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Bücher des 15.-19. Jahrhunderts | Hesse-Auktionen
Bücher des 15.-19. Jahrhunderts

236  Sophronius Eusebius Hieronymus. Epistolae.

Schätzpreis/Estimate: € 5000 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 4500 ( R7 )

Pars I [–] III [in einem Band]. Basel, Kesler 1489. Mit einem Textholzschnitt und einer Holzschnitt-Druckermarke, einer großen Initiale in Blau und Rot. Lederband der Zeit mit Blindprägung und Beschlägen.

Der schöne Basler Druck mit dem kleinen Holzschnitt am Anfang von Teil II: Der Hl. Hieronymus kniet mit dem Stein in der Hand vor dem Kruzifix, neben ihm ein Löwe. Als zugehöriger Text die Ode »Narrat beatus Hieronymus vitam quam tenuit in heremo«. – Am Schluss von Teil 3 folgen unter Keslers Druckermarke zehn Distichen, in denen Druckername, Ort und Jahreszahl enthalten sind. – Schönes, durchgehend rot rubriziertes Explar, Versalien und alle Initialen in Rot. – Vorsätze aus Pergament, auf dem vorderen Vorsatzblatt im 19. Jahrhundert handschriftlich betitelt. – Hieronymus von Stridon (347–420), Ambrosius, Augustinus und Gregor der Große gelten in der katholischen Kirche als die großen Kirchenväter der Spätantike. Ihre Schriften erschienen in vielen Ausgaben der Frühdrucker.

Folio (30,5 : 21,3 cm). [6], 206, [1 leer]; [6], 271 Blätter. – Es fehlt das erste Blatt von Teil 1 und das leere Blatt am Ende von Teil 3. – Oben teils mit leichtem Wasserrand, einige Blätter mit kleinen Wurmlöchern und -gängen im Rand.

GW 12431. – Hain 8559. – Goff H 171. – Schramm XXI, Abb. 724

237  Diogenes Laertius. De vita, & moribus philosophorum libri decem,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

nuper ad uetusti Græci codicis fidem accuratissime castigati […] cum indice in omnes libros utilissimo. Basel, Valentin Curio 1524. Mit Holzschnittdruckermarke und zahlreichen figürlichen Holzschnitt-Initialen. Pappband des 18. Jahrhunderts.

Erster Druck der lateinischen Übersetzung im deutschen Sprachraum. – Die Geschichte der griechischen Philosophie entstand im dritten Jahrhundert nach Christus. Die vorliegende Übersetzung von Ambrogio Traversari (1386–1439) wurde bereits in fünf Inkunabelausgaben gedruckt. – Vorliegender Druck mit griechischen Einschüben. – »Ex Bibliotheca Afrana« mit deren Stempel auf dem Titelblatt. – Innen schönes Exemplar, meist auf festem Papier gedruckt und nahezu fleckenfrei.

21 : 16 cm. 10 Blätter, 391 Seiten. – Einband berieben und fleckig, am Rücken unten mit Fehlstelle. – Lage d und e vertauscht. – Stellenweise alte Anmerkungen und Anstreichungen. – Anfangs leichter Wasserrand.

VD 16 D 1837. – Adams D 486. – IA 153.801

238  Martin Luther. De servo arbitrio.

Schätzpreis/Estimate: € 4500

Zuschlag/Hammerprice: € 3600

Mar[tin] Lutheri ad D. Erasmum Roterodamum. Wittenberg, Hans Lufft 1525. Titel mit breiter Holzschnittbordüre mit Luffts Monogramm. – Angebunden: Johannes Brenz. In epistolam Pauli ad Philemonem, et in historiam Esther commentarioli. Schwäbisch Hall, Pankratius Queck für Peter Braubach 1543. – Pergamentband der Zeit mit Blindprägung durch Platten- und Rollenstempel sowie Streicheisen.

I. Erste Ausgabe, der einzige Druck im Jahr 1525. – Das wohl wichtigste Dokument der geistigen und geistlichen Auseinandersetzung der beiden führenden Geistesgrößen der Reformationszeit, Luthers Erwiderung auf Erasmus »De libero arbitrio« (September 1524). – Der in Basel residierende »Fürst der Wissenschaften«, der Niederländer Erasmus, stimmte Luthers 95 Thesen durchaus zu, war aber mit dessen Vorgehen uneins. Nach dem Reichstag in Worms schrieb er an Herzog Georg von Sachsen: »Luther, das lässt sich nicht leugnen, hatte die allerbeste Sache angefangen. Hätte er nur eine so wichtige Sache gemäßigter in Stimme und Sprache geführt und sein Gutes nicht durch unerträglich Schlechtes verpfuscht! Jetzt steht zu befürchten, dass so viel Gutes untergeht, was ich nicht abgeschafft sehen möchte.« – Um sich zu positionieren, suchte Erasmus ein Thema, bei dem sich ihrer beider Meinungen deutlich unterschieden und fand dieses in den Auffassungen von Freiheit oder Gebundenheit des Willens. Erasmus widersprach Luthers Aussage, der freie Wille führe zwangsläufig in die Todsünde: »Wenn man sagt, es gebe so wenig ein Verdienst des Menschen, dass alle Werke desselben Sünde seien, wenn man sagt, unser Wille könne nicht mehr leisten als der Ton in der Hand des Töpfers, und wenn man alles, was wir tun oder wollen, auf unbedingte Notwendigkeit zurückführt, dann stoße ich auf viele Bedenken.« – Luthers Reaktion war ausgesprochen heftig: »Es ist nicht zu beschreiben, was für einen Ekel ich an dem Büchlein vom freien Willen habe.« Seine Erwiderung gilt ihm am Ende des Buches als nicht in Frage zu stellende Behauptung: »Ich will auch keinem das Urteil überlassen, sondern rate allen, dass sie Gehorsam leisten«. – II. Erste Ausgabe der beiden Kommentare des Reformators von Schwäbisch Hall. Johannes Brenz (1499–1570) gilt als einflussreicher Vertreter der Reformation in Süddeutschland. Zusammen mit Philipp Melanchthon arbeitete er an der Augsburger Konfession. Er war Teilnehmer an für die Reformation so wichtigen Ereignissen wie dem Schmalkaldischen Bundestag und den Religionsgesprächen in Worms und Regensburg. Mit seiner Kirchenordnung, die ebenfalls 1543 erschien, galt die Reformation in Schwäbisch Hall endgültig umgesetzt. – Einband: Beide Deckel umlaufend mit Porträtstempeln »Venus« und »Casta Lucretia«, Mittelfelder mit Fleurons und Luther-Rose.

16 : 10 cm (Oktav). [192] Blätter; [8], 56, CXIIII, [4] Blätter. – Deckel etwas berieben und gebräunt, es fehlen beide Schließen. – Stellenweise leichter Wasserrand. Vereinzelt leicht fleckig, Titel und 6 Blätter in I stärker, 2 Blätter mit kleinem Einriss am Oberrand, 4 weitere am Unterrand. Vorsatz und Titel von I gelockert, am Ende von II zwei Blätter lose. – Einige alte und kleine Marginalien. – Vorsatzblatt mit Besitzvermek »Heinricus Abundus Sache, Anno 1675« und späterem »Lange«.

VD16 L 6660. – Benzing 2201. – Knaake I, 471. – Kuczynski 3321. – Alle Zitate nach Astrid Nettlings Essay im Deutschlandfunk am 4.I.2017. – II: VD16 B 7716. – Nicht bei Knaake

239  Biblia.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausruflimit/Reserve price: € 1200

Das ist: Die gantze Heylige Schrifft Teutsch. D. Mart. Luth. Sampt einem Register […] und schönen Figuren. Jetzungdt auffs neuw mit grösserem fleiß corrigiert. Frankfurt am Main, Johann und Sigmund Feyerabend 1578. Mit drei Titelbordüren, einem Porträt und zwei Druckermarken, alle in Holzschnitt, und 142 teils wiederholten Textholzschnitten von Jost Amman nach Johann Bocksberger. Pergamentband des 19. Jahrhunderts.

Wohl die fünfte Ausgabe der Bocksperger-Amman-Holzschnitte. – Die berühmten Illustrationen wurden seit ihrer ersten Ausgabe von 1564, als sie noch als reines Bilderalbum erschienen, in mehrere Foliobibeln aufgenommen. – »Die tiefe Verbundenheit des Künstlers mit dem Text […] ist ein echtes Suchen nach konkreter Vorstellung der heiligen Geschichte, die turmhoch über dem hohlen Pathos der späteren Bibelillustration steht. Die von Jost Ammans Künstlerhand selber geschnittenen Bilder sind wohl oft etwas überladen und daher für den Beschauer da und dort nicht ganz leicht zu erfassen. Doch gehören sie zu den besten Bibelillustrationen, die uns der alte Protestantismus hinterlassen hat«. (Ph. Schmidt).

36 : 24 cm (Folio). [18], 251; [1], 170; 120; [2] Blätter. – Der Einband stark fleckig, Pergament über dem Vordergelenk aufgeplatzt, es fehlt die Schließe. – Haupttitel und Blatt 2 randrissig und an den Rändern hinterklebt, erste Lage gelockert. 4 Blätter mit Randausriss, dabei das letzte Blatt mit größerem bis in den Rand der Druckermarke. – Vereinzelte Braunflecken, am Ende leichter Wasserrand und winzige Einrisse, insgesamt aber innen recht schön.

VD16 B 2789. – Vgl. Becker, Amman S. 5ff. – Schmidt, Illustr. der Lutherbibel S. 245ff., in seiner Bibliographie die Ausgabe von 1578 nicht verzeichnet

240  Polydorus Vergilius. Von den erfyndern der dyngen.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 2000

Wie […] alle Künsten, Handtwercker, auch all andere händel, Geystliche und Weltliche Sachen […] Von anfang der Wellt her biß auff dise unsere zeit geübt und gepraucht [aygentlich im Latein geschriben und jetzund newlich durch Marcum Tatium Alpinu(m) […] ins Teutsch transferiert un(d) gepracht mit schönen figuren. Augsburg, Heinrich Steiner 1537. Mit Titel-Holzschnitt und 132 (2 ganzseitigen) Textholzschnitten von Hans Weiditz, H. Schäufelein u. a. Neuer Pergamentband.

Erste deutsche Ausgabe von »De inventoribus rerum«. – Das schöne Holzschnitt-Buch, eine Art Enzyklopädie über Naturwissenschaften, Technik, Handwerk etc., ist kunst- und kulturgeschichtlich gleichermaßen von Bedeutung. – Mit Kapiteln über Buchdruckerkunst, Kaufmannschaft, Medizin, Magie, Musik, Festlichkeiten, Jagd etc. – Unter den vielen Holzschnitten, von denen allein 64 von Hans Weiditz stammen, finden sich interessante Berufsdarstellungen von Buchdruckern, Poeten, Musikanten, Alchemisten, Medizinern, Juristen, Uhrmachern usw. – Das Werk beinhaltet nicht nur Geschichtliches und religiöse Themen, sondern auch Ethik, Moral, die Geschichte der Medizin, Chemie und Pharmazie und vor allem der alten Technik. – Insgesamt schönes Exemplar.

Kleinfolio (30 : 21 cm). [18], 210 Blätter = 446 Seiten. – Vereinzelt leicht braun- bzw. fingerfleckig, Titel etwas stärker betroffen und mit sorgsam restauriertem Randeinriss, die leere Rückseite des letzten Blatts mit Japan hinterlegt. 1 Blatt mit kleinem Randausriss.

VD16, V 763. – Adams V 440. – Graesse VI, 2, 283. – Nagler, Monogrammisten III, 1444, 35. – Fairfax Murray 425

241  Sammelband mit fünf Holzschnittwerken des 16. Jahrhunderts.

Schätzpreis/Estimate: € 10000

Zuschlag/Hammerprice: € 6500

Weißer Schweinslederband mit Blindprägung und Messingschließen.

Melchior Pfintzing. Die Ehr und man(n)liche Thaten, Geschichten vnnd Gefehrlichaitenn des Streitbaren Ritters vnnd Edlen Helden Tewerdanck. Zu Ehren dem hochloblichen Hause zu Osterreich, vnd Burgundien, etc. Zum Exempel aber vnnd Vorbilde allen Fürstlichenn Blut vnnd Adels genossen Teutscher Nation. New zugericht, Mit schönen Figuren vnnd lustigen Reimen volendet. Frankfurt am Main, Christian Egenolff 1553. Mit 118 großen Textholzschnitten sowie einem Wappen- und einem Titelholzschnitt von Leonhard Beck, Hans Burgkmair, Hans Leonhard Schäufelein, Jörg Breu u. a.
Vierte Ausgabe, die erste von Burkhart Waldis bearbeitete. – Im berühmten »Theuerdanck« werden die Abenteuer und Heldentaten Kaiser Maximilians I. auf der Reise zu seiner Braut Maria von Burgund beschrieben. Der Kaiser hatte, als Förderer von Kunst und Literatur, maßgeblichen Einfluss auf das Werk. Als gesichert gilt, dass weite Passagen von ihm selbst verfasst und redigiert wurden. – Mit den großartigen und großformatigen Holzschnitten der Erstausgabe von 1517, mit denen die Reiseerlebnisse detail- und spannungsreich illustriert wurden.
[4], CX Blätter. –  VD16 M 1653. – Goedecke II, 452, 13a

Leonhardt Fronsperger. Fünff Bücher. Von Kriegß Regiment und Ordnung, wie sich ein yeder kriegßman inn seinem Ampt und bevelsch halten soll […] Item von Belägerungen un(d) Besatzungen der Stett. Schlösser, Märckten und Bergheüßern, Und wie man die Feürkuglen bereitten, werffen und schiessen soll. Frankfurt am Main, David Schöffel 1555. Mit 19 großen Textholzschnitten sowie einer Holzschnitt-Titelvignette und -Initiale.
Erste Ausgabe. – Leonhardt Fronsberger sammelte militärische Erfahrungen im Heer von Kaiser Maximilian II. 1566 nahm er u. a. am Türkenkrieg in Siebenbürgen teil. Sein dreiteiliges »Kriegsbuch« war 1573 vollendet und erschien kurz vor seinem Tod.
[6], CXXXI Blätter. – VD 16 F 3128. – Jähns I, S. 549

