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Vermischtes – Potpourri | Hesse-Auktionen
Vermischtes – Potpourri

  772    Octave Uzanne. Son Altesse la Femme.

€ 300

Illustrations de Henri Gervex, J.-A. Gonzalés, L. Kratké, Albert Lynch, Adrien Moreau et Félicien Rops. Paris, A. Quantin 1885. Mit zehn Farbradierungen, zwei radierten Zwischentiteln und acht figürlichen Bordüren. Grauer Ecrasélederband mit Vergoldung. Mit dem eingebundenen Originalumschlag.

Erste Ausgabe dieses historisch-fundierten Lobgesangs auf das weibliche Geschlecht. – Eins von 100 Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe auf breitrandigem Japan und mit den Radierungen in mehreren Zuständen, teils farbig gedruckt, teils koloriert. Die zehn Farbradierungen in jeweils zwei Zuständen, einmal ohne Schrift. Es gibt weitere 100 Exemplare auf Japan ohne Zustandsdrucke und eine ungezählte Auflage auf Velin. – Octave Uzanne (1851–1931), einer der größten Bibliophilen, Schriftsteller und Verleger, veröffentlichte zahlreiche Werke zur Buchkunde. Er zählt zu den Mitbegründern der »Societé des bibliophiles contemporains«.

29,4 : 21,0 cm. [4], 312, [4] Seiten, 10 und 28 zusätzliche Radierungen.

Monod 10843. – Carteret IV, S. 384 (»Ouvrage documentaire du plus vif intérêt«)

  773    Rudolf von Delius. Mary Wigman.

€ 200

Dresden, Carl Reissner 1925. Mit einem Frontispiz und 38 Abbildungen auf Tafeln. Orignalhalbleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Mary Wigman 22/23. März 1952 bei M. M. in Hamburg«. 1919 feierte die Tänzerin, nachdem sie Rudolf von Laban und die Zürcher Dadaisten verlassen hatte, in Hamburg ihre ersten großen Erfolge, die sie schlagartig auch international bekannt machten. – Dazu: Reinhold Rudolf Junghanns. Bildnis Mary Wigman (Kopf mit Hut). Radierung. Um 1925. 28,5 : 21,8 cm (52,5 : 34,0 cm). Monogrammiert, als »Probedruck« und und am Unterrand mit Korrekturangaben bezeichnet. Auf Kupferdruckkarton, gebräunt. Gerahmt. – Charlotte Rudolph. Mary Wigman. Fotografie. Silbergelatine, Vintage. Um 1925. 13,7 : 8,7 cm. Mit dem Prägestempel der Fotografin, rückseitig mit Postkartenaufdruck. Knickspuren, etwas fleckig.

25,8 : 19,5 cm. 56, [4] Seiten, 38 Tafeln. – Innen und außen minimal stockfleckig. –Vorsatzblatt mit Schenkungsvermerk.

  774    William Senior. The Thames

€ 400

from Exford to the Tower. Illustrated with thirty original painters-etchings by Francis S. Walker. London, John C. Nimmo 1891. Mit 30 Radierungen nach Gemälden. Dunkelgrüner Originalkalikoband mit Goldprägung und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 260 Exemplaren auf »superfine paper«, die Radierungen auf Bütten. – Die Ölgemälde des irischen Malers Francis Sylvester Walker (1848–1916) wurden vom Künstler selbst als Radierungen reproduziert. Stimmungsvoll illustrieren seine Bilder von der Themse-Landschaft den Text des Journalisten William Senior, der bis dato vor allem durch Publikationen zum Angelsport bekannt geworden war. Sein Spitzname »Red Spinner« und mehrere Holzschnitt-Schlussvignetten mit Fisch-Motiven verweisen auf diese große Leidenschaft des Autors.

29,8 : 23,8 cm. XII, 120 Seiten, 30 Radierungen. – Einband leicht fleckig, Kapitale minimal bestoßen. – Buchblock gelockert, Innengelenke angeplatzt. Zwei Druckstellen in den unbeschnittenen Seitenrändern.

  775    The English Lakes.

€ 250

Painted by A. Heaton Cooper. Described by W. T. Palmer. London, Adam and Charles Black 1905. Mit 75 Chromolithographien und einer Karte. Cremefarbener Originalkalikoband, Deckel und Rücken mit Jugendstildekor in Grün, Rot und Silberprägung.

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren der »Edition de luxe«, gedruckt auf starkes Bütten. – Auflagenvermerk vom Künstler signiert. – Der englische Aquarellmaler Alfred Heaton Cooper (1863–1929) war nach ausgedehnten Reisen 1894 aus Norwegen in seine Heimat zurückgekehrt. Er ließ sich im »Lake District«, der schon damals bei Touristen beliebten Gegend im Nordwesten Englands, nieder und hoffte, dort seine Bilder an Reisende verkaufen zu können. Viele Arbeiten dienten auch als Vorlage für Illustrationen von Büchern und Reiseführern. – Opulent ausgestattet und gut erhalten.

