ChristianHesse

KATALOG 2 : KUNST UND BÜCHER | Hesse-Auktionen
KATALOG 2 : KUNST UND BÜCHER

633  Walasse Ting. One Cent Life.

€ 3000

Edited by Sam Francis. Bern, Kornfeld 1964. Mit 62 Farblithographien, teils doppelblattgroß, teils im Text. Lose Doppelbogen in farbig serigraphierter Originalleinenchemise mit illustriertem Originalumschlag und im roten Originalleinenschuber.

Eins von 2000 nummerierten Exemplaren. – Herausgeber Sam Francis vereinte die 61 Gedichte des amerikanischen Malerpoeten Walasse Ting mit eigenen Farblithographien und weiteren von Pierre Alechinsky, Antonio Saura, Asger Jorn, Robert Indiana, Riopelle, Karel Appel, Tom Wesselmann, Bram van Velde, Allan Kaprow, Andy Warhol, Robert Rauschenberg, K. R. H. Sonderborg, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Jim Dine, Mel Ramos und weiteren zwölf Künstlern. – Druck bei Maurice Baudet, Paris, nach der Typographie von Georges Girard. – Großartiges Malerbuch der Nachkriegszeit, eines der wichtigsten und schönsten Zeugnisse des abstrakten Expressionismus und der Pop Art. – Tadellos schönes Exemplar.

41 : 30 cm. 170, [4] Seiten.

  634    Stefan Balkenhol. Harlekin.

€ 250

Lithographie. 1994. 56,5 : 18,5 cm (76,0 : 64,5 cm). Signiert und datiert.

Eins von 381 Exemplaren. – Auf Zerkall-Bütten. – Handdruck bei Loeding & Sturm, ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer 277 C2.

Dobke/Priess 16

  635    Stefan Balkenhol. Stehender Mann. – Frau mit weißer Jacke. – Teddy.

€ 600

Drei zweifarbige Holzschnitte. 2004. 76 : 56 cm. Signiert.

Auflagen: 1033, 666 und 764 Exemplare. – Aus der ersten Holzdruck-Serie des Künstlers für die Griffelkunst-Vereinigung Hamburg. – Handdrucke Loeding & Sturm, Hamburg. – Auf Somerset-Bütten »newspaper gray«. – »Die originäre Herkunft des Künstlers aus dem Bereich Bildhauerei [ist] deutlich zu spüren, zumal der Druckstock in diesem Fall […] aus dem gleichen Material wie der überwiegende Teil seiner Skulpturen [besteht].«.

Blatt 1 am Oberrand leicht angestaubt.

Dobke 72, 73 und 74. – Griffelkunst 315 C1–3

  636    Stephan Balkenhol. Frau mit weißer Jacke.

€ 200

Zweifarbiger Holzschnitt. 2004. 43,5 : 32 cm (76 : 56 cm). Signiert.

Eins von 666 Exemplaren. – Auf Somerset-Bütten »newspaper gray«. – Handdrucke Loeding & Sturm, Hamburg. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg.

Dobke/Priess 73. – Griffelkunst 315 C2

  637    Stefan Balkenhol. Junger Mann. – Junge Frau.

€ 500

Zwei Lithographien. 2015. 65,0 : 51,0cm. Signiert.

Eins von je etwa 1000 Exemplaren. – Auf Alt-Meißen Bütten von Zerkall. – Handdruck bei Loeding & Sturm, ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern E 505 und 507. – Blatt 2 rückseitig typographisch bezeichnet.

Dobke/Priess 100 und 101

638  Eduard Bargheer. Sophokles Antigone.

€ 500

Zehn Aquatintaradierungen. 1967. 43,5 : 38,0 (bzw. 30,8) cm. Signiert und nummeriert.

Exemplar XLIII/75, eins von 50 signierten Suitenexemplaren ohne Text. – 25 Suiten erschienen mit Text, ferner 175 Buchausgaben. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Gedruckt von Arnd Maibaum, Berlin, und ediert von Gotthard de Beauclair in seinem Verlag Ars librorum. – Das Porträt »Athena, die Schutzgöttin« in Ocker gedruckt, die vier von Ismene, Kreon, Antigone und Haimon in Rötel. – Als signierte Suite selten.

Rosenbach 242–251

  639    Eduard Bargheer. Inselfrühe.

€ 250

Radierung. 1967. 42,0 : 32,0 cm (51,0 : 40,0 cm). Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 86/235. – Auf Velin mit dem Trockenstempel der Edition. – In: Salvatore Quasimodo. Insel des Odysseus. Isola di Ulisse. Gedichte. Edition de Beauclair, Portfolio-Ausgaben mit Originalgraphik zeitgenössischer Meister, 3. – Mit dem Text auf grauem Kupferdruckkarton zusammen in Originalleinenmappe. – Tadellos.

Rosenbach 254. – Spindler 40.41

640  Eduard Bargheer. Gärten und Felsen auf Ischia.

€ 1000

Zwei Kaltnadel- und drei Farbradierungen. 1968. 38,0 : 55,5 cm. Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 10/30. – Auf Bütten, weitere sieben Exemplare wurden auf Japan gedruckt. – Gedruckt von Arnd Maibaum, Berlin, ediert von Detlev Rosenbach, Hannover. – Die vollständige Suite, mit dem Titelblatt in der Originalleinenmappe. – Tadellos erhalten, selten.

Rosenbach 260–264

641  Eduard Bargheer. 7 Beispiele zum graphischen Werk.

€ 600

Vier Farblithographien, zwei Farb- und eine Kaltnadelradierung. 1974. 53,5 : 40,0 cm. Signiert und nummeriert.

Exemplar 73/75. – Auf Velin, weitere 25 Exemplare wurden auf Bütten abgezogen. – Die Beilage zur Vorzugsausgabe des Werkverzeichnisses der Druckgraphik enthält: »Selbstbildnis« (Kaltnadel 1970), »Blankenese« und »Südlicher Garten« (Farbradierungen 1973) sowie »Torrione«, »Griechische Inselwelt«, »Wüstendorf« und »Kamele in der Wüste« (Farblithographien 1973). – Tadellos erhalten.

Rosenbach 280 und 336–341

  642    Eduard Bargheer. Hellas 2.

€ 600

Zehn Kaltnadelradierungen mit Aquatinta, davon vier farbig. 1973. 40,0 : 53,5 cm. Signiert und nummeriert.

Exemplar II/XIII, eins der Künstlerexemplare, wie auch die 35 der Auflage auf Bütten. – Alle Blätter auch in der Platte signiert und datiert. – Gedruckt von Arnd Maibaum, Berlin, ediert von Detlev Rosenbach, Hannover. – Mit drei Textblättern, u. a. das Vorwort von Herbert V. Buttlar, lose in Originalleinenkassette. – Die Radierungen ausnahmslos mit Figuren der griechischen Mythologie und Antike. – Tadellos erhalten.

Die Kassette minimal fleckig, innen tadellos.

Rosenbach 313–322

643  Artur Barth. Potsdam und Sanssouci.

€ 400

Zwölf Kaltnadelblätter. Meißen, Verlag der Truhe [um 1920].

Exemplar 61/68. – Jede Radierung, auch das radierte Titelblatt signiert, nummeriert und betitelt. – Mit kleinformatigen Ansichten von St. Nikolai, Paradeplatz, Sanssouci, Lustgartenblick, Garnisonskirche, Neues Palais, Am Stadtschloß, Historische Mühle u. a. – Der Graphiker Artur Julius Barth (1878–1926) stammte aus dem sächsischen Meißen. Seine künstlerische Karriere begann als Porzellanmaler in der Meißner Manufaktur. – Die Radierungen (25 : 19 cm) in Passepartouts, diese lose in Originalkalblederkassette mit Blindprägung.

Kassette minimal berieben, sonst sehr schön.

Vgl. Vollmer I, 120

  644    Heinz Battke. Platon. Das Gastmahl.

€ 450

Neun Radierungen (auf acht Blättern). 1965. 43,5 : 23,4 cm. Signiert und nummeriert.

Exemplar 25/50. – Auf Japon nacré. – Gedruckt von Hermann Steidle, Essen. – Die Radierungen entstanden für den zwölften Ars librorum Druck, ediert von Gotthard de Beauclair. – Hier als Beilage zu eben diesem Werk: Platon. Das Gastmahl oder Über die Liebe. In der Übertragung von Rudolf Kassner. Frankfurt am Main 1965. Mit neun Radierungen, davon drei blattgroß, fünf Vignetten, eine auf dem Vorderdeckel. Lose Doppelblätter in Originalhalbleinenchemise und -leinenkassette mit gold-braunen Lederschildern auf Vorderdeckel und Rücken (Helmuth Halbach, Niederhöchstadt). – Exemplar XXV. – Auf Velin »BFK Rives«. – Der Druckvermerk nennt 300 Exemplare und 25 weitere, mit A–Z bezeichnete, für den Verlag. Offenbar wurde aber auch zu den 50 Suiten nochmals das komplette Buch ausgegeben. – Im Druckvermerk von Künstler und Verleger signiert. – Heinz Battke (1900–1966) war in jungen Jahren Schüler von Karl Hofer. Von den Nationalsozialisten als »entartet« abgelehnt, arbeitete er seit 1935 in Florenz. Nach Kriegsende kehrte er nach Frankfurt zurück und lehrte an der Städelschule. Die Platon-Radierungen entstanden 1963 und 1964 und zählen zum reifen Spätwerk. Sie sind zugleich die ersten und einzigen Buchillustrationen des Künstlers. – Makellos.

45,5 : 32,5 cm. 68, [4] Seiten (Buch).

Cüppers 470–478 a und b. – Spindler 40.32. – Tiessen II, 1

645  Franz von Bayros. Modell, sitzend.

€ 1500

Aquarell und Deckweiß. 31,5 : 29,5 cm. Am Unterrand signiert.

Recht entzückende Zeichnung: Das Modell sitzt, wohl in einer Malpause und eigentlich unbeobachtet, im Atelier. Mit der rechten Hand blättert die luftig bekleidete Dame in einem Stapel Zeichnungen, ihre eigentliche Aufmerksamkeit gilt allerdings ihrem – wohl schmerzenden – Knöchel. Der jüngst geäußerten Einschätzung eines Münchner Kunsthändlers (»nicht erotisch genug«) entspricht in etwa eine Bleistiftnotiz von unbekannter Hand, die auf die Rückseite des Rahmens montiert wurde: »Die Natur: Na, Du bist mir aber auch schon der richtige Erotiker – sitzt er da Monate lang in der Bretagne – um nackte Felsen zu malen!!«. – Ehemals im Besitz des Leipziger Verlegers Carl Geibel, der 1914 die bedeutende graphische Kunstanstalt Oscar Consée übernahm und dadurch in engem Kontakt zu zahlreichen Künstlern dieser Zeit stand. – Seit damaligem Erwerb oder Schenkung durch den Künstler in Familienbesitz.

Auf Malkarton. – Oben links einige weiße Flecken oder Schabstellen. – In Passepartout, die Schwarz aquarellierte Einfassungslinie abgedeckt.

  646    Charlotte Berend. Max Pallenberg.

€ 300

Neun Farblithographien. Um 1918. 56 : 40 cm. Signiert und nummeriert.

Exemplar 57/100. – Auf Japan. – Erschienen im Berliner Oesterheld Verlag. – Die Lithographien von der Künstlerin eigenhändig und im Stein signiert, zudem jedes Blatt auch von dem porträtierten Mimen. – Max Pallenberg (1877–1934) spielte seit 1914 unter Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin. Mit Glanzrollen wie dem Jau in Gerhart Hauptmanns »Schluck und Jau« wurde er zum bekannten Charakterkomiker seiner Zeit. 1934 kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. – Die eindringlichen Porträts der Künstlerin, die von 1904 bis 1925 mit Lovis Corinth verheiratet war, zeigen Pallenberg unter anderem in Rollen aus Stücken von Ferdinand Raimund, Gerhart Hauptmann (Schluck, Rentier Krüger) und Molière (Argan, Ergaste). – Die Blätter lose in der illustrierten Originalmappe.

Die großformatigen Lithographien an den Ecken teils leicht geknickt, die Ränder leicht angestaubt. Das Textblatt geknittert. – Mappenrücken erneuert, die Deckel etwas fleckig.

Nicht im Katalog Lindenau-Museum

647  Hans Bellmer – [Georges Bataille] Lord Auch. Histoire de l’oeil.

€ 5000

Nouvelle version. Avec six gravures originales à l’eau forte et au burin. Sévilla 1940 [1944]. Mit sechs blattgroßen Kaltnadelradierungen von Hans Bellmer und einer zweiten Suite der sechs Radierungen. Originalbroschur in -pergaminumschlag, -chemise und -schuber.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen und zugleich die erste originalgraphische Folge von Hans Bellmer. – Eins von 50 Exemplaren der dritten Vorzugsausgabe, gedruckt auf Velin »BFK Rives« und mit einer separaten Suite der Radierungen (Gesamtauflage 199, ausschließlich für Subskribenten und Mitarbeiter). – Der Text erschien in abweichender Fassung erstmals 1928. Für die vorliegende Ausgabe verbargen sich Künstler und Dichter sowie der Verleger Alain Gheerbrant, der den Text überarbeitete, hinter Pseudonymen und in der Anonymität. – »Das zentrale Motiv des Auges hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Kunst eine auffallende künstlerische ›Behandlung‹ erfahren. Sei es durch angsterfüllt weit aufgerissenes Schauen auf eine als bedrohlich empfundene Außenwelt oder durch eine Substituierung der Augen mit technischem Gerät, sei es durch eine isolierte Präsentation, ein bewusstes Fehlen derselben oder, wie für den Surrealismus der 1920er und 1930er Jahre bemerkenswert, durch einen Angriff auf den über Jahrhunderte anerkannten ›edelsten Sinn‹. […] Der Roman, den André Breton als das ›schönste erotische Werk‹ bezeichnet hat, das er kenne, kreist um wesentliche Aspekte des surrealistischen Kosmos: in psychoanalytischen Termini ausgedrückt, um Eros und Thanatos, und ganz wesentlich für den hiesigen Zusammenhang, um die obsessive Verfolgung der Augenmetapher« (aus einer Verlagswerbung zu Christiane Ladleif »Die Zerstörung des Auges«, Weimar 2003). – Die Radierplatten wurden nach Druck der Auflage zerstört. – Sehr selten, zumal mit der Extrasuite.

25,6 : 16,3 cm. 133, [5] Seiten. – Schuber etwas, Chemise ganz leicht angestaubt. – Unaufgeschnitten. – Bindung in einer Lage gelockert.

Denoël Abbildungen 11–15. – Monod 620. – Nicht in der Sammlung Filipacchi (Christie’s 2005)

648  Hans Bellmer. Petit traité de morale.

€ 5000

Dix gravures en deux coleurs. Zehn signierte Radierungen, jeweils in zwei Farben gedruckt. Lose Doppelblätter in Originalumschlag mit Titel in Negativblindprägung. Originale Seidenchemise in Leinenschuber.

Exemplar 131/150, 20 Belegexemplare wurden römisch nummeriert. – Erschienen bei Georges Visat, Paris. – Jede Radierung auf einem breitrandigen Doppelbogen »Velin d’Arches«, auf der Vorderseite jeweils mit einer Textzeile. Hans Bellmer wurde von Titeln aus Werken des Marquis de Sade zu dieser Suite inspiriert: Dialogue entre un Prêtre et un Moribond. – Aline et Valcour. – Les Infortunes de la Vertu. – Les 120 Journées de Sodome. – Notes pour la nouvelle Justine. – L’Aigle Mademoiselle. – Idée sur les Romans. – Les Crimes de l’Amour. – La Philosophie dans le Boudoir. – Juliette ou les Propérités du Vice. – Tadellos erhalten.

Der Rücken der Chemise etwas verblasst, die Innendeckel minimal stockfleckig.

Denoël 78–87. – Bibliothek Filipacchi 21

  649    Joseph Beuys. Hut.

€ 300

Bleistiftzeichnung. 6,8 : 8,0 cm. 1979. Signiert.

Eins der zentralen Motive im Œuvre des Künstlers. – Auf dem Beilageleporello zum Ausstellungskatalog »Joseph Beuys. Zeichnungen · Tekleningen · Drawings« (Museum Boymans-van Beuningen Rotterdam 1979–1980). – Die Ausstellung wurde im Anschluss in der Nationalgalerie Berlin, der Kunsthalle Bielefeld und im Wissenschaftszentrum Bonn gezeigt.

Katalog: 29,7 : 21,0 cm. 293, [1] Seiten. Umschlag mit kleinem Einriss.

  650    Joseph Beuys. Dokumentatie.

€ 250

Offsetdruck. 1975. 57,7 : 37,3 cm. Signiert und mit drei Stempeln.

Anlässlich der Ausstellung im Maastrichter Bonnefantenmuseum. – Das Plakat farbig gestempelt mit »Deutsche Studentenpartei«, »Hauptstrom« und »Fluxus Zone West«. – Mit einem Textauszug aus »Jeder Mensch ist ein Künstler« in niederländischer Übersetzung.

Rückseitig Klebereste von Anheftung. Leichte Knitter, linker Rand mit winzigem Einriss.

Van der Osten 63. – Weiß/Britsch 43

  651    Paul Ching-Bor. Four Rivers.

€ 350

Buchobjekt mit acht Farbradierungen. 2010. Je 29,5 : 9,8 cm. Signiert, datiert und nummeriert.

Eins von 20 Exemplaren. – Die Radierungen wurden auf Kartons mit Leinengelenken kaschiert. – Rückseitig signiert. – Die vier Flüsse, die je nach Aufstellung des Leporellos ins gleiche Meer fließen oder nicht, sind Themse, Jordan, Huang und Hudson. – Der chinesische Künstler Paul Ching-Bor (geboren 1963) lebte seit 1996 in New York und arbeitet seit etwa 15 Jahren mit der Neuhauser Kunstmühle in Salzburg zusammen, Anfangs im Rahmen eines »artist-in-residency«-Programms.

  652    Carlfriedrich Claus. Wort. – Verdrehung. – Psychisches Feld. – Halbschlaf. – Text. – Nachtgespräch.

€ 600

Sechs Radierungen. 1990/91. 36,0 : 26,6 cm. Signiert.

Je eins von 515 Exemplaren. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Die vollständige von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg edierte Folge, Editionsnummern 266 B1–6. – Carlfriedrich Claus (1930–1998) wurde vor allem durch seine »Schriftgraphiken« als Form der visuellen und konkreten Poesie bekannt. Seine Schriftbilder sind moderne Kalligraphien, die sich zu abstrakten Landschaften formen.

Werner/Juppe G 58 IIc3, 127 IIIa3, 128 a3, 129 b3, 130 IIa3 und 131 b3.

  653    Hanne Darboven. Aufzeichnung [1–3] · Kalenderblatt [1–2].

€ 300

Fünf farbige Offsetdrucke. 1979. 33,5 : 91,3 bzw. 21,7 : 30,2 cm (29,6 : 40,3 cm). Alle rückseitig signiert.

Die drei gelben »Aufzeichnungen« datieren 25.3.1975, 3.11.1975 und 23.4.1976, die beiden Halbjahreskalender von 1975 wurden von Darboven in typischer Manier überarbeitet. – Die vollständige von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg edierte Folge, Editionsnummern 216 B1–5.

  654    Alan Davie. Hommage a Picasso.

€ 250

Farblithographie. 1972. 50 : 60 cm. Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 52/90. – Auf Velin »BFK Rives«. – Aus dem gleichnamigen Mappenwerk, das 1973/94 im Berliner Propyläen Verlag und der Pantheon Press in Rom erschien und Arbeiten von mehr als 100 Künstlern enthielt. – Der schottische Maler und Musiker James Alan Davie (1920–2014) gehörte zu den bedeutenden Vertretern der Abstrakten Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg.

Minimale Knicke am Unterrand.

655  Hanns-Benno Düren. Faust.

€ 300

Zehn Holzschnitte. Um 1925. Ca. 40 : 33 cm ( 55 : 43 cm). Signiert.

Vollständige Folge, ein elfter Holzschnitt mit dem Inhaltsverzeichnis, der Haupttitel wird nur auf der Mappe genannt. – Markante spät-expressionistische Holzschnitte von Hans-Benno Düren (1891–1943) mit den wichtigsten Szenen und Figuren aus Goethes Dichtung. – Auf dünnem Japanpapier, jeder Holzschnitt in Passepartout, alle in der Originalmappe.

Mappe fleckig und beschädigt. Passepartoutränder teils fleckig. – Vereinzelte Stockflecke. Das Inhaltsblatt mit starkem Säurefraß.

Nicht im Katalog Lindenau-Museum

  656    Franz Eggenschwiler. Eckquartier in Europa. – Spinnfadenspulen. – Rückhalt.

€ 150

Drei Farblinolschnitte. 1990/1992. 50,5 : 36,0 cm (69,0 : 49,0 cm). Signiert, datiert und betitelt, im Stock monogrammiert und datiert.

Je eins von 455–640 Exemplaren. – Auf Velin »BFK Rives«. – 1993 ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 267 A4–6. – Die einzigen drei Arbeiten des Schweizer Künstlers (1930–2000) bei der Griffelkunst.

Eggenberger 1992.5–7

  657    Ayse Erkmen. 6 in Folge.

€ 300

Sechs Farbserigraphien. 2003. 68 : 48 cm. Rückseitig signiert und datiert.

Die vollständige Folge, ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 311 C1–6. – Ayse Erkmen, geboren 1949, lebt seit ihrem DAAD-Stipendium 1993 wechselnd in Deutschland und ihrer türkischen Heimat. »In ihrer Edition hatte sie die spätere Handhabung der Blätter von vorne rein mit einbezogen und die Vorgabe ›sechsteilige Serie auf Papier‹ konzeptuell umgesetzt« (griffelkunst.de).

658  Günter Bruno Fuchs. Fährelefant.

€ 450

Tuschzeichnung. 1967. 19,8 : 17,8 cm. Signiert und datiert.

Humorvolle und symbolträchtige Zeichnungen mit vielen aus dem Œuvre von Fuchs bekannten Bildelementen. – Günter Bruno Fuchs (1928–1977) war der »spiritus rector« der Werkstatt Rixdorfer Drucke, der er von 1963 bis 1969 vorstand. – Ehemals Sammlung des März-Verlegers Jörg Schröder (1938–2020).

Im Passepartoutausschnitt leicht gebräunt. – Rückseitig mit Titelschild und Bemaßung. – Leichte Knickspuren am Oberrand.

  659    Felix Martin Furtwängler. Ohne Titel.

€ 300

Bemalter Holzstock. 1996. 39,8 : 29,5 cm. Signiert und datiert.

Großformatiger Druckstock aus Birkenholz. Die druckenden Partien mit schwarzer Tusche eingefärbt, die freigeschnittenen mit verschiedenen Farben und Goldbronze bemalt. – Am Unterrand signiert und datiert. – Die Verwendung innerhalb des graphischen Œuvres konnten wir nicht ermitteln. – Dazu: Fünf Ausstellungskataloge und Publikationen zu Furtwänglers Schaffen, davon zwei mit beigelegter Originalgraphik, einer mit Widmung des Künstlers.

  660    Felix Martin Furtwängler. Poeta wohin?

€ 400

Neun Farbholzschnitte, einer übermalt. 2002. 29 : 79,5 cm (31,5 : 79,5 cm). Signiert und nummeriert.

Eins von 15 Exemplaren. – Friesähnlicher Bilderzyklus. – Auf Kupferdruckkarton. – Oben rechts signiert. – In der originalen Halbleinenmappe. – Ein Holzschnitt mit verschiedenen Farben übermalt, einer als Zusammendruck verschiedener Stöcke der Folge und bezeichnet »Unica 1 v 15«, die übrigen sieben nummeriert »10/100«. Nach Auskunft des Künstlers wurden nur 15 vollständige Mappen ediert, die Restauflage der Holzschnitte wurde im Laufe der Zeit umgearbeitet. – Die Holzschnitte entstanden als Beilage zur Vorzugsausgabe des umfangreichen monographieartigen Kataloges »Poeta wohin?« (Wolfenbüttel u. a. 2002–2004), der sich besonders dem buchkünstlerischen Œuvre Furtwänglers widmet. Der Katalog (Exemplarnummer 10/100, im Auflagenvermerk signiert) liegt bei.

  661    Leon Golub. Cyber Man. – The Request. – Two Black Men. – Three Men. – Conversation.

€ 450

Fünf Farbserigraphien. 1992–1993. 31 : 28 cm bis 45 : 62 cm. Signiert.

Signierte Probedrucke, rückseitig unbezeichnet. – Wohl Probedrucke für die Griffelkunst Edition 274 C1–6, die 1994 erschien. – Leon Golub (1922–2004) stellte 1967, 1984 und 2002 auf der Documenta aus.

Blatt 4 mit leichter Knickfalte am Oberrand.

662  Ludwig von Hofmann. Stehender Akt mit erhobenen Armen.

€ 750

Kohlestift. 44,5 : 29,7 cm. Monogrammiert.

Auf festem, leicht gräulichem Papier. – Dazu zehn Originalgraphiken von Ludwig von Hofmann: Radierungen: Frauen an der Felsenquelle. Signiert und nummeriert »37/75«. – Ohne Titel (Aufsteigende). Signiert und nummeriert »58/100«. – Lithographien: Tanz XI. – Springende Mädchen. – Wasser schöpfend. Signiert und nummeriert »34/100«. – »Dämmerung. – Ohne Titel (Tanz). Signiert und nummeriert »8/100«. – Zwei Litho-Postkarten des Sächsischen Künstlerhilfsbundes (An der Quelle, Reiter). – Holzschnitt: Ohne Titel (Anbetung). Signiert. – Ludwig von Hofmann (1861–1945) zählte zu den Vorreitern der von Harry Graf Kessler und Henry van de Velde initiierten Bewegung »Neues Weimar«. 1916 wurde er Professor an der Kunstakademie in Dresden. Bedeutende Schriftsteller wie Rilke, Haptmann und Thomas Mann zählten zu seinen Bewunderern. Hugo von Hofmannsthal verfasste zu der Mappe »Tänze« ein Vorwort.

Zeichnung: Unterrand mit restaurierten Einrissen und Knitterfalten. Links unregelmäßig beschnitten. – Graphiken meist gut erhalten. – Kein Rückgaberecht.

663  Schang Hutter. Shoah.

€ 450

Der Verletzlichkeit Raum geben. Farbserigraphie. 1996. 63 : 45 cm (70 : 50 cm). Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar XX/XXX. – Verlegerexemplar, neben der Auflage von 300 Exemplaren. – Die Graphik entstand zeitgleich mit der gleichnamigen Eisenskulptur, die Schang Hutter (geboren 1934) 1998 vor dem Bundeshaus in Bern aufstellte. Aufgebrachte Politiker der rechtsradikalen Freiheitspartei der Schweiz ließen die Skulptur ohne Absprache vor das Atelier des Künstlers abtransportieren, was hitzige Diskussionen um das Kunstwerk auslöste. Der Eisenblock »Shoah« wurde später in verschiedenen Schweizer Städten aufgestellt. – Ediert von der Prospero-Presse in Zug, das von dem Verleger mit dem Künstler konzipierte Buch konnte nicht realisiert werden. – Dazu: Umfangreiche Dokumentensammlung zum Buchprojekt, meist Fotokopien, zwei Typoskripte vom Künstler beschriftet. – Beigabe: Heicho. Urs Jaeggi (Texte) und Schang Hutter (Lithographien). Berlin, Mariannenpresse 1985. Eins von 200 signierten Exemplaren. – Vier Kataloge Neue Berliner Galerie u. a., Berlin/Solothurn/Paris 1989/90. – Helmhaus Zürich 1991. – Galerie Rähnitzgasse, Dresden 1995. – Museum Baviera, Zürich 1995/96. Mit einer signierten Farbserigraphie.

664  Schang Hutter. Shoah.

€ 250

Der Verletzlichkeit Raum geben. Farbserigraphie. 1996. 63 : 45 cm (70 : 50 cm). Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 105/300. – Aus der Auflage, ohne die Beigaben. – Vgl. die vorherige KatNr.

665  Horst Janssen. Jahrmarktscene (Varieté-Szene).

€ 4000

Holzschnitt. 1951. 39,7 : 47,0 cm (42,0 : 52,5 cm). Signiert, datiert, betitelt und mit »für Fanfaro« bezeichnet.

Einer der frühesten und zugleich seltensten Holzschnitte des Künstlers, es existiert nur ein einziger Abzug. – Der Holzschnitt entstand 1951, noch bevor Janssen »die Landeskunstschule auf Grund einer neu eingerichteten Richtlinie ohne Abschluss verlassen musste« (vgl. Die Suche, Katalog 2011, S. 20). Nach Erzählung von Peter Neugebauer, der damals zusammen mit Janssen bei Alfred Mahlau studierte, verwendete Janssen das Reißbrett seines Kommilitonen als Holzstock, der allerdings beim ersten Abdruck zerbrach. Es verwundert deshalb nicht, dass diese Graphik Carl Vogel unbekannt blieb. – Zur Entstehung: Neugebauers Neurosen, Katalog Greiz 2014, Seite 13, dort ist auch Neugebauers Spitzname »Fanfaro« dokumentiert. – Ausstellung: Retrospektive auf Verdacht. Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, 1982, KatNr. 44 (»Varieté-Szene«, mit Abbildung).

Auf gelblichem Hadernpapier. – Auf weiß gestrichenen Karton montiert, dieser rückseitig betitelt »Horst Janssen. Schwarze Grazien«.

666  Horst Janssen. Dessauer Kind. – Guido Dessauer. –

€ 400

Zwei Lithographien. 1952. 49 : 28 cm bzw. 47 : 31 cm. Im Stein signiert und datiert.

Zwei der drei frühesten Lithographien Janssens. – Carl Vogel nennt als Auflage »nicht mehr als 50 Ex.« – Anfang der 1950er Jahre erteilte der Aschaffenburger Buntpapierfabrikant und Kunstmäzen Guido Dessauer (1915–2012) dem jungen Horst Janssen mehrere Porträtaufträge. Es entstanden Zeichnungen und Janssen erlernte, begünstigt durch die technischen Voraussetzungen in der Papierfabrik Dessauers, die Technik der Lithographie.

Beide papier- und zeitbedingt im Passepartoutausschnitt gebräunt. – Angemessen aufwendig gerahmt und nicht außerhalb der Rahmen begutachtet.

Vogel 16 und 17

667  Horst Janssen. Genever + der Mond + die Geschichte von der schmerzigen Wolke.

€ 900

Lithographie. 1954. 69 : 96,5 cm (73,5 : 99,5 cm). Im Stein signiert, datiert und betitelt.

Außergewöhnliche und frühe Lithographie, datiert »A[schaffen]burg 23.8.1954«. – Die Bildgeschichte am Unterrand des Bildes verfasste Janssen selbst, möglicherweise für die Kinder der Familie Dessauer (siehe KatNr. 666). – Auch für diese Lithographie nennt Carl Vogel als Auflage »nicht mehr als 50 Ex.«.

Auf Karton aufgezogen und mit einigen Spannungsrissen. – Gerahmt.

Vogel 28

668  Horst Janssen. Vogelkäfig.

€ 1800 ( R16 )

Farbholzschnitt. 1958. 26,5 : 24,3 cm (49,7 : 39,4 cm). Signiert, nummeriert und mit »59« datiert.

Exempalr 16/25. – Auf weichem Velin. – Der Stock und wohl ein Teil der Auflage entstand 1958. – Gegenüber der Abbildung bei Brockstedt leicht abweichender Druck der dort hellblauen Platte. – Mit deutlichen Ausfettungen der Druckfarbe.

Im Papierrand minimal fleckig. – Leichte Griffspuren.

Vogel 76. – Brockstedt H 17

669  Horst Janssen. Akrobaten.

€ 600 ( R16 )

Radierung. 1958/1969. 59,7 : 39,6 cm (64,5 : 43,0 cm). Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 35/40. – Auf festem Velin. – Die Auflage der frühen Radierung erschien erst 1969 in der Galerie Brockstedt, Hamburg. Aus dem Entstehungsjahr ist nur ein Abzug bekannt.

Kann mit Rahmen erworben werden, Mehrkosten inkl. Versand 150 EUR. – Etwas unregelmäßig beschnitten, am Unterrand leichte Braunflecken. – Insgesamt sehr schön und dekorativ gerahmt.

Brockstedt R 44. – Vgl. Vogel 181

670  Horst Janssen. Ohne Titel.

€ 500

Zeichnung (Blei- und Farbstifte). 1966. 35 : 25 cm. Signiert, datiert und mit Widmung betitelt.

Verfremdete anatomische Darstellung eines Herzens, mit Beschriftungen »Arm«, »Kopf« und »Herz-Kranz«. – Mit weißem Pastellstift signiert und datiert, mit Bleistift gewidmet »für Dr. Rackwitz | 16.11.66«. – Auf dem olivfarbenen Bütten-Vorsatzblatt von Horst Janssen. 10 Zeichnungen aus der Sammlung Poppe Hamburg. Hamburg, Galerie Brockstedt 1966. Mit zehn farbigen Tafeln. Originalpappband. – Diese erste monographische Janssen-Publikation, in der zehn erotische Zeichnungen in Originalgröße reproduziert wurden, erschien kurz nach den ersten Einzelausstellungen des Künstlers in Hannover, Hamburg u. a. Orten. – Tadellos erhalten. – Rüden A.4.

671  Horst Janssen. Gott ist tot | Nietsche | Nietsche ist tot | Gott.

€ 450

Eigenhändiges Albumblatt. 1987. 31,5 : 19,5 cm. Signiert und datiert.

Jenseits jeglicher theologischer Diskussionen um Nietzsches Aphorismus aus dessen »Fröhliche Wissenschaft« notierte Janssen zugleich die Erwiderung Gottes und verunglimpfte den Philosophen durch die zweifach falsche Schreibweise des Namens. Ob dies absichtlich geschah, ist schwer zu sagen. Eventuell bezieht sich Janssens Randnotiz »sieh da – ER hat’s gesehen – der Gert Postel« auf die Entdeckung des Fehlers durch den Hochstapler Postel. – Ehemals in der Sammlung des Stern-Karikaturisten Peter Neugebauer, der zusammen mit Janssen und Loriot Schüler von Alfred Mahlau an der Hamburger Kunstakademie war. – Gerahmt.

Auf altem Papier, dieses gebräunt und stockfleckig.

  672    Horst Janssen. Selbst elegisch.

€ 350

Radierung. 1965. 48,3 : 39,2 cm (65 : 49,7 cm). Signiert, datiert, nummeriert und bezeichnet.

Exemplar 52/65. – Auf Kupferdruckkarton. – In der Platte datiert »28 3 65«. – Das erste der beiden Selbstporträts, die am 28. und 29. März 1965 entstanden und bei Wolfgang Ketterer, München, ediert wurden. – Mit dem Trockenstempel des Verlegers. – Am Unterrand vom Künstler mit dem Namen eines Vorbesitzers und dem Hinweis »Holt ab | 3.3.66« bezeichnet.

Ober- und Unterrand etwas gewellt, untere Blattkante gebräunt.

Vogel 333. – Brockstedt R 299

  673    Horst Janssen. Selbst, schreibend.

€ 350

Kaltnadel und Strichätzung in Kupfer. 1970. 26,1 : 18,5 cm (56,0 : 37,7 cm). Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 11/22. – Auf Velin »BFK Rives«. – Die kleine Auflage druckte Hartmut Frielinghaus.

Frielinghaus 1970/103

674  Horst Janssen. Brief an Mirjam.

€ 2500

27 Radierungen. 1984. Ca. 20 : 29 cm (24 : 33cm). Alle signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 98/100. – Gedruckt in Rot, Blau, Schwarz und Braun auf verschiedenfarbige Papiere. – Die graphische Schilderung einer »ménage à trois«. Dass der beteiligte Mann in allen Darstellungen »anonymisiert« dargestellt wurde, erfährt in der fortsetzenden Radierfolge »Postscriptum«, die wenige Wochen später entstand, eine Steigerung: Dort sind wieder die beiden Mädchen zu sehen, deren Liebesspiel nun aber dem Tod gilt. Somit veranschaulichen beide Folgen das in Janssens Œuvre immer wiederkehrende Thema »Eros und Thanatos«. – Wie häufig radierte Janssen in die Graphiken Textzeilen und Datierungen. – Gedruckt wurde die Folge von Peter Fetthauer und Hartmut Frielinghaus. Sie erschien im Verlag St. Gertrude, Hamburg. – Alle Radierungen passepartouriert und in privater Halbleinenkassette. – Tadellos erhalten.

Gäßler 39/1–27

675  Jürgen Klein. Flöte spielender Knabe.

€ 1500

Bronze. 78,5 : 23,5 : 21,5 cm. Monogrammiert.

Auf der Plinthe mit dem eingeschlagenen Monogramm, auf der Seitenkante der Stempel der Berliner Gießerei Wilhelm Füssel. – Jürgen Klein (1904–1978) schuf vor allem in den 1950–1970er Jahren Skulpturen und Bronzen, sowohl im öffentlichen Raum als auch in kleinen Auflagen. – Mit schöner dunkler Patina.

Kleine Farbspur auf dem rechten Oberschenkel.

676  Oiso Koffler. Prominenzen von Bühne und Film in der Karikatur.

€ 300

8 Steinzeichnungen. Mit einem Begleitwort von Conrad Veidt. Berlin, Verlag Der Parthenon 1922. Acht Lithographien, in Passepartouts. Mit dem Text-Doppelblatt in Mappe.

Exemplar 93/100, eins von 75 auf »deutschem Japan«. – Mit originellen Porträts von Ernst Deutsch, Emil Jannings, Carl Meinhard, Asta Nielsen, Henny Porten, Rosa Valetti, Conrad Veidt und Paul Wegener, jedes von Künstler und Porträtierten signiert. – Der aus Galizien stammende Dosio (auch Osio) Koffler (1892–1955) kam bereits als Kind mit seiner Familie nach Berlin. Er schrieb Drehbücher und war wohl auch als Filmarchitekt tätig. Er betätigte sich – auch in den späteren Exiljahren – schriftstellerisch und als Illustrator. Conrad Veidt, der das Geleitwort verfasste, zählte zu den führenden deutschen Schauspielern des expressionistischen Films und wurde durch seine Rolle des Cesare in »Das Cabinet des Dr. Caligari« berühmt. 1926 spielte er in »Kreuzzug des Weibes«, Koffler schrieb das Drehbuch. – Die Blätter tadellos.

Ca. 32 : 25 cm (Lithographien).

Nicht im Katalog Lindenau-Museum

  677    Oskar Kokoschka. Gitta.

€ 300

Lithographie. 1953. 42 : 57 cm (52 : 65 cm). Signiert.

Eins von 120 Exemplaren. – Ediert von der Galerie Welz, Salzburg. – Auf chamoisfarbenem Kupferdruckkarton.

Wingler/Welz 199

  678    Oskar Kokoschka. Ezra Pound.

€ 750

Lithographie. 1964. 51 : 40 cm. Signiert und nummeriert, im Stein datiert.

Exemplar XVIII/XXX. – Auf Japon nacré. – Ediert von Gotthard de Beauclair für die 30 Vorzugsexemplare des nachfolgend beschriebenen Portfolios, das hier aber in einem Exemplar der Normalausgabe vorliegt: Ezra Pound. The Seafarer. From the Anglo-Saxon. With a Portrait of the Poet by Oskar Kokoschka. Frankfurt am Main 1965. Mit der signierten ganzseitigen Lithographie. Lose Doppelblätter in Originalkassette. – Elfter Ars librorum Druck. Exemplar 158/165 (Gesamtauflage 220, davon 25 für den Verleger). – Auf Velin d’Arches. – Auf dem Vortitel vom Dichter signiert. – Der amerikanische Lyriker Ezra Pound (1885–1972) ließ sich Anfang der 1920er Jahre in Italien nieder und wurde zu einem Anhänger Mussolinis. Wegen profaschistischer und antisemitischer Äußerungen wurde er 1945 verhaftet und 1946 angeklagt. Für geisteskrank erklärt, entging er der drohenden Todesstrafe. Noch 1967 ließ er sich in Paris von Arno Breker porträtieren. Seine »Cantos« zählen trotz dieser Biographie zu den wichtigsten Dichtungen der amerikanischen Moderne. Oskar Kokoschka traf ihn im Dezember 1963, die Lithographie entstand nach einer Fotografie.

Wingler/Welz 293. – Mappe: Spindler 40.31. – Tiessen II, 22

679  Köpfe 1921.

€ 900

Eine Sammlung von Bildnisradierungen bekannter Persönlichkeiten. Zwölf Radierungen. 1921. Signiert.

Exemplar 62/100. – Enthält folgende Radierungen: I. Heinrich Bose. Wilhelm Bode. Wie die Vorzugsexemplare auch von Bode signiert. – II. Hermann Struck. Börries von Münchhausen. – III. Willi Münch Khe. Hans Thoma. Mit dessen eigenhändigem Zusatz »Dieses Bild ist von Willi Münch und bin nicht berechtigt es zu signieren Hans Thoma«. – IV. Ivo Hauptmann. Eugen d’Albert. – V. Eugen Spiro. Max J. Friedländer. – VI. Ludwig Meidner. Theodor Däubler. – VII. Klaus Richter. Karl Muck. Exemplar der Vorzugsausgabe, auch von Muck signiert. – VIII. Joseph Oppenheimer. Adolf von Harnack. – IX. Willi Geiger. Heinrich Mann. – X. Peter von Halm. Heinrich Wölfflin. – XI. Eugen Spiro. Ferrucio Busoni. – XII. Has Meid. Max Liebermann. – Jede Mappe in Passepartout, diese zusammen mit dem Titelblatt in der Originalhalbleinenmappe. – Die Radierungen alle sehr gut erhalten.

38,8 : 29,3 cm (Mappe). – Titelblatt am Rand geknickt.

Kat. Lindenau-Museum 6015–6026

680  Frans Masereel. Drei Tuschpinselzeichnungen.

€ 600

22 : 17,2 cm. Monogrammiert.

I. Homme au chapeau. Männliches Brustbild, mit Hut. – II. Mannequins. Schaufensterpuppen. – III. Quatre serviteurs. Vier Diener. – Alle unbetitelt. Aus einem Skizzenblock, linker Rand mit Heftspuren. – Ehemals Schweizer Privatsammlung.

681  Frans Masereel. Binnenalster. – St. Michaelis. – Elbabwärts.

€ 300

Drei Holzschnitte. 1964. 13 : 11 cm (23 : 17 cm). Signiert.

Je eins von 25 Exemplaren, aus einem der Suitenexemplare auf Japan. – Auf Kartonblätter montiert. – Dazu: Frans Masereel. Das Gesicht Hamburgs. Hamburg, Asmus 1964. Originalbroschur im Schuber. Die Buchausgabe mit allen 80 Originalholzschnitten. Erste Ausgabe. Eins von 850 Exemplaren (Gesamtauflage 1.000). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – »…anschaulicher, moderner und aufregender als alle noch so ausgeklügelten Fotos es einfangen können … dieses Werk gehört in die große Reihe seiner ›romans en images‹« (aus dem Vorwort von Hans Bütow).

24,5 : 18,2 cm. [84] Blätter.

Ritter B a 59

682  Hans Meid. Weiblicher Rückenakt

€ 500

Tusche und Rötel. 48,0 : 37,7 cm. Signiert.

Auf leicht getöntem Japanpapier. – Unten rechts der Sammlerstempel »W E M«, Werner Eberhard Müller, Leipzig (Lugt 5075).

683  Willy Meyer[-Osburg]. Skizzenbuch, Köln 5.12.65.

€ 1200

21, teils montierte Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen (farbige Kreiden, Tusche, Bleistift), auf neun Blättern. 1965. 44,5 : 59,5 cm. Jedes Blatt signiert und datiert. Als Buch gebunden, eine weitere große Zeichnung auf dem Vorderumschlag.

Unikales und frühes Album. – Fünf Zeichnungen formatfüllend auf den großen, querformatigen Bogen, eine weitere auf dem Umschlag. Die übrigen, auf verschiedenen Papieren unterschiedlichen Formats, wurden auf die Bogen montiert und zum Teil mit Fettkreide gerahmt und »verbunden«. Zwei dieser Collageblätter mit handgeschriebenem Text (»Zeichensoße für Rabelais«) bzw. Widmung »Halt ein! Mit Gespenstern spielend, wirst du zum Gespenst. für Horst«. – Das Buch entstand im Herbst 1965. Seit 1960 lebte Willy Meyer-Osburg (1934–2005) in Köln. 1964/65 hatte er eine Einzelausstellung im Museum Wuppertal, 1966 begann sein internationaler Durchbruch. – Ausstellung: Willy Meyer. Böttcherstraße 1970, Bücher/Mappen 15. – Tadellos.

Das erste leere Blatt lose. Innendeckel mit Abklatsch von Filmoplaststreifen.

  684    Willy Meyer[-Osburg]. 1968.

€ 400

Sechs kolorierte Radierungen. 1966. 33,8 : 24,0 cm. Als Buch gebunden, Umschlag mit Temperabemalung und montierter kolorierter Radierung.

Die einer Bildgeschichte ähnelnde Folge entstand, der Signatur und Datierung in der ersten Platte folgend, bereits 1966, wurde aber erst 1968 koloriert und zum Buch gebunden. – Auf festem Velin, zusammen mit zwei leeren Blättern und zwei hellgrünen Bütten-Vorsatzblättern in dem Originalbüttenumschlag. Der Vorderdeckel vom Künstler farbig signiert und »1968« betitelt, als Vignette eine kleine Radierung. – Tadellos erhalten, erwartungsgemäß sehr selten. – Ausstellung: Willy Meyer. Böttcherstraße 1970, Bücher/Mappen 10.

  684a    Willy Meyer-Osburg. There’s The Tempest

€ 300

in the Woodpile. Mit Texten aus Shakespeares ›Sturm‹ eingerichtet und gesetzt von D. E. Sattler and his ›Letter to William‹. Worpswede, Cohrs-Zirus 2004. Mit 20 farbigen Illustrationen nach Holzdrucken. Originalbroschur und Holzschnitte in Originalhalbleinenmappe.

Exemplar 20/50, eins von 50 der Vorzugsausgabe mit einer signierten Suite von zehn kolorierten Holzdrucken auf Velin »Somerset England«. – Nach dem Druckvermerk sollte in den Suiten der Exemplare 11–50 nur ein Holzdruck koloriert sein, hier aber alle zehn. Die Nummerierung der Einzelblätter unterschiedlich, wahrscheinlich wurde bei einigen Stöcken die Auflage nicht erreicht. – Auch im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Die Holzdrucke entstanden von nur minimal bearbeiteten Ausschnitten aus Baumscheiben, deren Umrisse das Profil menschlicher Köpfe bilden.

30 : 21 cm. [24] Seiten, 10 Holzdrucke.

685  Bauhaus – Gerhard Marcks. Das Wielandslied

€ 3000

der älteren Edda in der Übersetzung von R. Simrock. Holzschnitte von Gerhard Marcks. München-Weimar, Bauhaus-Verlag 1923. Zehn Holzschnitte, alle monogrammiert und datiert. Mit dem gefalzten Textblatt mit Holzschnitt-Signet lose in Originalhalbpergamentmappe (Otto Dorfner).

Exemplar 42/110. – Das erste Mappenwerk von Gerhard Marcks, gedruckt »nach meinen Angaben in der Druckerei des Staatlichen Bauhauses in Weimar vom Stock mit der Handpresse« (Druckvermerk). – Vollständige Folge, die Holzschnitte auf Hadernbütten gedruckt und auf Kartonblätter montiert. – Über dem lithographierten Druckvermerk prangt das große von Oskar Schlemmer entworfene Bauhaus-Signet, das seit 1922 verwendet wurde. – Die Mappe wurde mit bedrucktem Spritzdekorpapier, Innendeckel und Mappenflügel mit dunkelblauem Stempeldruckpapier bezogen. – »Das schönste Dokument der Begegnung dieses Künstlers mit dem Expressionismus ist die von Otto Dorfner gebundene Mappe mit den zehn Holzschnitten zum Wielandslied der älteren Edda […], die in 110 Abzügen auf der Handpresse im Staatlichen Bauhaus zu Weimar gedruckt worden sind. Ihr Stil erinnert an die naiven Illustrationen alter Märchen« (Lang, Expressionistische Buchillustration, S. 26). – »Nicht nur wegen der hohen Auflage, sondern auch wegen ihres in den Auseinandersetzungen am Bauhaus nahezu programmatischen Charakters, besitzt die Graphikfolge […] ein besonderes Gewicht im Frühwerk.« (Lammek, S. 24).

35,8 : 29,8 cm. 10 Holzschnitte, 1 Doppelblatt. – Einige Holzschnitte leicht stockfleckig, der erste und das Textblatt etwas stärker. – Die Mappe innen etwas berieben.

Lammek H 77.1–11. – Katalog Lindenau-Museum 3014-3023. – Vgl. A und O des Bauhauses, Kat. 137, Abb. 23

686  Emil Nolde. Petri- und Jacobikirche, Hamburg.

€ 1500 ( R16 )

Radierung. 1910. 41,3 : 31,4 cm (45,3 : 60,3 cm). Signiert, am Unterrand betitelt.

Nach Schiefler »mindestens« 21 Exemplare. – Auf Bütten. – Druck bei Genthe und Sabo. – Im zweiten und endgültigen Zustand mit dem schwarz schraffierten Haus am linken Bildrand. – Streifig gewischte, dunkle Tonätzung. – Die beiden Türme in starkem Hell-Dunkel-Kontrast.

Im Passepartoutausschnitt etwas gebräunt.

Schiefler/Mosel/Urban 142 II (von II)

687  Emil Nolde. Hamburg, Alsterbassin.

€ 1500 ( R16 )

Radierung. 1910. 31,3 : 41,2 cm (41,8 : 51,2 cm). Signiert, im Unterrand betitelt.

Eins von 21 Exemplaren. – Auf Bütten »Van Gelder-Zonen«. – Mit hellem, körnig-fleckigem Plattenton. – Gedruckt bei Genthe und Sabo. – Für die Auflage wischte Nolde die Segel und einige der Wolken über der Lombardsbrücke weiß.

Etwas braunfleckig, besonders unter dem Passepartout.

Schiefler/Mosel/Urban 146 II (von II)

688  Emil Nolde. Hamburg, Kran.

€ 1500 ( R16 )

Radierung. 1910. 31,2 : 41,0 cm (43,8 : 53,8 cm). Signiert, im Unterrand betitelt.

Nach Schiefler »mindestens« 13 Exemplare. – Auf Bütten »Van Gelder-Zonen«. – Mit grau gewischtem Plattenton. – Gedruckt bei Genthe und Sabo.

Leicht braunfleckig, unter dem Passepartout gebräunt.

Schiefler/Mosel/Urban 148 II (von II)

689  Jan Oeltjen. Begegnung.

€ 1000

Acht Holzschnitte und eine Kohlezeichnung. 1923. Ca. 45 : 36 cm. Signiert, betitelt und »egh. Dr.« bezeichnet, die Zeichnung monogrammiert und datiert.

Exemplar V/X, aus der Vorzugsausgabe auf Japan und mit einer Handzeichnung (Gesamtauflage 30). – Jan Oeltjen (1880–1968) hatte in Wien Kokoschka und andere Vertreter des Wiener Expressionismus kennengelernt, die seine künstlerische Ausdruckweise beeinflussten. Noch während des Ersten Weltkriegs stellte er in der Berliner Galerie Paul Cassirer aus. 1919 bis 1923 entstanden mehrere Holzschnittzyklen. Nach der Datierung der Handzeichnung entstanden erste Entwürfe für die vorliegende Folge schon 1918. – Die großformatigen Holzschnitte im Stock monogrammiert und am Unterrand vom Künstler eigenhändig signiert, mit »Begegnung 1 [bis] 8« betitelt und als eigenhändiger Druck bestätigt. – Alle Graphiken und die beiden mit Tusche kalligraphierten Textblätter (Titelblatt und Druckvermerk) liegen in Passepartouts. Diese lose in der Originalhalbpergamentmappe mit goldgeprägtem Titel. – Erschienen im Rikola »Verlag neuer Graphik«.

Die Mappe etwas berieben und stärker fleckig. – Die Holzschnitte leicht, die letzten beiden stärker stockfleckig.

Gäßler/Steffens 24–31. – Nicht im Katalog Lindenau-Museum

690  Alexander Olbricht. Ober-Weimar.

€ 1200

Acht kolorierte Radierungen. Um 1920. Ca. 5 : 6 bis 8 : 11 cm. Alle signiert, betitelt und bezeichnet.

Alle auf dünnem Japanpapier. – Auf dem Innendeckel der Mappe eigenhändig als »handkolorierte Vorzugsdrucke« bezeichnet und dort nochmals signiert. – Diese Mappe enthält die Radierungen: »In Oberweimar«. »Kirche zu Ehringsdorf«, »Pfarrhaus zu OberW.«, »Mauerecke«, »Haus Nr. 40«, »Eingeschneites, Haus No. 189a zu OberWeimar«, »Berggasse in Weimar« und »Am Viadukt in W.« – Alle Radierungen signiert, mit Reihen- und Einzeltitel, dem Zusatz »Vorzugsdr.« sowie einer Exemplarnummer bezeichnet. Alle in Passepartouts und diese in flaschengrüner Kalbledermappe. Die Mappe wurde von Otto Dorfner angefertigt und signiert. Der Rückentitel, Olbrichts Monogramm auf dem Vorderdeckel, Deckelkantenfileten und Eckverzierungen (Signet »WeimarVerlag«) wurden vergoldet. Die Innendeckel und Mappenflügel sind mit gelbem Kleisterpapier bezogen. – Alexander Olbricht (1876–1942) kam 1899 nach Weimar und studierte an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule. 1902 begegnete er Marcus Behmer, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. In den 1920er Jahren war Olbricht Professor an der Weimarer Hochschule für bildende Künste. – Tadellos schönes Exemplar mit Schutzpapierumschlag und im Schuber.

17,5 : 23,0 cm. – Die erste Radierung minimal stockfleckig.

Vgl. Müller-Krumbach R 102–109 (Kat. Weimar 1976 387–395)

691  Alexander Olbricht. [Weimar].

€ 500

Acht Radierungen, davon sieben koloriert. Um 1920. Ca. 7 : 11 bis 14 : 15 cm. Signiert.

Die etwas größerformatigen Radierungen mit Ansichten aus Weimar und Umgebung (»Kirche und Brücke«, »Zaun im Winter«, »Häuser am Dorfrand«, »Ehringsdorfer Teichlandschaft«, »Bahnübergang«, »Scheune mit Bahnübergang«) sowie »Boltenhagen mit Fahne«. – Auf Bütten, alle signiert, zwei mit »handcolor.« bzw. »orig. color. Handdruck« bezeichnet. – Irrtümlich in der Halbledermappe »A. Olbricht / Holzschnitte« von Otto Dorfner: Schwarzer Kalblederrücken mit vergoldetem Titel, blaue Kleisterpapierbezüge und vergoldete Schmuckkanten. – Aus dem Nachlass Otto Dorfners, in dessen Reiher- und Weimar-Verlag mehrere graphische Folgen Olbrichts erschienen, was die irrtümliche Zusammenstellung erklärt.

Vgl. Müller-Krumbach (Weimar 1976) 404ff. R 119–122, 124, 125 und 127 (eine Radierung nicht aufgeführt)

  692    Alexander Olbricht. Sechs Pflanzenzeichnungen.

€ 250

Lithographien nach Originalen im Städtischen Museum zu Erfurt. Mit einem Geleitwort von Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob. Weimar, Reiher 1922. Mit sechs ganzseitigen Lithographien und vier Vignetten. Originalbroschur mit gelben Japanpapierbezügen und dunkelblauer Seidenband-Durchstichsheftung.

Eins von 80 Exemplaren der Ausgabe B auf dünnem Japanpergamentpapier (Gesamtauflage 100). – Druckvermerk vom Künstler signiert. – Als Blockbuch gebunden. – Edwin Redslob über Olbrichts Arbeiten: »sie sind zart und kostbar, man möchte sich ihrem Genuss still und ohne Worte hingeben«. – Alexander Olbricht (1876–1942) war zu dieser Zeit Professor an der Weimarer Hochschule für bildende Künste. Zusammen mit Walther Klemm, der zu den ersten Lehrern des Weimarer Bauhauses gehörte, war er künstlerischer Mitarbeiter des Reiher-Verlags, den Otto Dorfner 1922 gegründet hatte.

38,7 : 26,3 cm. [16] Seiten. – Das gelbe Japanbezugspapier mit wenigen leichten Stockflecken, sonst sehr schön erhalten.

Müller-Krumbach (Weimar 1976) 530

693  Pablo Picasso. Nègre, nègre, nègre … Portrait d`Aimé Césaire.

€ 1800

Kaltnadelradierung. 1949. 39,5 : 28,5 cm. Signiert.

Probeabzug auf Monval. – Durch Signatur des Künstlers bestätigt. – Die Radierung erschien als Frontispiz in »Corps perdu«. Auf einem gefaltetem Doppelblatt mit dem Titel des Buches auf der rechten Blatthälfte. – Verso typographisch datiert 1949.

Bloch 633. – Baer 841. – Cramer 56

694  Pablo Picasso. Vallauris 1953 Exposition.

€ 1500

Klischeedruck auf farbig getöntem Papier. 1953. Ca. 63 : 50 cm (79,7 : 60,3 cm). Signiert.

Die Tuschzeichnung, die Picasso 1952 produziert hatte, wurde als Klischee gedruckt. Für diese größere von zwei Versionen des Plakates wurde ein leichtes Papier verwendet, das mit hellen Farben (von Hand?) eingefärbt wurde. Das Klischee bewirkte einen sehr kräftigen Abdruck, der an einen Linolschnitt erinnert. – Czwiklitzer und Rodrigo beschreiben die kleinere Variante, bei der der Hintergrund in kräftigeren Farben im Buchdruck ausgeführt wurde. – Mit rotem Kreidestift signiert.

Auf Trägerkarton montiert.

Rodrigo 18. – Czwiklitzer dtv 79

695  Pablo Picasso. La Tauromaquia.

€ 1200

Heliogravüre. 1960. 26,4 : 31,0 cm (57,0 : 45,8 cm). Signiert.

Eins von 50 Exemplaren ohne Text. – Auf Velin d’Arches. – Für das Plakat zur Ausstellung der Galerie Lucie Weill, Paris 1960, wurde ein Ausschnitt der Radierung »Alceando a un toro«, dem abschließenden Blatt der »Tauromaquia« von 1957, als Lichtdruck reproduziert und von Picasso authorisiert. – Mit blauem Kreidestift signiert.

Minimale diagonale Knickspur.

Rodrigo 102. – Czwiklitzer dtv 172. – Vgl. Bloch 976

  696    Dieter Roth. Mein Auge ist ein Mund.

€ 250

Zweifarbige Radierung. 1966/1968. 50,0 : 39,5 cm (75 : 36 cm). Signiert.

Eins von 750 Exemplaren. – Auf weißem Bütten. – Im Entstehungsjahr wurden nur wenige Probe-Handabzüge gedruckt. – Die erste Dieter Roth-Arbeit in der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg.

Kann mit Rahmen erworben werden, Mehrkosten: 80 EUR. – Freistehend gerahmt, nicht außerhalb des Rahmens begutachtet. – Farbfrisch und sehr gut erhalten.

Dobke 66 II (von II). – Griffelkunst 172 A4

  697    Dieter Roth. 4 Löwen.

€ 450

Farbserigraphie. 1973. 64,0 : 77,5 cm. Signiert, datiert und nummeriert.

Exemplar 85/100. – Auf weißem Bütten. – Durch unterschiedliche Kombination der sechs verwendeten Druckfarben entstanden 100 Unikate, weitere 30 waren dem Künstler vorbehalten. – Gedruckt von Frank Kicherer, Stuttgart. – Ediert vom Kunstverein Hamburg.

Kann mit Rahmen erworben werden, Mehrkosten: 80 EUR. – Freistehend gerahmt, nicht außerhalb der Rahmung begutachtet. Kleine Flecken (eventuell durchschlagende Montierungsspuren) am äußersten linken und am oberen Rand.

