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Georg Trakl und andere Dichter des Expressionismus | Hesse-Auktionen
Georg Trakl und andere Dichter des Expressionismus

583  Georg Trakl-Sammlung – Katalognummer 584 – 607

Schätzpreis/Estimate: € 35000

Ausruflimit/Reserve price: € 30000

Erfolgt auf diese Katalognummer kein Zuschlag, werden die Katalognummern einzeln versteigert. Die Zuschläge erfolgen unter dem Vorbehalt der Erreichung des Gesamtlimits.

584  Georg Trakl. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 20000

Zuschlag/Hammerprice: € 20000

Salzburg, 19. VIII. [1906]. Eine Seite.

An den Kritiker Hugo Greinz, damals Redakteur der Wiener »Zeit«. – Wichtiges Zeugnis aus Trakls frühester literarischer Schaffenszeit. – »Da ich bis heute die Ihnen von Herrn Streicher übersandte Arbeit ›Fata morgana‹ nicht zurückgeschickt erhielt, erlaube ich mir, Sie, verehrtester Herr, zu ersuchen, mir das Manuskript zusenden zu wollen, da ich eine zweite Abschrift nicht besitze. Zugleich bitte ich Sie, mir Ihr Urteil über diese Arbeit bekanntgeben zu wollen, da dies für mich von großem Werte ist. Ihr ergebener Georg Trakl. Adresse: Mozartplatz No. 3«. – Seine ersten literarischen Veröffentlichungen (»Traumland« und »Aus goldenem Kelch«, Mai/Juni 1906 im Salzburger Volksblatt) und die Annahme seines »dramatischen Stimmungsbildes« »Totentag« durch das Salzburger Stadttheater »[…] haben Trakl ermuntert, einen weiteren dramatischen Text auf die Bühne zu bringen. Als Vermittler war wieder Streicher aktiv, der ein Exemplar der tragischen Szene […] zunächst an Hugo Greinz, […] mit Streicher schon lange bekannt, zur Begutachtung schickte. [… Trakl war] Kritik eines Außenstehenden wichtig. Erst nachdem sich dieser Versuch als nicht zielführend herausgestellt hatte, ging das Manuskript an die Salzburger Theaterdirektion, die es vorschriftsgemäß der Zensurbehörde vorlegte.« Trakl war nach deren Protokoll bereit, Kleopatra in einer Szene »nur mäßig dekolletiert« statt »hüllenlos, nur von ihren Haaren überflutet« auftreten zu lassen. So war die Aufführung am 15. September nicht gefährdet. Beide Stücke waren jedoch Misserfolge und Trakl vernichtete daraufhin die Manuskripte. – Auf einem gefalzten Doppelblatt gräulichem Bütten.

Erstdruck in »Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv«, Nr. 8, 1989, S. 81. – Zitate aus: Hans Weichselbaum, Georg Trakl. Eine Biographie. Salzburg 2014

585  Georg Trakl. – Aus seinem Besitz – Charles Baudelaire. Die Blumen des Bösen.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Umdichtungen von Stefan George. Berlin, Georg Bondi 1901. Originalleinenband. Rückentitel, Deckelschrift mit Vignette und Kopfschnitt vergoldet.

Erste deutsche Ausgabe, nun mit bereits 106 Nachdichtungen. – Auf unbeschnittenem bräunlichem Bütten. – Den Titel und die Verlagsvignette entwarf Melchior Lechte. – Besonders in Trakls Gedichten der Jahre 1909–1912 finden sich vielfach formale und inhaltliche Parallelitäten zu »Vorlagen« der beiden größten französischen Lyriker des 19. Jahrhunderts, Rimbaud und Baudelaire. »Wie im Falle der Rimbaud-Bezüge gehen auch die Referenzen auf die Dichtungen Baudelaires, die Trakl seit seiner Schulzeit kannte, weniger auf die französische Originalversion zurück denn auf die deutsche, von George besorgte, Übersetzung der ›Fleurs du mal‹.« (Annette Hammers Studie zur Georg Trakls Gedichten »Psalm I« und »De profundis II«, Würzburg 2006, S. 99). – Mit dem Exlibris von Georg Trakl. Farbiger Holzschnitt von Max von Esterle (vgl. auch KatNr. 23). Trakl widmete ihm sein Gedicht »Winterdämmerung«.

21 : 16 cm 197, [3] Seiten. – Einband minimal stockfleckig.

Landmann 161. – Fromm I, 2223. – Das Exlibris ausführlich beschrieben bei Decker, Dichterexlibris

586  Georg Trakl. – Aus seinem Besitz – Francois Villon. Des Meisters Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Ins Deutsche übertragen von K. L. Ammer. Leipzig, Julius Zeitler 1907. Schwarze Originalbroschur, Titel und Deckelvignette in Golddruck.

Erste deutsche Gesamtausgabe. – Eins von 700 Exemplaren. – Titel und Einbandschmuck entwarf Walter Tiemann. – Mit roten Initialen gedruckt auf Bütten bei Poeschel & Trepte, Leipzig. – Mit dem Exlibris von Georg Trakl. Farbiger Holzschnitt von Max von Esterle (vgl. auch KatNr. 23). Trakl widmete ihm sein Gedicht »Winterdämmerung«.

24 : 16 cm. [6], 116, [2] Seiten. – Minimal bestoßen, Ränder besonders am Anfang etwas stockfleckig.

Fromm VI, 26708

587  Georg Trakl. Helian.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

[Innsbruck, 1912/1913]. Originalbroschur.

Erste Ausgabe und die erste selbständige Veröffentlichung Trakls überhaupt. Der Sonderdruck entstand noch vor der Veröffentlichung in »Der Brenner« (Jahrgang III, Heft 9, 1. Februar 1913, S. 386–389). – Auf Velin »Firenze«, zwei Doppelblätter. – Entgegen dem späteren Abdruck im »Brenner« hier jeder der fünf Teile auf einer einzelnen Seite, so dass jede mit einer Initiale eröffnet wird. – Ludwig von Ficker ließ von einigen Gedichten Georg Trakls Sonderdrucke auf feinstem Papier drucken, meist nur in kleinsten Auflagen und nur für den persönlichen Gebrauch. – Außer dem Bestand im Brenner-Archiv via Worldcat nur ein Exemplar im Marbacher Literaturarchiv nachweisbar, das bereits auf 1912 datiert wird.

