ChristianHesse

Lot 751 – 800 | Hesse-Auktionen
Lot 751 – 800

751  Fotografie – The Art and Technique of Color Photography.

€ 500 ( R5 )

A Treasury of Color Photography by the Staff Photographers of Vogue · House & Garden · Clamour. Edited and designed by Alexander Liberman. Documentation compiled by Jonathan Tichenor. Introduction by Aline B. Louchheim. New York, Simon and Schuster · Condé Nast 1951. Mit etwa 200 meist ganzseitigen Abbildungen nach Farbfotografien. Originalhalbleinenband mit illustriertem Schutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Wichtiges Dokument zur Farbfotografie mit zahllosen ausführlich beschriebenen Beispielen aus Mode-, Akt-, Landschafts- und Pflanzenfotografie u. v. m. – Neun der 17 vorgestellten Fotografen signierten bzw. widmeten (mit * bzw. ** markiert) im vorliegenden Exemplar jeweils ihr biographisches Textblatt: Irving Penn, Horst P. Horst**, André Kertesz**, Cecil Beaton**, William Grigsby*, Clifford Coffin, Constantin Joffé, Norman Parkinson**, Haanel Cassidy, Richard Rutledge*, Serge Balkin**, Gjon Mili, John Rawlings, Herbert Matter, Anthony Denney, Frances McLaughlin** und Erwin Blumenfeld**.

33,0 : 25,5 cm. XIV, 225, [1] Seiten. – Schutzumschlag mit kleinen Randläsuren. Untere Ecken leicht bestoßen, auch beim Buchblock.

  752    Künstlerschallplatten – Dorothy Iannone. Dear Dieter. Miss my muse.

€ 200

Langspielplatte. Berlin, Tochnit Aleph 2015.

Exemplar 5/15. – Auf dem Backcover von der Künstlerin signiert und nummeriert. – Mehr ein Multiple als nur eine LP: Doppelcover mit zwei doppelseitigen Farboffsetdrucken in Fotoecken, recto nach einer Zeichnung der Künstlerin, verso ein gemeinsames Foto mit Dieter Roth. Die Schallplatte aus glasklarem Vinyl, als Beilage ein gefaltetes Poster. Auf der Schallplatte veröffentlichte die Künstlerin ihre für Dieter Roth gesprochenen Texte während eines Wiedersehens in Berlin nach langen Trennungsjahren. – In der signierten Vorzugsedition sehr selten und längst vergriffen. – Mit dem Buttonsticker mit einem Ausschnitt des Fotos.

  753    Künstlerschallplatten – Helmut Newton – Melissa Manchester. Emergency.

€ 300

LP. New York, Arista Records 1983.

Front-, Back- und Innencover nach drei Fotografien von Helmut Newton, Frontcover mit Silberstift signiert. – Dazu drei weitere LPs: Francesco Clemente – Mick Jagger. Primitive cool. 1987. CBS 460123 1. – Julian Schnabel – Red Hot Chili Peppers. By the Way. 2002. Warner Bros. LC 00392. – Richard Prince – Sonic Youth. Sonic Nurse. Doppel-LP. 2004. Geffen Records. – Alle sehr gut erhalten.

  754    Künstlerschallplatten – Andy Warhol. Drei LP-Cover nach seinem Entwurf.

€ 200

Zusammen fünf LPs. 1967–1977.

Andy Warhol’s Velvet Underground featuring Nico. Doppel-LP. Polydor/MGM 1967–1969. – The Rolling Stones. Sticky Fingers. Electrola 1971. 1C 064-63152. Das wohl berühmteste Cover aller Zeiten mit dem eingearbeiteten Reißverschluss. Mit dem Beilageblatt. – The Rolling Stones. Love your Live. Doppel-LP. Musidor 1977. CBS 450208 1. Das Doppelcover nach einer überarbeiteten Serigraphie von Warhol. – Gut erhalten.

Album II mit leichtem Wasserrand.

  755    Künstlerschallplatten – Emmett Williams. Poems 1950 – 2003.

€ 200

Langspielplatte. Berlin, Edition RZ 2004.

Exemplar 110/150. – Auf dem Frontcover Filzstiftzeichnung des Künstlers, rückseitig nummeriert, und kleine Zeichnung. – Als Beilage eine Einladungskarte zu einer Ausstellung in Bremen 1994, diese übermalt, signiert, datiert »2004«, betitelt »Poet at work« und nummeriert »110/150«. In ebenfalls bemaltem und nummeriertem Umschlag. – Die LP farbig bedruckt. – Tadellos erhalten.

  756    Künstlerschallplatten – Sechs von Künstlern gestaltete Plattencover.

€ 400

Insgesamt zehn LPs.

I. Horst Janssen – Franz Josef Degenhardt. Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen. Polydor 1973. 2371 380. – II. John Cage Live. Mainz, Wergo 1976. WER 60074. – III. Gottfried Helnwein – Franz Morak. Morak’n Roll. Polydor 1981. 2376 123. – IV. Bon Gruen – Yoko Ono. It’s alright. Polygram 1982. Polydor 2391 559. – V. Lynn Goldsmith – Laurie Anderson. United States Live. Fünf LPs in Originalbox. Warner Bros. 1984. LC 0392. – VI. Robert Rauschenberg – Talking Heads. Speaking in Tongues. Sire Records Company 1983. Cover verfärbt.

757  Prä-Bauhaus – Faschings-Zeitung für das Indische Fest Weimar.

€ 600

Herausgegeben von den Schülern der Grossherzogl. S. Hochschule für Bildende Kunst. Weimar 1913. Mit zahlreichen Illustrationen. Originalbroschur mit Deckelillustration.

Mit Illustrationen von Rudolf Riege (später Bauhaus-Schüler), K. Leitholf und Heinrich Stegemann sowie Texten von Börries von Münchhausen, W. Leitholf und Franz Kaibel. – Das von der Indien-Begeisterung der Jahrhundertwende inspiriertes Fest der Schüler an Van de Veldes Bauhaus-Vorgänger, mit exotischen Kostümen und einer realistisch wirkenden lebensgroßen Elefantenskulptur, fand am 4. Februar 1913 statt. Bemerkenswert und recht unbekannt ist, dass die erste große Ausstellung von Bauhaus-Arbeiten in Indien stattfand (Kalkutta 1922), initiiert durch die Kunsthistorikerin Stella Kramrisch, die Johannes Itten in Wien kennengelernt hatte. »Das Bauhaus in seinen spirituellen und künstlerischen Experimenten war von Anfang an von der Idee Indiens inspiriert. Im Kontext einer Kunstschule stellte die Aufmachung als Inder(in) – oder als kulturell Andere(r) – allerdings auch eine Möglichkeit dar, um die Ablehnung der europäischen Vergangenheit erkennen zu lassen.« (Elisabeth Otto. Das Bauhaus und Indien. OnlineFassung unter artsandculture.google.com). – Seltenes Ephemera.

33,5 : 21,0 cm. [8] Seiten. – Umschlag lose und mit Randläsuren, Unterrand mit Filmoplast überklebt.

758  Programm des Staatlichen Bauhauses in Weimar. – Lyonel Feininger. Kathedrale.

€ 2000

Holzschnitt. 1919. 30,4 : 18,9 cm (32,0 : 19,7 cm).

Das berühmte vierseitige Flugblatt vom April 1919 mit dem von Walter Gropius verfassten Manifest (»Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! […]« und dem Programm des Bauhauses (Gründung, Ziele, Grundsätze, Lehre, Aufnahme). – Prasse kennt Abzüge auf grauem, hellrotem, gelbem und – wie hier – grünem Papier. – Die erste offizielle Verlautbarung des Bauhauses. Es entstand – unter Leitung von Gropius – im Frühjahr 1919 aus der Vereinigung der Großherzoglichen Hochschule für bildende Kunst und Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule. Lyonel Feininger (1871–1956) wurde durch Gropius unmittelbar nach der Gründung des Bauhauses dorthin berufen. Als Konsequenz nach Angriffen der rechtsnationalen Landesregierung in Thüringen, die sich sowohl verleumderisch gegen die Person Gropius’ als auch die Institution selbst richteten, erfolgte der Umzug der Schule nach Dessau. – Das Exemplar aus dem Besitz von Otto Dorfner (1885–1955), dem Buchbinder des Weimarer Bauhauses.

Faltspuren. – Kleine Knitter und Einrisse in den Rändern, zwei Falzeinrisse am Unterrand restauriert.

Wingler 562, A 1. – Prasse, Feininger W 144. – Abbildungen: Wingler Seiten 38–41. – Fleischmann S. 38. – Bauhaus Utopien S. 10

759  Bauhaus – Gerhard Marcks. Das Wielandslied

€ 2500

der älteren Edda in der Übersetzung von R. Simrock. Holzschnitte von Gerhard Marcks. München-Weimar, Bauhaus-Verlag 1923. Zehn Holzschnitte, zwei monogrammiert und datiert, einer betitelt. Mit dem Titelblatt mit Holzschnitt-Signet lose in Originalhalbpergamentmappe (Otto Dorfner).

