ChristianHesse

Bauhaus, Architektur, Design, Typographie | Hesse-Auktionen
Bauhaus, Architektur, Design, Typographie

440  Fritz Kahn. Der Mensch als Industriepalast.

€ 900 ( R19 )

Farblithographie. 1926. 94,0 : 46,3 (95,8 : 48,0 cm).

Gedruckt bei Fricke & Co, Stuttgart. – Im Unterrand typographisch bezeichnet. – »Eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns, die bis heute durch Themen- und Stilvielfalt, Humor und originelle Analogien fasziniert« (Debschitz). – Der Berliner Gynäkologe Fritz Kahn (1888–1968) schrieb in den 1920er Jahren eine Reihe mehr oder weniger populärwissenschaftlicher Artikel und Bücher und illustrierte diese teils selbst. Kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten reiste er nach Palästina, später nach Frankreich und Portugal. Mit Hilfe von Albert Einstein und anderen prominenten Fürsprechern erhielt er 1941 die Einreisegenehmigung in die USA. – Sein Wirken und seine »industriellen Visionen der Natur« (Spiegel online) würdigte eine international viel beachtete Ausstellung im »Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité«. – So hervorragend erhalten sehr selten.

Gefaltet, sonst tadellos.

Uta und Thilo von Debschitz, Man Machine – Maschine Mensch, Heidelberg/New York 2009, mit Abbildung der Lithographie auf dem Umschlag. – Wilk, Modernism – Designing a New World, Victoria & Albert Museum, Seite 250 mit ganzseitiger Abbildung

441  Die Form.

€ 12000 ( R7 )

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. Bonn, Kurt Schroeder, (ab Jahrgang II:) Berlin, Hermann Reckendorf, (ab Jahrgang VIII) u. a. 1925–1934. Mit zahlreichen Abbildungen, meist nach Fotografien. Originalbroschuren, meist mit illustriertem Vorderumschlag.

Fast vollständige Folge aller zehn Jahrgänge: I (1925/26), Hefte 1–15. – II (1927), 1–12. – III (1928), 1–15. – IV (1929), 1–24. – V (1930), 1–23/24. – VI (1931), 1–12. – VII (1932), 1–12. – VIII (1933), 1–10 und 12. – IX/X (1934), 1–7. – Insgesamt 126 Hefte, davon sechs Doppelnummern. – »Hervorragend dokumentierende Zeitschrift des deutschen Werkbundes« (Hans Bolliger). – Herausgeber: W. C. Behrendt (Jahrgang I), danach Walter Riezler und Schriftleitung Wilhelm Lotz. Die Gestaltung der typographischen Umschläge lag in den Händen von Joost Schmidt (1893–1948). Er war seit 1919 am Bauhaus und leitete seit 1925 die Plastischen Werkstatt. Bereits 1922 entstanden erste typographische Arbeiten, von 1928 an leitete er auch die Reklameabteilung und die Druckerei in Dessau. – Die Zielstellung der 1907 gegründeten Künstlervereinigung »Werkbund« beschrieb Hermann Hesse bereits 1912: »Im Deutschen Werkbund arbeiten Künstler mit Handwerkern und Fabrikanten zusammen und zwar gegen den Schund zugunsten der Qualitätsarbeit.« In den 1920er Jahren wendete sich der Werkbund, nicht zuletzt unter Einfluss der Bauhäusler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, verstärkt der Architektur zu. Die Ausstellung »Neues Bauen« und die Stuttgarter Werkbund-Ausstellung »Siedlung am Weißenhof« 1927 dürften als Meilensteine dieser Phase des Werkbundes gelten. – Auswahl einiger besonders wichtiger Beiträge: Sonder-Heft Mode; Ludwig Hilberseimer, Über die Typisierung des Miethauses; Fritz Schumacher, Vom Wesen der Zahl; Über El Lissitzkys Raum der Abstrakten; Architektur von Lilly Reich und Mies van der Rohe in der Werkbundausstellung »Die Wohnung« 1927 in Stuttgart; Fritz Wichert, Max Beckmann und einiges zur Lage der Kunst; Mies van der Rohe-Pavillon; Werkbundausstellung »Wohnung und Werkraum« Breslau, »Vom Kino-Auge zum Radio-Auge«, Glasarchitektur von Ludwig Hilbersheimer; Themenheft »Das Buch« mit Beiträgen von Paul Renner, Theo von Doesburg; Katalog der Dammerstocksiedlung; Wilhelm Lotz, Fotobücher, Richard J Neutra, Japanische Wohnung, Otto Neurath Das Sachbild; Ludwig Hilbersheimer, Die Wohnung unserer Zeit; W. Riezler, Betrachtungen zur Bauausstellung Berlin und Das Mies van der Rohe-Haus Tugendhat in Brünn, Jan Tschichold, Neuere Typografie in Frankreich; Werner Gräff, Zur Form der Automobile; Wilhelm Wagenfeld, Jenaer Glas; Beilage Salubra-Farbmuster; Walter Dexel, Zur Problematik des Gestaltungsunterrichts in der Volksschule; Richard Neutra, Schulbau; Moholy-Nagy, Probleme des neuen Films; Werkbund-Ausstellung Stuttgart 1932; Otto Neurath, Internationale Werkbundsiedlung Wien 1932; W. Lotz, Das Ende des Bauhauses in Dessau; Jubiläumsheft 25 Jahre Deutscher Werkbund; Marcel Breuer, Zur Frage des Hochhauses; Aus dem Unterricht der Ittenschule; Neue Bauaufgaben in der Sowjet-Union; Justus Bier, Zur Auflösung der Staatlichen Bauhochschule in Weimar; Laszlo Moholy-Nagy, Lichtrequisit einer elektrischen Bühne; Frank Lloyd Wright. Neue Pläne. – Mit Heft 7 des letzten, durchgezählten Doppeljahrgangs 1934 wurde die Zeitschrift, die seit 1933 mehrfach den Verleger und Schriftleiter gewechselt hatte, eingestellt. Bereits nach den ersten Monaten der von den neuen Machthabern angestrebten 1000 Jahre waren zahlreiche Mitarbeiter und Beiträger emigriert oder sollten/konnten dies in den folgenden Jahren tun. – Aus unterschiedlichem Vorbesitz zusammengetragene Reihe, bemerkenswert gut erhalten. – Eine so vollständige Folge konnte nicht einmal Hans Bolliger in seiner Dokumentations-Bibliothek anbieten.

