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Büchermacher und Bücher machen | Hesse-Auktionen
Büchermacher und Bücher machen

207  Gotthard de Beauclair – Von einem König, Schneider, Riesen, Einhorn und wilden Schwein.

€ 450

Offenbach 1925. Mit vier zweifarbigen Holzschnitten von Wilhelm Pischner. Originaleinband mit braunem Büttenbezug, schwarzen Lederecken und Deckelvignette. – Widmungsexemplar.

Unter dem Druckvermerk von Gotthard de Beauclair, der das Buch setzte und gestaltete, eigenhändig mit »Mein erstes Buch! G. de B.« bezeichnet. – In der Buchdruckwerkstatt der Technischen Lehranstalten Offenbach wohl nur in kleinster Auflage gedruckt. – Jeder Satz über die Bedeutung Gotthard de Beauclairs (1907–1992) für die deutsche Buchkunst des 20. Jahrhunderts hieße, die berühmten »Eulen nach Athen« zu tragen. Auf Empfehlung seines Onkels Christian H. Kleukens hatte Gotthard de Beauclair von 1923 bis 1928 »das Glück, bei Klingspor und in der Werkstättengemeinschaft des genialen ›Offenbacher Schreibers‹ Rudolf Koch eine lebensformende Ausbildung in der Kunst Gutenbergs zu erhalten« (Rudolf Sühnel, in »G.d.B., Leben und Werk«, 1996, S. 19). Noch 1928 wurde er Hersteller und Buchgestalter des Leipziger Insel-Verlages. – Auf Bütten. – Sehr selten, kein Exemplar im KVK nachweisbar (nur eine im selben Jahr erschienene andere Ausgabe des Textes). – Tadellos.

16,2 : 11,0 cm. 22, [2] Seiten.

Nicht in der oben zitierten Monographie, nicht bei Spindler

208  Hermann Gotthard [pseudonym für Gotthard de Beauclair]. Triangel des Glücks.

€ 450

Gedichte. Leipzig [1929]. Originalpappband mit Deckelschild. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe, die erste eigenständige Veröffentlichung, erschienen unter Pseudonym als Privatdruck »in kleiner Auflage für meine Freunde gedruckt von der Offizin Haag-Drugulin«. – Auf dem Vorsatzblatt die eigenhändige Widmung »Alles Leben wird erst durch uns lebendig« für den Vorbesitzer, datiert 1967. – Dazu: Gotthard de Beauclair. In uns die Welt. Gedichte. Chemnitz 1932. Originalbroschur mit -büttenumschlag. Erste Ausgabe. Eins von 300 Exemplaren, im Druckvermerk vom Verfasser signiert. Veröffentlicht von der Gesellschaft der Bücherfreunde zu Chemnitz als fünfter Band der »Chemnitzer Drucke. Eine Folge von Frühwerken junger Dichter«. – Gotthard de Beauclair. Das verborgene Heil. Ein Buch der Besinnung. [Gedichte] 1942–1946. Krefeld, Scherpe 1946. Originalbroschur. Erste Ausgabe. Vortitel mit eigenhändiger Widmung »Leo Heuter – dem Wiederentdecker freundschaftlich!« von 1980. – Alle sehr gut erhalten.

Werkverzeichnis in »G.d.B., Leben und Werk« (1996), Seite 165

209  Eugen Diederichs – Das gegerbte Löwenfell.

€ 450

Ein Kultursammelsurium zum 14. September 1921. Herausgegeben von den Hütern des Löwenzwingers. [Jena] 1921. Mit einigen Illustrationen. Orangefarbene Originalbroschur.