22 : 16 cm. [8] Seiten. – Ränder der Umschlagseiten leicht gebräunt, alle Blätter minimal stockfleckig. – Schwache horizontale Knickfalte.

Vgl. Ritzer 1983 1.7.15. – Raabe/Hannich-Bode 304.1

588  Georg Trakl. Sebastian im Traum.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

[Innsbruck, Brenner 1913]. Gefalztes Doppelblatt.

Erste Ausgabe. – Nach Raabe/Hannich-Bode die zweite selbständige Veröffentlichung Trakls, was ein Druckdatum vor Mai 1913 voraussetzen würde. – Sonderdruck vor der Veröffentlichung in »Der Brenner« (Jahrgang IV, Heft 1, 1. Oktober 1913, Seiten 18–20). – Auf Bütten »Beatrix Mill« von Adolf Reiss, Wien. – Erst der Abdruck in der Zeitschrift erhielt, wie auch der in der gleichnamigen Sammlung (Leipzig 1915) die Widmung »Für Adolf Loos«. – Außer dem Bestand im Brenner-Archiv via Worldcat nur je ein Exemplar in der Österreichischen Nationalbibliothek und im Literaturarchiv Marbach nachweisbar.

22 : 16 cm. [4] Seiten. – Etwas angestaubt und fleckig, schwache horizontale Knickfalte.

Vgl. Ritzer 1983 1.7.30. – Raabe/Hannich-Bode 304.2

589  Georg Trakl. Kaspar Hauser Lied.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

[Innsbruck, Brenner 1913]. Gefalztes Doppelblatt.

Erste Ausgabe, Raabe/Hannich-Bode unbekannt geblieben. – Sonderdruck vor Veröffentlichung in »Der Brenner« (Jahrgang IV, Heft 4, 15. November 1913, Seite 161). – Auf Velin »Galathea Mill hand made«. – Noch ohne die Widmung »Für Bessie Loos«, diese erschien erst in der Zeitschrift und der Sammlung »Sebastian im Traum«. – Außer dem Bestand im Brenner-Archiv via Worldcat nur ein Exemplar in der Österreichischen Nationalbibliothek nachweisbar.

22 : 16 cm. [4] Seiten.

Vgl. Ritzer 1983 1.7.36. – Nicht bei Raabe/Hannich-Bode

590  Georg Trakl. Hohenburg.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 900

[Innsbruck 1913].

Erste Ausgabe, Raabe/Hannich-Bode unbekannt geblieben. – Sonderdruck vor Veröffentlichung in »Der Brenner« (Jahrgang IV, Heft 6, 15. Dezember 1913, Seite 179). – Auf Velin »Galathea Mill hand made«. – Auf der Hohenburg, einem bei Innsbruck gelegenen Schloss im Familienbesitz der von Fickers, hielt sich Trakl 1913/14 einige Male auf. – Sehr selten. – Außer dem Bestand im Brenner-Archiv kein Exemplar via Worldcat nachweisbar.

22 : 16 cm. [4] Seiten. – Oberrand minimal gebräunt.

Vgl. Ritzer 1983 1.7.40. – Nicht bei Raabe/Hannich-Bode

591  Georg Trakl. Drei Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2600

Das Gewitter. Der Abend. Die Nacht. [Innsbruck, Brenner 1914]. Gefalztes Doppelblatt.

Erste Ausgabe, Raabe/Hannich-Bode unbekannt geblieben. – Sonderdruck vor Veröffentlichung in »Der Brenner« (Jahrgang IV, Heft 20, 15. Juli 1914, Seiten 909–911, dort unter dem Titel »Gedichte«). – Auf Velin. – Die Gedichte entstanden im Frühjahr/Frühsommer 1914. – Außer dem Bestand im Brenner-Archiv kein Exemplar via Worldcat nachweisbar. – Tadellos erhalten.

22 : 16 cm. [4] Seiten.

Vgl. Ritzer 1983 1.7.62–64. – Nicht bei Raabe/Hannich-Bode

592  Georg Trakl – Der Brenner.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 3600

Halbmonatsschrift für Kunst und Kultur. Herausgegeben von Ludwig von Ficker. Innsbruck 1910–1954. Sechs grüne Originalleinenbände mit goldgeprägten Titeln und 40 Originalbroschuren.

Vollständige Folge aller erschienenen Hefte mit mehr als 70 Erstdrucken von Georg Trakl. – Vorhanden: Jahrgang I, Hefte 1–24; Jahrgang II, Hefte 1–24; Jahrgang III, Hefte 1–20 (bis hier in Originalhalbjahreseinbänden); Jahrgang IV, Hefte 1–20 und Brenner Jahrbuch 1915 (als Ersatz für Jahrgang V erschienen, mit acht posthum veröffentlichten Gedichten) sowie Folge VI, Heft 1–10, Folge VII, Bände 1 und 2 und Folgen VIII–XVIII (mit Briefen, Varianten und Texten über Trakl). In den frühen Heften finden sich ganzseitige Karikaturen und Illustrationen von Max von Esterle, der auch Georg Trakls Exlibris entwarf. »Nach dem Brenner-Jahrbuch, einem Gedenkbuch für Georg Trakl, wandte sich die Zeitschrift vom Expressionismus ab und orientierte sich mehr religiös-philosophisch« (Raabe). Ab 1945 erschien »Der Brenner« noch unregelmäßiger als in den Jahren 1925–1934, 1954 wurde die Zeitschrift eingestellt. – Der Herausgeber des »Brenner«, Ludwig von Ficker, war Trakls wichtigster Förderer, der ihm neben finanzieller Hilfe auch mittels Gedichtpublikationen in seiner expressionistisch orientierten Halbmonatsschrift zum dichterischen Durchbruch verhalf. Zu den weiteren Autoren gehörten Hermann Broch, Theodor Däubler, Else Lasker-Schüler, Adolf Loos u. a. – Sehr gut erhalten. – Dazu: Verlagswerbung des Brenner-Verlages: Drei Werbeblätter bzw. Broschüren, u. a. die Originalankündigung (Plakat) von 1910 »Ab 1. Juni d. J. erscheint […]«. – Beigaben: Sieben Zeitungsartikel über Georg Trakl, 1918–1957, u. a. von Albert Ehrenstein, u. a. aus NZZ, Frankfurter Zeitung und Salzburger Volksblatt. – Faksimiles aus dem Brenner-Archiv 1 und 2.

