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Bücher des 16.–19. Jahrhunderts | Hesse-Auktionen
Bücher des 16.–19. Jahrhunderts

229  Astronomie – P[ierre] S[imon] de Laplace. Traité de mécanique céleste.

Schätzpreis/Estimate: € 6000

Zuschlag/Hammerprice: € 5000

Tome premier [–] cinquième [et] Supplement [1–4]. Paris, J. B. M. Duprat (1799)–1802, Courcier 1805 und Bachelier 1825. Mit einer gefalteten Kupfertafeln und zahlreichen Tabellen im Text. Halblederbände des 19. Jahrhunderts.

Vollständiges Exemplar der ersten Ausgabe. – »Laplace hat man den ›Newton Frankreichs‹ genannt. In seiner großartigen ›Abhandlung über Himmelsmechanik‹, die in einem Zeitraum von siebenundzwanzig [!] Jahren veröffentlicht wurde, faßte er die Theorien und Ausführungen seiner Vorgänger – vor allem Newtons, Eulers, d’Alemberts, Kants und seines Zeitgenossen Lagrange […] zusammen und entwickelte sie weiter.« (PMM). Im Gegensatz zu Newton, der ein korrigierendes göttliches Eingreifen für notwendig erachtete, zeigte Laplace hier das Wirken von Eigenkorrekturen und damit das Sonnensystem als mechanisch stabil. – Wegen des langen Erscheinungszeitraums selten vollständig, hier mit allen vier Supplementen in Band III, IV (dort zwei) und V.

XXXII, 368; [4], 382, [2]; XXIV, 303, [1], 24; XL, 347, [1], [2], 65, [1], 1 Kupfer, 78, [2]; VIII, 419, [1], [2], 35, [1] Seiten. – Leicht berieben und bestoßen, Rücken alt erneuert. – Innendeckel mit Bibliotheksschildern, Titel bzw. Vortitel und meist noch eine zusätzliche Seite mit Stempel. Alter verblasster Besitzvermerk. Nur ganz vereinzelt leicht fleckig.

PMM 252. – Brunet III, 834 u. Graesse IV, 105 (beide 1800 für Band I)

230  Julius Schiller. Cœlum Stellatum Christianum.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

– Daraus: 18 Kupferstiche von Lukas Kilian und zwei Kupfertitel. 1627. 24 : 32 cm. Augsburg, Andreas Aperger 1627.

Aus der ersten Ausgabe von Julius Schillers christlichem Sternkatalog. In diesem hatte er die Sternbilder nicht durch die üblichen Tiere und antiken Halbgötter dargestellt, sondern durch christliche Heilige und Symbole. Die astronomische Beschreibung stammt hauptsächlich von Johann Bayer, der 1803 seine berühmte »Uranometria« veröffentlicht hatte. Während dessen Methode der Sternbenennung noch heute verwendet wird, blieb Schillers christliche Astronomie ein Kuriosum. – Nach den Vorlagen von Matthias Karger stach Lukas Kilian die prächtigen Kupfer. Von den insgesamt 49 Kupferstichen des Werkes sind hier vorhanden: Sechs Sternbilder des Nordhimmels mit Figuren des Neuen Testaments (u. a. Pegasus = Erzengel Gabriel, Kassiopeia = Maria Magdalena), sechs Sternbilder des Südhimmels mit alttestamentlichen Figuren (u. a. Kleiner Hund = Opferlamm, Centauer = Abraham und Isaak) und sechs der zwölf Tierkreiszeichen, die nun für die zwölf Apostel standen (hier Krebs = Johannes, Jungfrau, Zwillinge, Stier, Löwe und Waage). – Die Darstellung der Sternbilder erfolgt aus göttlicher Sicht auf das Firmament in Richtung Erde, also seitenverkehrt. – Neben dem figürlichen Haupttitel hier noch eine Variante, gestochen von Wolf Kilian, die die Namen von Zeichner und Stecher unterschlägt. – Alle Kupferstiche rückseitig mit Text der Buchausgabe.

Einige leicht stockfleckig und leicht gebräunt, vereinzelte restaurierte Fehlstellen.

Katalog Augsburger Barock 1968, 674

231  Digestum vetus.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Digestorum seu Pandectarum Juris enucleati ex omni jure veteri in libros quinquaginta collecti […] Lyon, Hugo Porta und Anton Vincent 1558. Mit zwei gefalteten Holzschnitten. Pergamentband der Zeit mit reicher Blindprägung mit Platten- und Rollenstempeln und Messingbeschlägen.

Eine von zwei Quartausgaben des ersten Teils der Pandektensammlung des Corpus Juris, der die Digesten 1 bis 24 enthielt. – Gedruckt in Rot und Schwarz, Text in Latein und Griechisch. – Hugo Porta hatte sich mit verschiedenen Verlegern in Lyon und Genf zusammengeschlossen und betrieb die Herausgabe der maßgeblichen Gesetzessammlung, die auf die justinianischen Beschlüsse im Jahr 530 zurückging, als Monopol. Seit 1538 erschienen stetig Nach- und Neuausgaben, 1551 folgte die erste, 1558 die vorliegende zweite Quartausgabe. Erst im 17. Jahrhundert wurde die bis dahin unbestrittene Gültigkeit der Pandekten diskutiert.

27,0 : 19,0 cm. [174], 1509, [1] Seiten. – Einband etwas fleckig und am Rücken unten aufgeplatzt. – Teils etwas wasserrandig, einige Anstreichungen, die ersten 80 Blätter unten stark gebräunt. Die Vorblätter mit alten Anmerkungen. Die beiden Holzschnitte lose, einer am linken Rand mit Klebespuren.

Spangenberg 1817, 228

232  Reineke Fuchs.

Schätzpreis/Estimate: € 750 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

Das ist Ein sehr Nützliches, Lust- und Sinn-reiches Büchlein, Darein auf verblümete, jedoch löbliche schreibart, unter den Nahmen deß Löwen, Bähren, Fuchses, Wolfes etc. Das Hofe. wie auch aller Stände der Welt Leben und Wesen […] Tugenden , als auch […] Lastern beschrieben […] Auff das Neue mit allerhand jetziger Zeit üblichen Reimarten […] ausgezieret. […] Und in drey Theile abgetheilet. Rostock, Joachim Wilden 1650. Mit 41 Holzschnitten von Virgil Solis und einer Holzschnitt-Titelvignette. Halbpergamentband des 19. Jahrhunderts.

Erste Rostocker Ausgabe. – Die 41 Textholzschnitte von Virgil Solis, einige wurden mehrfach verwendet, entstanden bereits für die Frankfurter Ausgabe. – »Barocke Bearbeitung unter Verwendung von Alexandrinern aus dem Umkreis der Nürnberger Pegnitzschäfer (G. Ph. Harsdörffer); zuweilen auch Philipp von Zesen bzw. Johann Heinrich Rist zugeschrieben« (Menke). – Mit dem seltenen Errata-Blatt am Ende.

16,5 : 10,3 cm. 421, [19] Seiten. – Leicht wellig, gelegentlich leicht gebräunt. Titelblatt rückseitig mit überklebtem Bibliotheksstempel, Seite 7 mit 2. Stempel. – Im Falz etwas knapp eingebunden.

VD 17, 23:270754L. – Menke S. 338, VII, 23

233  Erasmus von Rotterdam. Lob der Narrheit

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 300

in einer Schertz-Rede entworffen. Anjetzo aufs neue aus dem Lateinischen ins Teutsche übersetzt, mit nöthigen Anmerkungen erläutert und mit Johann Holbeins Kupfern gezieret, wie auch einer kurtzgefaßten Lebens-Beschreibung des Auctoris versehen Frankfurt und Leipzig, Ludwig Ußleber 1735. Mit gestochenem Porträt, sechs gefalteten Kupfertafeln und 76 Textkupfern nach Holbein von I. A. Schmidt. Kalblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Das 1509 als Scherzschrift entstandene »Lob der Narrheit« wurde zu einem Rundumschlag gegen die Missstände in Kirche, Politik und Gesellschaft. Der Humanist Erasmus von Rotterdam eckte mit diesem eigentlich nur als »Stilübung« gedachten, seinem Freund Thomas Morus in London zugeeigneten, unterhaltsam philosophischen Werk bei vielen seiner Zeitgenossen an, die Kirche setzte es später sogar auf den Index. Zu offen wandte sich Erasmus gegen die weltlichen Auswüchse von Religion und Kirche. Den reformatorischen Geist der Schrift erkannte damals auch Martin Luther nicht. – Dazu: Samuel Knight. Das Leben des fürtrefflichen Erasmi von Rotterdam, Insbesonderheit aber diejenige merckwürdigste Theil davon […] Nebst einem Anhang unterschiedlicher rarer Urkunden. Leipzig, Johann George Löwe 1736. Mit 19 teils gefalteten Kupfertafeln. Halbpergamentband.

