ChristianHesse

Kinderbücher | Hesse-Auktionen
Kinderbücher

599  [Johann Georg Seybold]. Versuch eines Elementarbuches für Kinder

€ 300

durch Abbildung der merkwürdigsten Dinge und derselben deutschen, lateinischen, französischen und italiänischen Benennungen. Nürnberg, Gabriel Nicolaus Raspe 1770. Mit gestochener Titelvignette und etwa 6.000 kleinen Textholzschnitten. Halblederband um 1900.

Erste Ausgabe unter dem neuen Titel und um französische und italienischen Vokabeln erweitert. – Das dem Philologen Seybold (1620–1690) zugeschriebene Werk erschien Ende der 17. Jahrhunderts zunächst als »Teutsch-lateinisches Wörterbüchlein zum Nutz und Ergötzung der Schuljugend«. – Eine Art »Orbis pictus«, das viersprachige Wörterbuch ist illustriert mit unzähligen kleinen Holzschnitten, jede Seite mit zwei Reihen von je zehn Motiven. Es finden sich Gegenstände, Menschen, Tiere, Symbole u. v. m., nicht alphabetisch, sondern systematisch nach »Hauptstücken« geordnet. – Schönes Exemplar.

18,5 : 11,0 cm. [6], 288, [76] Seiten. – Minimal berieben. – Ohne das Frontispiz. Titel recto und verso mit Stempel.

Wegehaupt I, 2046. – HB KJL III, 937

600  F[riedrich] J[ustin] Bertuch. Bilderbuch zum Nutzen und Vergnügen der Jugend,

€ 6000

enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Blumen, […] und allerhand andern unterrichtenden Gegenständen aus dem Reiche der Natur, der Künste und Wissenschaften; […] mit einer kurzen wissenschaftlichen und den Verstandeskräften der Jugend angemessenen Erklärung begleitet. Porte-feuille, instructif et amusant pour jeunesse […] Erster [bis] Zweiundzwanzigster Band. Wien, Bauer 1808–1828. Mit 1100 kolorierten Kupferstichen. Elf Halblederbände der Zeit mit zwei rot- bzw. grün-goldenen Rückenschildern und etwas Rückenvergoldung.

Vollständiges Exemplar der Wiener Ausgabe, Bände 1 bis 10 in zweiter Auflage 1808, ab Band 11 in erster, somit alle bei Ph. Bauer erschienen. – Nachdem bereits die Weimarer Ausgabe, die seit 1790 erschien, ein sensationeller Erfolg war und sich auch Goethe lobend geäußert hatte, brachten ab 1805 auch die Wiener Verleger Pichler bzw. Bauer Neuauflagen heraus. Im Gegensatz zur Weimarer Ausgabe, die 1185 Kupfer enthielt, wurden in die Wiener Ausgaben »nur« 1100 aufgenommen, die Texte sind identisch. – »Durch Bertuchs Werk ist das ›Bilderbuch‹ zum Begriff geworden. Ohne Zweifel ist das Bertuchsche Bilderbuch eines der großartigsten Werke, die dem Kinderbuchsammler begegnen […] Hier beginnt das neuzeitliche, naturwissenschaftliche Denken, die Zielstrebigkeit, mit der im Kinderbuch das moderne Sachbuch vorausgenommen wird. Darüber hinaus gehört es zu den kostbarsten Schätzen des Sammlers illustrierter Bücher« (E. Strobach, in Philobiblon XIII, 255 ff.). – Bertuch selbst äußerte sich zur Bedeutung eines solchen Buches in der Einleitung zur Weimarer Ausgabe: »Ein Bilderbuch ist für eine Kinderstube ein eben so wesentliches und noch unentbehrlicheres Meuble als die Wiege, die Puppe oder das Steckenpferd«. – Über die im Titel angekündigten Gegenstände und Gebiete hinaus bringen die Kupfer »auch Kuriosa wie die sieben Weltwunder, Fabeltiere, einen Stierkampf in Spanien, Pferderennen in England, mikroskopische Ansichten […], das Teleskop von Herschel, eine Taucherglocke, den Telegraphen (›Fernschreiber‹ sic!) in Paris, die Degensche Flugmaschine aus Wien und vieles andere mehr« (Monschein). – Jeder Band mit allen Kupfern, Textblättern sowie den beiden Inhaltsverzeichnissen in Deutsch und Französisch. – Nach Wegehaupt wurden die neuen Texte von Karl Bertuch, dem Sohn des Verlegers zusammengetragen. Die Kupfer gestochen von bzw. nach den Vorlagen von Jacob Xaver Schmuzer, Böhm u. a. – Durchgehend sehr gut erhalten, nur ganz vereinzelte Tafeln und Textblätter minimal stockfleckig.

