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Kunst 16. – 19. Jahrhundert | Hesse-Auktionen
Kunst 16. – 19. Jahrhundert

2  Albrecht Dürer. Der Heilige Hieronymus in der Felsgrotte.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Holzschnitt. 1512. 17,0 : 12,6 cm.

Abdruck um 1600. – Ohne die Jahreszahl und rückseitig ohne Text. – Mit der bei Meder beschriebenen Horizontlücke zwischen Schiff und Kreuz. – Auf Bütten ohne Wasserzeichen. – Rückseitig unkenntlicher Sammlerstempel und Bleistiftanmerkungen, unter anderem »Duplicate«. – Aus dem Nachlass des Buchhistorikers Hans-Joachim Koppitz, Mainz.

Hinterlegte Ausdünnung am rechten Rand, linker Rand hinterlegt, dadurch recto schwache Bräunungen. – Rückseitig Anheftungsreste.

Meder 229 2 b (von c). – Bartsch 113

3  Albrecht Dürer. Der Apostel Paulus.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Ausruflimit/Reserve price: € 1700

Kupferstich. 1514. 11,6 : 7,3 cm.

Schöner klarer Druck in Schwarz. – Mit dem schwach sichtbaren vertikalen Kratzer über der Mauer. – Auf Bütten. – Rückseitig mit dem eigenhändigen Besitzvermerk »P. Mariette 1669« ((vgl. Lugt 1787–1790). Pierre Mariette erbte 1657 die ohnehin schon bedeutende Sammlung seines gleichnamigen Vaters und erweiterte diese um zahllose hervorragende Drucke. – Aus dem Nachlass des Buchhistorikers Hans-Joachim Koppitz, Mainz.

Bis in die Einfassungslinie beschnitten. Rechter Rand unbedeutend schwach gebräunt. Mariettes Besitzvermerk etwas durchschlagend.

Meder 47 2 b (von d). – Bartsch 50

4  Michelangelo – Giorgio Mantovano Ghisi. Il Giudizio Universale.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Zehn Kupferstiche nach Michelangelos Gemälde. Mitte 1540er Jahre/1650. 45 : 63 cm.

Vollständige Folge der zehn Szenen aus Michelangelos 1536–1541 entstandenem Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle. – Die detailreich gestochenen Darstellungen Ghisis (1520–1582) entstanden kurz nach Fertigstellung des Gemäldes. Zusammengesetzt ergäben Sie eine Größe von etwa 120 : 100 cm. – Blatt L mit Adresse des Verlegers J. J. de Rubeis, Blatt I mit der Widmungskartusche und nach Löschung der Datierung »Cenci 1650«. – Jeweils der letzte bei Lewis verzeichnete Zustand, jedoch noch vor Schattierung einiger heikler Partien der nackten Figuren. – Auf Bütten. – Ergänzt werden sie in der vorliegenden Ausgabe durch eine Gesamtdarstellung des Freskos, gestochen von Sebastian Fulcaro, Kupferstecher in Rom um 1612–1640, mit Adresse Gio. Iacomo Rossi, und einem Porträt Michael Angelus Bonarota, monogrammiert »GMF«. Diese beiden Stiche finden sich zusammen auf dem ersten der insgesamt elf Blätter.

. – Einband beschädigt und fleckig, Bindung stark gelockert. – Besonders die Ränder etwas fleckig und gebräunt, kleinere Randeinrisse und Stauchspuren, einige Bleistiftanmerkungen.

Lewis, Ghisi 9

5  Jacques Callot. De Droeve Ellendigheden van den Oorloogh.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Seer aerdigh en konstigh afgebeelt […] en in druck vytgegeven door Gerret van Schagen. Amsterdam, Leonard Schenk ohne Jahr. 18 Radierungen von van Schangen nach Callot. Halblederband der Zeit.