Leonhardt Fronsperger. Vonn Geschütz unnd Fewrwerck, wie dasselb zuwerffen und schiessen, Auch von gründlicher zuberaitung […] und rechtem gebrauch der Fewrwerck, wie man die […] von der hand, aus Fewrbüchsen oder Böllern, zu lust oder gegen den Feinden sol werffen, schiessen, oder […] zubrauchen. Das ander Buch. Vonn erbawung, erhaltung, besatzung und profantierung der wehrlichen Bevestungen […]. Frankfurt am Main, David Zephel 1557. Mit einem Textholzschnitt, einer großen Holzschnitt-Druckermarke und zahlreichen -Zierinitialen.
Erste Ausgabe
[6], 58, [2 leere] Blätter. – VD 16 F 3114. – Jähns I, S. 549

Flavius Vegetius Renatus. Vier bücher der Ritterschafft mit mancherleyen gernsten bolwercken un(d) gebewen, Als Büchsen, Katzen, Antriben, Oberwerffenden prucken, Wasserzeugen, Steyglaitern, Ziechtürmen, Schiffen und anders zu Kryegsleuffen gehörig. Zum anderen mal ubersehen unnd mit etlichen figuren gemeret und gebesseret. Augsburg, Heinrich Steiner 1534. Mit 137, meist blattgroßen Holzschnitten.
Vierte deutsche Ausgabe, die zweite bei Steiner gedruckte. – Die prachtvollen Holzschnitte, die den heutigen Betrachter gleichermaßen bewundernd wie amüsiert einen schon damals unglaublichen Erfindergeist in Sachen Waffen- und Verteidungstechnik betrachten lassen, stammen von Jörg Breu d. Ä., Hans Schäufelein, Hans Weiditz u. a. – Es finden sich die absonderlichsten Streitwagen, Schleudern, Schiffe und U-Boote, Taucher u. v. m.
[4], XXX, [66] Blätter. – VD16 V 467. – Jähns I, S. 268 u. 452. – Cockle 17
Jakob Köbel. Wapen. Des heyligen Römischen Reichs Teutscher nation. Der Churfürsten, Fürsten Graven Freihen, Rittern, Auch der merer theil Stett so zu dem Reich (in Teutschem land gelegen) gehören und gehöret haben. Auch wie, wo, und durch Wen, die erwölung un(d) krönung eynes Römischen Kunigs und Keysers geschehen soll. Frankfurt am Main, Cyriac Jacob 1545. Mit Titelholzschnitt, Holzschnittdruckermarke und 144 blattgroßen Holzschnitten.
Erste Ausgabe der Holzschnittfolge, der Text Köbels stammt aus der 1532 erschienenen »Glaublichen Offenbarung«. – Die Urheberschaft der meist mit »IK« monogrammierten Holzschnitte ist nach Nagler III, 2682 ungeklärt, laut Lipperheide stammen die Vorzeichnungen für die Wappen von Jost Amman, die blattgroßen Holzschnitte schreibt Röttinger (Gutenberg Jahrbuch 1936, S. 129) dem Verfasser zu. – Pracht- und schwungvoll präsentieren Fahnenträger die Stadtwappen vor Stadtsilhouetten, Burgen oder Landschaften. – Alle in kräftigen, klaren Abdrucken.
[86] Blätter. – VD 16 K 1623. – Benzing, Köbel 154. – Vgl. Lipperheide Qb 4 (1579)

Zustand: Insgesamt beeindruckend gut erhalten, fast ausnahmslos auf festem sauberem Papier.
I. Titel mit Bibliotheksigeln. Letztes Blatt mit kleiner Läsur und kurzem restauriertem Randeinriss. Es fehlt das leere Blatt am Schluss. – III. 2 Blätter stark gebräunt, 2 Seiten stockfleckig. – IV. Die letzten Blätter etwas gebräunt, 2 mit leichten Läsuren, das letzte etwas fleckig. – V. Einige Blätter am Rand leicht braunfleckig, 3 Blätter stärker fleckig.

242  Johann Wilhelm Baur. Ovidii Metamorphosis oder Verwandelungs Bücher.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Das ist Hundert und Fünfzig neüe kunstreiche Kupffer Bildunge aus des, zwar heidnischen, aber Sinnreichen Poeten Ovidij fünfzehen Büchern von seltsamer verwandelung der gestalten […] mit Teutschen reimen öffentlich heraus gegeben. Nürnberg, Paul Fürst [1641]. 150 Kupfertafeln und ein gestochenes Titelblatt. Neuerer Halbpergamentband.

Erste Ausgabe. – Johann Wilhelm Baur wurde 1637 in Wien Hofmaler Ferdinand III. Über die genauen Lebensdaten besteht Unklarheit (ca. 1600–1640), sein umfangreichstes Werk erschien wohl erst nach seinem Tod. – »In seiner Frühzeit sind B. die Kompositionen Callots Vorbild, dagegen wird ihm in den italienischen Jahren der Stil des Stefano della Bella maßgebend, dessen Bedeutung für ihn noch in dem spätesten Werk, den Metamorphosen, erkennbar ist« (Ursula Röhlig, in NDB). – Die großformatigen Kupfer in guten kräftigen Abdrucken. Alle mit gestochenem Titel in Latein und Bildunterschriften in Latein und Deutsch, fast alle mit Blattnummer unten rechts und Bandnummer oben links.

Ca. 14 : 21 cm (18 : 30 cm). – Titel nur in Fragmenten, stark gebräunt und aufgezogen. – Die ersten Blätter an der unteren Ecke etwas abgegriffen, durchgehend besonderes die Ränder fleckig und teils leicht wasserrandig.

Hollstein 12/II. – Thieme/Becker III, 89f. – NDB I, 672 (1645). – Vgl. Graesse I, 312

243  Samuel Bottschild. A B C.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Vier Kupferstiche von Martin Bodenehr mit insgesamt 24 Darstellungen. Um 1693. Je 5,3 : 5,3 cm, Platten 12,8 : 19,5 cm.

Reizvolle ABC-Folge, illustriert mit Figuren der antiken Mythologie, davon 23 mit den Buchstaben des Alphabets und eine nachgestellte Titelvignette »ABC«. – Abgedruckt in Bottschilds »Opera Varia Historica, Poetica & Iconologica«, verlegt um 1693 von Christoph Weigel, Nürnberg. – Gestochen von Martin Bodenehr nach den Vorzeichnungen des sächsischen Künstlers Samuel Bottschild (1641–1706, »das bedeutendste Mitglied dieser Familie und ein hervorragender Künstler seiner Zeit« (Thieme/Becker), Hofmaler des sächsischen Kurfürsten Johann Georg IV. – Je sechs Initialen, jeweils betitelt, auf einer Platte, diese am Unterrand mit gestochenem Künstlernamen und Initialen des Stechers. – Gut erhalten.

Auf bräunlichem Bütten, rückseitig Abklatsch von alter Handschrift.

VD17 1:000385Y. – Katalog Kunstbibliothek Berlin 5291. – Hollstein IV/141, 51–54

244  Thomas Hobbes. Leviathan,

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

or, the matter, form, and power of a common-wealth ecclesiastical and civil. London, Andrew Crooke 1651. Mit einem kolorierten gestochenen Frontispiz und einer Falttabelle. Halblederband des 20. Jahrhunderts mit vergoldetem Rückentitel.

Nach Macdonald/Hargreaves der dritte Druck der Erstausgabe, der immer noch Ort und Jahr des Erstdrucks verwendet, obwohl er erst um 1680 und wahrscheinlich in Amsterdam gedruckt wurde. Merkmale sind die »Ornament«-Titelvignette und die Paginierungsfehler (249/250 doppelt, 257–260 übersprungen, letzte Seite 294). – Das über seinen Tod hinaus umstrittene Hauptwerk Hobbes, das bis heute das Verständnis von Entstehung und Bedeutung des Staatswesens prägt, entstand in den 1640er Jahren. »Der Staat […] ließ sich als ein großes, aus Einzelmenschen zusammengesetztes künstliches Ungeheuer sehen, dessen Dasein sich von seiner Zeugung durch die menschliche Vernunft unter dem Druck menschlicher Bedürfnisse bis zu seiner Vernichtung durch den menschlicher Leidenschaft entspringenden Bürgerkrieg verfolgen läßt. […] Jede Regierung sei besser als die Anarchie des Naturzustandes« (Carter/Muir, S. 266). – Wegen der heftigen Kritik in England, die in Verfolgung des Buches und seiner Herausgeber umzuschlagen drohte, wurden die Folgeausgaben in Amsterdam gedruckt.

32 : 20 cm. [6], 394 Seiten. – Titelei und einzelne Seiten stärker, sonst nur mäßig fleckig. Mehrere Seiten mit Bibliotheksstempel, mehrere mit kleinen Siegellack- bzw. Tintenflecken, teils im Rand, teils im Text. Kupfertitel mit kurzem Randeinriss, Blatt Aaa3 zu 3/4 abgerissen und durch Kopie ersetzt. – Vorblatt mit Schenkungsvermerk.

Macdonald/Hargreaves. – Carter/Muir 138

245  René Descartes. Meditationes de prima philosophia,

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

in quibus Dei existentia, & Animae humanae à corpore distinctio, demonstrantur. […] Cum responsionibus auctoris. Editio ultima. [Drei Teile in einem Band]. Amsterdam, Daniel Elzevier 1678. – Angebunden: René Descartes. Tractatus de homine, et de formatione foetus. Quorum prior notis perpetuis Ludovici de la Forge, M. D. illustratur. Amsterdam, Daniel Elzevier 1677. – Pergamentband der Zeit mit Blindprägung.

I. Erschien auch als Teilband der »Opera philosophica«. – Die fünfte Quartausgabe. – Mit dem Appendix und den Epistolae ad Gisbertium Voetium. – II. Vierte (dritte lateinische) Ausgabe, die erste bei Elzevier, selten. Erstmals 1662 erschienenes Werk, das Descartes’ Auseinandersetzung mit der Medizin, hier besonders der Ophthalmologie, und Pathologie belegt. Mit zahlreichen Holzschnitten zur Anatomie und Funktion der Augen. – Obwohl René Descartes nicht im engeren Sinne ärztlich tätig war, ist er für die Geschichte der Medizin von großer Bedeutung.

20 : 15 cm. [12], 191, [1], 164, 88 Seiten; [76], 239, [1] Seiten. – Vorderdeckel leicht fleckig, aufgebogen, Schließbänder fehlen. Unteres Kapital mit Fehlstelle. – Innen tadellos.

Willems 1545 und 1531

246  Johann Ludwig Gottfried. Historische Chronica,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Oder Beschreibung der fürnehmsten Geschichten, so sich von Anfang der Welt, biß auff das Jahr Christi 1619. zugetragen. Nach Auftheilung der vier Monarchien […] in acht Theil abgetheilet: Mit viel schönen Contrafaicturen imd Geschichtsmässigen Kupfferstücken. [Frankfurt am Main], Matthäus Merian Erben 1674. Mit 31 Kupfern mit Medaillon-Portraits, einer gestochenen Weltkarte, einem gestochenen Plan von Ostende sowie 329 Textkupfern. Halblederband im Stil der Zeit.

Sechste Ausgabe der 1630 erstmals erschienenen Weltchronik. – Zum größten Teil von dem Amberger Theologen und Historienschriftsteller selbst verfasst, vollendet nach Gottfrieds Tod von J. P. Abelin. – Reich illustriert mit den Kupferstichen von Matthäus Merian, zu Beginn mythologisch, später historisch und teils mit authentischen Stadtansichten im Hintergrund. Immer wieder gelingt es Merian, auch den heutigen Betrachter mit Details zu fesseln: Das Meer der Schöpfung quillt von Ungeheuern förmlich über, allerlei Vögel und geflügelte Wesen bevölkern die Lüfte. Es finden sich eine Ansicht der Pyramiden von Gizeh mit der Sphinx, Mord- und Folterszenen neben Voyeuristen, abenteuerlichen Fluchten, fleißige Buchdrucker, brandschatzende Heere, Luther bei der Verbrennung der Bannbulle, Königskrönungen und vieles mehr – die Bildbetrachtung und daraus folgende Lektüre schaffen Bildungserlebnisse. Schon Goethe gewann aus Gottfrieds Chronik erste geschichtliche Kenntnisse.

33 : 21 cm. [10], [64], 1185, [53] Seiten. – Es fehlt der Kupfertitel von Sandrart und das letzte leere Blatt. – Vereinzelt etwas fleckig, teils gebräunt, wenige Blätter mit kleinen Einrissen. Titel im Falz neu gefasst.

Wüthrich III, 79. – Lipperheide Ci 14

247  Balthasar Gracian. Homme de Cour,

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

oder kluger Hof- und Welt-Mann. Nach Amelot de la Houssaie […] ins Teutsche übersetzet von Selintes [J. L. von Mosheim]. Nebst Christiani Thomasii Judicio vom Gracian. Augsburg, Paul Kühtze 1711. Mit blattgroßem gestochenem Frontispiz. Halbpergamentband der Zeit.

Erste Ausgabe der zweiten deutschen Übersetzung. – Der Übersetzer der neuen Fassung kritisiert an der ersten von 1686 »so krautwelsch ist das Frantzösische darinn hanthieret worden«. – Der spanische Jesuit Balthasar Gracian (1601–1658) verfasste hunderte Aphorismen, eine Auswahl daraus erschien 1653 unter dem Titel »Oraculo Manual«. Die französische Übersetzung von Amelot de la Houssaie folgte 1684, den frühen deutschen recht bald hundert andere Übersetzungen und Auswahlausgaben. – Nach Titel und Zuschrift folgt hier zunächst der Anhang von Christian Thomasius und das Erratablatt.

