ChristianHesse

Kunst und Literatur 1900-1945 | Hesse-Auktionen
Kunst und Literatur 1900-1945

493  Max Sauerlandt. Zwei eigenhändige Briefe mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Ohne Ort, 13. VIII. 1917, und Hamburg, 12. IV. 1933. Zusammen acht Seiten.

I. Von der Ostfront, wo Sauerlandt (1880–1934) als Batterieführer eingesetzt war. Im zweiten Teil des Briefes kommt Sauerlandt auf die Situation in Hamburg zu sprechen: »Und was soll ich über meine ›Hamburger Aussichten‹ viel schreiben, wo doch noch nichts entschieden ist? Gleich nach Brinckmanns Tod bin ich von der ad hoc eingesetzten Kommission an erster Stelle zum Nachfolger vorgeschlagen. Das ist alles, auch das aber bitte ich absolut discret zu behandeln.« Bereits 1915 hatte man Max Sauerlandt, der damals noch Direktor des Städtischen Museums in Halle war, die Nachfolge des berühmten Justus Brinckmann als Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe angetragen. Die Stelle trat er nach Kriegsende an. – II. Am 5. April 1933 wurde Sauerlandt wegen seines Eintretens für die moderne Kunst von den Nationalsozialisten zwangsbeurlaubt. »Lieber Hubert, […] es gab in den letzten Tagen […] viel zu viele Kondolenzbesuche, die für mich eigentlich etwas Humoristisches haben, da ich ja noch lebendig bin (nicht des Amts enthoben, wie fälschlich verbreitet wird, sondern ›vorläufig beurlaubt‹) […] da ich an alle Ideale der ›Bewegung‹ von Herzen selbst glaube und meine, seit 25, mindestens seit 21 Jahren, d.h. seit dem Kauf des Abendmahls [gemeint ist Emil Noldes Gemälde, das Sauerlandt bereits 1913 erworben hatte] […] mit allen meinen Kräften nur nach m. besten Vermögen gearbeitet zu haben, glaube ich vorläufig auch noch, daß das was wir jetzt an Verkennung der echtesten Werte erleben, vorübergehen und der richtigen Einsicht Platz machen wird. Ob mit oder ohne mich spielt dabei gar keine Rolle. […] Die ›heroische Kunst‹, die Hitler in seiner gr. Reichstagsrede fordert, sie ist ja schon da […] sie erkennen sie nur noch nicht […] Also: Frisch auf!« – Die beiden Briefe bilden eine zeitliche Klammer um das Wirken Sauerlandts in Hamburg und die Stärkung der modernen Kunst in den öffentlichen Sammlungen der Hansestadt. – Beilagen: Drei Todesanzeigen sowie Zeitungsartikel zum Tode Max Sauerlandts am 1. Januar 1934. – Dazu: Max Sauerlandt. Die Kunst der letzten 30 Jahre. Herausgegeben von Harald Busch. Berlin, Rembrandt 1935. Mit 80 Abbildungen. Originalleinenband. Die Auflage wurde zum größten Teil nach Erscheinen beschlagnahmt und eingestampft. – Aus dem Nachlass von Hubert Stierling (1882–1950), seit 1915 Assistent des Direktors des Altonaer Museums, seit 1932 dessen Direktor. – Beigabe: Max Sauerlandt. Im Kampf um die moderne Kunst. Briefe 1902–1933. München 1957.

Der erste Brief am Oberrand etwas geknittert und mit Braunfleck.

494  Aby Warburg – Vorträge der Bibliothek Warburg 1923–1924.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

Herausgegeben von Fritz Saxl. Leipzig/Berlin, B. G. Teubner 1926. Mit zwölf Bildtafeln. Originalbroschur. – Mit Widmung von Aby Warburg.

Erste Ausgabe. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »S[einem] s[ehr] v[erehrten] Hrn. Gebhardt z. fr. Er[innerun]g | Warburg | 7. XI. 1927«. – Bei dem Widmungsempfänger könnte es sich um den Hamburger Erziehungswissenschafter Julius Gebhardt (1884–1966) handeln. – Mit Vorträgen von Ulrich von Wilamowitz-Möllendorff, Ernst Hoffmann, Hans Liebschütz, Richard Reitzenstein, Hugo Greßmann, Franz J. Dölger, Adolph Goldschmidt und Conrad Borchling. – Mit einem Personen- und Sachverzeichnis von Gertrud Bing. – Aus der Bibliothek des Kunsthistorikers Hanns Swarzenski (1903–1985). – Widmungen des Hamburger Kulturwissenschaftlers Aby Warburg (1866–1929) sind sehr selten.

25 : 17 cm. [8], 277, [1] Seiten, 12 Tafeln. – Broschur leicht beschädigt. – Unbeschnitten, 2 Blätter im Register mit Ein- bzw. Ausriss an der oberen Ecke.

495  [Walter Benjamin, pseudonym:] Ardor. [Fünf Aufsätze in:] Der Anfang.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 800 ( R7 )

Zeitschrift der Jugend. Herausgegeben von Georges Barbizon und Siegfried Bernfeld. I. Jahr, Heft 1[–]5. Berlin und Wien, Die Aktion (Franz Pfemfert) Mai–September 1913. Fünf Originalbroschuren.

Erstdrucke der frühesten Veröffentlichungen Benjamins. – Sehr seltene Zeitschrift aus dem Umkreis von Gustav Wyneken, der als Redakteur tätig war. – Enthält von Walter Benjamin: I. Unterricht und Wertung. Heft 1, Seiten 6–10. – II. Romantik. Eine nicht gehaltene Rede an die Schuljugend. Heft 2, Seiten 38–42. – III. Unterricht und Wertung. Über das humanistische Gymnasium. Heft 3, Seiten 69–72. – IV. Gedanken über Gerhart Hauptmanns Festspiel. Heft 4, Seiten 96–100. – V. Romantik – die Antwort des ›Ungeweihten‹. Heft 5, Seiten 144–145. – Walter Benjamin hatte 1912 in Berlin sein Abitur abgelegt und begann noch im gleichen Jahr an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg/Breisgau zu studieren. Dort lernte er den Dichter Christoph Friedrich Heinle kennen und kehrte zusammen mit ihm noch im Wintersemester nach Berlin zurück. Die Veröffentlichungen in »Der Anfang« erschienen noch in Benjamins erstem Studienjahr. In Jena erschien 1914 eine Parodie auf die Zeitschrift (»Das Ende. Zeitschrift für Jugendkubismus«).

22,5 : 15,8 cm. 160 Seiten. – Broschurumschläge lose und mit leichten Läsuren.

Brodersen E12, 13, 14, 16 und 17. – Slg. Leinweber 53–57. – Dietzel/Hügel 117. – Nicht bei Raabe, Zeitschriften

496  Walter Benjamin. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 350

Unter Mitwirkung von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Sieben Teile in 14 Bänden. Frankfurt a.M., Suhrkamp 1981–1990. Blaue Originalleinenbände in -kassette.

Bis heute maßgebliche Werkausgabe. – Die seit 1974 erschienenen Einzelbände wurden nach Abschluss der Edition für diese »Kassettenausgabe« zum Teil nachgedruckt. – Gut erhaltenes Exemplar der Leinenausgabe.

21 : 13 cm. – Ein Rücken mit minimalen Wasserflecken

497  Henry Benrath (Albert H. Rausch). Lysis · Alladin.

Schätzpreis/Estimate: € 1000 ( R19 )

Ausruflimit/Reserve price: € 660 ( R19 )

Typoskript mit eigenhändigen Anmerkungen und Korrekturen. 1939. 60 paginierte Blätter, davon fünf eigenhändig und 41 mit maschinengeschriebenen Dichtungen mit Korrekturen und Ergänzungen.

Zwei wohl unveröffentlichte Dichtungen von Albert Heinrich Rausch (1882–1949). Erste Dichtungen erscheinen ab 1907, nach Rauschs Begegnung mit Stefan George, die maßgeblich für seine schriftstellerische Entwicklung war. 1932 hatte Rausch den Georg Bücher-Preis erhalten und benutzte seit dieser Zeit das Pseudonym Henry Benrath. – Die Gedichtzyklen entstanden während Benraths Arbeiten an seinen weltpolitischen Romanen und stellen sicher die erste Sammlung zu den späteren »Spruchbüchern« dar. Das Typoskript enthält folgende Texte: Vorspiel«, »Lysis, 1–6«, »Lysis Anadyömeno, 1–10« sowie »Traum, 1–6« und »Erde, 1–17, 20«. – Titelblatt (mit Zusatz »Endgültige Fassung 1939«), das »Vorwort des Verfassers« und die drei Zwischentitel schrieb Benrath eigenhändig, die Typoskriptseiten eigenhändig betitelt und mit vielen kleinen und umfangreichen Korrekturen, Streichungen und Ergänzungen. – Alle Blätter unten rechts paginiert zur Verwendung für den Satz. – In Papierumschlag, dieser eigenhändig betitelt, signiert mit beiden Namen und mit dem Zusatz »Exemplar von Rose Gut, Letzte Fassung 1939«. – »Der Sinn der Sichtungen ›Lysis‹ und ›Alladin‹ wird nur von solchen Menschen erfasst werden, denen das Göttliche im Bilde wirksam wird. Das Göttliche ist in diesem Buche die attische Helle und der iranische Traum […] Kein Werk des Verfassers ist so nahe an der Grenze irdischer Verklärung geboren wie dieses«(Vorwort). – 1938 hatte Benrath Deutschland endgültig verlassen. Er lebte zunächst in der Schweiz, später im Tessin.

