ChristianHesse

Graphikdesign, Film, Typographie, Architektur | Hesse-Auktionen
Graphikdesign, Film, Typographie, Architektur

359  Fritz Kahn. Der Mensch als Industriepalast.

€ 450 ( R7 )

Farbige Lithographie. 1926. 95,0 : 48,0 cm.

Mit dem Erläuterungsheft »Versuch einer technischen Darstellung der wichtigsten Lebensprozesse«. Dort mit Abbildungslegende sowie Werbung für dieses und drei weitere Wandbilder. – Konzipiert als gefaltete Beilage zu »Das Leben des Menschen« des Berliner Gynäkologen Fritz Kahn. – »Eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns, die bis heute durch Themen- und Stilvielfalt, Humor und originelle Analogien fasziniert« (Debschitz). – Sehr farbfrisch.

Mehrfach gefaltet. – Am rechten Rand minimal fleckig.

Patrick Rössler. Das Buch über Dich. In: Aus dem Antiquariat, Heft 2018/1. – Uta und Thilo von Debschitz, Man Machine – Maschine Mensch, Heidelberg/New York 2009

360  Diät-Tageskostplankartei

€ 250 ( R7 )

– eine Ergänzung der Diät-Rezepturenkartei. Herausgegeben vom Ministerium für Gesundheitswesen. Berlin 1981. Ca. 750 Karteikarten in Registerkasten.

Der planwirtschaftliche Gegenentwurf zu westlichen Modediäten: »Ausgearbeitet vom Zentralinstitut für Ernährung der Akademie der Wissenschaften der DDR und der Sektion Diätetik der Gesellschaft für Ernährung in der DDR unter Mitarbeit des VEB Maschinelles Rechnen Potsdam«. – Nach Einleitung und Grundlagen sind etwa 700 Karten in Hauptgruppen nach »Strenger, erweiterter und Stoffwechsel-Grunddiät« sowie »Krankenvollkost« gegliedert, innerhalb dieser dann nach Kalorienzahl. – Jede Karteikarte mit der Speisenfolge für den gesamten Tag und dem »Materialeinsatz für 10 Personen«. – Eventuell waren die eingeplanten Lebensmittel derartige Mangelware, dass die Kartei ungenutzt blieb – jedenfalls tadellos erhalten.

361  Film – Die Nibelungen.

€ 100

Ein deutsches Heldenlied. Regie: Fritz Lang. Decla-Ufa-Film. Berlin, Ufa 1924. Mit zehn Bildtafeln nach Fotos. Kordelgeheftete Originalbroschur.

Souvenir-Programmheft zur ersten öffentlichen Vorführung mit Szenen-Fotos, Besetzungsliste, Inhaltsangaben und erläuternden Texten zur Filmentstehung von Thea Harbou. – Der Aufkleber der Produktionsfirma leider entfernt. – »Mitte der 1920er Jahre, als der Gründer und Direktor der Decla, Erich Pommer, zur Ufa stieß, erlebte die Ufa (und mit ihr der deutsche Stummfilm) ihre international bejubelte Hochphase. Fritz Lang drehte seinen Zweiteiler ›Die Nibelungen‹ (1922–24)« (Patrick Rössler).

18,3 : 12,5 cm. 24 Seiten. – Rücken etwas gebräunt.

Rössler, Filmfieber 51

362  Film – Thea von Harbou. Metropolis.

€ 400

Roman. Mit 8 ganzseitigen Bildern nach Aufnahmen aus dem gleichnamigen Film. Berlin, August Scherl [1927]. Mit acht Tafeln. Illustrierte Originalbroschur.

Zweite Ausgabe der textlich gekürzten, nun jedoch um Abbildungen aus dem Film erweiterten Broschurausgabe. – Erstmals wird hier als Umschlagmotiv das von Werner Graul entworfene Filmplakat verwendet. – Bereits 1924 hatte Thea von Harbou das Manuskript an Fritz Lang gegeben, 1926 erschien es erstmals im selben Verlag. 1926–1927 entstand in einer der teuersten deutschen Produktionen der damaligen Zeit ein Meilenstein des expressionistischen Stummfilms. Kurz nach der Uraufführung wurde der Film umgeschnitten und gekürzt. Erst durch das wiederentdeckte Archivmaterial war 2010 eine Rekonstruktion der Urfassung möglich. – So gute Exemplare dieser fragilen Ausgabe sind selten.

