ChristianHesse

Bücher 16.-19. Jahrhundert | Hesse-Auktionen
Bücher 16.-19. Jahrhundert

783  [Sebastian Meyer]. Von dem pfründtmarckt der Curtisanen vnd Tempelknechten.

€ 400

[Basel, Adam Petri] 1521. Neuer Halbpergamentband mit Kleisterpapierbezügen.

Erste und einzige Ausgabe des Berner Theologen (1465–1545), der einer der frühesten und eifrigsten Anhänger der Lehren Luthers in der Schweiz war. Wegen der theologischen Auseinandersetzung mit dem Dominikaner Hans Heim wurden beide der Stadt verwiesen. – In vorliegender Schrift kritisiert Meyer die Geldgier der Geistlichkeit und zeigt deren üble Folgen auf. »Da wöllen sy die besten pferd reiten, die schönsten frouwen haben […] vnd was guts vor der hellen ist, freßen vnd suffen, sy raßeln vnd spilen wie die hippen buben, sy tragen güldin ketten an den selsen, syden vnd damast ist ir gewandt […]«. – Goedeke vermutete noch Wurm von Geydertheim als Verfasser.

20,0 : 14,6 cm. [20 Seiten]. – Minimale Läsuren am ersten und letzten Blatt fachmännisch angerändert.

VD16 M 5120. – Goedeke II, 279, 10

784  Martin Luther – Colloqvia Oder Tischreden Doctor Mart. Luthers,

€ 300

So er in vielen Jaren gegen Gelarten Leuten, auch frembden Gesten vnd seinen Tischgesellen geführet… zusammen getragen Vnd jetzt Auffs newe Corrigieret (von Johannes Aurifaber). Frankfurt am Main, Martin Lechler für Simon Hüter 1568. Mit großer Hozschnitt-Titelvignette und -Druckermarke. Schweinslederband der Zeit mit Blindprägung.

Frühe Ausgabe der Tischreden, die zuerst 1566 erschienen. – Herausgegeben von Johannes Aurifaber aus Weimar, dem Famulus und Begleiter Luthers. Seit 1545 hatte er als Theologiestudent im Haus des Reformators gelebt und ihn 1546 auf seinen beiden letzten Reisen begleitet. – Die von ihm zusammengetragenen »Tischreden« sind eine wichtige Quelle zu Leben und Anschauungen des Reformators. – Der Holzschnitt auf dem Titel zeigt Luther in einer Tischrunde, davor stehen vier knabenhafte Schüler. – Hübscher Einband mit reicher floraler Verzierung und einem lackierten Rückentitel.

32,8 : 22,4 cm [12], 449, [15] Blätter. – Teils etwas gebräunt, insgesamt aber schönes Exemplar.

VD 16 L 6752

785  Matthäus Merian – [Martin Zeiller]. Topographia Franconiæ,

€ 1500

Das ist Beschreibung, Und Eygentliche Contrafactur der Vornembsten Stätte und Plätze des Franckenlandes […]. – Anhang Zu deß Martin Zeillers im Jahr 1648 erstlich gedruckter Topographia Franconiæ. Frankfurt, Matthaeus Merian [1648]. Mit einem blattgroßen gestochenen Titel, einem Wappenkupfer, einer gestochenen Karte und 48 Kupferstichen, davon 38 gefaltet, zwei mehr als doppelblattgroß. Späterer Halbpergamentband mit rot-goldenem Lederückenschild.