31 : 21 cm.

498  Henry Benrath (Albert H. Rausch). Stoa. Wolfkehl.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R19 )

Ausruflimit/Reserve price: € 330 ( R19 )

Typoskript. 98 Blätter.

Die Dichtung »Stoa« war bereits 1933 abgeschlossen, wurde aber erst 1941–43 zusammen mit den Texten für »Der Weg«, »Unendlichkeit« und »Der Gong« satzfertig gemacht. Einzelne Texte wurden aber bereits früher veröffentlicht, z.B. die George gewidmeten »Dank an Apollon« (Stuttgart 1937) und »Die Stimme Delphis« (Zürich 1939). – Inhalt, jeweils mit eigenhändigem Umschlagblatt: »Stoa/Delphi I« (zwei Typoskriptblätter »Vorspiel«). – »Stoa/Delphi (Teil 1: Ruf an Apollon / Apollons Antwort)« (29 Typoskriptblätter). – »Stoa/Delphi II« (52 Typoskriptblätter). – »Stoa/Delphi (Teil II: Pythische: Moira / Die Mütter)« (fünf Typoskriptblätter »einzeln noch einzureihende Gedichte«). – »Stoa/Delphi (Teil III: Das Standbild und Schlussgesang: Gebet)« (sechs Typoskriptblätter). – »Wolfskehl. Die Stimme« (vier Typoskriptblätter). – Enthält u. a. »An Stefan George« und »An George«. – Besonders in Teil II und III mit eigenhändigen Anmerkungen, Anstreichungen und der ursprünglichen Paginierung zufolge mit zahlreichen Umstellungen. – In Umschlagmappe, eigenhändig betitelt.

25 : 21 cm.

Vgl. Siegfried Hagen, Henry Benrath, Bonn 1978. – Landmann, George 1353 und 1443

499  Franz Blei. Das große Bestiarium der modernen Literatur.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit 18 kolorierten Lithographien, je sechs von Olaf Gulbransson, Thomas Theodor Heine und Rudolf Großmann. Neuer Pergamentband mit geprägtem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Eins von 400 Exemplaren der Ausgabe B auf Hadernpapier (Gesamtauflage 430). – Mit karikierenden Porträts von Bierbaum, Däubler, Edschmid, Kolb, Lasker-Schüler, Mann, Meyrink u. a. Diese kolorierten Lithographien illustrieren den spöttischen Text, der die Literaten als Exoten beschreibt. – Franz Blei beschreibt sein Bestiarium im Vorwort als Versuch, »eine so kurze wie anschauliche und genaue Beschreibung derer lebenden Tiere zu geben, so ans Licht der Bücherwelt zu stellen Gott dem Herrn gefallen hat und soweit sie im Gebiete der deutschen Sprache wesen und unwesen. […] Ganz allgemein will ich nur zu einer in der letzten Zeit wieder lebhafter gewordenen Streitfrage kurz Stellung nehmen, der Frage, ob unsere Tiere Intelligenz besitzen oder nicht.«.

20 : 13 cm. 252, [8] Seiten.

500  Hans Bethge. Die Indische Harfe.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Mit Steinzeichnungen von Bernhard Hasler. Nachdichtung indischer Lyrik. Berlin, Morawe & Scheffelt 1913. Mit elf Lithographien, vier davon farbig. Originalseideneinband mit Kopfgoldschnitt (A. Köllner, Leipzig). In Originalkassette mit Deckelschild.

Eins von 250 Exemplaren. – Gedruckt auf Van Gelder-Bütten. – Die Lithographien druckte Hermann Birkholz, Berlin, nach dem Druck wurden die Steine abgeschliffen. – Beginnend mit den Gesängen des großen Dichters Kalidasa versammelt Hans Bethge in der »Indischen Harfe« eine Auswahl der schönsten Liebesgedichte und Lieder früher indischer Dichter, darunter auch Verse und Sprüche aus den heiligen Büchern und Epen: den Upanishaden, dem Mahabharata und dem Pantschatantra. – Bernhard Hasler (1884–1945) war Schüler von Emil Orlik und Lovis Corinth.

32 : 25. [4], 108, [6] Seiten. – Kassette lichtrandig, Gelenke angeplatzt.

501  Wacyf Boutros Ghali. Le jardin des fleurs.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 180 ( R7 )

Essais sur la poésie Arabe et morceaux choisis. Préface par Jules Lemaitre. Paris, Mercure de France 1913. Marmorierter Pappband der Zeit mit eingebundenem Originalvorderumschlag.

Erste Ausgabe, in nummerierter Auflage erschienen. – Der Verfasser des Vorworts rühmt die vorliegende Sammlung: »Ce petit livre, où sont réunies des fleurs de beauté spirituelle, est propre à augmenter notre sympathie pour l’Islam«. Es wäre wünschenswert, wenn es ein Jahrhundert später einem aktuellen Werk ähnlich gut gelänge, die Sympathie für die islamische Kultur im christlichen Abendland zu mehren. – Ab Seite 197 finden sich ausführliche und interessante biographische Anmerkungen zu den Autoren.

18 : 12 cm. IX, [5], 262, [2] Seiten. – Rückenkanten etwas berieben. – Vereinzelte kleine Stockflecken.

502  Bertolt Brecht. Stücke.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Band I [–] X. Berlin, Aufbau 1958. Burgunderrote Originalsaffianlederbände in Kassette.

Vollständige Reihe der Gedichte innerhalb der ersten umfassenden Werkausgabe, die parallel bei Suhrkamp und Aufbau erschien. – Brecht hätte sich über diesen Anflug spätbourgoiser Bibliophilie sicher amüsiert: Seine Dichtungen in dunkelrotem Saffianleder.

19 : 12 cm. – Alle Rücken etwas verblasst.

Vgl. Hagen, Handbuch 3

503  Jacqueline Vodoz. Bertolt Brecht mit Zigarre.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

Fotografie. Silbergelantine. Um 1955. 23 : 17 cm.

Eins der bekanntesten Porträts des Dichters. – Rückseitig mit dem Mailänder Atelierstempel. – Dazu: Ruth Berlau. Bertolt Brecht mit Zigarre. Fotografie. Wohl um 1970. Späterer Abzug der um 1950 entstandenen Aufnahme. 22,8 : 17,3 cm. Rückseitig mit Stempel »Foto von Ruth Berlau [der Mitarbeiterin und Geliebten des Dichters], Honorar an Johannes Hoffmann«.

504  Paul Dessau. Eigenhändige Unterschrift

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausruflimit/Reserve price: € 80

auf Porträtfotografie. 10,4 cm : 14,7 cm. Rückseitig von Paul Dessau signiert und datiert »Zeuthen 1977«.

Schönes Porträtfoto eines ungenannten Fotografen. – Mit dem handschriftlich adressierten Briefumschlag mit gedrucktem Absender. – Der Komponist Paul Dessau (1894–1979) kehrte nach seinem Exil und dortiger erster Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht nach Ostberlin zurück. Er gehörte, trotz künstlerischer Konflikte mit der Kunstauffassung offizieller Stellen, zu den in der DDR auch von staatlicher Seite angesehensten Künstlern.

505  Lovis Corinth – Honoré de Balzac. Die Frau Konnetable.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 140

Übertragen von Margarete Mauthner. Lithographien von Lovis Corinth. Berlin, Bruno Cassirer 1922. Mit zwei lithographierten Titelblättern und 13 Lithographien, davon zwei ganzseitig. Originalhalbpergamentband mit lithographierter Deckelvignette.

Exemplar 231 von 380. – Auf Bütten. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert.

36 : 26 cm. 21, [3] Seiten. – Einband etwas fleckig.

Vgl. Schwarz L 143. – Schauer II, 87

506  Sepp Frank – Sophokles. Oedipus.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Berlin, Weidmann 1919. Mit acht Radierungen von Sepp Frank, davon sechs blattgroß, eine als Titel- und eine als Exlibrisvignette. Neuer grauer Ecrasélederband mit Rückenschild und vergoldeten Fileten.

Privatdruck. – Eins von 90 Exemplaren (Gesamtauflage 100). – In der Übersetzung von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff. – Gedruckt bei Otto von Holten, Berlin, im Auftrag von Dr. Wilhelm Kaufmann für dessen Freunde. – Druck der Radierungen von Heinrich Wetteroth, München. – Sepp Frank (1889–1970) war als Graphiker vor allem für seine unzähligen Exlibris bekannt. Der Privatdruck enthält das des Herausgebers als Radierung eingebunden. – Sehr selten, wir konnten kein Exemplar via KVK oder Worldcat nachweisen.

