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Bücher des 18. und 19. Jahrhunderts | Hesse-Auktionen
Bücher des 18. und 19. Jahrhunderts

157  Jo[hann] Hieron[ymus] Kniphof. Botanica in Originali seu Herbarium vivum

€ 24000

in quo plantarum tam indigenarum quam exoticarum […] exhibentur. Cent[uria] I [bis] VI. Halle, Johann Gottfried Trampe 1757–1759 [1760]. Mit 600 kolorierten Naturselbstdrucken und fünf weiteren als Einrahmung der Titelblätter. Dunkelbrauner Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, zwei Rückenschildern mit Vergoldung.

Erste Ausgabe dieser umfangreichsten Ausgabe, die erst kurz vor dem Tod des Verfassers erschien. Bereits seit 1733 hatte der Erfurter Botaniker Johann Hieronymus Kniphof (1704–1763) Sammlungen von Naturselbstdrucken herausgegeben. Er gilt als Erneuerer der schon Leonardo da Vinci bekannten Methode, direkt von eingefärbten Pflanzen zu drucken. – Wie das Gesamtregister beweist, war die vorliegende Ausgabe 1760 mit den ersten 600 Naturselbstdrucken abgeschlossen, in der Vorrede kündigte Friedrich Wilhelm Leyser aber Fortsetzungen an, bis 1764 erschienen weitere 600 Tafeln. – »Der Wert der Abbildungen liegt darin, daß die vielfach mit Blüten und Wurzeln dargestellten Pflanzen ihren natürlichen Habitus, ihre Biegungen und Windungen, Verzweigungen und Verästelungen, ihre Haare, Dornen oder Stacheln in einer Naturtreue zeigen, wie sie bis dahin auch vom größten Künstler nicht wiedergegeben werden konnten. […] Die Illusion, eine wirkliche Pflanze vor sich zu haben, wird durch eine Kolorierung erreicht, die bei der Halleschen Ausgabe, welche das Kniphofsche Verfahren in seiner Vollkommenheit zeigt, oft impressionistisch, naturalistisch anmutet. Es sollte, was schon der Titel sagt, ein Herbariumersatz geboten werden, nicht etwa eine Bildfolge von Pflanzen, wie sie bisher üblich war. […] Diese Ausgabe mußte auf gewisse Kreise einen gewaltigen Eindruck gemacht haben.« (Ernst Fischer, in »200 Jahre Naturselbstdrucke«, Gutenberg-Jahrbuch 1933). – Die 600 Tafeln wurden in alphabetischer Reihenfolge geordnet und oben rechts von Hand paginiert. – Die Vorreden stammen von Kniphof selbst bzw. von dem Hallenser Botaniker Friedrich Wilhelm von Leyser. Seiner Mitwirkung ist zu verdanken, dass die »Botanica« als eines der ersten Werke die innovative Nomenklatur nach Carl von Linné verwendete. – Am Anfang 22 Blätter: unnummeriertes Titelblatt (eventuell für Teil III), Vorrede zu Teil I, Titel I/II (handschriftlich nummeriert), Verzeichnis der Pflanzen in I/II, Verzeichnis III, Titel IV, Verzeichnis IV, Titel V, Verzeichnis V, Vorrede zu V, Titel VI, Vorbericht VI, Gesamtregister I–VI; Vorrede zum Gesamtwerk, datiert 21. II. 1760.

33,5 : 22,0 cm. [22] Blätter, 600 Tafeln. – Ecken leicht bestoßen, Rücken unten mit Fehlstelle, ein Rückenschild mit Abplatzung. – Drei Titelblätter mit alten Stempeln »Naturf.Verein zu Riga« und »Syst.Med […] Rigens«. – Unbedeutend stockfleckig, meist nur an den Rändern.

Nissen 1076. – Pritzel 4752. – Fischer 7

158  [Johann Joachim] Winckelmann. Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke

€ 450

in der Malerey und Bildhauerkunst. Zweyte vermehrte Auflage. Dresden und Leipzig, Walther 1756. Mit drei gestochenen Titelvignetten und einer Textvignette. Späterer Halbleinenband.

Zweite, auf mehr als den vierfachen Umfang angewachsene Ausgabe von Winkelmanns Erstling, der ein Jahr zuvor in nur 50 Exemplaren gedruckt worden war. – Der Text wurde nun erweitert um die mit eigenem Titelblatt versehenen Abhandlungen »Sendschreiben« und »Erläuterung der Gedanken […] und Beantwortung des Sendschreibens«. – In den 1750er Jahren wurden die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum intensiviert. In diesem Zusammenhang erregten Winckelmanns Auffassungen und Untersuchungen internationales Aufsehen. – Dazu: Sendschreiben von den Herculanischen Entdeckungen. Dresden 1762. Mit gestochener Titelvignette und zwei Textkupfern, alle nach Zeichnungen des Verfassers. Moderner Halblederband. 96 Seiten.

22,8 : 18,0 cm. [8], 172 Seiten. – Deckel berieben. – Die ersten und letzten Blätter leicht stockfleckig. Titel mit Besitzvermerk.

Goedeke IV/1, 301,1 und 9. – Vgl. Carter/Muir 210

159  Johann Winckelmann. Alte Denkmäler der Kunst.

€ 1200

Aus dem Italienischen übersetzt von Friedrich Leopold Brunn. Erster [und] Zweyter Band. Berlin, Christian Gottfried Schöne 1791–1792. Mit zusammen 17 gestochenen Vignetten, davon zwei auf den Titeln und eine blattgroß, und 208 Kupferstiche auf 110, teils gefalteten, Tafeln. Halblederbände der Zeit mit zwei Rückenschildern.

