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Bücher des 17.-19. Jahrhunderts | Hesse-Auktionen
Bücher des 17.-19. Jahrhunderts

596  [Catholische] Bibell,

€ 600

Das ist, alle Bücher Alts und News Testaments, nach Alter in Christlicher Kyrchen gehabter Translation trewlich verteutscht vnd mit vielen heilsamen Annotaten erleucht, durch Johan Dietenberger. […] Corrigiert und gebessert, mit schönen kunstreichen figuren geziert, und fleissiger dann je vorhin außgangen. Köln, Arnold Quentel 1618. Mit großer Holzschnitt-Titelbordüre und zahlreichen Textholzschnitten. Pergamentband der Zeit mit Blindprägung in Platten- und Rollenstempel und zwei Messingschließen.

Einer der zahlreichen Nachdrucke der Dietenberger-Bibel. – Diese katholische Übersetzung war erstmals 1534, also zeitgleich mit Luthers Übersetzung und als Erwiderung derselben erschienen. Im Gegensatz zu der drei Jahre später folgenden Übersetzung von Johannes Eck, die stark bayerische Züge trug, verbreitete sich Dietenbergers oberdeutsche Fassung außerhalb Bayerns und Österreichs rasch und erforderte häufige Nachdrucke. – Die kleinen Textholzschnitte (je 5,7 : 6,6 cm.) im AT überwiegend mit dem Monogramm SHF (Nagler, Monogrammisten V, 9 Simon Hüter?), im NT meist mit dem Monogramm HE (Nagler III, 853). – Mit dem Privileg von Kaiser Rudolph II, datiert Prag 1609, das Arnold Quentel für wiederum zehn Jahre den Druck und Vertrieb dieser Bibelübersetzung gestattete. – Gut erhalten.

35,5 : 23,5 cm (folio). [6], 450; 139 (paginiert 138), [1] Blätter. – Einige Lagen stärker gebräunt, teils wasserrandig und etwas stockfleckig, aber vollständig unbeschädigt.

VD17 12:653028Y

597  J[acob] F[riedrich] Ludovici. Sachsen-Spiegel

€ 400

oder Das Sächsische Land-Recht in der Alt-Deutschen, Lateinischen und ietzo gebräuchlichen Hoch-Teutschen Sprache nebst nöthigen Auszügen aus der Glosse … Halle, Waysenhaus 1720. Mit einer gestochenen Titelvignette. Pergamentband der Zeit mit geprägtem Rückentitel.

Erste von J. F. Ludovici besorgte Ausgabe des bedeutenden deutschen Rechtsbuchs. – Eike von Repgow (um 1180/90–nach 1232) verfasste um 1220 den Sachsenspiegel in lateinischer Sprache. Das Rechtsbuch spiegelt die ungeschriebenen Rechtsgewohnheiten der Gerichtspraxis und des täglichen Rechtsverkehrs wider und beeinflusste maßgebend andere Rechtsbücher, erstmals wurde er 1474 in Basel gedruckt. – Der vierspaltige Druck stellt die ältere Augsburgische Edition, die Zobelsche von 1614, die lateinische und die hochdeutsche Fassung gegenüber. – Sehr schönes Exemplar.

21,4 : 17,5 cm. [8], 63, 656, [144], 115, [9] Seiten.

598  Hansen Lencker. Perspectiva,

€ 2500 ( R7 )

in welcher ein seichter Weg allerley ding es seyen Corpora Gebew und was müglich in Grund zulegen ist, verruckt oder unverruckt, durch gar geringe Instrument in die Perspectiv zubringen, gezeichnet wirdt: … Ulm, Johann Meder für Stephan Michelspacher 1617. Mit gestochenem Titelblatt, gestochenem Porträt, Holzschnitt-Zwischentitel und elf Holzschnitten, davon zehn blatt- und einer doppelblattgroß. Neuerer Halblederband mit Marmorpapierbezug.

Dritte Auflage des erstmals 1571 erschienenen Werkes. – »Sampt einer vorgehenden gleichwol kurtzen, doch gründtlichen und verstendtlichen Einleitung zum Verstandt derselbigen. Allen künstlichen Handwerckern, und sonderlich den Baw: und Werckmeistern, auch Mahlern, Goldtschmiden, Bildhawern, Steinmetzen, Schreinern und allen denen, so sich des Circkels und Richtscheits gebrauchen, zu sonderem gefallen Nutz unnd Vortheil an Tag gegeben«. – Hansen Lencker (um 1523–1585) gehörte zu den führenden Goldschmieden von Nürnberg, betätigte sich aber auch als Perspektivtheoretiker. Er erfand ein optisches Instrument und verfasste zwei Lehrbücher, in denen er diese Wissenschaft auf geometrischer Grundlage begründete.

32,2 : 21,0 cm. [20], 43 Seiten.

VD 17 39:124801K. – Vgl. Poggendorf I, 1421

599  Architektur – Johann Friedrich Penther. Erster [bis] Vierter Teil einer ausführlichen Anleitung zur Bürgerlichen Bau-Kunst […]

€ 1800

Augsburg, Johann Andreas Pfeffel 1744–1748. Mit 241 meist gefalteten Kupferstichen, davon vier Frontispize, ein Porträt und 236 (statt 237) Falttafeln, sowie fünf gestochenen Textvignetten. Pergamentbände, drei aus der Zeit, einer erneuert, alle mit Rückenschild.

Erste Ausgabe des prächtig illustrierten Werkes. – Gliederung: I. Lexicon architectonicum oder Erklärung der üblichsten […] Kunst-Wörter der bürgerlichen Bau-Kunst. – II. Zwanzig Beispiele von Wohngebäuden, Grundrisse und Aufrisse. – III. Säulen-Ordnungen. – IV. Weltliche Gebäude, Residenz-Schlösser, Bibliotheken, Rathäuser, Lager- und Warenhäuser, Opern- und Ballhäuser u. v. m. – Johann Friedrich Penther (1693–1749) war zunächst Erzieher im Haus der Grafen Stolberg. Später zeichnete er als Baumeister für Kirchenbauten in der Grafschaft verantwortlich, bevor er an der Universität Göttingen als Oberbauinspektor wirkte. – Die Kupfer mit Gesamtansichten (Schloss Versailles, Schloss Ludwigsburg, Hannoveraner Opernhaus, viele Profanbauten) und zahllosen Detaildarstellungen sowie architekturtheoretischen und geometrischen Figuren sind sämtlich am Ende des jeweiligen Bandes an Leerblätter geheftet und eingefaltet. – Insgesamt sehr schön erhaltenes Exemplar.