Eins von 100 Exemplaren. – Ebenso seltene wie humorige Festschrift zum 25. Gründungsjubiläum des Verlags. Eugen Diederichs hatte ihn 1896 in Florenz geründet, verlegte den Firmensitz aber bald nach Leipzig und 1904 nach Jena. Der sitzende Löwe war und ist das Verlagssignet, im Laufe der Jahre entworfen von E. R. Weiß, F. H. E. Schneidler, F. H. Ehmcke, J. V. Cissarz u. a. Durch Buchkünstler und Typographen wie die vorgenannten, wurde der Verlag zu einem der führenden für die deutsche Buchkunst der Moderne. – Aus dem Inhalt: Titelbild »Blütenkranz des Heiligen Eugenius von Jena« (nach Ehmckes Franz von Assissi-Ausgabe), »Der Ring des Löwen. Ein mystisch-groteskes Zirkusspiel«, »Ein moderner Erkönig«, »Die dadaistische Bewegung im Verlage des florentinischen Löwen« u. a. m. – Gedruckt bei Spamer, Leipzig. – Dazu: Werbezettel »Die Märchen der Weltliteratur« (1912), drei Faltblätter mit Grüßen des Verlegers 1921, 1924 und 1926 und eine Einladungskarte zur Sonnenwendfeier des Verlegers 1927. – E. R. Weiss. Elisabeth Eleanor. Eine Liebe. Florenz und Leipzig, Eugen Diederichs 1896. Originalbroschur. Eine der ersten Verlagspublikationen. Erste Lage gelockert.

32,0 : 24,0 cm. 16 Seiten. – Umschlagränder leicht bestoßen. – Ränder, vor allem bei Seiten 1 und 16 etwas gebräunt.

210  Offizin Haag-Drugulin, später Andersen-Nexö – 55 Jahresgaben der Leipziger Druckerei.

€ 900

Leipzig 1935–1996 und 2007–2008.. Einige mit Illustrationen. Originaleinbände (Leder, Halbpergament, Leinen, Seide und einige Broschuren), wenn erschienen dann mit Schuber.

Vollständige Reihe aller in Buchform erschienenen Jahresgaben, reizvoll in Vielfalt und Gestaltung. – Vorhanden sind somit die Jahrgänge 1935–1941 und 1948–1996 sowie die beiden nach dem Eigentümerwechsel erschienenen letzten Jahrgänge. 1946 und 1947 erschienen keine Buchausgaben, ebenso 1990 und 1992. Ab 1968 liegen hier die meisten, ab 1976 alle in der Ledervariante vor. – Die Bände erschienen in Auflagen von wenigen Hundert bis maximal 1500 Exemplare. – Die Texte hatten vielfach Bezug zur Bibliophilie, unter den Autoren finden sich Lichtenberg, Jean Paul, Goethe, Gogol, Schiller, Hebel, Kleist, Dickens, Tagore, Flaubert, Heine, Anatole France, Luther u. v. a. Einige Bände mit Fabeln, Aphorismen, vereinzelte mit Illustrationen (Ammann, Ständebuch). – Eine Abhandlung zur Geschichte der Reihe mit detaillierte Bibliographie aller Drucke veröffentlichte Herbert Kästner 2001 in Heft 162 der Marginalien, die dortige Auflistung versenden wir auf Anfrage. – »In den zwanziger Jahren vollzog sich jedoch ein gewisser Wandel; schmucke und wohlgestaltete Bändchen, vorwiegend literarischen Inhalts, transportierten [anstelle der bis dahin geläufigen Verlagsalmanache] die Firmenwerbung nun auf indirekte Weise.« Selbstanspruch und Selbstverständnis des damals in hoher Blüte stehenden (und nicht nur Leipziger) Druckgewerbes formulierte Ernst Kellner, künstlerischer Leiter der Offizin Haag-Drugulin, 1936/37 so: »Das, was die Buchdrucker hervorbringen, spiegelt mehr als andere Lebensäußerungen den kulturellen Bestand der Nation.« Dem Leiter der Offizin Ernst Kellner, der von Klingspor und aus der Schule von Rudolf Koch kam, stand für viele Jahrzehnte Horst Erich Wolter als Typograph zur Seite, der nach dem Krieg die Reihe noch über seine Pensionierung bis 1982 betreute. Ihm folgte Siegfried Hempel, seit 1962 Direktor der mittlerweile umbenannten Offizin. – Allein 22 der Bändchen wurden im Rahmen der Wettbewerbe um die »Schönsten Bücher des Jahres …« ausgezeichnet. – »Die Gestaltung der Bände steht ganz in der Leipziger Buchtradition, geht aus vom Primat der Type […] Der reiche Schriftenbestand der Offizin gestattete eine erfreuliche typographische Vielfalt der Drucke, die in den ersten Jahren oft noch handgesetzt wurden. […] Große Sorgfalt wurde auch auf Gestalt und Fertigung des Einbandes verwandt. Selbst bei kleinstformatigen Bändchen von kaum mehr als fünf Millimeter Dicke ist eine Rückenzeile Pflicht, und der Deckel ist häufig unter Verwendung typographischer Ornamente […] oder mit einem geprägten Zierstück geschmückt. In späteren Jahren wurde je eine kleine Quote der Auflage in Leder gefertigt« (Herbert Kästner).