Erstes Mappenwerk von Gerhard Marcks. – Die vollständige Folge, acht Holzschnitte auf gelblichem Japan-, zwei auf geripptem Büttenpapier. – Der erste Holzschnitt monogrammiert, datiert und betitelt »Die Walküren«, der neunte monogrammiert, datiert und mit »IX« bezeichnet. – Anstelle des vierseitigen Textblatts liegt hier ein vom Künstler eigenhändig so bezeichneter »Musterbogen für den Satz« mit einigen Anmerkungen vor. Die Korrekturangabe »groß groß« beim Titel wurde für die endgültige Fassung berücksichtigt (vgl. Abbildung Lammek S. 77). – Alle Holzschnitte auf Büttenkartons (34 : 25 cm) montiert, das Titelblatt 32 : 25 cm. – Die Mappe mit Spritzdekorpapier bezogen und mit Schwarz gedrucktem Titel wie bei Lammek abgebildet, eine Variante wurde von Anny Wottitz typographisch gestaltet. Innendeckel und Mappenflügel mit dunkelblauem Stempeldruckpapier. – »Das schönste Dokument der Begegnung dieses Künstlers mit dem Expressionismus ist die von Otto Dorfner gebundene Mappe mit den zehn Holzschnitten zum Wielandslied der älteren Edda […], die in 110 Abzügen auf der Handpresse im Staatlichen Bauhaus zu Weimar gedruckt worden sind. Ihr Stil erinnert an die naiven Illustrationen alter Märchen« (Lang, Expressionistische Buchillustration, S. 26). – »Nicht nur wegen der hohen Auflage, sondern auch wegen ihres in den Auseinandersetzungen am Bauhaus nahezu programmatischen Charakters, besitzt die Graphikfolge ›Das Wielandslied‹ […] ein besonderes Gewicht im Frühwerk.« (Lammek, S. 24). – Unikates Exemplar in einer frühen Fassung.

35,8 : 29,8 cm. 10 Holzschnitte, 1 Blatt. – Titelblatt und einige Kartonblätter, teils auch die Holzschnitte, mit wenigen kleinen Stockflecken. Titelblatt mit schwachen Knickspuren.

Lammek H 77.1–11. – Katalog Lindenau-Museum 3014-3023. – Vgl. A und O des Bauhauses, Kat. 137, Abb. 23

760  Bauhaus – Walter Gropius. Idee und Aufbau des Staatlichen Bauhauses Weimar.

€ 600

München, Bauhausverlag [1923]. Mit zwei schematischen Abbildungen. Originalbroschur.

Sehr seltener Separatdruck aus dem im gleichen Jahr erschienenen Band »Staatliches Bauhaus Weimar 1919–23«, dort als Seiten 7–18, hier mit eigener Paginierung. – Gropius’ wichtige Programmschrift des Bauhauses beschreibt neben der grundsätzlichen Idee die Gliederung der Ausbildung in Vor-, Werk-, Form- und Baulehre sowie Bauhaus-Bühne, -Küche und -Siedlung. – Provenienz: Ehemals Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit Namensstempel. – Gut erhalten.

25,0 : 24,7 cm. 12 Seiten, 2 Abbildungen. – Seitenränder etwas geknittert und mit kleinen Einrissen, Hinterumschlag mit hinterlegtem kurzem Randeinriss.

Fleischmann S. 86. – Dokumentations-Bibliothek II, 29

761  Bauhaus – Arno Müller. Das Staatliche Bauhaus Weimar und sein Leiter.

€ 900

Weimar, April 1924. Gelbe Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Die berüchtigte »Gelbe Broschüre«. Die »Hetzschrift aus der deutschnationalen Ecke mit einer umfangreichen Sammlung entsprechender Zeitungskritiken zur Bauhaus-Ausstellung 1923« (Fleischmann) enthielt auch persönlich diffamierende Angriffe gegen Walter Gropius. – Arno Müller, Obermeister der Weimarer Schlosser-Innung, gab lediglich seinen Namen für dieses Anti-Bauhaus-Pamphlet, der eigentliche »Informant« über die Interna der Hochschule war jedoch Hans Beyer, der jüngst zuvor entlassene Jurist des Bauhauses. Die Wirkung der Schrift in der konservativen Weimarer Öffentlichkeit war erheblich, nur wenige Monate später schloss Gropius die Weimarer Schule und eröffnete das Bauhaus in Dessau neu. – Gedruckt wurde das Heft in der Hof-Buchdruckerei Weimar. – Tadellos erhalten, aus dem Nachlass des Bauhaus-Buchbinders Otto Dorfner.

22,5 : 14,7 cm. 46, [2] Seiten.

Fleischmann 95. – Vgl. Wingler 99 und 139

762  Bauhaus – Kundgebungen für das Staatliche Bauhaus Weimar.

€ 1000

Weimar, Panses 1924. Originalbroschur.

Der abschließende dritte Teil der Erwiderungen des Bauhauses auf die Vorwürfe und Angriffe der neu gewählten rechten thüringischen Landesregierung und Gegner des Bauhauses verzeichnet 32 in- und ausländische Kundgebungen und Protestschreiben. – Die typographische Gestaltung aller drei Teile stammt von Laszlo Moholy-Nagy. Die Paginierung schließt an die »Pressestimmen« und deren »Nachtrag« an. – »Gropius sorgte für eine gedruckte Dokumentation positiver Urteile über das Bauhaus, die er systematisch seit der großen Ausstellung von 1923 anforderte und sammelte, um sie im Kampf um die Existenz des Weimarer Bauhauses einsetzen zu können.« (Ute Brüning, in »Das A und O des Bauhauses, S. 86). – Sehr selten. – Provenienz: Ehemals Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit Namensstempel. – Sehr gut erhalten.

23,0 : 14,6 cm. Seiten 105–[144]. – Vorderumschlag mit Einschnitt (ca. 4 cm) und einer Ritzspur.

Fleischmann S. 100. – A und O des Bauhauses, KatNr. 129/3

763  Bauhaus – Die Arbeit des Staatlichen Bauhauses.

€ 400

Sonderbeilage der »Thüringer Allgemeinen Zeitung«. Erfurt, Sonntag, 19. Oktober 1924. Mit 13 Abbildungen. Einblattdruck, gefaltet.

Sehr seltenes Originaldokument, das auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen um das Bauhaus erschien. – Enthält die beiden Texte »Ziele und Bestrebungen« von Georg Muche, damals Leiter der Bauhaus-Weberei, und »Die Arbeit der Bauhaus-Werkstätten« von Laszlo Moholy-Nagy. – Die Abbildungen präsentieren die ganze Bandbreite des Bauhauses: Architektur (Versuchshaus am Horn), Mobiliar (Schreibtisch, Stuhl, Küchenschrank) sowie Lampe, Teekanne, Kinderspielzeug u. a. m. – Dazu: Zwei Originalzeitungsbogen aus dieser Zeit: »Allgemeine Thüringische Landeszeitung« vom 30. XII. 1924 mit dem Artikel »Thüringische Staatsregierung und Staatliches Bauhaus« und »Das Volk« vom 3. I. 1925 mit dem Artikel »Die Erdrosselung des Bauhauses« von Max Greil (SPD-Abgeordneter im thüringischen Landtag (1922–1932). Beide Doppelblätter gefaltet und mit leichten Alterungsspuren. – Alle drei ehemals Sammlung Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit Namensstempel.

48,1 : 31,8 cm.

764  Bauhaus – Joost Schmidt. Feier des 5. Bauhausjahres.

€ 1500

Eintrittskarte. Farbige Lithographie nach Entwurf von Joost Schmidt. 1924. 15 : 12 cm.

Sehr seltenes Dokument einer der letzten Veranstaltungen des Weimarer Bauhauses. – Nachdem sich die Angriffe auf das Bauhaus im Sommer 1924 von Seiten der neuen bürgerlichen Landesregierung verschärft hatten, am 1. September allen Bauhaus-Meistern per April 1925 gekündigt worden war und im November der Etat um zwei Drittel gekürzt wurde, mutet die Ausrichtung des Jubiläumsfestes am 28./29. November als ein trotziges »Nun gerade« an. – Programmpunkte des Abends im Ilmschlösschen waren die Farbenspiele von Hirschfeld-Mack, eine Premiere der Bauhausbühne und ab 10.38 (!) Kaffee-Tafel, Tanz, Tombola u. a. – Gestaltet wurde die Eintrittskarte (und die sehr ähnliche Einladung – siehe unsere Auktion 20, Lot 270) vom damals wichtigsten Typographen des Bauhauses, Joost Schmidt. Mit dem Signet von Joost Schmidt. – Provenienz: Otto Dorfner, Weimar. – Tadellos erhalten.

Vgl. Fleischmann, S. 101 (nur die Einladung). – Nicht in »Das A und O des Bauhauses«, nicht bei Wingler

765  Bauhaus – Die „WAG“-Lampe. Beleuchtungskörper Staatl. Bauhaus Weimar.

€ 750

Einblattdruck. 29,7 : 21,0 cm. Weimar, um 1924.