20 : 14 cm bis 22 : 15 cm.

Ritzer 1983 1.7,1–73. – Raabe, Zeitschriften 2. – Dietzel/Hügel 385. – Diesch 2825. – www.textkritik.de/trakl/trakl.htm

593  Georg Trakl. 44 Erstveröffentlichungen in »Der Brenner«.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Innsbruck 1910–1914. 68 Originalbroschuren und ein grüner Originalleinenband.

Die vollständigen Jahrgänge I–III, mit 24, 24 und 20 Heften, sowie das zweite Halbjahr von Jahrgang IV, Hefte 11–20 (in Originalleinenband). Mit insgesamt 44 Erstdrucken von Georg Trakl. – Die Titelliste der Brenner-Erstveröffentlichungen ist einzusehen unter www.textkritik.de/trakl/trakl.htm.

20 : 14 cm. – Meist sehr gut erhalten. Die Ränder papierbedingt etwas gebräunt.

Ritzer 1983 1.7.1–29 und 50–64. – Raabe Zeitschriften 2. – Diesch 2825. – Schlawe S. 10

594  Georg Trakl. Die drei Teiche von Hellbrunn.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

– In: Der Merker. Österreichische Zeitschrift für Musik und Theater. Jahrgang 1, Doppelheft 20/21. Wien, Österreichischer Verlag 1910. Mit zehn Bildtafeln. Originalbroschur.

Erster Abdruck der veränderten Fassung. Zuvor erschien das dreistrophige Gedicht im »Salzburger Volksblatt«. – Auf Seite 818 des Sonderhefts der Zeitschrift zur Mozartfeier im Sommer 1910, mit zahlreichen Stadtansichten, Künstlerporträts sowie Anzeigen und Musiknoten. Den Buchschmuck entwarf Richard Teschner, Mitarbeiter der Wiener Werkstätte.

25 : 19 cm. Seiten 809–880, XVI, 5, [1] Seiten, 10 Tafeln. – Unbeschnitten, Vorderdeckel mit leichtem Wasserrand.

Ritzer 1983 1.5.1. – Vgl. Killy/Szklenar II, 355f

595  Georg Trakl. Der Spaziergang. – Die Raben. – In einem alten Garten. – Drei Blicke in einen Opal.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausruflimit/Reserve price: € 330

– [Vier Gedichte in:] Salzburg. Ein literarisches Sammelwerk. Herausgegeben von den jungen Mitgliedern der Literatur- und Kunstgesellschaft »Pan«. Salzburg, Eugen Richter 1913. Originalbroschur mit farbig lithographiertem Deckelbild und -vignette.

Erstdrucke der vier Gedichte, die ersten beiden danach in der Sammlung »Gedichte« (Kurt Wolff 1913). – Auf Seiten 17–22 des Almanachs, dieser mit weiteren Texten von Hermann Bahr u. v. a. – Mit dem handschriftlichen Hinweis »Rezensionsexemplar!« auf dem Vorderdeckel: Der unbekannte Rezensent hinterließ an einigen Texten recht launige Bleistiftanmerkungen und scheint von der Sammlung nicht begeistert gewesen zu sein. So notiert er neben dem Aphorismus »Schwätzer sind ein Unglück, aber das größere Unglück sind die Leute, die den Schwätzern zuhören« von Karl Hauer: »Böses Motto zu dem Buch!« – Trakls Gedichte versah er mit anerkennenden Ausrufezeichen und einem einzigen Zusatz »O Gott!«.

19 : 17 cm. [4], 143, [1] Seiten, 4 Seiten Musiknoten. – Leicht fleckig und minimal bestoßen.

Ritzer 1983 1.9. – Vgl. Killy/Szklenar II 92, 55, 326 und 121

596  Georg Trakl. Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 900

Leipzig, Kurt Wolff 1913. Graue Originalbroschur mit zweifarbiger typographischer Deckelillustration.

Erste Ausgabe der ersten Buchveröffentlichung Trakls. – Erschienen als Heft 7/8 der Reihe »Der jüngste Tag«, hier in der ersten Bindequote mit dem von Wilhelm Wagner gestalteten und signierten Umschlag. – Gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig. – Nach Werfel, Hasenclever, Kafka, Hardekopf, Emmy Hennings und Carl Ehrenstein eröffnete Trakls Erstling die zweite Serie der legendären Buchreihe. – Albert Soergel schreibt in »Dichtung und Dichter der Zeit« angesichts der Trakl-Ausgaben »[…] das ist nicht Nachahmung, das ist Neugeburt. Das schuf einer, Hölderlin an Wesen und Schicksal ähnlich, aber beschwert durch die Entwicklung dreier Geschlechter nach ihm« (Ausgabe 1927, Band II, S. 433). – Unbeschnitten.

22 : 13 cm. 65, [3] Seiten. – Oberrand des Vorderumschlags fachmännisch mit Japan hinterlegt.

Ritzer 1983 2.1/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.3. – Raabe 145, 7/8. – Smolen/Stammerjohann 7/8.1.A. – Göbel 142

597  Georg Trakl. Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Leipzig, Kurt Wolff 1913. Grauer Originalpappband, Titel in Schwarz, Vorderdeckel mit kreisrunder Vignette in Blau.

