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Architektur, Bauhaus, Typographie | Hesse-Auktionen
Architektur, Bauhaus, Typographie

131  Tapeten-Neuheiten 1904.

€ 1800 ( R7 )

Tapetenmusterbuch der Firma Jerk & Schuschitz, Wien. Ca. 240 Originalmuster, je 33,5 : 40,0 cm. Originallleinenband mit Reliefarbeit auf dem Vorderdeckel.

Reiche Auswahl an Mustern, Oberflächen und Farben, darunter raffinierte florale Jugenstildekore und aufwändige Goldprägungen, ebenso aber sehr moderne, fast monochrome Tapeten. – Innendeckel mit mehreren Einklebungen: Firmensignet, Hinweisschild zu Preisen und deren Gültigkeit sowie Werbung für das auf dem Einband applizierte Material »Anker-Lincrusta«. – Ebenso umfangreich und vielfältig wie selten. Nur eine weitere Ausgabe (1905, weniger vollständig) konnten wir nachweisen (Thomas J. Watson Library).

34,0 : 48,0 cm. – Einband etwas fleckig, Hinterdeckel mit Farbspuren und berieben. – Es fehlen 2 Muster am Anfang. – Die ersten 6 Blätter mit Knickfalte, wenige Muster mit schmalem Abschnitt am Seitenrand, eins mit Abriss (wohl alle zur Bemusterung).

132  Henry van de Velde – Jacques Mesnil. Henry van de Velde et le Théatre des Champs Elysées.

€ 400

Brüssel und Paris, G. van Oest [1914]. Mit zwölf Abbildungen. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Mit eigenhändiger Widmung van de Veldes für den deutschen Architekten Adolf Behne in französischer Sprache. Dies ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen war van de Velde nach Kriegsausbruch aus Belgien wieder nach Weimar zurückgekehrt, wo er nun von einigen Seiten als Ausländer angegriffen wurde, zum anderen hatte er sich aus Anlass der Kölner Werkbund-Ausstellung 1914 scharf gegen die (auch von Behne propagierte) »Typisierung« in der Architektur gewandt. – Das Maiheft der Monatsschrift »L’Art Flamand & Hollandais« hatte van de Veldes Projekt für das legendäre Theater an der Champs Élysée vorgestellt, bei dem er sich nicht, wie zunächst beauftragt, nur auf die Innendekoration beschränkte, vielmehr entwarf er auch eine neue Fassade. Während der Ausführungen gewann der von van de Velde beauftragte Auguste Perret mehr und mehr Einfluss. – Die vorliegende Publikation enthält auch die Einlassungen von Perret und die Erwiderungen der Redaktion. Ob die dortigen Anstreichungen von Henry van de Velde stammen, kann nur vermutet werden. – Aus dem Nachlass des Berliner Architekten Paul G. R. Baumgarten (1900–1984), mit dessen Stempel auf dem Vorsatzblatt.

29,5 : 21,3 cm. 32, 5, [1] Seiten. – Umschlag gelockert und am Rücken brüchig. Erste und letzte Seite gebräunt.

133  Architektur – Jean Virette. Façades et détails d’architecture moderne.

€ 120

Paris, Alexis Sinjon 1927. 48 Lichtdrucktafeln mit meist ganzseitigen Abbildungen nach Fotografien. Mit Textdoppelblatt in roter Originalhalbleinenmappe.

Beeindruckende Ansichten Pariser Fassaden des Art Deco, der Stilrichtung, die nach der namensgebenden »Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes« (Paris 1925) den Siegeszug durch alle Zweige der angewandten Kunst antrat. – Die schönen Lichtdrucke entstanden bei Catala Frères, Paris, nach Fotografien von elf Bauten der zehn beteiligten Pariser Architekturbüros.

33,5 : 25,5 cm. – Gelenk etwas angeplatzt. – Titelblatt an den Rändern gebräunt.

134  Architektur – Adolf Behne. Eine Stunde Architektur.

€ 400

Stuttgart, Akademischer Verlag Dr. Fritz Wedekind 1928. Mit zahlreichen Abbildungen. Mit Fotomontage farbig illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Der Architekt Adolf Behne (1885–1948) war Mitglied des Deutschen Werkbunds und zusammen mit führenden Berliner Kollegen Mitglied der 1925 gegründeten Architektenvereinigung »der ring«, die gegen die offizielle konservative Kulturpolitik ankämpfte. Behne war einer der wichtigsten Wortführer der Avantgarde. – Das populäre Buch stellt historische und moderne Architektur gegenüber. – Den Umschlag entwarf Max Fischer, Berlin.