17 : 10 cm. [16, 16, 44], 436 Seiten. – Ränder teils etwas braunfleckig. – Titel mit altem Besitzvermerk.

Faber du Faur 1681. – De Backer/Sommervogel III, 1649

248  [Antoine Joseph Dezallier d’Argenville]. La théorie et la pratique du jardinage,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

ou l’on traite a fond des beaux jardins appellés communément les jardins de propreté, comme sont les parterres, les bosquets, les boulingrins, &c. Contenant plusieurs plans et dispositions générales de jardins […] avec la maniere de dresser un terrain […] Den Haag, Pierre Husson 1711. Mit 32 Kupferstichen, davon 28 doppelblattgroß, drei weiteren als Wappen- bzw. Kopfvignetten und 13 Textholzschnitten. Pergamentband der Zeit mit neuem Rückenschild.

Zwei Jahre nach der Erstausgabe erschien dieser unrechtmäßige Nachdruck, herausgegeben von Pierre Husson. Erst die zweite Auflage (Paris 1713) nannte die Initialen des Verfassers. Es folgten Übersetzungen des wichtigen Buches über die barocke Gartenbaukunst ins Englische und Deutsche. – Viele der schönen Kupferstiche zeigen detailreiche Grundrisse von Gärten und Parkanlagen, Anleitungen zur Terrainvermessung und Ansichten verschiedener Pavillons, Treppen, Wasserspiele etc. – Dezallier d’Argenville (1680–1765) wurde später einer der eifrigsten Mitarbeiter an Diderots Enzyklopädie, dem »Brockhaus« des 18. Jahrhunderts.

27 : 21 cm. [12], 208 Seiten, 32 Kupfer. – Einband etwas fleckig. – Die ersten 16 Blätter mit Wurmgang im Oberrand (mit minimalem Textverlust), weitere 20 Blätter mit kleinem Wurmloch. 1 Blatt mit Eckabriss.

249  Georg Eberhard Rumpf. D’Amboinsche Rariteitkamer,

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

behelzende eene Beschryvinge van allerhande zoo weeke als harde Schaalvisschen […] Krabben, Kreeften, en diergelyke Zeedieren, als mede allerhande Hoorntjes en Schulpen, die men in d’Amboinsche Zee vindt […] Amsterdam, Jan Roman de Jonge 1741. Mit 60 Kupfertafeln und Frontispiz, Titelvignette, Porträt und drei Kopf- und zwei Schlussvignetten, alle gestochen. Marmorierter Kalblederband der Zeit mit reicher Rücken- , Deckel- und Stehkantenvergoldung.

Zweite Auflage der berühmten »Ambonischen Raritätenkammer«, die erstmals 1705 erschienen war. – Der Kaufmann und Naturforscher Georg Eberhard Rumpf (1627–1702) hielt sich seit 1653 im Dienst der Ostindischen Kompanie auf der Molukkeninsel Ambon auf, wo er als erster deren Fauna und Flora erforschte. Das Werk gilt noch heute als grundlegend, die ebenso prächtigen wie detailreichen Kupfer lassen die Vielfalt an Muscheln, Schnecken, Schalentieren und Fossilien mehr als nur erahnen. Die Vorlagen für die Stiche zeichnete Sibylla Merian nach Rumpfs Aufzeichnungen und Präparaten in holländischen Sammlungen. Auch die großen allegorischen Kopf- und Schlussvignetten sind voller Details zu Tier- und Pflanzenwelt der Insel. Das ganzseitige Porträt Rumpfs verbildlicht einen Schicksalsschlag, der den Forschungsreisenden während seines Aufenthalts auf Ambon traf: Er erblindete an Grauem Star. Nur wenige Jahre später wurde seine Familie Opfer eines Tsunamis. – Schönes sauberes Exemplar in zeitgenössischem Einband. – Drucktitel rückseitig mit Exlibris Ignatius zur Mühlen, Innendeckel mit seinem handschriftlichen Besitzvermerk.

41 : 26 cm. [24], 340, [44] Seiten, 62 Kupferstiche. – Vortitel verso im Falz hinterlegt. Drucktitel etwas gewellt (durch Exlibrismontage), 1 Doppelblatt lose.

250  Carl Bock. Unter den Kannibalen auf Borneo.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Eine Reise auf dieser Insel und auf Sumatra. Zweite Auflage. Jena, Hermann Costenoble [1882]. Mit 30 chromolithographierten Tafeln und einer gefalteten Karte. Illustrierter Originalkalikoband mit Deckel- und Rückenvergoldung.

Mit einleitendem Vorwort von Alfred Kirchhoff. – Illustriert mit 30 Tafeln in Farbendruck, sieben Holzschnitt-Illustrationen und einer auffaltbaren Karte von Borneo. – »Der Verfasser dieses Buches, Karl Bock, besuchte zwar Sumatra und Borneo zunächst zum Zwecke naturhistorischer Sammlung, schenkte indessen auf seinen Wanderzügen und Flußfahrten auch der sonstigen Landesnatur, namentlich aber der Bevölkerung Aufmerksamkeit genug, um uns in Wort und Bild eine lebensvolle Gesamtschilderung der von ihm durchzogenen Landesteile entrollen zu können.« (Vorwort).

26 : 19 cm. 407, [1] Seite, 30 Tafeln, 1 Karte. – Kanten leicht berieben. – Eine Lage gelockert.

251  [Jonathan Swift]. Travels into several Remote Nations of the World.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausruflimit/Reserve price: € 500

By Lemuel Gulliver. Part I [–] IV [in zwei Bänden]. London 1726 (nur Teil III mit: Benjamin Motte). Mit sechs Kupferstichen sowie einigen Holzstichvignetten. Dunkelblaue Halblederbände um 1850 mit rot-goldenem Rückenschild, Rückenvergoldung und Marmorpapierdeckelbezügen.

Dritter Druck im Jahr der Erstausgabe, mit den bei T./S. beschriebenen Merkmalen. – Auch diese Ausgabe sehr selten. – Die Kupfer mit fünf Karten der bereisten Länder, eines mit der Rechenmaschine. – Das Verfasserporträt auf dem Vorsatzblatt, gestochen von Ravenet, gehört nicht in diese Ausgabe. – Es fehlen am Anfang das Frontispiz mit dem Gulliverporträt und die acht Seiten mit Haupttitel und Vorrede. – »Gullivers Reisen haben Swift unsterblich gemacht. […] Alle, die von […] ›Robinson Crusoe‹ fasziniert gewesen waren, wurden auch jetzt wieder gefesselt. Die Brillanz und Genauigkeit, mit der seine Logik und Erfindungsgabe den Witz der Größenverhältnisse des Riesenmenschen unter den Liliputanern und des kleinwinzigen Gulliver unter Brobdingnagiern bis ins einzelne herausarbeiteten, gingen mit der ursprünglichen Absicht des Verfassers durch. Gullivers Reisen sind zum Glanzstück der satirischen Fabeln geworden, aber zugleich sind sie eine Geschichte für Kinder geworden« (Carter/Muir).

20 : 12 cm. [4], 148, [6], 149–310; [6], 154, [8], 155–353, [1 leere] Seiten, 6 Kupferstiche. – Kapitale etwas berieben. – Stellenweise etwas, vereinzelt auch stark, braunfleckig.

Teerink/Scouten 291. – Carter/Muir 185

252  Jonathan Swift. Mährgen von der Tonne,

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

[…] nebst einem vollständigem Begriffe einer allgemeinen Gelehrsamkeit. Aus dem Englischen ins Teutsche übersetzet [von G. Chr. Wolf]. I. [und] Anderer Theil. Altona, Auf Kosten guter Freunde 1729. Mit acht Kupfertafeln, davon zwei als Frontispiz. Pappband der Zeit.

Erste deutsche Ausgabe, selten. – Swifts früheste Texte, die englische Originalausgabe erschien 1704. – Sammlung berühmter Satiren über Literaturkritik und die drei Konfessionen: katholisch, lutherisch und calvinistisch. Im zweiten Teil tobt in der St. James-Bibliothek die Bücherschlacht zwischen klassischer und moderner Literatur, das Frontispiz zu Band 2 mit entsprechender Darstellung.

17 : 10 cm. [22], 244; [14], 240 Seiten, 8 Kupfer. – Deckel stark berieben, Ecken bestoßen, Rückenbezug fehlt. – Papierbedingt etwas gebräunt, stellenweise leicht fleckig. Ein Kupfer mit hinterlegtem Einriss. – Frontispiz mit einigen Tintenstrichen, Titel von Teil 1 mit altem Besitzvermerk.

Teerink/Scouten 271. – Seebaß 1114 (nur mit 2 Kupfern). – KLL XI, 9218. – Vgl. Rümann 1128 (Ausgabe 1737)

253  Miguel Cervantes de Saavedra. The life and exploits of the ingenious gentleman Don Quixote de la Mancha.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Translated from the original Spanish […] by Charles Jarvis. In two volumes. London, J. und R. Tonson und R. Dodsley [1738–]1742. Mit gestochenem Porträt und 64 (statt 68?) Kupfertafeln von van der Gucht nach van der Bank sowie je zehn gestochenen Initialen und Kopfvignetten. Lederbände der Zeit mit Rückenschild und -vergoldung.

Luxuriös illustrierte englische Ausgabe des 18. Jahrhunderts. – Die Kupfer, entstanden bereits für eine spanischsprachige Ausgabe, die 1738 beim selben Verleger erschien, breitrandig und in kräftigen Abzügen. – Enthält auch »The life of Michael de Cervantes Saavedra« von Gregorio Mayàns y Siscár in der Übersetzung von John Ozell und das, nicht allen Exemplaren beigebundene, »Supplement to the translator’s preface«, besser bekannt als »A dissertation on the origin of books of chivalry«, von William Warburton. – In der Tafelnummerierung fehlen die Kupfer 15, 18, 30 und 66. – Wappenexlibris James Plunkett Earl of Fingall.

29 : 23 cm. XXXII, [8, 12], VI, [2], 90, 355, [1]; XII, 388 Seiten, 65 Kupfer. – Berieben und bestoßen, Gelenke und Kapitale abgeplatzt bzw. bestoßen. – Stellenweise stockfleckig, ein Blatt in Band 1 mit kleinem Randeinriss. Band 2 etwas wurmstichig. Vorsätze mit Quetschfalten.

Brunet I, 1753

254  William Blake – Edward Young. The Complaint and the Consolation;

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 3600

or, Night Thoughts. London, R. Noble for Edwards 1797. Mit 43 blattgroßen Kupferstichen von William Blake. Späterer schwarzer Halblederband mit goldgeprägtem Rückentitel und Blindprägung.

Sehr seltene erste Ausgabe der Blake-Illustrationen. – Edward Young schrieb mit seinen »Nachtgedanken« eines der frühesten Werke der »Empfindsamkeit«, eine Dichtung an der Schwelle zur Romantik und zugleich ein Werk, das den Vorstellungen Blakes ausgesprochen nahe war und ihn zu den großartigen Illustrationen anregte. – Blake schuf Zwischentitelblätter für die erste bis vierte Nacht und für 39 Textseiten gestochene Umrahmungen des typographischen Texts. – Blakes Kunst war für seine Zeitgenossen sicher mehr als irritierend. Nicht zuletzt deshalb setzte seine erfolgreiche Rezeption erst Jahrzehnte später ein. – Mit dem Beilageblatt »Explanation of the Engravings« (gedruckt nach der Handschrift Blakes). – Mit gestochenem Exlibris J. Cleland Burns.

42 : 33 cm. VIII, [2], 95, [1] Seiten. – Durchgehend leicht stock- und vereinzelt fingerfleckig, etwa 20 Blätter wohl papierbedingt stärker gebräunt und stockfleckig, 2 Blätter mit restauriertem Einriss.

Keynes 70

255  William Blake – Robert Blair. The Grave.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

A Poem. Illustrated by Twelve Etchings executed by Louis Schavonetti, from the Original Inventions of William Blake. London, T. Bensley for R. H. Cromek 1808. Mit zwölf Kupferstichen nach William Blake, davon einer als Titel, und einem Blake-Porträt nach T. Philipps. Halbwildlederband des 20. Jahrhunderts.

Erste Ausgabe mit den Illustrationen Blakes. – Breitrandiger Druck auf starkem gelblichem Velin »J Whatman 1808«, die Tafeln auf etwas hellerem Velin. – Am Anfang Blakes Widmung »To the Queen«, die Subskribentenliste, Cromeks »Advertisement« von 1808 und die Einleitung von Johann Heinrich Füssli. Nach dem eigentlichen Text folgen die Erläuterungen zu den Zeichnungen und der Prospekt zu Chaucers »Canterbury Pilgrims«. – »This book […] contains one of Blake’s most widely known series of designs. The designs were produced during 1805, and in that year Cromek isued a Prospectus in which it was stated that Blake was himself to be the engraver« (Keynes).

35 : 28 cm. XIV, 36, [4] Seiten, 12 Kupferstiche. – Leicht berieben, Ecken und Kapitale bestoßen. – Tafelränder etwas stockfleckig, das Titelkupfer stärker betroffen. Textblätter am Rand etwas fingerfleckig. – Letztes Blatt mit winzigem überklebtem Randeinriss.

Keynes 81

256  Bodoni – Lorenzo Barotti. Lezioni sacre

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

su i libri di Tobia, di Giuditta, e di Ester [und] de’ Maccabei. [Zwei Teile in einem Band]. Parma, Stamperia Reale 1785–1786. Flexibler moderner Pergamentband mit blauen Schließbändern.

Erste Ausgabe. – Vollständige Folge der bei Bodoni gedruckten Bibelkommentare des italienischen Jesuiten Barotti (1724–1801). – Die Widmung an Theresa de Montecattini Bevilacqua aus der Cancelleresco Finanziera gesetzt. – Unbeschnittenes Exemplar.

30 : 25 cm. [12], 273, [1]; [2], 308, [2] Seiten. – Teils etwas stockfleckig und wasserrandig. Vor- und beide Titelblätter mit handschriftlichem Besitzvermerk.