Erste Ausgabe der ersten Buchveröffentlichung Trakls. – Der jüngste Tag, Heft 7/8. – Ohne die Anzeigen. – Nach Smolen/Stammerjohann wurde ein Teil der Rohbogen 1915/16 in der hier vorliegenden Form aufgebunden. Smolen/Stammerjohann nennen keinen anderen Titel der Reihe in dieser Einbandvariante. Durch das verwendete sehr gute Papier und den zumindest äußerlichen Wegfall des Reihentitels suggerierte diese Variante sicher beabsichtigt eine eigenständige Publikation. – Sehr schönes Exemplar, sehr selten.

22 : 13 cm. 65, [1] Seiten. – Vorsätze im Falz leicht stockfleckig.

Ritzer 1983 2.1/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.3. – Raabe 145, 7/8. – Smolen/Stammerjohann 7/8.1.B.2. – Göbel 142

598  Georg Trakl. Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 100

Leipzig, Kurt Wolff 1913 [1917]. Schwarze Originalbroschur mit grünem Deckelschild.

Der jüngste Tag, Heft 7/8. – Zweite Ausgabe, gedruckt bei L. C. Wittich, Darmstadt, in größerer Type. Ohne Anzeigen, nun aber erstmals mit Inhaltsverzeichnis der 49 Gedichte. – Auf einfacherem Papier. – Mit der gedruckten Leipziger Zensurmarke. – Schönes Exemplar.

22 : 13 cm. 68, [4] Seiten.

Ritzer 1983 2.1/B. – Smolen/Stammerjohann 7/8.2.A

599  Georg Trakl. Sebastian im Traum.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Leipzig, Kurt Wolff 1915. Blaugrüner Originalecrasélederband. Rückentitel, Vignetten, doppelte Deckelkantenfileten mit kleinen Eckverzierungen und der Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Eins von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe, die in Blau und Schwarz auf Stratford-Bütten gedruckt und in Ganzleder gebunden wurden. – 1913 hatte Georg Trakl, die »unbestrittene Hauptgestalt des österreichischen Frühexpressionismus« (Raabe) bei Kurt Wolff seinen ersten Gedichtband veröffentlicht. Wie Georg Heym, erlebte auch Trakl das Erscheinen der zweiten Gedichtsammlung nicht mehr. Im November 1914 setzte er, erst 27jährig, im Garnisonsspital Krakau seinem Leben mit einer Überdosis Gift ein Ende. – »Georg Trakl erlag im Krieg | von eigener Hand gefällt. | So einsam war es in der Welt. | Ich hatt ihn lieb« (Else Lasker-Schüler). – Trotz einiger Patina recht erstrebenswertes Rarissimum.

24 : 16 cm. 88, [8] Seiten. – Titelblatt mit handschriftlichem Besitzvermerk Alois Jungmair. – Einband verfärbt, besonders am Rücken. – Durchgehend, an den Rändern auch stärker, stockfleckig, am Ende Unterrand mit Braunfleck.

Ritzer 1983 2.2/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.4. – Göbel 226

600  Georg Trakl. Sebastian im Traum.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Gedichte. Leipzig, Kurt Wolff 1915. Dunkelblaue Originalbroschur. Titel, Deckelvignette und Kantenfileten goldgeprägt.

Erste Ausgabe. – In der seltenen Broschurvariante. – Innen sehr schön.

24 : 16 cm. 88, [8] Seiten. – Teils stärker lichtrandig, mit kleinen Farbspritzern, Rücken mit restauriertem Riss. – Titel mit Besitzvermerk und kleiner Leimspur.

Ritzer 1983 2.2/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.4. – Göbel 226

601  Georg Trakl. Die Dichtungen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Erste Gesamtausgabe. Leipzig, Kurt Wolff [1917]. Blauer Originalpappband mit Schwarzdruck.

Erste Ausgabe. – Druck in Blau und Schwarz. – Die Titelvignette, eine Leier mit zerrissenen Saiten und einem Palmzweig, entwarf Walter Tiemann. – Karl Röck, der Brenner-Mitarbeiter und enge Freund von Georg Trakl, war nach dem Tod des Dichters für Auswahl und Anordnung dieser ersten Gesamtausgabe verantwortlich (siehe KatNr. 607). – Dazu: Heinz Woester liest Georg Trakl Gedichte. LP. 1959. Amadeo, AVRS 2027. Allerdings mit Stempel auf Cover: »Unverkäufliches Messestück. Zum Abspielen nicht geeignet«.

23 : 16 cm. 201, [7] Seiten. – Rücken stark, Ränder leicht verblasst, innen sehr schönes Exemplar.

Ritzer 1983 2.3/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.8. – Göbel 448

602  Georg Trakl. Der Herbst des Einsamen.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

München, Kurt Wolff 1920. Blaugrüner Originalmaroquinband mit Marmorpapiervorsätzen, reicher Deckelvergoldung, goldgeprägtem Rückentitel und Goldschnitt.

Stundenbücher des Kurt Wolff Verlages, Band 1. – Eins von 350 Exemplaren. – Gesetzt aus der Petit Kleukens-Antiqua, Handpressendruck auf Bütten von C. H. Kleukens. – Einbandentwurf von Emil Preetorius. – 1919 gründete Christian Heinrich Kleukens zusammen mit Rudolf G. Binding die »Kleukens-Presse« in Nieder-Ramstadt bei Darmstadt und übernahm bald darauf auch wieder die Leitung der Ernst Ludwig Presse, die der Verleger Kurt Wolff vorübergehend gepachtet hatte. Für ihn wurden innerhalb von drei Jahren die zehn »Stundenbücher« gedruckt. Es finden sich Gedichtbände eigener Autoren (Trakl, Tagore,Jammes, Werfel) neben Texten von Goethe, Eichendorff, Mörike, Hölderlin u. a.

18 :12 cm. [2], 43, [7] Seiten. – Ecken minimal berieben, winzige Schabstelle unten am Vordergelenk.