27 : 21,5 cm. Zusammen etwa 1400 Textblätter und 1100 Kupfer.

Monschein, Wien 1979, 137–137a. – Rümann, Kinderbücher 33. – Seebass 180. – Goedeke IV/1, 679. – Graesse I, 351. – Brunet IV, 827

601  Joachim Heinrich Campe. Neue Fabeln zur Uebung im Lesen und Denken.

€ 300

Braunschweig 1807. Mit 23 kolorierten Kupfertafeln von W. Arndt nach G. Junge. Blindgeprägter Leinenband der Zeit.

Sehr seltene Variante, etwa zeitgleich mit Campes »Sämmtliche Schriften« erschienen, in deren erstem Band Wegehaupt die Kupfer (in leichter Variante) nachweist. – Zu jedem Buchstaben eine kurze Fabel, deren Protagonisten sich aus dem jeweiligen Buchstaben ableiten: »Ackersmann und Affe«, »Bär und Bienen«, »Jagdhund und Iltis« und viele mehr. – Jedes Kupfer mit einer kleinen Szene aus der Fabel und zwei sinnbildlichen Figuren sowie dem jeweiligen Buchstaben in Versalien und Minuskeln, jeweils in Antiqua und Fraktur. – Ohne das gestochene Frontispiz.

14 : 9 cm. 56 Seiten, 1 leeres Blatt, 23 Kupfer. – Etwas fingerfleckig. – Teils im Falz verstärkt. – Exlibris.

Vgl. Wegehaupt I, 286, Rümann 66 und HB KJL III, 179, jedoch keine mit dieser Kollation

602  Des Knaben Wunderhorn.

€ 2500

Alte deutsche Lieder gesammelt von Ludwig Achim von Arnim und Clemens Brentano. Erster [bis] Dritter Band. – Kinderlieder. Anhang zum Wunderhorn. Heidelberg und Frankfurt, Mohr und Zimmer (Band I) bzw. Heidelberg, Mohr und Zimmer (II und III und Anhang) 1806 und 1808. Mit vier gestochenen Titelblättern und einer Kupfertafel, nach Clemens Brentano, Philipp Otto Runge und anderen. Prachtvolle Halblederbände der Zeit, mit je zwei rot- bzw. grün-goldenen Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung.

Vollständiges Exemplar, alle Teile in erster Ausgabe. – Das unbestrittene Hauptwerk der Heidelberger Romantik geht auf Achim von Arnim und Clemens Brentano zurück, die damit in der Frühzeit ihres dichterischen Schaffens ein überraschend erfolgreiches Projekt verwirklichten. Die Sammlung enthielt insgesamt 723 Lieder und übertraf vom Umfang her alle früheren Sammlungen dieser Art. Als Beginn der Arbeit gilt ein Brief Brentanos vom Februar 1805, in dem er Arnim die Erarbeitung eines »wohlfeilen Volksliederbuch« vorschlug. Arnim schrieb nach einem Besuch bei Goethe, der sich mehrfach lobend, ja überschwänglich zu dieser Sammlung äußerte, an Brentano, Goethe fände die Sammlung »sehr angenehm« und hätte »sie gegen viele in Weimar gelobt […] Es war mir dabei, als wenn eine schöne Königin mit ihren Fingern durch meine Mähne striche und mir den Hals klatschte.« (zitiert nach Goethe, Gespräche. Hrsg. von Biedermann, 1909, Bd. I, S. 405). – Das Kupfer mit der Szenerie von Bethlehems Stall, umringt von musizierenden Kindern und viel Getier, am Ende des Anhangs eingebunden. – Mit allen vier Kupfertiteln, zu denen zwei der bekanntesten Darstellungen der Romantik gehören: Der reitende Knabe und das Trinkhorn mit dem Heidelberger Schloss. – So schön und komplett in ersten Auflagen selten zu finden und hoffentlich auch heute noch begehrt.

