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Bücher des 16.-19. Jahrhunderts | Hesse-Auktionen
Bücher des 16.-19. Jahrhunderts

528  Astrologie – Jean Taisnier. Opus mathematicum

€ 1200

octo libros complectens … Köln, Johannes Birckmann und Werner Richwin 1562. Mit hunderten, teils großen Textholzschnitten, einem zweifach verwendeten Holzschnitt-Porträt und einer Holzschnitt-Druckermarke. Pergamentumschlag der Zeit.

Seltene erste Ausgabe. – Jean Taisnier (1509–nach 1562), Jurist, Mathematiker, Philosoph und Musiker, war Lehrer der Pagen Karls V. und bereiste über 20 Jahre lang Nordafrika, Vorderasien und Südeuropa. Er starb nach 1562 als Musikdirektor des Erzbischofs von Köln. – Sein Hauptwerk, dessen Schwerpunkt die Handlesekunst bildet, vereint das Wissen früherer Autoren. Allein schon wegen seines Umfangs und der fast 1800 Illustrationen, zählt es bis heute zu den geschätztesten Arbeiten auf diesem Gebiet. Im zweiten Teil behandelt Taisnier auch Physiognomik und gibt eine Einführung in die Astrologie. – Aus dem Nachlass von Wilhelm Theodor Heinrich Wulff (Astrologe, 1893–1984) mit seiner Visitenkarte und einigen Beilagen. Während seines Studiums der Bildhauerei und Malerei kam Wulff mit den Werken von Leonardo da Vinci, Johannes Kepler, Tycho Brahe und Goethe in Kontakt, diese führten ihn 1912 zur Astrologie. Anfang der 1920er Jahre machte er diese mit großem Erfolg zu seinem Beruf. Nach der Flucht von Rudolf Heß 1941 nach England wurde er zusammen mit vielen anderen Astrologen verhaftet. Aus dem Hamburger KZ Fuhlsbüttel wurde er in ein Speziallager verlegt, um für Himmler und einige andere Nazi-Politiker Horoskope zu erstellen. Er soll das Attentat vom 20. Juli 1944 vorausgesagt haben. Nach dem Krieg war er Mitbegründer des Deutschen Astrologen-Verbandes. Seine Autobiographie erschien 1968 unter dem Titel »Tierkreis und Hakenkreuz – als Astrologe an Himmlers Hof«.

29,5 : 19,8 cm. [12], 624, [8] Seiten. – Pergamentumschlag fleckig und gewellt. – Die erste Hälfte wasserrandig, durchgehend etwas gebräunt und mit alten Anmerkungen. – Titelblatt mit zwei alten Besitzvermerken, u. a. Abraham Limczar (?) 1564, rückseitig Stempel. Das letzte, leere Blatt mit Kaufvermerk von 1564.

VD 16, T 72. – Graesse, Bibl. magica 100. – Poggendorf II, 1066. – Rosenthal, Bibl. magica 1017

529  Astrologie – Francesco Giunti. Speculum Astrologiæ,

€ 1800

universam mathematicam scientiam, in certas classes digestam, complectens. Tomus prior [et] posterior. Lyon, Q. Phil. Tinghus und Joh. Quadratus für S. Beraud 1581–1583. Mit zahlreichen Textholzschnitten. Pergamentbände der Zeit.

Erste Ausgabe, beide Titelblätter mit »1583«, Kolophon mit »1581«. – Der Florentiner Karmeliter Francesco Junctinus lebte von 1522–1580/1590 und wurde der Überlieferung nach von einem Bücherregal erschlagen. – In ausgewählten Zitaten und durch ausführlichste Kommentare versuchte er die Schriften von Ptolemäus, Johannis de Sacro Bosco, Georg Purbach und Nikolaus Kopernikus als wissenschaftliche Belege der Astrologie zu nutzen. Daneben finden sich einige eigene Texte (»Compendium de stellarum fixarum observationibus«, »De eclipsius«, »De cometis«, »Calendarium astrologium«). – Das Werk gilt als das umfassendste Lehrbuch der Astrologie und enthält mehr als 600 Nativitäten geschichtlich bekannter Persönlichkeiten und deren Deutungen. Die zahlreichen Textholzschnitte mit astronomischen Ereignissen (Kometen, Sonnen- und Mondfinsternis) und Sphärenmodellen, Himmels- und Erdgloben, Weltkarten und anderem. – Rosenthal betont die allgemeine Bedeutung sowie die für »collectors of Americana, as containing biographies of Columbus and Vespucci«. – Sehr selten. – Aus dem Nachlass von Wilhelm Theodor Heinrich Wulff (siehe die vorherige KatNr). – Beigabe: Martin Pegius’ Geburtsstundenbuch (Basel 1570). Faksimileausgabe München 1924. Originalhalbpergamentband. Eins von 500 Exemplaren.

34,5 : 22,0 cm. [8], 1313, [3]; 1176 (paginiert 1170), [42] Seiten. – Einbände etwas berieben und leicht bestoßen, Rücken mit Fehlstellen und teils überklebt. – Leicht fleckig, einzelne Lagen gebräunt. Zahlreiche Anmerkungen und Anstreichungen. Einige alte Stempel.

Poggendorf I, 1211. – Rosenthal, Bibl. magica 3432

530  Astrologie – Johann Wilhelm Pfaff. Astrologie.

€ 400

Nürnberg, Friedrich Campe 1816. Mit einer gestochenen Titelvignette und zwei Kupfertafeln. Halblederband der Zeit.

Erste Ausgabe. – Johann Wilhelm Pfaff (1774–1835), jüngerer Bruder des Mathematikers Johann Friedrich Pfaff, erhielt 1809 eine Anstellung am neugegründeten Nürnberger Realinstitut. Seine Beschäftigung mit der Astrologie fand unter » […] seinen Fachkollegen wenig Gegenliebe. Insbesondere Gauß, Johann Elert Bode und Heinrich Wilhelm Olbers äußerten sich kritisch bis abfällig über Pfaffs 1816 erschienene ›Astrologie‹« (NDB XX, 292). – Aus der Bibliothek von Wilhelm Theodor Heinrich Wulff (1893–1984).

17,1 : 10,0 cm. VIII, 244 (paginiert 246), [2] Seiten. – Vorsatzblätter und 8 beigelegte Blätter mit ausführlichen Anmerkungen von alter Hand. – Alter Besitzvermerk und Wulffs Prägestempel. – Einband stärker bestoßen, Rücken mit Fehlstellen.

531  Astronomie – [Giuseppe] Simone Assemani. Globus caelestis

€ 1200

cufico-arabicus vleiterni Musei Borgiani […] Præmissa ejusdem de arabum astronomia dissertatione et adjectus duabus epistolis Cl. Josephi Toladi. Padua, Typis Seminarii 1790. Mit drei gefalteten Kupfertafeln, davon zwei koloriert. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenvergoldung.

Simone Assemani (1752–1821) war wie sein Großonkel Giuseppe Simone Assemani (1687–1768) Orientalist und zählt zu den bedeutendsten seiner Zeit. Wie sein Verwandter bereiste auch er den Nahen Osten, später lebte und arbeitete er in Padua. Papst Clemens XII. erwarb die mehr als 200 syrischen Handschriften aus dem Familienbesitz. – Der arabische Himmelsglobus von Muhammed Alkamel Ajubitae in den vatikanischen Sammlungen beschreibt er unter sprachwissenschaftlichen Aspekten ausführlich, die drei Kupfer bilden den Globus im Ganzen und seine Schift- und Bildzeichen en detail und fein koloriert ab. – Sehr schönes Exemplar.

30,7 : 24,0 cm. [16], CCXIX, [1], [8] Seiten, 3 Faltkupfer. – Oberränder vereinzelt etwas angestaubt. – Vorsatzblatt mit Besitz-, Kauf- und Restaurierungsnotiz von 1837. Titelblatt und letztes Kupfer, beide verso, mit Stempel des British Museum, vorn mit Stempel »1831 Duplicate for Sale«. Zwei Exlibris.

Graesse I, 240. – Brunet 8185. – Österr. Biograph. Lexikon I, 33

532  J[ohann] H[einrich] Lambert. Beschreibung einer mit dem Calauschen Wachse ausgemalten Farbenpyramide,

€ 800

wo die Mischung jeder Farben aus Weiß und drey Grundfarben angeordnet, dargelegt und derselben Berechnung und vielfacher Gebrauch gewiesen wird. Berlin, Haude und Spener 1772. Mit einer kolorierten gefalteten Kupfertafel. – Angebunden: Johann Win[c]kelmann. Anmerkungen über die Baukunst der Alten. Leipzig, Johann Gottfried Dyck 1762. Mit zwei gestochenen Vignetten, eine auf dem Titel. – Johann Win[c]kelmann. Sendschreiben von den Herculanischen Entdeckungen. An […] Heinrich Reichsgrafen von Brühl. Dresden, Georg Conrad Walther 1762. Mit drei gestochenen Vignetten nach Winckelmann, eine auf dem Titel. – Halblederband der Zeit mit floraler Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe, sehr selten. – Johann Heinrich Lambert (1728–1777) war einer der bedeutendsten Mathematiker und Astronomen seiner Zeit, u. a. bewies er die Irrationalität der Kreiszahl π. Am Lebensende legte er mit seiner Farbenpyramide das erste dreidimensionale Farbsystem vor. Damit verhalf er dem Farbendreieck des Astronomen Tobias Mayer, das er ausführlich beschreibt, zur dringend notwendigen Tiefe. Seine Pyramide, ausgemalt mit den gerade in Berlin entwickelten Calauschen Wachsfarben, bildet die Grundlage für die ebenfalls räumlichen Farbenmodelle von Goethe und Philipp Otto Runge. – Als praktischen Nutzen erhoffte sich Lambert den Einsatz seiner Farbberechnungen bei Textilhändlern, Färbereien und Druckern, aber auch bei der Bestimmung von Farben im Naturreich. – Angebunden zwei wichtige Schriften zur antiken Kunst, verfasst vom Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte. – Beide in erster Ausgabe. – Beide Bücher, die häufig mit seiner »Geschichte der Kunst« zusammengebunden wurden, entstanden unter dem gewaltigen Eindruck, den die Tempel des alten Paestum und die Ruinen am Golf von Neapel auf ihn gemacht hatten. – Sehr schönes Exemplar, identisch gebunden mit dem folgenden Werk.

23,0 : 18,7 cm. [6], 126, [2] Seiten, 1 Kupfer. – [16], 68, [8] Seiten. – 96 Seiten. – I mit wenigen alten Anmerkungen.

Poggendorf I, 1355. – Winckelmann: Goedeke IV/1, 301, 7 und 9

533  A[ndreas] Riem. Über die Malerei der Alten.

€ 400

Ein Beitrag zur Geschichte der Kunst. Veranlasst von B[ernhard] Rode. Berlin, Friedrich Maurer 1787. Mit gestochenem Frontispiz (Bildnis des Zeuxis), gestochener Titelvignette (Appelles) und 22 großen und kleinen Textkupfern, gestochen von F. Reclam und Rode. Halblederband der Zeit mit floraler Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild.

Erste und einzige Ausgabe dieser seltenen kunsttheoretischen Schrift. – Der Theologe und aufklärerische Literat Riem verfasste sie auf Initiative des Direktors der Berliner Kunstakademie Christian Bernhard Rode. – Riem setzt sich ausführlich mit der Behauptung des dortigen Hofmalers Benjamin Calau (1724–1785) auseinander, dieser habe mit seinen Wachsmalfarben das legendäre »punische Wachs« wiederentdeckt, jene antiken Farben die schon Plinius in seiner »Naturalis historia« beschrieben hatte. Nach Calaus Tod setzten Rode und J. C. Frisch die Versuche mit seiner Wachsmalerei fort. Die vorliegende Schrift enthält die Ergebnisse dieser Versuche, zugleich ordnet der Verfasser die Bedeutung von Malerei und Plastik in der alten Kunst, auch anhand außereuropäischer Beispiele (Azteken und Maya). – Auf festem Bütten.

22,7 : 19,3 cm. [6], IV, 161 (paginiert 163), [1] Seiten, 1 Kupfer. – Minimal berieben. – Ohne die bei Vergleichsexemplaren erwähnte Kupfertafel. – Etwas stockfleckig.

534  [André-César Bordier]. Herrn Bourret [!] Schilderung seiner Reise nach den Savoyischen Eisgebirgen.

€ 750

Aus dem Französischen mit Anmerkungen und Zusätzen. Erster [und] Zweyter Theil. Gotha, Carl Wilhelm Ettinger 1775. Mit einer gestochenen Ansicht des Genfer Sees als Titelvignette. Halblederband der Zeit mit floraler Rückenvergoldung und zwei Rückenschildern.

