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Erstlingswerke | Hesse-Auktionen
Erstlingswerke

572  Erstlingswerke – Franz Jung. Das Trottelbuch.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 340

[Vier Erzählungen]. Leipzig, Theodor Gerstenberg 1912. Gelber Originalleinenband mit farbiger Deckelillustration von Franz Henseler.

Erste Ausgabe. – 1912 erschienen erste Prosatexte von Franz Jung in den expressionistischen Zeitschriften »Der Sturm« und »Die Aktion« sowie sein erstes Buch »Das Trottelbuch«. Ab 1913 lebte Jung in Berlin, wo er engen Kontakt zu Franz Pfemfert, dem Herausgeber der »Aktion« hatte. Zunächst Kriegsfreiwilliger, desertierte er 1915 mit Hilfe eines gefälschten Attests, das ihm Walter Serner ausgestellt hatte, und arbeitete an politisch-kulturellen Untergrund-Projekten. Ab 1918 war Franz Jung Mitherausgeber des »Club Dada«. Franz Jung gilt nicht nur Fritz J. Raddatz als »einer der unbekanntesten und lesenswertesten Autoren deutscher Sprache in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts«. – Sehr schönes Exemplar. – Erschien auch innerhalb der »Graphischen Bücher · Erstlingswerke« bei Faber & Faber (Band 25).

19,8 : 13,5 cm. 122, [2] Seiten. – Deckel mit kleinen Flecken.

Raabe/Hannich-Bode 145.1

573  Erstlingswerke – Bertolt Brecht. Baal.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1922. Illustrierte fliederfarbene Originalleinenbroschur.

Erste öffentliche Ausgabe der ersten Veröffentlichung Brechts. – Eins von 800 Exemplaren. – Mit der gedruckten Widmung für seinen Augsburger Jugendfreund Georg Pflanzelt. – Gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig. – Das Buch sollte bereits 1920 im Georg Müller Verlag in 600 Exemplaren erscheinen, der Plan wurde aber verworfen und dort nur wenige Exemplare für den Verfasser abgedruckt. – Die Aufführung des Stückes wurde zum Theaterskandal, da »die Grenzen des Schicklichen weit überschritten waren, nicht nur die Grenzen der Irdischkeit, wie der Dichter sagt« (zeitgenössische Kritik). – Erschien auch als Band 1 der »Graphischen Bücher · Erstlingswerke« bei Faber & Faber. – Dazu: Bertolt Brecht. Leben Eduards des Zweiten von England. 1924. – Die Songs der Dreigroschenoper. 16.-20. Tausend. 1929. – Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Oper, Musik von Kurt Weill. Wien und Leipzig, Universal 1929. – Originalbroschuren, eine mit Deckelillustration von Caspar Neher. – Eine Beigabe (Versuche Heft 5).

16,5 : 12,7 cm. 91, [5] Seiten. – Der Rücken etwas verblasst, sonst sehr schönes und unbeschnittenes Exemplar.

Seidel 93. – Nubel A 141. – Melzwig 126.2. – Raabe/Hannich-Bode 41.1

574  Erstlingswerke – 18 Erstlingswerke der ersten Jahrhunderthälfte

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Berlin u. a. 1909–1939. Originaleinbände.

Rudolf Binding. Legenden der Zeit. Leipzig, Grunow 1909. – Marieluise Fleisser. Ein Pfund Orangen und neun andere Geschichten. Berlin, Kiepenheuer 1929. – Walther Heymann. Der Springbrunnen. München, Piper 1907. – Rudolf Kayser. Die Zeit ohne Mythos. Berlin, Die Schmiede 1923. – Ernst Kreuder. Die Nacht des Gefangenen. Darmstadt, Wittich 1939. Widmungsexemplar. – Friedo Lampe. Am Rande der Nacht. Berlin, Rowohlt 1934. – Friedrich Luft. Luftballons. Leipzig und Berlin, Otto Beyer 1939. – Georg Maurer. Ewige Stimmen. Leipzig, Haessel [1936]. – Max Pulver. Selbstbegegnung. Leipzig, Kurt Wolff 1916. – Erik Reger. Union der festen Hand. Berlin, Rowohlt 1931. – Ludwig Renn. Krieg. Frankfurt, Societäts-Druckerei 1929. – Luise Rinser-Schnell. Die gläsernen Ringe. Berlin, S. Fischer 1941. – Ernst von Salomon. Die Geächteten. Berlin, Rowohl 1930. – Adam Scharrer. Aus der Art geschlagen. Berlin, Bücherkreis 1930. Gestaltung von Jan Tschichold. – August Scholtis. Ostwind. Roman der oberschlesischen Katastrophe. Berlin. S. Fischer 1932. – Eduard Trautner. Haft. Potsdam, Kiepenheuer 1920. – Franz Werfel. Der Weltfreund. Leipzig, Kurt Wolff ohne Jahr. Titelauflage (Axel Juncker 1911). – Wolfgang Weyrauch. Der Main, eine Legende. Berlin, Rowohlt 1934. Illustrationen von Alfred Kubin. – Dazu die Erstlinge von Leonhard Frank, Kurt Tucholsky und Anna Seghers in Titel- bzw. Nachauflagen und die zweite Veröffentlichung von Arnold Bronnen. – 1 Dublette.