Dobke 271

  698    Dieter Roth. Taschenzimmer.

€ 400

Materialcollage. 1987. 10,7 : 7,3 : 1,8 cm. Monogrammiert und datiert.

Seit 1968 in unnummerierter Auflage innerhalb der Reihe »Kleinkunst im Haushalt« erschienen. – Auf die gestempelte Zeichnung eines Tisches wurde eine Bananenscheibe genagelt, deren stets unterschiedlicher Verfallsprozess bildhafte Wirkung erreicht. – In der originalen Kunststoff-Spielkartenkassette. – Ediert vom VICE-Verlag. – Ohne die Kartonschachtel. – Der Acrylglasdeckel etwas matt.

Dobke, Bücher + Editionen, Seite 25 mit zwei Abbildungen. – Slg. Schnepel R5-49

  699    Christian Schad. Sechs Holzschnitte.

€ 500

1915–1917/1971. Ca. 18: 12 cm (35 : 30 cm). Signiert, datiert und betitelt.

Eins von 100 Exemplaren. – Die vollständige Folge, erschienen in der Edition Panderma von Carl Laszlo, Basel, enthält folgende Holzschnitte: Selbstbildnis. 1915. – Vor dem Ballett. 1915. – Midinette. 1915. – Mme. de B. 1915. – Verräterin. 1917. – Mrs. de Marville. 1917. – Lose in der Originalumschlagmappe. – Von seinen frühen Holzschnitten druckte der Künstler in der Entstehungszeit meist nur einzelne Handabzüge.

Zwei Blätter mit schmalem Knick am linken Rand.

700  Otto Schubert. Bei uns.

€ 600

20 Radierungen und eine Titelradierung. 1920. Meist ca. 33 : 25 cm. Signiert, mit den Blattnummern und »Selbstdruck« bezeichnet.

Sehr selten graphische Folge, 1923 erschien eine zweite Folge. – Auf der Titelradierung, die auch die 20 Bildtitel auflistet, vom Künstler eigenhändig als »Außerhalb der Auflage · Probemappe« bezeichnet. – Otto Schubert radierte hier Szenen aus seinem ländlich-familiären Leben am Dresdner Borsberg, die Mappe erschien im Eigenverlag. Im selben Jahr entstand, mit sehr ähnlichen Motiven, das für Schuberts Kinder konzipierte Bilderbuch »für Tyll und Nele« mit Farbholzschnitten. – Die Radierungen auf Japanbütten, jede in Passepartout und diese lose in einer Halbleinenmappe mit dem Titel in Stempeldruck. – Otto Schubert (1892–1972) studierte von 1906 bis 1909 an der Dresdner Kunst- und Gewerbeschule, wurde Bühnenmaler und hatte erste Erfolge mit Illustrationsfolgen. Er gehörte zu den Begründern der Dresdener Sezession und kam in Kontakt zu den Verlegern Reinhard Piper und Alfred Flechtheim. Ein Großteil seiner Arbeiten wurde bei der Bombardierung Dresdens 1945 zerstört.

40 : 33 cm (Mappe).

Sennewald 192, 20.8. – Vgl. Katalog Lindenau-Museum, das in seinem umfangreichen Schubert-Bestand nur die zweite Folge besitzt

701  Ronald Searle. Germany. Berlin Wall. Holiday.

€ 2500

(Friedensengel auf der Berliner Mauer). Tusche und Aquarell. 1963. 49,0 : 36,8 cm. Signiert, datiert und betitelt.

Die vielfach reproduzierte Zeichnung ist ein der markantesten Motive in der Serie zur Berliner Mauer. – Auf Zeichenkarton, dieser auf Pappe aufgezogen. – Rückseitig mit Ausstellungsaufkleber der Bianchini Gallery, New York, mit Katalognummer (?) »#99«. – Der britische Künstler Ronald Searle (1920–2011) zählt zu den renommiertesten Karikaturisten des 20. Jahrhunderts. Unvergessen sind seine »St. Trinian’s« Cartoons (1948). Anfang der 1960er Jahre entstanden mehrere Serien zur bundesdeutschen Gegenwart. – Aus dem Besitz des Hamburger Stern-Karikaturisten Peter Neugebauer.

702  Ronald Searle. Buxtehude.

€ 1200

Tuschzeichnung, laviert. 1964. 50 : 38 cm. Signiert, datiert und betitelt.

In umfangreichen Folgen dokumentierte der Karikaturist Ronald Searle seine Eindrücke während einer Deutschlandsreise in den frühen 1960er Jahren. – Auf weiß gestrichener Malpappe. – Ehemals Sammlung Peter Neugebauer, Hamburg. – Rückseitig nochmals betitelt und mit Searles eigenhändig notierter Pariser Anschrift.

  703    Heinrich Siepmann. Ohne Titel.

€ 400

Collage (Wellpappe und Karton), bemalt und auf Gouache montiert. 1989. 28,0 : 39,5 cm (50,0 : 39,5 cm). Signiert und datiert.

Mehrschichtig erweitert sich die Bildgröße, erst auf dem vollen weißen Bogen signiert und datiert. – Heinrich Siepmann (1904–2002) studierte an der Folkwang-Schule Essen. Beeinflusst von den geometrisierten Bildkompositionen der Bauhauszeit setzte er nach Kriegsende, inzwischen Mitglied der Recklinghausener Künstlergruppe »junger westen«, dieses Gestaltungsprinzip konsequent fort und blieb ihm bis ins hohe Alter treu.

  704    Renée Sintenis. Junge mit Fohlen.

€ 200

Radierung. 21,8 : 17,0 cm (38,2 : 27,3 cm). Signiert.

Auf festem, leicht getöntem Karton. – Unten rechts Besitzvermerk »Erich Lüth«, wohl der Hamburger Publizist (1902–1989).

Leicht gebräunt, rückseitig umlaufend Montierungsreste.

  705    Jiri Sliva. Kamikatze. – Patent. – Chat Neuf du Pape.

€ 400

Drei Farblithographien. Signiert und nummeriert.

Aus Auflagen von 55 bis 65 Exemplaren. – Formate: 24 : 19 cm (50 : 40 cm). – 31,5 : 39,5 (47 : 53 cm). – 24 : 32 cm (43 : 33 cm). – Jiro Sliva (geboren 1947) ist einer der bekanntesten tschechischen Karikaturisten und Illustratoren. Er vermengt in seinen Arbeiten naive mit surrealistischen Motiven.

Können in den gleichartigen Rahmen erworben werden, Aufpreis inkl. Versand 150 EUR. – Auf glattem Karton. – Alle gerahmt, im Passepartoutausschnitt unterschiedlich stark gebräunt, Blatt 2 mit kleinem Braunfleck im Unterrand.

706  Eugen Spiro. Das Podium.

€ 600

Künstlergesten aus dem Concertsaal. 34 Lithographien. Ca. 30 : 25 cm. Signiert.

Exemplar 44/55. – Erste Ausgabe, später erschienen 30 Mappen mit drei zusätzlichen Blättern. – Die Lithographien wurden auf Japan gedruckt und blattweise signiert. Jede in Passepartout mit der faksimilierten Signatur des jeweiligen Künstlers. – Mit Porträts berühmter Musiker, Dirigenten und Sänger der Zeit, u. a. Arthur Nikisch (2), Lilli Lehmann, Ferruccio Busoni (2), Carl Flesch, Artur Schnabel (2), Richard Strauss, Claire Dux, Leo Slezak, Franz von Vecsey, Arnold Rosé sowie Hess-Quartett und Rosé-Quartett. – Mit dem lithographierten Widmungsblatt für Arthur Rosenheim und dem Inhaltsverzeichnis lose in der Originalmappe mit Deckellithographie. – Vollständig selten zu finden.

Mappe mit leichten Alterungsspuren, Rücken mit aufgeklebtem Titeletikett.

Thieme/Becker XXXI, 390 (datiert 1906). – Sennewald 293 (ca. 1920)

707  Hermann Struck. Porträt Albert Einstein.

€ 1000

Kaltnadelradierung. 1920. 19,8 : 14,1 cm (28 : 22 cm). Signiert und nummeriert, in der Platte monogrammiert und datiert. Am Unterrand von Albert Einstein signiert.

Exemplar 20/150. – Eins von 50 Exemplaren, die auch vom Porträtierten signiert wurden, so als Blatt 1 in der Vorzugsausgabe der Mappe »Köpfe 1920«, der 1921 und 1922 noch zwei weitere Mappen folgten. – Auf Bütten. – Es ist überliefert, dass Albert Einstein von diesem 1919 entstandenen Porträt nicht sonderlich begeistert gewesen sein soll. – 1919 bestätigt die Auswertung einer Sonnenfinsternis die von Einstein vorhergesagte Krümmung des Lichts im Schwerfeld der Sonne und machte den Physiker weltberühmt.

Umlaufend etwas beschnitten, rückseitig leicht gebräunt. – In Passepartout montiert.

Katalog Lindenau-Museum 6003. – Bei Söhn nur die beiden späteren Mappen

708  Hermann Struck. Hochzeitsreise 1920.

€ 1200

17 Lithographien. 1920. Signiert.

Exemplar 7/30. – Enthält folgende Ansichten: Elbufer, Bad Schandau, München, Bozen (2), Meran, Trento, Gardasee, Venedig (9). – Die Lithographien auf unterschiedlichen Papieren, einzeln signiert und in Passepartouts montiert. – Mit dem Titelblatt (mit signiertem Auflagenvermerk und der Bildliste) in Originalhalbleinenmappe. – Die Steine wurden nach dem Druck abgeschliffen. – Sehr selten, wir konnten bei artprice kein Exemplar nachweisen. In der Auktion der Sammlung Stinnes (1936) ist Exemplar 1/30 unter KatNr. 1256 identisch beschrieben.

44 : 33 cm (Mappe). – Mappendeckel etwas stockfleckig. Mappenflügel in den Gelenken eingerissen.

709  Hermann Struck. Amerikanische Reisebilder.

€ 2000

44 Lithographien. 1922. Signiert. 35 : 45 cm (Mappenformat). Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1922.

»Archiv-Exemplar I«, wie die fünf Vorzugsexemplare in zwei Ganzledermappen mit goldgeprägten Titeln (Gesamtauflage 45). – Die vollständige Folge, u. a. mit folgenden Ansichten: New York (»Wolkenkratzer«, Hochbahn, Central Park, Freiheitsstatue, Metropolitan Opera, Brooklyn u. v. m.), Chicago, Lake Michigan und Niagara-Fälle. – Hermann Struck (1876–1944) bereiste noch vor dem Ersten Weltkrieg Palästina (1903), Schweden, England und die USA (1912/13). Seine graphischen Eindrücke veröffentlichte er erst nach dem Krieg, teils als Mappenwerke, teils mit Texten von Arthur Holitscher (Palästina, Amerika) und Hermann Hesse (Italien). – »Amerikanische Reisebilder« erschien als erste »Tillgner-Mappe« zeitgleich mit dem ersten »Tillgner-Druck« (Struck/Holitscher, Amerika, allerdings mit Radierungen). – Alle Lithographien auf Japanpapier, signiert und in Passepartout. Je 22 mit einem Titelblatt in den beiden dunkelblauen Originalmaroquinledermappen. – Sehr selten, zumal in der Vorzugsausgabe.

Die Mappen leicht fleckig und berieben. – 6 Lithographien etwas stockfleckig. – Einige Lithographien mit abweichenden Exemplarnummern und Auflagen nummeriert.

Nicht bei Thieme/Becker

  710    Théo Tobiasse. Les fruits de Brugges.

€ 300

Farblithographie. Um 1980. 50,0 : 65,5 cm (57,5 : 77,5 cm). Signiert und nummeriert.

»EA XXV/XXV«. – Eins von 25 Künstlerexemplaren, auf Japon nacré. – Farbenprächtige Lithographie des französischen Künstlers (1927–2012), der bereits als Kind mit seinen Eltern aus Palästina nach Paris kam.

Vier Anheftungen leicht durchschlagend.

711  Heinrich Vogeler. Im Mai.

€ 400 ( R16 )

Aquatintaradierung. 1897. 34,4 : 25,0 cm (38,2 : 28,0 cm). Signiert.

Eins von 50 signierten Exemplaren auf Japan, dabei eins aus der in Braun gedruckten Teilauflage. – Nuancierter Frühdruck mit dem Käfer als Remarque im Plattenrand.

Kann mit Rahmen erworben werden, Aufpreis inkl. Versand 100 EUR. – Wohl auf Japan aufgezogen und deutlich beschnitten. Die äußersten Papierränder gebräunt und mit zwei kleinen Kugelschreibermarkierungen.

Rief 16 II b (von II d)

712  Paul Wunderlich. Landschaft.

€ 450

Radierung. Um 1952. 9,0 : 34,7 cm (23,8 : 51,8 cm). Signiert.

Nicht im Werkverzeichnis der Druckgraphik. – Im Frühwerk Paul Wunderlichs finden sich (datiert 1952) einzelne Radierungen ähnlichen Sujets und Formats, wie die vorliegende ohne Auflage. Schon Mitte der 1950er Jahre wandelte sich das graphische Œuvre, nach Selbststudium der Lithographie (1957/58) auch im Hinblick auf die verwendete Technik. – Wir danken der Edition Huber in Offenbach für freundliche Auskunft und mündliche Expertise.

Leicht gebräunt, rechts unten Wasserrand.

713  Ellen Auerbach. Das Wirkliche als Komposition.

€ 1000

Sechs Fotografien. 1930–1954/2012. 30,5 : 24,0 cm.

Vollständige Folge von sechs Fotografien, die einen Überblick auf das vielfältige Œuvre der Fotografin bieten: Werbefotografie von 1930, Leben in Amerika 1940er-1954 u. a. – Abgezogen von den Originalnegativen aus dem Nachlass in der Kunstsammlung der Akademie der Künste, Berlin. – Während ihrer Ausbildung beim Bauhaus-Fotografen Walter Peterhans lernte Ellen Rosenberg, die 1937 Walter Auerbach heiratete, 1929 Grete Stern kennen und eröffnete mit ihr für wenige Jahre das Fotostudio »ringl + pit«. – Ediert von der Griffelkunst Hamburg, 346 C1–6. – Mit dem Textheft in der Originalhalbleinenmappe.

  714    Karl-Heinz Bast. Ezra Pound.

€ 300

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1972. 38,7 29,7 cm. Signiert, rückseitig betitelt und mit dem Copyright-Stempel des Fotografen.

Das markante Porträtfoto entstand im Todesjahr des Dichters in Venedig. – Karl-Heinz Bast (geboren 1937) war seit 1960 als freier Bildjournalist in Bonn u. a. für FAZ, Süddeutsche, Stern und Die Zeit tätig. Bekannt wurde er auch durch seine Porträtfotografien von Konrad Adenauer, Oskar Kokoschka, Mark Tobey, Leonor Fini, Antoni Clavé, Max Ernst, Ezra Pound, Heinrich Böll, Günter Grass, Marcel Marceau u. a.

  715    Anna und Bernhard Blume. Waldeslust. – Im Holz. – Auf der Schwarzwaldhöhe.

€ 450

Duplex-Offsetdrucke mit Lack, nach Fotografien. 1982–1985/2000. 50,0 : 31,5 cm (65,0 : 43,2 cm). Signiert, datiert und betitelt.

Fast schonungslos dokumentarische Fotografien des Künstlerpaars, die Bildinhalte konterkarieren die Bildtitel (oder umgekehrt). – Auf festem Offsetkarton. – Die vollständige von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg edierte dreiteilige Folge, Editionsnummern 298 B4–6. – Tadellos erhalten.

  716    Anna und Bernhard Blume. 6 eingefleischte Tatsachen.

€ 250

Sechs Farboffsetdrucke nach Polaroidfotos. 1996/97. 15,8 : 12,4 cm (50,0 : 35,5 cm). Signiert.

Vollständige Folge mit Titel- und Textblatt im Originalumschlag. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 286 A1–6.

717  Andreas Feininger. Schiffe auf dem East River, New York.

€ 450

Fotografie. 1940/2010. 30,5 : 39,5 cm (39,5 : 49,5 cm).

Großformatiger Abzug vom Originalnegativ aus dem Nachlass. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer E 463. – Tadellos.

718  Andreas Feininger. Fischmarkt in der South Street, New York.

€ 400

Fotografie. 1940/2010. 39,5 : 30,5 cm (49,5 : 39,5 cm).

Großformatiger Abzug vom Originalnegativ aus dem Nachlass. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer E 464. – Tadellos.

719  Tim Gidal. Hamburg, Gängeviertel 1929.

€ 1200

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 21 : 16,8 cm. Rückseitig signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

Rückseitig später signiert und betitelt sowie zusätzlich mit englischen Angaben »early print«, »Hamburg. Red light district 1929« »open flash (powder, a big load!)« sowie Stempeln und Maßangaben. – In Tim Gidals Publikation »Chronisten des Lebens« (S. 82) betitelt: »Eine Gasse im Hamburger Arbeiterviertel«. – Eine der frühesten Aufnahmen des damals gerade 20jährigen. Nach Anmerkung bei Hans-Michael Koetzle schenkte ihm sein Bruder 1929 die erste Leica und noch im selben Jahr folgte eine erste Veröffentlichung in der »Münchner Illustrierten«.

720  Tim Gidal. München, Englischer Garten, Dec. 1929.

€ 1200

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1929. 23,1 : 16,8 cm. Rückseitig signiert, datiert und betitelt sowie beschriftet.

Sehr frühe Aufnahme des damals gerade 20jährigen. Tim Gidal (1909–1996) war durch seinen Bruder Georg, der Pressefotograf war, zum Fotografieren gekommen. Bereits 1929 arbeitete er als Fotojournalist und gilt als Pionier dieses Berufsbildes. – Wie meist bei Aufnahmen aus seinem privaten Archiv auch hier mit zahlreichen Beschriftungen und Stempeln auf der Rückseite. Nach Bericht seines Sohnes vertrat Gidal die Auffassung, Fotos könne man, wenn schon nur rückseitig, gar nicht oft genug signieren. Hier finden sich, außer Titel, Datierung und Signatur noch der zusätzliche Bildtitel »Einsam bin ich nicht, – alleine …« mit dem Zusatz »(Interpunktion beachten)«, zwei Copyright-Stempel sowie die Widmung »for Peter with love Dad«.

721  Tim Gidal. Fishing barges in Marseilles (Invasion fleet).

€ 1000

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1930. 18,3 : 12,0 cm. Rückseitig signiert, betitelt und bezeichnet.

Wohl auf einer der ersten Reisen Gidals entstanden und deutliches Beispiel für seine Kombination aus künstlerischer Komposition und dokumentarischem Inhalt. – Rückseitig betitelt (erste Zeile nachträglich gestrichen), mit Stempel »Photo by Tim Gidal« und signiertem Bleistifthinweis »Vintage print 1930« sowie »for Peter«.

Linke untere Ecke mit kleinem Knick.

722  Tim Gidal. Fernsehgesicht, München 1930.

€ 900

Fotografie. Silbergelatine. 15,0 : 12,6 cm. Rückseitig signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

Experimentelle Fotografie. – Rückseitig zusätzlich beschriftet »veröffentlicht 1930 in der Münchner Illustrierten Presse« und später »not certain whether vintage print or not. Can’t remember! TG« und »probably vintage print 1930 | (TG 1990)«. – Einige Maßangaben für Reproduktion und Montagespuren.

723  Tim Gidal. Anna Freud und Dr. Stekel, Luzern 1934.

€ 900

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1934. 16,7 : 22,0 cm. Unten rechts signiert und datiert, rückseitig nochmals signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

1934 hatte Tim Gidal als Fotoreporter den 13. Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Luzern dokumentiert. – Dort entstand dieses spontane Porträt von der Tochter Sigmund Freuds und Wilhelm Stekel, dem bedeutenden Wiener Psychoanalytiker. – Rückseitig ausführlich beschriftet, hier u. a. mit zweiter, späterer Signatur, Archivnummern und Copyrightstempel.

Zwei Klebereste von ehemaliger Montage.

724  Tim Gidal. Pin ups on the Ceiling of the Sheikh of Kuwait’s Room.

€ 1800

Queens and Actresses. Kuwait 1942. Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 29,1 : 21,8 cm. Signiert und datiert, rückseitig nochmals signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

Die großartige Fotografie entstand während Gidals Einsatz als Bildreporter der »Eighth Army« in Arabien. Die dokumentarische Aufnahme erfasst die an die Saaldecke montierten Porträts und einen dort sichtbaren Deckenventilator – und nur dieser ermöglicht es dem Betrachter, die Blickrichtung des Fotographen nachzuvollziehen. – Rückseitig – wie meist bei Gidals Aufnahmen – ausführlich beschriftet, hier u. a. mit monogrammiertem Zusatz »Eigener Vintage Print 1943«, Widmung »für Pia TG« (seit 1980 Gidals zweite Ehefrau), zwei Angaben zu den Porträts und zwei Stempeln.

Linke untere Ecke mit winzigem Knick. – Rückseitig Klebereste von ehemaliger Montage.

725  Tim Gidal. Alexandria.

€ 1200

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1943. 17,5 : 12,0 cm. Rückseitig signiert, betitelt, datiert und ausführlich beschriftet.

Rückseitig auch mit mehreren Stempeln, u. a. »Pictorial Press, London«. Tim Gidal war 1936 für kurze Zeit nach Palästina emigriert. Von 1938 bis 1947 arbeitete er in London für »Picture Post« und »Parade«, das Magazin der »Eighth Army«. Dieser Großverband des britischen Heeres war von 1941 bis 1943 in Ägypten eingesetzt.

Winzige Druckspuren in der Bildschicht.

726  Tim Gidal. C. G. Jung.

€ 900

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. 1958. 16,8 : 25,3 cm. Rückseitig signiert, betitelt und bezeichnet.

Ende 1957 hatte Tim Gidal (1909–1996), der damals in den USA lebte, den Psychiater Carl Gustav Jung (1875–1961) in der Schweiz besucht. Es entstanden mehrere Aufnahmen in dessen Haus, hier in der Bibliothek. – Rückseitig signiert, betitelt, datiert und beschriftet: »vintage print || only print in existance | must be returned«. – Mit dem Jerusalemer Adressaufkleber (Gidal lebte von 1936 bis 1948 und von 1970 bis 1996 in Palästina bzw. Israel), einem Copyright-Stempel und einigen Archivnummern.

Ecken minimal bestoßen.

  727    Nan Goldin. April in the window, N. Y. C.

€ 450

Fotografie, Cibachrome. 1983/1996. 30,5 : 40,5 cm. Rückseitig signiert.

Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer 282 A3. – Tadellos.

  728    Nan Goldin. Kee in bed, E. Hampton, N. Y.

€ 450

Fotografie, Cibachrome. 1988/1996. 30,5 : 40,5 cm. Rückseitig signiert.

Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer 282 A5. – Tadellos.

729  Richard Hamilton. Whitley Bay.

€ 450

Kolorierte Fotografie mit farbigem Siebdruck. 1969. 10,5 : 15,5 cm.

Eins von wohl 150 unikalen Exemplaren. – Die Karte basiert auf dem gleichnamigen Gemälde von 1965 und wurde als Einladung der Robert Fraser Gallery verschickt. – Hamilton kolorierte die gerasterte Fotografie mit pastellartigen farbigen Tinten und akzentuierte jedes Exemplar unterschiedlich mit kleinen roten Farbsprenkeln. – Robert Frasers Galerie im Londoner Stadtteil Marylebone zählte zu den wichtigsten Plätzen der Pop-Art. Die Galerie und ihr Besitzer waren in den 1960er Jahren skandalträchtig und medienpresent: Drogenrazzien, Jim Dines teils aufgelöste Ausstellung und der erste Gilbert & George-Auftritt waren »Höhepunkte« dieser Zeit. 1969 wurde die Galerie geschlossen. – Richard Hamilton steuerte 1968 ein Poster zum »White Album« der Beatles bei, Rob Fraser entwickelte das Logo und den Namen der Beatles-Firma »Apple Corps«.

730  Gerhard Kerff. Duisburg. Kanalbrücken.

€ 600

Fünf Fotografien. Um 1935. 39,8 : 28,8 cm bzw. 29,8 : 23,8 cm.

Gerhard Kerff war während seines Studiums an der TH Stuttgart 1930/31 Praktikant beim Hochbauamt in Duisburg. Nach seinem Diplomabschluss arbeitete er ab 1934 im Atelier Heinrich Blecken in Duisburg. Die Aufnahmen könnten zu seinen frühesten Arbeiten zählen, die vorliegenden Abzüge entstanden sicher später. – Aus dem Nachlass der Lebensgefährtin des Fotografen. – Der großformatige Abzug rückseitig mit ihrem Besitzvermerk und wohl von ihr betitelt, die weiteren vier Abzüge ohne Hinweise.

Gerhard Kerff (1908–2001) arbeitete nach Kriegsende zunächst als Architekt in Hamburg, von 1967 bis 1973 hiesiger Baudirektors. Obwohl lebenslang nur Amateur-Fotograf, war er auf diesem Gebiet so professionell, dass Albert Renger-Patzsch, der Kerff 1932 in einem Kurs für Amateurfotografen kennengelernt hatte, sein Mentor wurde. Zahlreiche Briefe belegen die Entwicklung Kerffs »zu einem Fachmann auf Augenhöhe«, der Renger-Patzsch in technischen und gestalterischen Fragen beriet. Beide konzentrierten sich auf Architektur- und Landschaftsfotografie. Aufnahmen von Gerhard Kerff, die ab 1941 während vieler Reisen entstanden, wurden u. a. im Reisemagazin »Merian« veröffentlicht. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe erhielt von Kerff tausende Fotografien sowie die gesamte Korrespondenz mit Renger-Patzsch. 2010 wurde der Nachlass an das Albert Renger-Patzsch Archiv der Münchner Stiftung Ann und Jürgen Wilde angegliedert.

731  Gerhard Kerff. Schleswig. Grabstein.

€ 300

Fotografie. Silbergelatine. 1938. 36 : 27 cm.

Späterer Abzug. – Rückseitig mit »Foto Kerff« signiert, betitel und mit »ca. 1936« datiert. – Aus dem Nachlass der Lebensgefährtin des Fotografen.

732  Gerhard Kerff. Rügen Waldbild.

€ 450

Fotografie. 29,0 : 23,5 cm. Rückseitig signiert und betitelt.

Sehr schöne Aufnahme, die Kerffs große Begeisterung für Landschaftsaufnahmen beweist. Diese, wie auch die Abneigung gegen Porträtfotografie, teilte er mit Albert Renger-Patzsch. – Rückseitig – außer der Bezeichnung »Foto Kerff« und dem Titel – mit mehreren Nummern und Maßangaben.

733  Gerhard Kerff. Nachtaufnahme.

€ 400

Fotografie. Silbergelatine, vintage print. Um 1950. 23,2 : 17,2 cm. Rückseitig stempelsigniert und eigenhändig betitelt.

Auf Agfa-Brovira. – I. Rückseitig mit dem Atelierstempel des Fotografen und detallierter Bezeichnung: »Nachtaufnahme || Baum, von Scheinwerfern eine Ausstellung angestrahlt || 9/12 Aufn. Bl 22 4 Minuten«. – Dazu: Gerhard Kerff. Welkes Schilf. Fotografie. Um 1950. 17,2 : 23,2 cm.

  734    Gerhard Kerff. Landschaft in Osttirol bei Sillian.

€ 300

Fotografie. 29,8 : 39,8 cm. Rückseitig betitelt.

Rückseitig mit Atelierstempel und betitelt. – Aus dem Nachlass der Lebensgefährtin des Fotografen.

735  Gerhard Kerff. Fischernetze bei Flensburg.

€ 450

Fotografie. Silbergelatine, vintage. 58,5 : 48,3 cm.

Aufgezogen und mit Aufhängern versehen. – Rückseitig von fremder Hand betitelt, datiert und bezeichnet. – Aus dem Nachlass der Lebensgefährtin des Fotografen.

Links oben leicht fleckig, durch die Montage an den Rändern leicht gewellt.

736  Gerhard Kerff. Reihungen.

€ 600

Vier Fotografien. 24 : 30 cm, ein Hochformat.

Fischräucherei. – Eisenketten. – Bäume. – Dachfenster. – Alle auf dünnem Agfa-Papier. – Eine Fotografie rückseitig mit Schenkungsvermerk.

737  Gerhard Kerff. Hamburg. Unilever-Hochhaus. Gängeviertel.

€ 300

Zwei Fotografien. Um 1965. 29,6 : 21,5 cm und 27,3 : 22,3 cm.

Georg Kerff war von 1967 bis 1973 Baudirektor in Hamburg. Die Fotografie dokumentiert künstlerisch gestaltet den Gegensatz zwischen dem damals neuen Bürohochhaus (erbaut 1964) und einer der langjährigsten »Wunden« im Hamburger Stadtbild, dem Häuserkomplex des Gängeviertels Valentinskamp.

  738    Daniel Gustav Kramer. Untitled (from Woodland).

€ 1000

Fotografie, C-Print. 2004. 41 : 41 cm. Auf dem Rahmenaufkleber signiert, datiert, nummeriert und betitelt.

Exemplar 1/5. – In Museumsrahmung. – Rahmen rückseitig mit Aufkleber »Büro für Fotos | Köln«, das die Serie »Woodland« gemeinsam mit Domobaal Gallery, London, und Casa D´Os Dias da Agua, Lissabon präsentierte. – Daniel Gustav Kramer, geboren 1975, lebt und arbeitet in Berlin. – In Galerierahmung, zur Bearbeitung nicht geöffnet.

  739    Herbert List. Vedute Romane.

€ 450

Sechs Fotografien. 1949–1953/2013. 23,0 : 18,5 cm (30,0 : 23,7 cm).

Die vollständige Auswahlfolge. – Abgezogen von den Originalnegativen aus dem Nachlass des Fotografen (1903–1975). – Mit folgenden schönen Ansichten aus der Ewigen Stadt: Blick auf die Säule des Kaisers Trajan. 1949. – Fischer auf dem Tiber vor der Engelsbrücke. 1949. – Antiker Pferdekopf in den Thermen des Diocletioan. 1949. – Morgendliches Saubermachen auf dem Piazza Venezia. 1949. – Feierabend in Travestere. 1953. – Luftballons vor der Fontana di Trevi. 1950. – Mit dem Textheft in der Originalhalbleinenmappe. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 351 B1–6.

740  Ernst Jünger – Stefan Moses. Ernst Jünger Wilflingen Trauerzug.

€ 600

Fotografie (Vintage). 1998. 30,4 : 40,6 cm. Rückseitig siginert und betitelt.

Großformatiger Abzug vom überarbeiteten Negativ. – Rückseitig mit silbernem Faserstift signiert und betitelt, mit dem Copyright-Aufkleber des Fotografen und von fremder Hand nochmals mit Bleistift betitelt. – Am 17. Februar 1998 war Ernst Jünger, kurz vor seinem 103. Geburtstag, gestorben. Am 21. Februar fand in seinem langjährigen Wohn- und Schaffensort, dem oberschwäbischen Wilflingen, die Beisetzung statt. – Stefan Moses (1928–2018), der Jünger mehrfach porträtiert hatte, dokumentierte auf der vorliegenden Aufnahme die rege Beteiligung an diesem Ereignis.

Rechter Rand mit minimal Griffspuren.

741  Albert Renger-Patzsch. San Zeno Verona.

€ 2500

Sieben Fotografien. Silbergelatine, vintage prints auf Agfa-Brovira-Papier. 1935. Ca. 17 : 23 cm.

I. Blick über die Piazza San Zeno mit Abtei- und Glockenturm. – II. Westfassade. – III. Portal mit den Reliefs und Bronzetüren. – IV. Die die Basilika-Säulen tragenden Löwen. – V. Lettner mit den Figuren von Christus und den Aposteln, unten der Abgang zur Krypta. – VI und VII. Drei Apostel (zwei Aufnahmen). – Rückseitig mit dem Essener Atelier-Stempel »Renger-Foto D.W.B.« und nummeriert. – Albert Renger-Patzsch (1897–1966) gilt als Fotopionier der Neuen Sachlichkeit. 1928 erschien sein wegweisendes Buch »Die Welt ist schön«, angeregt durch seine Bekanntschaft mit Carl Georg Heise und Hans Mardersteig im Kurt Wolff Verlag. Hans Mardersteig, mittlerweile mit seiner Officina Bodoni in Verona ansässig, plante Mitte der 1930er Jahre einen Fotoband über Verona und die dortige Kirche San Zeno, eine der schönsten romanischen Kirchen Italiens. Das Projekt wurde nie realisiert, die Fotografien verblieben im Familienbesitz des Verlegers.

  742    Jaroslav Rössler. Abstrakte Photographie.

€ 600

Sechs Fotografien. 1923–1961/2009. 30,5 : 24,0 cm.

Die vollständige Auswahlfolge. – Abzüge von den Originalnegativen im Nachlass des Künstlers. – Jaroslav Rössler (1902–1990) stellte 1924 in Paris aus. 1926 wurde er eines der jüngsten Mitglieder in der Prager Künstlergruppe »Devetsil«, lebte damals aber bereits in Paris. Erst 1966 wurde man durch die Surrealismus-Fotoausstellungen in Brünn und Bratislava wieder auf ihn und sein Nachkriegsœuvre aufmerksam. – Die abstrakten Stillleben entstanden teils vor, teils nach dem Zweiten Weltkrieg. – Mit dem Textheft in der Originalhalbleinenmappe. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 336 A1–6.

  743    J. Roseman. 31 Fotografien von Gemälden Moïse Kislings.

€ 750

Silbergelatine, vintage prints. Um 1925. Ca. 25 : 20 cm. Rückseitig mit dem Atelier- und dem Copyright-Stempel des Fotografen und alle eigenhändig(?) betitelt.

Der für die fotografische Reproduktion von Kunstwerken der Moderne bekannte J. Roseman (bekannt sind von ihm Aufnahmen mit Skulpturen Archipenkos und Rodins), war im Paris der 1920er Jahre tätig. Sein Atelier befand sich am Boulevard Raspail. – Moïse Kisling (1891–1953) studierte in Krakau bevor er 1910, als junger Mann, nach Paris kam. Nach dem ersten Weltkrieg verkehrte er in der berühmten Künstlerkolonie »La Ruche« (der Bienenkorb), im 15. Arrondissement, zeitweise mit Guillaume Apollinaire, Alexander Archipenko, Ossip Zadkine, Marc Chagall, Max Pechstein, Amedeo Modigliani (der ihn porträtierte) u. v. a. – Der dokumentarische Wert der 31 großformatigen Fotografien wird durch Angaben zu den damaligen Eigentümern auf jedem Foto gesteigert. Namentlich werden Sammler in Berlin, Köln, Paris, Oslo und Philadelphia genannt – die DSGVO galt damals noch nicht. – Alle sehr gut erhalten. – Aus einer Berliner Privatsammlung.

  744    Christian Schad. Schadographien.

€ 300

Sechs Photogramme. 1962–1975/2000. 21,5 : 16,5 cm (30,3 : 23,8 cm).

Die vollständige Auswahlfolge mit den Schadographien 44, 57, 59, 63 und 75b, entstanden 1962/63 und 126, entstanden 1975. – Christian Schad (1894–1982) hatte bereits in seiner Dada-Zeit 1919 erste Photogramme geschaffen. Diese Bilder entstanden durch die Belichtung von Fotopapier mit aufgelegten Objekten. In den 1960er Jahren wandte er sich dieser künstlerischen Gestaltungsform nochmals zu. – Mit dem Textblatt in der Originalhalbleinenmappe. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 297 A1–6.

745  Andreas Slominski. Ohne Titel [Brennende Mühle].

€ 600

Serigraphie nach einem Foto. 1996. 32,1 : 41,8 cm (50: 60 cm). Recto und verso mit dem Fingerabdruck des Künstlers signiert, rückseitig nummeriert.

Exemplar 30/100. – Erschienen zur Vorzugsausgabe des Kataoges »Mühlen/Mills«, herausgegeben von der Galerie Jablonka, Köln. – Der Fingerabdruck auf der Bildseite farblos, der rückseitige in Blau. – Andreas Slominski (geboren 1959) studierte in Hamburg. Nach einer Professur in Karlsruhe übernahm er 2004 an der Hamburger Hochschule die Nachfolge von Franz Erhard Walther.

Kleiner Lackfleck im linken Papierrand, sonst sehr gut erhalten.

  746    Ré Soupault. Photographin der magischen Sekunde.

€ 400

Sechs Fotografien. 1934–1936/2011. 30,5 : 23,8 cm.

Die vollständige Auswahlfolge. – Abgezogen von den Originalnegativen aus dem Nachlass der Fotografin (1901–1996). – Die Folge beinhaltet zwei Straßenszenen, zwei Aufnahmen des Bahnhofs St. Lazare in Paris und zwei von einem Fest zum Wahlsieg der Volksfront unter Léon Blum, Paris 1936. – Mit dem Textheft in der Originalhalbleinenmappe. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 343 B1–6.

  747    Karin Szekessy. Paul Wunderlich mit Hund.

€ 180

Lichtdruck nach Fotografie. 1975. 65 : 50 cm. Signiert und nummeriert.

Exemplar 88/100. – Das berühmte Hamburg-Porträt der Fotografin Karin Szekessy (geboren 1938). Sie unterrichtete Ende der 1960er Jahre Modefotografie an der Werkkunstschule Hamburg. 1971 heiratete sie den Hamburger Künstler Paul Wunderlich (1927–2010). In den folgenden Jahrzehnten entstanden viele Gemeinschaftsarbeiten.

  748    Raoul Ubac. Ein tachistischer Photograph avant la lettre.

€ 450

Sechs Fotografien. 1932–1949/2008. 25,5 : 19,0 cm (30,5 : 24,0 cm).

Die vollständige Auswahlfolge. – Abzüge von den Originalnegativen im Nachlass des Künstlers. – Raoul Ubac (1910–1985) zählte zu den jüngsten und bis 1942 zugleich zu den engagiertesten Mitgliedern der Pariser Surrealisten. – Enthält folgende Fotografien: Agui au miroir au tain endommagé. 1932–33. – Le combat de Penthésilée. 1937. – Le combat de Penthésilée. Triomphe de la stérilité. 1937. – Photo-relief. 1938. – L’envers de la face. 1939. – Le objets fossiles. 1939/40. – Mit dem Textheft in der Originalhalbleinenmappe. – Ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummern 331 B1–6.

  749    Tobias Zielony. Jenny, Jenny.

€ 450

Sechs Farbfotografien, Ink-jet. 2013. 47 : 32 cm. Rückseitig signiert.

Vollständige Folge mit folgenden Motiven: Licht. – Haare. – Front. – Piercing. – Bett. – Himmel. – In der farbig illustrierten Originalmappe. – »Wie im Film wechselt Tobias Zielony [geboren 1973] in seinen photographischen Serien verschiedene Einstellungen von disparaten Momenten ab, die erst durch das Nebeneinander zu einem Zeit-Raum-Kontinuum und damit zu einer Erzählung zusammengeführt werden.« (Stephanie Bunk auf griffelkunst.de). – 2015 ediert von der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Editionsnummer 357 C1–6.

750  Fotografie – G. K. Chesterton. London.

€ 450

With ten Photographs by Alvin Langdon Coburn. London 1914. Mit zehn montierten Fotogravuren. Originalhalbleinenband mit Original(?)-Schutzpapierumschlag.

Erste Ausgabe. – Privatdruck für den Fotografen, Edmund D. Brooks und einige Freunde, auf Bütten gedruckt vonder Chiswick Press, London. – Der amerikanisch-britische Fotograf Alvin Langdon Coburn (1882–1966) hatte sich seit 1906 an der London County Council School of Photoengraving mit der Technik der Fotogravure vertraut gemacht und experimentierte im eigenen Studio mit Abzügen auf verschiedenen Papiersorten. – Bereits 1909 war ein Folioband seiner atmosphärisch eindrucksvollen London-Ansichten erschienen. – Der Verfasser der Liebeserklärung an die Themse-Metropole, Gilbert Keith Chesterton, wurde vor allem durch seine Pater Brown-Kriminalromane bekannt.

22,5 : 15,8 cm. 19, [1] Seiten, 10 Tafeln. – Vorsätze teils gebräunt, sonst tadellos und unaufgeschnitten.

Vgl. Koetzle, S. 78 und Parr/Badger I, 74

751  Fotografie – The Art and Technique of Color Photography.

€ 500 ( R5 )

A Treasury of Color Photography by the Staff Photographers of Vogue · House & Garden · Clamour. Edited and designed by Alexander Liberman. Documentation compiled by Jonathan Tichenor. Introduction by Aline B. Louchheim. New York, Simon and Schuster · Condé Nast 1951. Mit etwa 200 meist ganzseitigen Abbildungen nach Farbfotografien. Originalhalbleinenband mit illustriertem Schutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Wichtiges Dokument zur Farbfotografie mit zahllosen ausführlich beschriebenen Beispielen aus Mode-, Akt-, Landschafts- und Pflanzenfotografie u. v. m. – Neun der 17 vorgestellten Fotografen signierten bzw. widmeten (mit * bzw. ** markiert) im vorliegenden Exemplar jeweils ihr biographisches Textblatt: Irving Penn, Horst P. Horst**, André Kertesz**, Cecil Beaton**, William Grigsby*, Clifford Coffin, Constantin Joffé, Norman Parkinson**, Haanel Cassidy, Richard Rutledge*, Serge Balkin**, Gjon Mili, John Rawlings, Herbert Matter, Anthony Denney, Frances McLaughlin** und Erwin Blumenfeld**.

33,0 : 25,5 cm. XIV, 225, [1] Seiten. – Schutzumschlag mit kleinen Randläsuren. Untere Ecken leicht bestoßen, auch beim Buchblock.

  752    Künstlerschallplatten – Dorothy Iannone. Dear Dieter. Miss my muse.

€ 200

Langspielplatte. Berlin, Tochnit Aleph 2015.

Exemplar 5/15. – Auf dem Backcover von der Künstlerin signiert und nummeriert. – Mehr ein Multiple als nur eine LP: Doppelcover mit zwei doppelseitigen Farboffsetdrucken in Fotoecken, recto nach einer Zeichnung der Künstlerin, verso ein gemeinsames Foto mit Dieter Roth. Die Schallplatte aus glasklarem Vinyl, als Beilage ein gefaltetes Poster. Auf der Schallplatte veröffentlichte die Künstlerin ihre für Dieter Roth gesprochenen Texte während eines Wiedersehens in Berlin nach langen Trennungsjahren. – In der signierten Vorzugsedition sehr selten und längst vergriffen. – Mit dem Buttonsticker mit einem Ausschnitt des Fotos.

  753    Künstlerschallplatten – Helmut Newton – Melissa Manchester. Emergency.

€ 300

LP. New York, Arista Records 1983.

Front-, Back- und Innencover nach drei Fotografien von Helmut Newton, Frontcover mit Silberstift signiert. – Dazu drei weitere LPs: Francesco Clemente – Mick Jagger. Primitive cool. 1987. CBS 460123 1. – Julian Schnabel – Red Hot Chili Peppers. By the Way. 2002. Warner Bros. LC 00392. – Richard Prince – Sonic Youth. Sonic Nurse. Doppel-LP. 2004. Geffen Records. – Alle sehr gut erhalten.

  754    Künstlerschallplatten – Andy Warhol. Drei LP-Cover nach seinem Entwurf.

€ 200

Zusammen fünf LPs. 1967–1977.

Andy Warhol’s Velvet Underground featuring Nico. Doppel-LP. Polydor/MGM 1967–1969. – The Rolling Stones. Sticky Fingers. Electrola 1971. 1C 064-63152. Das wohl berühmteste Cover aller Zeiten mit dem eingearbeiteten Reißverschluss. Mit dem Beilageblatt. – The Rolling Stones. Love your Live. Doppel-LP. Musidor 1977. CBS 450208 1. Das Doppelcover nach einer überarbeiteten Serigraphie von Warhol. – Gut erhalten.

Album II mit leichtem Wasserrand.

  755    Künstlerschallplatten – Emmett Williams. Poems 1950 – 2003.

€ 200

Langspielplatte. Berlin, Edition RZ 2004.

Exemplar 110/150. – Auf dem Frontcover Filzstiftzeichnung des Künstlers, rückseitig nummeriert, und kleine Zeichnung. – Als Beilage eine Einladungskarte zu einer Ausstellung in Bremen 1994, diese übermalt, signiert, datiert »2004«, betitelt »Poet at work« und nummeriert »110/150«. In ebenfalls bemaltem und nummeriertem Umschlag. – Die LP farbig bedruckt. – Tadellos erhalten.

  756    Künstlerschallplatten – Sechs von Künstlern gestaltete Plattencover.

€ 400

Insgesamt zehn LPs.

I. Horst Janssen – Franz Josef Degenhardt. Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen. Polydor 1973. 2371 380. – II. John Cage Live. Mainz, Wergo 1976. WER 60074. – III. Gottfried Helnwein – Franz Morak. Morak’n Roll. Polydor 1981. 2376 123. – IV. Bon Gruen – Yoko Ono. It’s alright. Polygram 1982. Polydor 2391 559. – V. Lynn Goldsmith – Laurie Anderson. United States Live. Fünf LPs in Originalbox. Warner Bros. 1984. LC 0392. – VI. Robert Rauschenberg – Talking Heads. Speaking in Tongues. Sire Records Company 1983. Cover verfärbt.

757  Prä-Bauhaus – Faschings-Zeitung für das Indische Fest Weimar.

€ 600

Herausgegeben von den Schülern der Grossherzogl. S. Hochschule für Bildende Kunst. Weimar 1913. Mit zahlreichen Illustrationen. Originalbroschur mit Deckelillustration.

Mit Illustrationen von Rudolf Riege (später Bauhaus-Schüler), K. Leitholf und Heinrich Stegemann sowie Texten von Börries von Münchhausen, W. Leitholf und Franz Kaibel. – Das von der Indien-Begeisterung der Jahrhundertwende inspiriertes Fest der Schüler an Van de Veldes Bauhaus-Vorgänger, mit exotischen Kostümen und einer realistisch wirkenden lebensgroßen Elefantenskulptur, fand am 4. Februar 1913 statt. Bemerkenswert und recht unbekannt ist, dass die erste große Ausstellung von Bauhaus-Arbeiten in Indien stattfand (Kalkutta 1922), initiiert durch die Kunsthistorikerin Stella Kramrisch, die Johannes Itten in Wien kennengelernt hatte. »Das Bauhaus in seinen spirituellen und künstlerischen Experimenten war von Anfang an von der Idee Indiens inspiriert. Im Kontext einer Kunstschule stellte die Aufmachung als Inder(in) – oder als kulturell Andere(r) – allerdings auch eine Möglichkeit dar, um die Ablehnung der europäischen Vergangenheit erkennen zu lassen.« (Elisabeth Otto. Das Bauhaus und Indien. OnlineFassung unter artsandculture.google.com). – Seltenes Ephemera.

33,5 : 21,0 cm. [8] Seiten. – Umschlag lose und mit Randläsuren, Unterrand mit Filmoplast überklebt.

758  Programm des Staatlichen Bauhauses in Weimar. – Lyonel Feininger. Kathedrale.

€ 2000

Holzschnitt. 1919. 30,4 : 18,9 cm (32,0 : 19,7 cm).

Das berühmte vierseitige Flugblatt vom April 1919 mit dem von Walter Gropius verfassten Manifest (»Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! […]« und dem Programm des Bauhauses (Gründung, Ziele, Grundsätze, Lehre, Aufnahme). – Prasse kennt Abzüge auf grauem, hellrotem, gelbem und – wie hier – grünem Papier. – Die erste offizielle Verlautbarung des Bauhauses. Es entstand – unter Leitung von Gropius – im Frühjahr 1919 aus der Vereinigung der Großherzoglichen Hochschule für bildende Kunst und Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule. Lyonel Feininger (1871–1956) wurde durch Gropius unmittelbar nach der Gründung des Bauhauses dorthin berufen. Als Konsequenz nach Angriffen der rechtsnationalen Landesregierung in Thüringen, die sich sowohl verleumderisch gegen die Person Gropius’ als auch die Institution selbst richteten, erfolgte der Umzug der Schule nach Dessau. – Das Exemplar aus dem Besitz von Otto Dorfner (1885–1955), dem Buchbinder des Weimarer Bauhauses.

Faltspuren. – Kleine Knitter und Einrisse in den Rändern, zwei Falzeinrisse am Unterrand restauriert.

Wingler 562, A 1. – Prasse, Feininger W 144. – Abbildungen: Wingler Seiten 38–41. – Fleischmann S. 38. – Bauhaus Utopien S. 10

759  Bauhaus – Gerhard Marcks. Das Wielandslied

€ 2500

der älteren Edda in der Übersetzung von R. Simrock. Holzschnitte von Gerhard Marcks. München-Weimar, Bauhaus-Verlag 1923. Zehn Holzschnitte, zwei monogrammiert und datiert, einer betitelt. Mit dem Titelblatt mit Holzschnitt-Signet lose in Originalhalbpergamentmappe (Otto Dorfner).

Erstes Mappenwerk von Gerhard Marcks. – Die vollständige Folge, acht Holzschnitte auf gelblichem Japan-, zwei auf geripptem Büttenpapier. – Der erste Holzschnitt monogrammiert, datiert und betitelt »Die Walküren«, der neunte monogrammiert, datiert und mit »IX« bezeichnet. – Anstelle des vierseitigen Textblatts liegt hier ein vom Künstler eigenhändig so bezeichneter »Musterbogen für den Satz« mit einigen Anmerkungen vor. Die Korrekturangabe »groß groß« beim Titel wurde für die endgültige Fassung berücksichtigt (vgl. Abbildung Lammek S. 77). – Alle Holzschnitte auf Büttenkartons (34 : 25 cm) montiert, das Titelblatt 32 : 25 cm. – Die Mappe mit Spritzdekorpapier bezogen und mit Schwarz gedrucktem Titel wie bei Lammek abgebildet, eine Variante wurde von Anny Wottitz typographisch gestaltet. Innendeckel und Mappenflügel mit dunkelblauem Stempeldruckpapier. – »Das schönste Dokument der Begegnung dieses Künstlers mit dem Expressionismus ist die von Otto Dorfner gebundene Mappe mit den zehn Holzschnitten zum Wielandslied der älteren Edda […], die in 110 Abzügen auf der Handpresse im Staatlichen Bauhaus zu Weimar gedruckt worden sind. Ihr Stil erinnert an die naiven Illustrationen alter Märchen« (Lang, Expressionistische Buchillustration, S. 26). – »Nicht nur wegen der hohen Auflage, sondern auch wegen ihres in den Auseinandersetzungen am Bauhaus nahezu programmatischen Charakters, besitzt die Graphikfolge ›Das Wielandslied‹ […] ein besonderes Gewicht im Frühwerk.« (Lammek, S. 24). – Unikates Exemplar in einer frühen Fassung.

35,8 : 29,8 cm. 10 Holzschnitte, 1 Blatt. – Titelblatt und einige Kartonblätter, teils auch die Holzschnitte, mit wenigen kleinen Stockflecken. Titelblatt mit schwachen Knickspuren.

Lammek H 77.1–11. – Katalog Lindenau-Museum 3014-3023. – Vgl. A und O des Bauhauses, Kat. 137, Abb. 23

760  Bauhaus – Walter Gropius. Idee und Aufbau des Staatlichen Bauhauses Weimar.

€ 600

München, Bauhausverlag [1923]. Mit zwei schematischen Abbildungen. Originalbroschur.

Sehr seltener Separatdruck aus dem im gleichen Jahr erschienenen Band »Staatliches Bauhaus Weimar 1919–23«, dort als Seiten 7–18, hier mit eigener Paginierung. – Gropius’ wichtige Programmschrift des Bauhauses beschreibt neben der grundsätzlichen Idee die Gliederung der Ausbildung in Vor-, Werk-, Form- und Baulehre sowie Bauhaus-Bühne, -Küche und -Siedlung. – Provenienz: Ehemals Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit Namensstempel. – Gut erhalten.

25,0 : 24,7 cm. 12 Seiten, 2 Abbildungen. – Seitenränder etwas geknittert und mit kleinen Einrissen, Hinterumschlag mit hinterlegtem kurzem Randeinriss.

Fleischmann S. 86. – Dokumentations-Bibliothek II, 29

761  Bauhaus – Arno Müller. Das Staatliche Bauhaus Weimar und sein Leiter.

€ 900

Weimar, April 1924. Gelbe Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Die berüchtigte »Gelbe Broschüre«. Die »Hetzschrift aus der deutschnationalen Ecke mit einer umfangreichen Sammlung entsprechender Zeitungskritiken zur Bauhaus-Ausstellung 1923« (Fleischmann) enthielt auch persönlich diffamierende Angriffe gegen Walter Gropius. – Arno Müller, Obermeister der Weimarer Schlosser-Innung, gab lediglich seinen Namen für dieses Anti-Bauhaus-Pamphlet, der eigentliche »Informant« über die Interna der Hochschule war jedoch Hans Beyer, der jüngst zuvor entlassene Jurist des Bauhauses. Die Wirkung der Schrift in der konservativen Weimarer Öffentlichkeit war erheblich, nur wenige Monate später schloss Gropius die Weimarer Schule und eröffnete das Bauhaus in Dessau neu. – Gedruckt wurde das Heft in der Hof-Buchdruckerei Weimar. – Tadellos erhalten, aus dem Nachlass des Bauhaus-Buchbinders Otto Dorfner.

22,5 : 14,7 cm. 46, [2] Seiten.

Fleischmann 95. – Vgl. Wingler 99 und 139

762  Bauhaus – Kundgebungen für das Staatliche Bauhaus Weimar.

€ 1000

Weimar, Panses 1924. Originalbroschur.

Der abschließende dritte Teil der Erwiderungen des Bauhauses auf die Vorwürfe und Angriffe der neu gewählten rechten thüringischen Landesregierung und Gegner des Bauhauses verzeichnet 32 in- und ausländische Kundgebungen und Protestschreiben. – Die typographische Gestaltung aller drei Teile stammt von Laszlo Moholy-Nagy. Die Paginierung schließt an die »Pressestimmen« und deren »Nachtrag« an. – »Gropius sorgte für eine gedruckte Dokumentation positiver Urteile über das Bauhaus, die er systematisch seit der großen Ausstellung von 1923 anforderte und sammelte, um sie im Kampf um die Existenz des Weimarer Bauhauses einsetzen zu können.« (Ute Brüning, in »Das A und O des Bauhauses, S. 86). – Sehr selten. – Provenienz: Ehemals Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit Namensstempel. – Sehr gut erhalten.

23,0 : 14,6 cm. Seiten 105–[144]. – Vorderumschlag mit Einschnitt (ca. 4 cm) und einer Ritzspur.

Fleischmann S. 100. – A und O des Bauhauses, KatNr. 129/3

763  Bauhaus – Die Arbeit des Staatlichen Bauhauses.

€ 400

Sonderbeilage der »Thüringer Allgemeinen Zeitung«. Erfurt, Sonntag, 19. Oktober 1924. Mit 13 Abbildungen. Einblattdruck, gefaltet.

Sehr seltenes Originaldokument, das auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen um das Bauhaus erschien. – Enthält die beiden Texte »Ziele und Bestrebungen« von Georg Muche, damals Leiter der Bauhaus-Weberei, und »Die Arbeit der Bauhaus-Werkstätten« von Laszlo Moholy-Nagy. – Die Abbildungen präsentieren die ganze Bandbreite des Bauhauses: Architektur (Versuchshaus am Horn), Mobiliar (Schreibtisch, Stuhl, Küchenschrank) sowie Lampe, Teekanne, Kinderspielzeug u. a. m. – Dazu: Zwei Originalzeitungsbogen aus dieser Zeit: »Allgemeine Thüringische Landeszeitung« vom 30. XII. 1924 mit dem Artikel »Thüringische Staatsregierung und Staatliches Bauhaus« und »Das Volk« vom 3. I. 1925 mit dem Artikel »Die Erdrosselung des Bauhauses« von Max Greil (SPD-Abgeordneter im thüringischen Landtag (1922–1932). Beide Doppelblätter gefaltet und mit leichten Alterungsspuren. – Alle drei ehemals Sammlung Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit Namensstempel.

48,1 : 31,8 cm.

764  Bauhaus – Joost Schmidt. Feier des 5. Bauhausjahres.

€ 1500

Eintrittskarte. Farbige Lithographie nach Entwurf von Joost Schmidt. 1924. 15 : 12 cm.

Sehr seltenes Dokument einer der letzten Veranstaltungen des Weimarer Bauhauses. – Nachdem sich die Angriffe auf das Bauhaus im Sommer 1924 von Seiten der neuen bürgerlichen Landesregierung verschärft hatten, am 1. September allen Bauhaus-Meistern per April 1925 gekündigt worden war und im November der Etat um zwei Drittel gekürzt wurde, mutet die Ausrichtung des Jubiläumsfestes am 28./29. November als ein trotziges »Nun gerade« an. – Programmpunkte des Abends im Ilmschlösschen waren die Farbenspiele von Hirschfeld-Mack, eine Premiere der Bauhausbühne und ab 10.38 (!) Kaffee-Tafel, Tanz, Tombola u. a. – Gestaltet wurde die Eintrittskarte (und die sehr ähnliche Einladung – siehe unsere Auktion 20, Lot 270) vom damals wichtigsten Typographen des Bauhauses, Joost Schmidt. Mit dem Signet von Joost Schmidt. – Provenienz: Otto Dorfner, Weimar. – Tadellos erhalten.

Vgl. Fleischmann, S. 101 (nur die Einladung). – Nicht in »Das A und O des Bauhauses«, nicht bei Wingler

765  Bauhaus – Die „WAG“-Lampe. Beleuchtungskörper Staatl. Bauhaus Weimar.

€ 750

Einblattdruck. 29,7 : 21,0 cm. Weimar, um 1924.

Seltenes Werbemittel für die frühen Fassungen der Wagenfeld-Lampen, hier mit der flacheren Schirmform. – Mit Werbetexten zu beiden Typen. Die Lampe wurde mit Glasfuß und -stab gebaut, für den Schirm wurde Seide (Type S) oder Glas (Type G) verwendet. – Die sogenannte »Bauhaus-Lampe« wurde von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker unter Verwendung von Bauteilen Gyula Paps in der Weimarer Metallwerkstatt entworfen. Walter Gropius hatte gegen die Auffassungen von Johannes Itten durchgesetzt, dass die Werkstätten mehr massenproduzierbare Produkte entwerfen sollten. Bei der berühmten Lampe, als Designklassiker des 20. Jahrhunderts in der Sammlung des MoMA verewigt, scheiterte man, da die Einzelteile in der Werkstatt des Bauhauses in Handarbeit entstanden. – Ehemals Sammlung Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit Namensstempel. – Auf Anfrage teilte uns das Wilhelm Wagenfeld-Archiv mit, dass dieser Einblattdruck dort bisher unbekannt war.

Quer gefaltet, links kurzer Falz-, rechts kleiner Randeinriss.

766  Bauhaus – Staatliche Bauhochschule Weimar. Metallwerkstatt.

€ 500 ( R5 )

[Weimar, um 1926]. Mit 15 Abbildungen. Originalbroschur mit Deckelillustration.

Der kleinformatige Katalog stellt Tisch-, Decken- und Wandleuchten von Wilhelm Wagenfeld (9) und Richard Winkelmayer (6) vor, jeweils mit Abbildungen und technischen Angaben. – Die Staatliche Bauhochschule Weimar gilt auch wegen der personellen Kontinuität als Nachfolgeinstitution des Bauhauses. Viele ehemalige Bauhäusler, die nicht nach Dessau wechseln wollten oder konnten, traten 1926 in die von Otto Bartning geleitete Bauakademie ein. Zu ihnen zählten neben Wilhelm Wagenfeld und Richard Winkelmayer, Otto Lindig, Erich Dieckmann, Ewald Dülberg und die Weberin Hedwig Heckemann. Bereits 1930 wurde auch diese Institution ein Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik und Otto Bartning durch den NS-Ideologen Paul Schultze-Naumburg abgelöst. – Auf dem Umschlag die M29-Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld.

