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Die Kunstismen: Dada, Expressionismus, Surrealismus | Hesse-Auktionen
Die Kunstismen: Dada, Expressionismus, Surrealismus

624  Rudolf von Laban. Teufelswalzer.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2800

Bühnenbild mit Figurinen. Collage. 30 : 43 cm. Signiert.

Aus verschiedenfarbigen, teils aquarellierten Papieren sowie Goldpapier. – Auf Pappe montiert, rückseitig mit altem Aufkleber mit Künstlernamen, Titel und »Dürerbund. Nürnberg. Preis 1600 Mark«. – Geschenk des Künstlers, seitdem in rheinländischem Familienbesitz.

Rudolf von Laban (1879–1958) arbeitete in Wien und später in München als Tanzlehrer und zunächst zusätzlich auch als Karikaturist und Graphiker, zum Beispiel für »Jugend« und »Simplicissimus«. In der Nähe von Ascona gründete er 1913 eine Sommerfiliale seiner Münchner Tanzschule, im Frühjahr 1916 eröffnete er in Zürich eine »Schule des freien Tanzes«. Bereits im April suchten die Zürcher Dadaisten Kontakt zu Laban, der auf der Hauptprobe der 1. Dada-Soirée anwesend war und im Frühjahr und Sommer 1916 erste Tanz- und Maskenspiele veranstaltete. »Im ›Cabaret Voltaire‹ und vor allem in der ›Galerie Dada‹ kam es durch das Zusammentreffen von Dada- und Laban-Kreis […] zur Inszenierung des Kubismus. […] ›Dada Zürich‹ wurde jetzt zum Sammelpunkt der Avantgarde. Die Aktivitäten der Laban-Schule im Dada-Kreis, das Interesse der Dadaisten an der Laban-Schule sind mithin ein Beispiel für diese Konzentrierung der avantgardistischen Strömungen in Dada. […] In diesem Sinne blieb die Laban-Schule mit Dada in einem produktiven Dialog.« (Raimund Mayer in: Dada in Zürich, 1985/94, S. 42f.) Katja Wulff erinnerte sich in dem Gespräch mit Raimund Meyer an die gemeinsamen Feste mit Arp, dessen Ehefrau Sophie Taeuber-Arp, Mary Wigman und Rudolf von Laban. Anlässlich eines Kostümfests bei Mary Wigman sollen erstmals Dichtungen von Arp rezitiert worden sein. Bis 1919 unterrichtete Laban in Zürich, noch im Mai äußert er sich auf einem Plakat zu einer Mary Wigman-Aufführung und verlässt danach die Stadt etwa zur gleichen Zeit wie die Tänzerin. 1920 veröffentlichte er im Stuttgarter Seifert Verlag »Die Welt des Tänzers« (mit farbiger Abbildung der Collage »Teufelswalzer«, vgl. Dada global 278). Auch in Hamburg gründete Laban 1923 eine Tanz-Schule bevor er sich für die Folgejahre in Berlin niederließ. Dort erschienen 1927 einige seiner Texte zum Tanztheater in Waldens »Sturm«. Von 1930 bis 1934 leitete Laban das Ballett der Deutschen Staatsoper in Berlin, 1937 floh er vor den Nationalsozialisten nach Manchester und gründete in der Nähe von London nochmals ein Bewegungsstudio. – Laban hatte schon frühzeitig begonnen, sich wissenschaftlich mit Bewegung in all ihren Facetten zu befassen. Die von ihm entwickelte »Laban-Notation«, die es ermöglicht, Bewegung in Struktur und Ausdruck detailliert zu analysieren, wurde ein einmaliges Handwerkszeug für Lehrer, Therapeuten und Tanzwissenschaftler sowie für Tänzer, Choreographen, Schauspieler und Musiker.

Minimale Alterungsspuren, unten links kleine Verfärbung.

625  Rudolf von Laban. Tanzdichtung: »Die Schwalben«.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Bühnenbild mit Figurinen. Collage. 30 : 43 cm. Signiert.

Aus verschiedenfarbigen, teils aquarellierten Papieren sowie Goldpapier. – Auf Pappe montiert, rückseitig mit altem Aufkleber mit Künstlernamen und Titel, Rest unleserlich. – Geschenk des Künstlers, seitdem in rheinländischem Familienbesitz.

Etwas verblasst, leichte Leimschatten, linker Rand mit Feuchtigkeitsspuren.

626  Rudolf von Laban. Aus der Pantomime »Spielmann«.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Bühnenbild mit Figurine. Collage. 30 : 43 cm. Signiert.

Aus verschiedenfarbigen, teils aquarellierten Papieren sowie Goldpapier. – Auf Pappe montiert, rückseitig mit altem Aufkleber mit Künstlernamen, Titel und »Dürerbund. Nürnberg. Preis 1500 Mark«. – Geschenk des Künstlers, seitdem in rheinländischem Familienbesitz.

Minimale Bereibungen, Oberrand minimal stockfleckig.

627  Rudolf von Laban. Figurinen.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 4800

Zwei Collagen. Wohl um 1917. 33 : 30 cm bzw. 36 : 28 cm. Beide signiert.

Aus verschiedenfarbigen und teils aquarellierten Papieren, teils auch dünnem Japan. – Beide auf Pappe montiert. – II: Rückseitig mit altem handschriftlichem Aufkleber »VIII Kostümentwurf | Rudolf v. Laban | Dürerbund. Nbg. | Preis 800 Mark«. – Geschenk des Künstlers, seitdem in rheinländischem Familienbesitz.

I mit leichten Feuchtigkeitsspuren an den Seitenrändern. – II minimal lichtrandig.

628  A. A. Ianov. Teatralnaja dekoracia.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Prakticeskoe rukovodstvo (russisch: Theaterdekoration. Eine praktische Einführung). Leningrad, Blago 1926. Mit zwei Farbtafeln und zahlreichen Abbildungen. Originalhalbleinenband mit farbig lithographierter Vorderdeckelillustration.

Seltene Originalausgabe mit Bildbeispielen aus dem traditionellen wie avantgardistischen Theater, darunter auch Bühnenbilder von Eduard Sturm, Düsseldorf, Ernst Stern, München, Eduard Johns, New York, u. a.

28 : 20 cm. 60 Seiten, 2 Tafeln. – Kanten bestoßen, untere Ecke des Hinterdeckels abgebrochen. – Besitzvermerke, leicht fleckig.

629  Jean Hugo – Jean Cocteau. Roméo et Juliette.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

Prétexte a mise en scène, d’après le drame de William Shakespeare. Décors et costumes de Jean Hugo. Paris, Au sans pareil 1926. Mit 20 kolorierten Holzschnitten nach Jean Hugo, davon zwölf auf Tafeln und acht im Text, sowie einem weiteren als Titelvignette und auf der Chemise. Originalumschlag in Chemise.

Erste Ausgabe. – Eins von 350 Exemplaren auf Velin Montgolfier d’Annonay (Gesamtauflage 432). – Schönes Art-Déco-Buch mit zwölf großen Figurinen und acht Bühnenbildern in Holzschnitt und zartem Kolorit. Die prachtvollen Illustrationen schnitt Valentine Hugo in Weißlinienmanier in Holz. Die Kolorierung erfolgte unter Aufsicht des Künstlers. – Nachdem Valentine Hugo 1909 Aufführungen der Ballets Russes gesehen hatte, entwarf sie Ballettskizzen. Kurz nach einer Ausstellung dieser Zeichnungen anlässlich der Uraufführung von Strawinskys »Le Sacre du Printemps« lernte sie Cocteau, Satie und de Fresnaye kennen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann entwarf sie bereits 1921 die Kostüme zu Cocteaus »Mariés de la Tour Eiffel«. 1924 folgten die Entwürfe für Cocteaus Shakespeare-Adaption, die in der Vertonung von Roger Desormière im »Cigale« uraufgeführt wurde. – Beilage: Ein Holzschnitt aus dem Buch, bezeichnet (signiert?) »Jean et Valentine HUGO | épreuve d’état«.

33 : 25 cm. [10], 100, [8] Seiten, 12 Holzschnitte. – Ränder teils leicht gebräunt und minimal stockfleckig.

Monod 2932

630  Art Déco – Mannequins Siégel, Paris.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Édité sous la direction de Cosette-Lucien Vogel, avec la collaboration d’ André Vigneau. Photographies sont du Baron Hoyningen-Huené. Paris, Condé Nast Publications 1928. Mit 19 ganzseitigen Heliogravüren nach Fotografien. Silberdeckel mit Goldprägung, Spiralbindung.

Originalausgabe, entstanden in Zusammenarbeit mit den Modedesignern der Zeitschrift »Vogue«. – Die reizende Art déco-Publikation präsentiert Modellpuppen der Firma Siégel, ausstaffiert mit Kleidern, Hüten und Schmuck von Boucheron, Lucien Lelong, Van Cleef et Arpels u. v. a. Die Modelle wurden von George Hoyningen-Huené (1900–1968) fotografiert, der zu den bedeutendsten Modefotografen der 1920er Jahre zählte. Die Siegél-»Mannequins« waren damals in den führenden »haute couture«-Salons zu bewundern.

32 : 25 cm. [28] Seiten. – Die Silberdeckel etwas fleckig, Vergoldung verblasst.