24,3 : 17,8 cm 64 Seiten. – Vorderdeckel lichtrandig.

Jaeger 487

135  Architektur – Siegfried Thiel. Entwurfszeichnungen, Modellfotos, Texte.

€ 450

Braunschweig und Hamburg 1951–1954.

I. Diorama für die Constructa Bauausstellung Hannover 1951. Acht teils farbige Zeichnungen, fünf Fotografien. Lose in Kunstledermappe mit montierter Deckelzeichnung. Noch als Student an der TH Braunschweig entwarf Thiel, wohl für die Lampenfabrik Philips, ein ungewöhnliches Diorama, das innenarchitektonische Einblicke gewährte. – II. Sammelmappe mit etwa 50 Originalzeichnungen, Modellfotografien und Pressestimmen. Enthält u. a. Entwürfe zu einer Skihütte im Harz (Braunschweig, Januar 1951), Fotos von Arbeiten Thiels für die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (Vitrine, Stühle, Schaukasten), ein Studentenzimmer mit dem Schreibtisch »Braunschweig« (Ergebnis eines Wettbewerbs 1951), Modell eines Einfamilienhauses (Hamburg November 1953) u. a. – III. Das Ornament und die Flächengestaltung in der heutigen Architektur. Bild- und Textsammlung, zusammengestellt von Siegfried Thiel, Hamburg, Februar 1954. Ca. 80 Seiten mit zahlreichen eingeklebten Fotografien, Illustrationen und, teils illustrierten, Typoskriptseiten. Thiel erläutert anhand zahlreicher Bildbeispiele zeitgenössischer Architektur die Verwendung von Ornamenten in verschiedenen Bereichen (Fassade, Dach, Fußböden, Tapeten, Textilien, Möbel). Die zahlreichen Bilder, teils aus anderen Publikationen ausgeschnitten, und sein Typoskript montierte er auf farbige Kartonblätter. In schwarzer Klemmmappe. – Insgesamt eindrucksvolle Sammlung von Bildbeispielen der modernen Architektur und Innenarchitektur der 1950er Jahre in Deutschland.

Zwei Mappen A4, letztere im A3-Format. – Alle sehr gut erhalten.

136  Line Vautrin.

€ 250

Poesie in Metall. Sammlung Anne Bokelberg. Hamburg 2003. Mit mehr als 170 Farbabbildungen, davon 23 ganzseitig auf Tafeln montiert. Roter Originaleinband, Titelzeile in Gold gedruckt.

Eins von 600 Exemplaren. – Erschienen anlässlich der Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe im Frühjahr 2003. – Idee und Konzeption der Sammlerin. Mit Einleitungen von Wilhelm Hornbostel und Rüdiger Joppien, der auch die wissenschaftliche Bearbeitung des Kataloges übernahm. – Die Sammlung umfasst 145 Schmuckstücke der berühmten Künstlerin Line Vautrin (1913–1997).

28,7 : 22,5 cm. 171, [1] Seiten.

137  El Lissitzky – Wendingen.

€ 2000 ( R7 )

Serie IV, Heft 11. Sonderheft Frank Lloyd Wright. Amsterdam, De Hooge Brug 1921. Mit 18 Abbildungen sowie illustrierten Anzeigen. Originalbroschur mit der zweiteiligen Farblithographie von El Lissitzky auf Vorder- und Hinterumschlag, die gestalterisch eine Einheit bilden.

Als Einzelheft in der Originalbroschur mit der berühmten Farblithographie von El Lissitzky, die in buchgestalterischer Hinsicht zu seinen Hauptwerken zu zählen ist. – Eins von insgesamt sieben Frank Lloyd Wright-Heften der von H. Th. Wijdefeld u. a. herausgegebenen Kunst- und Architekturzeitschrift »Wendingen«. – Der Text stammt von H. P. Berlage. – Mit zahlreichen Abbildungen von Bauten des amerikanischen Architekten und vielen Anzeigen. – Als Blockbuch gebunden und mit Bastkordel geheftet.