I: 480 (paginiert 470); [4], 448; [4], 253 [und ein nn. zwischengebundenes Widmungsblatt], [1], 103, [1] Seiten, 5 Kupfer. – Kupfertitel 1 leicht stockfleckig, der übergroße Kupfertitel 2 hier bis knapp in die Darstellung beschnitten.

Goedeke VI, 73, 12 u. 59, 14. – Mallon, Armin 35–38. – Mallon, Brentano 24–27. – Slg. Kippenberg 1035. – Hauswedell/Voigt I, 108ff

603  Clemens Brentano. Gockel Hinkel Gackeleia.

€ 750

Mährchen wieder erzählt. Frankfurt, Schmerber 1838. Mit lithographiertem Titel und 14 lithographierten Tafeln nach Clemens Brentano. Etwas späterer roter Halblederband mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe, zweiter Druck, mit den nicht getönten Tafeln. – Diese umgearbeitete Fassung des um 1811 entstandenen Märchens erschien erweitert um die »Herzliche Zueignung« an Marianne von Willemer (Goethes Suleika und Jugendliebe Brentanos) und die abschließenden »Blätter aus dem Tagebuch der Ahnfrau«. Die Verbindung eines schlichten, aus Elementen der Volkssprache gebildeten, Erzähltons und einer grotesken und phantastischen Handlung ergeben eines der gelungensten Beispiele für die Umsetzung der romantischen Poetik. – Die bemerkenswerten Illustrationen entwarf Brentano selbst: »Sie sind durch ihre ›surrealistischen‹ Reize von einer Modernität wie kaum eine andere Illustration der Romantik.« (Kaldewey XIII/1, 42).

19,8 : 13,0 cm. XIV, 346 Seiten. – Wie meist etwas knapp beschnitten bzw. geheftet. Die Lithographien teils leicht stockfleckig, die letzten drei Textblätter mit größerem, aber hellen Fleck.

Goedeke VI, 62, 43. – Slg. Borst 1856. – Rümann 130 und 2562. – Stuck-Villa I, 60

604  J[ohann] P[eter] Hebel. Biblische Geschichten.

€ 300

Für die Jugend bearbeitet. Erstes [und] Zweites Bändchen. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1824. Hellrote Originalbroschuren mit lithographierten Deckelbordüren und -vignetten.

Erste Ausgabe, entgegen der irrtümlichen Angabe »1822« bei Goedeke (und einigen ihm folgenden Bibliographen). 1824 erschien sowohl diese erste als auch eine zweite Auflage. – Der Erfolg der Hebelschen Texte erläutert Leslie Giger in einer Neuausgabe von 1981: Hebel arbeitete mit Erfolg »[…] daran, die Biblischen Geschichten so nachzuerzählen, wie er selbst sie als Knabe hätte lesen wollen: nicht als längstvergangene Ereignisse, sondern so selbstverständlich und einfach, daß man beim Lesen das Gefühl hat, man sei diesen Menschen schon begegnet, dem neidischen Kain, dem geldgierigen Judas, dem furchtsamen Petrus, und all die Geschichten seien irgendwie mit dem ganz gewöhnlichen Alltagsleben verwandt« (zitiert nach Brüggemann).

17,6 : 10,5 cm. IV, 254, [2]; IV, 224 Seiten. – Umschläge minimal berieben, Vorderdeckel von II mit kleinen Farbspritzern, Rückenbezug von II angeplatzt.

Fischer, Cotta 1488. – Handbuch KJL IV, 353. – Vgl. Goedeke VII, 543, 22, Wegehaupt I, 891, Slg. Brüggemann 327

605  Schweizerische Erzählungen.

€ 250

Mit 32 Kupfern. St. Gallen, J. C. Müller [1826]. Mit gestochener Titelvignette, gestochenem Frontispiz und 30 Kupfertafeln nach J. R. Schellenberg und D. Ehrenzeller. Späterer Halblederband mit hübscher Rückenvergoldung und zwei Rückenschildern.

Reizend illustrierte Werkauswahl, »die vaterländische Geschichte im Ganzen und im Einzelnen darstellen […] für Kinder im zarterem Alter, die nur spielend mit wissenschaftlichen Gegenständen bekannt gemacht werden können« (Vorwort). – Die genannten 32 Kupfer beziehen die Titelvignette und das Frontispiz mit ein. – Nach Lonchamp erschien eine erste Ausgabe bereits 1820 (diese für uns nicht nachweisbar). Nach Seebaß sind Verleger und Herausgeber identisch, verschiedene Einträge im KVK schreiben die Sammlung dem Schweizer Pädagogen Leonhard Meister zu, der allerdings bereits 1811 verstorben war.