Die erste deutsche Übersetzung von Winckelmanns kunsthistorischem Hauptwerk »Monumenti antichi inediti«, das 1767 in Rom erschienen war, begründete die wissenschaftliche Archäologie und Kunstgeschichte in Deutschland. – Nach einem einführenden Kapitel behandelte Winckelmann die Kunst der Ägypter, Hetrurier (Etrusker) und Griechen. Er untersuchte die Darstellung von Gottheiten, Helden der griechischen Mythologie und von Sitten und Gebräuchen der Antike. – Bereits 1764 war Winckelmanns »Geschichte der Kunst des Alterthums« erschienen, die großen Einfluss auf das Verständnis der antiken Kunst hatte. Seit 1755 lebte Winckelmann in Italien, 1763 fand er Anstellung in der Vatikanischen Bibliothek. Auf der Rückreise von einem Besuch in Deutschland wurde er 1768 in Triest ausgeraubt und ermordet. – Sehr schönes Exemplar, die Kupfer in hervorragenden klaren Abdrucken.

41,8 : 27,0 cm. [10], XXIV, 64, [2], 78 Seiten; [2], 136, LXXIV Seiten. – Einbände mit kleinen Schabstellen am Rücken, Kanten etwas berieben. – Titelblätter und einige Tafelränder leicht stockfleckig, 1 Tafel gebräunt. – Mit handschriftlichem Besitzvermerk »F v Leonhardi«, Exlibris »de Leonhardi« und »Artium Genio«.

Goedeke IV/1, 302, 14

160  Bodoni – Hesiod. Eyriskomena. Opera omnia.

€ 1000 ( R7 )

(griechisch, lateinisch und italienisch). Drei Teile in einem Band. Parma, Ex Regio Parmensi Typographio 1797. Mit gestochener Porträtvignette, wiederholt auf allen drei Titelblättern. Moderner dunkelbrauner Saffianlederband mit intarsiertem Rückentitel. Im passenden gefütterten Schuber mit Lederkanten.

Enthält den griechischen Text sowie die ausführlich kommentierte lateinische Übersetzung von Bernardo Zamagna, der auch die Einleitungen zu beiden Teilen verfasste. Er widmete sein Werk Kaiser Ferdinand von Österreich. In leicht abweichendem Satz waren die beiden Teile bereits 1785 gedruckt worden. – Als dritter Teil wurde der Ausgabe die italienische Übersetzung des Karmeliters Giuseppe M. Pagnini beigefügt. – Prachtvoller Druck auf festem Bütten (»carte real«). – Der elegante Einband mit dem prächtigen Rückentitel ist auf dem hinteren Innendeckel signiert »M. Manent · H. Pichl«. Vorsätze und Schuberbezüge aus rostrotem Fabriano-Bütten.

31,2 : 24,3 cm. [2], 16, 110; [4], 279, [1]; 104 Seiten. – Rücken etwas verblasst. – Die breiten Ränder teils leicht stockfleckig, 2 Blätter leicht spakig.

Brooks 689. – Kat. Weiß 67

161  Bodoni – Torquato Tasso. Aminta.

€ 800

Favola boschereccia, ora per la prima volta alla sua vera lezione ridotta. Crisopoli [Parma], Impresso co’ caratteri Bodoniani 1789. Mit gestochener Porträtvignette auf dem Titel und einer Wappenvignette. Dunkelroter Halblederband mit Rückenvergoldung (Monogramm und Rückentitel).

Prachtausgabe auf Velin, laut Brooks wurden 50 Exemplare auf Vélin »Carta d’Anonnay«, 50 auf »Carta doppia ducale« sowie ein Exemplar auf Pergament gedruckt. – Gewidmet der Marchesa Donna Anna Malaspina della Bastia mit einem Gedicht von Vincenzo Monti, dem ihr Wappen, gestochen von J. Luccatelli, vorangestellt wurde. – Mit der großen Antiqua-Type und der leicht geschwungenen Kursive, dem breitrandigen Satz und Druck auf gutem Papier gilt Tassos »Aminta« als einer der schönsten und seltensten Bodonidrucke. – Im vorliegenden Exemplar wurde ein zweiter Abdruck des Titelblatts auf dem gerippten Büttenpapier und ein weiteres Tasso-Porträt (Kupferstich von Lapi nach Pietro Ermini) auf dem Auflagenpapier eingebunden. – Ohne das Avis-Blatt, das nicht alle Exemplare erhielten.

30,8 : 23,5 cm. [14], 14, [2], 142, [2] Seiten. – Winzige Kratzer. – 1 Blatt mit restauriertem Randeinriss, 10 Blätter leicht gebräunt.

Brooks 379. – Katalog Weiß 111/112. – Renouard III, 113. – Brunet V, 673

162  Orientialistik – U[lrich] J[asper] Seetzen. Verzeichniss der für die orientalische Sammlung in Gotha

€ 400

zu Damask, Jerusalem u.s.w. angekauften orientalischen Manuscripte und gedruckten Werke, Kunst- und Naturprodukte u.s.w. Leipzig, gedruckt bei Breitkopf und Härtel 1810. Moderner Halbleinenband.

Die sehr seltene Dokumentation verzeichnet neben Manuskripten auch Münzen, physikalische Instrumente, Hausgeräte, Kleidung, Schmuck u. a. – Seetzen kommentierte die in Arabisch gedruckten Titel kurz und markant (Beispiele: »Dieses Werk enthält bey weitem mehr als eine Geschichte der Califen«, »Sehr seltene Erdbeschreibung«, »Geschichte Joseph’s in Egypten«, »Ein ungemein schätzbares medicinisches Werk«, »Ein merkwürdiges sehr schlüpfriges Werk über alle möglichen Arten des Beyschlafs«). – Die orientalische Handschriften-Sammlung der Forschungsbibliothek Gotha entstand »in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts […]. Die entscheidende Phase setzte unter den Herzögen von Sachsen-Gotha-Altenburg, Ernst II. (1745–1804) und dessen Sohn August (1772–1822), ein. Sie förderten die Forschungsreisen des Naturwissenschaftlers Ulrich Jasper Seetzen (1767–1811) und beauftragten ihn im Gegenzug mit dem Erwerb von Handschriften sowie von interessanten ›Natur- und Kunstproducten‹, um die bis dato kleine, vor allem aus Koran-Abschriften und Gebetsbüchern bestehende Sammlung zu erweitern. Seetzen erwarb während seiner neunjährigen Reise durch den vorderen Orient für seine Patrone insgesamt rund 2.700, vor allem arabische, türkische und persische Handschriften. Seine Erwerbungsusancen sollten später als besonderes Kennzeichen und Vorzug der orientalischen Handschriften-Sammlung in Gotha erkannt werden, gelangten dadurch nicht etwa nur Hauptwerke, sondern zahlreiche unikal oder selten überlieferte Zeugnisse de orientalischen Alltagskultur in eine Bibliothek des Westens.« (www.uni-erfurt.de).