33,0 : 33,0 cm. 38 Seiten. – Ränder etwas gebräunt und berieben. Umschlag etwas fleckig. Einriss (3,5 cm) unten im Vorderumschlag. – Exlibris auf dem Titelblatt.

Lissitzky-Küppers Abb. 70. – Rowell/Wye 346. – Katalog Kurt Schwitters Merzgebiete, S. 142 mit farbiger Abbildung

138  Gerhard Marcks. Das Wielandslied

€ 3000

der älteren Edda in der Übersetzung von R. Simrock. Holzschnitte von Gerhard Marcks. München-Weimar, Bauhaus-Verlag 1923. Zehn Holzschnitte, zwei monogrammiert und datiert, einer betitelt. Mit dem Titelblatt mit Holzschnitt-Signet lose in Originalhalbpergamentmappe (Otto Dorfner).

Erstes Mappenwerk von Gerhard Marcks. – Die vollständige Folge, acht Holzschnitte auf gelblichem Japan-, zwei auf geripptem Büttenpapier. – Der erste Holzschnitt monogrammiert, datiert und betitelt »Die Walküren«, der neunte monogrammiert, datiert und mit »IX« bezeichnet. – Anstelle des vierseitigen Textblatts liegt hier ein vom Künstler eigenhändig so bezeichneter »Musterbogen für den Satz« mit einigen Anmerkungen vor. Die Korrekturangabe »groß groß« beim Titel wurde für die endgültige Fassung berücksichtigt (vgl. Abbildung Lammek S. 77). – Alle Holzschnitte auf Büttenkartons (34 : 25 cm) montiert, das Titelblatt 32 : 25 cm. – Die Mappe mit Spritzdekorpapier bezogen und mit Schwarz gedrucktem Titel wie bei Lammek abgebildet, eine Variante wurde von Anny Wottitz typographisch gestaltet. Innendeckel und Mappenflügel mit dunkelblauem Stempeldruckpapier. – »Das schönste Dokument der Begegnung dieses Künstlers mit dem Expressionismus ist die von Otto Dorfner gebundene Mappe mit den zehn Holzschnitten zum Wielandslied der älteren Edda […], die in 110 Abzügen auf der Handpresse im Staatlichen Bauhaus zu Weimar gedruckt worden sind. Ihr Stil erinnert an die naiven Illustrationen alter Märchen« (Lang, Expressionistische Buchillustration, S. 26). – »Nicht nur wegen der hohen Auflage, sondern auch wegen ihres in den Auseinandersetzungen am Bauhaus nahezu programmatischen Charakters, besitzt die Graphikfolge ›Das Wielandslied‹ […] ein besonderes Gewicht im Frühwerk.« (Lammek, S. 24). – Unikates Exemplar in einer frühen Fassung.

35,8 : 29,8 cm. 10 Holzschnitte, 1 Blatt. – Titelblatt und einige Kartonblätter, teils auch die Holzschnitte, mit wenigen kleinen Stockflecken. Titelblatt mit schwachen Knickspuren.

Lammek H 77.1–11. – Katalog Lindenau-Museum 3014-3023. – Vgl. A und O des Bauhauses, Kat. 137, Abb. 23

139  Bauhaus Drucke Neue Europäische Graphik.

€ 1200

5te Mappe = Deutsche Künstler. 1923.

Exemplar 93/100. – Enthält alle drei lithographierten Textblätter von Lyonel Feininger: Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und den auf den hinteren Innendeckel montierten Druckvermerk mit dem neuen Bauhaus-Signet von Oskar Schlemmer in Gold, darüber der Widmungstext, als Schlusszeile die Nummerierung. Titel und Inhalt auf Van Gelder-Bütten. – Die Blätter liegen in der Originalhalbpergamentmappe, deren Deckel mit dem getupftem Papier von Josef Albers bezogen sind. – Die Bauhaus-Mappen erschienen 1922 und 1923 bei Müller & Co. in Potsdam mit insgesamt 52 Graphiken, jeweils 100 Exemplare auf Bütten und zehn auf Japan. – »Lyonel Feininger sorgte als künstlerischer Leiter der Druckerei für die Ausstattung der Bauhausmappen, die die größte Leistung dieser Werkstatt darstellen.« (A und O des Bauhauses).