Spätere Ausgabe, wohl Mitte des 18. Jahrhunderts. – Die Radierungen auf Velin. Vorlage war Jacques Callots berühmte Folge »The Miseries and Misfortunes of War«, die wiederum Goya zu seinen »Desastres« angeregte.

Plattengröße 9,2 : 19,2 cm, Blattgröße 14,3 : 23,5 cm. – Teils stärkere Altersspuren, Einband abgegriffen und berieben. – Ränder etwas fleckig.

Vgl. Meaume 564-581. – Hollstein (van Schagen) 8-25

6  Giovanni Battista Piranesi. Piramide di C. Cestio.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Radierung. 1756. 39,0 : 53,3 cm (55,0 : 79,0 cm).

Ansicht des berühmten pyramidenförmigen Grabmals des römischen Prätors Gaius Cestius Epulo. Piranesi dokumentiert den Zustand nach der ersten Restaurierung im 17. Jahrhundert: Damals waren mehrere Meter Erdreich abgetragen worden, um die Pyramidenbasis freizulegen, wobei auch zwei Säulen wiederentdeckt wurden. Die neueste Sanierung erfolgte 2012–2015. Im Mittelalter als Grab des Remus bezeichnet, fehlt das entsprechende Gegenstück, das Grab des Romulus, seit mehr als 500 Jahren. Diese zweite Pyramide wurde um 1500 für eine Zugangsstraße zum Vatikan abgerissen, ihr Marmor in der Engelsburg verbaut. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Schöner kräftiger Abdruck des ersten Zustands, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas fleckig, unten links geknittert.

Hind 36 I (von III). – Focillon 745

7  Giovanni Battista Piranesi. Veduta […] Templi de Sole, e della Luna, o d’ Iside e Serapide.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Radierung. 1759. 41,0 : 55,0 cm (55,0 : 78,8 cm).

Tempel der Venus und der Roma, von Piranesi als Tempio de Sol e Luna benannt. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Abdruck des vierten Zustands, nach Überarbeitungen, Änderung des Titels, Löschung des Preises, aber noch vor der Nummerierung.

Etwas stockfleckig und gewellt.

Hind 50 IV (von VI). – Focillon 812

8  Giovanni Battista Piranesi. Veduta interna della villa di Mecenate.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Radierung. 1764. 47,5 : 62,0 cm (55,0 : 79,0 cm).

Villa von Maecenas, Innenansicht. – Die figürliche Staffage der großartigen und beeindruckenden Innenansicht vermittelt eindrücklich die Rezeption der altehrwürdig verfallenen Bauten des alten Roms im 18. Jahrhundert. Die prachtvolle Ruine in Tivoli, über einem kleinen Seitenarm des Anio gelegen, war das Ziel vieler Italien-Reisender. 1796 wurde sie für ein Bauvorhaben des römischen Hofes zerstört. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Prächtiger Druck des zweiten Zustandes, nach den Überarbeitungen aber noch vor der Nummerierung.

Ränder, besonders der obere, stockfleckig, so auch in der Darstellung, dort aber nicht störend. – Oberrand mit drei winzigen Einrissen.

Hind 73 II (von IV). – Focillon 769

9  Giovanni Battista Piranesi. Rovine delle Terme Antoniniane.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 450

Radierung. 1765. 44,5 : 69,5 cm (55 : 79 cm).

Bäder von Caracalla. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas stockfleckig.

Hind 76 I (von III). – Focillon 852

10  Giovanni Battista Piranesi. Avanzi Del Tempio del Dio Canopo nella Villa Adriana in Tivoli.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Radierung. 1768. 45,5 : 58,5 cm (55,0 : 78,5 cm).

Hadrians Villa, Canopus. – Großartige Ansicht der Ruine, kräftiger Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Zweiter Zustand, mit den Überarbeitungen aber noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas braunfleckig, Unterrand mit hinterlegtem Einriss bis an den Plattenrand. – Rechte Ecke (außerhalb der Darstellung) geknickt.