29,7 : 21,0 cm. – Es fehlt Heft VIII/11. – Einige Umschläge mit Besitzvermerk, 3 mit losen Deckeln, 1 fleckig. – 3 Hefte mit losen Seiten, davon 2 mit je 2 fehlenden Blättern.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Jaeger 1074

442  Kritisk Revy.

€ 400 ( R7 )

(dänisch: Kritische Revue). Chefredaktion: Poul Henningsen. Jahrgang I–III [alles Erschienene]. Charlottenlund Juli 1926 – Dezember 1928. Mit zahlreichen Abbildungen. Elf illustrierte Originalbroschuren.

Im ersten Jahrgang erschienen drei Hefte, in den beiden Folgejahren je vier. – Sehr seltene dänische Avantgarde-Zeitschrift zu Architektur, Design und bildender Kunst. – Schwerpunkte im ersten Jahr waren verschiedene Aspekte der Baukunst. – Mit Text- und Bildbeiträgen von Poul Henningsen, Ivar Bentsen, Uno Ahren, Ejnar Utzon-Frank, Otto Gelsted, Edvard Heiberg, Alvar Aalto und anderen. In Heft 3/1927 ein ausführlicher Artikel von Poul Henningsen zum Spannungsfeld »Tradition und Moderne«. In Heft 1/1928: Hannes Meyer »Die neue Welt« und Otto Gelsteds Erwiderung »Modernismus – Kritizismus«, diese beiden Artikel in deutscher Sprache. – Sehr gut erhalten.

35,5 : 21,5 cm. Jeweils 70–100 Seiten. – Rücken gebräunt.

443  Johannes Molzahn – Staatliche Akademie fuer Kunst und Kunstgewerbe Breslau.

€ 300 ( R7 )

Ausstellung vom 18. Januar bis 9. Februar 1930 im alten General-Kommando Breslau. Herausgeber: Gustav Eugen Diehl. Berlin, Arnold Eichberg [1929/1930]. Mit 29 meist ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur.

Seltener, wichtiger Katalog, in Bauhaus-Typographie gestaltet von Johannes Molzahn (1892–1965). Er war nach seiner Ausbildung in Kontakt mit Herwarth Walden, Walter Gropius, Theo van Doesburg, El Lissitzky sowie der »Novembergruppe« gekommen und 1923 durch Vermittlung von Bruno Taut an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg berufen worden. Später arbeitete er als Graphiker für die berühmten Fagus-Werke und ging 1928 nach Breslau, wo er Lehrer an der hier vorgestellten Akademie wurde. – In der Ausstellung waren Arbeiten der bildenden und angewandten Kunst zu sehen, im Katalog Abbildungen von Zeichnungen und Gemälde von Oskar Schlemmer, Otto Mueller, Oskar Moll, Johannes Molzahn u. a., Architektur und Möbel von Hans Scharoun sowie Josef und Li Vinecky.

