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Bauhaus, Merz, Typographie, Architektur | Hesse-Auktionen
Bauhaus, Merz, Typographie, Architektur

259  Programm des Staatlichen Bauhauses in Weimar. – Lyonel Feininger. Kathedrale.

Schätzpreis/Estimate: € 5000

Zuschlag/Hammerprice: € 10000

Holzschnitt. 1919. 30,4 : 18,9 cm (32,0 : 19,7 cm).

Das berühmte vierseitige Flugblatt vom April 1919 mit dem von Gropius verfassten Manifest (»Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! […]« und dem Programm des Bauhauses (Gründung, Ziele, Grundsätze, Lehre, Aufnahme). – Hier mit dem noch selteneren Beilageblatt zum schrittweisen Ausbau der Werkstätten und mit den Hinweisen für Bewerber. Ebenfalls auf rotem Papier und mit dem ersten Bauhaus-Signet von Peter Röhl, das bis 1921 verwendet wurde. »Nicht der Leiter oder einer der beiden Meister der Druckerei-Werkstatt […] sondern der studierende Peter Röhl ging als Sieger aus einem Wettbewerb an der Schule hervor.« (Wulf Herzogenrath, in Bauhausutopien, S. 103). – Das Staatliche Bauhaus entstand – unter Leitung von Gropius – im Frühjahr 1919 aus der Vereinigung der Großherzoglichen Hochschule für bildende Kunst und Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule. Lyonel Feininger (1871–1956) wurde durch Gropius unmittelbar nach der Gründung des Bauhauses dorthin berufen. – Prasse kennt Abzüge auf grauem, grünem, gelbem und – wie hier – hellrotem Papier. – Tadellos erhaltenes Exemplar des bekannten Holzschnitts und zugleich die erste offizielle Verlautbarung des Bauhauses.

Kaum sichtbare Faltspuren.

Wingler 562, A 1 und 2. – Prasse, Feininger W 144. – Abbildungen (alle ohne das Beilageblatt): Wingler Seiten 38–41. – Fleischmann S. 38. – Bauhaus Utopien S. 10

260  Utopia.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

Dokumente der Wirklichkeit. Herausgeber: Bruno Adler. Weimar, Utopia 1921. Mit einer gefalteten lithographierten Farbtafel sowie Lithographien und farbigen Typodrucken von Johannes Itten und einigen montierten Abbildungen. Farbig lithographierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe des legendären Hauptwerks von Josef Itten, von den geplanten sieben Lieferungen erschienen nur diese beiden ersten in einem Band. – Exemplar der Normalausgabe mit der blauen Umschlagzeichnung der Itten-Schülerin Margit Téry, es erschienen 75 Vorzugs- und zehn Museumsexemplare. – »Am Bauhaus den obligatorischen Vorkurs eingeführt und in seinen Grundzügen festgelegt zu haben, ist Ittens bleibendes Verdienst. […] Analysen von Bildern alter Meister dienten der Erkenntnis der bildnerischen Gesetzlichkeiten und der Erziehung des Formbewußtseins.« (Wingler, S. 58). Dass Itten den ganz anders gelagerten, viel pragmatischeren Ansichten Walter Gropius’ nicht folgte, sorgte in den Jahren 1921/22 für erhebliche Spannungen am Bauhaus. – Die »Analysen alter Meister« werden durch zweifarbige Typographiken eröffnet, gefolgt von den Ausklappseiten mit Vergleichsabbildungen der Originale und Ittens lithographierten Interpretationen. »Zeichnend, schreibend und symbolisierend, rhythmisierend und intonierend führt Itten aktives ›Wiedererleben‹ von Kunstwerken vor.« (Ute Brüning in »Das A und O des Bauhauses, S. 44). – Mit der sonst oft fehlenden Farbtafel »Farbenkugel in 7 Lichtstufen und 12 Tönen von Johannes Itten«.

32,8 : 24,7 cm. 85, [5] Seiten, 3 Tafeln. – Einige Fehlstellen und Risse des Umschlags am Rücken hinterlegt. – Zwei Lagen aus der Heftung gelöst. Ränder papierbedingt leicht gebräunt.

Das A und O des Bauhauses, Kat. 125ff., Abbildungen 10 und 13–16. – Fleischmann Seite 49–56 mit vielen Abbildungen

261  Oskar Schlemmer. Profile. Bauhaus-Ausstellung Juli–September 1923.

Schätzpreis/Estimate: € 4000 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 5000

Farblithographie. 1923. 14,8 : 10,6 cm.

Die achte der zwanzig Bauhaus-Postkarten, die zur ersten großen Ausstellung von den Bauhaus-Meistern entworfen wurden. – Beidseitig mit Schreibmaschine in dadaistischer Manier von Oskar Schlemmer beschrieben. – An Walter Dexel in Jena, etwa April/Mai 1925 (der im April 1925 geborene Sohn Tilman wird bereits erwähnt): »Kommen Sie nicht mal herüber oder wir hinüber? Zwecks eines allgemein befreienden Schimpfspiels??????« Schlemmer erwähnt seine finanzielle Situation (»katastrophale Zahlungsschwierigkeiten«). Das »Schimpfspiel« nimmt wohl Bezug auf die Querelen, denen das Bauhaus in Thüringen ausgesetzt war und die schließlich, kurze Zeit später, zum Weggang nach Dessau führten. – Über die Anschrift schrieb Schlemmer: »Conn Fis ciert !! Zwecks Erregung öffentlichen Aergernisses VERBOTEN!!!!!!!!« – Auf der Bildseite: »Was halten Sie von einer Weimarer Koalition unter dem Vater des Gedankens?????? Und wer steht draussen?: ICKE! ———« und »Deutschland, Deutschland über alles! Was blasen die Trompeten? Den alten Dessauer!«. – Ehemals Sammlung Egidio Marzona. – Abbildungen dieses Exemplars: Fleischmann, Seite 70. – Holstein, Bauhaus-Katalog 105.

Bildseite verblasst, sonst tadellos.

Grohmann GL 18

262  Johan Niegeman – Metallisches Fest.

Schätzpreis/Estimate: € 4000

Zuschlag/Hammerprice: € 4000

Glocken – Schellen – Klingel – Fest. Bauhaus-Fasching 9. Febr. 1929. Einladung. Dessau 1929. 10,4 : 14,8 cm.

Die legendäre Einladungskarte, ihres ephemeren Charakters wegen ohnehin selten geworden, hier zudem in perfekter Erhaltung. – Der silberbeschichtete Außenkarton auf dem Vorderdeckel mit Rot und Blau bedruckt, das eingeheftete Doppelblatt mit Blau und Gelb. – Der holländische Architekt Johan Niegeman (1902–1977) war Gastdozent für Fachzeichnen am Dessauer Bauhaus und an Gropius’ Planungen des dortigen Arbeitsamts und der Wohnsiedlung Dessau-Törten beteiligt (siehe Karin Wilhelms Gropius-Monographie, Braunschweig 1983, S. 283). – »In einer zierlich und der üblichen Kleinbuchstaben-Bauhausschrift gedruckten metallfarbenen Karte hatten das Dessauer Bauhaus und der Kreis seiner Freunde zu einem ›Metallischen Fest‹ geladen. Metall ist hart. Aber es ist auch glänzend und strahlend. Das Fest am Sonnabend-Abend wies die letztgenannte metallische Eigenschaft auf … Das Fest war glänzend, war strahlend […] Schon der Eintritt zu den Festräumen war originell. Er führte über eine […] Rutschbahn, auf der man selbst die würdigsten Persönlichkeiten in die Festräume hineingleiten sah.« (Anhalter Anzeiger, 12. Februar 1929, zitiert nach Wingler, S. 164). – Ein Bauhaus-Rarrissimum ersten Ranges.

A und O des Bauhauses 251 und Abb. 188. – Wingler S. 499. – Fleischmann S. 248f

263  Bauhaus – Schreibmappe und Zettelbox.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Papier, Karton, Sperrholz und Leder. 1929.

Überzeugende Studentenarbeit, nach der eigenhändigen Datierung »Bauhaus 1929« auf der Rückseite der Mappe und der unten beschriebenen Provenienz in Dessau entstanden. Die Signatur ist nicht eindeutig zuzuordnen, es könnte sich um Willy Bloh oder Willy Haas handeln, beide wurden im Wintersemester 1928/1929 immatrikuliert (vgl. die »Mies van der Rohe-Liste«, Wingler Seite 559). – Schreibmappe: 35,5 : 28 : 2 cm. Schwarzes Leder, beide Deckel mit Papierbezug. Auf das Papier wurde unter Verwendung von Schablonen schwarze Tusche aufgespritzt. Innen mit schwarzem Leinen ausgeschlagen, Dokumentenfach mit Lederschließe, Briefablage mit Kordel. – Zettelbox: 12 : 9 : 5 cm. Aus Speerholz, vollständig mit Papier kaschiert, das wie bei der Mappe gestaltet wurde. Oben mit Klappdeckel (Leinenscharnier), unten eine Schublade. – Beide Teile etwas fleckig und an den Kanten leicht berieben. – Bei der »Entrümpelung« des Dessauer Bauhauses Ende der 1960er Jahre von einem beteiligten Handwerker vor der Entsorgung bewahrt und seitdem in dessen Privatbesitz.

264  Bauhaus.

Schätzpreis/Estimate: € 600 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Zeitschrift für Gestaltung. Herausgeber: Hannes Meyer, Schriftleitung: Ernst Kállai. [Heft] 2/3, 2. Jahrgang. Dessau 1928. Mit zahlreichen Abbildungen nach Fotografien von Erich Consemüller, Lux Feininger u. a. Originalbroschur.

Das erste von Hannes Meyer herausgegebene Heft, der 1927 ans Bauhaus berufen worden war und 1928 Walter Gropius als dessen Direktor ablöste. – Beiträge von Ernst Kállai (über den Personalwechsel), Josef Albers (Formunterricht), Kandinsky (Kunstpädagogik), Adolf Behne, Paul Klee, Joost Schmidt, Oskar Schlemmer und Ludwig Grote-Dessau, sowie Interviews mit Studierenden. Die »Bauhausnachrichten« gehen u. a. auf Gropius’ Ablösung und den Weggang von Herbert Bayer, Laszlo Moholy-Nagy und Marcel Breuer ein und stellen den neuen Lehrkörper vor. – Aus dem Nachlass von Wilhelm Wagenfeld, dem Bauhaus-Designer. – Acht der Bauhäusler-Porträtfotos auf dem mit »Dessau 1928« datierten Vorderumschlag mit den Bezeichnungen »W L« und »W Sch« in Rotstift. Wir vermuten, dass Wagenfeld, der ja nicht mit dem Bauhaus von Weimar nach Dessau wechselte, vermerkte, wen er bereits in Weimar als Lehrer oder Schüler gekannt hatte. Die vier unbezeichneten stießen erst in Dessau zum Bauhaus.

29,0 : 21,0 cm. 35, [1] Seiten. – Umschlag leicht angestaubt, obere Ecken leicht geknickt.

Wingler Seite 563. – Fleischmann S. 189. – Das A und O des Bauhauses 185

265  Bauhaus – Studienarbeiten von Franz Ehrlich nach dessen 2. Semester am Bauhaus Dessau.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Ausstellungsfotografie. 1928, späterer Abzug. 32,7 : 24,3 cm.