18,2 : 12,4 cm. 193, [3] Seiten, 8 Tafeln. – Ränder etwas berieben. Umschlag am Gelenk mit kleinem Einriss.

Rössler, Filmfieber S. 116

363  Film – Spione.

€ 350

Ein Film von Fritz Lang. Manuskript: Thea von Harbou. Berlin [1928].

Aus der Reihe »Illustrierter Film-Kurier«. – Nach den Dreharbeiten zu »Metropolis« wurde mit »Spione« das nächste gemeinsame Projekt von Fritz Lang und seiner Ehefrau Thea von Harbou realisiert. – Sechs Seiten mit Bild-Text-Montagen, Vorderumschlag mit dem Motiv, das auf Plakat, Buchausgabe und Programmheft wiederholt wurde, mongrammiert »FL«.

30,1 : 22,5 cm. [8] Seiten. – Leichte Gebrauchsspuren, Heftlöcher, oben rechts mit Kugelschreibernummer.

Rössler, Filmfieber S. 249 (821a)

364  Film – Hans Richter. Dreams that Money can buy.

€ 400

This Film offers 7 Dreams shaped after the Vision 7 contemporary Artists. New York, Films International 1947. Mit Abbildungen nach Fotografien. Illustrierte Originalbroschur.

Filmbroschüre zu dem Experimentalfilm »Dreams that money can buy«, der von Hans Richter gedreht und von Peggy Guggenheim produziert wurde. Bei jeweils einer von sieben Traumsequenzen führten die Surrealisten Max Ernst, Fernand Leger, Man Ray, Marcel Duchamp, Alexander Calder und Hans Richter Regie. – Die Umschlagillustration nach einer Max Ernst-Collage aus »Une semaine de bonté«.

21,3 : 15,5 cm. [24] Seiten. – Ränder schwach gebräunt.

365  John Heartfield – Drei Bücher mit seinen Umschlagillustrationen.

€ 200 ( R7 )

Berlin, Malik 1922–1930 und Prag, Odeon 1934.

I. Upton Sinclair. Man nennt mich Zimmermann. Roman. Berlin, Malik 1922. Originalpappband mit Fotomontage als Deckelbild. Die Rote Roman-Serie VII. – II. Ilja Ehrenburg. Das Leben der Autos. 9.–15. Tausend. Berlin, Malik 1930. Originalleinenband mit Fotomontagen auf dem Schutzumschlag. Mit Wellenmuster, der Rückentitel aber noch nicht schwarz gedruckt, so nicht bei Hermann. – III. A. Avdejenko. Miluji (tschechisch: Ich liebe dich). Prag, Odeon 1934. Originalbroschur mit Fotomontage auf dem Schutzumschlag. Seltene erste Ausgabe. – Dazu: Otto Heller. Sibirien, ein anderes Amerika. Berlin 1930. Mit Tafeln nach Fotografien des Verfassers. Originalbroschur mit Fotomontage von Paul Urban auf dem Schutzumschlag.

Schnitt teils stockfleckig, besonders bei II.

Haufe 15, 119 und vgl. 170 (deutsche Ausgabe mit anderem Motiv). – Hermann 358 a und 51 (I und II). – Melzwig 857.1 (Übersetzung Hermynia Zur Mühlen) und 255.1

366  John Heartfield – »Und sie bewegt sich doch«.

€ 400

Freie deutsche Dichtung. Vorwort: Professor Oskar Kokoschka. London, »Freie deutsche Jugend« 1943. Originalbroschur mit illustriertem Vorderdeckel nach einer Fotomontage von John Heartfield.

Erste Ausgabe dieser seltenen Exil-Anthologie. – Die Umschlagillustration mit Adolf Hitler als Affe, der mit bluttriefendem Schwert auf einer Weltkugel hockt, gehört zu den berühmtesten Fotomontagen Heartfields. – Mit Beiträgen von Max Herrmann-Neiße, Bertolt Brecht, Johannes R. Becher, Wieland Herzfelde, Erich Weinert, Max Zimmering und anderen.

18,5 : 12,3 cm. 64 Seiten. – Ohne den »tarnenden« Schutzumschlag mit schlichtem Streifenmuster.

Bartsch, Heartfield 200

367  El Lissitzky – Neues Bauen in der Welt.

€ 500

Zweifarbiger Werbeprospekt. [1929/30]. 29,7 : 21,5 cm.