Seltenes Werbemittel für die frühen Fassungen der Wagenfeld-Lampen, hier mit der flacheren Schirmform. – Mit Werbetexten zu beiden Typen. Die Lampe wurde mit Glasfuß und -stab gebaut, für den Schirm wurde Seide (Type S) oder Glas (Type G) verwendet. – Die sogenannte »Bauhaus-Lampe« wurde von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker unter Verwendung von Bauteilen Gyula Paps in der Weimarer Metallwerkstatt entworfen. Walter Gropius hatte gegen die Auffassungen von Johannes Itten durchgesetzt, dass die Werkstätten mehr massenproduzierbare Produkte entwerfen sollten. Bei der berühmten Lampe, als Designklassiker des 20. Jahrhunderts in der Sammlung des MoMA verewigt, scheiterte man, da die Einzelteile in der Werkstatt des Bauhauses in Handarbeit entstanden. – Ehemals Sammlung Dr. Lothar Frede (Jurist, später Kultur- und Kunsthistoriker, 1889–1970), mit Namensstempel. – Auf Anfrage teilte uns das Wilhelm Wagenfeld-Archiv mit, dass dieser Einblattdruck dort bisher unbekannt war.

Quer gefaltet, links kurzer Falz-, rechts kleiner Randeinriss.

766  Bauhaus – Staatliche Bauhochschule Weimar. Metallwerkstatt.

€ 500 ( R5 )

[Weimar, um 1926]. Mit 15 Abbildungen. Originalbroschur mit Deckelillustration.

Der kleinformatige Katalog stellt Tisch-, Decken- und Wandleuchten von Wilhelm Wagenfeld (9) und Richard Winkelmayer (6) vor, jeweils mit Abbildungen und technischen Angaben. – Die Staatliche Bauhochschule Weimar gilt auch wegen der personellen Kontinuität als Nachfolgeinstitution des Bauhauses. Viele ehemalige Bauhäusler, die nicht nach Dessau wechseln wollten oder konnten, traten 1926 in die von Otto Bartning geleitete Bauakademie ein. Zu ihnen zählten neben Wilhelm Wagenfeld und Richard Winkelmayer, Otto Lindig, Erich Dieckmann, Ewald Dülberg und die Weberin Hedwig Heckemann. Bereits 1930 wurde auch diese Institution ein Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik und Otto Bartning durch den NS-Ideologen Paul Schultze-Naumburg abgelöst. – Auf dem Umschlag die M29-Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld.

20,7 : 14,8 cm. [15] Blätter. – Es fehlt der wohl unbedruckte Hinterumschlag.

767  Bauhaus – Ernst Kállai. Neue Malerei in Ungarn.

€ 300 ( R5 )

Leipzig, Klinkhardt & Biermann 1925. Mit 83 Abbildungen auf 80 Tafeln. Originalhalbleinenband mit dem rot-schwarzen Originalschutzumschlag (Entwurf: Laszlo Moholy-Nagy).

Erste Ausgabe. – Band II der gestalterisch an den Bauhausbüchern orientierten Reihe »Die junge Kunst in Europa«, die von Georg Biermann herausgegeben wurde. – Umschlag, Einband und Innentitel entwarf Laszlo Moholy-Nagy. – Der ungarische Kunsthistoriker und Publizist Ernst Kállai (1890–1954) hatte bereits in Lajos Kassaks Zeitschrift »MA« publiziert. Von 1920 bis 1935 lebte er in Deutschland, wurde 1928 Schriftleiter der Zeitschrift »Bauhaus« und 1929 Herausgeber der Zeitschrift »Kunstnarr«, von der allerdings nur eine einzige Ausgabe erschien.

22,5 : 16,3 cm. 124 Seiten, 80 Tafeln. – Oberrand des Schutzumschlags mit zwei kleinen hinterlegten Randeinrissen, sonst tadellos.

Dokumentations-Bibliothek VI, 549 (»Ausgezeichnete Monographie«). – Vgl. Das A und O des Bauhauses, KatNr. 292 und 293, Abb. 199/200 (mehrfarbige Entwürfe)

768  Joost Schmidt – Offset.

€ 900

Buch- und Werbekunst. Das Blatt für Drucker, Werbefachleute und Verleger. Jahrgang 1926, Heft 7. Bauhaus-Heft. Leipzig 1926. Mit 18 teils farbigen Tafeln und zahlreichen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Das legendäre Bauhaus-Heft der Leipziger Zeitschrift »Offset«. – Der von Joost Schmidt entworfene Umschlag wurde bei C. Dünnhaupt, Dessau, mit neun (!) Farben gedruckt. Er zierte 2010 den MoMA-Katalog »Bauhaus – Workshop for Modernity«. – Den Bauhaus-Teil des Hefts konzipierte Moholy-Nagy. Buchschmuck und Typographie des zweiten Teils stammen von Otto Horn. – Das Heft enthält Beiträge von Walter Gropius, Marcel Breuer, Moholy-Nagy, Josef Albers, Herbert Bayer, Gunta Stölzl und Oskar Schlemmer, auf 13 Tafeln und vielen Abbildungen werden Arbeiten des Bauhauses vorgestellt, wobei der Schwerpunkt auf Typographie und Design liegt (u. a. Joost Schmidt »Ÿko«, Moholy-Nagy »Bauhaus-Bücher«, Herbert Bayer »Reklame«), ergänzt um architektonische und kunsthandwerkliche Projekte sowie Malerei und Graphik. – Der zweite Teil enthält Texte und Bilder zum Druckgewerbe.

30,7 : 23,3 cm. [4], 353–428, [20] Seiten. 18 Tafeln. – Umschlagränder etwas unfrisch, Rücken mit restaurierten Fehlstellen. – Ränder innen teils leicht fingerfleckig.

A und O des Bauhauses 131, Abb. 266/267. – Wingler S. 426. – Fleischmann S. 313. – Lang K S. 53

769  Herbert Bayer – Ausstellung Europäisches Kunstgewerbe 1927 […] im Grassimuseum.

€ 1200 ( R5 )

Neue Auflage. Leipzig 1927. Mit 44 Abbildungen auf Tafeln und einem gefalteten Stadtplan. Dreifarbig lithographierte Originalbroschur (Entwurf: Herbert Bayer).

»Diese neue Auflage des Katalogs enthält Ergänzungen in mehreren Gruppen der Ausstellung«. – Die Ausstellung fand im Neubau des Grassimuseums statt. Dieser entstand auf Anregung des Museumsdirektors Richard Graul von 1925 bis 1929. An der von Graul geleiteten Ausstellung waren Künstler und Firmen aus zehn Ländern beteiligt. – Mit Beilagekarte: »Überreicht von der Direktion des Kunstgewerbemuseums«. – Der Vorderumschlag und das identische Ausstellungsplakat wurden nach Entwurf von Herbert Bayer, dem führenden Bauhaus-Typographen und -Graphiker, gedruckt.

20,8 : 14,0 cm. 66, [2, 40, 22] Seiten, 1 Faltplan. – Vordergelenk minimal berieben.

Bayer 1982, 155. – Vgl. Cohen S. 213, Fleischmann 275 (Plakat), Bayer 1982, 156 und A und O des Bauhauses 281 (alle nur das Plakat)

770  George Kobbe – Victor Wittner. Sprung auf die Straße.

€ 500

Gedichte. Berlin, Die Schmiede 1924. Originalpappband mit farbiger Deckelillustration von George Kobbe.

Erste Ausgabe, äußerst selten. – George G. Kobbe (1902–1934) war an der Dada-Messe Berlin 1920 beteiligt (mit der Entwurfszeichnung zum Umschlag von Walter Petrys »Die dadaistische Korruption«), veröffentlichte u. a. in »Schall und Rauch« und zählte neben Georg Salter zu den wichtigsten Graphikern des jungen Verlages »Die Schmiede«. Später arbeitete er für Magazine wie »Uhu« und »Die Dame«. – Victor Wittner (1896–1949) hatte erste Gedichte bereits 1914 in dem schmalen Band »Klüfte, Klagen, Klärungen« veröffentlicht. Die vorliegende Sammlung enthält größtenteils Gedichte aus den Jahren 1914/15 und 1919/20.

23,4 : 18,3 cm. 70, [2] Seiten. – Deckel, besonders der hintere, etwas angestaubt. Rücken oben leicht bestoßen und dort eventuell auch unauffällig fixiert.

Holstein, Blickfang 476. – Hermann/Schmitz 185

  771    Bernhard Kellermann. Der Tunnel.

€ 250

Roman. 1.–25. Tausend der ungekürzten Sonderausgabe. Berlin, S. Fischer 1931. Orangefarbener Originalleinenband mit farbig illustriertem Schutzumschlag nach Entwurf von Georg Salter.