Meist ca. 15 : 10 cm. – Alle tadellos erhalten, so vollständig sicher selten zu finden.

211  Fritz Usinger. Buchstaben-Buch.

€ 200

Offenbach am Main, Wilhelm Kumm 1977. Mit illustriertem Vorderdeckel und 25 blattgroßen farbig kalligraphierten Buchstaben von Karlgeorg Hoefer. Kordelgeheftete Originalbroschur. In Balsaholzhülle mit Schließband.

Eins von 200 Exemplaren. – Auf Japan-Bütten. – Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert. – Fritz Usinger schrieb das Buchstaben-Buch im Auftrag seines Verlegers. – Karlgeorg Hoefer (1914-2000), Typograph und Kalligraph, lehrte an der Werkkunstschule Offenbach. 1987 gründete er die Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach und den Förderkreis Internationaler Kalligraphie e. V.

23,9 : 16,9 cm. [58] Seiten.

212  Friedrich Wilhelm Kleukens – Gottfried Keller. Der grüne Heinrich.

€ 300

Roman. Nach der ersten Fassung von 1854–55. Erster [bis] Vierter Band. Stuttgart und Berlin, Cotta 1913. Elfenbeinfarbene Originalmaroquinbände mit reicher floraler Vergoldung; Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet.

In kleiner Auflage erschienen. – Gedruckt auf Van Gelder-Bütten. – Den Buchschmuck – ornamentale Initialen, Titelbordüre und die üppige Vergoldung der Vorderdeckel – entwarf Friedrich Wilhelm Kleukens.

21,0 : 16,0 cm. – Einbände etwas, zwei besonders am Rücken, stockfleckig. Vorsätze teils mit Abklatsch ehemaligen Umschlags. – Innen tadellos.

213  Karl Klingspor – Glückwunsch der Buchstaben.

€ 300

Dr. Karl Klingspor zum 28. Juli 1932. [Offenbach 1932]. Mit 26 Schriftmuster-Tafeln. Illustrierter Originalpappband mit Lederkanten in der Originalumschlagmappe.

Ohne Auflagenvermerk, wohl aber nur in kleinster Auflage hergestellt. Wir konnten via KVK und vialibri kein Exemplar nachweisen. – Zweifarbig gedruckt auf Japanbütten. – Anlässlich des 40. Berufsjubiläums von Karl Klingspor entstandene und mustergültig gedruckte Sammlung von 26 Schriftproben. In dem anonym verfassten Vorwort danken die Druckschriften dem Jubilar. – Der kleine Band vereint klassische Typen mit Entwürfen bekannter Schriftkünstler des 20. Jahrhunderts, darunter Otto Eckmann, Peter Behrens, Rudolf Koch, Walter Tiemann und Wilhelm Klingspor. – Die Brüder Klingspor hatten Ende des 19. Jahrhunderts die väterliche Schriftgießerei übernommen und stetig erweitert. Sie regten zeitgenössische Graphiker an, eigene Schriften zu entwerfen und sorgten somit maßgeblich für die typographische Vielfalt in der deutschen Buchkunst des 20. Jahrhunderts. – Sehr selten, das Buch tadellos erhalten. – Dazu: Ulrich von Hutten. Ich habs gewagt! Offenbach 1921. Originalbroschur. Festgabe zum 50. Geburtstag von Wilhelm Klingspor. – Festschrift. Karl Klingspor zum achtzigsten Geburtstag. [Offenbach] 1948. Mit neun ganzseitigen, teils montierten und farbigen, Bildbeigaben. Illustrierter Originalpappband.