20,7 : 14,8 cm. [15] Blätter. – Es fehlt der wohl unbedruckte Hinterumschlag.

767  Bauhaus – Ernst Kállai. Neue Malerei in Ungarn.

€ 300 ( R5 )

Leipzig, Klinkhardt & Biermann 1925. Mit 83 Abbildungen auf 80 Tafeln. Originalhalbleinenband mit dem rot-schwarzen Originalschutzumschlag (Entwurf: Laszlo Moholy-Nagy).

Erste Ausgabe. – Band II der gestalterisch an den Bauhausbüchern orientierten Reihe »Die junge Kunst in Europa«, die von Georg Biermann herausgegeben wurde. – Umschlag, Einband und Innentitel entwarf Laszlo Moholy-Nagy. – Der ungarische Kunsthistoriker und Publizist Ernst Kállai (1890–1954) hatte bereits in Lajos Kassaks Zeitschrift »MA« publiziert. Von 1920 bis 1935 lebte er in Deutschland, wurde 1928 Schriftleiter der Zeitschrift »Bauhaus« und 1929 Herausgeber der Zeitschrift »Kunstnarr«, von der allerdings nur eine einzige Ausgabe erschien.

22,5 : 16,3 cm. 124 Seiten, 80 Tafeln. – Oberrand des Schutzumschlags mit zwei kleinen hinterlegten Randeinrissen, sonst tadellos.

Dokumentations-Bibliothek VI, 549 (»Ausgezeichnete Monographie«). – Vgl. Das A und O des Bauhauses, KatNr. 292 und 293, Abb. 199/200 (mehrfarbige Entwürfe)

768  Joost Schmidt – Offset.

€ 900

Buch- und Werbekunst. Das Blatt für Drucker, Werbefachleute und Verleger. Jahrgang 1926, Heft 7. Bauhaus-Heft. Leipzig 1926. Mit 18 teils farbigen Tafeln und zahlreichen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Das legendäre Bauhaus-Heft der Leipziger Zeitschrift »Offset«. – Der von Joost Schmidt entworfene Umschlag wurde bei C. Dünnhaupt, Dessau, mit neun (!) Farben gedruckt. Er zierte 2010 den MoMA-Katalog »Bauhaus – Workshop for Modernity«. – Den Bauhaus-Teil des Hefts konzipierte Moholy-Nagy. Buchschmuck und Typographie des zweiten Teils stammen von Otto Horn. – Das Heft enthält Beiträge von Walter Gropius, Marcel Breuer, Moholy-Nagy, Josef Albers, Herbert Bayer, Gunta Stölzl und Oskar Schlemmer, auf 13 Tafeln und vielen Abbildungen werden Arbeiten des Bauhauses vorgestellt, wobei der Schwerpunkt auf Typographie und Design liegt (u. a. Joost Schmidt »Ÿko«, Moholy-Nagy »Bauhaus-Bücher«, Herbert Bayer »Reklame«), ergänzt um architektonische und kunsthandwerkliche Projekte sowie Malerei und Graphik. – Der zweite Teil enthält Texte und Bilder zum Druckgewerbe.

30,7 : 23,3 cm. [4], 353–428, [20] Seiten. 18 Tafeln. – Umschlagränder etwas unfrisch, Rücken mit restaurierten Fehlstellen. – Ränder innen teils leicht fingerfleckig.

A und O des Bauhauses 131, Abb. 266/267. – Wingler S. 426. – Fleischmann S. 313. – Lang K S. 53

769  Herbert Bayer – Ausstellung Europäisches Kunstgewerbe 1927 […] im Grassimuseum.

€ 1200 ( R5 )

Neue Auflage. Leipzig 1927. Mit 44 Abbildungen auf Tafeln und einem gefalteten Stadtplan. Dreifarbig lithographierte Originalbroschur (Entwurf: Herbert Bayer).

»Diese neue Auflage des Katalogs enthält Ergänzungen in mehreren Gruppen der Ausstellung«. – Die Ausstellung fand im Neubau des Grassimuseums statt. Dieser entstand auf Anregung des Museumsdirektors Richard Graul von 1925 bis 1929. An der von Graul geleiteten Ausstellung waren Künstler und Firmen aus zehn Ländern beteiligt. – Mit Beilagekarte: »Überreicht von der Direktion des Kunstgewerbemuseums«. – Der Vorderumschlag und das identische Ausstellungsplakat wurden nach Entwurf von Herbert Bayer, dem führenden Bauhaus-Typographen und -Graphiker, gedruckt.

20,8 : 14,0 cm. 66, [2, 40, 22] Seiten, 1 Faltplan. – Vordergelenk minimal berieben.

Bayer 1982, 155. – Vgl. Cohen S. 213, Fleischmann 275 (Plakat), Bayer 1982, 156 und A und O des Bauhauses 281 (alle nur das Plakat)

770  George Kobbe – Victor Wittner. Sprung auf die Straße.

€ 500

Gedichte. Berlin, Die Schmiede 1924. Originalpappband mit farbiger Deckelillustration von George Kobbe.

Erste Ausgabe, äußerst selten. – George G. Kobbe (1902–1934) war an der Dada-Messe Berlin 1920 beteiligt (mit der Entwurfszeichnung zum Umschlag von Walter Petrys »Die dadaistische Korruption«), veröffentlichte u. a. in »Schall und Rauch« und zählte neben Georg Salter zu den wichtigsten Graphikern des jungen Verlages »Die Schmiede«. Später arbeitete er für Magazine wie »Uhu« und »Die Dame«. – Victor Wittner (1896–1949) hatte erste Gedichte bereits 1914 in dem schmalen Band »Klüfte, Klagen, Klärungen« veröffentlicht. Die vorliegende Sammlung enthält größtenteils Gedichte aus den Jahren 1914/15 und 1919/20.

23,4 : 18,3 cm. 70, [2] Seiten. – Deckel, besonders der hintere, etwas angestaubt. Rücken oben leicht bestoßen und dort eventuell auch unauffällig fixiert.

Holstein, Blickfang 476. – Hermann/Schmitz 185

  771    Bernhard Kellermann. Der Tunnel.

€ 250

Roman. 1.–25. Tausend der ungekürzten Sonderausgabe. Berlin, S. Fischer 1931. Orangefarbener Originalleinenband mit farbig illustriertem Schutzumschlag nach Entwurf von Georg Salter.

Der Druckvermerk nennt bereits für diese erste Auflage der Sonderausgabe »Einband- und Schutzumschlag-Entwurf von Georg Salter«. Dies steht in irritierendem Widerspruch zu den Anmerkungen Jürgen Hosteins, der diesen Umschlag erst für die Folgeauflage (26.–50. Tausend) nennt. Zudem wird bei dem vorliegenden Exemplar auf der vorderen Umschlagklappe die Gesamtauflage des Romans mit 308.000 beziffert, was ebendieser zweiten Auflage entspricht. – Kellermanns berühmter Roman vom Bau eines transatlantischen Tunnels war bereits 1913 erschienen. Nahezu 20 Jahre zierte die Umschlagillustration von Hans Baluschek den Einband. 1931 wurde diese etwas »altbackene« Stadtansicht durch Salters atemberaubend dynamische Zeichnung, die bildhaft über den gesamten Umschlag reicht, ersetzt. – Das Buch sehr gut, der Umschlag gut erhalten.

18,8 : 13,2 cm. [3]–402 Seiten (so korrekt). – Schutzumschlag am Rücken oben mit kleinen, sorgsam restaurierten Fehlstellen.

Holstein 73, Abbildung S. 85. – Holstein, Blickfang 325. – Pfäfflin 133

  772    Octave Uzanne. Son Altesse la Femme.

€ 300

Illustrations de Henri Gervex, J.-A. Gonzalés, L. Kratké, Albert Lynch, Adrien Moreau et Félicien Rops. Paris, A. Quantin 1885. Mit zehn Farbradierungen, zwei radierten Zwischentiteln und acht figürlichen Bordüren. Grauer Ecrasélederband mit Vergoldung. Mit dem eingebundenen Originalumschlag.

Erste Ausgabe dieses historisch-fundierten Lobgesangs auf das weibliche Geschlecht. – Eins von 100 Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe auf breitrandigem Japan und mit den Radierungen in mehreren Zuständen, teils farbig gedruckt, teils koloriert. Die zehn Farbradierungen in jeweils zwei Zuständen, einmal ohne Schrift. Es gibt weitere 100 Exemplare auf Japan ohne Zustandsdrucke und eine ungezählte Auflage auf Velin. – Octave Uzanne (1851–1931), einer der größten Bibliophilen, Schriftsteller und Verleger, veröffentlichte zahlreiche Werke zur Buchkunde. Er zählt zu den Mitbegründern der »Societé des bibliophiles contemporains«.

29,4 : 21,0 cm. [4], 312, [4] Seiten, 10 und 28 zusätzliche Radierungen.

Monod 10843. – Carteret IV, S. 384 (»Ouvrage documentaire du plus vif intérêt«)

  773    Rudolf von Delius. Mary Wigman.

€ 200

Dresden, Carl Reissner 1925. Mit einem Frontispiz und 38 Abbildungen auf Tafeln. Orignalhalbleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Mary Wigman 22/23. März 1952 bei M. M. in Hamburg«. 1919 feierte die Tänzerin, nachdem sie Rudolf von Laban und die Zürcher Dadaisten verlassen hatte, in Hamburg ihre ersten großen Erfolge, die sie schlagartig auch international bekannt machten. – Dazu: Reinhold Rudolf Junghanns. Bildnis Mary Wigman (Kopf mit Hut). Radierung. Um 1925. 28,5 : 21,8 cm (52,5 : 34,0 cm). Monogrammiert, als »Probedruck« und und am Unterrand mit Korrekturangaben bezeichnet. Auf Kupferdruckkarton, gebräunt. Gerahmt. – Charlotte Rudolph. Mary Wigman. Fotografie. Silbergelatine, Vintage. Um 1925. 13,7 : 8,7 cm. Mit dem Prägestempel der Fotografin, rückseitig mit Postkartenaufdruck. Knickspuren, etwas fleckig.

25,8 : 19,5 cm. 56, [4] Seiten, 38 Tafeln. – Innen und außen minimal stockfleckig. –Vorsatzblatt mit Schenkungsvermerk.

  774    William Senior. The Thames

€ 400

from Exford to the Tower. Illustrated with thirty original painters-etchings by Francis S. Walker. London, John C. Nimmo 1891. Mit 30 Radierungen nach Gemälden. Dunkelgrüner Originalkalikoband mit Goldprägung und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 260 Exemplaren auf »superfine paper«, die Radierungen auf Bütten. – Die Ölgemälde des irischen Malers Francis Sylvester Walker (1848–1916) wurden vom Künstler selbst als Radierungen reproduziert. Stimmungsvoll illustrieren seine Bilder von der Themse-Landschaft den Text des Journalisten William Senior, der bis dato vor allem durch Publikationen zum Angelsport bekannt geworden war. Sein Spitzname »Red Spinner« und mehrere Holzschnitt-Schlussvignetten mit Fisch-Motiven verweisen auf diese große Leidenschaft des Autors.

29,8 : 23,8 cm. XII, 120 Seiten, 30 Radierungen. – Einband leicht fleckig, Kapitale minimal bestoßen. – Buchblock gelockert, Innengelenke angeplatzt. Zwei Druckstellen in den unbeschnittenen Seitenrändern.

  775    The English Lakes.

€ 250

Painted by A. Heaton Cooper. Described by W. T. Palmer. London, Adam and Charles Black 1905. Mit 75 Chromolithographien und einer Karte. Cremefarbener Originalkalikoband, Deckel und Rücken mit Jugendstildekor in Grün, Rot und Silberprägung.

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren der »Edition de luxe«, gedruckt auf starkes Bütten. – Auflagenvermerk vom Künstler signiert. – Der englische Aquarellmaler Alfred Heaton Cooper (1863–1929) war nach ausgedehnten Reisen 1894 aus Norwegen in seine Heimat zurückgekehrt. Er ließ sich im »Lake District«, der schon damals bei Touristen beliebten Gegend im Nordwesten Englands, nieder und hoffte, dort seine Bilder an Reisende verkaufen zu können. Viele Arbeiten dienten auch als Vorlage für Illustrationen von Büchern und Reiseführern. – Opulent ausgestattet und gut erhalten.

27,5 : 22,2 cm. [2], IX, [1], 230, [2] Seiten, 75 Tafeln mit Seidenvorblättern. – Kapitale und eine Ecke leicht bestoßen. – Die Seidenblätter vor den Tafeln teils leicht stockfleckig.

  776    Scaramanga Brothers. Private Code 1911.

€ 300

London, William Brown [1911]. Dunkelroter Originalleinenband mit Gold- und Blindprägung.

Codierliste für den telegrafischen Geschäftsverkehr der weltweiten Niederlassungen der Reederei Scaramanga Brothers, gegründet von der gleichnamigen griechischen Familie mit Hauptsitz in London. – Um die Kosten für telegrafische Nachrichten zu senken und den Informationsfluss zu beschleunigen, verwendete man seinerzeit Zahlencodes und Kurzworte für die gängigsten Geschäftsausdrücke. Der Band enthält Hunderte solcher Sätze und Codeworte, an einigen Stellen wurden aktualisierte oder nachträgliche Ergänzungen maschinengeschrieben eingeklebt. – 1965 war Francisco Scaramanga der Gegner von James Bond in »The Man with the Golden Gun«, in der Verfilmung von 1975 verkörpert von Christopher Lee.

38,5 : 25,4 cm. [2], 50 Seiten.

777  Al Hirschfeld. Manhattan Oases.

€ 600

New York’s 1932 speak-easies. With a Gentleman’s Guide to Bars and Beverages by Gordon Kahn. With an Introduction by Heywood Broun. New York, E. P. Dutton 1932. Mit 36 ganzseitigen Illustrationen und einem fotografischen Frontipsiz. Hellblauer Originalleinenband mit Titelschildern und illustriertem Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe des ersten Buches von Al Hirschfeld (1903–2003) zählt zu den einflussreichsten und bekanntesten Cartoonisten Amerikas, der als eine der sechs New Yorker »Sehenswürdigkeiten« bezeichnet wurde. – Die »Speakeasies« (Flüsterkneipen) entstanden während er Alkoholprohibition in den USA. Durch das Gebot, leise zu sprechen, sollten Passanten (und patrouillierende Ordnungshüter) nichts vom Barbetrieb hören. – Hirschfeld porträtierte 36 Barkeeper ausgewählter Bars, jedes Porträt wird durch ein Cocktail-Rezept und eine Beschreibung der Bar ergänzt. – Ein originelles Dokument des erfolglosen Versuchs, den Alkoholkonsum durch staatliche Restriktion einzuschränken. – Gut erhalten, hier mit dem seltenen Schutzumschlag.

31,0 : 23,0 cm. 82, [2] Seiten. – Schutzumschlag mit minimal Randläsuren, der Leinenbezug leicht fleckig.

778  Zwei bewegliche Cocktail-Rezeptkarten

€ 300

aus dem Amerika am Ende der Prohibition. New York, Mitte der 1930er Jahre.

I: A Good Mixer – Meyers Hotel »Known the World Over 1884–1934«. Zwei montierte Scheiben, Durchmesser 120 bzw. 145 mm, bedruckt in Blau und Schwarz. Durch Drehen der oberen Scheibe auf den gewünschten Drink werden in zwei Ausschnitten die Zutaten angezeigt. – Das legendäre Meyers Hotel, an der Ecke Hudson River und 3rd Street, war mit Aufzügen, Dampfheizung und elektrischer Beleuchtung 1884 eines der modernsten Hotels der Welt. – II: Fourty famous cocktails. Being a compendium of reliable recipes, carefully compiled for use in this arid era. – The path to perdition or A scene from the back room in the days when life was simple. – Engraved (by John Boland) with humble apologies to hat master engraver John Held Jr. Eine beidseitig bedruckte Karte kann aus dem illustrierten Umschlag (142 : 96 mm) geschoben werden. Dabei werden die Coktails und deren Zutaten angezeigt. – Beide mit minimalen Gebrauchsspuren und sehr selten.

  779    Jean de La Fontaine. Choix de Fables.

€ 450

Illustrées par un groupe des meilleurs artistes de Tokio. Sous le direction de P. Barboutau. Tome premier [et] second. Tokio, Tsoukidji für Flammarion Paris 1894. Mit 28 doppelblattgroßen Farbholzschnitten und Buchschmuck. Farbig illustrierte Originalbroschuren.

Originelle Kombination von französischen Texten mit japanischen Holzschnitten, verstärkt durch die gesamte Buchgestaltung (Blockbuchbindung, Seidenpapierumschlag, Kordelheftung). Ende des 19. Jahrhunderts beförderte die Fernost-Sehnsucht des kultivierten Europas manch sonderbares Produkt. 1896 erschien eine ähnliche Ausgabe mit Fabeln von Claris de Florian. – Die Illustrationen zu den 28 Fabeln stammen von den japanischen Künstlern Kadji-Ta Han-Ko, Kawa-Nabe Kiyo-Soui, Oka-Koura Shiou-Soui, Kano Tomo-Nobou und Eda Sada-Shiko.

25,0 : 18,2 cm. Je [50] Seiten. – Minimal fleckig, Seitenränder in Band 1 etwas wasserrandig.

Metzner/Raabe/Bodemann 373.1. – Carteret IV, 228

  780    [Friedrich] Schiff. Maskee.

€ 900

A Shanghai Sketchbook. [Shanghai, Eigenverlag?, um 1940]. Mit kolorierten, teils blattgroßen Illustrationen. Leporello mit pinkfarbenen Originalseidendeckeln.

Aus einer »limited and numbered edition«, auf dem Titel signiert. – Die in Schwarz gedruckten Karikaturen wurden vom Künstler koloriert und sind auf die starken Leoprellokartons mit Leinenfälzen aufgezogen. – Der Wiener Künstler Friedrich Schiff (1908–1968) lebte lange in Shanghai, wo die vorliegenden reizenden Karikaturen entstanden. »Schiff sympathisiert aber auch mit der leidenden chinesischen Bevölkerung. Er setzt diesen sozial so Benachteiligten in seinem Werk ein Denkmal – zeichnet Kulis, Altwarensammlerinnen, Blumenmädchen, Straßenakrobaten, Bettler und Prostituierte« (schiff-galerie.at).

26,7 : 19,0 cm. 22 Leporelloblätter, davon 20 mit Illustrationen. – Ränder und Falze leicht stockfleckig. – Deckel und Seiten teils mit Griffspuren.

  781    Führer durch die Ausstellung »Entartete Kunst«.

€ 200

Berlin, Verlag für Kultur- und Wirtschaftswerbung [1937]. Mit 59 Abbildungen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe des Führers durch die berüchtigte Wanderausstellung des NS-Propagandaministeriums, die zeitgleich mit der »Großen Deutschen Kunstausstellung« stattfand. – Verantwortlich für den Inhalt des Hefts zeichnete Fritz Kaiser, der auch die Ziele der Ausstellung formulierte. Mit einer Rede Adolf Hitlers zur Eröffnung des »Hauses der Kunst« in München. – Es existierten drei Ausagben, hier mit den bei Barron beschriebenen Merkmalen der ersten. Preisangabe auf dem Vorderumschlag aber schon mit »Preis 30 Pfg.« überklebt.

21,0 : 14,8 cm. 30, [2] Seiten. – Durchgehend mit geglätteter senkrechter Mittelfalte.

Barron Seite 356ff

  782    Mao Zhu Yu Lu

€ 750

(chinesisch: Zitate des Vorsitzenden Mao). [Peking 1964]. Mit Porträt und Faksimileblatt. Rote Originalkunststoffbroschur mit blindgeprägtem Deckeltitel.

Wohl Exemplar aus der zweiten Bindequote der Erstausgabe, nun in dem weltbekannt gewordenen roten Kunststoff-Einband. – Nur die Erstausgabe erschien ohne Datierung, mit der hier vorliegenden Kollation und in dem etwas größeren Format. Bereits die zweite Auflage von 1965 wurde um zwei Kapitel erweitert und das Faksimile der handgeschriebenen Widmung Lin Biaos mit dem »Schreibfehler« in der zweiten Spalte gegen eine korrigierte Fassung ausgetauscht. – Vortitel in Rot, Haupttitel in Grün und Rot gedruckt. – Die Sammlung von Aussprüchen des Führers der chinesischen Volksrevolution erschien auf Anregung des Armeegenerals Lin Biao (1907–1971). Auf seine Initiative hin sollten die Soldaten der Roten Armee Mao-Zitate auswendig lernen, was schlussendlich 1964 zur vorliegenden Sammlung führte. Bis 1967 wurden mehr als 720 Millionen Exemplare und Übersetzungen in mehr als 35 Sprachen gedruckt – nur die christliche Bibel hat weltweit größere Verbreitung gefunden. Wegen seiner zunehmenden Machtfülle misstraute Mao seinem Stellvertreter Lin Biao, der 1971 unter ungeklärten Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Um sein Andenken zu tilgen, wurden die Einwohner Chinas, denen der Besitz der »Mao-Bibel« staatlich verordnet war, aufgefordert, Widmungsblatt und Vorrede aus den bis 1971 erschienenen Exemplaren zu entfernen. – Trotz der weltweit riesigen Auflage sind unkorrigierte Exemplare des Erstdrucks sehr selten. – Eines der folgenreichsten Bücher der Weltgeschichte. – Beigabe: Ein Exemplar der deutschen Erstausgabe (Worte des Vorsitzenden Mao Tse Tung, Peking 1967). Roter Kunststoffeinband. Mit Widmung »To the best communist of the N.Y. Stock Exchange, 28.4.69«.

14 : 10 cm. [4], 2, 2, 250, [2 leere] Seiten. – Porträt und das hintere Vorsatzblatt leicht fleckig.

783  [Sebastian Meyer]. Von dem pfründtmarckt der Curtisanen vnd Tempelknechten.

€ 400

[Basel, Adam Petri] 1521. Neuer Halbpergamentband mit Kleisterpapierbezügen.

Erste und einzige Ausgabe des Berner Theologen (1465–1545), der einer der frühesten und eifrigsten Anhänger der Lehren Luthers in der Schweiz war. Wegen der theologischen Auseinandersetzung mit dem Dominikaner Hans Heim wurden beide der Stadt verwiesen. – In vorliegender Schrift kritisiert Meyer die Geldgier der Geistlichkeit und zeigt deren üble Folgen auf. »Da wöllen sy die besten pferd reiten, die schönsten frouwen haben […] vnd was guts vor der hellen ist, freßen vnd suffen, sy raßeln vnd spilen wie die hippen buben, sy tragen güldin ketten an den selsen, syden vnd damast ist ir gewandt […]«. – Goedeke vermutete noch Wurm von Geydertheim als Verfasser.

20,0 : 14,6 cm. [20 Seiten]. – Minimale Läsuren am ersten und letzten Blatt fachmännisch angerändert.

VD16 M 5120. – Goedeke II, 279, 10

784  Martin Luther – Colloqvia Oder Tischreden Doctor Mart. Luthers,

€ 300

So er in vielen Jaren gegen Gelarten Leuten, auch frembden Gesten vnd seinen Tischgesellen geführet… zusammen getragen Vnd jetzt Auffs newe Corrigieret (von Johannes Aurifaber). Frankfurt am Main, Martin Lechler für Simon Hüter 1568. Mit großer Hozschnitt-Titelvignette und -Druckermarke. Schweinslederband der Zeit mit Blindprägung.

Frühe Ausgabe der Tischreden, die zuerst 1566 erschienen. – Herausgegeben von Johannes Aurifaber aus Weimar, dem Famulus und Begleiter Luthers. Seit 1545 hatte er als Theologiestudent im Haus des Reformators gelebt und ihn 1546 auf seinen beiden letzten Reisen begleitet. – Die von ihm zusammengetragenen »Tischreden« sind eine wichtige Quelle zu Leben und Anschauungen des Reformators. – Der Holzschnitt auf dem Titel zeigt Luther in einer Tischrunde, davor stehen vier knabenhafte Schüler. – Hübscher Einband mit reicher floraler Verzierung und einem lackierten Rückentitel.

32,8 : 22,4 cm [12], 449, [15] Blätter. – Teils etwas gebräunt, insgesamt aber schönes Exemplar.

VD 16 L 6752

785  Matthäus Merian – [Martin Zeiller]. Topographia Franconiæ,

€ 1500

Das ist Beschreibung, Und Eygentliche Contrafactur der Vornembsten Stätte und Plätze des Franckenlandes […]. – Anhang Zu deß Martin Zeillers im Jahr 1648 erstlich gedruckter Topographia Franconiæ. Frankfurt, Matthaeus Merian [1648]. Mit einem blattgroßen gestochenen Titel, einem Wappenkupfer, einer gestochenen Karte und 48 Kupferstichen, davon 38 gefaltet, zwei mehr als doppelblattgroß. Späterer Halbpergamentband mit rot-goldenem Lederückenschild.

Erste Ausgabe. – Neunter Band der Merianschen Topographien, der zwei Jahre vor dem Tod des Herausgebers und Verlegers erschien. – Die Topographien mit den Texten von Martin Zeiller und vor allem (und namensgebend) den Kupferstichen von Matthäus Merian vermitteln mit ihren vielen und teils großformatigen Ansichten einen beeindruckenden Einblick in die städtebauliche Situation der deutschen Länder im frühen 17. Jahrhundert. Viele der Bauwerke und »Skylines« waren allerdings zum Zeitpunkt des Erscheinens der Bände schon nicht mehr wiederzufinden, hatte doch der Dreißigjährige Krieg landesweite Verwüstungen hinterlassen. – Enthält die Karten von Franken sowie Ansichten von Bamberg, Coburg, Kitzingen, Lauf, Neckarsulm, Nürnberg (Vogelschau, Grundriss, Panorama, Fleischbrücke und Rathaus), Rothenburg ob der Tauber, Schweinfurt (Vogelschau, Panorama und St. Johannis) und Würzburg. – Aus der Bibliothek des Stuttgarter Industriellen Gustav Siegle (1840–1905), der Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich zum Aufstieg der BASF beitrug. Die Stuttgarter Antiquariatsmesse fand viele Jahre im Stuttgarter Gustav Siegle-Haus statt. – Einband des 19. Jahrhunderts, insgesamt schönes Exemplar, der Kupfertitel und viele Wappenkartuschen koloriert.

30,8 : 21,3 cm (Einband), 29 : 20 cm (Buchblock). IV, 78, [10]; 56, [8] Seiten, 49 Kupfer. – Rückenschild mit Randläsuren. – Buchblock knapp beschnitten. Titelkupfer etwas fingerfleckig, vereinzelt leicht stockfleckig.

Wüthrich IV, 39. – Schuchhard 40 A

786  Georgius Agricola. De re metallica

€ 2500

libri XII. Quibus officia, instrumenta, machinæ, ac omnia denique ad metallicam spectantia […] De animantibus subterraneis […] Basel, Emanuel König 1657. Mit Titelholzschnitt, zwei gefalteten Holzschnitt-Tafeln und 270 Textholzschnitten, davon 67 blattgroß. Pergamentband der Zeit mit Wappensupralibros auf beiden Deckeln und vergoldetem Besitzvermerk auf dem Vorderdeckel.

Erste und einzige lateinische Gesamtausgabe der Werke Agricolas, enthält der Band doch auch die sechs Anhänge »De animantibus aubterraneis«, »De orto et causis subterraneorum«, »De natura eorum quae effluunt ex terra«, »De natura fossilium«, »De veteribus et novis metallis« und »Bermannus, sive de re metallica«. – Das bedeutendste Werk der Renaissance auf dem Gebiet von Bergbau und Metallurgie und der damaligen Technik überhaupt. – Die ebenso zahlreichen wie prachtvollen Holzschnitte illustrieren Agricolas Erklärungen von Bergwerken und deren Fördertechnik bis hin zur Verarbeitung von Erzen, Kohle und Gestein. – Der Sachse Georg Agricola (1494–1555) gilt als »Vater der Mineralogie« und Begründer der Montanwissenschaften. Als hervorragender Renaissancegelehrter erreichte er überregionale Bedeutung. – Vorderdeckel außer dem Wappen mit goldgeprägter Beschriftung: »Churfürstlich Sachsisch. Ober und Bergambt Freyberg« und »1682«.

34,5 : 21,0 cm. [10], 708, [90] Seiten. – Vordergelenk oben eingerissen, Rücken etwas fleckig. – Stempel auf Titel (ausgekratzt). – Durchgehend etwas gebräunt.

VD17 3:309843V. – Darmstädter, Agricola S. 45/46 f. – Michaells/Proscher 58

787  Johann Gottfried Gregorius. Die curieuse Orographia,

€ 600

Oder accurate Beschreibung derer berühmtesten Berge in Europa, Asia, Africa und America […] in Alphabetischer Ordnung. Frankfurt, Leipzig und Erfurt, Hieronymus Philipp Ritschel 1715. Mit einem gestochenen Frontispiz. Späterer Lederband.

Sehr seltene erste und zugleich einzige Ausgabe der ersten geographischen Spezialenzyklopädie. – Der Autor, als Hauslehrer in Arnstadt tätig, verfasste eine Vielzahl von Büchern zur Regionalgeschichte und Geographie. Seine »Orographia« umfasst Berge aus aller Welt, deren Besonderheiten und Geschichte er ausführlich beschrieb. In alphabetischer Folge stehen Aetna und Alpen neben Burg Altenburg, auf den Brocken folgt der Calvarienberg Golgatha usw. – Das Register verzeichnet besondere Ereignisse und Personen, die mit bestimmten Bergen in Verbindung stehen. – Das Frontispiz vereint kleine Ansichten berühmter Berge, darunter Ararat, Tafelberg, Aetna und Vesuv.

18,0 : 10,5 cm. [40], 728 (pag. 727), [16] Seiten, 1 Kupfer. – Vordergelenk brüchig. – Frontispiz und Titel im Falz etwas verklebt.

788  E. B. A.. Der in allen Vorfällen vorsichtige Banquier,

€ 450

Oder: Gründlich und Deutliche Anweisung, Was Ein Banquier in seinem Negotio, auch allen und jeden darin vorkommenden Fällen […] seine Handlungen vorsichtig führen könne. Prag und Nürnberg, Johann Friedrich Rüdiger 1733. Pergamentband der Zeit.

Erste und offenbar einzige Ausgabe. – Der anonyme Verfasser wird in keiner der maßgeblichen Bibliographien und auch im KVK nicht ermittelt. Das Buch ließ er auf eigene Kosten drucken, der Nürnberger Buchhändler Rüdiger übernahm den Vertrieb in Kommission. – Angesichts der Erfahrungen der Finanzkrise 2008, den zahlreichen Klagen gegen bekannte Bankhäuser und dem jüngsten Skandal um einen deutschen Finanzdienstleister sind besonders die ausführlichen Überlegungen zu den Anforderungen an einer Banker (er sei erfahren, redlich und aufrichtig, verschwiegen, reell und prompt sowie exakt) lesenswert und unterhaltsam. Alle Aspekte des Bankwesens und besonders des Wechselgeschäfts werden ausführlich erläutert, im zweiten Teil werden 104 »Kauffmanns-Parere« – Grundlagen der damals gültigen Wechselordnungen – kommentiert. – Es erschien noch ein zweiter Band mit internationalen Wechselordnungen. – Schönes Exemplar.

21,0 : 17,5 cm. [8], 502, [50]; 263, [1] Seiten.

Nicht bei Kress. – Humpert 6791

789  Johann Rudolf Schellenberg. Studien für geübtere Anfänger.

€ 800 ( R5 )

Ein Duzend [sic!] neue abwechselnde Gegenden. Winterthur 1781. Zwölf Kupferstiche. Fadengehefteter Umschlag der Zeit.

Sehr schönes Exemplar der seltenen ersten Ausgabe. – Die Folge der großformatigen Kupfer, die im Kunststudium als Vorlage dienen sollten, enthält das Titelblatt, eine Tafel mit zwei Motiven und elf weitere reizende Kupferstiche, meist mit Schweizer Landschaften mit figürlicher Staffage. – Johann Rudolf Schellenberg (1740–1806) zählt zu den bekanntesten Schweizer Künstlern des Vorklassizismus. Die Reihe der von ihm illustrierten Bücher ist lang (Biblische Geschichten, Sittenlehre), zu zahlreichen Werken steuerte er Kupferstiche bei (Lavaters Pyhsiognomie). Viele Kupferstecher der Zeit wurden von ihm ausgebildet.

15 : 11 cm. (Kupfer), 27,5 : 21,5 cm (Umschlag). – Der Umschlag etwas stockfleckig, die Kupfer sehr schön.

Lonchamp 2633. – Brun, Schweizer Künstlerlex. III, 33, 14

790  [Johann Wolfgang von Goethe]. Die Vögel. Nach dem Aristophanes. Erster Ackt.

€ 3000

Handschrift auf Papier. [Weimar, wohl Anfang 1781]. Pappband der Zeit.

Abschrift der ursprünglichen Fassung, angefertigt von Goethes Sekretär Christian Georg Karl Vogel in brauner Tinte, mit Echtheitsbestätigung durch Dr. Jürgen Behrens (Frankfurter Goethe-Museum) vom 23.11.1989. – Auf starkem englischem Bütten (Wasserzeichen). – Nach den Angaben bei W. Arndt, der 1886 eine kommentierte Druckfassung des Gothaer Manuskripts herausgab, sind die Einbände des Gothaer und des vorliegenden identisch, beides Pappbände in »gelber Steinfarbe.
Das kleine Stück wurde im August 1780 im Liebhabertheater Ettersburg mit Goethe in der Rolle des Schriftstellers »Treufreund (als Scapin)« uraufgeführt. Die literarisch-politische Satire »voller Muthwillen, Ausgelassenheit und Thorheit« (Goethe) bezeichnete Wieland in einem Brief an J. H. Merck als »Goethens Epops maximus cacaromerdicus« und fährt begeistert fort: »Außer der mächtigen Freude, die der Herzog und die Herzoginmutter an diesem aristophanischen Schwank gehabt hat, ist’s auch für Goethens Freunde tröstlich zu sehen, daß er mitten unter den unzähligen Plackereien seiner Ministerschaft noch soviel gute Laune im Sack hat«. – Belegt ist, dass Goethe kurz nach Fertigstellung ein oder zwei Abschriften des (inzwischen verloren gegangenen) Originalmanuskripts anfertigen ließ, wahrscheinlich beide durch seinen Sekretär Vogel, in dessen »ungemein sauberer und zierlicher« Handschrift. Eine Abschrift korrigierte Goethe eigenhändig. Bevor er diese dem Prinzen August von Gotha übersandte, fertigte Vogel die vorliegende Abschrift an, in der die Korrekturen eingearbeitet sind. Besonders bedeutend ist das nur hier enthaltene ausführliche Personenverzeichnis, das im Gothaer Manuskript fehlt und in den Druckfassungen gekürzt wurde. Für den Druck bei Göschen 1786 überarbeitete Goethe den Text nochmals und ersetzte unter anderem eine etwas anstößige Szene.

20,2 : 16,5 cm. Kollation (einschließlich der Vorsatzblätter): Blatt 1 recto/verso leer, 2r Titel, 2v leer, 3r Personen, 3v leer, 4–47r/v und 48r Text, 49v und 50r/v leer.

Literatur: Gräf, Goethe II-4, S. 392ff. – Provenienz: Erworben 1989 im Hamburger Antiquariat (mit einer dankens-, lese- und lobenswerten Beschreibung durch Henning Kluger), seitdem in deutscher Privatsammlung. – Einband leicht berieben, Ecken gering bestoßen. – Innen tadellos, die Blätter später mit Bleistift paginiert

791  [Johann Wolfgang von] Goethe. Clavigo.

€ 400

Ein Trauerspiel. Leipzig, Weygandsche Buchhandlung 1774. Pappband der Zeit mit Buntpapierbezug und Rückenschild.

Erster Druck der ersten Ausgabe mit allen bei Hagen genannten Merkmalen. – Goethe schrieb das Trauerspiel im Frühjahr 1774 innerhalb weniger Tage. Bereits im Sommer lag es gedruckt vor. Erstmals wurde der Name des Dichters auf dem Titel genannt, alle vorherigen Texte – auch der »Götz« – erschienen noch anonym. Im August 1774 wurde das Stück in Hamburg uraufgeführt. – Unbeschnittenes Exemplar auf festem, gelblichem Papier und in schöner zeitgenössischer Kartonage. – Provenienz: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, später Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1809). Auch die KatNrn. 792–794 stammen aus dem Besitz des Hamburger Antiquars und Auktionators (1901–1983). Spätestens mit dem Auktionskatalog seiner Sammlung (1795 Katalognummern, bearbeitet von Susanne Koppel unter Mithilfe von Klaus Hänel und Brigitte Reimers) verstand man Hauswedells wiederholt getätigte Aussage, er sei »Händler und kein Sammler«, die er 1968 in einem Privatdruck zur Stuttgarter Antiquariatsmesse mit dem Ausspruch »Mao sammelt auch nicht« noch unterstrich, als hanseatische Untertreibung.

17,5 : 11,1 cm. – Rücken etwas verblasst. – Minimal fleckig.

Goedeke IV/3, 159, 2. – Hagen 64 D1. – Slg. Kippenberg 352

792  [Johann Wolfgang von Goethe]. Die Leiden des jungen Werthers.

€ 800

Erster [und] Zweyter Theil [in einem Band]. Leipzig, Weygandsche Buchhandlung 1774. Mit einer gestochenen Titelvignette von Oeser und zwei Holzstichvignetten, auf Titel 2 und am Schluss. Marmorierter Lederband des 19. Jahrhunderts mit Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild. Rot-weiße Kleisterpapiervorsätze.

Erste Ausgabe, zweiter Druck mit den korrigierten Druckfehlern. An Stelle des Druckfehlerverzeichnisses auf Seite 224 nun die Holzstichvignette »Sense mit Sanduhr«. – Man darf getrost behaupten, dass Goethe nach »Götz« und »Clavigo« spätestens mit diesem Buch seinen Weltruhm begründet hat. Der Briefroman mit dem bekannt-tragischen Ende hat nicht nur Scharen von Nachahmern – sei es im Hinblick auf das Werther-Gewand oder den Freitod aus verschmähter Liebe – gefunden, sondern auch viele Schriftsteller inspiriert. – Sehr selten. – Provenienz: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, später Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1811).

16,3 : 10,0 cm. 224 Seiten. – Kanten teils leicht berieben. – Auf etwas einfacherem Papier als der Estdruck. – Titelblatt 1 mit kleinem hinterlegten Ausschnitt und im Falz etwas fleckig. Durchgehend leicht fleckig.

Goedeke IV/3, 163, 3. – Hagen 80 D1a. – Nicht in Slg. Kippenberg. – Dorn 271

793  [Johann Wolfgang von] Goethe. Der Triumph der Empfindsamkeit.

€ 500

Eine dramatische Grille. Ächte Ausgabe. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1787. Halblederband der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild und hübscher Rückenvergoldung.

Erste Einzelausgabe. – Sonderdruck (mit dafür gedrucktem Titelblatt) aus dem vierten Band der »Schriften« nach Entfernung der Bogennorm und Verrückung der Paginierung. – Der epochale Begriff »empfindsam«, der sich sogleich in der deutschen Dichtung verbreitete, wurde »zum erstenmal gebraucht von Bode, der in der vorrede zu Yoricks empfindsamer reise (1768) erzählt, dasz Lessing es ihm als übersetzung von sentimental empfohlen habe« (Grimms Wörterbuch). – Schönes unbeschnittenes Exemplar auf stärkerem Papier. – Exlibris Goethe-Sammlung Edwin Redslob (mit dessen Zusatz »Dublette!«) und seinem Besitzvermerk auf dem Vorsatzblatt. – Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1313).

16,9 : 11,0 cm. [2], 118, [2] Seiten. Etwas berieben und leicht fleckig. – Ränder von Titel und Schlussblättern leicht gebräunt.

Goedeke IV/3, 232, 37. – Hagen 185. – Kippenberg 1358. – Dorn 344

794  [Johann Wolfgang von] Goethe. Faust.

€ 800

Ein Fragment. Ächte Ausgabe. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen 1790. Marmorierter Pappband um 1900.

Erste Einzelausgabe, zweiter Druck, da mit der Zeilenwiederholung auf den Seiten 144/145 und allen weiteren bei Schulte-Strathaus beschriebenen Merkmalen des Doppeldrucks Sm. Anton Kippenberg galt im Übrigen diese Variante als Erstdruck. – Goethes »Faust«, der ihn über Jahrzehnte beschäftigte, – 1808 erschien die vollendete Fassung von Teil 1, 1833, also erst aus dem Nachlass, der Tragödie zweiter Teil – gilt als die berühmteste dramatische Dichtung der deutschen Nationalliteratur. Das Faust-Fragment erschien 1790 auch im siebten Band der »Schriften« (Göschen 1787–1790). – Ehemals Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1318).

16,0 : 9,8 cm. [2], 168 Seiten. – Vordergelenk minimal angeplatzt. – Leicht gebräunt. Titel mit Besitzvermerk.

Goedeke IV/3, 611, 2. – Hagen 204. – Slg. Kippenberg 2377

795  J[ohann] W[olfgang] von Goethe. Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären.

€ 600

Gotha, Carl Wilhelm Ettinger 1790. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts mit drei vergoldeten Rückenschildern.

Erste Ausgabe, erster Druck. – Die Herausgabe dieser naturwissenschaftlichen Schrift wurde von Göschen abgelehnt. Nicht zuletzt diese Entscheidung führte zum Bruch Goethes mit seinem Hausverlag: »Ich konnte schwer begreifen, warum er [Göschen] mein Heft zu drucken ablehnte, da er im schlimmsten Falle durch ein so geringes Opfer von sechs Bogen Makulatur einen fruchtbaren, frisch wieder auftretenden, zuverlässigen, genügsamen Autor sich erhalten hätte« (Goethe). – Goethe versuchte in diesem Werk – lange vor Darwin –, die Entwicklung der Pflanzen aus einer Urform zu erklären. Vor dem Druck legte Goethe sein Manuskript dem Jenaer Botaniker Bartsch zur Überprüfung und Begutachtung vor. – Sehr schönes fleckenfreies Exemplar auf festem Papier. – Aus der Bibliothek der Franziska von Hohenheim (1748–1811, zunächst Mätresse, seit 1785 zweite Ehefrau von Herzog Carl Eugen von Württemberg, seit 1790 Herzogin von Württemberg) mit den typischen grün-rot-goldenen Rückenschildern.

17,5 : 11,5 cm. [4], 86, [2] Seiten. – Titel mit fast vollständig gelöschtem Stempel.

Goedeke IV/3, 576, 17. – Hagen 211. – Kippenberg 368

796  [Johann Wolfgang von] Goethe. West-oestlicher Divan.

€ 400

Stuttgart, Cotta 1819. Mit gestochenem Doppeltitel von C. Ermer. Blauer Orginalinterimsumschlag.

Erste Ausgabe. – Mit der korrekten Titelzeile »Talismane« auf Seite 9. Die als Viertelbogen zum Austausch gedachten Korrekturseiten 7–10 wurden im letzten Bogen des Buches gedruckt und sind im vorliegenden Exemplar eingeheftet. – Im August 1814 reiste Goethe nach 17 Jahren erstmals wieder in seine Heimatstadt Frankfurt. In Wiesbaden traf er den Bankier Johann Jakob Willemer und dessen Lebensgefährtin Marianne Pirngruber, die österreichische Sängerin, die Willemer 1814 – wahrscheinlich auf Goethes Anraten – heriratete. Auch der 65jährige Dichterfürst fühlte sich zu der jungen Frau hingezogen. Aus der beiderseits leidenschaftlichen Beziehung entstanden einige der schönsten Gedichte des Bandes, die zum Teil von der Hand der Verehrten stammen. In seiner »Suleika« setzte Goethe Marianne von Willemer ein bleibendes Denkmal. – Meist noch unaufgeschnittenes, deshalb ganz breitrandiges Exemplar.

19,8 : 11,5 cm. 2 Kupferstiche, 556 Seiten. – Die Broschur mit Einrissen und kleinen Fehlstellen, der Buchblock verzogen. – Der Doppeltitel außen mit kleinem Wasserflecken.

Goedeke IV/3, 492, 110.I. – Hagen 416. – Slg. Kippenberg 400. – Fischer, Cotta 1189. – Dorn 361

797  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre

€ 300

oder Die Entsagenden. Ein Roman. Erster Theil [alles Erschienene]. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1821. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts mit grün-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Die elf Gedichte bzw. Sprüche auf den Vorblättern im Erstdruck, die einzelnen Novellen des Romans, der unvollendet blieb, erschienen seit 1809 im »Taschenbuch für Damen«.

16,2 : 10,5 cm. [8], 550, [2] Seiten. – Einband etwas bestoßen und berieben. – Sauberes Exemplar, nur die ersten 6 Blätter etwas wasserrandig. – Vorsatz mit Besitzvermerk »A. v. Brandenstein 1855«.

Goedeke IV/3, 434. – Hagen 425. – Fischer, Cotta 1300. – Slg. Kippenberg 402. – Dorn 388

798  Jean Paul – Ludwig Roentgen. Gebetbuch aus Romanen gezogen.

€ 400

Der Rhapsodieen [Erstes bis] Drittes Heft. Zweyte rechtmäßige Auflage (Hefte 1 und 2). Neuer marmorierter Pappband.

Erste vollständige Ausgabe. Die ersten beiden Hefte erschienen 1801 zunächst im Selbstverlag unter dem Titel »Rhapsodieen zum Genuß der Morgenstunden eines ganzen Jahres. Für höhere und bessere Menschen«. Die gemeinsamen Freunde des ostfriesischen Theologen Roentgen, Jean Paul und Emanuel Osmund, hatten sich um 1804 bei der Bayreuther Buchhandlung J. A. Lübecks Erben offenbar mit Erfolg für eine Neuauflage eingesetzt. Jean Paul regte den neuen Titel an, den Roentgen begeistert aufgriff und auf die neuen Titelblätter »jetzt hat das Buch seinen rechten Namen« setzen ließ. – Der Verfasser formulierte – ganz im Geiste und Stil des von ihm hochverehrten Jean Paul – Betrachtungen und Belehrungen auf »alle« Tage des Jahres, es erschienen allerdings nur diese drei Teile, die vom 1. Januar bis 6. Juni reichen. – Als Einleitung zum zweiten Heft wurde der kurze Briefwechsel zwischen Jean Paul und dem Verfasser verwendet, hier im Erstdruck. Hefte 2 und 3 mit beiden Titeln, alt und neu, Heft 3 erschien 1805 in erster Auflage. – Selten.

16,0 : 16,3 cm. XX, 314; [2], XVI, 310; VIII, 286 Seiten. – Gelegentlich etwas stockfleckig.

Berend /Krogoll 400 Anmerkung

799  Friedrich Nietzsche. [Ecce homo]. Aus Friedrich Nietzsches Leben.

€ 300

Seinen eigenen Aufzeichnungen entlehnt. Mitgeteilt von M. G. Conrad. – In: Die Gesellschaft. Monatsschrift für Litteratur und Kunst. Herausgegeben von M[ichael] G[eorg] Conrad und Karl Bleibtreu. Leipzig, Wilhelm Friedrich, September 1890.

Erstdruck dieser frühesten Auszüge aus Nietzsches Autobiographie, die vollständig erst 18 Jahre später unter dem Titel »Ecce homo« erscheinen sollte. – In Heft 9, Seiten 1253–1262. In Heft 10 folgte Leo Bergs Nietzsche-Essay und das Porträt des Philosophen. – Michael Georg Conrad (1846–1927), der Herausgeber der Zeitschrift, hatte Zugang zum Manuskript erhalten und publizierte umfangreiche Auszüge aus den Kapiteln »Warum ich so klug bin« und »Warum ich so weise bin« und eine Schlussbemerkung. – Die für den deutschen Naturalismus wichtige Zeitschrift, »die eine deutsche Erneuerung aus den Ideen Nietzsches und Wagners anstrebte« (Kafemann, zitiert nach Krummel), erschien teils im Eigenverlag der Herausgeber. Zu diesen zählten neben dem Schriftsteller Conrad, der die Zeitschrift gründete, Karl Bleibtreu, Hans Merian, Ludwig Jacobowski und Alfred Gotendorf. – Hier die vollständige Folge der Jahrgänge 1–8 (1885–1892), außer Band I alle in den Originalleineneinbänden.

24,5 : 16,0 cm. – Pappeinband 1 beschädigt, sonst sehr gut erhalten. Teils dezente Besitzerstempel rückseitig auf den Titelblättern.

Krummel I, 194 AE. – Schaberg S. 256 Anmerkung. – Dietzel/Hügel 1162. – Schlawe I, 19ff

800  Cranach-Presse – Das Hohelied Salomo.

€ 1500

Leipzig, Insel 1931. Mit elf blattgroßen Holzschnitten und 13 Holzschnitt-Initialen von Eric Gill. Originalhalbpergamentband, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Im Originalschuber.

Eins von 100 Exemplaren auf Maillol-Kessler-Bütten (Gesamtauflage dieser deutschen Ausgabe 158). – »Der text dieser ausgabe des Hohen Liedes ist wörtlich nachgedruckt der ersten ausgabe der Lutherischen bibelübersetzung; seine dramatische gestaltung der Vulgata entnommen« (Druckvermerk). – Die Kolumnentitel wurden in Rot gedruckt. – Eric Gills Holzschnitte, flächig dunkelgrau auf hellgelber Tonplatte gedruckt, bezaubern durch ihre rätselhafte Anmutigkeit. Dem Künstler gelang die Verallgemeinerung der Sujets und die Vermeidung jeglicher »Süßlichkeit«. – Sehr schönes Exemplar.

26,2 : 13,5 cm. [2], 31, [7] Seiten. – Schuber leicht berieben. – Innendeckel mit kleiner Tintenstift-Nummer.

Brinks 89. – Müller-Krumbach 55. – Schauer II, 75. – Sarkowski 1393. – Gill 284

801  Cranach-Presse – Edward Gordon Craig. Fünf Holzschnitte zu »Hamlet« auf gelbem Japanpapier, einer monogrammiert.

€ 1000

Weimar 1926–1928. Ca. 16 : 8 cm (36 : 24 cm).

I. Soldier with Shield (Act 1, Scene 1). – II und III. Actor. – Bird Dancer (Act 3, Scene 2, pages 92/93 in opposite). – IV. Yorick (Act 5, Scene 1). – V. Soldier (monogrammiert, Act 5, Scene 2).

Blatt 4 und 5 mit kleinem Braunfleck, Blatt 2 und 3 leicht verfärbt.

802  Cranach-Presse – Hamlet.

€ 600

Doppelblatt mit drei Holzschnitten von Edward Gordon Craig. Weimar [1929].

Zweiter Prospekt zur deutschen Ausgabe des »Hamlet«, gedruckt auf der Cranach Presse für den Leipziger Insel-Verlag und S. Fischer in Berlin, bei denen die Buchausgabe erschien. – Gesetzt aus der Hamlet-Fraktur und gedruckt in Schwarz und Rot auf Maillol-Kessler-Bütten im Format des Buches. – Mit dem Schrifttitel von Eric Gill und folgenden Holzschnitten: Hamlet lesend vor Kissen. – Hamlet mit gezogenem Schwert. – Der Wächter. – Auf den Innenseiten die Seiten 110/111 aus dem Buch, auf der Rückseite die Verlagsankündigung mit Preisangaben der verschiedenen Ausgaben und Einbandvarianten. – Harry Graf Kessler war dieser Prospekt offenbar so wichtig, dass er ihn (laut Anmerkungen von John Dieter Brinks) einigen Pergamentexemplaren des Buches beibinden ließ.

36,3: 24,3 Seiten [4] Seiten. – Seite 4 etwas gebräunt.

Brinks 75. – Müller-Krumbach 41 Anmerkung

803  Eugen Diederichs – [William] Shakespeare. Hamlet.

€ 400

Deutsch von Wilhelm Schlegel und Ludwig Tieck. Jena, Eugen Diederichs 1916. Mit einer Holzschnittinitiale und -kopfleiste von E. R. Weiß. Weinroter Originalsaffianlederband. Rückenverzierung, Lederrückenschild und doppelte Deckelkantenfileten vergoldet.

Eins von 150 Vorzugsexemplaren auf Strathmore-Japan (Gesamtauflage 1650). – Die Typographie und der sparsame Buchschmuck stammen von dem zweiten bedeutenden Buchkünstler, dessen Mitarbeit sich der engagierte Verleger in Jena versicherte: Emil Rudolf Weiß. – Für die Vorsätze wurde blau-rot-graues Oleographiepapier verwendet.

27,8 : 18,0 cm. [6], 213, [3] Seiten. – Rücken mit wenigen und kleinen Bereibungen. – Die Ränder teils leicht gebräunt.

  804    Eugen Diederichs Verlag – Atlantis.

€ 250

Volksmärchen und Volksdichtungen Afrikas. Herausgegeben von Leo Frobenius. Band I [bis] XII [alles Erschiene]. Jena, Eugen Diederichs 1921–1928. Mit zahlreichen Tafeln, Karten und Illustrationen. Illustrierte Originalhalbleinenbände mit farbiger und goldgeprägter Rückenverzierung.

Die vollständige Reihe, herausgegeben als Veröffentlichungen des Forschungsinstituts für Kulturmorphologie. – Inhalt: I–III. Volksmärchen der Kabylen. – IV. Märchen aus Kordofan. – V. Dichten und Denken im Sudan. – VI. Spielmannsgeschichten der Sahel. – VII. Dämonen des Sudan. VIII. Erzählungen aus dem West-Sudan. – IX. Volkserzählungen und Volksdichtungen aus dem Zentral-Sudan. – X. Die atlantische Götterlehre. – XI. Volksdichtungen aus Oberguinea. – XII. Dichtkunst der Kassaiden. Weitere Bände (XIII–XV) waren geplant, sind aber nicht mehr erschienen. – Im Jahre 1898 gründete der Ethnologe und Forschungsreisende Leo Frobenius (1873–1938) in Berlin das »Afrika Archiv« als private Stiftung. Nach dem ersten Weltkrieg wurde es als »Forschungsinstitut für Kulturmorphologie« nach München, 1925 nach Frankfurt am Main verlegt. – Die Buchgestaltung stammt von F. H. Ehmcke, der maßgeblich für die Bedeutung des Diederichs Verlages in der deutschen Buchkunst war. – Beilage: Brief des Forschungsinstituts München, 24. IX. 1921: »Auf Veranlassung von Herrn Leo Frobenius übersenden wir Ihnen fünf Abgüsse afrikanischer Terrakotten.

21,4 : 15,0 cm. – Vereinzelte Besitzvermerke.

  805    Chrysos-Druck – E. T. A. Hoffmann. Ignaz Denner.

€ 300

Mit 12 handkolorierten Originallithographien von Walter Wellenstein. Berlin, Carl P. Chryselius 1923. Mit zwölf signierten Lithographien, eine davon als Textillustration. Originalhalbpergamentband, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Im Schuber.

Erster Chrysos-Druck. – Eins von 200 Exemplaren. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Walter Wellenstein (1898–1970) studierte u. a. bei Emil Orlik. Er veröffentlichte Zeichnungen u. a. im »Simplicissimus« und »Eulenspiegel«, illustrierte das Gesamtwerk von E. T. A. Hoffmann, russische Literatur und Kinderbücher. – Sehr schönes Exemplar.

30,4 : 24,8 cm. 44, [4] Seiten, 11 Lithographien.

Sennewald 23,1

  806    Dreiangeldrucke – Gottfried August Bürger. Balladen.

€ 300

München, Hans von Weber 1919. Mit zahlreichen Lithographien von Franz Kolbrand im Text, davon sieben ganzseitig. Preußischblauer Maroquinband mit Vergoldung (signiert: O. Herfurth, MdE).

Neunter Dreiangeldruck. – Auf glattem Japanpapier, »höchstens 80« Exemplare wurden auf Velin gedruckt. – Das Beiheft (Nachwort von Erich Ebstein) wurde am Ende eingebunden. – Eleganter Einband von Otto Herfurth, Deckel-, Steh- und Innenkanten und Rückenfelder mit vergoldeten Fileten. Vorderdeckel mit dem vergoldeten Monogramm des Buchbinders, seine eigentliche Signatur mit dem Zeichen der Innung »Meister der Einbandkunst« im hinteren Innendeckel. – Kopfschnittvergoldung, marmorierte Vorsätze. – Mit dem radierten und signierten Exlibris eines Berliner Sammlers von Horst Hussel.

24,0 : 18,0 cm. [4], 131, [1] Seiten. – Rücken etwas verblasst.

Rodenberg 417, 9

  807    Drucke der Pforte – Das Lied von S. Anno.

€ 250

Übertragen von Richard Benz. Heidelberg und Offenbach, Wilhelm Gerstung 1924. Hellbrauner Originalkalblederband mit Blindprägung (Helene Fanck, Stuttgart).

Erster Druck der Pforte. – Eins von 400 Exemplaren, nach Rodenberg wurden nur die Vorzugsexemplare in Leder gebunden. – Auf Bütten. – Druck in Dunkelrot und Schwarz, gesetzt aus der »Liturgisch«, einer von Otto Hupp entworfenen gotischen Fraktur. – Der literarischen Gemeinschaft der »Pforte« gehörten unter anderem Hans Thoma und Alfred Mombert an. Unter Leitung von Gustav Wolf errichtete man eine Werkstatt für Graphik und Buchkunst. In Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Buchbinderei Helene Fanck entstanden die ersten Pressendrucke. Die literarische Leitung hatte dabei Richard Benz, welcher die bis heute maßgebliche Übersetzung der »Legenda aurea« anfertigte.

29,0 : 20,7 cm. XLVII, [5] Seiten. – Vorsätze im Falz leimschattig.

Rodenberg 234, 1

808  Ernst Ludwig-Presse – Das Hohelied von Salomo.

€ 300

Leipzig, Insel 1909. Mit illustriertem Doppeltitel und acht ornamentierten Initialen von Friedrich Wilhelm Kleukens. Malvenfarbiger Originalkalblederband mit vergoldetem Titel und Kopfgoldschnitt.

Fünftes Buch der Ernst Ludwig-Presse. – Eins von 300 Exemplaren. Auf Japan. – Textbearbeitung von R. A. Schröder nach der Übertragung von Emil Kautzsch. – Breitrandiger Handpressendruck in Schwarz und Gold, für den erstmals die von F. W. Kleukens entworfene Cicero Kleukens Antiqua verwendet wurde. – Einbandentwurf von F. W. Kleukens, der sich gegenüber Anton Kippenberg allerdings mit seinem Wunsch, weißes Leder zu verwenden, nicht durchsetzen konnte. Schlussendlich wurden (laut Kleukens-Archiv und Sarkowski) 260 Exemplare in malvenfarbenes Kalbleder und 40 weitere in violettes Maroquin gebunden. – Exlibris Max Kirdorf.

25,2 : 16,3 cm. XXI, [3] Seiten. – Ränder mit kleinen Schabstellen, Rücken verblasst. – Bindung nach dem Doppeltitel angeplatzt.

Stürz 5. – Kleukens Archiv ELP 6 (5). – Sarkowski 1392. – Rodenberg 74, 5

809  Ernst Ludwig-Presse – Longus. Die Liebesgeschichte von Daphnis und Chloe.

€ 300

Leipzig, Insel 1910. Grüner Originalkalblederband; Rückentitel, Deckelvignette und Innenkantenbordüren vergoldet. Im Originalschuber, samtgefüttert und mit Lederkanten.

Zehntes Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von 250 Exemplaren auf italienischem Büttenpapier (Gesamtauflage 300). – Die Buchgestaltung lag in den Händen von Friedrich Wilhelm Kleukens, von ihm stammen der Titel mit schmückender Bordüre, die vier großen vergoldeten Initialen, die gesamte Typographie und der Einbandentwurf. Die Einbände schuf Peter A. Demeter. – Exlibris Alma Joswich (Franz von Bayros).

26,8 : 18,0 cm. 167, [7] Seiten. – Rücken stark verblasst, Deckel minimal fleckig und berieben.