18,4 : 12,2 cm. [34], 264 Seiten, 6 Tafeln; 56, 398, [2], 126, [10] Seiten, 19 Tafeln. – Zeitungsnotiz auf dem Vorsatz eingeklebt. – 1 Falttafel mit kleiner Fehlstelle, eine im Klebefalz eingerissen. 1 Seite mit kleinem Einriss.

234  G[erhard] T[ersteegen]. Diß ist der Frommen Lotterie,

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Wobey man kan verlieren nie: Das Nichts darin it all so groß, Als wann dir fiel das beste Loos. Mit verschiedenen Reimen aufs neue vermehret, und durchhin mit Biblischen Sprüchen bejräftiget von dem Autore. Solingen, Johann Schmitz 1754. Lederband der Zeit mit blindgeprägter Vignette und Eckfleurons.

1722 wurde die Spruchsammlung des Laienpredigers Tersteegen erstmals veröffentlicht. Ab 1738 erschien sie als geistliche Lotterie mit 365 Losen – eins für jeden Tag des Jahres. Die Lose, jeweils vierzeilige erbauliche Reimverse, zählten zu den verbreitetsten im deutschen Sprachraum. 1743 erschien sie in der vorliegenden, auf 381 Sprüche vermehrten, Ausgabe, in späteren Jahren gab es weitere mit insgesamt 412 Sprüchen. – Die hier vorliegende Sammlung ist weder im KVK noch in einer der einschlägigen Bibliographien nachweisbar. – Gerhard Tersteegen (1697–1769) wurde als Seelsorger, Schriftsteller und Mystiker zu einem der herausragendsten Vertreter des Pietismus im 18. Jahrhundert. Seit 1728 war einer der bekanntesten Dichter von Kirchenliedern und verfasste zahlreiche Schriften, 1729 erschien sein »Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen«. Seit 1728 wirkte er als Prediger in der protestantischen Erweckungsbewegung. – Für ein zum täglichen Gebrauch bestimmtes Buch nach mehr als 250 Jahren in bemerkenswert gutem Zustand.

6,0 : 11,0 cm. [2], 381, [1] Seiten. – Einband am Oberrand mit kleiner Wurmfraß-Stelle. Ränder minimal berieben.

235  Samuel Bottschild. Opera varia historica, poetica & iconologia.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 400

– Daraus: 34 Kupferstiche und das gestochene Titelblatt. [Nürnberg,] Christoph Weigel [um 1693].

Schöne Sammlung von mythologischen, allegorischen und emblematischen Kupfern nach den Vorzeichnungen des sächsischen Künstlers Samuel Bottschild (1641–1706, »das bedeutendste Mitglied dieser Familie und ein hervorragender Künstler seiner Zeit« (Thieme/Becker), Hofmaler des sächsischen Kurfürsten Johann Georg IV. – Das Werk widmete Bottschild Johann Christian Schumann (1634–1705), dem langjährigen Ratsherren sowie späteren Bürgermeister der Stadt Dresden (1696–1705). – Meist mit dem gestochenen Namen des Künstlers, ein Blatt mit dem Namen des Stechers M. Bodenehr.

Verschiedene Formate (20 : 15 bis 32 : 24 cm). – Teils leicht braunfleckig.

Katalog Kunstbibliothek Berlin 5291

236  Jacques Callot. Lux claustri. La lumiere du cloistre.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 800 ( R7 )

Representées par figures emblematiques. Paris, François Lanlois 1646. Mit 27 emblematischen Kupferstichen, davon elf koloriert. Lederband der Zeit mit etwas Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe. – Hübsche Folge der sinnbildlichen Kupfer (je 6 : 8 cm), jeder auf einem einseitig bedruckten Blatt mit Überschrift in Latein und Französisch über sowie einem zweizeiligen lateinischen und einem vierzeiligen französischen Motto unter dem Stich. – Bemerkenswert Kupfer 22 mit der Darstellung des sich im Wasser spiegelenden Narziss. – Zehn Kupfer sehr fein, eins nur in Ansätzen koloriert. – Mit gestochenen Exlibris von Alfred Murányi Rohó und Alfred Pfeiffer, sowie einem Bibliotheksschildchen des letzteren.

18,5 : 14,0 cm. [2], 27 Blätter. – Einband stark berieben. – Die ersten Blätter mit winzigen Randläsuren, einige Kupfer mit leichten Wasserrändern (vom Kolorieren). Vorsatzblatt geknittert.

Meaume 234–260. – Landwehr 199

237  Adriaen van Ostade.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Die Radierungen des Meisters in originalgetreuen Nachbildungen mit einer Einführung von Elfried Bock. Berlin, Amsler & Ruthardt 1922. Mit 50 Tafeln. Originalpergamentband mit vergoldeten Titeln.

Eins von 160 Exemplaren der Luxusausgabe. – Auf Bütten. – Die hervorragenden Drucke in Originalgröße entstanden in der Chalkographischen Kunstanstalt Angerer, Berlin. – Mit einer biographischen Einführung und einer Konkordanz zu Bartschs Verzeichnis.

37, 2 : 29,0 cm. [12] Seiten, 50 Tafeln. – Hinterdeckel leicht berieben. – Stempel auf dem Vorsatzblatt. Ränder mit vereinzelten Stockflecken, letzte Tafel am Rand etwas fingerfleckig.

238  Peter Carl Geissler. Acht lavierte Silberstiftzeichnungen

Schätzpreis/Estimate: € 800 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 650

zu Goethes »Torquato Tasso« bzw. »Rameaus Neffe«.1830. Ca. 11 : 7 cm. Mit Bleistift bezeichnet.

Feinst ausgeführte Vorlagen für die Kupferstecher, jeweils am Unterrand bezeichnet als »Zeichnung von P. C. Geissler in Nürnberg«, teils datiert 1830. Meist auch mit Zusatz der Textvorlage u. a. – Vorhanden sind die Vorzeichnungen für das Titelkupfer von »Minerva. Taschenbuch für das Jahr 1833« und fünf der acht dort enthaltenen Kupfer zum »Torquato Tasso« (I, II, III, VI und VII), eine zu Goethes »Rameaus Neffe« und eine unbetitelte. – Alle auf festem Bristol Paper und sehr gut erhalten. – Peter Carl Geissler (1802–1872) gründete 1830 in Nürnberg eine Verlagsbuchhandlung und Illuminieranstalt und »lieferte namentlich Titelzeichnungen und Taschenbuchblätter, auch Zeichnungen zu den Werken von Goethe, Schiller, Zschokke […]« (Thieme/Becker XIII, 354). – Eine Zeichnung mit handschriftlichem Vermerk »Excudatur Sartorius«. – Vgl. den digitalisierten Bestand des Frankfurter Goethehauses.

239  Otto Wagner. Teplitz.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Acht Tuschpinselzeichnungen, Sepia über Bleistift, eine zusätzlich koloriert. Um 1840. Etwa 8 : 10 bis 10 : 17 cm. Bezeichnet.

Die dem Dresdner Maler Otto Wagner (1803–1961) zugeschriebene Folge der kleinformatigen, fein ausgeführten Sepiazeichnungen enthält Ansichten vom Teplitzer Schlossgarten (2), Theater, Steinbad, Schlangenbad, Schwefelbad sowie der nahegelegenen Orte Graupen und Mariaschein. 1846 erschien unter dem Titel »XVII Ansichten von Teplitz und der Umgegend« eine Folge von farbigen Lithographien des Künstlers. Otto Wagner, Bruder des für seine architektonischen Arbeiten bekannten Georg Wagner, war vor allem als Landschafts- und Dekorationsmaler tätig. Für einige Ansichten in Tromlitz’ Band über die Sächsische Schweiz in der Reihe »Das malerische und romantische Deutschland« lieferte er die Vorlagen. – Jede Zeichnung mit blauem Papier unterlegt und auf Kartonblätter montiert. – Ehemals Sammlung Franz Apelt, Zittau.