23,8 : 15,5 cm. 32, [8] Seiten (einschließlich Umschlag). – Weißer Umschlag minimal fleckig und berieben.

444  Paul Girkon. Die Stahlkirche.

€ 150

Evangelischer Kultbau auf der Pressa Köln 1928. Berlin, Furche [1928]. Mit 28 meist ganzseitigen Abbildungen nach Fotografien von Hugo Schmölz, davon vier farbig, und fünf Abbildungen im Text. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Die Typographie und der Umschlagentwurf stammen von Otto Dorfner. – Mit einem Vorwort des Architekten der Pressa-Kirche Otto Bartning sowie dem Beitrag von Pfarrer Paul Girkon. – Innerhalb weniger Wochen wurde der spektakuläre Entwurf des Leiters der Bauhochschule Weimar, der Nachfolgeinstitution nach der Schließung bzw. dem Umzug des Bauhauses nach Dessau, für die Ausstellung in Köln realisiert. Schon 1919 hatte Bartning eine Publikation »Vom neuen Kirchenbau« veröffentlicht (vgl. Jaeger 475).

23,1 : 15,0 cm. 29, [1] Seiten, 27 Tafeln. – Umschlag etwas angestaubt, Rücken gebräunt und mit kleiner Nummer. – Innendeckel mit Nummer, Titel mit Bleistift-Besitzvermerk. Die ersten Blätter etwas stockfleckig.

Jaeger 584 mit Abbildung 296. – Zwischen van de Velde und Bauhaus, S. 149 und Abb. 197

445  El Lissitzky – Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken.

€ 2500

Katalog des Sowjet-Pavillons auf der Internationalen Presse-Ausstellung Köln 1928. Redaktion: M. Guss und P. Kakisa. [Köln 1928]. Mit dem Fotomontage-Leporello. Rote Originalbroschur.

Sehr seltene Originalausgabe des legendären Ausstellungskataloges. – »El Lissitzky entwickelte eine Ausstellungsarchitektur mit beweglichen Wandelementen, die eine dynamische Raumerfahrung erzeugen sollten. Trotz der Verwendung verschiedenster Gestaltungsmittel wie Diagrammen, Leuchtreklamen sowie Illustrationen bildeten Fotografie und Fotomontage die wesentlichen Repräsentationsformen der Ausstellung. Kernstück war der über 23,5 m lange Fotofries ›Die Erziehung der Massen ist die Hauptaufgabe der Presse in der Übergangszeit vom Kapitalismus zum Kommunismus‹, der durch die Opulenz des fotografischen Materials aus Alltag und Politik und seine filmartige Montagetechnik auffiel« (Jule Reuter, in »Mit voller Kraft«, Hamburg 2001, S. 100). – Als künstlerischer Leiter der Ausstellung gestaltete El Lissitzky auch den Katalog mit dem berühmten achtzehnseitigen Leporello (ca. 235 : 20 cm), das mit Lenin als Redner beginnt. – »Ohne Zweifel gehört der Katalog zu den bedeutendsten typographischen Gestaltungen Lissitzkys« (Hans Bolliger). – Mit einem Vorwort von Staatskommissar A. B. Chalatow. – Die Ausstellung selbst zeigte 227 Exponate von 38 Künstlern, das Presseecho war überwältigend. – So gut erhalten sehr selten.

21,0 : 15,7 cm. 111, [1] Seiten. – Umschlag mit minimalen Flecken und Knicken, Heftklammern innen leicht angerostet. – Das Leporello fast unberührt, mit zwei sorgsam restaurierten Rissen und einer unauffällig ergänzten kleinen Randfehlstelle.

Küppers-Lissitzky S. 81ff. – Dokumentations-Bibliothek VI, 681. – Bowld/Hernad 99. – Lang, Konstruktivismus 59. – Autopsie II, 62f. mit vollständiger Abbildung

446  Bauhaus – Utopia. Dokumente der Wirklichkeit.

€ 450 ( R7 )

Weimar, Utopia Verlag 1920. Werbeblatt mit Typoillustration von Johannes Itten.

Erster Prospekt für das legendäre Hauptwerk Ittens. – Der vom Herausgeber und Verlagsgründer Bruno Adler verfasste programmatische Prospekttext orientiert sich an den theosophischen Lehren von Rudolf Steiner. – Mit der bemerkenswerten Typographik von Johannes Itten, der von 1919 bis 1923 künstlerischer Leiter am Bauhaus, Weimar war. – Tadellos erhalten.