34,5 : 22,5 cm (Band IV etwas höher). – Band IV wurde neu aufgebunden, die Textseiten vereinzelt etwas fingerfleckig, einige Tafeln mit Wasserrand, leichtern Knittern, zwei mit geklebten Falzeinrissen. – Es fehlt die letzte Tafel 51 in Band III.

British Architect Library 2482: »the most substantial treatise of civil architecture by a German writer«. – Kataog Ornamentstich-Sammlung Berlin 2012–13

600  Gartenbau – J[ohann] E[vangelist] Fürst. Lehr- und Exempel-Buch,

€ 300

worin worin sonnenklar gezeigt wird, wie der Ertrag des geringsten Gutes in kurzer Zeit außerordentlich erhöht werden kann, wenn die Haus-, Feld- und Garten-Wirtschaft … nach den besten Erfahrungen … betrieben werden. Erster [und] Zweiter Theil. Dritte, vermehrte und verbesserte Auflage. Mit Titelkupfer und Vignetchen. Passau, Friedrich Pustet [1821]. Mit je einem Titelkupfer, je einer Titelvignette und zahlreichen Textabbildungen. Marmorierte Pappbände der Zeit mit Rückenschild.

Jeweils mit zweitem Titelblatt: Der verständige Bauer Simon Struf, eine Familien-Geschichte. Allen Ständen zum Nutzen und Interesse, besonders aber jedem Bauer und Landwirthe ein Lehr-und Exempel-Buch. – Der Name des Gartenbau-Pioniers Johann Evangelist Fürst (1784–1846) ist heute nur noch Pomologen und Gartenhistorikern bekannt. Die Ursache der schlechten wirtschaftlichen Situation der Landbevölkerung lag seiner Meinung nach zum großen Teil in veralteten Wirtschaftsmethoden. Da der Beruf des Landwirtes im Gegensatz zu anderen Handwerken kein Lehrberuf war, wurde das Wissen wurde vom Vater an den Sohn weitergegeben, so dass neue Erkenntnisse kaum Eingang in die landwirtschaftliche Praxis fanden. Im Weiler Frauendorf bei Passau plante Fürst auf vier eigenen Höfen die Einrichtung einer landwirtschaftlichen Bildungsanstalt. Dieses Vorhaben wurde nicht umgesetzt, Fürst gründete 1822 die »Praktische Gartenbau-Gesellschaft zu Frauendorf«, 1823 die »Allgemeine deutsche Garten-Zeitung« und 1828 »Der Obstbaum-Freund«. – Innen sehr schön.

17,6 : 11,4 cm. 16, 510 Seiten; [2], X, 496 Seiten. – Einbände berieben, Kanten bestoßen.

601  [Charles-Nicolas] Cochin und [Jérôme-Charles] Bellicard. Observations sur les antiquités d’Herculanum;

€ 200

avec quelques Réflexions sur la Peinture & la Sculpture des Anciens, & une courte description de plusieurs Antiquités des environs de Naples. Second Édition. Paris, Jombert 1755. Mit insgesamt 44 Kupferstichen nach Cochin auf 36 Tafeln, fünf davon gefaltet, acht beidseitig bedruckt. Kalblederband der Zeit mit Rücken- und Schnittvergoldung, vergoldeten Fileten und Bordüren.

Zweite Auflage. – Charles Nicolas Cochin der Jüngere (1715–1790) gilt als einer der bedeutendsten Druckgrafiker und Zeichner des französischen Rokoko. Er schuf zahlreiche Buchillustrationen zu Lafontaine, Rousseau, Tasso, Boccaccio u. a. sowie zahlreiche Bildnisse von berühmter Zeitgenossen. Sein Können brachte ihm die Förderung durch den König ein, 1749–1751 begleitete er den Marquis de Vandières auf einer Italien-Reise. Danach entstand »Observations sur les antiquités d’Herculaneum«, von ihm selbst illustriert. – Unser Exemplar enthält zusätzlich vier bei Cohen/Ricci und Sander nicht erwähnte unnummerierte Kupfer.

16,7 : 10,0 cm. [2], XXXVIII, [6], 104, [2] Seiten, 36 Tafeln. – Ränder schwach berieben, Gelenke stärker.

Cohen/Ricci 245. – Sander 369

602  Antonio-Maria Zanetti. Varie pitture a fresco de’principali maestri Veneziani,

€ 600

ora la prima volta con le stampe pubblicate. Venedig 1760 [1778]. Mit 24 Kupfertafeln von Zanetti sowie einem gestochenen Titel und einem Selbstporträt Zanettis, beide gestochen von Joannes von Plano. Halblederband um 1900 mit goldgeprägtem Rückentitel.

Erste Ausgabe, die aber erst nach dem Tod des Verfassers erschien. – Antonio-Maria Zanetti (1706–1778) war bis zu seinem Tod vier Jahrzehnte lang Bibliothekar der Bibliotheca Nazionale Marciana in Venedig und arbeitete zugleich erfolgreich als Kupferstecher. – Das Tafelwerk enthält 24 Stiche Zanettis nach Giorgone (4), Tizian (3), Jacopo Tintoretto (7), Giovanni Battista Zelotti (5) und Paolo Veronese (5). – Prächtige Drucke in Sepia auf »Drei Monde Imperial«-Bütten. – Mit Nachruf auf den Verfasser und seinem erläuternden Text. – Mit gestochenem Exlibris von William Cavendish-Bentinck (1857–1943, 6th Duke of Portland 1895–1905).