Ritzer 1983 2.4. – Raabe/Hannich-Bode 304.5. – Göbel 506. – Stürz 27

603  Georg Trakl. Aus goldenem Kelch.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Die Jugenddichtungen. Salzburg/Leipzig, Otto Müller 1939. Blauer Originalleinenband mit Goldprägung und illustriertem Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe bisher unveröffentlichter Texte, darunter vier Prosastücke, das Drama »Blaubart« und viele Gedichten aus den Jahren 1908–1912. – Mit einem Vorwort des Herausgebers Erhard Buschbeck, der die Manuskripte größtenteils von Trakl selbst erhalten hatte. – Dazu: Georg Trakl. Gesang der Abgeschiedenen. Gedichte. Leipzig, Insel [1932]. Originalpappband. Inselbücherei 436. Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Georg Trakl. Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben von Walther Killy und Hans Szklenar. Zwei Bände. Salzburg, Otto Müller 1969. Originalleinenbände mit -schutzumschlag. Erste Werkausgabe.

19 : 12 cm. 157, [3] Seiten.

Ritzer 1983 2.8/A, dazu 2.7/A und 2.23/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.9, 6 und 12

604  Georg Trakl. Drei Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

In ein altes Stammbuch. De profundis. Nachtlied [I]. Basel, Gryff-Presse 1945. Zwei gefalzte Doppelblätter.

Erste Einzelausgabe dieser Sammlung. – Eins von 110 Exemplaren. – Erster Papillons-Handdruck der Gryff-Presse. – Auf Biberister Papier, gedruckt in Schwarz und Olivgrün. – Die drei Gedichte waren zuerst in »Der Brenner« und 1913 in »Gedichte« abgedruckt worden. – Dazu: Erich Fitzbauer. Im Joch der Leier. Gedichte zu Georg Trakl. Zeichnungen Hans Fronius. Wien, Edition Graphischer Zirkel 1989. Mit fünf ganzseitigen Illustrationen nach Kreidezeichungen. Originalbroschur. Eins von 200 Exemplaren. 34. Publikation der Edition. Vom Verfasser signiert.

30 : 20 cm. [8] Seiten. – Ränder leicht stockfleckig. – Exlibris »Sammlung Schweizer Pressedrucke G. Lott«.

Ritzer 1983 2.10

605  Georg Trakl – Erhard Buschbeck. Georg Trakl.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Ein Requiem. München, Roland Verlag Dr. Albert Mundt 1921. Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Eins von 450 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Auf Bütten. – Erhard Buschbeck (1889–1960) war ein enger Freund Trakls und publizierte mehrere Bücher über ihn sowie Kritiken seiner Dichtungen. Mit Trakls Schwester Grete hatte er während ihres Salzburg-Aufenthaltes im Sommer 1913 eine kurze und leidenschaftliche Affaire.

23 : 16 cm. 32 Seiten.

Ritzer 1983 4.304 (irrtümlich Verlag Die Schmiede)

606  Georg Trakl – Vier Erinnerungsbücher.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

1926–1964.

I. Erinnerung an Georg Trakl. Innsbruck, Brenner 1926. Mit Tafeln und Faksimiles. Originalleinenband. Mit dem Erstdruck des Gedichtes »Melancholie II« und Texten von Karl Kraus, Rilke, Däubler, Karl Röck, Ludwig Ficker u. a. Zwölf Jahre nach dem Tod des Dichters sollte ein Teil des Erlöses der Errichtung eines Grabsteines dienen. – II. Emil Barth. Georg Trakl zum Gedächtnis seines fünfzigsten Geburtstages am 3. Februar 1937. Mainz 1937. Originalpappband mit Pergamentkapitalen und vergoldetem Rückentitel. Eins von 1000 Exemplaren. Druck der Eggebrecht-Presse. Auf Bütten. – III. Martin Heidegger. Georg Trakl. Eine Erörterung seines Gedichtes. [1953]. Privatdruck eines Vortrags, den Heidegger im Oktober 1952 im Kurhaus Bühlerhöhe bei Baden-Baden gehalten hatte. Der Text erschien auch in »Merkur« (Band VII, Heft 3, dort Paginierung 226–258, hier 1–34). – IV. Ludwig von Ficker. Erinnerung an Georg Trakl zum 50. Todestag des Dichters am 4. November 1914/64. Bad Goisern, Neugebauer Press 1964. Originalbroschur mit Seidenleinenumschlag. Handpressendruck, eins von 150 Exemplaren der Vorzugsausgabe. Auszug aus dem Buch von 1926 (hier I.). – Beigaben: Porträtfotografie Georg Trakl (Postkarte, um 1960), Ausstellungsflyer zur Gedächtnisausstellung 1964, drei Originalfotografien (Porträts von Fritz Trakl, dem Bruder des Dichters, sowie dessen Todesanzeige). – Zwei Publikationen über Trakl in japanischer Sprache. 1989.

Ritzer 1983 2.5/A, 4.777 und 4.1161

607  Georg Trakl – Karl Röck. Tagebuch 1891–1946.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Herausgegeben und erläutert von Christine Kofler. Innsbruck 1975. Drei blaue Leinenbände.

Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Philosophischen Fakultät der Leopold Franzens Universität Innsbruck. Eingereicht bei Eugen Thurnher. – Die Bände 1 und 2 mit Abschrift der in 20 Mappen vorliegenden Tagebücher, Band 3 mit dem Kommentar, u. a. zur Tätigkeit Karl Röcks als Herausgeber der ersten Gesamtausgabe der Dichtungen Georg Trakls. – Der österreichische Schriftsteller Karl Röck (1883–1954) war Mitarbeiter des »Brenner« und gehörte zum engsten Freundeskreis des Dichters. Nach dessen Freitod im Jahr 1914 wurde er mit der Gesamtausgabe von Trakls Dichtungen beauftragt, die 1917 bei Kurt Wolff erschien (siehe KatNr. 601). Die Dissertation liefert aufschlussreiche Informationen zu gescheiterten Editionsplänen Trakls und seines Freundes Buschbeck und zur Konzeption der Werkausgabe.

30 : 22 cm. [3], 683 Blätter (Tagebücher) und XI, [3], 374, [1] Blätter (Kommentar), alles xerokopierte Typoskriptblätter. – Einbände minimal fleckig.

