dem bedruckten Pergaminumschlag.

Seltener und wichtiger Ausstellungskatalog, der die Weberei als künstlerisches Ausdrucksmittel würdigte. Dieses Kunsthandwerk war nicht zuletzt durch die Werkstätten des Bauhauses etabliert worden, nicht von ungefähr dankt Ludwig Grote in seinem Vorwort den beiden Bauhauskünstlerinnen Gunta Stölzl und Anni Albers »für die Zusammenbringung des Materials«. Der Dessauer Kunsthistoriker Grote organisierte 1925 den Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau ebenso maßgeblich mit wie den späteren Wechsel nach Berlin. – In der Ausstellung wurden 59 Arbeiten gezeigt, unter anderem von Sophie Täuber-Arp, Ida Kerkovius, Ernst Ludwig Kirchner, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff, Gunta Stölzl, Ruth Hollos, Hans Arp und Fernand Léger. – Die Gestaltung wohl von Oskar Schlemmer, vgl. den von ihm gestalteten Katalog zur eigenen Ausstellung in der Berliner Galerie Flechtheim Januar 1931.

21,0 : 14,8 cm. [16] Seiten. – Pergaminumschlag mit zwei winzigen Fehlstellen am Rückenfalz.

Fleischmann S. 235 (dort ohne den bedruckten Pergaminumschlag)

285  Laszlo Moholy-Nagy – Ausstellung Walter Gropius.

€ 1800

Zeichnungen, Fotos, Modelle in der ständigen Bauweltmusterschau. Berlin 1930. Mit zahlreichen Abbildungen nach Fotografien und Zeichnungen. Originalbroschur.

Selten gewordener Ausstellungskatalog, gestaltet von Moholy-Nagy. Mit einem Vorwort von Max Osborn. – Nach seinem Ausscheiden in Dessau eröffnete Gropius 1928 in Berlin ein eigenes Architekturbüro. In der Ausstellung im Schinkelsaal des Berliner Architektenhauses wurden u. a. die frühen Fagus-Werke, Wohnbauten und Möbel sowie die Siedlungen Dammerstock und Siemensstadt vorgestellt. – Mit montierten Bildstreifen und typographischen Elementen in und Rot und Schwarz. – Rückseitig Besitzvermerk Fritz Ramge (Maler, 1907–1980).

14,8 : 21,0 cm. [16] Seiten. – Einriss am Rückenfalz unauffällig hinterlegt.

286  Herbert Bayer – Anbaumöbel.

€ 700 ( R7 )

Entwurf: Walter Gropius, Prof. Dr. e.h. Berlin [1930].

Werbefaltblatt für die von Walter Gropius entworfenen modularen Möbel der Firma Feder, Berlin. – Von Herbert Bayer entworfenes gefaltetes Doppelblatt mit 13 Abbildungen, außen rein typographisch gestaltet. – 1928 hatte Gropius das Bauhaus verlassen und Hannes Meyer als Nachfolger dessen Leitung übernommen. Gropius selbst eröffnete in Berlin ein Entwurfsbüro. Seine Möbel wurden 1931 in der Werkbundausstellung in Paris gezeigt. – Typographisch signiert: »typo herbert bayer dorland«. – Im Werkkatalog und MoMA wird nur die dazu gehörige Broschüre verzeichnet. – Sehr selten.

14,8 : 21,0 cm. [4] Seiten. – Horizontale geglättete Knickfalte.

Vgl. Rössler F-01 und MoMA 564.1999

287  Laszlo Moholy-Nagy – Drei Werbebroschüren und -flyer für das Jenaer Glaswerk Schott & Gen.

€ 300

Jena um 1932.

Preisliste für feuerfestes Jenaer Glas. 23,7 : 18,0 cm. Sechsseitiges Leporello. Ohne Musternummer, die geradlinigen Formen verweisen auf frühe Entstehung. Erstes Blatt mit Ausriss am Unterrand. – Kochen ohne Schale im Jenaer Eierkoch. A5, beidseitig bedruckt, vorn in Gelb und Schwarz. 5071 Eg. – Direkt vom Feuer auf den Tisch. Farbiges Leporello. A5 quer, 6 Seiten. 5500 Eg.