20,5 : 14,5 cm. [28] Seiten.

214  Klingspor – [Johann Wolfgang von] Goethe. Von Deutscher Baukunst.

€ 200

Erläutert von Ernst Beutler und mit Bildern von Willi Harwerth. Offenbach am Main [1941]. Mit Holzschnitten im Text. Schwarzer Originalhalblederband mit leuchtend orangefarbenen Büttendeckelbezügen, Vorderdeckel mit schwarzer Ledervignette, diese und der Rücken mit Vergoldung. Im Originalschuber.

Eins von 150 Exemplaren auf Bütten (Gesamtauflage 250). – Gesetzt aus Schriften von Otto Hupp bzw. Walter Tiemann (Nachwort). – Neuausgabe von Goethes erster Prosaarbeit. Den beiden Straßburger Gelehrten Johannes Ficker (1861–1944) und Rudolf Kautzsch (1868–1945) aus Anlass der »Rückkehr« Straßburgs unter deutsche Verwaltung gewidmet. – Bereits 1932 war der Text mit Illustrationen Harwerths in der Offenbacher Ernst Engel Presse erschienen. – Tadellos schönes Exemplar.

35,5 : 25,7 cm. [2], 23, [2], XV, [3] Seiten.

215  Buchkunst – Hans Loubier. Die neue Deutsche Buchkunst.

€ 300

Mit 157 Abbildungen. Stuttgart, Felix Krais 1921. Mit zahlreichen Abbildungen auf Tafeln. Originalecrasélederband mit goldgeprägten Titeln und Kopfgoldschnitt (G. Balz, Stuttgart).

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Ganzleder. – Einbandgestaltung von Walter Tiemann. – Standardwerk über die deutsche Buchkunst mit unzähligen Abbildungen von Schriftproben, Verleger- und Druckermarken und Einbänden. Hans Loubier »überblickte kritisch und kenntnisreich plaudernd vier Jahrzehnte« (Georg K. Schauer). – Aus der Bibliothek von Richard Doetsch-Benziger, dem bedeutenden Sammler von Büchern und Kunst, namhafter Förderer von Paul Klee und Mäzen des Kunstmuseums Basel. 1957 schenkte er den Hauptbestand seiner Bibliothek dem Gewerbemuseum Basel als Grundstock zu einem Buchmuseum.

[8], 122, [3], 149, [3] Seiten, 8 Tafeln, [4] Seiten.

Schauer I, 6

216  Albert Spindler. Typen.

€ 200

Pressendrucke des deutschen Sprachraums seit 1945. Eine Bibliographie. Mit einem Vorwort von Eva-Maria Hanebutt-Benz. Gifkendorf, Merlin 1988. Mit 21 lose beigelegten Künstlerdrucken und zahlreichen Abbildungen. Originalleinenband und -mappe, zusammen im -schuber.

Erste und einzige Ausgabe. – Eins von 80 Exemplaren der Vorzugsausgabe A mit 21 beigegebenen, meist signierten, Künstlerdrucken. – Die bisher unübertroffene Bibliographie der Pressendrucke nach dem Zweiten Weltkrieg.

28,0 : 21,0 cm. 335, [1] Seiten.