Erste Ausgabe. – Neunter Band der Merianschen Topographien, der zwei Jahre vor dem Tod des Herausgebers und Verlegers erschien. – Die Topographien mit den Texten von Martin Zeiller und vor allem (und namensgebend) den Kupferstichen von Matthäus Merian vermitteln mit ihren vielen und teils großformatigen Ansichten einen beeindruckenden Einblick in die städtebauliche Situation der deutschen Länder im frühen 17. Jahrhundert. Viele der Bauwerke und »Skylines« waren allerdings zum Zeitpunkt des Erscheinens der Bände schon nicht mehr wiederzufinden, hatte doch der Dreißigjährige Krieg landesweite Verwüstungen hinterlassen. – Enthält die Karten von Franken sowie Ansichten von Bamberg, Coburg, Kitzingen, Lauf, Neckarsulm, Nürnberg (Vogelschau, Grundriss, Panorama, Fleischbrücke und Rathaus), Rothenburg ob der Tauber, Schweinfurt (Vogelschau, Panorama und St. Johannis) und Würzburg. – Aus der Bibliothek des Stuttgarter Industriellen Gustav Siegle (1840–1905), der Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich zum Aufstieg der BASF beitrug. Die Stuttgarter Antiquariatsmesse fand viele Jahre im Stuttgarter Gustav Siegle-Haus statt. – Einband des 19. Jahrhunderts, insgesamt schönes Exemplar, der Kupfertitel und viele Wappenkartuschen koloriert.

30,8 : 21,3 cm (Einband), 29 : 20 cm (Buchblock). IV, 78, [10]; 56, [8] Seiten, 49 Kupfer. – Rückenschild mit Randläsuren. – Buchblock knapp beschnitten. Titelkupfer etwas fingerfleckig, vereinzelt leicht stockfleckig.

Wüthrich IV, 39. – Schuchhard 40 A

786  Georgius Agricola. De re metallica

€ 2500

libri XII. Quibus officia, instrumenta, machinæ, ac omnia denique ad metallicam spectantia […] De animantibus subterraneis […] Basel, Emanuel König 1657. Mit Titelholzschnitt, zwei gefalteten Holzschnitt-Tafeln und 270 Textholzschnitten, davon 67 blattgroß. Pergamentband der Zeit mit Wappensupralibros auf beiden Deckeln und vergoldetem Besitzvermerk auf dem Vorderdeckel.

Erste und einzige lateinische Gesamtausgabe der Werke Agricolas, enthält der Band doch auch die sechs Anhänge »De animantibus aubterraneis«, »De orto et causis subterraneorum«, »De natura eorum quae effluunt ex terra«, »De natura fossilium«, »De veteribus et novis metallis« und »Bermannus, sive de re metallica«. – Das bedeutendste Werk der Renaissance auf dem Gebiet von Bergbau und Metallurgie und der damaligen Technik überhaupt. – Die ebenso zahlreichen wie prachtvollen Holzschnitte illustrieren Agricolas Erklärungen von Bergwerken und deren Fördertechnik bis hin zur Verarbeitung von Erzen, Kohle und Gestein. – Der Sachse Georg Agricola (1494–1555) gilt als »Vater der Mineralogie« und Begründer der Montanwissenschaften. Als hervorragender Renaissancegelehrter erreichte er überregionale Bedeutung. – Vorderdeckel außer dem Wappen mit goldgeprägter Beschriftung: »Churfürstlich Sachsisch. Ober und Bergambt Freyberg« und »1682«.

34,5 : 21,0 cm. [10], 708, [90] Seiten. – Vordergelenk oben eingerissen, Rücken etwas fleckig. – Stempel auf Titel (ausgekratzt). – Durchgehend etwas gebräunt.

VD17 3:309843V. – Darmstädter, Agricola S. 45/46 f. – Michaells/Proscher 58

787  Johann Gottfried Gregorius. Die curieuse Orographia,

€ 600

Oder accurate Beschreibung derer berühmtesten Berge in Europa, Asia, Africa und America […] in Alphabetischer Ordnung. Frankfurt, Leipzig und Erfurt, Hieronymus Philipp Ritschel 1715. Mit einem gestochenen Frontispiz. Späterer Lederband.

Sehr seltene erste und zugleich einzige Ausgabe der ersten geographischen Spezialenzyklopädie. – Der Autor, als Hauslehrer in Arnstadt tätig, verfasste eine Vielzahl von Büchern zur Regionalgeschichte und Geographie. Seine »Orographia« umfasst Berge aus aller Welt, deren Besonderheiten und Geschichte er ausführlich beschrieb. In alphabetischer Folge stehen Aetna und Alpen neben Burg Altenburg, auf den Brocken folgt der Calvarienberg Golgatha usw. – Das Register verzeichnet besondere Ereignisse und Personen, die mit bestimmten Bergen in Verbindung stehen. – Das Frontispiz vereint kleine Ansichten berühmter Berge, darunter Ararat, Tafelberg, Aetna und Vesuv.