Franz Ehrlich (1907–1984) begann nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser 1927 sein Studium am Bauhaus in Dessau. Dort besuchte er zunächst den Vorkurs bei László Moholy-Nagy, danach den Unterricht von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Joost Schmidt. Bis zum Sommersemester 1930 war er in dessen Plastischer Werkstatt beschäftigt und legte im Wintersemester 1929/30 seine Gesellenprüfung als Tischler vor der Handwerkskammer Dessau ab. Nach Erhalt seines Diploms folgte er Walter Gropius nach Berlin, wo er gemeinsam mit den Bauhäuslern Heinz Loew und Fritz Winter das Werbebüro »Studio Z« eröffnete. Nach Kriegsende arbeite Ehrlich u. a. als Formgestalter der Werkstätten Hellerau in der DDR.

Vgl. eine ähnliche Fotografie aus der Ausstellung in »Bauhaus 2«, Katalog 6 Galerie am Sachsenplatz, 1977, Abb. 170. – www.bauhaus100.de.

266  Die Bühne im Bauhaus.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 480

Herausgegeben von Oskar Schlemmer. München, Albert Langen [1925]. Mit zahlreichen Abbildungen, teils blattgroß und farbig, und einer farbigen Falttafel. Gelb-roter Originalleinenband.

Bauhausbücher 4. – Erste Ausgabe. – Oskar Schlemmer hatte sofort nach dem Umzug von Weimar nach Dessau die dortige Bauhausbühne übernommen. Ein Jahr später folgten Bühnen-Werkstatt und Experimentierbühne, die bis zu seinem Weggang nach Breslau herausragende Beiträge zum Gesamtwerk des Bauhauses lieferten. – Neben eigenen Texten auch mit Beiträgen von Moholy-Nagy (mit dessen farbig lithographierter »Partiturskizze zu einer mechanischen Exzentrik«), Farkas Molnár, Marcel Breuer, Kurt Schmidt, Xanti Schwawinsky und anderen. – Zahlreiche Abbildungen von Bühneninstallationen, Figurinen und der Bauhauskapelle. – Innen sehr gut erhalten. – Dazu: Paul Klee. Pädagogisches Skizzenbuch. 1925. Mit zahlreichen Abbildungen. Privater Halbpergamentband. Bauhausbücher 2.

23,5 : 18,5 cm. 84, [4] Seiten, 1 Falttafel. – Einband mit kleinen Farbspritzern.

Wingler 563.4

267  Laszlo Moholy-Nagy. Malerei · Fotographie · Film.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 450

München, Albert Langen 1925. Mit zahlreichen, davon 70 ganzseitigen, Abbildungen nach Fotografien und Filmausschnitten sowie einer Musiknotenbeilage. Gelber Originalleinenband mit Rotdruck.

Bauhausbücher 8. – Erste Ausgabe, erschienen in 2000 Exemplaren, davon jedoch nur ein Teil als Bauhausbuch. – Sehr selten, schon 1927 erschien eine veränderte Ausgabe (»Die Emphase aber, mit der Moholy seine Erkundungen 1925 präsentiert hatte, war […] verschwunden.« (Ute Brüning, in: Autopsie). – Bahnbrechendes Werk, in dem Moholy-Nagy die Themen Geschichte und Technik der Fotografie und besonders die moderne Bildgestaltung behandelt. – »Kunstwerk und Pamphlet, Erfahrungsbericht und Vision. Das Buch propagiert die ›neue visuelle Literatur‹ und ist gleichzeitig ihr erster Versuch.« (Autopsie). – Mit zahlreichen Anwendungsbeispielen aus Buchillustration, Werbung und Propaganda, das Bildmaterial, darunter zahlreichen Fotogrammen und Fotomontagen, stammt von Moholy-Nagy, Hannah Höch, Albert Renger-Patzsch, P. Citroen, Man Ray und anderen. – Mit dem Notenblatt »Präludien für Klavier und Farblicht« von Alexander László.

23,5 : 18,5 cm. 133, [1] Seiten.

Parr/Badger I, 92/93. – Autopsie I, 164ff. – Wingler 575

268  Laszlo Moholy-Nagy – Christoph Natter. Künstlerische Erziehung aus eigengesetzlicher Kraft.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Gotha und Stuttgart, Friedrich Andreas Perthes 1924. Mit Abbildungen auf Tafeln und im Text, davon neun farbig einheftet. Schwarz-weißer Originalhalbleinenband (Entwurf von Laszlo Moholy-Nagy).

Erste Ausgabe der Lebensbilanz des Bildhauers und Malers Christoph Natter (1880–1941), »meinen Schülern und Schülerinnen gewidmet«. – Der Titel erschien in identischer Ausstattung zeitgleich im Klotz-Verlag Gera, die dortige zweite Auflage (1931) erhielt eine andere Gestaltung.

22,5 : 18,6 cm. [8], 71, [3] Seiten, 15 Tafeln. – Kanten leicht bestoßen. – Stellenweise leicht stockfleckig.

Fleischmann 296. – Vgl. Dokumentations-Bibliothek I, 20

269  Laszlo Moholy-Nagy. 60 Fotos · 60 photos · 60 photographies.

Schätzpreis/Estimate: € 4500 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 3000 ( R7 )

Herausgegeben von Franz Roh. Berlin, Klinkhardt & Biermann 1930. Mit 60 ganzseitigen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Fototek, Band 1. – Mit eigenhändiger Widmung »für Wagenfeld herzlichst Moholy-Nagy« auf dem Titelblatt. – Wilhelm Wagenfeld (1900–1990) entwarf 1927 (gemeinsam mit Carl Jacob Jucker) seine berühmte Tischlampe – eine der Stilikonen des Bauhauses. Nach dem Weggang des Instituts aus Weimar blieb Wagenfeld an der Nachfolgeeinrichtung, der Staatlichen Bauhochschule Weimar, bis zu deren Schließung 1930. – Die Gesamtgestaltung der Buchreihe leitete Jan Tschichold, die Abbildungen mit Fotogrammen, Fotomontagen und Fotografien Moholy-Nagys. – Am Ende Anzeigen zu der Reihe »Fototek«, einigen Büchern von Jan Tschichold und eine ganzseitige Anzeige zu »foto-auge« von Franz Roh und Tschichold. – »Hervorragender Querschnitt durch das photographische Werk Moholy-Nagys« (Dokumentations-Bibliothek). – Der einleitende Text des Herausgebers, in Deutsch, Englisch und Französisch, verdeutlicht die Bedeutung des Bauhäuslers Moholy-Nagy für die moderne Fotografie. 1925 hatte dieser innerhalb der von ihm zusammen mit Walter Gropius herausgegebenen »Bauhausbücher« seine wegweisende Schrift »Malerei · Fotographie · Film« veröffentlicht. – »Moholys künstlerisches Credo stellte auch die Fotografie absolut in den Rahmen seiner pädagogischen Absicht des ›Neuen Sehens‹« (Andreas Haus, zitiert nach Koetzle).

25,0 : 17,5 cm. 11, 60, [5] Seiten. – Minimal berieben.

Dokumentations-Bibliothek VI, 307. – Koetzle 276. – Heidtmann 5508. – Haus 83, 1

270  L. Moholy-Nagy. Sonderheft »Telehor«.

Schätzpreis/Estimate: € 2400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 1800 ( R7 )

Internationale Zeitschrift für visuelle Kultur. Redigiert von Fr. Kalivoda. Brno 1936. Mit 67 häufig ganzseitigen und teils farbigen Abbildungen. Schwarze, spiralgebundene Originalbroschur.

Die seltene von Moholy-Nagy selbst gestaltete Einbandvariante mit dem lackschwarzen Vorderumschlag. Diese als »Sonderheft« bezeichneten Exemplare waren im Eigentlichen ein »Sonderdruck« zu Moholys eigenem Gebrauch. Nach Oliver Botar wurden wohl nicht mehr als 100 Exemplare in dieser Variante hergestellt. – Während Moholy-Nagy den Umschlag für »seine« Exemplare entwarf, den Namen in leuchtendem Weiß und in konsequenter »Bauhaus-Kleinschreibung«, war für die Gesamtgestaltung dieses ersten und einzigen Hefts [1/2] der »Internationalen Zeitschrift für visuelle Kultur« deren Herausgeber verantwortlich. Der noch junge, aber in Kunstkreisen bereits bekannte Architekt František Kalivoda (1913–1971) organisierte Moholy-Nagys Vorlesungs- und Ausstellungstournee in Brünn und Bratislava und widmete die gesamte Telehor-Ausgabe dem wichtigen Bauhauskünstler und -theoretiker. Das Heft enthält ein Vorwort von S. Giedion, mehrere Texte von Moholy-Nagy und einen Brief von ihm an Kalivoda sowie eine Bibliographie.

29,7 : 21,0 cm. 138, [2] Seiten. – Vorderdeckel am Unterrand mit schmaler Knickfalte und an der Spiralbindung mit winzigem Verlust.

Dokumentations-Bibliothek III, 227

271  Wassily Kandinsky. Punkt und Linie zu Fläche.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 270

Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente. München, Albert Langen 1926. Mit zahlreichen, teils blattgroßen Abbildungen und einigen Tafeln, davon eine farbig. Originalbroschur mit -umschlag.

Bauhausbücher 9. – Erste Ausgabe. – Die Typographie des Buches und der Umschlagentwurf stammen von Herbert Bayer. – Druck bei Hesse & Becker, Leipzig. – Kandinsky bezeichnet dieses Werk im Vorwort als »organische Fortsetzung meines Buches ›Über das Geistige in der Kunst‹«. – »Äußerlich kann der Punkt als die kleinste Elementarform bezeichnet werden, was aber nicht genau ist. […] der Punkt kann wachsen, zur Fläche werden und unbemerkt die ganze Grundfläche bedecken – wo wäre dann die Grenze zwischen Punkt und Fläche?« (Seite 24). – Eine Beigabe.

23,0 : 18,2 cm. 190, [6] Seiten. 6 Tafeln. – Broschurumschlag etwas fleckig und mit kleinen Schabstellen, am Rücken mit Papierverlust.

Dokumentations-Bibliothek VI, 68 (und öfter). – Wingler 563. – Lang, Bauhaus 245. – Inside the Bauhaus 275. – Fleischmann 168f

272  Wassily Kandinsky. GFIK.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

Signet für die »Gesellschaft der Freunde junger Kunst« Braunschweig. Klischeedruck. Um 1924. 9,0 : 5,7 cm (10,7 : 15,7 cm). – Mit eigenhändiger Unterschrift von Galka Scheyer.

Mitgliedskarte der Gesellschaft mit dem hervorragend gestalteten Signet Kandinskys, das an seine Drachenfest-Karte von 1922 erinnert. – Braunschweig mit seiner Nähe zu Hannover war in den 1920er Jahren durch den Sammler und Mäzen Otto Ralfs ein Zentrum der Moderne. Ralfs war es auch, der 1924 die »Gesellschaft der Freunde junger Kunst« gründete. Bei einem Besuch in Weimar hatte er 1923 die legendäre Bauhaus-Ausstellung gesehen und sich mit Kandinsky, Feininger, Klee und Jawlensky angefreundet. Diese vier Künstler machte eine andere Braunschweigerin unter dem Namen »Die blauen Vier« in den USA bekannt: Galka (Emilie Esther) Scheyer, die die hier vorliegende Mitgliedskarte für Max Mustermann im Dezember 1924 ausfüllte und unterzeichnete. – Typographische Arbeiten Kandinskys sind kaum bekannt, die hier vorliegende blieb bisher undokumentiert. In unserer Auktion 8 (Herbst 2013) versteigerten wir einen Ausstellungs-Flyer mit dem Kandinsky-Logo. – Sehr selten.