Erste deutsche Ausgabe, jedoch war der Verfasser, der unter dem Monogramm »M. B.« 1773 in Genf erschienenen französischen Vorlage »Voyage pittoresque aux glacières de Savoye« der Genfer Theologe André-César Bordier (1746–1802). Der deutsche Übersetzer Heinrich August Ottokar Reichard schreibt das Werk irrtümlich Marc Théodore Bourrit zu. Dieser Genfer Künstler illustrierte Alpenwerke und verfasste selbst eine Beschreibung der Gegend. – Bordiers Reisebuch gehört zu den frühesten größeren Werken, die sich ausschließlich mit der alpinen Gletscherwelt auseinandersetzen. »In seinem Werk […] feierte er als Erster die Erhabenheit der Gletscher« (HLS). – Sehr selten und sehr gut erhalten. – Ein Vergleichsexemplar in der Bayerischen Staatsbibliothek hat auch für den zweiten Teil ein Titelblatt mit Vignette, hier nur der Zwischentitel auf Seite 83.

19,8 : 12,0 cm. [12], 184, [6, 2 leere] Seiten. – Titel mit altem Besitzvermerk. – Die Ecken der ersten und letzten Blätter etwas leimschattig, die letzten Blätter am Oberrand mit kleinen Braunflecken.

Fromm I, 3980 (Bourrit). – HLS (Historisches Lexikon Schweiz) online unter Bordier

535  [Jean Françoise Albanis Beaumont]. Voyage historique et pittoresque du Comté de Nice.

€ 4500

Genf, Isac Bardin 1787. Mit 13 kolorierten Kupferstichen und einem gestochenem Widmungsblatt. Halblederband der Zeit mit schwarz-goldenem Deckelschild.

Erste Ausgabe. – Der vom König von Sardinien geförderte Mathematiker, Architekt und Maler Albanis Beaumont schuf Ende des 18. Jahrhunderts viele Ansichten der südlichen Alpen. Füssli erwähnt u. a. die vorliegenden Folge mit den zwölf Ansichten aus der Umgebung von Nizza. – Das prächtige Kolorit stammt von Gabriel Lory d. Ä. – Mit einem gestochenen Widmungsblatt für den damaligen Duke of Gloucester William Henry, den jüngeren Bruder des englischen Königs Georg III. – Der Band enthält eine große Karte der Küste von Nizza sowie zwölf Ansichten: Golf de Saint-Auspice, Turbie, Cimier, Fréjus, Chateau de Saint-André, Grotte de Saint-André, Küste vor Saint-Laurant, Saint-Ponce, Port Lympia Nice, Nice und Fort Mont-Alban. – Die ersten sechs, etwas kleinformatigeren, und weitere vier der großen Kupfer sind am Plattenrand ausgeschnitten und auf Büttenkarton montiert, jedes mit einer Tuschelinie eingefasst. Abbey vermutet, dass die kleinen Kupfer ursprünglich paarweise auf größeren Bogen gedruckt wurden. Alle Tafeln sind mit Tusche paginiert.

47,5 : 31,5 cm. [4] Seiten (Vortitel, Titel), gestochenes Widmungsblatt, [4] Seiten (Widmung und Einleitung), Karte, Seiten [9]–15 (Text), 1 leere Seite, 12 Kupfer, 1 Faltblatt (Explication des planches). – Eine Ecke des Vorderdeckels etwas geknickt. – Textblätter leicht stockfleckig, das Faltblatt am Ende am Falz etwas gebräunt.

Vgl. Abbey I, 48 (unvollständig). – Nicht bei Wäber und Lonchamp. – Cox I, S. 161

536  [Jean Françoise] Albanis Beaumont. Voyage pittoresque aux Alpes Pennines.

€ 4500

Précédé de quelques observations sur les hauteurs des montagnes, glaciers & des différens villages qui se trouvent sur cette route. Genf, Isac Bardin 1787. Mit zwölf kolorierten Kupferstichen. Halblederband der Zeit mit schwarz-goldenem Deckelschild.

Erste Ausgabe dieser prachtvollen Beschreibung der Walliser Alpen, mit atemberaubenden Darstellungen der dortigen Gletscherwelt und lieblichen Ansichten von Orten und Landschaften in der Nähe des Genfer Sees: Cluses, Saint-Martin bei Sallanches mit dem Mont-Blanc im Hintergrund, Sallanches, See bei Chède, Chamonix, Gletscher (Glacier des Bois, Lavanchet, Arveron), Holzfäller am Ufer der Arve, Evian-les-Bains, Thonon-les-Bains und die Berge über Genf. – Die Kupfer mit Prägerand, das dritte Kupfer aufgezogen und mit Tusche umrahmt, elf handschriftlich paginiert und meist betitelt. – Dieses Werk widmete Beaumont der Tochter des Duke of Gloucester, Prinzessin Sophie-Mathilda (geboren 1773). – Absolut vollständiges Exemplar mit dem Vortitelblatt, dem eingeklebten Erratazettel und den Bilderläuterungen auf dem gefalteten Blatt am Ende des Bandes. Die Kupfer am Unterrand teils mit gedruckter, teils handschriftlicher Nummerierung (wie bei Abbey beschrieben). – Durch die damaligen Expeditionen von Künstlern in die Bergwelt der Alpen verbreitete sich die Kenntnis von der beeindruckenden Schönheit der Eiswelten. Sind schon Vergleiche mit Postkarten der 1920er Jahre im Hinblick auf den Rückgang der Gletscher erschreckend, so sind die hier dokumentierten Verhältnisse vor etwa 250 Jahren unvorstellbar. – Wie das vorherige (KatNr. 535) ein Rarissimum der alpinen Literatur.

44 : 30 cm. 20 Seiten, 12 Kupfer, 1 Faltblatt (Explication des planches). – Rücken erneuert. – Vereinzelt minimal stockfleckig, die Seidenblätter vor den Stichen und das Faltblatt etwas stärker betroffen. – Vorsatz mit einen eingeklebten Schriftstück und einem beigelegten Antwortschreiben an den Erstbesitzer.

Abbey Travel I, 47. – Wäber II, S. 211. – Lonchamp 232. – Cox I, S. 164

537  Jacques Callot. Les Misères et les malheurs de la guerre.

€ 2000

Representez par Jacques Callot, Noble Lorrain, et mis en lumiere par Israel [Henriet] son amy. Paris 1633.

Vollständige Folge. – Erste Ausgabe von Callots berühmtester Illustrationsfolge, die im deutschen Sprachraum zumeist unter dem Titel »Die großen Schrecken des Krieges« geführt wird. – 1621 war Callot aus dem Dienste der Medici nach Nancy zurückgekehrt. Die Belagerung der Stadt durch die Truppen von Louis XIII. waren ihm Anlass und Motivquelle für diese Radierungen. Callots Zeichnungen wurden von seinem Landsmann Israel Henriet gestochen und in Paris verlegt. – »Es ging ihm nicht nur um die Sensation, die Hängen, Rädern, Foltern dem Kriegsberichterstatter als effektvolle Themen lieferten. Er zeigte auch das Unglück am Rande« (Schröder). – Vollständige Folge im zweiten Zustand, lediglich das Titelblatt liegt im dritten Zustand vor. Mit den Versen de Marolles, der Nummerierung unten rechts und dem Verlegervermerk Israels, Blatt 18 »Callot fecit, Israel excudit«. – Breitrandig, auf Bütten und tadellos erhalten.

8,3 : 18,5 cm (9,5 : 19,5 cm). – Mit je zwei Papierfälzchen auf zwei Kartonblätter montiert. – Blatt 14 am linken Rand leicht fingerfleckig, Blatt 18 mit kleinem Tintenfleck am Oberrand.

Méaume 564-581. – Lieure 1339-1356. – Schröder S. 1325ff

538  [Gabriel Bodenehr d. Ä.. Grotesche Capriccios:

€ 2500

oder neueröffnete Carnevals Redoute. Augsburg um 1725]. 50 kolorierte Kupferstiche nach François Rabelais mit gestochenem Text. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild »Karikaturen«.

Sehr seltene Originalausgabe. – Jedes Kupfer mit einem lateinischen Titel (vier fehlende wurden handschriftlich ergänzt), einem deutschen Titel und einem sechszeiligen Spottgedicht. – Auf Bütten. – »Kein Blatt auf dem nicht eine Gestalt aus den 1565 erschienenen ›songes‹ wiederzuerkennen wäre, obwohl das Obszöne hier stark abgeschwächt ist. Während wir in vielen der Figuren des französischen Originals Karikaturen gewisser Stände und Sitten der Zeit nur vermuten konnten, ist die karikierende Absicht in Bodenehrs Wiedergaben durch die beigegebenen Verse über allen Zweifel erhaben. Denn alle die Abbildungen sind mit satirisch komischen Unterschriften versehen, die sich erklärend auf das Dargestellte beziehen. Auf die Unterschriften folgen jeweils kleine Spottverse.« (Robert Ralph Anderson, Dissertation Ohio 1958, S. 106). – Vorblätter mit alten Anmerkungen zur Editionsgeschichte. – Gabriele Bodenehr (1673–1766?). – Wir konnten in deutschen Auktionen nur dieses eine Exemplar nachweisen (Bassenge, Berlin 1973, Auktion 26, KatNr. 3614, und Dörling, Hamburg 1981, Auktion 162, KatNr. 1264).

17,0 : 10,5 cm (Plattenmaß), 20,0 : 13,3 cm (Einband). – Deckel mit Schabstellen. – Das erste Blatt mit hinterlegtem Falzeinriss, rückseitig mit alter Anmerkung, recto mit altem Wappenstempel.

Kat. Ornamentstichslg. Berliner Kunstbibliothek 4300 (nur zwölf Blätter) und 4299 (unvollständiges Exemplar mit Umrahmungen)

539  Heinrich von Alkmar. Reineke der Fuchs,

€ 300

mit schönen Kupfern; Nach der Ausgabe von 1498 ins Hochdeutsche übersetzet, und mit einer Abhandlung, von dem Urheber, wahren Alter und großen Werthe dieses Gedichtes versehen von Johann Christoph Gottscheden. – Hinricks van Alkmar, Reynke de Voß. Leipzig und Amsterdam, Peter Schenk 1752. Mit zwei gestochenen Titelvignetten und 60 etwa halbseitengroßen Kupferstichen im Text. Moderner Pappband mit Marmorpapierbezug und Lederrückenschild.

Erste Ausgabe der wichtigen Übersetzung Gottscheds, die unter anderem die Grundlage für Goethes »Reineke Fuchs« bildete. In seinem ausführlichen Vorwort liefert Gottsched eine Bibliographie aller ihm bekannten Reineke Fuchs-Ausgaben. – Mit den Vorreden von Heinrich von Alkmar zur Ausgabe 1498 und N. Baumann zur plattdeutschen Ausgabe 1549 und Anmerkungen beider zur vorliegenden Fassung. – Als Teil II ist der niederdeutsche Text angefügt. – Die schönen Radierungen von Allart von Everdingen wurden Vorbild für zahlreiche Tierillustrationen des 18. und 19. Jahrhunderts.

25,4 : 17,2 cm. 52, 340, 83 (paginiert 93), [1] Seiten. – Teils gebräunt bzw. stockfleckig.

Goedeke I, 483, 19 u. III, 361, 36. – Faber du Faur 1777. – Rümann 23

540  Salomon Gessner. Schriften.

€ 450

1er [bis] Vter Theil. Zürich, Orell, Gessner und Füssli 1770. Mit fünf gestochenen Titelblättern und 31 gestochenen Textvignetten von Salomon Gessner sowie einigen Holzschnittvignetten. Zwei Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung und -schildern.

Erweiterte Werksammlung in deutscher Sprache, reizend vom Verfasser illustriert und splendid gedruckt auf feinem weißem Schreibpapier. – Enthält »Der Tod Abels«, »Daphnis«, »Idyllen«, »Evander & Alcimna«, »Erast«, Gessners Diderot-Übersetzungen und einige andere kleiner Texte. – Gessner strebte, folgt man Karl Goedekes nicht sehr schmeichelhafter Einschätzung, »nach der Einfalt der Alten. Sein Streben galt den Zeitgenossen als Erreichen. Aber nicht das Altertum, nur ein erträumtes Bild des Altertums hatte ihn gereizt, und die Einfachheit, die er suchte, verlor sich unter süßem Getändel«.

17,8 : 11,0 cm. 249, [1]; 166; 166; 209, [1]; 273, [3] Seiten. – Einbände etwas beschabt, Rücken leicht brüchig. – Die Ränder der drei Zwischentitel im zweiten Band minimal stockfleckig.