18,0 : 10,5 cm. [40], 728 (pag. 727), [16] Seiten, 1 Kupfer. – Vordergelenk brüchig. – Frontispiz und Titel im Falz etwas verklebt.

788  E. B. A.. Der in allen Vorfällen vorsichtige Banquier,

€ 450

Oder: Gründlich und Deutliche Anweisung, Was Ein Banquier in seinem Negotio, auch allen und jeden darin vorkommenden Fällen […] seine Handlungen vorsichtig führen könne. Prag und Nürnberg, Johann Friedrich Rüdiger 1733. Pergamentband der Zeit.

Erste und offenbar einzige Ausgabe. – Der anonyme Verfasser wird in keiner der maßgeblichen Bibliographien und auch im KVK nicht ermittelt. Das Buch ließ er auf eigene Kosten drucken, der Nürnberger Buchhändler Rüdiger übernahm den Vertrieb in Kommission. – Angesichts der Erfahrungen der Finanzkrise 2008, den zahlreichen Klagen gegen bekannte Bankhäuser und dem jüngsten Skandal um einen deutschen Finanzdienstleister sind besonders die ausführlichen Überlegungen zu den Anforderungen an einer Banker (er sei erfahren, redlich und aufrichtig, verschwiegen, reell und prompt sowie exakt) lesenswert und unterhaltsam. Alle Aspekte des Bankwesens und besonders des Wechselgeschäfts werden ausführlich erläutert, im zweiten Teil werden 104 »Kauffmanns-Parere« – Grundlagen der damals gültigen Wechselordnungen – kommentiert. – Es erschien noch ein zweiter Band mit internationalen Wechselordnungen. – Schönes Exemplar.

21,0 : 17,5 cm. [8], 502, [50]; 263, [1] Seiten.

Nicht bei Kress. – Humpert 6791

789  Johann Rudolf Schellenberg. Studien für geübtere Anfänger.

€ 800 ( R5 )

Ein Duzend [sic!] neue abwechselnde Gegenden. Winterthur 1781. Zwölf Kupferstiche. Fadengehefteter Umschlag der Zeit.

Sehr schönes Exemplar der seltenen ersten Ausgabe. – Die Folge der großformatigen Kupfer, die im Kunststudium als Vorlage dienen sollten, enthält das Titelblatt, eine Tafel mit zwei Motiven und elf weitere reizende Kupferstiche, meist mit Schweizer Landschaften mit figürlicher Staffage. – Johann Rudolf Schellenberg (1740–1806) zählt zu den bekanntesten Schweizer Künstlern des Vorklassizismus. Die Reihe der von ihm illustrierten Bücher ist lang (Biblische Geschichten, Sittenlehre), zu zahlreichen Werken steuerte er Kupferstiche bei (Lavaters Pyhsiognomie). Viele Kupferstecher der Zeit wurden von ihm ausgebildet.

15 : 11 cm. (Kupfer), 27,5 : 21,5 cm (Umschlag). – Der Umschlag etwas stockfleckig, die Kupfer sehr schön.

Lonchamp 2633. – Brun, Schweizer Künstlerlex. III, 33, 14

790  [Johann Wolfgang von Goethe]. Die Vögel. Nach dem Aristophanes. Erster Ackt.

€ 3000

Handschrift auf Papier. [Weimar, wohl Anfang 1781]. Pappband der Zeit.

