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Einbände | Hesse-Auktionen
Einbände

841  Einbände – Ziegelroter Ecrasélederband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 1200

mit reicher ornamentaler Vergoldung. – Inhalt: Friedrich Schiller. Die Räuber. Ein Schauspiel. München, Hyperionverlag Hans von Weber 1912.

Dritter Hyperiondruck. – Eins von 100 römisch nummerierten Exemplaren auf Hundertbütten (Gesamtauflage 657, davon sieben auf Pergament und 550 auf Van Gelder-Bütten, so die ersten fünf Hyperiondrucke ). – Gedruckt bei Joh. Enschede en Zonen, Haarlem. – Auch für seine »Hyperiondrucke« »wählte der auch im Herstellerischen genießerische Verleger seltene Typen früherer Jahrhunderte, wie sie bei Enschedé und bei anderen alten Druckereien […] anzutreffen waren« (Schauer I, 102). Die Hyperiondrucke wurden auch an die Mitglieder der Vereinigung »Die Hundert« ausgegeben und wie bei dieser Reihe erfolgte die Auswahl der verwendeten Drucktypen durch Beschluss der Subskripenten. – Prachtvoller unikaler Handeinband: Beide Deckel mit breiten Deckelbordüren aus verschlungenen Kreislinien, fünf Rückenfelder mit mehreren Fileten gerahmt, das sechste mit dem vergoldeten Rückentitel. Der Kopfschnitt vergoldet, Seiten- und Unterränder unbeschnitten. – Makellos erhalten, mit Schutzpapierumschlag und gefütterter Halbleinenkassette.

27,7 : 20,6 cm. 140, [4] Seiten.

Rodenberg

842  Einbände – Friedrich Hölderlin. Elegien.

€ 450

Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1920. Schwarzer Originalbastardlederband. Deckeltitel, Deckel- und Innenkantenfileten sowie der Kopfschnitt vergoldet (signiert: O. Dorfner, Weimar). Mit Schutzpapierumschlag und Schuber.

Unnummeriertes Belegexemplar aus dem Nachlass Otto Dorfners, wie die 50 Vorzugsexemplare auf Japanpapier gedruckt und in nachtschwarzes indisches Schafsleder gebunden (Gesamtauflage 550). – Die Auswahl der Hölderlin-Elegien besorgte Hermann Kasack. – Gedruckt wurde bei Drugulin in Leipzig, dabei das jeweils erste Wort eines Gedichts in Blau. – Neben einigen Einzelausgaben edierten Friedrich Seebaß und Hermann Kasack 1920/21 die Hölderlin-Werkausgabe des Kiepenheuer-Verlags. – Tadellos schönes Exemplar.

25,2 : 20,0 cm. [2], 59, [3] Seiten.

Seebaß S. 20 (irrtümlich unter 1921). – Berger, Kiepenheuer 39

843  Einbände – Senfgelber Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 800

mit reicher ornamentaler Vergoldung. – Inhalt: Bertold Georg Niebuhr. Carsten Niebuhrs Leben. München, Rupprechtpresse 1921.

Elftes Buch der Rupprechtpresse. – Eins von 150 Exemplaren. – Gesetzt aus der Garmond Schwabacher, Handabzug auf Bütten. – Gedruckt unter Leitung von F. H. Ehmcke im Auftrag von Walter C. F. Hirth. – Prächtiger Handeinband, beide Deckel mit in den Eckfeldern verschlungenen Bändern aus vergoldeten Fileten. Zwei der sechs Rückenfelder, die durch Doppelbünde getrennt werden, sind mit Fileten vergoldet, eines mit dem Titel in Goldprägung. Die Stehkanten ziert eine einfache, die Innenkanten dreifache Fileten. Auch der Kopfschnitt des ansonsten unbeschnittenen Bandes wurde vergoldet. – Otto Dorfner, der häufig einfarbige Vorsatzpapiere bevorzugte, verwendete hier gelbliches Büttenpapier. – In gefütterter Hableinenkassette, diese von Otto Dorfner eigenhändig beschriftet. – Carsten Niebuhr war einer der bedeutendsten Forschungsreisenden im 18. Jahrhundert. Seine »Reisebeschreibung nach Arabien und andern umliegenden Ländern« galt bis ins 20. Jahrhundert als Grundlagenwerk. Die Biographie, verfasst von seinem Sohn, erschien erstmals 1817. Die Neuausgabe erfolgte durch Wilhelm Niemeyer.