Thieme/Becker XXXV, 45f

240  Hans von Marées. Zeichnungen.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Mit Betrachtungen von Wilhelm Hausenstein, Rudolf Pannwitz, Walther Riezler, Julius Meier-Graefe. München, Verlag der Marées-Gesellschaft R. Piper 1918. 30 Tafeln nach Zeichnungen und das Textheft mit elf Radierungen, davon vier ganzseitig, von W. Schmidt nach Marées in Originalhalbleinenmappe.

Zehnter Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 150 Exemplaren (Gesamtauflage 200). – Die Texte und Radierungen auf starkes, blütenweißes Bütten gedruckt. – Die Zeichnungsfaksimiles wurden bei den namhaften Druckereien Markert, Obernetter, Albert Fritsch und Hanfstaengl gedruckt. Das Papier wurde nach dem jeweiligen Original ausgewählt. – Die »Marées-Gesellschaft« wurde 1917 von Julius Meier-Graefe zum Andenken an den 1887 verstorbenen Künstler Hans von Marées gegründet.

67 : 51 cm (Mappe). – Die Mappe etwas bestoßen und gelockert. – Ein Doppelblatt im Heft gelockert.

Rodenberg 364, 10

241  Clemens Brentano. Die Märchen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 440

Zum Besten der Armen nach dem letzten Willen des Verfassers herausgegeben von Guido Görres. Erster [und] Zweiter Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1846–47. Halblederbände der Zeit mit Rückenverzierung in Gold- und Blindprägung. Marmorierte Deckelbezüge.

Erste Ausgabe der umfassenden Märchensammlung. – Auf feinem weißen Velinpapier. – Der Dichter hatte bereits 1809 eine Veröffentlichung seiner »Kindermährchen« bei dem Verleger Zimmer in Heidelberg, der ihm durch die Veröffentlichung von »Des Knaben Wunderhorn« bekannt war, erwogen. Er bat Philipp Otto Runge und die Brüder Grimm um Unterstützung. Der Plan verzögerte sich, 1827 erschien ein unautorisierter Abdruck (»In die Buchhandlung gekommen, finde ich mit einem mich wunderlich ergreifenden Ekel meine in Frankfurt sorgenlos zurückgelassenen Märchen in der Iris abgedruckt.« (Brief an Joh. Fr. Böhmer, 15. II. 1827).

20,8 : 13,3 cm. LVIII, [2], 495, [1]; [4], 608 Seiten. – Rücken minimal verblasst. Deckelbezüge berieben. – Vorsätze und einige Seiten schwach stockfleckig.

Goedeke VI, 62, 46. – Mallon 155 u. 163 – Slg. Borst 2198

242  Joseph von Eichendorff. Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 230

Erster [bis] Vierter Theil [in zwei Bänden] Berlin, M. Simion 1842. Mit einem gestochenen Porträt als Frontispiz. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung.

Titelauflage der ersten Gesamtausgabe von 1841.

18,6 : 12,5 cm. XVIII, 514, [2], 382; [4], 443, [7], 396 Seiten. – Etwas berieben und bestoßen, eine Ecke geknickt. – Innengelenke von II gebrochen, eine Lage gelockert. Hin und wieder etwas stockfleckig.

Goedeke VIII, 192, 35

243  Johann Gottlieb Fichte. Drei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 350

1798–1806.

I. Das System der Sittenlehre nach Principien der Wissenschaftslehre. Jena und Leipzig, Christian Ernst Gabler 1798. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung. [2], XVIII, [4], 494 Seiten. – II. Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters. Dargestellt […] in Vorlesungen, gehalten zu Berlin, im Jahre 1804–5. Berlin, Realschulbuchhandlung 1806. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung und zwei Rückenschildern. VIII, [2], 563, [1] Seiten. Exlibris. – III. Ueber das Wesen des Gelehrten und seine Erscheinungen im Gebiete der Freiheit. In öffentlichen Vorlesungen, gehalten zu Erlangen, im Sommer-Halbjahre 1805. Berlin, Himburgsche Buchhandlung 1806. Neuer Interimsumschlag. VI, 215, [1] Seiten.

I und II: sehr schön und nur ganz vereinzelt leicht stockfleckig. – III: unbeschnitten, gelegentlich gebräunt bzw. stockfleckig.

Goedeke V, 8, 11 und 16 (III dort nicht). – Baumgartner/Jacobs 36, 61 und 62. – Slg. Borst 802, 1027 und 1028

244  Christian Fürchtegott Gellert. Sämmtliche Fabeln und Erzählungen

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 180

in drey Büchern. Neue verbesserte Auflage. Berlin, Oehmigke der Jüngere 1803. Mit zwölf kolorierten Kupfertafeln von J. H. Meil nach Daniel Chodowiecki und kolorierter, gestochener Titelvignette. Brauner Pappband der Zeit mit grün-goldenem Rückenschild und vergoldeten Fileten.

Gellerts Fabeln erschienen erstmals 1745 , mit Chodowieckis Illustrationen 1775/76. – Die Meilschen Stiche nach Chodowieckis Vorlagen umfassen Motive aus beiden Serien und sind etwas größer als die Originalstiche. – Die Titelvignette wurde von Glassbach gestochen. – In farbfrischem, kräftigen Kolorit.

20,2 : 12,2 cm. XXXVIII, 208 Seiten. 12 Kupfertafeln. – Rücken verblasst. – Stellenweise fleckig.

Rümann 18. Jahrhundert 311. – Vgl. Bauer 246–257 und 284–295

245  J[ohann] W[olfgang von] Goethe. Stella.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 560

Ein Schauspiel für Liebende in fünf Akten. Berlin, August Mylius 1776. Zweifarbiger Lederband im Stil der Zeit mit vergoldeten Bordüren und Fleurons, zwei rot-goldenen Rückenschildchen sowie Blindprägung auf Deckeln und Innenkanten (signiert: Wilh. Gethers Eft. Kannikestr. 15).

Erste Ausgabe, sehr selten. – Die Dreiecksgeschichte zwischen Fernando, Stella und Cezilie gipfelte zur Empörung vieler Zeitgenossen (und bald auch der Berliner Zensur) in einem glücklichen Finale: »Fernando, beide umarmend. ›Mein, Mein!‹ Stella, seine Hand fassend an ihm hangend. ›Ich bin dein!‹ Cezilie, seine Hand fassend, an seinem Hals. ›Wir sind dein!‹« – Das überaus erfolgreiche Stück erlebte noch im Jahr der Erstausgabe sechs unrechtmäßige Nachdrucke. Nach zehn Aufführungen wurde es von preußischen Behörden verboten. Goethe schrieb das Stück 1806 zum »Trauerspiel« um: Fernando erschießt sich, Stella nimmt Gift. – Personenverzeichnis auf Seite 4, Paginierung Seite 80 korrekt (vgl. Hirzel). – Insgesamt sehr schönes Exemplar.

16,5 : 10,3 cm. – Kanten minimal berieben, 1 Gelenk leicht angeplatzt. – Exlibris und Monogrammstempel.

Goedeke IV/3, 131, 113. – Hagen 121. – Hirzel A76/77. – Slg. Kippenberg 353

246  [Johann Wolfgang von] Goethe. West-oestlicher Divan.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Stuttgart, Cotta 1819. Mit gestochenem Frontispiz und Titel von C. Ermer nach Entwürfen Goethes. Leinenband des späten 19. Jahrhunderts mit neuerem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Mit dem korrigierten Viertelbogen der Seiten 7–10. – Der Gestaltung des Titelblatts mit den arabischen Schriftzügen widmete Goethe größte Aufmerksamkeit. – »Wie die Hinwendung zur klassischen Antike Goethes ersten großen Gedichtzyklus, die ›Römischen Elegien‹, bestimmt hatte, so gab ihm die Begegnung mit der orientalischen Poesie, vor allem der Lektüre des ›Divan‹ des persischen Dichters Hafez […] den geistigen Anstoß zu seinem ›West-östlichen Divan‹. […] Zu der geistigen Anregung durch die Hafis-Lektüre kam das Gefühl körperlicher und geistiger Verjüngung, einer ›wiederholten Pubertät‹ […]« (KNLL). Im August 1814 begegnete Goethe auf seiner Reise in die Rhein-Main-Gegenden Marianne Jung, späterer von Willemer. »Aus der Leidenschaft zwischen Goethe und Marianne von Willemer, die vor allem im Herbst 1815 […] voll zur Entfaltung kam, erwuchs ein großer Teil der Gedichte. Einige der schönsten Gedichte des Bandes stammen von der Hand der Verehrten.«.