631  Hans Arp. 1924 · 1925 · 1926 · 1943.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Bern, Benteli 1944. Mit einer ganzseitigen Illustration nach einer Zeichnung von Sophie Taeuber-Arp. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren. – Nach der Typographie von Jan Tschichold gedruckt. – Tadellos schönes Exemplar. – Selten.

24 : 16 cm. [32] Seiten.

Hagenbach A 14

632  Hans Arp. Elemente.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Holzschnitte. Entwürfe aus dem Jahre 1920. Zürich 1950. Mit zehn Holzschnitten, davon vier farbig, einer signiert. Lose Doppelblätterin Originalhalbpergamentchemise und Schuber.

2. Stubendruck. – Eins von 200 signierten Exemplaren, weitere 30 römisch nummerierte waren nicht für den Handel bestimmt. – Die Entwürfe der Holzschnitte entstanden 1920, geschnitten und handgedruckt wurden sie aber erst 1949. – Auf Bütten.

30 : 21 cm. [40] Seiten.

Hagenbach A 21

633  Ernst Barlach – [Johann Wolfgang von] Goethe. Walpurgisnacht

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 350

mit 20 Holzschnitten von Ernst Barlach. Berlin, Paul Cassirer 1923. Mit 20 Holzschnitten im Text, sieben davon blattgroß. Originalschweinslederband (Aber, Berlin).

Eins von 120 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Zandersbütten, jedoch ohne die Extrasuite der Holzschnitte auf Japan. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Holzschnitte wurden auf der Pan-Presse gedruckt. – Der ehemals schöne Einband inzwischen leider »kaputt gepflegt«. – »Der Walpurgisnacht, für die ich Materiel gesammelt, bin ich gram geworden, da ist zu viel Romantik, als daß ich einer Arbeit, die so viel Umstand und Zeit kostet, über viele Monate gewogen bleiben könnte. Sollte doch noch etwas daraus werden, so müßte es in Folge eindringlichen und zwingenden Zuspruchs sein« (Brief an Reinhard Piper 1920, zitiert nach Feichenfeldt/Brandis, S. 176).

33 : 25 cm. 49, [3] Seiten. – Einband fleckig, Gelenke oben und unten eingerissen. Ränder berieben, hinterer Deckel mit Schabstelle. – Innengelenke gebrochen. Vorsatzblatt mit Besitzvermerk.

Schult II, 203–206 und 208–223. – Schauer II, 116. – Feilchenfeldt/Brandis 70.0.A2.1

634  Max Beckmann – Stadtnacht.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Sieben Lithographien von Max Beckmann zu Gedichten von Lili von Braunbehrens. München, Piper 1921. Mit sieben Lithographien, einschließlich der Titellithographie. Originalhalbleinenband mit Buntpapierdeckelbezügen.

Eins von 100 römisch nummerierten Vorzugsexemplaren (Gesamtauflage 600), leider aber ohne die im Druckvermerk angekündigte Extrasuite auf Japan. – Im Druckvermerk von Beckmann signiert. – Lili, die damals zwanzigjährige Tochter des Major von Braunbehrens, hatte Beckmann 1915 bei dessen Frankfurter Freunden, dem Ehepaar Battenberg kennen gelernt. Nach seinem Nervenzusammenbruch, in dessen Folge Braunbehrens die Entlassung Beckmanns aus dem Militärdienst erwirkt hatte, lebte dieser vier Jahre bei der Künstlerfamilie in Frankfurt. – »Die meisten dieser Stadtnacht-Lithografien haben etwas von der gefährlichen Lemurenatmosphäre der damaligen Großstadtunterwelt. Beckmann ist mit solchen Blättern in der Nachbarschaft von Grosz und Dix, obgleich ihm deren distanzierende Kälte fremd war […] Der gemäßigte Expressionismus der Dichterin wird vom Illustrator in einen Verismus übertragen, dem starke sozialkritische Impulse innewohnen.« (Lang, Expressionistische Buchillustration, S. 53/54).

28 : 23 cm. 47, [5] Seiten.

Hofmaier 164–170. – Jentsch 108. – Garvey 21

635  Josef Eberz – [Charles] Baudelaire. Poèmes choisis.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

Avec eaux-fortes de J. Eberz. München, O. C. Recht [1922]. Mit sechs Radierungen, davon eine signiert, sowie 15 radierten Vignetten in dem gestochenen Text. Originalpappband mit fünf Aquarellen auf Vorderdeckel und Vorsätzen.

Eins der 100 Exemplare auf Bütten mit der signierten ersten Radierung (Gesamtauflage 200). – Druck aller Radierungen von insgesamt 34 nur leicht verstählten Platten. – Einband und Vorsatzpapiere mit farbig und in Goldbronze aquarellierten Vignetten des Künstlers.

25 : 20 cm. 28, [4] Seiten. 6 Radierungen. – Deckelbezug wie meist etwas gebräunt. Kapitale leicht bestoßen.

Sennewald 22,1

636  George Grosz – Richard Huelsenbeck. Doctor Billig am Ende.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

Ein Roman. Mit acht Zeichnungen von George Grosz. München, Kurt Wolff 1921. Mit acht ganzseitigen Illustrationen. Blauer Originalhalbleinenband mit roten Deckeln, blau-goldener Vignette und vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Richard Huelsenbeck (1892–1974) gehörte mit Tristan Tzara, Hugo Ball und Hans Arp zur Gruppe der Zürcher Dadaisten. 1917 schuf er mit Raoul Hausmann eine Berliner Dada-Gruppe. – Sein Roman von Doctor Billig spielt im Berlin der Nachkriegszeit. Neben Kriegsgewinnlern und Schiebern bewegt Billig sich zunehmend selbstbefreit als »wildgewordener Spießer«. – So gut erhaltene Exemplare sind sehr selten geworden.

25 : 19 cm. 128, [4] Seiten. – Deckel mit kleinen (Wasser?)-Flecken.

Lang, Grosz 17. – Raabe/Hannich-Bode 132.10. – Göbel 532

637  George Grosz. Ecce homo.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

Berlin, Malik 1923. Mit 100 Tafeln, davon 16 farbig. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Exemplar der Ausgabe C mit allen 100 Tafeln, auf Bütten und in Büttenkartonbroschur. – »Ecce Homo« ist das erste große Sammelwerk des Künstlers, fertiggestellt wohl Ende 1922 und um den Jahreswechsel ausgeliefert. 1923 wurden Grosz und die Verleger Gumpert und Herzfelde vom Generalstaatsanwalt beim Berliner Landgericht angeklagt, »unzüchtige Abbildungen und Darstellungen feilgehalten […] zu haben«, 23 Blätter wurden konfisziert.

36 : 26 cm. [3] Blätter, 84 Tafeln. – Der Büttenkartonumschlag wie meist leicht stockfleckig. – Vorsatzblätter und einige Seiten leicht stockfleckig.

Dückers S I C. – Lang, Grosz 38. – Hermann 155. – Lang, Expressionismus 38

638  George Grosz. Prostitutionens Profeter.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 4200

[Kopenhagen], Det Ny Studentersamfunds Forlag [1924]. Mit 24 ganzseitigen Illustrationen nach Zeichnungen von George Grosz. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe dieser Auswahl. – Copyright Malik Verlag 1924. – Sehr selten, da wohl nur in kleiner Auflage gedruckt und dann zum Großteil vernichtet. – Der Umschlag mit dem Untertitel »Moralsatiriske G-G-ÆTS-Tegninger«. Als Vorwort diente die dänische Übersetzung von George Grosz’ »Der Mensch ist nicht gut – sondern ein Vieh«. – Die Ausgabe für die Leser in Dänemark entstand in dem für Grosz und den Malik-Verleger Wieland Herzfelde brisanten Jahr 1924. Nachdem »Ecce Homo« 1923 beschlagnahmt worden war und die vorliegende Sammlung auch Zeichnungen aus dieser Folge enthielt, wollte man versuchen, damit zumindest im Ausland einige Verkaufserfolge zu erzielen. Jedoch waren auch die dänischen Behörden wachsam: Durch die dortige Post wurde die Sendung zum größten Teil abgefangen und vernichtet. Nach einem Hinweis von Kjeld Bülow, dem dänischen Grosz-Bibliographen, wurde zudem bei den meisten der wenigen geretteten Exemplare der als »pornographisch« beanstandete Umschlag und das Titelblatt entfernt, so dass kein Hinweis mehr auf den Verlag des Studentenbundes zu finden war. – Die in diesem Band enthaltenen Zeichnungen sind laut Frank Hermanns Untersuchung in dieser Zusammenstellung nie wieder erschienen.

25 : 19 cm. 30, [2] Seiten. – Umschlagränder leicht gebräunt, Rückenfalz unten etwa 3 cm eingerissen. – Vereinzelte Blätter leicht gebräunt, ein Doppelblatt gelockert.

Hermann 171. – Bülow 64. – Nicht bei Dückers, Lang und in der Malik-Bibliographie

639  George Grosz – Georg Grosz und Wieland Herzfelde. Die Kunst ist in Gefahr.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Drei Aufsätze. Berlin, Malik 1925. Mit zwei Illustrationen von George Grosz. Originalpappband mit Titelzeichnung in Schwarz und Gelb von George Grosz.