33 : 26 cm. 67, [9] Seiten.

Rodenberg 243

507  Arminius Hasemann. Himmel und Hölle auf der Landstraße.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausruflimit/Reserve price: € 120

Mit 42 Holzschnitten des Verfassers. Berlin und Leipzig, B. Behr (Friedrich Feddersen) [1921]. Mit 18 doppelblattgroßen Holzschnitten und 24, teils blattgroßen Holzschnitten im Text. Originalhalblederband; Deckelvignette, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet.

Eins von wohl 100 Exemplaren der nummerierten »Liebhaberausgabe« auf Van Gelder-Bütten. – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Die Erstausgabe erschien bereits 1915 mit den 24 Holzschnitten im Text, die hier vorliegende zweite Ausgabe wurde um die 18 Doppelblätter erweitert. – Eindrucksvolle Holzschnittillustrationen zu seinen Reiseschilderungen. Arminius Hasemann (1888–1979) ist durch seine Holzschnittfolgen der 1920er Jahre und einige Plastiken im öffentlichen Raum in Berlin bekannt geblieben, u.a. stammt die »Affengruppe« vor dem Tropenhaus im Zoologischen Garten von ihm. – Schönes Exemplar.

25 : 16 cm. VIII, 200 Seiten. – Rücken leicht verblasst.

Vgl. Sennewald 15 Anmerkung

508  Hermann Hesse. Unterm Rad.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Berlin, S. Fischer 1906. Illustrierter Originalleinenband mit Kopfgoldschnitt, Vorsatzpapiere in Braun.

Erste Ausgabe, erste Bindequote. – Eine der meistgesuchten Hesse-Erstausgaben. – Sehr schönes Exemplar.

19 : 13 cm. 294, [10] Seiten. – Einband minimal gebräunt. – Vorsatz mit Exlibris und kleiner Buchhändlermarke.

Mileck II, 8

509  Hermann Hesse. Traumfährte.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Neue Erzählungen und Märchen. Zürich, Fretz & Wasmuth 1945. Roter Originalkalblederband mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung. Im Schuber.

Erste Ausgabe. – Exemplar einer nicht bezeichneten Vorzugsausgabe in Leder. – Auch andere Werke Hesses wurden bei Fretz gedruckt und als Vorzugsexemplare gebunden.

19 : 12 cm. 243, [2] Seiten. – Rücken leicht verblasst. Oberkanten mit kleiner Quetschung, Ecken minimal berieben. Vorderdeckel mit kleinem Fleck.

Mileck II, 81

510  Hermann Hesse. Klingsors letzter Sommer.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Drei Erzählungen. Zürich, Fretz & Wasmuth [1947]. Roter Originalkalblederband mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Exemplar einer nicht bezeichneten Vorzugsausgabe in Leder. – Gegenüber der Erstausgabe von 1920 erweitert um das Nachwort »Erinnerung an Klingsors Sommer«.

19 : 12 cm. 277, [3] Seiten. – Rücken minimal verblasst. Vorderdeckel mit kleinem Fleck.

Mileck II, 39 A

511  Karl Walser. Sechzehn Steinzeichnungen

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausruflimit/Reserve price: € 800

zu Hermann Hesses Knulp. Berlin, S. Fischer 1922. 16 signierte Lithographien. Mit einem Doppelblatt lose in Originalhalblederkassette mit goldgeprägtem Titel.

Eins von 50 Vorzugsexemplaren der Suite auf Bütten. – Gleichzeitig erschien eine Buchausgabe mit den Lithographien (Auflage 360). – Gedruckt auf der Handpresse von M. W. Lassally, Berlin. – »Interessant ist die Rezeption des aus heutiger Sicht reifsten Werks Karl Walsers, seine Illustrationen zu Hermann Hesses Knulp. Der Rezensent in das ›Sammlerkabinett‹ kann 1923/24 nicht Gutes an diesem Werk lassen. […] Knapp fünfzig Jahre später beurteilt Peter de Mendelssohn diese Ausgabe diametral anders: ›Die […] Luxusausgabe des Knulp war eine der schönsten bibliophilen Schöpfungen des Verlages und ist seit langem eine große Rarität‹«. – »Und so vermitteln denn auch die Lithographien Walsers in der gleichzeitigen Mappenausgabe, wo sie rein und schön als Skizzen wirken, einen viel stärkeren Eindruck als im Buch, das sie zerstören« (Das Sammlerkabinett 1923/1924). – Sehr selten.

30 : 21 cm. 16 Lithographien,1 Doppelblatt. – Kassette leicht fleckig.

Badorrek-Hoguth A 14.2. – Mileck 23 A

512  Hermann Hesse. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 270

Sieben Bände. Berlin und Frankfurt am Main, Suhrkamp 1957. Rote Originalmaroquinbände. Rückentitel und Monogramm auf dem Vorderdeckel vergoldet.

Exemplar der Vorzugsausgabe in Leder. – Dünndruckausgabe. – Neudruck der sechsbändigen »Gesammelten Dichtungen« von 1952, erweitert um den erstmals erschienenen Band VII »Betrachtungen und Briefe«. – Die Einbandgestaltung von Hermann Zapf.

20 : 12 cm. – Rücken von Band 5 mit schwachen Kratzspuren.

Mileck I, E

513  Hermann Hesse. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Erster [bis] Siebenter Band. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1958. Rote Originalleinenbände mit vergoldeten Rückentiteln und Deckelsignets. Zusammen in Originalkassette.

Dünndruckausgabe. – 11.–13. Tausend, Nachdruck der seit 1957 vollständigen Werkausgabe. – Sehr schönes Exemplar.

20 : 12 cm.

Mileck I, E Anmerkung

514  Hermann Hesse. Aquarell auf eigenhändigem Brief.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 2000

Ohne Ort und Datum [Montagnola 1952?]. Zwei Seiten.

Wohl an Jonas Letter (1895–1968), den Hesse bereits um 1930 als Lektor des Wiener Zsolnay Verlages kennenlernte. Nach dem Anschluss Österreichs floh Lesser nach London und wurde von den Nationalsozialisten auf die »Sonderfahndungsliste G.B.« gesetzt. Als großer Verehrer von Thomas Mann publizierte er zahlreiche Artikel zu dessen Leben und Werk. Diese publizistische Tätigkeit gipfelte 1952 in Lessers Buch »Thomas Mann in der Epoche seiner Vollendung«, auf das sich Hesses Dankesbrief wohl bezieht: »Briefschreiben ist meine Sache nicht mehr, doch möchte ich Ihnen wenigstens für Ihr Buch danken u. Ihnen zu seinem Erscheinen gratulieren. Ich freue mich mit Ihnen über dies Erscheinen […] dieser grossen u. schönen Arbeit, dem Werk einer grossen Liebe«. – Auf der ersten Seite ein kleines Aquarell (4,5 : 6,5 cm) mit Blick auf den Luganer See.

Mittig gefalzt, rechter Rand mit zwei winzigen Einrissen.

515  Franz Hessel. Drei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 160

1926–1929.

I. Teigwaren leicht verfärbt. Berlin, Rowohlt 1926. – II. Heimliches Berlin. Berlin, Rowohlt 1927. – Beide Bände gestaltete E. R. Weiß, bemerkenswert vor allem die Illustration auf dem Vorderdeckel von »Teigwaren«. Jürgen Holstein bezeichnete die Beziehung von Dichter und Künstler in seinem »Blickfang« als »eine glückliche Symbiose«. – III. Spazieren in Berlin. Leipzig und Wien, Hans Epstein 1929. Franz Hessel (1880–1941) wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf und studierte in München Orientalistik. Dort kam er in Kontakt mit dem George-Kreis und der »Königin von Schwabing«, Fanny von Reventlow. Von 1906 bis zum Ersten Weltkrieg lebte er in Paris und kehrte dann nach Berlin zurück. Er zählt zu den wichtigsten Übersetzern seiner Zeit, u. a. übersetzte er gemeinsam mit Walter Benjamin zwei Bände von Prousts »Recherche du temps perdu«. – »Hessel hat die ursprünglich Pariser Figur des Flaneurs für Berlin neu erfunden […] Es lehrt das Flanieren als die Kunst, eine Stadt wie ein Buch zu lesen« (Iris Bäcker, Berlin-Bilder von Franz Hessel und Walter Benjamin).

I und II: Einbände leicht stockfleckig.

Wilpert/Gühring2 15, 16 und 19. – Blickfang 169

516  Felix Hoffmann. Ohne Titel.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Bleistiftzeichnung. 1957. 14,5 : 20,3 cm. Monogrammiert und datiert.