Hind 90 II (von IV). – Focillon 844

11  Giovanni Battista Piranesi. Avanzi di una Sala appartemente al Castro Pretorio nella Villa Adriana in Tivoli.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Radierung. 1774. 44,0 : 57,0 cm (55 : 79 cm).

Hadrians Villa, Apsis der »Halle der Philosophen«. – Kräftiger Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas braunfleckig, links größerer Einriss. – Zwei vertikale Quetschfalten.

Hind 112 I (von III). – Focillon 831

12  Giovanni Battista Piranesi. Interno de Tempio d.o di Canopo nella Villa Adriana.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Radierung. 1776. 45,5 : 58,5 cm (55,0 : 78,5 cm).

Hadrians Villa, Canopus, Innenansicht. – Eindrucksvolle Ansicht des Inneren der Ruine, kräftiger Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas braunfleckig, Unterrand mit hinterlegtem Einriss bis an den Plattenrand. – Rechte Ecke (außerhalb der Darstellung) geknickt.

Hind 131 I (von III). – Focillon 845

13  Giovanni Battista Piranesi. Veduta di un Eliocamio per abitarvi l’ Inverno […]

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Radierung. 1777. 42,5 : 60,5 cm (55,0 : 78,5 cm).

Hadrians Villa, Sonnenkamin. – Eindrucksvolle Innenansicht des Raumes, der im Winter durch Sonnenlicht beheizt werden konnte. – Mit reicher figürlicher Staffage. – Schöner Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas braunfleckig.

Hind 133 I (von III). – Focillon 847

14  Giovanni Battista Piranesi. Dieta, o sia Luogo […] nella Villa Adriana.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 350

Radierung. 1777. 45,0 : 58,0 cm (55,0 : 78,5 cm).

Hadrians Villa, Halle der Academia. – Düster-eindrucksvolle Innenansicht, mit gekonnten Licht-Schatten-Effekten. – Mit figürlicher Staffage. – Schöner Abdruck. – Aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Erster Zustand, noch vor der Nummerierung.

Ränder etwas stockfleckig, unten mit zwei hinterlegten Einrissen bis an den Plattenrand. – Obere rechte Ecke geknittert.

Hind 134 I (von III). – Focillon 848

15  Giovanni Battista Piranesi. Vedute di Roma.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Daraus sechs Radierungen. 1748–1768/86?

Alle aus der ersten Pariser Ausgabe der »Vedute di Roma« (1800–1807). – Titelblatt, Frontispiz mit der Minerva-Statue sowie drei Ansichten: Veduta interna del Sepolcro di S. Costanza […] 1756. – Veduta interna del Pronao del Panteon. 1769. – Veduta interna del Panteon volgarmente detto la Rotonda. 1786. – Beigabe: Radierung (untere Hälfte des Inhaltsverzeichnisses mit Plan der Stadt Rom und der Widmung an Papst Clemens XIII.).

Meist stockfleckig und etwas gebräunt, einige schwache Quetschfalten.

Hind 1 IV (von V), 2 V (von VII), 37 IV (von VI), 82 I (von III), 136 I (von III)