40,5 : 25,8 cm. [2], 20, 40, 26, [4] Seiten. – Leicht stockfleckig, Titelblatt stärker.

163  F[rançois] Basan. Dictionnaire des gravures anciens et modernes.

€ 800 ( R7 )

Depuis l’origine de la gravure. Seconde édition. Tome premier [et] seconde. Paris, L’auteur, Chuchet et Prault 1789. Mit 51 Radierungen auf 44 Tafeln, davon zwei gestochene Frontispize, und drei gestochenen Vignetten. Leuchtend rote Oasenziegenlederbände des 19. Jahrhunderts mit üppiger Rücken- und Innenkantenvergoldung. Deckelkantenfileten und Buchschnitt vergoldet.

Das Werk erschien erstmals 1767, jedoch noch ohne Illustrationen. – Exemplar auf feingeripptem Papier. – Mit den beiden häufig fehlenden Radierungen von Picart nach Rossignol und der Radierung von Rembrandt Harmenszoon van Rijn »Une Faiseuse de Baignets« (Die Pfannkuchenbäckerin; Bartsch 124), die von Basan nur geringfügig überarbeitet wurde. Diese Radierung, wie auch die übrigen, mit gestochenen Angaben zu Band und Seitenzahl. – Bei den jeweiligen biographischen Angaben des künstler-alphabetisch geordneten Lexikons wurden weiterhin Radierungen von Eisen, Cochin, van Dyck, Choffard, Hollar, Mariette, Piccart u. a. nach Amand, Bega, Callot, Choffard, Corneille, Moreau, Ostade, Rousseau, Waterloo u. v. a. eingebunden. – Entgegen dem Titel enthält dieses Exemplar 51 Radierungen, die beiden Radierungen von Pierre van Laer sind im Kupferstichverzeichnis nicht aufgeführt. – Mit drei gestochenen Exlibris, darunter das von Loviot gestochene für Alidor Delzant (1848-1905), einen der größten französischen Bibliophilen der Zeit sowie Sekretär und Biograph von Eduard de Goncourt. – Tadellos schönes, unübertrefflich vollständiges Exemplar.

19,4 : 12,8 cm. [6], 348; [4], 306 Seiten, 44 Tafeln. – Vereinzelte Lagen leicht gebräunt, die Kupfer tadellos.

Cohen/De Ricci 118. – Graesse I, 306

164  J[ohann] J[akob] Engel. Ideen zu einer Mimik.

€ 250

Erster [und] Zweyter Theil. Berlin, Auf Kosten des Verfassers und bei August Mylius 1785–1786. Mit allegorischem Frontispiz und 34 Kupfertafeln von J. W. Meil. Halblederbände der Zeit mit je zwei grün-goldenen Rückenschildern.

Erste Ausgabe, eines der wichtigsten Werke zur Mimik und Schauspielkunst. – Das Werk des Berliner Professors und Direktors am Nationaltheater war von erheblichem Einfluss auf den Darstellungsstil der Goethezeit. – Durch besondere Anmut ragen in Meils Alterswerk »vor allem die feinen erläuternden Kupfer zu Engels Mimik hervor« (Lanckoronska/Oehler II, 84). – Die Kupfer, meist zwei auf einer Tafel, veranschaulichen 59 Körperhaltungen und Gebärden.– Johann Jakob Engel (1741–1802) unterrichtete in Berlin am berühmten Joachimsthaler Gymnasium und war Lehrer mehrerer Prinzen und Prinzessinnen am preußischen Hof. 1787 wurde er Oberdirektor des Berliner Theaters.

18,5 : 11,5 cm. [2] 381, [1]; [4], 314 Seiten. 35 Kupfer. – Minimal berieben. – Einige Kupfer mit kleinen, kaum störenden Stockflecken.

Goedeke V, 474, 13. – Dorn 447–481. – Kaldewey, Hehres & Triviales V, 259

165  [Johann Wolfgang von] Goethe. Eigenhändige Widmung und ein Empfehlungsschreiben, beide mit Unterschrift, beide datiert »Weimar, d. 3. Apr. 1815«.

€ 20000

– Auf dem Vorderdeckel und als Vorblatt von Hermann und Dorothea. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1814. Gelber Kartonband der Zeit, Rücken mit blauem Papierbezug.

Eins der seltenen Widmungsexemplare des Weimarer »Dichter-Fürsten«, dieses für »Herren Leutenant Gauby zu Unterhaltung und Andencken im Felde || Weimar, d. 3. Aprl. 1815 | Goethe«. – Ludwig Philipp Wilhelm Gauby aus Tarragona in Katalonien war damals Infanterieleutnant in Diensten des Weimarer Hofes. Nach dem Staatshandbuch des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach u. a. Quellen machte er in den folgenden Jahrzehnten eine steile Militär-Karriere. – »Dieser junge Mann hat sich durch sein Betragen die Gunst und das Zutrauen seiner Vorgesetzten, aller Derer die ihn näher kennen, und auch die meinige erworben, deshalb ich keinen Anstand nehme, ihn meinen Freunden, zu denen ihn das Geschick führen könne, hiermit zu empfehlen […]«. Das zweiseitige Empfehlungsschreiben, das Goethe seinem Sekretär Kräuter diktierte und mit vollem Namenszug unterschrieb, wurde – wohl von Gauby selbst – als Vorblatt einmontiert. Die Übergabe des Buches ist in Goethes Tagebüchern belegt, ebenso ein früheres Empfehlungsschreiben für Gauby an Perthes in Hamburg (19.IV.1812). – Das Buch ist ein Exemplar der ersten Cotta-Einzelausgabe von »Hermann und Dorothea« und trägt interessanterweise auf dem Innendeckel das bekannte Exlibris-Schildchen »Aus der Bibliothek Joh. Wolfgang v. Goethe’s«. Die schlichte Karton-Bindung scheint die von Cotta ausgelieferte. Zwei weitere Widmungsexemplare dieser Ausgabe sind uns bekannt geworden, beide dediziert 1816: Eines im Goethe-Museum Düsseldorf, eines in Privatbesitz. – In einer Pappschatulle mit Samtfutter und Sichtfenster sowie einem alten eingelegten Schriftblatt.