575  Peter Weiss. Från ö till ö.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

(schwedisch: Von Insel zu Insel). Stockholm, Albert Bonniers 1947. Mit vier Textillustrationen des Verfassers. Originalbroschur mit Deckelvignette.

Erste Ausgabe des Erstlings. – Peter Weiss (1916–1982) emigrierte während der Zeit des Nationalsozialismus und lebte seit 1940 in Stockholm. Dort arbeitete er als Maler, Graphiker und Schriftsteller, künstlerischer Erfolg blieb ihm in Schweden jedoch versagt. Erst mit den Publikationen Anfang der 1960er Jahre in Deutschland (»Der Schatten des Körpers des Kutschers«, »Abschied von den Eltern« und »Fluchtpunkt«) erlangte er internationale Bedeutung. – Unaufgeschnittenes tadelloses Exemplar, sehr selten.

19,5 : 13,0 cm. 80, [4] Seiten.

576  Erstlingswerke – 18 Erstlinge von BRD-Autoren.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Hamburg, Frankfurt u. a. 1946–1969. Originaleinbände, viel mit -schutzumschlag.

Herbert Achternbusch. Hülle. Frankfurt, Suhrkamp 1969. – Alfred Andersch. Deutsche Literatur in der Entscheidung. Karlsruhe, Volk und Zeit 1948. – Bazon Brock. Kotfluegel. Itzehoe 1957. – Tankred Dorst. Geheimnisse der Marionette. München, Hermann Rinn 1957. – Hans Magnus Enzensberger. Verteidigung der Wölfe. Frankfurt, Suhrkamp 1957. – Hubert Fichte. Der Aufbruch nach Turku. Hamburg, Hoffmann und Campe 1963. – Barbara Frischmuth. Die Klosterschule. Frankfurt, Suhrkamp 1968. – Max von der Grün. Männer in zweifacher Nacht. Recklinghausen, Paulus 1962. – Peter Härtling. Poeme und Songs. Esslingen, Bechtle 1953. Widmungsexemplar »wenn auch noch unbekannt, mit guten Wünschen überreicht«. – Wolfgang Hildesheimer. Lieblose Legenden. Stuttgart, DVA 1952. – [Walter Jens, pseudonym:] Walter Freiburger. Das weiße Taschentuch. Hamburg, Hansischer Gildenverlag 1947. – Walter Kempowski. Im Block. Ein Haftbericht. Reinbek, Rowohlt 1969. – James Krüss. Der goldene Faden. Reinbek, Parus 1946. – Reinhard Lettau. Schwierigkeiten beim Häuserbauen. München, Hanser 1962. – Siegfried Lenz. Es waren Habichte in der Luft. Hamburg, Hoffmann und Campe 1951. Umschlag fehlt. – Peter Rühmkorf. Irdisches Vergnügen in g. Hamburg, Rowohlt 1959. – Arno Schmidt. Leviathan. Hamburg, Rowohl 1949. – Ror Wolf. Fortsetzung des Berichts. Frankfurt, Suhrkamp 1964. – 33 weitere, Erstlinge der 1990er Jahre, vereinzelt auch frühere in Nachauflage. – Alle sehr gut erhalten.