28,2 : 19,2 cm. 49, [3] Seiten. – Einband mit winzigen Stockflecken, ebenso das Futter der Kassette.

Rodenberg 130, 11. – Backe S. 140f

844  Einbände – Brauner Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 800

Punktlinien der Deckelkanten, Deckelvignette, Innenkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Ernst Müller. Lasset die Hände mir los! Einige ausgewählte Gedichte. Offenbach, Wilhelm Gerstung 1921.

15. Rudolfinischer Druck. – Exemplar 76 einer nicht genannten Auflage (nach Rodenberg 100 Exemplare). – Zwei Zierstücke, fünf Initialen und das Pressensignet wurden von Rudolf Koch mit Aquarellfarbe eingemalt. – Auf Van Gelder-Velin. – Der kleine Band enthält fünf Gedichte des bereits mit 16 Jahren verstorbenen Dichters. Der Darmstädter Gymnasiast zählte zu den Gründungsmitgliedern der literarischen Zeitschrift »Die Dachstube«. – Die Rudolfinischen Drucke wurden von dem Schriftkünstler Rudolf Koch und Rudolf Gerstung geschaffen. Den Vertrieb übernahm der Verlag von Rudolf Gerstungs Bruder Wilhelm. – Tadellos erhaltenes Exemplar in schönem Einband. Makellos, mit Schutzpapierumschlag und in einer gefütterten Halbleinenkassette.

17,4 : 12,3 cm. [16] Seiten.

Rodenberg 126, 15

845  Einbände – Ziegelroter Ecrasélederband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 400

Deckelfileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: J. W. Goethe. Zuschriften und Erinnerungsblätter. Aus den Jahren 1807 – 1832. Stuttgart, Julius Hoffmann 1923.

Neunter Druck der Juniperus-Presse. – Eins von 200 Exemplaren. – Hergestellt in den Werkstätten der Kunstgewerbeschule Stuttgart. – Die Juniperus Presse wurde von F. H. Ernst Schneidler begründet, die Pläne entstanden noch in seiner Berliner Zeit, nach Rodenberg 1914 auf einem Spaziergang durch Wacholdersträucher im Grunewald (Wacholder = juniperus). »Die […] Drucke legen durch ihre schlicht künstlerische und technisch sachgemäße Form Zeugnis von dem bedeutenden Können der jungen Presse ab« (Rodenberg). – Tadellos schönes Exemplar in dekorativem Handeinband. – Mit Schutzpapierumschlag und in gefütterter Halbleinenkassette.

15,8 : 9,8 cm. [4], 56, [4] Seiten.

Rodenberg 99, 9. – Büttner/Koch/Ziegler, S. 326

846  Einbände – Grüner Saffianlederband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 450

Titel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Johann Wolfgang von Goethe. Zum neuen Jahr. Heidelberg, Richard Weißbach [1928].

Neujahrsgabe des Heidelberger Verlages. – Satz und Druck aus einer (unserer Meinung nach etwas zu) großen Frakturschrift bei Joh. Enschede en Zonen in Haarlem. – Auf Bütten. – Der leuchtend grüne Handeinband wurde mit vergoldeten Fileten auf den Bünden, Deckel-, Steh- und Innenkanten verziert. Vorsatzblatt und Spiegel wurden mit grauem Marmorpapier bezogen. – Tadelloses Exemplar mit Schutzpapierumschlag und in einer gefütterten Halbleinenkassette.

22,9 : 18,6 cm. [8] Blätter.

847  Einbände – Leuchtend roter Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 1200

mit reicher Fileten- und Bordürenvergoldung. – Inhalt: Hans Fürstenberg. Das französische Buch im achtzehnten Jahrhundert und in der Empirezeit. Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen 1929.

