ChristianHesse

Einige Kunstismen | Hesse-Auktionen
Einige Kunstismen

237  Sturm-Postkarten.

€ 300

Vier Postkarten. Um 1915. Ca. 14 : 10 cm.

I. Marc Chagall. Kleinstadt. Farblithographie nach Aquarell. – II. Marc Chagall. Der Viehhändler. Offset in Braun. – III. Alexander Archipenko. Der Tanz. Mit überdruckter Angabe »Sammlung Walden«. – IV. Alexander Archipenko. Statuette (terre cuite). Französische Postkarte, ohne Verlagsangabe. – Dazu: Maler-Postkarte des Verlages Bruno Cassirer und J. B. Neumann, Serie III, Nr. 8: Lovis Corinth. Die Hexen. – Alle sehr gut erhalten und unbeschriftet.

238  Katalog 1919–1924 Paul Steegemann Verlag · Hannover.

€ 250

Hannover Oktober 1924. Pappband mit eingebundenem Originalumschlag.

Sehr seltener Katalog des für die expressionistische und dadaistische Literatur gleichermaßen wichtigen Verlages, in dem auch die bekannte Reihe »Die Silbergäule« erschien. – Mit dem einleitenden Text des Verlegers »Fünf Jahre Verleger«, veröffentlicht zuerst in Heft 6 der Zeitschrift »Das Stachelschwein« und hier unter seinem Pseudonym Gustav Bock. – Verzeichnet ungefähr 150 noch lieferbare Bücher mit Angaben zu Luxus- und Vorzugsausgaben sowie Rezensionen. – Zu den wichtigsten Autoren gehörten Kurt Schwitters, Hans Reimann, Walter Serner und Salomon Friedländer (Mynona). – Mit Illustrationen von Barlach, Orlik, Grosz und Kubin. – Beigabe: Sonderdruck Bassenge-Katalog Steegemann (Auktion 41).

18,8 : 11,0 cm. 48 Seiten (einschließlich Umschlag).

Meyer S. 82

239  Dada – Excursions & visites Dada.

€ 700 ( R7 )

1ère visite: Eglise Saint Julien le Pauvre. Jeudi 14 Avril a 3 h. Paris [1921].

Flugblatt der Pariser Dadaisten für eine Exkursion, weitere wurden angekündigt, fanden jedoch niemals statt. – »Les dadaïstes de passage à Paris voulant remédier à l’incompétence de guides et de cicerones suspects, ont décidé d’entreprendre une série de visites à des endroits choisis, en particulier à ceux qui ont vraiment pas de raison d’exister, – C’est à tort qu’on insiste sur le pittoresque (Lycée Janson de Sailly), l’intérêt historique (Mont Blanc) et la valeur sentimentale (La Morgue). – La partie n’est pas perdue mais il faut agir vite. – Prendre part à cette première visite c’est se rendre compte du progrès humain, des destructions possibles et de la nécessité de poursuivre notre action que vous tiendrez à encourager par tous les moyens.« – Unterzeichnet von Gabrielle Buffet, Louis Aragon, Arp, André Breton, Paul Eluard, Th. Fraenkel, J. Hussar, Benjamin Péret, Francis Picabia, Georges Ribemont-Dessaignes, Jacques Rigaut, Philippe Soupault und Tristan Tzara. – Bläuliches Maschinenpapier, Druck in Blau und Schwarz. – Sehr selten und sehr gut erhalten, hier unbeschnitten.

31,5 : 26,6 cm. Dreifach gefaltet.

Dada global 235

240  Kurt Schwitters. Eigenhändige Merzbild-Postkarte mit Unterschrift.

€ 1500

Hannover, 25. 6. 1924. Beidseitig beschrieben.