Seltenes Werbeblatt für die bedeutende Reihe zur modernen Architektur, die 1929 im Wiener Verlag Anton Schroll erschien. – »Unübertroffen ist der Avantgardismus der von El Lissitzky gestalteten Umschläge, die der Künstler im Winter 1928/29 entworfen hat. Sie sind im Tiefdruck hergestellt […] Es handelt sich um vollflächige Fotomontagen auf Basis von Fotoüberblendungen, […]« (Roland Jaeger). Alle drei Vorderumschläge wurden hier in Originalgröße abgebildet. Auf Seite 2 die Inhaltsangabe aller drei Hefte. Im Gegensatz zu den Farbvarianten Rot, Gelb und Blau bei den Umschlägen wurde das nahezu auf Heftformat gefalzte Werbeblatt einheitlich in Rot und Schwarz gestaltet. Die Heftreihe wurde von Josef Ganter herausgegeben und eingeleitet, die Textbeiträge stammten von El Lissitzky (Russland), Neutra (Amerika) und Ginsburger (Frankreich). – Tadellos erhalten.

Küppers, El Lissitzky, Abb. 161–163 (Abbildung der Heftumschläge). – Autopsie II, 394 (mit zwei Abbildungen)

368  Fritz Reck-Malleczewen. Des Tieres Fall.

€ 250 ( R7 )

Das Schicksal einer Maschinerie. Roman. München, Georg Müller 1931. Originalleinenband mit rotgeprägter Vorderdeckelillustration und illustriertem Originalschutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit langem Zitat aus dem Geleitwort von Edwin Erich Dwinger, hier eigenhändig vom Verfasser auf das Vorsatzblatt kalligraphiert und signiert. – Der gesellschafskritische Roman mit Science-Fiction-Motiven erschien am Vorabend des Tausendjährigen Reiches. Die hier geschilderte menschenvernichtende Hitze der Erdkernglut-Kraftwerke wirkt wie ein Vorgriff auf die Feuerschlünde von Auschwitz. – Der Autor starb 1945 im KZ Dachau, der Verfasser des Vorworts war zunächst systemkonform und Mitglied der SS, verlor wegen verschiedener regimekritischer Denkschriften aber zunehmend die Gunst Himmlers. – Der seltene Schutzumschlag verwendet eine konstruktivistische Zeichnung, deren Urheber wir nicht ermitteln konnten. – Sehr schönes Exemplar.

19,8 : 13,0 cm. VII, [1], 268, [4] Seiten. – Mit einigen Anstreichungen.

369  Georg Salter – Marieluise Fleisser. Ein Pfund Orangen

€ 300

und neun andere Geschichten. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1929. Originalleinenband mit Originalschutzumschlag, beide nach Entwurf von Georg Salter farbig typographisch illustriert.

Erste Ausgabe. – »Trotz des bunten Wechsels von Antiqua, Fraktur, Grotesk, Schablonen- und zierlicher Schreibschrift schließen sich die einzelnen Schriftbänder zu einer so organischen Einheit zusammen, daß … die leicht drohende Gefahr der Stillosigkeit restlos überwunden wird.« (E. Hölscher). – Nach seiner Arbeit als Bühnenbildner in Berlin und Wuppertal kehrte Georg Salter (1897–1967) nach Berlin zurück und wurde der leitende Graphiker des 1921 gegründeten Verlages »Die Schmiede«. Er entwarf bis zur Auflösung der Firma etwa 350 Schutzumschläge, darunter die ebenso bekannten wie gesuchten für Kafkas große Romane, für Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« und Ernst Tollers »Feuer aus den Kesseln«. Später arbeitete er auch für Gustav Kiepenheuer und den S. Fischer Verlag.

18,9 : 12,0 cm. 204, [4] Seiten. – Schutzumschlag oben am Rücken mit winziger Fehlstelle.

Holstein 38

370  Georg Salter – John Dos Passos. Der 42. Breitengrad.

€ 450

Roman. Berlin, S. Fischer 1930. Originalleinenband mit farbigem Originalschutzumschlag (Entwurf Georg Salter).

Erste deutsche Ausgabe. – »Hier bei Dos Passos findet das wahre, unromantische Amerika den lebendigen Nährboden aller ›Amerikanismen‹ in wirtschaftlicher, kultureller, seelischer Hinsicht« (Klappentext). – »Aus typographischem Untergrund wachsen Dinge des Tages: Wichtige und unwichtige nebeneinander: Alles stabilisiert sich um die unveränderliche Achse des 42. Breitengrades. Der Farbenkreis der Spektraltafel ist die in sich geschlossenste graphische Ausdrucksmöglichkeit der Umfassung allen Geschehens« (E. Hölscher).