Eins von 1500 Exemplaren auf Bütten, weitere 88 nummeriert auf »mattem Löwen-Bütten«. – Das umfassende Werk verfasste der große Bibliophile Hans Fürstenberg (1890–1982). Sein beträchtliches Privatvermögen, das er durch seine Tätigkeit als Bankier der Berliner Handels-Gesellschaft erwarb und mehrte, war die Grundlage für seine spektakuläre Sammlung. – Etwa ein Drittel des Buches nehmen chronologische Tabellen, Bibliographien und die ausführlichen Register ein. – Otto Dorfner, der Buchbinder des Bauhauses und Anhänger einer sachlichen Einbandgestaltung, »überwand« für den vorliegenden Einband, den er auch auf Ausstellungen zeigte, diese Präferenz und schuf mit floralen Rankwerkbordüren und in der Kombination von »maroquin rouge« und Gold ein frankophiles Meisterwerk. Jeder Deckel wird von sieben Fileten und einer Bordüre umrahmt, der Rücken durch Fileten und Bordüren gegliedert. Auch Innen- und Stehkanten mit Fileten und Bordüren, alle handvergoldet. Der Kopfschnitt wurde vergoldet und poliert. Vorsätze aus Marmorkleisterpapier. – Tadellos erhalten, in gefütterter Halbleinenkassette, die von Dorfner beschriftet wurde.

30,4 : 24,0 cm. VIII, [2], 431, [3] Seiten.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930, S. 9

848  Einbände – Julius Rodenberg. Die Druckkunst als Spiegel der Kultur in fünf Jahrhunderten.

€ 300

Berlin 1942. Mit zahlreichen, teils zweifarbigen blattgroßen Illustrationen und beigehefteten Originalbeispielen. Pergamentband mit Vergoldung (Otto Dorfner, Weimar).

Opulent in Inhalt und äußerer Gestalt: Schwere Buchdeckel mit stark gemasertem Pergament bezogen, die Titel auf Rücken und Vorderdeckel vergoldet, der Vorderdeckel am Gelenk, der Rücken an den Kapitalen jeweils mit einer breiten vergoldeten Filete. Der Kopfschnitt wurde ebenfalls vergoldet. – Mit Schutzpapierumschlag und Schuber, dieser von Otto Dorfner eigenhändig beschriftet. Der Einband wurde nicht signiert, stammt aber aus dem familiären Nachlass Dorfners. – Der Kunsthistoriker und Bibliograph Julius Rodenberg (1884–1970) hat eine Vielzahl von Publikationen, besonders zur modernen Buchkunst und Bibliophilie des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Als Bibliotheksrat der Deutschen Bücherei legte er in Leipzig eine der bedeutendsten buchkünstlerischen Sammlungen an.

26,5 : 20,5 cm. 568 Seiten, ca. 32 Beilagen.

849  Einbände – Brauner Maroquinband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 500

mit Vergoldung, Schutzpapierumschlag und Schuber. – Inhalt: Edwin Redslob. Goethes Begegnung mit Napoleon. Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen 1944. Mit Abbildungen auf vier Tafeln.

Fünfter Werkdruck der Gesellschaft der Bibliophilen. – Typographische Gestaltung und Druck von Carl Ernst Poeschel, »dem führenden Drucker Deutschlands«, der am 19. Mai 1944 verstorben war. – Gewidmet Anton Kippenberg, »dem großen deutschen Verleger, Goethesammler und Förderer deutscher Buchkultur« zum 70. Geburtstag. – Angemessen eleganter Einband des Weimarer Buchbinders, den Vorderdeckel zieren zwei Lorbeerkränze, die Goethe und Napoleon ebenso wie Kippenberg und Poeschel zukämen. – Deckelränder, Steh- und Innenkanten sowie Kapitale mit vergoldeten Fileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. – Tadellos erhalten.

21,4 : 14,8 cm. 75, [5] Seiten, 4 Tafeln.

850  Einbände – Halbleder-Pergamentdeckel-Einband von Otto Dorfner, Weimar,

€ 450

mit vergoldeten Titeln, Rückenfileten und Kopfschnitt. – Inhalt: Theo Piana. Weimar. Stätte klassischer Tradition. Bilder von Günther Beyer und Klaus Beyer. Weimar, Volksverlag 1955. Mit 125 ganzseitigen Abbildungen.