Goedeke IV/1, 82, 7. – Leemann van Elck 534. – Rümann 331

541  Gotthold Ephraim Lessing. Sämmtliche Schriften.

€ 450

Erster [bis] Dreißigster Theil. Berlin, Voss und [einige Bände] Berlin und Stettin, Nicolai 1791–1819. Marmorierte Halblederbände der Zeit mit klassizistischer Rückenvergoldung und zwei rot- bzw. türkis-goldenen Rückenschildern.

Die erste Gesamtausgabe von Lessings Schriften, 22 Teile in erster Ausgabe, die übrigen (Bände 1, 11, 12, 24–27 und 30) in zweiter, teils als Titelauflage, teils neu gedruckt und bei Friedrich Nicolai erschienen. – Sehr frisches und sauberes Exemplar aus einer Adelsbibliothek, uniform und bemerkenswert dekorativ gebunden.

15,4 : 10,2 cm.

Goedeke IV/1, 342, 2

542  [François Marie Arouet de] Voltaire. Natürliche Religion

€ 450

in vier Abschnitten. An Seine Majestät dem [sic!] König in Preußen. Aus dem Französischen übersetzt. Ohne Ort 1761. Kalblederband der Zeit mit hübscher Blind- und Goldprägung sowie einem rot-goldenen Deckelschild.

Erste deutsche Ausgabe von Voltaires »La religion naturelle«, die 1756 in Paris erschienen war. – Sehr selten, kein Exemplar in auktionspreise-online.de.

16,7 : 10,2 cm. 24 Seiten. – Kapitale etwas berieben. – Gestochenes Exlibris.

Fromm VI, 27146

543  [Moses Mendelssohn]. Philosophische Schriften.

€ 500

Erster [und] Zweyter Theil. Berlin, Christian Friedrich Voß 1761. Mit gestochenem Frontispiz und zwei gestochenen Titelvignetten von J. W. Meil. Halblederbände um 1880 mit Rückenvergoldung im Stil der Zeit.

Seltene erste Ausgabe der wichtigen Schriftensammlung. – Enthält »Über die Empfindungen« (den fiktiven Briefwechsel zwischen Theocles und Euphranor), »Gespräche« (zwischen Philopon und Neophil bzw. Kallisthen und Numesian) und die Erstdrucke von »Rhapsodie« (Zusätze zu den Briefen über die Empfindungen), »Über die Hauptgrundsätze der schönen Künste und Wissenschaften«, »Über das Erhabene und Naive in den schönen Wissenschaften« und »Über die Wahrscheinlichkeit«. – Ausnehmend schönes Exemplar. – Beide Bände mit altem Besitzvermerk »H. A. Jacobi« – wer findet die verwandtschaftliche Beziehung zu Friedrich Heinrich von Jacobi ? – Dazu: Moses Mendelssohn an die Freunde Lessings. Ein Anhang zu Herrn Jacobi Briefwechsel über die Lehre des Spinoza. Berlin, Voß und Sohn 1786. Pappband der Zeit. Erste Ausgabe, posthum herausgegeben von J. J. Engel.

16,7 : 10,5 cm. [16], 256; [2], 228 Seiten. – Nur ganz vereinzelt minimal stockfleckig.

Goedeke IV/1, 488, 6. – Dorn 105-107. – Beigabe: Goedeke IV/1, 490, 17

544  [Johann Georg Hamann]. Sokratische Denkwürdigkeiten

€ 18000

für die lange Weile des Publicums zusammengetragen von einem Liebhaber der langen Weile. Mit einer doppelten Zuschrift an Niemand und an Zween. Amsterdam [eigentlich Königsberg, Hartung] 1759. Buntpapierbroschur der Zeit, wohl Herrnhuter Stempeldruckpapier.

Das Handexemplar des Verfassers, versehen mit mehr als fünfzig eigenhändigen Verbesserungen, Erläuterungen und Ergänzungen. Die gut leserlichen Marginalien betreffen sowohl sprachliche Verbesserungen und Satzfehlerkorrekturen als auch längere Zitate aus Werken anderer Autoren, mit denen Hamann seine Thesen untermauerte. – Das Vorblatt mit dem eigenhändigen Besitzvermerk »Johann Michael Hamann. VIII Jul. MDCCLXXXVII.« Hamanns Sohn hatte offenbar ein Jahr vor dem Tod des Vaters dessen Exemplar als Geschenk erhalten. Schon zu Hamanns Lebzeiten zählte sein schon bald nach Erscheinen vergriffenes Erstlingswerk zu den gesuchten und hochbezahlten Raritäten der deutschen Literatur. –
Hamanns Zuschrift richtet sich an Immanuel Kant und den Rigaer Ratsherrn Johann Christoph Berens. In dessen gastfreiem Haus verkehrten neben Kant und Hamann auch Hippel und Herder. – Das vorliegende Exemplar, das im 19. Jahrhundert in die Bibliothek des Berliner Sammlers C. Sello gelangte, diente Joseph Nadler neben Herders eigenem Exemplar als Grundlage für die Textgestaltung in der Historisch-kritischen Ausgabe der Hamannschen Werke (Wien 1949–1957, vgl. Band II, S. 383). – Johann Georg Hamann (1730–1788) lebte als Lehrer und Schreiber vorwiegend in Riga und Königsberg. Über den »Magus im Norden«, wie in Friedrich Karl von Moser nach einem Treffen 1764 betitelte, äußerte sich Karl Goedeke nicht gerade wohlwollend: »Hamann las ungeordnet alles, was er fand, dabei kamen im allerhand gute Gedanken, die er aufzeichnete, aber auszuführen weder Gabe noch Willen hatte.« Goethe bezeichnete Hamanns Schriften hingegen als »reiche Fundgrube tiefer Erkenntnis« (beide G. IV/1, 683). – Handschriften Hamanns finden sich selten, das Handexemplar seines Aufsehen erregenden Erstlings darf als ganz außergewöhnliches Rarissimum bezeichnet werden. – Seit 1999 in einer Berliner Privatsammlung.

14,7 : 8,8 cm. 64 Seiten. – Das Vorblatt etwas stockfleckig, sonst außergewöhnlich gut erhalten.

Goedeke IV/1, 684, 3 (»wimmelt von Druck- und Schreibfehlern«). – Schulte-Strathaus 8

545  [Johann Georg Hamann]. Golgatha und Scheblimini.

€ 500

Von einem Prediger in der Wüsten. [Riga, Hartknoch] 1784. Halblederband um 1850.

Sehr seltene erste Ausgabe. – Der Verfasser richtete den Aufsatz gegen Moses Mendelssohns Spätwerk »Jerusalem oder über religiöse Macht und Judenthum« (1783). 1818 erschien eine Neuausgabe mit einem polemischen Vorwort von »Jaschem« (Johann Friedrich von Meyer). – Schönes Exemplar.

16,8 : 9,7 cm. 79, [1] Seiten.

Goedeke IV/1, 685, 36. – Schulte-Strathaus 45 a

546  [Johann Gottfried Herder]. Von Deutscher Art und Kunst.

€ 750

Einige fliegende Blätter. Hamburg, Bode 1773. Halblederband der Zeit mit marmorierten Deckelbezügen und rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe der von Herder anonym herausgegebenen Sammlung. – Mit dem ersten »verfügbaren« Abdruck von Goethes »Fabelliedchen – Es sah ein Knab’ ein Röslein stehn«, dem berühmten »Heideröslein«. Herder selbst besaß einen unikalen Sonderdruck des hier in Auszügen wiedergegeben »Briefwechsels über Ossian und die Lieder alter Völker«. Er fügte diesem Teil weiteres bei, »damit das nackte Ding nicht so jämmerlich erscheine«: Herder. Shakespeare. – Goethe. Von deutscher Baukunst. – P. Frisi. Versuch über die gotische Baukunst. – J. Möser. Deutsche Geschichte. – »Die Sammlung markiert, trotz ihrer improvisierten Zusammenstellung, […] den Beginn einer literarischen Epoche […] Für die starke und anhaltende Wirkung des Bandes ist zunächst die Titelgebung Herders verantwortlich, die den Anspruch auf einen umfassenden kulturellen Neuansatz bereits signalisiert.« (Ernst Ribbat in KNLL VII, 727f.).

17,3 : 10,2 cm. [2], 182 Seiten. – Vorderer Vorsatz leimschattig. – Auf bräunlichem, aber sehr sauberem Papier.

Goedeke IV/1, 725, 35 u. IV/3, 112, 70. – Hagen, Goethe 525. – Schulte-Strathaus 40.20. – Günther 755. – Slg. Borst 257

547  Johann Gottfried Herder. Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit.

€ 300

Erster [bis] Vierter Theil. Riga und Leipzig, Johann Friedrich Hartknoch 1784–1791. Rot marmorierte Pappbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – In seinem unvollendet gebliebenen Hauptwerk entwickelte Herder seine Geschichtsphilosophie weiter und bezog nun auch Psychologie, Astronomie, Völker- und Länderkunde, Geschichte, Ethik, Metaphysik, Religionswissenschaft und die naturwissenschaftliche Entwicklungslehre heran. Das Werk »steht am Anfang der deutschen Geschichtsphilosophie« (KNLL VII, 719).

19,5 : 15,8 cm. – Einbände beschabt und etwas bestoßen. – Bände 3 und 4 leicht stockfleckig.

Goedeke IV/1, 730, 79

548  [Immanuel Kant]. Träume eines Geistersehers,

€ 350

erläutert durch Träume der Metaphysik. Riga und Mietau, Johann Friedrich Hartknoch 1766. Broschur der Zeit.

Erste Ausgabe. – Titelvignette Putto. – Dazu: Kleine Schriften. Neuwied, J. T. Haupt 1793. – Angebunden: Neue kleine Schriften. Ohne Ort 1795. – Halblederband der Zeit. [4], 239, [1] Seiten; [2], 110 Seiten.

17 : 10 cm. 128 Seiten.

Goedeke V, 3, 4. – Warda 43, 228 und 233. – Slg. Borst 158, 693 und 737

549  Immanuel Kant. Critik der Urtheilskraft.

€ 1200

Berlin und Libau, Lagarde und Friederich 1790. Pappband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel.

Erste Ausgabe von Kants drittem Hauptwerk. – Kant hatte sich in seiner »Critik der reinen Vernunft« (1781/87) der Frage des Wissens und in der »Critik der practischen Vernunft« (1788) dem sittlichen Handeln gewidmet. Nun befreite er »das ästhetische Urteil über das Schöne und Erhabene von aller traditionellen Begründung« (KNLL). – Titelblatt rückseitig mit Besitzvermerk des Rechtswissenschaftlers Hermann Kantorowicz (1877–1940).

20,0 : 12,5 cm. LVIII, 476, [2] Seiten. – Einband leicht, am gedunkelten Rücken etwas stärker berieben. – Innendeckel mit Kleberest, sonst tadellos.

Goedeke V, 3, 16. – Warda 125. – Adickes 71. – Slg. Borst 627

550  Immanuel Kant. Vier Erstausgaben.

€ 800

Königsberg, Friedrich Nicolovius 1790–1798. Meist Einbände der Zeit.

I. Ueber eine Entdeckung nach der alle neue Critik der reinen Vernunft durch eine ältere entbehrlich gemacht werden soll. 1790. Neuere Broschur. – II. Die Metaphysik der Sitten. Erster [und] Zweyter Theil. Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre [bzw.] der Tugendlehre. 1797. Halblederband. Beide Titel mit dem Haupttitel. XII, LII, 53–266; X, 190, [2] Seiten. – III. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre. 1797. Einzelausgabe. Pappband. – IV. Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. 1798. – Dazu: Dasselbe. Zweite Auflage. 1800. – Nicht kollationiert, kein Rückgaberecht.

Warda 132, 173, 176 und 195. – Slg. Borst 628, 782 (II und III) und 814

551  J[ohann] H[einrich] Lambert. Neues Organon

€ 1500

oder Gedanken über die Erforschung und Bezeichnung des Wahren und dessen Unterscheidung vom Irrthum und Schein. Erster [und] Zweyter Band. Leipzig, Johann Wendler 1764. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung und zwei rot- bzw. grün-goldenen Rückenschildern.

Erste Ausgabe, sehr selten. – Das philosophische Hauptwerk des bedeutenden Mathematikers, Physikers und Astronomen. »Lambert gehört zu den großen Vertretern der mathematischen Methodik in der Philosophie […]. Unter den Nachfolgern von Leibniz bei der Behandlung der Logik war er der bedeutendste und gilt als Vorbereiter der Logistik. Kant empfand für ihn hohe Wertschätzung und hatte die Absicht, ihm die Kritik der reinen Vernunft, zu widmen« (NDB). – Sehr schönes Exemplar.