16,2 : 10,5 cm. Doppelkupfertitel, 556 Seiten. – Rücken und Teile des Hinterdeckels verblasst. – Titel mit gelöschtem Stempel, dort hinterlegt und, wie das Folgeblatt, mit kleiner Bräunung. Meist sehr leicht, einige Lagen auch stärker stockfleckig.

Goedeke IV/3, 492, 110. – Hagen 416. – Slg. Kippenberg 400. – Slg. Borst 1312. – Fischer, Cotta 1189

247  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

oder Die Entsagenden. Ein Roman. Erster Theil [alles Erschienene]. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1821. Grüner Leinenband um 1900 mit Rückentitel und Fileten in Gold.

Erste Ausgabe. – Die elf Gedichte bzw. Sprüche auf den Vorblättern wurden hier erstmals veröffentlicht. – Einzelne Novellen aus dem Roman, der unvollendet blieb, erschienen seit 1809 in mehreren Jahrgängen des »Taschenbuch für Damen«. – Schönes Exemplar, sehr sauber und breitrandig.

16,2 : 10,5 cm. [8], 550 Seiten. – Vordergelenk restauriert. – Stempel auf Titelblatt (Stadtwappen von Den Haag).

Goedeke IV/3, 434. – Kippenberg I, 402. – Hagen 425. – Fischer, Cotta 1300

248  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters theatralische Sendung.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 200 ( R7 )

Nach der Schultheß’schen Abschrift zum ersten Male herausgegeben von Harry Maync. Stuttgart und Berlin, J. G. Cotta Nachfolger 1911. Mit fünf Porträttafeln und sechs Faksimiles. Marmorierter Originalkalblederband mit reicher Vergoldung.

Erste Ausgabe der Urfassung. – Eins von 820 Exemplaren der Luxus-Ausgabe. – Auf fein geripptem Bütten gedruckt und in Kalbleder gebunden, der Einbandentwurf stammt wie die gesamte Buchgestaltung von Emil Rudolf Weiß. – Über die bibliophile Schönheit des Bandes hinaus handelt es sich hier zudem um einen Goethe-Erstdruck: Die Urfassung hatte Goethe in den Jahren 1777 bis 1785 niedergeschrieben, für die Druckausgabe »Wilhelm Meisters Lehrjahre« aber stark verändert. Lange Zeit meinte man, dass der ursprüngliche Text verloren sei, da Goethe das Manuskript selbst vernichtet hatte. 1910 entdeckte Gustav Billeter eine Abschrift in Zürcher Privatbesitz. – Schönes Exemplar.

22,2 : 13,5 cm. [12], 410, [2] Seiten, 11 Tafeln, [6] Seiten. – Kanten schwach berieben.

Goedeke IV/3, 415, b. – Slg. Kippenberg 7947. – Vgl. Roland Starks ausführliche Arbeit in »Aus dem Antiquariat« Heft 11/2002

249  Carl Jügel. Das Puppenhaus,

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

ein Erbstück in der Gontard’schen Familie. Bruchstücke aus den Erinnerungen und Familien-Papieren eines Siebenzigers. Frankfurt a. M. 1857. Mit zwei Porträttafeln. Brauner Ecrasélederband mit vergoldeten Innenkantenbordüren und Schnittvergoldung.

Erste Ausgabe. – Jügels schriftstellerisches Hauptwerk enthält persönliche Erinnerungen an das Frankfurt des frühen 19. Jahrhunderts und – anknüpfend an die Beschreibung eines Puppenhauses – wichtige Beiträge zur Geschichte der Familie Gontard, in denen Goethes Verlobte Lilli, Friedrich Hölderlin und Dr. Ebel einen bemerkenswerten Platz einnehmen. – Von der Familie d’Orville gelangte das Puppenhaus im 18. Jahrhundert in die Bankiersfamilie Gontard. 1816 heiratete Carl Jügel Marie Schönemann, die Nichte von Goethes Freundin Lilli, die mütterlicherseits mit der Familie Gontard verwandt war. Das Puppenhaus befindet sich als Stiftung von Jügels Söhnen Franz und August im historischen Museum in Frankfurt. – Sehr schönes Exemplar.

22,0 : 15,5 cm. 415, [1] Seiten, 2 Tafeln. – Bünde mit kleinen Verfärbungen. – Titelblatt mit Besitzvermerk.

ADB XIV, 659 ff

250  Jeremias Gotthelf. Vier Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Zürich bzw. Berlin 1840–1852.

Der Schweizer Theologe Albert Bitzius (1797–1854) nahm 1836 als Pseudonym den Namen der Hauptfigur seines ersten Romans »Der Bauern-Spiegel«, Jerimias Gotthelf, an. – I. Die Armennoth. Zürich und Frauenfeld, Ch. Beyel 1840. Halblederband. – II. Wie Uli, der Knecht, glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute. Zürich und Frauenfeld, Ch. Beyel 1841. Marmorierter Pappband. Gotthelfs erster Roman in hochdeutscher Sprache. – III. Käthi, die Großmutter, oder: der wahre Weg durch jede Noth. Eine Erzählung für das Volk. Erster [und] Zweiter [in einem] Band. Berlin, Verlagshandlung des allgemeinen deutschen Volksschriften-Vereins (M. Simion u. Jul. Springer) 1847. Grüner Originalleinenband mit Blind- und Goldprägung. – IV. Zeitgeist und Berner Geist. Erster [und] Zweiter Theil [in einem Band]. Berlin, Julius Springer 1852. Marmorierter Pappband. – Ehemals Sammlung Franz Ulrich Apelt.

Einband II etwas berieben und verzogen, I und II vereinzelt etwas stockfleckig. III ohne den Vortitel.

Juker/Martorelli 164, 1211, 718 und 1520. – Brieger 757, 784, 777 und 787. – Slg. Borst 1938, 1982, 2252 und 2464

251  [Friedrich von Hagedorn]. Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 260

Hamburg, Conrad König 1738. Mit drei gestochenen Vignetten von Christian Fritzsch nach C. A. Wagner, davon eine auf dem Titel, und mehr als 50 Holzschnittzierstücken. Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, vergoldeter Deckelvignette und Blindprägung.

Erste Ausgabe. – Friedrich von Hagedorns (1708–1754) erste große Fabelsammlung mit der er sich stilistisch von seinen Vorbildern Brockes und Hofmannswaldau löste und nun »den leichten Plauderton Lafontaines zum Muster« nahm (Meyers Lexikon 1926). – Die schönen Kopfvignetten mit dem befreiten Aesop von Tieren umringt und die von König David beobachtete Bathseba im Bade. – Am Ende mit genauen Quellenangaben zu den Fabeln. – Dazu: Friedrich von Hagedorn. Poetische Werke. Erster [bis] Dritter Theil. Hamburg, Johann Carl Bohn 1757. Mit gestochenem Porträt und 25 gestochenen Vignetten, davon drei auf den Titelblättern. Lederbände der Zeit mit Rückenvergoldung. Erste Ausgabe. – Der Hamburger Dichter, der ein beachtliches Werk hinterließ, musste in seinem Leben manche Widrigkeit erleiden. Schröders Lexikon weiß zu berichten, dass er um 1620 die Tochter eines in Hamburg lebenden englischen Schneiders Butler heiratete, »die zwar weder jung, noch schön, noch geistreich war, womit er aber seine Glücksumstände beträchtlich zu verbessern hoffte, worinnen er sich indessen getäuscht haben soll.« Schröder erwähnt weiter, dass die Linde »in dem Hamburg benachbarten, romantisch gelegenen Harvstehude«, unter der Hagedorn gern gesessen und gedichtet habe, einige Jahre nach seinem Tode vom Blitz getroffen u. dermaßen beschädigt ward, daß man sie umhauen mußte.«.