48,5 : 35,0 cm. [2], XII Seiten, 24 Kupferstiche. – Gelenke etwas berieben und brüchig. – Kupfertitel und die letzte Kupfertafel verso etwas stockfleckig, sonst sehr schön.

Katalog Ornamentstichsammlung Kunstbibliothek Berlin 4173

603  Heinrich Mützel. Vorlegeblätter zum Landschaftzeichnen.

€ 300

Viertes Heft enthält zehn ausgeführte Landschaften, entworfen und lithographirt. Berlin, Winckelmann & Söhne [ca. 1834]. Zehn Lithographien nach Zeichnungen. Lose in Originalkartonmappe mit Deckelschild.

Zehn römisch nummerierte Vorlageblätter für den Zeichenunterricht. – Heinrich Mützel (1797–1868), Lithograph und Landschaftsmaler, war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, u. a. arbeitete er auch mit Karl Friedrich Schinkel zusammen.

26,0 : 32,0 cm (Mappenformat). – Mappendeckel fleckig. Mappenflügel eingerissen, einer fehlt. – Ränder der Blätter etwas gebräunt und geknickt (VII stärker), teils größere Feuchtigkeitsflecken.

604  Molière [Jean-Baptiste Poquelin]. Œuvres.

€ 2000 ( R7 )

Nouvelle edition. Tome premier [–] sixième. Paris, Impr. Pierre Prault 1734. Mit einem gestochenen Porträt nach Coypel, 32 (statt 33) Kupferstichen nach François Boucher, gestochen von Laurent Cars und Pierre Quentin Chedel, und 318 gestochenen Vignetten und Initialen, darunter zahlreiche wiederholt verwendete, von Boucher, Blondel und Oppenord. Marmorierte Kalblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung.

Die erste Ausgabe mit den prächtigen Titelkupfern zu den enthaltenen Komödien und Balletten, darunter »Le misantrope«, »Le malade imaginaire«, »Le Bourgeois gentilhomme« und viele andere bekannte Stücke Moliéres. – Hans Fürstenberg schreibt zu diesem »Meisterwerk auf dem Gebiet der Buchillustration […:] In ihrer malerischen Wirkung und ihrer großzügigen Gliederung bilden diese Blätter einen Merkstein, dessen künstlerischer Einfluß gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann« (Fürstenberg 1928, 81). – Mit den Merkmalen des ersten Drucks (Druckfehler »Comteesse« in Band VI und der Einleitung mit LXX statt LXXII Seiten). – Am Ende von Band 6 mit Druckdatum 1733. – Exlibris Ewald und Margret Zapp.

28,5 : 23,0 cm. Kollation wie bei Cohen/Ricci. – Hier ohne das Vortitelblatt von Band 1. Band 5 mit nur fünf Kupfern, so auch in Vergleichsexemplaren lt. KVK, der Band enthält auch nur fünf Stücke. – Einbände an den Kanten berieben, Gelenke etwas brüchig, Kapitale bestoßen. – Teils leicht gebräunt, ganz vereinzelte Lagen mit leichten Feuchtigkeitsspuren.

Brunet III, 1798. – Sander 1368. – Cohen/Ricci 712f »Le chef-d’oeuvre de Boucher, comme illustration; c’est l’un des plus beaux livres de la première partie du XVIIIe siècle«

605  Friedrich der Große, König von Preußen. Brief mit Unterschrift »Fch«.

€ 500

Potsdam, 31. Januar 1753. 1 Seite.

An seinen Vetter, den Prinzen Friedrich Erdmann von Anhalt-Köthen Liebden. – Recht persönlicher Brief in heikler Angelegenheit: Der jüngere Sohn des Fürsten August Ludwig von Anhalt-Köthen hatte den Preußenkönig wohl um Unterstützung und Fürsprache bei seinem Vater gebeten, mit dem Ziel, eine höhere Apanage zu erhalten. Wieso der Prinz bei der Finanzierung seines Regiments in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, wird hier nicht erörtert. Friedrich der Große jedenfalls lehnte das Ansinnen freundlich aber bestimmt ab: »so gern Ich auch sehen und so angenehm es mir seyn würde, wenn Dero Herrn Vater Durchl. belieben wollten, Euer Liebden einige hinlängliche Zulage zu Dero bisher Ihnen accordirten Pension zu geben, Ich Mich dennoch nicht bemächtigt sehe, […] etwas vorzuschreiben, noch von Deroselben etwas zu fordern […] obgleich Ich sonsten Euer Liebden einige Verbeßerung in Dero Umständen gantz gerne gönne. Ich bin übrigens Euer Liebden freundwilliger Vetter F[riedri]ch«. – Interessant ist, dass die finanziellen Schwierigkeiten des Prinzen erst mit seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst (1754) bekannt wurden. – Gut erhalten.

606  Adelbert von Chamisso. Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte.

€ 400

Zweite mit den Liedern und Balladen des Verfassers vermehrte Ausgabe. Nürnberg, Johann Leonhard Schrag 1827. Mit einem gestochen Frontispiz von Fr. Leopold und sechs Kupferstichen nach George Cruikshank von Rosée. Pappband der Zeit mit Marmorpapierbezug und Rückenschild.

Erste illustrierte deutsche Ausgabe, in einer Auflage von nur 750 Exemplaren erschienen und nach fast zweihundert Jahren entsprechend selten. – Gegenüber der ersten Ausgabe von 1814 mit kleinen Textänderungen und, vor allem, um Chamissos erste Gedichtsammlung »Lieder und Balladen« erweitert. – Der englische Künstler Cruikshank hatte 1823 den Schlemihl in der Übersetzung von La Motte-Fouqué illustriert. Diese Illustrationen erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass sie auch für die neue deutsche Ausgabe als Vorlage verwendet wurden. Die ebenso fein gezeichneten wie gestochenen Bilder zur berühmten Geschichte des schattenlosen Schlemihls bilden einen der Glanzpunkte der Buchillustration im 19. Jahrhundert.

17,5 : 10,8 cm. XVI, 213, [3] Seiten. 7 Kupfer. – Durchgehend etwas gebräunt und stockfleckig.