217  Canon missae.

€ 300 ( R7 )

Mainz, Gutenberg-Gesellschaft 1940. Mit einer ganzseitigen Illustration nach einem alten Holzschnitt. Originalhalbpergamentband. Vorderdeckel mit goldgeprägter Deckelvignette. – Widmungsexemplar.

In kleiner Auflage als Festgabe zur 500-Jahrfeier der Druckkunst erschienen. – 1940 wurde in Deutschland trotz Kriegszeit das Jubiläum der Erfindung des Buchdrucks mit viel Pomp und Propaganda gefeiert. Die Stempel AG ließ nach Angaben von Gustav Mori in der Schriftgusstechnik Gutenbergs eine Schrift schneiden und gießen und druckte damit das vorliegende Buch, wie beim Fust-Schöffer-Original, in drei Farben (Schwarz, Rot und Blau). Das handgeschöpfte Bütten stiftete die Firma Zanders. Den Einband fertigte der Leiter der Kleukens-Binderei Ernst Rehbein. – Das über das Kriegsende hinaus »gerettete« Exemplar widmeten Hans und Marga Stempel – damals Eigentümer der berühmten Schriftgießerei Stempel – Weihnachten 1949 dem »Vater des Grundgesetzes« und ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss.

39,7 : 29,0 cm. [32] Seite.

218  Jan Tschichold. Geometrische Komposition.

€ 300

Tusche und Aquarell auf grünen Karton. Um 1966. 13,5 : 11,0 cm.

Dazu: Faltblatt »Herzlichen Dank und freundliche Grüße«, von Jan Tschichold signiert. – Ferner: Brief an Richard von Sichowsky, mit eigenhändiger Unterschrift. Basel, 8. Mai 1966. Ausführlich über eine Publikation über den russischen Graphiker Faworski.

219  Jan Tschichold. Geometrische Komposition.

€ 300

Tusche und Deckweiß auf farbigem Karton. Um 1965. 12,0 : 12,6 cm.

Möglicherweise Entwurf für einen Bucheinband. – Dazu: Faltblatt »Herzlichen Dank und freundliche Grüße«, von Jan Tschichold signiert. – Ferner: Fotopostkarte von Tschichold an Richard von Sichowsky. Berzona, 11.2.1969. Dankt für eine Buchsendung und erwähnt, dass man nun ganz im Tessin lebt. – Zwei Beigaben.

220  E. R. Weiss zum fünfzigsten Geburtstage 12. Oktober 1925.

€ 600

Herausgegeben von Herbert Reichner, Wien. Leipzig, Insel 1925. Mit je einer Lithographie von Karl Hofer und Karl Walser sowie einem Holzschnitt von Emil Orlik, alle signiert, und zahlreichen Tafeln und Abbildungen. Originalpergamentholzdeckelband. Deckelvignette und Rückentitel vergoldet (Spamersche Buchbinderei, Leipzig).

Eins von 50 Vorzugsexemplaren mit den signierten Graphiken und im Pergamenteinband (Gesamtauflage 500). – Opulente Festschrift für Emil Rudolf Weiß (1875–1942), einen der vielseitigsten Buchkünstler der Moderne. Die Werkschau wurde von 13 Druckereien und Verlagen gestiftet (und dort in Teilen gedruckt) – eine »geradezu einzigartige Veranstaltung« (Schauer). – Otto Julius Bierbaum verpflichtete Weiß als Buchkünstler für die Zeitschrift »Pan«, die von Weiß eingesandten Texte stellte er zurück. »Dieses war wohl die entscheidende Weichenstellung, die Weiß von der eigenen Literatur wegführend wiederum zur Literatur als Buchgestalter hinführte. Die ästhetische Gestaltung des Buches um die Jahrhundertwende und bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts ist in Deutschland ganz wesentlich von Emil Rudolf Weiß geprägt worden.« (Markus Brandis, Vorwort zum Katalog »E. R. Weiß«, Auktion 99, Bassenge 2012) – Mit den signierten Originalgraphiken von Karl Hofer (Porträt von E. R. Weiss, Lithographie, Rathenau L 56), Karl Walser (Exlibris E. R. W., Lithographie, Badorrek-Hoguth C 21) und Emil Orlik (Das Tao, Holzschnitt). – Mit Textbeiträgen von Franz Blei, Martin Buber, Gerhart Hauptmann, Oskar Loerke, Julius Meier-Graefe, Hans Loubier, G. A. E. Bogeng, Stanley Morison, Julius Rodenberg und anderen. – Der umfangreiche Tafelteil (mehr als 170 teils gefaltete und farbige Tafeln) dokumentiert die gesamte Bandbreite des Weiß’schen Schaffens Buchschmuck, Initialen, Bücherzeichen, Signete, Druckschriften, Typographischer Schmuck, Buchumschläge, Buchtitel und Einbände. – Tadellos schönes Exemplar.