An den Schauspieler Max Gundermann in Braunschweig. – Im November 1923 war der gemeinsame Plan, einen ersten Merzabend in Braunschweig zu veranstalten, offenbar gescheitert, erst im Januar 1924 lernten sich die beiden kennen. Im Winter 1923/24 erwog Gundermann, eine Kunsthandlung zu eröffnen. Dieses Vorhaben unterstützten sowohl Schwitters als auch Hans Richter, der im Februar 1924 an Gundermann schrieb: »Nach Rücksprache mit Herrn Schwitters sind wir Ihnen für Ihre Vorschläge sehr verbunden. Wir werden Ihnen eine Anzahl von Arbeiten zugehen lassen, die sich etwa für den Verkauf im Kunsthandel eigneten […]« (vgl. Auktion Hesse 19, KatNr. 304ff.). Ob sich der Plan nicht umsetzen ließ oder die Verkaufserfolge ausblieben, ist nicht überliefert, Schwitters jedoch drängt auf Rückgabe: »Vor einigen Wochen erkundigte ich mich bei Ihnen nach meinen bei Ihnen in Commission befindlichen Arbeiten. Sie haben noch nicht geantwortet. Ich bitte nun mir zu schreiben, wie es den Sachen geht […] Ich bitte nun dringend um Nachricht.« – Auf der Merzpostkarte »Kurt Schwitters. Das große Ichbild (Merzbild).

241  Kurt Schwitters. Eigenhändige Kunstpostkarte.

€ 1500

Hannover, 4.1.1926. Beidseitig beschrieben.

An Max Gundermann in Braunschweig. – Nach mehr als 18 Monaten reklamiert Schwitters kleinteilig in Bezug auf die Rückgabe von Kommissionsware (siehe die vorherige KatNr.): »Nach Ihrer eigenen Aufzeichnung fehlen verglichen mit den Sachen, die Sie uns geschickt haben: 1 Bild von Buchholz, 2 Merzzeichnungen von Schwitters, 5 neue Anna Blume, 4 Auguste Bolte, 24 Postkarten, 12 Merzzeitschriften, 13 Programms, 2 Klischees. Ich werde in nächster Zeit nach Braunschweig kommen und mir das Fehlende holen […]«. – Postkartenmotiv: Kurt Schwitters. Trauernde. Gemälde 1916.

242  Kurt Schwitters – H. Bahlsens Keks-Farbik Hannover.

€ 300

Drei Werbepostkarten. Um 1929. 10,5 : 14,8 cm.

Textseite im Buchdruck in Schwarz und Rot, Entwurf von Kurt Schwitters. – Der Merzkünstler gestaltete ab 1929 gemeinsam mit Martel Schwichtenberg (1896–1945) die Werbemittel der berühmten Leibniz-Keks-Fabrik. Während die Bildelemente, hier das TET-Signet, von der Künstlerin entworfen wurden, konzipierte Schwitters die Anordnung und Linienführung. Eine nahezu identische Karte ist abgebildet im Katalog »Kurt Schwitters – Avant-Garde and Advertising« der Fundacion Juan March (2014), KatNr. 64. – Auf den Bildseiten drei zeitgenössische Fotografien (Brezelmänner; Saal; Fassade Lister Straße). – Sehr gut erhalten.

243  Albert Gleizes und Jean Metzinger. O Kubism

€ 400

(russisch: Über den Kubismus). Moskau, Buchverlag Moderner Probleme 1913. Mit elf ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur.

Erste russische Ausgabe, anonym übersetzt (M. B.), nur kurze Zeit nach der französischen Erstausgabe publiziert. In dieser wurde 1912 die Kunstrichtung erstmals als »Cubisme« bezeichnet. – Mit ganzseitigen Abbildungen nach Werken von Cezanne, Picasso, Derain, Braque, Metzinger, Laurencin, Gleizes, Léger, Duchamp, Gris und Picabia. – Unbeschnitten.

18,8 : 13,5 cm. 126, [2] Seiten. – Rücken erneuert. – Besitzvermerk auf Umschlag und Titel. 2 Doppelblätter lose.

244  Marina Zvetajeva. Razluka.

€ 450

Kniga stichov. (russisch: Trennung. Ein Buch Gedichte). Moskau und Berlin, Helikon 1922. Originalpappband mit Deckelschild.