Wohl Vorzeichnung für eines der seit 1957 erschienenen Märchenbücher. – Auf festem Velin. – Dazu: Das Urteil des Paris. Lithographie. Um 1950. Signiert, nummeriert und mit »Litho-Versuch auf Zink« bezeichnet. Exemplar 3/10. Auf Bütten. – Fünf Farbholzschnitte (und eine Dublette) zu »Gottfried Keller. Der schlimmheilige Vitalis«. 1953. 21,0 : 13,5 cm. Signiert und pagniert von 2-6. Auf Bütten. Die Dublette von Blatt 5.

517  Hugo von Hofmannsthal. Der Tor und der Tod.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Mit drei radierten Vignetten von E. R. Weiß. Zehnte Auflage. Leipzig, Insel 1912. Dunkelgrüner Originalkalblederband mit Rücken-, Deckel- und Schnittvergoldung. In Originalschutzumschlag und -schuber.

Eins von 300 Exemplaren der einmaligen Vorzugsausgabe, die als zehnte Auflage erschien. Nur diese mit den radierten Vignetten von Emil Rudolf Weiß, der auch den Einband entwarf. – Auf festem Velin. – Nicht nur innen nahezu druckfrisch, gut geschützt hat selbst das empfindliche Grün des Einbands die Jahre »frisch« überstanden. – So schön erhalten sicher selten zu finden.

19 : 12 cm. [2], 40, [6] Seiten.

Houghton Library Catalogue 687. – Sarkowski 772 F

518  Hugo von Hofmannsthal. Lucidor.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 1000 ( R7 )

Figuren zu einer ungeschriebenen Komödie. Mit Originalradierungen von Karl Walser. Berlin, Erich Reiss 1919. Mit sechs signierten Radierungen. Blauer Originalseideneinband (H. Fikentscher, Leipzig).

Fünfter Prospero-Druck. – Erste Ausgabe. – Eins von 52 Exemplaren der Vorzugsausgabe im Seideneinband (Gesamtauflage 240). – Mit eigenhändiger Signatur Hofmannsthals auf dem Vorsatzblatt und einer zusätzlich beigelegten Extrasuite von Zustandsdrucken der Radierungen. – Auf Zanders-Bütten. – Die Radierungen wurden unter Aufsicht des Künstlers gedruckt. – »Vollends impressionistisch wird er in den Radierungen zu Hofmannsthals Lucidor« (Hans Loubier, zitiert nach Badorrek-Hoguth). – Exlibris Lucy Spiegel.

31 : 25 cm. [32] Seiten, 6 Radierungen, 6 Radierungen lose. – Kanten berieben, Rücken stärker, Gelenk angeplatzt.

Houghton Library Catalogue 448. – Rodenberg 461. – Badorrek-Hoguth A 15. – Halbey 19.10

519  Hugo von Hofmannsthal. Gesammelte Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

Band I [–] VI. Berlin, S. Fischer 1923/24. Originalpergamentbände mit schwarz-goldenem Rückenschild und ornamentaler Rücken- sowie Deckelvergoldung.

Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe. – Im Druckvermerk von Band III und VI vom Dichter signiert. – Gedruckt auf Daunen-Papier. – Die Einbände, auch die Pergamentbände der Vorzugsexemplare, entwarf Emil Preetorius. – Diese einzige vom Dichter selbst zusammengestellte Werkausgabe erschien in zwei Folgen mit je drei Bänden. – Tadellos erhalten.

21 : 13 cm.

Houghton Library Catalogue 340

520  Hanns Johst. Schlageter.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 80

Schauspiel. [Hamburg] 1940. Originalinterimspappband mit Pergamentkapitalen.

Eins von 150 Exemplaren für die Mitglieder (Gesamtauflage 200). – Gesetzt aus der Wallau von Rudolf Koch, gedruckt auf Hahnemühle-Bütten. – Mit einem Widmungsblatt der Maximilian-Gesellschaft an Hanns Johst, den Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, aus Anlass seines 50. Geburtstages. Johst, der sein Drama »in liebender Verehrung und unwandelbarer Treue« Adolf Hitler gewidmet und an dessen Geburtstag 1933 hatte uraufführen lassen, bezeichnet die Maximilian-Gesellschaft 1940 als »Schirmherrn der Bibliophilie«. – Tadellos erhalten. – Aus dem Nachlass des Verlegers Lothar Rossipaul. – Beigabe: Weimarer Blätter, ausgewählt und gestaltet von der Reichsschrifttumsstelle. Festschrift zur Woche des Deutschen Buches 1937. Originalpappband.

28 : 20 cm. [10], 109, [3] Seiten.

521  Fritz Kredel – The Life of Benvenuto Cellini.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Written by himself. Translated and edited by John Addington Symonds with an Introduction of Thomas Craven and Illustrations by Fritz Kredel. [New York,] Limited Editions Club 1937. Mit 72 Textillustrationen nach blau lavierten Federzeichnungen. Farbig bedruckter Originalleinenband.

Eins von 1550 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Fritz Kredel signiert. – Gedruckt von Hans Mardersteig, Verona, in seiner Officina Bodoni. – Auf Maslianic-Bütten. – Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, wurde der berühmte italienische Renaissance-Künstler in der Goethezeit wiederentdeckt und die Autobiographie seines abenteuerlichen Lebens vielfach, auch illustriert, veröffentlicht.

33: 25 cm. VIII, [4], 301, [5] Seiten. – Unteres Kapital minimal gestaucht. – Die letzten Blätter am Unterrand mit leichter Feuchtigkeitsspur. – Innendeckel und Titel mit kleinem Sammlerstempel.

Salter 1.72. – Tiessen II, 26

522  Fritz Kredel – Hans Christian Andersen. The Maker of Fairy Tales. – Fairy Tales.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Edited and translated from the Danish by Jean Hersholt and illustrated with drawings by Fritz Kredel. [Two Volumes]. New York, The Limited Editions Club 1942. Mit Textvignetten und Illustrationen von Fritz Kredel und einem Andersen-Porträt von Hersholt. Illustrierte Originalhalbleinenbände, zusammen im Schuber.

Eins von 1500 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Künstler und Herausgeber signiert. – Die Illustrationen in Band 2 handkoloriert. – Der erste Band enthält zahlreiche Briefe von Andersen, der zweite die Märchen.

24 : 16 cm. XIV, [4], 180, [2]; [8], 399, [5] Seiten. – Vorsätze und Vortitel- (bzw. Titel-) blatt mit kleinem Sammlerstempel. Exlibris.

Salter 1.134

523  Alfred Kubin – Heinrich Lautensack. Unpaar.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

Mit zwanzig Originallithographien von Alfred Kubin. Berlin, Fritz Gurlitt 1926. Mit sieben signierten Lithographien und weiteren dreizehn im Text. Halbpergamentband.

Erste Ausgabe. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe, bei denen alle Lithographien signiert wurden (Gesamtauflage 300). – Auf gelblichem Bütten und unbeschnitten. – Druck der Lithographien auf der Handpresse von Hermann Birkholz. – Heinrich Lautensack (1881–1919) war zeitlebens eng befreundet mit Frank Wedekind, mit dem gemeinsam er im Münchner Kabarett »Die drei Scharfrichter« (dem ersten politischen Kabarett Deutschlands) wirkte und der seine schriftstellerischen Ambitionen unterstützte. 1904 wurde das Kabarett aufgelöst, Lautensack arbeitete ab 1907 als freier Schriftsteller in Berlin. Seine dramatischen Werke durften wegen der Zensur allerdings nicht aufgeführt werden und wurden nur in geringer Auflage gedruckt. Der Tod von Wedekind 1918 setzte ihm derart zu, dass er fortan in einer Nervenheilanstalt in Eberswalde lebte und dort schon ein Jahr später in völliger geistiger Umnachtung starb. – Die recht drastische Novelle, herausgegeben von Ernst Hesse aus dem Nachlass des Dichters teilt sich in »Der Biertrinker« und »I’ pfeif auf mei’ Jungfernschaft«.

35 : 28 cm. [2], IX, [1], 67, [9] Seiten. 7 Lithographien. – Einband lichtrandig, Bezugspapier der Deckel erneuert. – Eine Seite mit kleinem Ein-, eine mit Ausriss.

Marks A 82. – Raabe 301

524  Alfred Kubin – Wieland Schmied. Der Zeichner Alfred Kubin.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 110

Unter Mitwirkung der Graphischen Sammlung Albertina und des Oberösterreichischen Landesmuseums. Katalogbearbeitung Alfred Marks. Salzburg, Residenz 1967. Mit zwölf Abbildungen im Text und 188 Bildtafeln. Brauner Originalziegenlederband mit blindgeprägten Titeln. Im Originalschuber.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Ganzleder. – Enthält das Werkverzeichnis des zeichnerischen Œuvres.

29 : 24 cm. 452, [2] Seiten. – Rücken minimal aufgehellt.