Stürz 10. – Kleukens Archiv ELP 13 (10). – Rodenberg 75, 10. – Sarkowski 1039

  810    Ernst Ludwig-Presse – Francis Jammes. Die Gebete der Demut.

€ 250

München, Kurt Wolff 1921. Blaugrüner Originalmaroquinband mit reicher Vergoldung und Marmorpapiervorsätzen.

Stundenbücher 4. – Eins von 350 Exemplaren. – Die Übertragungen von Ernst Stadler erschienen zuerst 1913 in Kurt Wolffs expressionistischer Reihe »Der jüngste Tag«. – Handpressendruck in Rot und Schwarz auf Bütten von C. H. Kleukens. – Der Einbandentwurf der »Stundenbücher«, einem bibliophilen Seitenstück des Verlages, stammt von Emil Preetorius. – Das leere Vorblatt mit Widmung vom 5. Dez. 1931 »zur Erinnerung an die christliche ›Demut‹ …«, sonst tadellos.

18,3 : 12,2 cm. [48] Seiten.

Stürz 30. – Göbel 533. – Rodenberg 77, 4. – Schauer II, 64. – Fromm III, 12981

  811    Mainzer Presse – Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vor dem Deutschen Reichstag am 7. März 1936.

€ 120

Mainz 1936. Originalpappband mit Pergamentkapitalen und goldgeprägter Deckelvignette.

Erschienen Weihnachten 1936 auf Anregung des Mainzer Bürgermeisters zur Erinnerung an den Einmarsch der deutschen Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland. – Gesetzt aus der von Kleukens entworfenen Burte Fraktur. – 1927 wurde Christian Heinrich Kleukens an die von der Stadt Mainz gegründete Presse berufen. Dort erschienen auch noch die wenigen späten Drucke der Ernst Ludwig-Presse, deren Leitung Kleukens weiterhin inne hatte. 1945 wurde Kleukens, der dem Gedankengut der Nationalsozialisten durchaus nahestand, als Leiter der Mainzer Presse, die noch bis 1953 existierte, suspendiert.

25,0 : 16,5 cm. 53, [3] Seiten.

812  [Johann Wolfgang von] Goethe. Unbekannte Erotische Epigramme

€ 500

mit Radierungen nach des Dichters Sammlung erotischer Gemmen von Carl Heinz Roon [Walter Günteritz] und einem Nachwort der Neuherausgeber. Venedig, Privatdruck für den Markuskreis 1924. Mit 37 monogrammierten Radierungen. Originalhalbpergamentband mit Rückenvergoldung, roten Saffianlederbezügen und goldgeprägter Deckelvignette. Mit Schutzpapierumschlag und -schuber.

Eins von 30 Exemplaren. – Als »Privat-Ausgabe für den Markuskreis auf der Manutiuspresse gedruckt«. – Seltene erste Separatausgabe der erotischen Epigramme Goethes, die bis dato »in den schwindelerregenden Reihen des Sophien-Goethes vergraben« waren. – Text und Radierungen in Blau jeweils recto auf Bütten gedruckt. – Der Graphiker Walter Günteritz (1888–1962) unternahm nach ersten Tätigkeiten in Lübeck ausgedehnte Reisen. In dieser Zeit entstanden seine erotischen Adaptionen antiker Gemmendarstellungen. In der Zeit des Nationalsozialismus leitete er die Städtische Kunstsammlung Neubrandenburg und war im Kulturkreis der SA tätig. Die zeitgenössische Kritik bezeichnete ihn 1933 als »schmissigen Porträtist mit starker Konzession an das Damenhafte bzw. Kavalierhafte« (Mecklenburgische Monatshefte 1933/9). – Sehr schön erhalten.

25,8 : 17,3 cm. [4], 77, [3] Seiten, 37 Radierungen.

Slg. Kippenberg 1792

  813    Janus-Presse – Goethes Meister-Prosa.

€ 300

Auswahl des Wortlauts [und Nachwort] von A[nton] K[ippenberg] und G[eorg] W[itkowski]. Leipzig 1926. Originalbroschur mit farbig marmoriertem Umschlag.

Für die Teilnehmer des Leipziger Bibliophilen-Abends am 11. Februar 1926 »hinter dem fünfzigjährigen Rücken Walter Tiemanns von Carl Ernst Poeschel mit gleichfalls ermattenden Kräften hergestellt« (Druckvermerk). – Der tatsächlich letzte Druck der Janus-Presse, der 1907 begründeten ersten deutschen Privatpresse, die bereits im Frühjahr 1923 mit dem »Schlemihl« ihre Tätigkeit eingestellt hatte. »Ihre Seele, die Schrift, war versenkt, nicht wie Cobden Sanderson’s Doveslettern in die Themse, sondern in ein Paket mit grauem Packpapier« im Archiv des Insel-Verlages. Für den seltenen Privatdruck wurde sie noch ein letztes Mal verwendet. – Keiner der Texte stammt wirklich von Goethe, die Herausgeber schoben dem Dichterfürsten diverse Briefe, Ansprachen etc. unter. – Dazu vier weitere Gaben des Leipziger Bibliophilenabends: I. 1908: Ein Halbes Dutzend Leipziger Promotions-, Hochzeits-, Liebes- etc. etc. Gedichte aus der Barockzeit. Originalbroschur. Schriftprobe verschiedener Unger-Frakturen. Stifter: Carl Poeschel und Julius Zeitler. – II. 1910: Herz mein Herz was soll das geben? Faksimile der Handschrift. Ein Blatt in Büttenumschlag. Eins von 99 Exemplaren. Stifter: Kurt Wolff. – III. 1922: Briefe berühmter Meister der Musik aus meiner Autographensammlung. Originalbroschur. Faksimiles von acht Briefen. Stifter: Henri Hinrichsen. – IV. 1933: Theodor Fontane. Kleine Geschichte aus dem Riesengebirge. Originalpappband. Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 300). Stifter: Gerhard Schulze.

24,9 : 17,8 cm. 30, [2] Seiten. – Broschurumschlag mit kleinen Fehlstellen.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930, S. 83 sowie S. 72 und S. 79

814  Insel Verlag – [Johann Wolfgang von Goethe]. Annette.

€ 250

Leipzig, Insel [1923]. Braun marmorierter Originalkalblederband mit reicher Vergoldung von Rücken und Stehkanten, grünem Rückenschildchen und Marmorpapiervorsätzen, Deckelkanten- und Schnittvergoldung (signiert: H. Sperling, Leipzig). Im Originalschuber.

Eins von 350 handschriftlich nummerierten Exemplaren. – Auf Zanders-Bütten. – Faksimile-Ausgabe der 1767 von Ernst Wolfgang Behrisch aufgeschriebenen und mit Vignetten verzierten Liedersammlung des Leipziger Studenten Goethe. – Druck der Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig. – Sehr gut erhaltenes Exemplar dieses reizenden Faksimiles.

17,9 : 12,5 cm. [108] Seiten.

Sarkowski 576. – Slg. Kippenberg 7919

815  Insel Verlag – Goethes Italienische Reise.

€ 250

Mit den Zeichnungen Goethes, seiner Freunde und Kunstgenossen. Neu herausgegeben vom Goethe-Nationalmuseum. Leipzig 1925. Mit 174 teils farbigen Abbildungen auf Tafeln und im Text. Blauer Saffianlederband mit reicher Vergoldung und marmorierten Vorsätzen.

Prachtvoll gebundenes Exemplar der leicht veränderten zweiten Auflage. – Neben »Dichtung und Wahrheit« bildet die »Italienische Reise« den wichtigsten autobiographischen Text von Goethes Hand. Sein künstlerisches Bemühen spiegelt sich in unzähligen Zeichnungen und Skizzen, die in der vorliegenden Ausgabe um Schöpfungen von Angelika Kauffmann, Philipp Hackert, J. H. Tischbein, Kniep, Joh. G. Schütz (Römisches Carneval) und anderen erweitert wurden. – Der Einband, leuchtend blau und grobnarbig, mit breiten vergoldeten Fileten, dem Titel auf dem Vorderdeckel in Liniensatz und vergoldetem Kopfschnitt blieb unsigniert.

36,3 : 24,5 cm. [8], 343, [5] Seiten, 126 Tafeln.

Sarkowski 591 A

816  Insel Verlag – Ernst Hardt. Schirin und Gertraude.

€ 300 ( R5 )

Ein Scherzspiel. Leipzig, Insel 1913. Mit Titelillustration und Initialen von Karl Walser. Farbig illustrierter Originalpergamentband mit Kopfgoldschnitt.

Eins von 59 Vorzugsexemplaren, auf handgeschöpftem Bütten und in Pergament gebunden. – Tadellos schönes Exemplar der sehr seltenen Vorzugsausgabe.

19,2 : 12,9 cm. 168, [4] Seiten.

Sarkowski 674 VA. – Badorrek-Hoguth B 29.1

817  Insel Verlag – [Friedrich] Schiller. Musen-Almanach für das Jahr 1797.

€ 300

[Faksimileband und Kommentarheft.] Leipzig, Insel 1907. Mit beiden illustrierten Umschlagdeckeln, dem Frontispiz und acht gefalteten Notenblättern. Flexibler marmorierter Originalpergamentband mit Rückenschild, vergoldeten Deckelbordüren und Schnittvergoldung und Originalbroschur. Zusammen in rotem Chagrinlederschuber.

Eins von 50 Vorzugsexemplaren auf Bütten und in Ganzpergament (Gesamtauflage 300). – Kommentarheft mit einem Begleitwort zur neuen Ausgabe von Hanns Holzschuher. – »Es sind Bücher und Bände über diesen Almanach geschrieben worden – über dies merkwürdige, seltene und kostbare Buch der Weltliteratur. Kostbar, weil es als Sammelstätte Dichtungen und Werke unserer größten Dichter birgt« (Begleitwort). – Nahezu druckfrisches Exemplar.

16,8 : 10,6 cm. [22], 302, [10] Seiten, 8 Falttafeln; LXV Seiten, 3 Tafeln. – Der Umschlag des Beihefts am Oberrand angestaubt.

Sarkowski 1176

818  Arthur Schopenhauer. Sämmtliche Werke

€ 300

in fünf Bänden. Leipzig, Insel [um 1920]. Braune flexible Kalblederbände mit vergoldeten Titeln und Kopfgoldschnitt.

Großherzog Wilhelm Ernst Ausgabe. – Insgesamt erschienen in der Reihe 34 Bände (Schiller, 6. – Schopenhauer, 5. – Koerner. – Goethe, 16. – Kant, 6). – Die Titel und Überschriften waren die ersten typographischen Arbeiten von Eric Gill. – Herausgegeben von Eduard Grisebach, Max Brahn und Hans Henning. – Nachauflage der erstmals 1905–1910 erschienenen fünfbändigen Dünndruckausgabe.

17,7 : 10,8 cm. – Rücken verblasst.

Sarkowski 1526. – Gill/Corey/Mackenzie 302

819  Insel Verlag – Rudolf Alexander Schröder. Elysium.

€ 300

Ein Buch Gedichte. Leipzig, Insel 1906. Flexibler Originalpergamentband mit gold gedrucktem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Exemplar 25 und somit eigentlich das letzte Vorzugsexemplar, entgegen dem Druckvermerk jedoch nicht auf Pergament sondern auf Büttenpapier gedruckt (Gesamtauflage 300). – Die Gestaltung übernahm Alfred Walter Heymel, die Initialen wurden in Rot gedruckt. – Das Büchlein ist dem weniger Monate zuvor verstorbenen Komponisten Felix vom Rath gewidmet, der mit den Insel-Gründern Heymel und Bierbaum (und somit sicher auch Schröder) befreundet war.

24,5 : 16,5 cm. [40] Seiten. – Der Pergamentumschlag wie meist etwas wellig und fleckig. – Vereinzelte Stockflecken.

Sarkowski 1535. – Adolph 7

820  Insel Verlag – [Rodolphe Töpffer]. La Bibliothèque de mon oncle.

€ 200

Leipzig 1923. Originalmaroquinband mit reicher ornamentaler Rücken- und Deckelvergoldung und Goldschnitt (signiert: A. Köllner, Leipzig). Mit dem Originalschuber.

In kleiner Auflage erschienen. – Faksimile eines Exemplars der ersten Ausgabe von 1832. Als Vorlage diente das Goethe zugeeignete Exemplar, den das Buch jedoch nicht mehr rechtzeitig erreichte, er starb vorher. Töpffer hatte das extra breitrandig belassene Exemplar im Unterrand mit 75 originellen Federzeichnungen versehen. – Mit dem separaten Begleitwort zur Faksimile-Ausgabe von Walther Vulpius.

22,3 : 13,4 cm. 78, [2] Seiten. – Rücken etwas verblasst, sonst tadellos.

Sarkowski 1758

  821    Inselbücherei – Gottfried August Bürger. Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande.

€ 250

Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen […]. 11.–25. Tausend. Leipzig, Insel 1913. Mit einem Titelbild. Brauner Originalkalblederband. Rückentitel, Inselschiff-Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Die einzige Lederausgabe von Inselbändchen 7 [1A]. – Vorsatzpapier Jenne 36.3. – Schönes Exemplar.

18,5 : 12,0 cm. 103, [1] Seiten. – Kanten minimal berieben.

Kästner IB, S. 231. – Jenne II, 131

  822    Inselbücherei – Hugo von Hofmannsthal. Der Tod des Tizian.

€ 150

Bruchstück. 1892. 61.–68. Auflage. Leipzig, Insel [1926]. Blauer Originallederband. Rückentitel, Inselschiff-Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Eine von drei Lederausgaben des frühen Inselbändchens, das von 1908 bis 1948 erschien. – Vorsatzpapier Jenne 68. – Auf festem Velin. – Sehr schönes Exemplar.

18,5 : 12,0 cm. 39, [1] Seiten.

Kästner IB, Seite 231, 8. – Jenne II, 131

823  Inselbücherei – [Das Buch] Ruth.

€ 750

In der Übertragung Martin Luthers nach der letzten von ihm selbst durchgesehenen Ausgabe der Deutschen Bibel, Wittenberg 1545. Leipzig, Insel [1914]. Mit Titelvignette nach einem alten Holzschnitt. Flexibler schwarzer Originallederband. Deckeltitel, Kantenfileten und Buchschnitt vergoldet.

Eins von etwa 100 bis 150 Exemplaren der seltenen schwarzen Ledervariante, auf Bütten der Ernst Ludwig Presse. – Vorzugsausgabe von Inselbändchen 152 [1], eine Bindequote aus der komplett auf der Ernst Ludwig Presse gedruckten Auflage von 10.000 Exemplaren. – Satz aus der Korpus Schlanke Kleukens-Antiqua. – Die Titelzeile und die vier Initialen wurden in Rot gedruckt. Anders als bei den Pergamentexemplaren (vgl. KatNr. 80) wird im Druckvermerk der vertreibende Insel Verlag genannt, das erste Blatt hier mit dem Verlagssignet, der Titel mit der Abbildung eines alten Holzschnitts.

18,7 : 13,0 cm. 21, [3] Seiten.

Stürz 43b. – Sarkowski 1383. – Jenne II, 48

824  Inselbücherei – [Nicolo] Machiavelli. Von den Menschen. Vom Staat. Vom Kriege. Von Religion und Vaterland.

€ 750

Gedanken Machiavellis, ausgewählt und übersetzt von Emil Schaeffer. Leipzig, Insel [1918?]. Originalbroschur.

Ohne Druckvermerk. – 1918 erschienen die Texte Machiavellis in Übersetzung und Auswahl Emil Schaeffers als Inselbändchen 240.1A. – Der vorliegende Druck ist erst in der überarbeiteten Neuausgabe von Heinz Sarkowskis Bibliographie des Insel-Verlags verzeichnet und wird dort mit »[1944]« datiert. Das erscheint insoweit irrtümlich, als die Texte des jüdischen Kunsthistorikers und Publizisten Schaeffer (1874–1944) nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sukzessive unterdrückt wurden und das Inselbändchen 1940 und 1944 in der »unverfänglichen« Übersetzung Johannes Zieglers aus dem 19. Jahrhundert erschien. – Nach Meinung von Herbert Kästner dürfte es sich vielmehr um einen Probeandruck handeln, der 1918 typographisch überarbeitet und mit Druckvermerk in der Inselbücherei erschien. Es handelt sich wahrscheinlich um ein nahezu unikales Stück, wir konnten nur noch ein weiteres Exemplar im Gutenberg-Museum Mainz nachweisen.

14,0 : 14,0 cm. 60, [4] Seiten. – Umschlag am Rücken leicht gebräunt.

Sarkowski 1046 a. – Vgl. IB 240.1A und 1B

825  Inselbücherei – Das kleine Blumenbuch.

€ 200

Zeichnungen von Rudolf Koch, in Holz geschnitten von Fritz Kredel. Leipzig, Insel [1933/34]. Mit 58 Farbtafeln. Originalpergamentband mit rotem Deckeltitel (signiert: Gerhard Prade, Leipzig). Mit hellgrünem Schutzpapierumschlag und Schuber.

Sonderausgabe von Inselbändchen 281.2. – Bindequote der 2. Auflage (51.–100. Tausend) im Handeinband. – Das berühmte Blumenbuch von Koch/Kredel war 1929/1930 in der Ernst Ludwig Presse und dann in der Mainzer Presse gedruckt worden, beide Ausgaben vertrieb der Insel-Verlag. 1933 erschien die vorliegende kleine Auswahlausgabe als Inselbändchen, 1942 folgte eine 80 Motive umfassende Auswahl im Originalformat. Seit 1933 wurde als Schrift nicht mehr Kleukens’ Antiqua sondern eine Fraktur verwendet.

18,5 : 12,0 cm. [4], 58, [6] Seiten.

Kästner IB, S. 238 »Geschenkausgabe«. – Jenne II, 63 (irrtümlich »Gerd Prade«). – Salter 1.11.4

826  Inselbücherei – [Johann Wolfgang von] Goethe. Novelle.

€ 500

Leipzig, Insel [1919]. Mit Titelzeichnung und 36 Illustrationen von Bernhard Hasler. Originalpappband mit goldgeprägtem Deckeltitel.

Eins von 100 Exemplaren auf Bütten. – Vorzugsausgabe zu Inselbändchen 296.1A. – Erschienen anlässlich Goethes Geburtstag am 28. August. Das Büchlein wurde wohl verspätet fertiggestellt, so dass nun der 171. Geburtstag zum Anlass genommen werden musste (Deckeltitel: »Dem 28. August 1920«).

21,3 : 14,2 cm. 35, [5] Seiten. – Kapitale minimal bestoßen.

Sarkowski 601. – Kästner IB, S. 238. – Jenne II, 52

827  Inselbücherei – W. Hey. Hundert (»Fünfzig« und »Noch fünfzig«) Fabeln für Kinder.

€ 150

Mit Bildern von Otto Speckter. Leipzig, Insel [1929/1933]. Mit Titelbordüren und zahlreichen Illustrationen nach Lithographien. Farbig illustrierter Originalleinenband.

Sonderausgabe der Inselbändchen 309.2 und 402. – Nach Jenne erschien diese Sonderausgabe, die die Buchblöcke beider 1929 erschienenen Bände verband, erst 1933. – Die Deckelillustration stammt von Walter Tiemann. – Tadellos.

18,5 : 12,0 cm. [4], 50, [2], [4], 50, [2] Seiten.

Sarkowski 724. – Kästner IB, S. 238. – Jenne II, 63

828  Inselbücherei – Gottfried Keller. Der Schmied seines Glückes.

€ 400

Mit 29 Holzschnitten von Karl Rössing. Leipzig, Insel 1921. Mit 29 Holzschnitten, davon acht ganzseitig und einige als figürliche Initialen. Originalhalbpergamentband mit weinrotem Batikpapierbezug und Kopfschnittvergoldung. Im Schuber.

Eins von 120 Exemplaren, gedruckt auf Van Gelder-Bütten und in größerem Format. – Vorzugsausgabe von Inselbändchen 328.1. – Bei der Vorzugsausgabe wurden die Holzstiche (Eichhorn/Mair: »vermutlich«) noch von den ungalvanisierten Stöcken gedruckt. – Die Erzählung Kellers erschien im Lauf der Jahrzehnte in der Insel-Bücherei mit Illustrationen von Karl Rössing, Carl Tesche, Joachim Kölbel und Rudolf Güthinger. – Hervorragend erhalten, teils unaufgeschnitten.

20,0 : 13,5 cm. 54, [2] Seiten.

Sarkowski 898. – Kästner IB, S. 238. – Jenne II, 55. – Eichhorn/Mair 1.19

829  Inselbücherei – Anatoli Lwowitsch Kaplan. Farbige Keramik.

€ 900

Leipzig, Insel 1973. Mit 32 ganzseitigen Farbabbildungen. Farbig illustrierter Originalpappband mit eingeprägtem rot-goldenem Rückentitel. Im schwarz-grün marmorierten Originalschuber.

Sonderausgabe von Inselbändchen 975. – Sehr seltene Sonderausgabe für »Deutscher Buch-Export und -Import GmbH Leipzig«. – Als Bezugspapier diente ein stark vergrößerter Ausschnitt einer Abbildung. – Die Aufnahmen stammen von Lothar Reher, das Geleitwort von Lothar Bolz. – Die Leipziger Handelsfirma übernahm kleine Teilauflagen für Geschenkausgaben. Diese erhielten ein abgeändertes Titelblatt und wurden individuell gebunden. – Wir konnten bisher kein Exemplar dieser Sonderausgabe im Handel nachweisen, auch den befragten Spezialantiquaren ist – wie auch Jenne – diese Ausgabe unbekannt.

18,5 : 12,2 cm. [4], 47, [1] Seiten.

  830    Inselbücherei – Die Geschichte von Aucassin und Nicolette.

€ 200

[Leipzig], Insel 1956. Mit 16 kolorierten Holzschnitten, zehn Motive teils wiederholt, und Holzschnitt-Musiknoten von Fritz Kredel im Text. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel (Gerhard Prade, Leipzig). Im Schuber.

Eins von 500 Exemplaren. – Vorzugsausgabe zu dem 30 (!!) Jahre später erschienenen Inselbändchen 1071. – Die Holzschnitte dieser Leipziger Ausgabe wurden von Martin Schauer nach Vorlagen von Fritz Kredel koloriert. – Bereits 1954 erschien eine einfarbige Fassung innerhalb der Inselbücherei (IB 14.1B), die kolorierten Sonderausgaben (Wiesbaden 1955 und Leipzig 1956) wurden allerdings jeweils neu gesetzt. Da 1986 ein Reprint der Leipziger Variante in der Inselbücherei erschien, verzeichnet Jenne die vorliegende als Vorzugsausgabe. – Tadellos erhalten.

21,5 : 13,8 cm. 70, [4] Seiten.

Sarkowski 519 A. – Jenne II, 60. – Vgl. Kästner IB, S. 236 (nennt aber nur die Wiesbadener Ausgabe). – Salter 1.230.4

831  Inselbücherei – Hugo von Hofmannsthal. Der Tor und der Tod.

€ 250

45. Auflage. Frankfurt am Main und Leipzig, Insel 2015. Farbig illustrierter Originalpappband.

Insel-Bücherei 28. – Exemplar der Karl-Georg Hirsch-Sonderausgabe A, von der 2019 25 nicht für den Handel bestimmte Exemplare erschienen. – Beigelegt sind eine Tuschfederzeichnung und ein zweifarbiger Holzstich, beide signiert, datiert, betitelt und nummeriert. – Mit einer weiteren signierten Bleistiftzeichnung auf dem Vortitelblatt. – Makellos.

18,5 : 12,0 cm.

832  Inselbücherei – Peter Bichsel. Wo wir wohnen.

€ 300

Geschichten. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Rainer Weiss. 2. Auflage. Frankfurt am Main und Leipzig, Insel 2016. Farbig illustrierter Originalpappband.

Insel-Bücherei 1253. – Exemplar der Karl-Georg Hirsch-Sonderausgabe A, von der 2019 nur zehn nicht für den Handel bestimmte Exemplare erschienen. – Beigelegt sind eine Tuschfederzeichnung und ein zweifarbiger Holzstich, beide signiert, datiert, betitelt und nummeriert. – Mit einer weiteren signierten Bleistiftzeichnung als Titelvignette. – Makellos.

18,5 : 12,0 cm.

  833    Inselbücherei – Österreichische Bibliothek.

€ 400

Herausgegeben von Hugo von Hofmannsthal und anderen. Alle 26 Bände der Reihe. Leipzig, Insel 1915–1917. Gelbe Originalpappbändchen mit Deckel- und Rückenschildern.

Vollständige Folge; alle Titel der Österreichischen Bibliothek innerhalb der Reihe nur in einmaliger Auflage. – »Seitenstück der Insel-Bücherei« in gleichem Format und ähnlicher Ausstattung. – Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Reihe nicht fortgesetzt, Restbestände wurden in roter Broschur verkauft oder in die Insel-Bücherei übernommen: Die tatsächlich in der Originalausstattung ausgelieferten Auflagenhöhen dürften also fast durchweg niedriger als die bei Kästner angegebenen »meist je zehntausend Exemplare« sein. – Insgesamt gut erhalten. – Mit dem achtseitigen Beilageprospekt zur Reihe mit einem längeren Text von Hugo von Hofmannsthal.

18,3 : 12,0 cm. – Rücken und vereinzelte Deckelränder etwas angestaubt. Drei Deckel und ein Deckelschild mit kleinen Schabstellen. – Acht Bände mit Besitzvermerk, zwei mit dem Leipziger Zensurstempel. – Vereinzelt leicht stockfleckig.

Kästner S. 249f. – Houghton Library Catalogue 497 und 498ff

834  Marées-Gesellschaft – Sappho. Carmina

€ 900

(griechisch). München, Piper 1921. Mit zwölf Radierungen von Renée Sintenis sowie radiertem Titel und 24 radierten Textseiten. Originalpappband mit Japanbezugspapier und vergoldetem Rückentitel.

31. Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 185 Exemplaren auf handgeschöpftem Bütten (Gesamtauflage 250). – Renée Sintenis (1888–1965) und Emil Rudolf Weiß (1875–1942) schufen mit diesem Druck der Marées-Gesellschaft eines der schönsten Bücher des 20. Jahrhunderts: Weiß radierte die griechischen Texte nach Vorbild einer alten Minuskelhandschrift, seine Ehefrau steuerte zwölf blattgroße Radierungen bei, anmutige, »hauchzarte Umrisse ihrer Figurinen, die in ihrer zerbrechlichen Schönheit den Text mit graziöser Anmut begleiten« (Jürgen Eyssen).

26,8 : 20,5 cm. [40] Seiten. – Das rosagefärbte Japanpapier auf den Außenseiten der Deckel etwas verblasst.

Rodenberg 371, 31. – Schauer I, 218. – Eyssen S. 58

835  Marées-Gesellschaft – Marées-Gesellschaft. [Erste bis] Elfte Reihe der Drucke.

€ 600

München, R. Piper 1917–1925. Acht Originalbroschuren, drei Originalpappbände, teils mit Holzschnitten.

Die vollständige Reihe der bibliophil gestalteten Werbeprospekte, aus dem Nachlass des Verlegers. – Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe, ein Verehrer des deutschen Malers Hans von Marées (1837–1887) gründete 1917 die bibliophile und kunst-affine Gesellschaft als gemeinsame Initiative mit dem progressiven Verleger Reinhard Piper. Bis 1926 erschienen 45 Drucke in elf Reihen. – »Die Prospekte der Gesellschaft sind […] kleine Kunstwerke; sie […] sind unter E. R. Weiss’ Leitung und künstlerischer Mitarbeit so ausgestattet worden, daß sie künstlerische Bedeutung gewinnen.« (Julius Rodenberg). – Dazu: Prints of Old & Modern Masters […] published by the Marees-Society. London, Batsford [1926]. Originalbroschur. Mit einem Verzeichnis der 45 Drucke. – Werbeprospekt und Subskriptions-Bestellkarte für den 45. Druck (Paul Guaguin. Noa Noa). Originalbroschur.

Mit leichten Alterungsspuren, teils auch etwas fleckigen Unterrändern.

Rodenberg 361. – Isphording I, 268 und 269 (die Hefte 10 und 11)

836  Maximilian-Gesellschaft – Bibliothek Walter Metzenberg.

€ 300

Luxus- und Pressendrucke, die Drucke der Maximilian-Ges., Bibliographie und Buchwesen. Berlin [1931]. Originalbroschur, Umschlag mit blau-goldenem Deckelschild.

Katalog 57 des Antiquariats Utopia in Berlin, 795 Nummern. – Walter Metzenberg war Inhaber der Berliner Graphischen Kunstanstalt Richard Labisch. Im Zusammenhang mit der misslichen wirtschaftlichen Lage und dem wenig später folgenden Konkurs seines Unternehmens veruntreute er das Barvermögen der Maximilian-Gesellschaft, deren Schatzmeister er bis zu seinem Freitod 1931 war. Seine Privatbibliothek wurde an die Dresdner Bank verpfändet und im Herbst 1931 durch das Berliner Antiquariat Utopia verkauft. – »Überblicken wir das Ganze dieser Sammlung, so erhalten wir ein eindrucksvolles Bild von dem, was die Buchkunst der letzten Jahrzehnte bedeutet, in stetem Fortschritt von den Zeiten des ›Pan‹ bis zu dem ›Shakespeare der Ernst Ludwig-Presse‹. Vielleicht wird für die künstlerische Kultur dieser Epoche später einmal neben der Architektur nur die Buchkunst als der wesentliche Repräsentant angesehen werden« (Kurt Freyer, Inhaber des Antiquariats im Vorwort des Kataloges). – Dazu: Drei Versteigerungskataloge mit Luxus- und Pressendrucken: Victor Werner (Hans Götz Hamburg, 1927, 600 Lots, mit Tafeln). – Max Kirdorf (Emil Hirsch München, 1929, 373 Lots, mit Tafeln). – N. N. (Paul Graupe Berlin, 1935, 2526 Lots, mit Tafeln). – Beigabe: Vier Publikationen der Maximilian-Gesellschaft (Jahrbuch 1928/29, Sternaux 1928, Chroniken 1937–1961 und 1961–1986).

27,5 : 19,8 cm. 71, [1] Seiten. – Umschlag leicht fleckig. – Ecken unten teils mit kleiner Knickfalte.

100 Jahre Maximilian-Gesellschaft, S. 86

  837    Georg Müller Verlag – Meisterwerke orientalischer Literaturen.

€ 300

In deutschen Originalübersetzungen herausgegeben von Hermann von Staden. Erster [bis] Neunter Band [alles Erschienene]. München, Georg Müller 1913–1923. Mit farbigen Bordüren der Doppeltitel. Originalhalblederbände mit ornamentaler Rückenvergoldung, rotem bzw. schwarzem Rückenschild und farbigen Modeldruck-Bezugspapieren.

Vollständige Reihe in der besseren Einbandvariante. – Das ambitionierte Verlagsprojekt enthält folgende Bände: I. Mesnevi oder Doppelverse des Scheich Mewlana Dschelal ed din Rumi. Aus dem Persischen. – II. Chinesische Novellen. – III. Sukasaptati. Das indische Papageienbuch. Aus dem Sanskrit. – IV/V. Katharatnakara. Das Märchenmeer. Eine Sammlung indischer Erzählungen von Hemavijaya. – VI. Asobi. Altjapanische Novellen. – VII/VIII. Hikayat Hang Tuah. Die Geschichte von Hang Tuah. Aus dem Malayischen. – IX. Vetala-Pantschavinsati. Die fünfundzwanzig Erzählungen eines Dämons. – Aufgrund des langen Erscheinungszeitraums wurden verschiedenfarbige Leder für die Einbände benutzt. Zudem sind vollständige Exemplare selten.

21,4 : 13,5 cm. – Rücken minimal berieben, ein unteres Kapital mit kleinen Einrissen.

25 Jahre Georg Müller Verlag S. 175

838  Das Prisma – Jakob Wassermann. Die Gefangenen auf der Plassenburg.

€ 400

Mit Steinzeichnungen von Kurt Werth. – Ernst Weiss. Hodin. Mit Steinzeichnungen von Nicolai Pusirewski. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1923. Mit 15 bzw. zehn Lithographien, davon sechs bzw. vier ganzseitig und signiert. Braune Originalmaroquinbände mit Vergoldung (signiert: Handeinband Wübben & Co., Berlin).

Das Prisma, Band 8 bzw. Band 13. – Je eins von 100 Vorzugsexemplaren. – Druckvermerke von den Autoren signiert. – Die Reihe »Das Prisma« erschien 1922/23. Alle fünfzehn Ausgaben enthielten Originallithographien als Illustrationen. Die Vorzugsexemplare wurden auf Bütten gedruckt und einheitlich in Leder gebunden. Die blattgroßen Lithographien wurden vom jeweiligen Künstler signiert. – Laut Sennewald betrug die Gesamtauflage jeweils 300 Exemplare.

27,0 : 18,0 cm. 68, [4] Seiten. – Vorderdeckel am Oberrand und Rücken etwas verblasst, Band II mit kleinen Schabstellen an den unteren Stehkanten.

Sennewald I, 8 und 13

  839    Rowohlt Verlag – Honoré de Balzac. Gesammelte Werke.

€ 200 ( R5 )

[45 in 40 Bänden]. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt 1953–1964. 40 blaue Originalleinenbände mit rot-goldenen Rückenschildern und Rückenvergoldung.

Die vollständige Hamburger Ausgabe. Im Kleinformat und als Dünndruckausgabe fast so platzsparend wie ein e-Book, allerdings haptisch deutlich angenehmer. – Die Übersetzungen stammen von Walter Benjamin, Franz Hessel, Else von Hollander, Walter Mehring, Max Krell, Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Otto Flake u. a. – 1. Der Alchimist. 2. Albert Savarus. 3. Die Geschichte der dreizehn. 4. Beatrix. 5. Buch der Mystik. 6. Caesar Barotteau. 7. Eine dunkle Geschichte. 8. Ehefrieden. 9. Der Ehekontrakt. 10. Eugenie Grandet. 11. Die Frau von 30 Jahren. 12. Die Geheimnisse der Fürstin von Cadignan. 13. Die Bauern. 14/15. Glanz und Elend der Kurtisanen. 16. Heimliche Könige. 17. Honorine. 18. Junggesellenwirtschaft. 19. Katharina von Medici. 20/21. Die Kleinbürger. 22. Die Königstreuen. 23. Künstler und Narren. 24. Der Landarzt. 25. Der Landpfarrer. 26. Zwei Frauen. 27. Modeste Mignon. 28. Nebenbuhler. 29. Oberst Chabert. 30. Pariser Novellen. 31. Pierette. 32. Sarrasine. 33/34. Tante Lisbeth. 35. Die tödlichen Wünsche. 36/37. Trollatische Geschichten. 38. Ursula Mirouet. 39. Vater Goriot. 40/41. Verlorene Illusionen. 42. Vetter Pons. 43. Der Volksvertreter. 44. Die Lilie im Tal. 45. Maitre Cornelius. Der verstoßene Sohn.

14,5 : 9,0 cm. – Einige Rücken verfärbt, zwei leicht berieben, zwei leicht fleckig.

Fromm S. 122–143

  840    Rupprechtpresse – Christoph Martin Wieland. Geron der Adlige.

€ 250

Eine Erzählung. München 1918. Pergamentband mit farbiger Deckelbemalung (signiert: ., Berlin).

Viertes Buch der Rupprechtpresse. – Eins von 200 Exemplaren. – Auf dem weichen Hadern-Bütten, von dem Ehmcke trotz Kriegsmangel im Sommer 1918 einen größeren Posten erwerben konnte. Gleich drei aufeinander folgende Drucke (der zweite bis vierte) wurden auf diesem Papier gedruckt. – Ab 1917 übernahm der Verleger Walther Hirth den Vertrieb der Drucke der Presse. – Insgesamt schönes Exemplar in einem unikalen Einband.

24,0 : 14,7 cm. 55, [3] Seiten. – 1 Blatt mit Einriss im Text. – Die Blätter teils mit umlaufenem Feuchtigkeitsrand.

Backe S. 122f. – Rodenberg 130, 4. – Günther/Zeilinger 415

841  Einbände – Ziegelroter Ecrasélederband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 1200

mit reicher ornamentaler Vergoldung. – Inhalt: Friedrich Schiller. Die Räuber. Ein Schauspiel. München, Hyperionverlag Hans von Weber 1912.

Dritter Hyperiondruck. – Eins von 100 römisch nummerierten Exemplaren auf Hundertbütten (Gesamtauflage 657, davon sieben auf Pergament und 550 auf Van Gelder-Bütten, so die ersten fünf Hyperiondrucke ). – Gedruckt bei Joh. Enschede en Zonen, Haarlem. – Auch für seine »Hyperiondrucke« »wählte der auch im Herstellerischen genießerische Verleger seltene Typen früherer Jahrhunderte, wie sie bei Enschedé und bei anderen alten Druckereien […] anzutreffen waren« (Schauer I, 102). Die Hyperiondrucke wurden auch an die Mitglieder der Vereinigung »Die Hundert« ausgegeben und wie bei dieser Reihe erfolgte die Auswahl der verwendeten Drucktypen durch Beschluss der Subskripenten. – Prachtvoller unikaler Handeinband: Beide Deckel mit breiten Deckelbordüren aus verschlungenen Kreislinien, fünf Rückenfelder mit mehreren Fileten gerahmt, das sechste mit dem vergoldeten Rückentitel. Der Kopfschnitt vergoldet, Seiten- und Unterränder unbeschnitten. – Makellos erhalten, mit Schutzpapierumschlag und gefütterter Halbleinenkassette.

27,7 : 20,6 cm. 140, [4] Seiten.

Rodenberg

842  Einbände – Friedrich Hölderlin. Elegien.

€ 450

Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1920. Schwarzer Originalbastardlederband. Deckeltitel, Deckel- und Innenkantenfileten sowie der Kopfschnitt vergoldet (signiert: O. Dorfner, Weimar). Mit Schutzpapierumschlag und Schuber.

Unnummeriertes Belegexemplar aus dem Nachlass Otto Dorfners, wie die 50 Vorzugsexemplare auf Japanpapier gedruckt und in nachtschwarzes indisches Schafsleder gebunden (Gesamtauflage 550). – Die Auswahl der Hölderlin-Elegien besorgte Hermann Kasack. – Gedruckt wurde bei Drugulin in Leipzig, dabei das jeweils erste Wort eines Gedichts in Blau. – Neben einigen Einzelausgaben edierten Friedrich Seebaß und Hermann Kasack 1920/21 die Hölderlin-Werkausgabe des Kiepenheuer-Verlags. – Tadellos schönes Exemplar.

25,2 : 20,0 cm. [2], 59, [3] Seiten.

Seebaß S. 20 (irrtümlich unter 1921). – Berger, Kiepenheuer 39

843  Einbände – Senfgelber Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 800

mit reicher ornamentaler Vergoldung. – Inhalt: Bertold Georg Niebuhr. Carsten Niebuhrs Leben. München, Rupprechtpresse 1921.

Elftes Buch der Rupprechtpresse. – Eins von 150 Exemplaren. – Gesetzt aus der Garmond Schwabacher, Handabzug auf Bütten. – Gedruckt unter Leitung von F. H. Ehmcke im Auftrag von Walter C. F. Hirth. – Prächtiger Handeinband, beide Deckel mit in den Eckfeldern verschlungenen Bändern aus vergoldeten Fileten. Zwei der sechs Rückenfelder, die durch Doppelbünde getrennt werden, sind mit Fileten vergoldet, eines mit dem Titel in Goldprägung. Die Stehkanten ziert eine einfache, die Innenkanten dreifache Fileten. Auch der Kopfschnitt des ansonsten unbeschnittenen Bandes wurde vergoldet. – Otto Dorfner, der häufig einfarbige Vorsatzpapiere bevorzugte, verwendete hier gelbliches Büttenpapier. – In gefütterter Hableinenkassette, diese von Otto Dorfner eigenhändig beschriftet. – Carsten Niebuhr war einer der bedeutendsten Forschungsreisenden im 18. Jahrhundert. Seine »Reisebeschreibung nach Arabien und andern umliegenden Ländern« galt bis ins 20. Jahrhundert als Grundlagenwerk. Die Biographie, verfasst von seinem Sohn, erschien erstmals 1817. Die Neuausgabe erfolgte durch Wilhelm Niemeyer.

28,2 : 19,2 cm. 49, [3] Seiten. – Einband mit winzigen Stockflecken, ebenso das Futter der Kassette.

Rodenberg 130, 11. – Backe S. 140f

844  Einbände – Brauner Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 800

Punktlinien der Deckelkanten, Deckelvignette, Innenkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Ernst Müller. Lasset die Hände mir los! Einige ausgewählte Gedichte. Offenbach, Wilhelm Gerstung 1921.

15. Rudolfinischer Druck. – Exemplar 76 einer nicht genannten Auflage (nach Rodenberg 100 Exemplare). – Zwei Zierstücke, fünf Initialen und das Pressensignet wurden von Rudolf Koch mit Aquarellfarbe eingemalt. – Auf Van Gelder-Velin. – Der kleine Band enthält fünf Gedichte des bereits mit 16 Jahren verstorbenen Dichters. Der Darmstädter Gymnasiast zählte zu den Gründungsmitgliedern der literarischen Zeitschrift »Die Dachstube«. – Die Rudolfinischen Drucke wurden von dem Schriftkünstler Rudolf Koch und Rudolf Gerstung geschaffen. Den Vertrieb übernahm der Verlag von Rudolf Gerstungs Bruder Wilhelm. – Tadellos erhaltenes Exemplar in schönem Einband. Makellos, mit Schutzpapierumschlag und in einer gefütterten Halbleinenkassette.

17,4 : 12,3 cm. [16] Seiten.

Rodenberg 126, 15

845  Einbände – Ziegelroter Ecrasélederband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 400

Deckelfileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: J. W. Goethe. Zuschriften und Erinnerungsblätter. Aus den Jahren 1807 – 1832. Stuttgart, Julius Hoffmann 1923.

Neunter Druck der Juniperus-Presse. – Eins von 200 Exemplaren. – Hergestellt in den Werkstätten der Kunstgewerbeschule Stuttgart. – Die Juniperus Presse wurde von F. H. Ernst Schneidler begründet, die Pläne entstanden noch in seiner Berliner Zeit, nach Rodenberg 1914 auf einem Spaziergang durch Wacholdersträucher im Grunewald (Wacholder = juniperus). »Die […] Drucke legen durch ihre schlicht künstlerische und technisch sachgemäße Form Zeugnis von dem bedeutenden Können der jungen Presse ab« (Rodenberg). – Tadellos schönes Exemplar in dekorativem Handeinband. – Mit Schutzpapierumschlag und in gefütterter Halbleinenkassette.

15,8 : 9,8 cm. [4], 56, [4] Seiten.

Rodenberg 99, 9. – Büttner/Koch/Ziegler, S. 326

846  Einbände – Grüner Saffianlederband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 450

Titel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Johann Wolfgang von Goethe. Zum neuen Jahr. Heidelberg, Richard Weißbach [1928].

Neujahrsgabe des Heidelberger Verlages. – Satz und Druck aus einer (unserer Meinung nach etwas zu) großen Frakturschrift bei Joh. Enschede en Zonen in Haarlem. – Auf Bütten. – Der leuchtend grüne Handeinband wurde mit vergoldeten Fileten auf den Bünden, Deckel-, Steh- und Innenkanten verziert. Vorsatzblatt und Spiegel wurden mit grauem Marmorpapier bezogen. – Tadelloses Exemplar mit Schutzpapierumschlag und in einer gefütterten Halbleinenkassette.

22,9 : 18,6 cm. [8] Blätter.

847  Einbände – Leuchtend roter Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 1200

mit reicher Fileten- und Bordürenvergoldung. – Inhalt: Hans Fürstenberg. Das französische Buch im achtzehnten Jahrhundert und in der Empirezeit. Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen 1929.

Eins von 1500 Exemplaren auf Bütten, weitere 88 nummeriert auf »mattem Löwen-Bütten«. – Das umfassende Werk verfasste der große Bibliophile Hans Fürstenberg (1890–1982). Sein beträchtliches Privatvermögen, das er durch seine Tätigkeit als Bankier der Berliner Handels-Gesellschaft erwarb und mehrte, war die Grundlage für seine spektakuläre Sammlung. – Etwa ein Drittel des Buches nehmen chronologische Tabellen, Bibliographien und die ausführlichen Register ein. – Otto Dorfner, der Buchbinder des Bauhauses und Anhänger einer sachlichen Einbandgestaltung, »überwand« für den vorliegenden Einband, den er auch auf Ausstellungen zeigte, diese Präferenz und schuf mit floralen Rankwerkbordüren und in der Kombination von »maroquin rouge« und Gold ein frankophiles Meisterwerk. Jeder Deckel wird von sieben Fileten und einer Bordüre umrahmt, der Rücken durch Fileten und Bordüren gegliedert. Auch Innen- und Stehkanten mit Fileten und Bordüren, alle handvergoldet. Der Kopfschnitt wurde vergoldet und poliert. Vorsätze aus Marmorkleisterpapier. – Tadellos erhalten, in gefütterter Halbleinenkassette, die von Dorfner beschriftet wurde.

30,4 : 24,0 cm. VIII, [2], 431, [3] Seiten.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930, S. 9

848  Einbände – Julius Rodenberg. Die Druckkunst als Spiegel der Kultur in fünf Jahrhunderten.

€ 300

Berlin 1942. Mit zahlreichen, teils zweifarbigen blattgroßen Illustrationen und beigehefteten Originalbeispielen. Pergamentband mit Vergoldung (Otto Dorfner, Weimar).

Opulent in Inhalt und äußerer Gestalt: Schwere Buchdeckel mit stark gemasertem Pergament bezogen, die Titel auf Rücken und Vorderdeckel vergoldet, der Vorderdeckel am Gelenk, der Rücken an den Kapitalen jeweils mit einer breiten vergoldeten Filete. Der Kopfschnitt wurde ebenfalls vergoldet. – Mit Schutzpapierumschlag und Schuber, dieser von Otto Dorfner eigenhändig beschriftet. Der Einband wurde nicht signiert, stammt aber aus dem familiären Nachlass Dorfners. – Der Kunsthistoriker und Bibliograph Julius Rodenberg (1884–1970) hat eine Vielzahl von Publikationen, besonders zur modernen Buchkunst und Bibliophilie des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Als Bibliotheksrat der Deutschen Bücherei legte er in Leipzig eine der bedeutendsten buchkünstlerischen Sammlungen an.

26,5 : 20,5 cm. 568 Seiten, ca. 32 Beilagen.

849  Einbände – Brauner Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 500

mit Vergoldung, Schutzpapierumschlag und Schuber. – Inhalt: Edwin Redslob. Goethes Begegnung mit Napoleon. Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen 1944. Mit Abbildungen auf vier Tafeln.

Fünfter Werkdruck der Gesellschaft der Bibliophilen. – Typographische Gestaltung und Druck von Carl Ernst Poeschel, »dem führenden Drucker Deutschlands«, der am 19. Mai 1944 verstorben war. – Gewidmet Anton Kippenberg, »dem großen deutschen Verleger, Goethesammler und Förderer deutscher Buchkultur« zum 70. Geburtstag. – Angemessen eleganter Einband des Weimarer Buchbinders, den Vorderdeckel zieren zwei Lorbeerkränze, die Goethe und Napoleon ebenso wie Kippenberg und Poeschel zukämen. – Deckelränder, Steh- und Innenkanten sowie Kapitale mit vergoldeten Fileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. – Tadellos erhalten.

21,4 : 14,8 cm. 75, [5] Seiten, 4 Tafeln.

850  Einbände – Halbleder-Pergamentdeckel-Einband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 450

mit vergoldeten Titeln, Rückenfileten und Kopfschnitt. – Inhalt: Theo Piana. Weimar. Stätte klassischer Tradition. Bilder von Günther Beyer und Klaus Beyer. Weimar, Volksverlag 1955. Mit 125 ganzseitigen Abbildungen.

Prachtvoll unikal gebundenes Exemplar: Dunkelblauer Maroquinrücken mit vergoldetem Titel und vergoldeten Fileten an den Bünden. Der vordere Pergamentdeckel mit dem Titel in Gold und Blauprägung. In passender Halbleinenkassette mit goldgeprägtem Titel. – Der Bildband bietet Ansichten von Stätten der Weimarer Klassik, Innenansichten, Kunstwerke und Theateraufführungen, alle mit ausführlichen Erläuterungen. – Gesetzt nach der Typographie von Horst Erich Wolter aus Walbaum Schriften, gedruckt bei Offizin Andersen Nexö, Vorblatt mit einer sehr offiziellen Widmung von »Mitarbeitern im Staatsapparat«. – Makellos.

32,0 : 24,8 cm. 161, [3] Seiten.

Heidtmann 17799 (kennt erst eine Ausgabe von 1966)

  851    Einbände – Blindgeprägter Schweinslederband von E. A. Enders, Leipzig

€ 200

(signiert). – Inhalt: Felix Wolff. Ægypten und der Hafen der Ewigkeit. [Leipzig, Insel] 1914.

23. Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von 70 Exemplaren auf Old Stratford-Velin (Gesamtauflage 100). – Der Titel wurde in Gold gedruckt. – Die deutschen Texte wurden nach der englischen Übersetzung von Wallis-Budge übertragen. – Die ornamentale Blindprägung und das weiße Schweinsleder erinnern an Einbände von Enders’ Hamburger Kollegen Franz Weiße.

21,3 : 14,8 cm. 143, [5] Seiten. – Einband etwas nachgedunkelt und an den Gelenken etwas berieben. Deckel leicht verzogen.

Stürz 23. – Rodenberg 76. – Schauer II, 64. – Sarkowski 1929a

  852    Einbände – Cremefarbener Schweinslederband von Walter Gerlach

€ 500

mit ornamentaler Blindprägung, Buntpapiervorsätzen und -spiegeln sowie Schnittbemalung und -vergoldung. – Inhalt: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift deutsch von Martin Luther. 1. Band [mehr nicht erschienen]. Berlin, Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser Verlag [1927]. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen, farbiger Titelbordüre und farbigen Initialen.

Meisterdruck für die Mitglieder des Volksverbandes der Bücherfreunde. – Es erschien lediglich dieser erste Band, der die Geschichtsbücher und die poetischen Bücher des Alten Testaments enthält. – Prachtausgabe der sogenannten »Cranach-Bibel«, der Text nach der Ausgabe von 1545, die Illustrationen von Lucas Cranach nach dem Pergamentexemplar der Ausgabe von 1541 aus dem Besitz der Staatsbibliothek Berlin. – Walter Gerlach schuf einen unikaten Einband, dessen Blindprägung etwas zurückhaltender und moderner wirkt als der Originalentwurf von Kurt Siebert. Die Schnittverzierung in Gold, Rot und Schwarz, mehrfarbig handumstochene Kapitale. – Sehr gut erhalten.

31,2 : 21,5 cm. 967, [1] Seiten. – Deckel minimal angestaubt.

MNE II, 405

853  Einbände – Ziegelroter Maroquinband von Walter Hacker, Leipzig,

€ 450

mit reicher floraler Vergoldung. – Inhalt: Goethe. Pandora. Ein Festspiel. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Zürich, Seldwyla 1923. Mit acht ganzseitigen Holzschnitten.

Fünfter Seldwyla-Druck. – Eins von 300 Exemplaren, im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gedruckt bei Jakob Hegner in Dresden-Hellerau auf Bütten. – Walter Hacker war in den 1920er Jahren Nachfolger von Carl Sonntag in dessen Werkstatt in der Leipziger Sternwartenstraße. In der Zeitschrift »Der Zwiebelfisch« schreibt er 1922: »Ich habe bei der früheren Firma Carl Sonntag jun. als alleinige Spezialität 3 1/2 Jahre nur Pergamentbände gearbeitet, und zwar schon im Jahre 1909; erst 1912 kam Fräulein Thiersch zu Herrn Sonntag, um sich im Bücherbinden weiter auszubilden; ich habe Fräulein Thiersch den Pergamentband gelehrt, bin dann im Jahre 1913 bei Fräulein Thiersch in Stellung gewesen, war danach ebenfalls in Bremen bei der Bremer Presse in der Binderei und habe dort als Alleiniger sämtliche Pergamentbände gearbeitet.« – Auch Leder »konnte« Hacker ganz offensichtlich: Der leuchtend rote Lederband erglänzt durch die breiten floralen Goldbordüren, die Innenkanten mit nur wenig schmaleren. Als Vorsatzpapier verwendete Hacker handmarmoriertes Kleisterpapier, der Kopfschnitt vergoldet, die Kapitale zweifarbig umstochen.

32,6 : 25,4 cm. 94, [6] Seiten.

Rodenberg 469,5

854  Einbände – Gelber Maroquinband von Holzhey und Sohn, Leipzig,

€ 400

mit farbig intarsierten und goldgeprägten Deckelbordüren. – Inhalt: Das Hohe Lied Salomos. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Otto von Holten 1921. Mit elf Holzschnitten, einer davon blattgroß.

Zweites Buch des Verlages Otto von Holten in der von Marcus Behmer gezeichneten Schrift. – Eins von 350 Exemplaren, von denen 50 nicht für den Handel bestimmt waren (Gesamtauflage 380). – Auf Zandersbütten. – Schöner, dekorativer Handeinband, mit stilsicherem Zusammenspiel von farbigen Intarsien und Goldfileten. – Vorsatzblatt mit handschriftlicher Widmung der Familie Holzhey. – Dazu: Das Hohelied Salomos. Strassburg und Leipzig, Josef Singer, um 1920. Kalblederband mit Vergoldung. Eins von 150 Exemplaren. Auf festem Whatman-Papier. Einband mit kleinen Schabstellen.

28,5 : 19,5 cm. [6], 21, [9] Seiten. – Einband etwas unfrisch, hinteres Gelenk angeplatzt. – Vorsatzblatt mit Sammlerstempel. – Innen makellos.

Rodenberg 244, 2

855  Einbände – Dunkelbrauner Maroquinband von Paul Kersten, Berlin,

€ 1200

mit farbigen Lederapplikationen und reicher Vergoldung. – Inhalt: [Claude Henri de Fusée] de Voisenon. Romans et contes. Tome premier [et] second. London 1775. Mit zwei gestochenen Frontispizen.

Sehr origineller und fein gearbeiteter Einband des berühmten Buchbindemeisters Paul Kersten (1865–1943). Er zählt zu den wichtigsten und besten Buchbindern des frühen 20. Jahrhunderts. Als Lehrer der Buchbinderklasse an der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg gab er sein Wissen und Können an später so namhaft gewordene Schüler wie Otto Dorfner weiter. Zusammen mit Carl Sonntag gründete er 1912 den Jakob-Krauße-Bund, eine Vereinigung der führenden Buchbinder der Zeit. Seine Streitlust, deren Opfer Kollegen, Sammler und Verleger vielfach wurden, führte 1923 zur Abspaltung einer neuen Vereinigung, den »Meistern der Einbandkunst«. – Beide Deckel mit Bordüren aus Punktlinien, Streicheisenfileten und Fleurons. Ebenso reich verzierte Kersten die Innenkanten, welche den bestickten Brokat umrahmen, der für Spiegel und Vorsatz verwendet wurde. Sechs Rückenfelder wurden mit Fileten gerahmt und mit Fleurons, Titeln und der Jahreszahl »1775« gefüllt. – Auf den Deckeln als farbige Lederintarsie je eine Vignette, die das berühmte Henne-Ei-Problem verbildlichen. – Die erotischen Erzählungen Voisenons erschienen erstmals 1767, der Nachdruck im Todesjahr. – Sehr gut erhalten.

13,3 : 9,5 cm. 238; 236 Seiten. – 2 Seiten mit leichtem Fleck, eine Blattecke restauriert.

856  Einbände – Pergamentband von Heinz Petersen, Düsseldorf, mit plastischem Rückentitel, vier durchgezogenen Bünden und Messingbeschlägen.

€ 600

– Inhalt: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift […] nach der Übersetzung Martin Luthers. Kleinquart-Ausgabe. Stuttgart, Württembergische Bibelanstalt 1954.

Der Einband Petersen, verbindet Stilelemente des 16. und 20. Jahrhunderts. – Beide Deckel mit je vier »Schonerbeschlägen« aus Messing, deren jeweils zwei an den Seitenrändern zugleich für Schließen verwendet wurden. – Der Rückentitel wurde durch unterlegte Kartonausschnitte plastisch gestaltet. – Der Buchschnitt mit Graphit eingefärbt. – Mit dem Atelieraufkleber Petersens auf einer eingelegten Banderole. – In der gefütterten Originalleinenbox. – Das Buch tadellos, die Leinenbox minimal stockfleckig. – Heinz Petersen (1908–1991) absolvierte seine Ausbildung zum Buchbinder u. a. bei Richard Riemerschmidt an den Kölner Werkschulen und später in Leipzig, wo er an der Staatlichen Akademie u. a. Schüler von Ignatz Wiemeler war. Bereits 1932 gründete er seine Werkstatt und war zunächst in Köln, später in Düsseldorf tätig. Er unterrichtete an verschiedenen Einrichtungen des Rheinlands und zählt zu den Initiatoren des Deutschen Buchbindermuseums im Gutenberg-Museum Mainz.

27,5 : 19,8 cm. 1008, 130, 334, 77 Seiten, teils farbige Karten und Bilddtafeln.

857  Einbände – Gelber Ziegenlederband, monogrammiert »S«, mit zahlreichen farbigen Applikationen und vergoldeten Titeln.

€ 450

– Inhalt: [Johann Wolfgang von Goethe]. Das Römische Carneval. Weimar und Gotha, Ettlinger 1789. [Leipzig und Frankfurt, Insel 1965]. Mit 20 kolorierten Tafeln.

Die zweite Faksimileausgabe des Insel-Verlages. – Die Abbildungen wurden von Georg Schauer von Hand koloriert, die originalen Einbände fertigte Gerd Prade. – Für dieses Exemplar wurde ein unbeschnittener Buchblock verwendet (29 : 23 cm, die Schnittmarken noch sichtbar). – Der vorliegende Einband entstand möglicherweise an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, wir konnten das Monogramm »S« (hinterer Innendeckel, in Goldprägung) nicht entschlüsseln. – Beide Deckel mit 99 applizierten farbigen Lederpunkten und zahlreichen schwarz aufgemalten. Der Titel, in kleinen Versalien goldgeprägt. Türkisfarbene Vorsätze. In einem Halbleinenschuber mit gelben Kanten und türkisfarbenem Bezugspapier.

29,7 : 23,3 cm. 69, [3] Seiten, 20 Tafeln, 1 Beilageblatt (Editionsvermerk).

Sarkowski 605 A

858  Einbände – [Johann Wolfgang von] Goethe. Römische Elegien.

€ 300

Dachau, Einhorn Verlag 1923. Roter Saffianlederband mit vergoldeten Mäander-Bordüren auf den Deckeln, Rückentitel, Steh- und Innenkantenfileten ebenfalls vergoldet (signiert: Frieda Thiersch).

Eins von 1000 Exemplaren, die Nummer in roter Tinte eingemalt. – Unikaler Einband der damals vor allem für die Bremer Presse in München tätigen Buchbinderin, auch Rodenberg erwähnt keine Vorzugsausgabe. – Auf Bütten. – Gedruckt bei Wilhelm Gerstung, gesetzt aus der neuen Antiqua von Rudolf Koch, von dem auch die Satzanordnung stammt. – Dazu: Elegien. Erotica Romana. Faksimile der Handschrift der »Römischen Elegien«. Herausgegeben von Max Hecker. Leipzig, Insel [1920]. Originalpappband und -broschur in -kassette. Eins von 165 Exemplaren (Gesamtauflage 240).

19,0 : 14,6 cm. [4], 27, [1] Seiten. – Der Einband an den Kanten leicht berieben.

Rodenberg 231. – Beigabe: Sarkowski 578

859  Einbände – Dunkelgrüner Maroquinband mit blindgeprägtem Filetenmuster, Titel und Kopfschnitt vergoldet.

€ 600

– Inhalt: Charles Dickens. Oliver Twist. Erzählung aus dem Englischen, vollständig übertragen von Mira Munkh. Berlin 1928. Mit Illustrationen von Gerhard Ulrich.