288  Laszlo Moholy-Nagy – Fünf Werbebroschüren und -flyer für das Jenaer Glaswerk Schott & Gen.

€ 750

Jena um 1932.

Trotz sicher ursprünglich hoher Auflagen heute sehr selten geworden und von ephemerem Charakter. – Die Faltblätter und Leporellos bilden herausragende Beispiele der werbegraphischen Tätigkeit von Laszlo Moholy-Nagy (vgl. Krisztina Passuths Monographie, dort mit Abbildungen). – Zum Jenaer Glaswerk kam Moholy-Nagy auf Empfehlung seines Bauhauskollegen Wilhelm Wagenfeld, der bereits seit 1931 für das Unternehmen tätig war. Die Zusammenarbeit währte auch über Moholys Emigration nach Amsterdam (1934) bzw. London (1935) hinaus und endete erst, als er 1937 die Leitung des »New Bauhaus« in Chicago übernahm. – Vorliegend: Kochen ohne Schale im Jenaer Eierkoch. A5, beidseitig bedruckt, vorn in Gelb und Schwarz. 5071 Eg. – Feuerfestes Jenaer Durax-Glas. Farbige Broschüre. A5 quer, 36 Seiten. 5142 Eg. – Der Jenaer Eierkoch in geschmackvollen Geschenkpackungen. A5, einseitig bedruckt in Gelb und Schwarz. 5211. – Direkt vom Feuer auf den Tisch. Farbiges Leporello. A5 quer, 6 Seiten. 5290 Eg. – Altvertraute Formen aus feuerfestem Jenaer Glas. A5, beidseitig bedruckt, vorn in Rot und Schwarz. 5499. – Alle sehr gut erhalten.

289  Bauhaus – Günter Hirschel-Protsch. Hispro-Stahlmöbel.

€ 1500

Leporello mit 37 Abbildungen. 21 : 14,8 (bzw. 59,5 cm). Breslau 1931.

Musterkatalog mit Preisliste (»gültig ab 15. Mai 1931«). – Die Entwürfe stammen von Günter Hirschel-Protsch, einem Bauhausstudenten, der nach Südamerika emigrierte und dort bereits 1936 verstarb. – Der mustergültig gestaltete Katalog beinhaltet Sessel, Hocker, verschiedene Tische und Büffets. – Der Architekt übernahm auch den Vertrieb seiner Möbel.

Die Preisliste an der Perforierung abgetrennt.

290  Albert Renger-Patzsch. Die Welt ist schön.

€ 250

Einhundert photographische Aufnahmen. Herausgegeben und eingeleitet von Carl Georg Heise. München, Kurt Wolff 1928. Mit 100 Tafeln. Flexibler blauer Originalleinenband, Deckelvignette und Rückentitel in Silberprägung. Mit dem Originalschuber.

Erste Ausgabe. – Eins der wichtigsten Fotobücher der klassischen Moderne, es vereint Natur- und Makrofotografien, Architekturmotive und Porträts, einige Aufnahmen entstanden in den FAGUS-Werken. – Carl Georg Heise, damals noch in Lübeck tätig, veranstaltete 1929 eine der ersten großen deutschen Fotoausstellungen unter Beteiligung von Renger-Patzsch. – Der Einbandentwurf stammt von Alfred Mahlau. – Leider ohne Schutzumschlag, dafür mit dem seltenen bedruckten Originalschuber des Verlages.

28,8 : 22,0 cm. 21, [3] Seiten, 100 Tafeln.

Autopsie II, 284ff (Abb. auf 288). – Koetzle 323. – Parr/Badger I/97. – Katalog »die abstrakten hannover« KatNr. 151 (Abbildung)

291  Johannes Molzahn – Die Welt der Pflanze.

€ 200

Herausgegeben von Ernst Fuhrmann. Band II: Crassula. Berlin, Auriga 1924. Mit 40 blattgroßen Abbildungen nach Fotografien von Albert Renger-Patzsch. Nach Entwurf von Johannes Molzahn illustrierter Originalpappband.