Prachtvoll unikal gebundenes Exemplar: Dunkelblauer Maroquinrücken mit vergoldetem Titel und vergoldeten Fileten an den Bünden. Der vordere Pergamentdeckel mit dem Titel in Gold und Blauprägung. In passender Halbleinenkassette mit goldgeprägtem Titel. – Der Bildband bietet Ansichten von Stätten der Weimarer Klassik, Innenansichten, Kunstwerke und Theateraufführungen, alle mit ausführlichen Erläuterungen. – Gesetzt nach der Typographie von Horst Erich Wolter aus Walbaum Schriften, gedruckt bei Offizin Andersen Nexö, Vorblatt mit einer sehr offiziellen Widmung von »Mitarbeitern im Staatsapparat«. – Makellos.

32,0 : 24,8 cm. 161, [3] Seiten.

Heidtmann 17799 (kennt erst eine Ausgabe von 1966)

  851    Einbände – Blindgeprägter Schweinslederband von E. A. Enders, Leipzig

€ 200

(signiert). – Inhalt: Felix Wolff. Ægypten und der Hafen der Ewigkeit. [Leipzig, Insel] 1914.

23. Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von 70 Exemplaren auf Old Stratford-Velin (Gesamtauflage 100). – Der Titel wurde in Gold gedruckt. – Die deutschen Texte wurden nach der englischen Übersetzung von Wallis-Budge übertragen. – Die ornamentale Blindprägung und das weiße Schweinsleder erinnern an Einbände von Enders’ Hamburger Kollegen Franz Weiße.

21,3 : 14,8 cm. 143, [5] Seiten. – Einband etwas nachgedunkelt und an den Gelenken etwas berieben. Deckel leicht verzogen.

Stürz 23. – Rodenberg 76. – Schauer II, 64. – Sarkowski 1929a

  852    Einbände – Cremefarbener Schweinslederband von Walter Gerlach

€ 500

mit ornamentaler Blindprägung, Buntpapiervorsätzen und -spiegeln sowie Schnittbemalung und -vergoldung. – Inhalt: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift deutsch von Martin Luther. 1. Band [mehr nicht erschienen]. Berlin, Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser Verlag [1927]. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen, farbiger Titelbordüre und farbigen Initialen.

Meisterdruck für die Mitglieder des Volksverbandes der Bücherfreunde. – Es erschien lediglich dieser erste Band, der die Geschichtsbücher und die poetischen Bücher des Alten Testaments enthält. – Prachtausgabe der sogenannten »Cranach-Bibel«, der Text nach der Ausgabe von 1545, die Illustrationen von Lucas Cranach nach dem Pergamentexemplar der Ausgabe von 1541 aus dem Besitz der Staatsbibliothek Berlin. – Walter Gerlach schuf einen unikaten Einband, dessen Blindprägung etwas zurückhaltender und moderner wirkt als der Originalentwurf von Kurt Siebert. Die Schnittverzierung in Gold, Rot und Schwarz, mehrfarbig handumstochene Kapitale. – Sehr gut erhalten.

31,2 : 21,5 cm. 967, [1] Seiten. – Deckel minimal angestaubt.

MNE II, 405

853  Einbände – Ziegelroter Maroquinband von Walter Hacker, Leipzig,

€ 450

mit reicher floraler Vergoldung. – Inhalt: Goethe. Pandora. Ein Festspiel. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Zürich, Seldwyla 1923. Mit acht ganzseitigen Holzschnitten.