525  Max Liebermann – 54 Steindrucke zu kleinen Schriften von Heinrich von Kleist.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Berlin, Bruno Cassirer 1917. Mit 54 Lithographien, davon zwei ganzseitigen, und zwei lithographierten Initialen. Originalpergamentband mit lithographierter Vorderdeckelvignette, vergoldetem Rückentitel und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 250 Exemplaren auf Handbütten. Daneben erschienen 20 Exemplare auf Japan. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gedruckt von W. Drugulin in Leipzig. Die Steinzeichnungen wurden von M. W. Lassally, Berlin auf der Handpresse gedruckt. – Liebermanns Lithographien illustrieren 21 Anekdoten des Dichters. – »Es ist das erste Mal, daß der große Maler auch als Illustrator vor die Öffentlichkeit tritt. […] Liebermann hat Kleist mit Menzelischer Laune aufgefaßt, hat aber zugleich in meisterhafter Weise seinen eigenen Illustrationsstil gefunden und bewiesen, daß seine Art zu zeichnen sich auf das schönste zum Erzählen eignet. […] Von den Schwierigkeiten, die der Krieg dem Buchgewerbe bereitet, ist in diesem Werke nicht zu spüren.« (aus der beiliegenden Verlagswerbung, einem mit drei Lithographien geschmücktem Doppelblatt).

33 : 25 cm. 74 (paginiert 76) Seiten.

Schiefler 226-282. – Schauer II, 86

526  Heinz Liepmann. Acht Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 400

1929–1937. Originalleinenbände, teils mit -schutzumschlag.

Heinz Liepmann (1905–1966) war bis zu seiner Flucht aus Deutschland Dramaturg der Hamburger Kammerspiele. Diese Bühne war für ihr progressives Programm bekannt, Liepmann engagierte sich mit Erstarken der Nationalsozialisten immer stärker politisch und organisierte Widerstandsgruppen unter Hamburger Künstlern. Sein Drama »Columbus« wurde im Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt und polarisierte: Das Premierenpublikum war begeistert, die völkische Presse hetzte gegen den jüdischen Autor. Auch wegen seiner Fürsprache für jüdische Kollegen wurde Liepmann verfolgt, seine Bücher verbrannt und er selbst 1934 in Amsterdam verhaftet. 1934 emigrierte er nach Paris und reiste in den Folgejahren mehrfach nach London, New York und Montreal. Nach Kriegsende kehrte Liepmann nach Hamburg zurück und übersiedelte 1962 in die Schweiz. – Vorhanden: I. Nächte eines alten Kindes. Wien 1929. Erstlingswerk. – II. Der Frieden bricht aus. Wien 1930. – III. Das Vaterland. Ein Tatsachen Roman aus dem heutigen Deutschland. Amsterdam 1933. Erster Exilroman. – IV. Murder – made in Germany. New York und London, Harper 1934. Erste amerikanische Ausgabe von III. – V. … wird mit dem Tode bestraft. Zürich 1935. Zweiter Exilroman. – VI. Fires underground. Philadelphia 1936. Erste amerikanische Ausgabe von V. – VII. Death from the Skies. A Study of Gas and microbial Warfare. London 1937. Dritter Exilroman. – VIII. Das Leben der Millionäre. Paris 1934. – III, V und VIII, also die wichtigen deutschsprachigen Exilausgaben mit den originalen Schutzumschlägen. – Fünf Beigaben.

Sternfeld/Tiedemann 310.

527  Heinrich Mann. Stürmische Morgen.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Novellen. München, Albert Langen 1906. Halblederband mit Rückenvergoldung und -schild.

Erste Ausgabe. – Aus der Bibliothek von Peter Pringsheim, Katja Manns Zwillingsbruder, mit dessen goldgeprägten Initialen auf dem Leder. – »›Ein glanzvolles Buch wieder, das alle Deine Vorzüge zeigt, Dein hinreißendes Tempo, Deinen berühmten ›Schmiß‹, die entzückende Prägnanz Deines Wortes, Deine ganze erstaunliche Virtuosität, der man sich hingiebt, weil sie zweifellos direkt aus der Leidenschaft kommt‹.« (zitiert nach Helmut Koopmann, Thomas Mann – Heinrich Mann, die ungleichen Brüder. 2005, S. 257/258).

18 : 13 cm. [2], 149, [13] Seiten. – Kanten und Ecken berieben.

Zenker I, 32

528  Heinrich Mann. Madame Legros.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Drama in drei Akten. 3. bis 5. Tausend. Leipzig, Kurt Wolff [1917]. Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Mit eigenhändiger Widmung »Fraeulein Hermanotti gewidmet Wien 4. Dez. 1921 Heinrich Mann«. – Frau Hermanotti war eine legendäre Souffleuse am Wiener Burgtheater. – Erste Seite mit handschriftlichen Notizen zur Rollenverteilung der Aufführung am 1. Dezember 1921, darunter namhafte Burgschauspieler wie Rosa Albach-Retty, Auguste Wilbrandt-Baudius, Lotte Medelsky, Ernestine Senders u. v. m.

19 : 13 cm. 141, [3] Seiten. – Einband fleckig. – Schnitt und einige Seiten schwach, erste und letzte stärker stockfleckig. Vorsatzblatt mit kleinem Inventarstempel.

Zenker I, 59, 2. – Göbel 330

529  Familie Mann.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Fotografie. 1879. 11,0 : 7,7 cm (13,5 : 8,5 cm).

Frau Consul Julia Mann mit den Kindern Julia, Heinrich und Thomas. – Sehr seltene und frühe Fotografie aus dem Besitz von Nelly Mann.

Rückseitig mehrfach beschriftet.

530  Thomas Mann – Eigenhändige Unterschriften von Katia, Golo, Michael Mann und Elisabeth Mann-Borgese. –

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausruflimit/Reserve price: € 500

In: Festveranstaltung der Hansestadt Lübeck zum 100. Geburtstag von Thomas Mann. Lübeck 1975.

Seltenes Dokument der Familie Mann. – Faltblatt mit dem Programm des Festakts am 6. Juni 1975 im Großen Haus der Städtischen Bühnen Lübeck. – Auf den beiden Innenseiten haben Angehörige Thomas Manns signierte Widmungen für den Vorbesitzer Wolfgang Windhausen (Lyriker, Graphiker, Menschenrechtler, geboren 1949) niedergeschrieben: Katia Mann (Ehefrau, 1883–1980): »Für Wolfgang Windhausen mit allen guten Wünschen«. – Golo Mann (zweiter Sohn, 1909–1994), Signatur, mit Bleistift geschriebene Widmung. – Michael Mann (»Bibi«, jüngstes Kind, 1919–1977): »In Erinnerung an dieses in seinem Glanz wie seinen menschlichen Erfahrungen so überreiches Fest!«. – Elisabeth Mann Borgese (fünftes Kind, 1918–2002) ergänzt die Widmung ihres jüngeren Bruders um ihre Unterschrift. – Von den übrigen Kindern waren Klaus (Freitod 1949) und Erika (gestorben 1969) nicht mehr am Leben, die ungeliebte Tochter Monika war nicht anwesend. – Signiert wurde das Faltblatt auch von Bundespräsident Walter Scheel (1919–2016) und dem Lübecker Stadtpräsidenten Gerhard Gaul. – Vorderseite mit einem Thomas Mann-Fotoporträt von 1947.

18 : 17 cm. – Minimale Knickspuren.

531  Thomas Mann. Zweimaliger Abschied.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Gedicht. – In: Die Gesellschaft. Jahrgang IX, Heft 10. Leipzig, Wilhelm Friedrich 1893. Halbleinenband mit aufgezogenem Originalvorderumschlag.

Erster öffentlicher Abdruck einer Thomas Mann-Dichtung. – »Schon als Kind und als Jüngling fällt Thomas Mann durch literarische Versuche auf (vorwiegend Liebesgedichte und ›kindische Dramen‹)« (Hermann Kurzke, Thomas Mann: Epoche, Werk, Wirkung). Noch als Gymnasiast wird er unter dem leicht durchschaubaren Pseudonym »Paul Thomas« Mitherausgeber der Schülerzeitschrift »Frühlingssturm«. Sie enthielt den ersten Abdruck seines Gedichts »Zweimaliger Abschied«. Von diesem Heft ist kein einziges Exemplar als noch erhalten bekannt, so dass die vorliegende Veröffentlichung, die nur wenige Wochen später erschien, durchaus als erste Ausgabe bezeichnet werden kann. – »Nachdem [das Gedicht] im ›Frühlingssturm‹ gedruckt war, schickte Paul Thomas es, ohne Rücksicht auf die Schule, an Conrads ›Gesellschaft‹. […] Vielleicht war auch dies ein Versuch, es Heinrich nachzutun, ihn auf seinem Weg einzuholen« (Peter de Mendelssohn, Der Zauberer. Das Leben des deutschen Schriftstellers Thomas Mann.). – Auf Seite 1247 des hier vollständig vorliegenden Oktoberhefts.

23 : 15 cm. [8], 1235–1378, 1 Tafel. – Titelblatt mit Stempel.