Ritzer 1983 4.1685

609  1914 – 1916. Eine Anthologie.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Berlin, Die Aktion (Franz Pfemfert) 1916. Weiß-roter Originalpappband mit Vorderdeckelillustration von M. Ales.

Erste Ausgabe der Sammlung. – Die Aktions-Lyrik, Band 1. – Mit Gedichten von Oskar Kanehl, Wilhelm Klemm, Alfred Lichtenstein, Erwin Piscator, Franz Werfel u. a. Von den 21 Aktions-Dichtern waren einige vor und während der Drucklegung im Ersten Weltkrieg gefallen. Nicht nur dies veranlasste den Herausgeber Franz Pfemfert zu seiner »Bemerkung für fremde Leser: Dieses Buch (Verse vom Schlachtfeld), Asyl einer heute obdachlosen Idee, stelle ich wider diese Zeit …«. – Tadellos erhalten.

21 : 14 cm. 121, [7] Seiten.

Raabe 118 (irrtümlich Halbpergament)

610  Maria Benemann. Eigenhändige Manuskripte »Gedichte«.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Ohne Ort und Jahr [Falkensee 1914/15?]. 24 Seiten.

Auf drei einfachen Blättern und 20 gefalzten Doppelblättern, jeweils mit drei bis vier Strophen. Die letzten vier Doppelblätter auf der Außenseite betitelt (Ich hab die Sonne dann hinein gelassen; Und manchmal werd ich leicht in Deinem Lächeln; Dann kam es plötzlich, so, als riefst Du mich; Doch nur ein Kleines wehrte sich mein Herz). – Maria Benemann (1887–1980) hatte 1906 Gerhard Benemann, den Gründer des Horen Verlags geheiratet, der aber bereits 1914 an einer Kriegsverletzung verstarb. In dieser kurzen Phase, bis zur Aufgabe ihres gemeinsamen Hauses in Falkensee bei Berlin, entstanden erste Gedichte. Drei davon erschienen in der expressionistischen Zeitschrift »Die weißen Blätter« (Jahrgang I, Heft 7, März 1914, S. 681–683), weitere 1915 in einem eigenen Gedichtband (Wandlungen, Verlag der weißen Bücher). – In diesen, ihren »glücklichsten Jahren« (Erinnerungen, Hamburg 1978) war sie mit Heinrich Vogeler, den Dichtern Dehmel, Rilke und Werfel sowie dem Architekten Walter Gropius eng befreundet. Nach einem Märchenbuch und einer Novellensammlung (1915 und 1916) erschienen bis zu ihren Lebenserinnerungen keine weiteren Bücher von ihr. Zu ermitteln, ob die Gedichte aus der frühen Schaffensphase stammen oder spätere lyrische Versuche sind, müssen wir der germanistischen Forschung überlassen. – Aus dem Nachlass von Hans Mardersteig (1892–1977). Er war 1919–1921 Mitarbeiter des Kurt Wolff Verlages, dem der Verlag der weißen Bücher organisatorisch angeschlossen war. Dieser Umstand lässt eine frühe Entstehungszeit vermuten.

Lose Blätter in Halbledermappe mit Rückenschild. – Sehr gut erhalten.

Vgl. Göbel Sp. 651 und Bibliographie Nr. 850

611  Carl Ehrenstein. Klagen eines Knaben.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Leipzig, Kurt Wolff 1913. Originalbroschur.

Der Jüngste Tag, Band 6. – Erste Ausgabe. – »Meinem Bruder Albert.« – Unbeschnittenes Archivexemplar des Kurt Wolff Verlags, mit entsprechendem Klebeschild auf dem Innendeckel. – Nicht bei Smolen/Stammerjohann verzeichnete Variante des Erstdruckes ohne die Anzeigenseiten, deren Existenz nur vermutet wird. – Diese seltene Variante dürfte wohl in den meisten Sammlungen fehlen.

22 : 13 cm. 48 Seiten. – Deckel leicht lichtrandig. Rücken und Ränder mit wenigen winzigen Einrissen.

Vgl. Smolen/Stammerjohann 6.1.A. – Raabe/Hannich-Bode 63, 1

612  Franz Kafka. Das Urteil.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Eine Geschichte für Fräulein Felice B. – In: Arkadia. Ein Jahrbuch für Dichtkunst. Herausgegeben von Max Brod. Leipzig, Kurt Wolff 1913. Illustrierter Originalpappband.

Erstdruck der Erzählung. – Abgedruckt auf den Seiten 53–65 des Almanachs. – Franz Kafka schrieb die Geschichte im September 1912 in nur einer Nacht. »Mehrmals in dieser Nacht trug ich mein Gewicht auf dem Rücken. […] Nur so kann geschrieben werden, nur in einem solchen Zusammenhang, mit solcher vollständigen Öffnung des Leibes und der Seele […] Schon während des Entstehens ist die als Durchbruch zum eigentlichen Schreiben erlebte Geschichte […] für Brods Jahrbuch ›Arkadia‹ bestimmt« (zitiert nach Dietz).

25 : 16 cm. – Einband etwas berieben und mit kleinen Stockflecken. – Exlibris vorn und hinten.

Dietz 20. – Raabe, Zeitschriften 102

613  Franz Kafka. Betrachtung.

Schätzpreis/Estimate: € 6000 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 7000

Leipzig, Ernst Rowohlt [1913]. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe von Kafkas erster Erzählungssammlung. – Gedruckt in einer Auflage von 800 nummerierten Exemplaren, von denen allerdings 1915 noch mehr als die Hälfte unverkauft war. Diese Restauflage erhielt eine neues Titelblatt mit dem Verlagsnamen Kurt Wolff. – Die auf Kafkas Wunsch hin verwendete ungewöhnlich große Schrift bezeichnet der Dichter selbst in einem Brief an seinen Verleger als »wunderschön«. – Gewidmet »Für M[ax] B[rod]«, der bereits an diesem Frühwerk großen Anteil hatte. »Die Kafka wesentliche Reihenfolge der Stücke wird mit Hilfe Brods am Abend des 13. August 1912, der ersten Begegnung mit Felice Bauer, festgelegt und am 14. August das Manuskript durch Brod abgeschickt« (Dietz). – Innen sehr schön.