20,8 : 13,0 cm. 453, [3] Seiten. – Schutzumschlag mit winzigen Randläsuren, in den Falzen mit Papierstreifen hinterlegt.

Holstein 27 und ganzseitige Abbildung auf Seite 75

371  Georg Salter – Jack Bilbo. Ein Mensch wird Verbrecher.

€ 300

Die Aufzeichnungen des Leibgardisten von Al Capone. – Chicago–Shanghai. Gangster in besonderer Verwendung. – Berlin, Universitas 1932. Originalhalbleinenband und -broschur, beide mit Originalumschlag nach Entwurf von Georg Salter.

Erste Ausgaben. – Pseudonyme Lebensbeichten des Berliners Hugo Baruch (1908–1967), der in jungen Jahren in den Bannkreis des Anführers der Chicagoer Unterwelt geriet. – Beide Umschläge in typographsicher Gestaltung, der erste rückseitig mit einem Porträtfoto Al Capones.

19,0 : 12,8 cm. 229, [3] Seiten, 8 Tafeln bzw. 18,7 : 12,8 cm. 221, [3] Seiten. – Beide Umschläge minimal fleckig.

Blickfang 327 (nur I), beide nicht bei Holstein, Salter

372  Georg Salter. Drei von ihm gestaltete Einbände bzw. Schutzumschläge.

€ 300

Berlin 1930–31.

I. René Crevel. Der schwierige Tod. Roman. Aus dem Französischen von Hans Feist. Berlin, S. Fischer 1930. Originalseidenleinenband, Entwurf unter Verwendung einer Zeichnung von R. C. von Ripper. Ohne den identisch gestalteten Schutzumschlag. – II. Willy Haas. Gestalten der Zeit. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1930. Originalseidenleinenband mit schwarz-gold geprägtem Deckel- bzw. Rückenschild, Schutzumschlag in Blau und Rot. – III. Sarah Levy. Henri und Sarah. Roman. Übersetzung aus dem Französischen von N. Collin. Originalseidenleinenband mit Goldprägung und hellblau geprägten Rückenschildern, Schutzumschlag in Blau und Schwarz. – Alle sehr gut erhalten.

Kleine Einrisse bei II hinterlegt.

Holstein 19, 48 und 94 (alle mit Abbildung). – Blickfang 330/331 (I und II)

373  Martin Weinberg – Um uns die Stadt.

€ 250

Eine Anthologie neuer Großstadtdichtung. Herausgeber Robert Seitz und Heinz Zucker. Berlin, Sieben Stäbe 1931. Originalleinenband mit -schutzumschlag (Entwurf Martin Weinberg).

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der Reihe »Bücher der Epoche«. – Sowohl die Deckelvignette als auch die Illustration des Schutzumschlags verwenden das Motiv des Wolkenkratzers.

19,0 : 13,0 cm. 206, [2] Seiten. – Schutzumschlag am Rücken mit kleinen Fehlstellen, Einband dort etwas verblasst.

Blickfang 37

374  Deutscher Buch- und Steindrucker.

€ 750

Monatlicher Bericht über die graphischen Künste. XXX. Jahrgang, Heft 1–12. Berlin, Oktober 1923 – September 1924. Mit zahlreichen, teils gefalteten und farbigen Tafeln und Mustern sowie zahllosen Abbildungen im Text. Originalhalbleinenband mit Rückenvergoldung.

Einige Hefte mit der Beilage »Graphische Feierstunden. Unterhaltungsblatt für Angehörige und Freunde des Druckgewerbes.«. – Das Hauptorgan des deutschen Druckgewerbes wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. – Besonders durch die vielen Anzeigen und beigegebenen Musterdrucke eine Fundgrube für zeitgenössische Werbung, graphische Gestaltung etc. Hier u. a. mit farbig lithographiertem Umschlagentwurf von Georg Salter (für das Notenheft »Michael Krausz. Die Tänzerin.« nicht bei Holstein), montierten Farbabbildungen nach Plakaten von Wilhelm Deffke, mehreren Abbildungen von Bauhausplakaten u. v. m. – Tadellos erhalten und komplett.