Erste Ausgabe. – Der erste Gedichtband im Berliner Exil. – Die Dichterin stand der Oktoberrevolution kritisch gegenüber, eine ihrer beiden Töchter aus der Ehe mit S. J. Efron verhungerte in einem Moskauer Kinderheim. Marina Zvetajeva folgte 1922 ihrem Ehemann in die Emigration nach Berlin, lebte später auch in Prag und Paris. 1939 kehrten beide in die Sowjetunion zurück und wurden bald darauf von Stalins Geheimpolizei verhaftet. Efron wurde 1941 erschossen, die Dichterin beging 1941 Selbstmord. – Boris Pasternak, der die Dichterin verehrte, soll ihr in der Figur der Lara in »Doktor Schiwago« ein Denkmal gesetzt haben.

16,2 : 12,5 cm. 36 Seiten (paginiert [3]–37, [1]). – Minimal bestoßen, hinteres Gelenk angeplatzt. – Leicht stockfleckig.

245  Wadim Scherschenevic und Matvej Roizman. Krasnyj Alkogol

€ 600

(russisch: Roter Alkohol). [Moskau], Imaschinisty [1922]. Originalbroschur mit Lithographie von Boris Erdman.

Erste Ausgabe. – Enthält die beiden Dichtungen »Prokaschenaja Moskva« und »Odnoj splosnoj neleposti«. – Der Bühnenbildner Boris Erdman (1890–1960) war der Bruder des 1933 verhafteten und verbannten Dramatikers Nikolai R. Erdman. Er illustrierte mehrere Bücher mit Dichtungen von Scherschenevic. – Sehr selten.

22,8 : 16,2 cm. 20, [4] Seiten (einschließlich Umschlag). – Rückenfalz und untere Ecke des Umschlags restauriert. – Hinterer Umschlag mit Preisstempel.

Rowell/Wye 383

246  Alexander Rodschenko – Vladimir Majakovskij. Ispanija – Okean – Gavanna – Meksika – Amerika.

€ 350

Moskau und Leningrad, Gosizdat 1926. Originalhalbleinenband mit zweifarbiger Illustration von Alexander Rodschenko.

Erste Ausgabe der Gedichtsammlung.

16,2 : 13,0 cm. 89, [7] Seiten. – Einband etwas fleckig. – Titelblatt und eine weitere Seite gestempelt. Etwas fingerfleckig.

Rowell/Wye 655 und Abbildung auf Seite 181

247  B[oris] Ignatievic Arvatov. Iskusstvo i Klassy.

€ 400

(russisch: Kunst und Klassen). Moskau und Petersburg, Gosizdat 1923. Typograpisch illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Boris Arvatov war Mitarbeiter an der russischen Avantgarde-Zeitschrift LEF. – Die in Rot und Schwarz gedruckte Typographik auf dem Vorderumschlag ist monogrammiert »L. N.«.

23,5 : 15,8 cm. 87, [1] Seiten. – Rücken leicht brüchig, Vorderumschlag und Titel mit kleiner Farbstift-Nummerierung, Hinterumschlag mit Stempeln.

Nicht im MoMA, nicht bei Compton

248  LEF.

€ 350

(Journal der Linken Front der Kunst). No. 2. Moskau und Petersburg, Gosizdat April/Mai 1923. Mit fünf ganzseitigen Illustrationen. Zweifarbig illustrierte Originalbroschur.

Das zweite Heft der wichtigsten russischen Avantgarde-Zeitschrift mit literarischen und programmatischen Beiträgen. – Die Umschläge der Hefte entwarf Alexander Rodschenko, der für dieses Heft auch sechs Plakatentwürfe beisteuerte. Sie sind neben sechs – ebenfalls zweifarbigen – Trikotentwürfen von Warwara Stephanova abgebildet. Als weitere Illustrationen dienten zwei Abbildungen aus George Grosz’ »Ecce homo«. – Die Textredaktion lag bei Majakovskij. »Wegen zunehmender massiver Kritik an ihrer Unverständlichkeit für die breite Masse war ihr Erscheinen unregelmäßig und ihre Auflage immer geringer geworden […]« (Bowlt/Hernad). Nach nur sieben Ausgaben wurde die Zeitschrift eingestellt.