Angestaubt, gefaltet. – Mit Bleistiftnotiz »Frl. Höfener, Oelschlägern 27 II«.

Nicht bei Roethel

273  Rudolf Bauer. Das Geistreich.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Die Kunst im neuen Jahrtausend. Futurismus · Faschismus · Der oberste Rat. Berlin-Charlottenburg [um 1930]. Illustrierte Originalbroschur.

Sehr seltene Originalausgabe, wir konnten via WorldCat nur ein Exemplar im MoMA New York nachweisen. – Rudolf Bauer (1898–1953), anfangs Karikaturist, gelangte über den Expressionismus und eine kubistische Formensprache zu gegenstandslosen Bildfindungen. Er stellte mehrfach in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm aus, bevor er 1929, unterstützt von Salomon Guggenheim, in Charlottenburg »Das Geistreich«, ein Privatmuseum für gegenstandslose Kunst, gründete. Dort stellte er neben eigenen Arbeiten auch Kunstwerke von Wassily Kandinsky und Hilla Rebay, der Gründungsdirektorin der Guggenheim Foundation, aus. 1937 emigrierte er in die USA, wo Solomon Guggenheim 100 seiner Bilder erwarb. – Mit einem Beilageblatt zu Ausstellungen, Verlag, Bauprojekten und zur »Bautokratie«. Von den dort zahlreich aufgeführten Publikationen wurden die meisten wohl nicht realisiert.

29,0 : 21,0 cm. [36] Seiten. – Umschlag etwas fleckig, das Beilageblatt oben leicht bestoßen.

274  Joost Schmidt – Ÿko Bürobedarf. Hauptliste Paul Henss Weimar.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

Weimar 1924.

Umfangreicher Katalog, auf dem Titel als »Liste H 1924« bezeichnet und somit einer der frühesten und umfangreichsten Ÿko-Belege. Das Ÿko-Symbol gehört zu den bekanntesten graphischen Arbeiten des Bauhauses und Joost Schmidt (1893–1948) zu dessen wichtigsten Werbegraphikern. Das Symbol, das groß und zweifarbig den Vorderdeckel dominiert, setzte Schmidt im Katalog fast zwei Dutzend mal als gliedernden Blickfang und als integralen graphischen Bestandteil ein. Der Katalog listet Schreibwerkzeuge, Aktenordner, Stempel, Waagen und Locher bis hin zu den berühmten Ÿko-Schränken auf. – Nach seiner Zeit an der Weimarer Hochschule für Bildende Künste beendete Joost Schmidt 1925 sein Studium am Dessauer Bauhaus und leitete bis 1932 u. a. die plastische Werkstatt, die Reklame-Abteilung und die Druckerei. Zu seinen wichtigsten graphischen Entwürfen zählen neben Ÿko das »Bauhaus«-Sonderheft der Zeitschrift »Junge Menschen« (1924), die Neugestaltung der Werkbundzeitschrift »Die Form« und vor allem das berühmte Bauhausheft »Offset«, das den Umschlag des Kataloges der Bauhaus-Jubiläumsausstellung 2010 im MoMA »Bauhaus Workshop for Modernity« zierte. – Mehrere Ÿko-Arbeiten Schmidts befinden sich in der Sammlung des MoMA und unterstreichen damit die Bedeutung dieses graphischen Entwurfs.

24,4 : 17,4 cm. 48 Seiten. – Hinterer Umschlag fehlt, vorderer leicht fleckig und geknittert und mit zeitgenössischen Notizen. – Seitenrand bis zur Heftmitte mit kleinem Wurmloch.

MoMA 895.1999 (das Exemplar aus dem Jan Tschichold Nachlass)

275  Joost Schmidt – Ÿko Paul Henss Weimar.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Rechnungsbogen. Buch- und Klischeedruck in Rot und Schwarz. Um 1935. 29,7 : 20,8 cm.

Joost Schmidts Ÿko-Logo verwendete Paul Henss viele Jahre, hier ein Rechnungsformular mit dem Logo in Rot. 1941 hatte sich neben die ursprüngliche serifenlose Schrifttype eine kleine in Fraktur gesetzte Kopfzeile »Das Zeichen deutscher Wertarbeit« eingeschlichen. – Bestellung über einen Kalenderblock, der Einzahlungsbeleg des Rechnungsempfängers über RM 1.05 (inkl. Porto und Verpackung!) liegt bei.

Leichte Faltspuren und minimal fleckig.

276  Die Form.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. Jahrgang I, Heft 1. Bonn, Kurt Schroeder Oktober 1925. Mit fotografischen Abbildungen auf acht Tafeln. Originalbroschur, Vorderdeckel nach Entwurf von Joost Schmidt.

Das erste Heft der 1925 neu begonnenen legendären Zeitschrift des Deutschen Werkbundes. – Herausgeber: W. C. Behrendt. – Die Gestaltung der typographischen Umschläge lag in den Händen von Joost Schmidt (1893–1948). Er war seit 1919 am Bauhaus und leitete seit 1925 die Plastische Werkstatt. Bereits 1922 entstanden erste typographische Arbeiten, von 1928 an leitete er auch die Reklameabteilung und die Druckerei in Dessau. – Die Zielstellung der 1907 gegründeten Künstlervereinigung übertrug man in den 1920er Jahren, nicht zuletzt unter Einfluss der Bauhäusler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, verstärkt auf die Architektur.

29,7 : 21,0 cm. 20, [10] Seiten. – Hinterdeckel etwas gebräunt.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Jaeger 1074

277  Die Form.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 350 ( R7 )

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. Jahrgang I, Heft 6. Berlin, Hermann Reckendorff März 1926. Mit 30 fotografischen Abbildungen. Originalbroschur, Vorderdeckel nach Entwurf Joost Schmidt.

Bereits das Januarheft, das wie die ersten drei der Zeitschrift für den Kurt Schroeder Verlag gedruckt worden war, hatte Hermann Reckendorff als neuer Verleger übernommen. In seinem Verlag erschienen in den 1920er Jahren die sicher relevantesten Publikationen des Werkbundes und der assoziierten Künstler und Architekten. – Mit einem Artikel von Walter Gropius »Wo berühren sich die Schaffensgebiete des Technikers und Künstlers?« und entsprechendem Bildmaterial.

29,7 : 21,0 cm. [4], 109–132, [4] Seiten. – Hinterdeckel etwas gebräunt.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Jaeger 1074

278  Andreas Niessen – 16. Jahresversammlung des Deutschen Werkbundes.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 670

Einladung und Programm. Doppelblatt. Zweifarbiger Buchdruck. Berlin 1927. 29,7 : 21,0 cm.

Konsequent in Rot und Schwarz und nach den Regeln der neuen Typographie gestaltetes Doppelblatt. – Mit dem Programm der Tagung in Mannheim und Stuttgart vom 27. bis 30. September 1927. Am letzten Tag war eine »Fahrt mit bereitstehenden Kraftwagen in die Siedlung am Weißenhof« vorgesehen. Nach einem »zwanglosen Mittagessen im Ausstellungsrestaurant der Siedlung« wurde die Besichtigung fortgesetzt. In den 1920er Jahren hatte sich der Werkbund, nicht zuletzt unter Einfluss der Bauhäusler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, verstärkt der Architektur zugewandt. Die Ausstellung »Neues Bauen« und die Stuttgarter Werkbund-Ausstellung »Siedlung am Weißenhof« 1927 dürften als Meilensteine dieser Phase des Werkbundes gelten. – Das Faltblatt entwarf der Berliner Graphiker Andreas Niessen, gedruckt wurde es bei Otto von Holten, Berlin.

Einmal quer gefaltet.

279  Herbert Bayer – Deutscher Werkbund.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Briefumschlag. Buchdruck. 1926. 16,3 : 23 cm.

Minimalistisch gestalteter großer Briefumschlag für den Deutschen Werkbund Berlin aus Bayers Zeit am Dessauer Bauhaus. – Adressiert an einen Empfänger in Dessau, Poststempel 1927. – Im MoMA New York (ehemals Sammlung Elaine Lustig Cohen Collection ) befindet sich das Pendant zu unserem Umschlag, ein von Herbert Bayer gestalteter Briefbogen. – Den Umschlag konnten wir dort und anderswo nicht nachweisen.

Minimale Knickfalten am rechten Rand.

280  Herbert Bayer – Deutscher Werkbund (DWB). Jahresversammlung. Einladung und Programm.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Programmheft. Zweifarbiger Buchdruck. Berlin 1929. 10,6 : 14,8 cm.

Erschienen zur 18. Jahresversammlung des Deutschen Werkbundes vom 24. bis 28. Juli 1929 in Breslau. – Mit einem Einladungstext von Peter Bruckmann und Otto Baur, der Bezug auf die Breslauer Ausstellung »Wohnung und Werkraum« nimmt, und dem Programm der vier Veranstaltungstage. Für die 16seitige, in Rot und Grau gedruckte, legendäre DWB-Broschüre entwarf Bayer ein Griffregister, ein Gestaltungsmoment, das er wenige Monate später für den Ausstellungskatalog »Section allemande« erneut verwendete. – 1928 hatte Herbert Bayer das Bauhaus Dessau verlassen und wurde Kreativdirektor der Berliner Werbeagentur Dorland. Er initiierte die Neuausrichtung der Agentur ganz im Sinne der Bauhaus-Ideen und beauftragte auch Lázló Moholy-Nagy, Marcel Breuer, Xanti Schawinsky u. a. – Tadellos erhalten.

Rössler/Bayer D-05. – Cohen 221. – Fleischmann 277. – Das A und O des Bauhauses 470 und Abbildung 388

281  Herbert Bayer – Section Allemande.

Schätzpreis/Estimate: € 5000

Zuschlag/Hammerprice: € 4000

Grand Palais 14. Mai – 13. Juillet. Exposition de la Société des Artistes décorateurs. Berlin, Hermann Reckendorf [1930]. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur mit geprägtem Folienumschlag.

Der von Herbert Bayer bahnbrechend gestaltete Katalog zur deutschen Ausstellung innerhalb der »Société des Artistes décorateurs« in Paris. Auf Einladung der Pariser Künstlervereinigung und im Auftrag des Werkbundes gestaltete Walter Gropius unter Mitwirkung von Herbert Bayer, Marcel Breuer und Laszlo Moholy-Nagy eine Präsentation von mehr als 100 deutschen Designern, Architekten, Möbel-, Glas- und Kunsthandwerksfirmen in fünf Räumen. – Mit Beiträgen in Wort und Bild von Walter Gropius, W. C. Behrendt, Laszlo Moholy-Nagy, Adolf Behne, Marcel Breuer, Hermann Muthesius, Friedrich Naumann und Paul Klee, alle Texte in deutsch-französischem Paralleltext. – Bild-Text-Seiten zu den fünf Ausstellungsräumen mit Vorstellung der Aussteller und zahlreichen Abbildungen von Bauten, Möbeln, Leuchten, Theaterbühnen und -aufführungen, Schriften, Stoffen und Tapeten, Glas, Keramik und Schmuck. Am Ende: Herbert Bayers Konzept einer perspektivischen Fotoschau, Modelle von Bauhaus Dessau (Gropius) und Krankenhaus (Breuer/Hassenpflug), Marcel Breuers Sitzmöbel, Werbung für die Werkbundzeitschrift »Die Form« und Herbert Bayers Plakat zur Pariser Ausstellung. – Gedruckt in mustergültiger Bauhaus-Typographie in Rot und Schwarz, mit Fotomontagen und Zeichnungen. – Zellophanumschlag mit Blindprägung, Umschlagillustration mit einer Fotomontage, Griffregister. – »Der zweischichtige Aufbau des Umschlags, eine Erinnerung an doppelbödig widersprüchliche, surreale Motive, wird von Seite zu Seite zur perfekten Blickführung ausgebaut« (Das A und O des Bauhauses). – Sehr gut erhaltenes Exemplar einer der überzeugendsten gebrauchsgraphischen Arbeiten der Zeit. – Sehr selten.