577  Erstlingswerke – 24 Erstlinge von DDR-Autoren.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Berlin u. a. 1950–1983. Originaleinbände, fast immer mit -schutzumschlag.

Jurek Becker. Jakob der Lügner. Berlin, Aufbau 1969. – Thomas Böhme. Mit der Sanduhr am Gürtel. Berlin, Aufbau 1983. Widmungsexemplar. – Volker Braun. Provokation für mich. Gedichte. Halle 1965. – Günter de Bruyn. Wiedersehen an der Spree. Halle 1960. – Heinz Czechowski. Nachmittag eines Liebespaares. Halle 1962. – Elke Erb. Gutachten. Berlin, Aufbau 1975. – Fritz Rudolf Fries. Der Weg nach Oobliadooh. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1966. – Christoph Hein. Einladung zum Lever Bourgeois. Berlin, Aufbau 1980. – Wolfgang Hilbig. Abwesenheit. Frankfurt am Main, S. Fischer 1979. – Heinz Kahlau. Hoffnung lebt in den Zweigen des Caiba. Berlin, Neues Leben 1954. – Heinar Kipphardt. Shakespeare dringend gesucht. Berlin, Henschel 1954. Umschlag fehlt. – Sarah und Rainer Kirsch. Berlin-Sonnenseite. Berlin, Neues Leben 1964. – Uwe Kolbe. Hineingeboren. Berlin, Aufbau 1980. – Lothar Kusche. Das bombastische Windei. Berlin, Aufbau 1959. – Erich Loest. Jungen die übrig blieben. Leipzig, Volk und Buch 1950. – Herbert Nachbar. Der Mond hat einen Hof. Berlin, Aufbau 1956. – Dieter Noll. Neues vom lieben närrischen Best. Leipzig, Reclam [1951]. – Heiner Müller. Die Lohndrücker. 1958. – Ulrich Plenzdorf. Die neuen Leiden des jungen W. Rostock, Hinstorff 1973. – Brigitte Reimann. Die Frau am Pranger. Berlin, Neues Leben 1956. – Klaus Schlesinger. Michael. Rostock, Hinstorff 1971. – Rolf Schneider. Aus zweiter Hand. Berlin, Aufbau 1958. – Hansgeorg Stengel. Mit Schrubber und Besen. Weimar 1950. – Christa Wolf. Moskauer Novelle. Halle, Mitteldeutscher Verlag 1961. Umschlag fehlt. – 17 weitere Werke, vereinzelt Nachauflagen und Lizenzausgaben sowie weitere Erstlinge in den Reihen »Edition Neue Texte« und »Poesiealbum« (19 Ausgaben). – Alle sehr gut erhalten, nur vereinzelte mit Stempel, Exlibris oder Besitzvermerk.

578  Grenzfriedhof.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Richard Pietraß Gedichte. Liz Mields-Kratochwil Lithographien. Berlin, Mariannenpresse 1998. Mit sieben blattgroßen Lithographien. Originalpappband im -schuber. – Widmungsexemplar.

Eins von 100 Exemplaren, weitere 30 waren nicht für den Handel bestimmt. – Im Druckvermerk von Dichter und Künstlerin signiert. – Titelblatt mit persönlicher eigenhändiger Widmung des Dichters »Für meinen Verleger Elmar Faber für seinen Beistand an der Grenze des Sagbaren […]«, datiert 1999. – Richard Pietraß (geboren 1946) war 1975–1979 Lyriklektor im DDR-Verlag »Neues Leben« und Redakteur der Zeitschrift »Temperamente, ab 1977 auch Herausgeber der Lyrikreihe »Poesiealbum«, in der zahlreiche DDR-Autoren debütierten. 1978/79 wurde er aus politischen Gründen aus der Redaktion entlassen und zur Kündigung gezwungen und arbeitet seitdem als freischaffender Schriftsteller. Nach seinem Erstling (Poesiealbum 82, 1974) erschienen zu DDR-Zeiten drei Gedichtbände in dem von Elmar Faber geleiteten Aufbau-Verlag. – Liz Mields-Kratochwil (geboren 1949) arbeitet vorwiegend als Bildhauerin. Die wuchtig-ungestümen Lithographien, die die »Auflösung« der Berliner Mauer thematisieren, lassen diese künstlerische Prägung spüren.

39,0 : 39,0 cm. 36, [4] Seiten.