Brooks 300. – Katalog Weiss 75

257  Bodoni – Quintus Orazio Flacco redivivo a Napoleone

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 600

il Grande Imperatore de’Francesci e Re d’Italia. Parma, co’ Tipi Bodoniani 1806. Mit drei gestochenen Kopfvignetten. Ziegelroter Pappband der Zeit.

Napoleon Bonaparte gewidmete italienische Übersetzung einiger Verse. – Mit einer Vorrede des Übersetztes Barthélemy Benincasa in französischer Sprache. – Lateinisch-italienischer Paralleltext. – »In zwei verschiedenen Typen konfrontiert gedruckt, die Seitenzahlen in Ornamentumrahmung, bietet dieser Druck eine Spitzenleistung der Bodonianischen Presse« (Weiß). – Auf »carta real«, einem starken Bütten mit dem Wasserzeichen »PB« (Parma Bodoni). – Breitrandiges, unbeschnittenes Exemplar in dem typischen Interimseinband der Presse. – »Sehr selten« (Weiß).

45 : 31 cm. [2], V, [1], 17, [3 leere] Seiten. – Einband mit Alterungsspuren. – Die äußersten Ränder der ersten Blätter minimal stockfleckig.

Brooks 992. – Katalog Weiss 416

258  Bodoni – Fr. Adeodato Turchi. Indulto […] per la quarisima […]

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

– Angebunden: Omelia […] recitata nel Giorno di Pentecoste […] Sopra i beni temporali della cattolica chiesa. – Omelia […] nel Giorno di Tutti i Santi […] Sopra la riverenza cha da noi esigono i sacri tempi. – Omelia […] nel Giorno di San Bernardo […] Sopra i beni di chiesa […] [alle:] dell’anno MDCCXCII. Parma, Stamperia Reale 1792. Mit zusammen vier Wappenkupfern. Grauer Pappband der Zeit.

Sammlung von vier Predigten des Bischofs von Parma, die von 1788 bis 1802 bei Bodoni gedruckt wurden. Alle Titel mit Turchis vollständiger Ämteraufzählung: »dell’ordine de Cappuccini, prel. domest. assist. al solio pontif. Vescovo di Parma e Conte ec.«– Alle auf kräftigem weißen Bütten und unbeschnitten. – Jede Ausgabe mit dem gestochenem Wappen des Bischofs, drei unverändert, das letzte leicht variierend gezeichnet. – Alle vier nicht in den Katalogen von da Lama, Brooks und Weiß.

31 : 23 cm. [2], 17, [1 leer]; [2], 35, [3 leer]; 32; [2], 31, [3 leer] Seiten. – Umschlagränder leicht stockfleckig. – Teil 3 möglicherweise unvollständig.

Bei Brooks und da Lama teils mit anderen Kollationsangaben

259  Bodoni – [Giuseppe de Lama]. Vita del Cavaliere Giambattista Bodoni,

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 600

tipografo Italiano, e catalogo cronologico delle sue edizioni. Tomo I [e] II. Parma, Stamperia Ducale 1816. Mit zwei gestochenen Frontispizes. Orangefarbene Pappbände der Druckerei mit originalem Rückenschild.

Erste Ausgabe der umfassenden Biographie des berühmten Typographen, verfasst von einem seiner engsten Mitarbeiter und Freunde. Giambattista Bodoni (1740–1813), Typograph und Buchdrucker, gilt als der bedeutendste Drucker des Klassizismus und beeinflusste die Buchkunst der nachfolgenden Zeiten. – In Band 2 das frühe, eingehend kommentierte Verzeichnis seiner Drucke. – Das erste Titelkupfer (von de Gubernatis) mit einem Medaillenporträt Bodonis und der ihm 1806 verliehenen Auszeichnung der »Exposition des produits de l’industrie française«.

26 : 19 cm. [6], III, [3], 231, [1]; [6], IX, [3], 252 Seiten, 2 Kupferstiche. – Innengelenke restauriert. – Vorsätze und die ersten Blätter in Band I ganz leicht stockfleckig, insgesamt aber schön sauber und unbeschnitten.

Bigmore/Wyman 69. – Brooks 1170. – Katalog Weiß 489

260  Einband – Aus der Bibliothek von Kurfürst Max Emanuel von Bayern – Dunkelroter geglätteter Maroquinband mit reicher Vergoldung. Süddeutschland, um 1710.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 400

– Inhalt: Lettre de Mr Burnet a Mr Thevenot. Nouvelle edition. Paris, Jean Boudot und Estienne Martin 1688. – Lettres de Mr Le Grand à Mr Burnet. Paris, Jean Boudot 1691.

Prächtiger und nahezu tadellos erhaltener Einband aus der Bibliothek des Bayrischen Kurfüsten Max Emanuel (1662–1726) mit dessen bekröntem Monogramm »EM« auf vier Rückenfeldern und als Eckfleurons auf beiden Deckeln. Beide Deckel mit dem bayrischen Wappen mit Reichsapfel als Supralibros, umrahmt von vergoldeten dreifachen Fileten. Steh- und Innenkanten mit vergoldeten Bordüren. Schöne, mehrfarbige Tunkpapier-Vorsätze. – Die beiden Briefausgaben von Joachim Legrand war Teil seiner »Histoire du divorce de Henry VIII. Roy d’Angleterre et de Catherine d’Arragon«, der Rückentitel entsprechend.

16 : 10 cm. [12], 114; [80], 183, [1] Seiten. – Satzspiegel durchgehend mit dünnen Tintenlinien umrahmt.

261  Einband. – Aus der Bibliothek Papst Clemens XIII – Roter, geglätteter Maroquinband mit überaus reicher Vergoldung. Mittelitalien, um 1760

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 600

– Inhalt: [Giuseppe Maria Mazzolari]. Ragguaglio delle virtuose azioni di Donna Constanza Maria Mattei Caffarelli, Duchessa d’Asergio. Diretto A S. E. D. Maria Eleonora Caffarelli Pallavicino, Principessa di Civitella. Rom, Giovanni Generoso Salomoni 1758. Mit gestochenem Porträt.

Reich vergoldeter und sehr gut erhaltener Einband für die Bibliothek von Papst Clemens XIII. (1693–1769). – Die hochbarocke Deckelvergoldung wird aus breiten Palmettenfriesen, Eckfleurons mit Akanthus-Girlanden und dem reich verzierten großen Wappen »della Torre Rezzonico« von Clemens XIII. gebildet. Das Wappen mit Türmen und Kreuz, im Mittelfeld der Doppeladler, wird bekrönt von der Tiara nebst den Schlüsseln Petri (vgl. die Abbildung bei W. Y. Fletcher, Foreign Bookbindings in the British Museum, Tafel 59). – Rückenvergoldung in sechs Feldern, davon eins mit dem Titel, die übrigen üppig floral verziert.

20 : 13 cm. 256 Seiten, 1 Kupfer. – Kanten minimal, Gelenke etwas stärker beschabt.

262  Einband – Luxuseinbände von Charles-François Capé – Jean Racine. Œuvres poétiques.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 350

Tome premier [–] quatrième. Paris, Henri Plon & Brière 1861–1863. Mit einem Porträt. Leuchtend rote Ecrasélederbände mit reicher Rücken-, Deckel-, Kanten- und Schnitvergoldung (signiert: [Charles] Capé).

Eins von 200 Exemplaren der nummerierten Luxusausgabe auf Bütten mit dem Wasserzeichen des Verlegers und Druckers. – Erschienen innerhalb der Reihe »Collection des classiques François, collationée sur les meilleurs textes«. – Mitverleger war der Pariser Bibliophile Thomas Brière de L’Isle. – Alle Seiten mit Textumrahmung in Rot. Ansprechend gedruckte kleinformatige Sammlung der poetischen Werke Racines (1639–1699), der in Frankreich neben Corneille als größter Tragödiendichter bewundert wird. – Charles-François Capé (1806–1867), der die Ausgabe entzückend schön gebunden hat, gilt als einer der fähigsten Buchbinder des »seconde empire«. Die reiche Rückenvergoldung in sechs Feldern wird ergänzt durch dreifache Deckel- und Stehkantenfileten sowie breite Innenkantenbordüren. – Selten und tadellos erhalten.

14 : 9 cm.

263  Casanova – Friedrich Wilhelm Barthold. Die geschichtlichen Persönlichkeiten in Jacob Casanova’s Memoiren.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Beiträge zur Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, Alexander Duncker 1846. Grauer Originalleinenband der Zeit.

Erste Auflage. – »Renommirtes Werk!« (Hayn/Gotendorf). – Mit Personen- und Ortsregister.

16 : 11 cm. [4], 268; [2], 339, [1], XV, [1] Seiten. – Äußerste Ränder gebräunt.

Hayn/Gotendorf I, 560f

264  Adelbert von Chamisso. Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Herausgegeben von Friedrich Baron de la Motte Fouqué. Mit einem Kupfer. Nürnberg, Johann Leonhard Schrag 1814. Mit gestochenem Frontispiz von F. Leopold. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und etwas -vergoldung.

Seltene erste Ausgabe, die lediglich das Titelkupfer von F. Leopold enthielt. 1827 erschien eine zweite Ausgabe, nun bereits mit den Cruikshank-Kupfern, 1835 wurden zwei weitere von Peter Carl Geißler hinzugefügt.

17,0 : 10,5 cm. 132 Seiten. – Durchgehend gebräunt und fleckig. Es fehlen die Seiten 15/16, diese ersetzt durch Büttenblatt mit dem handschriftlich ergänzten Text.

Goedeke VI, 148, 14 a. – Rümann 257

265  Adelbert von Chamisso. Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 350

Dritte Auflage. Mit neun Kupfertafeln. Nürnberg, Johann Leonhard Schrag 1835. Mit einem Titelkupfer, sechs Kupfer nach G. Cruikshank und zwei Kupfern von P. C. Geißler. Marmorierter Halblederband der Zeit.

Nach der Erstausgabe von 1814, die lediglich das Titelkupfer von F. Leopold enthielt, erschien 1827 eine zweite Ausgabe, nun bereits mit den Cruikshank-Kupfern aus der englischen Ausgabe von 1825. Für die dritte Ausgabe wurden zwei weitere Kupfer von Peter Carl Geißler hinzugefügt sowie das Titelkupfer mit dem berühmten Schlemihl-Porträt umgezeichnet. Die breiten Umrahmungen, die zahlreiche ergänzende Szenerien wiedergeben, wurden jeweils in einer anderen Farbe gedruckt. – Diese dritte Ausgabe enthält ein neues Vorwort »An meinen alten Freund Peter Schlemihl«, datiert »Berlin, August 1834«.

17 : 12 cm. 142, [2] Seiten, 9 Kupfertafeln. – Einband etwas berieben. Rücken erneuert. – Exlibris. Durchgehend schwach wasserrandig.

Goedeke VI, 148, 14c. – Sammlung Borst 1193. – Rümann 257

266  [Friedrich Ludwig Karl Fink von Finkenstein]. Arethusa oder die bukolischen Dichter des Alterthums.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Erster Theil [alles Erschienene]. Berlin, Johann Friedrich Unger 1789. Mit einem Frontispiz und einer Titelvignette, beide gestochen von E. Henne nach J. W. Meil. Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, zwei Rückenschildern und vergoldeten Deckelkantenbordüren. Vorsätze aus Buntpapier.

Sehr schöner Luxusdruck, wohl nur in kleiner Auflage erschienen. – Auf schwerem Bütten in der Ungerschen Officin mit der Didot-Antiqua gedruckt, die dieser erst seit 1788 benutzte. Mit seinen Luxusdrucken hoffte Unger, in Deutschland Anschluss an die besonders in Frankreich in hoher Blüte stehende Druckkunst anzuknüpfen. – Der Küstriner Regierungspräsident Fink von Finkenstein (1745–1818) widmete sich den Wissenschaften und schönen Künsten. In seiner Vorrede lobt er u. a. Gessners Theokrit-Übertragungen (Hauswedell/Voigt I, S. 86), dem antiken Dichter verlieh er den Titel »Arethusa« (Quelle). Das schöne Kupfer nach Johann Wilhelm Meil zeigt einen vor dem Grabmal des Daphnis lagernden Pan. – Breitrandig belassen, vom Buchbinder also hier nicht »verhunzt«, eine Befürchtung, die Unger (durch einen gelegentlich beiliegenden Zettel) vermeiden wollte. Noch mit den üppigen weißen Rändern und durch den großen Zeilendurchschuss eine typographische Meisterleistung.

30 : 22 cm. [2], X, [2], 175, [1] Seiten. – Kapitale und Ecken etwas bestoßen, Gelenke brüchig. – Gelegentlich etwas stockfleckig.

Goedeke VII, 736, 15, 1. – Nicht bei Dorn, Meil und nicht bei MNE

267  Gaben der Milde.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Für die Bücher-Verlosung »zum Vortheil hülfloser Krieger« herausgegeben von F[riedrich] W[ilhelm] Gubitz. Erstes [bis] Viertes Bändchen [alles Erschienene]. Berlin 1817–1818. Neue blaugrüne geglättete Lederbände mit vergoldeten Bordüren und zwei farbigen Rückenschildern.

Vollständiges Exemplar mit allen vier erschienenen Bänden. Die Bändchen erschienen nicht im Buchhandel und dienten als Zugabe zu den Gewinnen bei der genannten Verlosung, die zu Gunsten der Rückkehrer aus den Befreiungskriegen veranstaltet wurde. – Mit Erstdrucken bekannter Texte von Ludwig Achim von Arnim (Der tolle Invalide), Clemens Brentano (Geschichte vom braven Kasperl), Goethe (Wonne des Gebens), E. T. A. Hoffmann, Wilhelm Müller (Das Wandern ist des Müllers Lust) u. v. a.

16 : 10 cm. [2], 224; [2], 216; [2], 216, [2] 216 Seiten.