15,0 : 20,7 cm. [44] Seiten, 1 montierte Klapptafel. – Hinterdeckel des Folienumschlags mit winzigem Randeinriss. – Die Ecken des Griffregisters minimal aufgebogen.

Rössler/Bayer D–07b. – Rössler, Bauhaustypografie S. 134. – Fleischmann 280–283 mit acht Abbildungen. – Das A und O des Bauhauses 428 und Abbildung 340. – Autopsie I, S. 253, und II, S. 65

282  Herbert Bayer – Die neue Linie.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 180

Hefte VII/1 und IX/12. Leipzig und Berlin, Otto Beyer, September 1935 und August 1938. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Originalbroschuren, Umschlaggestaltung von Herbert Bayer.

Ein Umschlag im Druck signiert »herbert bayer dorland«, das zweite »baYer«. – Zwei Hefte des ersten deutschen »Lifestyle«-Magazins, das seit 1929 erschien und an dessen Gestaltung und Typographie mit Herbert Bayer und László Moholy-Nagy zwei führende Bauhaus-Künstler beteiligt waren. Bayer entwarf 26 Umschläge und auch die markante Titelschrift. – Nach 1933 erschien die Zeitschrift weiter, der künstlerische Spielraum der Gestalter wurde jedoch zunehmend eingeengt. 1943 wurde »die neue linie« wegen Papiermangels eingestellt. – 1938 verließ Bayer Deutschland. Das Augustheft 1938 ist der letzte von ihm entworfene Titel. Die Stiefelabdrücke vor einer Alpenidylle könnten seine versteckte Kritik am Anschluss Österreichs sein.

36,6 : 27,0 cm. 56 und 58, VIII Seiten. – Beide Rückenfalze ganz leicht brüchig.

Bauhaus-Archiv 4052 und 4055. – Rössler C-05s und C-05z

283  Herbert Bayer. Notgeld des Landes Thüringen.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Sechs Banknoten. Buchdruck über farbiger Lithographie. 1923. 7 : 14 cm bzw. 9 : 14 cm. Weimar 1923.

Im Sommer 1923 fand in Weimar die erste große Bauhausausstellung statt, die die Ideen und Arbeiten der Bauhaus-Künstler erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machten. In diesen Monaten erhielt der junge Herbert Bayer von der Landesregierung Thüringen den Auftrag, Notgeldscheine zu entwerfen. Sein Konzept berücksichtigt Grundideen des Bauhauses hinsichtlich Form und Funktion: Jede Serie wurde mit einer wechselnden Farbe gedruckt, als Schriften kamen sowohl die traditionelle Koch Fraktur als auch die Breite Grostesk zum Einsatz.

Fleischmann, Bauhaus Typographie S. 271 mit Abbildungen

284a  Alfred Richard Meyer. Munkepunkes Neue Lachlichkeit.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Chemnitz, Gesellschaft der Bücherfreunde 1928. Typographisch gestaltete Originalbroschur mit Pergaminumschlag.

Privatdruck, eins von 150 Exemplaren. – Alfred Richard Meyers (alias Munkepunke) Parodie auf die Neue Sachlichkeit und die Bauhaus-Ästhetik. – »Der Gesellschaft der Bücherfreunde zu Chemnitz zum 17. März 1928 von einigen Mitgliedern gestiftet«. – Gedruckt in Rot und Schwarz im Stil der Neuen Sachlichkeit.

25,3 : 16,0 cm. 31, [1] Seiten. – Ränder mit minimalen Knittern.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930 S. 168

284  elementare typographie.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Sonderheft. Typographische Mitteilungen. Oktoberheft 1925. Leipzig, Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker 1925. Originalbroschur.

Das gesuchteste Heft der vorbildlichen typographischen Zeitschrift im Stil des Bauhauses. – Gesamtgestaltung von Jan Tschichold, durchgehend in Rot und Schwarz gedruckt. – Mit Beiträgen von Natan Altman, Otto Baumberger, Herbert Bayer, Max Burchartz, El Lissitzky, Laszlo Moholy-Nagy, Kurt Schwitters, Mart Stam, Johannes Molzahn, Molnár F. Farkas und Jan Tschichold, Abbildungen berühmter Beispiele moderner Buchkunst und Typographie. – Der Begriff der »Neuen Typographie« wurde erstmals 1923 von dem Bauhaus-Künstler Laszlo Moholy-Nagy erwähnt. Den eigentlichen Anstoß zu einer Durchsetzung der neuen Ideen im Alltagsgebrauch gab jedoch Jan Tschichold. In den beiden hier erstveröffentlichten Aufsätzen »Die neue Gestaltung« und »Elementare Typographie« griff er Moholy-Nagys Thesen auf. 1928 erschien sein Lehrbuch »Die Neue Typographie« mit praktischen Anweisungen und konkreten Beispielen. – Das vorliegende Sonderheft enthält auch den »Bericht über die Tagungen des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker«, das Beiblatt »Das Schiff« und zahlreiche Anzeigen. – So gut erhalten sehr selten.

30,9 : 23,5 cm. VIII (Bericht), [191]–214 (Hauptteil), 73–80 (Das Schiff), [8] (Anzeigen) Seiten. – Leicht angestaubt, winzige Farbspur. Rostige Heftklammern entfernt und durch Fadenheftung ersetzt.

Fleischmann Seiten 329 ff. (ausführlich). – Nicht bei Dokumentations-Bibliothek

285  Marcel Breuer. Drei Briefbögen seiner Büros.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 480

Buchdruck auf Papier. Nach 1937. 28,0 : 21,5 cm.

Unbenutzte Briefbogen, jeweils mit dem wohl von Marcel Breuer (1902–1981) selbst entworfenem Briefkopf. – Mit den Anschriften 1430 Massachusetts Avenue in Cambridge, 113 East 37th Street, New York 16 und 201 East 57th Street, New York 22. – Die beiden New Yorker Briefbogen mit den assoziierten Architekten Belva J. Barnes (beteiligt seit 1952), Robert F. Gatje (seit 1953), Herbert Beckhard, Murray Emslie, Hamilton P. Smith und Breuers Assistentin Margaret Firmage. – Ein Bogen mit Copy-Bogen. – Dazu: Zwei Briefbögen des austro-amerikanischen Architekten Felix Augenfeld (1893–1984), der seit 1939 in New York lebte und arbeitete. Beide mit unterschiedlichen Anschriften, beide unweit von Breuers Büros. – Ein Briefbogen der austro-amerikanischen Fotografin Trude Fleischmann (1895–1990), die 1940 ein Fotostudio in Manhattan eröffnete.

Ein Briefbogen am rechten Rand gebräunt und mit kleinen Einrissen.

286  Fritz Ahlers – Meissner & Buch Qualitäts-Werbedruck.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Werbeblatt. Farblithographie. Leipzig 1921. 27,8 : 21,8 cm.

Gefaltetes Doppelblatt, innen mit Presse-, Künstler- und Kundenstimmen, rückseitig ein Werbetext des Verlages. – Der Vorderumschlag mit dem Firmenlogo der Druckerei und einer Figur in Schwarz und Gold. Der Berliner Graphiker Fritz Ahlers (1890–1973) und seine expressiven Silhouttenfiguren wurden 1924 erstmals ausführlich in der Zeitschrift »Gebrauchsgraphik« vorgestellt. – Dazu: Hübel & Denck. Monatsblätter für Bucheinbände und Handbindekunst. Ausgaben I/11, IV/2 und IV/4. Mit teils montierten Abbildungen. Drei Originalbroschuren. Bibliophil ausgestattete Hauszeitschrift in hervorragender Typographie. Mit zahlreichen Arbeitsproben der Leipziger Edelbuchbinderei. – Beilage: Begleitbrief der Buchbinderei an Paul Crone, Dessau.

Das Werbeblatt mit horizontaler Knickfalte und minimal fleckig.

287  Carl Döppner. 39. Deutscher Glasertag Erfurt.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Zweiteilige zweifarbige Lithographie. 1924. 19,0 : 27,5 cm. Im Stein signiert. Mit 20 ganzseitigen fotografischen Abbildungen. Zweifarbig lithographierte Originalbroschur (Entwurf von Carl Döppner, im Stein signiert).

Auf dem Umschlag der Festschrift zum Glasertag in Erfurt 16./17. Juni 1924. – Carl Döppner war mit kurzen Unterbrechungen von 1909-1919 Schüler der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für bildende Kunst und am frühen Weimarer Bauhaus. – Im Jahr der Schließung des Weimarer Bauhauses empfiehlt sich der in Erfurt ansässige »akademischer Maler« im Anzeigenteil für »Anfertigung gleicher Entwürfe wie die Umschläge des vorliegenden Festbuches«. – Die Erfurtansichten fotografierte Eduard Bissinger (1877–1951). – Sehr gut erhalten.

19,0 : 13,5 cm. 34, [2, 20, 40] Seiten.

288  AEG Elektrische Uhren. – AEG Spar-Patronen.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

Zwei Werbeblätter. Farblithographien. Um 1912 bzw. 1924. 28,8 : 22,8 cm bzw. 29,8 : 20,8 cm.

I. Frühes Werbeblatt, gestaltet von Louis Oppenheim (1879–1936). Dieser hatte 1910 seine Karriere als Gebrauchsgraphiker begonnen und war bei der AEG tätig, bevor Peter Behrens dort das Gesamtkonzept erneuerte. – II. Werbeblatt für die neu entwickelten schmalen Sicherungen. Rückseite einfarbig bedruckt. – Unter der Regie von Peter Behrens hatte die AEG u. a. das neue wabenförmige Firmenlogo eingeführt, das Wilhelm Deffke (1887–1950) während seiner Tätigkeit im Atelier Behrens entworfen hatte.

I mit leichter senkrechter Knickfalte.

289  Wilhelm Deffke – Der Zucker (Zuckerbiene).

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Lithographie. 1925. 10,5 : 15,8 cm.

In Gold und Schwarz lithographierte Werbekarte für die Magdeburger Ausstellung »Der Zucker« im Sommer 1925. – Das Motiv der »Zucker-Biene« ziert den Umschlag der von Torsten Bröhan herausgegebenen Deffke-Monographie. – Unbenutzt, tadellos, sehr selten. – Dazu: Werbemarke zur Ausstellung. Prägedruck in Goldfolie. 5 : 5 cm. Rückseitig gummiert. Etwas oxidiert.

Vgl. Bröhan, Wilhelm Deffke, S. 300f. – The Avant-Garde applied, S. 92

290  Leipziger Messe.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Vier Einladungskarten. Farblithographien. 1926. 14 : 9,2 cm.

Einladungskarten für Aussteller bestimmter Fachmessen innerhalb der Leipziger Frühjahrsmesse 1926: I. Reklamemesse. – II. Deutsche Schuh- und Ledermesse. – III. Bau-Messe. – IV. Messe für Kino, Photo, Optik, Feinmechanik. – Alle mit dem bekannten Messe-Markenzeichen, dem »Doppel-M«, das Erich Gruner (1881–1966) 1917 entworfen hatte. – Jede Karte mit einer Motivnummer am Unterrand (5, 8, 9 und 14). – Tadellos erhalten.