57,5 : 46,0 cm. – Teils etwas berieben. – Die beiden losen Blätter mit Knickfalten und je einem Randeinriss.

A und O des Bauhauses, vgl. KatNr. 121, Abb. 7

140  Joost Schmidt – Junge Menschen. Sonderheft »Bauhaus Weimar«.

€ 450

Monatshefte für Politik, Kunst, Literatur und Leben aus dem Geiste der jungen Generation. Herausgegeben von Walter Hammer. Jahrgang 5, Heft 8. Hamburg, November 1924. Mit 15 Abbildungen. Originalbroschur.

Das Titelblatt und Layout dieses Sonderhefts entwarf Joost Schmidt, auf der letzten Seite typographisch signiert. – Das bedeutende Heft mit Beiträgen von Josef Albers, Wilhelm Wagenfeld, Ludwig Hirschfeld-Mack und Abbildungen verschiedener Bauhaus-Bauten von Gropius und Molnar, Möbeln (Albers, Breuer, Wagenfeld), dem Bauhaus-Schachspiel u. a. m. – Zu Schmidts wichtigsten graphischen Entwürfen gehören neben diesem Sonderheft die Neugestaltung der Werkbundzeitschrift »Die Form« und vor allem das berühmte Bauhausheft von »Offset« (siehe die KatNr. 141). Für die Firma Paul Henss in Weimar entwarf er das Ÿko-Label.

30,3 : 22,2 cm. [24] Seiten (=179–192). – Papierbedingt etwas gebäunt und mit kleinen Randeinrissen.

A und O des Bauhauses Kat. 130, Abb. 74 (in schlechterem Zustand als hier). – Fleischmann 91–93

141  Joost Schmidt – Offset –

€ 1000

Buch- und Werbekunst. Das Blatt für Drucker, Werbefachleute und Verleger. Jahrgang 1926, Heft 7. Bauhaus-Heft. Leipzig 1926. Mit 18 teils farbigen Tafeln und zahlreichen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Das legendäre Bauhaus-Heft der Leipziger Zeitschrift »Offset«. – Der von Joost Schmidt entworfene Umschlag wurde bei C. Dünnhaupt, Dessau, mit neun (!) Farben gedruckt. Er zierte 2010 den MoMA-Katalog »Bauhaus – Workshop for Modernity«. – Den Bauhaus-Teil des Hefts konzipierte Moholy-Nagy. Buchschmuck und Typographie des zweiten Teils stammen von Otto Horn. – Das Heft enthält Beiträge von Walter Gropius, Marcel Breuer, Moholy-Nagy, Josef Albers, Herbert Bayer, Gunta Stölzl und Oskar Schlemmer, auf 13 Tafeln und vielen Abbildungen werden Arbeiten des Bauhauses vorgestellt, wobei der Schwerpunkt auf Typographie und Design liegt (u. a. Joost Schmidt »Ÿko«, Moholy-Nagy »Bauhaus-Bücher«, Herbert Bayer »Reklame«), ergänzt um architektonische und kunsthandwerkliche Projekte sowie Malerei und Graphik. – Der zweite Teil enthält Texte und Bilder zum Druckgewerbe.

30,7 : 23,3 cm. [4], 353–428, [20] Seiten. 18 Tafeln. – Umschlagränder etwas unfrisch, Rücken mit restaurierten Fehlstellen. – Ränder innen teils leicht fingerfleckig.

A und O des Bauhauses 131, Abb. 266/267. – Wingler S. 426. – Fleischmann S. 313. – Lang, Konstruktivismus S. 53

142  Carl Ernst Hinkefuss – 10 Jahre deutsche Werbe-Graphik.

€ 300

Herausgegeben von Carl Hinkefuß. Berlin, Internatio GmbH 1923. Mit zahlreichen, teils farbigen und montierten, Abbildungen. Orignalhalbleinenband mit farbig illustriertem, montiertem Deckelbild..