37,0 : 27,5 cm. [2], 106, [2] Seiten, 124 Tafeln, [2] Seiten, 47 Tafeln, [4] Seiten.

Oschilekwsi 156. – Sarkowski 1891. – Schauer I, 186

221  Hermann Zapf und August Rosenberger. Das Blumen ABC.

€ 600

Frankfurt am Main, Heinrich Cobet 1949. Mit 26 kolorierten Tafeln. Bordeauxroter Maroquinband mit vergoldeten Fileten und Eckfleurons, goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (signiert: Gudrun von Hesse).

Unnummeriertes Exemplar außerhalb der Auflage von 200. – Mit einem Widmungsblatt der Geschäftsleitung der D. Stempel AG für Fritz Adomzent, den Direktor der Mergenthaler Setzmaschinenfabrik zum 50jährigen Geschäftsjubiläum. – Druck auf Fabriano-Bütten. – Die Arbeit am Blumen ABC wurde von Hermann Zapf in Bordeaux begonnen und 1947 in Frankfurt a. M. beendet. August Rosenberger, von 1927 bis 1962 Meister der Schriftschneiderei der Stempel AG, fertigte für Hermann Zapf, nach dessen Zeichnungen, die Bleischnitte zum Blumen ABC an. – Der Einband stammt von der Ehefrau Hermann Zapfs, Gudrun von Hesse (1918–2019).

33,0 : 24,5 cm. 36 Blätter.

222  Oskar Zech – Drei von ihm gestaltete und gedruckte Werke.

€ 300

Leipzig 1956–1959. Originaleinbände (Friedrich P. Dilßner, Leipzig).

I. Kalidasa. Der Kreis der Jahreszeiten. 1956/57. Mit acht Farbätzungen von Oskar Zech. Originalpergamentband. Rückentitel und Deckelvignette goldgeprägt. Eins von 100 Vorzugsexemplaren in Pergament (Gesamtauflage 200). – II. Rainer Maria Rilke. Gedichte in Auswahl. 1958. Originalseidenband mit goldgeprägter Deckelvignette. Eins von 180 Exemplaren. – III. Friedrich Hölderlin. Auswahl der Gedichte. 1959. Originalhalbpergamentband mit goldgeprägten Titeln. Eins von 100 Exemplaren. – Gedruckt im Institut für Buchkunst, das 1947 mit der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst wiedereröffnet worden war. Oskar Zech, der schon in den 1920er Jahren unter Tiemann und Mathey an der Akademie tätig war, leitete bis 1958 die Werkstatt für Typographie. 1959 verließ er die Hochschule und gründete eine eigene Handpresse. – I und III wurden aus der Hammer-Unziale gesetzt, beide Bücher gewannen den Wettbewerb »Schönstes Buch des Jahres«. – Alle drei tadellos.

Ca. 29,5 : 20,0 cm.

Seyfert/Weiße S. 173, 174 und 175

223  Philobiblon.

€ 250

Eine Vierteljahresschrift für Buch- und Graphik-Sammler. Jahrgänge 1–45. Hamburg, später Stuttgart 1957–2001. Mit zahlreichen Abbildungen. 180 Originalbroschuren.