Goedeke VI, 148, 14 b. – Rath 3. – Rümann 257

607  Johann Wolfgang von Goethe. Werke.

€ 1200

Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster [bis] Fünfundfünfzigster Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1827–1833. Dunkelgrüne Halblederbände der Zeit mit Marmorpapierbezug und Rückenenvergoldung.

Die »Großoktavausgabe« aus dem Besitz der Familie Vulpius, den Nachfahren von Goethes Schwager Christian August Vulpius. – Die Werkausgabe vereinte alle noch zu Lebzeiten von Goethe zur Veröffentlichung auswählten Texte sowie die »Nachgelassenen Werke« (hier ohne die Nachlassbände 56–60, die erst 1842 von Eckermann herausgegeben wurden). Die »Großoktavausgabe« wurde gedruckt, nachdem Goethe in den bereits erschienenen Bänden der »Taschenausgabe« Korrekturen vorgenommen hatte. So gilt sie als die textlich zuverlässigere Edition. Die Auslieferung begann erst 1828. Sie erschien in deutlich kleinerer Auflage als die »Kleinoktavausgabe« (3.200 statt 20.000!) und wurde stets wegen ihrer besseren Lesbarkeit und des gefälligeren Erscheinungsbildes geschätzt. Besonders bedeutsam ist die endgültige Fassung von »Faust« in Band 12 und der Erstdruck von »Faust II« in Band 41. – Mit einigen Textholzschnitten (in Band 55 zur Optik), gefalteten Tabellen und einer lithographierten Tafel (in Band 51 zur Geologie). – Insgesamt gut erhalten und sehr dekorativ.

18,7 : 11,5 cm.

Goedeke IV/3, 14, C. – Hagen 24 C3. – Kippenberg 341. – Fischer, Cotta 1770, 1869, 1958 und 2084

608  Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der Weltweisheit Doktor. Differenz des Fichte’schen und Schelling’schen Systems der Philosophie

€ 1200 ( R7 )

in Beziehung auf Reinhold’s Beyträge zur leichten Übersicht des Zustands der Philosophie zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, 1tes Heft. Jena, Akademische Buchhandlung Seidler 1801. Marmorierter Pappband um 1900.

Erste Ausgabe des ersten gedruckten Buches von Hegel, sein »Leben Jesu« von 1795 hat sich nach Goedeke nur handschriftlich erhalten. – Unbeschnitten. – »Am 3. Oktober schreibt Schelling an Fichte, es sei ›dieser Tage ein Buch von einem sehr vorzüglichen Kopf erschienen, das zum Titel hat: Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie, an dem ich keinen Antheil habe, das ich aber auch auf keine Weise verhindern konnte‹. Anders als im Briefwechsel Fichtes und Schellings ist in ihren Schriften von ihrer ›Differenz‹ nicht die Rede. Deshalb erscheinen beide vor dem Publikum […] wie ›Ein Mann‹. […] Öffentlich bekannt werden ihre ›Differenzen‹ erst ab Oktober 1801 durch Hegels Schrift. […] Die ›Differenz-Schrift‹ ist Hegels philosophische Erstpublikation […]« (Jaeschke/Arndt. Die Klassische Deutsche Philosophie nach Kant. München 2012, S. 321 ff.).

22,0 : 14,0 cm. 184 Seiten. – Einband leicht berieben, Hinterdeckel verzogen. Gelenke angeplatzt. – Vorderer Vorsatz und die ersten beiden Blätter mit leichtem Wasserrand.

Goedeke V, 10, 25.2

609  Friedrich Hölderlin. Stuttgarter Foliobuch. – Homburger Folioheft.

€ 200

– Zwei Faksimiles, bei mit Kommentarband. Basel und Frankfurt, Stroemfeld Roter Stern 1989 und 1986. Lose Faksimileblätter im Originalformat und je eine Originalbroschur in Originalleinenkassette.

Je eins von 1806 Exemplaren. – Supplemente II und III zu der von D. E. Sattler herausgegebenen »Frankfurter Ausgabe« von Hölderlins sämtlichen Werken. – Die Faksimiles im Originalformat der Handschriften wurden vom Herausgeber in Zusammenarbeit mit Hans Gerhard Steimer bzw. Emery E. George bearbeitet. – Jeweils mit ausführlichen Anmerkungen und der vollständigen Transkription. – »Unbelastet« von der zwanzigbändigen Werkausgabe kann sich der Hölderlin-Verehrer in die Handschriften des Dichters vertiefen.

35,5 : 22,0 cm bzw. 24,0 : 39,0 cm (168 bzw. 92 Faksimileseiten).

610  [E. T. A. Hoffmann]. Fantasiestücke

€ 500

in Callot’s Manier. Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Enthusiasten Mit einer Vorrede von Jean Paul. Zweite, durchgesehene Auflage in zwei Theilen. Bamberg, F. Kunz 1819. Mit einem Frontispiz. Marmorierte Kalblederbände um 1900 im Stil der Zeit.

Von Hoffmann durchgesehene, maßgebliche zweite Auflage, erstmals mit dem radiertem Porträt von F. C. Rupprecht nach Hoffmanns eigener Zeichnung. – Die illustrierten Originalbroschurumschläge wurden eingebunden.

17,8 : 11,5 cm. [2], XXII, [2], 262 Seiten; 371, [1] Seiten. – Kanten minimale berieben, Rücken etwas aufgehellt – Durchgehend leicht stockfleckig, die unteren Ecken der letzten drei Lagen in Band 2 mit ergänzten Brandstelle (kein Textverlust).

Goedeke VIII, 487, 16 Anmerkung

611  Heinrich von Kleist. Das Käthchen von Heilbronn

€ 600

oder die Feuerprobe ein großes historisches Ritterschauspiel. Aufgeführt auf dem Theater an der Wien den 17, 18. und 19. März 1810. Berlin, Realschulbuchhandlung 1810. Leinenband um 1920, der unbedruckte Originalbroschurumschlag eingebunden.