Abschrift der ursprünglichen Fassung, angefertigt von Goethes Sekretär Christian Georg Karl Vogel in brauner Tinte, mit Echtheitsbestätigung durch Dr. Jürgen Behrens (Frankfurter Goethe-Museum) vom 23.11.1989. – Auf starkem englischem Bütten (Wasserzeichen). – Nach den Angaben bei W. Arndt, der 1886 eine kommentierte Druckfassung des Gothaer Manuskripts herausgab, sind die Einbände des Gothaer und des vorliegenden identisch, beides Pappbände in »gelber Steinfarbe.
Das kleine Stück wurde im August 1780 im Liebhabertheater Ettersburg mit Goethe in der Rolle des Schriftstellers »Treufreund (als Scapin)« uraufgeführt. Die literarisch-politische Satire »voller Muthwillen, Ausgelassenheit und Thorheit« (Goethe) bezeichnete Wieland in einem Brief an J. H. Merck als »Goethens Epops maximus cacaromerdicus« und fährt begeistert fort: »Außer der mächtigen Freude, die der Herzog und die Herzoginmutter an diesem aristophanischen Schwank gehabt hat, ist’s auch für Goethens Freunde tröstlich zu sehen, daß er mitten unter den unzähligen Plackereien seiner Ministerschaft noch soviel gute Laune im Sack hat«. – Belegt ist, dass Goethe kurz nach Fertigstellung ein oder zwei Abschriften des (inzwischen verloren gegangenen) Originalmanuskripts anfertigen ließ, wahrscheinlich beide durch seinen Sekretär Vogel, in dessen »ungemein sauberer und zierlicher« Handschrift. Eine Abschrift korrigierte Goethe eigenhändig. Bevor er diese dem Prinzen August von Gotha übersandte, fertigte Vogel die vorliegende Abschrift an, in der die Korrekturen eingearbeitet sind. Besonders bedeutend ist das nur hier enthaltene ausführliche Personenverzeichnis, das im Gothaer Manuskript fehlt und in den Druckfassungen gekürzt wurde. Für den Druck bei Göschen 1786 überarbeitete Goethe den Text nochmals und ersetzte unter anderem eine etwas anstößige Szene.

20,2 : 16,5 cm. Kollation (einschließlich der Vorsatzblätter): Blatt 1 recto/verso leer, 2r Titel, 2v leer, 3r Personen, 3v leer, 4–47r/v und 48r Text, 49v und 50r/v leer.

Literatur: Gräf, Goethe II-4, S. 392ff. – Provenienz: Erworben 1989 im Hamburger Antiquariat (mit einer dankens-, lese- und lobenswerten Beschreibung durch Henning Kluger), seitdem in deutscher Privatsammlung. – Einband leicht berieben, Ecken gering bestoßen. – Innen tadellos, die Blätter später mit Bleistift paginiert

791  [Johann Wolfgang von] Goethe. Clavigo.

€ 400

Ein Trauerspiel. Leipzig, Weygandsche Buchhandlung 1774. Pappband der Zeit mit Buntpapierbezug und Rückenschild.

Erster Druck der ersten Ausgabe mit allen bei Hagen genannten Merkmalen. – Goethe schrieb das Trauerspiel im Frühjahr 1774 innerhalb weniger Tage. Bereits im Sommer lag es gedruckt vor. Erstmals wurde der Name des Dichters auf dem Titel genannt, alle vorherigen Texte – auch der »Götz« – erschienen noch anonym. Im August 1774 wurde das Stück in Hamburg uraufgeführt. – Unbeschnittenes Exemplar auf festem, gelblichem Papier und in schöner zeitgenössischer Kartonage. – Provenienz: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, später Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1809). Auch die KatNrn. 792–794 stammen aus dem Besitz des Hamburger Antiquars und Auktionators (1901–1983). Spätestens mit dem Auktionskatalog seiner Sammlung (1795 Katalognummern, bearbeitet von Susanne Koppel unter Mithilfe von Klaus Hänel und Brigitte Reimers) verstand man Hauswedells wiederholt getätigte Aussage, er sei »Händler und kein Sammler«, die er 1968 in einem Privatdruck zur Stuttgarter Antiquariatsmesse mit dem Ausspruch »Mao sammelt auch nicht« noch unterstrich, als hanseatische Untertreibung.

17,5 : 11,1 cm. – Rücken etwas verblasst. – Minimal fleckig.