Potempa F 1.2

532  Thomas Mann. Bilse und ich.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausruflimit/Reserve price: € 1200

München, E. W. Bonsels 1906. Originalbroschur mit Titel in Rotdruck.

Erste Einzel- und Buchausgabe mit dem Erstdruck des Vorworts, sehr selten. – Thomas Manns Erwiderung auf den Vergleich mit dem Skandalautor Fritz Oswald Bilse. Nachdem in seiner Heimatstadt verschiedene Entschlüsselungslisten zu den Personen in Thomas Manns Roman »Buddenbrooks« kursierten, zeigten sich manche Honoratioren und Bürger der Stadt ob ihrer Darstellung tief verärgert. Die Presse griff diese Stimmung auf und Thomas Mann versuchte, das Recht des Schriftstellers, lebende Personen künstlerisch auszugestalten, zu verteidigen. Die Angriffe gegen ihn gipfelten in der Bezeichnung, die »Buddenbrooks« seien ein »Bilse-Roman«, was schlussendlich zu vorliegendem Essay führte, der zunächst in zwei Teilen in den »Münchner Neuesten Nachrichten« abgedruckt wurde. Das Vorwort datiert »am 50. Todestag Heinrich Heines« [17. II. 1906].

20 : 13 cm. 39, [5] Seiten.

Potempa G 26.2 und 27.1

533  Thomas Mann. Tonio Kröger.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Berlin, S. Fischer 1913. Mit 18 Textillustrationen von Erich M. Simon. Illustrierter Originalpappband.

Erste Einzelausgabe, mit Druckdatum »August 1913«. – Fischers Illustrierte Bücher, 1. Buch. – Gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig.

17 : 10 cm. 122, [6] Seiten. – Rücken und Ränder etwas gebräunt.

Potempa E 16.2

534  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

Schätzpreis/Estimate: € 12000 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 10000

Novelle. München, Hyperion 1912. Späterer weinroter Ecrasélederband mit Vergoldung und Rückenschild mit dem eingebundenen Originalumschlag.

Erste Ausgabe. – 13. Druck für die Hundert. – Eins von 100 Exemplaren für die Subskribenten der Vereinigung »Die Hundert«, handschriftlich nummeriert. – Gesetzt in der Tiemann-Kursiv der Gebrüder Klingspor, die hier erstmals verwendet wurde. – Gedruckt auf Hundertbütten bei Poeschel & Trepte, Leipzig. – Die Novelle entstand nach der Adriareise von Thomas und Katja Mann 1911. Im Helden der Novelle, Gustav von Aschenbach, setzt Thomas Mann dem Komponisten Gustav Mahler ein Denkmal, von dessen Tod er während seiner Reise erfuhr. »Leidenschaft als Verwirrung und Entwürdigung war eigentlich der Gegenstand meiner Fabel« (TM an Carl Maria Weber, 4. VI. 1920). – Eine der seltensten und gesuchtesten Thomas Mann-Erstausgaben, die noch vor dem Abdruck in »Die Neue Rundschau« erschien. Alle nachfolgenden Ausgaben weisen leichte Textabweichungen auf, der Hundertdruck ist somit auch für die Textkritik bedeutsam. – Sehr schönes Exemplar.

29 : 20 cm. [2], 97, [3] Seiten. – Broschurumschlag gleichmäßig gebräunt.

Potempa E 26.1. – Rodenberg 412. – Schauer II, 60

535  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

Schätzpreis/Estimate: € 600 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 480

– In: Die Neue Rundschau. Jahrgang 23, Heft 10 und 11. [Berlin, S. Fischer 1912]. Späterer dunkelbrauner Maroquinband mit Rückenschild. Rückentitel, Fileten, Monogramm auf dem Vorderdeckel und Kopfschnitt vergoldet.

Erster öffentlich zugänglicher Abdruck der Novelle. – Nahezu zeitgleich erschien die bibliophile Ausgabe innerhalb der »Hundertdrucke«. – Zugunsten der Arbeit an »Der Tod in Venedig« ließ er seine Arbeit an dem begonnenen Roman »Felix Krull« vorerst ruhen. – Mit dem Reihentitelblatt. – Tadellos erhalten.

24 : 17 cm. Seiten 1368–1526. – Titelblatt rückseitig mit längerer Bleistiftnotiz.

Potempa E 26.2

536  Thomas Mann. Novellen.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausruflimit/Reserve price: € 1100

Erster [und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1922. Zwei Originalhalbleinenbände. – Widmungsexemplar.

Gesammelte Werke. – Mit eigenhändiger Widmung »Herrn und Frau Wilhelm Ullmann, den Gastfreunden von Madrid, herzlichst München, Mai 1923.« Laut Heine/Schommer (Seite 140) Aufenthalt in Madrid während einer Lese-Reise Thomas Manns in Spanien bei Wilhelm Ullmann, dem Generalvertreter der Singer-Nähmaschinen-Gesellschaft in Spanien.

19 : 12 cm. [4], 373, [7]; [4], 451, [5] Seiten. – Einbände etwas fleckig und gebräunt.

Heine/Schommer 87. – Potempa B 6

537  Thomas Mann. Der Zauberberg.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Roman. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1924. Originalhalblederbände mit Rückenschild, vergoldetem -titel und goldgeprägter Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Erschien innerhalb der »Gesammelten Werke in Einzelausgaben«, hier in der seltenen Halbledervariante. – Der dritte große Roman Thomas Manns entstand in den Jahren von 1913 bis 1924. 1912 verbrachte Katja Mann mehrere Monate in einem Davoser Lungensanatorium. Die Eindrücke bei seinen Besuchen dort, bewogen den Autor zu einer »Art humoristischem Gegenstück« zu seiner Erzählung »Der Tod in Venedig« (1912). Der Erste Weltkrieg zwang Thomas Mann zur Schreibpause, erst 1919 setzte er seine Arbeit fort. Der Roman weitete sich zum Zeitroman aus, zur Kritik an spätbürgerlichen Lebens- und Denkformen der Vorkriegszeit, deren Repräsentanten auf dem »Zauberberg« versammelt sind.

18,8 : 12,8 cm. 578, [2]; 629, [3] Seiten.

Potempa D 3.1

538  Thomas Mann. Unordnung und frühes Leid.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausruflimit/Reserve price: € 1500

Novelle. Berlin, S. Fischer 1926. Mit einer Titelvignette von Karl Walser. Illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Mit eigenhändiger Widmung des Autors für seine Tochter Erika Mann auf dem Vorsatzblatt: »Eri zum Geburtstag 1926.« Als Erika Mann 1905 als erstes von sechs Kindern zur Welt kam, zeigte sich der 30jährige Vater nicht eben erfreut: »Es ist also ein Mädchen: eine Enttäuschung für mich«, schrieb Thomas Mann – »unter uns« – an den Bruder Heinrich. Später war sie Thomas Manns Lieblingskind und hat wesentliche Etappen seines Weges begleitet und beeinflusst. – »Die geschilderte Familie des Geschichtsprofessors Cornelius ist Manns eigene zur Zeit der Inflation, der die bereits früher geplante Erzählung die entscheidende Konstellation verdankt. Zeitgeschichte wird im Reflex aufs Private festgehalten. Dabei geht es weniger um die ausführlich beschriebene Änderung der materiellen Lebensumstände einer bürgerlichen Familie als um die von Veränderung bedrohte bürgerliche Gesellschaft.« (Martin Nikisch in: KNLL XI, 9742).

16 : 11 cm. 126, [2] Seiten.

Potempa E 29.2. – Heine/Schommer 116

539  Thomas Mann. Altesse Royale.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Traduit de l’allemand par Geneviève Bianquis et Jeanne Choplet. Illustrations de Zyg Brunner. Paris, Delagrave 1931. Mit zahlreichen Abbildungen im Text, 21 davon ganzseitig. Originalhalblederband mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Erste französische Ausgabe von »Königliche Hoheit«. – Mit charmanten der Erzählung gemäßen Illustrationen, in außergewöhnlich großem Format. – Dazu: Exemplar der deutschen Ausgabe.

28 : 23 cm. 258, [6] Seiten. – Kanten berieben.

Potempa T 829.1

540  Thomas Mann – W[alter] Niemann. Aus einem alten Patrizierhause.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Ein Zyklus nach Thomas Manns »Buddenbrooks« für Klavier zu zwei Händen. Opus 121. Leipzig, C. F. Peters [1932/33]. Originalbroschur, illustriert unter Verwendung des Schulz-Einbandes der Buddenbrooks.