20,0 : 13,3 cm. [8], 210, [14] Seiten. – Einband vor allem an den Kanten berieben. – Titelblatt mit Notiz, dort verso und eine Seite mit Stempel. Schwach gebräunt. – Beigabe: Einbände berieben, Ecken leicht bestoßen.

Goedeke IV/1, 27, 20 und 28, 40. – Schröder III 1395, 17 und 39. – Rümann 384

252  Heinrich Heine. Französische Zustände.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Hamburg, Hoffmann und Campe 1833. Halblederband um 1880.

Erste Ausgabe. – Das erste Buch, welches nach Heines Übersiedlung nach Paris in Deutschland erschien. – Auf dem Zwischentitel der Ausruf des Dichters: »Vive la France! quand même«. – Von der Zensur wurde der Text schärfstens kontrolliert, war man sich doch sicher, dass dieses Buch »zu den verwerflichsten gehöre, welche wir jemals zu prüfen veranlaßt worden sind«. Die zahlreichen Auslassungen in der Vorrede setzten Heine schwer zu (»… betäubt vor Kummer…«) und veranlassten ihn, in Paris eine unverstümmelte Variante der Vorrede mit einem zusätzlichen Vorwort drucken zu lassen, die hier beigegeben ist: Vorrede zu Heinrich Heine’s Französischen Zuständen nach der französischen Ausgabe ergänzt und herausgegeben von P. G.g.r. Leipzig, Heideloff und Campe 1833. Originalbroschur.

17,0 : 10,5 cm und 18,5 : 11,5 cm. XXVI, [2], 408 Seiten und 58, [2 leere] Seiten. – Einband leicht berieben, Broschur leicht bestoßen. – Beide etwas stockfleckig, beide mit Besitzvermerk.

Goedeke VIII, 557, 41. – Wilhelm/Galley 581. – HSS009. – Sammlung Borst 1687

253  Heinrich Heine. Sämmtliche Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Rechtmäßige Original-Ausgabe. Erster [bis] Einundzwanzigster Band. – Supplementband. Hamburg, Hoffmann und Campe 1861–1866 [1867] und 1884. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung.

Erste rechtmäßige Gesamtausgabe, alle Bände in erster Ausgabe, gedruckt auf feines Velin. – Herausgegeben von Adolf Strodtmann, der nach seinem Exil in Paris zunächst in London, New York und Philadelphia lebte, bevor er 1856 nach Hamburg kam. – Gedruckt bei Jacob und Holzhausen, Wien. – Die Planungen zu dieser »Ausgabe letzter Hand« reichen bis in die 1840er Jahre zurück, die Korrespondenz zwischen dem Dichter und seinem Verleger in Hamburg verdeutlichen die sorgfältigen Planungen, die Heine diesem Projekt widmete. – Enthält »Reisebilder« (Bände 1–2), »Englische Fragmente« (3–4), »Über Deutschland« (5–7), »Französische Zustände« (8–11), »Über Ludwig Börne« (12), »Vermischte Schriften« (13–14), »Dichtungen« (15–18) und »Briefe« (19–21). Band 21 (hier etwas abweichend gebunden) enthält die nachgelieferten Bogen 28/29 (»Nachträge« und Vorwort von 1867). – Mit dem zweiten von zwei Supplementbänden: »Memoiren« und neugesammelte Gedichte, Prosa und Briefe. Herausgegeben von Eduard Engel. 1884.

17,2 : 11,4 cm. – Kanten leicht berieben, bei Band 21 stark. – Exlibrisstempel.

Goedeke VIII, 563, 107. – Willem/Galley I, 3. – HSS036

254  Friedrich Hölderlin. Sämmtliche Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Herausgegeben von Christoph Theodor Schwab. Erster [und] Zweiter Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1846. Spätere Pappbände mit Rückenschild.

Erste Werkausgabe. – Auf besserem Papier. – Band I enthält die Gedichte und »Hyperion« sowie den Erstdruck von großen Teilen des »Empedokles«, Band II zahlreiche Erstdrucke (Briefe, Jugendgedichte, Gedichte aus der Zeit des Irrsinns) sowie die frühe und umfangreiche Lebensbeschreibung des Dichters, verfasst vom Sohn Gustav Schwabs. Dieser bewirkte drei Jahre nach dem Tod des Dichters mit dieser ersten Werkausgabe, nach mehrjährigem Sammeln der verstreuten und oft noch ungedruckten Texte, eine breitere Anerkennung Hölderlins.

20,1 : 12,5 cm. XIV, [2], 213, [3], 148, [2]; VI, 352, [2] Seiten. – Einige Seiten schwach stockfleckig.

Goedeke V, 472, 4. – Seebaß S. 13. – Kat. Hirschberg 38

255  [E. T. A. Hoffmann]. Nachtstücke,

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 400

herausgegeben von dem Verfasser der Fantasiestücke in Callots Manier. Erster [und] Zweiter Theil. Berlin, Realschulbuchhandlung 1817. Pappbände der Zeit mit Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Band I erschien, vordatiert, bereits zur Michaelismesse 1816, Band II im November 1817. – Hoffmann hoffte, mit dem Verweis auf die »Fantasiestücke« von 1814/15 an deren großen Erfolg anzuknüpfen. Der Sammlung, die u. a. auch Hoffmanns berühmte Erzählung »Der Sandmann« enthält, war allerdings kein Erfolg beschieden: Nur diese eine Ausgabe erschien zu Lebzeiten des Dichters. – »Die Nachtstück-Manier bezieht sich bei Hoffmann vor allem im übertragenen Sinn auf die wichtigen Themen dieser Sammlung, die Nachtseite der Psyche, das Grauenvolle, Unheimliche, auf traumatische Erlebnisse, Wahnideen und die Frage der Heilung der psychisch Kranken« (KNLL VII, 959).

19,0 : 11,5 cm. [2], 321, [1]; [2], 374 Seiten. – Gelenke von Band 1 restauriert, Kanten von Band 2 beschabt. – Leicht stockfleckig.

Goedeke VIII, 489, 29. – Salomon 82. – Slg. Borst 1276

256  Jean Paul. Eigenhändiger Brief.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

[Bayreuth ohne Datum]. Eine Seite.

An den Gymnasialprofessor Lorenz Heinrich Wagner, den Lehrer seiner Kinder Max und Emma, dem Jean Paul zwei Flaschen Wein sendet. – »Ich kann es nicht lassen – und wenn Sie des Henkers würden – daß ich Max u. Emma schicke, damit diese aus jenes Taschen zwei herrliche Ellipse-Brennpunkte, nämlich zwei Weinproben eines noch bessern Steinweins herausziehen, als der vorherige gewesen. Versuchen Sie und Ihre im Kopieren Ihrer (der geistigen u. der leiblichen Ebenbilder) so fleißige Gattin unter dem Essen die Probe«. – Auf der rückseitigen Adress-Seite der Zusatz »Mit einem doppelten Dualismus«. – Abgedruckt in Jean Paul Briefe VIII, 526.

10,5 : 17,0 cm. – Leicht geknittert. Gerahmt.

257  Jean Paul. Vorschule der Aesthetik,

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

nebst einigen Vorlesungen in Leipzig über die Parteien der Zeit. Erste [bis] Dritte Abtheilung. Hamburg, Friedrich Perthes 1804. Drei Pappbände der Zeit mit Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Jean Pauls (1763–1825) große kunsttheoretische Schrift, eine philosophisch reflektierte Theorie der modernen Dichtung, bündelt Überlegungen über die Prinzipien der Kunst, den Gegensatz zwischen Klassik und Romantik, die Wirkungsweisen von Humor, Ironie und Witz. – Band 1 abweichend gebunden.

Ca. 16 : 10 cm, Band 1 etwas kleiner. – Einbände berieben. Exlibris in I, Titelblätter von II und III gestempelt.

Goedeke V, 465, 18. – Berend/Krogoll 18a

258  Jean Paul. Politische Fastenpredigten

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 150

während Deutschlands Marterwoche. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1817. Pappbändchen der Zeit mit rotem, reich vergoldetem Rücken und marmorierten Deckeln.