19,4 : 12,2 cm. [18], 592; [2], 435, [1] Seiten. – Kleine Schabstellen auf den Deckeln. – Beide Vorsatzblätter mit Eckausschnitt. Vorsätze und folgende Blätter mit leimschattigen Ecken. – Exlibris.

Goedeke IV/1, 479, 4.2. – NDB XIII, 437ff

552  Christoph Martin Wieland. Aristipp.

€ 400

Erster [bis] Vierter Band. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1801–1802. Mit vier gestochenen Frontispizen von F. John nach Heinrich Friedrich Füger. Drei marmorierte Lederbände der Zeit mit Rückenbemalung und reicher Rückenvergoldung sowie rot-goldenen Rückenschildern, ein grüner Halblederband der Zeit mit Rücken- und Filetenvergoldung.

Aus der »Fürstenausgabe« von »Sämmtliche Werke«, Band 33–36. – Die erste Ausgabe erschien innerhalb der »wohlfeilen Ausgabe« der Werkausgabe, gefolgt von einer Einzelausgabe als Titelauflage. Für die prächtige Fürstenausgabe, von der nur 350 Exemplare gedruckt wurden, erfolgte ein Neusatz der Texte. – Auf weißem Velin (Wasserzeichen ICR Imhof), prachtvoll gebunden. – Die erste Gesamtausgabe, von Wieland selbst konzipiert und redigiert, druckte Göschen in vier verschiedenen Editionen in unterschiedlichem Format und abweichenden Papierqualitäten. – Außer Band 3 (abweichend gebunden) mit drei gestochenen Exlibris, unter anderem Max von Grunelius und P. H. Mumm von Schwarzenstein.

28,8 : 21,8 cm. Kollation wie bei Deusch, Band 33 noch mit dem Blatt Druckvermerk. – Rücken minimal berieben. – Die Ränder (außer Band 3) mit leichten Feuchtigkeitsrändern als Folge der Schnittbemalung, vereinzelt minimal stockfleckig.

Goedeke IV/1, 568, 158. – Günther/Zeilinger 2. – Deusch 51 a

553  Christoph Martin Wieland. Vermischte Aufsätze

€ 300

literarischen, filosofischen und historischen Inhalts. – Singspiele und Abhandlungen. – Gespräche unter vier Augen. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1796–1799. Mit zusammen drei gestochenen Frontispizen nach Heinrich Ramberg (2) und Johann Veit Schnorr von Carolsfeld. Drei marmorierte Lederbände der Zeit mit Rückenbemalung und reicher Rückenvergoldung sowie rot-goldenen Rückenschildern.

Aus der »Fürstenausgabe« von »Sämmtliche Werke«, Bände 24, 26 und 31. – Die erste Ausgabe von »Gespräche unter vier Augen« erschien innerhalb der »wohlfeilen Ausgabe« der Werkausgabe, gefolgt von einer Einzelausgabe als Titelauflage. Für die prächtige Fürstenausgabe, von der nur 350 Exemplare gedruckt wurden, erfolgte ein Neusatz der Texte. – Auf weißem Velin (Wasserzeichen ICR Imhof), prachtvoll gebunden. – Alle Bände mit drei gestochenen Exlibris, unter anderem Max von Grunelius und P. H. Mumm von Schwarzenstein. – Siehe auch die vorherige Katalognummer.

28,8 : 21,8 cm. Kollation wie bei Deusch. – Rücken minimal berieben. – Band 26 mit leichtem Wasserrand, Band 31 vereinzelt minimal stockfleckig.

Goedeke IV/1, 568, 158. – Günther/Zeilinger 2. – Deusch 51 a

554  Edmund Burke. Reflections on the Revolution in France,

€ 500

and on the Proceedings in Certain Societies in London relative to that event. In a Letter intended to have been sent to a Gentleman in Paris. Dublin, W. Watson u. v. a. 1790. Mit einem gestochenen Porträt Burkes von S. Freeman. Lederband der Zeit mit etwas Rückenvergoldung.

Seltene erste Ausgabe, zeitgleich erschienen Exemplare mit der Londoner Verlegeradresse. – » […] eine der glänzendsten aller polemischen Schriften zur Verteidigung eines bestehenden Regimes und gegen eine befreiende Revolution […] Für Burke waren die Überbewertung des Zwecks und die Mißachtung der Mittel die schrecklichsten aller Sünden. Sein Zorn und sein Abscheu verschärften sich noch durch die Befürchtung, daß die Ziele, Prinzipien, Methoden und die Sprache, die er an Frankreich verabscheute, das englische Volk anstecken könnten. Dies war es, was die ›Gedanken über die Französische Revolution‹ hervorbrachte […]« (Carter/Muir).

20,7 : 13,4 cm. IV, 356 Seiten. – Gelenke restauriert, leicht berieben. – Das Porträt stockfleckig, Innendeckel wasserrandig (Exlibris entfernt).

Carter/Muir 239. – Lowndes 316

555  Alexis de Tocqueville. L’ancien régime et la révolution.

€ 750

Paris, Michel Lévy Frères 1856. Roter Halblederband um 1900.

Erste Ausgabe. – »Das Werk rekonstruiert und analysiert unter politischen und sozialen Gesichtspunkten die Geschichte der Französischen Revolution, von der Auflösung der Feudalherrschaft bis zur Deklaration der Menschenrechte von 1789 und den demokratischen Umwälzungen des 19. Jh.s. […] Das Buch gehört dank seinem klaren Stil und der überlegenen Logik seiner Gedankenführung zu den lebendigsten und hellsichtigsten Werken der französischen Geschichtsschreibung« (KLL II, 1016).

21,2 : 13,5 cm. XXI, [1], 456, [2] Seiten. – Das obere Drittel des Vortitelblatts ersetzt. – Stellenweise etwas stockfleckig, insgesamt aber gut erhalten und dekorativ gebunden.

556  [Johann Wolfgang von] Goethe. Werke.

€ 600

Erster [bis] Zwanzigster Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1815–1819. Mit zwei gefalteten Kupfertafeln. Moderne Kalblederbände mit blindgeprägtem Rückentitel und Besitzermonogramm (signiert: Irmgard Smidt).

Die zweite rechtmäßige Werkausgabe des Weimarer Dichterfürsten, nun schon auf 20 Bände erweitert. – Mit dem Subskribentenverzeichnis in Band XX und den zwei Faltkupfern (Musiknotenblatt und der gestochene Stammbaum Cagliostros) in Band XIII. – Innen altersgemäß erhalten, außen von zurückhaltender Eleganz. – Die Buchbinderin Irmgard Smidt (1915–1999) absolvierte ihre Ausbildung bei der Dorfner-Schülerin Frida Schoy in Essen. 1947 legte sie in Düsseldorf ihre Meisterprüfung ab und lehrte später als Dozentin an der Folkwang-Schule. Ihre Einbände wurden vielfach ausgestellt (Folkwang-Museum, Museum Osthaus u. a.).

18,8 : 11,8 cm. – Einige Bände mit winzigen Kratzern. – Hinteres Innengelenk von Band 17 gerissen, vereinzelt leicht fleckig.

Goedeke IV/3, 8 B. – Hagen 20. – Fischer, Cotta 1038, 1081, 1142 und 1181

557  Johann Wolfgang von Goethe. Werke.

€ 1200

Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster [bis] Vierzigster Band [in 37 Bänden]. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1827–1830. Halblederbände der Zeit mit schwarz-goldenem Rückenschild und Rückenvergoldung.

Die sogenannte »Großoktavausgabe«, hier eines der seltenen Exemplare auf weißem Schreibpapier bzw. Velin (etwa 300 Exemplare). – Die Werkausgabe vereinte zunächst alle Schriften, die Goethe noch zu Lebzeiten zur Veröffentlichung auswählte. 1833–1842 erschienen die »Nachgelassenen Werke« als Bände 41–60. In die ersten Bände der »Großoktavausgabe« flossen noch Goethes Korrekturen der bereits erschienenen Bänden der »Taschenausgabe« ein. So gilt sie als die textlich zuverlässigere Edition und erschien in deutlich kleinerer Auflage als die »Taschen-Ausgabe« (etwa 300 der insgesamt 20.000 ! Exemplare). Die Auslieferung begann erst 1828. – Wegen ihrer besseren Lesbarkeit und des gefälligeren Erscheinungsbildes war und ist sie besonders geschätzt. – Insgesamt gut erhalten und dekorativ.

18,8 : 11,2 cm. Einige Rücken leicht berieben. – Die ersten 14 Bände teils leicht, teils stärker stockfleckig, ab Band 15 nur noch leimschattige Vorsatz- und Titelblattecken.

Goedeke IV/3, 14, C. – Hagen 24 C3. – Kippenberg 341. – Fischer, Cotta 1770, 1869, 1958 und 2084

558  Johann Wolfgang von Goethe. Die natürliche Tochter.

€ 300

Trauerspiel. – In (oder besser »als«): Taschenbuch auf das Jahr 1804. Tübingen, Cotta [1803]. Roter Chagrinlederband der Zeit mit Schnittvergoldung und hellblauen Vorsatzpapieren.

Erstdruck von Goethes »gleichsam statuarischen Gegenentwurf zum ›Chaos‹ der [französischen] Revolution.« (KNLL). – Gedruckt bei Fromann und Wesselhöft, Jena, auf fein geripptem blütenweißen Papier. – Ein »edles Dokument klassizistischer Buchkultur« (Lanckoronska/Rümann). – Sehr schönes Exemplar.

12,5 : 10,0 cm. [2], 224, [16 Anzeigen-]Seiten. – Deckel minimal fleckig. – Ohne den Vortitel und das Blatt mit dem Druckvermerk.

Goedeke IV/3, 365, 118. – Fischer, Cotta 430. – Hagen 290. – Slg. Kippenberg I, 381. – Slg. Borst 977

559  [Johann Wolfgang von] Goethe. West-oestlicher Divan.

€ 450

Stuttgart, Cotta 1819. Mit gestochenem Frontispiz und Titel von C. Ermer nach Entwürfen Goethes. Halblederband um 1880 mit Rückenvergoldung und -schild.

Erste Ausgabe. – Der Gestaltung des Titelblatts mit den arabischen Schriftzügen widmete Goethe größte Aufmerksamkeit. – »Wie die Hinwendung zur klassischen Antike Goethes ersten großen Gedichtzyklus, die ›Römischen Elegien‹, bestimmt hatte, so gab ihm die Begegnung mit der orientalischen Poesie, vor allem der Lektüre des ›Divan‹ des persischen Dichters Hafez […] den geistigen Anstoß zu seinem ›West-östlichen Divan‹« (KNLL). Im August 1814 begegnete Goethe auf seiner Reise in die Rhein-Main-Gegenden Marianne Jung (nach ihrer Heirat Marianne von Willemer). »Aus der Leidenschaft zwischen Goethe und Marianne von Willemer, die vor allem im Herbst 1815 […] voll zur Entfaltung kam, erwuchs ein großer Teil der Gedichte. Einige der schönsten Gedichte des Bandes stammen von der Hand der Verehrten« (a.a.O.).

16,2 : 10,5 cm. Doppelkupfertitel, 556 Seiten. – Kanten leicht berieben, Vordergelenk restauriert. – Stockfleckig. – Vorsätze mit Exlibris, altem Besitzvermerk und kleinem Goethe-Porträt.

Goedeke IV/3, 492, 110. – Hagen 416. – Slg. Kippenberg 400. – Slg. Borst 1312. – Fischer, Cotta 1189

560  [Georg Christoph Lichtenberg]. Ueber Physiognomik; wider die Physiognomen.

€ 900

Zu Beförderung der Menschenliebe und Menschenkenntniß. Zweyte vermehrte Auflage. Göttingen, Johann Christian Dieterich 1778. Marmorierter Pappband der Zeit.

Erste Buchausgabe. – Lichtenbergs Glosse gegen Lavaters »Physiognomische Fragmente« war kurz zuvor, in geringerem Umfang, im »Göttinger Taschenkalender 1778« erschienen. Sein Spott auf den Züricher Physiognomen gipfelte 1783 in seinem »Fragment von Schwänzen«. – »Goethe hat gesagt: ›Wo Lichtenberg einen Spaß macht, liegt ein Problem verborgen‹. Hebbel hat die kongeniale Schärfe seines Geistes bewundert, Schopenhauer und Nietzsche bekannten sich zu ihm als Lehrmeister eines geschliffenen Stils. […] er war im Grunde der erste Journalist Deutschlands, vor Waiblinger, Hauff und Heine. Sein Stil hat das Spritzige dessen, was wir heute Feuilleton nennen.« (Karl Fuß, zitiert nach Braecklein 71, 157). – Sehr selten.