Erste Ausgabe. – »Nach dem Abdruck einiger Fragmente im ›Phöbus‹ hatte Kleist sein Stück Cotta […] angeboten und sich vergeblich um die Aufführung an deutschen Bühnen angeboten. Als durch den Bruch mit Iffland auch die Hoffnung auf eine Aufführung am Berliner Nationaltheater vereitelt war, bot Kleist es im August 1810 Reimer an, der es gleichzeitig mit den ›Erzählungen‹ noch rechtzeitig zur Michaelismesse herausbrachte. […] Goethe warf das geborgte Exemplar, das ihm sein Sekretär gebracht hatte, mit den Worten ins Feuer: ›Das führe ich nicht auf, wenn es auch halb Weimar verlangt‹.« (Sembdner S. 21). – Die Uraufführung erfolgt 1810 in Wien.

22,3 : 13,8 cm. 198, [2] Seiten. – Einband stärker lichtrandig. – Seiten teils schwach stockfleckig.

Goedeke VI, 102, 6. – Sembdner 8. – Borst 1117

612  Prosper Mérimée. Colomba.

€ 500

Paris, Magen et Comon 1841. Pappband der Zeit mit lilafarbenem Bezugspapier mit floraler Prägung.

Erste Ausgabe, »fort rare de l’une des œuvres le plus célèbres de Prosper Mérimée« (Carteret). – Prosper Mérimée (1803–1870) verkehrte nach einem Studium der Rechtswissenschaften in Pariser Künstler- und Literatenkreisen, u. a. mit Stendhal und Victor Hugo. Als Inspekteur der historischen Denkmäler Frankreichs besuchte er 1839 Korsika. In Fozzano bei Sartène hörte er von der Vendetta, der Blutrache, und besuchte Colomba Bartoli, die damals schon 64jährige Anführerin der »partitu suttanu« (die südliche der verfeindeten Parteien). Die Eindrücke verarbeitete er in »Colomba«, die Erzählung wurde ein Riesenerfolg und sorgt bis heute für Touristenströme in den Gassen von Sartène, die für Mérimée »korsischste aller korsischen Städte«. – Die Ausgabe enthält auch die beiden Novellen »La Vénus d’Ille« und »Les Ames du Purgatoire«. – Sehr schönes Exemplar der gesuchten Originalausgabe.

19,0 : 12,8 cm. [4], 463, [1] Seiten. – Rücken verblasst, Gelenke leicht berieben. – Innen nur vereinzelte Stockflecken.

Carteret II, 144

613  Friedrich von Schiller. Sämmtliche Werke.

€ 300

Erstes [bis] Achtzehntes Bändchen. – Supplemente. Erstes [bis] Siebtes Bändchen. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1822–1826 (Werke) und Leipzig und Weimar, Vogel u. a. 1823–1826 (Supplemente). Mit 25 gestochenen Frontispizen nach Ramberg, Schnorr und anderen und einem gefalteten Faksimile. Blau marmorierte Pappbände um 1900 mit Pergamentkanten und schwarz-goldenen Rückenschildchen.

Die Supplementbände enthalten die Fortsetzungen der »Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung« von Karl Curths (Band I–IV), der »Geschichte des Dreißigjährigen Krieges« von Karl Ludwig von Woltmann (Band V–VI) und die Schiller-Biographie von Heinrich Döring (Band VII). – Hübsche, dekorative Ausgabe, einheitlich gebunden und tadellos erhalten.

13,6 : 9,5 cm.

Goedeke V, 144, St 1 und V, 147. – Trömel/Marcuse 10 und 7

614  Gustave Doré – [Charles] Perrault. Les contes.

€ 600

Dessins par Gustave Doré. Paris, Hetzel · Firmin Didot 1862. Mit 40 Holzstichen und einer gestochen Titelvignette nach Gustave Doré. Späterer roter Ecrasélederband; Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe dieser berühmten Illustrationen. – Eins der wenigen Exemplare auf starkem holländischem Bütten, die Holzstiche hier abgezogen auf dünnes China und aufgewalzt. – Was dem deutschen Publikum Kaulbachs »Reineke Fuchs« und Ludwig Richters »Märchen der Gebrüder Grimm« war, bewirkte Gustave Doré mit seinen kongenialen Zeichnungen zu Perraults Märchen in Frankreich und bald darauf auch in Deutschland: Rotkäppchen, Däumelinchen, der gestiefelte Kater, Aschenputtel, insgesamt neun »Contes des fées« wurden mit großen Holzstichen illustriert. – Mit einer Einleitung von P.-J. Stahl.

45,5 : 32,5 cm. XXIV, 59, [5] Seiten. – Kanten minimal berieben. Vorsätze erneuert.

Carteret IV, 406. – Sander 563

615  Reisebeschreibungen – G[uillaume] A[ntoine] Olivier. Reise durch Persien und Klein-Asien.

€ 400

Auf Befehl der französischen Regierung unternommen. Aus dem Französischen übersetzt von K. L. M. Müller. Zwey Bände. Leipzig, J. C. Hinrichs 1808. Mit insgesamt zehn gefalteten Kupfern, davon zwei Karten. Pappbände der Zeit mit Rückenschild und Wappensupralibro.

Erste deutsche Teilausgabe von Oliviers berühmter »Voyage dans l’empire Othoman« (1801). Guillaume Antoine Olivier (1756–1814, Mediziner und Naturwissenschaftler), bereiste sechs Jahre lang den Vorderen Orient und kehrte 1798 mit einer großen naturhistorischen Sammlung nach Frankreich zurück. 1800 wurde er Mitglied der Académie des Sciences in Paris und zum Professor für Zoologie an der Tierärztlichen Hochschule in Alfort berufen. – Die erste deutsche Gesamtausgabe erschien ab 1802 in Weimar, die vorliegende Müllersche Übersetzung enthält die Ereignisse von der Abreise aus Bagdad im Mai 1796 bis zur Wiederankunft in Paris Ende 1798. Sie bildet die Fortsetzung der bereits in Weimar erschienen ersten beiden Bände mit den Schilderungen aus der Türkei, Ägypten, Syrien und Mesopotamien.

20,6 : 13,0 cm. VI, [2], 318 Seiten, 7 Tafeln; [6], 336 Seiten, 3 Tafeln.