22,3 : 14,8 cm. [4] Seiten, davon die letzte leer.

Nicht bei Dokumentations-Bibliothek, Fleischmann und Wingler

447  Bauhaus-Einband von Anni Wottitz – Karl Widmaier. Der Diktator.

€ 1500 ( R7 )

Drama in fünf Akten. Berlin, Ruda-Bücher 1923/1924. Pappband mit grauen Deckelbezügen, beide Deckel mit collagierter Papierbanderole, die auf dem Vorderdeckel mit schablonenkoloriertem Schriftzug.

Exemplar 2 von 400, im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Auf Perfecta-Bütten, gedruckt bei Dr. Hans Kayser, Berlin. – Innendeckel und Vorsatzblätter mit farbigen Papiercollagen. – Der Einband nimmt in seiner Reduzierung auf das typographische Element die Grundsätze der Bauhaus-Typographie, die erst in den Folgejahren manifestiert werden sollten, vorweg. Der Einband wurde laut zeitgenössischer Notiz im »Bauhaus (Weimar) Zweighaus Berlin« hergestellt. Diese »Werkstätten Bildender Kunst« in Berlin-Friedenau gründeten Anni Wottitz, Friedl Dicker und Franz Singer 1923/24, nach ihrer Bauhaus-Zeit, als gemeinsames Atelier (vgl. A und O des Bauhauses, S. 46, Abb. 18). – »Wottitz kam aus dem Kreis um Johannes Itten von Wien ans Bauhaus nach Weimar. Beeinflußt von Ittens experimentellem Umgang mit Material, dem er vor allem in seinem Vorkurs eine wichtige Rolle zuwies, fand Wottitz zu einem ganz eigenen Umgang mit den Materialien. Neben der Materialwirkung und der Flächenaufteilung, ist die Schrift wesentliches Gestaltungselement für Wottitz. Die Titel, deren einzelne Buchstaben in- und übereinandergreifen, werden auf den Buchdeckeln häufig wie ein Ornament behandelt und sind daher nur noch schwer lesbar« (Nina Widemeyer, in: Zwischen van de Velde und Bauhaus, Halle 1999, S. 113).

38,3 : 25,5 cm. [8], 74, [2] Seiten. – Rückenbezug unten leicht angeplatzt.

A und O des Bauhauses, KatNr. 18 und Abb. 22. – Zwischen van de Velde und Bauhaus S. 111, Abb. 116

448  Bauhaus – Ludwig Hirschfeld-Mack. Optischer Farbenmischer (Farbkreisel).

€ 700

Holzkreisel und sieben mehrfarbig serigraphierte Pappscheiben. Wohl um 1950.

Nachdem er 1919 in Stuttgart bei Adolf Hölzel in Stuttgart Farbenlehre studiert hatte, schrieb sich Hirschfeld-Mack am Bauhaus als Student ein. 1922/23 initiierte er ein extracurriculares Farbenseminar, das im Bauhausbuch von 1923 als Lehrveranstaltung Kandinskys mit Farbtafeln von Hirschfeld-Mack publiziert wird. Ungefähr zur gleichen Zeit entwickelte er zusammen mit Kurt Schwerdtfeger seine »Reflektorischen Lichtspiele« (Farbenlichtspiele). Wahrscheinlich ist auch der Farbkreisel in diesen Jahren entstanden. Nach seinem Exil in England und Australien kehrte Hirschfeld-Mack 1949, 1958 und nochmals 1964 besuchsweise nach Europa zurück. Die vorliegende Fassung des Farbkreisels (mit rückseitiger typographischer Beschriftung der Scheiben in Deutsch und Englisch) ließ er wohl in Australien herstellen und brachte einige Exemplare als Geschenke mit nach Deutschland. Möglicherweise erfolgte die Produktion auch in Deutschland anlässlich der Eröffnung des Bauhaus-Archivs in Berlin (1961). – Wir konnten kein Exemplar aus der eigentlichen Entwurfszeit nachweisen. In der großen Hirschfeld-Mack-Retrospektive (Bozen/Wien/Frankfurt a.M. 2000/2001) wurde nur eine Replik aus den 1970er Jahren gezeigt, ein weiteres Exemplar der hier vorliegenden frühen Fassung versteigerten wir aus derselben Provenienz in unserer Auktion 11 (Mai 2015). – Wir danken Dr. Peter Stasny, Wien, für seine Erläuterungen.

Durchmesser Farbscheiben: 10,0 cm, Trägerkarton: 22,3 : 44,0 cm, Kreisel 4,0 : 7,5 cm. – Einige Scheiben lose, einige rückseitig mit Filmoplast fixiert.