Erste Ausgabe. – Enthält den Erstdruck von »Nachsommervögel gegen Ende des Jahres 1816«, die übrigen vier Beiträge erschienen bereits 1810–1812.

17,2 : 10,8 cm. XVI, 264 Seiten. – Vordergelenk mit kleiner Fehlstelle. – Besitzvermerk auf Titel und Vorsatz. Vereinzelte winzige Stockflecken.

Goedeke V, 465, 32. – Berend/Krogoll 30

259  Jean Paul. Sämmtliche Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 260

65 in 27 Bänden. Berlin, G. Reimer 1826–1838. 24 Pappbände der Zeit mit Marmorpapierbezug und Rückenschild und drei Halbleinenbände.

Erste Gesamtausgabe. – Erste bis Dreizehnte Lieferung, Teile I bis LXV. – Die Werkausgabe erschien als Ausgabe letzter Hand zunächst zügig bis 1828, die abschließenden fünf Bände mit dem literarischen Nachlass des 1825 verstorbenen Dichters wurden dann aber erst ab 1836 von seinem Neffen R. O. Spazier und von E. Förster herausgegeben. Durch die Unterbrechung des Erscheinens sind vollständige Ausgaben relativ selten. – Im Ganzen gut erhalten, die letzten drei Bände (mit den Nachlasstexten) hier abweichend gebunden.

17,8 : 11,3 cm; 18,9 : 11,5 cm. – Kanten leicht berieben. – Vereinzelt gering stockfleckig, die letzten drei Bände stärker und gebräunt.

Goedeke V, 466, 38 und 41. – Berend/Krogoll 169a und 652a

260  Immanuel Kant. Critik der reinen Vernunft.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Zweyte hin und wieder verbesserte Auflage. Riga, Johann Friedrich Hartknoch 1787. Gelber Pappband der Zeit mit Rückenschild.

Zweite Ausgabe, Erstdruck der endgültigen Fassung. – Nach der Erstausgabe hatte Kant sich entschlossen, schon in der Vorrede den Grundgedanken seines Werkes ausführlicher zu erläutern. Mit allen anderen Zusätzen und Änderungen bildet diese zweite Auflage die Grundlage für alle späteren Ausgaben. – Die erste der drei »Kritiken« Kants gilt als eines der einflussreichsten Werke der Philosophiegeschichte und markiert den Beginn der modernen Philosophie. Es folgten die »Kritik der praktischen Vernunft« und die »Kritik der Urteilskraft«.

20,1 : 12,5 cm. XLIV, 884 Seiten. – Beschabt und etwas bestoßen. – Durchgehend etwas stockfleckig.

Warda 60. – Adickes 46. – Slg. Borst 417 Anmerkung. – Goedecke V, 3, 6

261  Immanuel Kant. Anthropologie in pragmatischer Hinsicht abgefaßt.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Königsberg, Friedrich Nicolovius 1798. Pappband der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – In seiner letzten selbst herausgegebenen Schrift behandelt Kant, was der Mensch »als frei handelndes Wesen aus sich selber macht, oder machen kann und soll«.

19,8 : 12,5 cm. XIV, [2 leere], 334, [2 leere] Seiten. – Einband etwas berieben.

Warda 195. – Adickes 98. – Slg. Borst 814

262  Gottfried Keller. Der grüne Heinrich.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 560

Roman. In vier Bänden. Braunschweig, Friedrich Vieweg und Sohn 1854–1855. Etwas spätere Leinenbände mit Rückenvergoldung und Deckelverzierung in Blindprägung.

Erste Ausgabe der Urfassung. – Gottfried Keller überschritt den selbstgesteckten Liefertermin des Manuskripts an Vieweg um ganze fünf Jahre. »In fabelhafter Langsamkeit ließ er diesen Roman reifen.« Nach Fertigstellung lief der Absatz des Buches schleppend, statt Bezahlung ließ Kellers Verleger ihm Restexemplare in seine kärgliche Wohnung in Zürich liefern und es ist überliefert, dass der in ärmlichsten Verhältnissen lebende Autor seinen Ofen mit den ungebundenen Büchern heizen musste – ein Grund für die große Seltenheit dieses großen Bildungsromans der deutschen Literaturgeschichte. – Sehr sauberes Exemplar, fast fleckenfrei.

17,0 : 11,3 cm. – Ecken teils minimal bestoßen, Buchblöcke etwas verzogen. – Goldgeprägter Vorbesitzername auf den Rücken.

Zippermann 10

263  Heinrich von Kleist. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Herausgegeben von Ludwig Tieck. Erster [bis] Dritter Theil. Berlin, G. Reimer 1826. Pappbände der Zeit mit goldgeprägten Rückenschildern.

Erste Gesamtausgabe der Werke Kleists, der dadurch auch im Ausland bekannt wurde. – Ludwig Tieck hatte 1821 bereits Kleists »Hinterlassene Schriften« publiziert. Nun folgten die bis dato nur einzeln erschienenen fünf Dramen (»Die Familie Schroffenstein«, »Amphitryon, nach Molière«, »Penthesilea«, »Das Käthchen von Heilbronn« und »Der zerbrochene Krug«) und die Erzählungen aus den beiden Bänden von 1810/1811.

18,5 : 12,0 cm. LXVI, 330; [2], 418; [4], 340 Seiten. – Kanten berieben, Ecken bestoßen. Bezugspapier an den Gelenken etwas gelöst. – Buchhändlermarken auf den Vorsätzen.

Goedeke VI, 104, 13. – Sembdner 41. – Slg. Borst 1497

264  Adolph Freiherr Knigge. Die Reise nach Braunschweig;

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

ein comischer Roman. Hannover, Christian Ritscher 1792. Marmorierter Pappband der Zeit.

Erste Ausgabe, selten. – »Die Reise nach Braunschweig« beschreibt die Reise einer kleinen Gesellschaft aus dem fiktiven Ort Biesterberg bei Hannover, um den ersten bemannten Ballonaufstieg durch Jean-Pierre Blanchard am 10. August 1788 vom August-Bollwerk in Braunschweig mitzuerleben.

16,8 : 10,3 cm. [6], 248 Seiten. – Leicht bestoßen und beschabt. – Titel und vereinzelte Blätter minimal stockfleckig.

Goedeke IV/1, 616, 23. – Slg. Borst 672

265  [Johann Karl August] Musäus. Volksmärchen der Deutschen.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

Mit einem Vorwort von Friedrich Jacobs. Neue Auflage. Erstes [bis] Fünftes Bändchen [in einem Band]. Gotha, Ettinger 1838. Mit fünf Titelvignetten. Kalblederband der Zeit mit Rückenschild, vergoldeten Fileten und Wappensupralibros auf den Deckeln.

Eine umfassende Kollektion volkstümlicher Erzählungen. Johann Karl August Musäus (1735–1787), Schriftsteller und Philologe, sammelte Zeit seines Lebens Märchen, Sagen und Legenden. Zunächst in fünf Einzelbänden erschienen, wurde die Sammlung posthum als Gesamtausgabe erneut herausgegeben. – Der Einband mit Wappensupralibros der schottischen Society of Writers to the Signet, die 1594 gegründet wurde. – Dazu: Musäus’ Volksmärchen der Deutschen mit Zeichnungen von Ludwig Richter. München, Hugo Schmidt 1919. Originalhalblederband mit Rückenvergoldung.

14,7 : 11,3 cm. – Untere Ecken bestoßen, Ränder leicht berieben. Gelenke gebrochen, innen mit Klebeband hinterlegt. – Exlibris.

Goedeke IV/I, 580, 5

266  Philipp Otto Runge. Hinterlassene Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Herausgegeben von dessen ältestem Bruder. Erster [und] Zweyter Theil. Hamburg, Friedrich Perthes 1840/41. Mit einem gestochenen Porträt, sieben teilweise gefalteten lithographischen Tafeln von Otto Speckter und einem gefalteten Notenblatt. Marmorierte Pappbände der Zeit mit schwarz-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Die Originalbroschurumschläge sind eingebunden. – Die bis heute einzige maßgebliche Ausgabe enthält u. a. Runges Briefwechsel mit Goethe über die Farbenlehre, seine plattdeutschen Märchen »Machandelboom« und »Der Fischer un syne Frau« und im zweiten Band den von seinem Bruder Johann Daniel Runge verfassten Lebenslauf.