Provenienz: Sammlung H. Albrecht, Rheinfelden (Kat. Erasmushaus/Stargardt, 1991, Lot 360). – Seitdem in deutscher Privatsammlung.

12,8 : 10,5 cm. [2], 107, [1] Seiten. – Leichte Alterungsspuren, der Widmungsbrief leicht finger-, der Buchblock vereinzelt leicht stockfleckig.

Goedeke IV/3, 335, 3a. – Hagen 248. – Fischer, Cotta 954. – Vgl. Werke IV, 51, 368. – Grumach/Röther, Goethe Begegnungen und Gespräche, Band X, S. 20f

166  [Johann Wolfgang von] Goethe. Die Wahlverwandtschaften.

€ 900

Ein Roman. Erster [und] Zweyter Theil. Tübingen, J. G. Cotta 1809. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung, zwei Rückenschildern und marmoriertem Bezugspapier.

Erste Ausgabe. – Eins von 2000 Exemplaren. – Bei den Zeitgenossen stieß Goethes Analyse zwischenmenschlicher Beziehungen auf wenig Beifall, »obgleich die ›Wahlverwandschaften‹ mit ihrer Verknüpfung von Eheproblematik und Gesellschaftskritik am Anfang der Reihe großer Eheromane des 19. Jahrhunderts, wie ›Madame Bovary‹, ›Anna Karenina‹ oder ›Effi Briest‹, stehen.« (KNLL VI, 523). – Wilhelm von Humboldt befürchtete, dass mancher das Werk als unmoralisch empfände, Wieland schrieb an eine Unbekannte »daß die Stellen, welche Sie vorzüglich choquirt haben, auch mein Gefühl beleidigten, allein ich bin toleranter im Punkte der Liebe« (Briefwechsel XVIII.1, S. 17). – Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde, nach Äußerungen von Hugo von Hofmannsthal, Alfred Döblin, Heinrich und Thomas Mann, Walter Benjamin u. a. die Modernität des Romans anerkannt. – Mit einigen Marginalien eines begeisterten zeitgenössischen Lesers, so z. B.: »Wer hat jemals mit so wenig Worten und mit so viel Sinn das Geheimniß weiblichen Zaubers ausgedrückt«.

16,8 : 10,5 cm. [2], 306; 340 Seiten. – Ecken etwas, Kapitale nur leicht bestoßen. – Vorsatzecken leimschattig, teils stockfleckig.

Goedeke IV/3, 388, 181. – Kippenberg I, 384. – Hagen 327. – Fischer, Cotta 704

167  [Johann Wolfgang] von Goethe. Zur Farbenlehre.

€ 3500

Erster [und] Zweiter Band. Nebst einem Hefte mit sechzehn Kupfertafeln. – Erklärung der zu Goethe’s Farbenlehre gehörigen Tafeln. Tübingen, J. G. Cotta 1810. Mit 17 Kupferstichen, davon zwölf koloriert. Zwei Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung und zwei Rückenschildern, ein marmorierter Pappband der Zeit mit rot-goldenem Deckelschild.

Erste Ausgabe, vollständig mit beiden Anhängen und allen 17 Kupfern (»alle von gleicher Größe und ohne Korrekturen«, laut Hagen Merkmal der um 1820 hergestellten Abzüge von den originalen, in drei Fällen aber korrigierten Platten). – Laut Cotta-Archiv wurden in der Druckerei des mit Goethe befreundeten Verlegers Carl Friedrich Ernst Frommann 500 Exemplare auf weißem Papier und weitere 250 auf Druckpapier gedruckt, wobei der erste Teil des ersten Bandes bereits 1808, als Goethe noch an dem Werk arbeitete, ausgedruckt war. – Bereits während seiner Italienreise von 1786 bis 1788 interessierte sich Goethe für die Probleme der Farbgebung in der Malerei und die Wirkung der Farben auf den Menschen. Sein umfangreichstes Werk ist in drei Teile gegliedert: Der »didaktische« behandelt chromatische Phänomene, im »polemischen« folgt Goethes Auseinandersetzung den vom ihm missverstandenen Auffassungen Newtons, der abschließende »historische« entwirft eine Wissenschaftsgeschichte von der »Urzeit« bis in Goethes Gegenwart (vgl. KNLL VI, 538ff). – Von einigen Alterungsspuren an den Einbänden abgesehen, sehr schönes, besonders innen tadelloses Exemplar.

19,8 : 12,3 cm. XLVIII, 654; XXVIII, 757, [1] Seiten. – Ecken bestoßen, Rücken von Band II mit einigen oberflächlichen Fehlstellen im Leder, das Vordergelenk oben angeplatzt. – Vorsatzecken leimschattig. – 23,7 : 18,3 cm. 24, 12 Seiten, 17 Kupfer (18 : 14 cm). – Deckelunterkanten mit Druckstelle, leicht berieben.

Goedeke IV/3, 583, 46. – Hagen 347 sowie 347 a und d. – Kippenberg I, 386. – Fischer, Cotta 764

168  Johann Michael Conradi. Der dreyfach geartete Sehe-Strahl

€ 600

in einer kurtzen doch deutlichen Anweisung zur Optica Oder Sehe-Kunst […] Coburg, In Verlegung des Autoris 1710. Mit gestochenem Frontispiz und 25 Kupfertafeln. Kalblederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung und goldgeprägtem Wappensupralibros.