Röhricht 1549. – Fromm 19394. – Chatzipanagioti/Sangmeister 784. – Henze III, S. 646

616  Trachten und Mode – [Louis] M[arie] Lanté. Costumes des Femmes

€ 1500

de Hambourg, du Tyrol, de la Hollande, de la Suisse, de la Franconie, de L’Espagne, du Royaume de Naples, etc.; […] gravés par M. Gatine, et coloriés; avec une explication pour chaque planche. Paris 1827. Mit 100 kolorierten Kupferstichen. Roter Maroquinband der Zeit mit reicher Blindprägung und Vergoldung.

Erste Ausgabe. – Das Tafelwerk enthält Darstellungen von Frauentrachten aus Hamburg (7), Tirol (6), Holland (6), Schweiz und Frankreich (48), Franken (8), Spanien (21) und Italien (4), gestochen von Georges Jacques Gatine, meist nach Zeichnungen von Louis Marie Lanté (1789–1871). Der Aquarellmaler, der Schüler von Vaudoyer war, stellte 1824 auf dem Pariser Salon aus und gewann 1825 in Lille die Silberne Medaille. – Nach Brunet stammen die erläuternden Texte von Pierre de Lamésangère.

33,5 : 24,0 cm. [6], 41, [1] Seiten, 100 Kupfertafeln. – Ränder berieben, Deckel mit kleinen Schabspuren. – Einige Seiten mit kleinen Stockflecken.

Lipperheide Cm4. – Colas 1774. – Brunet III, 795

617  [Louis] M[arie] Lanté. Costumes des Femmes

€ 1000

du Pays de Caux, et de plusieurs autres parties de l’ancienne province de Normandie; […] gravés par M. Gatine, et coloriés; avec une explication pour chaque planche. Paris 1827. Mit 105 kolorierten Kupferstichen und einem kolorierten Kupferstich-Frontispiz. Roter Maroquinband der Zeit mit reicher Blindprägung und Vergoldung.

Erste Ausgabe. – Das Tafelwerk enthält Darstellungen von Frauentrachten aus Regionen der Normandie, gestochen von Georges Jacques Gatine, meist nach Zeichnungen von Lanté. – Der Frontispiz mit dem Titel »Cent cinq Costumes des Départments de la Seine inférieure, du Calavados, de la Manche et de l’Orne. – Das Frontispiz nur mit der Adresse des Verlegers Durand (siehe Colas’ Anmerkungen zu einer zweiten Auflage ohne Textteil). – Angesichts der prächtig kolorierten großen Kupferstiche auf starkem Velin betonte schon Colas: »cette belle suite est rare complet«.

33,5 : 24,0 cm. [2], 46, [2] Seiten, 106 Kupfertafeln. – Ränder berieben, Deckel mit kleinen Schabspuren. – Die ersten und letzten Textblätter stockfleckig, die übrigen Textblätter nur ganz vereinzelt. Die Tafeln sehr gut erhalten.

Colas 1770. – Brunet III, 795. – Nicht bei Lipperheide

618  C[asimiro] Castro, J[uan] Campillo, L. Auda [und] G. Rodriguez. Mexico y sus Alrededores.

€ 5000

Coleccion de vista, trajes y monumentos. Mexico, Decaen Editor 1863/1864 [nach 1865]. Mit 48 Lithographien, davon zwölf koloriert, die übrigen meist getönt oder mehrfarbig gedruckt, auf 44 Tafeln, davon eine als Titel, und einem gefalteten Plan. Leinenband der Zeit mit Titel und Jahreszahl »1867« in Goldprägung.

Die gegenüber der ersten von 1855/57 deutlich erweiterte Ausgabe, datiert auf dem Titelblatt »1863/64«, der gefaltete Plan von Mexiko-Stadt am Anfang des Bandes aber von 1865. Im vorliegenden Exemplar sind drei Lithographien aus der »segunda edicion« enthalten, gegenüber einem Vergleichsexemplar zwei zusätzliche und eine im Austausch. Es gibt Exemplare mit erläuterndem Text und ohne diese 32 Seiten. – W. Michael Mathes bezeichnet Castros imposante Bildfolge als »one of the most significant lithographic productions in the history of art« und zugleich als »the most important work illustrating Mexico in the 19th century«. – Mit Ansichten auf Mexiko-Stadt, Guadalupe, Alameda, Orizava und Veracruz, teils aus der Vogelschau (»taken from a Balloon«), großen Ansichten von Straßen, Plätzen, öffentlichen Gebäuden und Kirchen, mexikanischen Landschaften und Trachten. – Alle Lithographien mit Bildtiteln in Englisch, Spanisch und Französisch.

44,8 : 32,0 cm. – Einband leicht berieben und bestoßen, hinteres Gelenk aufgerissen. – Vorsatzränder spakig, hinteres Vorsatzblatt fehlt, Innengelenke gebrochen. – Durchgehend, teils auch stärker stockfleckig. – Zehn Tafeln papierbedingt stärker gebräunt.

Vgl. Abbey Travel 672. – Lipperheide Md 17 und 18, Colas 547 und Sabin 48590 (alle frühere Ausgaben weniger Lithographien)

619  Alaminos – Corridas de Toros.

€ 500

Dibujado del natural por J. Alaminos en vista de las fotografias de J. Laurent. Madrid, J. Laurent [ca. 1870]. Lithographiertes Titelblatt und 32 farbig lithographierte Tafeln. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Lithographierte Stierkampfszenen mit berühmten Stierkämpfern aus dem Spanien des 19. Jahrhunderts nach Fotografien von Jean Laurent. – Juan Alaminos war ein spanischer Maler, spezialisiert auf Porträt- und Genremalerei. Er schuf eine Vielzahl von Stierkampfszenen und illustrierte verschiedene Werke. Jean Laurent (1816–1886) zählt zu den frühesten spanischen Fotografen und dokumentierte bereits um 1870 seine Heimat.

16,0 : 23,5 cm. 33 Tafeln. – Gelenke und Kapitale berieben. – Exlibris. Kleine Fehlstelle im Titelblatt überklebt.