Fünfter Seldwyla-Druck. – Eins von 300 Exemplaren, im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gedruckt bei Jakob Hegner in Dresden-Hellerau auf Bütten. – Walter Hacker war in den 1920er Jahren Nachfolger von Carl Sonntag in dessen Werkstatt in der Leipziger Sternwartenstraße. In der Zeitschrift »Der Zwiebelfisch« schreibt er 1922: »Ich habe bei der früheren Firma Carl Sonntag jun. als alleinige Spezialität 3 1/2 Jahre nur Pergamentbände gearbeitet, und zwar schon im Jahre 1909; erst 1912 kam Fräulein Thiersch zu Herrn Sonntag, um sich im Bücherbinden weiter auszubilden; ich habe Fräulein Thiersch den Pergamentband gelehrt, bin dann im Jahre 1913 bei Fräulein Thiersch in Stellung gewesen, war danach ebenfalls in Bremen bei der Bremer Presse in der Binderei und habe dort als Alleiniger sämtliche Pergamentbände gearbeitet.« – Auch Leder »konnte« Hacker ganz offensichtlich: Der leuchtend rote Lederband erglänzt durch die breiten floralen Goldbordüren, die Innenkanten mit nur wenig schmaleren. Als Vorsatzpapier verwendete Hacker handmarmoriertes Kleisterpapier, der Kopfschnitt vergoldet, die Kapitale zweifarbig umstochen.

32,6 : 25,4 cm. 94, [6] Seiten.

Rodenberg 469,5

854  Einbände – Gelber Maroquinband von Holzhey und Sohn, Leipzig,

€ 400

mit farbig intarsierten und goldgeprägten Deckelbordüren. – Inhalt: Das Hohe Lied Salomos. Mit Holzschnitten von Ludwig von Hofmann. Berlin, Otto von Holten 1921. Mit elf Holzschnitten, einer davon blattgroß.

Zweites Buch des Verlages Otto von Holten in der von Marcus Behmer gezeichneten Schrift. – Eins von 350 Exemplaren, von denen 50 nicht für den Handel bestimmt waren (Gesamtauflage 380). – Auf Zandersbütten. – Schöner, dekorativer Handeinband, mit stilsicherem Zusammenspiel von farbigen Intarsien und Goldfileten. – Vorsatzblatt mit handschriftlicher Widmung der Familie Holzhey. – Dazu: Das Hohelied Salomos. Strassburg und Leipzig, Josef Singer, um 1920. Kalblederband mit Vergoldung. Eins von 150 Exemplaren. Auf festem Whatman-Papier. Einband mit kleinen Schabstellen.

28,5 : 19,5 cm. [6], 21, [9] Seiten. – Einband etwas unfrisch, hinteres Gelenk angeplatzt. – Vorsatzblatt mit Sammlerstempel. – Innen makellos.

Rodenberg 244, 2

855  Einbände – Dunkelbrauner Maroquinband von Paul Kersten, Berlin,

€ 1200

mit farbigen Lederapplikationen und reicher Vergoldung. – Inhalt: [Claude Henri de Fusée] de Voisenon. Romans et contes. Tome premier [et] second. London 1775. Mit zwei gestochenen Frontispizen.

Sehr origineller und fein gearbeiteter Einband des berühmten Buchbindemeisters Paul Kersten (1865–1943). Er zählt zu den wichtigsten und besten Buchbindern des frühen 20. Jahrhunderts. Als Lehrer der Buchbinderklasse an der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg gab er sein Wissen und Können an später so namhaft gewordene Schüler wie Otto Dorfner weiter. Zusammen mit Carl Sonntag gründete er 1912 den Jakob-Krauße-Bund, eine Vereinigung der führenden Buchbinder der Zeit. Seine Streitlust, deren Opfer Kollegen, Sammler und Verleger vielfach wurden, führte 1923 zur Abspaltung einer neuen Vereinigung, den »Meistern der Einbandkunst«. – Beide Deckel mit Bordüren aus Punktlinien, Streicheisenfileten und Fleurons. Ebenso reich verzierte Kersten die Innenkanten, welche den bestickten Brokat umrahmen, der für Spiegel und Vorsatz verwendet wurde. Sechs Rückenfelder wurden mit Fileten gerahmt und mit Fleurons, Titeln und der Jahreszahl »1775« gefüllt. – Auf den Deckeln als farbige Lederintarsie je eine Vignette, die das berühmte Henne-Ei-Problem verbildlichen. – Die erotischen Erzählungen Voisenons erschienen erstmals 1767, der Nachdruck im Todesjahr. – Sehr gut erhalten.