Erste Ausgabe. – 1923 hatten Ernst Fuhrmann und der Fotograf Albert Renger-Patzsch den kunstsinnigen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt als Mäzen des Folkwang-Verlages gewinnen können. Der Verlag ging dennoch in Konkurs und Fuhrmann gründete den Auriga-Verlag als Nachfolgeunternehmung. In seiner ersten Aufsatzpublikation im »Deutschen Camera-Almanach« berichtete Renger-Patzsch von seinem neuen Betätigungsfeld, der Pflanzenfotografie und illustrierte dies u. a. mit einer Crassula-Fotografie, die sich im hier vorliegenden Band als Tafel 21 wiederfindet. »Die Fotografien des Verlagsarchivs wurden […] anonym publiziert. Stilistisch und durch den Abgleich mit Parallelpublikationen lässt sich Albert Renger-Patzsch dennoch klar als der maßgebliche Fotograf zumindest der ersten beiden dieser Bände ausmachen […]« (Rainer Stamm, in Autopsie). Nach dem Bildmaterial in »Autopsie« erschien nur die erste Bindequote mit der Einbandgestaltung von Johannes Molzahn.

27,3 : 18,8 cm. 56 Seiten. – Minimal fleckig.

Autopsie I, S. 91 (Abb. 8) und S. 92ff. – Heidtmann 14468

292  Johannes Molzahn – Gestaltung, Gestaltung. Zur schlesischen Arbeitsgemeinschaft für Zeichen- u. Kunstunterricht.

€ 1200

Montage: Georg Nerlich. Text: Werner Panitz. Breslau 1928. Mit zahlreichen Illustrationen. Illustrierte Originalbroschur.

Sehr seltener Privatdruck, erschienen anlässlich einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft im Oktober 1920. – Georg Nerlich (1892–1982) studierte in Breslau und war seit 1920 Mitglied im Schlesischen Künstlerbund und Deutschen Werkbund. Werner Panitz (1905–1979) hatte in Breslau bei Otto Müller studiert, um 1928/29 ließ er sich zum Kunsterzieher ausbilden. Sein Text erörtert die Förderung künstlerischer Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen. – Die außergewöhnlichen Illustrationen, die wohl beispielhaft Arbeiten von Schülern verschiedener Altersstufen vorstellen, wurden in Linol- oder Holzschnitte umgesetzt. Dass Johannes Molzahn, der 1928 aus Magdeburg in den schlesischen »Hot-Spot« Breslau berufen wurde, an der Gestaltung der Broschüre beteiligt war, kann vermutet werden. Zumindest referierte er am ersten Tagungsabend über »Die Grundlagen der Gestaltung«, am zweiten Abend sprach Grohmann über »Paul Klee und die neuen Wege in der Kunst«. Neben Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht wurde auch die Paul Klee-Ausstellung im Museum der bildenden Künste besichtigt. – Der Vortrag Molzahns wird in dessen eigenem Verzeichnis seiner Arbeiten erwähnt (vgl. Salzmann/Güse, Duisburg 1977, S. 121).

24,3 : 25,0 cm. [20] Seiten. – Umschlag leicht fleckig. – Letztes Blatt mit kleinem Falzeinriss.

293  Johannes Molzahn – Staatliche Akademie fuer Kunst und Kunstgewerbe Breslau.

€ 400

Ausstellung der Studierenden vom 11. Juni bis 6. Juli 1930. Breslau 1930. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur.

Seltener und wichtiger Katalog, in Bauhaus-Typographie gestaltet von Johannes Molzahn (1892–1965). Von 1923 bis 1928 lehrte Molzahn in Magdeburg und war u. a. Graphiker der berühmten Fagus-Werke. 1928 wurde er nach Breslau berufen, wo er Fachlehrer für Graphik an der hier vorgestellten Akademie wurde. – Mit einem Vorwort von Oskar Moll, dem Direktor des Akademie, und Textbeiträgen der beiden Fachlehrer Molzahn und Schlemmer. – Einige Monate zuvor hatte Molzahn den Katalog zur Ausstellung von Arbeiten des Lehrkörpers gestaltet. – Der Katalog wird in Molzahns eigenem Verzeichnis seiner Arbeiten erwähnt (vgl. Salzmann/Güse, Duisburg 1977, S. 121, Abb. auf S. 21).