17,0 : 10,7 cm. [8], 93, [3 leere] Seiten.

Goedeke IV/1, 639, 4. – Jung 23. – Nicht in der Slg. Borst

561  Philipp Otto Runge. Hinterlassene Schriften.

€ 300

Herausgegeben von dessen ältestem Bruder. Erster [und] Zweyter Theil. Hamburg, Friedrich Perthes 1840/41. Mit einem lithographierten Porträt, sieben Lithographien von Otto Speckter, einem gefalteten Notenblatt sowie einigen Textabbildungen. Spätere Halblederbände, die alten, vergoldeten Rücken aufgezogen.

Erste Ausgabe. – Die bis heute einzige maßgebliche Ausgabe enthält u. a. Runges Briefwechsel mit Goethe über die Farbenlehre, seine plattdeutschen Märchen »Machandelboom« und »Der Fischer un syne Frau« und im zweiten Band den von seinem Bruder Johann Daniel Runge verfassten Lebenslauf. – Sehr schön erhalten.

21,8 : 14,6 cm. [4], 435, [1] Seiten, 7 Tafeln; XII, 552, [2] Seiten, 1 Tafel, 1 Faltblatt.

Goedeke VI, 48, 2. – Slg. Borst 1901. – Rümann 2177

562  Schillers Xenienalmanach – Musen-Almanach für das Jahr 1797.

€ 250

Herausgegeben von Schiller. Tübingen, J. G. Cotta [1796]. Mit einem gestochenen Frontispiz nach Fr. Bolt. Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild.

Erste Ausgabe des berühmten »Xenien«-Almanachs, dessen letzter Teil ausschließlich diesem Werk Goethes und Schillers gewidmet ist und der darüber hinaus Erstdrucke vieler heute zum Erbe der literarischen Klassik zählende Gedichte enthält. – Die hier fehlenden Musikbeilagen und das Kalendarium wurden vielfach erst später geliefert und eingebunden. – Dazu: Friedrich Nicolai. Anhang zu Friedrich Schillers Musen-Almanach für das Jahr 1797. Berlin und Stettin [1797]. Späterer grüner Lackpapierband. – G[otthilf] L[öschin]. Die Xenien aus Schiller’s Musenalmanach […] Geschichte, Abdruck und Erläuterung derselben. Danzig, Ewert 1833. Pappband der Zeit.

Kollation: 302, [8] Seiten, 1 Kupfer. – 217, [1] Seiten. – [4], 220 Seiten. – Gelenke etwas berieben.

Goedeke V, 200, 3; IV/1, 503, 32 und V, 202, 24 b

563  Friedrich Schiller. Don Karlos

€ 1200 ( R7 )

Infant von Spanien. Mit Kupfern. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1802. Mit gestochenem Frontispiz von H. Schmidt nach Tischbein und fünf Kupferstichen von W. Böhm nach Fr. Catel. Geflammter Lederband der Zeit mit grün-goldenem Rückenschild und blindgeprägter Mäander-Deckelbordüre; Rückenverzierung, Stehkantenbordüre und Buchschnitt vergoldet.

Prachtausgabe. – »Das schönste Buch, das man zu Schillers Lebzeiten von einem seiner Werke hergestellt hat«. – »Was lag für den Ehrgeiz Göschens näher, als das Werk seines Freundes Schiller, mit dem zusammen er 1785 die Wohnung in Gohlis geteilt hatte, als ein ›Non plus ultra‹ der Typographie zu drucken: den ›Don Karlos‹, dessen Entstehung er miterlebt hatte.« – Durch den Konflikt zwischen seinen beiden Verlegern Göschen und Cotta und auf Schillers Betreiben verzögerte sich das bereits 1794 angeregte Projekt zunächst. 1801 lieferte Schiller die revidierte Textfassung ab und Göschen begann mit Satz und Druck. Verwendet wurde die Bourgis-Antiqua, gedruckt wurde auf festes weißes Velin. Gedruckt werden durfte nur, wenn Göschen selbst in Grimma anwesend war. Nach Fertigstellung des Buches schrieb Schiller an den Verleger Crusius: »Die neueste Ausgabe des D. Karlos bei Göschen ist das schönste, was ich in dieser Art kenne«. (vgl. Paul Raabe, Schiller und die Typographie der Klassik, in: Imprimatur NF 2, S. 154ff.).

22,0 : 14,5 cm. [2], 432 Seiten, 6 Kupfertafeln. – Kleine Bereibungen, die Gelenke beschabt. – Teils leicht stockfleckig, das Frontispiz rückseitig mit altem Besitzvermerk.

Goedeke V, 181, 10. – Marcuse 229

564  [Johann Georg] Schlosser. Das Gastmahl.

€ 300

Königsberg, Friedrich Nikolovius 1794. Halblederband der Zeit, Rückenfileten und Rückenschild goldgeprägt.

Erste Ausgabe. – Der Verfasser war Goethes Schwager, den er noch in Leipzig kennengelernt hatte. 1773 heiratete er dessen Schwester Cornelia. »Sie empfand für Schlosser mehr Hochachtung als Liebe« (Goedeke), Wieland bezeichnete den produktiven Schriftsteller wegen seiner Auseinandersetzung mit dem Werk Alexander Popes als den »Anti-Pope«. – Auf bläulichem Papier. – Selten.

16,3 : 10,4 cm. [VIII], 156 Seiten. – Innendeckel mit Eintragungen und Schabspur, etwas stockfleckig.

Goedeke IV/1, 518, 57. – Slg. Kippenberg 5682. – Brieger 2172

565  J[ohann] G[ottfried] Seume. Kampf gegen Morbona,

€ 250

bey der Genesung niedergeschrieben […] im Februar 1809. Germanien [Elberfeld, Schönian] 1809. Marmorierte Broschur der Zeit.

Sehr seltene erste Ausgabe. – Mit einem Vorwort des Herausgebers Tiedge. – Das Spätwerk entstand während Seumes Erkrankung, die sich seit 1808 stetig verschlechterte. In der Allegorie auf die politischen und literarischen Verhältnisse seiner Zeit erwähnt Seume auch seine Dichterkollegen: »Schiller rufte mir und Herder fragte, ] Wenn ich meinen Zug zur Ilme nahm; | Und der Heraklide Göthe sagte | Lehrreich manches Wörtchen, wenn ich kam. || Vater Wieland winkte voll Vertrauen, | Wenn er seinen alten Pilger sah; | Und die edelste der deutschen Frauen | War die Güte selbst, Amalia.« – Auf festem, bläulichem Papier.

20,0 : 12,2 cm. 24 Seiten. – Rückenfalz etwas brüchig.

Goedeke V, 419, 14. – Slg. Borst 1098. – Weller, Druckorte I, 210

566  Jean Paul [Friedrich Richter]. Blumen-, Frucht- und Dornenstükke

€ 300

oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs im Reichsmarktflecken Kuhschnappel. Erstes [bis] Drittes Bändchen. Berlin, Carl Matzdorff 1796–1797. Mit einer, auf allen Titeln wiederholten, gestochenen Vignette von Jügel nach Dehling (Lesender Genius). Sandfarbene Pappbände der Zeit mit zwei farbigen Rückenschildchen und Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe des ersten Eheromans der deutschen Literatur. – »[…] eine Vorschule der Ästhetik des Widerstands in der Ehe. Der Herr Armenadvokat und Lenette, die Frau Armenadvokatin, können bei allem guten Willen nicht viel miteinander anfangen. Er kann und mag nicht so leben wie sie, so genügsam in den täglichen Verrichtungen aufgehend, sie kann und mag seinen Gedanken und Empfindungen nicht folgen, die nur zu oft ohne Maß und Ordnung sind.« (Leo Kreutzer, Die Zeit, 1979). – Schönes und fleckenfreies Exemplar.

17,5 : 10,8 cm. [4], 231, [3]; [4], XIV, XXVI, 287, [3]; [4], 293, [3] Seiten. Beide Vorreden in Band II, Band I ohne die »Nachricht für den Buchbinder«. – Minimal berieben und bestoßen, Rücken oben mit leichter Klebespur.

Goedeke V, 464, 7. – Berend/Krogoll 7a. – Slg. Borst 760

567  Jean Paul [Friedrich Richter]. Titan.

€ 400

Erster [bis] Vierter Band. – Komischer Anhang zum Titan. Erstes [und] Zweites Bändchen. Berlin, Matzdorff 1800-1803. Mit vier gestochenen Titelblättern. Fünf Halblederbände der Zeit mit hübscher Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe, vollständig mit den beiden Anhängen zu Band 1 und 2, alle Teile im Erstdruck. – Erste Aufzeichnungen zu Jean Pauls »Kardinal- und Kapitalroman« entstanden bereits 1792. – Im zweiten Teil des Anhangs findet sich der Erstdruck von »Des Luftschiffers Giannozzos Seebuch«. – Jean Paul selbst bezeichnete den Roman, der ihn mehr als zehn Jahre beschäftigte, als das »liebste und beste unter meinen Werken«. Seine Kritik an den bestehenden politischen Verhältnissen, die aber vorwiegend auf Kritik am fürstlichen Absolutismus beschränkt blieb, legte Jean Paul – wohl nicht zuletzt aus Gründen der Zensurabwehr »einem über ganz Deutschland […] wegschiffenden Giannozzo, einem wilden Menschenverächter in den Mund, der blos in seinem Namen spricht« (Brief an Christian Otto, zitiert nach KLL XI, 9400). – Ansprechendes, vor allem innen tadelloses Exemplar.

17,2 : 11,0 cm. – Kanten leicht berieben, die Ecken leicht bestoßen. 2 Deckel mit Fehlstellen am Unterrand. – Besitzvermerke und teils Anmerkung auf den Vorsatzblättern.

Goedeke V, 464, 14. – Berend/Krogoll 13a und 14. – Slg. Borst 864

568  Jean Paul [Friedrich Richter]. Levana oder Erziehungslehre.

€ 300

In zwei Bändchen. Braunschweig, Friedrich Vieweg 1807. Schwarz marmorierte Pappbände der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild und vergoldeten Rückenfileten.

Erste Ausgabe. – Ausnehmend schönes Exemplar auf festem bläulichem Papier. – Dazu: Drei weitere Erstausgaben von Jean Paul: Dämmerungen für Deutschland. Tübingen, Cotta 1809. Grüner Leinenband mit Rückenvergoldung. – Museum. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1814. Blauer Pappband (berieben). – Politische Fastenpredigten während Deutschlands Marterwoche. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1817. – Marmorierte Broschur; alle Einbände aus der Zeit.

16,5 : 10,0 cm. [8], 320; [4], 443, [1] Seiten. – Minimal bestoßen. – Ohne die Druckfehlerverzeichnisse. – Titel mit altem Besitzvermerk, Vortitel mit Goethe-Zitat.

Goedeke V, 465, 22 sowie 25, 31 und 32. – Berend/Krogoll 20 a sowie 25, 28 und 30. – Slg. Borst 1054, 1093, 1202 und 1277

569  J[ohann] G[ottlieb] Fichte. Appellation an das Publikum

€ 300

über die durch ein Kurf. Sächs. Confiscationsrescript ihm beigemessenen atheistischen Aeusserungen. – Der Herausgeber des philosophischen Journals gerichtliche Verantwortungsschriften gegen die Anklage des Atheismus. Herausgegeben von J. G. Fichte. Jena und Leipzig, Christian Ernst Gabler, und Tübingen, J. C. Cotta 1799. Kleisterpapierbezogener Pappband der Zeit.

Beide in erster Ausgabe, I nach Meyer im Erstdruck. – »Mit diesen Schriften suchte der Philosoph sich vor der Öffentlichkeit gegen den Vorwurf des Atheismus zu verteidigen. Anlaß war eine Reihe von Äußerungen und Geschehnissen (darunter die Konfiskation der Zeitschrift, in der die inkriminierten Äußerungen erschienen waren [eben jenes, von Fichte und Niethammer herausgegebene ›Philosophische Journal‹] sowie die Entlassung aus seinem Lehramt an der Universität Jena), die unter dem Namen ›Atheismusstreit‹ in die Geistesgeschichte eingegangen sind« (KNLL V, 539). – In Teil 2 die Verteidigungsschriften der beiden Herausgeber sowie die Beilagen B–E (alle erschienenen). – Ebenso selten wie für die deutsche Philosophiegeschichte bedeutend.

17,5 : 11,0 cm. 118; [6], 192, 4, 24, [4] Seiten. – Rücken zum Teil alt überklebt. – Titelblatt rückseitig mit alt überklebtem Stempel.