21,8 : 14,6 cm. [4], 435, [1] Seiten, 7 Tafeln; XII, 552, [2] Seiten, 2 Tafeln. – Kanten berieben. – Gebräunt und stockfleckig.

Goedeke VI, 48, 2. – Slg. Borst 1901. – Rümann 2177

267  [Friedrich] Schiller. Sämmtliche Werke mit Stahlstichen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Erster [bis] Zwölfter Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1835–1836. Mit 13 Stahlstich-Frontispizen nach Rethel, Kaulbach Schroedter u. a. Halbpergamentbände der Zeit mit Rückenschild.

Großoktavausgabe, erstmals mit den prächtigen Stahlstichen zu den Werken und den Porträts von Friedrich und Charlotte von Schiller. Zuerst 1812–15 von Schillers Freund und Gönner Christian Gottfried Körner herausgegeben, dessen »Nachrichten aus Schillers Leben« und Biographie »Charlotte von Schiller« hier wiederum enthalten sind. – Auf besserem, weißen Papier.

20,4 : 13,3 cm. – Kanten berieben. – Die Stiche gebräunt und stockfleckig.

Goedeke V, 142, K. – Marcuse 19

268  J[ohann] G[ottfried] Seume. Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Braunschweig und Leipzig [Dresden, Hartknoch] 1803. Mit gestochenem Frontispiz und gestochenem Titel mit Vignette von Julius Schnorr von Carolsfeld. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe. – Johann Gottfried Seume (1763–1810) arbeitete damals als Korrektor in der Druckerei seines Freundes Göschen im sächsischen Grimma. »Von dort aus machte er in einer an Reisebeschreibern noch armen Zeit 1802 seinen berühmten Spaziergang nach Syrakus. […] Seine Schriften […] haben mehr vom persönlichen und politischen, als vom dichterischen Standpunkte aus Bedeutung« (Goedeke). Teile seiner Reisebeschreibung erschienen bereits vorab in Wielands »Neuen Teutschen Merkur«. – Breitrandiges Exemplar auf leicht bläulichem Papier.

21,8 : 13,0 cm. 2 Kupfer, [III–]XVI, 491, [5] Seiten. – Einband berieben und bestoßen. – Vorderer Innendeckel mit Notizblatt überklebt. Leicht gebräunt und teils etwas stockfleckig.

Goedeke V, 419, 10. – Slg. Borst 958

269  J[ohann] G[ottfried] Seume. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Herausgegeben von J. P. Zimmermann. Erster [bis] Fünfter Band [in drei Bänden]. Wiesbaden, Schellenberg 1823–1826. Halblederbände der Zeit mit Rückenschild- und Vergoldung.

Erste Gesamtausgabe. – Der junge Seume brach sein Theologiestudium in Leipzig ab, um nach Paris zu gehen. Bedauerlicherweise war die Reise bereits bei Erfurt zu Ende, da er von Werbern des hessischen Landgrafen gefangen und als Soldat gegen die nordamerikanischen Unabhängigkeitsarmee kämpfen musste. Nach seiner Rückkehr ereilte in gleiches Schicksal nochmals, den preussischen Werbern entkam er aber durch eine für ihn geleistete Kaution. Nach Studienabschluss und Militärdienst in Russland arbeitete er als Korrektor bei seinem Freund Göschen in Grimma. 1802 erschien sein berühmter »Spaziergang nach Syrakus«.

19,3 : 12,0 cm. – Vorsätze, erste und letzte Seiten etwas stockfleckig. Titelblätter rückseitig mit Bibliotheks- und Dublettenstempel.

Goedeke V, 420, 19 (zählt nur 4 Bände)

270  Johann Heinrich Voss. Luise.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 130 ( R7 )

Ein lændliches Gedicht in drei Idyllen. Auswahl der letzten Hand. Königsberg, Universitäts-Buchhandlung 1823. Mit gestochenem Titel mit Vignette und vier Kupfertafeln, alle von W. Jury nach Daniel Chodowiecki. Pappband der Zeit mit rotem, vergoldetem Rücken und geflammten Buntpapierbezügen.

Seit 1795 wiederholt aufgelegtes Werk, mit dem es Voss gelang, »die Idylle als literarische Kunstform mit neuem Gehalt zu erfüllen« (KNLL XVII, 291). Voss erwähnt bewundernd den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn (›Der hätte den Göttlichen nimmer gekreuzigt‹) und spielt auf Lessings Ringparabel an. – Schönes und breitrandiges Exemplar auf leicht bläulichem Papier. – Rücken mit goldgeprägtem Namen der Vorbesitzerin »Wilhelmine Philipp«.

18,0 : 12,0 cm. [6], 352 Seiten, 5 Kupfer. – Einband mit kleinen Schabstellen, Vordergelenk etwas brüchig. – Vereinzelte Stockflecken.

Goedeke IV/1, 1071, 24. – Engelmann 839-841. – Vgl. Rümann 1195 (so erst 1826)

271  Zacharias Werner. Sämmtliche Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Aus seinem handschriftlichen Nachlasse herausgegeben von seinen Freunden. Erster [bis] Dreizehnter Band [in sechs Bänden]. Grimma, Verlags-Comptoir [um 1845]. Grüne Lederbände der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung.

Undatierte Titelauflage der 1840/41 erschienenen »Ausgewählten Schriften« mit den poetischen und dramatischen Werken sowie ausgewählten Predigten. – Friedrich Ludwig Zacharias Werner (1768–1823), preußischer Dichter und Dramatiker, war Freimaurer, konvertierte 1811 zum Katholizismus und wurde 1814 zum Priester geweiht. Auch wenn Werner als hochbegabter Dramatiker galt, bezeichnete Goethe 1828 dessen Leben und Werk als einen »Complex von Vorzügen, Verirrungen, Thorheiten, Talenten, Mißgriffen und Extravaganzen, Frömmlichkeiten und Verwegenheiten«. – Die »Ausgewählten Schriften« wurden durch Hitzigs Werner-Biographie ergänzt.

15,8 : 10,7 cm. – Kanten leicht berieben. Rücken minmal verfärbt, einer mit kleiner Kratzspur. – Teils etwas gebräunt und mit wenigen Stockflecken. Exlibris.

Goedeke VI, 95,18

272  C[hristoph] M[artin] Wieland. Geschichte des Agathon.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Erster [bis] Dritter Theil. Leipzig, Goerg Joachim Göschen 1794. Mit drei gestochenen Frontispizen nach Heinrich Ramberg. Grüne Halblederbände der Zeit mit dezenter Rücken- und Deckelkantenvergoldung.

Erste Ausgabe der endgültigen Fassung. – Erschien als Band 1–3 der »Sämmtlichen Werke«, hier in der großformatigen »Fürstenausgabe« auf weißem Velin mit den Rambergschen Kupfern.

30,0 : 22,0 cm. 10, XXVI, 249, [1]; VI, 250, [2]; VI, 328 Seiten; 3 Kupfer. – Minimal berieben. – Vereinzelt, meist nur in den Rändern, leicht stockfleckig.

Goedeke IV/1, 568, 158, 1/3. – Günther/Zeilinger 2. – Rümann 1264

273  Christoph Martin Wieland. Sämmtliche Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 260

Erster [bis] Acht und Dreyssigster Band [von 39]. – Supplemente. Erster [bis] Sechster Band. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1794–1805. Marmorierte Halblederbände der Zeit mit goldgeprägten Rückenschildern.

Erste Gesamtausgabe; sie verkörpert Wielands definitive Entscheidung über die Gestalt seiner Werke. – Die »wohlfeile« Ausgabe erschien zunächst in 30 Bänden und sechs Supplementen, die Folgebände 31–38 beinhalten nach 1799 Erschienenes. – Ohne den abschließenden Band 39 (»Menander und Glycerion / Krates und Hipparchia«), der erst 1811 erschien.

17,5 : 11,0 cm. – Die meisten Rückenschilder verblasst.