27,5 : 22,2 cm. [2], IX, [1], 230, [2] Seiten, 75 Tafeln mit Seidenvorblättern. – Kapitale und eine Ecke leicht bestoßen. – Die Seidenblätter vor den Tafeln teils leicht stockfleckig.

  776    Scaramanga Brothers. Private Code 1911.

€ 300

London, William Brown [1911]. Dunkelroter Originalleinenband mit Gold- und Blindprägung.

Codierliste für den telegrafischen Geschäftsverkehr der weltweiten Niederlassungen der Reederei Scaramanga Brothers, gegründet von der gleichnamigen griechischen Familie mit Hauptsitz in London. – Um die Kosten für telegrafische Nachrichten zu senken und den Informationsfluss zu beschleunigen, verwendete man seinerzeit Zahlencodes und Kurzworte für die gängigsten Geschäftsausdrücke. Der Band enthält Hunderte solcher Sätze und Codeworte, an einigen Stellen wurden aktualisierte oder nachträgliche Ergänzungen maschinengeschrieben eingeklebt. – 1965 war Francisco Scaramanga der Gegner von James Bond in »The Man with the Golden Gun«, in der Verfilmung von 1975 verkörpert von Christopher Lee.

38,5 : 25,4 cm. [2], 50 Seiten.

777  Al Hirschfeld. Manhattan Oases.

€ 600

New York’s 1932 speak-easies. With a Gentleman’s Guide to Bars and Beverages by Gordon Kahn. With an Introduction by Heywood Broun. New York, E. P. Dutton 1932. Mit 36 ganzseitigen Illustrationen und einem fotografischen Frontipsiz. Hellblauer Originalleinenband mit Titelschildern und illustriertem Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe des ersten Buches von Al Hirschfeld (1903–2003) zählt zu den einflussreichsten und bekanntesten Cartoonisten Amerikas, der als eine der sechs New Yorker »Sehenswürdigkeiten« bezeichnet wurde. – Die »Speakeasies« (Flüsterkneipen) entstanden während er Alkoholprohibition in den USA. Durch das Gebot, leise zu sprechen, sollten Passanten (und patrouillierende Ordnungshüter) nichts vom Barbetrieb hören. – Hirschfeld porträtierte 36 Barkeeper ausgewählter Bars, jedes Porträt wird durch ein Cocktail-Rezept und eine Beschreibung der Bar ergänzt. – Ein originelles Dokument des erfolglosen Versuchs, den Alkoholkonsum durch staatliche Restriktion einzuschränken. – Gut erhalten, hier mit dem seltenen Schutzumschlag.

31,0 : 23,0 cm. 82, [2] Seiten. – Schutzumschlag mit minimal Randläsuren, der Leinenbezug leicht fleckig.

778  Zwei bewegliche Cocktail-Rezeptkarten

€ 300

aus dem Amerika am Ende der Prohibition. New York, Mitte der 1930er Jahre.

I: A Good Mixer – Meyers Hotel »Known the World Over 1884–1934«. Zwei montierte Scheiben, Durchmesser 120 bzw. 145 mm, bedruckt in Blau und Schwarz. Durch Drehen der oberen Scheibe auf den gewünschten Drink werden in zwei Ausschnitten die Zutaten angezeigt. – Das legendäre Meyers Hotel, an der Ecke Hudson River und 3rd Street, war mit Aufzügen, Dampfheizung und elektrischer Beleuchtung 1884 eines der modernsten Hotels der Welt. – II: Fourty famous cocktails. Being a compendium of reliable recipes, carefully compiled for use in this arid era. – The path to perdition or A scene from the back room in the days when life was simple. – Engraved (by John Boland) with humble apologies to hat master engraver John Held Jr. Eine beidseitig bedruckte Karte kann aus dem illustrierten Umschlag (142 : 96 mm) geschoben werden. Dabei werden die Coktails und deren Zutaten angezeigt. – Beide mit minimalen Gebrauchsspuren und sehr selten.

  779    Jean de La Fontaine. Choix de Fables.

€ 450

Illustrées par un groupe des meilleurs artistes de Tokio. Sous le direction de P. Barboutau. Tome premier [et] second. Tokio, Tsoukidji für Flammarion Paris 1894. Mit 28 doppelblattgroßen Farbholzschnitten und Buchschmuck. Farbig illustrierte Originalbroschuren.

Originelle Kombination von französischen Texten mit japanischen Holzschnitten, verstärkt durch die gesamte Buchgestaltung (Blockbuchbindung, Seidenpapierumschlag, Kordelheftung). Ende des 19. Jahrhunderts beförderte die Fernost-Sehnsucht des kultivierten Europas manch sonderbares Produkt. 1896 erschien eine ähnliche Ausgabe mit Fabeln von Claris de Florian. – Die Illustrationen zu den 28 Fabeln stammen von den japanischen Künstlern Kadji-Ta Han-Ko, Kawa-Nabe Kiyo-Soui, Oka-Koura Shiou-Soui, Kano Tomo-Nobou und Eda Sada-Shiko.