Der Druckvermerk nennt bereits für diese erste Auflage der Sonderausgabe »Einband- und Schutzumschlag-Entwurf von Georg Salter«. Dies steht in irritierendem Widerspruch zu den Anmerkungen Jürgen Hosteins, der diesen Umschlag erst für die Folgeauflage (26.–50. Tausend) nennt. Zudem wird bei dem vorliegenden Exemplar auf der vorderen Umschlagklappe die Gesamtauflage des Romans mit 308.000 beziffert, was ebendieser zweiten Auflage entspricht. – Kellermanns berühmter Roman vom Bau eines transatlantischen Tunnels war bereits 1913 erschienen. Nahezu 20 Jahre zierte die Umschlagillustration von Hans Baluschek den Einband. 1931 wurde diese etwas »altbackene« Stadtansicht durch Salters atemberaubend dynamische Zeichnung, die bildhaft über den gesamten Umschlag reicht, ersetzt. – Das Buch sehr gut, der Umschlag gut erhalten.

18,8 : 13,2 cm. [3]–402 Seiten (so korrekt). – Schutzumschlag am Rücken oben mit kleinen, sorgsam restaurierten Fehlstellen.

Holstein 73, Abbildung S. 85. – Holstein, Blickfang 325. – Pfäfflin 133

  772    Octave Uzanne. Son Altesse la Femme.

€ 300

Illustrations de Henri Gervex, J.-A. Gonzalés, L. Kratké, Albert Lynch, Adrien Moreau et Félicien Rops. Paris, A. Quantin 1885. Mit zehn Farbradierungen, zwei radierten Zwischentiteln und acht figürlichen Bordüren. Grauer Ecrasélederband mit Vergoldung. Mit dem eingebundenen Originalumschlag.

Erste Ausgabe dieses historisch-fundierten Lobgesangs auf das weibliche Geschlecht. – Eins von 100 Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe auf breitrandigem Japan und mit den Radierungen in mehreren Zuständen, teils farbig gedruckt, teils koloriert. Die zehn Farbradierungen in jeweils zwei Zuständen, einmal ohne Schrift. Es gibt weitere 100 Exemplare auf Japan ohne Zustandsdrucke und eine ungezählte Auflage auf Velin. – Octave Uzanne (1851–1931), einer der größten Bibliophilen, Schriftsteller und Verleger, veröffentlichte zahlreiche Werke zur Buchkunde. Er zählt zu den Mitbegründern der »Societé des bibliophiles contemporains«.

29,4 : 21,0 cm. [4], 312, [4] Seiten, 10 und 28 zusätzliche Radierungen.

Monod 10843. – Carteret IV, S. 384 (»Ouvrage documentaire du plus vif intérêt«)

  773    Rudolf von Delius. Mary Wigman.

€ 200

Dresden, Carl Reissner 1925. Mit einem Frontispiz und 38 Abbildungen auf Tafeln. Orignalhalbleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Mary Wigman 22/23. März 1952 bei M. M. in Hamburg«. 1919 feierte die Tänzerin, nachdem sie Rudolf von Laban und die Zürcher Dadaisten verlassen hatte, in Hamburg ihre ersten großen Erfolge, die sie schlagartig auch international bekannt machten. – Dazu: Reinhold Rudolf Junghanns. Bildnis Mary Wigman (Kopf mit Hut). Radierung. Um 1925. 28,5 : 21,8 cm (52,5 : 34,0 cm). Monogrammiert, als »Probedruck« und und am Unterrand mit Korrekturangaben bezeichnet. Auf Kupferdruckkarton, gebräunt. Gerahmt. – Charlotte Rudolph. Mary Wigman. Fotografie. Silbergelatine, Vintage. Um 1925. 13,7 : 8,7 cm. Mit dem Prägestempel der Fotografin, rückseitig mit Postkartenaufdruck. Knickspuren, etwas fleckig.

25,8 : 19,5 cm. 56, [4] Seiten, 38 Tafeln. – Innen und außen minimal stockfleckig. –Vorsatzblatt mit Schenkungsvermerk.

  774    William Senior. The Thames

€ 400

from Exford to the Tower. Illustrated with thirty original painters-etchings by Francis S. Walker. London, John C. Nimmo 1891. Mit 30 Radierungen nach Gemälden. Dunkelgrüner Originalkalikoband mit Goldprägung und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 260 Exemplaren auf »superfine paper«, die Radierungen auf Bütten. – Die Ölgemälde des irischen Malers Francis Sylvester Walker (1848–1916) wurden vom Künstler selbst als Radierungen reproduziert. Stimmungsvoll illustrieren seine Bilder von der Themse-Landschaft den Text des Journalisten William Senior, der bis dato vor allem durch Publikationen zum Angelsport bekannt geworden war. Sein Spitzname »Red Spinner« und mehrere Holzschnitt-Schlussvignetten mit Fisch-Motiven verweisen auf diese große Leidenschaft des Autors.

29,8 : 23,8 cm. XII, 120 Seiten, 30 Radierungen. – Einband leicht fleckig, Kapitale minimal bestoßen. – Buchblock gelockert, Innengelenke angeplatzt. Zwei Druckstellen in den unbeschnittenen Seitenrändern.

  775    The English Lakes.

€ 250

Painted by A. Heaton Cooper. Described by W. T. Palmer. London, Adam and Charles Black 1905. Mit 75 Chromolithographien und einer Karte. Cremefarbener Originalkalikoband, Deckel und Rücken mit Jugendstildekor in Grün, Rot und Silberprägung.

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren der »Edition de luxe«, gedruckt auf starkes Bütten. – Auflagenvermerk vom Künstler signiert. – Der englische Aquarellmaler Alfred Heaton Cooper (1863–1929) war nach ausgedehnten Reisen 1894 aus Norwegen in seine Heimat zurückgekehrt. Er ließ sich im »Lake District«, der schon damals bei Touristen beliebten Gegend im Nordwesten Englands, nieder und hoffte, dort seine Bilder an Reisende verkaufen zu können. Viele Arbeiten dienten auch als Vorlage für Illustrationen von Büchern und Reiseführern. – Opulent ausgestattet und gut erhalten.

27,5 : 22,2 cm. [2], IX, [1], 230, [2] Seiten, 75 Tafeln mit Seidenvorblättern. – Kapitale und eine Ecke leicht bestoßen. – Die Seidenblätter vor den Tafeln teils leicht stockfleckig.

  776    Scaramanga Brothers. Private Code 1911.

€ 300

London, William Brown [1911]. Dunkelroter Originalleinenband mit Gold- und Blindprägung.

Codierliste für den telegrafischen Geschäftsverkehr der weltweiten Niederlassungen der Reederei Scaramanga Brothers, gegründet von der gleichnamigen griechischen Familie mit Hauptsitz in London. – Um die Kosten für telegrafische Nachrichten zu senken und den Informationsfluss zu beschleunigen, verwendete man seinerzeit Zahlencodes und Kurzworte für die gängigsten Geschäftsausdrücke. Der Band enthält Hunderte solcher Sätze und Codeworte, an einigen Stellen wurden aktualisierte oder nachträgliche Ergänzungen maschinengeschrieben eingeklebt. – 1965 war Francisco Scaramanga der Gegner von James Bond in »The Man with the Golden Gun«, in der Verfilmung von 1975 verkörpert von Christopher Lee.

38,5 : 25,4 cm. [2], 50 Seiten.

777  Al Hirschfeld. Manhattan Oases.

€ 600

New York’s 1932 speak-easies. With a Gentleman’s Guide to Bars and Beverages by Gordon Kahn. With an Introduction by Heywood Broun. New York, E. P. Dutton 1932. Mit 36 ganzseitigen Illustrationen und einem fotografischen Frontipsiz. Hellblauer Originalleinenband mit Titelschildern und illustriertem Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe des ersten Buches von Al Hirschfeld (1903–2003) zählt zu den einflussreichsten und bekanntesten Cartoonisten Amerikas, der als eine der sechs New Yorker »Sehenswürdigkeiten« bezeichnet wurde. – Die »Speakeasies« (Flüsterkneipen) entstanden während er Alkoholprohibition in den USA. Durch das Gebot, leise zu sprechen, sollten Passanten (und patrouillierende Ordnungshüter) nichts vom Barbetrieb hören. – Hirschfeld porträtierte 36 Barkeeper ausgewählter Bars, jedes Porträt wird durch ein Cocktail-Rezept und eine Beschreibung der Bar ergänzt. – Ein originelles Dokument des erfolglosen Versuchs, den Alkoholkonsum durch staatliche Restriktion einzuschränken. – Gut erhalten, hier mit dem seltenen Schutzumschlag.

31,0 : 23,0 cm. 82, [2] Seiten. – Schutzumschlag mit minimal Randläsuren, der Leinenbezug leicht fleckig.

778  Zwei bewegliche Cocktail-Rezeptkarten

€ 300

aus dem Amerika am Ende der Prohibition. New York, Mitte der 1930er Jahre.