291  Leipziger Messe Herbst 1928.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Werbebroschüre. Leipzig 1928. 22,3 : 10,4 cm.

Der Umschlag mit einer Fotomontage, mit rot-goldenem Logo und Banner überdruckt. – Die zwölf Innenseiten am Oberrand mit einem fotomontierten Panorama der Messestadt. – Der Gestalter der seltenen Broschüre ist nicht zu ermitteln, steht aber sicher im Zusammenhang mit der WEZ (Wirtschafts- und Export-Zeitung), dem amtlichen Organ der Leipziger Messe, das diese Broschüre herausgab. – Auch dieses Heft druckfrisch.

292  Ringmessehaus Leipzig. – Bugra Messe Leipzig.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Zwei Werbebroschüren. Leipzig 1929 und 1937. 24 : 10,8 cm bzw. 24 : 9,3 cm.

I. Das Ausstellerverzeichnis zur Frühjahrsmesse 1929, wo u. a. Sportartikel, Möbel und Werbemittel gezeigt wurden. [2], 34 Seiten. – II. Dreisprachige Ankündigung der Erweiterung des Deutschen Buchgewerbehauses, die 1938 nach Entwurf von Curt Schiemichen abgeschlossen wurde. Die graphische Gestaltung ist eine frühe Arbeit des österreichischen Graphikers Walter Hofmann (1906–1973), der nach Kriegsende vor allem durch seine Plakate für Kajak-Bademoden bekannt wurde. – Beide verlagsfrisch.

293  39. Ordentliche Hauptversammlung des Deutschen Wasserwirtschafts- u. Wasserkraftverbandes e. V. (DWWV)

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

Einladungsflyer. München 1929. 14,8 : 21,0 cm.

Sechsseitiges Leporello mit Fotomontage auf dem Vorderumschlag. – Enthält neben der Einladung und dem Programm auch Werbung des Verlages R. Oldenbourg, München, für die seit 1927 dort erschienene Zeitschrift »Wasserkraft und Wasserwirtschaft«. – Mit adressiertem Anschriftenfeld, sonst tadellos.

294  Licht und Beleuchtung. Bücher der Form.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Zweiseitiges Werbeblatt. Berlin 1928. 30 : 21 cm.

Werbung für das gleichnamige Buch, das im Verlag Hermann Reckendorf Berlin als sechster Band der Reihe »Bücher der Form« erschien. Unter den abgebildeten Leuchten finden sich Entwürfe des Bauhauses sowie von Ferdinand Kramer, Wolfgang Tümpel und Adolf Meyer und einige Bauten von Mendelsohn, Riphahn, Poelzig, Arthur Korn, Riemerschmidt u. a. – Im Reckendorf Verlag erschien auch die Zeitschrift des Deutschen Werkbundes »Die Form«. – Tadellos erhalten.

295  René Ahrlé – 99 Millionen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Werbefaltblatt. Offset und Lithographie, beide zweifarbig. Berlin 1928. 36 : 32,5 cm (gefaltet 13,5 : 20 cm)

Faltblatt der Epoche GmbH, welche die Werbeflächen auf dem Ausstellungsgelände der legendären Pressa-Ausstellung in Köln vermietete. – Innenseite mit Fotomontage, Außenseite mit lithographiertem Dekor, beides entworfen und in der Platte signiert von René Ahrlé (1893–1976), dem deutschen Pionier der Fotomontage. »Die besondere Überzeugungskraft seiner Arbeiten beruht nicht zuletzt darauf, daß ihre an sich heterogenen Aufbauelemente der Photographie und der Graphik nicht etwa nur lose formal gebunden, sondern durchaus organisch verschmolzen sind.« (Eberhard Hölscher, in »Photographik«, Heft 1/1933, S. 9). Roland Jaeger misst Ahrlé gar eine so große Bedeutung bei, dass er dessen »Abwesenheit« in »Gefesselter Blick« der Gebrüder Rasch ausdrücklich erläutert (Autopsie II, 365). – Die von Ahrlé für die Fotomontage des Faltblatts fiktiv konstruierte Köln-Silhoutte erinnert eher an Manhattan, die dort eingedruckten Werbeplakate werden von einer unüberschaubaren Menschenmenge bestaunt. »Nach Berechnungen eines Ausstellungs-Statistikers werden 99 Millionen Blicke der ungezählten Pressa-Besucher auf die Reklame-Schau geworfen« (Werbetext). – Den Vertrieb des Faltblatts, als Großbrief verschickt, übernahm der Verlag Guido Hackebeil, Berlin.

Gefaltet, adressiert an die Berlin-Anhaltische Maschinenbau AG in Dessau. – Mit zwei Poststempeln.

296  Lucian Bernhard und Fritz Rosen – Reklameschau.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Anzeigenwerbung. Doppelblatt, Farblithographie und Buchdruck. 1929. 20 : 20 cm.

Überzeugender Entwurf aus dem Atelier Bernhard/Rosen. – Einladung zur Anzeigenschaltung im Ausstellungskatalog und -führer der »Reklameschau«, die im September 1929 in Berlin stattfand. – Lucian Bernhard (1883–1972) war eine der wichtigsten Figuren der deutschen Plakatkunst. Er zählte Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur zu den stilistischen Erneuerern, er begründete mit »Das Plakat« auch eine der wichtigsten Publikationsreihen. Ab 1925 arbeitete er vorrangig in den USA, sein Atelier in Berlin führte bis 1933 Fritz Rosen (1890–1980) weiter.

Minimal geknickt.

297  Die Reklame.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Werbebroschüre. Berlin [1928/29]. 15,5 : 21,0 cm.

Achtseitige illustrierte Werbebroschüre für die gleichnamige Zeitschrift des Deutschen Reklameverbandes, die im Verlag Francken & Lang erschien. – Gedruckt in Rot und Schwarz und typographisch vorbildlich gestaltet. – Enthält kurze Artikel zu den hauptsächlichen Werbemitteln (Plakat, Anzeige, Licht) und Pressestimmen aus dem In- und Ausland. – Das Logo des Verbandes gestaltete möglicherweise Wilhelm Deffke, dessen Signet sich auch beim Copyright dieser Broschüre findet. – Tadellos.

298  Förster & Borries Zwickau i. Sa.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Werbeplakat. Offsetlithographie. 1929. 59 : 41,5 cm.

Durch Fotomontage und die rot-schwarze, mit Balkenlinien akzentuierte Typographie außerordentlich attraktives Werbeplakat der Zwickauer Druckerei. – Rückseitig mit drei Einzelmotiven: Kalender 1930, Offsetdruck und Muster der Druckereiproduktion. – Gefaltet.

299  Spamersche Buchdruckerei Leipzig.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Werbebroschüre. Leipzig um 1930. 12,8 : 16,5 cm.

Werbeschrift der berühmten Leipziger Druckerei. – Der Umschlag eindrucksvoll gestaltet mit einer Ansicht der Firmenfassade. – Innenteil mit zwölfseitigem Leporello mit Ansichten aus der Druckerei. – Nahezu makellos.

300  Behandlungs-Vorschrift für das 7 Liter 120 PS Sechs-Zylinder-Maybach-Chassis Bauart W 5.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Friedrichshafen am Bodensee, Maybach-Motorenbau [1925]. Mit zahlreichen, teils fotografischen Abbildungen und Schemazeichnungen. Originalbroschur.

Zugleich Werbemittel (»Die besonderen Vorzüge des Maybach-Wagen sind«) und Wartungsvorschrift (»enthält alles Wesentliche für die Pflege des Chassis und dürfte auch dem mit dem Wagen eingehend vertrauten Besitzer als Nachschlagewerk willkommen sein«).

30,2 : 21,7 cm. 28 Seiten. – Umschlagränder mit Läsuren, senkrecht gefaltet. – Titelblatt mit Stempel.

301  So entsteht ein Auto.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 350

Paul G. Erhardt (Text) und Paul Wolff (Fotos). Frankfurt am Main, Bücherei der Adlerwerke. [1930]. Mit zahlreichen fotografischen Abbildungen von Paul Wolff. Originalbroschur mit Negativblind- und -farbprägung.

Mustergültig gestaltete Firmenfestschrift der Frankfurter Adlerwerke, die Ende der 1920er Jahre namhafte Graphiker und Produktentwickler beschäftigten. – Die Fotografien stammen von Paul Wolff, einem der führenden Produktfotografen in Deutschland. »Die Veröffentlichung brachte den Durchbruch für Paul Wolff auf dem Gebiet der Werksfotografie« (Hanna Koch, in: Autopsie). Die Aufnahmen wurden von Hans Breidenstein vielfach atemberaubend als Fotomontagen gestaltet und mit Texten, die aus Paul Renners Futura gesetzt und in Rostbraun gedruckt wurden, kombiniert. Hanna Koch verweist in ihrem Paul Wolff-Beitrag auf die Einzigartigkeit der Fotomontagegestaltung, die sich in folgenden gemeinsamen Projekten von Wolff und Breidenstein nicht fortsetzt. – Ebenfalls 1930 gestaltete Herbert Bayer ein Werbeblatt »Der neue Adler« in den gleichen Farben (vgl. Das A und O des Bauhauses, Abb. 390).

35,5 : 26,5 cm. 109, [5] Seiten (einschließlich Umschlag).

Heidtmann 11487. – Autopsie II, 452. – Ausstellung: Moderne am Main 1919–1933, MAK Frankfurt 2019

302  Georg Johann Köhler – 1,5 Ltr Adler Trumpf auf der Alpenfahrt 1932. – Im Adler Trumpf von der Ostsee bis zur Adria.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

– Werbebroschüren der Firma Adler, mit farbigen Vorderdeckelillustrationen von Georg Johann Köhler. Frankfurt am Main 1932.

Bereits um 1930 hatte Herbert Bayer ein Werbefaltblatt für einen PKW der Frankfurter Adlerwerke entworfen (A und O des Bauhauses Katnr. 467). Georg Johann Köhler (1890–1944) hatte 1907 in Darmstadt eine Ausbildung bei Friedrich Wilhelm Kleukens absolviert und ließ sich 1919 in der kunstsinnigen Stadt als Graphiker nieder. Er entwarf Werbeplakate für Unternehmen der Region, u. a. für die Firma Merck. – Der Adler Trumpf wurde in verschiedenen Ausführungen von 1932 bis 1938 gebaut. – Tadellos erhalten.

10,8 : 16,5 cm. Je [12] Seiten.

303  Johannes Molzahn – Staatliche Akademie fuer Kunst und Kunstgewerbe Breslau.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Ausstellung vom 18. Januar bis 9. Februar 1930 im alten General-Kommando Breslau. Herausgeber: Gustav Eugen Diehl. Berlin, Arnold Eichberg [1929/1930]. Mit 29 meist ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur.

Seltener und wichtiger Katalog, in Bauhaus-Typographie gestaltet von Johannes Molzahn (1892–1965). Er war nach seiner Ausbildung in Kontakt mit Herwarth Walden, Walter Gropius, Theo van Doesburg, El Lissitzky sowie der »Novembergruppe« gekommen und 1923 durch Vermittlung von Bruno Taut an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg berufen worden. Später arbeitete er als Graphiker für die berühmten Fagus-Werke und ging 1928 nach Breslau, wo er Lehrer an der hier vorgestellten Akademie wurde. – In der Ausstellung waren Arbeiten der bildenden und angewandten Kunst zu sehen, im Katalog Abbildungen von Zeichnungen und Gemälde von Oskar Schlemmer, Otto Mueller, Oskar Moll, Johannes Molzahn u. a., Architektur und Möbel von Hans Scharoun sowie Josef und Li Vinecky. – Tadellos erhalten. – Dieser Katalog nicht im MoMA.