13,0 : 8,5 cm. 190, [2] Seiten, 31 Kupfertafeln. – Unbedeutend stockfleckig, meist nur die Textseiten.

Seebaß II, 503. – Lonchamp 973. – Wegehaupt III, 3464

606  Miguel Cervantes de Saavedra. Leben und Thaten des edeln und tapfern Ritter Don Quixote

€ 600

von La Mancha … Für die Jugend bearbeitet von Franz Hoffmann. Stuttgart, Anton Stoppani 1844. Mit 49 Illustrationen auf 24 Lithographien und dem lithographierten Titel. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe, sehr selten. – Franz Hoffmann (1814–1882) zählt zu den wichtigsten und produktivsten Kinder- und Jugendbuch-Autoren des 19. Jahrhunderts. 1842 erschienen seine ersten Schriften, im Laufe der folgende Jahre übersetzte und bearbeitete er immer wieder fremdsprachige Literatur für jugendliche Leser. Sein »Don Quixote« eröffnete diese Werkgruppe. – Die Illustrationen, je zwei Darstellungen auf einer Tafel und der verzierte Titel, sind stark von Johannot beeinflusst. – Ehemals Slg. Alfred W. Corlies mit dessen Exlibrisschildchen.

17,5 : 13,2 cm. 304 Seiten, 25 Lithographien. – Textseiten teils etwas braunfleckig, die Tafeln meist gebräunt und stockfleckig.

Seebass 353. – Nicht bei Wegehaupt und Brüggemann, nicht in Bilderwelt, Stuck-Villa, Lex. KJL, HB KJL

607  Franz von Pocci. Lustige Gesellschaft.

€ 400

Bilderbuch. München, Braun & Schneider 1867. Mit 31 ganzseitigen kolorierten Holzschnitten, davon einer als Titel und dieser auf dem Vorderdeckel wiederholt. Illustrierter Originalpappband.

Erste Ausgabe, spätere Bindequote mit Verlagsanzeigen von 1898. – Hyacinth Holland bezeichnete 1890 in seiner Pocci-Biographie die »Lustige Gesellschaft« als »wahre Fundgrube von gesundem, gutem Humor und ungesuchter, wohlthuender Heiterkeit […] mit veritablen Drachen und Rittern, mit den gräulichen Zauberern, dem türkischen Großwesir, mit Zigeunern, Schneemännern und der ganz an Jobst Amman erinnernden Schlittenfahrt des Winters, mit dem Chinesischen Bureaukraten, Schreiberknechten und Wackelköpfen, dem Bretzel spendenden Kasperl und dem in stiller Waldeinsamkeit hausenden Klausner«. – Die 30 großartigen Holzschnitte, sorgsam koloriert, bilden 15 Doppelseiten, der jeweilige Text ist vorangestellt. – Auf Seite 3 karikiert sich Pocci selbst als Lehrer in der Kinderschule. – Tadellos schön erhalten.

28,2 : 21,2 cm. [2], 59, [1] Seiten. – Die Ecken und Kapitale minimal berieben.

Pocci-Enkel 494 (705 mit der 2. Auflage, die erst 1924 erschien). – Wegehaupt III, 2900. – Seebaß 1450 und NF 1502. – Rümann, 19. Jhd. 1612

608  Lothar Meggendorfer. Der Sonnenschein.

€ 250

Ein humoristischer Hausfreund. Berlin und Stuttgart, W. Spemann [1886]. Durchgehend farbig illustriert. Originalhalbleinenband mit Deckelillustration.

Erste Ausgabe. – Die von Meggendorfer konzipierte Zeitschrift war in vieler Hinsicht ein Novum: »Der durchgehende Farbdruck war nicht das einzige, wodurch sich die Zeitschrift von den anderen unterschied. Abweichend von der üblichen Funktion als Unterschrift oder Bildlegende, wurde der Text teilweise in die Illustration miteinbezogen. Im Sinne des Begriffes ›Druckbild‹ verschmolzen Bild und Text zu einer graphischen Einheit, wie es in ausgereifter Form später von den Jugendstilkünstlern benutzt wurde« (Krahé, Spielwelt S. 92). Die Texte stammen von Julius Beck, Martin Greif, Ferdinand von der Ruhr und Theodor Müller und waren gleichermaßen für junge und erwachsene Leser gedacht. Nach sechs Heften, die ohne Zwischentitel und durchpaginiert erschienen, war dieses Experiment gescheitert. Für Meggendorfer, der sich nicht entmutigen ließ, folgte die Zusammenarbeit mit dem Esslinger Schreiber Verlag.