620  Francisco de Goya [y Lucientes]. Tauromachia.

€ 450

43 Faksimile-Wiedergaben in Kupfertiefdruck. Herausgegeben von Hugo Kehrer. München, Hugo Schmidt 1923. Mit 43 Kupfergravuren. Originalpergamentband mit vergoldetem Rücken- und Deckeltitel und Kopfgoldschnitt.

Eins von 500 Exemplaren. – Druck der Gravuren in der Kunstanstalt J. B. Obernetter, des Textes von F. Bruckmann A. G., beide München. – »Tauromachia« war nach »Caprichos« und »Los Desastres de la Guerra« der dritte und letzte zu Lebzeiten des Künstlers vollendete große Radierzyklus. – Die »Tauromachia«, zunächst als Illustrationen einer Geschichte des Stierkampfes von Don Nicolás Fernández gedacht, erweiterte Goya später, löste sich von der literarischen Vorlage und gab 1816 eine Folge von 33 Blättern heraus. Später erweiterte er die Suite um zusätzliche zehn Radierungen. – Tadellos erhalten.

49,0 : 38,0 cm. 15, [1] Seiten, 43 Tafeln. – Untere Ecken etwas gestaucht.

621  Francisco de Goya y Lucientes. Los desastres de la guerra.

€ 450

Zweiundachtzig Faksimile-Wiedergaben in Kupfertiefdruck nach den Vorzugsdrucken des Kupferstichkabinetts in Berlin. Herausgegeben von Hugo Kehrer. München, Hugo Schmidt 1921. Mit 82 Gravuren. Originalpergamentband mit Vergoldung.

Eins von 500 Exemplaren. – »Einmalige nummerierte Faksimile-Ausgabe«. – Auf Velinkarton gedruckt. – »Die lapidaren Beschriftungen zu den Radierungen […] zeigen den sarkastischen Geist, schließlich die tiefe Verachtung der Menschen und menschlicher Zustände, die Goya am Ende seines Lebens, in Todesnähe, erfüllte. […] In diesen späten Zeichnungen erreicht er menschlich und als Künstler den Rang Rembrandts, nur, daß seine Nöte auch die unseren sind.« (Erhard Göpel, Die Zeit). – Die Schmidt-Editionen kamen den Madrider Originalausgaben in der Druckqualität sehr nahe, da Max Friedländer, Direktor des Berliner Kupferstichkabinetts, die Klischees anhand der hervorragenden Abzüge der Berliner Sammlung verglich und korrigierte. – Mit einer Einleitung und einem Verzeichnis der Bildtitel.

31,5 : 30,8 cm. [4], 13, [1] Seiten, 82 Gravuren. – Deckelränder gebräunt. – Tafeln an den Rändern minimal gebräunt.

622  Meyer’s Universum

€ 1200

oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Erster [bis] 21. Band. Hildburghausen und New York, Bibliographisches Institut 1834–1860. Mit 21 gestochenen Titelblättern, 20 (statt 21) Drucktitelblättern mit Vignette und 989 Stahlstichtafeln. Meist blau marmorierte Pappbände der Zeit.

Vollständiges Exemplar eines der ambitioniertesten Verlagswerke des 19. Jahrhunderts, Bände 1 und 2 in sechster, die übrigen in erster Auflage. – Nachdem der Verleger und Publizist Joseph Meyer gemeinsam mit dem Journalisten Philip Jakob Siebenpfeiffer 1832 mit förderativen Ideen auf dem Hambacher Fest und liberalen Zeitungsprojekten an der Zensur gescheitert war (die seinem Bibliographischen Institut sogleich den Vertrieb jeglicher Zeitung verboten hatte), entwickelte Meyer den Plan, sich in seinem »Universum«, einer »Bildergallerie für alle Stände und jeden Alters«, dennoch politisch äußern zu können. Die Auslieferung erfolgte in Lieferungen so geringen Umfangs, dass die Zensur nicht tätig wurde. »Der Anfangserfolg muss alle Erwartungen übertroffen haben […] ›Meyer’s Universum […] wurde das erfolgreichste periodische Unternehmen des Verlags. […] Da Meyer außer London und Frankfurt nur einige thüringische Orte kannte, schöpfte er die geographischen Informationen aus zeitgenössischen Reise- und Nachschlagewerken. […] Von eigener Prägung sind jedoch die zeitkritischen Exkurse, denen die Veduten oft nur zum Anlaß dienten.« Immer wieder erläuterte Meyer in den Vorreden der Bände die publizistische Situation in Deutschland. – Die Stahlstiche mit Städten, Landschaften, Gebäuden, Naturereignissen, antiken Ruinen u. v. a. – Vollständige Exemplare sind durch die vielfache Vereinzelung der früher als Wanddekoration und Reiseandenken geschätzten Stahlstiche selten geworden.

19 : 27 cm. Zusammen etwa 3000 Seiten, 1010 Stahlstiche. – Vierzehn Bände uniform gebunden, die übrigen abweichend. Alle etwas berieben und meist bestoßen. – Durchgehend mehr oder weniger stockfleckig. – Nicht eingehend kollationiert, kein Rückgaberecht.

Sarkowski, Bibliographisches Institut 6 und 13.31. – Engelmann, Bibliotheca geographica I, 51. – Vgl. Sabin 48674 (amerikanische Lizenzausgabe)

623  Theodor Nöldeke. Neun eigenhändige Briefe und zwei eigenhändige Briefkarten, alle mit Unterschrift.

€ 1500

Zusammen 25 Seiten. 1898–1923.