13,3 : 9,5 cm. 238; 236 Seiten. – 2 Seiten mit leichtem Fleck, eine Blattecke restauriert.

856  Einbände – Pergamentband von Heinz Petersen, Düsseldorf, mit plastischem Rückentitel, vier durchgezogenen Bünden und Messingbeschlägen.

€ 600

– Inhalt: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift […] nach der Übersetzung Martin Luthers. Kleinquart-Ausgabe. Stuttgart, Württembergische Bibelanstalt 1954.

Der Einband Petersen, verbindet Stilelemente des 16. und 20. Jahrhunderts. – Beide Deckel mit je vier »Schonerbeschlägen« aus Messing, deren jeweils zwei an den Seitenrändern zugleich für Schließen verwendet wurden. – Der Rückentitel wurde durch unterlegte Kartonausschnitte plastisch gestaltet. – Der Buchschnitt mit Graphit eingefärbt. – Mit dem Atelieraufkleber Petersens auf einer eingelegten Banderole. – In der gefütterten Originalleinenbox. – Das Buch tadellos, die Leinenbox minimal stockfleckig. – Heinz Petersen (1908–1991) absolvierte seine Ausbildung zum Buchbinder u. a. bei Richard Riemerschmidt an den Kölner Werkschulen und später in Leipzig, wo er an der Staatlichen Akademie u. a. Schüler von Ignatz Wiemeler war. Bereits 1932 gründete er seine Werkstatt und war zunächst in Köln, später in Düsseldorf tätig. Er unterrichtete an verschiedenen Einrichtungen des Rheinlands und zählt zu den Initiatoren des Deutschen Buchbindermuseums im Gutenberg-Museum Mainz.

27,5 : 19,8 cm. 1008, 130, 334, 77 Seiten, teils farbige Karten und Bilddtafeln.

857  Einbände – Gelber Ziegenlederband, monogrammiert »S«, mit zahlreichen farbigen Applikationen und vergoldeten Titeln.

€ 450

– Inhalt: [Johann Wolfgang von Goethe]. Das Römische Carneval. Weimar und Gotha, Ettlinger 1789. [Leipzig und Frankfurt, Insel 1965]. Mit 20 kolorierten Tafeln.

Die zweite Faksimileausgabe des Insel-Verlages. – Die Abbildungen wurden von Georg Schauer von Hand koloriert, die originalen Einbände fertigte Gerd Prade. – Für dieses Exemplar wurde ein unbeschnittener Buchblock verwendet (29 : 23 cm, die Schnittmarken noch sichtbar). – Der vorliegende Einband entstand möglicherweise an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, wir konnten das Monogramm »S« (hinterer Innendeckel, in Goldprägung) nicht entschlüsseln. – Beide Deckel mit 99 applizierten farbigen Lederpunkten und zahlreichen schwarz aufgemalten. Der Titel, in kleinen Versalien goldgeprägt. Türkisfarbene Vorsätze. In einem Halbleinenschuber mit gelben Kanten und türkisfarbenem Bezugspapier.

29,7 : 23,3 cm. 69, [3] Seiten, 20 Tafeln, 1 Beilageblatt (Editionsvermerk).

Sarkowski 605 A

858  Einbände – [Johann Wolfgang von] Goethe. Römische Elegien.

€ 300

Dachau, Einhorn Verlag 1923. Roter Saffianlederband mit vergoldeten Mäander-Bordüren auf den Deckeln, Rückentitel, Steh- und Innenkantenfileten ebenfalls vergoldet (signiert: Frieda Thiersch).

Eins von 1000 Exemplaren, die Nummer in roter Tinte eingemalt. – Unikaler Einband der damals vor allem für die Bremer Presse in München tätigen Buchbinderin, auch Rodenberg erwähnt keine Vorzugsausgabe. – Auf Bütten. – Gedruckt bei Wilhelm Gerstung, gesetzt aus der neuen Antiqua von Rudolf Koch, von dem auch die Satzanordnung stammt. – Dazu: Elegien. Erotica Romana. Faksimile der Handschrift der »Römischen Elegien«. Herausgegeben von Max Hecker. Leipzig, Insel [1920]. Originalpappband und -broschur in -kassette. Eins von 165 Exemplaren (Gesamtauflage 240).