Goedeke VII, 97, 193. – Houben, Almanache Sp. 301ff. – Zu den genannten Erstdrucken: Arnim: Mallon 97, Brentano: Mallon 68, Goethe: Hagen 708, Hoffmann: Salomon 83, Müller. – Goedeke VIII, 63, 12. – Kaldewey, Hehres & Trivales IX, 486

268  Salomon Gessner. Mort d’Abel.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Poëme. Traduit par Hubert. Édition ornée d’estampes imprimées en couleur, d’après les dessins de M. Monsiau. Paris, Defer de Maisonneuve 1793. Mit Frontispiz und fünf Kupfertafeln, alle farbig gestochen nach Monsiau. Marmorierter Pappband der Zeit.

Prachtvoller Didot-Druck auf gutem Papier, die in Farben gedruckten Kupfer vor der Nummerierung. – Das Frontispiz mit der Büste Gessners (und einem kleinen Gedenkstein mit dem Namen des Übersetzers) wurde von Colibert gestochen, die prächtigen Bilder zu den fünf Gesängen von ihm, Clément und Casenave. – »Eine nur kurze Blüte auf dem Gebiete der Buchillustration erlebte der aus England eingeführte, in Frankreich zu höchster technischer und künstlerischer Vollendung gelangte Farbstich während der neunziger Jahre in einer kleinen Zahl in beschränkter Auflage hergestellter Prachtpublikationen des Verlegers Defer der Maisonneuve, die in ihrer Zeit keine Nachfolge fanden« (Kat. Fürstenberg S. 88). »[…] von einer Platte in Punktiermanier nach dem englischen Vorbild hergestellt. Die bekanntesten unter ihnen sind Florians Galatée und Gessners Mort d’Abel« (Lexikon des Buchwesens). – Die Stiche in kräftigen farbfrischen Abdrucken, sehr sauberes und, weil vollkommen unbeschnitten, breitrandiges Exemplar.

37 : 27 cm. 161, [3 leere] Seiten. – Deckelkanten mit leichten Druckstellen.

Cohen/Ricci 436. – Fürstenberg 122 u. 205. – Leemann-van Elck 699. – Sander 780

269  [Johann Wolfgang Goethe]. Die Leiden des jungen Werthers.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 2000

Erster [und] Zweyter Theil [in einem Band]. Leipzig, Weygand 1774. Mit einer gestochenen Titelvignette von Oeser und einigen Holzstichvignetten. Halblederband des 19. Jahrhunderts mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe, zweiter Druck mit den korrigierten Druckfehlern. An Stelle des Druckfehlerverzeichnisses auf Seite 224 nun die Holzstichvignette »Sense mit Sanduhr«. – Man darf getrost behaupten, dass Goethe nach »Götz« und »Clavigo« spätestens mit diesem Buch seinen Weltruhm begründet hat. Der Briefroman mit dem bekannt-tragischen Ende hat nicht nur Scharen von Nachahmern – sei es im Hinblick auf das Werther-Gewand oder den Freitod aus verschmähter Liebe – gefunden, sondern auch viele Schriftsteller inspiriert. – Sehr selten.

16 : 10 cm. 224 Seiten. – Sorgsam gereinigtes Exemplar, Buchblock neu eingehängt, Vorsätze erneuert. Seite 96 mit kleiner Rostspur am Oberrand, Titel mit verblasstem alten Besitzvermerk.

Goedeke IV/3, 163, 3. – Hagen 80 D1a

270  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters Lehrjahre.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Ein Roman. Erster [bis] Vierter Band. Berlin, Johann Friedrich Unger 1795. Mit acht meist gefalteten Musikbeilagen. Halblederbände um 1900 mit hübscher Rückenvergoldung im Stil der Zeit.

Erste Einzelausgabe. – Goethe arbeitete viele Jahre an seinem großen Entwicklungsroman und schloss das Manuskript auf Drängen Schillers 1794–1796 ab. Er selbst zweifelte am Erfolg, viele seiner Zeitgenossen erkannten aber sofort die überragende Bedeutung. – Die Kompositionen zu den acht Goethe-Gedichten stammen von Johann Friedrich Reichardt. Goethe schrieb ihm im Dezember 1795 »Die Lieder zum Roman sind voll Anmuth und Bedeutung«. – Die hier vorhandene achte Musikbeilage scheint in den meisten Exemplaren zu fehlen: »Nebenbei bemerkt: ich kenne kein Exemplar … sie fehlt sogar in dem … das G. Schillern geschenkt hat.« (H. M. Gräf in »Goethe über seine Dichtungen«, Bd. III/1, S. 188). Selbst das Exemplar der Sammlung Kippenberg zählt nur sieben Beilagen. – Der Roman erschien zeitgleich auch innerhalb der »Neuen Schriften«. – Hier mit der Bogensignatur »W. Meisters Lehrj.« und den bei Hagen 14 beschriebenen Merkmalen der Doppeldrucke N2 (Bände 1 und 2) und N1 (Bände 3 und 4), alle Titelblätter mit »Bei« und der Band 4 in der seltenen Variante mit der Jahreszahl »1795«. – So vollständig, mit allen Musikbeilagen und Anzeigenblättern sehr selten.

16 : 10 cm. [2], 364 Seiten, 3 Musikbeilagen; [3]-374, [2] Seiten, 2 Musikbeilagen; [3]-371, [1] Seiten, 2 Musikbeilagen; [3]-507, [1] Seiten, 4 Seiten Anzeigen, 1 Musikbeilage. – Lederrücken mit kleinen Abplatzungen, Rücken von Band 2 restauriert. – Bände 1 und 2 leicht, Bände 3 und 4 stärker stockfleckig.

Goedeke IV/3, 416, B 1. – Hagen 221. – Slg. Kippenberg I, 373. – Slg. Borst 729

271  [Johann Wolfgang von] Goethe. Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Erster [bis] Zwanzigster Band [in zehn Bänden]. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1815–1819. Mit einer Musikbeilage und einer gefalteten Kupfertafel. Halblederbände der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung.

Die zweite bei Cotta gedruckte Werkausgabe, deren Bände 14–20 zugleich als Supplemente der zunächst nur zwölfbändig angelegten ersten verwendet wurden. – Bände 1–9 mit den Merkmalen des Doppeldrucks B2, Band 10 eines der Mischexemplare mit Merkmalen von B und B2. – Die Musiknoten und die Falttafel zu Band XIII am Ende des Doppelbandes eingebunden.

20 : 11 cm. – Deckel leicht berieben, Ecken und einige Kapitale stärker bestoßen. – Vorsatzecken leimschattig. Gelegentlich etwas stockfleckig. – Vorsatzblätter mit Besitzvermerk »Hoegh-Guldberg 1820«.

Goedeke IV/3, 8, B. – Hagen 20

272  [Johann Wolfgang von] Goethe. Faustus:

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 800 ( R7 )

From the German of Goethe. London, Boosey and Sons and Rodwell & Martin 1821. Mit einem gestochenen Porträt nach Schwerdgeburth. Etwas späterer marmorierter Pappband mit rot-goldenem Rückenschild.

»Frühste englische inhaltliche Gesamtübersetzung des I. Teiles ›Faust‹ – z. T. in Inhaltsangaben« (Notiz von Ernst Bertram auf dem Vorsatzblatt). – Bereits seit 1810, also zwei Jahre nach der deutschen Ausgabe, waren in England Übersetzungen von verschiedenen Auszügen erschienen. – Auch die Einleitung zur Bedeutung der Dichtung liefert keinen Hinweis auf den Überetzer. – Diese Oktavausgabe erschien ohne die Umrisszeichnungen von Henri Moses nach Moritz Retzsch, die bereits 1820 als separate Folge gedruckt wurden und am Ende des Bandes, der quasi als Textband dienen sollte, genannt werden. – Aus der Bibliothek des Literaturwissenschaftlers und Schriftstellers Ernst Bertram (1884–1957) mit dessen Besitzvermerk (München 1919) und einigen Anmerkungen. – Dazu: Umrisse zu Goethe’s Faust, gezeichnet von Retsch [sic!] Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1820. 26 Umrissradierungen und zwölf Seiten Text. Pappband der Zeit. Die zweite Auflage der berühmten Folge, hier mit dem seltenen Textheft. Teils stockfleckig.

23 : 14 cm. VIII, 86, [2] Seiten, 1 Kupferstich. – Teils etwas stockfleckig.

Goedeke IV/3, 630, 8. – Slg. Kippenberg I, 2426 und 1872

273  Johann Wolfgang von Goethe. Hermann und Dorothea.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Neue Ausgabe mit vier Kupfern nach Kolbe von Esslinger. Braunschweig, Friedrich Vieweg 1829. Mit vier Kupferstichen. Roter Chagrinlederband der Zeit. Rückentitel und -bordüren sowie der Buchschnitt vergoldet, Deckelkantenfileten und Fleurons blindgeprägt.

Zweiter Druck der »Prachtausgabe« (Goedeke) mit diesen Illustrationen. – Gegenüber der Ausgabe von 1822 nun mit »Hermann« statt »Herrmann«. – Goethes Epos war seit Erscheinen 1798 ein wahrer Bestseller. Allein die zu Lebzeiten des Dichters gedruckten Varianten, viele illustriert, füllen bei Goedeke mehrere Seiten. – Üppiger Satz und opulenter Druck auf kräftigem Papier. – Die vier schönen Kupfer illustrieren das Epos jeweils mit einer Szenerie und dem Figurenpaar in verschiedenen Lebensphasen. – »Dieser Prachtausgabe in typographischer Hinsicht ist gleichzeitig einer der ersten Verlegerliebhabereinbände zuteil geworden« (Kippenberg).

22 : 14 cm. 239, [1] Seiten, 4 Kupfer. – Kanten etwas berieben. – Etwas stockfleckig.

Goedeke IV/3, 335, 68.2.u. – Hagen 263. – Vgl. (beide die Ausgabe 1822) Rümann 1125 und Slg. Kippenberg 671

274  [Johann] Wolfgang von Goethe. Reineke Fuchs.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Mit Zeichnungen von Wilhelm von Kaulbach gestochen von R. Rahn und A. Schleich. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1846. Mit gestochenem Titel, 36 Stahlstichtafeln und 24 Vignetten. Tiefblauer Originalkalblederband mit reicher Deckel- und Rückenvergoldung und Goldschnitt.

Erste Ausgabe mit den Kaulbachschen Illustrationen. Das Werk erschien ab September 1846 in monatlichen Teillieferungen für Subskribenten, Kalbledereinbanddecken konnten in verschiedenen Farben erworben werden. – »Angeregt vermutlich durch die karikaturistischen Tierdarstellungen Grandvilles kleidet Kaulbach die Tiere in meist eindeutig standesbezogene Kostüme und stattet die Bildszenen mit zahlreichen spitzen Anspielungen auf die Politik und das gesellschaftliche Leben der Zeit aus […] Friedrich Wilhelm IV. aber war entgegen allen Befürchtungen begeistert von Kaulbachs Zeichnungen; damit konnten dessen Reineke-Illustrationen unangefochten richtungsweisend für die weiteren Ausgaben des 19. Jahrhunderts werden« (Fabula docet, Katalog Wolfenbüttel 43, Seite 90). – Beiliegend Register der Stahlstiche für den Buchbinder. – Dazu: J. F. Blumenbach. Über die Illustrationen zum Reineke Fuchs. Sonderabdruck aus dem Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde. Originalbroschur.

34 : 28 cm. [4], 257, [1] Seiten, 36 Stahlstichtafeln. – Kanten berieben. – Innen durchgehend stockfleckig. Titelblatt und die ersten vier Stiche von Kinderhand zart ankoloriert.

Goedeke IV/3, 307. – Rümann 1094

275  Tasse.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Ausruflimit/Reserve price: € 600

Porzellan, unbemalt. Deutschland, um 1800. 7,5 : 5,5 cm

Aus dem Besitz der Familie von Vulpius. – Christiane Vulpius, verheiratete Freifrau von Goethe, war die Mutter von Goethes einzigem Sohn August (1789–1830). Nach ihrem frühen Tod 1816 geriet sie, die schon zu Lebzeiten vom Weimarer Hof und der dortigen Gesellschaft nur widerstrebend akzeptiert wurde, in Vergessenheit. Sogar ihr Grab wurde erst 1888 wiederentdeckt. – Die Tasse, die wohl einige Zeit im Haushalt der Familie Goethe gewesen sein mag, blieb mehr als 150 Jahre im Familienbesitz. Dr. Wolfgang Vulpius (1897–1978, stellvertretender Bibliotheksdirektor der Klassikstiftung Weimar) hielt 1967 erstmals einen Vortrag vor der Rostocker Goethe-Gesellschaft. Der Mutter des Vorsitzenden der Gesellschaft überreichte er als Dank für die freundliche Beherbergung ein Bildnis von Christiane von Goethe mit dem Vierzeiler »Heiter, hübsch und gastlich wie Christiane | Erschien Frau […] mir. Als Dankesgruß das Bild der Tante-Ahne | Send ich ihr!« und – mit ausdrücklichem Hinweis auf die Provenienz – »die Tasse von Christiane«.

Oberrand mit winziger Absplitterung, sonst tadellos.

276  Johann Peter Hebel. Sämmtliche Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Erster [bis] Achter Band. Karlsruhe, Chr. Fr. Müller 1832–1834. Mit lithographiertem Porträt und vier lithographierten gefalteten Musikbeilagen. Marmorierte Pappbände der Zeit mit rot-goldenen Rückenschildern.

Erste Gesamtausgabe. – Enthält im ersten Band eine Hebel-Biographie von G. Fr. N. Sonntag. – Neben den später immer wieder abgedruckten »Allemannischen Gedichten« und »Erzählungen des rheinländischen Hausfreunds« sind hier auch Hebels biblische Erzählungen, Predigten, liturgische und vermischte Aufsätze enthalten. – In Band 1 vier Blätter Musiknoten zu vier Vertonungen allemannischer Gedichte. – Band 2 enthält auch Rätsel, Scharaden und Logogriphen (mit Auflösungen). – Gedruckt und verlegt in der für die Dichter des badischen Vormärz besonders wichtigen Druckerei von Christian Friedrich Müller. – Seltene Ausgabe.