Vgl. L. Hirschfeld-Mack, Kat. 2000/2001, KatNr. 79 mit Abbildung auf Seite 85

449  Herbert Bayer – die neue linie.

€ 200 ( R7 )

Bestellkarte für Anzeigenschaltung. Beidseitiger Offsetdruck. Nach 1929. 10,5 : 14,8 cm.

Tadellos erhaltenes Exemplar der Bestellkarte an den Leipziger Beyer Verlag. In diesem erschien seit 1929 das erste deutsche »Lifestyle«-Magazin, an dessen Gestaltung und Typographie mit Herbert Bayer und László Moholy-Nagy zwei führende Bauhaus-Künstler beteiligt waren. Bayer entwarf u. a. die markante serifenlose Universal-Type für den Titel. – Auch nach 1933 erschien die Zeitschrift weiter, der künstlerische Spielraum der Gestalter wurde jedoch zunehmend eingeengt. 1938 verließ Bayer, der mehr als 20 Titelblätter gestaltet hatte, Deutschland. 1943 wurde »die neue linie« wegen Papiermangels eingestellt.

Nicht bei Rössler

450  Herbert Bayer – Deutsches Volk – Deutsche Arbeit.

€ 200 ( R7 )

Amtlicher Führer durch die Ausstellung 21. April bis 3. Juni 1934. – Katalogbroschüre. Berlin, Ala 1934. Beide mit zahlreichen ganzseitigen fotografischen Abbildungen. Zwei farbig illustrierte Originalbroschüren (Entwurf Herbert Bayer).

Beide auf dem Vorderdeckel im Druck signiert, im Impressum »Gestaltung: Herbert Bayer«. – Bayer war nach Schließung des Dessauer Bauhauses weiterhin als Gestalter von Katalogen und Werbeschriften der neuen Herrschenden erfolgreich. In manchem Entwurf sind seine Prinzipien noch sichtbar, so z. B. bei der Fotomontage auf Seite 34. – Ansonsten dokumentierte die Ausstellung die geistig-moralische Wende. Nur ein Jahr nach der Machtergreifung der Nazis finden sich nun auch Fachausschüsse zu »Deutschem Blut- und Kulturerbe« und »Rassenpflege«. Die Ausstellung fand auf dem Messegelände am Kaiserdamm statt und repräsentierte Industrie und Handwerk. Der zweigeteilte Katalog mit Geleitworten der verschiedenen Minister, Beiträgen zu den einzelnen Wirtschaftsgebieten und einem monographischen Teil. Die Fotografen der zahlreichen Luftaufnahmen, Porträts und Industriefotografien werden nicht genannt. – Die Katalogbroschüre mit historischen und zeitgenössischen Abbildungen und Fotografien (Roland Jaeger: »Graphisch ambitionierter [als der amtliche Führer]«).

20,8 : 20,8 cm. 240; 132 bzw. [38] Seiten, 17 Zwischenblätter. – Seitenrand des Vorderdeckels etwas bestoßen, Hinterdeckel mit Randfehlstelle. – Einband II etwas geknickt und mit Rostspuren im Falz.

Rössler D-19b und 19c. – Autopsie II, 66

451  László Moholy-Nagy – Soßengießer aus feuerfestem Jenaer Glas.

€ 450 ( R19 )

Werbeplakat. Farblithographie. Um 1930. 42,0 : 29,5 cm.

Gestalterisch ansprechendes Kleinplakat für den von Wilhelm Wagenfeld entworfenen Soßengießer. – Zahlreiche Stilelemente lassen die Urheberschaft Moholy-Nagys annehmen. – Gedruckt bei Ohlenroth, Erfurt.

Alt auf Pappe aufgezogen, am Oberrand mit Kordel zum Aufhängen. Gerahmt. – Einige kleine Randläsuren, besonders links oben. Leicht berieben.

452  László Moholy-Nagy – Werbemittel für Jenaer Glas.

€ 450 ( R7 )

Zwei Faltblätter, ein Leporello, eine Broschüre. Jena um 1932. Alle mit fotografischen Abbildungen und Fotomontagen.