24 : 16 cm. [8], 99, [1] Seiten. – Deckelränder etwas berieben.

Dietz 27. – Raabe/Hannich-Bode 146.1. – Göbel 91

614  Franz Kafka. Der Heizer.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Ein Fragment. Zweite Auflage. Leipzig, Kurt Wolff 1916. Originalpappband.

Der jüngste Tag, Band 3. – In der seltenen halbpergamentähnlichen Einbandvariante. – Gegenüber der 1913 erschienenen Fassung leicht verändert. – Der Text bildet das erste Kapitel des später fortgesetzten und erst posthum erschienenen Romans »Amerika«. – Diese zweite Ausgabe ist sicher auf Kafkas Popularität nach Verleihung des Fontane-Preises 1915 zurückzuführen. Sie unterscheidet sich nicht nur durch die Textveränderungen sondern auch typographisch: Entgegen der Erstausgabe nicht in Fraktur sondern einer Antiqua gedruckt, das Titelbild entfiel aus Kostengründen oder aufgrund des Einspruchs Kafkas.

21 : 13 cm. 47, [1] Seiten. – Kapitale leicht angeplatzt. Deckel mit Lichtrand, am Unterrand und hinten kleiner Feuchtigkeitsfleck.

Göbel 133. – Smolen 3.2.B

615  Franz Kafka. Ein Hungerkünstler.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Vier Geschichten. Berlin, Die Schmiede 1924. Originalpappband mit grauem Kleisterpapierbezug und montiertem Deckel- und Rückenschild (Entwurf Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts«. – Enthält die vier Erzählungen: Erstes Leid; Eine kleine Frau; Ein Hungerkünstler; Josefine, die Sängerin. – Das einzige Buch, das Kafka selbst einem anderen Verleger als Kurt Wolff gab. Nach seinem Weggang aus Prag kam er Ende 1923 durch Ernst Weiß und weitere ihm bekannte Autoren des jüdischen Schmiede-Verlegers Rudolf Leonhard mit diesem in Kontakt. – Der »Hungerkünstler« erschien erst nach Kafkas Tod, man darf aber annehmen, dass er noch alle vier Geschichten selbst korrigiert hat. Die Ausgabe ist deshalb »nur im äußerlichsten Sinne des Wortes als postume Publikation zu bezeichnen« (Ludwig Dietz). – Sehr schönes Exemplar der selteneren Einbandvariante, hier mit faksimiliertem Schutzumschlag.

20 : 14 cm. 85, [3] Seiten.

Dietz 66. – Raabe/Hannich-Bode 146.7. – Holstein, Salter 68 (kennt nur die Leinenausgabe)

616  Franz Kafka. Der Prozess.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Roman. Berlin, Die Schmiede 1925. Originalpappband mit grauem Kleisterpapierbezug und montiertem Deckel- und Rückenschild (Entwurf Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts«. – Max Brod gab den Text aus dem Nachlass des Dichters und gegen dessen Willen heraus. In dem Nachwort zu »Der Prozess« rechtfertigt der Freund des Dichters sein editorisches Vorgehen. – »Der Prozess« bildet den ersten Teil der sogenannten »Trilogie der Einsamkeit«, die Folgeteile »Das Schloss« und »Amerika« erschienen im Kurt Wolff Verlag in identischer Ausstattung. – Schönes Exemplar der selteneren Einbandvariante, hier mit faksimiliertem Schutzumschlag.

20 : 14 cm. [8], 411, [1] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 146.8

617  Else Lasker-Schüler. Styx.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Gedichte. Berlin, Axel Juncker 1902. Mit einer Titelvignette von Fidus. Originalhalblederband mit rot-goldenem Rückenschild und Marmorpapierdeckelbezügen.

Erste Ausgabe des Erstlings der Dichterin. – »Meinen teuren Eltern zur Weihe«. – 1899 hatte Else Lasker-Schüler Georg Lewin kennengelernt. Nach der Trennung von ihrem erstem Mann, Jonathan Lasker, heiratete sie Lewin und schuf für ihn das Pseudonym »Herwarth Walden«. Walden trug sicher nicht unwesentlich zum Erscheinen dieser Gedichtsammlung bei, war er doch einer der ersten, der neben Karl Kraus die große dichterische Begabung von Else Lasker-Schüler erkannte. – Jedes Gedicht mit einer Zierleiste und einem Zierstück. – Auf fein geripptem Büttenpapier, unbeschnitten. – Sehr schönes Exemplar.

20 : 13 cm. 77, [3] Seiten. – Vorsatzblatt mit Schabstelle.

Raabe/Hannich-Bode 182.1

618  Else Lasker-Schüler. Mein blaues Klavier.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 1000 ( R7 )

Neue Gedichte. Jerusalem, [Tarsis] 1943. Blauer Originalpappband mit Deckelillustration nach einer Zeichnung der Dichterin.

Erste Ausgabe des letzten zu Lebzeiten der Dichterin erschienenen Werkes. – Eins von 305 Exemplaren (Gesamtauflage 330). – Else Lasker-Schüler hatte sich 1939 endgültig in Jerusalem niedergelassen, dort starb sie Anfang 1945. Ihr Buch widmete sie »Meinen unvergesslichen Freunden und Freundinnen in den Städten Deutschlands – und denen, die wie ich vertrieben und nun zerstreut in der Welt, In Treue!«. Die Einbandillustration betitelte die Dichterin »Prinz Jussuf (E. L. Sch.) – Abschied von den Freunden«.

22,0 : 14,0 cm. 45, [3] Seiten. – Deckel an den Rändern schwach gebräunt. Rücken überklebt. – Gelenke angeplatzt. 1 Seite lose, Bindung etwas gelockert.

Raabe/Hannich-Bode 182.21. – Sternfeld/Tiedemann 196

619  Alfred Wolfenstein. Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Herausgegeben von Hermann Haarmann und Günther Holtz. Erster [bis] Vierter Band. Mainz, Hase & Koehler 1982–1987. Originalleinenbände mit -schutzumschlag.