Goedeke IV/3, 159, 2. – Hagen 64 D1. – Slg. Kippenberg 352

792  [Johann Wolfgang von Goethe]. Die Leiden des jungen Werthers.

€ 800

Erster [und] Zweyter Theil [in einem Band]. Leipzig, Weygandsche Buchhandlung 1774. Mit einer gestochenen Titelvignette von Oeser und zwei Holzstichvignetten, auf Titel 2 und am Schluss. Marmorierter Lederband des 19. Jahrhunderts mit Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild. Rot-weiße Kleisterpapiervorsätze.

Erste Ausgabe, zweiter Druck mit den korrigierten Druckfehlern. An Stelle des Druckfehlerverzeichnisses auf Seite 224 nun die Holzstichvignette »Sense mit Sanduhr«. – Man darf getrost behaupten, dass Goethe nach »Götz« und »Clavigo« spätestens mit diesem Buch seinen Weltruhm begründet hat. Der Briefroman mit dem bekannt-tragischen Ende hat nicht nur Scharen von Nachahmern – sei es im Hinblick auf das Werther-Gewand oder den Freitod aus verschmähter Liebe – gefunden, sondern auch viele Schriftsteller inspiriert. – Sehr selten. – Provenienz: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, später Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1811).

16,3 : 10,0 cm. 224 Seiten. – Kanten teils leicht berieben. – Auf etwas einfacherem Papier als der Estdruck. – Titelblatt 1 mit kleinem hinterlegten Ausschnitt und im Falz etwas fleckig. Durchgehend leicht fleckig.

Goedeke IV/3, 163, 3. – Hagen 80 D1a. – Nicht in Slg. Kippenberg. – Dorn 271

793  [Johann Wolfgang von] Goethe. Der Triumph der Empfindsamkeit.

€ 500

Eine dramatische Grille. Ächte Ausgabe. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1787. Halblederband der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild und hübscher Rückenvergoldung.

Erste Einzelausgabe. – Sonderdruck (mit dafür gedrucktem Titelblatt) aus dem vierten Band der »Schriften« nach Entfernung der Bogennorm und Verrückung der Paginierung. – Der epochale Begriff »empfindsam«, der sich sogleich in der deutschen Dichtung verbreitete, wurde »zum erstenmal gebraucht von Bode, der in der vorrede zu Yoricks empfindsamer reise (1768) erzählt, dasz Lessing es ihm als übersetzung von sentimental empfohlen habe« (Grimms Wörterbuch). – Schönes unbeschnittenes Exemplar auf stärkerem Papier. – Exlibris Goethe-Sammlung Edwin Redslob (mit dessen Zusatz »Dublette!«) und seinem Besitzvermerk auf dem Vorsatzblatt. – Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1313).

16,9 : 11,0 cm. [2], 118, [2] Seiten. Etwas berieben und leicht fleckig. – Ränder von Titel und Schlussblättern leicht gebräunt.

Goedeke IV/3, 232, 37. – Hagen 185. – Kippenberg 1358. – Dorn 344

794  [Johann Wolfgang von] Goethe. Faust.

€ 800

Ein Fragment. Ächte Ausgabe. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen 1790. Marmorierter Pappband um 1900.

Erste Einzelausgabe, zweiter Druck, da mit der Zeilenwiederholung auf den Seiten 144/145 und allen weiteren bei Schulte-Strathaus beschriebenen Merkmalen des Doppeldrucks Sm. Anton Kippenberg galt im Übrigen diese Variante als Erstdruck. – Goethes »Faust«, der ihn über Jahrzehnte beschäftigte, – 1808 erschien die vollendete Fassung von Teil 1, 1833, also erst aus dem Nachlass, der Tragödie zweiter Teil – gilt als die berühmteste dramatische Dichtung der deutschen Nationalliteratur. Das Faust-Fragment erschien 1790 auch im siebten Band der »Schriften« (Göschen 1787–1790). – Ehemals Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1318).

16,0 : 9,8 cm. [2], 168 Seiten. – Vordergelenk minimal angeplatzt. – Leicht gebräunt. Titel mit Besitzvermerk.