I. Durax Tassenfilter aus feuerfestem JENAer Glas für den guten Kaffee. 21,0 : 10,5 cm. Vierseitiger Faltprospekt, gedruckt in Blau und Schwarz. Werbemittel Nr. 4892 xEg. Die verwendeten Fotografien stammen wohl von Alfred Renger-Patzsch. – II. JENAer Glasgeschirr mit flach abgeschliffenem Boden für die elektrische Küche […]. 21,0 : 14,8 cm. Vierseitiger Faltprospekt, gedruckt in Orange und Schwarz. Werbemittel Nr. 5411. – III. Wer sparen will – kocht angerichtet in feuerfestem JENAer Glas. 21,0 : 15,0 cm. Achtseitiges Leporello, gedruckt in Orange und Schwarz. Werbemittel Nr. 5800 Eg. – IV. Feuerfestes Jenaer Durax-Glas zum Backen, Braten, Dünsten und Einkochen. 14,8 : 21,0 cm. Broschüre mit farbigem Titelbild, 36 Seiten einschließlich Umschlag, gedruckt in Grün und Schwarz. Werbemittel Nr. 5142 Eg. – Die Faltblätter und Leporellos bilden herausragende Beispiele der werbegraphischen Tätigkeit Moholy-Nagys (vgl. Krisztina Passuths Monographie, dort mit Abbildungen). Zum Jenaer Glaswerk Schott & Genossen kam Moholy-Nagy auf Empfehlung des Bauhauskollegen Wilhelm Wagenfeld, der bereits seit 1931 für das Unternehmen tätig war. Die Zusammenarbeit währte auch über dessen Emigration nach Amsterdam (1934) bzw. London (1935) hinaus und endete erst, als Moholy-Nagy im Jahr 1937 die Leitung des »New Bauhaus« in Chicago übernahm. – Wegen der Abbildungen der Entwürfe von Wagenfeld, Gerhard Marcks (Sintrax-Kaffemaschine) u. a. sind die Werbeblätter auch inhaltlich für die deutsche Designgeschichte bedeutsam.

Gut erhalten, I und II mit Heftlöchern, III mit kleiner Quetschfalte.

Vgl. In nachbarlicher Nähe. Bauhaus in Jena

453  Fotografie – Der Schlüssel

€ 300 ( R7 )

erschließt Ihnen Interessantes für die Gestaltung von Haus, Heim und Hof. Herausgegeben vom Reichsinnungsverband des Schlosserhandwerks. Fotos: Hein Gorny. Berlin, Hans Holzmann [1938]. Mit 25, teils ganzseitigen Abbildungen nach Fotografien. Illustrierte Originalbroschur.

Die Fotografien stammen von Hein Gorny (1904–1967), der 1929, durch Renger-Patzsch und dessen neusachliche Fotografie beeinflusst, in Hannover ein eigenes Atelier eröffnet hatte. 1930 nahm er an der Münchner Ausstellung »Das Lichtbild« teil, in den Folgejahren erschienen mehrere Bücher mit Tier- und Naturaufnahmen von ihm (vgl. Autopsie II, 433). – Werbebroschüre der Schlosserinnung, mit der für die vielfältigen Produkte dieses Handwerks geworben wurde: Schlösser, Zierrat, Laternen, aber auch schon Luftschutztüren.

29,3 : 22,0 cm. [12] Seiten. – Hinterer Umschlag am Seitenrand etwas braunfleckig und mit kleiner Druckstelle.

454  Otto Lindig. Kugelvase.

€ 1500

Keramik, schwarze Auflagen, Details weiß glasiert. Um 1940. Ca. 20 cm Durchmesser. Signiert.

Innen milchig-weiß glasiert. – An der Unterseite mit dem eingeritzten Monogramm »OL«. – Otto Lindig (1895–1966) studierte ab 1913 an der Kunstgewerbeschule Weimar unter Henry van de Velde. 1920 wechselte er in die Bauhaustöpferei in Dornburg nahe Weimar, die von Gerhard Marcks künstlerisch geleitet wurde. Bereits 1922 übernahm Lindig die technische Leitung. Nach Schließung des Bauhauses betrieb Lindig die Werkstatt noch einige Zeit als privater Pächter weiter. Nach Kriegsende folgte er einem erneuten Ruf von Gerhard Marcks an die Landeskunstschule Hamburg. – Besonders seine an antiken Vorbildern orientierten, bestechend einfachen Entwürfe wurden seit den 1920er Jahren begeistert aufgenommen.

Winzige Farbspritzer (Atelier), zwei kleine Absplitterungen der obersten Tonschicht.

455  Peter Behrens. Feste des Lebens und der Kunst.

€ 300 ( R7 )

Eine Betrachtung des Theaters als höchsten Kultursymbols. Leipzig, Eugen Diederichs 1900. Originalhalbleinenband mit vergoldeter Deckelillustration.

Erste Ausgabe der wichtigen, programmatischen Schrift. – Dreifarbig gedruckt, Buchgestaltung (illustrierter Doppeltitel, Bordüren und typographische Anordnung) von Peter Behrens. – Die Schrift wurde der Künstlerkolonie in Darmstadt gewidmet.