Malik-Bücherei, Band 3. – Erste Ausgabe. – Eins der Exemplare mit den beiden Grosz-Zeichnungen auf den Seiten 38 und 45; bei einem Großteil der Auflage blieb der dritte Bogen rückseitig unbedruckt. – Der Hintergrund des titelgebenden Aufsatzes war die sogenannte »Kunstlumpen-Debatte«, eine theoretische Auseinandersetzung zwischen Künstlern und Intellektuellen nach der Novemberrevolution. – Dazu: George Grosz. Über alles die Liebe. 60 neue Zeichnungen. Berlin, Bruno Cassirer 1930. Originalleinenband. Rücken leicht verblasst.

18 : 12 cm. 45, [3] Seiten. – Rücken gebräunt, Deckelränder etwas stockfleckig.

Lang 43 und 56. – Hermann 167. – Gittig 128

640  George Grosz. Der Spiesser-Spiegel.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 150

60 Berliner Bilder nach Zeichnungen mit einer Selbstdarstellung des Künstlers. Dresden, Carl Reissner 1926. Mit 60 Tafeln. Originalleinenband mit vergoldeten Titeln.

Erste Ausgabe. – Neben der Selbstauskunft Grosz’ mit einem Vorwort »Der Spiesserbiologe« von Walter Mehring. – »Es ist wahr, das Leben wäre sinnlos und zwecklos, wenn es nicht den einen Sinn hätte, den Kampf gegen die Dummheit und willkürliche Brutalität der heutigen Machthaber.« (Georg Grosz in seinem Vorwort). – Dazu: George Grosz. Über alles die Liebe. 60 neue Zeichnungen. Berlin, Bruno Cassirer 1930. Mit 60 Tafeln. Originalbroschur.

26 : 19 cm. 14, [2] Seiten, 60 Tafeln. – Rücken verfärbt.

Lang, Grosz 44 und 39

641  George Grosz. Interregnum.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 6000

Introductory comment by John Dos Passos. New York, Black Sun Press 1936. Mit einer signierten Farblithographie und 64 Photolithographien nach Zeichnungen. In roter Originalhalbleinenkassette mit Holzfurnierdeckelbezug, Vorderdeckel mit farbiger Illustration.

Originalausgabe. – Auf Velin »BFK Rives«. – Exemplar »J«, eines der im Druckvermerk genannten 20 Exemplare »hors commerce«, mit eingedrucktem Namen des Empfängers Archibald MacLeish. Alexander Dückers nennt nach Grosz’ Unterlagen und den finanziellen Problemen beim Druck eine Auflage von etwas mehr als 40 Exemplaren, entgegen dem Druckvermerk, der 280 nummerierte und 20 mit Buchstaben bezeichnete Exemplare zählt. – Herausgegeben von Caresse Crosby. – Die Farblithographie »The Muckraker«, der Gestalt des »Entlarvers« mit stark selbstporträthaften Zügen, wurde von Grosz gedruckt und die Steine danach zerstört. Die 64 Zeichnungen photolithographisch reproduziert, laut Druckvermerk »hand-printed from the originals by George C. Miller«. Hier ohne die typographische Nummerierung am Unterrand, rückseitig typographisch betitelt. – Für das Vorwort war zunächst Ernest Hemingway vorgesehen, den Grosz aber nicht erreichte. Im Januar 1936 fiel die Entscheidung dann auf Dos Passos, der »zusammen mit dem Künstler auch die Titel der Einzelblätter auswählte« (Dückers). – Nach »Ecce homo« waren etwa zwölf Jahre vergangen. Diese frühere Folge galt der Aufarbeitung der Kriegszeiten von 1914–1918 und den Zuständen in der Weimarer Republik. »Mit dem ›Interregnum‹, der Zwischenherrschaft der Gesetzlosigkeit, ist das III. Reich gemeint. Der Titel des Sammelwerks, der eines versöhnlichen, immerhin auch ein Ende des Schrecken verheißenden Aspekts nicht entbehrt, ist verglichen mit Groszens Zeichnungen nahezu euphemistisch zu nennen. Grosz setzt dagegen seine apokalyptische Sicht der Zeitläufte mit den beiden Schlußblättern ›Kein Ende in Sicht‹ [No Let-up] – ›Finis‹.« (Alexander Dückers). – Als Titelillustration der Mappe dient ein Brustbild Hitlers mit erhobener Hand. – Der Empfänger dieses Künstlerexemplars, Archibald MacLeish (1892–1982), war Rechtsanwalt, Schriftsteller und zeitweise für das US-Verteidigungsministerium tätig. In den 1930er Jahren engagierte er sich u. a. als Herausgeber der Zeitschrift »Fortune«, gegen faschistische Tendenzen in den USA.

42 : 30 cm. [2], 19, [1] Seiten, 1 Textblatt, 65 Lithographien. – Leinenrücken mit leichten Wasserflecken, Deckelecken leicht bestoßen. – Innen makellos.

Dückers S II, 1–64 (bezeichnet die Exemplare »hors commerce« als »Vorzugsausgabe« und verzeichnet ein Exemplar »J« in der Bernard Reis Collection, New York). – Lang, Grosz 70

642  George Grosz. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, an Bernard J. Reis und dessen Ehefrau Becky.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 850

New York, Douglaston Manor, September 1938. Eine Seite.

Schöner inhaltsreicher Brief an das befreundete Ehepaar. – »Dear Bernard & Beckie, it was so nice yesterday to have you out here – and how we ventilated the european situation – now it seems as I saw today in the papers that Engl. & France gave Hitlerman a free hand – too sad! – Here a little ›broschüre‹ You can see, even if I ›quit‹ – there are some little Grozzes around anyhow ›to carry on the tradition‹. As ever love to you both yours George Grosz«. – Welches Buch Grosz mit dem Brief übersandte, bleibt unklar. Dahingegen fällt auf, dass wir aus gleichem Vorbesitz wie diesen Brief ein Exemplar von Grosz’ »Interregnum« anbieten, bei dem es sich mit Sicherheit um das aus der Sammlung Bernard und Becky Reis handelt (Exemplar »J«, siehe Dückers). – Der New Yorker Steuerberater und seine Frau hatten »sich 1925 mit dem Bildhauer Jacques Lipschitz angefreundet, und seither waren Bernard J. Reis’ Klienten fast ausschließlich Künstler. […] Bernard und Becky Reis waren für die Partys bekannt, die sie in ihrem Stadthaus in der East 68th Street gaben und bei denen sich so etwas wie ein repräsentativer Querschnitt der New-Yorker Kunstszene traf« (Mary V. Dearborn, in: Ich bereue nichts! Biographie Peggy Guggenheim. 2005). – Mit Eingangsdatum »Sept 27 / 38«, also noch kurz vor Unterzeichnung des Münchner Abkommens, auf das Grosz anspielt.

643  George Grosz. Maschinengeschriebener Brief mit Unterschrift und eigenhändiger Nachbemerkung.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Ohne Ort, wohl New York, 19. Oktober 1938. Eine Seite.

An den Freund, Kunstsammler und Mäzen Bernard Reis. – »… this letter is in behalf of a very old friend of mine: John Heartfield (Hellmuth Herzfelde) he was quite known in Europa in left circles … he is the inventor of that field of propaganda-art ›the political photomontage‹. Just now he has an exhibition at the R.C.A. gallery in New York … maybe you cvan manage to go there and have a look […] Now coming to my story, his case is this: he is and always has been an ardent opponent against Hitler … he escaped under very difficult circumstances from Berlin-Germany after Hitlerman came into power … ever since he lived in Prague Czech.« – Grosz schildert die Gefahren, in denen Heartfield nun, nach dem de-facto-Anschluss der Tschechoslowakei lebte. Er bittet Reis um Ratschläge, Empfehlungen und mögliche Aufträge für seinen Freund, der dann das amerikanische Konsulat aufsuchen könnte. »I know it is very hard nowadays to find an opportunity […] But such an document mayx give him a little protection in case they are going to send back the political opponents of Hitler.« – In der Nachbemerkung fragt Grosz, ob eventuell Arthur Garfield Hayer etwas tun könne, und schließt mit der – die McCarthy-Ära vorausahnenden – Bemerkung: »The difficulty is, H. is known overthere as an communist – thats makes things more difficult today«. – John Heartfield gelang 1938 in letzter Minute die Flucht aus Prag, allerdings lebte er bis zu seiner Rückkehr nach Ost-Berlin in London.

Papierbedingt gebräunt, mit Faltspuren und einigen Randausrissen (ohne Textverlust).

644  George Grosz. Drawings. – 30 Drawings & Watercolors.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

New York, H. Bittner bzw. Erich S. Herrmann 1944. Mit 52 bzw. 33 Tafeln, davon einige farbig. Originalleinenband mit -schutzumschlag und illustrierte Originalringbuchbroschur.

I. Mit Einleitung von Georg Grosz, Abbildungen von 49 Zeichnungen und drei Aquarellen, überwiegend in den USA entstandene Arbeiten. – II. Mit einem Vorwort von Walter Mehring. Abbildungen von 29 Zeichnungen und vier Aquarellen, teils frühere Arbeiten, teils in den USA entstandene. – Beide bezeichnet Lothar Lang als »Grosz-Bilderbücher«. – Dazu: A piece of my world in a world without peace. George Grosz 1914–1946. Ausstellungskatalog der New York Galleries of Associated American Artists. Mit Beiträgen von George Grosz, Wieland Herzfelde, Pegeen Sullivan und Ben Hecht sowie der Liste der Exponate und einer Bibliographie. Sehr selten.