Möglicherweise Vorzugsexemplar, gedruckt auf besserem Papier, breitrandig und in einem exquisiten, wenn auch unsignierten Einband. Die Deckel mit breiter, kammlinienartiger Filetenprägung und vergoldeten Versalien. – Hellrosa Seidenvorsätze und Spiegel, diese mit doppelter vergoldeter Filete gerahmt. – Im Schuber mit Batikpapierbezug. – Tadelloses Exemplar.

25,5 : 18,5 cm. 512, [6] Seiten.

860  Einbände – Grüner Maroquinband mit Blindprägung und Metallapplikation auf dem Vorderdeckel.

€ 600

– Inhalt: Persönliche Glückwünsche. Herrn Willi Lehmann zum Abschluß seiner fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit im Hause der Otto Elsner KG. Berlin 1934.

Unikales Exemplar. – Anlässlich des 25jährigen Berufsjubiläums erhielt der Kommanditist Willi Lehmann den opulenten Band mit Grußworten von etwa 140 Mitarbeitern der Firma, einige auch mit Zeichnungen. – Der Jubilar scheint bereits 1934 ein strammer Parteigenosse gewesen zu sein. Sein signiertes Porträtfoto am Anfang des Bandes zeigt ihn mit dem Parteiabzeichen der NSDAP, sein Gabentisch (Foto am Ende des Buches) wird von zwei Führer-Porträts gesäumt. – Die 1871 gegründete Druckerei und Verlagsbuchhandlung Otto Elsner zählte zu den Berliner Traditionsfirmen. Der prächtige Einband mit dem montierten Klischee des Verlagssignets entstand sicher in der hauseigenen oder einer angeschlossenen Binderei. – Einige Beilagen (Briefe des Inhabers, Zeitungsausschnitte, Glückwunschtelegramm, Liedtexte der Jubiläumsfeier).

33,0 : 25,0 cm. 150 Blätter. – Stehkanten minimal berieben. – Der Seidenbezug der Vorsatzblätter an den Kanten verschlissen.

  861    Einbände – Willy Baur. Vier zollerische Historien.

€ 300

Privatdruck der Firma Heinrich Maute, Bisingen/Hohenzollern. Bisingen 1953. Mit acht Illustrationen und vier figürlichen Initialen von Herbert Günterberg. Zweifarbiger Ecrasélederband mit reicher Vergoldung.

Unnummeriertes Exemplar, über die sicher nur kleine Auflage gedruckt und hier wohl unikal gebunden. – Auf Japanpapier gedruckt, die Vorsätze aus Pflanzenfaser-Papier. – Beide Deckel werden durch ein vergoldetes Filetenlineament verziert, der Vorderdeckel mit großem Mittelfeld aus grünem Leder und einem aus rotem Leder applizierten »M«. – Der Privatdruck erschien zum 65. Geburtstag des Inhabers der Textilfirma Reinhold Maute, am Ende faksimilierte Unterschriften der Angestellten. – Tadellos.

21,1 : 17,7 cm. 75, [5] Seiten.

862  Zehn Jahre Verlag Kurt Desch.

€ 400

Berichte 1945–1955. – Ein Almanach der Autoren des Verlages Kurt Desch. Wien, München und Basel 1955 und 1963. Mit zahlreichen Porträts und Illustrationen. Originalecrasélederbände mit reicher Blind- bzw. Goldprägung und Schnittvergoldung. Beide in Schuber mit Lederkanten.

Überaus luxuriös gebundene Exemplare der frühen Verlagsalmanache, so wohl nur in kleinster Auflage oder Einzelanfertigungen. – I. Auf Bütten. Rotes Leder, beide Deckel mit vielen kleinen Fleur-de-Lis, dem Signet des Verlages, in Blindprägung. Auch Rückentitel und einige Fileten wurden blindgeprägt. – II. Auf Dünndruckpapier. Blaues Leder, die Lilien in Goldprägung, ebenso das Verlagssignet »D« und der Rückentitel. – Aus den frühen Jahren des damals sehr erfolgreichen Verlages, der 1945 gegründet worden war. »Weil er sich geschickt, wenn auch nicht ganz zutreffend, als politisch Verfolgter darstellte« (Reinhard Wittmann 1991), gewann er durchaus progressive Autoren und erhielt großzügige Unterstützung seitens der alliierten Kontrollorgane. In den 1960er Jahren erschütterten Prozesse und Skandale den Verlag und seinen Gründer.

I: 18,5 : 12,0 cm. 392, [2] Seiten. Tadellos erhalten. – II: 20,3 : 13,0 cm. 851, [3] Seiten. Mit einem montierten Frontispiz. Rücken verfärbt.

  863    Einbände – Neun Werke über Einbandkunst.

€ 300

London, Paris, Berlin u. a. 1900–2004. Alle mit zahlreichen, teils farbigen, teils montierten Tafeln und Abbildungen. Meist Originaleinbände.

I. Modern Book-Plates [… and:] Modern Book-Bindings and their Designers. The Studio, Special Winter-Number 1899–1900. – II. Jean Loubier. Der Bucheinband in alter und neuer Zeit. Berlin und Leipzig [1905]. – III. Deutsche Pressen- und Bibliophile Reihendrucke. Sonderheft vom »Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik. Leipzig 1924. – IV. Festschrift Hübel & Denck. Leipzig 1925. – V. Catalogue de l’exposition la Reliure originale. Paris, Bibliotheque Nationale 1947. – VI. Julius Rodenberg. Otto Dorfner. 1955. –VII. Un demi-siecle de reliures d’art contemporain en France et dans le monde. Exposition.1984. – VIII. 400 Jahre Buchbinder-Innung. München 1996. Festschrift und Katalog in einem Band. Nummeriertes Vorzugsexemplar im Pergamenteinband. – IX. Handeinbände. Internationale Beispiele aus den Jahren 1970 bis 2000, vorgestellt von der Vereinigung »Meister der Einbandkunst«. Hamburg 2004.

  864    Einbände – Zwei Werkverzeichnisse zur französischen Buchbindekunst.

€ 400

Paris, Auguste Blaizot 1965, und Toulouse, Arts et forms 1984. Mit hunderten Tafeln.

I. Pierre Legrain Relieur. Répertoire desriptif et bibliographique de 1236 reliures. Introduction par Jacques Millot. Études sur l’œuvre et l’homme. Paris, Auguste Blaizot 1965. Mit 78 Tafeln, davon sechs farbig. Leinenband. Eins von 600 Exemplaren. Ausführliche Dokumentation des Schaffens des berühmten, jung verstorbenen Buchbinders Pierre-Émile Legrain (1889–1929). – Beschreibung der Einbände nach Verfasseralphabet. Auf Velin von BFK Rives. – II. Marcel Garrigou. Georges Cretté. Études par Harry Vinckenbosch. Toulouse, Arts et Forms 1984. Mit 204 teils farbigen Tafeln und einigen Textabbildungen. Lose Bogen in Originalumschlag in -schuber. Eins von 450 Exemplaren. Ausführliche Dokumentation des berühmten Buchbinders Cretté (1893–1969). Beschreibung von 679 Einbänden, geordnet nach Verfasseralphabet.

33,5 : 26,5 cm. XLVIII, 204, [2] Seiten, 78 Tafeln. – 35,0 : 25,5 cm. [8], 265, [6] Seiten, 204 Tafeln.

865  MK Neudold – König Ludwig von Bayern. Römische Distichen. Rom 1820.

€ 750

Handschrift auf Papier. Frankfurt am Main 1946. Roter Originalmaroquinband mit reicher Vergoldung (A. Rohrmann, Frankfurt).

Opus 503. – Auf Bütten. – In schwarzer Tinte kalligraphiert, eine kleine Vignette auf dem Vortitelblatt. – Der Editionsvermerk von MK Neudold signiert, mit Werknummer und seinem Stempel. – Der Band enthält 269 der insgesamt 369 Sinnsprüche, die Kronprinz Ludwig von Bayern 1820/21 in Rom verfasste. 1810 hatte er Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen geheiratet. Diese »Prinzenhochzeit« begründete die Tradition des Münchner Oktoberfests. Das Kronprinzenpaar bereiste häufig Italien, die Distichen erschienen 1829 in der zweibändigen Gedichtsammlung des mittlerweile zum König von Bayern gekrönten Ludwig I. – Großzügig kalligraphiert – jeder Zweizeiler auf einer Seite – und elegant gebunden. – Mit Japanpapierumschlag und in der Originalkassette.

15,3 : 24,0 cm. [280] Seiten.

866  MK Neudold – Friedrich Hölderlin. Der Tod des Empedokles.

€ 600

Handschrift auf Papier. Mit einer Tuschzeichnung als Titelvignette. Frankfurt am Main 1947. Schwarzer Originalsaffianlederband. Rückentitel und -zierstücke, Deckelvignette und -kantenfileten vergoldet (A. Rohrmann, Frankfurt).

Opus 669. – Auf weißem Fabriano-Bütten. – Schöne, sehr elegante Handschrift in schwarzer Tinte, das Personenverzeichnis in Rot. – Am Ende mit dem signierten und gestempelten Editionsverrmerk. – Der Einband mit Schutzpapierumschlag und in Halbleinenkassette. – Tadellos erhalten.

22,8 : 15,2 cm. 176 (paginiert 186), [8] Seiten.

867  MK Neudold – Charles Baudelaire. Kleine Gedichte in Prosa.

€ 450

Übertragen von Erik-Ernst Schwabach. Handschrift auf Papier. Mit acht ganzseitigen Tuschzeichnungen. Frankfurt 1947. Schwarzer Saffianlederband mit montierter Tuschzeichnung als Deckelvignette.

MK Neudold opus 681. – Auf Fabriano-Bütten, in schwarzer Tusche. – Die Illustrationen entstanden nach Vorlagen Baudelaires. – Am Ende der Editionsvermerk Neudolds, von ihm signiert, gestempelt und mit der Werknummer versehen.

22,7 : 15,2 cm. 91, [5] Seiten. – Rücken minimal berieben.

868  MK Neudold – Albrecht Dürer. Von der Molerei.

€ 400

Salus 1512. Handschrift auf Papier. Mit einer Tuschzeichnung als Frontispiz. Frankfurt am Main [1947]. Originalpappband mit getuschtem Deckelmonogramm. Im Schuber.

Opus 708. – Kalligraphie in schwarzer Tusche, die Eingangsinitiale in Rot. – Auf Bütten. – Der Editionsvermerk signiert, mit der Werknummer bezeichnet und mit dem Stempel der »Offizina MK. Neudold«. – Als Frontispiz ein Dürer-Selbstporträt.

25,0 : 16,3 cm. [16] Seiten. – Rücken leicht gebräunt.

869  MK Neudold – Johann Wolfgang Goethe. Urfaust.

€ 750

Handschrift auf Papier. Mit einer aquarellierten Tuschzeichnung als Titelvignette. Frankfurt am Main 1949. Mit sieben Farbtafeln nach Aquarellen von Karel Svolinsky. Schwarzer Originalpappband mit Deckweißzeichnung auf dem Vorderdeckel.

Opus 775. – Großformatiges Ausgabe. – Der Editionsvermerk gestempelt, signiert und mit der Werknummer. – Der Text in Schwarz und Rot kalligraphiert. Als Illustrationen verwendete Neudold die sieben Bilder des tschechischen Graphikers Svolinsky, die 1948 in einer Faust-Ausgabe der Bauerschen Gießerei erschienen waren. Die gedruckten Tafeln wurden in die Handschrift eingebunden. Eine Tafel diente dem Kalligraphen als Vorlage für Titel- und Einbandzeichnung.

30,7 : 22,7 cm. 106, [4] Seiten, die Tafeln in die Paginierung einbezogen.

870  MK Neudold – Johann Wolfgang Goethe. Römische Elegien.

€ 500

Erotica romana. Handschrift auf Papier. Mit einer blattgroßen Tuschzeichnung und 20 weiteren im Text. Frankfurt am Main 1949. Originalhalblederband, Rückentitel vergoldet, Deckel mit Titelschild (H. Schuh, Frankfurt).

Ohne Werknummer. – Auf gelblichem Bütten. – Der Editionsvermerk signiert, datiert und mit Neudolds Monogrammstempel. – Der opulent kalligraphierte Titel mit einer farbig lavierten Vignette, gefolgt von einem ganzseitigen Aquarell. Als Vorlage und Inspiration für alle Illustrationen der Neudoldschen Handschrift dienten Zeichnungen des schwedischen Künstlers Yngve Berg (1887–1963), die 1938 in einer Ausgabe der »Römischen Elegien« der Bauerschen Gießerei Frankfurt gedruckt worden waren.

38,8 : 27,6 cm. [64] Seiten.

871  MK Neudold – Omar Chajjam. Sinnsprüche.

€ 900

Handschrift auf Papier. Mit acht ganzseitigen farbigen und goldgehöhten Miniaturen. Frankfurt am Main 1954/1955. Bemalter Originalpergamentband (Kurt Hagen, Frankfurt).

Opus 780. – Auf festem Velin. – Der signierte Editionsvermerk lautet: »Die Sinnsprüche Omar Chajjam wurden nach den ältesten Handschriften aus dem Persischen verdeutscht von Chr. H. Rempis. Die Abbildungen nach alten Vorlagen gezeichnet und geschrieben von MK Neudold 1954/55«. – In schwarzer Tinte kalligraphiert, Anfangs ein persischer Titel. Auch die Bildtitel der Miniaturen in persischer Sprache. – Sehr aufwendige Handschrift. Beide Deckel des Pergamenteinbandes wurden mit einer Miniatur und breiten Bordüren bemalt. – Mit Schutzpapierumschlag. Tadellos erhalten.

25,7 : 16,5 cm. [104] Seiten.

872  MK Neudold – Oscar Wilde. Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading.

€ 400

Handschrift auf Papier. Mit einer aquarellierten Tuschzeichnung. Frankfurt am Main 1953. Originalpappband mit einer Tuschzeichnung auf dem Vorderdeckel.

In der Übertragung von Albrecht Schaeffer. – Editionsvermerk signiert. – Außer der großen Porträtzeichnung, die auf dem Einband und als Frontispiz verwendet wird, verzierte Neudold noch die Eingangsinitiale, diese mit roter Tusche.

23,5 : 16,0 cm. 46, [6] Seiten.

873  MK Neudold – Johannes von Saaz. Der Ackermann und der Tod.

€ 600

Handschrift auf Papier. Mit einem Aquarell. Frankfurt am Main 1957. Halbpergamentband mit kalligraphiertem Rückentitel.

Auf Hahnemühle-Bütten. – Mit brauner Tinte im Stil einer mittelalterlichen Handschrift kalligraphiert. Titel, Paginierung, Initialen und Rubrizierung in Rot. – Das Titelbild zeichnete Neudold nach einer alten Vorlage aus dem 15. Jahrhundert, der Entstehungszeit des Textes. – Am Ende vom Kalligraphen signiert und datiert.

25,8 : 16,3 cm. 120, [8] Seiten.

874  Hommage à Hans Arp.

€ 1800

St. Gallen, Galerie im Erker 1966. Mit 14 signierten Originalgraphiken, diese lose in Originalhalbleinenmappe, mit der illustrierten Originalbroschur im Schuber.

Erschienen zur Ausstellung »Hans Arp«, die vom 5. November 1966 bis 31. Januar 1967, also wenige Monate nach dem Tod des Künstlers, in der Erker-Galerie gezeigt wurde. – Eins von 100 Exemplaren der Sonderausgabe mit den signierten Graphiken, meist Farblithographien, von 14 »Freunden des Künstlers«, nämlich Max Bill (Stanzung), Camille Bryen (Radierung), Piero Dorazio, Hans Hartung, Bernhard Heiliger, Marcel Janco, Asger Jorn, Alberto Magnelli, Robert Motherwell, Giuseppe Santomaso, Michel Seuphor (Linolschnitt), Antoni Tàpies, Fritz Wotruba und Ossip Zadkine. – Makelloses Exemplar mit der selten vollständigen, da häufig »vereinzelten« Suite.

22,8 : 17,5 cm (Katalog und ebenso die Graphiken).

  875    Georges Badin – Serge Mestre. Naissance d’un paysage.

€ 300

Interventions originales de Georges Badin. [Béthune], Collection Ecbolade [um 1978]. Mit zwei Originalgouachen. Lose Bogen in Originalumschlag.

Collection Ecbolade 16. – Eins von 80 Exemplaren (Gesamtauflage 95) mit den beiden Gouachen von Badin, beide mit Collage. – In Schwarz und Blau gedruckt. – Der französische Schriftsteller Georges Badin (1927–2014) hatte sich in den 1970er Jahren der Malerei zugewandt. Er lebte und arbeitete in seiner Heimatstadt Ceret. Serge Mestre, geboren 1952, war seit Anfang der 1970er Jahre literarisch tätig.

33,5 : 23,7 cm. [9] Doppelblätter. – Umschlag mit kleinen Druckstellen.

876  Aubrey Beardsley – Aristophanes. Lysistrata.

€ 600

In deutscher Übertragung. Mit den acht Illustrationen des Aubrey Beardsley. Privatdruck [Wiener Verlag Fritz Freund] 1905. Mit acht Tafeln nach den Zeichnungen von Aubrey Beardsley. Schwarzer Samteinband der Zeit.

Eins von 400 Exemplaren. – Die Tafeln auf Japan und auf graue Kartonblätter montiert, der Text auf Pannekoek-Bütten. – »Originalausgabe in 4° von bekannter Seltenheit! […] Von d[ies]er echten Wiener Lysistrata-Ausgabe sind Exemplare kaum aufzutreiben« (Stern-Szana). – Hayn/Gotendorf bemerkt zu dieser ersten im deutschen Sprachraum erschienenen Ausgabe: »Die starke Erotik der Abbildungen übertrifft noch die Komödie an zügelloser Derbheit.« – Makellos schönes Exemplar in einem vornehm-rätselhaften Handeinband: Schwarzer Samt mit aufgestickten weiß-roten Kreisen, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet, schwarze Wildseidenvorsätze.

30,4 : 24,0 cm. [64] Seiten, die letzten beiden leer, 8 Tafeln (H./G. und Stern-Szana verwechseln Seiten und Blätter).

Hayn/Gotendorf IX, 23. – Stern-Szana 236. – Lasner 107 A

877  Ulrich Becher. Männer machen Fehler.

€ 200

Berlin, Rowohlt 1932. Illustrierter Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe von Bechers Erstling. – Titelbaltt mit eigenhändiger Widmung »für die Aufspürung seines 1933 verbrannten Erstlings kopfherzlich dankend«. – Die Umschlagillustration »mit bissigem George-Grosz-Stil« (Jügen Holstein) stammt von Verfasser. Ulrich Becher (1910–1990) wurde nach seinem Abitur Meisterschüler von George Grosz. Mit seinem Erstling stand er als jüngster Autor auf der »Liste auszusondernder Literatur«. – Fünf Beigaben, u. a. Bechers Grosz-Rede zur Ausstellungseröffnung in der Akademie der Künster Berlin 1962 mit Widmung, dem entsprechenden Katalog und »Die Ballade von Franz Patenkindt« (Universitas 1979).

19,1 : 11,5 cm. 247, [5] Seiten. – Hinterdeckel leicht fleckig, Rücken minimal gebräunt.

Holstein, Blickfang 440

  878    Marcus Behmer – Homer. Ilias.

€ 250

Deutsch von J[ohann] H[einrich] Voss. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Askanischer Verlag 1923. Mit Titelholzschnitt und 46 Textholzschnitten. Originalschweinslederband mit Rückenvergoldung und -blindprägung. Deckelvignetten und Kopfschnitt vergoldet.

Fünftes Buch der »Behmer-Drucke« bei Otto von Holten. – Eins von 100 römisch nummerierten Vorzugsexemplaren, bei denen der Druckvermerk von Marcus Behmer, der Titelholzschnitt vom Künstler signiert wurde. – Auf starkem Zanders-Bütten. – In den Jahren 1920–1924 wurden bei Otto von Holten sechs Bücher unter Verwendung der von Marcus Behmer gezeichneten und bei Klingspor geschnittenen Antiqua gedruckt. Die Vignette auf dem Hinterdeckel mit einer für Behmer typischen »Anagramm-Vignette« der Initialen »LvH«, »AV«, »MB« und »OvH«. – Innen sehr gut erhalten.

30,5 : 24,0 cm. 420, [8] Seiten. – Deckel stockfleckig, Rücken aufgehellt und unten mit kleinem Einriss. – Vorsätze etwas fleckig.

Schauer II, 43. – Rodenberg 244, 5

879  Gottfried Benn. Morgue

€ 2500

und andere Gedichte. Berlin, A. R. Meyer [1912]. Fadengeheftete Originalbroschur.

Erste Ausgabe der literarischen Erstveröffentlichung des Dichters. – Lyrische Flugblätter 21. – Eins von 500 Exemplaren auf Hadernbütten (Gesamtauflage 505). – Der Verleger der »Lyrischen Flugblätter«, Alfred Richard Meyer, erinnerte sich: »Wohl nie in Deutschland hat die Presse in so expressiver, explodierender Weise auf Lyrik reagiert wie damals bei Benn. Sogleich katalogisierte ihn Richard M. Meyer in seiner Literaturgeschichte als den ›Höllenbreughel‹. Die Hamburger Abendzeitung zeterte los: ›Pfui Teufel! Welch eine zügellose, von jeglicher Herrschaft geistiger Sauberkeit bare Phantasie entblößt sich da, welche abstoßende Lust am abgründig Häßlichen […]‹ […] Wie zog sich die Berliner ›Post‹ aus der stotternden Verlegenheit? ›Endlich hat sich der Poet gefunden, der unsere Zukunft heraushebt aus der Nichtigkeit und uns wieder hohe Ziele weist. Goethe muß nun seinen Platz verlassen auf dem Olymp; ein anderer wird ihn einnehmen, und dieser andere heißt Gottfried Benn […]‹« (aus: Die Maer von der Musa Expressionistica, Düsseldorf 1948, S. 15).

18,4 : 14,2 cm. [16] Seiten, einschließlich des »Titelumschlags«. – Rückenfalz fachmännisch und unauffällig restauriert, Vorderdeckel mit winzigem Eckverlust oben am Falz.

Lohner/Zenner 1.1. – Raabe/Hannich-Bode 24.2. – Raabe, Zeitschriften 144.21. – Josch D 4.1

880  Gottfried Benn. Der Ptolemäer.

€ 450

Typoskriptdurchschlag mit eigenhändiger Ergänzung. [Berlin, ca. Oktober 1948]. Eine A4-Seite.

Maschinenschriftlicher Titelblattentwurf zu dem im Februar 1949 erschienenen Buch. – Den unterstrichenen Haupttitel ergänzte Gottfried Benn eigenhändig um den Untertitel »Berliner Novelle 1947«. – Die geplanten Untertitel »Lotosland«, »Der Glasbläser« und auch »Der Ptolemäer« wurden gestrichen, das Buch enthielt schlussendlich »Weinhaus Wolf«, »Roman des Phänotyp« und »Der Ptolemäer«. Auf der unteren Blatthälfte handschriftliche Anweisungen zum Satz, wohl von dem Verleger Max Niedermayer.

Gefaltet, Heftlöcher.

Vgl. Lohner/Zenner 2.85

881  Gottfried Benn. Roman des Phänotyp. Landsberger Fragment, 1944. Inhalt.

€ 600

Typoskriptdurchschlag mit eigenhändigen Korrekturen, Paraphe »G.B.« und Stempel. Berlin [ca. Oktober 1948]. Eine A4-Seite.

Der maschinengeschriebene Entwurf des Inhaltsverzeichnisses. Gottfried Benn korrigierte drei Tippfehler und nummerierte die Inhaltsangabe von 1 bis 18. – Alle Korrekturen bestätigte er durch seine Paraphe und versah das Blatt unten rechts mit seinem Berliner Stempel »Dr. G. Benn | Arzt | Berlin-Schöneberg | Bozener Straße 20«. – Das Buch »Der Ptolemäer«, das »Roman des Phänotyp« enthielt, erschien im Februar 1949 im Limes Verlag.

Mit Faltspuren und Heftlöchern.

882  Gottfried Benn. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

€ 750

Berlin, 15. VI. 1952. Zwei Seiten.

An Helmut Wiemken, Göttingen. – Gottfried Benn bedankt sich für eine Aufführung von »Die Stimme hinter dem Vorhang«. Er habe in seiner Stammkneipe in einer Zeitung »die grosse gute Besprechnung Ihrer Aufführung« gelesen. »Ich war entzückt u. ich spreche Ihnen hiermit meinen Dank und meine Bewunderung aus, dies so fragwürdige Stück aufgeführt zu haben. Es muss ja äusserst interessant gewesen sein zu sehen, was Ihre Regie daraus gemacht hat.« – Aus dem beiliegenden Schreiben Wiemkens an den Benn-Verleger Niedermayer geht hervor, dass es sich um eine Uraufführung der szenischen Fassung im »Göttinger Studio« am 2. Juni 1952 handelte. – Der Brief auf einer Briefkarte (11 : 9 cm) mit gedrucktem Briefkopf Benns. Mit eigenhändige adressiertem Umschlag.

883  Gottfried Benn. Eigenhändiger Neujahrsgruß mit Unterschrift.

€ 500

[Berlin], Dezember 1955.

Angesichts der schlimmen Schmerzen, die Gottfried Benn in den letzten Monaten seines Lebens erleiden musste – er starb am 7. Juli 1956 an Knochenkrebs – rührt sein Gruß »Gesundheit Ihnen beiden und unveränderte Lebensfreude!« den Leser besonders an. Die ungenannten Empfänger grüßte Benn auf einer gedruckten Klappkarte auch im Namen seiner zweiten Ehefrau Ilse. – Dazu: Drei Erstausgaben, alle im Limes Verlag Wiesbaden, alle in Originalbroschur: I. Fragmente. Neue Gedichte. 1951. – II. Probleme der Lyrik. Vortrag. 1951. – III. Aprèslude. 1955. – Der Verleger Max Niedermayer, der den Limes Verlag 1945 gegründet hatte, verlegte die ersten Nachkriegsausgaben Gottfried Benns in Deutschland.

Die Broschurumschläge mit leichten Alterungsspuren.

Lohner/Zenner 1.98, 2.110 und 1.129. – Raabe/Hannich-Bode 24.33, 34 und 41

884  Gottfried Benn – Ilse Benn, dritte Ehefrau Gottfried Benns. Drei eigenhändige Briefe und fünf eigenhändige Brief- und Ansichtskarten, alle mit Unterschrift.

€ 600

Berlin, 18. VI. 1957, Wolfschlugen, 24. I. 1978 und 30. I. 1985 sowie verschiedene Orte.

Ilse Benn (1913–1995) war Zahnärztin und seit 1946 die dritte Ehefrau des Schriftstellers. – Alle an Marguerite Schlüter, Lektorin und spätere Inhaberin des Limes-Verlags, der nach Kriegsende zum Hausverlag Gottfried Benns wurde. – »Marguerite Schlüter war wahrlich das, was man eine ›femme des lettres‹ nennt – nicht nur eine hervorragende Lektorin Benns, sondern auch ein literarisches ›Trüffelschwein‹ […], eine streitbare Kämpferin für die Wahrung von Urheberrechten, und eine vielsprachige, hervorragende Übersetzerin aus dem Englischen, Französischen und Italienischen« (Carsten Pfeiffer, buchmarkt.de, 20. Mai 2018). – Alle Briefe behandeln die Werk- und Brief-Editionen von Gottfried Benn. »Danke für die letzten Umbruch-Seiten, die heute kamen. […] Sagen Sie bloß Niedermayer noch einmal, dass er sich im Urlaub Ruhe u. Muße gönnen soll. Gut für sein Manager-Herz. […]«. – 1978 schreibt Ilse Benn über die Aufführungen von Benn/Hindemiths Oratorium »Das Unaufhörliche«, 1985 über die Herausgabe des Briefwechsels zwischen Gottfried Benn und Tilly Wedekind »Bin allmählich gespannt auf diesen Band.« – Die Ansichtskarten meist in Berlin abgeschickt, mit kurzen Grüßen und Nachrichten, z. B. »der Raddatz-Artikel Arno Schmidt – Jan Reemtsma. Das ist ein Jahrhundert-Ereignis in der Literatur«. – Beilage: Typoskriptdurchschlag »Gottfried Benn – Bibliographie«. Ca. 1958. Vier Seiten mit eigenhändigen Ergänzungen von Ilse Benn.

  885    Gottfried Benn – Alexander Lernet-Holenia. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

€ 180

Wien, 6. Januar 1957.

An den Limes Verlag in Wiesbaden. – Der Dichter teilt auf Anfrage des Verlegers Max Niedermayer (im Hinblick auf die Gottfried Benn-Briefausgabe) mit, dass er »trotz sorgfältigen Suchens, keinen Brief von Gottfried Benn mehr finden konnte. Er hat mir nicht viele Briefe geschrieben; nur Gott weiß, wohin die wenigen Stücke, infolge von all den Besetzungen, Eroberungen, Verlagerungen an anderem dergleichen von uns erlebten Unsinn mehr, geraten sein mögen«. – Im Literaturarchiv Marbach finden sich die Briefe Lernet-Holenias an Gottfried Benn, nicht aber die schon 1957 vermissten Briefe von Benn an ihn. – Dazu: Monologische Kunst – ? Ein Briefwechsel zwischen Alexander Lernet-Holenia und Gottfried Benn. Im Anhang: Nietzsche nach 50 Jahren. Wiesbaden, Limes 1953. Originalbroschur. Erste Buchausgabe. Aus dem Besitz des Barlach-Bibliographen Friedrich Schult.

Heftlöcher.

Lohner/Zenner 2.130. – Raabe/Hannich-Bode 24.39

  886    Gottfried Benn – Briefe von drei engen Freuden des Dichters, fünf eigenhändig, alle mit Unterschrift.

€ 600

1956–1958 und 1983. Zusammen zwölf Seiten.

I. Frank Maraun (1903–1981, Literatur- und Filmkritiker). Vier maschinengeschriebene Briefe mit Unterschrift. Stuttgart-Zuffenhausen, 9. XII. 1956 bis 20. VII. 1958. – Alle an den Limes-Verleger Max Niedermayer, bezüglich einer Auswahl aus Gottfried Benns Briefen. Meint, »… daß der Brief vom 11. Mai 1936 an mich wegen seiner Dramatik, seiner streithaften Polemik und seiner Sorge um das deutsche Geisteserbe in dieser Sammlung gute Figur machen würde«. Erteilt Auskünfte und erinnert daran, dass er im Bombenkrieg alle Korrespondenzen verloren habe, die »ich nicht zufällig im Keller hatte«. – II. Erich Pfeiffer-Belli (1901–1989, Schriftsteller und Journalist). Vier eigenhändige Briefe. München, 4. I bis 9. V. 1957. Fünf Seiten. – Alle an Max Niedermayer zu dessen Briefedition: »Ich habe einen sehr eigenartigen Brief Benns aus dem Jahre 1936 […] darüber hinaus Briefe und Karten aus den 40er Jahren«. – Mit Niedermayers Gegenbriefen (Typoskriptdurchschläge). – III. Carl Werckshagen (1903–2001, Dramaturg, Schriftsteller und Kritiker, bedeutender Freund und Sammler Benns). Eigenhändiger Brief. Bothel/Rothenburg, 15. VI. 1983. An die Lektorin Marguerite Schlüter, mit Abschrift einer »handschriftlichen Gedichtaufzeichnung« und einer Fotokopie eines Briefes von Ilse Benn an ihn. Berichtet, dass ein privater Sammler für seine Benn-Sammlung, die er dem DLA Marbach anvertraute, 20.000 DM geboten habe. »Ein bekanntes Berliner Auktionshaus hat mir sogar einen noch höheren Versteigerungserlös in Aussicht gestellt […]«. Werckshagen und Benn hatten sich bereits 1924 kennengelernt, nachdem Werckshagen einen Artikel über Benns »Gesammelte Werke« in der Vossischen Zeitung veröffentlicht hatte.

  887    Gottfried Benn – 31 Briefe verschiedener Absender an Max Niedermayer bzw. Marguerite Schlüter.

€ 450

Meist 1956–1957..

Nach der Briefausgabe 1957 hatte der Limes Verlag zur Einsendung von weiteren Briefen für eine Neuausgabe gebeten. Fast alle Schreiben beziehen sich auf Briefveröffentlichungen, das Schicksal der Originalbriefe, Verhinderungsgründe und Vorbehalte. – Inhalt: Kadidja Wedekind (1911–1994, Schriftstellerin, Tochter von Frank und Tilly Wedekind). Drei eigenhändige Briefe 1985–1993. Zur Bekanntschaft zwischen Gottfried Benn und ihren Eltern. – Oskar Jancke (Schriftsteller, 1898–1957). Brief mit Unterschrift. – Clemens von Podewils (Schriftsteller, 1905–1978). Drei Briefe mit Unterschrift, einer mit eigenhändigem Zusatz. Der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sieht »aber die Schwierigkeit, die einer Veröffentlichungen im Wege steht«, da die Briefe vertrauliche Fragen berühren. – Gertrud Hindemith (Ehefrau und Nachlassverwalterin von Paul Hindemith, 1900–1967). Beschwert sich über die Veröffentlichung eines Briefes, der sie ausdrücklich widersprochen habe. – Ewald Wasmuth (Philosoph, 1890–1963). Drei Briefe mit Unterschrift. Über sehr persönliche Briefe, einer zum Selbstmord von Benns Freundin Lilli scheine verloren gegangen. – Jürgen Eggebrecht (1898–1982, Schriftsteller). Zwei Postkarten und ein eigenhändiger Brief. – Weitere Briefe von Wolfgang Wilhelm, Frieda, Ulrich Riemerschmid, Bruno Erich Werner (seit 1952 Kulturattaché in Washington): »zum Teil recht ins Prinzipielle gehende Handschreiben sind mir leider durch Krieg + Nachkrieg in Berlin verloren gegangen«, Karl von Finckenstein (enger Freund der Familie), Lutz Weltmann, Werner Damköhler, Maria Proelss, Friedrich Siems, Sven Kluwe, Hilde Körber und Thomas Harlan-Körber (Ehefrau und Sohn des Regisseurs Veit Harlan).

  888    Gottfried Benn – 28 Briefe an Max Niedermayer bzw. Marguerite Schlüter.

€ 450

Meist 1956–1957. Meist maschinengeschrieben, alle mit Unterschrift.

Alle Briefe ähnlichen Inhalts, teils mit Gegenbriefen als Entwurf. – Egon Vietta (Schriftsteller, 1903–1959). Eigenhändiger Brief und zwei Postkarten. Über die Positionierung Benns »gegen die Nazis … Wichtig für die alten Angriffe gegen Benn ] […] Positive Reaktionen auf meine Einwendungen gegen den Biologismus und Rassenlehre Hitlers«. – Armin Mohler (Ernst Jüngers Sekretär, 1920–2003). Sechs Schreiben zum Verhältnis zwischen Jünger und Benn. – Pamela Wedekind (Schauspielerin, 1906–1986). Stimmt einer Sichtung der Familienbriefe zu. – Walter Höllerer (Literaturwissenschaftler, 1922–2003). Habe von Ernst Jünger erfahren, dass eine Neuausgabe geplant sei. – Heinz Ullstein (Verleger, 1893–1973). – Karl Schwedhelm (Journalist). Übersendet Abschriften von Benn-Briefen. – Weitere Briefschreiber: Frank Benseler, Wigbert Holle, Johannes Weil, Wilhelm Adams, Hans-Jürgen Blenskens, Hannah Peter-Reeck, Richard Gabel, Richard Gabel, Wilhelm Allgayer, Fritz Martini, Ilse Curtius. – Beigaben: Porträtfotografie.– Magnettonband. Karton beschriftet: »Gottfried Benn liest Gedichte. Mono 38 cm. || Ein Wort, ein Satz | Was bedeuten diese Zwänge […].

  889    Max Peiffer Watenpuhl. Vier eigenhändige Briefe, zwei mit Unterschrift, zwei mit Paraphe »M. P. W.«

€ 400

Salzburg, 7. IX. 1968, und Rom, Februar 1971. Zusammen sieben Seiten.

Alle an die Benn-Lektorin Marguerite Schlüter, zunächst zum Tod von Max Niedermayer, dessen Limes-Verlag sie dann weiterführte: »Betrübt hat mich nur, dass Sie nicht über den Verlust von M. N. hinauskommen. Denken Sie immer, dass er bei Ihnen ist, auch wenn er abwesend ist.« – Der Künstler berichtet von seiner Arbeit an den Venedig-Mappen für Gotthard de Beauclair (»Es ist viel, aber schöne Arbeit«) und ein Aquarell, das für sie reserviert sei. – Aus Rom schreibt er über verlorene Post, seine Erkrankung (»Maschine kann ich nicht mehr schreiben, sehr miserabel mit der Hand«), dankt für eine nun angekommene Sendung und berichtet über eine Künstlerfreundschaft: »Mit Schwitters war ich sehr befreundet. Er war ein Original, sehr komisch und zog immer mit einem Rucksack voller Bilder herum. Dann zitierte er Anna Blume – Du tropfes Tier, ick liebe Dir […]«. – Zwei adressierte Kuverts. – Beilage: Entwurf eines Antwortbriefes von Marguerite Schlüter an Peiffer Watenpuhl.

  890    Heinrich Böll. Das Vermächtnis.

€ 250

Kurzroman. Mit einer Porträt-Lithographie von Celestino Piatti und einem Nachwort von Heinz Friedrich. München, Deutscher Taschenbuchverlag 1981. Mit einer signierten Lithographie in eingebundenem Passepartoutblatt. Originalpappband mit Deckel- und Rückenschild. Im Schuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren (Gesamtauflage 400). – Im Druckvermerk von Autor und Künstler signiert. – Der bis dahin unveröffentlichte Kurzroman von Böll erschien anlässlich des 20. Jubiläums der Reihe »dtv-Taschenbücher« in bibliophiler Ausstattung und Großformat.

42,7 : 33,2 cm. 55, [5] Seiten, 1 Lithographie.

891  Hermann von Boetticher. »Tomasio!«

€ 500

Novelle. Mit fünfzehn Zeichnungen von Otto Schoff. Berlin, S. Fischer 1926. Ohne Illustrationen. Privater Lederband, Blockbuch mit Durchstichheftung.

Aufgebundene Korrekturbögen, der zweite und dritte Bogen mit Datumsstempel »22. März 1926«. Entgegen der Angabe auf dem Titelblatt noch ohne Illustrationen. Gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig. – Unikum, geplant war lt. Druckvermerk eine Startauflage von 3000 Exemplaren, jedoch dürften nur wenige Korrekturabzüge gedruckt worden sein. Kein Exemplar in KVK, im Verlagsarchiv oder im Boetticher-Nachlass der USB Göttingen. – Dazu: Hermann von Boetticher. Das Bild. Novelle. Berlin, S. Fischer 1924. Halbleinenband. Erste Ausgabe. – Noch im Dezember 1924 hatte sich Klabund begeistert über den Vorabdruck »Tomasio« in »Der Neue Merkur« geäußert. Diese von Fischer geplante Fortsetzung des ersten Novellenbandes »Das Bild«, Boettichers letzter Buchpublikation, ist nicht mehr erschienen. 1925 wurde der Verfasser erstmals wegen Schizophrenie behandelt. 1930 erkrankte Boetticher erneut und wurde für Jahre in eine Heilanstalt in Hildesheim aufgenommen. 1934 erzielte Gustav Gründgens mit der Inszenierung »Der König« nach Boettichers Theaterstück »Friedrich der Große« beachtliche Erfolge. Der Dichter jedoch wurde ein Opfer der nationalsozialistischen »Rassenhygiene«. Nach jahrelanger Verwahrung in einer geschlossenen Anstalt wurde er 1941 vermutlich in der NS-»Tötungsanstalt« Pirna-Sonnenstein ermordet.

21,2 : 13,5 cm. 59, [5] Seiten. – 22,6 : 14,8 cm. 84, [4] Seiten.

892  Wolfgang Borchert. Die Hundeblume.

€ 450

Erzählungen aus unseren Tagen. Hamburg, Hamburgische Bücherei 1947. Illustrierte Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe der ersten Prosaveröffentlichung Borcherts. – Auf dem Vortitel signiert und datiert »August 1947«. – Wolfgang Borchert (1921–1947) traf wenige Tage nach Kriegsende in seiner Heimatstadt Hamburg ein. Von den Strapazen des Krieges und der Flucht – Borchert hatte 600 km zu Fuß zurückgelegt – gesundheitlich stark angegriffen, schrieb er 1946 die vorliegenden Prosastücke sowie wenige Gedichte und das Drama »Draußen vor der Tür«. Im September 1947 reiste Borchert nach Basel und erhoffte dort bessere medizinische Behandlung, verstarb jedoch am 20. November. – Eines der ganz seltenen von Borchert signierten Bücher.

17,8 : 11,2 cm. 132 Seiten. – Der Broschurumschlag minimal geknittert.

Burgess 4

893  Rolf Dieter Brinkmann. Standphotos.

€ 1200

Vier zweiteilige Farbätzungen von Karolus Lodenkämper. Duisburg, Guido Hildebrandt 1969. Mit vier signierten, jeweils zweiteiligen Farbätzungen. Originalbroschur mit weißem Folienumschlag, im Originalschuber.

Hundertdruck VI. – Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Dichter signiert und nummeriert, jede der vier, jeweils in zwei Farbstellungen gedruckten, Farbätzungen wurde vom Künstler signiert. – »Vollends ästhetizistisch geriet ›Standphotos‹, großformatig und gefertigt aus transparenter PVC-Folie. Die Texte verschwimmen mit den Radierungen von Karolus Lodenkämper abgestuft ineinander. Dermaßen geschmackvoll verpackt wird Lyrik wieder zu einer esoterischen Angelegenheit. Um so überraschender, daß einige der hier enthaltenen Gedichte zu den freundlichsten und entspanntesten gehören« (Otto F. Riewoldt in KLG). – Die acht Farbätzungen und die 13 Textseiten wurden auf transparente Folien gedruckt. – Eine der seltensten Brinkmann-Editionen und einer der gesuchtesten Hundertdrucke.

40 : 27 cm. 13 Textfolien, 8 mit Radierungen. – Der Schuber etwas lädiert, sonst tadellos.

Seinsoth 16. – Geduldig/Wehebrink 128. – Spindler 157.6

894  Paul Celan. Der Sand aus den Urnen.

€ 6000

Gedichte mit 2 Originallithographien von Edgar Jené. Wien, A. Sexl 1948. Mit zwei Lithographien. Halbleinenband mit Papierbezügen, Vorderdeckel mit rotgeprägtem Titel.

Erste Ausgabe von Celans erster Buchveröffentlichung, eins von nur wenigen Exemplaren. – Drei Seiten mit kleinen Bleistiftkorrekturen, eventuell vom Dichter selbst. – Enthält die drei Zyklen »An den Toren«, »Mohn und Gedächtnis« und »Todesfuge«. – Laut Druckvermerk erschienen 500 nummerierte Exemplare. »Wegen der zahlreichen Satzfehler, auch wegen des Einbandes und der beiden Lithographien Edgar Jenés fühlte sich Celan sofort nach Erhalt genötigt, das Buch telegraphisch aus dem Handel nehmen zu lassen. Die im Nachlaß erhaltene […] Schlußrechnung […] weist insgesamt neun in den Handel gelangte Bände nach« (Andreas Lohr). – Das vorliegende Exemplar ist unnummeriert und befand sich ursprünglich im Besitz des österreichischen Surrealisten Max Hölzer (1915–1984), der 1950 zusammen mit Edgar Jené die »Surrealistischen Publikationen« herausgab, u. a. mit Gedichten von Paul Celan. Aus dem Nachlass Hölzers erworben von dem Germanisten und Celan-Biographen Theo Buck (1930–2019).

22,0 : 14,7 cm. 61, [3] Seiten. 2 Lithographien. – Deckelkanten etwas, die Deckel selbst nur leicht berieben. – Seitenschnitt und vier Seitenränder mit kleinen Flecken.

Heuline 1-1. – Glenn B 1. – Vgl. Werkausgabe Bd. II/III, 2. Abteilung, S. 48

  895    Marc Chagall. Dessins pour la Bible.

€ 2000

Paris, Verve 1960. Mit 47 Lithographien, davon 24 farbigen und einer weiteren doppelblattgroßen Farblithographie auf dem Originalpappband.

Die zweite »Chagall-Bibel«, erschienen als Nr. 37/38 der Reihe »Verve«. – Nachdem in der Reihe bereits eine Ausgabe mit Heliogravüren der Bibel-Radierungen erschienen war, entstanden 1958/59 weitere Zeichnungen zur Bibel. Der vorliegende Band enthält die Reproduktionen dieser Zeichnungen auf 96 Tafeln, diesmal bereichert um 24 Farblithographien und diese rückseitig mit einfarbigen Lithographien. – Der einleitende Text stammt von Gaston Bachelard, am Ende mit Erläuterungen zu den 96 Tafeln.

36 : 27 cm. [18], 96, [16] Seiten, 24 Lithographien. – Kapitale und Ecken minimal berieben. – Auf dem vorderen Vorsatzblatt Schabspur von getilgtem Sammlerstempel.

Cramer 42. – Mourlot 230–277

  896    Marc Chagall. Dessins pour la Bible.

€ 1200

Paris, Verve 1960. Mit 47 Lithographien, davon 24 farbig, und einer doppelblattgroßen Farblithographie auf dem Originalpappband.

Die zweite »Chagall-Bibel«, erschienen als Nr. 37/38 der Reihe »Verve«. – Nachdem in der Reihe bereits eine Ausgabe mit Heliogravüren der Bibel-Radierungen erschienen war, entstanden 1958/59 weitere Zeichnungen zur Bibel. Der vorliegende Band enthält die Reproduktionen dieser Zeichnungen auf 96 Tafeln, diesmal bereichert um 24 Farblithographien und diese rückseitig mit einfarbigen Lithographien. – Der einleitende Text stammt von Gaston Bachelard, am Ende mit Erläuterungen zu den 96 Tafeln.

36 : 27 cm. [18], 96, [16] Seiten, 24 Lithographien. – Ecken und Kapitale leicht, das untere stärker bestoßen, dort die Gelenke angeplatzt. – Vortitel mit Besitzvermerk, hinterer Innendeckel mit Widmung der Vorbesitzerin. – Ränder leicht verfärbt bzw. angestaubt.

Cramer 42. – Mourlot 230–277

  897    Marc Chagall – Julien Cain, Fernand Mourlot und Charles Sorlier. Chagall Lithographe.

€ 2000

Band I [bis] VI. Monte-Carlo, André Sauret 1960–1986. Mit insgesamt 28, meist farbigen Lithographien, davon vier auf den Umschlägen, und zahllosen, meist farbigen Abbildungen. Originalleinenbände mit -schutzumschlag.

Das vollständige Werkverzeichnis der Lithographien, in deutscher Sprache. – Der Katalog wurde maßgeblich von Chagalls Drucker Mourlot erarbeitet und in den originalgraphischen Teilen von diesem gedruckt. – Mit Vorworten von Marc Chagall (Band I), Fernand Mourlot (II), Julien Cain (III), Charles Sorlier (IV), Robert Marteau (V) und Roger Passeron (VI). – Die ersten beiden Bände mit je elf Lithographien im Buch, die nächsten beiden mit je einer Lithographie als Frontispiz, alle vier mit originallithographischen Umschlägen. – Unverzichtbares Œuvreverzeichnis in üppiger Ausstattung und tadelloser Erhaltung, nahezu druckfrisch.

33,0 : 25,0 cm.

Cramer 43, 56, 77 und 94

898  Walter Cyliax – Friedrich Hölderlin. An die Natur.

€ 300

Leipzig 1922. Mit einem Holzstichporträt. Durchstichgehefteter Originalseidenband in Kassette.

Eins von nur 25 Exemplaren. – Gesetzt und gedruckt von Walter Cyliax (1899–1945), damals Student an der Staatlichen Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig. Wahrscheinlich stammen auch das kleine Hölderlin-Porträt und die Druckermarke »W C« von ihm. Beide wurden, wie auch die Initialen und zwei kleine Zierstücke, in Rötel gedruckt. – Auf Chinapapier, als Blockbuch gebunden. – Ab 1924 arbeitete Walter Cyliax in Zürich und wurde künstlerischer Leiter und Prokurist der Druckerei der Gebrüder Fretz. Durch seinen Lehrer Jan Tschichold kam er unter anderem in Kontakt zu Schwitters »ring neue werbegestalter«. – Sehr selten, das Buch tadellos erhalten.

17,5 15,7 cm. [18] Seiten. – Kassette berieben. – Innendeckel mit dem Monogrammstempel des Kalligraphen MK Neudold.

899  Jürgen Czaschka – Gottfried Benn. Statische Gedichte.

€ 300

Jürgen Czaschka. Kupferstiche. Berlin, Handpresse Gutsch 1987. Zehn signierte Kupferstiche und lose Doppelblätter in blauer Originalleinenkassette mit montierter Kupferstichvignette.

Eins von 20 Exemplaren in der Leinenkassette (Gesamtauflage 25 und drei Künstlerexemplare). – Jürgen Czaschka (1943–2018) eröffnete 1983 die Galerie »Il burino« mit einer Ausstellung des Leipziger Graphikers Baldwin Zettl, der Czaschkas graphisches Werk deutlich beeinflusste. – Die Kupferstiche (20 : 15 cm) mit Tonplatte auf schwerem Zerkall-Bütten, jeder eingelegt in ein Doppelblatt mit dem in Blau gedruckten Text. – Alle Kupferstiche betitelt und nummeriert. – Mit einem Nachwort von Curt Grützmacher. – Exlibris. – Beilage: Ausstellungskatalog zu einer Präsentation des Mappenwerks durch den Schering Kunstverein 1987.

41,8 : 30,7 cm. 15 lose Doppelblätter, 10 Kupferstiche.

Spindler 103.18

  900    Gertrude Degenhardt. Fiddle & Pint.

€ 200

Pinselzeichnungen · Tempera auf Holz · Radierungen. Mainz, Edition GD 2000. Mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Originalleinenband mit -schutzumschlag. Im Schuber.

Eins von 15 Exemplaren der Vorzugsausgabe C mit der Radierung »Encore«, zusätzlich mit einer Bleistiftzeichnung der Künstlerin auf dem vorderen Vorsatz. – Katalog der Ausstellung »Fiddle & Pint« in der Kenny Gallery, Galway, September 1999.

23,0 : 21,3 cm. [8], XI, [5], 69, [1] Seiten, 1 Radierung.

901  Charles Despiau – Charles Baudelaire. Poèmes.

€ 1200

Illustration de Charles Despiau. Paris, Éditions Gonin Freres 1933. Mit 50 Illustrationen, teils blattgroß, davon 43 Lithographien von und sieben Holzstiche nach Despiau. Kobaltblauer Saffianlederband mit reicher ornamentaler Filetenvergoldung, roten Lederspiegeln mit goldgeprägter Illustration und roten Seidenvorsätzen. In Halblederchemise und Schuber mit Lederkanten (signiert: W. Ewert). – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von fünf römisch nummerierten Künstlerexemplaren auf holländischem Bütten (Gesamtauflage 99 und 15 Künstlerexemplare, je auf drei unterschiedlichen Papieren). – Im Auflagenvermerk vom Künstler signiert. – Das Frontispiz mit eigenhändiger Widmung für den Berliner Verleger Erich Steinthal (1890-1963) »en toute sympathie«. – Charles Despiau (1874–1946) zählt neben Auguste Rodin, Aristide Maillol und Antoine Bourdelle zu den wichtigsten französischen Bildhauern des frühen 20. Jahrhunderts. In den feinlinigen Aktzeichnungen, die hier Baudelaires Dichtungen illustrieren, wird besonders seine Nähe zu Maillol sichtbar. – Prächtiger Handeinband.

31,5 : 26,0 cm. [4], 105, [7] Seiten. – Seitenkante des Vorderdeckels mit kleiner Druckstelle, oberes Kapital mit kleinem Einriss.

Monod 1158. – Skira 92. – Rauch 175. – Garvey 83 »carefully balanced pages« (mit ganzseitiger Abbildung). – Strachan 330

  902    Jim Dine. Gedichte und Zeichnungen.

€ 250

Aus dem Amerikanischen von Heiner Bastian. Frankfurt am Main, März 1971. Mit einem farbigen Titelbild und zehn blattgroßen Illustrationen. Farbig illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste deutsche Ausgabe. – Eins von 900 Exemplaren (Gesamtauflage 1000). – Auf dem Titelblatt die Widmungen vom Übersetzer, dem späteren Kunstsammler und -händler, und dem Künstler höchstselbst »25 Years later in Berlin || Jime Dine 1995«. – Die Texte in Englisch und Deutsch. Das Motiv »Heart«, das hier zwölfmal viariiert wird, war damals ein zentrales in Dines Œuvre. – Heiner Bastian wurde in den 1960er Jahren als Übersetzer amerikanischer Underground-Lyriker bekannt.

26,5 : 19,2 cm. 96 Seiten, 1 Tafel. – Das Titelbild etwas gelockert.

903  Otto Dix. Das Evangelium nach Matthäus.

€ 600

Luther-Übersetzung revidiert 1956. Originallithographien. Berlin, Käthe Vogt 1960. Mit 33 Lithographien, davon 25 blattgroß. Orginalhalbpergamentband mit goldgeprägtem Rückentitel. Im Schuber.

Eins von 300 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe, gebunden in Halbpergament und, wie die ersten 100, auf dem Titelblatt von Otto Dix signiert (Gesamtauflage 2.000). – »Dix hielt sich in diesem letzten Zyklus von sklavischer Texttreue wie von illustrativer Gefälligkeit frei. Was ihn interessierte, war der szenische Reichtum des Stoffes, die Fülle an Ereignissen, an merkwürdigen und tragischen Situationen.« (Hans Kinkel, zitiert nach Karsch). – Tadellos schönes Exemplar.

29,5 : 23,5 cm. 104, [4] Seiten. – Innendeckel und Schuber mit kleinem Monogrammstempel.

Karsch 235–271. – Tiessen II, 1

904  DDR-Literatur – Bernd Jentzsch. Drei Erstausgaben, alle mit Widmungen.

€ 250

1961–1978.

I. Alphabet des Morgens. Halle/Saale, Mitteldeutscher Verlag 1961. Mit acht Illustrationen nach Holzschnitten von Peter Meyer. Originalleinenband mit illustriertem Schutzumschlag. Erste Ausgabe des Erstlingswerkes. – II. Jungfer im Grünen und andere Geschichten. Rostock, Hinstorff 1973. Illustrierte Originalpappband. – III. Quartiermachen. Gedichte. München und Wien, Carl Hanser 1978. Originalbroschur. – Alle Titelblätter mit eigenhändiger Widmung des Verfassers für einen Berliner Sammler, entstanden 1986 und Anfang der 1990er. – Bernd Jentzsch (geboren 1940) ist sowohl als Lyriker und Erzähler als auch als Herausgeber tätig. Legendär ist die von ihm in Ostberlin herausgegebene Lyrikreihe »Poesiealbum« (siehe KatNr. 905). 1976 protestierte er gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Da man ihm in der DDR Strafverfolgung androhte, kehrte er 1976 von einem Studienaufenthalt in der Schweiz nicht in seine Heimat zurück.

Oberrand des Schutzumschlags mit winzigen Läsuren.

905  Poesiealbum.

€ 1200

Nummern 1–275 [alles Erschienene], 15 Sonderhefte und das »abschließende« Heft 276. Berlin, Verlag Neues Leben 1967–1990, und Assenheim, Brennglas 1991. Mit je einer doppelseitigen Illustration nach Zeichnungen und Graphiken. 294 farbig illustrierte Originalbroschuren.

Vollständige Reihe mit allen Sonderheften, dazu zwei veränderte Nachauflagen der Hefte 1 (Bert Brecht) und 32 (Karl Marx) und das abschließende Heft 276 (Bernd Jentzsch, Begründer und langjähriger Herausgeber der Reihe, von ihm signiert). – Die Reihe vereint deutsche Klassiker, Autoren der Weltliteratur und viele DDR-Autoren, teils mit Erstveröffentlichungen. Jedes Heft enthält bio-bibliographische Anmerkungen zum Autor. Die Illustration und der Umschlag jedes Hefts stammt von bekannten Graphikern und Buchillustratoren der DDR. Die ersten 121 Hefte wurden von Bernd Jentzsch herausgegeben, wobei dessen Name schon seit 1977 (Heft 112) nicht mehr genannt wurde, nachdem er sich gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann solidarisiert hatte. – Herbert Kästner schrieb einmal, »dass das ›Poesiealbum‹ in späteren Jahrzehnten den Rang erhält, den wir heute etwa der Reihe ›Der jüngste Tag‹ zusprechen« (Marginalien, zitiert nach Kollegenkatalog). – Die Liste der Autoren ist so umfangreich und vielfältig, dass jedwede Auswahlauflistung vermessen wäre. Wir nennen dafür die Sonderhefte: Gedichte für Vietnam. – Mikis Theodorakis. – Alle 13 Ausgaben zu »Poetenseminar« 1971, 1972 und 1979–1989. – Das seltene Bukowski-Heft 225 hier mit Widmung und Monogramm des Illustrators Volker Pfüller. – Durchgehend sehr gut erhalten.

21,6 : 12,4 cm.

906  Sarah Kirsch. Landaufenthalt. – Zaubersprüche. – Rückenwind.

€ 300

Berlin und Weimar, Aufbau 1967, 1973 und 1976. Originalleinenband und zwei Originalpappbände, alle mit Schutzumschlag. – Widmungsexemplare.

Erste Ausgaben. – Alle mit eigenhändiger Widmung, »Rückenwind« zudem mit eigenhändigem Gedichtzitat, für einen Berliner Leser und Sammler, entstanden bei Lesungen nach 1980. – Dazu vier weitere Erstausgaben, alle mit Widmungen: Drachensteigen. Ebenhausen, Langewiesche-Brandt 1979. – La Pagerie. Stuttgart, DVA 1980. – Erdreich. 1982. – Irrstern. 1986. – Die Widmungen teils mit Zitaten und kleiner Zeichnung. – Interessantes Konvolut mit dem Erstling Sarah Kirschs, ihrem letzten vor ihrer Ausreise in die BRD erschienenen Gedichtband und der ersten Publikation in Westdeutschland nach ihrer Übersiedlung. – 1976 gehörte Sarah Kirsch zu den Mitunterzeichnern der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Seitdem von der Staatssicherheit überwacht, entschloss sie sich 1977 zur Ausreise in die BRD. – »Sarah Kirsch ist von uns fortgegangen, weil sich hier keine Zeile mehr fügen wollte, und keine Zeitung, kein Rundfunkkommentar, keine Aktuelle Kamera hat (oder irre ich mich doch?) es für nötig befunden, diese Tatsache unserem Publikum mitzuteilen« (Franz Fühmann 1977 in einem erst 1990 veröffentlichten »Offenen Brief« an den Leiter der Abteilung Buchhandel im Ministerium für Kultur der DDR, Klaus Höpcke). – Dazu: Zaubersprüche. 2., erweiterte Ausgabe. 1976. Widmungsexemplar. – Alle gut und sehr gut erhalten.

Die drei Schutzumschläge der Aufbau-Ausgaben mit winzigen Randeinrissen.

907  DDR-Literaten – Uwe Kolbe. Drei Erstausgaben und eine »zensierte« Neuausgabe, alle mit Widmung.

€ 250

Berlin und Weimar, Aufbau 1980–1986. Originalpappbände mit illustrierten Schutzumschlägen.