22,2 : 18,2 cm. 25, [3] Seiten. – Vorsatz mit handschriftlichem Eintrag. Papierbedingt gebräunt. 2 Seiten im Falz neu gefasst.

456  Jan Tschichold – Friedrich Hölderlin. Fünf Gedichte

€ 1000 ( R7 )

mit Radierungen von K. E. Neumann. [Leipzig], Rolf Arnst 1923. Handschrift auf Papier. Mit fünf signierten Radierungen. Originalpergamentband mit vergoldeten Initialen »FH« auf dem Vorderdeckel. Rückentitel, Innenkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet.

Erstes (und einziges?) Werk der Manus-Reihe des Verlegers. – Eins von 50 nummerierten Exemplaren. – Im Druckvermerk von Künstler und Buchgestalter signiert. – Auf getöntem Bütten. – »Die gesamte Buchausstattung entwarf und überwachte E. Pöhn. Dieses Buch schrieb Johannes Tzschichholt«. – Von Tschichold in klassischer Kalligraphie mit schwarzer und blauer Tinte geschrieben. – Laut Druckvermerk wurden die Radierungen »in den Ausgaben A und B einzeln signiert«. Auch in vorliegendem Exemplar sind alle Radierungen signiert. – Das Jahr 1923 stellt einen Wendepunkt in der künstlerischen Entwicklung von Jan Tschichold (1902–1974) dar. Er »begann im Jahre 1923 den vorher unbekannten Beruf eines typographischen Entwerfers auszuüben und arbeitete als solcher für die großartige Leipziger Buchdruckerei Fischer & Wittig« (Tschichold-Monographie, München 1988, S. 16). Bis dahin orientierte er sich an klassischen Schreibmeistern. Spätestens nach dem Besuch der legendären Bauhaus-Ausstellung in Weimar erarbeitete er die Grundlagen (s)einer modernen Typographie, die sich 1925 in den »Typographischen Mitteilungen« und 1928 in seinem Lehrbuch »Die neue Typographie« manifestieren sollten. – Sehr selten, wir konnten via WorldCat nur ein weiteres Exemplar (5/50) in der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek nachweisen.

24,8 : 32,5 cm. [24] Blätter, 5 Radierungen. – Deckel leicht verzogen. – Die Textblätter teils leicht gebräunt. – Vorsatzblatt mit Schenkungsvermerk.

Nicht bei Rodenberg und Isphording

457  Kalligraphie – Friedrich Schiller. Der Taucher.

€ 500 ( R7 )

Kalligraphiert von Norbert Schwarz. Ohne Ort 1936. Handschrift auf Papier. Handgebundener Sackleinenband mit montierten Metallbuchstaben. In Sackleinenkassette.

Unikat, ganz im Geist der Zeit in Frakturschrift und mit etwas martialischer Deckelgestaltung. – »Geschrieben für meinen Freund Jupp Daehler · Weihnachten 1936 · Norbert Schwarz«. – Auf feinstem Handbütten. – Titel und 27 Blätter im Querformat. Schwarze Tinte, die Initialen mit Blau und Gold verziert. – Der Schreiber ist für uns nicht zu ermitteln. Bei dem Empfänger der Handschrift handelt es sich wahrscheinlich um den zwielichtigen Verleger der Nazizeit Joseph »Jupp« Daehler. Daehler war seit 1931 NSDAP-Mitglied, gründete 1935 einen Kunstverlag in Berlin und später in Koblenz. Wegen zweifelhafter Geschäfte und Betrügereien wurde er 1944 im Prozess gegen Matthias Lackas vernommen (siehe http://www.polunbi.de/archiv/44-03-14-01.html).

26,0 : 34,0 cm. – Hinteres Vorsatzblatt mit Eckknick, sonst tadellos.

458  MA-Verlag – F. J. Skala. Entspannungs-Gymnastik by the System of Dr. O. Hanish.

€ 300 ( R7 )

Bearbeitet von F. J. Skala. Wien, MA [1927]. Mit vier Abbildungen nach Fotografien von Elise Benedikt. Originalbroschur.

Sehr selten. – Inhaltlich etwas abseits des bekannten avandgardistischen MA-Verlagsprogramms, bildet das Gymnastik-Lehrbuch dennoch ein interessantes Beispiel für die Anwendung der neuen Typographie. Diese ganz im Stil in dieser Zeit für MA von Lajos Kassak gestalteten Publikationen.

22,8 : 20,3 cm. 28 Seiten. – Umschlag fachmännisch mit Japan hinterlegt.