I: A Good Mixer – Meyers Hotel »Known the World Over 1884–1934«. Zwei montierte Scheiben, Durchmesser 120 bzw. 145 mm, bedruckt in Blau und Schwarz. Durch Drehen der oberen Scheibe auf den gewünschten Drink werden in zwei Ausschnitten die Zutaten angezeigt. – Das legendäre Meyers Hotel, an der Ecke Hudson River und 3rd Street, war mit Aufzügen, Dampfheizung und elektrischer Beleuchtung 1884 eines der modernsten Hotels der Welt. – II: Fourty famous cocktails. Being a compendium of reliable recipes, carefully compiled for use in this arid era. – The path to perdition or A scene from the back room in the days when life was simple. – Engraved (by John Boland) with humble apologies to hat master engraver John Held Jr. Eine beidseitig bedruckte Karte kann aus dem illustrierten Umschlag (142 : 96 mm) geschoben werden. Dabei werden die Coktails und deren Zutaten angezeigt. – Beide mit minimalen Gebrauchsspuren und sehr selten.

  779    Jean de La Fontaine. Choix de Fables.

€ 450

Illustrées par un groupe des meilleurs artistes de Tokio. Sous le direction de P. Barboutau. Tome premier [et] second. Tokio, Tsoukidji für Flammarion Paris 1894. Mit 28 doppelblattgroßen Farbholzschnitten und Buchschmuck. Farbig illustrierte Originalbroschuren.

Originelle Kombination von französischen Texten mit japanischen Holzschnitten, verstärkt durch die gesamte Buchgestaltung (Blockbuchbindung, Seidenpapierumschlag, Kordelheftung). Ende des 19. Jahrhunderts beförderte die Fernost-Sehnsucht des kultivierten Europas manch sonderbares Produkt. 1896 erschien eine ähnliche Ausgabe mit Fabeln von Claris de Florian. – Die Illustrationen zu den 28 Fabeln stammen von den japanischen Künstlern Kadji-Ta Han-Ko, Kawa-Nabe Kiyo-Soui, Oka-Koura Shiou-Soui, Kano Tomo-Nobou und Eda Sada-Shiko.

25,0 : 18,2 cm. Je [50] Seiten. – Minimal fleckig, Seitenränder in Band 1 etwas wasserrandig.

Metzner/Raabe/Bodemann 373.1. – Carteret IV, 228

  780    [Friedrich] Schiff. Maskee.

€ 900

A Shanghai Sketchbook. [Shanghai, Eigenverlag?, um 1940]. Mit kolorierten, teils blattgroßen Illustrationen. Leporello mit pinkfarbenen Originalseidendeckeln.

Aus einer »limited and numbered edition«, auf dem Titel signiert. – Die in Schwarz gedruckten Karikaturen wurden vom Künstler koloriert und sind auf die starken Leoprellokartons mit Leinenfälzen aufgezogen. – Der Wiener Künstler Friedrich Schiff (1908–1968) lebte lange in Shanghai, wo die vorliegenden reizenden Karikaturen entstanden. »Schiff sympathisiert aber auch mit der leidenden chinesischen Bevölkerung. Er setzt diesen sozial so Benachteiligten in seinem Werk ein Denkmal – zeichnet Kulis, Altwarensammlerinnen, Blumenmädchen, Straßenakrobaten, Bettler und Prostituierte« (schiff-galerie.at).

26,7 : 19,0 cm. 22 Leporelloblätter, davon 20 mit Illustrationen. – Ränder und Falze leicht stockfleckig. – Deckel und Seiten teils mit Griffspuren.

  781    Führer durch die Ausstellung »Entartete Kunst«.

€ 200

Berlin, Verlag für Kultur- und Wirtschaftswerbung [1937]. Mit 59 Abbildungen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe des Führers durch die berüchtigte Wanderausstellung des NS-Propagandaministeriums, die zeitgleich mit der »Großen Deutschen Kunstausstellung« stattfand. – Verantwortlich für den Inhalt des Hefts zeichnete Fritz Kaiser, der auch die Ziele der Ausstellung formulierte. Mit einer Rede Adolf Hitlers zur Eröffnung des »Hauses der Kunst« in München. – Es existierten drei Ausagben, hier mit den bei Barron beschriebenen Merkmalen der ersten. Preisangabe auf dem Vorderumschlag aber schon mit »Preis 30 Pfg.« überklebt.

21,0 : 14,8 cm. 30, [2] Seiten. – Durchgehend mit geglätteter senkrechter Mittelfalte.

Barron Seite 356ff

  782    Mao Zhu Yu Lu

€ 750

(chinesisch: Zitate des Vorsitzenden Mao). [Peking 1964]. Mit Porträt und Faksimileblatt. Rote Originalkunststoffbroschur mit blindgeprägtem Deckeltitel.

Wohl Exemplar aus der zweiten Bindequote der Erstausgabe, nun in dem weltbekannt gewordenen roten Kunststoff-Einband. – Nur die Erstausgabe erschien ohne Datierung, mit der hier vorliegenden Kollation und in dem etwas größeren Format. Bereits die zweite Auflage von 1965 wurde um zwei Kapitel erweitert und das Faksimile der handgeschriebenen Widmung Lin Biaos mit dem »Schreibfehler« in der zweiten Spalte gegen eine korrigierte Fassung ausgetauscht. – Vortitel in Rot, Haupttitel in Grün und Rot gedruckt. – Die Sammlung von Aussprüchen des Führers der chinesischen Volksrevolution erschien auf Anregung des Armeegenerals Lin Biao (1907–1971). Auf seine Initiative hin sollten die Soldaten der Roten Armee Mao-Zitate auswendig lernen, was schlussendlich 1964 zur vorliegenden Sammlung führte. Bis 1967 wurden mehr als 720 Millionen Exemplare und Übersetzungen in mehr als 35 Sprachen gedruckt – nur die christliche Bibel hat weltweit größere Verbreitung gefunden. Wegen seiner zunehmenden Machtfülle misstraute Mao seinem Stellvertreter Lin Biao, der 1971 unter ungeklärten Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Um sein Andenken zu tilgen, wurden die Einwohner Chinas, denen der Besitz der »Mao-Bibel« staatlich verordnet war, aufgefordert, Widmungsblatt und Vorrede aus den bis 1971 erschienenen Exemplaren zu entfernen. – Trotz der weltweit riesigen Auflage sind unkorrigierte Exemplare des Erstdrucks sehr selten. – Eines der folgenreichsten Bücher der Weltgeschichte. – Beigabe: Ein Exemplar der deutschen Erstausgabe (Worte des Vorsitzenden Mao Tse Tung, Peking 1967). Roter Kunststoffeinband. Mit Widmung »To the best communist of the N.Y. Stock Exchange, 28.4.69«.

14 : 10 cm. [4], 2, 2, 250, [2 leere] Seiten. – Porträt und das hintere Vorsatzblatt leicht fleckig.

783  [Sebastian Meyer]. Von dem pfründtmarckt der Curtisanen vnd Tempelknechten.

€ 400

[Basel, Adam Petri] 1521. Neuer Halbpergamentband mit Kleisterpapierbezügen.

Erste und einzige Ausgabe des Berner Theologen (1465–1545), der einer der frühesten und eifrigsten Anhänger der Lehren Luthers in der Schweiz war. Wegen der theologischen Auseinandersetzung mit dem Dominikaner Hans Heim wurden beide der Stadt verwiesen. – In vorliegender Schrift kritisiert Meyer die Geldgier der Geistlichkeit und zeigt deren üble Folgen auf. »Da wöllen sy die besten pferd reiten, die schönsten frouwen haben […] vnd was guts vor der hellen ist, freßen vnd suffen, sy raßeln vnd spilen wie die hippen buben, sy tragen güldin ketten an den selsen, syden vnd damast ist ir gewandt […]«. – Goedeke vermutete noch Wurm von Geydertheim als Verfasser.

20,0 : 14,6 cm. [20 Seiten]. – Minimale Läsuren am ersten und letzten Blatt fachmännisch angerändert.

VD16 M 5120. – Goedeke II, 279, 10

784  Martin Luther – Colloqvia Oder Tischreden Doctor Mart. Luthers,

€ 300

So er in vielen Jaren gegen Gelarten Leuten, auch frembden Gesten vnd seinen Tischgesellen geführet… zusammen getragen Vnd jetzt Auffs newe Corrigieret (von Johannes Aurifaber). Frankfurt am Main, Martin Lechler für Simon Hüter 1568. Mit großer Hozschnitt-Titelvignette und -Druckermarke. Schweinslederband der Zeit mit Blindprägung.

Frühe Ausgabe der Tischreden, die zuerst 1566 erschienen. – Herausgegeben von Johannes Aurifaber aus Weimar, dem Famulus und Begleiter Luthers. Seit 1545 hatte er als Theologiestudent im Haus des Reformators gelebt und ihn 1546 auf seinen beiden letzten Reisen begleitet. – Die von ihm zusammengetragenen »Tischreden« sind eine wichtige Quelle zu Leben und Anschauungen des Reformators. – Der Holzschnitt auf dem Titel zeigt Luther in einer Tischrunde, davor stehen vier knabenhafte Schüler. – Hübscher Einband mit reicher floraler Verzierung und einem lackierten Rückentitel.