28,5 : 21,0 cm. 1000 Seiten, zahlreiche Tafeln.

375  Gustav Wolf. Das Zeichen-Büchlein.

€ 250

Karlsruhe 1921. Mit 19 Holzschnitten im Text nach alten Vorlagen und drei auf Tafeln nach Zeichnungen bzw. Gemälden von Thoma, van Gogh und Hodler. Originalhalblederband mit den zwölf Tierkreis-Symbolen als farbige Holzschnitte auf den Deckeln (signiert: Werkstatt Buchkunst Otto Schick, Karlsruhe).

Erste, noch nicht öffentliche Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren, die Gustav Wolff (1887–1947), Professor für Graphik an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe, gemeinsam mit seinen Schülern entwarf, schnitt und druckte. – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert, nummeriert und mit dem Namen des Empfängers W. Storck (Direktor der Mannheimer Kunsthalle) versehen. – Wilhelm Gerstung in Offenbach druckte 1923 eine veränderte Ausgabe.

26,2 : 19,0 cm. 23, [3] Seiten, 3 Tafeln. – Kleine Druckstelle an den Oberkanten der Deckel.

Vgl. Rodenberg 233, I, 1

376  Philipp Albinus. Grundsätzliches zur neuen Typographie.

€ 250

Berlin, Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker 1929. Mit 30 Abbildungen. Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Die ersten Abbildungen mit architektonischen Beispielen, gefolgt von Vergleichen konventioneller und neuer Satzgestaltung. – Philipp Albinus (1884 bis 1957) war von 1924–1933 Lehrer und Werkstattleiter an der Städtischen Kunstgewerbeschule Frankfurt. Er legte eine legendäre Sammlung von Drucksachen zur Typographiegeschichte an. – Sehr schönes Exemplar.

20,4 : 14,8 cm. 52 Seiten.

Alles Neu! 100 Jahre Neue Typografie und neue Grafik in Frankfurt am Main, S. 23 ff

377  Die Form.

€ 100

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. Jahrgang I, Heft 4. Berlin, Kurt Schroeder 1926. Mit zahlreichen fotografischen Abbildungen und architektonischen Plänen. Originalbroschur mit Umschlagdruck in Rot und Schwarz.

Frühes Heft der wichtigen Zeitschrift des Deutschen Werkbundes. – Im Herbst 1925 erschien das erste Heft »dieser hervorragend dokumentierenden Zeitschrift des deutschen Werkbundes« (D.-B.). W. C. Behrendt blieb bis Ende 1926 Herausgeber und wurde dann durch Walter Riezler abgelöst. Die Gestaltung der typographischen Umschläge lag anfangs in den Händen des Bauhäuslers Joost Schmidt (1893–1948), der ab 1928 die Reklameabteilung und die Druckerei in Dessau leitete. – In den 1920er Jahren wendete sich der Werkbund, nicht zuletzt unter Einfluss der Bauhäusler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, verstärkt der Architektur zu. Hier mit Beiträgen von Richard Döcker (Zum Bauproblem der Zeit), zu holländischer Architektur und über den Wettbewerb zur Gestaltung des Berliner Messegeländes. – Tadellos erhalten.

29,7 : 21,0 cm. Seiten 61–84, 4 Seiten Anzeigen.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Fleischmann 315. – A und O des Bauhauses, S. 70. – Rössler, Bauhaustypografie S. 127

378  Die Form.

€ 600

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. 8. Jahr, Hefte 2–5 und 7–11. Schriftleiter: Wilhelm Lotz. Berlin, Loewenthal bzw. (ab Heft 4:) Wendt & Matthes 1933. Mit zahlreichen Abbildungen, meist nach Fotografien. Originalbroschuren mit foto-illustriertem Vorderumschlag.

Die Zeitschrift des Deutschen Werkbundes, die 1933 den Verleger wechselte, wurde 1934 endgültig eingestellt. Sofort nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten waren zahlreiche Mitarbeiter und Beiträger emigriert. – Mit Beiträgen zu Textilkunst, Japan, Schulen, Goldschmiedearbeiten, Glas u. a. – In Heft 5: Walter Dexel: »Gebrauchsgegenstände aus drei Jahrhunderten«, in Heft 9: W. Wendland »Der Deutsche Werkbund im neuen Reich«. – Heft 11 mit Bericht über die Ausstellung »Die Kamera« in Berlin mit Abbildungen der Großfotos von W. Niemann sowie Aufnahmen von Renger-Patzsch, Hugo Erfurth u. a. – Hefte 2 und 3 als Beilage mit den beiden letzten Ausgaben von »Das Kunstblatt«. Die von Paul Westheim herausgegebene Zeitschrift wurde im März 1933 eingestellt. – Alle gut erhalten.