19 : 11 cm. – Gelenke und Kapitale etwas beschabt (besonders bei Band 3, bei diesem auch die Bemalung etwas brüchig). – Meist etwas stockfleckig. – Einige Bände mit nachgebundenen Leerblättern für Notizen.

Goedeke VII, 543, 24. – Slg. Achter 296 (mit genauen Angaben zur Kollation). – Hagen, Handbuch 1

277  Heinrich Heine – Shakspeares [sic!] Maedchen und Frauen.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 150

Mit Erlaeuterungen von H. Heine. Paris und Leipzig, Delloye, Brockhaus und Avenarius 1839. Mit 45 Stahlstichen. Halblederband um 1920.

Erste Ausgabe. – Die Stiche entstanden in England und wurden nach Erscheinen der Londoner Ausgabe nach Paris verkauft. Neben einer französischen plante der dortige Verleger auch eine deutsche Version, suchte dafür nach einem zugkräftigen Namen und fand diesen in Heinrich Heine. Die für damalige Verhältnisse gute Bezahlung war ein Köder für Heine, »hätte er abgelehnt, wäre Tieck beauftragt worden, was Heine auch wußte und ihn somit gleich doppelt motivierte« (HSS). – Für die Protagonistinnen der Tragödien schrieb Heine eigene Texte, denen der Komödien gab er Auszüge aus Shakespeares Dramen bei. Heine steht »in der Tradition deutscher Shakespeare-Rezeption der Aufklärung und Romantik und spricht es auch so aus: ›Besser als die Engländer haben die Deutschen den Shakespeare begriffen‹.« (Stefanie Leibetseder, literaturkritik.de). – Auf feinem Verlinpapier gedruckt.

24 : 17 cm. 228 Seiten, 45 Tafeln.

Goedeke VIII, 559, 59. – Slg. Borst 1903. – HSS 14. – Wilhelm/Galley I, 504

278  Heinrich Heine. Sämtliche Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 90

Ausruflimit/Reserve price: € 59

Herausgegeben von Rudolf Frank. Erster bis zehnter Band. München und Leipzig, Rösl 1923. Blaue Originalhalblederbände mit Rückenvergoldung.

Enthält neben den Dichtungen in den Bänden 9 und 10 eine umfangreiche Auswahl aus Heines Briefen.

23 : 15 cm. – Rücken leicht aufgehellt, oberes Kapital von Band 1 mit kleiner Fehlstelle.

279  Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Dichtungen und Schriften sowie Briefe und Tagebücher.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausruflimit/Reserve price: € 80

Gesamtausgabe in fünfzehn Bänden. Herausgegeben und mit Nachworten versehen von Walther Harich. Weimar, Erich Lichtenstein 1924. Schwarze Originalpappbände mit blau-goldenen Rückenschildern.

Vollständiges Exemplar der ansprechenden Werksammlung. – »Abgesehen von den Ausgaben von Hirschberg und Frank – die auch Unechtes enthalten – … die bisher vollständigste« (Voerster). – Die Texte in Fraktur, Nachworte in Antiqua gesetzt.

23 : 15 cm. – Exlibris.

Voerster A 12

280  Friedrich Hölderlin. Hyperion

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 2000

oder der Eremit in Griechenland. Tübingen, J. G. Cotta 1797. Späterer schwarz marmorierter Pappband mit rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe von Hölderlins erster Buchveröffentlichung. – »Die Dichte, in der sich poetische Sprache und geschichtsphilosophische Argumentation, Zeitkritik und religiöse Metaphorik verbinden, macht die Einzigartigkeit dieses Textes in der deutschen Literatur aus« (Meinhard Prill, in KNLL). – Das »Fragment von Hyperion« entstand 1794 und wurde von Schiller sogleich in seiner »Thalia« abgedruckt. Im Folgejahr machte Schiller den Verleger Cotta auf das Projekt aufmerksam: »Er hat recht viel Genialisches und ich hoffe auch noch einigen Einfluss darauf zu haben« (zit. nach KNLL). 1795 nahm Cotta Hölderlin unter Vertrag, nach mehreren Zwischenstadien erschien in dem für den Dichter hoffnungsvollen Jahr 1797 der erste Teil, der zweite folgte 1799. – Laut Bernhard Fischers Cotta-Bibliographie wurden nur 350 bis 500 Exemplare gedruckt, entsprechend selten und gesucht.

16 : 10 cm. 160 Seiten. – Schwach stockfleckig, Titelblatt rückseitig mit »AK« monogrammiert.

Goedeke V, 471, 1. – Seebaß 11. – KNLL VII, 928f. – Fischer, Cotta 187 (mit falscher Kollation)

281  Johann Caspar Lavater. Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniss und Menschenliebe.

Schätzpreis/Estimate: € 5000

Ausruflimit/Reserve price: € 3300

Gott schuf den Menschen sich zum Bilde! Erster [bis] Vierter Versuch. Leipzig, Weidmann’s Erben und Reich sowie Winterthur, Johann Heinrich Steiner 1775–1778. Mit 343 Kupfertafeln sowie 488 Textvignetten, Kopf- und Schlussstücken von Daniel Chodowiecki, Johann Heinrich Lips, J. R. Schellenberg u. a., jeder Titel mit einer Kupfervignette. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung und je zwei Rückenschildern.

Erstausgabe eines der berühmtesten Druckwerke der Zeit, das – kostbar und vorbildlich ausgestattet – zu den originellsten illustrierten Büchern des 18. Jahrhunderts zählt.
Der Zürcher Schriftsteller und Pfarrer bewegte die Epoche bis zu Goethe nachhaltig mit seiner groß angelegten Wesensschau. Die vier monumentalen Bände wurden auf Wunsch Lavaters von Goethe überwacht und in der Leipziger Druckerei Dürre in einer Auflage von 750 Exemplaren auf kräftigem Büttenpapier gedruckt. Goethes Mitarbeit war zumindest an den beiden ersten Bänden umfassend. Er lieferte Schattenrisse und Kopien nach antiken Skulpturen und Werken von Raffael und Rembrandt, daneben zahlreiche Beiträge zur Physiognomik (Nasen, Tierschädel und zahlreiche Personencharakteristika, z. B. von Homer, Klopstock und dem Grafen Stolberg). Das Werk enthält auch die ersten Goethe-Porträts. Unter den beteiligten Künstlern verdienen Daniel Chodowiecki sowie die Schweizer Schellenberg und Lips besondere Erwähnung, war doch gerade ihre künstlerische Meisterschaft entscheidend für das großartige Ergebnis. – »Lavaters Idee, von der Form des Kopfes auf den menschlichen Charakter zu schließen, ein Lehrsystem, das von der Übereinstimmung von äußerer Erscheinung und den Eigenschaften des Menschen, ja der Natur schlechthin, ausging, wurde als Kategorie der Individualität besonders von den Anhängern des ›Sturm und Drang‹ begeistert aufgenommen. Lichtenberg beobachtete damals gar eine ›Raserei der Physiognomik‹. Das Werk galt binnen kurzer Zeit in nahezu ganz Europa als Bestseller; englische, französische, holländische und russische Übersetzungen, alle jedoch mit veränderter und verringerter Ausstattung, folgten. Das Werk hatte aufgrund seiner exzellenten Ausstattung seinen Preis: 90 Reichstaler und 16 Groschen, das entsprach fast der Hälfte des Jahresetats etwa der weithin berühmten Herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel« (vgl. A. Ohage, in: Wiederholte Spiegelungen. Weimarer Klassik). – Sehr gut erhalten und vollständig mit allen Kupfertafeln.

31 : 28 cm. [VIII], 12, 272, [8]; [10], 291, [9]; [12], 356, [8]; XII, 490, [10] Seiten. – Rücken etwas berieben, Kapitale und Ecken leicht bestoßen. – Vorsatzecken leimschattig. – Band I in der zweiten Hälfte am Oberrand mit teils starkem Braunfleck durch Feuchtigkeit und teils leichten Läsuren, ebenso bei Band II die ersten 20 Blätter an der unteren Ecke. Kupfertafeln in I–III teilweise am Rand etwas stockfleckig. – Besitzvermerke auf den Titelblättern »Fr Schmit 1792« und »Dr. Hayn 1826« (dieser bei Titelblatt 1 übermalt).

Schulte-Strathaus 106. – Kippenberg I, 578. – Lonchamp 1759. – Lanchoronska/Oehler III, 93f. – Saltzwedel, Das Gesicht der Welt. Physiognomisches Denken in der Goethezeit (1993), 35f

282  Johann Caspar Lavater. Essays on Physiognomy,

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 590

designed to promote the knowledge and the love of mankind. Executed by […] Thomas Holloway. Translated from the French by Henry Hunter. Vol. I [–] III (in fünf Teilen). London, John Murray, H. Hunter and T. Holloway 1792. Mit drei gestochenen Titelvignetten, 174 Kupfertafeln und mehr als 350 Textkupfern. Lederbände der Zeit mit reicher Vergoldung.

Erste englische Ausgabe von Lavaters Hauptwerk, das zwar von vielen rationalistischen Zeitgenossen scharf angegriffen und bespöttelt wurde, aber trotzdem von großem Einfluss blieb. – Die großartigen Kupfer sind nur zum Teil mit der noch umfangreicheren deutschen Ausgabe identisch. Auch dem englischen Leser bot man die Silhouetten von Goethe mit Fritz von Stein und der Charlotte von Stein, ferner blattgroße Porträts von Henry IV., Lavater, Voltaire, Mengs, Haller, Caesar, Karl XII. von Schweden, Friedrich dem Großen, Winckelmann, Füßli, Thomas More, Erasmus von Rotterdam, Seneca, Homer aber auch George Washington u. v. a. – Lavaters Untersuchungen zu Mimik und Gestik und seine vergleichenden Hand-, Augen- und Mund-Studien reizten den Spötter Lichtenberg zu einem »Fragment von den Schwänzen«. – Auf starkem Bütten, sehr breitrandig gedruckt.

35 : 28 cm. [22], 281, [1] Seiten, 74 Vignetten (V), 14 Kupfertafeln (K); III–IX, [1], 23 Seiten, 78 V, 45 K; [6], 239–444 Seiten, 63 V, 45 K; III–IX, [1], 252 Seiten, 82 V, 24 K; [6], 253–437, [13] Seiten, 61 V, 46 K. – Etwas berieben und einige Ecken stärker bestoßen, Rücken restauriert (unterlegt). – Innengelenke angeplatzt. – Vereinzelt unbedeutend fleckig, etwa 20 Kupfer auch stärker gebräunt bzw. fleckig. – Möglicherweise fehlt in den Bänden I, II und IV jeweils das Vortitelblatt.

Goedeke IV/1, 264, 31 c. – Schulte-Strathaus 110, 77 f. – Lowndes II, 1321. – Slg. Kippenberg 582

283  Michail Lermontov. Poetischer Nachlaß.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 300

zum Erstenmal in den Versmaßen der Urschrift aus dem Russischen übersetzt […] von Friedrich Bodenstedt. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, Deckersche Geheime Ober-Hofdruckerei 1852. Rote Originalleinenbände mit Rückenvergoldung und Deckelblindprägung.

Erste deutsche Ausgabe. – Mit Einleitung, Anmerkungen und »biographisch-kritischem Schlusswort«. – Einige Gedichte des russischen Romantikers Lermontov (1814–1841) wurden hier erstmals veröffentlicht. – Nach seinen Studienjahren arbeitete Friedrich von Bodenstedt als Lehrer in Moskau und Tiflis. Mehr als durch eigene Dichtungen wurde er durch seine Übersetzungen bekannt. Besonders die »Lieder des Mirza Schaffy«, des aserbaidschanischen Dichters Mirzə Şəfi Vazeh, der ihn in Tiflis in die Sprachen der Kaukasusvolker eingeführt hatte, fanden in Bodenstedts Nachdichtung große Beachtung.

15 : 10 cm. XXIV, 326, [2]; IV, 354 Seiten. – Einbände sehr gut erhalten, innen vereinzelt etwas stockfleckig, Titel 2 stärker.

284  Gotthold Ephraim Lessing. Lustspiele.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Erster [und] Zweyter Theil. Zweyte Auflage. Berlin, Christain Friederich Voß 1770. Mit einigen Holzschnittvignetten. Kalblederbände der Zeit mit rot-goldenen Rückenschildern, Filetenvergoldung und vergoldeten Initialen »A. K.« auf den Vorderdeckeln.

Die Sammlung enthält die Stücke »Die Juden«, »Der Freygeist« und »Minna von Barnhelm« sowie die bereits von 1762 bis 1764 erschienenen Schauspiele »Der junge Gelehrte«, »Der Misogyn« und »Der Schatz«. – Die zweite Auflage ist in Druck und Seitenzahl identisch mit der ersten Auflage von 1767, lt. Muncker wurden aber die Korrekturen der »Minna von Barnhelm« nach dem Einzeldruck C übernommen. – Schöner Druck auf festem Büttenpapier.

16,1 : 10,2 cm. [2], 352; [2], 442 Seiten. – Titelblätter mit handschriftlichem Besitzvermerk.

Goedeke IV/1, 395, 100. – Muncker 421. – Seifert 82.2

285  Molière. Œuvres complètes.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

Nouvelle édition. […] Précédée d’une introduction par M. Jules Janin. Paris, Laplace, Sanchez et Cie 1875. Mit 20 kolorierten Kupfertafeln, davon 19 von Wolff und Manceau nach Geffroy und Maurice Sand und eine mit dem Porträt des Verfassers. Originalmaroquinband mit Rückenvergoldung und Goldschnitt.

Nach den Ausgaben des 17. Jahrhunderts mit Anmerkungen zur alten Schreibweise. – Die entzückenden, fein kolorierten Kupfer mit dem jeweiligen Protagonisten des Stückes.

27 : 19 cm. 649, [3] Seiten. – Leicht berieben, Ecken bestoßen. – Vereinzelt minimal stockfleckig.