23,5 : 16,0 cm. 177, [3] Seiten. – Nutzungsspuren, insgesamt sehr gut erhalten.

Rowell/Wye 500 und Abb. auf Seite 209. – Compton mit farbiger Abbildung nur dieses Hefts auf S. 33. – Bowlt/Hernad 81

249  Novyi LEF.

€ 350

(Neuer LEF). No. 2. Moskau, Gosizdat Februar 1927. Mit Abbildungen auf vier Bildtafeln. Illustrierte Originalbroschur.

Mit Beiträgen von Majakovskij u. a., Bildtafeln mit Fotografien und Filmfotos von Rodschenko u. a. – Die neue Reihe erschien monatlich von Januar 1927 bis Dezember 1928. Wiederum gestaltete Rodschenko die Umschläge. »Beträchtliche Änderungen fielen auf: Der Umfang war auf 48 Seiten reduziert, die Illustrationen bestanden jetzt hauptsächlich aus Photos, die Umschläge aus Photomontagen. Bis Ende 1928 hielt ›Novyi Lef‹ den auch jetzt wieder einsetzenden Angriffen stand, dann wurde sie eingestellt.« (Bowlt/Hernad).

22,5 : 14,7 cm. 47, [1] Seiten, 2 Blätter. – Vorderumschlag lose, minimal fingerfleckig.

Vgl. Bowlt/Hernad 82

250  Novyi LEF.

€ 350

No. 3. Moskau, Gosizdat März 1927. Mit fünf fotografischen Abbildungen auf vier Tafeln. Illustrierte Originalbroschur.

Das Märzheft der neuen Reihe. – Textbeiträge von Majakovskij, Tretjakov u. a. – Die Tafeln mit Fotografien von Rodschenko.

22,5 : 14,7 cm. 47, [1] Seiten, 2 Blätter. – Rückenfalz eingerissen, Umschlag vorn und hinten mit je einem, kaum störenden, Stempel.

251  Novyi LEF.

€ 350

No. 12. Moskau, Gosizdat Dezember 1928. Mit vier fotografischen Abbildungen auf Tafeln. Illustrierte Originalbroschur.

Das letzte Heft der neuen Reihe, die nach nur zwei Jahren ihr Erscheinen ebenfalls einstellte. – Textbeiträge von Tretjakov u. a. – Die Tafeln mit vier Fotografien von Alexander Rodschenko (Zirkus, Am Tisch, Stereotypen, Denkmal von Timirjasev). – Mit dem Gesamtregister der beiden Jahrgänge. – Der Umschlag mit zweifarbiger Typographik von Rodschenko. – Selten.

22,5 : 14,7 cm. 47, [1] Seiten, 2 Blätter. – Rückenfalz brüchig, Vorderumschlag minimal fleckig.

252  S. B. Telingater, E. Gutnov und N. Spirov. Oktjabr

€ 300

(russisch: Oktober). Borba sa proletarskije klassowyje pozicci na frontje prostranstwennjch iskusstv. (Der Kampf für proletarische Klassenstandpunkte in der Bildenden Kunst. Moskau, Izogiz 1931. Originalbroschur.

Programmatische Publikation von Mitgliedern der Künstlervereinigung »Oktober«, die wie andere progressive russische Künstlergruppierungen wenige Monate später in der »Einheitsfront der Kunstschaffenden« zusammengeschlossen wurde. – Konsequent nach den Regeln der »Neuen Typographie « realisiert, Druck in Rot und Schwarz, mit Balken und Pfeilen als gliedernde Elemente.

26,0 : 18,5 cm. 27, [1] Seiten. – Umschlag leicht fleckig, beide Deckel mit je einem Braunfleck.