Originalausgabe, Editionsnummer 4270, Plattennummer 10953. – »Das alte Patrizierhaus der ›Buddenbrooks‹ von Thomas Mann ist Ausdruck, Blüte und Wahrzeichen der deutschen, im besonderen hanseatischen Bürgerkultur des 19. Jahrhunderts. Allein um ihre musikalische Verklärung ging es dem Tondichter. Er will durch seine Töne einzig der Gegenwart zeigen, welche unersetzlichen inneren seelischen Werte diese alte, mit allen Nationen freundschaftlich verbundene bürgerliche Kultur in sich barg« (Vorwort). – Diese, den seit 1933 neuen Machthabern sicher unerquicklichen Worte, die zugleich die Verehrung des Komponisten für den bald verfemten Dichter Thomas Mann ausdrückten, führten womöglich zur Vernichtung der Auflage. In seinem Thomas Mann-Katalog verwies Matthias Loidl 2001 auf die Seltenheit, ihm war nur das Exemplar aus Besitz Bermann-Fischer bekannt. – Thomas Mann erwähnt die Komposition in seinem Tagebuch (25.XII.1933): » … die jüngsten Kinder führten Grammophon-Plättchen vor, die sie mit Stücken aus der ›Buddenbrooks-Suite‹ […] von N. […] bespielt hatten«. – Walter Niemann (1876–1953) studierte Komposition bei Engelbert Humperdinck in Leipzig. Nach seiner Promotion 1901 war er zunächst als Musikschriftsteller tätig, sein 1919 erstmals erschienenes Buch »Meister des Klaviers: die Pianisten der Gegenwart und der letzten Vergangenheit« gilt noch heute als mustergültiges und oft zitiertes Standardwerk. – Tadellos erhalten.

31 : 23 cm. 32 Seiten. – Innendeckel mit kleinem Kleberest (Exlibris?).

541  Thomas Mann. Der junge Joseph.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Roman. Berlin, S. Fischer 1934. Originalleinenband mit vergoldeter Deckelvignette und Schutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe des zweiten Joseph-Romans, erschienen innerhalb der »Gesammelten Werke«. – Mit eigenhändiger Widmung Thomas Manns auf dem Vorsatzblatt: »An Henri Lichtenberger in freundschaftlicher Verehrung Küsnacht / Zürich den 9. V. 34.«.

19 : 13 cm. 337, [7] Seiten. – Schutzumschlag am Rand leicht berieben, Rücken mit kleiner Fehlstelle.

Potempa D 5.1

542  Thomas Mann. Der junge Joseph.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Roman. Berlin, S. Fischer 1934. Sandfarbener Originalleinenband. Rückentitel und Deckelvignette goldgeprägt.

Erste Ausgabe des zweiten Joseph-Romans, erschienen innerhalb der »Gesammelten Werke«. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Signatur des Autors.

18,8 : 12,5 cm. 337, [7] Seiten. – Einbandränder etwas gebräunt.

Potempa D 5.1

543  Thomas Mann. Der junge Joseph.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 210

Roman. Berlin, S. Fischer 1934. Originalhalblederband mit vergoldetem Titel und goldgeprägter Deckelvignette.

Erste Ausgabe des zweiten Joseph-Romans, erschienen innerhalb der »Gesammelten Werke«. – Exemplar der seltenen und gesuchten Halblederausgabe.

18,8 : 12,5 cm. 337, [7] Seiten. – Deckel minimal berieben.

Potempa D 5.1

544  Thomas Mann. Der Erwählte.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Roman. Frankfurt am Main, S. Fischer 1951. Originalleinenband mit vergoldeter Deckelvignette und illustriertem Schutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der Stockholmer Gesamtausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung Thomas Manns auf dem Vorsatzblatt: »Martha Steinitz Zum Dank für Ihre liebevolle Bemühung um mein Frühestes – dies Späteste | Pacific Palisades, Calif. 18. Jan 1952«. Martha Steinitz (1889–1966) wanderte als Jüdin bereits 1922 nach England aus. Sie unterrichtete über 30 Jahre lang Kunstgeschichte und Deutsch in der Erwachsenenbildung am Swarthmore College in Leeds, Schottland. Sie schrieb selbst Gedichte und Theaterstücke, über eine Bühnenfassung der »Buddenbrooks« korrespondierte sie lange mit Thomas Mann. In einem Brief an Martha Steinitz schrieb er 1951: »Der junge Mensch von vor 51 Jahren liess es sich in seiner Einsamkeit nicht träumen, dass das, was er da schrieb, einmal so weit in der Welt herumkommen und sogar dargestellt von Engländern vor einem englischen Publikum zu Fleisch und Blut würde«.

19 : 12 cm. 319, [5] Seiten. – Einband etwas berieben, Schutzumschlag an den Rändern geknittert und mit kleinen (einem größeren, 2,5 cm) Einrissen.

Potempa B II.1

545  Thomas Mann. Die Betrogene.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 160

Erzählung. Lausanne, Wahli 1953. Mit einer monogrammierten Lithographie von Ernst Morgenthaler. Originalkarton mit -umschlag.

Faksimile-Ausgabe der handschriftlichen Urfassung in Kupfertiefdruck. – Eins von 400 Exemplaren. – Gedruckt auf holländischem Pannekoek-Bütten. – Erschienen als Vorabdruck zugunsten bedürftiger Kinder und Jugendlicher in Israel.

30 : 23 cm. [2], 91, [1] Blätter, 1 Lithographie.

Potempa E 33.3

546  Thomas Mann. Romane und Erzählungen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 340

Band 1 [–] 10. [Berlin und Weimar], Aufbau 1974–1975. Flexible braune Originalkalblederbände mit gold-braunen Rückenschildern. Deckelvignetten und Kopfschnitt vergoldet. In zwei Kassetten.

Erste Auflage dieser Werksammlung, Ausgabe für die DDR. – Schönes Exemplar.

19 : 13 cm. – Eine Kassette angeplatzt.

Potempa A 8.10

547  Thomas Mann. Thamar.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausruflimit/Reserve price: € 120

Zeichnungen von Gunter Böhmer. Frankfurt am Main, S. Fischer 1956. Mit elf Illustrationen, acht davon ganzseitig. Flexibler hellgrüner Originalsaffianlederband mit vergoldetem Rückentitel und Deckelsignet (Willy Pingel, Heidelberg). Im Originalschuber mit Buntpapierbezug und Lederkanten.

Eins von 250 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Ganzleder. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Gedruckt auf Zerkall-Bütten. – Nahezu druckfrisches Exemplar.

27 : 18 cm. 62, [2] Seiten.

Potempa D 8.7. – Rysavy 94

548  Gunter Böhmer – Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Der Memoiren erster Teil. Mit Zeichnungen von Gunter Böhmer nebst einem ungewöhnlichen Nachwort. Frankfurt am Main, Wien und Zürich, Büchergilde Gutenberg 1975. Mit 64 blatt- und 20 doppelblattgroßen Illustrationen nach Federzeichnungen. Originalleinenband mit illustriertem -schutzumschlag und -schuber.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 230 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einer signierten Radierung von Gunther Böhmer (Thomas Mann-Porträt), diese abweichend nummeriert. – Diese Sonderausgabe erschien anlässlich des 100. Geburtstages von Thomas Mann.

24 : 17 cm. 409, [3] Seiten. – Schutzumschlag etwas gebräunt. – Die Radierung gebräunt (Passepartoutausschnitt stärker) und mit Montierungsresten am Oberrand.

Potempa D 12.3.22. – Rysavy 153 (irrtümlich 1981)

549  Gunter Böhmer. Thomas Mann und Felix Krull.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Radierung. Um 1980. 53,5 : 40,5 cm (80,0 : 58,0 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 27/100. – Auf Velin. – Böhmer kombinierte in der großformatigen Radierung mehrere Porträts des Dichters und dessen Romanfigur, verbunden mit Kalligraphie und Signeten. – Wohl in zeitlichem Zusammenhang mit der Felix Krull-Ausgabe der Büchergilde Gutenberg (1918) entstanden. Seit 1955 erschienen vier Werke Thomas Mann mit Illustrationen von Gunter Böhmer. – Mit dem Trockenstempel »Atelier Sammet«.

Am linken Rand minimal gebräunt. – Nicht außerhalb des Rahmens begutachtet.

550  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 2700

Unterreit bei Wasserburg 1993. Mit acht signierten Radierungen von Kurt Steinel. Dunkelblauer Ecrasélederband (signiert: R. Meuter, Ascona). Deckelillustration, Fileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Zusammen mit einer damastbezogenen Suitenmappe in ebensolcher Kassette mit Lederrücken.

Vierter Druck der Antinous Presse. – Erstes von fünf römisch nummerierten Luxusexemplaren, die eine signierte Extrasuite aller acht Radierungen und eine originale Bleistiftzeichnung Steinels enthielten. Jedes Exemplar wurde von Roland Meuter individuell gebunden. Hier in nachtblauem geglättetem Maroquin, den Vorderdeckel ziert der venezianische Löwe, nach einer Zeichnung Steinels (die diesem Exemplar beiliegt) blindgeprägt und vergoldet. – Im Druckvermerk vom Künstler sowie Wolfgang Koeppen und Terence James Reed, den Verfassern von Vor- und Nachwort, signiert. – Mit blau eingedruckten Absatzzeichen (Venezianischer Löwe). Satz aus der Bibeltype der Centaur bei SchumacherGebler, gedruckt in der Offizin Haag-Drugulin auf Hahnemühle-Bütten. – Der Text folgt dem Erstdruck in der »Neuen Deutschen Rundschau« von 1912, die Varianten zum Hundertdruck und den nachfolgenden Editionen (siehe KatNrn. 534f.) werden ausführlich kommentiert.