32 : 24 cm. – Umschlagränder leicht gebräunt, Rücken des Schutzumschlages von I mit Einrissen.

Lang, Grosz 76 und 77

645  George Grosz – Drei Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

1921–1944.

I. Das Gesicht der herrschenden Klasse. 57 politische Zeichnungen von George Grosz. 3., erweiterte Auflage. Berlin, Malik 1921. Illustrierte Originalbroschur. Kleine revolutionäre Bibliothek, Band IV. Um zwei Zeichnungen erweitert und mit neuer Umschlagzeichnung. – II: Mynona. George Grosz. Mit siebenunddreißig Netzätzungen. Dresden, Kaemmerer 1922. Illustrierter Originalhalbleinenband. Künstler der Gegenwart, Dritter Band. – III: 30 Drawings & Watercolors. New York, Herrmann 1944. Illustrierte Originalbroschur mit Spiralbindung.

I. 25 : 17 cm. 63, [1] Seiten. – II. 25 : 19 cm. 96, [4] Seiten. – III. 32 : 25 cm. 33 Blätter. – Deckel von III mit Gebrauchsspuren.

Lang, Grosz 25 Anmerkung und 77 (II nicht verzeichnet)

646  Erich Heckel.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

Graphik der Gegenwart Band 1. Berlin, Euphorion Verlag 1931. Mit Holzschnitt-Frontispiz und -Vignette, zwei farbigen Holzschnitt-Vorsätzen und farbigem Einbandholzschnitt sowie 48 Abbildungen. Originalpappband.

Erste Ausgabe der ersten Monographie. – Es wurden, unter Beteiligung des Künstlers, Arbeiten aus den Jahren 1907 bis 1928 ausgewählt, mit denen »eine kontinuierliche Entwicklung seiner Graphik vom Anbeginn seines Schaffens« gezeigt werden konnte (Jentsch). – Die beiden bekannten Farbholzschnitte »Zirkus« und »Tanzende Matrosen« wurden für die Vorsätze verwendet, die Werkstattszene und das Künstlerporträt mit dem Holzschneidemesser für den Einband, die Schwimmbadszene »Stadion« als Frontispiz. Zudem eine Vignette mit dem Monogramm »EH«. – Mit Kurzbiographie und Literaturverzeichnis.

24 : 15 cm. [60] Seiten. – Deckelränder etwas gebräunt, innen sehr schön.

Jentsch 166. – Dube 348–352

647  Hermann-Paul. La danse macabre.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Vingt gravures sur bois. Paris, Léon Pichon 1919. Mit 20 blattgroße Holzschnitten. Originalbroschur mit Deckelvignette.

Erste und einzige Ausgabe des expressionistischen Totentanzes. – Eins von 420 Exemplaren auf Bütten »Ingres-Guarro« (Gesamtauflage 490). – Innerhalb des graphischen Œuvres von René Georges Hermann-Paul (1864–1940) entstanden expressionistische Holzschnitte in einer zeitlich eng begrenzten Schaffensphase während er Kriegsjahre. Zuvor war er ein begnadeter Lithograph im Stil Toulouse-Lautrecs, in den 1920er Jahren wandte er sich eher dem Art Deco zu. In seinen Holzschnitten spiegelt sich ein starker Einfluss Frans Masereels.

16 : 16 cm. [24] Blätter.

Thieme/Becker XXVI, 308

648  Richard Janthur – Daniel Defoe. Das Leben und die ganz ungemeinen Begebenheiten des weltberühmten Engelländers Robinson Crusoe.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Mit 31 Steinzeichnungen von Richard Janthur. Leipzig, Insel 1922. Mit 31 Farblithographien. Originalhalbpergamentband mit Kopfgoldschnitt, Rückentitel und Deckelvignette schwarz gedruckt.

Eins von 800 Exemplaren. – Auf Japanbütten. – Richard Janthur, Mitglied der Berliner Sezession, begründete 1912 zusammen mit Ludwig Meidner und Jakob Steinhardt die Künstlergruppe »Die Pathetiker« (Ausstellung in Waldens Galerie »Der Sturm«). 1918 war er Mitglied der »Novembergruppe« und trat 1919 dem »Arbeitsrat für Kunst« bei. In den 1920er Jahren widmete sich Janthur verstärkt der Buchillustration und erst zwanzig Jahre später wieder der Malerei.

32 : 24 cm. 104, [2] Seiten, 31 Lithographien. – Deckelränder gebräunt, kleine Stockflecken. Bezugspapier des Hinterdeckels mit zwei größeren Schabstellen.

Sarkowski 363 A. – Jentsch 122. – Lang, Expressionismus 154. – Sennewald 22,1

649  Willy Jaeckel – Dante Alighieri. Die Hölle.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Mit Radierungen von Willy Jaeckel. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1923. Mit 35 Radierungen, davon zehn blattgroß. Schwarzer Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Eins von 100 Exemplaren der Ausgabe C auf Drysted-Bütten und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 200). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Nach der Übersetzung von Karl Streckfuß neu bearbeitet von Richard Hirsch. Den Text druckte Jakob Hegner, Dresden-Hellerau. – Die Radierungen wurden auf der Ensrud-Presse, Berlin, gedruckt. – »Jaeckels Expressionismus ist ein sehr persönlicher. Sein ›Hang zum Metaphysischen, zum visionär Versponnenen und zugleich Ekstatischen […]‹ ist besonders in seinen großen graphischen Zyklen zu erkennen.« (Adolf Sennewald). – Die Radierungen Jaeckels zu Dantes Göttlicher Komödie – es waren zunächst Illustrationen zu allen drei Teilen geplant, die aber nicht realisiert wurden – gelten als »seine bedeutendsten Buchillustrationen. […] Während vielfach die Schilderungen der jeweiligen Höllenorte die Künstlerphantasien mindestens ebenso anregten wie die des Geschehens – man denke an Gustav Doré – reduziert Jaeckel diese auf das Wesentliche, woraus um so klarer die jeweilige Situation um Dante und Vergil hervortritt. […] Unter den großartigen Bilderfindungen Jaeckels begeistert diejenige des Drachens Geryon besonders« (Stilijanov-Nedo, Regensburg 1987, mit Abbildung der Geryon-Graphik auf dem Umschlag). Ludwig Volkmann stellte Jaeckels graphische Ausdruckskraft im Dante ebenbürtig neben die Schöpfungen William Blakes.

43 : 30 cm. 96, [4] Seiten. – Kanten etwas berieben. – Innendeckel mit Einklebung, Ränder leicht finger- und unbedeutend stockfleckig, eine Seite mit Anstreichung. Einige Blätter mit leichten Quetschfalten.

Stilijanov-Nedo 95, Seite 29f. – Lang, Expressionismus 138. – Sennewald 23, 2

650  Oskar Kokoschka – Albert Ehrenstein. Tubutsch.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Mit 12 Zeichnungen von O. Kokoschka. Wien und Leipzig, Jahoda & Siegel [1911]. Mit zwölf blattgroßen Illustrationen. Rotbrauner Velourlederband mit Vergoldung. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe des literarischen Erstlings von Albert Ehrenstein (1886–1950), der in Wien mit Oskar Kokoschka Freundschaft schloss. – Auf dem ersten Zwischentitel (»Ritter Johann des Todes«) mit eigenhändiger Widmung Kokoschkas »Für den lieben Herrn Dr. Borkmann zur Erinnerung an 22. Sept. 56, Berlin | O Kokoschka«. – Die Vorsatzpapiere in Blau mit goldenem Kammstrichmuster.

21 : 15 cm. 64, [4] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 62.2. – Lang, Expressionismus 188

651  Francis Picabia. Pensées sans langage.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Poème. Précédé d’une préface par Udnie. Paris, Eugène Figuière 1919. Originalbroschur mit farbiger Vorderdeckelillustration.

Erste Pariser Dada-Publikation von Picabia. – Deckelillustration nach einer Zeichnung von Picabia. – Unaufgeschnitten. – Gewidmet Gabrièle Buffet, Ribemont Dessaigne, Marcel Duchamp und Tristan Tzara. – Auf Einladung Tristan Tzaras engagierte sich Picabia bereits in der Zürcher Dada-Bewegung und begründete 1919 Dada Paris mit. Wie sein Schweizer Pendant hatte der Pariser Dadaismus eine stark literarische Ausrichtung, die künstlerischen Äußerungen der Pariser Dadaisten wurden vielmehr auf Papier als in provokativen Veranstaltungen verbreitet. – Vorderdeckel mit »1. édition«, entgegen der Abbildung bei »Dada global« und dem Exemplar in der Dokumentations-Bibliothek, dort »4. édition«.

19 : 12 cm. 119, [5] Seiten. – Vorderdeckel mit kleinem Perforationsstempel unten rechts.

Dada Global 209. – Verkauf 181. – Dokumentations-Bibliothek II, 57

652  Excursions & visites Dada.

Schätzpreis/Estimate: € 650

Ausruflimit/Reserve price: € 500

1ère visite: Eglise Saint Julien le Pauvre. Jeudi 14 Avril a 3 h. Paris [1921].