Rowell/Wye 983/984 und Abb. auf S. 232. – MoMA 426.2001

253  Vladimir Majakovskij. Groznyi smekh.

€ 400

(russisch: Das schreckliche Gelächter). Moskau/Leningrad, GIChL 1932. Mit 37 Bildseiten nach Rosta-Fenstern, einem Porträt und illustrierten Vorsätzen. Originalpappband mit Typographik in Rot und Schwarz.

Eins von 3000 Exemplaren. – Die den »Rosta«-Plakaten gewidmeten Texte erschienen zwei Jahre nach Majakovskijs Tod. Das Buch besticht durch seine außergewöhnliche Gestaltung von Warwara Stepanova: Die Textseiten, nach den Regeln der modernen Typographie unter Verwendung verschieden starker Balken gesetzt, werden ergänzt durch die am Außenrand halbseitengroß abgebildeten legendären Plakate der russischen Telegrafen-Agentur ROSTA, die seit 1919 besonders in Zusammenarbeit mit Majakowski entstanden. Jedes zweite Textblatt blieb unillustriert und wurde in schmalem Hochformat eingebunden, so dass die Abbildungen stets unverdeckt bleiben. – Mit der berühmten Fotomontage von Boris Ignatowitsch, bei Susan Comptons »Russian Avant-Garde Books« ebenfalls als Vorsatz verwendet. – Warwara Stepanowa (1894–1958) war auf der Ersten Russischen Kunstausstellung in Berlin (1922) vertreten. Sie arbeitete als Textildesignerin, zählte zu den LEF-Mitarbeiterinnen und arbeite eng mit Majakowski zusammen. – »Ein wegweisendes, modernes Werk« (Bowlt/Hernad).

24 : 21 cm. 79, [1] Seiten. – Alterungsspuren. – Vorderes Innengelenk angeplatzt, erste Textseite und hinterer Vorsatz mit Stempel, drei Blätter mit Kugelschreibernummer.

Rowell/Wye 1006. – Bowlt/Hernad 104

254  Michail Bulgakov. Osudná vejce

€ 600

(tschechisch: Die verhängnisvollen Eier). Prag, Knihy Dobrých Autorů 1929. Originalbroschur mit Fotomontage auf dem Vorderumschlag.

Erste tschechische Ausgabe. – Die surrealistische Fotomontage stammt von Vladimir Golovin. – Die phantastische Groteske Bulgakovs erschien erstmals 1925 im russischen Original. Bulgakov schildert die fatalen Folgen einer Strahlenbehandlung von aus Deutschland importierten Eiern, aus denen nicht wie erwartet Hühner sondern menschenfressende Riesenschlangen und andere Reptilien schlüpfen. – Sehr schönes Exemplar. – Wie für tschechische Broschuren der damaligen Zeit typisch, nicht geheftet.

22,5 : 14,4 cm. 101, [3] Seiten.

255  Jerzy Jankowski. Tram wpopszek ulicy.

€ 900

Skruty prozy i poemy (polnisch: Tram auf die andere Straßenseite. Vermischte Prosa und Gedichte). Warschau, Wydawnictwo Futuryzm Polski 1920 [1919]. Originalbroschur.

Erste Ausgabe des ersten Buchs des polnischen Futurismus. – Die Typographie der Texte und den Umschlag gestaltete der Verfasser selbst, gedruckt wurde auf bräunlichen Karton. – Enthält folgende Teile: »Rytmy miasta« (Rhythmus der Stadt) mit dem Titelgedicht, »Zlote trosy« (Goldene Terrassen) und »Brzegiem lety« (Ufer des Sommers). – Jerzy Jankowski (1887–1941) war der erste futuristische Dichter Polens. Seine frühesten Gedichte erschienen in Zeitschriften. Das vorliegende Werk erschien in dem von Jankowski gegründeten Verlag und ganz in der von ihm selbst realisierten Typographie, die andernorts erst Jahre später als »Neue Typographie« etabliert wurde. – Gestaltung und Inhalt erregten in Polen heftige und ablehnende Reaktionen. Der Dichter selbst musste wegen psychischer Erkrankungen ab 1921 in einer Heilanstalt leben, wo er nach der Besetzung Polens durch deutsche Truppen 1941 von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

23,2 : 17,5 cm. [64] Seiten. – Rücken und Heftung fachmännisch und nahezu unbemerkbar restauriert. – Titelblatt mit teils übermaltem Besitzvermerk (1921) und einem alten Stempel. Vereinzelte leichte Bleistiftanstreichungen. Umschlag minimal fleckig.