30,5 : 23,0 cm. Je 32 Seiten.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Jaeger 1074. – 100 Jahre Deutscher Werkbund, S. 139f. und 161. – Autopsie I, 248f. – Vgl. Dietzel/Hügel 1710

379  Das Reckendorfbuch.

€ 1800

Beiträge zum 50. Geburtstag von Hermann Reckendorf. 4. März 1930. [Berlin 1930]. Mit 18 ganz- und vier halbseitigen Illustrationen nach Zeichnungen und Gemälden. Grüner Originalleinenband mit blindgeprägter Deckelvignette.

Eins von 50 Exemplaren des Privatdrucks, gestiftet von Mitarbeitern und Freunden »aus allen Bereichen seines Wirkens, vom Rundfunk über die Kunst bis hin zum Deutschen Werkbund« (Roland Jaeger). – Mit eigenhändiger Widmung des Jubilars für Karl Würzburger (1891–1978), Rundfunkpionier, Schriftsteller und Kulturpolitiker. – Auf Bütten mit dem Verlegermonogramm »HRe« als Wasserzeichen. – Mit Textbeiträgen von Georg Graf Arco, Robert Breuer, Paul Westheim, vier »Negro-Songs« von Albert K. Henschel sowie blattgroßen Illustrationen nach den Widmungszeichnungen von Karl Hofer, Ludwig Meidner, George Grosz, Gerhard Marcks, Albert Schamoni, Oskar Kokoschka bzw. architektonischen Entwürfen von Hans Poelzig (farbig) und Hilberseimer. – Herbert Reckendorf (1880–1936) war Reklamechef bei Ullstein u. a. Verlagen und gründete 1920 in enger Zusammenarbeit mit und für den Deutschen Werkbund seinen eigenen Verlag, in dem bahnbrechende Werke zur Architektur und Fotografie, aber auch Rundfunkzeitschriften erschienen. – Sehr selten.

40,0 : 30,5 cm. 86, [2] Seiten.

Autopsie I, Seite 265

380  Deutsches Kunstgewerbe 1927.

€ 350

Mostra Internationale delle Arti Decorative di Monza, Sezione Germanica. Berlin [1927]. Mit 28 montierten Abbildungen. Farbig lithographierte Originalbroschur.

Typographie und Umschlaggestaltung von Ernst Böhm (1890–1963), der als Gebrauchsgraphiker an der vom Werkbund geprägten Staatsschule für Kunst Berlin-Charlottenburg lehrte. – Herausgegeben von dem Berliner Architekten Bruno Paul, damals Direktor vorgenannter Schule, der für die Konzeption der Ausstellungsräume verantwortlich war. Mit einem Textbeitrag von ihm und einem von Alfred Kuhn, jeweils in Italienisch und Deutsch. – Die Bildtafeln mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen nach Entwürfen von Bruno Paul, F. A. Breuhaus, Edwin Scharff, Ernst Barlach, Peter Lipman-Wulf, Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein, dazu thematische Listen von Künstlern und Werkstätten. – Wichtiger Ausstellungskatalog mit Referenzcharakter zum deutschen Kunstgewerbe der 1920er Jahre.

21,2 : 21,2 cm. 68 Seiten. – Minimal berieben und bestoßen.

381  Herbert Bayer – Section Allemande.

€ 5000

Grand Palais 14. Mai – 13. Juillet. Exposition de la Société des Artistes décorateurs. Berlin, Hermann Reckendorf [1930]. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur mit geprägtem Folienumschlag.