Erste Ausgabe. – Johann Michael Conradi (gestorben 1742) war Gymnasiallehrer in Coburg und später Französischlehrer am Hof in Dresden. Goethe erwähnt Conrad und seinen »Sehe-Strahl« in seiner »Farbenlehre« mit einem längeren Zitat »wegen übereinstimmender Gesinnungen« (Band II, S. 493f). – Dem allegorischen Titelkupfer folgt eine Tafel mit Apparaturen zur Lichtbrechung und weitere 24 zum »Iconismus«, also den physikalischen und physischen Grundlagen des Sehens. – Das schöne und breitrandige Exemplar stammt aus der Bibliothek Biron-Wartenberg, der Herzöge von Kurland (Rietstap 1967, Band 1, Tafel CCXVIII), mit deren Wappen auf dem Vorderdeckel; auf dem Titel ein Stempel »Herzogliche Lehens-Bibliothek«.

18,8 : 16,3 cm. [16], 120 Seiten, 26 Kupfertafeln. – Einband mit unbedeutenden Bereibungen und kleinen, leichten Wasserflecken. – Teils, und dann besonders die Ränder, etwas braunfleckig, Titel stockig, anfangs leichter Wasserrand. – Stempel auf Titel.

Poggendorf I, 472

169  [Johann Wolfgang von] Goethe. West-oestlicher Divan.

€ 1200

Stuttgart, Cotta 1819. Mit gestochenem Doppeltitel von C. Ermer. Späterer marmorierter Lederband im Stil der Zeit, mit hübscher Vergoldung und rot-goldenem Rückenschild. Vorsätze aus Stempeldruck-Lackpapier.

Erste Ausgabe. – Noch mit der versehentlich ungekürzten Überschrift »Talismane, Amulette, Abraxas, Inschriften und Siegel« auf Seite 9. Die als Viertelbogen zum Austausch gedachten Korrekturseiten 7–10 wurden im letzten Bogen des Buches gedruckt und sind im vorliegenden Exemplar an dieser Stelle verblieben. – Im August 1814 reiste Goethe nach 17 Jahren erstmals wieder in seine Heimatstadt Frankfurt. In Wiesbaden kam es zu einem Wiedersehen mit dem Bankier Johann Jakob Willemer und dessen Lebensgefährtin Marianne Pirngruber, der österreichischen Sängerin, die Willemer nach zwölf Jahren gemeinsamen Lebens im November 1814 – wahrscheinlich auf Goethes Anraten – ehelichte. Auch der 65jährige Dichterfürst fühlte sich zu der jungen Frau hingezogen. Im Sommer 1815 kam es zu einem längeren Besuch auf Willemers Landsitz. Aus der leidenschaftlichen Beziehung zwischen Goethe und Marianne von Willemer entstanden einige der schönsten Gedichte des Bandes, die zum Teil von der Hand der Verehrten stammen. In seiner »Suleika« setzte Goethe Marianne von Willemer ein bleibendes Denkmal. – Exlibris Svend Brorson. – Unbeschnittenes Exemplar, sehr schön erhalten.

18,0 : 11,5 cm. 2 Kupferstiche, 556 Seiten, [2] Blätter. – Vordergelenk oben minimal angeplatzt.

Goedeke IV/3, 492, 110.I. – Hagen 416. – Slg. Kippenberg 400. – Slg. Borst 1312. – Fischer, Cotta 1189

170  Johann Wolfgang von Goethe. Sämtliche Werke.

€ 450 ( R7 )

Band 1 [bis] 45 und vier Ergänzungsbände. München, Georg Müller und (ab Band 29) Berlin, Propyläen 1909–1925. Schwarze Originalhalbmaroquinbände mit doppelten vergoldeten und gepunzten Fileten auf Rücken und Vorderdeckeln (Gustav Fritzsche, Leipzig).

Propyläen-Ausgabe. – Umfangreiche Werksammlung in chronologischer Ordnung. – Mit allen erschienenen Ergänzungs- und Supplementbänden: Die Bildnisse Goethes. Herausgegeben von Ernst Schulte-Strathaus. Mit 167 Tafeln. – Goethe als Persönlichkeit. Berichte und Briefe von Zeitgenossen. Herausgegeben von Heinz Amelung. Drei Bände. – Gesetzt aus einer Unger-Fraktur. – Sehr schön erhalten und ebenso dekorativ wie opulent.

25,3 : 17,7 cm. – Nur ganz vereinzelte kleine Bereibungen.

Goedeke IV/3, 29ff. und IV/5, 528, 4

171  Gotthold Ephraim Lessing. Minna von Barnhelm,

€ 400

oder das Soldatenglück. Ein Lustspiel in fünf Aufzügen. Berlin, Christian Friederich Voß 1767. – Angebunden: Possen. Calumniator miserabilior experientia, im Taschenformat. Fünfte Auflage. Berlin und Frankfurt 1761. – Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe, mit den Merkmalen des nochmals korrigierten Einzeldrucks C, der Grundlage für alle späteren Drucke wurde. – Das Stück erschien zunächst in der zweibändigen Ausgabe »Lustspiele« und nahezu zeitgleich auch als korrigierter Einzeldruck. – Die Uraufführung erfolgte am 30. September 1767 am Deutschen Nationaltheater in Hamburg, »das wenige Monate zuvor mit großen Hoffnungen und kühnen Plänen eröffnet worden war.« (V. Arpe). Lessing, als literarischer Konsulent dorthin berufen, hat zwar kein einziges Stück für diese Bühne verfasst, allerdings entstand damals seine klassisch gewordene »Hamburger Dramaturgie«. – Das nachgebundene »Possen«-Büchlein stammt wohl von Christoph Otto von Schönaich (vgl. Holzmann/Bohatta III, 9378).

14,2 : 9,0 cm. 192 Seiten. – 72 Seiten. – Etwas beschabt, Ecken stärker bestoßen. – Durchgehend etwas fingerfleckig, einzelne Lagen leicht gelockert. Titelblatt mit unleserlichem Besitzvermerk.