Goedeke V, 8, 12 (nur I). – Slg. Borst 835 und 836. – Meyer, Fichte 48 und 50. – Vgl. Fischer, Cotta 253

570  Johann Gottlieb Fichte. Reden an die deutsche Nation.

€ 300

Berlin, Realschulbuchhandlung 1808. Späterer Halblederband mit Rückenvergoldung im Stil der Zeit.

Erste Ausgabe. – Johann Gottlieb Fichte hielt an den Wintersonntagen 1807/08 im Rundsaal der Akademie in Berlin diesen Zyklus von 14 Reden, der sich an die Vorlesung »Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters« 1804–1805 anschloss. Fichte sah seine »Reden« am Tiefpunkt der geschichtlichen Entwicklung als Wendepunkt zu einem neuen Zeitalter. »Das historisch Neue, in die Zukunft Weisende aber […] ist der Gedanke, daß Geschichte gemacht und machbar ist, von Menschen für Menschen. Der Mensch als Handlungswesen, gesellschaftliche Praxis mit Vernunft und Freiheit als höchste Bestimmung: Damit war der Weg eingeschlagen, der auch zu Marx und bis in die Gegenwart führt« (KNLL V, 546). – Breitrandiges Exemplar.

18,6 : 11,0 cm. 490, [2] Seiten. – Deckel etwas berieben. – Die ersten und letzten Blätter unbedeutend stockfleckig, Schnitt fingerfleckig. – Titel mit Stempel.

Goedeke V, 8, 18. – Meyer, Fichte 203

571  Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Encyklopädie der philosophischen Wissenschaften

€ 500

im Grundrisse. Zum Gebrauch seiner Vorlesungen. Heidelberg, August Ostwald 1817. Blauer Pappband der Zeit mit schwarz-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Hegel war seit 1816 Professor in Heidelberg und veröffentlichte mit der »Encyklopädie« die erste systematische Gesamtdarstellung seiner Lehre. Bereits 1818 folgte er dem Ruf nach Berlin. – Hinteres Vorsatzblatt mit längeren Ausführungen zu Hegels Aussage, »Die höchste Form des Nichts ist die Freiheit«, datiert 1841.

19,8 : 12,3 cm. XVI, 288 Seiten. – Leicht bestoßen. – Stellenweise leicht stockfleckig. – Vorsatzblatt mit altem Besitzvermerk »W. Neurath«.

Goedeke V, 10, 25, 6

572  Friedrich Hölderlin. Sämmtliche Werke.

€ 400

Herausgegeben von Christoph Theodor Schwab. Erster [und] Zweiter [in einem] Band. Stuttgart und Tübingen, J. C. Cotta 1846. Dunkelbrauner Halblederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe der ersten Gesamtausgabe. – Auf feinem weißen Velin. – Bd. I: »Gedichte« und »Hyperion«, II: »Nachlaß und Biographie«, mit zahlreichen Erstdrucken (Briefe, Jugendgedichte, Gedichte aus der Zeit des Irrsinns und mehr). – In Band II der Erstdruck der Hölderlin-Biographie des Herausgebers, Sohn des berühmten Sagenschriftstellers Gustav Schwab, und von Walter Benjamin zu »den großen gründenden Dichterbiographien« gezählt. – Schwab besuchte den greisen und »wahnsinnigen« Dichter in dessen beiden letzten Lebensjahren mehrfach im Turmzimmer, in dem Hölderlin fast seine gesamte zweite Lebenshälfte – 36 Jahre – verbrachte. – Hamburger Besitzvermerk von 1852.

20,7 : 13,4 cm. XIV, [2], 213, [3],148, [2]; VI, 352, [2] Seiten. – Einband leicht stockig und minimal bestoßen. – Am Anfang und Ende der beiden Teile leicht stockfleckig, einige Ecken leicht geknickt.

Goedeke V, 472, 4. – Katalog Hirschberg 38. – Seebaß Seite 13

573  Heinrich von Kleist. Gesammelte Schriften.

€ 450

Herausgegeben von Ludwig Tieck. Erster [bis] Dritter Theil. Berlin, G. Reimer 1826. Drei Halblederbände um 1900 mit Rückenvergoldung und je zwei Rückenschildern im Stil der Zeit.

Erste Gesamtausgabe der Werke Kleists, der dadurch auch im Ausland bekannt wurde. – Ludwig Tieck hatte 1821 bereits Kleists »Hinterlassene Schriften« publiziert; das damalige Vorwort mit biographischer Skizze, Briefauszügen und den wichtigen Interpretationen wurde von ihm in diese Ausgabe mit nur geringen Änderungen übernommen. Um die Bühnentauglichkeit der Stücke zu erhöhen, nahm Tieck einige Änderungen an den Kleist’schen Texten vor.

19,0 : 11,5 cm. LXVI, 330; [2], 418; [4], 340 Seiten. – Band 3 vereinzelt mit kleinen Stockflecken, das letzte Blatt neu gefasst.

Goedeke VI, 104, 13. – Sembdner 41

574  Heinrich Heine. Gedichte.

€ 3000

Berlin, Maurersche Buchhandlung 1822. Leinenband der Zeit mit Strukturprägung und etwas Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe von Heines Erstlingswerk. – Die Manuskripte der frühen seit 1816 entstandenen Gedichte gelten als verschollen. Heine hatte sie zunächst dem Leipziger Verleger Brockhaus angeboten, der sie aber ablehnte. Der nicht von Selbstzweifeln geplagte Heine schrieb darauf an einen Freund: »Es ist dem großen Goethe ebenso ergangen mit seinem ersten Product.« Durch Veröffentlichungen in der Zeitschrift »Der Gesellschafter«, (»Tummelplatz der hervorragendsten literarischen Größen der damaligen Zeit«) kam Heine in Verbindung mit den Inhabern der Maurerschen Buchhandlung, Gräff und Vetter. Auch wenn diese dadurch zu Heines Bekanntwerden Erhebliches beitrugen, war der Dichter noch Jahre später über ihre »filzige Knickrigkeit« verärgert (ihm wurden lediglich 40 Autorenexemplare als Honorar zugesagt) und wechselte bereits mit seinem dritten Werk »Reisebilder« zu den Hamburger Verlegern Hoffmann und Campe. – Sehr schönes Exemplar dieser wichtigen Seltenheit innerhalb der deutschen Literatur.

17,1 : 10,5 cm. VIII, 170, [2] Seiten. – Rücken etwas verblasst und an den Kapitalen leicht berieben, Vorderdeckel mit vier kleinen Wasserflecken. – Etwa 15 Blätter mit wenigen kleinen Braunflecken, die erste Lage oben mit schmalem und leichtem Wasserrand. Vorblatt mit Besitzvermerk »Ch. Hautm.«.

Goedeke VIII, 550, 8. – HSS 2 (dort o.g. Zitate). – Wilhelm/Galley I, 434. – Slg. Borst 1393

575  Heinrich Heine. Reisebilder.

€ 250

Erster [bis] Dritter Theil. – Nachträge. Hamburg, Hoffmann und Campe 1827–1831. Braune Halblederbände um 1850 mit Rückenvergoldung und -schild.

Band 1 in zweiter, die übrigen in erster Auflage. – Diese frühe Sammlung von Gedichten und Texten Heines rief erstmals die Zensoren in verschiedenen Ländern auf den Plan, nachdem sich Heines »Respektlosigkeiten« verbreitet hatten. – Der erste Teil nun mit einem editorischen Vorwort Heines zu den ausgelassenen Gedichten; die Widmung an Friederike Varnhagen von Ense blieb unverändert. – Die Reisebilder enthalten später immer und immer wieder auch einzeln edierte Texte wie »Harzreise«, »Nordsee« (hier deren zweite Abteilung doppelt, da sie in der neuen Auflage in Band 1 übernommen wurde), »Italien«, »Bäder von Lucca«, »Englische Fragmente« u. a. m. – Schönes Exemplar.

16,3 : 10,5 cm. VI, 318; [4], 326, [2]; [4], 410, [2]; VIII, 326, [2] Seiten. – Ecken leicht bestoßen, Kapital von Band 1 mit kleiner Fehlstelle. – Vorsatz bzw. Vortitel mit altem Namensstempel (C. F. von Bargen).

Goedeke VIII, 555ff., 33, 25, 35 und 38. – Wilhelm/Galley I, 550. – HSS 4

576  Heinrich Heine. Der Salon.

€ 200

Erster [bis] Vierter Band. Hamburg, Hoffmann und Campe 1834–1840. Halbleinenbände der Zeit mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgaben. – Mit der seltenen, da separat gedruckten und ausgelieferten Vorrede zum dritten Teil »Ueber den Denunzianten«. – Spätestens mit den Texten des »Salon« standen Heine und seine Hamburger Verleger auf einem der vordersten Plätze der preußischen Zensurbehörden. Campe beklagte sich mehrfach bei Heine über den dadurch schleppenden Absatz der Ausgaben. – In recht abweichenden Papierqualitäten, in Band II sogar innerhalb des Buches, worüber sich Campe bei dem Altenburger Drucker Pierer beschwerte: »Was aber ist das, daß Sie zum Salon dreierley Papier genommen haben und zwar die letzte Abtheilung so grau so ordinair, daß wir uns bei solchem Werke schämen müßten vor dem gesammten deutschen Lesevolk!« (zitiert nach HSS, S. 46).

16,0 : 10,8 cm. III–XXVIII, 332; III-VI, 330; [2], 39, [1]; [6], 279, [1]; [4], 342 Seiten. – Kanten leicht berieben. – Bei Teil 1 und 2 fehlen die wohl Vortitelblätter. Gelegentlich etwas stockfleckig. Kleiner Stempel auf den Titelblättern.

Goedeke VIII, 558f., 45, 47, 53, 54 und 61. – Wilhelm/Galley I, 569 und 413. – HSS 10 und 13

577  Heinrich Heine. Atta Troll.

€ 450

Druckvorlage für die »Elegante Welt«. Lichtdruckfaksimile des Manuskripts. Privater Lederband um 1920 mit goldgeprägtem Titel.

123 Faksimileblätter, davon das letzte mit Heines Adressierung des Manuskripts an Heinrich Laube und den Verleger Voß in Leipzig. – 1842 »bot Heine seinem Freund Laube, der kurz zuvor erneut die Redaktion der Leipziger ›Eleganten Welt‹ übernommen hatte, den eigentlich einem Cottaschen Blatt versprochenen ›Atta Troll‹ […] an, der dann in Fortsetzungen erschien, nachdem der Verleger Voß der Honorierung Heines in der mit Cotta vereinbarten Höhe zugestimmt hatte und der Freund und Kollege Laube, der seinen Job offensichtlich ernst nahm, zahlreiche Änderungen, sowohl in der Gesamtkomposition, als auch in Details vorschlug, erbat, durchführte und von Heine auch erhielt.« – Das »letzte freye Waldlied der Romantik« (Heine), erschien in den Nummern 1 bis 10 von Januar bis März 1843. Die erste, inzwischen umgearbeitete, Buchausgabe erschien erst 1847. – Das sicher unikale Exemplar trägt auf dem Vorsatzblatt folgende Widmung »Herrn Dr. Emil Loewenthal freundschaftlichst zugeeignet von Eric Benjamin | New York, 2. Oktober 1926«.

26,5 : 21,5 cm. – Einbandkanten etwas verschlissen.

Vgl. Heine-Sammlung Söhn, Kat. Düsseldorf, Seite 102ff

578  Heinrich Heine. Neue Gedichte.

€ 450

Hamburg, Hoffmann und Campe, und Paris, J. J. Dubochet 1844. Dunkelgrüner Halblederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung.

Erster Druck der ersten Ausgabe. – »Neue Gedichte«, zunächst als Fortsetzung vom »Buch der Lieder« gedacht, dann aber erst 17 Jahre später erschienen, enthält die erste vollständige und unzensierte Fassung von »Deutschland – ein Wintermärchen«. Campe musste das Buch nicht zur Prüfung vorlegen, da es den Umfang von 20 Druckbogen überschritt. – »Der Kontrast von Gefühlsseligkeit und Desillusion, Pathos und Ironie oder Witz ist noch gesteigert […] Das petrarkistische Muster ist vollends preisgegeben, das Lustprinzip verdrängt das geistige, idealische Element im Erotischen.« (KNLL VII, 560). – Auf blütenweißem Velin und reizend gebunden, wohl eins der bei Gunnar Kaldewey (1979, 20) beschriebenen Vorzugsexemplare.

17,0 : 12,0 cm. [2], 421, [1] Seiten. – Kanten minimal berieben.