Unnummeriertes Exemplar einer kleinen Auflage. – Üppig ausgestattete Übersicht zum Schaffen von Carl Ernst Hinkefuss (1881-1970), der mit dem Gebrauchsgraphiker Wilhelm Deffke von 1916 bis 1920 in ihrem gemeinsamen Büro »Wilhelmwerk – Pflegestätte Deutscher Werkkunst« tätig war. 1919 wurde Hinkefuß Mitglied im Deutschen Werkbund, ab 1920 gab er die Zeitschrift »Qualiät« heraus und gründete im selben Jahr eine Reklameagentur. Im Zentrum seiner Tätigkeit stand der Entwurf von Markenzeichen als Grundlage aller geschäftlichen Werbemedien. Rund 400 Originalentwürfe von Schutzmarken und Firmenzeichen sind in seinem Nachlass erhalten geblieben. – Dazu: Die Reklame. Zeitschrift des Verbandes deutscher Reklamefachleute. 20. Jahrgang, 1927. Mit zahlreichen, teils farbigen und montierten Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur. – Eine Beigabe.

34,6 : 33,1 cm. 97, [3] Seiten. – Einband fleckig. – Papierbedingt gebräunt.

143  Walter Dexel. Willst Du wie dieser sein […] Du kannst aber durch Körperpflege und Leibesübungen das erreichen.

€ 450

Werbeplakat. Buchdruck. 29,7 : 42,0 cm.

Werbeplakat für Sportverbände in der Ortsgruppe Magdeburg. – Typographisch signiert: »Satzanordnung Kunstgewerbeschule Magdeburg«. An diese Hochschule war Walter Dexel, nach erfolgreichen Jahren in Jena, 1928 als Dozent für Gebrauchsgraphik und Kulturgeschichte berufen worden. – Sehr selten.

Mit Faltspuren.

144  Franz Roh. Nach-Expressionismus.

€ 150

Magischer Realismus. Probleme der neuesten europäischen Malerei. Leipzig, Klinkhardt & Biermann 1925. Mit 92 Abbildungen auf 89 Tafeln. Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – »Unter anderem die wichtigste Arbeit über die Malerei der ›Neuen Sachlichkeit‹ […] Hervorragendes Abbildungsmaterial« (Bolliger). – Mit diesem Werk prägte der Kunsthistoriker und Publizist den Begriff des »Magischen Realismus« (»Auf den Titel legen wir keinen besonderen Wert. Da das Kind aber wirklichen Namen haben mußte und ›Nachexpressionismus‹ nur Abstammung und zeitlicher Beziehung ausdrückt, fügten wir […] jenen zweiten hinzu« (Vorwort). – Beilage: Bestellkarte »Junge Kunst«.

22,5 : 16,0 cm. [8], 134 Seiten, [45] Blätter. – Etwas berieben, Deckelränder gebräunt. – Vorderes Innengelenk gelockert, Besitzvermerk.

Dokumentations-Bibliothek VI, 611

145  Der Weg. Die Schrift [der] Schule. Der Weg.

€ 750

Aus den Lehrwerkstätten. Herausgeber Edmund Kesting [und] Lothar Schreyer. Dresden [1926]. Mit fünf Holzschnitten und zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur mit zwei Linolschnitten auf dem Umschlag.

Der Weg 1. – Originalausgabe der ersten Publikation der 1919 von Edmund Kesting in Dresden gegründeten »Weg-Schule«, erschienen anlässlich der Eröffnung der Berliner Schule. – »Die Schrift ›Der Weg‹ ist die erste Veröffentlichung der neuen pädagogisch. Grundsätze, die seit 1919 in der Wegschule gelehrt werden« (Einleitungstext). – Die Schule hatte Werkstätten für Malerei, Bildhauerei, Raum-, Reklame-, Bühnen- und Bildbaugestaltung. – Mit Holzschnitten, auf Büttenpapier gedruckt, von Gerda Müller-Kesting, J. Breuer (2), Johanna Zenker und Edmund Kesting und Texten der Herausgeber sowie von Nikolaus Simon, Hans Haffenrichter u. a. – Interessante Anzeigenseiten. – Besitzvermerk »Kurt Doebler, 1927«.

20,3 : 20,3 cm. 31, [3] Seiten, 5 Holzschnitte.

Raabe/Hannich-Bode 268.60

146  Johannes Molzahn – Staatliche Akademie fuer Kunst und Kunstgewerbe Breslau.

€ 350

Ausstellung der Studierenden vom 11. Juni bis 6. Juli 1930. Breslau 1930. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur.