23,8 : 15,5 cm. 32, [8] Seiten (einschließlich Umschlag).

304  Kurt Schwitters. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1900

Hannover, 11.11.1923. 1 1/2 Seiten. 14,0 : 9,0 cm.

An Max Gundermann in Braunschweig. – »Ich bin principiell gern bereit, einen Vortragsabend zu veranstalten. Ich bitte Sie um nähere Angaben, wann, wo und unter welchen Bedingungen der Vortrag veranstaltet werden soll. 1. Wie komme ich auf meine Kosten? 2. Kann ich bei irgend jemand gratis wohnen? Da ich ziemlich viel vorhabe, kann ich meinerseits nur sagen, daß in den nächsten 14 Tagen oder um Weihnachten für mich die Möglichkeit zu einem Vortrag wäre. Mit vorzüglicher Hochachtung Kurt Schwitters«. – Bereits am 16. November antwortete Schwitters auf ein Telegramm Gundermanns, akzeptierte dessen Bedingungen und erörterte ausführlich Details zu dem geplanten ersten Merzabend in Braunschweig. Er entwarf ein Werbeplakat und nannte Namen, die informiert werden sollten. – Die Briefkarte vom 12.1.1924 (siehe die folgende KatNr.) belegt, dass der für den 23. November 1923 geplante Merzabend nicht stattfand. Nachforschungen des Kurt-Schwitters-Archivs in der Braunschweiger Presse ließen das bereits vermuten. – Auf der Bildpostkarte »Kurt Schwitters. Konstruktion für edle Frauen« (Offsetlithographie nach Fotografie der Assemblage von 1919, diese heute im Los Angeles County Museum of Art).

Etwas angestaubt und geknittert. Briefmarken abgelöst.

305  Kurt Schwitters. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

Magdeburg, 12.1.1924. 1 1/2 Seiten. 14,0 : 9,1 cm.

Auf einer Kunstpostkarte mit einer Zeichnung von Hannah Höch. – An Max Gundermann. – Ich komme Sonntag 13.1. von Magdeburg mit dem DZug […] Bitte seien Sie am Bahnhof. Ich werde, damit Sie mich erkennen, mit einer Zeitschrift MERZ in der Hand herauskommen. Herzliche Grüsse. Kurt Schwitters«. – Diese an sich banale Nachricht ist der Beleg, dass der im November 1923 in Braunschweig geplante erste Merzabend, dessen Organisation Max Gundermann oblag, nicht stattgefunden hat. – Auf Kunstdruckpapier.

Leicht geknittert.

306  Kurt Schwitters. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 5500

Hannover, 25.1.1924 (Poststempel). Eine Seite. – Auf: Einladung […] zweiter Merzabend in Magdeburg Februar 1924. Offsetdruck. 10,5 : 15,2 cm.

An Max Gundermann in Braunschweig. – »Wahrscheinlich werden wir um 1/2 4 Uhr in Braunschweig ankommen mit dem Personen-Zug. Wollen Sie uns abholen? Wir gehen dann zu Scheyer und wenn es geht, möchte ich bei Ihnen schlafen […]«. – Im November 1923 hatte in Braunschweig ein erster Merzabend stattgefunden. Schwitters veranstaltete diese Matineen mit wechselndem Programm 1923/24 häufiger, u. a. auch in Hannover, Magdeburg und Berlin. – Aus welchem Anlass Schwitters Ende Januar 1924 nach Braunschweig reiste, wird nicht erklärt. Die verwendete Einladungskarte wurde für den zweiten Merzabend in Magdeburg gedruckt. Die dortige Künstlervereinigung »Die Kugel« war 1919 gegründet worden. Die Einladungskarte mit dem Logo »Die Kugel« und dem Merzbild »Zwillinge« von Schwitters, hier in einer links verkürzten Fassung, ohne die gedruckte Anschriftenzeile von Kurt Schwitters am linken Rand (vgl. Schelle/Haldenwanger/Heine 17).

Minimal berieben und geknittert, eine vertikale Knickfalte.

307  Kurt Schwitters. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift »Merz«.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

Hannover, 28.1.1924. Auf beiden Seiten von Einladung Merzmatinee Tivoli 1923. Offsetdruck. 10,4 : 15,5 cm.

An Max Gundermann, Braunschweig. – Nach dem Besuch und einer Veranstaltung in Braunschweig an einem der vorherigen Tage: »Ich dachte, Sie wollten vielleicht ganz gerne meine und meiner Freunde Arbeiten noch da behalten, um sie eventuell zu verkaufen. Nun komme ich in 3 Wochen nach Braunschweig […] dann hole ich alles ab. Was macht der geplante Kunstsalon? Herzlichst Merz«. – Auf der Bildseite mit eigenhändigen Anmerkungen von Schwitters zu seinen Reiseplänen: »Ich reise wahrscheinlich am 2.2. nach Berlin, 5.2. Magdeburg, 9.2. Weimar, Bauhaus. In Berlin Adresse Frl. Höch […] in Magdeburg per Adr. Herrn Leitz, Gruss [Pfeil auf seinen gedruckten Namen]«. – Auf der von Schwitters gestalteten Einladungskarte zur Merzmatinee am 30. Dezember 1923 im Hannoveraner Tivoli. Mit Werbung für die Zeitschriften »Merz« und »G« und Auszügen aus dem Programm, das Schwitters zusammen mit Raoul Hausmann bestritt. Links das Merzbild »Zwillinge«, am Unterrand der Hinweis »Niemand soll ohne dadaistischen Trost das alte Jahr beschließen«. – Die Einladungskarte in der bei Schelle/Haldenwanger/Heine 14 abgebildeten Fassung.

Etwas angestaubt. Mit geglätterer vertikaler Knickfalte.

308  Kurt und Helma Schwitters. Eigenhändige Merz-Postkarte mit Unterschrift »Ihre Schwitters«.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Hannover, 30.5.1924 (Poststempel). 1 1/2 Seiten. 14 : 9 cm.

An Max Gundermann. – Helma Schwitters beginnt den Text mit »Lieber Herr Gundermann. Haben Sie alle Bilder und sämtliche Sachen meines Mannes wohl zusammengestellt? Wir werden in allernächster Zeit nach Braunschweig kommen und alles abholen!« Kurt Schwitters setzt den Satz fort: »Für den Fall dass Sie nicht da sind, schreiben Sie uns doch, bitte, wo wir die Sachen bekommen können. Wie geht es denn mit Ihrem Kunstsalon? Mit frdl. Grüssen Ihre Schwitters«. – Auf der Bildpostkarte »Kurt Schwitters Merzplastik. Der Lustgalgen« (Offsetlithographie nach Fotografie der Assemblage von 1919, zerstört oder verschollen). – Verlegt vom Paul Steegemann Verlag mit Werbung für Schwitters’ »Anna Blume«.

309  Kurt Schwitters. Dammerstock-Siedlung.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Prospekt in Plakatform. Offsetdruck. 1929. 59,2 : 42 cm (gefaltet 21 : 10 cm).

Sehr seltener Prospekt, von Schwitters als Plakat konzipiert. Schwitters selbst erläuterte sein Gestaltungskonzept ausführlich in dem legendären Buch »Gefesselter Blick« (1930, dort auf Seiten 92/93). – Mit einem detaillierten Grundriss und einer schematischen Karte der Umgebung, einer Auflistung der Bauten sowie einer Fotomontage mit Aufnahmen von der Baustelle. Rückseitig illustriert mit weiteren Fotografien von A. K. P. Supper. – Mit dem Bau der Dammerstock-Siedlung setzte die Stadt Karlsruhe neue Maßstäbe beim modernen Siedlungsbau. An dem Wettbewerb für den ersten Bauabschnitt nahmen neben ortsansässigen Architekten auch Walter Gropius, Otto Haesler, Riphahn, Groth und einige andere teil. Das Preisgericht entsprach mit Architekten wie Ernst May, Mies van der Rohe und Paul Schnitthenner der weit über die örtlichen Verhältnisse hinausreichenden Bedeutung der Ausschreibung. Den ersten Preis erhielt der Entwurf von Walter Gropius, der kurz zuvor die Leitung des Bauhauses aufgegeben hatte (vgl. www.karlsruhe.de). – Wichtige Ergänzung zu dem ebenfalls 1929 erschienenen Katalog, zugleich aber ein eigenständig künstlerisch wirkendes Beispiel für Schwitters’ Gestaltungsprinzipien. – Für den damaligen Vertrieb gefaltet, tadellos erhalten.

Schelle/Haldenwanger/Heine 114, denen allerdings kein Exemplar bekannt war, die Beschreibung (mit falsch vermuteter Größenangabe) zitiert »Gefesselter Blick«

310  Hans Richter. Maschinengeschriebener Brief und eigenhändige Briefkarte, beide mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 6500

Berlin, 10. Februar und 27. III. 1924. Zusammen drei Seiten.

Beide an Max Gundermann in Braunschweig, der im Frühjahr 1924 offensichtlich erwog, dort eine Kunsthandlung zu eröffnen. – Hans Richter gehörte in den Jahren 1917–1919 zu den Zürcher Dadaisten, 1920 wandte er sich zusammen mit dem schwedischen Maler Viking Eggeling dem Experimentalfilm zu. 1922 kam Richter wieder nach Berlin und schloss sich der Gruppe De Stijl an. Gemeinsam mit Werner Gräff, El Lisstzky und Mies van der Rohe gab er 1923-1926 die Zeitschrift »G« heraus, von der allerdings nur sechs Ausgaben erschienen. – Beide Schriftstück mit dem wohl von Werner Gräff gestalteten Logo »G« (das Hans Richter häufiger modifizierte) und Angaben zur Redaktion der Zeitschrift. Die Karte am Oberrand mit Perforation. – Brief, 10.2.1924: »Nach Rücksprache mit Herrn Schwitters sind wir Ihnen für Ihre Vorschläge sehr verbunden. Wir werden Ihnen eine Anzahl von Arbeiten zugehen lassen, die sich etwa für den Verkauf im Kunsthandel eigneten […] auch ältere Arbeiten […], die sich leichter verkaufen lassen, als unsere rein abstrakten prinzipiellen Arbeiten (wie das Bild, das Sie von mir in Braunschweig dahaben). Richter schreibt auch über den Vertrieb der Zeitschrift »G« und seine abstrakten Filme. Es scheine ihm »am zweckmässigsten die Vorführung mit einem Vortrag zu verbinden, so wie ich es in Holland, Tschechoslovakei, Oesterreich und Italien auch mache.« – Karte, 27.3.1924: Richter erklärt eingetretene Verzögerungen. »Sie irren sich wenn Sie glauben, dass mir meine Vorschläge ›leid geworden« wären. Nur sind infolge einer Krankheit, die ich durchzumachen hatte alle unsre Angelegenheiten im Rückstand«. An einen Filmvertrag sei nicht zu denken, aber er sei im April zur »Eröffnung unserer Ausstellung in Hannover« und brächte dann Sachen mit nach Braunschweig. Auf der Adresseite »Ich erbitte mein bisheriges Schweigen zu entschuldigen.«.

Brief: 29,7 : 21,0 cm. Mehrfach gefaltet, Falzdurchrisse restauriert, kleiner Eckverlust oben links. – Karte: 8,8 : 14,0 cm.