16  Francisco de Goya y Lucientes. Los caprichos.

Schätzpreis/Estimate: € 4500

Zuschlag/Hammerprice: € 11000

80 Radierungen mit Aquatinta, Kaltnadel und Stichel. 1799. Ca. 20 : 15 cm (31,5 : 23,0 cm)

Ohne den Drucktitel, sonst vollständig. – Wohl die 9. Auflage (um 1910, 180 Exemplare): Auf festem, leicht gelblichem Velin ohne Wasserzeichen, Druck in Braunschwarz. Mit den bei Harris ab der sechsten Auflage beschriebenen Kratzern auf den Platten 19 und 66. Die auf Fälze montierten Radierungen wurden vor der Bindung umlaufend etwas beschnitten. – Dunkelblauer Ecrasélederband mit goldgeprägtem Deckeltitel und Monogramm »HW«, Innendeckel mit Exlibris »Hedwig E. Michels«. – Die bekannteste Folge in Goyas druckgraphischem Werk entstand nach einer Reihe von durchaus satirischen Zeichnungen aus den 1790er Jahren. Goya verspottet darin die Verkommenheit des Volkes, die Verlotterung des Hofes und der Aristokratie, die Verblödung von Mönchen und Pfaffen. Um sich vor der fast zwangsläufig drohenden Anklage durch die Inquisition zu schützen, übergab er die Druckplatten nach einer ersten Auflage von 1799 1803 dem spanischen König für dessen »Real Calcografia«. Erst mehr als 25 Jahre nach Goyas Tod erschien eine zweite Auflage.

Einband mit Schabstellen. – Ränder minimal gebräunt.

Harris 36–115, III. – Delteil 38–117

17  Francisco de Goya y Lucientes. Los desastres de la guerra.

Schätzpreis/Estimate: € 8000

Zuschlag/Hammerprice: € 19000

Coleccion de ochenta láminas inventadas y grabadas al agua fuerte. 60 (der 80) Aquatintaradierungen. 1863. 24,2 : 32,5 cm.

Erste Ausgabe, nach Korrektur einiger Bildtitel gedruckt von der Real Academia de Nobles Artes de San Fernando Madrid. – 1863 erschienen 500 Exemplare, die in Lieferungen zu je zehn Radierungen in farbigen Umschlägen ausgegeben wurden. – Auf festem, leicht chamoisfarbenem Velin mit Wasserzeichen »J. G. O.«. – Gebunden in einen prachtvollen weinroten Kalblederband des 20. Jahrhunderts (signiert »Devauchelle«) mit reicher ornamentaler Gold- und Blindprägung. Dieser enthält die Radierungen der Lieferungen 1–5 und 7 (von insgesamt acht), das gestochene Titelblatt mit handschriftlichem Erscheinungsort und -jahr, das biographische Textblatt und die sechs Deckblätter der grünen Lieferungsumschläge. Vor dem Einbinden wurden die Radierungen in der Breite etwas beschnitten. – Die Suite entstand in den Jahren 1810–1814 unter dem Titel »Fatales consequencias de la sangriente guerra en Espana con Buonaparte« (Verhängnisvolle Folgen von Spaniens blutigem Krieg gegen Bonaparte). Sie gilt in ihrer apokalyptischen Darstellungsweise als die vollendetste Leistung des Künstlers auf dem Gebiet der Radierung. Der Künstler emigrierte 1823/24 nach Bordeaux. Von den in Spanien verbliebenen Druckplatten drucke die Königliche Kunstakademie erst 35 Jahre nach seinem Tod diese erste Auflage. – Im Gegensatz zu den eher bilanzierenden »Caprichos«, der Auseinandersetzung mit der Spätphase der höfischen Kultur in Madrid, sind Goyas »Desastres« ein anklagendes Plädoyer gegen Krieg und Vernichtung, gegen den damit einhergehenden Verlust der Menschlichkeit. – Schönes, wenn leider auch nicht ganz vollständiges Exemplar der seltenen und in ihrer Druckqualität unübertroffenen ersten Auflage.

Harris 121–170, 181–190, III 1.b. – Delteil 120–169 und 180–189

18  Francisco de Goya y Lucientes. Los desastres de la guerra.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 13000

80 Aquantintaradierungen. 1863/1903. 24 : 32 cm.

Dritte Auflage, eins von 100 Exemplaren. – Gedruckt in Dunkelbraun und Schwarz, auf Velin, ein Teil der Auflage wurde auf dünnem Bütten gedruckt. – Mit Titelblatt und dem biographischen Textblatt in einem Halbleinenband der Zeit. – Wegen des recht harten Papiers nicht in der Güte der ersten beiden Auflagen.