Goedeke IV/3, 611, 2. – Hagen 204. – Slg. Kippenberg 2377

795  J[ohann] W[olfgang] von Goethe. Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären.

€ 600

Gotha, Carl Wilhelm Ettinger 1790. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts mit drei vergoldeten Rückenschildern.

Erste Ausgabe, erster Druck. – Die Herausgabe dieser naturwissenschaftlichen Schrift wurde von Göschen abgelehnt. Nicht zuletzt diese Entscheidung führte zum Bruch Goethes mit seinem Hausverlag: »Ich konnte schwer begreifen, warum er [Göschen] mein Heft zu drucken ablehnte, da er im schlimmsten Falle durch ein so geringes Opfer von sechs Bogen Makulatur einen fruchtbaren, frisch wieder auftretenden, zuverlässigen, genügsamen Autor sich erhalten hätte« (Goethe). – Goethe versuchte in diesem Werk – lange vor Darwin –, die Entwicklung der Pflanzen aus einer Urform zu erklären. Vor dem Druck legte Goethe sein Manuskript dem Jenaer Botaniker Bartsch zur Überprüfung und Begutachtung vor. – Sehr schönes fleckenfreies Exemplar auf festem Papier. – Aus der Bibliothek der Franziska von Hohenheim (1748–1811, zunächst Mätresse, seit 1785 zweite Ehefrau von Herzog Carl Eugen von Württemberg, seit 1790 Herzogin von Württemberg) mit den typischen grün-rot-goldenen Rückenschildern.

17,5 : 11,5 cm. [4], 86, [2] Seiten. – Titel mit fast vollständig gelöschtem Stempel.

Goedeke IV/3, 576, 17. – Hagen 211. – Kippenberg 368

796  [Johann Wolfgang von] Goethe. West-oestlicher Divan.

€ 400

Stuttgart, Cotta 1819. Mit gestochenem Doppeltitel von C. Ermer. Blauer Orginalinterimsumschlag.

Erste Ausgabe. – Mit der korrekten Titelzeile »Talismane« auf Seite 9. Die als Viertelbogen zum Austausch gedachten Korrekturseiten 7–10 wurden im letzten Bogen des Buches gedruckt und sind im vorliegenden Exemplar eingeheftet. – Im August 1814 reiste Goethe nach 17 Jahren erstmals wieder in seine Heimatstadt Frankfurt. In Wiesbaden traf er den Bankier Johann Jakob Willemer und dessen Lebensgefährtin Marianne Pirngruber, die österreichische Sängerin, die Willemer 1814 – wahrscheinlich auf Goethes Anraten – heriratete. Auch der 65jährige Dichterfürst fühlte sich zu der jungen Frau hingezogen. Aus der beiderseits leidenschaftlichen Beziehung entstanden einige der schönsten Gedichte des Bandes, die zum Teil von der Hand der Verehrten stammen. In seiner »Suleika« setzte Goethe Marianne von Willemer ein bleibendes Denkmal. – Meist noch unaufgeschnittenes, deshalb ganz breitrandiges Exemplar.

19,8 : 11,5 cm. 2 Kupferstiche, 556 Seiten. – Die Broschur mit Einrissen und kleinen Fehlstellen, der Buchblock verzogen. – Der Doppeltitel außen mit kleinem Wasserflecken.

Goedeke IV/3, 492, 110.I. – Hagen 416. – Slg. Kippenberg 400. – Fischer, Cotta 1189. – Dorn 361

797  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre

€ 300

oder Die Entsagenden. Ein Roman. Erster Theil [alles Erschienene]. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1821. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts mit grün-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Die elf Gedichte bzw. Sprüche auf den Vorblättern im Erstdruck, die einzelnen Novellen des Romans, der unvollendet blieb, erschienen seit 1809 im »Taschenbuch für Damen«.

16,2 : 10,5 cm. [8], 550, [2] Seiten. – Einband etwas bestoßen und berieben. – Sauberes Exemplar, nur die ersten 6 Blätter etwas wasserrandig. – Vorsatz mit Besitzvermerk »A. v. Brandenstein 1855«.