I. Hineingeboren. Gedichte 1975–1979. 1980. Umschlag mit Titelbild von Trakia Wendisch. Mit der Widmung »Wir leben mit Rissen in den Wänden, ist es dir aufgefallen?«, datiert 1994. – II. Abschiede und andere Liebesgedichte. 1981. Mit zehn ganzseitigen Illustrationen von Trakia Wendisch. – III. Abschiede. 2. Auflage. 1985. Mit ausführlicher Widmung von 1985 »Erinnerung tritt dämmrig auf, verweist ins Leuchten der Kindheit«. In dieser Nachauflage durfte der Brief Kolbes an Lothar Walsdorf nicht mehr abgedruckt werden. – IV. Bornholm II. Gedichte. 1986. Umschlagillustration von Sabine Grzimek. – »Hineingeboren«, Kolbes Erstlingswerk, enthält das Nachwort von Franz Fühmann »Was soll ich noch sagen? Ecce poeta – siehe, da ist ein Dichter!« Fühmann setzte sich in der DDR für unangepasste junge Lyriker wie Uwe Kolbe, Wolfgang Hilbig und Lothar Walsdorf ein. »In der Akademie der Künste plädierte er außerdem dafür, Nachwuchstalente als Meisterschüler erfahrener Kollegen aufzunehmen und ein Gremium einzurichten, das regelmäßig vielversprechende Begabungen vorstellen sollte. Fühmann selbst bot Uwe Kolbe an, ihn als Meisterschüler aufzunehmen, doch scheiterte die Einführung des Mentorenmodells letztlich an Widerständen unter den verantwortlichen AdK-Mitgliedern« (Katharina Deloglu, Diss. Berlin 2015). – Uwe Kolbe, Jahrgang 1957, hielt 1984 die Trauerrede ans Fühmanns Grab.

Umschlagränder teils leicht gebräunt, zwei unten mit kleinem Wasserfleck.

  908    Dietz Edzard – Nikolai Vasilewic Gogol. Wij.

€ 450

Eine Volkslegende. Mit sechs Radierungen von Dietz Edzard. München, Pflüger 1924. Mit sechs signierten Radierungen. Originalbroschur und sechs Passepartouts lose in Originalhalbpergamentmappe.

Eins von 100 Exemplaren, weitere fünf kamen nicht in den Handel. – Text und Radierungen wurden auf Büttenpapier gedruckt, die Radierungen auf chamoisfarbenes und in Passepartouts eingelegt. – »In ›Wij‹ erreicht die aus folkloristischen Quellen schöpfende Phantastik Gogols […] ihren Höhepunkt und gleichzeitig ihren Abschluß« (KNLL VI, 561). – Ins Deutsche übertragen von Karl Nötzel.

42,3 : 30,3 cm (Mappe). [10], 32, [6] Seiten. – Die Mappe etwas berieben und verzogen, Textheft und vier Radierungen stockfleckig, eine stärker.

Katalog Lindenau-Museum 482-487. – Sennewald 24,2. – Lang E 44. – Jentsch, Expressionismus 144

  909    T. S. Eliot. Triumphal March.

€ 600

Drawings by E. McKnight Kauffer. London, Faber & Faber 1931. Mit einem Frontispiz und einer blattgroßen farbigen Illustration. Originalpappband mit goldgeprägtem Titel.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe (»large-paper edition, printed on English hand.made paper«), vom Verfasser unter dem Editionsvermerk signiert. –Erschienen als No. 35 der Reihe »The Ariel Poems«. – Sehr schönes Exemplar.

22,0 : 14,3 cm. [12] Seiten. – Vorderdeckel mit winzigen Flecken.

910  Max Ernst – René Char. Dente prompte.

€ 900

Poème. Paris, Galerie Lucie Weill 1969. Mit elf farbigen Lithographien nach Collagen von Max Ernst, davon eine auf dem Umschlag. Lose Doppelbogen in Originalumschlag und -kassette.

Eins von 240 Exemplaren (Gesamtauflage 290). – Von Autor und Künstler signiert. – Auf Velin d’Arches. – Die zehn Gedichte von René Char erschienen erstmals 1938 in »Dehors la nuit est gouvernée« unter dem Titel »Versions«.

49,0 : 41,0 cm. [58] Seiten. – Kassette mit Gebrauchsspuren, Ränder berieben. Umschlaglithographie gebräunt.

Spies/Leppien A 19c

911  Max Ernst – Werner Heisenberg. Die Bedeutung des Schönen in der exakten Naturwissenschaft. The meaning of beauty in exact natural science.

€ 900 ( R5 )

Mit drei Original-Farblithographien von Max Ernst. Stuttgart, Belser 1971. Mit drei Farblithographien. Originalleinenband mit rot-goldenem Lederrückenschild. Im Originalleinenschuber mit blau-goldenem Büttendeckelschild.

Siebter Druck der Belser-Presse. – Eins von 185 Exemplaren, weitere 20 Exemplare waren nicht für den Handel bestimmt. – Der Druckvermerk von Max Ernst, das Titelblatt von Werner Heisenberg signiert. – Festvortrag zur öffentlichen Jahresversammlung der Bayerischen Akademie der Künste, München, am 9. Juli 1970. Die Übertragung ins Englische besorgte Enrico Cantore, New York. – Die Farblithographien schuf Max Ernst im Frühjahr 1971, gedruckt wurden sie von Pierre Chave in Vence. – Auf festem Velin, gedruckt in der 18p Univers, Druck und Handbindearbeiten von Christian Belser, Stuttgart. – Sehr gutes Exemplar.

39,0 : 29,0 cm. 79, [5] Seiten, 3 Lithographien.

Spies/Leppien 198 I–III D (von D). – Spindler 64.7

  912    Anatole France. Les poèmes dorès.

€ 200 ( R5 )

Paris, Edouard-Joseph 1920. Hellbrauner Ecrasélederband mit reicher Fileten-, Rückentitel- und Kopfschnittvergoldung (signiert: L. Bernard). Gold-marmorierte Vorsatzpapier und Spiegel. Der vollständige Originalumschlag eingebunden.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Van Gelder-Bütten (Gesamtauflage 1100). – Schöner breitrandiger Druck in Gold und Schwarz auf chamoisfarbenem Bütten. – Auch der elegante Handeinband von L. Bernard widmet sich der titelgebenden ersten Abteilung. – Enthält auch »Idylles et légendes«, »Leuconoé« und weitere Dichtungen. – Exlibris Stig Wilton.

19,8 : 15,8 cm. 183, [9] Seiten. – Rücken leicht verfärbt, Vorderdeckel mit leichten Wasserflecken. – Unbeschnitten.

Talvart/Place VI, 134, 3 B. – Mahé II, 127

913  Bruno Frank. Sechzehntausend Francs.

€ 300

Los Angeles, Pazifische Presse 1943. Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel. – Widmungsexemplar.

Eins von 150 Vorzugsexemplaren (Gesamtauflage 250), in Halbleder gebunden und vom Verfasser signiert. – Privatdruck der Pazifischen Presse, die 1942 von Felix Guggenheim und Ernst Gottlieb gegründet worden war. Die Auswahl beruhte hauptsächlich auf persönlichen Beziehungen zu den Autoren. Insgesamt erschienen elf Werke. Beide Verleger sahen voraus, dass die Pazifische Presse mit Kriegsende ihre historische Bedeutung verlieren würde; die Arbeit in dieser Zeit legte den Grundstein für den weiteren Berufsweg der beiden Verleger – Ernst Gottlieb wurde Antiquar, Felix Guggenheim Literaturagent. – Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers: Unter dem Gedicht »Ein Dichter sagt: Der Torweg bin ich nur […]« folgt der Gruß »Für Ernst Gottlieb, in dankbarer Freude über die ›Pazifische Presse‹«, datiert 11. März 1943.

24,8 : 17,0 cm. [8], 53, [3] Seiten. – Rücken berieben, oben mit Filmoplaststreifen fixiert.

Exilarchiv 1552b

914  Bruno Frank. Eigenhändige Postkarte und drei eigenhändige Briefe, alle mit Unterschrift.

€ 500

Dresden, Aigen/Salzburg und Beverly Hills 1930–1944.

I. Karte, Dresden 5. IX. 1930: An Manuel Gasser in Arles-en-Provence. Dankt für einen Brief und bittet um Geduld hinsichtlich der Antwort »Wie Sie sehen, befinde ich mich auf Reisen«. Die Ansichtskarte mit der Fassade des Deutschen Hygiene-Museums Dresden. – II. Brief, Aigen, 25. XII. 1935: An einen Herrn Frey. Dankt für ein Geschenk. »Ich finde beide Blätter ganz großartig, wunderbar gemacht, hochwitzig und von einem ganz originellen Zauber.« – III. Brief, Beverly Hills 27. VIII. 1942: Saschalein, was wir wünschen, ist ja so klar: Gesundheit, begeisterte Patienten […]«. – Brief, Beverly Hills 28. XII. 1944: An Herrn Gottlieb, wohl den Herausgeber der Pazifischen Presse: »wenn’s Ihnen nicht zu viel Mühe macht – würden Sie mir von meinem Lieblingsportrait 10 oder 12 Abzüge auf Glanzpapier machen und zwar im Postkartenformat? Man braucht doch hie und da so etwas, […]« – Dazu: Zwei Porträtfotografien, rückseitig mit Paraphe »G«, und ein Beilageblatt »Herzlich dankend und grüssend Ihr B.F.« – Beigabe: Danksagung der Witwe Elisabeth (»Liesl«) Frank. Maschinengeschrieben und signiert, auf der Rückseite des gedruckten Gedichts »In jedem Hause«, »das bei der Beisetzung gesprochen wurde«.

915  Bruno Frank. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

€ 400

Aigen bei Salzburg, 12. August 1936. Zwei Seiten.

An den Filmproduzenten Paul Kohner (1902–1988) in Hollywood. » […] Frau Dagmar Wolfski fordert mich auf, Ihnen das Stück ›Zwölftausend‹ zu schicken, an dessen Filmmöglichkeiten sie glaubt. Auch mir scheint, dass gerade unter amerikanischen Gesichtspunkten da eine Aussicht sein sollte. Sie werden, wenn Sie das Stück durchsehen, sofort erkennen, wo der Accent liegen müsste: auf dem Unabhängigkeitskrieg und der Erklärung der Menschenrechte […] in der richtigen Hand könnte geradewegs ein amerikanischer National-Film zu Stande kommen.« – Dazu: Zwölftausend. Schauspiel in drei Akten. 5.–6. Tausend. Berlin, Ernst Rowohlt um 1928. Originalpappband. Der Hinweis auf die Bühnenrechte des Drei Masken Verlages wurde von Bruno Frank gestrichen und durch den eigenhändigen Zusatz »All rights repurchased by the Author, Dr. Bruno Frank. Aigen bei Salzburg, Austria« korrigiert. – Eine Verfilmung des Stücks entstand erst 1950 in England, 1956 folgte eine deutsche Fassung.

  916    Bartley Freedman – Barnett Freedman. Eight Proof Lithographs for »Oliver Twist«.

€ 300

Acht Farblithographien. 1939. 17,7 : 11,3 cm (ca 25 : 16 cm). Im Stein signiert und datiert.

Probedrucke der Illustrationen zur Buchausgabe der Heritage Press im Limited Edition Club. – Der englische Graphiker Barnett Freedman (1901–1955) illustrierte eine Vielzahl von Büchern. Die vorliegende Folge der Hauptcharaktere des Romans enthält alle acht Illustrationen der 1939 erschienenen Buchausgabe. – Die losen Blätter in einem vom Künstler eigenhändig betitelten Umschlag mit Widmung »For Jack Beddington« und mit einem eigenhändigen Brief an diesen Empfänger »I hope you will have these rough proofs of a job I did just before ›war‹ broke out.« Jack Beddington (1893–1959) war in den 1930er Jahren Manager von »Shell-Mex and BP«. – Dazu: Eine zweite Folge, am Unterrand typographisch bezeichnet »Printed in Great Britain«, eine Lithographie mit eigenhändiger Widmung des Künstlers, datiert 1943. Diese Folge mit leichten Knickfalten.

917  Willi Geiger – Johann Wolfgang von Goethe. Römische Elegien 1788.

€ 400

14 Steinzeichnungen von Willi Geiger. München [und Feldwies bei Übersee 1943]. Mit 14 signierten Lithograhien, davon zehn ganzseitig. Hellbrauner Schweinslederband mit montiertem Pergamentdeckelschild mit kalligraphiertem Titel.

Eins von 100 Exemplaren, im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Breitrandiger Pressendruck auf unbeschnittenem Bütten. – Herausgegeben von Herbert Kluger, der nach Kriegsende u. a. die umstrittene Buchausgabe von Jakob Littners und Wolfgang Koeppens »Aufzeichnungen aus einem Erdloch« verlegte. – Gedruckt bei C. Wolf & Sohn, jeweils München. – Die Illustrationen entstanden bereits während der Lehrtätigkeit Geigers an der Staatlichen Akademie der Künste und Buchgewerbe in Leipzig (1928–1933), erschienen aber erst zehn Jahre später im Eigenverlag. – Mit der gedruckten Widmung »Für meinen Freund Walter Gagg«.

32,2 : 23,8 cm. [4], 56, [4] Seiten.

  918    Wolfgang Gerner – Lao-Tse. Tao te king.

€ 400 ( R5 )

Aus dem Chinesischen ins Deutsche übertragen von Victor von Strauss, mit Aquarellen von Wolfgang Gerner. Denklingen, Fuchstaler Presse 1989. Mit zwei signierten Aquarellen, betitelt »Sinn« und »Leben«. Weißer Originalhalblederband, Deckelbezüge aus weißem Japan-Faser-Papier. In der Originalhalbleinenmappe.

23. Druck der Fuchstaler Presse. – Eins von 15 Exemplaren, »für jedes entstanden eigene Arbeiten, sodaß jedes Buch als Unikat gelten kann« (Druckvermerk). – Wolfgang Gerner, geboren 1942, studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und ist seit 1974 freischaffender Maler und Graphiker. – Der Text, jedes der 81 Kapitel auf einer eigenen Seite, wurde aus der Koch Antiqua gesetzt und auf blütenweißes Van Gelder-Zonen-Bütten gedruckt. – Makellos und sehr selten.

46,5 : 33,8 cm. 90, [6] Seiten, 2 Aquarelle.

  919    Erich Glas. Phaedrus Augusti libertus. Aesopische Fabeln.

€ 250

Sechs Holzschnitte. 1920. 11,5 : 9,5 cm (21,0 : 16,5 cm). Signiert, datiert, mit »Handdruck« bezeichnet und auf dem Passepartout betitelt. Lose in Originalhalbpergamentflügelmappe mit vergoldetem Rückentitel und marmorierten Japanpapierbezügen.

Künstler- oder Belegexemplar aus dem Nachlass von Otto Dorfner, Weimar, der die Mappen der Suite fertigte. – Die Mappe erschien laut Sennewald als Vorzugsausgabe zu der Buchausgabe (Berlin, Amsler & Ruthardt 1920), die acht Holzschnitte enthielt. – Alle sechs Holzschnitte und der Holzschnitttitel auf Japan, die Holzschnitte mit der Nummer des Abzugs und »Handdruck« bezeichnet. Alle in Passepartout und auf diesem mit einem Zitat aus der jeweiligen Fabel betitelt. – Erich Glas (1897–1973) studierte zunächst an der Kunsthochschule in München bei F. H. Ehmcke, bevor er 1919 ans Bauhaus nach Weimar kam, dort im Vorkurs von Johannes Itten studierte und in die von Walter Klemm geleitete Druckereiwerkstatt übernommen wurde. 1921 wurde er Mitglied in der Künstlergruppe »Das junge Rheinland«.

28,5 : 22,0 cm (Mappe).

Sennewald 20 b

  920    Günter Grass. Der Schatten. Skyggen.

€ 750 ( R16 )

Zehn Lithographien zu Märchen von Hans Christian Andersen. 2005. 53,5 : 39,5 cm. Signiert und nummeriert.

Eins von 120 Exemplaren. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Gedruckt von Christian Müller, Leipzig, jede Lithographie mit dessen Trockenstempel. – Das Mappenwerk entstand in Zusammenarbeit mit der Königlich Dänischen Botschaft in Berlin aus Anlass des 200. Geburtstags von Hans Christian Andersen. – Ediert vom Kunsthaus Lübeck, der Stuttgarter Manus Presse und der Galerie M Bogense. – Die Lithographien illustrieren die Märchen »Der Schatten«, »Däumelinchen«, »Der fliegende Koffer«, »Das Feuerzeug«, »Der Halskragen«, »Die kleine Meerjungfrau«, »Des Kaisers neue Kleider«, »Der standhafte Zinnsoldat«, „Die Nachtigall« und »Die wilden Schwäne«. – Mit einem lithographiertem Titelblatt und dem Inhaltsverzeichnis lose in der Originalleinenmappe. – Makellos.

921  George Grosz. Ecce homo.

€ 900

Berlin, Malik 1923. Mit 100 Tafeln, davon 16 farbig. Illustrierte Originalbroschur.

Exemplar der Ausgabe C mit allen 100 Tafeln, in Büttenkartonbroschur. – Bei den Tafeln handelt es sich um Offsetdrucke, farbige nach Aquarellen und einfarbige nach Zeichnungen. – »Ecce Homo« ist das erste große Sammelwerk des Künstlers, fertiggestellt wohl Ende 1922 und um den Jahreswechsel ausgeliefert. – 1923 wurden Grosz und die Verleger Gumperz und Herzfelde vom Generalstaatsanwalt beim Berliner Landgericht angeklagt, »unzüchtige Abbildungen und Darstellungen feilgehalten […] zu haben«, 23 Blätter wurden konfisziert.

36,5 : 26,5 cm. 2 Blätter (Titel und Inhalt), 100 Tafeln. – Der Broschurumschlag wie meist mit einigen Alterungsspuren, Gelenke unten etwas eingerissen. – Es fehlt das letzte Blatt mit dem Auflagen- und Druckvermerk. – Das leere Vorblatt mit Einrissen an der Klammerheftung, insgesamt vier kleine Randeinrisse.

Dückers S I C. – Hermann 155. – Lang E 38

  922    Franz Roh. Der Maler Kurt Günther.

€ 300 ( R5 )

Berlin, Nierendorf 1928. Mit 32 ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur mit montierter Fotografie.

Erste Ausgabe, erschienen zur Ausstellung der Galerie Nierendorf und mit einem ausführlichen Vorwort des Herausgebers. – Der Umschlag – entgegen einem Vergleichsexemplar – mit der Fotografie einer Zeichnung von 1934 (!). Titel mit Besitzvermerk »Franz Oertel«, zwei Tafeln mit dessen kenntnisreichen handschriftlichen Ergänzungen der Titel (Namensnennung von zwei Geraer Persönlichkeiten). – 1925 war Kurt Günther nach seiner Dresdner Dadazeit und drei kurzen Ehejahren in Bad Reichenhall wieder in seine Heimatstadt Gera zurückgekehrt. Er folgte dabei Otto Dix, mit dem er seit den Dresdner Jahren befreundet war. Nach Machtantritt der Nationalsozialisten erhielt Günther Malverbot. Ab 1934 entstanden deshalb vorrangig Porträtzeichnungen seiner Tochter (eine solche hier auf dem Umschlag).

23,3 : 15,7 cm. 48 Seiten. – Kleine Läsuren an den Ecken, etwas fleckig. – Das leere Vorblatt stark stockfleckig, der Titel leicht.

923  Hamburger Sezession – Katalog der ersten Ausstellung der Hamburgischen Sezession. – Katalog der zweiten Ausstellung der Hamburgischen Secession.

€ 500

Hamburg 1919 und 1921. Beide mit Holzschnitt auf dem Vorderumschlag, Heft 2 mit 16 Originalgraphiken. Originalbroschuren.

1919, und damit vergleichsweise spät, gründete sich die Hamburger Sezession – kriegsernüchert, ohne feste Programmatik, aber auch offen für Beiträge(r) außerhalb der bildenden Kunst. – Die beiden ersten Ausstellungen fanden noch im Altbau der Hamburger Kunsthalle statt. 1933 wurde die Sezession aufgelöst. – I. Katalog: Umschlagholzschnitt von Emil Maetzel. Aus dem Besitz des Hamburger Architekten Georg Opfermann (Stempel und Besitzvermerk auf dem Innendeckel), möglicherweise verwandt mit dem Sezessionsmitglied Karl Opfermann. – II. Katalog: Umschlagholzschnitt und Titelschrift von Dorothea Maetzel-Johannsen (im Stil und Format des berühmten Hamburger Brücke-Katalogs von 1912). 16 Seiten Text, 16 Graphiken von Friedrich Wield, Dorothea Maetzel-Johannsen, Paul Hamann, Gretchen Wohlwill, Emil Maetzel, Carl Blohm, Martin Ernst Friedrich Schwemer, Erich Hartmann, Anita Rée, Friedrich Ahlers-Hestermann, Karl Opfermann, Alma del Banco, Franz Breest, Paul Schwemer, Richard Kuöhl und Johannes Wüsten. – Nach dem innerhalb der Gruppe umstrittenen neuen Konzept wurden auch Arbeiten befreundeter Künstler (Marc Chagall, André Derain, Alexej Jawlensky, Paul Klee, Franz Marc, Pablo Picasso, Maurice Vlaminck u. a.) gezeigt. – Beigaben.

I: 18,5 : 14 cm. [28] Seiten, 12 Tafeln, 6 Anzeigenseiten. Vorderdeckel lose und etwas lädiert, vereinzelte Textblätter mit kleinen Randeinrissen. – II: 27,5 : 22,5 cm. [16] Seiten, 16 Graphiken, 6 Anzeigenseiten. – Umschlag minimal lichtrandig und unbedeutend geknittert.

Söhn HDOG 618 und 619

  924    Rainer Maria Rilke. Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke.

€ 400

Beek, In de Roozetak Johan Souverin 1994. Mit vier signierten Aquatintaradierungen, davon drei farbig, von Eva Haskova. Originalhalblederband mit goldgeprägten Titeln.

Eins von zwölf Vorzugsexemplaren in Halbleder und mit einer signierten Extrasuite der Radierungen. – Die erste einfarbig gedruckte Radierung mit einem Rilke-Porträt bildet die Titelvignette. – Eva Haskova (geboren 1946) zählt zu den anerkanntesten tschechischen Graphikerinnen. – Die opulent gesetzte und auf Zerkall-Bütten gedruckte Ausgabe von Rilkes bekannter Dichtung erschien als siebter Druck der Edition »In de Roozetak«. – Makellos erhalten.

32,3 : 24,4 cm. [48] Seiten, 4 lose Radierungen.

925  Ernest Hemingway – Ken.

€ 400

The Insider’s World. Volume I [–] III, 26 Hefte (alles Erschienene). Chicago, April 1938 – März 1939. Mit zahllosen Illustrationen. Drei schwarze Leinenbände mit goldgeprägten Titeln.

Vollständige Folge der kurzlebigen politischen Zeitschrift, die die Situation in Europa zwischen dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs analysierte und kommentierte. – Zu den Mitarbeitern gehörte kontinuierlich Ernest Hemingway, von dem 13 Artikel und eine Erzählung (»The Old Man at the Bridge«) enthalten sind. Die ersten Hefte nennen auch George Grosz als Mitarbeiter. – Viele politische Karikaturen, aber auch Fotos und Fotomontagen illustrieren die Textbeiträge. – Alle Hefte mit den farbigen Originalumschlägen. – Es erschienen halbmonatlich die Hefte I/1–7, II/1–13 und III/1–6, im letzten Heft wurde der Wechsel zu wöchentlichem Erscheinungsrhythmus angekündigt. Sehr gut erhalten und als vollständige Folge sehr selten.

34,5 : 27,0 cm. – Umschlag von Heft I/1 rückseitig mit Filmoplast geklebt.

926  Hermann Hesse. Gedichttyposkript mit Aquarell.

€ 900

Doppelblatt, 14,3 : 10,5 cm.

Das Typoskript auf der Innenseite beginnt mit der vierzeiligen Einleitung »Antwort an Freunde, die mir ein besonders schwieriges Gedicht im neuen Stil gesandt hatten […]«, gefolgt von Hesses Persiflage auf die moderne Lyrik: »Manchem mag, Doch jedem nicht, Gott gegeben Gelblicher Verse Dunkeles Violett zu verstehen. || Zwölf sind der Töne. Mancher versteht Mit oder ohne Adorno Zwölfergesang, Nicht aber, Gelähmt durch Erstaunen, Unterzeichneter. || H.H.« – Außenseite mit aquarellierter Bleistiftzeichnung. – Kleiner Farbfleck im Falz, minimale Abdrucke von Büroklammern. – Dazu: Zwei Porträtfotografien, abgezogen auf Postkartenkarton: Gret Widmann. Hermann Hesse aus der Zeit des »Steppenwolf« 1927. – Heiner Hesse. H. Hesse mit seinem jüngsten Enkel 1956. Diese mit eigenhändiger Widmung »Von Herzen dankt und grüsst Ihr H Hesse«.

927  Hermann Hesse. Siddhartha.

€ 1500

Eine indische Dichtung. Berlin, S. Fischer 1922. Originalhalbpergamentband, Batikpapierdeckelbezüge, Rücken- und Deckeltitel goldgeprägt.

Erste Ausgabe. – Eins von 50 Exemplaren, die für Hermann Hesse abgezogen wurden und »nur vom Dichter selbst (Montagnola, Schweiz) mit seiner Unterschrift zu beziehen sind« (Druckvermerk), dort nummeriert und signiert. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung Hesses. – Sehr schönes Exemplar dieses wichtigen Buchs, das Jahrzehnte später eine ganze Generation beeinflussen sollte. – Innen tadellos.

22,5 : 14,8 cm. 146, [6] Seiten. – Deckelränder leicht gebräunt, der vordere auch minimal stockfleckig.

Mileck II, 43

928  Hermann Hesse. Das Haus der Träume.

€ 500

Eine unvollendete Dichtung. Olten 1936. Marmorierter Pappband mit Deckelschild. – Widmungsexemplar.

Erste Buchausgabe der bereits 1914 verfassten Erzählung. – Erste Veröffentlichung der Vereinigung Oltner Bücherfreunde. – Eins von 40 unnummerierten Autorenexemplaren (Gesamtauflage 150, davon 100 nummeriert und signiert für die Vereinigung Oltner Bücherfreunde). – Vorblatt mit eigenhändiger Widmung »Frau Clara Erichson der bewunderten Schreibkünstlerin von ihrem Kollegen«. Mileck erwähnt für die Sammlung Clara Erichson »many letters with small water colours«. Möglicherweise stammte Clara Erichson aus der Familie des langjährigen Inhabers des Rostocker Hinstorff Verlages Peter E. Erichson. – 1936 gründete William Matheson (1895–1978) zusammen mit sieben bibliophilen Freunden die »Vereinigung der Oltner Bücherfreunde« und publizierte in 35 Jahren insgesamt 100 Bücher, 22 Liebhaberdrucke, unzählige Privat- und Sonderdrucke sowie Jahresgaben.

19,3 : 12,0 cm. 85, [7] Seiten (einschließlich der Vorsätze). – Ränder leicht gebräunt. Bezugspapier über den Gelenken mit Fehlstellen.

Mileck II, 67

929  Hermann Hesse. Zwei jugendliche Erzählungen. – Freunde.

€ 300

Olten 1956 und 1957. Originalhalblederbände mit Buntpapierbezügen und vergoldetem Rückentitel. Im Schuber.

70. und 75. Publikation der Vereinigung der Oltner Bücherfreunde. Eins von 135 bzw. 150 Vorzugsexemplaren, von Hermann Hesse auf dem Vortitel signiert, in Halbleder. – Beide für Peter Lukas Bertolf, Basel. – I. Inhalt: Hans Amstein. 1903. Sor Acqua. 1904. Nachwort (»Die beiden Erzählungen […] stammen aus der Zeit meiner literarischen Anfänge. Sie sind in Buchform nie erschienen.«) – II. Entstanden 1907/08, 1909 in »Velhagen&Klasings Monatsheften« abgedruckt. Mit einer Titelzeichnung von Gunter Böhmer. – Sehr gut erhalten.

20,2 : 12,8 cm. [4], 56, [4] bzw. [4], 106, [4] Seiten.

Mileck II, 121 und 123

930  Hermann Hesse. Bericht an die Freunde. Letzte Gedichte.

€ 1200

Olten 1960. Brauner Originalecrasélederband, beide Deckel und der Rücken mit vergoldetem und schwarzgeprägtem Filetenmuster, Rückentitel, Steh- und Innenkantenfileten sowie Kopfschnitt vergoldet (Hugo Peller, Solothurn). Im Schuber mit Lederkanten.

85. Veröffentlichung der VOB. – Erste Ausgabe dieser Zusammenstellung. – Eins von 60 römisch nummerierten Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe mit einem eigenhändigen und signierten Textzitat des Dichters auf dem Vorblatt: »Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Wind […]« (Gesamtauflage 785). – Auf Zerkall-Bütten. – In der Vorzugsausgabe sehr selten, hier zudem in einer Einbandvariante mit dem Filetenmuster auf dem gesamten Einband.

20,3 : 12,8 cm. [2], 49, [5] Seiten.

Mileck II, 132

931  Hermann Hesse. Erwin.

€ 900

Olten 1965. Blauer Originalmaroquinband, beide Deckel und der Rücken mit vergoldetem und schwarzgeprägtem Filetenmuster, Rückentitel, Stehkantenfileten sowie Kopfschnitt vergoldet (signiert: Hugo Peller, Solothurn). Im Schuber mit Lederkanten.

Achter Oltner Liebhaberdruck. – Erste Ausgabe. – Eins von 55 römisch nummerierten Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe im Ganzledereinband (Gesamtauflage 765, zusätzlich vierzig nicht für den Handel bestimmte). – Auf starkem Zerkall-Bütten. – Unbeschnitten. – Die Erzählung »Erwin« entstand schon um 1907/08 und wurde hier erstmals aus dem Nachlass veröffentlicht. – Makellos schönes Exemplar der sehr seltenen Vorzugsausgabe.

20,5 : 13,0 cm. [6], 51, [11] Seiten.

Mileck II, 147

932  Otto Hettner – Longus. Daphnis und Chloé.

€ 450

Mit Steinzeichnungen von Otto Hettner. München, Buchenau & Reichert 1923. Mit 93 teils blattgroßen Lithographien. Pergamentband, Lederückenschild, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Achter Phantasus-Druck. – Eins von 300 Exemplaren. – Breitrandiger Druck auf Zanders-Bütten bei Jakob Hegner in Hellerau. – Der Text folgt einer Übertragung von Friedrich Jacobs aus dem Jahr 1832, die mit dem griechischen Text verglichen und frei bearbeitet wurde. – »In dem 8. Phantasusdruck ›Daphnis und Chloe‹ kontrastiert die Fleischmann-Antiqua sehr kühn gegen die flaumigen […] Steinzeichnungen Otto Hettners.« (Schauer). – Sehr schönes Exemplar. – Dazu: Otto Hettner. Die Galatea des Don Miguel de Cervantes. 65 signierte Lithographien. 1922. Lose Abzüge auf Japan, vier in Rötel gedruckt. Jeweils in Passepartout und in Originalhalbpergamentmappe. Die Suite, gedruckt auf der Handpresse der Dresdner Akademie, erschien zu 25 Vorzugsexemplaren der Buchausgabe (21. Avalun-Druck, 1922). Sie enthält auch acht nicht im Buch enthaltene Lithographien. – Otto Hettner (1875–1931) lehrte seit 1917 an der Dresdner Kunstakademie Aktzeichnen und erhielt 1919 dort eine Professur. »In Dresden gelangen Hettner einige bemerkenswerte Beiträge zur Kunst der Illustration. […] Theodor Däubler, mit dem Hettner befreundet war, attestierte dem Maler ›hellenistisches Schauen‹ und meditierte über bisweilen ›traumverlorene Figuren‹. […] Die spannungsvolle Längung der Figuren wird zu einer Besonderheit der lyrischen Sensibilität der Hettnerschen Kunstwelt.« (Lothar Lang).

29,0 : 20,3 cm. 197, [3] Seiten. – 65 Lithographien.

Rodenberg 459, 8. – Schauer I, 239 und II, 99. – Lang I 91 und 90

  933    Friedrich Heubner – Daniel Defoe. Robinson Crusoe.

€ 300

Mit 20 Originalradierungen von F. Heubner. München, Der Bücherwinkel 1922. Mit 21 signierten Radierungen, davon eine auf dem Titel, ein Initial und eine Schlussvignette,. Blauer Halblederband mit marmorierten Buntpapierbezügen und vergoldetem Rückentitel (signiert: Johannes Gerbers, Hamburg).

Erstes Werk der »Drucke des Bücherwinkels«. – Eins von 100 Exemplaren, »gedruckt für L. Friederichsen & Co., Hamburg« (Verlagsbuchhandlung). – Gesetzt aus der Breitkopf-Fraktur. – Friedrich Heubner (1886–1974) war unter anderem Mitarbeiter der Münchner Zeitschriften »Simplicissimus« und »Jugend«. – Seine Robinson-Radierungen erschienen anlässlich des zweihundertjährigen Jubiläums der Erstausgabe, ein Anlass, der nicht nur in Deutschland eine ganze Reihe von illustrierten und bibliophilen Robinson-Ausgaben »hervorbrachte«.

31,9 : 26,0 cm. [6], 239, [7] Seiten. Leicht berieben, die Ecken etwas bestoßen. – Exlibris und Prägestempel. Ränder der Radierungen teils stockfleckig.

Rodenberg 350, 1. – Sennewald 22,1

934  Ludwig von Hofmann. Acht eigenhändige Briefe und eine eigenhändige Ansichtskarte, alle mit Unterschrift.

€ 750

Weimar 1907–1909, Oberstdorf 1917 und Dresden 1919 und 1931

I. Brief, Weimar 13. II. 1907: Wohl an Karl Robert Langenwiesche, den Herausgeber der Zeitschrift »Die Freude«: »Nachdem ich die 5 Bände der ›Freude‹ durchgesehen habe, will es mir scheien, als ob es sehr schwer sein müsste, aus meinen Arbeoten solche auszusuchen, die in den Rahmen und den Geist des Unternehmens hineinpassen. Der ganze Gefühlston, das vorwiegend ›Gemütvolle‹, ist mir im Lauf der Jahre mehr und mehr fremd geworden.« – Alle übrigen an den Dresdener Rechtsanwalt und Justizrat Dr. Felix Bondi, als Teilhaber der Bank Bondi & Maron wohlhabender Kunstsammler und Mäzen: Brief 29. VII. 1907: Übernimmt den Auftrag, ein Bild für die Nische über dem Kamin zu malen. Erbittet Geduld und ein Foto der Kaminwand »Prof. Van de Velde empfiehlt den Photographen Max Fischer«. – Brief 18. VIII. 1908: »Das Bild ist gerstern per Fracht an Ihre Adresse abgegangen. Ich hoffe, dass es seinen Platz gut ausfüllen wird.« – 8. X. 1908: Bedauert, aus Zeitgründen einen gemeinsamen Besuch mit Henry van de Velde in Dresden absagen zu müssen. Van de Velde würde »in der nächsten Zeit auf der Rückreise aus Chemnitz, wo er zu thun hat, nach Dresden kommen. […] er hat eine sehr große Erfahrung und Sicherheit in diesen Dingen, und wird ohne mein Zuthun sicher das Richtige finden«. – 6. XI. 1908: Dankt für eine Einladung. – 6. I. 1909: »… es freut mich, dass das Bild nun seine definitive Umrahmung hat«. Henry van de Velde war wegen des Rahmens konsultiert worden. – 28. X: 1919, Hofmanns leben mittlerweile auch in Dresden, lädt der Künstler den Justizrat Bondi und dessen Frau zum Essen ein. – 27. VIII. 1931: Danksagung für Glückwünsche zum 70. Geburtstag (Brief und gedruckte Danksagung) »Dasselbe freundschaftliche Wohlwollen, das Sie und Ihre Frau Gemahlin schon vor unserer Übersiedelung nach Dresden meiner Frau und mir erwiesen haben, ist uns in den 15 Jahren unseres Hierseins immer wieder freudig zum Bewusstsein gekommen […] Und sagen Sie bitte Ihrer Frau Tochter, die ich bekanntlich anbete, daß die Fußballattrappe ausgezeichnet geschmeckt hat, fast wie Melone!« – Alle mit eigenhändig adressierten Umschlag.

935  Ludwig von Hofmann – Homer. Odyssee.

€ 250

Deutsch von J. H. Voss. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Askanischer Verlag 1924. Mit Titelholzschnitt und zahlreichen Holzschnitten im Text. Originalpergamentband mit reicher Rückenvergoldung, goldgeprägter Deckelvignette und Kopfgoldschnitt.

Sechstes Buch der »Behmer-Drucke« bei Otto von Holten. – Eins von 100 römisch nummerierten Vorzugsexemplaren, bei denen der Druckvermerk von Marcus Behmer, der Titelholzschnitt vom Künstler signiert wurden. – Auf starkem Zanders-Bütten.

30,4 : 25,4 cm. 337, [7] Seiten. – Vorderdeckel etwas angestaubt.

Schauer II, 43. – Rodenberg 244

  936    Ludwig von Hofmann – Homer. Odyssee.

€ 200

Deutsch von J. H. Voss. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Askanischer Verlag 1924. Mit Titelholzschnittund zahlreichen Holzschnitten im Text. Originalpergamentband mit reicher Rückenvergoldung, goldgeprägter Deckelvignette und Kopfgoldschnitt.

Sechstes Buch der »Behmer-Drucke« bei Otto von Holten. – Auf starkem Zanders-Bütten. – Eins von 1000 unsignierten Exemplaren.

30,4 : 25,4 cm. 337, [7] Seiten.

Schauer II, 43. – Rodenberg 244

  937    Hugo von Hofmannsthal – Eranos.

€ 300

Hugo von Hofmannsthal zum 1. Februar 1924. München, Verlag der Bremer Presse 1924. Mit drei Originalgraphiken. Pergamentband mit vergoldetem Rücken, goldgeprägten Fileten und Bordüren sowie Kopfgoldschnitt. Im gefütterten Schuber.

Eins von 1050 Exemplaren. – Festschrift zu Hofmannsthals 50. Geburtstag. – Mit einer Radierung von Ludwig von Hofmann und je einer Lithographie von Max Liebermann (»Der Fischer und das Weib«. Achenbach 80, aus: Goethe, Gedichte) und Emil Orlik. – Mit Textbeiträgen u. a. von Rudolf Borchardt, Rudolf Kassner, Thomas Mann und Rudolf Alexander Schröder. – Den Titel und die Initialen zeichnete Anna Simons. – Schönes Exemplar in einem, den Arbeiten von Frieda Thiersch sehr nahen, Pergamentband.

28,8 : 20,5 cm. [8], XXXVI, 159, [7] Seiten, 3 Graphiken. – Einband und Buchschnitt minimal stockfleckig. – Exlibris.

Houghton Library Catalogue 264. – Lehnacker 58. – Rodenberg 60

938  Horst Hussel – Fritz Rudolf Fries. Don Quixote

€ 250

flieht die Frauen oder Die apokryphen Abenteuer des Ritters von der traurigen Gestalt. Mit vier Radierungen von Horst Hussel. [Berlin], Dronte [1994]. Mit vier blattgroßen Farbradierungen und einer fünften, lose beiliegenden, alle signiert. Originalpappband mit Fabrianobüttenbezug und vergoldeten Titeln (Klaus Adam, Glauchau).

Erster Druck der Dronte Presse. – Eins von 110 Exemplaren. Der Druckvermerk nennt eine Auflage von 250, diese wurde nach einer eigenhändigen Anmerkung des Künstlers nicht ausgedruckt. – Handsatz aus der Didot, gedruckt in der Offizin Haag-Drugulin, Leipzig, auf Hahnemühle-Bütten. – Die Dronte Presse wurde von den beiden Graphikern und Buchgestaltern Lothar Reher und Horst Hussel 1994 gegründet. – Tadellos erhalten. – Mit eigenhändiger Widmung des Künstlers.

36,0 : 24,3 cm. [2], 43, [3] Seiten.

939  Horst Hussel. Ein Album für Gerhard Lampersberg in Maria Saal.

€ 400

Berlin, Dronte Presse [1995]. 16 Radierungen, davon eine beiliegend, 15 signiert. Originalpappband mit Fabrianobüttenbezug.

Eins von 43 Exemplaren auf Roma-Handbütten (Gesamtauflage 55). – Der Druckvermerk vom Künstler nummeriert und mit kleiner Widmungszeichnung. – Gerhard Lampersberger (1928–2002) lebte als Komponist und Mäzen der österreichischen literarischen Avantgarde auf dem »Tonhof« in Kärnten. Besonders seine Auseinandersetzungen mit Thomas Bernhard (um dessen Buch »Holzfällen«) sorgten Anfang der 1980er Jahre für Aufmerksamkeit. – Jedem Exemplar wurde eine kolorierte Radierung beigelegt, ein Notenblatt »Für Stimme und Maultrommel« mit dem ersten Vers von Justinus Kernes »Du herrlich Glas, nun stehst du leer« in Lampersbergs Vertonung.

39,0 : 28,8 cm.

940  Richard Janthur – Das Blumenboot der Nacht.

€ 750

Chinesische Liebesgedichte. Berlin, Fritz Gurlitt 1921. Mit elf blattgroßen signierten Lithographien von Richard Janthur. Gelbe Originalbroschur und silberfarbene Originalschuber, beide mit Deckellithographie.

Das geschriebene Buch, Band 6. – Nach der Nummerierung eins von 20 Exemplaren der Vorzugsausgabe, die Lithographien aber nicht koloriert und das Buch nicht in Seide gebunden. – Im Druckvermerk von den beiden Nachdichtern Alfred Richard Meyer und Ernst Ulitzsch signiert, ebenso von Hans Steiner, der die »Gedichte in einer selbstentworfenen Type auf den Stein schrieb«. – Vollständig von Lithosteinen auf der Gurlitt-Presse (Rogall) auf Bütten gedruckt und als Blockbuch gebunden. – Bemerkenswert schönes Exemplar. – Dazu: Rabindranath Tagore. Vierzehn Gedichte. Mit Steinradierungen von Richard Janthur. Berlin, Karl Schnabel 1920. Mit zwölf Radierungen und 29 radierten Bordüren. Originalhalblederband mit Java-Buntpapierbezug. Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 400). – Druckvermerk vom Künstler monogrammiert.

29,5 : 25 cm. [48] Seiten. – 29 : 21,5 cm. [36] Seiten, 12 Lithographien. – I: Rücken minimal angestaubt.

Lang E 156 und 146

  941    James Joyce. Ulysses.

€ 300 ( R5 )

Vom Verfasser geprüfte deutsche Ausgabe von Georg Goyert. Erster [bis] Dritter Band. Basel, Rhein-Verlag 1927. Originalhalblederbände mit goldgeprägten Rückenschildern und Kopfgoldschnitt.

Erste deutsche Ausgabe des Jahrhundertromans. – Eins von 1000 Exemplaren auf Bütten, weitere 100 Presse-Exemplare wurden auf Dünndruckpapier gedruckt. – Privatdruck durch Vermittlung des Pariser Büros des Rhein-Verlags in Basel.

20,6 : 14,8 cm.

Slocum/Cahoon D 45.2

942  Ernst Jünger. Ein Vormittag in Antibes.

€ 1000

Olten 1960. Dunkelbrauner Originalmaroquinband. Rückentitel, Kopfschnitt und Deckelverzierungen vergoldet, Deckel zudem mit blindgeprägten Fileten (signiert: H. Peller). Im Schuber mit Lederkanten.

86. Publikation der Oltner Bücherfreunde. – Erste Ausgabe. – Erschienen anlässlich des 65. Geburtstages von Ernst Jünger. – Eins von 33 römisch nummerierten Exemplaren der Luxusausgabe (Gesamtauflage 653) in Ganzledereinband und mit einem ganzseitigen eigenhändigen Text (»Schmetterling auf Lavendelblüten …«) auf einem Vorblatt. – Uns fiel noch folgende Passage auf: »In der Nähe des Strandes tauchen in Bikinis gekleidete Gestalten auf, Gazellen, die in kleinen Rudeln zum Meere ziehen. Es scheint ein Wettbewerb zu herrschen, der auf den geringsten Stoffaufwand zielt. […]«. Es folgen – man liest Ernst Jünger – Überlegungen zur Kulturgeschichte (»Schon die Venus von Milo deutet ihn mit ihrer Gestik an«), Etymologie (»die dreifache Zuspitzung im I«) und Assoziationskraft des Wortes (»Man sieht […] zugleich den verheerenden Blitzstrahl«). – Tadellos und aufgrund der kleinen Auflage der Luxusausgabe sehr selten. – Das Exemplar für Heinrich Lustig, Inhaber der gleichnamigen Offizin in Gelterkinden, in der einige VOB-Publikationen gedruckt wurden.

20,0 : 12,5 cm. 52, [4] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 40

943  Ernst Jünger. Neun Erstausgaben,

€ 1500

erschienen als Publikationen bzw. Lieberhaberdrucke der Vereinigung Oltner Bücherfreunde. Olten 1951–1970. Originalhalblederbände mit Buntpapierbezügen und vergoldetem Rückentitel. Alle im Schuber.

Alle in der Vorzugsausgabe, von der jeweils etwa 100 Exemplare erschienen. Diese wurden in Halbleder gebunden und von Ernst Jünger auf dem Vortitel signiert. – I. Das Haus der Briefe. 1951. VOB 51. – II. Sonnentau. 1955. VOB 65. – III. San Pietro. 1957. VOB 73. – IV. Das spanische Mondhorn. 1962. VOB 95. – V. Sturm. 1963. VOB L 1. – VI. Grenzgänge. 1965. VOB L 6. – VII. Im Granit. 1967. VOB L 12. – VIII. Zwei Inseln. Formosa / Ceylon. 1968. VOB L 16. – IX. Lettern und Ideogramme. 1970. VOB L 21. – Alle Exemplare für das Mitglied der Oltner Bücherfreunde, den Basler Sammler Peter Lukas Bertolf. – Es erschienen in Olten noch zwei weitere Erstausgaben von Ernst Jünger (Geburtstagsbrief für Walter Matheson. Privatdruck. 1955) und »Ein Vormittag in Antibes« (1960, siehe KatNr. 942).

20,2 : 12,8 cm. – Alle sehr gut erhalten.

Des Coudres/Mühleisen B 22, 30, 35, 43, 47a, 52, 58, 60 und 63

944  Ernst Jünger. Im Granit.

€ 250

Olten 1967. Olivgrüner Originalhalblederband mit goldgeprägtem Rückentitel, Kopfgoldschnitt und Buntpapierdeckelbezügen (Hugo Peller, Solothurn).

Erste Ausgabe. – Zwölfter Oltner Liebhaberdruck. – Eins von 110 Vorzugsexemplaren, auf dem Vortitel vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 630). – Sehr schönes Exemplar des Tagebuchs der Korsikareise des Verfassers im Frühjahr 1966. – Dazu: Ernst Jünger. Zeitsprünge. Träume. Stuttgart, Klett-Cotta 1990. Originalhalblederband im -schuber. Erste Ausgabe. Eins von 500 Exemplaren der signierten Vorzugsausgabe.

20,0 : 12,5 cm. 63, [5] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 58

945  Ernst Jünger. Die Zwille.

€ 300

Stuttgart, Klett 1973. Hellbrauner Maroquinband mit blindgeprägten Fileten und Vignetten sowie farbigen Lederapplikationen. Im gefütterten Schuber mit Lederkanten. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vortitel mit eigenhändiger Widmung » ›… das Schöne gehört uns allen; an ihm gibt es kein Eigentum.‹ (p 329) | für Alfred Ott, den Liebhaber der Bücher, den Freund der Texte: Ernst Jünger | W., 17. IX. 1973«. – Alfred Ott band die sieben als Xerokopien gedruckten Exemplare von »Carabus Rutilans« (siehe C./M. B 61). Möglicherweise stammt auch der vorliegende unikale Einband von ihm.

22,00 : 13,8 cm. 329, [3] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 70a

  946    Ernst Jünger. Die Zwille. – Aladins Problem. – Autor und Autorschaft.

€ 350

Stuttgart, Klett-Cotta 1973, 1983 und 1984. Originalleinenbände mit -schutzumschlägen. – Widmungsexemplare.

Erste Ausgaben. – I. »Für Alfred Ott mit herzlichem Dank für das prächtige Gewand des Manuscripts«. Alfred Ott hatte 1968 die sieben Xerokopie-Exemplare von »Carabus Rutilans« (vgl. C/M. B 61) gebunden. – II. »Karl Korn zum 75. Geburtstag mit herzlichen Wünschen in alter Verbundenheit.« – III. »Fritz Lindemann, nach langer Abwesenheit und in Erinnerung an gemeinsam erlebte Tage […]«. Mit eingeklebter Porträtpostkarte, rückseitig von Jünger datiert »Wilflingen 65«. – Dazu: Die Schere. 3. Auflage. 1990. Signiertes Exemplar.

21,8 : 13,5 cm. 329, [5], 121, [3] bzw. 277, [3] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 70a, 82 und 85

947  Ernst Jünger. Zwei Mal Halley.

€ 300

Vierte Auflage. Stuttgart, Klett-Cotta 1988. Originalleinenband mit illustriertem Originalschutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Dem ›Halley-Genossen‹ Theodor Baader mit guten Wünschen zum 88sten Geburtstag von […] und Ernst Jünger | 10. VII. 1993«. – Bei dem Widmungsempfänger handelte es sich um den Sohn des Oberdada Johannes Baader, der wie der zehn Jahre ältere Jünger, zwei Begegnungen mit dem berühmten Kometen erlebte. – Die Widmung wurde von Peter Baader (1936–2020), einem großen Jünger-Verehrer, für den Vater initiiert.

21,8 : 13,5 cm. 100, [4] Seiten.

  948    Ernst Jünger. Die Schere.

€ 200

Stuttgart, Klett-Cotta 1990. Roter Originalmaroquinband, Rückentitel vergoldet, Deckelvignette blindgeprägt. Mit Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Eins von 200 Vorzugsexemplaren, in Leder gebunden und vom Verfasser signiert. – Tadellos.

21,8 : 13,5 cm. 186, [2] Seiten.

949  Ernst Jünger. Subtile Jagden.

€ 400

Mit 10 Farbstiftzeichnungen von Walter Linsenmaier. Stuttgart, Klett-Cotta 1995. Originalhalblederband mit zwei Deckelvignetten und vergoldetem Rückentitel.

Eins von 500 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Halbleder. – Druckvermerk vom Verfasser und vom Künstler signiert. – Das Tafelverzeichnis zählt neun entomologische Tafeln, davon eine Doppeltafel und die beiden Zeichnungen auf den Deckelvignetten. – Aus Anlass des 100. Geburtstages von Ernst Jünger erschienen. – Tadelloses Exemplar. – Beigabe: Rudolf Triebel. Porträtmedaillon Ernst Jünger. Bronzeguss, brüniert. 1970. Durchmesser: 8,6 cm. Recto: Porträt des 75jährigen, dessen Signatur und die Paraphe des Künstlers. Verso: Skarabäus und die Jahreszahl MCMLXX. – Drei signierte Radierungen von Susanne Theumer ((Exlibris Ernst Jünger Sammlung Wolfgang Wissing, zwei Radierungen mit Ernst Jünger-Zitaten). – Mit dem Buch in privater Halbleinenkassette.

31,2 : 22,5 cm. 228, [6] Seiten, 9 Tafeln.

  950    Ernst Jünger. Der Baum.

€ 300

Essay. – In: Bäume. Photographien schöner und merkwürdiger Beispiele aus deutschen Landen. Ingelheim am Rhein, C. H. Boehringer Sohn 1962. Mit 65 Tafeln. Originalleinenband mit graphischen Beigaben in eleganter Halbleinenkassette.

Erste Ausgabe des Essays, der als Geleitwort zur Bildfolge von Alfred Renger-Patzsch entstand. – Dazu: Radierungen von Susanne Theumer (Exlibris Ernst Jünger Sammlung Wolfgang Wissing, zwei Radierungen mit Ernst Jünger-Zitaten) und Claudia Berg (fünf Radierungen zum Thema »Bäume«).

35,5 : 27,0 cm. [2], 17, [1] Seiten, 65 Tafeln.

Des Coudres/Mühleisen C 27 a

951  Ernst Jünger. Zwei Porträtpostkarten, eine mit Widmung und zwei eigenhändige Briefkarten mit Unterschrift.

€ 400

1936–1945.

I. Porträtfotografie. 1920. Abzug auf Agfa Lupex. Mit der gedruckten Signatur Jüngers und der eigenhändigen Widmung seiner Frau Gretha »Dem Freund des Hauses, Fritz Lindemann.« Rückseitig dessen (?) Notiz: Abschiedsgeschenk anlässlich des Umzugs nach Überlingen im Dez. 1936«. – II. Porträtpostkarte nach der Zeichnung von Rudolf Stumpf. Mit eigenhändiger Widmung »Mit bestem Gruss Ernst Jünger«, rückseitig von Jünger adressiert »Herrn Hans Ludwig Beese, Neubrandenburg, Bahnhof 4«, Poststempel 1937. – III. Briefkarte an Kurt Fried, Verleger und Kunstsammler in Ulm. Überlingen, 10. XI. 1938. »Am 1. April ziehe ich […] nach Norddeutschland um, bis dahin treffen Sie mich – nach vorheriger Anmeldung – an. […]«. Ab 1939 lebte Jünger in Kirchhorst nahe Hannover. – IV. Briefkarte an Gustav Schenk, wohl den Schriftsteller, der 1943 unter anderem »Feldpostbriefe an die Geliebte und Frau« veröffentlicht hatte.

952  Ernst Jünger. Zwölf eigenhändige Briefe, sieben eigenhändige Post- und Briefkarten und sechs maschinengeschriebene Briefe, alle mit Unterschrift.

€ 2000

Ravensburg, Wilflingen und Antibes 1950–1953.

Alle an Fräulein Mimi Schwarz in Freiburg, wohl Inhaberin oder Geschäftsführerin des dortigen Novalis-Verlages. – Meist über Buchprojekte, Rezensionen und einige persönliche Dinge. Bei einer Karte wurde die Adress-Seite abgerissen, bei einer die Briefmarke. – Dazu: Fünf eigenhändige Briefe von Greta Jünger an Mimi Schwarz.

953  Ernst Jünger. Fünf eigenhändige Karten sowie ein Brief und eine Karte, beide maschinengeschrieben, alle sieben mit Unterschrift.

€ 300

Meist Wilflingen, 1951–1969 und 1994.

An verschiedene Empfänger. – Schreibt zu persönlichen Anlässen, über verschiedene Publikationen und 1969 zur Parteinahme eines Schriftstellers: »Gewiss hat der Autor, der eine Partei propagiert, die eine Hälfte seiner Leser für sich, während er die andere verstimmt. […] Ergreift er Partei, so kann das seinen Einfluß mehren, obwohl er sich als Halber, sei es als Rechter oder Linker, decouvriert. […] Aus diesem Grunde steht auch Priestern, Königen und sogar Präsidenten Parteinahme schlecht an. Heut freilich ist das anders, da jeder sich möglichst schnell als Dummkopf vorzustellen liebt.« – Etwa 15 Beigaben (Danksagungskarten, teils signiert, u. a.).

954  Ernst Jünger – Oskar Kreibich. Ernst Jünger.

€ 300

Tusche. 1960. 64 : 50 cm. Signiert und datiert, von Ernst Jünger signiert.

Der aus Nordböhmen stammende Maler Oskar Kreibich (1916–1984) hatte sich nach Kriegsende in Backnang niedergelassen. Er porträtierte zahlreiche Künstler, Dichter und Politiker. – Eine veränderte Fassung wurde 2019 in einer Pforzheimer Auktion versteigert. – Auch die vorliegende wurde nicht nur vom Künstler sondern auch vom Porträtierten signiert.

Ecken und Ränder mit kleinen Knickfalten, ein senkrechter Kratzer neben der Zeichnung. – Rückseitig umlaufend Montagereste.

955  Franz Kafka. Gesammelte Schriften.

€ 750

Band I [bis ] VI. Berlin, Schocken 1935, und Prag, Heinrich Mercy 1936. – Max Brod. Franz Kafka. Eine Biographie. (Erinnerungen und Dokumente). Prag, Heinrich Mercy 1937. Mit einigen Tafeln. – Sieben Originalleinenbände mit Vergoldung.

Erste Werkausgabe mit der ergänzenden Biographie des Kafka-Vertrauten. – Herausgegeben von Max Brod und Heinz Politzer. – I. Erzählungen und kleine Prosa. 1935. – II. Amerika. Roman. 1935. – III. Der Prozess. Roman. 1935. – IV. Das Schloss. Roman. 1935. – V. Beschreibung eines Kampfes. Novellen, Skizzen, Aphorismen aus dem Nachlass. 1936. – VI. Tagebücher und Briefe. 1937. – 1934 stimmte Kafkas Mutter dem Vertrag zu, mit dem der Berliner Schocken Verlag Max Brod die Herausgabe der Werke Kafkas übertrug. Brod hatte sich bereit erklärt, die gesamte Arbeit ohne Entgelt zu leisten. In jüdischen Buchhandlungen durften Kafkas Bücher nur an Leser ausgehändigt werden, die sich als Juden auswiesen. Vier von geplanten sechs Bänden lagen vor, als der Schocken-Verlag nach New York übersiedeln musste, Band V und VI sowie seine Kafka-Biographie gab Max Brod 1936/37 im Prager Exil heraus.

19,3 : 12,5 cm. – Band VI an der Seitenkante und dem Buchschnitt mit leichter Druckstelle, Rücken der Biographie leicht verblasst. – Vorsatzblatt von Band III und IV mit Anmerkungen.

Raabe/Hannich-Bode 146.13 und 45.51

  956    Rockwell Kent – Beowulf.

€ 250

Verse translation by William Ellery Leonard. New York, Random House 1932. Mit acht Lithographien von Rockwell Kent, davon sechs ganzseitig, eine als Titel- und eine als Schlussvignette. Schwarz-weiß melierter Originalleinenband mit weißgeprägter Deckelillustration und dem Originalschutzumschlag.

Eins von 950 nummerierten Exemplaren, im Druckvermerk vom Künstler mit dessen Daumenabdruck signiert. – Gesetzt aus der Hammer Unziale und gedruckt in Rot und Schwarz, die verzierten Initialen in Blau. – Auf chamoisfarbenem Bütten. – Rockwell Kents (1882–1971) Bilder vermengen historisierende Elemente mit surrealistischen Details. Einige seiner Bildschöpfungen erinnern an William Blake. – Die »Unciale« des österreichischen Typographen und Graphikers Victor Hammer (1882–1967) zählt zu den markantesten Druckschriften des 20. Jahrhunderts. 1923 hatte er sie für die Gießerei Klingspor entworfen, nach seiner Emigration in die USA entwickelte er 1943 die »Neue« oder auch »Amerikanische« Version.

34,5 : 27,1 cm. [4], 145, [3] Seiten. – Schutzumschlag mit kleinen Ein- und Ausrissen. – Blattränder minimal gebräunt. Exlibris und Prägestempel.

957  Richard Dehmel. Der Buntscheck.

€ 700 ( R5 )

Ein Sammelbuch herzhafter Kunst für Ohr und Auge deutscher Kinder. Herausgegeben von Richard Dehmel. Köln, H & F Schaffstein 1905. Zweite Ausgabe. Mit Illustrationen von K. F. von Freyhold, Karl Hofer, Ernst Kreidolf und E. R. Weiß. Farbig illustrierter Originalpappband.

»Vielleicht das bedeutendste Buch der neuen Kinderbuch-Malerei« (Doderer-Müller, S. 251). – Das wegen seiner Illustrationen berühmte Kinderbuch vereint Texte von Oskar Wiener, Paul Scheerbart, Gustav Rühl, Paula und Richard Dehmel, Peter Hille und vielen anderen. – Gegenüber der ersten Auflage von 1904 wurde das von den Rezensenten heftig kritisierte »Märchen vom Kinderkriegen« in »Singinens Geschichten« weggelassen. – Die Vereinigung von Beiträgen »erster Dichter deutscher Sprache« und den für ihre Zeit avantgardistischen, vor allem von Hofers Auffassungen geprägten Illustrationen ließ einen, wenn nicht den Höhepunkt des deutschen Kinderbuchs im 20. Jhdt.« entstehen (Stark, Schaffstein, S. 45).

31,4 : 23,5 cm. 55, [1] Seiten.