Flugblatt der Pariser Dadaisten für eine Exkursion, weitere wurden angekündigt, fanden jedoch niemals statt. – »Les dadaïstes de passage à Paris voulant remédier à l’incompétence de guides et de cicerones suspects, ont décidé d’entreprendre une série de visites à des endroits choisis, en particulier à ceux qui ont vraiment pas de raison d’exister, – C’est à tort qu’on insiste sur le pittoresque (Lycée Janson de Sailly), l’intérêt historique (Mont Blanc) et la valeur sentimentale (La Morgue). – La partie n’est pas perdue mais il faut agir vite. – Prendre part à cette première visite c’est se rendre compte du progrès humain, des destructions possibles et de la nécessité de poursuivre notre action que vous tiendrez à encourager par tous les moyens.« – Unterzeichnet von Gabrielle Buffet, Louis Aragon, Arp, André Breton, Paul Eluard, Th. Fraenkel, J. Hussar, Benjamin Péret, Francis Picabia, Georges Ribemont-Dessaignes, Jacques Rigaut, Philippe Soupault und Tristan Tzara. – Grünliches Maschinenpapier, Druck in Blau und Schwarz. – Selten und gut erhalten.

27 : 22 cm. – Ränder minimal verfärbt und mit winzigen Knittern.

Dada global 235

653  O. R. Schatz – Josef Luitpold [Stern]. Die neue Stadt.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 150

Psalm, von O. R. Schatz […] in Holz geschnitten. Berlin 1927. Mit elf ganzseitigen Illustrationen und 63 Seiten Text, alles in Holzschnitt. Originalpappband mit Holzschnitttitel.

Erste Ausgabe. – »Seelig sind, die ihre Kraft einsetzen für die Heimstätten der Menschen […] Seelig die Massen, wenn sie beginnen, die Erde in ein Heim für jeden zu wandeln«. – Außerordentlich spannendes Künstlerbuch der beiden proletarischen österreichischen Künstler. Den Text von Luitpold Stern schnitt Schatz vollständig und in übergroßen Lettern in Holz und illustrierte ihn mit an Masereel erinnernden Holzschnitten. – Vielleicht wegen des schmalen Œuvres sind die Arbeiten von Luitpold und Schatz in keinem der bekannten Nachschlagewerke zur modernen Buchillustration verzeichnet.

42 : 31 cm. [76] Seiten. – Bezugspapier über dem Vordergelenk aufgeplatzt.

654  Rudolf Schlichter – C. M. Wieland. Auszug aus Lucians Nachrichten

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

vom Tode des Peregrinus. Mit zehn Lithographien von Rudolf Schlichter. Heidelberg, Richard Weissbach 1920. Mit zehn Lithographien, eine davon als Frontispiz. Originalpappband mit Buntpapierdeckelbezügen und Deckelschild.

Dritter Druck des Argonautenkreises. – Unnummeriertes Exemplar, wohl über die Auflage von 150 hinaus gedruckt. – Signatur des Künstlers und Dedikation leider fast vollständig ausradiert.

35 : 26 cm. 20, [4] Seiten. – Rücken erneuert. Bezugspapier an einer Stelle ergänzt.

Rodenberg 349, 3. – Jentsch 87

655  Georg Schrimpf – Eduard Mörike. Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 450

München, Verlag der Münchner Drucke 1924. Mit neun Textholzschnitten von Georg Schrimpf. Violetter Maroquinband; Titel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Ursula Kröber). Im Schuber mit Lederkanten.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 190 Exemplaren (Gesamtauflage 200). – Als dritter Holzschnitt hier »Liebesvorzeichen« statt »Wanderer« . – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Satz aus der Luther-Fraktur und Druck bei Jakob Hegner, Dresden-Hellerau. – Nach ersten Erfolgen durch die Ausstellungen in Herwarth Waldens Galerie »Der Sturm« ging Georg Schrimpf 1917 nach München. Dort stellte er regelmäßig in der Galerie Neue Kunst Hans Goltz aus, für den er auch zahlreiche Drucke illustrierte und die bekannten Einbandaquarelle schuf. – »Die Münchner Drucke zeigen in ihrer typographischen und graphischen Ausstattung […] und in der Sorgfalt, die auf das Material verwandt wurde, daß der Verlag auf dem besten Wege ist, Gutes zu leisten.« (Julius Rodenberg, S. 437, der vorliegende Druck dort nicht mehr bzw. auch nicht im Nachtrag verzeichnet). – Im Œuvre des Künstlers wichtige Arbeit, da sie den Übergang vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit dokumentiert.

26 : 16 cm. [96] Seiten. – Schuber leicht fleckig.

Hofmann/Praeger S. 237

656  Kurt Schwitters. Elementar. Die Blume Anna. Die neue Anna Blume.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Eine Gedichtsammlung aus den Jahren 1918–1922. Einbecker Politurausgabe. Berlin, Der Sturm [1923]. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Am Ende das Statement des Verfassers: »Kurt Schwitters ist der Erfinder von MERZ und i und erkennt neben sich niemand als Merzkünstler oder i-Künstler an.« – Enthält unter anderem den Erstdruck des berühmten »i«-Gedichts (lies: »rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf«).

23 : 15 cm. 32 Seiten. – Rücken stärker, Ränder minimal gebräunt.

Schmalenbach/Bolliger 4. – Dada global 123. – Raabe/Hannich-Bode 273.5

657  Lasar Segall – David Bergelson. Ma’ase-bikal.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 460

(jiddisch). Mit Graphiken von Lasar Segall. Berlin, Wostok 1923. Mit acht Lithographien und neun Holzschnitten, davon acht Initialen. Illustrierter Originalhalbleinenband.

Originalausgabe. – Jüdische Märchensammlung mit originalgraphischen Illustrationen Segalls. Segall wurde 1891 in Wilna geboren und studierte zunächst in seiner Heimatstadt, später in Berlin und Dresden. Zusammen mit Otto Dix, Conrad Felixmüller, Otto Lange, Peter August Böckstiegel, Otto Schubert u. a. gründete er 1919 die Dresdner Sezession und publiziert in verschiedenen Dada-Publikationen. – Sehr selten, 1983 erschien eine Faksimile-Ausgabe.

26 : 20 cm. [4], 44 Seiten, 8 Lithographien. – Deckel- und Blattränder etwas gebräunt. Heftung vor der letzten Lage gelockert. – Vorsatz mit Einklebung und Schenkungsvermerk.

658  Ungarische Avantgarde – Ivan Hevesy. Futurista, expresszionista és kubista Festészet

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 900

(ungarisch: Futuristische, expressionistische und kubistische Malerei). Budapest, MA 1919. Mit 39 Abbildungen auf Tafeln und drei im Text. Mit einem Linolschnitt von Sandor Bortnyk auf dem Vorderumschlag. Originalbroschur.

Originalausgabe. – Sehr seltene Publikation des MA-Verlages über die avantgardistischen Kunstströmungen und ihre Hauptvertreter. – Mit Abbildungen von Gemälden und Skulpturen von Severini, Russolo, Picasso, Gleizes, Chagall und ungarischen Künstlern. – Im Text Klischeedrucke nach Kandinsky, Marc, Derain und Benes. – Ivan Hevesy (1893–1966) hatte während seines Studiums den Künstlerkreis um Lajos Kassák und dabei insbesondere auch László Moholy-Nagy und Sándor Bortnyk kennengelernt. Ab 1917 publizierte Hevesy in der Zeitschrift »MA«.

23 : 16 cm. 31, [1] Seiten, 39 Tafeln. – Papierbedingt etwas gebräunt und leicht fleckig.

659  Lajos Kassák. Novelláskönyv.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Válogatott novellák 1911–1919 (ungarisch: Neues Buch. Vermischte Novellen). Wien, Bán 1921. Originalbroschur mit dreifarbiger Lithographie von Sandor Bortnyk auf dem Vorderdeckel.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – In der Zeit von Kassáks Exil in Wien. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift »MA« (Heute) erschien von dort aus und auch in dieser Zeit des Exils gehörten Schwitters, Schlemmer, Tzara, El Lissitzky, Archipenko und andere Vertreter der europäischen Avantgarde zu deren Autorenkreis. – Unbeschnitten, sehr selten.

24 : 16 cm. 123, [5] Seiten. – Umschlag leicht gebräunt, Gelenke minimal brüchig, kleiner Farbverlust am Rücken unauffällig restauriert. Vorderdeckel mit leichter Knickspur.

Nicht bei Csaplar, Kassak 1999

660  Lajos Kassák. Tisztaság könyve

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

(ungarisch: Buch der Reinheit). Budapest, Horizont 1926. Mit serigraphierten Zwischentiteln, einer farbig serigraphierten Anzeige und sechs Bildtafeln. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe dieser wichtigen Sammlung von Aufsätzen und Dichtungen. – Enthält u. a. »25 uj vers« (25 neue Gedichte), nummeriert 40–65; »Prózák 1925« und »Forditások 1915–26« (Übersetzungen) sowie »A korszerü müvészet EL«. – Die Bildtafeln mit Kunstwerken Kassáks, darunter Bühnenbilder, Plastiken (u.a. das auf dem Umschlag nochmals abgebildete Relief), farbiger Reklameentwurf. – In mustergültiger Typographie gestaltet. – Der Entwurf des Umschlags war u. a. 1927 auf der Internationalen Schau zeitgemäßer Reklame in der Kunsthalle Mannheim ausgestellt.