Vgl. Goedeke IV/1, 568ff., 158, 166, 167, 170, 181 und 183. – Günther/Zeilinger 2. – Hayn/Gotendorf VIII, 414

274  E[berhard] A[ugust] W[ilhelm] von Zimmermann. Taschenbuch der Reisen,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

oder unterhaltende Darstellung der Entdeckungen des 18. Jahrhunderts, in Rücksicht der Länder, Menschen und Productenkunde. Für jede Klasse von Lesern. Erster Jahrgang für das Jahr 1802 [bis] Vierzehnter Jahrgang [in 20 Bänden]. Leipzig, Gerhard Fleischer [1801]–1819. Mit zahlreichen, teils gefalteten Kupfertafeln und Karten. 17 Originalpappbände mit gestochenen Deckelbordüren, drei Pappbände der Zeit.

Vollständige Folge der Reihe, die bis zum Jahrgang XII (1813) durch vier Doppelbände insgesamt 16 Bände umfasste. Zwei weitere, 1814 und 1815 noch von Zimmermann selbst herausgegebene Bände ohne Verlegernamen und in dürftigerer Ausstattung, wurden seltsamerweise als 15. und 16. Bändchen bezeichnet. Folgerichtig, wenn auch verspätet, erschienen 1817 und 1819 dann die Jahrgänge XIII und XIV, herausgegeben von F. Rühs und H. Lichtenstein, als 17. und 18. Bändchen. Über derartigen editorischen Verwirrspielen sollte der Reiz der Reihe mit ihren mehr als 200 Kupfern nicht vergessen werden. Dargestellt werden Landschaften, Eingeborene, Tiere und Pflanzen, geologische Erscheinungen und Ereignisse, ergänzt um einige gefaltete Karten. Band 1 auf den Innendeckeln mit zwei Kupfern. – E. A. W. Zimmermann (1743–1815) war ein Universalgelehrter, dem der praktische Nutzen seiner Forschungen stets bedeutsam war. Nach seinen Reisen, für die er stets ausreichende Geldmittel erhielt, »suchte er Geographie und Handelswissenschaft, Geogenie und Naturwissenschaft zu verbinden und für das praktische Leben nutzbar zu machen.« Nachdem er 1801 auf eigenen Wunsch von seiner Lehrtätigkeit entbunden worden war, konnte er sich ganz seinen eigenen Forschungen und Publikationen widmen. – So vollständig nicht häufig zu finden.

Ca. 13,5 : 9,0 cm, einige abweichend. – Mehr oder weniger berieben, alle leicht bestoßen. – Leicht gebräunt und stockfleckig, insgesamt aber recht hübsch. Die beiden Jahrgänge 1814/15 mit Stempeln auf den Titelblättern.

Engelmann I, 117. – ADB XLV, 256ff

275  Charles Sealsfield [Karl Postl]. Gesammelte Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Erster [bis] Fünfzehnter Theil. Stuttgart, J. B. Metzler 1845–1847. 14 Leinenbände der Zeit mit etwas Rückenvergoldung.

»Originalausg. und inhaltlich bisher vollständigste Werkausgabe« (Hagen). Alle Texte in der maßgeblichen dritten Auflage letzter Hand. – Der Erzähler und Journalist Charles Sealsfield (1793–1864, eigentlich Carl Magnus Postl) flüchtete (aus ungeklärten Gründen) 1823 in die USA. Als Redakteur des New Yorker »Courrier des Etats Unis« reiste er 1831 nach Paris und London und traf dort Scott, Börne und Heine. Ab 1832 lebte er, unterbrochen von neuerlichen Aufenthalten in den USA, in der Schweiz. Sealsfield beschrieb als erster deutschsprachiger Autor, eingebettet in abenteuerliche Handlungen, das Heranwachsen der Vereinigten Staaten von Amerika. »In Sealsfield ist etwas vorgebildet und nichts Geringes: der deutsche Amerikaner. Die Seele ist deutsch, aber durch eine fremde große Schule durchgegangen. Er reiht sich an die andern, und ist doch besonders. Haben sie ihn drüben vergessen, so ist es traurig, hier durfte er nicht fehlen, er erzählt in einer Weise, daß keiner ihn vergißt, der ihm einmal zugehört hat.« (Hugo von Hofmannsthal).

15,5 : 10,5 cm. – Etwas berieben, Rücken leicht verfärbt. – Stellenweise etwas braunfleckig.

Goedeke XV, 630, 338. – Hirschberg S. 385. – Hagen Handbuch 1

276  Alexander von Humboldt. Ansichten der Natur,

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 2600

mit wissenschaftlichen Erläuterungen. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage. Erster [und] Zweiter Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1849. Rote Halblederbände der Zeit mit reicher Rückenvergoldung. – Widmungsexemplar.

Erstdruck der endgültigen Fassung, gegenüber der vorherigen auf den fast doppelten Umfang erweitert. – Zweites Vorblatt mit eigenhändiger Widmung »Dem thätigen Sprachforscher Herrn Tit. Rath Wilhelm Wald zu freundlichem Andenken und in dankbarer Erinnerung an die sibirische Expedition von 1829 die ich auf die allerhuldreichste Aufforderung Sr. Maj. des Kaisers Nicolaus unternommen habe. Alexander v. Humboldt, Berlin 27. Sept. 1854«. – Auf glattem Velin. – Vier Jahrzehnte nach der Erstausgabe und aus Anlass seines 80. Geburtstages gelang es Humboldt, »eine dritte Ausgabe meiner Schrift zu vollenden und dieselbe nach den Bedürfnissen der Zeit ganz umzuschmelzen. Fast alle wissenschaftlichen Erläuterungen sind ergänzt oder durch neue, inhaltsreichere ersetzt worden.« Besonders beeinflusst und erweitert wurden Humboldts Ansichten durch seine Expedition in das nördliche Asien 1829.

17,8 : 11,2 cm. XVIII, 362, [2]; [4], 407, [1] Seiten. – Einbände berieben, leicht bestoßen und etwas fleckig, vorderes Innengelenk von Band I gebrochen. – Durchgehend etwas gewellt und mehr oder weniger wasserrandig.

Fiedler/Leitner 3.3. – Goedeke VI, 261, 10. – Vgl. Fischer, Cotta 648 und 1618

277  Alexandre Verschaffelt. Nouvelle Iconographie des Camellias,

Schätzpreis/Estimate: € 18000

Ausrufpreis/Starting bid: € 12000

contenant les figures et la [Tome 1: une court] description des plus rares, des plus nouvelles, et des plus belles variétés de ce genre. Tome I [– XIII]. Gent, Auguste van Geert [und ab Band 2]: Alexandre Verschaffelt 1848–1860. Mit 624 kolorierten Lithographien. Acht unterschiedliche Halblederbände, meist der Zeit.

Erste Ausgabe. – Das umfangreichste Werk zu der im Europa des 19. Jahrhunderts besonders beliebten ostasiatischen Pflanzengattung der Kamelien. Deren Benennung erfolgte durch Carl von Linné zu Ehren des Jesuitenpaters Georg Joseph Kamel, der im 17. Jahrhundert die »Camellia japonica« nach Spanien brachte. – Vollständiges Exemplar mit allen 624 prachtvoll und nuancenreich kolorierten Lithographien von G. Severeyns und L. Stroobant nach B. Leon, A. Lagarde, G. Severeyns sowie P. Stroobant. Jede Tafel mit einem erläuternden Textblatt. Alle Jahrgänge mit Inhaltsverzeichnis, zwölf mit je zwei Titelblättern. Mit der Einleitung von Auguste van Geert. – Die beiden Verleger waren europaweit bekannte Pflanzensammler in Gent. – Vollständige Exemplare des schönen Pflanzenwerkes sind sehr selten, das vorliegende wurde vom Vorbesitzer über Jahre aus fünf voneinander abweichend gebundenen »Quellen« zusammengestellt. Insgesamt gut erhalten. – Beigabe: New Iconography of the Camelias. Translated by E. A. McIlhenny. 1945. Im Eigenverlag erschienene englische Übersetzung der französischen Erläuterungstexte. Mit einem alphabetischen Gesamtregister.

Ca. 26 : 19 cm. – Leicht berieben und beschabt, stellenweise stärker, zwei Gelenke eingerissen. Einbände der Doppelbände 1850/51 und 1852/53 vertauscht. – Teils etwas fleckig und vereinzelt mit kleinen Läsuren. – Einige Innengelenke gebrochen, ein Vorsatzblatt und Vortitel lose, der Zwischentitel zu Band III (1850) fehlt.

Pritzel 9743. – Nissen 2056. – Sitwell-Blunt 85