459  Walter Gropius.

€ 120

[Programmheft] Kestner-Gesellschaft Hannover 17. April bis 10. Mai 1931. Hannover 1931. Originalbroschur mit Titelillustration.

Sehr selten. – Ergänzung zum Katalog der 113. Ausstellung der Kestner-Gesellschaft. Dort wurden Fotos, Modelle und Zeichnungen aus den Jahren 1911-1930, also dem damaligen Gesamtschaffen von Gropius gezeigt. – Die Ausstellung war zugleich die zweite Veranstaltung des »Museums für das vorbildliche Serienprodukt Günther-Wagner-Stiftung der Pelikanwerke Hannover«. – Dazu drei weitere Gropius-Publikationen (Frankfurt 1952, Ansprache Goethepreis 1961 und »Zum Gedenken«, Darmstadt 1969). – Drei Beigaben.

19,6 : 14,3 cm. [8] Seiten.

460  Walter Gropius et son école. Walter Gropius – the spread of an idea.

€ 400

Paris 1950. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »For Axel, the one who understands! Walter«. – Die Widmung richtet sich an Alexander Dorner, den berühmten Hannoveraner Museumsdirektor, mit dem Gropius seit seiner Bauhauszeit in enger Verbindung stand. – Erschien als Februarheft des 20. Jahrgangs von »L’architecture d’aujourd’hui«, der von André Bloc, Pierre Vago und Alexandre Persitz herausgegebenen Architekturzeitschrift. – Mit Texten von S. Giedion, Douglas Haskell, Michel Aimé, Serge Chermayeff, Walter Gropius selbst u. v. a. und zahlreichen Abbildungen. Alle Texte in Französisch und Englisch. – Bereits Anfang der 1930er Jahre war ein Gropius-Heft der von Jean Badovici gegründeten Zeitschrift »L’architecture vivante« geplant, das aber nicht realisiert wurde. – Erworben aus dem Nachlass Alexander Dorner (Antiquariat Günter Fuchs, Düsseldorf).

31,0 : 24,0 cm. [4], 116 Seiten. – Umschlagränder minimal geknittert. – Ränder des Titelblatts und ein kleiner Eckabriss hinterlegt.

461  Le Corbusier. Oeuvre plastique.

€ 800 ( R7 )

Peintures et dessins. Architecture. Paris, Albert Morance [1938]. Mit 40 losen Tafeln, davon vier Lithographien und fünf pochoirkolorierte, sowie Textillustrationen und vier weiteren Tafeln im Textheft. Zwei Originalumschläge in illustrierter Originalhalbleinenmappe.

Erste Ausgabe der ersten Monographie über das künstlerische Werk des großen Architekten. Die reich und aufwändig illustrierte Edition geht sowohl auf die architektonischen Arbeiten als auch die Gemälde, Zeichnungen und Graphik von Le Corbusier ein. – Mit einer Einleitung von Jean Badovici, in dessen Reihe »L’architecture vivante« der Band erschien. – In aufwändigem Pochoirkolorit wurden zwei Kunstwerke und drei Ansichten des »Pavillon des Temps Nouveaux« reproduziert. Letzteren hatte Le Corbusier gemeinsam mit seinem Vetter Pierre Jeanneret für die EXPO 1937 in Paris entworfen. – Innen fast tadellos, insgesamt sehr schön.

28,0 : 23,0 cm. 28 Seite, 44 Tafeln. – Einbanddecke leicht berieben.

Dokumentations-Bibliothek V, 21

462  Walter Wahlstedt. Zwischen 1910 und 1961.

€ 900

Collage, weiße Ölfarbe und Tempera. 1961. 41,8 : 29,8 cm. – Serigraphie mit Collage. 1961. 42,0 : 30,0 cm. Auf dem Unterlagekarton signiert, datiert und bezeichnet.

Zwei Plakatentwürfe zu einer geplanten Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle vom 6. bis 28. Mai 1961, die im Archiv der Kunsthalle allerdings nicht dokumentiert ist. – Walter Wahlstedt (1898–1972) war Schüler der hiesigen Kunstgewerbeschule. Bereits 1922 erwarb die Kunsthalle sein Gemälde »Aus Güstrow«. – Beide auf rotem Karton, beide mit einer montierten Fotografie einer Collage des Künstlers. – Fassung I mit zahlreichen roten Übermalungen und Überklebungen der Schriftanordnung. – Fassung II mit in Weiß und Schwarz serigraphierter Schrift auf rotem und schwarzem Karton. Zwei Details mit collagiertem Goldpapier. Auf Unterlagekarton aufgezogen. – Ehemals Sammlung Werner Kunze, Berlin.

Vgl. Thieme/Becker XXXV, 60