286  Friedrich Rückert. Kindertodtenlieder.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 160

Aus seinem Nachlasse. Frankfurt a. M., J. D. Sauerländer 1872. Grauer Originalleinenband. Rückenverzierung, Vorderdeckelillustration und -bordüre und Buchschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Die vielleicht ergreifendsten Gedichte Friedrich Rückerts im Gedenken an seine »beiden liebsten und schönsten Kinder«. Alle seine Kinder erkrankten damals schwer an Scharlach, zwei von ihnen sind im Alter von drei und fünf Jahren 1833/34 gestorben, ihnen galt seine Klage: »Oft denk ich, sie sind nur ausgegangen, / Bald werden sie wieder nach Hause gelangen.«.

14 : 10 cm. XVI, 408 S. – Es fehlt das vordere Vorsatzblatt, sonst recht hübsches Exemplar.

Goedeke VIII, 175, 227

287  Friedrich Schiller. Die Räuber,

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 300

ein Trauerspiel. Neue für die Mannheimer Bühne verbesserte Auflage. Mannheim, Schwan 1782. Mit Holzschnitt-Titelvignette. Ohne Einband, reversibel in Velinumschlag eingehängt.

Zweite Auflage, erster Druck. – Der Mannheimer Verleger Schwan hatte ein Jahr zuvor Schillers Schauspiel abgelehnt. Der neueren Forschung zufolge ließ Schiller das Werk daraufhin im Selbstverlag drucken, wofür er mehrere Kredite aufnehmen musste. – Erst diese zweite Auflage erhielt das Blatt mit den handelnden Personen (darunter der junge August Wilhelm Iffland als Franz Moor) und ein bei Marcuse nicht verzeichnetes Blatt mit Verlagsanzeigen am Ende. – Die Seltenheit des Erstdrucks ist legendär, erst nach der Mannheimer Erstaufführung stieg die Nachfrage und man druckte die vorliegende zweite Auflage. – Breitrandig. – Titelblatt mit Besitzvermerk »Baron de Berenger«.

21 : 13 cm (Buchblock). 166, [2] Seiten. – Teils etwas stockfleckig.

Goedeke V, 163, 25. – Marcuse 37

288  [Friedrich] Schiller. Briefwechsel mit Körner.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Ausruflimit/Reserve price: € 66

Von 1784 bis zum Tode Schillers. Erster [bis] Vierter Theil. Berlin, Veit 1847. Dunkelviolette Halblederbände der Zeit mit hübscher Rückenvergoldung und geprägten Marmorpapierdeckelbezügen.

Erste Ausgabe. – Christian Gottfried Körner war mit Schiller seit 1784, also dem Jahr, als der Dichter Mannheim verließ, eng befreundet. Er war der Herausgeber der ersten Schiller-Gesamtausgabe. – Dekoratives, innen sehr gut erhaltenes Exemplar.

18 : 11 cm. – Gelenke leicht brüchig, kleine Bereibungen an den Kapitalen. – Exlibris.

Goedeke V, 110, 29

289  Carl Philipp Emanuel Bach. Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

mit Exempeln und achtzehn Probe-Stücken in sechs Sonaten erläutert. Erster Theil. Dritte mit Zusätzen und sechs neuen Clavier-Stücken vermehrte Auflage. – Angebunden: Zweyter Theil, in welchem die Lehre von dem Accompagnement und der freyen Fantasie abgehandelt wird. Zweite vom Verfasser verbesserte und mit Zusätzen vermehrte Auflage. Leipzig, Schwickert 1787 und 1797. Mit einer gefalteten Kupfertafel. Moderner Halbpergamentband.

Die wichtige theoretische Schrift Carl Philipp Emanuel Bachs erschien erstmals 1753 bzw. 1762 im Eigenverlag. – Im ersten Teil finden sich einige wenige, im zweiten dann zahlreiche Notenbeispiele. – Über Jahrhunderte sind die Musikhistoriker des Lobes voll: »Als Musiktheoretiker nimmt C. Ph. E. Bach unter der Menge der Skribenten des lehrhaften Aufklärungszeitalters eine überragende Stellung ein. Sein ›Versuch‹ hat als Lehrbuch […] weit über seine Zeit hinaus gewirkt« (MGG). – Ohne den Tafelband mit den Notenbeispielen.

22 : 18 cm. VIII, 103, [1]; [8], 280 Seiten, 1 Kupfertafel.

Vgl. MGG I, 934. – VD18 80421520-001

290  August Ludwig Follen. Harfen-Grüße

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 300

aus Deutschland und der Schweiz. Nebst Kupfern, und Musik von Kreuzer, Nägeli und anderen. Zürich, Geßner 1823. Mit Stahlstichtitel, fünf Radierungen, elf radierten Vignetten von Geßner und vier gestochenen gefalteten Musikbeilagen. Neuerer Pappband; der originale Umschlag mit gestochenen Vignetten aufgezogen.

Seltene erste Ausgabe. – Klassische Anthologie der Romantik in der Schweiz. – Mit Gedichten in Erstveröffentlichung von Follen, Hessemer, Tanner, Goll, K. H. Hofmann und R. Wackernagel. »Der vorliegenden Sammlung von Gedichten, meist ernsten, und düsteren Inhaltes sind recht viele Leser zu wünschen; […] Sechs Schweizer […] lassen ihre Harfen tönen. […] Doch wird auch jeder Leser ihre kleinen Lieder mit Dank aufnehmen. Auch die charakteristischen Melodien von so bekannten Männern, und die hübschen Zeichnungen erhöhen den Werth des Buches. Alte Schweizerlieder machen einen erwünschten Anhang. Zu wünschen wäre nur, dass manches Wort für den Nicht-Schweizer in einer Note erklärt wäre. Das Aeussere ist, wie man es von der Verlagshandlung gewohnt sein kann, geschmackvoll und schön.« (Leipziger Literatur Zeitung, No. 97, April 1827, S. 774). – 1814 zog August Ludwig Follen (1794–1855) als Freiwilliger in den Befreiungskriegen nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr wurde er unter dem Eindruck der Restauration 1814 zu einem Mitbegründer der »Teutschen Lesegesellschaft« und des »Gießener Germanenbundes«. In den Jahren vor der Märzrevolution 1848 bildete sein Zürcher Wohnsitz eine Anlaufstelle für politisch Verfolgte, unter ihnen die Dichter Georg Herwegh, Hoffmann von Fallersleben und Ferdinand Freiligrath. Hier trafen deutsche Emigranten mit einheimischen Liberalen zusammen.

21 : 16 cm. [6], 182, [2] Seiten, 4 Notenblätter. – Umschlag fleckig. Vorderdeckel mit kleinem Besitzerstempel.

Goedeke VIII, 139, 5, 5

291  Musik – Ludwig von Köchel. Chronologisch-thematisches Verzeichniss sämmtlicher Tonwerke Wolfgang Amade Mozart’s.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Nebst Angabe der verloren gegangenen, unvollendeten, übertragenen, zweifelhaften und untergeschobenen Compositionen desselben. Leipzig, Breitkopf und Härtel 1862. Mit zahlreichen Musiknoten. Neuer Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Meilenstein der Mozart-Forschung, der die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dessen Werk eröffnete. – Breitrandig und unbeschnitten. – Dazu: Wolfgang Amade Mozart. Verzeichnüß aller meiner Werke. New York, Herbert Reichner ohne Jahr. Originalhalbleinenband. Faksimile-Ausgabe nach Mozarts Handschrift, die die Jahre 1784–1791 umfasst. Mit dem englischsprachigen Textheft von Otto Erich Deutsch.

28 : 19 cm. XVIII, [2], 551, [1] Seiten.

292  Leos Janacek.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Porträtfotografie. Vintage, Bromsilberabzug. 13,8 : 8,5 cm.

Zeitgenössische Porträt-Fotografie, rückseitig vom Komponisten signiert und mit Stempelaufdruck zur Verwendung als Postkarte. – Mit Prägestempel »Bromografia Brno«.

Rückseitig Reste von ehemaliger Montierung.

293  Johannes Waller. Abhandlungen von dem Alpdrücken, dem gestörten Schlafe,

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

erschreckenden Träumen und nächtlichen Erscheinungen. Nebst der Heilart dieser lästigen Zufälle. Aus dem Englischen übersetzt und mit einigen Anmerkungen begleitet von Elias Wolf. Frankfurt am Main, Philipp Heinrich Guilhauman 1820. Moderner schwarzer Umschlag.

Erste Ausgabe. – Eine der zahlreichen Abhandlungen zum Thema »Schlafwandeln«. Das Phänomen wurde damals mit dem »tierischen Magnetismus« erklärt, ein psychologischer Ansatz ließ noch 80 Jahre auf sich warten. – Die deutsche Ausgabe gibt alle Texte, »da sie nichts Anstößiges enthalten«, wieder – auch jene im englischen Original aus »Schamhaftigkeit« in Latein verfassten Stellen.

19 : 12 cm. [2], VI, 92 Seiten. – Etwas braunfleckig, alter Besitzvermerk.

294  M[atthias] Trentsensky. Der junge Landwirth,

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausruflimit/Reserve price: € 700

ein Bilderwerk mit erklärendem Texte, zur Verbreitung naturhistorischer, ökonomischer und technologischer Kenntnisse unter der vaterländischen Jugend. Wien [1840]. Mit 96 kolorierten lithographierten Tafeln. Halbleinenband der Zeit.

Erste Ausgabe. – Es erschienen insgesamt 16 Hefte mit den begleitenden Erläuterungen zu den Abbildungen und jeweils 6 Bildertafeln. – Vorhanden Texthefte 2 bis 16, die Tafeln vollzählig. – Inhalt der Hefte 2–4: Ökonomische Pflanzen, 5–8: Giftpflanzen, 9–12: Technologische Pflanzen, 13-16: Insekten, Pilze und Schwämme. – Matthias Trentsensky (1790–1868) gründete 1819 in Wien eine lithographische Anstalt. Diese wurde später berühmt durch die sogenannten »Mandlbogen«, Bilderbogen für Kinder mit Soldaten, Bühnen- und Trachtenfiguren, Tieren und Papiertheater. 1823 erhielt er ein Patent für die Herstellung von Lithographien auf Zinkplatten. Diese Technik ersetzte den schweren Schieferstein und bahnte dem Offsetdruck den Weg zum Hauptdruckverfahren.

40 : 27 cm. 96 Tafeln.

295  Henry-René d’ Allemagne. Histoire du luminaire.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 450

Depuis l’époque Romaine jusqu’au XIXe siècle. Paris, Alphonse Picard 1891. Mit 80 Tafeln und 500 Textabbildungen von Émile Solvet. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung, der farbige Originalumschlag eingebunden.

Erste Ausgabe. – Eins von 50 Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe auf Japan, weitere 350 Vorzugsexemplare wurden auf Velin gedruckt. Nur die übrigen 600 Exemplare auf einfachem Papier waren für den Handel bestimmt. – In Text und Bild wird die Entwicklung der Beleuchtung von biblischen Zeiten bis ins 19. Jahrhundert dargestellt. Im zweiten, speziellen Teil werden einzelne Beleuchtungsarten beschrieben (Gas, Phosphor, Elektrik u. a.). Auf hunderten Abbildungen werden Lampen aus verschiedensten internationalen Museen und privaten Sammlungen vorgestellt und die Darstellung von Lampen in Kunst und . – Mit eingehefteten Widmungsblatt für Albert Ellissen, der d’Allemagne zu dieser Publikation animierte, deren Herstellung finanzierte und dem der Verfasser deshalb das Buch in doppeltem Sinne widmete. Möglicherweise hier also das Exemplar für Albert Ellissen (1838–1923). – Henry-René d’Allemagne (1863–1950) war ein vielseitiger Archivar und Bibliothekar an der Bibliothèque de l’Arsenal und veröffentliche eine Reihe ähnlich umfangreicher Monographien zu Spielkarten, Möbeln u. a. – »[…] figure parmi les plus importants spécialistes des arts décoratifs de la fin du XIXe et de la première moitié du XXe siècle. Ses nombreuses publications semblent si foisonnantes qu’il serait aisé de le considérer comme un génial touche-à-tout, qu’aucune réelle ligne directrice ne saurait guider« (www.inha.fr). – Sehr selten, zumal in der Vorzugsausgabe.

34 : 26 cm. [4], VI, 702, [2] Seiten, 80 Tafeln. – Unbeschnitten, die äußersten Ränder leicht gebräunt.

297  George Cruikshank – Der Freischütz.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Travestie by Septimus Globus. With twelve etchings by George Cruikshank, from drawings by an amateur; and the originale tale whereon the German opera is founded. London, C. Baldwyn 1824. Mit zwölf gestochenen Tafeln. Brauner Kalblederband mit reicher Rückenvergoldung, zwei farbigen Rückenschildern, vergoldeten Deckel-, Steh- und Innenkantenbordüren sowie Schnittvergoldung (signiert: Morrell Bindery, London).

Erste Ausgabe. – Drollig illustrierte Parodie der 1822 erschienenen deutschen Nationaloper, zu der Carl Maria von Weber durch ein Gespensterbuch der damaligen Zeit angeregt worden sein soll. Cruikshank stach die Illustrationen nach Vorlagen des jungen Alfred Crowquill (1804–1872). – Dekorativ gebunden und sehr gut erhalten.

24 : 16 cm. [4], 68 Seiten, 12 Tafeln.