25 : 17 cm. 115, [5] Seiten, 6 Tafeln. – Umschlag auf Japan aufgezogen. – Einige Blätter mit schmalem Wasserrand.

Csaplar, Kassak 1999, 83

661  Lajos Kassák. 35 verse.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Schubert Ernő, Kassák Lajos, és Dor Rajzaival. Budapest, Munka (Ungarische Presse) 1931. Mit fünf ganzseitigen Illustrationen von Ernö Schubert, Lajos Kassák und Dor. Originalbroschur mit Deckelbild.

Erste Ausgabe, sehr selten. – Der Umschlag mit dem Fotoporträt des Dichters Kassák von Árpád Szélpál. Auch der war, wie andere Künstler der MA-Gruppe, ein Mehrfachbegabter und veröffentlichte neben seinen Fotografien auch literarische Texte. – Die Illustrationen stammen vom Verfasser sowie Ernö Schubert und Dor [Alexander Trauner]. Lajos Kassák (1887–1967) war die zentrale Figur der ungarischen Avantgarde. Er gab die legendäre Zeitschrift »MA« heraus und veröffentlichte gemeinsam mit El Lissitzky 1922 das »Buch der neuen Künstler«. – Die Gedichte sind nummeriert von 66 bis 100. Sie sind die letzten von Kassáks nummerierten Dichtungen und wurden von ihm selbst als Schlussstein seines avantgardistischen Schaffens betrachtet.

19 : 14 cm. [56] Seiten. – Die weit überstehende seitliche Vorderdeckelkante minimal geknickt, sonst sehr gut erhalten und zum Teil noch unaufgeschnitten.

662  Jozsef Nádass. Megy körben az arc.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 450

(ungarisch: Ein Gesicht geht um). Budapest, Dokumentum Kiadása 1927. Originalbroschur, gestaltet nach Entwurf von Lajos Kassák.

Erste Ausgabe. – Dadaistische Dichtungen, darunter der Zyklus »Hat arckép« (Sechs Gesichter). Diese sechs Gedichte widmete Nádass jeweils einem verehrten Künstler, jedes wurde mit dessen Initialen betitelt (so vermuten wir u. a. Kurt Schwitters und Lajos Kassák). – Jozsef Nádass (Nußbaum) (1897–1975) wurde 1918 Mitglied der Kommunistischen Partei Ungarns, emigrierte deshalb 1920 nach Wien und wurde dort Mitarbeiter von Kassáks ebenfalls aus Budapest umgesiedelten MA-Zeitschrift. – Die letzte Seite mit Verlagsanzeigen. – Titelblatt mit Widmung, wohl vom Dichter, datiert 28. VI. 1930.

25 : 17 cm. [32] Seiten. – Umschlag leicht fleckig. – Seitenränder gebräunt, vereinzelte Anstreichungen und Korrekturen mit Bleistift.

663  Linards Laicens. Kliedzosie korpusi

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

(lettisch: Schreiende Blöcke). Riga, Latvju Kulturas [1930]. Mit zwei ganzseitigen Illustrationen nach Fotomontagen von Eriks Kalis, davon eine auf dem Vorderumschlag. Illustrierte Originalbroschur.

Wohl erste und einzige Ausgabe. – Der Graphiker Eriks Kalis (1904–1939) gehörte zur Rigaer Avantgarde. Sein Illustrationsprinzip, eine Kombination von Fotografien und Fotomontagen mit geometrischen Figuren, war durch Lajos Kassák beeinflusst. – Der expressionistische lettische Dichter Linards Laicens (1883–1938) gab 1928 die erste und zugleich wichtigste lettische Avantgarde-Zeitschrift »Kreisa fronte« heraus. Als Mitglied der Kommunistischen Partei Lettlands wurde er mehrfach verhaftet und floh deshalb 1932 in die Sowjetunion, wo er allerdings 1938 ein Opfer der Stalinschen Säuberungsaktionen wurde. – Sehr selten.

21 : 14 cm. 222, [2] Seiten. – Umschlagränder leicht, die des Buchblocks papierbedingt stärker gebräunt.

664  Vladimir Majakovskij. Groznyi smekh

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

(russisch: Das schreckliche Gelächter). Moskau/Leningrad, GICHL 1932. Mit 37 Bildseiten nach Rosta-Fenstern, einem Porträt und illustrierten Vorsätzen. Originalpappband mit Typographik auf dem Schutzumschlag.

Eins von 3000 Exemplaren. – Die den Rosta-Plakaten gewidmeten Texte erschienen zwei Jahre nach Majakovskijs Tod. Das Buch besticht durch seine außergewöhnliche Gestaltung von Varvara Stepanova: Die Textseiten, nach den Regeln der modernen Typographie unter Verwendung verschieden starker Balken gesetzt, werden ergänzt durch die am Außenrand halbseitengroß abgebildeten legendären Plakate der russischen Telegrafen-Agentur ROSTA, die seit 1919 besonders in Zusammenarbeit mit Majakovskij entstanden. Jedes zweite Textblatt blieb unillustriert und wurde in schmalem Hochformat eingebunden, so dass die Abbildungen stets unverdeckt bleiben. – Mit der berühmten Fotomontage von Boris Ignatovic (vgl. Susan Compton, Russian Avant-Garde Books, dort auch als Vorsatz verwendet). – Varvara Stepanova (1894–1958) war auf der Ersten Russischen Kunstausstellung in Berlin (1922) vertreten. Sie arbeitete als Textildesignerin, zählte zu den LEF Mitarbeiterinnen und arbeite eng mit Majakovskij zusammen. »Varvara Stepanova schuf mit ihrer Gestaltung des Buches ein wegweisendes, modernes Werk« (Bowlt/Hernad).

24 : 21 cm. 79, [1] Seiten. – Schutzumschlag gebräunt und mit Fehlstellen an den Falzen. Einband leicht fleckig, Rücken brüchig. Vorderes Innengelenk angeplatzt. – Innen gut erhalten.

Bowlt/Hernad 104

665  Chasy. Chas 1

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

(Stunde 1). Petersburg 1922. Originalbroschur, Vorderdeckel mit einer Lithographie von W. Milotschevsko.

Erste Ausgabe. – Seltene Sammlung mit Texten von Chlebnikov, Kusmin, Ebert, Jurkin, Anna Padlova, Paparigopulo und Tschklovski.

14 : 10 cm. 88 Seiten. – Umschlag lose und am Rückenfalz mit Fehlstellen. Hinterer Innendeckel und Titel mit Besitzvermerken.

666  Strelets

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausruflimit/Reserve price: € 660

Sbornik tretij i poslednij. Pod redakzije Alexandra Belsona (russisch: Der Bogenschütze. Dritte und letzte Sammlung. Redaktion: Alexander Belenson). St. Petersburg 1922. Mit 15 teils farbigen Tafeln. Originalbroschur.

Erste Ausgabe des abschließenden Teils der wichtigen Anthologie. – Eins von 200 nummerierten und vom Herausgeber signierten Exemplaren. – Der erste Teil mit Beiträgen der radikal-futuristischen Hylea-Gruppe und der Symbolisten (Blok, Sologub etc.) verursachte 1915 großes Aufsehen und war der Beginn einer nicht enden wollenden literarischen Diskussion zwischen avantgardistischen und etablierten Schriftstellern. – Der dritte Teil mit Texten von Kusmin, Sologub, Rosanov, Achmatov, Belenson, Karsavin, Gollerbach, Lupje u. a. sowie Illustrationen von N. Kulbin, Lebedev, Chagall, Nathan Altman und Juri Annenkov, von dem auch die Textvignetten stammen. – Die Titelvignette entwarf David Burljuk.

29 : 20 cm. [8], 175, [1] Seiten, 15 Tafeln. – Umschlag leicht fleckig und mit Randeinrissen. – Ränder minimal, die der ersten Blätter etwas stärker fleckig.

667  Surrealismus – Dictionnaire abrégé du Surréalisme.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Paris, Galerie Beaux-Arts 1938. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur mit Deckelillustration von Yves Tanguy.

Erste Ausgabe dieses Wörterbuchs, zusammengestellt von André Breton und Paul Eluard. – Die kurzen Textbeiträge und die vielen abgebildeten Kunstwerke stammen von Louis Aragon, Hans Arp, Hans Bellmer, René Crevel, Salvador Dali, Robert Desnos, Marcel Duchamp, Max Ernst, Man Ray, Benjamin Péret, Pablo Picasso, Jacques Prévert, Tristan Tzara und vielen anderen. – Anlass für diese Publikation war die berühmte »Exposition Internationale du Surréalisme«, die von den Pariser Surrealisten André Breton und Paul Eluard unter Mitwirkung von Duchamp, Le Gentil, Dali, Max Ernst, Man Ray und W. Paalen organisiert wurde. – Beilage: Ausstellungskatalog zur »Exposition«, die von Januar bis Februar 1938 in der Galerie Beaux-Arts, Paris, gezeigt wurde. Acht Seiten, klammergeheftet, im Format des Buches. Sehr selten, da meist verloren. Auflistung der 229 Exponate.

24 : 15 cm. 75, [1] Seiten; 7, [1] Seiten. – Umschlag- und Beilageränder etwas gebräunt.

Dokumentations-Bibliothek VI, 129

668  Le plateau.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Théâtre de Recherches Dramatiques. Programme – Revue. Le gérant: P. Albert-Birot. No. 1 [et] 2. [Paris] 1929. Mit drei Illustrationen. Originalbroschuren in Halbmaroquinbänden (signiert: Mercher 1973). In Schubern.