Vgl. Bilderwelt 514, Stuck-Villa II, 237, Pressler 203 (alle die EA 1904). – Hess-Wachter, Kreidolf C41

958  Ernst Kreidolf – Alte Kinderreime

€ 400 ( R5 )

mit Bildern von Ernst Kreidolf. Köln, Hermann & Friedrich Schaffstein [1905]. Mit 17 farbigen Bildern, davon 15 blattgroß, eins als Titel und eins als Schlussvignette. Farbig illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vorsatz verso mit eigenhändiger Widmung für den Schweizer Schriftsteller und Kritiker William Ritter, signiert »Ernst Kreidolf 1905«. – »Dieses Bilderbuch Kreidolfs unterscheidet sich von seinen Bildermärchen, in denen die Natur meist phantasievoll belebt ist, durch die vorgegebenen Texte, die oft eine wirklichkeitsbezogene Illustration verlangen« (Brüggemann). Doch Kreidolf wäre nicht Kreidolf, fänden sich nicht doch solch phantastische Motive wie ein Flamingoreigen, der von Müllersburschen getragen wird, Käferbalett zu Rattenmusik, Zwerge, Hexen u. v. m. – Sehr schönes Exemplar.

30,0 : 23,8 cm. [32] Seiten. – Gelenke leicht berieben. – Kleines Buchhändlerschildchen Gunnar Kaldewey.

Stark, Schaffstein 186. – Hess/Wachter B 20. – Stuck-Villa II, 229. – Bilderwelt 489. – Brüggemann I, 457. – Lex. KJL II, 256

  959    Kinderbücher – Kling-Klang Gloria.

€ 180

Deutsche Volks- und Kinderlieder. Ausgewählt und in Musik gesetzt von W. Labler. Illustriert von H. Lefler und J. Urban. Wien und Leipzig, F. Tempsky und G. Freytag 1907. Mit 16 ganzseitigen farbigen Illustrationen und Buchschmuck. Illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – »Dieses bekannteste der Bücher, die aus der Kooperation von Heinrich Lefler und seinem Schwager Joseph Urban hervorkam, kann als hervorragendes Beispiel für die Verschmelzung dekorativer Stilisierung (die wahrscheinlich von Urban stammt) und erzählender Illustrationsgraphik (Leflers Anteil) gelten« (Bilderwelt). – Die beiden Wiener Sezessions-Künstler Joseph Urban und Heinrich Lefler arbeiteten oft zusammen, Urban lieferte dabei stets die dekorative Umrahmung zu Leflers Illustrationen. Beide zählen zu den wichtigsten Künstlern des europäischen Jugendstils.

25,5 : 32,0 cm. 64, [2] Seiten. – Deckelkanten etwas berieben, insgesamt sehr schön.

Bilderwelt 545. – Seebaß I 1089 und II, 1040. – Stuck-Villa I, 421

960  Elisabeth Weidenreich – Gebrüder Grimm. Der Froschkönig

€ 200

oder der eiserne Heinrich, ein Märchen. Sechs Holzschnitte von Elisabeth Weidenreich. Berlin 1927. Mit sechs ganzseitigen Holzschnitten und einer Titelvignette. Originalpappband mit Deckelvignette.

Eins von 30 Exemplaren. – Im Druckvermerk von der Künstlerin signiert und nummeriert. – Gesetzt und gedruckt in der Buchdruckwerkstatt der Vereinigten Staatsschulen, Charlottenburg, die 1924 gegründet worden war. – Ein Jahr zuvor hatte die Studentin an der Kunstgewerbeschule München sieben Gedichte von Hugo von Hofmannsthal mit Linolschnitten gedruckt. – Nicht im KVK.

12,6 : 15,3 cm. [18!] Seiten. – Einband leicht fleckig.

  961    Kinderbücher – Hans Leip. Das Zauberschiff. The Magic Ship.

€ 150 ( R5 )

Ein Bilderbuch nicht nur für Kinder. A Picture Book not only for Children. Hamburg, Hammerich & Lesser 1946/1947. Mit 13 blattgroßen Illustrationen. Neuerer Pappband.

Erste Ausgabe. – Der Originalbroschurumschlag wurde eingebunden. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – »Seit zwanzig Jahren geplant, entstanden im Galtenberghaus zu Alpach bei Brixlegg in Tirol, Mai/Juni 1946« und noch im gleichen Jahr veröffentlicht. – »Das ursprünglich nur seinen vier Töchtern zugedachte Bilderbuch enthält zu dreizehn von ihm selbst entworfenen klarfarbigen expressionistischen Kompositionen kleine Texte als Erlebnisfolge eines Kindes, in deutscher und englischer Sprache.« (M. Dierks, zit. nach Lex. KJL). – »Für Halbey ›[…] ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus‹, das bewußt dort anschließt, wo durch den Nationalsozialismus die freie Entwicklung der Kunst in Deutschland unterbrochen war.« (Hoffmann/Thiele, Künstler illustrieren Kinderbüchern 206).

28 : 26 cm. [32] Seiten.

Lex. KJL II, 333. – Stuck-Villa II, 248. – Bilderwelt 785

962  Erich Kästner. Pünktchen und Anton.

€ 250

Ein Roman für Kinder. Illustriert von Walter Trier. Berlin, William & Co. 1932 [1931]. Mit 13 Illustrationen nach Federzeichnungen, davon neun ganzseitig, und einer Farbtafel. Originalhalbleinenband mit farbigem Deckelbild. Mit einem Fragment des Schutzumschlags.

Erste Ausgabe, sehr selten (Hatry: »nahezu verschollen«). – Im Druckvermerk datiert »1932«, das Buch wurde aber bereits im Herbst 1931 ausgeliefert. Nach dem großen Erfolg erschien noch vor Weihnachten 1932 eine zweite Auflage (7.–12. Tausend). Offenbar gab es innerhalb der ersten Ausgabe Bindequoten, hier in der von allen anderen Kästner/Trier-Büchern gewohnten Halbleinen-Ausstattung, was die These von Thomas Hatry widerlegt, es hätte die Erstausgabe nur als Pappband und ohne Schutzumschlag gegeben. – Edith Jacobsohn, die Witwe des Weltbühne-Gründers, hatte 1929 Erich Kästner und Walter Trier miteinander bekannt gemacht und sich für ihren William-Verlag ein gemeinsames Kinderbuch gewünscht. Als erster von vielen Titeln des kongenialen Duos erschien 1929 »Emil und die Detektive«, gefolgt von »Das verhexte Telefon« und »Arthur mit dem langen Arm«. – Beilage: Fragment des Originalschutzumschlags mit dem Personenverzeichnis und Angaben zu Ort (»Berlin«) und Zeit der Handlung »das Jahr 1931«.

20,0 : 15,7 cm. Seiten [3]–223, [3] (so korrekt), 1 Farbtafel. – Leicht bestoßen, Hinterdeckel etwas fleckig, hinteres Gelenk gerissen. – Bindung gelockert.

Vgl. Hatry 191 (EA, aber nur Pappband) und 194 sowie Kat. Brüggemann III, 466 (nur 2. Auflage)

963  Erich Kästner. Der 35. Mai

€ 250

oder Konrad reitet in die Südsee. Illustriert von Walter Trier. Berlin, Williams & Co. 1933 [1932]. Mit 21 Illustrationen nach Federzeichnungen, davon 14 ganzseitig. Originalhalbleinenband mit farbigem Deckelbild und illustriertem Schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Trotz der hohen Startauflage, die sicher in dem Erfolg von »Emil und die Detektive« begründet war, ist diese erste Ausgabe ungemein selten und um ihr tatsächliches Erscheinungsdatum rankt sich manche Ungereimtheit. Es scheint aber sicher, dass sich der Verlag auch hier das Weihnachtsgeschäft nicht entgehen lassen wollte und das Buch mit Imprint 1933 bereits im Herbst 1932 ausgeliefert wurde. Mit Bleistift auf dem hinteren Innendeckel ein Kauf- oder Lesedatum »22.X.32«. – Mit einem schönen Verlagsprospekt »Wir wollen auch Williams Bücher lesen 1932/33« als Beilage. Auf 16 Seiten werden viele Bestseller des Verlages vorgestellt und mit Pressestimmen beworben, darunter fünf Kästner/Trier-Titel sowie Dr. Dolittle und Dr. Überall. In guter Typographie zweifarbig in Orange und Grün gedruckt (18,0 : 12,2 cm).

20,5 : 15,7 cm. 131, [1] Seiten. – Eine Ecke minimal bestoßen. – Der Schutzumschlag mit einigen Einrissen, mit Japan hinterlegt. – Einige Ränder mit leichten, sehr kleinen Stockflecken.

Vgl. Kat. Brüggemann I, 426, Hatry 205 und Bilderwelt 697 – alle nur die 2. Auflage (11.-30. Tausend)

  964    Walter Klemm – H. J. Christoffel von Grimmelshausen. Ausführliche und wunderseltsame Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courage.

€ 200

Mit 10 ganzseitigen Radierungen von Walter Klemm. Weimar, Weimarschau 1923. Mit zehn signierten Radierungen. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel und marmorierten Deckelbezügen.

Drittes Werk des Weimarschau-Verlages. – Eins von 100 Exemplaren. – Auf Bütten. – Die Radierungen wurden in der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst in Weimar gedruckt. – Im Weimarschau-Verlag erschienen 1923 drei von Klemm illustrierte Bücher. Walther Klemm (1883–1957) war bereits seit 1913 Leiter der Graphikabteilung der Weimarer Großherzoglich Sächsischen Hochschule, aus der 1919 das Bauhaus hervorging. Er zählte von Anfang an zu dessen Meistern. »Große Verdienste erwarb er sich als Illustrator von Werken der Weltliteratur. Seine Bildbeigaben […] sind Meisterwerke der Buchillustrationskunst […]« (Tesch/Völkel, Kleines Lexikon Bauhaus).

29,3 : 23,0 cm. 83, [5] Seiten, 10 Radierungen.

Sennewald 23,5

965  Oskar Kresse. Die Überwinder des Todes.

€ 300

Mit Zeichnungen von Carl Reimann. Berlin, John Schwerin 1911. Mit 16 zweifarbigen Tafeln und zwei, auf allen Doppelseiten wiederholten, Bordüren. Graubrauner Maroquinband, Deckelillustration und Titel schwarzgeprägt.

Erste illustrierte Ausgabe. – Der phantastische Roman von Oskar Kresse erschien wohl erstmals 1908, ohne Nennung des Verfassers. – Biographische Daten beider am Buch Beteiligten sind rar: Oskar Kresse verfasste mehrere Wörterbücher, u. a. 1915 eines zur »Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter«, Karl (Carl) Reimann veröffentlichte lt. Ries (»biographische Daten unbekannt«) zwischen 1903 und 1911 Zeichnungen in der Zeitschrift »Jugendblätter«. – Der Einband entstand sicher als Vorzugsausgabe des Verlages, da das Titelbild absolut identisch mit dem der normalen Halbleinenausgabe ist.

26,0 : 19,0 cm. [2], 232 Seiten, 16 Tafeln. – Deckelränder und Rücken etwas gebräunt. Vorsätze mit Roma-Bütten erneuert.

  966    Alfred Kubin. Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift.

€ 250

Wernstein, 8. I. 1930. Zwei Seiten.

An den Berliner Bibliophilen und Lektor Emil Tuchmann. – Kubin stellt detaillierte Fragen zu zwei Büchern, die aus Anlass des 25. Jubiläums des Berliner Bibliophilenabends erschienen (Otto Stoessl »Der bedenkliche Kauf« und »Der Dichter und das Buch«, herausgegeben von Emil Tuchmann und Karl Schönberg). »[…] soll es ein Umschlag, Einbandzeichnung oder ein Innentitel, Frontispice werden – soll 4. in die betreffende Zeichnung Schrift […] 5. Zum Abzeichnen der Lithographien würde ich die Firma O. Felsing (Charlottenburg) oder H. Birkholz (Berlin W 35) empfehlen. Ich habe bei Qualität und Preis die besten Erfahrungen besonders auch mit Felsing. […] – Mit Absenderstempel. – Die Herausgeber folgten Kubins Empfehlung, die Lithographie wurde bei Felsing gedruckt.

Vgl. Marks A 121 und A 124 und Deutsche Bibliophile 1898–1930, Seiten 104 und 106

967  Melchior Lechter – Maurice Maeterlinck. Der Schatz der Armen.

€ 300

In die deutsche Sprache übertragen durch Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Florenz und Leipzig, Eugen Diederichs 1898. Mit Holzschnitten von Melchior Lechter, darunter Titel, 13 Initialen und Buchschmuck. Halbleinenband, der illustrierte Originalbroschurumschlag eingebunden.

Erste deutsche Ausgabe. – Das erste von Melchior Lechter gänzlich gestaltete und illustrierte Buch. Neben dem großen Titelholzschnitt schnitt er zahlreiche ornamentierte Initialen und Zierstücke, die Paginierung sowie alle Haupt- und Zwischentitelzeilen, die in Rostrot gedruckt wurden. – Auf bräunlichem Bütten. – »Mit diesem Buch beginnt die deutsche Buchkunst unseres Jahrhunderts« (Jürgen Eyssen). – Nachgebunden ein Doppelblatt mit Anmerkungen des Übersetzers und bibliographischen Notizen. In der Typographie des Buches und auf dem selben Bütten gedruckt. – Aus der Bibliothek des Kalligraphen MK Neudold mit dessen Exlibris.

20,3 : 17,5 cm. 105, [3; 4] Seiten. – Ränder etwas gebräunt.

Raub A 20. – Landmann 108. – Eyssen, Seite 11. – Schauer I, 53 und II, 12 (mit Abbildung)

968  Melchior Lechter – Stéphane Mallarmé. Herodias.

€ 10000

Umdichtung von Stefan George. Berlin, Blätter für die Kunst 1905. Cremefarbener Originalperkalineinband mit Goldprägung.

Erste Ausgabe der Umdichtung. – Eins von sieben Exemplaren auf Japanpapier, weitere zwei entstanden auf Pergament. – Gedruckt unter Aufsicht von Melchior Lechter bei Otto von Holten, Berlin, in Gold und Blau, komplett aus Versalien gesetzt. Melchior Lechters Urnen-Signet wird auf dem Vorderdeckel und dem Titel verwendet. – »1905 gestalteten George und Lechter […] eines der edelsten Bücher, die je von Ihnen produziert wurden; ein geplantes Rarissimum: ganz in Blau und Gold gehalten, […] nur durch Schrift und Farbe wirkend, ein Zwitter von Druck und Handschrift, erschien in nur sieben Exemplaren Georges Übertragung von Mallarmés ›Herodias‹ […]. Dieses Rarum war in einem gewissen Sinne ein Geschenk Georges an Melchior Lechter, dessen Wünschen es ganz und gar entsprach« (Ute Oelmann, Die Schrift- und Buchkunst Stefan Georges. Stuttgart 2009. S. 18). – »Stefan Georges Herodias-Übersetzung ist das seltenste und kostbarste Buch von George und ein Rarissimum der neueren deutschen Literatur.« (Katalog Marbach, Stefan George 209). – Provenienz: Deutsche Privatsammlung. – Das Exemplar aus der Sammlung Castrum Peregrini, Amsterdam, 2010 bei Hauswedell & Nolte (Auktion 422, Lot 41) erworben. Es war seit 80 Jahren das erste Exemplar im deutschen Handel. »1929 erzielte ein Exemplar der ›Herodias‹ bei Graupe den für damalige Verhältnisse exorbitanten Preis von 2500 Reichsmark«.

35,8 : 27,2 cm. [12] Seiten. – Einband minimal angestaubt, die Ecken und Kapitale leicht bestoßen. – Vereinzelt leichte Radierspuren, zwei Seiten im Falz mit Abklatsch des Lesebändchens, das lose beiliegt.

Landmann 240. – Raub A 54 A (nennt irrtümlich auch für die Japanexemplare Handmalereien Lechters)

969  Aristide Maillol – Longus. Les Pastorales ou Daphnis et Chloé.

€ 750

Version d’Aymot revue et complétée par P.-L. Courier. Bois originaux d’Aristide Maillol. Paris, Philipp Gonin 1937. Mit 48 Textholzschnitten und sieben Holzschnitt-Initialen. Pergamentband mit Durchstichheftung und vergoldetem Rückentitel. Zusammen mit Originalumschlag zur Suite in Halbpergamentkassette.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 500 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Bütten mit Maillols Wasserzeichen. – Mit einer in Rot auf Bütten gedruckten Suite aller 46 Holzschnitte – zwei Vignetten wurden im Buch wiederholt verwendet – und 15 ornamentierten Initialen auf einem Blatt. – »Small in scale, it is perhaps the most harmonious of Maillol’s illustrated books« (Garvey). – Kaum eine Holzschnittfolge Maillols ist anmutiger als die zu der Erzählung von der unschuldigen Liebe der Hirtenkinder Daphnis und Chloe. »Sensual, sometimes erotic but in the best sense of both terms Maillol […] is a perfect illustrator of ancient and modern classics […] the predominant feeling that emanates from the wood engravings is one of tenderness« (W. J. Strachan). – Schönes Exemplar, das Buch elegant gebunden, die Suite lose im Originalumschlag.

22,0 : 14,0 cm. [12], 217, [15] Seiten, 47 Holzschnitte.

Carteret IV, 243. – Rauch 141. – Garvey 174. – Guérin I, 76–127

970  Longus. Daphnis et Chloe. – Drei illustrierte französische Ausgaben.

€ 450

1919–1946.

I. Avec les figures dessinées et gravées sur bois par Carlègle. Paris, Pichon 1919. Mit 27 Textholzschnitten. Lederband der Zeit mit reicher Vergoldung. Eins von 50 Exemplaren der dritten Vorzugsausgabe, gedruckt auf China und mit einer Suite der Holzschnitte, ebenfalls auf China (Gesamtauflage 395). Carteret IV, 242 »Belle publication cotée, surtout en grand papier«. Leicht stockfleckig. – II. Illustrations de Louis Touchagues. Paris, Éditions du Bélier 1945. Mit zahlreichen, teils farbigen Illustrationen. Lose Bogen in illustrierten Originalumschlägen, -chemisen und -schuber. Eins von 700 Exemplaren (Gesamtauflage 805). – III. Compositions lithographiques originales de Suzanne Ballivet. Monte-Carlo 1946. Mit zahlreichen Lithographien im Text, davon 17 blattgroß. neuer grüner Lederband mit Schuber. Eins von 890 Exemplaren auf Grand Vélin Renage (Gesamtauflage 994).

  971    [René] Magritte.

€ 450

[La boîte bleue. Die blaue Schachtel. The Blue Box]. Paris und Gent/Amsterdam, Ludion 2003. Katalogbuch mit zahlreichen, meist farbigen, Illustrationen und drei »Portfolios« in blauer Originalhalblederkassette mit Objektdeckel und Titel in Silberprägung.

Eins von 950 Exemplaren der Vorzugsedition zum Ausstellungskatalog, herausgegeben von Daniel Abadie und Ronny van de Velde. – Der Katalog erschien zur Ausstellung in der Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris, im Frühjahr 2003. – Die aufwendige und originelle Luxusedition enthält drei Umschlagmappen. I: Drei Originalradierungen auf Velin, stempelsigniert und nummeriert. – II: Fünf Ausschnitte aus dem Gemälde »L`Evidence éternelle«, reproduziert in Originalgröße auf Leinwand. – III: Farbdrucke von zwei Gouachen, je acht Stück auf Klebefolie. – Im Vorderdeckel der Kassette ein farbig reproduziertes trompe-l`œil unter Plexiglas. – Makellos.

36,5 : 32,0 : 8 cm (Kassette).

972  Vladimir Majakovskij. Groznyi smekh.

€ 750

(russisch: Das schreckliche Gelächter). Moskau/Leningrad, GIChL 1932. Mit 37 Bildseiten nach Rosta-Fenstern, einem Porträt und illustrierten Vorsätzen. Originalpappband mit Typographik auf dem Schutzumschlag.

Eins von 3000 Exemplaren. – Die den Rosta-Plakaten gewidmeten Texte erschienen zwei Jahre nach Majakowskis Tod. Das Buch besticht durch seine außergewöhnliche Gestaltung von Warwara Stepanova: Die Textseiten, nach den Regeln der modernen Typographie unter Verwendung verschieden starker Balken gesetzt, werden ergänzt durch die am Außenrand halbseitengroß abgebildeten legendären Plakate der russischen Telegrafen-Agentur ROSTA, die seit 1919 besonders in Zusammenarbeit mit Majakowski entstanden. Jedes zweite Textblatt blieb unillustriert und wurde in schmalem Hochformat eingebunden, so dass die Abbildungen stets unverdeckt bleiben. – Mit der berühmten Fotomontage von Boris Ignatowitsch in Rot und Schwarz auf den Vorsätzen. – Warwara Stepanowa (1894–1958) war auf der Ersten Russischen Kunstausstellung in Berlin (1922) vertreten. Die Textildesignerin arbeitete unter anderem zusammen Majakowski für die Zeitschrift LEF. Sie »schuf mit ihrer Gestaltung des Buches ein wegweisendes, modernes Werk« (Bowlt/Hernad).

24 : 21 cm. 79, [1] Seiten. Schutzumschlag folienkaschiert. Rückenbezug des Pappbands brüchig und restauriert. – Alle Blätter mittig mit leichten senkrecht verlaufenden Quetschfalten.

Rowell/Wye 1006. – Bowlt/Hernad 104

973  Thomas Mann. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift und Adresse.

€ 600

München, 10. IV. 1929.

An Paul Stolterfoht, Hamburg. – Dankt für »die gütigen Worte der Teilnahme, die Sie anläßlich des Todes meiner Mutter an mich richteten«. – Paul Stolterfoht (1847–1931), der wohlhabende Kaufmann aus Riga, war die erste große Liebe von Julia da Silva Bruns, der späteren Mutter Thomas Manns. Nur durch das Verbot von Julias Vater kam eine Ehe nicht zustande. Pauls Bruder, Nikolaus Heinrich Stolterfoht, heiratete 1867 Julias Schwester Maria und wurde 1875 Thomas Manns Taufpate. 1921 – zu Julia Manns 70. Geburtstag – sah man sich wieder. (vgl. Dagmar von Gersdorffs Julia Mann-Biographie, Insel 2018). – Mit dem Münchner Adressstempel »Dr. Thomas Mann«.

974  Thomas Mann. Zweimaliger Abschied. – Siehst du, Kind, ich liebe dich. – Monolog.

€ 300

[Drei Gedichte]. – In: Die Gesellschaft. Monat- (bzw. Halbmonat)schrift für Litteratur, Kunst und Sozialpolitik. Herausgegeben von M[ichael] G[eorg] Conrad (und L. Jacobowski). Leipzig, Wilhelm Friedrich 1893 und 1895, und Minden, Bruns 1899. Zwei grüne Originalleinenbände, ein Halbleinenband der Zeit.

Drei der sieben Gedichte Thomas Manns im Erstdruck. – Nach Potempa wurde »Zweimaliger Abschied« als erste literarische Veröffentlichung des damals gerade 18jährigen zuvor in dem unauffindbaren Heft 1 der Schülerzeitschrift »Der Frühlingssturm« abgedruckt. – Hier in den Heften IX/10, Heft XI/1 und XV/2/3. – In der Zeitschrift wurden auch zwei frühe Novellen von Thomas Mann erstveröffentlicht (siehe die nächste Katalognummer).

24,5 : 16,0 cm. – Mit je drei Porträttafeln. – Dezenter Besitzerstempel rückseitig auf dem Titelblatt von Band 1 und 2. – Kleiner Randeinriss.

Potempa F 1.2, 4.1 und 6.1. – Dietzel/Hügel 1162. – Schlawe I, 19ff

975  Thomas Mann. Gefallen.

€ 300

Novelle. – Luischen. – In: Die Gesellschaft. Monat- (bzw. Halbmonat)schrift für Litteratur, Kunst und Sozialpolitik. Herausgegeben von M[ichael] G[eorg] Conrad (und L. Jacobowski). Leipzig, Wilhelm Friedrich 1894 und Dresden, E. Pierson 1900. Grüner bzw. roter Originalleinenband.

Erstdrucke der beiden frühen Novellen, die im Sommer 1894 bzw. 1897 entstanden. – I. Jahrgang 10, Heft 11, Seiten 1453–1458. – II. Jahrgang XVI, Band 1, Heft 1, Seiten 35–50. – In der wichtigen Zeitschrift des deutschen Naturalismus, die von 1895 bis 1902 erschien, wurden auch mehrere Gedichte von Thomas Mann erstveröffentlicht (siehe die vorige Katalognummer). – Dazu weitere Bände der Zeitschrift (Jahrgänge 1893–1900) als Beigabe.

24,5 : 16,0 cm. – Band 1 mit drei Porträttafeln. – Dezenter Besitzerstempel rückseitig auf dem Titelblatt von Band 1, Besitzvermerke auf dem Vorsatzblatt von Band II.

Potempa E 2.1 und E 8.1. – Dietzel/Hügel 1162. – Schlawe I, 19ff

976  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

€ 3000 ( R5 )

Novelle. Berlin, S. Fischer 1913. Marmorierter Originalpappband in -schuber, beide mit Rückenschild.

Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten, davon 50 für den Verkauf. – Im Auflagenvermerk vom Verfasser signiert. – Die erste öffentliche Ausgabe erschien in Thomas Manns Hausverlag. – Gedruckt bei W. Drugulin, Leipzig. – Als hätte Fischer von Hans von Weber »gelernt«, wurde das Büchlein in einem locker gebundenen und mit hübschem Marmorpapier bezogenen Interimspappband ausgeliefert. Noch seltener als der Hundertdruck (KatNr. 132), aber vielleicht nicht ganz so spektakulär.

19,3 : 12,6 cm. 144, [4] Seiten. – Rücken verblasst.

Potempa E 26.3

977  Thomas Mann. Rede und Antwort.

€ 250 ( R5 )

Gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze. Berlin, S. Fischer 1922. Hellbraune Originalbroschur, unbeschnitten. Einbandgestaltung und -typographie von Kurt Erich Mende.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Der erste, tatsächlich bereits Ende 1921 ausgelieferte, Band der ersten Werkausgabe (»Gesammelte Werke in Einzelausgaben«). Hier in der seltenen broschierten Ausgabe (die Potempa nicht verzeichnet). Nur für die Broschur dieses ersten Bandes wurde eine frühe Variante des »Bogen und Leier«-Signets verwendet. Der Graphiker Kurt Erich Mende verkleinerte seinen Entwurf für alle weiteren Ausgaben. – Beilage: Faltprospekt des S. Fischer Verlags mit Ankündigung dieses Buches und der Werkausgabe (»Mit diesem neuen Essaybuch […] beginnen wir den Aufbau der gesammelten Werke Thomas Manns«) sowie Werbung für weitere lieferbare Titel von Thomas Mann.

19,5 : 12,7 cm. XII, 402, [2] Seiten. – Broschur angerändert und Rücken etwas brüchig.

Vgl. Potempa B 64. – Kiwitt (in Vorbereitung) A 1.1.2 und alpha.1921.1

978  Thomas Mann. Novellen.

€ 500 ( R5 )

Erster [und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1922. Tiefblaue Originalkalblederbände mit rotem Rückenschild, vergoldeter Deckelvignette, Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Aus der Vorzugsausgabe der »Gesammelten Werke in Einzelausgaben«. – Eins von 150 Subskribtionsexemplaren auf Hadern-Velin-Papier. – Im Druckvermerk vom Autor signiert.

19 : 12 cm. [4], 373, [7]; [4], 451, [5] Seiten. – Einband von Band I etwas verblasst, der Rücken verfärbt.

Potempa B 6

979  Thomas Mann. Der Zauberberg.

€ 300 ( R5 )

Roman. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1924. Graue Maroquinbände mit Rückenschild, goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (signiert: Buchb. Meink, Berlin). Im Schuber mit Lederkanten.

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der »Gesammelten Werke in Einzelausgaben«, hier in schönen Handeinbänden. – Die originalen Broschurumschläge wurden eingebunden. – 1912 verbrachte Katja Mann mehrere Monate in einem Davoser Lungensanatorium. Die dortigen Eindrücke bewogen den Autor mit »Der Tod in Venedig« zunächst zu einer »Art humoristischem Gegenstück«. »Der Zauberberg«, der dritte große Roman Thomas Manns, entstand dann in den Jahren von 1913 bis 1924. Der Erste Weltkrieg zwang Thomas Mann zur Schreibpause, erst 1919 setzte er seine Arbeit fort. Der Roman weitete sich zum Zeitroman aus, zur Kritik an spätbürgerlichen Lebens- und Denkformen der Vorkriegszeit, deren Repräsentanten auf dem »Zauberberg« versammelt sind.

18,8 : 12,8 cm. 578, [2]; 629, [3] Seiten. – Rücken leicht verfärbt. – Besitzermonogramm auf Vorblatt.

Potempa D 3.1

980  Thomas Mann. Die Begegnung.

€ 750

Olten 1953. Originalhalblederband mit Modeldruckpapierbezügen. Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet (Max Grollimund, Basel). Im Schuber.

Erste Einzelausgabe dieses Auszugs aus »Felix Krull«, die Einleitung im Erstdruck. – 58. Publikation der Vereinigung Oltner Bücherfreunde. – Eins von 125 Exemplaren der signierten Vorzugsausgabe (Gesamtauflage 765). – Makellos.

20,2 : 13,2 cm. 73, [3] Seiten.

Potempa D 12.3.29

981  Thomas Mann. Gesammelte Werke

€ 450 ( R5 )

in zwölf Bänden. Frankfurt am Main, S. Fischer 1960. Hellbraune Originalmaroquinbände. Rückentitel und Deckelvignette (TM-Signatur) sowie der Kopfschnitt vergoldet. In Schubern mit Lederkanten.

Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Leder. – Herausgegeben von Hans Bürgin. – Enthält die Romane (I–VII), Erzählungen (VIII) und Reden und Aufsätze (IX–XII).

20,0 : 12,8 cm. – Rücken gleichmäßig und ganz schwach verfärbt.

Potempa A 6

  982    Henri Matisse – Marguerite Duthuit-Matisse und Claude Duthuit. Henri Matisse. Catalogue raisonné de l’œuvre gravé […]

€ 750

Tomes I et II. – Catalogue raisonné des ouvrages illustrés […] établi avec la collaboration de Françoise Garnaud. Preface de Jean Guichard-Meili. Paris 1983 und 1988. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Originalleinenbände, einer mit Schutzumschlag.

Die bis heute maßgeblichen und unverzichtbaren Werkkataloge zur Graphik (Band 1: Radierungen, Band 2: Lithographien u. a.) und illustrierten Büchern.

»L’œuvre gravé« mit Folienumschlag, mit Filmoplast auf den Innendeckeln fixiert. – Stempel auf Vorsatzblättern. – »Ouvrages illustrés« mit Schutzumschlag. Bindung etwas gelockert.

  983    André Maurois. Introduction a la méthode de Paul Valéry.

€ 250 ( R5 )

Paris, Éditions des Cahiers Libres 1933. Halblederband mit Marmorpapierbezug. Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Eins von zehn römisch nummerierten Exemplaren der Luxusausgabe auf festem »Japon nacré«, weitere 35 wurden auf Bütten gedruckt (Gesamtauflage 1045). – »Ce texte est celui d’une conférence prononcée à l’Université des Annales, le 13 Décembre 1932«. – Die Texte der seit 1907 von Yvonne Sarcey unter dem Namen »Université des Annales« initiierten Konferenzen wurden in einer gleichnamigen Zeitschrift veröffentlicht. Einige Einzelausgaben erschienen in Buchform. – Maurois’ Titel zitiert den von Valérys berühmter Abhandlung »Introduction à la mèthode de Leonardo da Vinci«. – Selten, sehr schön auf dem edlen Japanpapier.

17,5 : 11,5 cm. [6], 109, [7] Seiten. – Rücken leicht aufgehellt und mit winzigen Bereibungen. Die oberen Ecken leicht bestoßen.

Talvart/Place XIV, 25, 58

  984    Joan Miró – Jacques Dupin. Miró Radierungen. – Miró Engraver.

€ 500

I [–] IV. Genf und Paris, Weber Lelong 1984–2001. Mit zwölf Holzschnitten, davon acht farbig, einer auf allen vier Umschlägen variiert wiederholt, und zahllosen Abbildungen. Originalleinenbände mit Schutzumschlag.

Bände I–III in deutscher Ausgabe (1500 Exemplare), der spät erschienene Band IV (Miró Engraver 1976-1983, in Zusammenarbeit mit Ariana Lelong-Mainaud) in englischer Sprache. – Maßgebliches Verzeichnis der Radierungen, hier mit dem oft fehlenden Schlussband. – Tadellos erhalten.

32,8 : 25,5 cm.

Cramer 255 (nur noch Band I)

  985    Fernand Mourlot. Kunst im Plakat der Pariser Schule.

€ 300

Paris, André Sauret, und Genf, Weber 1959. Mit 102 Farbtafeln. Originalleinenband mit illustriertem Schutzumschlag.

Kenntnisreicher Katalog mit blattgroßen Farbtafeln nach Originalplakaten von Braque (12), Chagall (14), Dufy (4), Léger (7), Matisse (10), Miró (8) und Picasso (42) sowie fünf Nachträge. – Mit Beschreibungen der Plakate. – Die deutsche Übersetzung stammt von Karl Georg Hemmerich.

32,5 : 24,5 cm. 247, [5] Seiten (einschließlich der 102 Tafeln). – Schutzumschlag oben leicht bestoßen.

  986    Robert Motherwell. L’humanisme de l’abstraction.

€ 250

Traduction de Joël Dupont. Caen, Le Échoppe 1991. Originalbroschur.

Erste französische Ausgabe. – Eins von 50 von Motherwell signierten Vorzugsexemplaren auf Velin (Gesamtauflage 1000). – Der von Motherwell selbst sehr hoch geschätzte Essay »On the Humanism of Abstraction« gilt als eine der verständlichsten und überzeugendsten Aussagen über die Abstraktion in der Malerei. Diese offenbar einzige Übersetzung des Textes erschien kurz vor Motherwells Tod (1915–1991). – Tadellos erhalten.

15,2 : 11,2 cm. [32] Seiten. – Unaufgeschnitten.

987  Erich Mühsam. Brief mit Unterschrift.

€ 400

Berlin, 26. November 1927. Eine Seite.

An M. Fiedler, [Dresden]-Oberloschwitz. – Auf dem Briefpapier der von Mühsam seit 1926 herausgegebenen Zeitschrift »Fanal« und mit Mühsams Adress-Stempel. – »Ihre Absicht, dem armen Senna Hoy ein Denkmal in Form einer Biographie zu setzen, ist sehr erfreulich. Leider besitze ich außer dem Nachruf, den ich selbst ihm geschrieben habe, keinerlei Material mehr.« – Mühsam schildert, wie er seine Wohnung vorfand, als er nach fünf Jahren 1924 aus der Haft entlassen wurde: »die Stätte einer wüsten Plünderungs- und Vernichtungsorgie der Weißgardisten […] Wenn noch jemand ein Bild und vielleicht sonst noch wertvolle Dokumente haben sollte, so vermutlich höchstens Else Lasker-Schüler.« Er rät dem Empfänger, sich an die Dichterin zu wenden, gibt aber zu bedenken, dass »sie im Augenblick durch die wohl hoffnungslose Lungenkrankheit ihres Sohnes in einem seelischen Zustand ist«, in dem man sie nicht bedrängen solle. – Der verstorbene Senna Hoy (1882–1914, eigentlich Johannes Holzmann,das Pseudonym entstand durch die Umkehrung seines Vornamens), stand Else Lasker-Schüler sehr nahe. Aufgrund mancher Andeutungen im Werk der Dichterin wird vermutet, dass er der uneheliche Vater ihres Sohnes Paul war. Holzmann gab seit 1904 in Berlin die Zeitschrift »Kampf« heraus. Wegen revolutionärer Aktionen floh er nach Zürich, später nach Paris und Russland. 1908 wurde er verhaftet und starb 1912 in der Nervenklinik eines russischen Gefängnisses. Im November 1913 hatte ihn Else Lasker-Schüler dort ein letztes Mal gesehen. – Der erwähnte Nachruf Mühsams erschien wohl in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift »Kain«, die vom Briefempfänger geplante Biographie ist nicht nachweisbar. – Erich Mühsam wurde nach dem Reichstagsbrand 1933 verhaftet und 1934 im KZ Oranienburg ermordet. Durch Polizeiaktionen nach Niederschlagung der Münchner Räterepublik, Verfolgung durch die Nationalsozialisten, Verlust von Originalen bei der Emigration der Briefempfänger und andere Umstände ist die Mehrzahl der Briefe Mühsams verloren gegangen.

  988    Rolf Münzner – Miguel de Cervantes [Saavedra]. Don Quixote.

€ 300

Fünf Lithographien von Rolf Münzner. Zehn Text-Auszüge und eine Nachbemerkung von Peter Gosse. Leipzig 1997. Mit fünf blattgroßen Lithographien. Originalhalbleinenband mit blindgeprägtem Deckeltitel (Bettina Wija-Stein). Im Originalschuber.

Eins von 70 Exemplaren, weitere 30 kamen nicht in den Handel. – Typographie von Günter Jacobi. – Impressum von Künstler und Typograph signiert. – Die Lithographien wurden vorrangig in Asphaltschabmanier gefertigt und von Klaus Göbel, Chemnitz, vom Stein gedruckt. – Als Text wurde die Übersetzung von Ludwig Tieck gewählt, als Einleitung Auszüge aus Heinrich Heines »Einleitung zum Don Quixote« von 1837.

42,5 : 30,5 cm. 50, [4] Seiten. – Schuber mit leichter Farbspur, sonst tadellos.

989  Hermann Naumann. Acht Radierungen zu Kafka.

€ 600

Mit der Erzählung »Ein Hungerkünstler‹ von Franz Kafka. Herausgegeben von Lothar Lang und Hans Marquardt. Leipzig, Philipp Reclam jun. 1985. Acht signierte, datierte und nummerierte Radierungen. Mit einem Text-Doppelblatt lose in Originalumschlag und -schuber.

Eins von 105 Exemplaren, weitere 20 als Verlegerexemplare. Die Exemplare 71–100 erschienen in der Frankfurter Büchergilde Gutenberg. – In den Platten monogrammiert und datiert. Die Radierungen entstanden bereits in den 1950er Jahren und wurden vom Künstler auch 1985 beim Signieren entsprechend datiert. Drei Blätter betitelt »Das Urteil«, »Vor dem Gesetz« und »Bericht für eine Akademie«. – »Wer die graphischen Arbeiten dieser Mappe aufmerksam betrachtet, wird feststellen, daß Naumann Stil, Naivität, Volkssprache (im Sinne alter Bilderbogen) und Karikatur geleichermaßen impliziert […]« (Vorbemerkung der Herausgeber). – Auf starkem Bütten.

51 : 40 cm (Mappe).

990  Reiher-Verlag – Stille Musik.

€ 300

26 Original-Holzschnitte von Alexander Olbricht mit Versen deutscher Dichter. Weimar, Reiher 1922. Mit 13 ganzseitigen und 13 Holzschnitten im Text, fünf ganzseitige koloriert. Ohne Einband.

Unnummeriertes Exemplar. – Auf Bütten. – Einen Teil der Holzschnitte, die auf der Reiher-Presse gedruckt wurden, kolorierte der Künstler. – Gehefteter Buchblock auf fünf Bünden, unaufgeschnitten. – Makellos, zum Binden bereit.

22 : 18 cm. [48] Seiten.

  991    Emil Orlik – Tilla Durieux. Spielen und Träumen.

€ 450

Mit fünf Radierungen und einer Lithographie von Emil Orlik. [Düsseldorf], Galerie Flechtheim 1922. Mit sechs signierten Originalgraphiken. Halblederband, Originalseidendeckelbezug mit goldgeprägten Vignetten.

20. Druck der Ausgaben der Galerie Flechtheim. – Eins von 25 Vorzugsexemplaren mit den signierten Graphiken. Der Druckvermerk wurde von Tilla Durieux und dem Künstler signiert. – Druck der Radierungen auf der Pan-Presse. – Tilla Durieux (1880–1971), ebenso erfolgreiche wie politisch engagierte Schauspielerin, war seit 1910 in zweiter Ehe mit dem Verleger Paul Cassirer verheiratet. – Emil Orlik porträtierte die Schauspielerin mehrfach, seine Radierungen hier mit schönen Aquatintapartien, die fünfte Radierung mit einer nächtlichen Spielszene.

32,0 : 24,5 cm. [16] Seiten. 6 Graphiken. – Rücken und Deckel erneuert, Seide neu aufgezogen.

Rodenberg 355, 20. – Schauer II, 118

  992    Jürgen Partenheimer – Cees Nooteboom. De slapende goden. Les dieux dormants. Jürgen Partenheimer. Sueños y otras mentiras.

€ 800

Gent, Ergo Press 2005. Mit zwei farbigen blattgroßen Lithographien und Illustrationen von Jürgen Partenheimer. Farbig illustrierte Originalbroschur im Acrylglasschuber.

Eins von 24 Exemplaren der niederländisch-französischen Ausgabe, weitere 24 erschienen mit deutschem Paralleltext. – Mit einer signierten Suite der beiden Lithographien. – Im Druckvermerk von Künstler und Dichter signiert. – Gedruckt auf Velin »Saunders Waterford«. – Ein Künstlerbuch, »in which the minimalism of Partenheimer is juxtaposed to Nooteboom’s ›poetry of place‹« (Webseite der Ergo Press). – Tadellos erhalten.

28,5 : 38,7 cm. [52] Seiten.

  993    Boris Pasternak. Devjatsot pjatij god.

€ 450

(russisch: Das Jahr 1905). Moskau und Leningrad, Gosidat 1927. Originalbroschur, zweifarbige Umschlagillustration nach Entwurf von W. O. Roskin.

Erste Ausgabe. – Enthält auch die dreiteilige Dichtung »Leutnant Schmidt«. – Im Jahr 1905 begannen die heftigen Proteste gegen Zar Nikolaus II., die 1917 in die Februar- und Oktoberrevolution mündeten. Deren Ereignisse und Eskalationen bewegten Boris Pasternak nach dem Zweiten Weltkrieg zu seinem wohl berühmtesten Buch. »Doktor Schiwago«, sein einziger Roman, durfte in der Sowjetunion erst 1988 erscheinen.

17,0 : 13,1 cm. 100 Seiten. – Beschabt und bestoßen, Rücken erneuert. – Titel mit Schabstelle und Stempel.

994  Evelyn Paul – Dante Alighieri. The New Life.

€ 300

Translated by Dante Gabriel Rossetti. Pictured by Evelyn Paul. With Music by Alfred Mercer. [London,] George G. Harrap [1915/16?]. Mit 16 Chromolithographien, zehn als Tafeln, sechs montierte im Text, und üppigem Buchschmuck, teils in Farben und Gold gedruckt. Originalpergamentband mit farbigen und vergoldeten Ornamentalverzierungen.

Eins von 150 Exemplaren, von der Künstlerin nummeriert und signiert. – Gedruckt auf der Cheylesmore Press in Coventry. – Evelyn Maude Blanche Paul (1883–1963) war vor allem für ihre von mittelalterlichen Handschriften beeinflussten Buchillustrationen bekannt. Sie verband gotische Stilelemente mit denen des Jugendstils und handelte damit ganz im Sinne der Arts and Crafts-Bewegung. Großen Einfluss hatte der Präraphaelit Dante Gabriel Rossetti auf sie. – Schönes Exemplar der seltenen Ausgabe.

24,8 : 19,2 cm. 163, [5] Seiten, Tafeln mitpaginiert.

995  Francis Picabia. Unique eunuque.

€ 600

Avec un portrait de l’auteur par lui-meme. Préface par Tristan Tzara. Paris, Au sans pareil Collection Dada 1920. Mit einer ganzseitigen Illustration. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Eins von 1000 Exemplaren auf Vergé Bouffant (Gesamtauflage 1025). – Auf dem Vortitel Picabias eigenhändige Widmung »Très sympathiquement à M. Tapié«, datiert »4 decembre 1947«. Zusammen mit Michel Tapié gab Francis Picabia 1949 eine einzige Ausgabe der Zeitschrift »491« heraus, eine Reminiszenz an seine legendäre Dada-Zeitschrift »391«, die von 1919 bis 1924 erschien. – Mit dem berühmten Selbstporträt des Protagonisten von Dada Paris und der Einleitung von Tristan Tzara. – Unbeschnitten.

18,4 : 13,2 cm. 38, [2] Seiten. – Blattränder papierbedingt gebräunt. – Mit KatNr. 996 in einer attraktiven Leinenkassette mit Titelschildern.

Dada global 210. – Dokumentations-Bibliothek II, 60. – Motherwell/Karpel 323

996  Francis Picabia. Jésus-Christ rastaquouère.

€ 600

Dessins par Ribemont-Dessaignes. [Paris,] Collection Dada [1920]. Mit drei blattgroßen Illustrationen. Originalbroschur mit Deckelschild.

Erste Ausgabe. – Eins von 1000 Exemplaren (Gesamtauflage 1060). – Wegen des blasphemischen Titels gelang es Picabia erst mit Hilfe Bretons, einen Verleger zu finden und das Buch unzensiert zu veröffentlichen. – Unbeschnitten.

23,2 : 16,4 cm. 66, [6] Seiten. – Rücken stärker, Deckelränder leicht verblasst. – Mit KatNr. 995 in einer attraktiven Leinenkassette mit Titelschildern.

Dada global 211. – Dokumentations-Bibliothek II, 59. – Motherwell/Karpel 317

  997    Pablo Picasso – Jaime Sabartés. »A los toros« mit Picasso.

€ 900

Monte-Carlo, André Sauret 1961. Mit vier Lithographien, davon eine farbig, und 103 ganzseitigen, teils farbigen Illustrationen. Grauer Originalleinenband mit Deckelillustration im roten Originalpappschuber.

Exemplar der deutschen Ausgabe, übertragen von U. M. Hemmerich nach der französischen Ausgabe. – Die auf mehr als hundert Tafeln reproduzierten Tuschzeichnungen beschäftigen sich mit zwei zentralen Themen Picassos: Stierkampf und Frauen. – Auf Wunsch des Verlegers schuf Picasso für dieses Werk vier Lithographien und kolorierte dann »Le Picador« mit allen 24 Farben eines Wachsstiftkastens.

25,5 : 32,5 cm. 153, [3] Seiten.

Bloch 1014–1017. – Goeppert/Cramer 113

  998    Pablo Picasso – Fernand Mourlot. Picasso Lithographe.

€ 1800

I [–] IV. Monte-Carlo, Sauret 1949–1964. Mit acht Lithographien, davon eine farbig, auf den vier Umschlägen und zahlreichen, teils farbigen, Abbildungen. Originalbroschuren, drei mit Schuber.

Maßgebliches Werkverzeichnis der Lithographien bis 1963. – Die Lithographien für Umschläge und Frontispize wurden von Picasso eigens für diese Edition geschaffen. – Mit einem Vorwort von Jaime Sabartes. – Alle Bände mit den Originalpergaminumschlägen und sehr gut erhalten.

32 : 25 cm. – Bei III Frontispiz im Falz etwas gelockert.

Goeppert/Cramer 55, 60, 77 und 125

  999    Karl Rössing – Nikolai Gogol. Taras Bulba.

€ 300

Mit 30 Holzschnitten von Karl Rössing. Wien, Leipzig und München, Rikola 1922. Mit 30 Holzschnitten im Text, davon acht ganzseitig und zwölf als figürliche Initialen, und Holzschnittvorsatzpapieren. Grüner Saffianlederband mit ornamentaler Schwarzprägung, Schnittvergoldung und Marmorpapiervorsätzen (signiert: O. Herfurth). Im gefütterten Schuber mit Lederkanten.

Eins von 150 der Vorzugsausgabe auf »besserem Papier«, entgegen dem Druckvermerk ohne Signatur Rössings im Druckvermerk, dafür in einem schönen Handeinband des Leipziger Buchbinders. – Gesetzt aus der Ehmcke-Schwabacher und gedruckt unter Aufsicht von F. H. Ehmcke, Rössings Lehrer an der Königlichen Kunstgewerbeschule München, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. – Karl Rössing (1897–1987) gilt als Wiedererwecker der Technik des Holzstichs, »einer Technik, die […] im 19. Jahrhundert zur rein mechanischen Wiedergabe von Reproduktionskunst verflacht war.« (Roswitha Mair) – Sehr schönes Exemplar dieser frühen Illustrationsfolge, in der Vorzugsausgabe selten.

23,8 : 18,2 cm. [2], 148, [6] Seiten. – Rücken aufgehellt.

Eichhorn/Mair 1.10.1

1000  Armin Sandig. Roman.

€ 750

Ein Bilderbuch in 21 Lithographien. Text von Helmut Heissenbüttel. Vorwort von Will Grohmann. Hannover, Dieter Brusberg 1962. 21 signierte Farblithographien, zusammen mit vier Textblättern lose in lithographiertem Originalumschlag und -halbleinenschuber.

Eins von 30 Exemplaren, weitere fünf kamen nicht in den Handel. – Die Lithographien rückseitig signiert, datiert und nummeriert. – Gedruckt bei Desjobert, Paris, auf Velin »BFK Rives«. – Nur ein Jahr nach der Radierfolge »Deklination der Aquatinten« erschien als zweite Edition des Hannoveraner Galeristen Brusberg diese frühe graphische Folge des Wahl-Hamburgers Armin Sandig (1929–2015). – »Ein ›Roman‹, aber natürlich kein ›Roman‹, ein Bilderbuch zu einem Text oder ein Text zu einem Bilderbuch, eine aktuelle Miniaturhandschrift, bei der sich Dichter und Maler schon sehr nahe kommen.« (Vorwort). – Sehr selten.

34,0 : 26,0 cm. 25 Blätter. – Umschlag am Rückenfalz mit kleinen Einrissen, der Schuber am Rücken etwas aufgeplatzt.

Spindler 162.2

1001  Richard Schaukal. Herbst.

€ 250 ( R5 )

Gedichte 1912/1914. München, Georg Müller 1914. Weinroter Originalmaroquinband mit Vergoldung.

Erste Ausgabe. – Eins von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf kaiserlich Japan (Gesamtauflage 350). – Vom Autor im Druckvermerk signiert. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Nahezu druckfrisches Exemplar.

21,3 : 15,5 cm. 61, [3] Seiten.

1002  Eremiten-Presse – Ali Schindehütte. Hampelmännleins Koerperschule.

€ 300

Stierstadt [1962]. Mit 13 Linolschnitten und einem weiteren auf dem Umschlag. Originalwellpappeinband.

Eins von 100 Exemplaren. – Auf Packpapier gedruckt und adäquat gebunden. – Eine der frühesten eigenständigen Veröffentlichungen Schindehüttes. – Die Eremiten-Presse, 1949 von Victor Otto Stomps gegründet, verlegte im Laufe der Jahre zunehmend Bücher mit Graphiken bildender Künstler wie Günther Uecker, Otmar Alt, HAP Grieshaber, Ulrich Erben u. a. 2010 stellte der Verlag seine Tätigkeit ein. Albert Schindehütte (geboren 1939) war ab 1962 Mitglied der berühmten »Werkstatt Rixdorfer Drucke«. – Tadellos. – Dazu: Albert Schindehütte. Sammelalbum. Werkverzeichnis der Druckgraphik. Dortmund 1979. Mit etwa 200 Abbildungen. Originalbroschur. Die bibliophilen Taschenbücher 129. Mit einer signierten Radierung als Beilage.

29,3 : 16,8 cm. [32] Seiten.

Spindler 1.175. – Reske 176

1003  Johannes Schlaf. Gedichte.

€ 600

Eigenhändige Abschrift. Weimar 1924.

Schlussbemerkung: »Von diesen bisher noch nicht in Buchform veröffentlichten zehn Gedichten wurden drei Exemplare von Johannes Schlaf eigenhändig geschrieben und von Otto Dorfner in Weimar gebunden. Dies Exemplar trägt die Nr. 2«. Darunter von Dorfner eigenhändig datiert. – Schöne Reinschrift auf sieben Doppelblättern Büttenpapier. – Das Vergleichsexemplar Nr. 3 (2007 im Handel) war ebenfalls nicht gebunden. Offenbar wurde das Projekt, das mit dem Ende von Dorfners verlegerischen Aktivitäten zusammenfiel, nicht realisiert. – Johannes Schlaf (1862–1941) hatte nach seinem Studium jahrelang mit dem Dichter Arno Holz zusammengearbeitet. Nachdem er sich vom Naturalismus und in Folge auch von Arno Holz abgewandt hatte, entstanden neben eigenen Dichtungen zunehmend auch Übersetzungen. Schlafs Nachdichtungen von Werken Walt Whitmans sorgten für dessen ungeheure Verehrung im deutschen Sprachraum. Auch Texte von Emile Zola, Honoré de Balzac, Emile Verhaeren, Paul Verlaine und Voltaire übertrug er ins Deutsche. Von 1904 bis Mitte der 1930er Jahre lebte Johannes Schlaf in Weimar.

33 : 25 cm. 11, [3] Blätter. – Blatt 1–3 mit kleinem Braunfleck.

1004  Kurt Merz Schwitters. Auguste Bolte.

€ 1000

Tran Nr. 30 (ein Lebertran). Berlin, Verlag Der Sturm 1923. Mit einer Titelvignette, auf dem Umschlag wiederholt. Hellrote Originalbroschur.

Erste Ausgabe, die Angabe »5. Auflage« auf dem Titel war ein Verwirrspiel des Verfassers. – Schwitters’ Roman war seine zweite Publikation in Waldens »Sturm«. »In der Einleitung ein Zitat von philosophischer Tragweite von Ernst Lehmann ›Was man kaut wird Brei‹. Wer würde da nicht zustimmen? Bei Ernst Lehmann handelt es sich um Schwitters’ damals vierjährigen Sohn Ernst Schwitters. Als Verkleinerungsform seines Namens ›Ernst‹ wurde daraus ›Ernstlmann‹ und schließlich ›Ernst Lehmann‹. Jedenfalls scheinen die Aussprüche des Vierjährigen in ihren Merzqualitäten so sublim zu sein, dass Vater Schwitters sie direkt ›merzwürdig‹ befindet und aufnimmt in das Universum MERZ« (Thomas Derda, Schwitters-Katalog 2019, S. 138). – Sehr schönes Exemplar.

22,5 : 15,3 cm. 46, [2] Seiten. – Umschlag mit winzigen Läsuren an den Seitenrändern. – Ränder minimal gebräunt.

Schmalenbach/Bolliger 8. – Raabe 273.6

1005  Anna Seghers. Das siebte Kreuz.

€ 800

Roman aus Hitlerdeutschland. Mexiko, El Libro Libre 1942. Originalbroschur mit farbig illustriertem Originalumschlag.

Erste Ausgabe eines der bedeutendsten Romane der deutschsprachigen Exilliteratur. – Anna Seghers begann 1938 im Exil in Südfrankreich mit der Arbeit an diesem Roman. Bereits 1939 erschien das erste Kapitel in der Moskauer Zeitschrift »Internationale Literatur« und ebenfalls 1942 die vollständige englische Ausgabe in den USA. – Im Signet des Exilverlages zertrümmert ein Buch das Hakenkreuz. – Schönes Exemplar mit dem seltenen, von Leopoldo Méndez illustrierten, Schutzumschlag.

19,3 : 14,5 cm. 468, [4] Seiten. – Der Umschlagrücken gebräunt und mit einigen restaurierten Randfehlstellen. Umschlagfalze mit Japan verstärkt.

Exilarchiv 5396. – Sternfeld/Tiedemann S. 461. – Melzwig 657.1

1006  Renée Sintenis – Hans Siemsen. Das Tigerschiff.

€ 900

Jungensgeschichten. Zehn Radierungen von Renée Sintenis. Frankfurt am Main, Querschnitt-Verlag 1923. Mit zehn signierten Radierungen. Dunkelblauer Originalhalblederband mit rot-goldenem Rückenschild und Kopfgoldschnitt (signiert: Handband Enders Leipzig). Im Originalschuber mit Kleisterpapierbezug und Lederkanten.

26. Flechtheim Druck. – Eins von 250 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Künstlerin und Verfasser signiert. – Auf Bütten. – Der Journalist Hans Siemsen (1891–1969) war Mitarbeiter der progressiven und satirischen Zeitschriften »Aktion«, »Uhu« und »Weltbühne«, 1934 emigrierte er nach Frankreich. Viele Schriften Siemsens, besonders die vorliegende Sammlung und sein im Exil erschienener Roman »Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers«, waren von seiner homosexuellen Orientierung geprägt. Lange Jahre stand er Joachim Ringelnatz nahe, dessen Nachlass er von Amerika aus edierte.

30,2 : 21,8 cm. 33, [1] Seiten, 10 Radierungen. – Etwas berieben. – Vorsätze und vereinzelte Ränder schwach stockfleckig.

Rodenberg 356, 26. – Schauer II, 113. – Lang E 333. – Imprimatur NF V, Seite 112 (Flechtheim)

1007  Renée Sintenis – Longus. Daphnis und Chloe.

€ 400

Mit 31 Holzstichen von Renée Sintenis. Hamburg, Ernst Hauswedell 1935. Mit 31 Holzstichen im Text. Originalhalbpergamentband mit goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt. Im Originalschuber.

Eins von 200 Exemplaren (Gesamtauflage 230). – Im Druckvermerk von der Künstlerin signiert. – Übertragen und mit Nachwort von Ludwig Wolde. – Harry Graf Kessler plante 1930 eine Buchausgabe von Longus’ »Daphnis und Chloe« mit Illustrationen von Renée Sintenis und ließ 1930/31 Probedrucke anfertigen. »Nach Auflösung der Cranach-Presse fanden die überaus liebenswürdigen und anmutigen Holzstiche […] bald einen neuen Verleger, sie erschienen 1935 bei Hauswedell in Hamburg. Auch in diesem Druck wurden die Illustrationen mit einer Kursiv-Schrift kombiniert, wie es in der Cranach-Presse geplant war« (Renate Müller-Krumbach). – Aus dem Besitz des Journalisten Hans Bütow (1900–1991), mit dessen Besitzvermerk und einigen Zeitschriftenausschnitten, u. a. seine Rezension.

26,0 : 17,0 cm. 131, [1] Seiten. – Hinterer Vorsatz durch die Beilagen teils leicht gebräunt.

Müller-Krumbach 63. – 100 Jahre Cranach-Presse, Weimar 2013, 57. – Schauer II, 113

  1008    Max Slevogt – C[arl] Witt. Die tapferen 10000.

€ 350

Mit Federzeichnungen von M. Slevogt. [Berlin], Bruno Cassirer [1921]. Mit 34 Federlithographien, davon eine als Titel und eine weitere ganzseitig. Senffarbener Originalkalblederband mit lithographierter Deckelvignette.

Eins von 400 Vorzugsexemplaren. – Druckvermerk vom Künstler signiert. – Der Philologe Karl Witt (1815–1891) wurde wegen seiner liberalen Ansichten nach einer Denunziation suspendiert und verdingte sich als Privatlehrer in Königsberg. In der Einleitung rühmt E. Hoffmann seine Erzählkunst »[…] und wer ihn nicht gehört hat, möchte man sagen, hat nie einen Erzähler gehört.«.

30,6 : 23,5 cm. [8], 157, [3] Seiten.

Söhn 347–380. – Rümann 109 b

  1009    Max Slevogt. Fünfzehn Federlithographien zu dem Märchen »Das blaue Licht«.

€ 400 ( R5 )

15 Federlithographien. 1924. Signiert.

Exemplar 40/100. – Die seltene und schöne Mappenausgabe, ediert vom Verlag Bruno Cassirer, zeitgleich erschien auch die Buchausgabe mit Text. – Handpressendruck von M. W. Lassally, Berlin. – Alle Lithographien auf dünnem Japan und signiert, jede im Originalpassepartout. – Mit dem Text-Doppelblatt (Titel und Druckvermerk) lose in der Originalhalbpergamentkassette mit lithographierter Deckelvignette. – Innen tadellos.

39,2 : 29,0 cm (Kassette). – Die Kassette etwas beschädigt.