36,5 : 234 cm. [2], 74 Seiten. – Deckelränder gebräunt. – Einzelne Blätter am Anfang und Ende im Falz brüchig.

Krahé, Spielwelt 120. – Ries 711, 35

609  Weißenburger Bilderbogen. Armée française. Französische Armee.

€ 400

40 Chromolithographien (14 Bogen, meist mehrfach vorhanden).

Vorhanden sind folgende Bogen: 127, 128, 130, 132, 135, 139, 144, 147, 152, 177, 218 sowie 1649, 1650 und 1651. – Aus der elsässischen Druckerei Fr. Ch. Wentzel, die von 1835 bis 1860 stetig erweitert wurde und in den besten Zeiten pro Jahr etwa zwei Millionen Bilderbogen druckte. 1880 übernahm der ehemalige Prokurist Camille Burckardt die Druckerei. Ein Bogen mit Verlegeradresse Wentzel, die übrigen in deutscher Sprache mit »Buckardt’s Nachf.« – Alle Bogen mit Uniformen der verschiedenen Heeresteile der französischen Armee (Infanterie, Kavallerie, Husaren, Zuaven, Spahis, Dragoner, Artillerie, Generalstab u. a.). Die unterschiedlich großen Figuren (je Bogen sind 9 bis 100 dargestellt) konnten ausgeschnitten und auf Pappe montiert als Spielfiguren benutzt werden. »Zunächst […] für die Simulation von Militärmanövern, auch kleine Prinzen schätzten die Pappsoldaten als Zeitvertreib. In der Folge wurden sie zu einem weit verbreiteten Spielzeug, das man sich allerdings durch aufwendiges Basteln verdienen musste. […] Bis 1870 stellten die Bogen vor allem französische Soldaten dar, wobei den nordafrikanischen Zuaven und Turcos eine gewisse Vorliebe galt. Nach der Angliederung des Elsass an das Deutsche Reich umfasste das Sortiment vorwiegend deutsche Soldaten und ihre Verbündeten, allerdings gab es nach wie vor auch französische Uniformen« (Webseite zur Ausstellung der Galerie Heitz, Palais Rohan, Strasbourg, 2010–11). – Sehr gut erhalten.

Ca. 45 : 35 cm. – 1 Blatt mit Einriss.

610  Münchner Bilderbogen.

€ 500

Sammlung von etwa 450 Bogen aus den Nummern 1–1220. München, Braun & Schneider um 1880.

Umfangreiches Konvolut der wohl berühmtesten deutschen Bilderbogen, an denen sich nicht nur Kinder erfreuten. Die Bogen enthalten teils naturwissenschaftliche und historische Bildfolgen, aber auch humorvolle Karikaturen, Märchen und Bildgeschichten. Viele Bildfolgen von Wilhelm Busch erschienen hier zum ersten Mal. – Viele Bogen koloriert, einige zu Ausstellungszwecken auf schwarze Kartontafeln montiert. – Liste mit Bogennummern auf Anfrage. – Kein Rückgaberecht, gekauft wie besehen.

Ca. 45 : 35 cm. – Teils unbedeutende Alterungsspuren.

611  Struwwelpeter – Drei Struwwelpetriaden.

€ 300

1899–1939. Durchgehend farbig illustriert. Drei farbig illustrierte Originalhalbleinenbände.

Alle in erster Ausgabe, I im zweiten Druck. – I. Harold Begbie. The Political Struwwelpeter. Illustrated by F. Carruthers Gould. London, Grant Richards 1899. Second Edition. Die beiden unveränderten Auflagen erschienen innerhalb weniger Wochen. Das Buch karikiert die politischen Verhältnisse des britischen Imperialismus. – II. Karl Ewald Olszewski. Der Kriegs-Struwwelpeter. München, Holbein 1915. Deutschlands »Antwort« auf Lucas’ »Swollen-headed William« von 1914. – III. Ilse Linck und Erika Walter. Kleckerklaus. Struwwelpeters kleiner Bruder und 5 andere Geschichten. Oldenburg/Berlin, Gerhard Stalling [1939]. – Insgesamt recht gut erhalten.