Goedeke IV/1, 396, 101. – Seifert 788. – Muncker 406 c. – Slg. Borst 172

172  Gotthold Ephraim Lessing. Wie die Alten den Tod gebildet.

€ 400

Eine Untersuchung. Berlin, Christian Friedrich Voss 1769. Mit fünf Kupfertafeln und zwei gestochenen Vignetten, davon eine auf dem Titel. Halblederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe. – Lessing erwiderte mit dieser Schrift nach seinen »Antiquarischen Briefen« ein weiteres Mal Thesen des Philologen Christian A. Klotz. Debattiert wurde, auch unter Einbeziehung der Auffassungen Winckelmanns, die Darstellung des Todes in der klassischen Kunst. Lessing vertrat die Auffassung, die Griechen hätten den Tod nicht als Skelett sondern als heiteren Zwillingsbruder des Schlafes geschildert. Erst in der christlichen Kunst nähme er die Schreckensgestalt eines Gerippes an. Neben der Auseinandersetzung mit dem »Klotzianismus« unterbreitete Lessing Vorschläge zur Abbildung des Todes. Goethe war von der Lebendigkeit der Argumentation und Lessings elegant durchkomponiertem Prosastil begeistert. Schiller ließ sich durch den Text in seinem Gedicht »Die Götter Griechenlands« zu dem Vers »Damals trat kein gräßliches Gerippe / Vor das Bett des Sterbenden« anregen. – Auf festem Schreibpapier. – Selten.

20,5 : 14,8 cm. [8], 87, [1] Seiten, 5 Kupfertafeln. – Rückentitel »Lessing Werke«, ein weiteres Rückenschild abgefallen.

Goedeke IV/1, 417, 113. – Muncker 418. – Seifert 1189. – Rümann 641. – Sammlung Borst 201

173  Friedrich Schiller. Don Karlos

€ 750

Infant von Spanien. Mit Kupfern. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1802. Mit gestochenem Frontispiz von H. Schmidt nach Tischbein und fünf Kupferstichen von W. Böhm nach Fr. Catel. Kalblederband der Zeit mit reicher Rücken- und Deckelkantenvergoldung.

Prachtausgabe. – »Was lag für den Ehrgeiz Göschens näher, als das Werk seines Freundes Schiller, mit dem zusammen er 1785 die Wohnung in Gohlis geteilt hatte, als ein ›Non plus ultra‹ der Typographie zu drucken: den ›Don Karlos‹, dessen Entstehung er miterlebt hatte.« – 1801 lieferte Schiller die revidierte Textfassung ab und Göschen begann mit Satz und Druck, allerdings nur, wenn Göschen selbst in Grimma anwesend war. – Auf festem weißem Velin. – Nach Fertigstellung des Buches schrieb Schiller an den Verleger Crusius: »Die neueste Ausgabe des D. Karlos bei Göschen ist das schönste, was ich in dieser Art kenne«. (vgl. Paul Raabe, Schiller und die Typographie der Klassik, in: Imprimatur NF 2, S. 154ff.).

22,0 : 14,5 cm. [2], 432 Seiten, 6 Kupfertafeln. – Minimal berieben. – Stellenweise die Ränder mit kleinen Stockflecken.

Goedeke V, 181, 10. – Marcuse 229

174  Friedrich Schiller. Wilhelm Tell.

€ 900

Schauspiel. Zum Neujahrsgeschenk auf 1805. Tübingen, J. G. Cotta 1804. Mit einem kolorierten Kupferstich als Frontispiz. Späterer Halblederband mit Rückenvergoldung im Stil der Zeit.

Erste Ausgabe in der Variante mit einem Kupferstich (hier: Wilhelm Tell mit Armbrust und Pfeil), es gibt auch Exemplare mit drei und ganz ohne Kupfer. – Schillers weitaus volkstümlichstes Schauspiel. »Goethe, der an den Tell-Stätten geweilt hatte, trug sich mit dem Plan, daraus ein Epos zu gestalten, trat aber das Motiv an seinen Freund ab. Obwohl Schiller nie in der Schweiz gewesen war, gelang es ihm doch, ein überzeugendes Bild von dem Land und seinen Menschen zu geben. Das dankte er nicht zuletzt seiner Hauptquelle, dem ›Chronicon Helveticum› des Schweizers Ägidius Tschudi (1505–1572)« (V. Arpe). Im März 1804 wurde das Stück im Weimarer Theater uraufgeführt. – Titelblatt mit Besitzvermerk »J. Gr. z. Stolberg« – Sehr hübsches Exemplar der Duodezausgabe.

14,2 : 10,0 cm. [4], 241, [1] Seiten, 1 Kupfer. – Vorsatzecken leimschattig.

Goedeke V, 230, 12. – Marcuse 253. – Fischer, Cotta 457

175  Wünschelruthe.

€ 350

Ein Zeitblatt. [Herausgegeben von H. Straube und J. P. von Hornthal]. Nummern 1 [–] 36 [von 52]. [Göttingen, Vandenhoeck und Rupprecht] 1. Januar – 4. Mai 1818. Halbleinenband um 1900.

Diese seltene Zeitschrift der deutschen Romantik erschien als Organ der literarischen Gesellschaft »Poetische Schustergilde« in Göttingen. Zu ihren Mitarbeitern zählten u. a. Achim von Arnim (Mallon 101), Clemens Brentano (Mallon 73) und die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. – In Heft 4 das »Märchen von einem, der auszog das Fürchten zu lernen«, in den Heften 11–15 die »Geschichte eines Algierer-Sklaven« nach den Akten eines Prozesses, den der Gerichtsherr A. von Haxthausen leitete. Er war der Onkel von Annette von Droste-Hülshoff, die Texte gelten als Ursprung ihrer Erzählung »Die Judenbuche«. – Die Zeitschrift wurde bereits im Juni/Juli 1818 nach 52 Nummern und vier Zugaben wieder eingestellt.

26,5 : 21,5 cm. 144 Seiten. – Berieben. – Gebräunt und etwas stockfleckig. Anfangs einige Ränder hinterlegt. – Es fehlen außer den abschließenden Nummern 37ff. auch Titel und Inhaltsverzeichnis.