Seltener und wichtiger Katalog, in Bauhaus-Typographie gestaltet von Johannes Molzahn (1892–1965). Von 1923 bis 1928 lehrte Molzahn in Magdeburg und war u. a. Graphiker der berühmten Fagus-Werke. 1928 wurde er nach Breslau berufen, wo er Fachlehrer für Graphik an der hier vorgestellten Akademie wurde. – Mit einem Vorwort von Oskar Moll, dem Direktor der Akademie, und Textbeiträgen der beiden Fachlehrer Molzahn und Schlemmer. – Einige Monate zuvor hatte Molzahn den Katalog zur Ausstellung von Arbeiten des Lehrkörpers gestaltet. – Der Katalog wird in Molzahns eigenem Verzeichnis seiner Arbeiten erwähnt (vgl. Salzmann/Güse, Duisburg 1977, S. 121, Abb. auf S. 21).

18,8 : 18,8 cm. 20 Seiten. – Rückenfalz etwas eingerissen. – Minimal fleckig.

147  Johannes Molzahn – Gestaltung, Gestaltung. Zur schlesischen Arbeitsgemeinschaft für Zeichen- u. Kunstunterricht.

€ 900

Montage: Georg Nerlich. Text: Werner Panitz. Breslau 1928. Mit zahlreichen Illustrationen. Illustrierte Originalbroschur.

Sehr seltener Privatdruck, erschienen anlässlich einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft im Oktober 1920. – Georg Nerlich (1892–1982) studierte in Breslau und war seit 1920 Mitglied im Schlesischen Künstlerbund und Deutschen Werkbund. Werner Panitz (1905–1979) hatte in Breslau bei Otto Müller studiert, um 1928/29 ließ er sich zum Kunsterzieher ausbilden. Sein Text erörtert die Förderung künstlerischer Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen. – Die außergewöhnlichen Illustrationen, die wohl beispielhaft Arbeiten von Schülern verschiedener Altersstufen vorstellen, wurden in Linol- oder Holzschnitte umgesetzt. Dass Johannes Molzahn, der 1928 aus Magdeburg in den schlesischen »Hot-Spot« Breslau berufen wurde, an der Gestaltung der Broschüre beteiligt war, kann vermutet werden. Zumindest referierte er am ersten Tagungsabend über »Die Grundlagen der Gestaltung«, am zweiten Abend sprach Grohmann über »Paul Klee und die neuen Wege in der Kunst«. Neben Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht wurde auch die Paul Klee-Ausstellung im Museum der bildenden Künste besichtigt. – Der Vortrag Molzahns wird in dessen eigenem Verzeichnis seiner Arbeiten erwähnt (vgl. Salzmann/Güse, Duisburg 1977, S. 121).

24,3 : 25,0 cm. [20] Seiten. – Umschlag leicht fleckig. – Letztes Blatt mit kleinem Falzeinriss.

148  [H J R]. Sammlung von Entwurfszeichnungen für Bucheinbände und -umschläge

€ 2000 ( R19 )

(20), Plakate und Werbung (13) sowie Schablonenpapiere, Schriftproben u. a. Zusammen 38 Blätter. 1928–1929. Meist monogrammiert »HJR« und datiert.

Die Entwürfe, in vielen findet sich das selbstbewusst eingefügte Monogramm »H J R« des unbekannten Graphikers, zeigen Einflüsse des Art-Déco, der Neuen Sachlichkeit und des Konstruktivismus’. Angesichts der künstlerischen Souveränität der Arbeiten und der gestalterischen und technischen Professionalität irritiert die Bezeichnung »Abitur-Arbeit 1928/29« auf dem maschinengeschriebenen Inhaltsverzeichnis. – Die Zeichnungen wurden in Tusche, Schablonen-Spritzdekor und Aquarell, teils gold- und silbergehöht, auf unterschiedlichen Papieren ausgeführt und auf Kartontafeln montiert. Diese sind jeweils am Unterrand mit maschinengeschriebenem Titel und Tafelnummer versehen. – Die meist dreiteilig entworfenen Umschlagentwürfe gelten Büchern von Doré, Morgenstern, Shakespeare, Galsworthy, Hamsun, Dostojewskij, Thomas Mann, Stendhal, Stefan Zweig, Meyrink. Sie enthalten kalligraphische und geometrische Elemente, mehrfach verziert von grotesk-kubistischen Masken. – Einige Plakate für Blaupunkt-, Manoli- und Reemtsma-Zigaretten, Brinitzer-Strümpfe, Accessoires der Hansa-Werke, im Inhaltsverzeichnis handschriftlich nachgetragen sind u. a. Plakatentwürfe »Biarritz – das elegante französische Seebad« und »Reklame-Schau Berlin August 1929«.