Erste Ausgaben. – Die beiden einzigen Hefte, erschienen im März und Mai 1929. – Mit Texten von Roch Grey, Pierre Albert-Birot, Claude Cahun und Andre Marcou sowie den beiden Besetzungsplänen der Aufführungen. – In Heft 1 drei Schauspielerporträts nach Zeichnungen, signiert »Moore«. – Beide Hefte mit undatierter, eigenhändiger Widmung des Herausgebers für Robert Altmann. – Beide mit dem Monogrammstempel »PAB« (Pierre Andre Benoit) auf den Vorderumschlägen.

Ca. 16 : 11 cm. 20 bzw. 18 Seiten.

669  Alain de la Bourdonnaye – Pierre Lecuire. Consul constant.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Dix poèmes. Neuf eaux-fortes originales d’Alain de la Bourdonnaye. Paris, [chez l’artiste et l’auteur] 1958. Mit neun ganzseitigen Farbradierungen, davon eine blattgroß auf dem Vorderumschlag. Lose Doppelblätter in Originalumschlag und -lederchemise.

Eins von 55 Exemplaren (Gesamtauflage 75). – Im Druckvermerk von Künstler und Verfasser signiert. – Auf Auvergne-Velin von Richard de Bas. – Den Text, splendid aus einem übergroßen Schriftgrad der Caslon gesetzt, druckte Fequet et Baudier. Die eindrucksvollen Radierungen mit starkem Prägedruck druckte der Künstler auf der eigenen Presse. – Zumindest alle bei Monod verzeichneten Werke Pierre Lecuires (1922–2013) erschienen im Eigenverlag. – Alain de la Bourdonnaye (1930–2016) erlernte die Technik des Radierens in dem berühmten Atelier 17, das Stanley Hayter nach Kriegsende in Paris wiedereröffnet hatte.

32 : 23 cm. [64] Seiten. – Leder etwas angestaubt.

Monod 7023

670  René Char. Moulin premier.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Paris, G. L. M. 1936. Hellblaue Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 20 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Velin d’Arches (Gesamtauflage 120). – Verlagsfrisches Exemplar.

16 : 13 cm. [48] Seiten.

Benoit 11

671  René Char. Dehors la nuit est gouvernée.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Paris, GLM 1938. Originalbroschur in rotem Halblederband mit vergoldetem Titel.

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren auf Velin (Gesamtauflage 275). – Die Gedichtsammlung enthält unter anderem den Erstdruck der später als »Dent prompte« bekannt und durch die Illustrationen von Max Ernst berühmt gewordenen zehn Gedichte, hier noch unter dem Titel »Versions«.

28 : 19 cm. [32] Seiten. – Broschurränder leicht gebräunt.

672  Salvador Dalí – René Crevel. Dali

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 9500

ou l’anti-obscurantisme. Paris, Éditions Surréaliste Chez José Corti 1931. Mit zehn fotografischen Tafeln nach Salvador Dali. Schwarze Originalbroschur mit Deckelschild.

Erste Ausgabe. – Eins von zehn Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe auf Japon nacré mit einer signierten Tuschfederzeichnung von Salvador Dali (5,5 : 4,5 cm, signiert, datiert und betitelt »orloge«) (Gesamtauflage 615). – Salvador Dali war 1928 durch Joan Miró in den Kreis der Surrealisten eingeführt worden und nahm an zahlreichen Aktivitäten der Bewegung teil. 1934 erfolgte Dalis Bruch mit Breton, der in Verbindung mit seiner unverhohlenen Hitler-Bewunderung zum Ausschluss aus dem Künstlerkreis führte. 1931, im Jahr dieser außergewöhnlichen Publikation, entstand mit »L’Age d’Or« der zweite gemeinsam mit Luis Buñuel gedrehte Film. – Die zehn Tafeln wurden nach Fotografien von André Caillet gedruckt und zeigen Gemälde Dalis aus den Jahren 1929 bis 1931.

23 : 17 cm. 29, [3] Seiten, 10 Tafeln. – Der schwarze Broschurumschlag am Rücken etwas brüchig, die Kanten leicht berieben. – Innen tadellos.

Monod 3319. – Vgl. Dokumentations-Bibliothek II, 111

673  Salvador Dali.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

[Ausstellungsflyer]. Julien Levy Gallery. New York 1939. Illustriertes Doppelblatt, Leinenrückenfalz. Mit einem montierten Dekompositionsbild.

Selten. – Die Ausstellung war Dalis Gemälde »The endless enigma« gewidmet. – Das Faltblatt mit einem mehrteiligen Abdruck der einzelnen Bildkomponenten auf Transparentpapier und mehreren Abbildungen sowie Texten von Dali, Picasso, Breton, Zweig u. a.

32 : 25 cm. – Leichte Knickspuren.

674  Salvador Dalí. Le mythe tragique de l’Angélus de Millet.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Interprétation «paranoïaque-critique». Montreuil, Jean-Jacques Pauvert 1963. Mit vielen montierten Abbildungen und einigen Textillustrationen. Originalleinenband mit montiertem Deckelschild und Schließgurt.

Hervorragendes Faksimile des Typoskripts mit den entsprechenden Fotomontagen des Künstlers. Auch der Einband ist ganz in der Art des Originals gehalten. – Bemerkenswert frisches Exemplar.

28 : 21 cm. 105, [7] Seiten.

675  Salvador Dali. Les métamorphoses érotiques.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 340

Choix de dessins exécutés de 1940 à 1968. [Paris,] A l’Érotitiade 1969. Mit zahlreichen, teils montierten Abbildungen und zehn Tafeln. Lose Bogen in Originalseidenchemise, zusammen in Schuber mit Seidenbezügen.

Erste Ausgabe. – Eins von 900 Exemplaren auf Zerkall-Bütten (Gesamtauflage 1200). – Die Zeichnungen, teils inspiriert durch alte naturwissenschaftliche Abbildungen, entstanden in den Jahren 1940–1968. Lothar Lang bezeichnet das Werk, dem eine Bildfolge »d’un traité des systèmes érotique et des mille façons masturbatoires des Romains« beiliegt, als »eine Art Bilderroman«.

33 : 26 cm. 60 Seiten, 10 Tafeln. – Vorderdeckel minimal, Schuber etwas fleckig.

Lang, Surrealismus 20

676  Salvador Dalí – Dante [Alighieri]. La Divine Comédie. L’ Enfer. – Le Purgatoire. – Le Paradis.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Traduction de Julien Brizeux. Illustrations de Dalí, gravée sur bois par Raymond Jacquet. Paris, Editions d’Art Les Heures Claires 1959–1963. Drei Teile in sechs Bänden. Mit 100 Farbholzstichen nach Aquarellen von Salvador Dali. Lose in Originalumschlägen, illustrierten Originalchemisen und -schubern.

Eins von 350 Exemplaren auf »Vélin pur chiffon de Rives« mit sechs »décompositiones« (Gesamtauflage 4765). – Für den Druck der 100 Tafeln wurden etwa 3.500 Druckplatten gestochen. – Aus den Illustrationen jedes Bandes wurde ein Blatt ausgewählt und davon für diese vierte Vorzugsausgabe jeweils zahlreiche Abdrucke einzelner und kombinierter Farbstellungen gedruckt. Diese je etwa 60 Tafeln liegen jedem Band in einem Umschlag bei. – Das vorliegende Exemplar mit folgenden Dekompositionen: Le Minotaure (ML 1050); Les Trompeurs (ML 1056); Les Indolents (ML 1075); Avarice et Prodigalité (ML 1092); Opposition (ML 1116); La Marche vers Dieu (ML 1133). – Tadellos erhalten, in der Vorzugsausgabe selten.

34 : 28 cm.

Monod 3398

677  Marcel Gromaire – Henri Hertz. Vers un monde volage.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Illustré de dix eaux-fortes orginales hors texte par Marcel Gromaire. Paris, Marcel Seheur 1926. Mit zehn blattgroßen Radierungen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 225 Exemplaren auf Vélin d’Arches (Gesamtauflage 271). – Henri Hertz (1875–1966) war mit Apollinaire, Max Jacob, Alfred Jarry, Henri Barbusse, Jean Cassou und anderen französischen Symbolisten und Dadaisten befreundet. – Marcel Gromaire (1892–1971) wurde durch sein graphisches und malerisches Œuvre, das neben seiner Tätigkeit als Filmkritiker entstand, in den frühen 1920er Jahren bekannt. 1932 hatte er zusammen mit Jean Fautrier, Jean Pougny und Jean René Bazaine eine erste Gruppenausstellung.

29 : 24 cm. 218, [6 leere] Seiten. – Die ersten 4 Blätter leicht stockfleckig, Vorsätze mit Abklatsch des Umschlagpapiers.