32,8 : 22,4 cm [12], 449, [15] Blätter. – Teils etwas gebräunt, insgesamt aber schönes Exemplar.

VD 16 L 6752

785  Matthäus Merian – [Martin Zeiller]. Topographia Franconiæ,

€ 1500

Das ist Beschreibung, Und Eygentliche Contrafactur der Vornembsten Stätte und Plätze des Franckenlandes […]. – Anhang Zu deß Martin Zeillers im Jahr 1648 erstlich gedruckter Topographia Franconiæ. Frankfurt, Matthaeus Merian [1648]. Mit einem blattgroßen gestochenen Titel, einem Wappenkupfer, einer gestochenen Karte und 48 Kupferstichen, davon 38 gefaltet, zwei mehr als doppelblattgroß. Späterer Halbpergamentband mit rot-goldenem Lederückenschild.

Erste Ausgabe. – Neunter Band der Merianschen Topographien, der zwei Jahre vor dem Tod des Herausgebers und Verlegers erschien. – Die Topographien mit den Texten von Martin Zeiller und vor allem (und namensgebend) den Kupferstichen von Matthäus Merian vermitteln mit ihren vielen und teils großformatigen Ansichten einen beeindruckenden Einblick in die städtebauliche Situation der deutschen Länder im frühen 17. Jahrhundert. Viele der Bauwerke und »Skylines« waren allerdings zum Zeitpunkt des Erscheinens der Bände schon nicht mehr wiederzufinden, hatte doch der Dreißigjährige Krieg landesweite Verwüstungen hinterlassen. – Enthält die Karten von Franken sowie Ansichten von Bamberg, Coburg, Kitzingen, Lauf, Neckarsulm, Nürnberg (Vogelschau, Grundriss, Panorama, Fleischbrücke und Rathaus), Rothenburg ob der Tauber, Schweinfurt (Vogelschau, Panorama und St. Johannis) und Würzburg. – Aus der Bibliothek des Stuttgarter Industriellen Gustav Siegle (1840–1905), der Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich zum Aufstieg der BASF beitrug. Die Stuttgarter Antiquariatsmesse fand viele Jahre im Stuttgarter Gustav Siegle-Haus statt. – Einband des 19. Jahrhunderts, insgesamt schönes Exemplar, der Kupfertitel und viele Wappenkartuschen koloriert.

30,8 : 21,3 cm (Einband), 29 : 20 cm (Buchblock). IV, 78, [10]; 56, [8] Seiten, 49 Kupfer. – Rückenschild mit Randläsuren. – Buchblock knapp beschnitten. Titelkupfer etwas fingerfleckig, vereinzelt leicht stockfleckig.

Wüthrich IV, 39. – Schuchhard 40 A

786  Georgius Agricola. De re metallica

€ 2500

libri XII. Quibus officia, instrumenta, machinæ, ac omnia denique ad metallicam spectantia […] De animantibus subterraneis […] Basel, Emanuel König 1657. Mit Titelholzschnitt, zwei gefalteten Holzschnitt-Tafeln und 270 Textholzschnitten, davon 67 blattgroß. Pergamentband der Zeit mit Wappensupralibros auf beiden Deckeln und vergoldetem Besitzvermerk auf dem Vorderdeckel.

Erste und einzige lateinische Gesamtausgabe der Werke Agricolas, enthält der Band doch auch die sechs Anhänge »De animantibus aubterraneis«, »De orto et causis subterraneorum«, »De natura eorum quae effluunt ex terra«, »De natura fossilium«, »De veteribus et novis metallis« und »Bermannus, sive de re metallica«. – Das bedeutendste Werk der Renaissance auf dem Gebiet von Bergbau und Metallurgie und der damaligen Technik überhaupt. – Die ebenso zahlreichen wie prachtvollen Holzschnitte illustrieren Agricolas Erklärungen von Bergwerken und deren Fördertechnik bis hin zur Verarbeitung von Erzen, Kohle und Gestein. – Der Sachse Georg Agricola (1494–1555) gilt als »Vater der Mineralogie« und Begründer der Montanwissenschaften. Als hervorragender Renaissancegelehrter erreichte er überregionale Bedeutung. – Vorderdeckel außer dem Wappen mit goldgeprägter Beschriftung: »Churfürstlich Sachsisch. Ober und Bergambt Freyberg« und »1682«.

34,5 : 21,0 cm. [10], 708, [90] Seiten. – Vordergelenk oben eingerissen, Rücken etwas fleckig. – Stempel auf Titel (ausgekratzt). – Durchgehend etwas gebräunt.

VD17 3:309843V. – Darmstädter, Agricola S. 45/46 f. – Michaells/Proscher 58

787  Johann Gottfried Gregorius. Die curieuse Orographia,

€ 600

Oder accurate Beschreibung derer berühmtesten Berge in Europa, Asia, Africa und America […] in Alphabetischer Ordnung. Frankfurt, Leipzig und Erfurt, Hieronymus Philipp Ritschel 1715. Mit einem gestochenen Frontispiz. Späterer Lederband.

Sehr seltene erste und zugleich einzige Ausgabe der ersten geographischen Spezialenzyklopädie. – Der Autor, als Hauslehrer in Arnstadt tätig, verfasste eine Vielzahl von Büchern zur Regionalgeschichte und Geographie. Seine »Orographia« umfasst Berge aus aller Welt, deren Besonderheiten und Geschichte er ausführlich beschrieb. In alphabetischer Folge stehen Aetna und Alpen neben Burg Altenburg, auf den Brocken folgt der Calvarienberg Golgatha usw. – Das Register verzeichnet besondere Ereignisse und Personen, die mit bestimmten Bergen in Verbindung stehen. – Das Frontispiz vereint kleine Ansichten berühmter Berge, darunter Ararat, Tafelberg, Aetna und Vesuv.

18,0 : 10,5 cm. [40], 728 (pag. 727), [16] Seiten, 1 Kupfer. – Vordergelenk brüchig. – Frontispiz und Titel im Falz etwas verklebt.

788  E. B. A.. Der in allen Vorfällen vorsichtige Banquier,

€ 450

Oder: Gründlich und Deutliche Anweisung, Was Ein Banquier in seinem Negotio, auch allen und jeden darin vorkommenden Fällen […] seine Handlungen vorsichtig führen könne. Prag und Nürnberg, Johann Friedrich Rüdiger 1733. Pergamentband der Zeit.

Erste und offenbar einzige Ausgabe. – Der anonyme Verfasser wird in keiner der maßgeblichen Bibliographien und auch im KVK nicht ermittelt. Das Buch ließ er auf eigene Kosten drucken, der Nürnberger Buchhändler Rüdiger übernahm den Vertrieb in Kommission. – Angesichts der Erfahrungen der Finanzkrise 2008, den zahlreichen Klagen gegen bekannte Bankhäuser und dem jüngsten Skandal um einen deutschen Finanzdienstleister sind besonders die ausführlichen Überlegungen zu den Anforderungen an einer Banker (er sei erfahren, redlich und aufrichtig, verschwiegen, reell und prompt sowie exakt) lesenswert und unterhaltsam. Alle Aspekte des Bankwesens und besonders des Wechselgeschäfts werden ausführlich erläutert, im zweiten Teil werden 104 »Kauffmanns-Parere« – Grundlagen der damals gültigen Wechselordnungen – kommentiert. – Es erschien noch ein zweiter Band mit internationalen Wechselordnungen. – Schönes Exemplar.

21,0 : 17,5 cm. [8], 502, [50]; 263, [1] Seiten.

Nicht bei Kress. – Humpert 6791

789  Johann Rudolf Schellenberg. Studien für geübtere Anfänger.

€ 800 ( R5 )

Ein Duzend [sic!] neue abwechselnde Gegenden. Winterthur 1781. Zwölf Kupferstiche. Fadengehefteter Umschlag der Zeit.

Sehr schönes Exemplar der seltenen ersten Ausgabe. – Die Folge der großformatigen Kupfer, die im Kunststudium als Vorlage dienen sollten, enthält das Titelblatt, eine Tafel mit zwei Motiven und elf weitere reizende Kupferstiche, meist mit Schweizer Landschaften mit figürlicher Staffage. – Johann Rudolf Schellenberg (1740–1806) zählt zu den bekanntesten Schweizer Künstlern des Vorklassizismus. Die Reihe der von ihm illustrierten Bücher ist lang (Biblische Geschichten, Sittenlehre), zu zahlreichen Werken steuerte er Kupferstiche bei (Lavaters Pyhsiognomie). Viele Kupferstecher der Zeit wurden von ihm ausgebildet.

15 : 11 cm. (Kupfer), 27,5 : 21,5 cm (Umschlag). – Der Umschlag etwas stockfleckig, die Kupfer sehr schön.