Originalausgabe des bahnbrechenden von Herbert Bayer gestalteten Kataloges. – Katalog der deutschen Ausstellung innerhalb der »Société des Artistes décorateurs« in Paris. – Im 20. Jahr ihres Bestehens lud die französische Künstlervereinigung eine ausländische Abteilung nach Paris ein. Im Auftrag des Werkbunds gestaltete Walter Gropius unter Mitwirkung von Herbert Bayer, Marcel Breuer und Laszlo Moholy-Nagy eine Präsentation von mehr als 100 deutschen Designern, Architekten, Möbel-, Glas- und Kunsthandwerksfirmen in fünf Räumen. Welche Bedeutung die Ausstellung für Gropius hatte, wird deutlich, wenn er noch 1947 in einem Brief Alexander Dorners Darstellung widerspricht, »that the Werkbund Exhibition in Paris, 1930 […] were organized by Herbert Bayer.« Vielmehr sei er der Organisator dieser Ausstellungen gewesen, Moholy-Nagy, Bayer und Marcus Breuer hätten ihm jeweils nur assistiert. (vgl. unsere Auktion 7, KatNr. 332). – Das alphabetische Register am Ende des Prospekts liest sich wie ein Who-is-who der angewandten Kunst in Deutschland. – Mit Beiträgen von Walter Gropius, W. C. Behrendt, Laszlo Moholy-Nagy, Adolf Behne, Marcel Breuer, Hermann Muthesius, Friedrich Naumann und Paul Klee, alle auch in französischer Übersetzung. – Bild-Text-Seiten zu den fünf Ausstellungsräumen mit Vorstellung der Aussteller und zahlreichen Abbildungen von Bauten, Möbeln, Leuchten, Theaterbühnen und -aufführungen, Schriften, Stoffen und Tapeten, Glas, Keramik und Schmuck. Am Ende: Herbert Bayers Konzept einer perspektivischen Fotoschau, Modelle Bauhaus Dessau (Gropius) und Krankenhaus (Breuer/Hassenpflug), Marcel Breuer Sitzmöbel, Werbung für die Werkbundzeitschrift »Die Form« und Herbert Bayers Plakat zur Pariser Ausstellung. – Gedruckt in mustergültiger Bauhaus-Typographie in Rot und Schwarz, mit Fotomontagen und Zeichnungen. – Umschlagillustration mit Fotomontage. – Griffregister, Zellophanumschlag mit Blindprägung. – »Der zweischichtige Aufbau des Umschlags, eine Erinnerung an doppelbödig widersprüchliche, surreale Motive, wird von Seite zu Seite zur perfekten Blickführung ausgebaut.« (A und O des Bauhauses). – Sehr gut erhaltenes Exemplar einer der überzeugendsten gebrauchsgraphischen Arbeiten der Zeit. – Sehr selten.

15,0 : 20,7 cm. [44] Seiten, 1 montierte Klapptafel.

Rössler/Bayer D–07b. – Rössler, BauhaustypografieS. 134. – Fleischmann 280–283 mit acht Abbildungen. – Das A und O des Bauhauses 428, Seiten 251ff. – Wingler S. 528ff. – Autopsie I, S. 253, und II, S. 65

382  Hans Poelzig. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

€ 250

Potsdam, 20. August 1927. Eine Seite.

An seinen Mitarbeiter Heinrich Schapiro. – »Zum Hinscheiden Ihres Vaters mein herzlichstes Beileid. Selbstverständlich blieben Sie dort bei Ihrer Frau Mutter; Schwennicke ist hier – es ist alles in Ordnung«. – 1927 realisierte der Architekt Hans Poelzig (1869–1936) mit seinen Mitarbeitern Schapiro und Schwennicke solche Großprojekte wie das Ausstellungsgebäude der Berliner Sezession, die Umgestaltung des Platzes der Republik vor dem Reichstag u. a. – Auf dem Briefpapier des Architekten in dessen schwungvoller Handschrift sehr dekorativ.

Leichte Knick- und Faltspuren.

383  Art Déco – V[oldemar] Boberman. Tapis.

€ 400

Édité par Dim. Vingt quatre compositions en couleurs. Ave une préface par Maurice Raynal. Paris, Éditions des quatre chemins 1929. Mit 24 pochoirkolorierten Tafeln. Lose Blätter in Originalpappchemise mit Schließbändern.

Eins von 750 Exemplaren. – Die schönen Teppichentwürfe im Stil des Art decó wurden bei D. Jacomet gedruckt und prachtvoll pochoirkoloriert. Der teils kräftige und an den Rändern leicht verwischte Farbauftrag vermittelt die Anmutung von Originalgouachen. – Voldemar Boberman (1897–1987) wurde im armenischen Erivan geboren, wanderte nach Paris aus und wirkte dort als Marine-, Akt- und Landschaftsmaler.