Deckelkanten beschabt, Ecken und Kapitale etwas bestoßen. – Ränder leicht gebräunt. Vorsatzblätter geknittert.

Harris 121–200 III.3. – Delteil 120–199

19  Francisco de Goya y Lucientes. Los Proverbios.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 6000

Colección de diez y ocho láminas inventadas y grabadas al agua fuerte. 18 Aquatintaradierungen in Sepia. 1930. 38 : 56 cm.

Achte Ausgabe von Goyas letzter großer Radierfolge, die erstmals 1864 erschienen war. – Gedruckt in der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando Madrid, auf leicht getöntem Bütten von Arrches mit dem Wasserzeichen der Real Academia. – Schönes Exemplar. – »Goya präsentiert uns in dieser Serie die Welt inhaltlich als Tollhaus und formal als Chaos von hellen und dunklen Massen, die in der Radierung künstlerisch gebändigt werden und Gestalt gewinnen. Aber die menschlichen Gestalten sind nicht selten entmenschlicht, Tiere und Monstren gewinnen Macht über sie, fressen sie auf, entführen sie. Diese Tollheiten, Torheiten und Absurditäten […] sind aber nicht nur die einer vergangenen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Sie sind bis heute in uns selbst, in den seelischen Abgründen menschlicher Natur, aus denen sie immer wieder hervorbrechen als Wünsche, Sehnsüchte, Hoffnungen, Grausamkeiten, Ängste und Gefühle« (Ewald Gäßler, Oldenburg 1990, Seite 160). – Dazu: Proverbios von Goya. 21 getreue Nachbildungen in Lichtdruck. Herausgegeben von Hugo Kehrer. München 1920. Mit vier Textblättern in Originalhalbpergamentband. Eins von 500 Exemplaren. Mit drei der vier in den ursprünglichen Auflagen nicht enthaltenen Radierungen von 1877. Einband etwas berieben, Gelenke angeplatzt.

Vorderumschlag mit kleiner Klebespur. – Blatt 11 mit kurzem Randeinriss.

Harris 248–265. – Delteil 202–219

20  Francisco de Goya y Lucientes. Tauromachie.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausruflimit/Reserve price: € 330

Faksimileausgabe. 43 Heliogravüren. Herausgegeben von Dr. Heinrich Pallmann. München, Delphin 1911. Mit 43 Heliogravüren. Originalhalbpergamentband. Deckelsignet, Rückentitel und Kopfgoldschnitt vergoldet. Im Originalschuber.

Eins von 325 Exemplaren auf Holländisch Bütten (Gesamtauflage 400). – Einbandentwurf von Walter Tiemann. – Herstellung der Kupferplatten und Kupferdruck von der Graphischen Kunstanstalt J. B. Obernetter, München, Textdruck bei Poeschel & Trepte. – »Tauromachia« war nach »Caprichos« und »Los Desastres de la Guerra« der dritte und letzte zu Lebzeiten des Künstlers vollendete große Radierzyklus. – Die »Tauromachia«, zunächst als Illustration einer Geschichte des Stierkampfes von Don Nicolás Fernández gedacht, erweiterte Goya später, löste sich von der literarischen Vorlage und gab 1816 eine Folge von 33 Blättern heraus. »Zu den von Goya selbst numerierten Blättern treten in unserer Ausgabe 10 neue hinzu. 7 von ihnen hatte bereits der Pariser Kupferstecher und Händler Loicelet in der dritten Ausgabe veröffentlicht hatte, während die übrigen drei Blätter die Biblioteca nacional in Madrid und Dr. Hofmann in früheren Abdrucken besitzt. So finden sich hier zum ersten Male alle Radierungen Goyas, Stierkämpfe darstellend, in einer Ausgabe vereinigt.« (Nachwort). – Sehr schönes Exemplar.

37 : 51 cm. 2, Seiten, 43 Tafeln, [2], 10, [2] Seite.