Goedeke VIII, 30, 131. – Diesch 1649. – Houben, Zeitschriften der Romantik 325 ff. mit genauer Inhaltsangabe

176  Heinrich Heine. Buch der Lieder.

€ 800

Hamburg, Hoffmann und Campe 1827. Halblederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung. In späterer Halblederkassette mit goldgeprägtem Rückentitel.

Erste Ausgabe, wohl eins der 800 Exemplare auf besserem Papier. – Mit dem häufig fehlenden Vortitel, den Verlagsanzeigen am Ende und noch beiden Widmungsblättern an Friedrich Merkel (bzw. »Merckel«) sowie denen an Salomon Heine und Friederike Varnhagen von Ense. Diese Widmungsblätter sind in allen späteren Auflagen entfallen. Da Heine bis zur fünften Auflage immer wieder Textänderungen vornahm, enthält nur dieser Erstdruck die ursprünglichste Fassung. – Heine versprach sich einiges von dieser Sammlung. Am 16. XI. 1826 schrieb er an Friedrich Merkel: »Einige Freunde dringen drauf, daß ich eine auserlesene Gedichtesammlung, chronologisch geordnet und streng gewählt, herausgeben soll, und glauben, daß sie eben so populär wie die Bürgersche, Göthesche, Uhlandsche u. s. w. werden wird. […] ich wollte für dieses Buch keinen Schilling verlangen, die Wohlfeilheit und die andern Erfordernisse des Popularwerdens wären meine einzigen Rücksichten, […] und dieses Buch würde mein Hauptbuch seyn und ein psychologisches Bild von mir geben« (zitiert nach dem »Heine/Heine«-Katalog). – Breitrandiges und insgesamt schönes Exemplar.

18,8 : 10,8 cm. [4], 372, [2] Seiten. – Titelblätter mit kleinen Stockflecken, einige Blätter mit sorgsam geglätteten Eckknicken. 1 Blatt mit kleinem, restauriertem Eckabriss. – Kleines modernes Exlibris »HNF«.

Goedeke VIII, 555, 26. – HSS (Heine/Heine) 005. – Wilhelm/Galley 336. – Slg. Borst 1526

177  [Charles Dickens]. Sketches by »Boz«.

€ 600

Illustrative of Every-day Life, and Every-day People. Illustrations by George Cruikshank. [First Series]. In two Volumes. – The Second Series. Complete in one Volume. London, John Macrone 1836–1837. Mit insgesamt 21 Kupferstichen, davon ein gestochener Titel und drei Frontispize. Drei grüne Halblederbände um 1920 mit Rücken-, Fileten- und Kopfschnittvergoldung (signiert: Bayntun Bindery, Bath England).

Erste Ausgabe. – Die Sammlung von 50 Erzählungen war das erste Buch von Charles Dickens, dessen Texte bis dahin nur in Zeitungen erschienen waren. Mit dieser Ausgabe wurde Dickens berühmt. Am finanziellen Erfolg des Buches – es erschienen in schneller Folge vier Auflagen – hatte der Verleger John Macrone ihn allerdings kaum beteiligt, was Dickens dazu brachte, sich für «Oliver Twist« und die »Pickwick Papers« einen neuen Verleger zu suchen. – Gegenüber den Angaben bei Sadleir fehlen in Band I ein und in Band III (»Second Series«) vier Kupferstiche. – Ohne die Verzeichnisse der Kupferstiche, die Kupfer in Band III ohne den Hinweis auf die Bandnummerierung. – Das Frontispiz in Band III auf Karton aufgewalzt.

19,0 : 12,0 cm. [4], 348; [4], 342; [2], III, [1], 377, [1] Seiten, 7; 8, 6 Kupferstiche. – Einbände tadellos. – Teils leicht stockfleckig, in Band III ein Blatt lose.ws.

Sadleir 699 und 700

178  Friedrich Nietzsche. Hymnus an das Leben

€ 2500 ( R7 )

für gemischten Chor und Orchester componirt. Leipzig, E. W. Fritzsch 1887. Gestochene Musiknoten und gestochener Titel.

Erster Druck der Partitur, sehr selten. – Der »Hymnus« ist die einzige Komposition des Philosophen, die zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde. Der Text »Lebensgebet« stammt von Nietzsches Freundin Lou Andreas-Salome, die von Nietzsche jedoch als Dichterin nicht genannt wurde. Dass der Philosoph vielmehr den Text ihrer Schlussstrophe abänderte, war später Sigmund Freud eine Bemerkung der Dichterin gegenüber wert: »Nein! Wissen Sie, da täte ich nicht mit!« – Die Orchestrierung stammt von Nietzsches Freund Peter Gast. – In seinem »Ecce homo« charakterisiert Nietzsche das Musikstück wie folgt: »Insgleichen gehört in diese Zwischenzeit jener ›Hymnus auf das Leben‹ […] ein vielleicht nicht unbedeutendes Symptom für den Zustand dieses Jahres, wo das jasagende Pathos par excellence, von mir das tragische Pathos genannt, im höchsten Grade mir innewohnte. Man wird ihn später einmal zu meinem Gedächtnis singen« (zit. nach Krummel I, 139). – Plattennummer »E. W. F. 475 L«, gedruckt in der Lithographischen Anstalt C. G. Rödner, Leipzig. – Der Druck erfolgte in sehr kleiner Auflage, deren Exemplare sowohl von Nietzsche selbst als auch von Peter Gast an Freunde versandt wurden. Martin Burger nennt lediglich sieben Exemplare. Aus dem Besitz des Musikhistorikers und Kritikers Max Graf (1873–1958), mit dessen handschriftlichem Besitzvermerk auf dem Titel, die Urheberschaft der handschriftlichen Noteneintragungen auf vier Seiten konnte nicht ermittelt werden.

34,5 : 27,0 cm. 11, [1] Seiten. – Rückenfalz außen mit Filmoplast und innen mit Notenpapier fixiert. Gebräunt, geknittert, kleine Randeinrisse. – Ohne Umschlag.

Schaberg 52 a. – Krummel I, XV

179  Sigmund Freud. Die Traumdeutung.

€ 400

»Flectere si nequeo supreos, acheronta movebo«. Zweite vermehrte Auflage. Leipzig und Wien, Franz Deuticke 1909. Halblederband mit Rückenvergoldung und marmorierten Deckelbezügen.