Vollständige Folge, die Zeitschrift wurde 2001 eingestellt. – 1957 übernahm der Hamburger Verleger, Antiquar und Versteigerer Dr. Ernst Hauswedell die Neubegründung und machte die Zeitschrift für Jahrzehnte zur führenden Publikation der (zumindest west-)deutschen Bibliophilen. – Zu den verdienstvollen Inhalten zählen auch zahlreiche versteckte Bibliographien. – Sehr gut erhalten. – Dazu: Kurt Christians und Richard von Sichowsky. Aufsätze über Buchgestaltung, Illustration und Schrift. Sieben Hefte [alles?]. Hamburg [1964–]1974. Mit Tafeln und Abbildungen. Originalbroschuren. Je eins von 800 Exemplaren. Mit Aufsätzen zu Hegenbarth, Behmer, E. R. Weiß u. a.

24,0 : 16,0 cm.

224  Die Buchillustration in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1945.

€ 400

Ein Handbuch. Herausgegeben von Wolfgang Tiessen. Mit einem einleitenden Essay von Hans Adolf Halbey. Band I [bis] VI. Neu-Isenburg, Wolfgang Tiessen 1968-1989. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalleinenbände.

Eins von 150 Vorzugsexemplaren, jeder Band mit zwei beigelegten signierten Originalgraphiken: Werner Neufeld, Imre Reiner, Otto Rohse, Eduard Bargheer, HAP Grieshaber, Christoph Meckel, Gertrude Degenhardt, A. Paul Weber, Paul Eliasberg, Simon Dittrich, Georg Eisler und Karl-Georg Hirsch. – Noch immer viel verwendetes und gern zitiertes Standardwerk zur Buchillustration der Nachkriegsjahrzehnte. Neben einem Bildteil, der eine Auswahl von Neuerscheinungen vorstellte, jeder Band am Ende mit dem Verzeichnis der im Berichtszeitraum veröffentlichten illustrierten Bücher bestimmter Künstler. – Tadellos.

19,8 : 22,0 cm.

225  Die Buchillustration in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1945.

€ 250

Ein Handbuch. Herausgegeben von Wolfgang Tiessen. Mit einem einleitenden Essay von Hans Adolf Halbey. Band I [bis] VI. Neu-Isenburg, Wolfgang Tiessen 1968-1989. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalleinenbände.

Bände I, II und VI aus der Vorzugsausgabe (150 nummerierte Exemplare), diese Bände mit beigelegten signierten Originalgraphiken von Werner Neufeld, Imre Reiner, Otto Rohse, Eduard Bargheer, Georg Eisler und Karl-Georg Hirsch. – Noch immer viel verwendetes und gern zitiertes Standardwerk zur Buchillustration der Nachkriegsjahrzehnte. Neben einem Bildteil, der eine Auswahl von Neuerscheinungen vorstellte, jeder Band am Ende mit dem Verzeichnis der im Berichtszeitraum veröffentlichten illustrierten Bücher bestimmter Künstler.

19,8 : 22,0 cm.

226  Typographen, Buch- und Schriftkünstler – 31 Briefe, davon 20 eigenhändig.

€ 500

1960er Jahre. Zusammen etwa 40 Seiten.

Inhaltsreiche und teils schön kalligraphierte Briefe bedeutender »Büchermacher« des 20. Jahrhunderts an den Typographen Richard von Sichowsky (1911–1975) in Hamburg. – Max Caflish (2), F. H. Ehmcke, Paul Hayden Duensing (2), Halvor Durban-Hansen (2), Carl Georg Heyse (2), Felix Hoffmann, Abraham Horodisch, Albert Kapr (3), Hertha Larisch, Johannes Lebek, E. S. Levetin, Alexander Nesbitt, Imre Reiner (3), Julius Rodenberg, Andrzej Rudzinski, Hans Schmoller, Stanislav Soucek (3), Paul Standard (2) und Emil Zbinden (2).