Rümann 37b. – Söhn 671-685. – Lang I 223

  1010    John Steinbeck. The Short Reign of Pippin IV.

€ 600

A Fabrication. New York, The Viking Press 1957. Mit sechs Illustrationen von William Pène du Bois. Zweifarbiger Originalleinenband mit Blindprägung und dem farbig illustrierten Originalschutzumschlag. – Signiertes Exemplar.

Erste Ausgabe. – Auf dem Vortitel vom Verfasser signiert. – Mit dem Schutzumschlag, der ebenfalls von William Pène du Bois gestaltet wurde.

21,0 : 14,0 cm. 188, [4] Seiten. – Schutzumschlag mit Knickfalte und kleinen Fehlstellen, teils hinterlegt. – Kapitale leicht bestoßen. – Umschlagklappe mit Eindruck »Book-of-the-Month-Club Selection«.

Goldstone/Payne A36a

1011  Hans Ticha – E. T. A. Hoffmann. Klein Zaches genannt Zinnober.

€ 500

Ein Märchen. Berlin, Aufbau 1976. Mit 38 farbigen Illustrationen, davon 21 ganzseitig. Ziegelroter Originalkalblederband mit Deckelvignette und Rückenschild in Blau und Gold. Im farbig illustrierten Schuber.

Exemplar der nicht gezählten und seltenen Vorzugsausgabe in schönem Ganzledereinband. – Hans Ticha illustrierte Hoffmanns Märchen in gewohnt skurriler Art, seine Bilderfindungen und Geschöpfe erzählen fast eine eigene Geschichte. – Sehr schönes Exemplar.

20,3 : 14,5 cm. 156, [4] Seiten. – Schuberkanten minimal berieben.

Frank, Ticha (in Marginalien 119) 16

1012  Hans Ticha – Ernst Jandl. Aus dem wirklichen Leben.

€ 400

Gedichte und Prosa. Mit 66 Grafiken von Hans Ticha. Frankfurt am Main, Büchergilde Gutenberg 2000. Mit 66 Farboffsetlithographien. Originalleinenband und -mappe im -schuber.

Eins von 100 Exemplaren der besten Vorzugsausgabe D mit drei signierten Farboffsetlithographien, die in einer Mappe beigelegt wurden. Weitere 150 Exemplare enthielten je eine der drei Graphiken. – Auf dem Vortitel von Ticha signiert. – Die Normalausgabe erschien 1999 bei Luchterhand. – Dazu: Erich Kästner. Gedichte. Hans Ticha. Bilder. Frankfurt am Main, Büchergilde Gutenberg 2003. Mit Illustrationen nach farbigen Zeichnungen von Hans Ticha. Originalleinenband mit -mappe und -schuber. Eins von 99 Exemplaren der Vorzugsausgabe A mit einer beigelegten aquarellierten Tuschzeichnung (Tretmühle. 20 : 13 cm. Signiert und betitelt). Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Bertolt Brecht. Flüchtlingsgespräche. Mit 12 Holzschnitten von Hans Ticha. Leipzig 1997. Originalbroschur im -schuber. Siebenter Leipziger Druck. Eins von 30 römisch nummerierten Verlegerexemplaren (Gesamtauflage 190). Im Druckvermerk vom Künstler und dem Buchgestalter Gert Wunderlich signiert. Vom Bleisatz als Blockbuch gedruckt und gebunden, die zwölf Holzschnitte auf gelbem Popset-Papier. – Alle tadellos erhalten.

Ca. 22 : 14 cm.

  1013    Kurt Tucholsky. Rheinsberg.

€ 400

Ein Bilderbuch für Verliebte. Mit einer Vorrede zum fünfzigsten Tausend. Mit Kupfern von Kurt Szafranski. Berlin, Axel Juncker [1921]. Mit sechs blattgroßen Radierungen und zwei radierten Vignetten. Farbig illustrierter Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Eins von 750 Exemplaren der Jubiläumsausgabe auf Velin (Gesamtauflage 1.000). – Druckvermerk von Verfasser und Künstler signiert. – »Tucholskys erstes und unbeschwertestes Buch [EA 1912], das […] einer seiner größten Erfolge wurde, hat die Freude am Da-Sein, am Jung-Sein und an der Liebe zum Thema, der sich jedoch die wehmütige Einsicht hinzugesellt, daß dem Liebenden auch in der intensivsten Begegnung die letzte Erfüllung versagt bleibt.« (KLL X, 8157).

21,3 : 15,5 cm. 101, [3] Seiten. – Rücken etwas verblasst, Deckel teils gebräunt und etwas stockfleckig. – Auch innen teils etwas stockfleckig.

Bonitz/Wirtz C 1.3

  1014    Ver Sacrum.

€ 600 ( R5 )

Neue Hefte für Kunst und Literatur. Herausgegeben von Hilde Spiel, Otto Breicha und Georg Eisler. [Fünf Bände, alles Erschienene]. Wien und München, Jugend und Volk 1969–1974. Mit 45 Originalgraphiken und zahlreichen farbigen Tafeln. Farbig illustrierte Originalbroschuren, jeweils in Originalschutzumschlag.

Vollständige Serie dieses mehr oder weniger erfolgreichen Versuchs, eine bibliophil ausgestattete Bestandsaufnahme der österreichischen Nachkriegskunst und -literatur zu etablieren. In Format und Ausstattung der berühmten gleichnamigen Vorgängerin verpflichtet, erschienen allerdings nur fünf Ausgaben (1973 nicht, 1974 dafür in deutlich größerem Umfang). – Jeweils eins von 500–1500 Exemplaren der Ausgabe mit den unsignierten Graphiken von Georg Eisler, Rudolf Hausner, Alfred Hrdlicka, Bernhard Jäger, Maria Lassnig, Rudolf Schönwald, K. R. H. Sonderborg, Hinz Stangl und Fritz Wotruba (teils mehrfach vertreten). – Zu den namhaften Autoren zählten Ilse Aichinger, H. C. Artmann, Thomas Bernhard, Wolf Biermann, Heimito von Doderer, Erich Fried, Peter Handke, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Albert Paris-Gütersloh, Gerhard Rühm u. a.

30,5 : 28,0 cm. – Exlibris. Einige Seiten aus der Bindung gelöst (II).

  1015    Max Vonessamieh. Menschen.

€ 150 ( R5 )

48 Bleistiftzeichnungen. Herausgegeben und mit einem Kommentar und zeitkritischen Texten versehen von Jürgen Seuss. Assenheim, BrennGlas 1998. Mit 48 Tafeln und Textblättern. Lose in Originalpappkassette.

Das erste von zwölf Exemplaren der Vorzugsausgabe A mit einer beigelegten monogrammierten Original-Bleistiftzeichnung, im Druckvermerk von Künstler und Herausgeber signiert. – Nanna Max Vonessamieh, 1970 in Lübeck geboren, studierte von 1991 bis 1997 Buchgestaltung und Illustration an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg. – Die teils skurrilen Porträts, jeweils auf einem Büttenkartonblatt reproduziert, ergänzte der Herausgeber durch Zitate von Hölderlin, Nietzsche, Adorno, Bloch, Sloterdijk und vielen anderen Philosophen. Die Texte jeweils auf rotes Transparentpapier gedruckt und mit dem Bild in einem Büttenumschlagblatt.

32,8 : 23,5 cm (Kassette).

1016  Karl Walser – Hugo von Hofmannsthal. Lucidor.

€ 450

Figuren zu einer ungeschriebenen Komödie. Mit Originalradierungen von Karl Walser. Berlin, Erich Reiss 1919. Mit sechs signierten Radierungen. Halblederband mit Originalseidendeckelbezügen. Titel und Kopfschnitt vergoldet.

Fünfter Prospero-Druck. – Eins von 52 Exemplaren der seidengebundenen Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen (Gesamtauflage 240). – Auf Zanders-Bütten. – Die Radierungen wurden unter Aufsicht des Künstlers gedruckt. – »Vollends impressionistisch wird er in den Radierungen zu Hofmannsthals Lucidor« (Hans Loubier, zitiert nach Badorrek-Hoguth). – Exlibris Feuerbacher Heide, Sammlung Hans Merkle.

30,8 : 24,7 cm. [36] Seiten, 6 Radierungen. – Rücken stark verblasst, Deckelkanten etwas berieben und fleckig. – Vorblätter etwas gebräunt, sonst innen sehr schön.

Badorrek-Hoguth A 15. – Houghton Library Catalogue 448. – Rodenberg 461. – Halbey 19.10

1017  A. Paul Weber. Kritischer Kalender 1960–1981.

€ 300

Frankfurt, Bärmeier und Nikel [1959 und 1960], Hamburg, Clan Presse [1961–1970] und München, Bruckmann [1971–1980]. Mit insgesamt 564 ganzseitigen Abbildungen nach Lithographien. Illustrierte Originalpappbände.

Vollständige Folge, 14 Bände vom Künstler signiert, sechs mit je einer beigelegten signierten Lithographie, zwei Bände mit einer Widmungszeichnung Webers für den Vorbesitzer. – »[…] die rätselhafte Erregung, die von den Blättern A. Paul Webers ausgeht, läßt uns nicht los, diese Signale von gleichbleibender Aktualität […] gehen uns an; dieser Mann, der sich nicht abfinden kann mit Unmenschlichkeit, Intoleranz, Selbstgefälligkeit, Despotie und der unsterblichen Dummheit, bezwingt uns mit seiner Kunst auf eine magische Weise« (Fritz-Thomas Gottesberg 1970).

23 : 20 cm (der erste Jahrgang etwas abweichend). – Die letzten fünf Jahrgänge mit Feuchtigkeitsspuren am Unterrand, in Jahrgang 1961 sind die ausfaltbaren Kalendarien abgetrennt. – Einige hintere Innendeckel mit Besitzerstempel.

1018  Elfriede Weidenhaus. Ludus amabilis.

€ 300

Ein lieblich Liebesspiel in 16 Bildern dargestellt. 18 Radierungen. 1970. 10 : 7 cm (26,7 : 19,5 cm). Alle signiert, datiert und nummeriert. 18 signierte Radierungen, davon.

Exemplar 16/30, die ersten zehn enthielten eine Druckplatte. – Auf Velin. – Eine Radierung als Titel, eine mit Text. – Erschienen in der Edition für bibliophile Drucke Urs Bukhardt. – Lose in orangefarbener Pappmappe. – Reizvolle erotische Bildfolge. – Die Max Schwimmer-Schülerin Elfriede Weidenhaus (geboren 1931) eröffnete 1990 die 1959 von Klaus Burkhardt und Edwin Krumsdorf gegründete Zikadenpresse neu. – Innendeckel mit signierter Tuschzeichnung der Künstlerin: »Exlibris Peter Baader«, datiert »21.10.2018«. – Beilage: Signierte und nummerierte Exlibrisradierung der Künstlerin für den Sammler.

Spindler 121.72 (nennt 60 Exemplare, bei einigen Radierungen auch so korrigiert)

1019  Elfriede Weidenhaus – Manfred Hausmann. Der golddurchwirkte Schleier.

€ 300

Gedichte um Aphrodite mit Zeichnungen von Elfriede Weidenhaus. Stuttgart, Ernst Engel Presse 1978. Mit 24 Illustrationen im Text. Originalpappband.

Die erweiterte und erstmals illustrierte Sammlung der Gedichte erschien anlässlich des 80. Geburtstags des Dichters. – Zehnter Druck der Ernst Engel Presse von Walter Stähle. – Auf Dosabiki Masa-shi Japanpapier. – Druckvermerk vom Verfasser, der Künstlerin und dem Drucker signiert. – Vortitel mit signierter Tuschzeichnung der Künstlerin: »Exlibris Peter Baader«, datiert »21.10.2018«. – Beilage: Signierte und nummerierte Exlibrisradierung der Künstlerin für den Sammler.

28,0 : 21,6 cm. 43, [11] Seiten.

Spindler 33.10

1020  Elfriede Weidenhaus – Richard Dehmel. Lieder der Bilitis.

€ 300

Freie Nachdichtung nach Pierre Louys mit Radierungen von Elfriede Weidenhaus. Denklingen, Fuchstaler Presse 1984. Mit elf signierten Radierungen. Originalhandeinband (Norbert Soyka, Velbert-Neviges), im Samtschuber.

Siebter Druck der Fuchstaler Presse. – Eins von 60 Exemplaren, weitere sechs als Künstlerexemplare. – Handsatz aus der mageren Koch-Antiqua, gedruckt auf Zerkall-Bütten. – Der Einband mit Wildseidenrücken und Deckelbezügen aus hauchdünnem japanischen Bijutsu-Shi mit eingeschlossenen Schmetterlingen und Blättern im Stil der französischen »papier à fleur«. – Die Max Schwimmer-Schülerin Elfriede Weidenhaus (geboren 1931) nahm 1990 die Drucktätigkeit der 1959 von Klaus Burkhardt gegründeten Zikadenpresse wieder auf. – Vorblatt mit signierter Tuschzeichnung der Künstlerin: »Exlibris Peter Baader«, datiert »21.10.2018«. – Beilage: Signierte und nummerierte Exlibrisradierung der Künstlerin für den Sammler.

27,7 : 19,0 cm. [40] Seiten, 11 Radierungen. – Tadellos.

Spindler 76.7

1021  Elfriede Weidenhaus – Orpheus und Eurydike.

€ 300

Nachdichtung: Wolfgang Stockmeier. Radierungen und Zeichnungen: Elfriede Weidenhaus. Erkenbrechtsweiler 1999. Mit einer aquarellierten und signierten Tuschzeichnung, sechs signierten Radierungen und 23 Illustrationen nach Zeichnungen, davon 20 ganzseitig. Ockerfarbener flexibler Originalmaroquinband, Deckelvignette und Rückentitel in Blindprägung (Josef Weiss, Mendrisio).

Achter Druck der Zikadenpresse. – Erste Ausgabe dieser Fassung. – Eins von 15 Vorzugsexemplaren mit der sechsten Radierung, einer aquarellierten Zeichnung und im Ledereinband (Gesamtauflage 135). – Weidenhaus’ Zeichnungen und Radierungen – hier alle ganz klassisch, feinlinig und ganz ungewohnt (von der Originalzeichnung abgesehen) ohne Farbigkeit. – Tadelloses Exemplar. – Mit zwei weiteren Tuschzeichnungen der Künstlerin »Exlibris Gerhard Kassner« (aquarelliert) und »Exlibris Peter Baader« (signiert und datiert). – Beilage: Signierte und nummerierte Exlibrisradierung der Künstlerin für den Sammler.

28,2 : 19,7 cm. [4], 44, [4] Seiten, 1 Zeichnung, 6 Radierungen.

1022  ZERO.

€ 750 ( R5 )

Vol. 1, 2 [und] 3 [alles Erschienene]. Redaktion: Otto Piene und Heinz Mack. Düsseldorf [1958–1961]. Mit vier Tafeln in Heft 2 sowie vier (von ursprünglich fünf) Originalarbeiten und zahlreichen teils blattgroßen Abbildungen nach Fotografien in Heft 3. Drei Originalbroschuren.

Die vollständige Reihe der bedeutenden Zeitschrift. – Mit Beiträgen von und über Arman, Max Bense, Lucio Fontana, Yves Klein, Heinz Mack, Otto Piene, Hans Platschek, Arnulf Rainer, Daniel Spoerri, Jean Tinguely, Günther Uecker u. v. a. – Die beiden ersten Hefte erschienen zu den Abendausstellungen »Das rote Bild« (1958) bzw. »Vibration« (1959). Nach der 4. Ausstellung, die 1957 im Atelierhaus von Heinz Mack und Otto Piene stattgefunden hatte, wurde der Name »Zero« als Synonym für einen künstlerischen Neustart vom Nullpunkt »geboren«. – Das umfangreiche und durchgehend illustrierte Heft 3 enthält Originalarbeiten von Yves Klein (halbverbranntes Blatt und Blattfragment), Jean Tinguely und Otto Piene (weißes Blatt mit gestanztem Loch) und Daniel Spoerri (eingeklebtes Streichholz mit pyromanischer Gebrauchsanleitung). Der eingeklebte Sonnenblumenkern zur Pflanzanleitung von Jean Tinguely fehlt. – Für die Beteiligten »bedeutete ›Zero‹ den Abschied von einer als ›trüb‹ erlebten Nachkriegszeit. […] Alle Künstler wurden futurisierend als ›Dynamo‹ vorgestellt, und Uecker prophezeite: ›Projektionen von heute sind Verhältnisse von morgen‹« (Thomas Kellein, in Archiv Sohm, S. 65).

20,0 : 21,0 cm. 23, [1]; 35, [1] und [296] Seiten. – Umschlag 2 leicht fleckig, Kanten von Umschlag 3 leicht berieben. – Mit Besitzvermerk auf Titel von Heft 1 und Vorderdeckel von Heft 2.

Archiv Sohm S. 65 und Abb. 90

  1023    Klaus Zylla – Ernst Jünger. Weiße Nächte.

€ 350

Vorwort Heino Schwilk. Grafik und Schrift Klaus Zylla. Berlin, Galerie auf Zeit 1997. Mit elf blattgroßen Serigraphien, teils zweifarbig gedruckt, und 13 Seiten mit serigraphiertem Text. Weißer Originalleinenband mit Serigraphie auf dem Vorderdeckel. Im Originalschuber mit serigraphiertem Titel.

Eins von 103 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Autor und Künstler signiert. – Der Text wurde nach der Handschrift des Künstlers serigraphiert. – Die Texte sind den Kapiteln »Weiße Nächte« und »Opium« aus Ernst Jüngers Buch »Annäherungen. Drogen und Rausch« entnommen.

46,0 : 34,4 cm. [28] Seiten. – Tadelloses Exemplar.

Katalog Würth 2003, Seite 120ff

  1024    Antinous Presse – Konstantin Wecker. Der alte Kaiser.

€ 300

Sieben Gedichte. Mit drei Holzstichen von Karl-Georg Hirsch. Garching, Antinous Presse 1992.

Dritter Druck der Antinous Presse von Matthias Loidl. – Eins von 120 Exemplaren (Gesamtauflage 205). – Im Druckvermerk von Dichter und Künstler signiert. – Handpressendruck auf schwarzem Bütten und Giju Shoju Japanpapier. – Die Einbanddecke, gearbeitet von Roland Meuter, mit blindgeprägtem Text nach Weckers Handschrift bzw. in Typographie. – Sehr reizvolles Künstlerbuch. – Dazu: Johann Wolfgang von Goethe. Das Märchen. Mit acht Holzstichen von Karl-Georg Hirsch. 1999. Achter Druck der Antinous Presse. Eins von zehn Rohbogenexemplaren (Gesamtauflage 135). Im Druckvermerk vom Künstler und vom Verfasser des Nachworts, Friedhelm Kemp, signiert.

23 : 26 cm. [48] Seiten, 3 Holzstiche.

Kästner/Lübbert A 84.1

  1025    Antinous Presse – Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

€ 900

Einleitung: Wolfgang Koeppen. Die Beschwörung der Liebe. Nachwort: Terence James Reed. Dichternöte – ein Spiel mit Leben und Tod. Textvarianten aus der früheren Fassung. Unterreit bei Wasserburg 1993. Mit acht signierten Radierungen von Kurt Steinel. Lose Bogen in blauer Originalchemise und -schuber.

Vierter Druck der Antinous Presse Matthias Loidl. – Eins von zehn Rohbogen-Exemplaren (Gesamtauflage 115) . – Im Druckvermerk von Wolfgang Koeppen, Thomas Reed und Kurt Steinl signiert. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Der Text folgt dem Erstdruck in der »Neuen Deutschen Rundschau« von 1912, die Varianten zur Hundertdruckausgabe (siehe Katalognummer 132) werden ausführlich kommentiert. – Dazu: Thomas Mann. Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis. 1998. Mit sieben blattgroßen Farbradierungen im Text und zwei beigelegten, eine für den Einband und ein zweiter Abzug einer Radierung in anderer Farbstellung, alle signiert. Lose Bogen. Siebter Druck der Antinous Presse. – Eins von zehn Rohbogenexemplaren (Gesamtauflage 115). Im Druckvermerk von den Autoren des Vor- bzw. Nachworts, Elisabeth Mann Borgese und Hans Mayer, signiert. Gedruckt auf Zerkall-Kupferdruckbütten. – Thomas Mann. Der Kleiderschrank. Eine Geschichte voller Rätsel. 1991. Mit zwei ganzseitigen Holzstichen von Andreas Brylka. Originalpappband mit Oleographiepapierbezügen. Zweiter Druck der Prosa-Blätter der Antinous-Presse. Eins von 90 Exemplaren (Gesamtauflage 145). Druckvermerk vom Künstler signiert. – Wohl erste Einzelausgabe der 1898 entstandenen Erzählung. – Alle tadellos erhalten.

1026  Antinous Presse – Fabeln.

€ 300

[Elf Hefte, von 14?]. Ascona und Unterreit 1994–1999. Mit zehn Originalgraphiken. Verschiedenfarbige Originalbroschuren, teils mit Deckelschild.

Die Reihe erschien als fünfter Druck der Antinous Presse. – Je eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 125). – Die Graphiken oder Druckvermerke sind von den Künstlern signiert. – Jedes Heft mit individueller Typographie, Papier und Umschlag. Die vorhandenen Hefte enthalten Fabeln folgender Dichter, jeweils mit einer Originalgraphik: I. Heinrich Heine, Holzstich von Karl-Georg Hirsch. – II. Valerius Babrios, Radierung von Harry Jürgens, signiert. – III. James Joyce, Radierung von Kurt Steinel. – IV. Gottlieb Konrad Pfeffel, Farbradierung von Eduard Prüssen. Mit dem Erratablatt mit zweiter signierter Radierung. – V. Avian, Radierung von Elfriede Weidenhaus. – VI. Papageienbuch, kolorierter Holzstich von Wolgang Würfel. – VII. Gottfried Keller, Prägedruck von Susanne Levy. – IX. Aesop, Farbholzschnitt und Initialen von Hanns Studer. – X. Gotthold Ephraim Lessing, Radierung von Eberhard Loren. – Sonderhefte 1.Hermann Hesse, Farbradierung von Kurt Steinel. – 2. R. S. Thomas, Oleographien von Beatrice Meuter. – Alle makellos.

20 : 20 cm. Meist 16 Seiten.

1027  The Bear Press – [Johann Wolfgang von] Goethe. Römische Elegien.

€ 600

Bayreuth 1991. Mit 18 Textholzstichen von Andreas Brylka. Hellbrauner Originalkalblederband mit blindgeprägten Titeln und Fileten. Blau-gold gefärbter Kopfschnitt (Werner G. Kießig, Berlin). Mit Originalschutzumschlag und -schuber.

14. Druck der Bear Press von Wolfram Benda. – Eins von 25 Vorzugsexemplaren mit einem zusätzlichen Holzstich (Gesamtauflage 150). – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Gedruckt auf Hosho Glue-Japanpapier, die Holzstiche in Blau, und als Blockbuch gebunden. – Der 18. Holzstich, den nur die Vorzugsexemplare enthielten, bildet das Frontispiz. – Nachwort von Kurt Wölfel. – Tadellos erhalten.

28,8 : 17,0 cm. 47, [3] Seiten.

  1028    Bear Press – Lukian [von Samosata]. Hetärengespräche.

€ 400

Zweifarb-Radierungen von Eberhard Schlotter. Bayreuth 1999. Mit 16 zweifarbigen Radierungen, davon 14 blattgroß. Originalhalbpergamentband; Rückentitel und Deckelvignette, Deckel- und Innenkantenfileten sowie Kopfschnitt vergoldet. Im marmorierten Originalschuber.

25. Druck der Bear Press. – Eins von 113 Exemplaren (Gesamtauflage 150). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Der Text in der Übersetzung von Wieland, Nachwort vom Verleger. – Tadellos schönes Exemplar.

28,0 : 19,5 cm. [8], 93, [5] Seiten.

1029  Burgart-Presse – Harald Gerlach. Ecce Homo.

€ 1000

[Radierungen und Prägedrucke von] Michael Morgner. Rudolstadt 1994. Zehn Prägedrucke, davon einer doppelblattgroß, signiert, datiert und betitelt, und neun Radierungen. Lose Doppelblätter zusammen mit dem Impressum in Originalkassette mit montierter Originalgraphik auf dem Vorderdeckel.

Zwölfter Druck der Burgart-Presse. – Eins von 50 Exemplaren der Ausgabe B (Gesamtauflage 70 und 30 Belegexemplare). – Im Druckvermerk von Künstler und Verfasser signiert, der doppelblattgroße Prägedruck auf dem Titelbogen signiert und betitelt »Angst«. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Jedes der neun Doppelblätter links mit einem Gedicht, gedruckt über einen Prägedruck, rechts jeweils eine Radierung. – Michael Morgner (geboren 1942) erhielt 2012 den Gerhard Altenbourg-Preis. – Diese Edition der burgart-presse von Jens Henkel erschien in Zusammenarbeit mit der Chemnitzer »Galerie Oben« und der Galerie Gunar Barthel, Berlin. Es folgten zwei weitere Portfolios mit Graphiken von Max Uhlig und Eberhard Göschel (KatNrn. 1030 und 1031). – Beilage: Michael Morgner. Ohne Titel. Lithographie. 1995. 37,2 : 47,5 cm (39,8 : 53,3 cm). Monogrammiert, datiert und nummeriert, rückseitig nochmals signiert und datiert. Exemplar 7/100. Auf Hahnemühle-Bütten.

59,5 : 42,7 cm. 10 Doppelblätter, 1 Blatt.

30 Jahre Burgart, S. 69

1030  Burgart-Presse – Wulf Kirsten. Wegrandworte.

€ 900

Radierungen von Max Uhlig. Rudolstadt 1997. Mit elf Radierungen, davon eine doppelblattgroß, und einem Prägedruck. Lose Doppelblätter zusammen mit Titelblatt und Impressum in schwarzer Originalkassette mit montierter Deckelradierung.

18. Druck der Burgart-Presse. – Eins von sieben Exemplaren der Vorzugsausgabe B mit einer beilegten signierten Temperazeichnung auf Packpapier (Gesamtauflage 50 und 20 Belegexemplare). – Im Druckvermerk von Dichter und Künstler signiert. – Handsatz, gedruckt auf Zerkall-Bütten. – Die Zeichnung in Passepartout montiert. – Erstdruck der Gedichte und der 1997 dazu entstandenen Radierungen, jedes Gedicht mit der dazu gehörenden Radierung auf einem Doppelblatt, die große Radierung auf einem Extrabogen. – Titelblatt mit Prägedruck der Radierung auf der Kassette. – Tadellos. – Die zweite Mappenedition, die in Zusammenarbeit mit der Galerie Oben, Chemnitz, und der Galerie Gunar Barthel, Berlin, entstand (siehe KatNrn. 1029 und 1031).

60,3 : 42,5 cm. 11 Doppel-, 2 Einzelblätter.

30 Jahre Burgart, S. 95

1031  Burgart-Presse – Piratensegel.

€ 1200

[Gedichte von] Bernhard Theilmann, [Aquatintaradierungen von] Eberhard Göschel. Rudolstadt 2000. Mit zehn signierten farbigen Aquatintaradierungen, eine davon doppelblattgroß. Lose Doppelblätter zusammen mit Titelblatt und Impressum in Originalwildseidenkassette mit Blindprägung (Ludwig Vater, Jena).

22. Druck der Burgart-Presse. – Eins von zehn Exemplaren der Vorzugsausgabe A mit einer in den Innendeckel der Kassette montierten Radierplatte (Gesamtauflage 40 und 15 Belegexemplare). – Im Druckvermerk vom Dichter signiert. – Gedruckt auf Japan Bunkoshi. – Neun Radierungen auf Doppelblättern, auf der linken Seite jeweils ein Gedicht. Die vorliegende Arbeit zum neunteiligen Gedichtzyklus von Bernhard Theilmann bildet den Abschluss der Mappenedition mit der Galerie Oben, Chemnitz, und der Galerie Gunar Barthel, Berlin (siehe auch KatNrn. 1029 und 1030). – Makellos.

81,0 : 58,0 cm. 12 Blätter, davon 10 Doppelblätter.

30 Jahre Burgart, S. 111

1032  Burgart-Presse – Felix Martin Furtwängler. Schnitt in Zeit. Lautungen.

€ 500

Rudolstadt 2001. 16 mehrfarbige Papiercollagen in Passepartouts und Originalpappband. Zusammen in Originalpappkassette (Ludwig Vater, Jena). – Widmungsexemplar.

25. Druck der Burgart-Presse. – Eins von 20 Exemplaren der Vorzugsausgabe A mit der Papierschnittfolge »Lautungen« (Gesamtauflage 94). – Mit späterer Widmung des Künstlers für den Vorbesitzer. – Die großformatigen Papierschnittcollagen wurden paarweise in Klapppassepartouts montiert: Links jeweils ein Schriftbild, rechts die figürlichen Darstellungen, die vom Künstler signiert wurden. – Auch das Kolophon des Begleitbuchs vom Künstler signiert und nummeriert. – Einmal mehr beweist Furtwängler mit dieser Edition, die durch die Originalarbeiten weit über den Begriff »Pressendruck« hinausreicht, den souveränen Blick auf Schrift und Typographie als Bildelemente. – Tadellos erhalten und sehr selten.

52 : 37 cm (Kassette), 30 : 21 cm (Collagen).

30 Jahre Burgart 121

1033  Burgart-Presse – Die Verbeugung nach dem Salto mortale.

€ 450

Texte und Graphik zum 80. Geburtstag von Alfred Traugott Mörstedt. Rudolstadt 2005. Mit sechs kolorierten signierten Radierungen und einem Farbholzschnitt von Alfred Traugott Mörstedt. Originalhalblederband (Ludwig Vater, Jena). Im Originalschuber.

31. Druck der Burgart-Presse. – Eins von 20 Exemplaren der Vorzugsausgabe A mit einer beigelegten Originalzeichnung (Gouache, Deckweiß und Farbstift über Collage, signiert und datiert sowie bezeichnet) (Gesamtauflage 30). – Alfred Traugott Mörstedt kolorierte sämtliche Blätter selbst, jedoch starb er noch vor Vollendung der Arbeit an der bibliophilen Festschrift. Von den geplanten 130 Exemplaren waren zum Zeitpunkt seines Todes erst 30 fertiggestellt, die bereits gedruckten aber noch nicht kolorierten Exemplare wurden nicht mehr ausgeliefert. »Somit wurde dieses Buch zum graphischen Vermächtnis und zu einem Hauptwerk des Künstlers« (Anmerkung des Verlegers). – Mit Texten von Harald Gerlach, Annerose Kirchner, Michael Wüstefeld, Dieter Koethe und Matthias Biskupek. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Der thüringische Graphiker Mörstedt (1925–2005) gründete 1963 die »Erfurter Ateliergemeinschaft«, die unangepassten DDR-Künstlern Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten bot. – Tadellos erhalten, die seltenste Edition der Presse.

32,5 : 23,5 cm. [24] Seiten, 1 Zeichnung.

Dreißig Jahre Burgart, S. 137

1034  Burgart-Presse – Jan Volker Röhnert. Sonnenquartette.

€ 500 ( R5 )

Radierungen von Max Uhlig. Rudolstadt 2006. Mit sieben blattgroßen Radierungen, sechs davon signiert. Originalpappband im Schuber (Ludwig Vater, Jena).

34. Druck der Burgart-Presse. – Eins von 15 Exemplaren der Vorzugsausgabe B mit einer zusätzlichen überzeichneten Radierung, lose beigelegt und signiert (Gesamtauflage 80). – Druckvermerk von Autor und Künstler signiert. – Dieses erste Buch mit originalgraphischen Arbeiten von Max Uhlig erschien anlässlich seines 70. Geburtstags. – »Die Texte sind eigens für dieses Buch entstanden, ausgehend von einer Zeile, die Baudelaires Sonett ›Le vin des amants‹ beschließt.« (Jens Henkel). – Tadellos.

40,0 : 29,0 cm. [29] Seiten.

  1035    Donkey-Press – Gottfried Keller. Eugenia.

€ 300

Köln, Eduard Prüssen 1992. Mit acht signierten Farbradierungen von Eduard Prüssen und einigen Linolschnitten. Originalpappband mit eingelegtem Linolschnitt-Titelschild.

21. Druck der Donkey-Press. – Eins von 15 Vorzugsexemplaren mit den farbig abgezogenen Radierungen (Gesamtauflage 30). – Die Texte wurden von Hand gesetzt und abgezogen und mit Linolschnittvignetten verziert. – Die Radierungen auf Velin, der Text auf Werkdruck und als Blockbuch gebunden. – Eduard Prüssen (geboren 1930) gründete die Donkey Press 1962, seit 1967 erschienen seine Handpressendrucke, stets mit eigenen Originalgraphiken.

35,8 : 20,0 cm. [34] Seiten, 8 Radierungen.

1036  Edition Eichthal – Die alte Geschichte vom Fischer und seiner Frau

€ 500

neu erzählt und auf den Kopf gestellt von Feridun Zaimoglu, in Stein gezeichnet von Hans-Ruprecht Leiß. Eckernförde 2008. Mit 26 Lithographien im Text, davon sechs doppelblattgroß. Illustrierter Originalleinenband im bemalten Originalschuber (Thomas Zwang, Hamburg).

Künstlerexemplar neben der 150er-Auflage. Wie die zehn Luxusexemplare wurde auch dieses vom Künstler individuell gestaltet. Hier mit einer beigelegten aquarellierten Lithographie, signiert und betitelt, und in einem allseitig mit Tempera bemalten Schuber. – Druckvermerk von Verfasser und Künstler signiert. – Auf Zerkall-Bütten. – Satz, Typographie und Herstellung übernahm Claus Lorenzen von der Officina Ludi, gedruckt wurde im Hamburger Museum der Arbeit. – Feridun Zaimoglu (geboren 1964) ist seit Ende der 80er Jahre als freier Schriftsteller in Kiel tätig. Hans-Ruprecht Leiß (geboren 1954) lebt und arbeitet in Flensburg. – Es geht die Anekdote, der in diesem Frühjahr verstorbene Quetsche-Verleger Scheuble habe seinen Eichthal-Kollegen Jess auf der Frankfurter Buchmesse ob des niedrigen Preises für diese Vorzugsausgabe glatt für »verrückt« erklärt. Er hätte für eine solche Edition 2.000 EUR genommen (und auch bekommen).

32,5 : 22,5 cm. [36] Seiten, 1 Zeichnung.

  1037    Edition Fundamental – Acht Drucke.

€ 300 ( R5 )

Köln 1985–1991. Teils originalgraphisch illustriert. Originaleinbände.

Die Edition Fundamental wurde von der gleichnamigen Kölner Künstlergruppe um 1980 gegründet. Seit 1982 erschienen etwa 20 Bücher, in experimenteller Typographie und teils mit Originalarbeiten, in kleinen Auflagen. – Meist von Künstler und Verfasser signiert. – I. Karlheinz Richard [Müller]. Col-la-gen. Gedichte & Übermalungen. 1985. 47 Exemplare, hier Vorzugsausgabe mit signierter Original-Textcollage. – II. Ad Reinhardt. Dreizehn Regeln zu einem ethischen Kodex für bildende Künstler. 1986. 70 Exemplare. – III. Jürgen Schablitzky. Spalten, biegen und brechen. 1987. Mit 15 Graphiken und einer Zeichnung. 111 Exemplare. – IV. K. Richard Müller. Dirty Story. 1987. Faksimilierte Bild-Text-Collagen. 100 Exemplare. – V. K. Richard Müller. Der Buchstabenfresser. 1988. 40 Exemplare. – VI. Reinhold Koehler. Contratexte. Mit Nachwort herausgegeben von Karl Riha und Angela Koehler. 1988. 150 Exemplare. – VII. V. O. Stomps. Der streitbare Pegasus. 1989. 110 Exemplare. – VIII. Fritz Widhalm. Happy End. 1991. 350 Exemplare. – Ein weiterer Druck. – Alle tadellos.

Spindler 141.8, 13, 14, 21, die vier weiteren nach 1988

  1038    Edition Lafranca – Jean Arp. Ich lasse mich von der Arbeit führen […].

€ 200 ( R5 )

[Cerentino] 1985. Mit fünf signierten Holzschnitten, zwei von Peter Hächler, drei von François Lafranca. Lose mit zwei Textblättern in Originalumschlag.

Eins von 50 Exemplaren. – Von beiden Künstlern auch im Druckvermerk signiert. – Auf schwerem Bütten, handgeschöpft von François Lafranca. – Die Textpassage stammt aus Arps Dichtung »Mit gesenkten Lidern«.

41 : 47 cm. 12 Blätter.

  1039    Edition Tiessen – Gotthold Ephraim Lessing. Ausgewählte Fabeln.

€ 200 ( R5 )

Mit 5 Radierungen von Simon Dittrich. Neu-Isenburg 1977. Mit vier signierten blattgroßen Radierungen. Rostroter Originalseidenband mit montierter Radierung auf dem Vorderdeckel (Helmuth Halbach, Königstein). Im Schuber.

Vierter Druck der Edition Tiessen. – Eins von 200 Exemplaren (Gesamtauflage 240). – Alle Radierungen wurden signiert. – Vorderes Vorsatzblatt mit Lessing-Porträtzeichnung von Simon Dittrich. – Druck in den Werkstätten der Trajanus-Presse, die Radierungen bei Max Dunkes, München. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden.

33,3 : 22,5 cm. 21, [3] Seiten.

Spindler 41.4. – Tiessen V, 3

1040  Edition Dieter Wagner – 16 Ausgaben.

€ 600 ( R5 )

Berlin 1982–1989. Teils illustriert, mit Collagen, Typographiken und Übermalungen. Originalbroschuren.

Die nahezu lückenlose Editions-Folge aus den Jahren 1982–1989. – Dieter Wagner (1941–2004) lebte seit 1971 in Berlin und lernte dort V. O. Stomps kennen, dessen Pressendrucke auf Packpapier und Wellpappe ihn inspirierten. Seit 1979 war Dieter Wagner in der Berliner Druckerei Gerike angestellt, »wo nach Feierabend seine Druckexperimente entstehen« (Albert Spindler). Kaum ein anderer zeitgenössischer deutscher Pressendrucker experimentierte derart unkonventionell mit Material (Packpapier, Makulaturbögen, Telefonbuchausschnitten, Seiten aus Pornoheften und Versandkatalogen) und Typo-Graphik. – Alle Ausgaben sind vom Verleger, einige auch von den Autoren signiert. – Alle tadellos erhalten. – I. Harald Schmid. Bin i a Kaschparl? 1982. 200 Exemplare. – II. Friedrich Hölderlin, Bruchstück 16. 1983. 50 Exemplare. – III. Dieter Wagner. 1984. Diese Scheiße kommt auf uns zu. 1983. 50 Exemplare. – IV. Die Frau aus dem immergleichen Blickwinkel. Auf dem Rücken. Die Kunsthure. Frei Reich Au. 1984. 50 Exemplare. – V. Jacop Freyen. Die Gartengesellschaft. 1984. Kaffee-gefärbtes Papier. 150 Exemplare. – VI. Fukujuso. Japanische Kurzerzählung auf Telefonbuchseiten. 1984. 80 Exemplare. – VIII. Wolfgang Nieblich. Makulatur. 1984. 250 Exemplare. – VIII. Hans-Ulrich Treichel. Aus der Zeit des Schweigens. 1984. 200 Exemplare. – IX. Der Traum ist aus. No. 1. 1985. Foto von Wolf Gutbier. 100 Exemplare – X. Is da wirgli a Rua oder Goethes Fettflecken. 1985. 100 Exemplare. – XI. Dieter M. Gräf. Mein Vaterland. 1985. Mit Sprühlack überarbeitet. 130 Exemplare. – XII. Roll over Marylin. 1986. Mit Collagen aus Pornomagazinen. 150 Exemplare. – XIII. Barock – Vergänglichkeit der Schönheit. 1986. 100 Exemplare. – XIV. Robert Wienes. Alles Geschriebene bisher Quark. 1988. 130 Exemplare. – XV. Dieter M. Gräf. Beine hoch Amerika. 1989. 50 Exemplare. – XVI. Jürgen Beckelmann. Der Wasserhahn oder Die Wiederauferstehung des Schrotts. 1989. 50 Exemplare.

Spindler 131.13–20, 22, 23, 25–28 und zwei weitere

1041  FlugBlatt-Presse – 16 Drucke.

€ 450 ( R5 )

Lahnstein 1982–1991. Meist mit Originalgraphiken von Peter Malutzki, Manfred Prochotta und Heidi Hübner-Prochotta. Originaleinbände.

1980 gründeten die drei Wilhelm Neufeld-Studenten in Mainz ihre FlugBlatt-Presse. – Die Bücher entstehen, gesetzt in teils klassischer Typographie aber graphisch überarbeitet, in kleinen Auflagen. 1987 trennte sich Peter Malutzki von dem Ehepaar Prochotta und arbeitete in den Folgejahren mit Ines von Ketelhodt zusammen. – Meist von allen Beteiligten signiert. – Nahezu die gesamte Reihe der editieren Bücher: I. Edward Lear. 15 Limericks. 1982. 150 Exemplare. – II. H. C. Artmann. Der aeronautische Sindtbart. 20. Abendteuer. 1983. 120 Exemplare. –III. Ulrich Raschke. Der Holzweg. 1984. 60 Exemplare. – IV. Heidi Hübner-Prochotta. Bilder zu »Betrug« von Rafael Alberti. 1985. 55 Exemplare. – V. Der gewandte Festredner. 1984. 90 Exemplare. – VI. Sehnsucht. 1985. 110 Exemplare. – VII. Brüder Grimm. Läuschen und Flöhchen. 1985. 110 Exemplare. – VIII. Erde Feuer Luft Wasser. Mit einem Bilderalphabet. 1986. 100 Exemplare. – IX. H. C. Artmann. Der aeronautische Sindtbart. 30. Abendteuer. 1987. 120 Exemplare. – X. Wallace Stevens. Thirteen Ways of Looking at a Blackbird. 1987. 22 Exemplare. – XI. Hölderlin: Vom Abgrund nämlich. 1987. Zehn Exemplare. – XII. Leporello 1 und 2. Fotografien von Ines von Ketelhodt, Überdruckungen von Peter Malutzki. 1989. 60 Exemplare. – XIII. Günter Eich. Unter Wasser. 1990. 100 Exemplare. – XIV. Konrad Bayer. Das tote Kind in der Wiege. 1991. 55 Exemplare. – Zwei weitere Drucke. – Alle tadellos erhalten.

Spindler 143.70, 71, 73– 77, 79 und 81– 83, die fünf weiteren nach 1988

1042  Illustration 63.

€ 900

Zeitschrift für Buchillustration. Herausgegeben von Curt Visel. Jahrgänge 1–40, vier Register und vier Festschriften. Memmingen 1963–2003. Mit mehr als 600 lose beiliegenden, meist signierten Originalgraphiken und zahlreichen Abbildungen. 128 illustrierte Originalbroschuren.

Vollständige Ausgabe der bekannten Zeitschrift, auch der erste Jahrgang in den Originalausgaben (das Reprint als Beigabe). – Alle Hefte nummeriert, die Auflage stieg von anfänglich nur 100–250 auf schlussendlich 700 Exemplare. – Dazu alle vier Festschriften zu den Dezennien sowie alle Gesamtregister. – Jedes Heft mit drei bis acht Originalgraphiken, meist signierten Holz- bzw. Linolschnitten, aber auch Offset-Lithographien, Holz- und Acrylstichen, Zinkätzungen, Filmschabblättern u. a. m. von Helmut Ackermann, Archibald Bajorat, Anthony Colbert, Klaus Eberlein, Felix Hoffmann, Dieter Huthmacher, Birgit Kannegiesser, Peter Kleinschmidt, Rudolf Koch, Hans Leip, Fritz Möser, Hans Orlowski, Alfred Pohl, Roswitha Quadflieg, Paul Reding, Hans Ticha, Hellmuth Weissenborn, Jens Witt, Heinrich Eugen von Zitzewitz u. v. a. Auch der Reprint von Jahrgang I und die Festschriften enthalten originalgraphische Beilagen. – Jedes Heft mit mehreren Werbebeilagen verschiedener Verlage und Editionen. – 1963 gegründet, sorgte »Illustration 63« dafür, »daß […] die jüngste deutsche Buchkunst in den führenden Bibliotheken und Instituten der ganzen Welt (von San Francisco bis Moskau und von Island bis Pretoria und Canberra) präsent geworden und an die große Tradition der deutschen Buchkunst erinnert worden ist. […] Für die Bücherfreunde des Inlandes hat unsere Zeitschrift ein Fenster auf die Buchkunst anderer Nationen geöffnet […]« (Curt Visel im Vorwort zur Reprintausgabe des ersten Jahrgangs). – Die originalgraphischen Beilagen wurden kollationiert. – Tadellos erhalten.

29,7 : 21,0 cm.

  1043    Leipziger Drucke – Voltaire. Candide

€ 400

oder Der Optimismus. Leipzig 1999. Mit elf Holzschnitten von Rolf Kuhrt, zehn blatt- und einer doppelblattgroß, dieser auf gelbem Bütten und signiert, und weiteren auf dem Japanpapierumschlag. Originalpergamentband mit Umschlag, in Originalkartonkassette.

Neunter »Leipziger Druck«. – Eins der ersten zehn von 30 römisch nummerierten Künstlerexemplaren, in der Ausstattung der zehn arabisch nummerierten Vorzugsexemplare mit einem beigelegten signierten Farbholzschnitt (doppelblattgroß, auf Japan, nummeriert XIV/20) und in Pergament gebunden. – Herausgegeben von Herbert Kästner. – Gesamtgestaltung Angelika Kuhrt. – Im Druckvermerk vom Künstler und der Buchgestalterin signiert. – Als Blockbuch gebunden. – Die deutsche Textfassung stammt von Stephan Hermlin. – Als Vorzugsexemplar sehr selten und tadellos erhalten. – Dazu die ersten drei Drucke der Reihe »SchriftBild«. Leipzig 2011. Originalhalbleinenbände. Je eins von 95 Exemplaren (Gesamtauflage 125), jeweils eine Graphik und der Druckvermerk signiert. – I. Jens Sparschuh/Klaus Raasch. Schreib-Akte. Mit fünf Farbholzschnitten. – II. Thomas Rosenlöcher/Henning Wagenbreth. Ich habe ein Buch bekommen. Mit fünf Farbserigraphien. – III. Bertolt Brecht/Baldwin Zettl. Kinderkreuzzug 1939. Mit sechs Kupferstichen, auf dem Leporello signiert. Ohne Druckvermerk.

36,0 : 20,5 cm. 94, [2] Seiten.

1044  Lubok.

€ 500

Herausgegeben von Christoph Ruckhäberle und Thomas Siemon. Leipzig 2007–2012. Mit mehr als 900 Linolschnitten. Originalbroschuren mit Farblinolschnitten des Herausgebers als Umschlag.

Vollständige Reihe der Künstlerbuchreihe. – Namensgebend waren die russischen »Lubki«, die in Russland vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert populären sozialkritischen und satirischen Bilderbogen. – Gedruckt auf einer »Präsident-Zylinder« von Thomas Siemon. – Es sind, mit wenigen Wiederholungen, 140 zeitgenössische Künstler vertreten, darunter Thomas M. Müller, Karl-Georg Hirsch, Volker Pfüller, Katharina Immekus, Christoph Feist, rosa Loy, Stefanie Schilling Tal R, Tobias Lehner, Tilo Baumgärtel und Katrin Stangl (vollständige Künstlerliste in unserem Onlinekatalog: Julika Achtzig, Roxane Alaime, Eliot Anderson, Gitte Bach, Julesde Balincourt, Laurene Barnel, Christiane Baumgartner, Hubert Becker, Camille Benarab-Lopez, Mehdi Besnainou, Robert Brambora, Christian Brandl, Ines Brands, Thelma Cappello, Elliott Causse, Steven Chambers, Leo Chesneau, Come Clerino, Eileen Cooper, Adam Dant, Damien Deroubaix, Benjamin Dittrich, Johannes Eckardt, Marcel van Eeden, Patrick Eicke, Wolfgang Ellenrieder, Markus Färber, Patrick Fauck, Christoph Feist, Juliette Frenay, Monika Gary-Krug, Tino Geiss, Nikolay Georgiev, Theo Ghiglia, Luis Gispert, Rebekka Gnädinger, Sebastian Gögel, Thomas Gosebruch, Martin Groß, Claas Gutsche, Irene Hanenbergh, Malene Hartmann, Stuart Hawkins, Maria Hinze, Karl-Georg Hirsch, Katharina Immekus, Mirjam Jacob, Tobias Jacob, Britta Jonas, Ruprecht von Kaufmann, Roger Kelly, Herbert Klee, Annika Kleist, Andrzej Klimowski, Marie-Carolin Knoth, Jannine Koch, Christoph Koester, Serena Korda, Uta Koslik, Oliver Kossack, Mandy Kunze, Agnes Lammert, Gaspard Laurent, Laureline Le, Corinne von Lebusa, Berenice Lefebvre, Tobias Lehner, Stefanie Leinhos, Franziska Leonhardi, Thomas Lesigne, Justin Lieberman, Markus Liehr, Margarete Lindau, Tereza Lochmannova, Tim Lokiec, Rosa Loy, Betty Rose Manzetti, Stephanie Marx, Bob Matthews, Tom McGrath, Thomas Moecker, Brian Montuori, Paul Moragues, Chelsea Mortenson, Berit Mücke, Thomas Müller, Franziska Neuhofer, Philipp Orlowski, David Orme, Jirka Pfahl, Volker Pfüller, Danica Phelps, Olivia Plender, Petra Polli, Rahel Pötsch, Camille Pozzo di Borgo, Tal R., David Rayson, Ewoud van Rijn, Malena Robin, David Röder, Christoph Ruckhäberle, Sebastian Rug, Marcel Ruijters, Stefanie Schilling, Katharina Schilling, Reiner Schlamp, Alexander Schmidt, Robert Schmiedel, Cindy Schmiedichen, Anna Schmocker, Karoline Schneider, David Schnell, Carolin Schreier, Jens Schubert, Dana Schutz, Robert Schwark, Mercedes Semino, Aaron Spangler, Sebastian Speckmann, Claus Stabe, Thomas Stephanblome, Sophie von Stillfried, Jasper Sebastian Stürup, Koen Taselaar, Anke Theinert, Mark Titchner, Anja Triestram, Tim von Veh, Julie Verhoeven, Steve Viezens, Frank Wahle, Simone Waßermann, Phoebe Washburn, Julia Weck, Matthias Weischer, James Whitman, Richard Woods, Uta Zeidler). – Jeder Band enthält 60 bis 130 Linolschnitte, alle als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Der Lubok Verlag für Kunst- und Künstlerbücher entstand aus der Begegnung des Künstlers Christoph Ruckhäberle mit dem Graphiker und Buchdrucker Thomas Siemon. Aus der gemeinsamen Faszination am Künstlerbuch und der Begeisterung für das Medium Graphik entstand die Idee originalgraphische Bücher in hohen Auflagen mit Linolschnitten zeitgenössischer Künstler zu veröffentlichen. – Die Auflage betrug meist 500 Exemplare, einige Hefte sind inzwischen vergriffen. – Makellos erhalten.

32 : 24 cm.

  1045    Christoph Meyer – Bertolt Brecht. Der Paß.

€ 600 ( R5 )

Zeichnungen von Christoph Meyer. Berlin, Alligatorpess 2007. Mit fünf farbigen Zeichnungen. Originalbroschur mit grünem Büttenumschlag.

Edition mote 1. – Eins von 25 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert, datiert und nummeriert. – Den Text druckte Peter Rensch auf der Andante Handpresse, die Illustrationen zeichnete der Künstler in Rot und Schwarz mit Kugelschreiber und Tusche. Jedes Exemplar innerhalb der Auflage ist somit ein Original. »In der Wiederholung entwickeln sich Variationen […] so dass jedes Exemplar unverwechselbar gezeichnet ist – anders als der Pass, der den Menschen durch eine Reihe von normierten Aspekten identifiziert« (Michael Lailach, in einem Werbetext der Edition).

32,8 : 24,3 cm. [12] Seiten.

  1046    Christoph Meyer – Nelly Sachs. Faustschlag.

€ 600 ( R5 )

Zeichnungen von Christoph Meyer. Berlin, Alligatorpress 2008. Mit fünf Zeichnungen. Originalbroschur.

Edition mote 2 – Eins von 25 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert, datiert und nummeriert. – Den Text druckte Peter Rensch auf der Andante Handpresse, die Illustrationen fügte der Künstler mit rotem, bei einer Zeichnung zusätzlich mit blauem, Kugelschreiber ein. Jedes Exemplar innerhalb der Auflage ist somit ein Original.

32,8 : 24,3 cm. [12] Seiten.

  1047    Christoph Meyer – Ernst Jandl. Erwarte von Wörtern nichts.

€ 900 ( R5 )

Berlin, Edition B.L.4 2015. Mit drei farbigen Zeichnungen (Tusche und Aquarell) und vier farbigen Walzendrucken. Roter Originalleinenband mit silbergeprägtem Rückentitel. Im Originalschuber mit blindgeprägtem Monogramm.

Edition mote 11. – Künstlerexemplar »(E.A) 3«, neben der Auflage von gerade einmal zehn Exemplaren. – Der Text im Buchdruck, die Illustrationen von Hand eingezeichnet. – Als Blockbuch gebunden.

32,0 : 24,8 cm. [14] Seiten.

1048  Unikatbücher – Christoph Meyer. Für Paul Celan.

€ 2500 ( R5 )

16 Aquarelle, mit Tusche überarbeitet. 2019/20. 51 : 66 cm. Auf dem vorletzten Aquarell betitelt, signiert, mit »Malerbuch« bezeichnet und datiert. Als Buch gebunden.

Unikatbuch, im Eigenverlag erschienen. – Enthält Celans »Hawdalah«, »Schwarzerde« u. a. Gedichte. Christoph Meyer gestaltete sechs Doppelseiten in unterschiedlichsten Techniken: Tempera, farbige Tuschen, Fettkreide, und handgeschriebene Texte. Auch die Vorsätze wurden bedruckt, eingefärbt bzw. bemalt und mit der Hand beschrieben. Auf starkem Velin BFK Rives, jeweils zwei Bogen verklebt zu einem Blatt. – Leuchtend roter Originalleinenband. – Christoph Meyer, geboren 1954 in Greifswald, studierte in Berlin. In den Jahren 2004–2007 entstanden seine zehn »James Joyce Unique Books«, jedes zu einem Gedicht des Künstlers. Die Reihe wurde 2011 in der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz ausgestellt. – In den letzten Jahren schuf Meyer auch Unikatbücher zu Gedichten und Zyklen von Durs Grünbein, Bob Dylan, Peter Rühmkorf und Uwe Kolbe sowie zahlreiche Künstlerbücher zu Friedrich Nietzsche, Tom Waits, Paul Celan, Michel Houellebecq, Heiner Müller, Bertold Brecht, Johannes Bobrowski, Bert Papenfuß, Simone Schneider und Nelly Sachs. – Seine Arbeiten waren u. a. in Berlin, Frankfurt am Main (Buchmesse) und Peking ausgestellt. – Tadellos.

  1049    Neuhauser Kunstmühle – Markus Krön. Ansichten der Stadt Salzburg.

€ 1000

12 Lithographien. Salzburg, Neuhauser Kunstmühle 2007. Zwölf ganzseitige Farblithographien. Mit Titel und Druckvermerk in orangefarbenem Originalleinenband mit montierter Deckellithographie.

Eins von zwölf Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert, datiert und nummeriert. – Die Lithographien wurden vom Künstler direkt auf den Stein gezeichnet und an der Reiberpresse von Thomas Franke auf Zerkall-Bütten gedruckt. – Der Künstler überrascht den erwartungsvollen Betrachter durch banale Bildobjekte, die hier in den Vordergrund »treten« und die gewohnten, touristisch vermarktbaren, Motive als Nebensächliches erscheinen lassen. Über seine dieser Gestaltung zugrunde liegenden Gedanken schreibt der Österreicher Markus Krön (geboren 1970) auf seiner Webseite: »Thujenhecken, Schallschutzwände, Einfamilienhäuser, Silos usw. betrachte ich vor allem als menschliche Zeichen in der Landschaft. Alles befindet sich an dem von Menschen bestimmten Ort«.

33 : 42 cm. 14 Blätter.

  1050    Neuhauser Kunstmühle – Michael Hedwig. Sterntaler.

€ 1200

Lithographien und Radierungen zu einem Text von Karin Peschka. Salzburg, Neuhauser Kunstmühle 2008. Mit neun Farblithographien und acht Radierungen im Text, davon eine blattgroß. Leporellobuch.

Eins von 21 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gesetzt aus der Centaur, gedruckt auf Zerkall-Bütten. Insgesamt 20 Blätter wurden auf zehn mit Leinenfälzen verbundene Pappelsperrholzplatten aufgezogen. – Die eine Seite des Leporellos bietet die farbige Bildgeschichte, die andere den mit Radierungen illustrierten Text. – Der Österrreicher Michael Hedwig (geboren 1957) ist vor allem durch Kunstwerke im öffentlichen Raum bekannt. Seit 1985 ist er zugleich Lehrender an der Akademie der bildenden Künste Wien. – Karin Peschka (geboren 1967), deren erste Veröffentlichung dieses Künstler-Buch-Objekt darstellt, wurde unter anderem 2017 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. – Das großformatige und dabei unerwartet leichte Buch beeindruckt durch den Gegensatz der leichten, fast fröhlichen Lithographien und der eleganten Strenge der Textseiten.

53 : 40 cm. [20] Seiten.

  1051    Neuhauser Kunstmühle – Josef Zenzmaier. Mein Weg zur Großmutter.

€ 900

[Ein Weg in Bildern]. Salzburg, Neuhauser Kunstmühle [um 2015]. Neun Farblithographien und drei Textblätter. Gelber Originalleinenband mit zweifarbig lithographierter Einbandbanderole.

Eins von 35 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Auf BFK Rives. – Gedruckt von Joe Holzner, gestaltet von Nikolaus Topic-Matutin. – Der österreichische Bildhauer Josef Zenzmaier (geboren 1933) wandte sich erst in den 1990er Jahren der Lithographie zu.

39,4 : 57,0 cm. 12 Blätter.

  1052    Otto Rohse Presse – Andreas Gryphius. Ausgewählte Sonette, Gedichte und Epigramme.

€ 250

Mit Holzstichen und Kupferstichen von Otto Rohse. [Zwei Bände]. Hamburg 1970–1971. Mit elf Kupfer- und elf Holzstichen im Text, meist blattgroß. Originalhalblederbände mit goldgeprägten Titeln und blindgeprägten Deckelvignetten nach einem Holzschnitt (Christian Zwang, Hamburg). Band II im Schuber.

Zehnter und elfter Druck der Otto Rohse Presse. – Je eins von 170 Exemplaren (Gesamtauflage je 195). – Beide Bände im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Gedruckt auf Zerkall-Bütten. – Tadellos erhalten.

28,7 : 18,9 cm. 59, [5]; 52, [8] Seiten.

Hack/Schwarz 1.10 und 11. – Spindler 44.15 und 16

1053  Jalaluddin Mohammad Rumi. On the Art of Painting.

€ 1200

Interpreted by Zahra Partovi. Etchings by Annette Senneby. New York, Vincent FitzGerald 1989. Mit einer über 28 Seiten reichende linienförmigen Radierung. Originalleinenband in ebenfalls schwarzer Originalkassette mit eingelassenen Metallplatten in den Deckeln.

Eins von 50 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Verfasser und Künstlerin signiert. – Gedruckt auf Velin Rives Johannot. – Die Sentenzen des persischen Dichters Rumi (1207–1273) übertrug die junge iranische Künstlerin Zahra Partovi ins moderne Persisch und kalligraphierte diesen Text. Auch die englische Übersetzung stammt von ihr. Die Radierung von Annette Senneby (geboren 1951, schwedische Bildhauerin) zieht sich, einem »grauen Faden« gleich, durch das gesamte Buch.

Ca. 18 : 24 cm (trapezförmig gebunden). [28] Seiten, 2 Zwischenblätter.