Briefe des Straßburger Orientalisten Theodor Nöldeke (1836–1930) an den Gelehrten Immanuel Löw (1854–1944), der seit 1878 Rabbiner im ungarische Szeged war. Er erforschte und systematisierte die talmudische und rabbinische Lexikographie und vor allem die biblische Botanik. Während seiner Studien entstand der Kontakt zu Nöldeke, der sich mit semitischen Sprachen und der arabischen, persischen und syrischen Literatur befasste. – 20.9.1898: »Soeben bin ich damit fertig geworden, Ihre Verbesserungen in mein Exemplar des Payne Smith einzutragen«. – Die folgenden Briefe mit vielen Detailerörterungen zu Übersetzungen, Lesarten und Schreibweisen mit arabischen und hebräischen Zitaten. Nöldeke zitiert und kommentiert viele Publikationen ausführlich. – 1921 wurde Immanuel Löw wegen staatsfeindlicher Äußerungen zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt und verfasste dort sein bis heute gültiges Hauptwerk »Die Flora der Juden«. – 15.2.1921: »Endlich also wieder einmal von Ihnen ein Schreiben, wenn auch nicht von Ihrer eigenen Hand! Warum Sie nicht frei über sich verfügen können, ist mir vollkommen rätselhaft.« – Drei Monate später bedankte sich Nöldeke, der inzwischen wohl von der Inhaftierung erfahren hatte, für einen Artikel Löws in der »Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft der Juden«: »Besten Dank für Ihren ›Kuss‹! Dass Sie unter so trübseligen Verhältnissen solch eine Abhandlung fertig kriegten, so voll allseitiger Gelehrsamkeit und zugleich Zeugnis Ihres Geschmacks, macht Ihnen alle Ehre!« – Die letzte Karte schrieb Nöldeke am 19.6.1923, »unmittelbar vor der ungeheuren Erhöhung der Porti, die durch die von Allah zugelassenen Scheuslichkeiten mit so vielem anderen Elend notwendig geworden zu sein scheint«. Das Porto für eine Briefkarte betrug damals bereits 1.400 Mark. – Inhaltsreiche Briefe mit bedeutenden Überlegungen zu semitischen Sprachen und dem Verhältnis der abrahamitischen Religionen.

624  Friedrich Nietzsche. Der Fall Wagner.

€ 1200

Ein Musikanten-Problem. Leipzig, C. G. Naumann 1888. Originalbroschur in Leinenkassette.

Erste Ausgabe. – Eins von nur 500 Exemplaren, weitere 500 Exemplare wurden irrtümlich bereits als »zweite Ausgabe« bezeichnet, die aber tatsächlich erst 1891 erschien. – Der Text entstand als Folge einer Unterhaltung zwischen Friedrich Nietzsche und Peter Gast in einer Reihe von Briefen. Von Mitte der 1860er Jahre bis zu Wagners angeblicher Hinwendung zum Christentum hatte Nietzsche den Komponisten bewundert, dann schlug die Freundschaft in offene Feindschaft um. Nur ein Jahr später erschien Nietzsches Resümeé der jahrzehntelangen Beziehung, »Nietzsche contra Wagner«. – Ansehnliches und unbeschnittenes Exemplar in der Originalbroschur.

24,0 : 15,0 cm. [8], 57, [1] Seiten. – Broschurumschlag leicht angestaubt und mit einer Schabstelle auf dem Vorderdeckel, leichte Rand- und Eckläsuren teils sorgsam hinterlegt. Rücken und Gelenke mit deutlichen Spuren ehemaliger Einbindung. – Neu auf Japanfalze geheftet.

Schaberg 54. – Krummel XVII

625  Friedrich Nietzsche. Götzen-Dämmerung

€ 300

oder Wie man mit dem Hammer philosophirt. Zweite Auflage. Leipzig, C. G. Naumann 1893. Originalbroschur.

Wie für die erste Auflage, für deren Druck Nietzsche selbst aufgekommen war, wurden im Mai 1893 erneut 1000 Exemplare gedruckt. – Nietzsche hatte im September 1888 diesen ersten Teil seines gewaltigen Projekts der »Umwerthung aller Werthe« abgeschlossen, aus welchem später »Ecce Homo«, »Dionysos Dithyramben« und »Nietzsche contra Wagner« hervorgehen sollten. Ihm schwebte zunächst der Titel »Müßiggang eines Psychologen« vor. Peter Gast fand, dieser Name klinge zu anspruchslos. Am 20. September 1888 schrieb er an Nietzsche, dieser habe seine »Artillerie auf die höchsten Berge gefahren, habe Geschütze, ›wie es noch keine gegeben‹ und brauche nur ›blind zu schießen, um die Umgegend in Schrecken zu versetzen‹. Alles das sei kein ›Müßiggang‹ mehr.« (R. Margreiter bei Volpi, Lexikon der philosophischen Werke).

23,4 : 15,7 cm. [8], 116 Seiten. – Umschlag am Rücken eingerissen, vorderer unten geknickt und mit Besitzvermerk, Ränder etwas gebräunt und »ausgefranst«.

Schaberg 56 Anmerkung

626  Friedrich Nietzsche. Also sprach Zarathustra.

€ 1800

Ein Buch für Alle und Keinen. Leipzig, Insel 1908. Mit üppigem Buchschmuck in Purpur und Gold von Henry van de Velde. Originalpergamentband mit breiten »Yapp edges«, vergoldeten Vignetten auf Vorderdeckel und Rücken sowie Kopfschnittvergoldung. Im Originalschuber.

Eins von 430 Exemplaren im Pergamenteinband (Gesamtauflage 530). – Sehr breitrandig in Gold, Purpur und Schwarz gedruckt in der Offizin W. Drugulin, Leipzig, mit zahlreichen kleinen, in Gold gedruckten Alineazeichen. Die Schrift wurde von Georges Lemmen, Brüssel, 1900 gezeichnet und von ihm unter Mitwirkung von Harry Graf Kessler geschnitten. – Auf handgeschöpftem Van Gelder-Bütten mit dem von van de Velde entworfenen Signet des Weimarer Nietzsche-Archivs als Wasserzeichen. – Die gesamte Ausstattung des Buches und die Drucklegung übernahm Henry van de Velde.

37,8 : 25,8 cm. [8], 160, [4] Seiten. – Deckel leicht angestaubt. Vordergelenk angeplatzt. – Durchgehend gering stockfleckig, Vorsätze und erste Seiten stärker.

Sarkowski 1193. – Brinks 79 (Abb.). – Schauer II, 16 (mit Abbildung). – Eyssen S. 17ff. (mit doppelseitiger Abbildung). – Papiergesänge 31