Ca. 28 : 22 cm. [1], 24 Blätter; 24, [1] Blätter (ein Blatt gerissen und hinterklebt); [20] Seiten.

Baumgartner 1, II/10, II/16 und I/46

612  Märchen-Strauß für Kind und Haus. Mit Bildern von V[ictor] P[aul] Mohn.

€ 250

Berlin, Georg Stilke [1882]. Durchgehend chromolithographisch illustriert. Originalhalbleinenband mit montierter Chromolithographie als Deckelbild.

Erste Ausgabe. – Enthält, reizend illustriert, zehn bekannte Märchen, von »Rotkäppchen« und »Dornröschen« bis »Die sieben Raben«, »Marienkind« und »Die Sterntaler«. – »Victor Paul Mohn (1842–1911), [Ludwig] Richters Schüler und mit dessen Enkelin verheiratet, setzt dessen Schule bis zur Jahrhundertwende fort, gewinnt aber, ohne die idyllische Grundhaltung preiszugeben, seiner Kunst jene Farbigkeit hinzu, die mit der Entwicklung der Chromolithographie auch ins Märchenbuch Einzug hält.« (Ilse Schug, in: Bilderwelt). – Der Seitenaufbau mit Bildern, Text und Zierschmuck könnte den russischen Illustrator Bilibin inspiriert haben. – Mit prächtigen, in Gold gedruckten Vorsatzpapieren. – Insgesamt sehr schönes Exemplar.

30,2 : 23,2 cm. 48 Seiten.

Bilderwelt 1639. – Stuck-Villa 209 und II, 67. – Lex KJL IV, 418

613  Paula und Richard Dehmel. Fitzebutze.

€ 450 ( R7 )

Allerhand Schnickschnack für Kinder. Mit Bildern von Ernst Kreidolf. Berlin und Leipzig, Insel-Verlag bei Schuster & Löffler 1900. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen, davon drei blattgroß. Originalpappband mit farbig illustriertem Vorderdeckel.

Die erste Ausgabe, erschienen im Insel-Verlag, gedruckt wurden 4000 Exemplare. Da der Druck auf rauhem Papier Probleme bereitete, war Kreidolfs unzufrieden mit dem Ergebnis. So erwarb der Schaffstein Verlag 1901 die Restauflage und zugleich die Rechte am Buch und veröffentlichte eine vermehrte Auflage. – Richard Dehmel an R. A. Schröder: »Ich gehe seit Jahren mit der Absicht um, ein Buch für Kinder in die Welt zu setzen, das den ›Struwwelpeter‹ aus dem Felde schlagen soll« (zitiert nach Lex. KJL). Dehmel nannte sein Buch selbst den »Struwwelpeter des 20. Jahrhunderts« und prophezeite Schaffstein einen ähnlich hohen Umsatz, die Bewertung Schaffsteins dagegen war realistischer: »Der Struwwelpeter ist ein Volksbuch […] Der Fitzebutze steht literarisch für eine große Menge zu hoch, er ist nur ein Buch für solche Familien, in welchen sich die gebildeten Eltern geistig mit den Kindern beschäftigen« (Bilderwelt 511). – Eins der künstlerisch wichtigsten und einflussreichsten Kinderbücher des Jugendstils.

30,5 : 23,5 cm. [2], 40 Seiten. – Rücken unten mit kleiner Fehlstelle, Ecken leicht bestoßen.

Sarkowski 365. – Hess/Wachter B 17. – Lex. KJL I, 295. – Stuck-Villa II, 232. – Vgl. Bilderwelt 511

614  Sophus Hansen. Gross-Stadt-Bilder-Buch.

€ 400

Leipzig, Voigtländer [um 1910]. Mit 15 farbigen Tafeln. Originalleinenband mit montiertem farbigen Deckelbild.

Herausgegeben im Auftrag der Lehrervereinigung zur Pflege der künstlerischen Bildung in Hamburg. 1906 stiftete der Voigtländer-Verlag Geld für einen Wettbewerb, die Lehrervereinigung schrieb ihn unter den Künstlern Sophus Hansen, Förster, Eitner und Kayser aus. Die Preisrichter waren die Museumsdirektoren Lichtwark und Brinkmann. Der Gewinner Sophus Hansen (1871–1959) erhielt seine künstlerische Ausbildung hauptsächlich von Leopold von Kalckreuth. Ab 1899 war er in Hamburg tätig und gehörte zu dem Künstlerkreis, der sich um Lichtwark gebildet hatte. – Gut erhalten, es fehlt das Titelblatt.