18,8 : 18,8 cm. 20 Seiten. – Minimal fleckig.

294  Lucian Bernhard und Fritz Rosen – Reklameschau.

€ 200

Anzeigenwerbung. Doppelblatt, Farblithographie und Buchdruck. 1929. 20 : 20 cm.

Überzeugender Entwurf aus dem Atelier Bernhard/Rosen. – Einladung zur Anzeigenschaltung im Ausstellungskatalog und -führer der »Reklameschau«, die im September 1929 in Berlin stattfand. – Lucian Bernhard (1883–1972) war eine der wichtigsten Figuren der deutschen Plakatkunst. Er zählte Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur zu den stilistischen Erneuerern, er begründete mit »Das Plakat« auch eine der wichtigsten Publikationsreihen. Ab 1925 arbeitete er vorrangig in den USA, sein Atelier in Berlin führte bis 1933 Fritz Rosen (1890–1980) weiter. – Dazu: Faltblatt mit Plan des Ausstellungsgeländes und Veranstaltungsliste. Vorderseite mit dem Bernhard/Rosen-Logo. – Eine Beigabe.

Minimal geknickt.

295  Bata-Zlin – Vier Fotomontagen.

€ 500

(Vintages, Silbergelatine, rückseitig mit Postkartenaufdruck). Um 1930. 9,0 : 14,0 cm.

Werksgebäude mit Flugzeug. – Motorradrennen. – Businessstadt Zlin. – Werksgelände mit Bata-Porträt. – Seltene Originaldokumente der berühmten Bata-Fabrik im tschechischen Zlin, die als Schuhfabrik gegründet und gewachsen war, später aber auch Reifen und ab Mitte der 1920er Jahre sogar Sport- und Kleinflugzeuge produzierte. – Das Unternehmen war von der Gesamtkonzeption eines der modernsten Europas, was sich in Architektur, Arbeitsorganisation aber auch einem, den Bauhausideen verpflichteten, Werbeauftritt widerspiegelt. Auch kulturelle und soziale Einrichtungen wie z. B. ein großes Kino sowie Wohnhäuser im Bauhausstil für die Arbeiter wurden errichtet. – Sehr gut erhalten, teils als Postkarte genutzt.

296  A. Harry und L. Cassil. Potolok mira.

€ 400

The Ceiling of the World. Le plafond du monde. Die Decke der Welt. Moskau, Sovjetskaja Literatura 1934. Mit zahlreichen Abbildungen. Originaleinband mit Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Text in Russisch, Titelblatt viersprachig. – Reich illustriertes Werk zur Luftfahrt, speziell über Ballonfahrten, aber auch mit futuristischen Ausblicken auf die Raumfahrt. – Neben der Elektrifizierung (Lenin: »Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes«) war der Ausbau des Flugwesens ein weiteres hochtrabendes Ziel der neuen Machthaber in Moskau. Entsprechend hochrangig sind die Einleitungstexte unterschrieben: Stalin, Molotow, Kalinin, Verteidigungsminister Woroschilow u. a. – Schon zeitgenössische Schriftsteller wie Michaeil Soschtschenko witzelten über diese Bemühungen (siehe oder höre »Agitator« (1923, deutsch: »Die Kuh im Propeller«).

26,4 : 20.2 cm. 129, [3] Seiten. – Rücken erneuert, Kanten etwas bestoßen. – Minimal fingerfleckig.

297  Stuttgart 1940.

€ 100

Fotomontage (Vintage, Silbergelatine, rückseitig mit Postkartenaufdruck). 1930. 9,0 : 13,8 cm.

Antizipation auf die Planungen zu »Stuttgart 21«. – In eine Fotoansicht der Stadtsilhouette wurden zahlreiche Hochhäuser einmontiert, der Bildvordergrund wird dominiert vom visionär aufgestockten Stuttgarter Bahnhof als »Zeppelin-Bahnhof« mit einem Riesenluftschiff »Stuttgart – New York«, daneben Flugzeug-Parkplatz und Raketen-Flugzeug-Haltestelle. Am Himmel kreuzen Dornier-Flugboote, Zeppelin 3001 und ein Ballon. Abgebildet ist auch der seinerzeit mit großem Interesse beachtete Tagblatt-Turm, der erste Hochhausbau in Stuttgart. – Rückseitig als Postkarte benutzt, Poststempel 6. III. 1930. – Tadellos erhalten.