311  Willi Baumeister. Rechnungsformular »G. Siegle & Co Farben-Fabriken Stuttgart«.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 300 ( R7 )

Zweifarbige Lithographie. 1927. 29,5 : 21 cm.

In »Sieglegelbgrün« und Rot gedruckt. – Rückseitig Produktliste. – 1927 wurde Willi Baumeister Mitglied in dem von Kurt Schwitters gerade gegründeten »Ring neuer Werbegestalter« und gewann, in Stuttgart angesiedelt, dadurch eine Reihe neue Firmenkunden, u. a. auch die Farbenfabrik Siegle.

Heftlöcher, beschrieben und gestempelt.

312  Willi Baumeister. Perkeo jr., der Hart- u. Weichlötapparat.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Zweifarbige Lithographie. Um 1927. 21 : 14,7 cm. Im Stein monogrammiert.

Werbefaltblatt der Apparatefabrik Hermann Stahl & Co. in Stuttgart. – Willi Baumeister entwarf die Titelseite mit der Schriftzeile und den sieben Piktogrammen.

Horizontale Faltspur.

313  Willi Baumeister. Briefbogen »Akademischer Verlag Dr. Fritz Wedekind & Co. Stuttgart«.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Zweifarbige Lithographie. Um 1929. 29,5 : 20,7 cm.

Konsequenter Entwurf von Baumeister, mit roten Balken und einem Textblock in Schwarz. – 1930 wurde Willi Baumeister an die Frankfurter Kunstgewerbeschule berufen, der Entwurf entstand wohl vor seinem Weggang aus Stuttgart. – Maschinengeschriebener Text an die »Bau-Rundschau« in Hamburg, datiert 3.7.1931.

Etwas stockfleckig.

314  Max Burchartz – GRUGA.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Werbebroschüre. Essen 1929. 22,4 : 11 cm (ausgefaltet: 22,4 : 76,8 cm).

14seitiges Leporello für die Große Ruhrländische Gartenausstellung (GRUGA) mit Fotomontage, zahlreichen Ansichten und vorbildlicher Typographie in Orange und Schwarz. – Max Burchartz gehörte neben Robert Michel, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Willi Baumeister und Kurt Schwitters zum Ring Neue Werbegestalter, der im Jahr 1928 gegründet wurde. – Diese Arbeit für die GRUGA in Essen zählt zu seinen bekanntesten Entwürfen. – Sehr selten, zumal druckfrisch wie hier.

Kunst kann unter Umständen Kunst sein / Amsterdamer Ausstellung 1931, S. 18

315  Neue Verwaltung. Die Organisationsschau der Stadt Köln

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

auf der Herbstmesse 1929. Mit einem doppelblattgroßen Organigramm und vier Abbildungen. Originalbroschur.

Auch Köln übernahm für seine Einrichtungen und Ämter Ende der 1920er Jahre die Regeln der Neuen Typographie. – Innerhalb der Ausstellung »Büro und Organisation« stellte die Sondergruppe »Das moderne Büro« neue Organisationsstrukturen und Techniken vor. – 1929 wurde dazu diese zwölfseitige Broschüre konzipiert, zweispaltig gesetzt, mit Abbildungen und einer Tabelle. – Gedruckt bei Ziegler Beckmann, Köln, in Orange und Schwarz. – Dazu: 2. Organisationsschau der Stadt Köln. Herbstmesse 1930. Doppelblatt, zweifach gefalzt. Zur Fachschau »Büro, Vertrieb und Werbung«. In identischer Gestaltung, allerdings nur mit Texten.

23,0 : 20,0 cm (vor der konzipierten vertikalen Faltung).

316  Galleria lusticana.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Parodieen aus beiden Berliner Kunstausstellungen von Czabran, Jüttner, Vanselow und Wellner. Berlin, Verlag der Lustigen Blätter [1893]. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Beilage zu Heft 26/1893 der »Lustigen Blätter«. Das kleinformatige Heft karikiert die Aufregungen um die Abspaltung und parallel ausstellenden Künstler der Berliner Secession. – Parodiert werden u. a. Kunstwerke von Boecklin (Caroussel bei den Cimbern), Menzel (Talent und Gähnialität), Slevogt (Friedensbertha mit dem Kriegsgott abtanzend) u. v. m. – Wir konnten das Heft via KVK nicht einzeln nachweisen.

16 : 12,2 cm. 16 Seiten (einschließlich Umschlag). – Geknickt, oben mit Falzeinriss.

317  Die Futuristen.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 80

Umberto Boccioni · Carlo D. Carra · Luigi Russolo · Gino Severini. Künstlerische Leitung: Zeitschrift Der Sturm. Herausgeber: Herwarth Walden. Siebentes und achtes Tausend dieses Kataloges. [Berlin 1913]. Mit sieben ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur.

»Im März 1912 eröffnete Walden die lange Reihe seiner Ausstellungen in der Berliner Galerie mit Arbeiten der Gruppe ›Blauer Reiter‹. […] Schlag auf Schlag zeigte er in den nächsten Monaten das Beste an junger europäischer Kunst. […] Am meisten Aufsehen erregte die erste Ausstellung der Futuristen im April des Jahres 1913. Nell Walden schrieb dazu: ›Ihr Sprachrohr, die Presse, überbot sich in Angriffen, die all das, was die Franzosen sich [anlässlich der Pariser Futuristen-Ausstellung 1912 in der Galerie Bernstein] geleistet hatten, in den Schatten stellte«. (Georg Brühl). – Der Katalog enthält Marinettis »Manifest des Futurismus« und hier als »trüffelnde« Beilagen drei Sturm-Kunstpostkarten mit Gemälden der ausstellenden Künstler. Auf der dritten Umschlagseite ein Werbeaufkleber für Waldens »Erster Deutscher Herbstsalon«, der im September 1913 öffenete. – Vorderdeckel mit Stempel des berühmten Kunstsalons Emil Richter in Dresden.

19,4 : 15,0 cm. 28, [4] Seiten.

318  Franz Marc Gedächtnis-Ausstellung.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Münchner Neue Secession. München 1916. Mit 14 Tafeln. Originalbroschur.

Originalausgabe des wichtigen Kataloges. – Mit einer Einleitung von Wilhelm Hausenstein. – Die Ausstellung mit Werken aus dem Nachlass und Leihgaben aus Museen und privaten Sammlungen war vom 14. September bis 15. Oktober 1916 geöffnet. Gezeigt wurden mehr als 180 Arbeiten. – Dazu: Neun Originalfotografien aus den Ausstellungsräumen. Vintages. 1916. 12,5 : 17,5 cm. Zu sehen sind etwa 80 Arbeiten, darunter der »Turm der blauen Pferde«. – Galerie Der Sturm. Franz Marc Gedächtnis-Ausstellung. November 1916. Mit sieben Tafeln. Originalbroschur. Mit dem Einleitungstext von Herwarth Walden zum Tod des Künstlers im März 1916. – Fotos und Kataloge in privatem Schuber.

Ca. 21 : 16 cm (Kataloge).

319  Expressionisten.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 150

Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf. I. Ausstellung [nach der] Wiedereröffnung 1919. Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1919. Mit zwei Holzschnitten und mehr als 60 Abbildungen. Originalbroschur.

Ausstellungskatalog mit Beiträgen von Herbert Eulenberg, Walter Cohen, Wilhelm Hausenstein, Paul Westheim u. a. – Mit je einem Holzschnitt auf gelbem Japanpapier von Eberhard Viegener (»Soest«) und Richard Schwarzkopf (ohne Titel), letzterer entwarf auch die Umschlaggestaltung.

23,0 : 15,5 cm. 80, [8] Seiten, 2 Holzschnitte. – Vorderdeckel und einige Blattecken leicht geknittert.

Rifkind Collection 3046 und 2659

320  Fritz Gurlitt. Das Graphische Jahr.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 900

Berlin, Fritz Gurlitt 1921. Mit neun signierten Originalgraphiken. Originalhalblederband mit farbig lithographierten Deckelillustrationen und vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Eins von 40 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit neun signierten Graphiken. – Vom Verfasser im Druckvermerk signiert. – Enthält Radierungen von Lovis Corinth (»Lesender Mönch« und »Des Künstlers Schwiegermutter (Belle mère)«, hier kurioserweise als »Männliches Bildnis« bezeichnet), Felix Meseck, Otto Schoff und Wilhelm Wagner, Lithographien von George Grosz (»Arbeitslose«), Richard Janthur und Paul Scheurich sowie den Holzschnitt »Weiblicher Kopf« von Max Pechstein. – Alle Graphiken wurden auf der Handpresse gedruckt. – Enthält Biographien und einen Katalog zu Einzelgraphiken, Mappenwerken und illustrierten Bücher mit zahlreichen interessanten Preisangaben auch für die verschiedenen Vorzugsausgaben.

27,3 cm : 20,0 cm. [2], 142, [8]; [2], 80, [8] Seiten. 9 Graphiken. – Einband etwas fleckig, Rücken beschabt. – Die Graphiken sämtlich leicht stockfleckig und an den Rändern gebräunt.

Söhn HDOG 513-1 bis 513-9. – Schwarz, Corinth 411. – Dückers, Grosz E 67. – Krüger, Pechstein H 214

321  Werner Schümann. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 150

Vitte/Hiddensee, 14. V. 1924. Eine Seite.

An Max Gundermann. – »Erinnern Sie sich noch des jungen, blonden Mitarbeiters der Galerie von Garvens, den Sie anläßlich Ihrer Besuche nur flüchtig kennen lernten? Ich konnte Ihnen seinerzeit mein warmes Interesse für Sie und Ihre Kunst, aus Gründen der Autorität [Loyalität?] meinem Chef gegenüber, nicht offen zum Ausdruck bringen. Ich freue mich, daß ich diese jetzt nachholen kann […] Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihren Sommerurlaub hier auf dieser schönen Insel verleben würden, wo sich alljährlich die künstlerische Elite Deutschlands einfindet.« – Offensichtlich hatte sich der Mitarbeiter der für Dada, Merz und andere avantgardistische Kunst wichtigen Hannoveraner Galerie Garvens 1924 als Buch- und Kunsthändler im beschaulichen Fischerdörfchen Vitte niedergelassen. In der Tat ist die Liste der Dichter und Maler, die den kleinen Inselort aufsuchten, lang: Erich Heckel, Hans Fallada, Joachim Ringelnatz, Asta Nielsen, Gottfried Benn, Carl Zuckmayer und natürlich Gerhart Hauptmann. – Rückseitig mit einigen Notizen Gundermanns.

Mehrfach gefaltet, eine Falzeinrisse.

322  Alexander Archipenko.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Elfte retrospektive Ausstellung. Lyonel Feininger. Frankfurt 1922. Zwei Doppelblätter.

Ausstellungskatalog des Kunstsalons Ludwig Schames Mai 1922. – Mit Einleitungen von Archipenko und Wilhelm Hausenstein. – Gezeigt wurden 129 Arbeiten. – Sehr selten, erschienen ein Jahr nach Feiningers erster Bauhaus-Mappe.

21,5 : 14,0 cm. [8] Seiten. – Etwas wasserfleckig. Querlaufende Knickfalte.