Lonchamp 2633. – Brun, Schweizer Künstlerlex. III, 33, 14

790  [Johann Wolfgang von Goethe]. Die Vögel. Nach dem Aristophanes. Erster Ackt.

€ 3000

Handschrift auf Papier. [Weimar, wohl Anfang 1781]. Pappband der Zeit.

Abschrift der ursprünglichen Fassung, angefertigt von Goethes Sekretär Christian Georg Karl Vogel in brauner Tinte, mit Echtheitsbestätigung durch Dr. Jürgen Behrens (Frankfurter Goethe-Museum) vom 23.11.1989. – Auf starkem englischem Bütten (Wasserzeichen). – Nach den Angaben bei W. Arndt, der 1886 eine kommentierte Druckfassung des Gothaer Manuskripts herausgab, sind die Einbände des Gothaer und des vorliegenden identisch, beides Pappbände in »gelber Steinfarbe.
Das kleine Stück wurde im August 1780 im Liebhabertheater Ettersburg mit Goethe in der Rolle des Schriftstellers »Treufreund (als Scapin)« uraufgeführt. Die literarisch-politische Satire »voller Muthwillen, Ausgelassenheit und Thorheit« (Goethe) bezeichnete Wieland in einem Brief an J. H. Merck als »Goethens Epops maximus cacaromerdicus« und fährt begeistert fort: »Außer der mächtigen Freude, die der Herzog und die Herzoginmutter an diesem aristophanischen Schwank gehabt hat, ist’s auch für Goethens Freunde tröstlich zu sehen, daß er mitten unter den unzähligen Plackereien seiner Ministerschaft noch soviel gute Laune im Sack hat«. – Belegt ist, dass Goethe kurz nach Fertigstellung ein oder zwei Abschriften des (inzwischen verloren gegangenen) Originalmanuskripts anfertigen ließ, wahrscheinlich beide durch seinen Sekretär Vogel, in dessen »ungemein sauberer und zierlicher« Handschrift. Eine Abschrift korrigierte Goethe eigenhändig. Bevor er diese dem Prinzen August von Gotha übersandte, fertigte Vogel die vorliegende Abschrift an, in der die Korrekturen eingearbeitet sind. Besonders bedeutend ist das nur hier enthaltene ausführliche Personenverzeichnis, das im Gothaer Manuskript fehlt und in den Druckfassungen gekürzt wurde. Für den Druck bei Göschen 1786 überarbeitete Goethe den Text nochmals und ersetzte unter anderem eine etwas anstößige Szene.

20,2 : 16,5 cm. Kollation (einschließlich der Vorsatzblätter): Blatt 1 recto/verso leer, 2r Titel, 2v leer, 3r Personen, 3v leer, 4–47r/v und 48r Text, 49v und 50r/v leer.

Literatur: Gräf, Goethe II-4, S. 392ff. – Provenienz: Erworben 1989 im Hamburger Antiquariat (mit einer dankens-, lese- und lobenswerten Beschreibung durch Henning Kluger), seitdem in deutscher Privatsammlung. – Einband leicht berieben, Ecken gering bestoßen. – Innen tadellos, die Blätter später mit Bleistift paginiert

791  [Johann Wolfgang von] Goethe. Clavigo.

€ 400

Ein Trauerspiel. Leipzig, Weygandsche Buchhandlung 1774. Pappband der Zeit mit Buntpapierbezug und Rückenschild.

Erster Druck der ersten Ausgabe mit allen bei Hagen genannten Merkmalen. – Goethe schrieb das Trauerspiel im Frühjahr 1774 innerhalb weniger Tage. Bereits im Sommer lag es gedruckt vor. Erstmals wurde der Name des Dichters auf dem Titel genannt, alle vorherigen Texte – auch der »Götz« – erschienen noch anonym. Im August 1774 wurde das Stück in Hamburg uraufgeführt. – Unbeschnittenes Exemplar auf festem, gelblichem Papier und in schöner zeitgenössischer Kartonage. – Provenienz: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, später Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1809). Auch die KatNrn. 792–794 stammen aus dem Besitz des Hamburger Antiquars und Auktionators (1901–1983). Spätestens mit dem Auktionskatalog seiner Sammlung (1795 Katalognummern, bearbeitet von Susanne Koppel unter Mithilfe von Klaus Hänel und Brigitte Reimers) verstand man Hauswedells wiederholt getätigte Aussage, er sei »Händler und kein Sammler«, die er 1968 in einem Privatdruck zur Stuttgarter Antiquariatsmesse mit dem Ausspruch »Mao sammelt auch nicht« noch unterstrich, als hanseatische Untertreibung.

17,5 : 11,1 cm. – Rücken etwas verblasst. – Minimal fleckig.

Goedeke IV/3, 159, 2. – Hagen 64 D1. – Slg. Kippenberg 352

792  [Johann Wolfgang von Goethe]. Die Leiden des jungen Werthers.

€ 800

Erster [und] Zweyter Theil [in einem Band]. Leipzig, Weygandsche Buchhandlung 1774. Mit einer gestochenen Titelvignette von Oeser und zwei Holzstichvignetten, auf Titel 2 und am Schluss. Marmorierter Lederband des 19. Jahrhunderts mit Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild. Rot-weiße Kleisterpapiervorsätze.

Erste Ausgabe, zweiter Druck mit den korrigierten Druckfehlern. An Stelle des Druckfehlerverzeichnisses auf Seite 224 nun die Holzstichvignette »Sense mit Sanduhr«. – Man darf getrost behaupten, dass Goethe nach »Götz« und »Clavigo« spätestens mit diesem Buch seinen Weltruhm begründet hat. Der Briefroman mit dem bekannt-tragischen Ende hat nicht nur Scharen von Nachahmern – sei es im Hinblick auf das Werther-Gewand oder den Freitod aus verschmähter Liebe – gefunden, sondern auch viele Schriftsteller inspiriert. – Sehr selten. – Provenienz: Sammlung Richard Doetsch-Benziger, später Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1811).

16,3 : 10,0 cm. 224 Seiten. – Kanten teils leicht berieben. – Auf etwas einfacherem Papier als der Estdruck. – Titelblatt 1 mit kleinem hinterlegten Ausschnitt und im Falz etwas fleckig. Durchgehend leicht fleckig.

Goedeke IV/3, 163, 3. – Hagen 80 D1a. – Nicht in Slg. Kippenberg. – Dorn 271

793  [Johann Wolfgang von] Goethe. Der Triumph der Empfindsamkeit.

€ 500

Eine dramatische Grille. Ächte Ausgabe. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1787. Halblederband der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild und hübscher Rückenvergoldung.

Erste Einzelausgabe. – Sonderdruck (mit dafür gedrucktem Titelblatt) aus dem vierten Band der »Schriften« nach Entfernung der Bogennorm und Verrückung der Paginierung. – Der epochale Begriff »empfindsam«, der sich sogleich in der deutschen Dichtung verbreitete, wurde »zum erstenmal gebraucht von Bode, der in der vorrede zu Yoricks empfindsamer reise (1768) erzählt, dasz Lessing es ihm als übersetzung von sentimental empfohlen habe« (Grimms Wörterbuch). – Schönes unbeschnittenes Exemplar auf stärkerem Papier. – Exlibris Goethe-Sammlung Edwin Redslob (mit dessen Zusatz »Dublette!«) und seinem Besitzvermerk auf dem Vorsatzblatt. – Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1313).

16,9 : 11,0 cm. [2], 118, [2] Seiten. Etwas berieben und leicht fleckig. – Ränder von Titel und Schlussblättern leicht gebräunt.

Goedeke IV/3, 232, 37. – Hagen 185. – Kippenberg 1358. – Dorn 344

794  [Johann Wolfgang von] Goethe. Faust.

€ 800

Ein Fragment. Ächte Ausgabe. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen 1790. Marmorierter Pappband um 1900.

Erste Einzelausgabe, zweiter Druck, da mit der Zeilenwiederholung auf den Seiten 144/145 und allen weiteren bei Schulte-Strathaus beschriebenen Merkmalen des Doppeldrucks Sm. Anton Kippenberg galt im Übrigen diese Variante als Erstdruck. – Goethes »Faust«, der ihn über Jahrzehnte beschäftigte, – 1808 erschien die vollendete Fassung von Teil 1, 1833, also erst aus dem Nachlass, der Tragödie zweiter Teil – gilt als die berühmteste dramatische Dichtung der deutschen Nationalliteratur. Das Faust-Fragment erschien 1790 auch im siebten Band der »Schriften« (Göschen 1787–1790). – Ehemals Sammlung Dr. Ernst Hauswedell (Auktion 252, 1984, KatNr. 1318).

16,0 : 9,8 cm. [2], 168 Seiten. – Vordergelenk minimal angeplatzt. – Leicht gebräunt. Titel mit Besitzvermerk.

Goedeke IV/3, 611, 2. – Hagen 204. – Slg. Kippenberg 2377

795  J[ohann] W[olfgang] von Goethe. Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären.

€ 600

Gotha, Carl Wilhelm Ettinger 1790. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts mit drei vergoldeten Rückenschildern.