Zeichnungen: bis 37 : 27 cm. Trägerkartons : 34 : 50 cm.

149  Kurt Schwitters – Drei von ihm gestaltete Drucksachen.

€ 750

Hannover, um 1930.

I. Hannoversche Schaufenster-Industrie Arthur Koukal. Auszug aus dem Hauptkatalog. Dekorationsartikel für Schaufenster und Innenraum, Geschäftseinrichtungen, Ladenbau. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur, Klammerheftung. 11 Blätter (Katalog und Preislisten). Vorderumschlag und Textseiten in der typischen Gestaltung. 24,5 : 31,0 cm. Umschlagränder minimal wellig. – II. Sehenswürdigkeiten und Museen | Museen, Kirchen und Bücherein in Hannover. Beidseitig bedrucktes Informationsblatt, gelbes Papier. 20,5 : 19,5 cm. Mittelfalte, sonst tadellos. – III. Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule Hannover vom 14. bis 16. Juni 1931. Broschüre mit Festprogramm, Eintrittskarten und Gutscheinen. 8,0 : 13,5 cm. Vorderumschlag mit Namen »Frau Prof. Halmhuber«, wohl die Ehefrau von Gustav Halmhuber, dem emeritierten Professor der Technischen Hochschule.

150  #Revolte – Vier Einblattdrucke, zwei Faltblätter und eine Broschüre.

€ 300

1751–1927.

Seit der Reformation dienten Flugblätter, Plakate und kleine Broschüren sowohl der Verbreitung subversiver und revolutionärer Gedanken als auch der Wiederherstellung von Recht und Ordnung. Angesichts von Tweet und Hashtag faszinieren originale Zeitdokumente wie die folgenden besonders: Lübecker Bäckergesellen-Aufstand: Notification des Lübecker Senats vom 16. Juni 1751. – Streik der Lübecker Töpfergesellen: Aufruf des Senats vom 17. Mai 1763. – Märzrevolution 1848: Ludwig Karrig. Offnes Sendschreiben an die heldenmüthigen Barrikaden-Kämpfer […] und alle, die mit mir für eine constitutionelle Monarchie stimmen und streiten. 6. Juli 1848. 3. Auflage. – Novemberrevolution 1918: 1. Männer und Frauen Hamburgs! Aufruf des Hamburger Senats vom 6. November 1918. – 2. Die Forderungen der sozialdemokratischen Partei an die Reichsregierung. Berlin, 9. November 1918. Druck Auer & Co, Hamburg. – 3. Bernhard Rausch. Am Springquell der Revolution. Kiel, 25. November 1918 (Vorwort der Broschüre). – Aufruf zum Anarchosyndikalismus. Flugblatt der Freien Arbeiter-Union Deutschlands zur Hinrichtung von Sacco und Vanzetti 1927. – Alle mit angemessenen Alterungsspuren.

151  Politik und Propaganda – Nie wieder! Darum verhandeln. SPD.

€ 120

Farboffset. 1955. 21,3 : 14,8 cm.

Flugblatt, herausgegeben vom SPD-Vorstand in Bonn. – Rückseitig mit einem Text gegen die anstehende Ratifizierung der Pariser Verträge und einer daraus folgenden NATO-Mitgliedschaft der BRD. In zehn Punkten verwies man auf die entstehenden Kosten, die sozialen Folgen (»Weitere Verelendung der mitteldeutschen Bevölkerung, steigende Preise und Senkung der Sozialausgaben in der Bundesrepublik«), die Auswirkungen auf die Teilung Deutschlands und eine mögliche »Verwandlung unseres deutschen Vaterlandes in ein europäisches Korea«. – Ohne Erfolg hatte der SPD-Vorsitzende Ernst Ollenhauer im Januar 1955 bei Konrad Adenauer für weitere Verhandlungen mit der UdSSR plädiert. Im Februar wurden die Beitrittsverträge unterzeichnet und traten im Mai in Kraft. Nur wenige Tage später gründeten die Ostblockstaaten den »Warschauer Pakt«.

Minimale Knickfalten.