Die selten angebotene erste Werkausgabe enthält Gedichte, erzählende Dichtungen, Dramen und den Roman »Frank«. – Alfred Wolfensteins (1888–1945) erstes Gedicht erschien 1912 in Pfemferts Zeitschrift »Die Aktion«, deren Mitarbeiter er bis 1917 war. Bekannt geworden ist er als expressionistischer Lyriker, Dramatiker und Übersetzer von Paul Verlaine, Victor Hugo und Emily Brontë. Für die Übersetzungen von Rimbaud erhielt er den ersten deutschen Übersetzerpreis. 1933 musste er Deutschland verlassen, flüchtete über Prag nach Paris. Nach dreimonatiger Haft lebte Wolfenstein im Untergrund und nahm sich 1945 das Leben.

21 : 13 cm. – Rücken schwach gebräunt.

620  Carl Sternheim. Gaugin und Van Gogh.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Berlin, Die Schmiede 1924. Blaugrüner Originalmaroquinband. Titel, Innenkantenfileten, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Hübel & Denck, Leipzig).

Zweiter Druck der Officina Fabri. – Eins von 10 Exemplaren der Vorzugsausgabe A in Ganzleder (Gesamtauflage 150). – Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Gedruckt auf Japan. – Mit dem von Georg Salter gestalteten Verlagssignet. – Selten.

35 : 25 cm. 72, [4] Seiten. – Einband fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 291, 42

621  Albert C. Barnes und Violette de Mazia. The Art of Renoir.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

With a foreword by John Dewey. New York, Balch 1935. Mit 158 ganzseitigen Abbildungen. Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung »To Hanns Swarzenski from his friend Albert Barnes | Merion 11 Oct 1936« auf dem Vorsatzblatt und einem eigenhändigen Brief von Barnes an Swarzenski vom 8. Oktober 1936. Barnes schreibt in deutscher Sprache »Warum Hotel Rittenhouse? Es wäre viel besser bei uns. Kommen Sie Samstag gegen 5 Uhr nachmittags, schlafen ruhig in unserer Wohnung, stehen bald auf Sonntag und die Bilder den Ganzen Tag ansehen. Keine Nachricht nöthig – kommen! Ihre Barnes«. – Albert C. Barnes (1872–1951) war ein erfolgreicher Mediziner und Pharmazeut. Mit seinem so erwirtschafteten Vermögen begann Barnes bereits 1912 in Europa Meisterwerke der modernen Kunst zu kaufen. 1923 stellte er 75 Gemälde seiner Sammlung in der Pennsylvania Academy of Fine Arts aus. Diese Präsentation wurde von Kritikern verrissen und vom Publikum nicht ernst genommen. Barnes gründete daraufhin die Barnes Foundation und wachte nun persönlich darüber, wer Zutritt zu seiner Kunstsammlung erhielt. In den 1930er Jahren publizierte er mehrere Monographien zu französischen Malern. – Hanns Swarzenski wurde als Sohn des damaligen Städel-Direktors in Frankfurt geboren. Er studierte in Freiburg, Berlin, Harvard und Florenz und emigrierte 1938 in die USA. Swarzenski zählte zu den wichtigsten Museumsdirektoren der Nachkriegszeit.

24 : 16 cm. 515, [1] Seiten, 1 Porträt.

622  NG.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Heft 1. Veröffentlichung der Novembergruppe. Herausgegeben von H[ans] S[iebert] von Heister & R[aoul] Hausmann. Hannover, Paul Steegemann 1921. Mit einem Holzschnitt von Otto Möller, vier Linolschnittvignetten von K. H. Rosenberg sowie 17 blattgroßen Abbildungen. Originalbroschur mit Holzschnitt von Hannah Höch.

Erste und einzige Ausgabe, mehr nicht erschienen. – Abgebildet sind Kunstwerke von Georg Tappert, Oswald Herzog, Arthur Segall u. a. Mit programmatischen Texten der Herausgeber sowie von Samuel Friedländer, Hannah Höch u. a. – Die Novembergruppe wurde im Dezember 1918 in Berlin gegründet. Den Gründungsaufruf unterzeichneten Otto Dix, George Grosz, Raoul Hausmann, John Heartfield, Hannah Höch, Rudolf Schlichter und Georg Scholz. Der Künstlervereinigung gehörten mehr als 100 Maler, Bildhauer, Architekten, Regisseure, Musiker und Dichter an. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten verboten. – Das Projekt einer eigenen Zeitschrift und ein geplantes Mappenwerk scheiterten bereits in den frühen Jahren. – Sehr selten.

28 : 22 cm. 48 Seiten. – Umschlagecken minimal geknickt.

Meyer 57. – Nicht bei Raabe, Zeitschriften und nicht bei Söhn HDOG

623  Ganymed.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Jahrbuch für die Kunst. Herausgegeben von Julius Meyer-Graefe und Wilhelm Hausenstein. Dritter Band. München, R. Piper, Verlag der Marées-Gesellschaft 1921. Mit drei Radierungen und drei Lithographien sowie 60 Lichtdrucktafeln. Originalhalbleinenband.

Eins von 750 unnummerierten Exemplaren (Gesamtauflage 1150). – Mit den Radierungen von Max Beckmann (Bildnis Dostojewskis; Hofmaier 187 Bb), Rudolf Großmann (Der alte Gärtner) und Adolf Schinnerer (Der Kinderhirte) und den Lithographien von René Beeh (Der Bettler), Karl Hofer (Tänzerin, Rathenau 169) und Alfred Kubin (Jeremias, Raabe 142) sowie Lichtdrucktafeln nach Werken von Max Beckmann (zu Benno Reifenbergs Beckmann-Artikel), Botticelli, Paul Klee, Rembrandt und anderen. – Texte von Alfred Döblin, Heinrich Mann, Alfred Einstein und anderen.

28 : 21 cm. VII, [1], 208, [8] Seiten, 6 Graphiken. – Deckelränder gebräunt, Rücken verblasst.

Söhn HDOG 113. – Jentsch, Expressionismus 74. – Rodenberg 318