Vgl. Rypson, Polish Avant-Garde and Artists’ Books in the 20th century. 2000

256  Lajos Kassak. Misilló királysága.

€ 300

Regény. Második kiadás. (ungarisch: Das Königreich Misillo. Roman. Zweite Auflage). [Wien], Bécsi Magyr Kiadó 1920. Originalbroschur mit farbiger Deckelillustration, entworfen von Sandor Bortnyik.

1918 war in Budapest die erste Ausgabe von Kassaks erstem Roman erschienen, die zweite – nun mit der Umschlagillustration Bortnyiks – erschien während des Wiener Exils. – Sandor Bortnyik (1893–1976) war Mitherausgeber der Zeitschrift »MA« und zugleich Vertreter der gleichnamigen avantgardistischen Künstlergruppe. Wie Kassak emigrierte er 1919 nach Wien, stellte 1922 erstmals in Herwart Waldens Galerie »Der Sturm« aus und ging kurze Zeit später nach Weimar. Dort beschäftigte er sich intensiv mit dem Bauhaus und gründete 1928, wieder zurück in Budapest, nach dessen Vorbild »Mühely«, eine Schule für Werbegraphik, zu deren Studenten auch Viktor Vasarely gehörte.

18,1 : 11,4 cm. 159, [1] Seiten. – Gelenke leicht berieben.

257  Lajos Kassak. Angyalföld.

€ 300

Regény (ungarisch: Engelfeld. Roman). Budapest, Pantheon (Globus) [1929]. Originalbroschur mit farbiger Umschlagillustration mit Fotomontage.

Erste Ausgabe. – Erschien in der Reihe »Der neue ungarische Roman«. – Die Einbandgestaltung entwarf Lajos Kassak. – Kassak war wohl die wichtigste Figur der ungarischen Avantgarde. Er gründete 1915 die Zeitschrift »A tett«, das ungarische Pendant zu »Die Aktion«, später das berühmte Magazin »MA«, in dem die »creme de la creme« der europäischen Moderne publizierte: George Grosz, Kurt Schwitters, El Lissitzky, Hans Richter, Jean Cocteau, Guillaume Apollinaire, Marc Chagall, László Moholy-Nagy und viele weitere. Nachdem Kassák 1919 aus Ungarn fliehen musste, setzte er die Zeitschrift in Wien fort. Er formulierte die Grundlagen des Ungarischen Konstruktivismus und konnte ab Mitte der 1920er Jahre wieder in seiner Heimat arbeiten. – Hervorragend erhalten.

19,0 : 12,0 cm. 356, [4] Seiten.

Csaplar, Kassak 1999, 144

258  Linards Laicens. Alfa un auto.

€ 450

Konstruktiva spele (lettisch: Alfa und Auto. Konstruktivistische Spiele). Riga, TNT Isdevums 1925. Originalbroschur mit zweifarbiger Typographik.

Erste Ausgabe. – Drama von Linards Laicens (1883–1938), dem bedeutenden lettischen Avantgarde-Dichter. Der Herausgeber der wichtigen Zeitschrift »Tribine« war auch politisch aktiv. Als Mitglied der Lettischen Kommunistischen Partei wurde er mehrfach verhaftet und floh 1932 in die Sowjetunion. Dort wurde er allerdings im Rahmen von Stalins »Säuberungen« verhaftet und 1937 oder 1938 erschossen. – Selten, zumal so gut erhalten.
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18,0 : 13,5 cm. 58, [6] Seiten. – Titelblatt rückseitig und die letzte Textseite mit Stempeln.