19,0 : 14,6 cm. [4], 27, [1] Seiten. – Der Einband an den Kanten leicht berieben.

Rodenberg 231. – Beigabe: Sarkowski 578

859  Einbände – Dunkelgrüner Maroquinband mit blindgeprägtem Filetenmuster, Titel und Kopfschnitt vergoldet.

€ 600

– Inhalt: Charles Dickens. Oliver Twist. Erzählung aus dem Englischen, vollständig übertragen von Mira Munkh. Berlin 1928. Mit Illustrationen von Gerhard Ulrich.

Möglicherweise Vorzugsexemplar, gedruckt auf besserem Papier, breitrandig und in einem exquisiten, wenn auch unsignierten Einband. Die Deckel mit breiter, kammlinienartiger Filetenprägung und vergoldeten Versalien. – Hellrosa Seidenvorsätze und Spiegel, diese mit doppelter vergoldeter Filete gerahmt. – Im Schuber mit Batikpapierbezug. – Tadelloses Exemplar.

25,5 : 18,5 cm. 512, [6] Seiten.

860  Einbände – Grüner Maroquinband mit Blindprägung und Metallapplikation auf dem Vorderdeckel.

€ 600

– Inhalt: Persönliche Glückwünsche. Herrn Willi Lehmann zum Abschluß seiner fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit im Hause der Otto Elsner KG. Berlin 1934.

Unikales Exemplar. – Anlässlich des 25jährigen Berufsjubiläums erhielt der Kommanditist Willi Lehmann den opulenten Band mit Grußworten von etwa 140 Mitarbeitern der Firma, einige auch mit Zeichnungen. – Der Jubilar scheint bereits 1934 ein strammer Parteigenosse gewesen zu sein. Sein signiertes Porträtfoto am Anfang des Bandes zeigt ihn mit dem Parteiabzeichen der NSDAP, sein Gabentisch (Foto am Ende des Buches) wird von zwei Führer-Porträts gesäumt. – Die 1871 gegründete Druckerei und Verlagsbuchhandlung Otto Elsner zählte zu den Berliner Traditionsfirmen. Der prächtige Einband mit dem montierten Klischee des Verlagssignets entstand sicher in der hauseigenen oder einer angeschlossenen Binderei. – Einige Beilagen (Briefe des Inhabers, Zeitungsausschnitte, Glückwunschtelegramm, Liedtexte der Jubiläumsfeier).

33,0 : 25,0 cm. 150 Blätter. – Stehkanten minimal berieben. – Der Seidenbezug der Vorsatzblätter an den Kanten verschlissen.

  861    Einbände – Willy Baur. Vier zollerische Historien.

€ 300

Privatdruck der Firma Heinrich Maute, Bisingen/Hohenzollern. Bisingen 1953. Mit acht Illustrationen und vier figürlichen Initialen von Herbert Günterberg. Zweifarbiger Ecrasélederband mit reicher Vergoldung.

Unnummeriertes Exemplar, über die sicher nur kleine Auflage gedruckt und hier wohl unikal gebunden. – Auf Japanpapier gedruckt, die Vorsätze aus Pflanzenfaser-Papier. – Beide Deckel werden durch ein vergoldetes Filetenlineament verziert, der Vorderdeckel mit großem Mittelfeld aus grünem Leder und einem aus rotem Leder applizierten »M«. – Der Privatdruck erschien zum 65. Geburtstag des Inhabers der Textilfirma Reinhold Maute, am Ende faksimilierte Unterschriften der Angestellten. – Tadellos.

21,1 : 17,7 cm. 75, [5] Seiten.

862  Zehn Jahre Verlag Kurt Desch.

€ 400

Berichte 1945–1955. – Ein Almanach der Autoren des Verlages Kurt Desch. Wien, München und Basel 1955 und 1963. Mit zahlreichen Porträts und Illustrationen. Originalecrasélederbände mit reicher Blind- bzw. Goldprägung und Schnittvergoldung. Beide in Schuber mit Lederkanten.