Rümann, Illustrierte Bücher, S. 66

298  Thomas Rowlandson – [William Combe]. The English Dance of Death,

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 600

from the designs of Thomas Rowlandson, with metrical Illustrations by the Author of »Doctor Syntax«. Vol. I [and] II. London, R. Ackermann 1815–1816. Mit 74 kolorierten Aquatintaradierungen, davon 72 Tafeln, das Frontispiz und eine große Vignette auf dem gestochenen Titelblatt. Blaue Halbecrasélederbände der Zeit mit Rückenvergoldung in sechs Feldern; Deckelfileten und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Der Tod besucht unter anderem einen Antiquar, ein Liebespaar, Taschendiebe, Glücksspieler, einen Maskenball, Pferderennen und verschiedene andere gesellschaftliche Vergnügungen; im zweiten Band kommen einige »riskante« Lebenssituationen dazu: Obstdiebstahl aus Nachbars Garten, Unfälle im Haushalt, Kinderreichtum. – »The Dance of Death is the finest effort (in book form) of the greatest artist of his day […] not only indispensable to any Rowlandson collection but one of the essential pivots of any colour plate Library« (Tooley, S. 222). – William Combe (1741–1823) hatte bereits mehrere erfolgreiche Satiren und besonders fiktive Reiseberichte und Briefwechsel verfasst und dafür mehrfach Ärger mit der englischen Justiz bekommen, als er 1809–1811 für R. Ackermanns »Political Magazine« die berühmten Reisebeschreibungen des Doctor Syntax schrieb, die zusammen mit den irrwitzigen Aquatintaillustrationen von Thomas Rowlandson (1756–1827) ein Riesenerfolg wurden. Auch die Verleger des frühen 19. Jahrhunderts verlangten in einem solchen Fall nach Fortsetzungen und so erschienen recht bald »Dance of Death«, »Death of Life« und »The Adventures of Johnny Quae Genus« – alle bis heute gleichermaßen bekannt wie gesucht, lesens- und betrachtenswert. – Schönes Exemplar dieses großartigen Beispiels englischen Humors.

24 : 15 cm. VII, [5], 295, [1]; [6], 299, [1] Seiten, 74 Tafeln. – 2 Ecken leicht bestoßen. – Frontispiz und Titelblatt etwas fleckig, Frontispiz mit Eckknick und hinterlegtem Einriss. – Vereinzelte Ecken mit Braunflecken. – Die Radierungen jeweils mit einem vorgebundenen Leerblatt, dieses mit apartem Abklatsch der Schwarzpartien.

Massmann, S. 60, E. 1. – Tooley, S. 219-222

299  William Shakespeare – The National Shakespeare.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 340

A Facsimile of the Text of the First Folio of 1623. Illustrated by Sir J. Noel Paton. [In three Volumes]. London, William Mackenzie [1888–1889]. Mit zwei Porträts, zwei Ansichten und 20 Szenenbildern nach Zeichnungen, alle heliograviert. Grüne Originalmaroquinbände mit reicher Vergoldung und Blindprägung.

Edition de Luxe auf starkem Bütten, in Prachteinbänden und mit den Heliogravüren. – Das Faksimile folgt der ersten Shakespeare-Sammlung von 1623 in der Satzanordnung bis hin zu den Unregelmäßigkeiten der Seitenzählung. – Insgesamt enthielt die Ausgabe 36 Komödien, Historien und Tragödien. – Die Prunkeinbände mit dunkelgrünem, stark genarbtem Maroquin über Holzdeckeln, alle Deckel mit eingelassenem ovalen Mittelfeld mit reicher Vergoldung. Die ornamental verzierten Rückentitel, reichliches Schmuckwerk, die Innenkantenbordüren und der Kopfschnitt wurden ebenfalls vergoldet. – Die Illustrationen des schottischen Malers Joseph Noel Paton (1821–1901) wurden für die Luxus-Edition auf Chinapapier gedruckt und diese aufgewalzt.

41 : 27 cm. Kollation: [16], 303, [1]; [4], 1–100 (98), 67–232, [32]; [4], 98, [2], 109–156, 257–399, [1] Seiten, 24 Tafeln. – Deckelränder und Rücken leicht berieben und verfärbt. – 2 Seiten in Band 1 mit Bräunungsabklatsch, die Tafelkartons rückseitig minimal stockfleckig.

300  [Émile Gachet]. Les sires de Gavres.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Histoire des seigneurs de Gavres. Roman du XVe siècle. Brüssel, Van Dale [1845]. Text und Illustrationen durchgehend farbig lithographiert und teils koloriert. Leinenband der Zeit mit Blindprägung, der lithographierte Originalvorderumschlag auf das Vorblatt aufgezogen.

Eins von wohl nur etwa 100 Exemplaren. – Brunet: »fac-simile d’un curieux manuscrit du XVe siècle, […] avec un glossaire et un avertissement. […] Ce volume, exécuté à la lithogr. de Gobert, reproduit en entier et page pour page le texte et les vignettes du manuscrit qu’il représente. L’introduction qui en fait partie imite le style de l’époque de manière à faire illusion«. – Das Subskribenten-Verzeichnis nennt 57 Vorbesteller, von denen mancher bis zu zehn Exemplare orderte.

30 : 25 cm. 508 Seiten. – Einband leicht bestoßen und angestaubt. – Vorblatt fingerfleckig. Titelblatt rückseitig mit getilgtem Stempel.

Brunet II, 1430f

301  Gustave Doré – Xavier Boniface Saintine. La mythologie du Rhin.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausruflimit/Reserve price: € 80

Illustrée par Gustave Doré. Paris, Hachette 1862. Mit zahlreichen Textholzstichen. Schwarzer Originalhalblederband mit reicher Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe. – Exemplar auf feinstem Velin. – »Hier ironisiert Doré die germanische Mythologie, glossiert er die mettrinkenden Göttergestalten Walhallas […] Tatsächlich, noch selten sind die barbaresken Göttergestalten Germaniens so souverän und maliziös zugleich dargestellt, so treffend mit eisigem Lächeln charakterisiert, sind aber auch gewisse teutonische Eigenschaften so parodistisch bloßgelegt worden. Bezeichnend ist, daß dieses wirklich geniale Werk Dorés in Frankreich drei Auflagen erlebt, in England Begeisterung erweckt, jedoch in Deutschland keinen Verleger findet« (Farner).

25 : 16 cm. [4], 403, [1] Seiten. – Rückenkanten etwas berieben. – Vereinzelt leicht stockfleckig.

Sander 603. – Rümann, Doré 107. – Farner, Doré I, 169ff

302  J. H. Ramberg. Tyll Eulenspiegel

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

in fünf und fünfzig radirten Blättern. Mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Mit einem Vorworte. Gera, C. B. Grisebach 1871. Mit einem radierten Titelblatt und 54 Umrissradierungen. Halbleinenband mit Deckelschild.

Zu Lebzeiten Johann Heinrich Rambergs (1763–1840) herrschte in und ausser Deutschland die Almanachsliteratur; »auf sie concentrirten die Dichter und Novellisten sowie die Künstler beinahe ausschließlich ihre Kräfte. Ramberg gehörte zu den gesuchtetsten und beliebtesten Illustratoren. […] Darum handhabte Ramberg […] den Zeichenstift und die Nadel mit vollendeter Meisterschaft und unnachahmlicher Genialität. Deshalb gehört auch sein Tyll Eulenspiegel zu den vorzüglichsten Producten dieses Genres überhaupt. (Nagler XII, 277), die in den Besitz der Verlagshandlung übergegangen, in dieser zweiten Auflage der Oeffentlichkeit übergeben werden. Es sind mithin die Ramberg’schen Originalradierungen selbst.« (Vorwort).

25 : 33 cm. VI, 40 Seiten, 55 Blätter. – Rücken erneuert. Einband etwas fleckig und mit Schabspuren, an zwei Stellen kleine Löcher. – Durchgehend leicht stockfleckig.

Rümann 1729

303  Ludwig Richter – Ludwig Bechstein. Märchenbuch.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Mit 174 Holzschnitten nach Originalzeichnungen von Ludwig Richter. Zwölfte Auflage. Erste illustrierte Ausgabe. Leipzig, Georg Wigand 1853. Mit einem ganzseitigen Holzschnittfrontispiz und 173 Textholzschnitten. Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Erste Ausgabe mit den berühmten Illustrationen von Ludwig Richter. – »Von den 174 Holzschnitten […] sind 170 hier erstmals abgedruckt. Eins der schönsten und liebenswertesten deutschen Bücher des 19. Jahrhunderts, dessen berühmte Illustrationen oft nachgedruckt – und auch für Ausgaben der Grimmschen Märchen verwendet wurden.« (Seebaß).

23,0 : 16,0 cm. XVI, 280 Seiten. – Ecken etwas bestoßen. Kanten berieben.

Wegehaupt 230. – Seebaß II, 120. – Rümann 1898. – Rümann (Kinderbücher) 32

304  Friedrich Nietzsche. Die Geburt der Tragödie

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

aus dem Geiste der Musik. Leipzig, E. W. Fritzsch 1872. Mit einer gestochenen Titelvignette. Späterer Pappband, Originalvorderumschlag der Broschur aufgezogen.

Erste Ausgabe. – Gedruckt wurden 800 Exemplare. – Nach seinen philologischen Werken und den »Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern« erschien 1872 mit der »Geburt der Tragödie« das erste der philosophischen Werke Nietzsches. – Das Buch widmet er im »Vorwort an Richard Wagner« »meinem erhabenen Vorkämpfer«. Die Verehrung für den Komponisten hielt von Mitte der 1860er Jahre bis zu Wagners vermeintlicher Hinwendung zum Christentum 1879 an. In »Der Fall Wagner« und »Nietzsche contra Wagner« erläuterte Nietzsche die in Feindschaft umgeschlagene Beziehung. – Der Buchblock noch gänzlich unaufgeschnitten und damit besonders breitrandig.

22 : 14 cm. IV, 143, [1] Seiten. – Der aufgezogene Broschurumschlag bis an die Einfassungslinie beschnitten.

Schaberg 20. – WNB 251

305  Friedrich Nietzsche. Der Fall Wagner.

Schätzpreis/Estimate: € 1500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Ein Musikanten-Problem. Leipzig, C. G. Naumann 1888. Handgebundener dunkelblauer Halbmarqouinband mit Vergoldung, signiert »Wilhelm Göbel«.

Erste Ausgabe. – Eins von nur 500 Exemplaren, weitere 500 Exemplare wurden irrtümlich bereits als »zweite Ausgabe« bezeichnet, diese erschien aber tatsächlich erst 1891. – Der Text entstand als Folge einer Unterhaltung zwischen Friedrich Nietzsche und Peter Gast in einer Reihe von Briefen. Von Mitte der 1860er Jahre bis zu Wagners angeblicher Hinwendung zum Christentum hatte Nietzsche den Komponisten bewundert, dann schlug die Freundschaft in offene Feindschaft um. Nur ein Jahr später erschien Nietzsches Resümeé der jahrzehntelangen Beziehung »Nietzsche contra Wagner«.

22 : 15 cm. [10], 57, [1] Seiten. – Ränder schwach berieben. Rücken leicht verblasst, Einband oben mit Lichtrand. – Titelblatt stärker, sonst ganz vereinzelt etwas stockfleckig.

Schaberg 54. – Krummel XVII

306  Friedrich Nietzsche. Gesammelte Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Musarionausgabe. Herausgegeben von Richard Oehler und anderen. Erster [bis] Dreiundzwanzigster Band. München, Musarion Verlag 1920–1929. Mit vier Porträts und sieben, meist mehrseitigen Faksimiles, davon eins gefaltet. Originalpergamentbände mit je zwei grünen Maroquinrückenschildern mit vergoldeten Titeln, doppelten vergoldeten Deckel- und Rückenfileten und Kopfschnittvergoldung (Hübel & Denck, Leipzig).

Eins von 184 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe auf Hadernpapier und in Pergament gebunden (Gesamtauflage 1600). – Die im Auftrag von Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche veranstaltete Werkausgabe wurde betreut von Richard Oehler, Max Oehler und Friedrich Chr. Würzbach. Die von Nietzsche selbst veröffentlichten Schriften und der gesamte Nachlass werden hier chronologisch geordnet präsentiert. – »Einen weiteren Vorzug der Musarionausgabe bildet die Hinzufügung eines Jugendschriftenbandes (mit einer großen Anzahl bis dahin unveröffentlichter Abhandlungen, Studien und Skizzen des jugendlichen Nietzsche) als ersten und eines autobiographischen als letzten der Gesamtreihe« (aus dem Vorwort von Richard Oehler). – Mit dem Namensregister zur Gesamtausgabe in Band 21, Bände 22 und 23 mit dem Sachregister. – Schöne Reihe der beeindruckenden Nietzsche-Werkausgabe.

24,5 : 17,5 cm. – Einbände etwas angestaubt, Kanten und Ecken etwas berieben.

WNB 7

307  Friedrich Nietzsche – Rudolf Steiner. Friedrich Nietzsche. Ein Kämpfer gegen seine Zeit.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Weimar, Emil Felber 1895. Ornamental verzierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Schönes unbeschnittenes Exemplar.

21 : 14 cm. IX, [3], 125, [3] Seiten. – Am Rücken etwas gebräunt, ein Falz mit Einriss.

308  Sigmund Freud. Zur Auffassung der Aphasien.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausruflimit/Reserve price: € 1500

Eine kritische Studie. Leipzig und Wien, Franz Deuticke 1891. Mit zehn Holzschnitten im Text. Halblederband der Zeit mit vergoldetem Rückentitel. In späterer Halblederkassette.

Erste Ausgabe von Freuds erster Monographie. Die in der Untersuchung zu Sprachstörungen erstmals formulierten »Zweifel an der Lokalisation psychischer Elemente« als Folge »einer Verwechslung des Psychischen mit dem Physischen« bilden später einen zentralen Aspekt von Freuds Psychoanalyse. – Nach seiner Rückkehr aus Paris und der Trennung von Jean-Martin Charcot hatte Freud, der sich 1886 in Wien als Arzt niedergelassen hatte, zunächst Rezensionen und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht. 1891 bezog er gemeinsam mit seiner Ehefrau Martha die später legendär gewordene Wohnung in der Berggasse 19. – Selten.

23 : 15 cm. [4], 107, [1] Seiten. – Leder berieben, besonders an den Ecken. – Der Titel und das Widmungsblatt an Joseph Breuer sind doppelt vorhanden. Seite 16/17 mit ausführlichen Randanmerkungen. Vereinzelte Flecken. Bindung nach der ersten und vor der letzten Lage gelockert.

Meyer-Palmedo/Fichtner 1891 b