Goedeke VIII, 560, 73. – Wilhelm/Galley I, 436. – HSS 17

579  Heinrich Heine. Romanzero.

€ 200

Hamburg, Hoffmann und Campe 1851. Halblederband der Zeit mit eingebundener illustrierter Originalbroschur.

Erste Ausgabe, gedruckt »H. Hotop in Cassel«. – Tadellos und vollständig mit dem Vortitel »Gedichte Dritter Band« und Anzeigenblatt. – Der von Hauenschild illustrierte Originalumschlag wurde eingebunden, durchgehend auf festem weißem Papier.

18,3 : 11,5 cm. [2], VI, 313, [3] Seiten. – Kanten minimal berieben, eine Ecke leicht bestoßen.

Goedeke VIII, 561, 89. – Wilhelm/Galley I, 559. – HSS 19

580  Heinrich Heine. Vermischte Schriften.

€ 250

Erster [bis] Dritter Band. Hamburg, Hoffmann und Campe 1854. Fliederfarbene Leinenbände der Zeit mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe; gedruckt bei Schmidt, Halle (Teil 1) und Hotop, Kassel (2 und 3). – Die späte Sammelausgabe enthält u. a. »Die Götter im Exil«, »Die Göttin Diana« und die »Lutezia«. – Wiederum sehr sauberes Exemplar auf leicht bläulichem Papier, bestens erhalten und fleckenfrei.

17,5 : 11,5 cm. [4], 322, [2]; XVIII, 319, [1]; [4], 310, [2] Seiten.

Goedeke VIII, 562, 94. – Wilhelm/Galley I, 570. – HSS 30

581  Heinrich Heine. Sämmtliche Werke.

€ 180

Rechtmäßige Original-Ausgabe. Erster [bis] Einundzwanzigster Band. Hamburg, Hoffmann und Campe 1861–1876. Elf dunkelgrüne Leinenbände der Zeit mit reicher Gold- und Blindprägung.

Erste rechtmäßige Gesamtausgabe, Bände 1–14 im Erstdruck, 15–20 1865 (statt 1863), 21 1876 (statt 1866). – Herausgegeben von Adolf Strodtmann, der nach seinem Exil in Paris zunächst in London, New York und Philadelphia lebte, bevor er 1856 nach Hamburg kam. – Gedruckt bei Jacob und Holzhausen, Wien, der letzte Band bei Bär und Hermann, Leipzig. – Die Planungen zu dieser »Ausgabe letzter Hand« reichen bis in die 1840er Jahre zurück, die Korrespondenz zwischen dem Dichter und seinem Verleger in Hamburg verdeutlichen die sorgfältigen Planungen, die Heine diesem Projekt widmete. – Enthält »Reisebilder« (Bände 1–2), »Englische Fragmente« (3–4), »Über Deutschland« (5–7), »Französische Zustände« (8–11), »Über Ludwig Börne« (12), »Vermischte Schriften« (13–14), »Dichtungen« (15–18) und »Briefe« (19–21).

18,3 : 11,4 cm. – Minimal bestoßen, Band 21 wie häufig etwas abweichend (Halbleinen) gebunden. – Exlibris.

Goedeke VIII, 563, 107. – Willem/Galley I, 3. – HSS 36

582  Heinrich Heine. Vier Erstausgaben.

€ 300

Meist Hamburg, Hoffmann und Campe 1833–1851.

I. Französische Zustände. Hamburg, Hoffmann und Campe 1833. Marmorierter Pappband. – II. Zur Geschichte der neueren schönen Literatur in Deutschland. Paris und Leipzig, Heideloff und Campe 1833. Beide Teile in einem Leinenband der Zeit. – III. Atta Troll. Ein Sommernachtstraum. Hamburg, Hoffmann und Campe 1847. Halbleder mit Rückenvergoldung. Mit der unfingierten Verlagsangabe. – IV. Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem. Hamburg, Hoffmann und Campe 1851. Originalbroschur. Kasseler Druck. – Beigaben: Kahldorf über den Adel in Briefen [von Robert Wesselhöft] an den Grafen M. von Moltke. Herausgegeben [und eingeleitet] von H. Heine. Nürnberg, Hofmann und Campe 1831. Pappband. – Der Schwabenspiegel. In: Jahrbuch der Literatur. Erster Jahrgang. Hamburg, Hofmann und Campe 1839. Mit einem gestochenen Heine-Porträt. Originalpappband.

Goedeke VIII, 557ff., 41, 43, 81 und 88 sowie 39 und 57. – Wilhelm/Galley 581, 443, 325 und 430 sowie 586 und 790. – HSS 9, 8, vgl. 20/21 und 26 sowie 7 und 15.

583  L[udolf] Wienbarg. Aesthetische Feldzüge.

€ 400

Dem jungen Deutschland gewidmet. Hamburg, Hoffmann und Campe 1834. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe von Wienbargs Hauptwerk, der wichtigsten theoretischen und zugleich programmatischen Schrift des »Jungen Deutschland«. Das vorliegende Werk prägte den Namen einer ganzen Epoche, mit seiner Einleitung hat Wienbarg ganz wesentlich zur Verbreitung des Begriffs beigetragen. Der berüchtigte Beschluss des Bundestags von 1835 verbot kurze Zeit später »die ganze Richtung«. – Ludolf Wienbarg (1802–1872) wuchs in Hamburg auf und war nach seinem Studium an verschiedenen Orten überwiegend als Journalist tätig. Der gefeierte Wortführer des »Jungen Deutschland« starb fast vergessen und geistig umnachtet in Schleswig. – Schönes Exemplar.

16,7 : 10,7 cm. X, 308 Seiten. – Vorderer Vorsatz mit zwei Schweizer Exlibris und einem kleinem Namensstempel. – Die ersten und letzten drei Blätter etwas stockfleckig.

Houben I, 605 ff. – Slg. Borst 1740. – Kayser, Hamburger Bücher 110

584  Ludwig Börne. Briefe aus Paris.

€ 300

Erster [bis] Sechster Theil. 1830–1833. Hamburg, Hoffmann und Campe 1832, Offenbach bzw. Paris, L. Brunet 1833–1834. Drei etwas spätere Halblederbände, Rückenverzierung in Blind-, Rückentitel in Goldprägung.

Erste Ausgabe, erschienen als Bände 9 bis 14 von »Gesammelte Schriften«. – Dazu: Menzel der Franzosenfresser. Paris, Barrois fils 1837. Originalbroschur. Erste Ausgabe, erschienen als Band 15. – Schiller’s politisches Vermächtniß. Ein Seitenstück zu Börne’s Briefen aus Paris. [Herausgegeben und eingeleitet von Julius Campe]. Hamburg, Hoffmann und Campe 1832. Originalbroschur. – Heinrich Heine. Über Ludwig Börne. Hamburg, Hoffmann und Campe 1840. Halblederband der Zeit. Erste Ausgabe.

Vorderumschlag von »Schiller« mit Bibliotheksaufkleber, Titel rückseitig gestempelt.

Goedeke VIII, 524, 12 a-c, 14 sowie 559, 62

585  August Brass. Berlin’s Barrikaden.

€ 300

Ihre Entstehung, ihre Vertheidigung und ihre Folgen. Eine Geschichte der März-Revolution. Berlin, August v. Schröter 1848. Mit sechs Lithographien nach Federzeichnungen von L. Burger. Originalbroschur in neuem Halbleinenband.

Erste Ausgabe des Augenzeugenberichts. – Der Berliner demokratisch-revolutionäre Schriftsteller und Journalist August Brass (1818–1876) kämpfte auf den Barrikaden am Alexanderplatz, gemeinsam war man dort gegen General von Möllendorff erfolgreich. Nachdem er einige Jahre im Schweizer Exil gelebt hatte, kehrte er 1862 nach Berlin zurück und leitete fortan die Norddeutsche Allgemeine Zeitung. – Innen tadellos schönes Exemplar, die Vorsatzpapiere ziert der deutsche Reichsadler.

21,2 : 14,5 cm. VIII, 127, [1] Seiten, 6 Lithographien.

Berlin-Bibliographie 100. – Rümann 142. – Friedländer 112

586  Annette von Droste-Hülshoff. Letzte Gaben.

€ 300 ( R7 )

Nachgelassene Blätter. Hannover, Carl Rümpler 1860. Grüner Lederband der Zeit mit Goldschnitt, Gold- und Blindprägung.

Erste Ausgabe dieser Sammlung, aus dem Nachlass herausgegeben von Droste-Hülshoffs Dichterfreund Levin Schücking. – Enthält neben zahlreichen Gedichten – thematisch gegliedert in »Gemüth und Leben«, »Erzählende Gedichte«, »Denkblätter« und »Klänge aus dem Orient« – auch den ersten Abdruck der Novelle »Die Judenbuche« in Buchform (1842 erschienen in Cottas »Morgenblatt«) und die »Bilder aus Westphalen” (erstmals 1845 in Guido Görres’ »Historisch-politischen Blättern«). – Hübsches, zeitgenössisch gebundenes Exemplar.

17,8 : 11,2 cm. [10], 292 Seiten. – Kanten berieben, Deckel mit kleinen Kratzspuren. Ecken leicht gestaucht.

Slg. Borst 2752

587  Theodor Storm. Immensee.

€ 450

Berlin, Alexander Duncker 1852. Brauner Originalleinenband mit großer vergoldeter Deckelvignette.

Erste Einzelausgabe. – »Die ›ganz und durch und durch von dem Dufte und der Atmosphäre der Liebe‹ (an H. Brinkmann, 2.6. 1852) erfüllte Novelle – sie wurde zur erfolgreichsten Storms und erreichte zu seinen Lebzeiten bereits dreißig Auflagen […]« (KNLL). – Storm schildert die unerfüllte Liebe zu Elisabeth Reinhardt – verehrt und begehrt seit Kindestagen, durch Zeitläufe und Trennungen verloren an einen anderen – in Form eines in Prosa aufgelösten Gedichts. – Erstmals abgedruckt im »Volksbuch auf das Jahr 1850 für Schleswig, Holstein und Lauenburg« erschien die Novelle in neuer Fassung 1851 in der Novellensammlung »Sommergeschichten und Lieder«.

14,6 : 9,6 cm. 61, [3] Seiten. – Rücken aufgehellt, Ecken minimal bestoßen. – Gestochenes Exlibris von 1860.

Teitge 634

588  Theodor Storm. Lenore.

€ 200

Münster, E. C. Brunn 1865. Mit Holzstich-Titelzeile. Roter Verlegereinband mit reicher floraler Deckel- und allseitiger Schnittvergoldung.

Erste Ausgabe unter diesem neuen Titel. – Die Novelle war 1863 unter dem Titel »Auf der Universität« erschienen. – »Eduard Mörike in alter Liebe und Verehrung zugeeignet«.

14,0 : 9,5 cm. 128 Seiten. – Vordergelenk unauffällig restauriert, eine Ecke leicht berieben. – Das Anzeigenblatt etwas stockfleckig.

Teitge 367

589  Theodor Storm. Zwei Weihnachtsidyllen.

€ 450

Illustrirt von Otto Speckter und Ludwig Pietsch. Berlin, Heinrich Schindler 1865. Mit sieben blattgroßen Holzschnitten von Otto Speckter und vier von Ludwig Pietsch. Brauner Originalleinenband mit Gold- und Blindprägung, Buchschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Beide Novellen (»Abseits« und »Unterm Tannenbaum«) waren zuvor in der Leipziger Illustrierten Zeitung erschienen. – Aus der Bibliothek Fritz Kirchhoff mit dessen Exlibris. – Sehr selten und sehr schön erhalten.

14,0 : 9,5 cm. [4], 99, [1] Seiten. – Rücken etwas verblasst. – Titelbild und Titelblatt im Falz etwas verklebt.

Teitge 310 bzw. 1202. – Rümann 19. Jahrhundert 2508. – Slg. Borst 2948

590  Alice im Wunderland – Sir John Tenniel’s illustrations to Lewis Carrol’s Alice’s Adventures in Wonderland & Trough the Looking-Glass.

€ 900 ( R7 )

Ninety-one prints from the original wood blocks. London, Macmillan Publishers 1988. 91 Holzstiche, lose in Umschlägen, zusammen in zwei Halblederkassetten. Zusammen mit Originalleinenband und -mappe im Schuber.