Erste Ausgabe, erster Druck. – Die Herausgabe dieser naturwissenschaftlichen Schrift wurde von Göschen abgelehnt. Nicht zuletzt diese Entscheidung führte zum Bruch Goethes mit seinem Hausverlag: »Ich konnte schwer begreifen, warum er [Göschen] mein Heft zu drucken ablehnte, da er im schlimmsten Falle durch ein so geringes Opfer von sechs Bogen Makulatur einen fruchtbaren, frisch wieder auftretenden, zuverlässigen, genügsamen Autor sich erhalten hätte« (Goethe). – Goethe versuchte in diesem Werk – lange vor Darwin –, die Entwicklung der Pflanzen aus einer Urform zu erklären. Vor dem Druck legte Goethe sein Manuskript dem Jenaer Botaniker Bartsch zur Überprüfung und Begutachtung vor. – Sehr schönes fleckenfreies Exemplar auf festem Papier. – Aus der Bibliothek der Franziska von Hohenheim (1748–1811, zunächst Mätresse, seit 1785 zweite Ehefrau von Herzog Carl Eugen von Württemberg, seit 1790 Herzogin von Württemberg) mit den typischen grün-rot-goldenen Rückenschildern.

17,5 : 11,5 cm. [4], 86, [2] Seiten. – Titel mit fast vollständig gelöschtem Stempel.

Goedeke IV/3, 576, 17. – Hagen 211. – Kippenberg 368

796  [Johann Wolfgang von] Goethe. West-oestlicher Divan.

€ 400

Stuttgart, Cotta 1819. Mit gestochenem Doppeltitel von C. Ermer. Blauer Orginalinterimsumschlag.

Erste Ausgabe. – Mit der korrekten Titelzeile »Talismane« auf Seite 9. Die als Viertelbogen zum Austausch gedachten Korrekturseiten 7–10 wurden im letzten Bogen des Buches gedruckt und sind im vorliegenden Exemplar eingeheftet. – Im August 1814 reiste Goethe nach 17 Jahren erstmals wieder in seine Heimatstadt Frankfurt. In Wiesbaden traf er den Bankier Johann Jakob Willemer und dessen Lebensgefährtin Marianne Pirngruber, die österreichische Sängerin, die Willemer 1814 – wahrscheinlich auf Goethes Anraten – heriratete. Auch der 65jährige Dichterfürst fühlte sich zu der jungen Frau hingezogen. Aus der beiderseits leidenschaftlichen Beziehung entstanden einige der schönsten Gedichte des Bandes, die zum Teil von der Hand der Verehrten stammen. In seiner »Suleika« setzte Goethe Marianne von Willemer ein bleibendes Denkmal. – Meist noch unaufgeschnittenes, deshalb ganz breitrandiges Exemplar.

19,8 : 11,5 cm. 2 Kupferstiche, 556 Seiten. – Die Broschur mit Einrissen und kleinen Fehlstellen, der Buchblock verzogen. – Der Doppeltitel außen mit kleinem Wasserflecken.

Goedeke IV/3, 492, 110.I. – Hagen 416. – Slg. Kippenberg 400. – Fischer, Cotta 1189. – Dorn 361

797  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre

€ 300

oder Die Entsagenden. Ein Roman. Erster Theil [alles Erschienene]. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1821. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts mit grün-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Die elf Gedichte bzw. Sprüche auf den Vorblättern im Erstdruck, die einzelnen Novellen des Romans, der unvollendet blieb, erschienen seit 1809 im »Taschenbuch für Damen«.

16,2 : 10,5 cm. [8], 550, [2] Seiten. – Einband etwas bestoßen und berieben. – Sauberes Exemplar, nur die ersten 6 Blätter etwas wasserrandig. – Vorsatz mit Besitzvermerk »A. v. Brandenstein 1855«.

Goedeke IV/3, 434. – Hagen 425. – Fischer, Cotta 1300. – Slg. Kippenberg 402. – Dorn 388

798  Jean Paul – Ludwig Roentgen. Gebetbuch aus Romanen gezogen.

€ 400

Der Rhapsodieen [Erstes bis] Drittes Heft. Zweyte rechtmäßige Auflage (Hefte 1 und 2). Neuer marmorierter Pappband.

Erste vollständige Ausgabe. Die ersten beiden Hefte erschienen 1801 zunächst im Selbstverlag unter dem Titel »Rhapsodieen zum Genuß der Morgenstunden eines ganzen Jahres. Für höhere und bessere Menschen«. Die gemeinsamen Freunde des ostfriesischen Theologen Roentgen, Jean Paul und Emanuel Osmund, hatten sich um 1804 bei der Bayreuther Buchhandlung J. A. Lübecks Erben offenbar mit Erfolg für eine Neuauflage eingesetzt. Jean Paul regte den neuen Titel an, den Roentgen begeistert aufgriff und auf die neuen Titelblätter »jetzt hat das Buch seinen rechten Namen« setzen ließ. – Der Verfasser formulierte – ganz im Geiste und Stil des von ihm hochverehrten Jean Paul – Betrachtungen und Belehrungen auf »alle« Tage des Jahres, es erschienen allerdings nur diese drei Teile, die vom 1. Januar bis 6. Juni reichen. – Als Einleitung zum zweiten Heft wurde der kurze Briefwechsel zwischen Jean Paul und dem Verfasser verwendet, hier im Erstdruck. Hefte 2 und 3 mit beiden Titeln, alt und neu, Heft 3 erschien 1805 in erster Auflage. – Selten.

16,0 : 16,3 cm. XX, 314; [2], XVI, 310; VIII, 286 Seiten. – Gelegentlich etwas stockfleckig.

Berend /Krogoll 400 Anmerkung

799  Friedrich Nietzsche. [Ecce homo]. Aus Friedrich Nietzsches Leben.

€ 300

Seinen eigenen Aufzeichnungen entlehnt. Mitgeteilt von M. G. Conrad. – In: Die Gesellschaft. Monatsschrift für Litteratur und Kunst. Herausgegeben von M[ichael] G[eorg] Conrad und Karl Bleibtreu. Leipzig, Wilhelm Friedrich, September 1890.

Erstdruck dieser frühesten Auszüge aus Nietzsches Autobiographie, die vollständig erst 18 Jahre später unter dem Titel »Ecce homo« erscheinen sollte. – In Heft 9, Seiten 1253–1262. In Heft 10 folgte Leo Bergs Nietzsche-Essay und das Porträt des Philosophen. – Michael Georg Conrad (1846–1927), der Herausgeber der Zeitschrift, hatte Zugang zum Manuskript erhalten und publizierte umfangreiche Auszüge aus den Kapiteln »Warum ich so klug bin« und »Warum ich so weise bin« und eine Schlussbemerkung. – Die für den deutschen Naturalismus wichtige Zeitschrift, »die eine deutsche Erneuerung aus den Ideen Nietzsches und Wagners anstrebte« (Kafemann, zitiert nach Krummel), erschien teils im Eigenverlag der Herausgeber. Zu diesen zählten neben dem Schriftsteller Conrad, der die Zeitschrift gründete, Karl Bleibtreu, Hans Merian, Ludwig Jacobowski und Alfred Gotendorf. – Hier die vollständige Folge der Jahrgänge 1–8 (1885–1892), außer Band I alle in den Originalleineneinbänden.

24,5 : 16,0 cm. – Pappeinband 1 beschädigt, sonst sehr gut erhalten. Teils dezente Besitzerstempel rückseitig auf den Titelblättern.

Krummel I, 194 AE. – Schaberg S. 256 Anmerkung. – Dietzel/Hügel 1162. – Schlawe I, 19ff

800  Cranach-Presse – Das Hohelied Salomo.

€ 1500

Leipzig, Insel 1931. Mit elf blattgroßen Holzschnitten und 13 Holzschnitt-Initialen von Eric Gill. Originalhalbpergamentband, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Im Originalschuber.

Eins von 100 Exemplaren auf Maillol-Kessler-Bütten (Gesamtauflage dieser deutschen Ausgabe 158). – »Der text dieser ausgabe des Hohen Liedes ist wörtlich nachgedruckt der ersten ausgabe der Lutherischen bibelübersetzung; seine dramatische gestaltung der Vulgata entnommen« (Druckvermerk). – Die Kolumnentitel wurden in Rot gedruckt. – Eric Gills Holzschnitte, flächig dunkelgrau auf hellgelber Tonplatte gedruckt, bezaubern durch ihre rätselhafte Anmutigkeit. Dem Künstler gelang die Verallgemeinerung der Sujets und die Vermeidung jeglicher »Süßlichkeit«. – Sehr schönes Exemplar.

26,2 : 13,5 cm. [2], 31, [7] Seiten. – Schuber leicht berieben. – Innendeckel mit kleiner Tintenstift-Nummer.

Brinks 89. – Müller-Krumbach 55. – Schauer II, 75. – Sarkowski 1393. – Gill 284