Überaus luxuriös gebundene Exemplare der frühen Verlagsalmanache, so wohl nur in kleinster Auflage oder Einzelanfertigungen. – I. Auf Bütten. Rotes Leder, beide Deckel mit vielen kleinen Fleur-de-Lis, dem Signet des Verlages, in Blindprägung. Auch Rückentitel und einige Fileten wurden blindgeprägt. – II. Auf Dünndruckpapier. Blaues Leder, die Lilien in Goldprägung, ebenso das Verlagssignet »D« und der Rückentitel. – Aus den frühen Jahren des damals sehr erfolgreichen Verlages, der 1945 gegründet worden war. »Weil er sich geschickt, wenn auch nicht ganz zutreffend, als politisch Verfolgter darstellte« (Reinhard Wittmann 1991), gewann er durchaus progressive Autoren und erhielt großzügige Unterstützung seitens der alliierten Kontrollorgane. In den 1960er Jahren erschütterten Prozesse und Skandale den Verlag und seinen Gründer.

I: 18,5 : 12,0 cm. 392, [2] Seiten. Tadellos erhalten. – II: 20,3 : 13,0 cm. 851, [3] Seiten. Mit einem montierten Frontispiz. Rücken verfärbt.

  863    Einbände – Neun Werke über Einbandkunst.

€ 300

London, Paris, Berlin u. a. 1900–2004. Alle mit zahlreichen, teils farbigen, teils montierten Tafeln und Abbildungen. Meist Originaleinbände.

I. Modern Book-Plates [… and:] Modern Book-Bindings and their Designers. The Studio, Special Winter-Number 1899–1900. – II. Jean Loubier. Der Bucheinband in alter und neuer Zeit. Berlin und Leipzig [1905]. – III. Deutsche Pressen- und Bibliophile Reihendrucke. Sonderheft vom »Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik. Leipzig 1924. – IV. Festschrift Hübel & Denck. Leipzig 1925. – V. Catalogue de l’exposition la Reliure originale. Paris, Bibliotheque Nationale 1947. – VI. Julius Rodenberg. Otto Dorfner. 1955. –VII. Un demi-siecle de reliures d’art contemporain en France et dans le monde. Exposition.1984. – VIII. 400 Jahre Buchbinder-Innung. München 1996. Festschrift und Katalog in einem Band. Nummeriertes Vorzugsexemplar im Pergamenteinband. – IX. Handeinbände. Internationale Beispiele aus den Jahren 1970 bis 2000, vorgestellt von der Vereinigung »Meister der Einbandkunst«. Hamburg 2004.

  864    Einbände – Zwei Werkverzeichnisse zur französischen Buchbindekunst.

€ 400

Paris, Auguste Blaizot 1965, und Toulouse, Arts et forms 1984. Mit hunderten Tafeln.

I. Pierre Legrain Relieur. Répertoire desriptif et bibliographique de 1236 reliures. Introduction par Jacques Millot. Études sur l’œuvre et l’homme. Paris, Auguste Blaizot 1965. Mit 78 Tafeln, davon sechs farbig. Leinenband. Eins von 600 Exemplaren. Ausführliche Dokumentation des Schaffens des berühmten, jung verstorbenen Buchbinders Pierre-Émile Legrain (1889–1929). – Beschreibung der Einbände nach Verfasseralphabet. Auf Velin von BFK Rives. – II. Marcel Garrigou. Georges Cretté. Études par Harry Vinckenbosch. Toulouse, Arts et Forms 1984. Mit 204 teils farbigen Tafeln und einigen Textabbildungen. Lose Bogen in Originalumschlag in -schuber. Eins von 450 Exemplaren. Ausführliche Dokumentation des berühmten Buchbinders Cretté (1893–1969). Beschreibung von 679 Einbänden, geordnet nach Verfasseralphabet.

33,5 : 26,5 cm. XLVIII, 204, [2] Seiten, 78 Tafeln. – 35,0 : 25,5 cm. [8], 265, [6] Seiten, 204 Tafeln.