Eins von nur 25 Exemplaren der »Special Edition« mit elf zusätzlich beigelegten Probedrucken, einem Stück Manilla-Papier des Druckvorgangs und zwei Fotografien von Granville Davies (Gesamtauflage 250). – Die 91 Holzstiche alle unter Passepartout, nummeriert und mit dem Trockenstempel des Verlags (41 für »Alice’s Adventures in Wonderland«, 50 für »Through the Looking-glass«). – Mit einem Erläuterungsband von Leo John de Freitas, auf dem Vortitelblatt signiert. – 1865 erschien bei Macmillan in London »Alice’s Adventures«. Der Verfasser Charles Dodgson – besser bekannt als Lewis Carroll – wollte sein Buch ursprünglich selbst illustrieren, war aber mit dem Ergebnis unzufrieden. Er entschied sich deshalb, einen der bedeutendsten Illustratoren seiner Zeit, Sir John Tenniel (1820–1914), der als politischer Karikaturist für die Zeitschrift »Punch« arbeitete, damit zu beauftragen. Die Zusammenarbeit gestaltete sich schwierig und nur zögernd willigte Tenniel ein, auch die Fortsetzung zu illustrieren, die 1871 erschien. – Die ursprünglichen Holzblöcke wurden sorgfältig verpackt und gelagert, aus Respekt vor der Bedeutung dieser Illustrationen und entgegen der damals sonst üblichen »Entsorgung«. Während des Krieges, als Macmillans Londoner Hauptquartier wiederholt bombardiert wurde, verwahrte ein Drucker sie glücklicherweise im ländlichen Suffolk. 1985 wurden sie in dort einem Banktresor des Verlagshauses Macmillan entdeckt. Von den zweiundneunzig Originalblöcken war – unter ungeklärten Umständen – nur einer verschollen – »Alice und der Dodo«. – Der vorliegende einmalige Neudruck von den originalen Buchsbaumblöcken (unter Verwendung von Elektrotypabgüssen) erscheint im Verlag der Erstdrucke. Die Blöcke werden nun in der British Library aufbewahrt.

28,0 : 20,0 cm (Schuber), 91 Holzstiche.

591  Mark Twain [Samuel Langhorne Clemens]. The £ 1,000,000 Bank-Note

€ 200

and other new Stories. New York, Charles L. Webster 1893. Mit einem Titelbild. Originalleinenband mit vergoldetem Rückentitel und Deckelillustration in Gold-, Braun- und Schwarzprägung.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Enthält auch »Mental Telegraphy«, »A Cure for the Blues«, »The Enemy Conquered; or, Love Triumphant«, »A Majestic Literary Fossil« und vier weitere Erzählungen. – Schönes Exemplar.

20,0 : 14,2 cm. 260, [2], 9, [3] Seiten, 1 Tafel.

KNLL XI, 205

592  David Ricardo. Grundgesetze [in Band II: Grundsätze] der Volkswirthschaft und der Besteuerung.

€ 450

Aus dem Englischen übersetzt von Edw. Baumstark. Erster [und] Zweiter Band. Leipzig, Wilhelm Engelmann 1837/38. Bibliothekshalbleinenbände um 1900.

Die maßgebliche deutsche Ausgabe, die nach der dritten englischen Fassung von David Ricardos Hauptwerk »On the Principles of Political Economy and Taxation« (1821, erstmals 1817) entstand. »Sein Werk setzte ihm unter den Schriftstellern im Fache der öffentlichen Wirthschaftslehre die Krone auf. Nach A. Smith hat sie auch kein Würdigerer getragen.« (Vorwort). – David Ricardo (1772–1823) gilt neben Adam Smith als der führende englische Wirtschaftswissenschaftler um 1800. – Band II enthält »Volkswirthschaftliche Erläuterungen«.

20,7 : 13,1 cm. XXXII, 461, [3] Seiten; X, [2], 820 (paginiert 830) Seiten, 6 gefaltete Tabellen. – Stempel auf Titelblättern, Innendeckel mit Bibliotheksschild. – Band I stellenweise leicht stockfleckig, Band II anfangs mit leichtem Wasserrand im Außensteg.

Kress Library C.4476

593  Friedrich Nietzsche. Menschliches, Allzumenschliches.

€ 900

Ein Buch für freie Geister. Dem Andenken Voltaire’s geweiht zur Gedächtniss-Feier seines Todestages, des 30. Mai 1778. Chemnitz, Ernst Schmeitzner 1878. Halblederband, wohl der Verlagsbuchbinderei Naumann, mit Rückenvergoldung und marmorierten Deckelbezügen.

Erste Ausgabe, eins der etwa 450 Exemplare, die 1886 nicht bei E. W. Fritsch zur zweiten Auflage umgearbeitet wurden. – Titelblatt mit dem Stempel des Leipziger Verlages C. G. Naumann, der ab 1887 Nietzsches Werke (zumeist auf dessen Kosten) druckte und verlegte. Möglicherweise erhielt der neue (und zugleich zu Nietzsches Lebzeiten letzte) Verleger das Exemplar sogar direkt vom Verfasser zugesandt. – Von Ende Oktober 1876 bis in das neue Jahr hinein hielt sich Nietzsche, gemeinsam mit Paul Rée und dem Basler stud. jur. Albert Brenner, in der von Malwida von Meysenbug gemieteten Sorrenter Villa Rubinacci auf. Rée schloss dort die Arbeiten an seinem Buch »Der Ursprung der moralischen Empfindungen« ab, Nietzsche arbeitete an »Menschliches, Allzumenschliches«, dem Werk, das die Freundschaft zwischen Nietzsche und Wagner beenden sollte. – Mit der eingeklebten Korrektur auf Seite 290 (»M eere«). – Schönes Exemplar.

22,2 : 14,3 cm. [8], 377, [1] Seiten. – Gelenke minimal berieben.

Schaberg 29. – Krummel VI. – WNB 300

594  Friedrich Nietzsche. Menschliches, Allzumenschliches.

€ 750

Ein Buch für freie Geister. Dem Andenken Voltaire’s geweiht zur Gedächtniss-Feier seines Todestages, des 30. Mai 1778. Chemnitz, Ernst Schmeitzner 1878. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe, eins von etwa 450 verkauften Exemplaren. Die restlichen der insgesamt 1000 Exemplare, die Richard Oschatz in Chemnitz gedruckt hatte, übernahm 1886 der Verlag Fritzsch in Leipzig für die erweiterte Neuausgabe. – Von Ende Oktober 1876 bis in das neue Jahr 1877 hinein hielt sich Nietzsche gemeinsam mit Paul Rée und dem Basler stud. jur. Albert Brenner, in der von Malwida von Meysenbug gemieteten Sorrenter Villa Rubinacci auf. Rée schloss dort die Arbeiten an seinem Buch »Der Ursprung der moralischen Empfindungen« ab, Nietzsche arbeitete an »Menschliches, Allzumenschliches«, dem Werk, das die Freundschaft zwischen Nietzsche und Wagner beenden sollte. – Mit der eingeklebten Korrektur auf Seite 290 (»M eere«). – Selten.

22,2 : 14,3 cm. [8], 377, [3] Seiten. – Rücken mit Spuren eines abgelösten Bibliotheksetiketts. – Russischer Exlibrisstempel, hinterer Innendeckel mit Preisnotiz.

Schaberg 29. – Krummel VI. – WNB 300

595  Rudolf Virchow. Die Cellularpathologie

€ 500

in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre. Vierte, neu bearbeitete und stark vermehrte Auflage. Berlin, August Hirschwald 1871. Mit 157 Textholzschnitten. Dunkelblauer Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Ausgabe letzter Hand, erschien als erster Band von Virchows »Vorlesungen über Pathologie«. – »Virchow was the greatest figure in the history of pathology. His best work ›Die Cellularpathologie‹ is one of the most important books in the history of medicine, and the foundation stone of cellular pathology« (Garrison-Morton zur EA 1858). – »Virchow war der erste, der das heute allgemein anerkannte Axion ›Omnia cellula a cellula‹ aufstellte. ›Wo eine Zelle entsteht‹, so schrieb er, ›da muß eine Zelle vorausgegangen sein, ebenso wie das Tier aus dem Tiere, die Pflanze nur aus der Pflanze entstehen kann‹.« (Carter/Muir). – Das Buch wurde in fast alle europäischen Sprachen übersetzt. – Innen tadellos.

23,0 : 16,5 cm. XVIII, 582 Seiten. – Einband stellenweise etwas beschabt, Rücken etwas verfärbt.

Hirsch VI, 126. – Carter/Muir 307

596  Sigmund Freud. Zur Auffassung der Aphasien.

€ 750

Eine kritische Studie. Leipzig und Wien, Franz Deuticke 1891. Mit zehn Holzschnitten im Text. Neuer Halbpergamentband mit graphitschwarz marmorierten Deckelbezügen (Siegfried R. Büge, Berlin, mit Widmungskarte).

Erste Ausgabe von Freuds erster Monographie. – Die in der Untersuchung zu Sprachstörungen erstmals formulierten »Zweifel an der Lokalisation psychischer Elemente« als Folge »einer Verwechslung des Psychischen mit dem Physischen« bilden später einen zentralen Aspekt von Freuds Psychoanalyse. – Nach seiner Rückkehr aus Paris und der Trennung von Jean-Martin Charcot hatte Freud, der sich 1886 in Wien als Arzt niedergelassen hatte, zunächst Rezensionen und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht. 1891 bezog er gemeinsam mit seiner Ehefrau Martha die später legendär gewordene Wohnung in der Berggasse 19. – Selten.

23 : 15 cm. [2], 107, [1] Seiten. – Das Titelblatt faksimiliert. Ein Blatt mit Eckabschnitt (minimaler Textverlust), 2 Seiten leicht fleckig.

Meyer-Palmedo/Fichtner 1891 b

597  Sigmund Freud – Sbornik psychoanalytickych praci.

€ 3500 ( R7 )

(Anthologie psychoanalytischer Arbeiten). Redigoval (Bearbeitet von) E[manuel] Windholz. Prag 1932. Mit einem Porträt, acht fotografischen Abbildungen auf Tafeln sowie acht großen ornamentierten Initialen. Blauer Originalleinenband mit silbergeprägten Titeln im Originalschuber. – Von Sigmund Freud signiert.

Erste Ausgabe. – Eins von 120 Exemplaren der von Sigmund Freud unter seinem Porträt signierten Vorzugsausgabe. – Mit Beiträgen des Herausgebers Emanuel Windholz und weiterer bedeutender Psychologen der Tschechoslowakei. Windholz war ab 1931 als Psychoanalytiker in Prag tätig, übersetzte Arbeiten Sigmund Freuds ins Tschechische und gab 1932 das erste tschechische Jahrbuch der Psychoanalyse heraus. – Der ebenfalls vertretene Jaroslaw Stuchlík war während seiner medizinischen Ausbildung in der Schweiz Carl Gustav Jung begegnet und besuchte 1917 Sigmund Freud in Wien. In der Tschechoslowakischen Republik leitete Stuchlík von 1919 bis 1938 die psychiatrische Klinik in Košice (Kaschau) in der Ost-Slowakei. Mehrere seiner Schüler wurden Psychoanalytiker, so Emanuel Windholz, Sándor Lorand und Jan Frank. – Auf Windholz’, Stuchlíks und anderer Initiative wurde 1931 eine Gedenktafel an Freuds Geburtshaus im mährischen Pribor (Freiberg) angebracht, die vorliegende Anthologie erschien aus diesem Anlass. – Sehr selten und tadellos erhalten.

24,5 : 17,5 cm. 125, [3] Seiten.

www.psychoanalytikerinnen.de/polencsr_geschichte.html

598  Alexander Dées de Sterio. Nobel führte sie zusammen.

€ 450 ( R7 )

Begegnungen in Lindau. 2., erweiterte Auflage. Konstanz, Friedrich Stadler 1985. Originalleinenband mit -schutzumschlag. – Von 18 Nobelpreisträgern signiert.

Im Dreijahresrhythmus treffen sich in Lindau am Bodensee Nobelpreisträger der Medizin, Chemie und Physik. Das vorliegendes Buch dokumentiert die Tagungen von 1951 bis 1985. – Anlässlich der Tagung 1997 signierten folgende Physik-Nobelpreisträger das Buch auf Vortitel- und Titelblatt: Willis E. Lamb (1955), Donald Arthur Glaser (1960), Rudolf Ludwig Mößbauer (1961), Ivar Giaever (1973), Leo Esaki (1973), Brian David Josephson (1973), Antony Hewish (1974), Nicolaas Bloembergen (1981), Arthur Leonard Schawlow (1981), Kenneth Geddes Wilson (1982), Klaus-Olaf von Klitzing (1985), Karl Alexander Müller (1987), Johannes Georg Bednorz (1987), Jack Steinberger (1988), Norman Foster Ramsey (1989), Bertram Neville Brockhouse, CC (1994) und Martin Lewis Perl (1995) sowie der Chemie-Nobelpreisträger Ernst Otto Fischer (1973).

28,5 : 17,3 cm. 271 (1) Seiten.