25,0 : 35,0 cm. 15 Tafeln. – Bezugspapier an den Kanten. – Eine Tafel mit Einriss, eine mittig in der Abbildung mit Bleistift bekritzelt, das Papier dabei durchstoßen.

Schug 505. – Stuck-Villa II, 203

615  Lutz Loën. Das kommt davon.

€ 750

Ein Bilderbuch für unsere Kinder. Bilder und Reime. Berlin-Lankwitz, Loën Verlag [um 1920]. 16 farbige Lithographien mit Bild und Text, davon eine als Deckelbild. Originalhalbleinenband.

Offenbar sehr seltene, für uns bibliographisch nicht nachweisbare Struwwelpetriade. – Auch über den zugleich als Verleger fungierenden Autor schweigt selbst das Internet. – Das Buch schildert jeweils in einem Doppelbild entsprechende Verhaltensweisen und deren Folgen im Haus, auf der Straße oder dem Spielplatz, z.B. »Es spielten an der Nähmaschine die Inge und die Erneline. Das Rad ging los – es war zu spät – die Kinder wurden eingenäht!« – Am Ende triumphiert »Der brave Willi, der nichts genommen, hat die Kirschen ganz allein bekommen«. – Gedruckt bei Rob. Schulz, Berlin.

20,5 : 28,0 cm. [16] Seiten. – Einband etwas bestoßen, Bezugspapier mit kleinen Fehlstellen. – Innen leicht fleckig.

Auch nicht bei Baumgartner 1 und 2

616  Günter Herburger. Birne kann alles. – Birne kann noch mehr. – Birne brennt durch.

€ 200

[Jeweils] Sechsundzwanzig Abenteuergeschichten für Kinder [Band III:] und Erwachsene. Mit Zeichnungen von Daniel Herburger. Neuwied u. a., Luchterhand 1971 [und 1975].. Mit einigen ganzseitigen Illustrationen. Illustrierte Originalpappbände. – Widmungsexemplare.

Alle in erster Auflage. – Vollständige Folge der berühmten Birne-Trilogie, diesem zu Unrecht in Vergessenheit geratenem Klassiker der bundesdeutschen Kinderliteratur. – Alle drei Vor- bzw. Titelblätter mit eigenhändiger Widmung des Autors anlässlich einer Lesung 2011. – »Der Held der phantastischen Geschichten, eine atomgetriebene Glühbirne mit menschlichen Fähigkeiten, ein technisches Superding mit dem Mut eines Weltraumfahrers und dem Gerechtigkeitssinn eines Jesu, wurde von Herburger-Sohn Daniel (8) erfunden, der sich für Rumpelstilzchen nie begeistern konnte, wohl aber für den Umkehrschub bei bremsenden Düsenmaschinen.« (Leona Siebenschön in Die Zeit, 18. Februar 1972).

24,0 : 18,7 cm. 112 bzw. 100 Seiten.

Lex. KJL IV, 272

617  Gundel Gelbert. 1 – 10, ein Zählbuch für Kinder.

€ 450 ( R7 )

Köln 1976. Elf Blätter mit Holzdrucken. Roter Halbleinenband mit grünen Kleisterpapierdeckeln.

Eins von 13 Exemplaren. – Hinterer Innendeckel mit eigenhändigem Druckvermerk, Nummerierung und Widmung. – Nach dem Ziffern-Titelblatt bevölkern von Seite zu Seite mehr Tiere die Szene, ein erfreulicher Gegenentwurf zum »Zehn kleine Negerlein«-Prinzip.– Auf hellgrünem Karton, als Blockbuch gebunden. – Gundel Gelbert hatte Mitte der 1960er Jahre in Köln ihr Antiquariat eröffnet, das sie bis 2009 betrieb. Nach ihrer Beschreibung wurden zunächst alle zehn aus Sperrholz ausgesägten Figuren auf eine Platte montiert. Nach jedem Druckgang wurde ein Tier entfernt, so dass man schließlich beim »vereinsamten« Spitz ankam, der nun den Reigen eröffnet.

31,8 : 37 cm. 11 Doppelblätter.