25,0 : 18,2 cm. Je [50] Seiten. – Minimal fleckig, Seitenränder in Band 1 etwas wasserrandig.

Metzner/Raabe/Bodemann 373.1. – Carteret IV, 228

  780    [Friedrich] Schiff. Maskee.

€ 900

A Shanghai Sketchbook. [Shanghai, Eigenverlag?, um 1940]. Mit kolorierten, teils blattgroßen Illustrationen. Leporello mit pinkfarbenen Originalseidendeckeln.

Aus einer »limited and numbered edition«, auf dem Titel signiert. – Die in Schwarz gedruckten Karikaturen wurden vom Künstler koloriert und sind auf die starken Leoprellokartons mit Leinenfälzen aufgezogen. – Der Wiener Künstler Friedrich Schiff (1908–1968) lebte lange in Shanghai, wo die vorliegenden reizenden Karikaturen entstanden. »Schiff sympathisiert aber auch mit der leidenden chinesischen Bevölkerung. Er setzt diesen sozial so Benachteiligten in seinem Werk ein Denkmal – zeichnet Kulis, Altwarensammlerinnen, Blumenmädchen, Straßenakrobaten, Bettler und Prostituierte« (schiff-galerie.at).

26,7 : 19,0 cm. 22 Leporelloblätter, davon 20 mit Illustrationen. – Ränder und Falze leicht stockfleckig. – Deckel und Seiten teils mit Griffspuren.

  781    Führer durch die Ausstellung »Entartete Kunst«.

€ 200

Berlin, Verlag für Kultur- und Wirtschaftswerbung [1937]. Mit 59 Abbildungen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe des Führers durch die berüchtigte Wanderausstellung des NS-Propagandaministeriums, die zeitgleich mit der »Großen Deutschen Kunstausstellung« stattfand. – Verantwortlich für den Inhalt des Hefts zeichnete Fritz Kaiser, der auch die Ziele der Ausstellung formulierte. Mit einer Rede Adolf Hitlers zur Eröffnung des »Hauses der Kunst« in München. – Es existierten drei Ausagben, hier mit den bei Barron beschriebenen Merkmalen der ersten. Preisangabe auf dem Vorderumschlag aber schon mit »Preis 30 Pfg.« überklebt.

21,0 : 14,8 cm. 30, [2] Seiten. – Durchgehend mit geglätteter senkrechter Mittelfalte.

Barron Seite 356ff

  782    Mao Zhu Yu Lu

€ 750

(chinesisch: Zitate des Vorsitzenden Mao). [Peking 1964]. Mit Porträt und Faksimileblatt. Rote Originalkunststoffbroschur mit blindgeprägtem Deckeltitel.

Wohl Exemplar aus der zweiten Bindequote der Erstausgabe, nun in dem weltbekannt gewordenen roten Kunststoff-Einband. – Nur die Erstausgabe erschien ohne Datierung, mit der hier vorliegenden Kollation und in dem etwas größeren Format. Bereits die zweite Auflage von 1965 wurde um zwei Kapitel erweitert und das Faksimile der handgeschriebenen Widmung Lin Biaos mit dem »Schreibfehler« in der zweiten Spalte gegen eine korrigierte Fassung ausgetauscht. – Vortitel in Rot, Haupttitel in Grün und Rot gedruckt. – Die Sammlung von Aussprüchen des Führers der chinesischen Volksrevolution erschien auf Anregung des Armeegenerals Lin Biao (1907–1971). Auf seine Initiative hin sollten die Soldaten der Roten Armee Mao-Zitate auswendig lernen, was schlussendlich 1964 zur vorliegenden Sammlung führte. Bis 1967 wurden mehr als 720 Millionen Exemplare und Übersetzungen in mehr als 35 Sprachen gedruckt – nur die christliche Bibel hat weltweit größere Verbreitung gefunden. Wegen seiner zunehmenden Machtfülle misstraute Mao seinem Stellvertreter Lin Biao, der 1971 unter ungeklärten Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Um sein Andenken zu tilgen, wurden die Einwohner Chinas, denen der Besitz der »Mao-Bibel« staatlich verordnet war, aufgefordert, Widmungsblatt und Vorrede aus den bis 1971 erschienenen Exemplaren zu entfernen. – Trotz der weltweit riesigen Auflage sind unkorrigierte Exemplare des Erstdrucks sehr selten. – Eines der folgenreichsten Bücher der Weltgeschichte. – Beigabe: Ein Exemplar der deutschen Erstausgabe (Worte des Vorsitzenden Mao Tse Tung, Peking 1967). Roter Kunststoffeinband. Mit Widmung »To the best communist of the N.Y. Stock Exchange, 28.4.69«.

14 : 10 cm. [4], 2, 2, 250, [2 leere] Seiten. – Porträt und das hintere Vorsatzblatt leicht fleckig.