Fast zehn Jahre waren vergangen, seit Sigmund Freud mit seiner »editio princeps« eine Revolution auslöste. »Daß […] eine zweite Auflage notwendig geworden ist, verdanke ich nicht dem Interesse der Fachkreise, an die ich mich […] gewendet hatte. Meine Kollegen von der Psychiatrie scheinen sich keine Mühe gegeben zu haben, über das anfängliche Befremden hinauszukommen, welches meine neuartige Auffassung des Traumes erwecken konnte.« Freud fühlte sich mehr »jedem weiteren Kreise von Gebildeten und Wißbegierigen verpflichtet«. Die Traumdeutung hatte, obwohl zuerst nur in 600 Exemplaren gedruckt, Einfluss gewonnen und ihren Verfasser zu einem der gefragtesten Therapeuten der damaligen Zeit gemacht. – Freud betont, dass er nur »wenig zu verändern fand. Ich habe hie und da neues Material eingeschaltet, aus meiner vermehrten Erfahrung einzelne Einsichten hinzugefügt […]«.

23,0 : 15,5 cm. [2], VI, [2], 386, [4] Seiten. – Kanten etwas berieben, Ecken leicht bestoßen. – Einige Blätter mit winzigem Eckknick. Hinteres Innengelenk gelockert.

Vgl. Carter/Muir 389

180  Sigmund Freud. Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten.

€ 600

Leipzig und Wien, Franz Deuticke 1906. Originalleinenband.

Erste Ausgabe. – Enthält einen analytischen, einen synthetischen und einen theoretischen Teil. – »Angeregt zu der Arbeit über den Witz wurde Freud 1899 durch den Hinweis von Wilhelm Fließ, die Träume enthielten zu viele Witze, ermutigt fühlte er sich durch die ›Beiträge zur Ästhetik‹ von Theodor Lipps; getragen wurde er wohl von der Lust an Witzen, die ihn selbst ›am ausgiebigsten lachen gemacht haben‹. Das waren vor allem jüdische Witze.« (Carl Pietzcker, in: Lachen. Würzburg 2006).

23,0 : 15,5 cm. [2], 205, [2] Seiten. – Die letzte Seite im Falz etwas verklebt, dort mit Einriss und Quetschfalten.

181  Sigmund Freud – Sbornik psychoanalytickych praci.

€ 3000

(Anthologie psychoanalytischer Arbeiten). Redigoval (Bearbeitet von) E[manuel] Windholz. Prag 1932. Mit einem Porträt, acht fotografischen Abbildungen auf Tafeln sowie acht großen ornamentierten Initialen. Blauer Originalleinenband mit silbergeprägten Titeln im Originalschuber. – Von Sigmund Freud signiert.

Erste Ausgabe. – Eins von 120 Exemplaren der von Sigmund Freud unter seinem Porträt signierten Vorzugsausgabe. – Mit Beiträgen des Herausgebers Emanuel Windholz und weiterer bedeutender Psychologen der Tschechoslowakei. Windholz war ab 1931 als Psychoanalytiker in Prag tätig, übersetzte Arbeiten Sigmund Freuds ins Tschechische und gab 1932 das erste tschechische Jahrbuch der Psychoanalyse heraus. – Der ebenfalls vertretene Jaroslaw Stuchlík war während seiner medizinischen Ausbildung in der Schweiz Carl Gustav Jung begegnet und besuchte 1917 Sigmund Freud in Wien. In der Tschechoslowakischen Republik leitete Stuchlík von 1919 bis 1938 die psychiatrische Klinik in Košice (Kaschau) in der Ost-Slowakei. Mehrere seiner Schüler wurden Psychoanalytiker, so Emanuel Windholz, Sándor Lorand und Jan Frank. – Auf Windholz’, Stuchlíks und anderer Initiative wurde 1931 eine Gedenktafel an Freuds Geburtshaus im mährischen Pribor (Freiberg) angebracht, die vorliegende Anthologie erschien aus diesem Anlass. – Sehr selten und tadellos erhalten.

24,5 : 17,5 cm. 125, [3] Seiten.

www.psychoanalytikerinnen.de/polencsr_geschichte.html

182  Curt Moreck. Führer durch das »lasterhafte« Berlin.

€ 600

Leipzig, Verlag moderne Stadtführer [1931]. Mit 67, meist ganzseitigen und farbigen Abbildungen. Roter Originalseidenband, Vorderdeckelillustration und Rückentitel in Goldprägung.

Originalausgabe, sehr selten. – »Dieser Bestseller aus dem Jahr 1931 führt den Leser mitten hinein in die pulsierende Metropole Berlin auf dem Höhepunkt der »Goldenen Zwanziger«. Folgen Sie dem Autor bei seinen Ausflügen zu den Hotspots des damaligen Nachtlebens – in sagenumwobene Varietés und Tanzpaläste, in Vergnügungsparks und Kaffeehäuser, in angesagte Bars und Schwulenkneipen, aber auch an die Orte der Prostitution und des Verbrechens.« (Verlagsanzeige zu einem der zahlreichen Nachdrucke). – Zu den Illustratoren zählten Paul Kamm (meist zweifarbig, vielfach mit Fotomontagen), Christian Schad (Zeichnungen), Jeanne Mammen (meist farbige), George Grosz, Heinrich Zille u. a. – Curt Moreck (eigentlich Konrad Haemmerling, 1888–1957) hatte zunächst Prosa veröffentlicht, wandte sich aber Ende der 1920er Jahre der Kultur- und Sittengeschichte zu. – Titel mit der korrigierten Verlagsangabe. – In seiner Einbandillustration lässt Paul Kamm den Berliner Bären von einem Show-Girl ge(ver)führt aus dem Wappen entsteigen.

16,5 : 12,0 cm. 229, [3] Seiten. – Rücken verblasst, Vordergelenk etwas aufgerissen. – Innengelenk nach dem Vortitel aufgerissen. Ränder papierbedingt leicht gebräunt, vereinzelte winzige Randeinrisse.