Monod 6001. – Rauch 87

678  Comte de Lautréamont [Isidore Ducasse]. Œuvres complètes

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

contenant Les Chants de Maldoror, les Poèsies, les Lettres, une introduction par André Breton des illustrations […] Paris, Guy Lévis Mano 1938. Mit zwölf ganzseitigen Illustrationen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 1000 Exemplaren auf »Velin bibliophile« (Gesamtauflage 1120). – »Bedeutendstes Gemeinschaftswerk der Surrealisten und von programmatischer Bedeutung hinsichtlich ihres Traditionsverständnisses« (Lothar Lang). – »André Breton praised Lautréamont for his lucid and prophetic statement of a deep cultural, social, and esthetic crisis and credited him with radical ideas that could lead to a new start. […] In his preface to ›Les Chants de Maldoror‹ Breton, who was ardently committed to extending the surrealist revolution to the word itself, stressed the presence of a special verbal liberation: ›That puts an end to the imposition of limitations in relating words to words.‹«Die sechs Gesänge mit je zwei Illustrationen nach Zeichnungen von Kurt Seligmann, Wolfgang Paalen, Rene Magritte, Espinoza, Oscar Dominguez, Matta Echauren, Max Ernst, Andre Masson, Yves Tanguy, Victor Brauner, Joan Miro und Man Ray. – Mit kommentierenden Texten von Aragon, Breton, Tzara u. a., Anmerkungen zur Entstehungsgeschichte und einer Bibliographie. – Schönes unbeschnittenes Exemplar.

19 : 14 cm. XIV, [2], 415, [9] Seiten.

Lang, Surrealismus 47

679  René Magritte – Comte de Lautréamont (Isidore Ducasse). Les Chants de Maldoror.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Illustrations de René Magritte. Brussel, La Boetie 1948. Mit 76 Strichätzungen nach Zeichnungen, davon zwölf blattgroß auf Tafeln, sechs als Initialen. Illustrierte Originalbroschur mit Pergaminumschlag.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – In nummerierter Auflage erschienen. – René Magritte (1898–1967) war nach Schließung der Surrealisten-Galerie »Le Centaure« 1930 wieder nach Brüssel gezogen. In den Folgejahren entstanden Freundschaften zu André Breton, Paul Éluard, Joan Miró, Hans Arp und später auch zu Salvador Dalí. – Sehr schönes Exemplar, »das am aufwendigsten illustrierte Buch des Malers« (Lang, S. 63).

25 : 19 cm. 190, [10] Seiten, 12 Tafeln. – Pergaminumschlag gebräunt.

Monod 6900. – Lang, Serrealismus 66

680  Gilbert Lely. La Sylphide ou l’Étoile carnivore.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Paris, Librairie Le François 1938. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 50 Exemplaren auf grünem Bütten (Gesamtauflage 57). – Mit dem Beilagezettel mit dem Einleitungstext des Dichters. – Beilage: Zwei Porträtfotografien Lelys. – Gilbert Lely (1904–1985) zählte zu den Pariser Surrealisten. 1936 war sein »Je ne veux pas qu’on tue cette femme« mit einem Frontispiz von Max Ernst erschienen. – Tadellos erhaltenes, vollkommen unbeschnittenes Exemplar aus der winzigen Auflage.

21 : 16 cm. 45, [3] Seiten.

681  Gherasim Luca. Le vampire passif.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Ausruflimit/Reserve price: € 2000

Avec une introduction sur l’objet objectivement offert. Paris, Editions de l’Oubli 1945. Mit einem Porträt und 17 ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur in schwarzem Maroquinhandeinband und Kassette mit montiertem Relief. – Widmungsexemplar mit einem Abguss des »Portrait trouvé«.

Sehr seltene, erste Ausgabe. – Exemplar 97, eins von 165 auf Kunstdruckpapier (Gesamtauflage 500). – Gherasim Luca, geboren in Rumänien und dort als Initiator einer surrealistischen Künstlergruppe politisch und künstlerisch verfolgt, floh 1952 nach Paris. Dort lebte er vier Jahrzehnte ohne gültige Papiere. Als er 1994 »entdeckt« wurde und ausgewiesen werden sollte, beging er Selbstmord. – Der Text und die surrealistischen Fotografien entstanden schon 1941, veröffentlicht 1945 in Paris, gedruckt noch in Lucas Heimatstadt Bukarest (Druckerei »Slova«). Zwanzig Jahre später widmete 1964 der Verfasser eines der verbliebenen Exemplare der Erstausgabe seinem Freund, dem Künstler-Verleger Robert Altmann, der es bei bei Daniel-Henry Mercher, dem Sohn und Nachfolger des berühmten Buchbinders, binden und einen Abguss des »Portrait trouvé« in den Vorderdeckel montieren ließ. – Unikates Exemplar von kaum zu übertreffender Provenienz. – Wir konnten lediglich drei Exemplare der Erstausgabe nachweisen: Französische Nationalbibliothek, Yale und Getty.

23 : 17 cm. 121, [11] Seiten.

Nicht in Dokumentations-Bibliothek

682  Gherasim Luca. Eigenhändige Manuskripte zu »L’Extrême-Occidentale«

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 1900

Paris, Sommer 1954.

Umfangreiche Manuskriptsammlung in mehreren, der Kapiteleinteilung des Buches folgenden, Teilen. – I: Avant-propos Umschlag mit 17 losen Blättern. – II: Les statues Heft, 33 Blätter. – III A: Le Sang Heft mit 22 Blättern, elf beidseitig beschrieben, und vier lose Blätter. – III B: Le Rideau Verso in demselben Heft 23 Blätter, neun beidseitig. – IV: La Forêt Heft mit 22 Blättern, 13 beidseitig, und drei lose Blätter. – V: Le Catalyseur Heft mit 23 Blättern, meist beidseitig, darunter einige Zeichnungen, und vier lose Blätter. – Alle zusammen in roter Halbmaroquinkassette und -schuber. Ledergefüttert mit vergoldetem Rückentitel. – »L’Extrême-Occidentale«, eins der Hauptwerke des Surrealisten Gherasim Luca, erschien 1961 in der Edition Mayer in Lausanne mit Originalgraphiken seiner Künstlerfreunde Jean Arp, Victor Brauner, Max Ernst, Jacques Hérold, Wilfredo Lam, Roberto Matta und Dorothea Tanning. – Durch die frühen Entwurfsstadien, Korrekturen und Kürzungen für die Editionsgeschichte wichtiger Fund. – Provenienz: Sammlung Robert Altmann, Viroflay, dem Brunidor-Verleger und Freund des Dichters, danach Hamburger Privatsammlung.

683  André Rouveyre. Mort de l’amour.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Avec, en appendice, une prose de Jean Moréas. Paris, Edition du Mercure de France 1911. Mit acht ganzseitigen Holzschnitten nach Zeichnungen und in Holz geschnittenem Text mit Initialen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von zehn Exemplaren der Vorzugsausgabe auf China, im Druckvermerk vom Künstler signiert, nummeriert und datiert (Gesamtauflage 1010). – Nach »Phèdre«, das in gleicher Ausstattung 1910 gedruckt wurde, wiederum ein rein zeichnerisches Werk Rouveyres. – Im Nachwort interpretiert Jean Moréas die Zeichnungen und erläutert die Bezüge zu verschiedenen Fassungen der Dichtung. – Nicht nur die Zeichnungen, auch der gesamte Text wurde von Pierre-Eugène Vibert in Holz geschnitten und die Stöcke nach Ausdruck der Auflage zerstört. – André Rouveyre (1879–1962) war früh und lebenslang mit Henri Matisse, später auch eng mit Guillaume Apollinaire befreundet. – Tadellos schönes Exemplar.

28 : 22 cm. XXXV, [1] Seiten.

Nicht bei Monod, vgl. dort 10005 (»Phèdre«)

684  Philippe Soupault. Westwego.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausruflimit/Reserve price: € 350

Paris, Éditions de la Librairie Six 1922. Mit zwei ganzseitigen Illustrationen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren auf Vergé (Gesamtauflage 318). – »Bedeutende Dichtung aus der Zeit der engen Freundschaft mit Breton und Aragon. […] Interessante typographische Gestaltung. Die Dichtung wird eingeleitet und abgeschlossen von der ganzseitig abgebildeten schwarz eingefärbten Handfläche des Dichters« (Hans Bolliger).

24 : 16 cm. [28] Seiten.

Dokumentations-Bibliothek II, 74

685  Alois Wachsmann – Vladimir Holan. Chór.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Prag, Melantrich 1941. Mit fünf blattgroßen Illustrationen von Alois Wachsmann. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Eins von 200 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Old Holland-Bütten. – Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert. – Mit eigenhändiger Widmung Holans auf dem Vortitelblatt. – Vladimír Holan (1905–1980) war zunächst Anhänger des tschechischen avantgardistischen »Poetismus«. »Vom spielerischen Dichtungsverständnis dieser Schule entwickelte er sich jedoch, unter dem Eindruck von Vorbildern wie Mallarmé, Rilke und Valéry, rasch zum prononciertesten Vertreter einer tschechischen ›poésie pure‹ fort«. (Heidelberger Forum-edition.de) – Die Verse »Chór« schrieb Holan 1939 als Ergänzung für die von E. F. Burian komponierte Oper »Alladina und Palomid« nach der Dichtung von Maurice Maeterlinck. – Alois Wachsmann (1898–1942) war Anhänger des tschechischen Surrealismus und zählte 1920 zu den Mitbegründern der tschechischen Avantgardegruppierung »Devětsil«, deren »poetistische« Grundrichtung maßgeblich von Vítězslav Nezval und Karel Teige geprägt wurde.

22 : 18 cm. – 44, [2] Seiten. Es fehlt der illustrierte Originalumschlag.