298  Bolschewisierung der Partei.

€ 450

Brandler-Thalheimer-Radek contra Thälmann-Maslow-Ruth Fischer. Herbst 1923. Ohne Ort, Verlag und Jahr [1924/1925?]. Originalbroschur mit Titelbild.

Sehr selten. – Dokumente einer Tagung des Zentralausschusses der KPD, Vertretern der Kommunistischen Internationale und des Exekutivkomitees (EKKI) im Januar 1924, also noch vor Lenins Tod. – Verhandelt wurden u. a. die in Sachsen und dem Saarland 1922/23 entstandenen KPD-SPD-Koalitionsregierungen und die Gründe für das Scheitern des Hamburger Aufstands im Oktober 1923. Nachdem Karl Radek seinen Aufruf zur Übernahme mehrerer deutscher Großstädte durch KPD-Stoßtrupps kurzfristig verschoben hatte, diese Nachricht aber nicht nach Hamburg gelangte, scheiterte die dortige Erhebung schon im Ansatz und führte zur Verfolgung bzw. Verhaftung der Gruppe um Ernst Thälmann. – Das vorliegende Exemplar mit einem maschinengeschriebenen »Vorwort«, einer Schilderung der Verwerfungen innerhalb der KPD bis in den Sommer 1925. – Wir konnten wie KVK nur ein Exemplar in der Europauniversität Viadrina Frankfurt/Oder nachweisen, ein weiteres in der UB Freiburg/Br. ist dort nicht auffindbar. Beide erwähnen in der Kollation die Vorrede nicht.

21,2 : 14,8 cm. [4], 121, [1] Seiten (falsch paginiert). – Rücken mit kleinen Einrissen und handschriftlich betitelt. – Innen gelegentlich leicht fleckig, 1 Blatt mit Randeinrissen.

299  Führer durch die Ausstellung »Entartete Kunst«.

€ 200

Berlin, Verlag für Kultur- und Wirtschaftswerbung [Ende 1938]. Mit 59 Abbildungen. Originalbroschur.

Zweite von drei Ausgaben des Ausstellungsführers durch die berüchtigte Wanderausstellung des NS-Propagandaministeriums, die in zeitlicher und räumlicher Nähe zur »Großen Deutschen Kunstausstellung« im Münchner Haus der Kunst eröffnet und aufgrund des großen Erfolgs auch in anderen Städten gezeigt wurde. – Mit einer Einleitung sowie Presse- und Redeausschnitten. – Für die neue Ausgabe hatte Richard Haizmann offensichtlich erfolgreich gegen die Bezeichnung »Jude« protestiert. Drei Textstellen wurden gegenüber der Erstausgabe von 1937 verändert. – Auf Kunstdruckpapier. – Ein Großteil der Exponate wurde 1939 durch die Galerie Fischer in Luzern versteigert. – Tadellos.

20,7 : 14,8 cm. 30, [2] Seiten.

300  John Heartfield – Drei Fotomontagen.

€ 750

Offsetdrucke, rückseitig mit Postkartenaufdruck. Um 1942. 8,7 : 14,0 cm. In der Darstellung monogrammiert “JH”.

Ediert von Hilborn Novelty Adv., New York. – Reveille for Us – Taps for them. Ein amerikanischer G.I. bläst Hitler, Mussolini und Tōjō Hideki buchstäblich den Marsch. Motiv A4. – II. Quick! Get Cohen my Lawyer. Hitler in der Gefängniszelle. Motiv A29. – III. The Bowl Gazer. Hitler spiegelt sich im Toilettenbecken. Motiv A42. – John Heartfield, der die Fotomontage als Propagandamittel bereits in den 1920er Jahren in Zeitschriften und Büchern eingesetzt hatte, stellte seine Kunst auch im Londoner Exil in den Dienst der Sache. Seit 1943 war er Mitglied des »Freien Deutschen Kulturbundes« in London (siehe KatNr. ## 499). – Alle unbenutzt und sehr gut erhalten.