Goedeke IV/3, 434. – Hagen 425. – Fischer, Cotta 1300. – Slg. Kippenberg 402. – Dorn 388

798  Jean Paul – Ludwig Roentgen. Gebetbuch aus Romanen gezogen.

€ 400

Der Rhapsodieen [Erstes bis] Drittes Heft. Zweyte rechtmäßige Auflage (Hefte 1 und 2). Neuer marmorierter Pappband.

Erste vollständige Ausgabe. Die ersten beiden Hefte erschienen 1801 zunächst im Selbstverlag unter dem Titel »Rhapsodieen zum Genuß der Morgenstunden eines ganzen Jahres. Für höhere und bessere Menschen«. Die gemeinsamen Freunde des ostfriesischen Theologen Roentgen, Jean Paul und Emanuel Osmund, hatten sich um 1804 bei der Bayreuther Buchhandlung J. A. Lübecks Erben offenbar mit Erfolg für eine Neuauflage eingesetzt. Jean Paul regte den neuen Titel an, den Roentgen begeistert aufgriff und auf die neuen Titelblätter »jetzt hat das Buch seinen rechten Namen« setzen ließ. – Der Verfasser formulierte – ganz im Geiste und Stil des von ihm hochverehrten Jean Paul – Betrachtungen und Belehrungen auf »alle« Tage des Jahres, es erschienen allerdings nur diese drei Teile, die vom 1. Januar bis 6. Juni reichen. – Als Einleitung zum zweiten Heft wurde der kurze Briefwechsel zwischen Jean Paul und dem Verfasser verwendet, hier im Erstdruck. Hefte 2 und 3 mit beiden Titeln, alt und neu, Heft 3 erschien 1805 in erster Auflage. – Selten.

16,0 : 16,3 cm. XX, 314; [2], XVI, 310; VIII, 286 Seiten. – Gelegentlich etwas stockfleckig.

Berend /Krogoll 400 Anmerkung

799  Friedrich Nietzsche. [Ecce homo]. Aus Friedrich Nietzsches Leben.

€ 300

Seinen eigenen Aufzeichnungen entlehnt. Mitgeteilt von M. G. Conrad. – In: Die Gesellschaft. Monatsschrift für Litteratur und Kunst. Herausgegeben von M[ichael] G[eorg] Conrad und Karl Bleibtreu. Leipzig, Wilhelm Friedrich, September 1890.

Erstdruck dieser frühesten Auszüge aus Nietzsches Autobiographie, die vollständig erst 18 Jahre später unter dem Titel »Ecce homo« erscheinen sollte. – In Heft 9, Seiten 1253–1262. In Heft 10 folgte Leo Bergs Nietzsche-Essay und das Porträt des Philosophen. – Michael Georg Conrad (1846–1927), der Herausgeber der Zeitschrift, hatte Zugang zum Manuskript erhalten und publizierte umfangreiche Auszüge aus den Kapiteln »Warum ich so klug bin« und »Warum ich so weise bin« und eine Schlussbemerkung. – Die für den deutschen Naturalismus wichtige Zeitschrift, »die eine deutsche Erneuerung aus den Ideen Nietzsches und Wagners anstrebte« (Kafemann, zitiert nach Krummel), erschien teils im Eigenverlag der Herausgeber. Zu diesen zählten neben dem Schriftsteller Conrad, der die Zeitschrift gründete, Karl Bleibtreu, Hans Merian, Ludwig Jacobowski und Alfred Gotendorf. – Hier die vollständige Folge der Jahrgänge 1–8 (1885–1892), außer Band I alle in den Originalleineneinbänden.

24,5 : 16,0 cm. – Pappeinband 1 beschädigt, sonst sehr gut erhalten. Teils dezente Besitzerstempel rückseitig auf den Titelblättern.

Krummel I, 194 AE. – Schaberg S. 256 Anmerkung. – Dietzel/Hügel 1162. – Schlawe I, 19ff