323  Futurismus – Cornely Zelinsky, Aleksej Chicherin und Ellj Selvinskij. Mena vsech. Konstruktivisty poety.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausrufpreis/Starting bid: € 1000

(russisch: Vollkommener Wechsel. Konstruktivistische Dichter). Moskau 1924. Mit drei Fotoporträts der Autoren, einem nach einem Gemälde und fünf konstruktivistischen Illustrationen von Chicherin. Moderner Pappband mit dem aufgezogenen Originalvorderumschlag mit Typographik von N. Kuprejanow. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Von Chicherin eigenhändig dem russischen futuristischen Dichter Vasily Vasilevich Kamensky gewidmet. – Der erste Sammelband der literarischen Gruppe der Konstruktivisten. Er enthält deren erste Deklaration »Znaem« (Wir wissen) sowie Gedichte und theoretische Texte der drei beteiligten Autoren. – Einige Gedichte Chicherins in dynamischer Typographie, ergänzt durch Diagramme und Hinweise zu Vertonungen.

24,0 : 17,8 cm. 83, [1] Seiten. – Vorderumschlag und die ersten beiden Blätter leicht fleckig, die Folgeblätter unten im Falz mit kleinem Wasserrand.

Rowell/Wye 567

324  Novembergruppe – Bruno Schuch. 10 Jahre Novembergruppe.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 4600

Sieben Ausstellungsfotografien. Vintages. 1929. Ca.16 : 22 cm.

Die 1918 gegründete Novembergruppe feierte ihr Jubiläum im Folgejahr mit einer umfangreichen Ausstellung. – Außerordentlich inhaltsreiche Bildserie des Berliner Fotografen Bruno Schuch. Die Aufnahmen entstanden in den Ausstellungsräumen am Lehrter Bahnhof und dokumentieren (mit einigen Überschneidungen) mehr als 100 Kunstwerke der beteiligten Künstler. – Rückseitig mit dem Atelierstempel des Fotografen. – Dazu folgende Originaldokumente: Aufruf der Ausstellungskommission zur Beteiligung. Juni 1929. Gefaltetes Doppelblatt mit Text und Namensliste der Kommissionsmitglieder (Baumeister, Kandinsky, Grosz, Heartfield, Behne u. a.). – Pressetext der Ausstellungskommission. [Sommer 1929]. Einblattdruck. – Will Grohmann. Zehn Jahre Novembergruppe. Sonderheft aus »Kunst der Zeit« (1928). Sechs lose Blätter (12 Seiten mit Abbildungen und Veröffentlichungen der Gruppe). – Drei Führer durch die Abteilung der Novembergruppe Kunstausstellung Berlin 1920, 1921 und 1922. Originalbroschuren und ein weiterer undatierter Führer (ohne Umschlag). – Vier Einladungen zu Künstlerfesten der Novembergruppe: Kunsttopf. Freies Künstlerkostümfest der Novembergruppe. Faltplakat mit Holzschnitt von Hans Freese. Wohl 1920. – Literarisches Tingeltangel. Faltzettel mit zahlreichen Abbildungen und Graphiken, gedruckt in Rot. 1922. – Tendenz: Fest! Bester Börsentipp: Novembergruppe! Einblattdruck. Einladung zu dem Künstlerkostümfest am 2.12.1922. – Das Fest der Silbernen Sphinx. Eine Völkerbundsrevue im Chaos der Unendlichkeit. 4. Dezember 1926 in der Berliner Philharmonie. Gefaltetes Doppelblatt mit Illustration von Kampmann und Textaufkleber.

Das Plakat von 1922 mit Heftlöchern und kleinen Ausrissen, ansonsten nur unwesentliche Alterungsspuren.

325  Galerie der Stadt Kassel.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

[Kassel um 1928]. Mit 22 montierten Originalfotografien von Trude Schaumlöffel. Halbleinenband mit Lederkordelbindung.

Sehr seltene Dokumentation mit 22 ausgewählten Gemälden der Städtischen Galerie, fotografiert von der Kasseler Fotografin Trude Schaumlöffel, die mehrfach für den dortigen Museumsverein tätig war. – Die Bilder sind chronologisch geordnet, von einem Porträt des Landgrafen Philipp des Großmütigen aus dem 16. Jahrhundert über Courbet, Thoma, Slevogt bis zu Lyonel Feininger »Clarissenkirche«. Dieses Werk wurde 1927 erworben und kurz nach 1933 als »entartet« wieder aus der Galerie entfernt. – Das graphische Design, durchaus von den Auffassungen des Bauhauses geprägt, stammt wahrscheinlich von Hermann Virl (1903–1958). Dem Graphiker widmete die Zeitschrift des Ehmcke-Kreises 1928 ein Sonderheft. Er gestaltete auch einen Fremdenführer »Kassel-Wilhelmshöhe«, in dem als Werbung für die Städtische Galerie drei Fotografien aus dem hier vorliegenden Band abgebildet (Corinth, Slevogt und Feininger) und mit »Phot. Trude Schaumlöffel Kassel« bezeichnet wurden. – Nur zwei Nachweise via KVK: UB Saarbrücken und UB Köln, beiden mit falscher Datierung.

23,5 : 19,2 cm. Doppeltitel, 22 Bildtafeln, 23 leere Zwischenblätter. – Deckel leicht berieben.

326  Frankfurter Siedlungstapeten.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 670

[Marburg oder Frankfurt um 1928]. Tapetenmusterbuch mit 48 Originalmusterblättern und einer Fototafel. Originalleinenband mit Schraubbindung.

Musterbuch mit Tapeten, die Hans Leistikow 1925/26 entworfen hatte, also mehrere Jahre vor den Tapeten aus dem Dessauer Bauhaus. – Die Bildtafel vor den Tapetenmustern mit einer Aufnahme der Siedlung Bruchfeldstraße in Frankfurt-Niederrad. Diese Siedlung wurde 1928 als erste der von Ernst May entworfenen fertiggestellt. – »Ernst May und die »Architekten des Neuen Frankfurt hatten bei der Gestaltung der Innenwände ihrer Siedlungshäuser zwei Möglichkeiten: Sie konnten die Räume entweder anstreichen oder mit Tapeten versehen, ›von denen die einen zu teuer, die anderen zu schlecht und beide meistens unpassend waren‹ kommentierte retrospektiv der Grafiker Hans Leistikow. Nach seinen Farbvorschlägen brachte eine Marburger Tapetenfabrik 1926 eine Serie einfarbiger Normtapeten als ›Frankfurter Siedlungstapeten‹ heraus. Bald darauf erschien die sogenannte Rastertapete, für die die einfarbige Tapete mit einem gleichmäßigen engen Netz in verwandten Farben überdruckt wurde, was großes Aufsehen erregte.« (Webseite der Ernst-May-Gesellschaft). »Leistikows Dessins waren eigens für kleine Räume bestimmt und können als ›Geburtsstunde der modernen, monochromen Tapete‹ gelten« (Hanna Elisabeth Koch, Dissertation Freiburg 2014). – Das Doppel-S-Signet auf dem Musterbuch könnte auf das Frankfurter Einrichtungshaus Schwinn & Starck verweisen, das maßgeblich die neue Innenarchitektur vertrat. – Sehr selten.

15,8 : 22,5 cm. Einband fleckig. – Vorblatt und etwa 15 Musterblätter entfernt, eins zur Hälfte abgerissen.

Vgl. »Das Neue Frankfurt« (Heft 4, 1930, S. 117ff.)

327  Bauhaus & Künstler Töne.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 500

[Frankfurt nach 1929]. Tapetenmusterbuch mit 153 Originalmusterblättern. Originalhalbleinenband mit Schraubbindung.

1929 kam die erste, »gemeinsam mit der Tapetenfabrik Gebrüder Rasch entwickelte, Kollektion der Bauhaus Tapete auf den Markt und wurde nach anfänglicher Kritik zum größten kommerziellen Erfolg des Bauhauses. Innerhalb weniger Jahre verkauften sich über sechs Millionen Rollen. Tapete wandelte sich vom dekorativen Wandbelag zum begehrten Werkstoff am Bau« (www.bauhaustapete.de). – Nahezu vollständiges Musterbuch des Frankfurter Einrichtungshauses Schwinn & Starck aus der Zeit des »Neuen Frankfurt«. – Alle Muster rückseitig mit Musternummer und Preisgruppe, Innendeckel mit Preisgruppenliste. – Sehr gut erhalten und sehr umfangreich.

15,8 : 22,8 cm. – Einband leicht abgegriffen. – Von 5 Musterblättern die Hälfte abgerissen.

328  Architektur – Wilhelm Riphahn.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Mit einer Einleitung von H[einrich] de Fries. Berlin u. a., Friedrich Ernst Hübsch 1927. Mit 33 Tafeln und einer Textabbildung. Gelber Originalleinenband mit farbiger konstruktivistischer Deckelprägung.

Erste Ausgabe. – Erschienen in der Reihe »Neue Werkkunst«. – Wilhelm Riphahn (1889–1963) war ab 1913 als selbständiger Architekt tätig und wurde als bedeutender Vertreter des »Neuen Bauens« zum einflussreichsten Architekten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Köln. – Die Tafeln zeigen seine Siedlungsbauten »Mauenheim«, »Grüner Hof« und »Bickendorf« und andere öffentliche und private Bauten, darunter auch Riphahns wohl bekanntestes Bauwerk, »Die Bastei« am Rheinufer.

26,7 : 20,2 cm. [14] Seiten, 33 Tafeln. – Einband leicht angestaubt. – Erste und letzte Seite etwas stockfleckig, ansonsten tadellos.

Jaeger 89 (mit Abbildung 271)

329  Die Baukunst.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Die Kunst im Dritten Reich. 65 Ausgaben. [München, Zentralverlag der NSDAP] November 1938 – April 1944. Mit zahllosen Abbildungen, einigen farbigen Tafeln und vielen, teils gefalteten Plänen. Fünf private Halbleinenbände.

Seit 1937 erschien »Die Kunst im Deutschen Reich« als »Illustrierte Monatsschrift für freie und angewandte Kunst«, jeweils mit dem Beiheft »Die Baukunst«. – Dieser Teil wurde herausgegeben vom »Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP« (»Amt Rosenberg«, unter Leitung von Alfred Rosenberg) und vom »Beauftragten für Bauwesen in der NSDAP, dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt« (Albert Speer). – Vorhanden sind das Novemberheft 1938 (ohne »Die Kunst«), je zwölf Hefte von 1939–1943 und die ersten vier Hefte von 1944. Im August 1944 wurde die Zeitschrift eingestellt. – Baukunst war gegen Ende des Krieges nicht mehr zu realisieren oder war bereits wieder zerbombt: Im Mai 1945 lag Deutschland endgültig in Trümmern, insoweit kommt der reich illustrierten Zeitschrift dokumentarischer Wert zu. Einen umfassenderen Eindruck von den architektonischen Großprojekten des »Möchtegern«-Architekten Hitler und seines Fachmanns Speer ist kaum zu gewinnen. Auf mehr als 1500 Seiten und zahlreichen Faltplänen werden realisierte Bauten neben gigantomanischen Visionen detailliert beschrieben und kommentiert (Reichskanzlei, Reichsautobahn, »Platz Adolf Hitlers« in Weimar u. v. a., Linzer Brückenkopf, Grunewald-Umgestaltung, Botschaftsbauten, Schulungsheime u.v.m.) – Der eigentliche Hauptteil der Zeitschrift präsentiert auf etwa 1800 Seiten das Kunstverständnis der Nationalsozialisten durch Aufsätze über Künstler, Volkskunst, Ausstellungen u.s.w. – Vom Vorbesitzer eingehend kollationiert: Laut Paginierung fehlen drei Blätter in »Baukunst«, in »Die Kunst« 39 Blätter sowie sämtliche Umschläge. – Jahrgangsweise gebunden, tadellos erhalten, ohne Gebrauchs- und Lesespuren.