33,0 : 25,0 cm. [2], 9, [1] Seiten, 24 Tafeln. – Rücken der Chemise mit Fehlstellen. – Ränder vereinzelt minimal gebräunt.

vgl. Vollmer I, 240

384  Bauhaus – Tapete und Raum.

€ 450

9 Beispiele moderner Raumgestaltung. Ohne Ort und Jahr. Neun Originaltapetenmuster, neun montierte Farbabbildungen. Klammergeheftete Originalbroschur.

Seltenes kleines Musterbuch mit zwei Beispielen für die Verwendung der berühmten Bauhaustapeten, hier einmal im Schlafzimmer, einmal im Kinderzimmer. Die auf die Tapetenmuster montierten Einrichtungsbeispiele u. a. mit den Kindermöbeln des Bauhäuslers Erich Dieckmann. – Weitere Muster von Weimartapete (5), Breuhaustapete und Maytapete. – Jeweils mit Erläuterungstext, Bestellnummer und Preisangabe. – Möglicherweise von der Tapetenfabrik Rasch herausgegeben, wohl Anfang der 1930er Jahre. – Selten und sehr gut erhalten.

11,0 : 15,5 cm. 9 Blätter. – 1 Muster mit kleinem Einriss.

385  Herbert Matter – Knoll International GmbH.

€ 100

[Planungskatalog]. [Um 1959]. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur mit Spiralbindung.

Einrichtungskatalog für Sitzmöbel, Tische, Kastenmöbel und Betten, Büromöbel und Textilien. – Die Liste der Entwerfer liest sich wie ein »who-is-who« des Möbeldesigns: Harry Bertoia, Florence Knoll, Mies van der Rohe, Eeero Saarinen, Ilmari Tapiovaara, Inge Toft u. v. a. – 1937 wanderte der Stuttgarter Hans G. Knoll in die Vereinigten Staaten aus und gründete die »Hans G. Knoll Möbel-Company«. Nach Kriegsende firmierte er ab 1951 gemeinsam mit seiner Frau Florence als »Knoll International Ltd« mit weltweiten Niederlassungen. Durch die Stuttgarter Niederlassung gelangten ihre Interieurs und Möbel auch in westdeutsche Verwaltungsgebäude und Direktionsräume, kommunale Büros und Musentempel. – Die graphische Gestaltung stammt von Herbert Matter (1907–1984, Schweizer-US-amerikanischer Fotograf und Graphiker), der 1944 einen MoMA-Film über Alexander Calder drehte und 1952–1978 Grafikdesign in Yale lehrte. Er beriet u. a. das Guggenheim Museum und das Museum of Fine Arts Houston.

30,0 : 22,0 cm. 51 Blätter. – Spiralbindung rostig. Broschurdeckel angestaubt und fleckig.

386  Anton Stankowski. Embag.

€ 400

Stuttgart 1964. Originalbroschur mit Deckelvignette. – Auf dem Vorderdeckel monogrammiert.

Sehr selten (gewordene) Publikation der Stuttgarter Papierfirma Emil Bandell, erschienen zu deren 100. Firmenjubiläum. – Die außergewöhnliche Gestaltung entwarf Anton Stankowski (1906–1998). Bereits während seines Studiums an der Folkwangschule in Essen entstanden gemeinsam mit seinem dortigen Lehrer Max Burchartz erste Entwürfe und »funktionelle Graphik«. Nachdem Stankowski einige Jahre in der Schweiz gearbeitet hatte, musste er 1934 nach Deutschland zurückkehren. Nach Kriegsende gründete er in Stuttgart ein eigenes graphisches Atelier. Neben Willi Baumeister, Max Bense, Walter Cantz und Egon Eiermann machte Stankowski Stuttgart zur »Hochburg des deutschen Graphikdesigns«. Er entwarf so bekannte Markenzeichen wie »Signal Iduna«, »Viessmann« und das berühmte »5-Linien-Viereck« der »Deutschen Bank«. – In dem Musterbuch werden 22 Papierproben präsentiert, jeweils mit einem kreisförmigen Ausschnitt. Durch den konzentrischen Versatz dieser Ausschnitte bildet sich ein vielfarbiges Muster. – 1964 wurden seine Arbeiten auf der documenta III gezeigt.

13,5 : 21,3 cm. 22 Blätter. – Minimal gebräunt, einige Papierproben mit schon bei der Herstellung des Buches ausgekratzter bzw. überklebter winziger Beschriftung .