40 : 32 cm. 95, [5] Seiten. 8 Radierungen.

551  Thomas Mann. Mario und der Zauberer.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

Ein tragisches Reiseerlebnis. Mit sieben Farbradierungen von Kurt Steinel. Ascona und Unterreit, Antinous Presse 1998. Mit sieben signierten Farbradierungen. Zweifarbiger Originalmaroquinband mit blindgeprägter Vorderdeckelillustration. Mit Halbledermappe in Originalhalblederkassette. Rückentitel silbergeprägt, Mappe mit signierter Radierung auf dem Vorderdeckel.

Siebter Druck der Antinous Presse. – Exemplar 1 von 25 der in Ganzleder gebundenen Vorzugsausgabe mit einer signierten und nummerierten Extrasuite aller acht Radierungen (einschließlich einer im Buch nicht verwendeten) sowie zwei Abzügen der Deckelradierung, die nur in der Vorzugsausgabe enthalten ist (Gesamtauflage 115). – Im Druckvermerk von den Autoren des Vor- bzw. Nachworts, Elisabeth Mann Borgese und Hans Mayer, signiert. – Enthält auch einen Text von Dino Buzatti (Gabrielli, das Urbild Cipollas) in der Übersetzung von Ulrich Kocher. – Gedruckt auf Zerkall-Kupferdruckbütten. – Üppig gesetzt, opulent gedruckt, ausgestattet und gebunden – eine wirkliche Bereicherung für Thomas Mann-Sammler und hier in einem unübertrefflichen Exemplar. – Makellos erhalten.

39 : 28 cm. [2], 71, [7] Seiten, 7 Radierungen.

552  Erika Mann. School for Barbarians.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 150

With an Introduction by Thomas Mann. Second printing. New York, Modern Age Books 1938. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Zweiter Druck der ersten englischen Ausgabe, auch von dem Vorwort Thomas Manns. – Im gleichen Jahr wie die deutsche Fassung erschienen (Amsterdam, Querido). – Mit der eindrucksvollen farbigen Umschlagillustration (Bücherverbrennung unterm Hakenkreuz).

19 : 14 cm. 159, [1] Seiten. – Ränder minimal berieben. – Seiten papierbedingt gebräunt.

Sternfeld/Tiedemann 328. – Potempa G 672.2

553  Frans Masereel. Die Sonne.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 400

63 Holzschnitte. 1920/21. – Geschichte ohne Worte. 60 Holzschnitte. München, Kurt Wolff 1920 und 1922. Mit zahlreichen Holzschnitten. Originalhalblederbände mit Rückenschild, vergoldetem -titel und Kopfgoldschnitt.

Beide in erster deutscher Ausgabe. – Nur in diesen auf 700–750 Exemplare limitierten Ausgaben des Kurt Wolff Verlages wurden die Holzschnitte von den Originalstöcken gedruckt. – Auf Bütten. – 1919 hatte »Kurt Wolff – der Münchner Verleger, der gewissermaßen der Mann gewesen ist, der mich als Künstler entdeckt und hauptsächlich in Deutschland bekannt gemacht hat –, ich weiß nicht wie, ein Exemplar vom ›Stundenbuch‹ in die Hände bekommen und ist davon sehr beeindruckt gewesen. Er hat mir sogleich seinen Herstellungsleiter und künstlerischen Direktor, Hans Mardersteig, nach Genf geschickt, der später mein Freund geworden ist, und wir haben sofort einen Vertrag […] geschlossen« (Frans Masereel im Gespräch mit Pierre Vorms, Ausgabe Dresden 1967, S. 48).

16 : 12 cm.

Ritter B a 7.I, 10.I. – Göbel 536 und 674 (irrtümlich erst 1927)

554  Frans Masereel. Les ages de la vie.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 190

35 bois originaux. Bern, Herbert Lang 1948. 35 Holzschnitte. Originalpappband im -schuber.

Eins von 95 Exemplaren auf Van Gelder-Bütten (Gesamtauflage 110). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Der Einbandtitel wurde nach der Handschrift Masereels gedruckt.

24 : 19 cm.

Ritter B a 41

555  Frans Masereel – René Arcos. Le Sang des Autres.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Poèmes / 1914–1917 ornés de huit bois hors-texte par Frans Masereel. Genf, Kundig 1919. Mit acht Holzschnitten. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Eins von 290 Exemplaren (Gesamtauflage 295). – Aus dem Besitz Henry van de Veldes, mit dessen Exlibris-Prägestempel auf der inneren Umschlagseite, und mit eigenhändiger Widmung des Autors »à Henry van de Velde, bien cordialement. René Arcos«, unter dieser Widmung für Arcos’ Landmann auch von Frans Masereel signiert. – Mit sehr reizvoller Provenienz.

22 : 16 cm. 92 Seiten. – Umschlagrand mit wenigen winzigen Einrissen, Rücken mit schwacher Feuchtigkeitsspur.

Ritter C a 6

556  Frans Masereel – Ernest Hemingway. Der alte Mann und das Meer.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 190

Mit 8 Holzschnitten von Frans Masereel. Hamburg, Johannes Asmus [1961]. Mit acht ganzseitigen Holzschnitten. Pergamentband mit Kopfgoldschnitt.

Eins von 550 Exemplaren (Gesamtauflage 600) der bibliophilen Sonderausgabe. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Druck bei Hans Christians, Hamburg. – Die Übersetzung von Annemarie Horschitz-Horst erschien als erste deutsche Ausgabe bereits 1952, mit den Masereel-Illustrationen 1959 als Bertelsmann-Ausgabe (dort allerdings wohl nur als Reproduktionen). – Handeinband der Hamburger Buchbinderin Anke Metz. – Tadellos.

25 : 18 cm. 160, [4] Seiten.

Ritter C a 77 I

557  Frans Masereel – Frank van den Wijngaert. De moderne vlaamse Houtsnijkunst.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

Met voorwoord van Just Havelaar. Antwerpen, De Sikkel, und Santpoort, C. A. Mees 1927. Mit zahlreichen Holzschnitten und Klischeedrucken. Originalleinenband mit Holzschnitttitel.

Erste Ausgabe. – Eins von 500 Exemplaren. – Das opulent illustrierte Werk wurde Frans Masereel gewidmet (»uit genegenheid en bewondering«). – Unter den zahlreichen, teils von Klischees gedruckten Illustrationen auch viele Originalholzschnitte von Frans Masereel (5), Joris Minne (11), Henri van Straten (17), Jan Fr. Cantré (11), Valentijn Edg. van Uytvanck (1), Jozef Cantré (12), Gustaaf de Smet (2), Fritz van den Berghe (1). – Jeder Künstler wird mit einer Biographie vorgestellt, der dann die Holzschnitte folgen.

38 : 26 cm. 131, [1] Seiten. – Gelenke und Kapitale leicht verschlissen. – Vortitel mit übermaltem Besitzvermerk. Ränder leicht, 2 Seiten stärker stockfleckig.

Ritter E c 4

558  Roger Avermaete. La Gravure sur bois moderne de l’occident.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 270

Paris, Dorbon Ainé 1928. Mit 177 Holzschnitten, davon neun farbig, und 62 Illustrationen. Moderner schwarzer Maroquinband mit Rückenschild und blindgeprägten Fileten. Im Leinenschuber.

Eins von 1000 Exemplaren auf »papier pur chiffon de Vincent Montgolfier«. – Der Originalvorderumschlag der Broschur eingebunden. – Mit Originalholzschnitten von Conrad Felixmüller, Walter Gramatté, Walter Klemm, Gerhard Marks, Frans Masereel, Felix Meseck, Karl Rössing, Georg Schrimpf, Joseph Diveky, Maria Uhden u. v. a. – Standardwerk zur Holzschnittkunst in Westeuropa der 1920er Jahre. – Tadellos.

27 : 21 cm. 330, [10] Seiten.

559  Christian Morgenstern. Galgenlieder.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

Umschlagzeichnung von Karl Walser. Berlin, Bruno Cassirer 1905. Illustrierte Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung des Autors »Helene F[…] mit herzlichstem Gruss 3. III. 05. d. Verf.« – »Dem Kind im Manne«, schrieb Morgenstern seit 1895 sprachspielerische Gedichte. Die Galgenbrüder mit Pseudonymen wie »Schuhu«, »Rabenaas«, »Gurgeljochen«, »Verreckerle« u. a. war ein Kreis von acht Freunden um den Dichter, sie rezitierten die Galgenlieder – begleitet von schaurig-schönen Ritualen – bei Ausflügen zum Galgenberg in Werder (Havel). Zunächst nicht zur Veröfffentlichung vorgesehen, begründeten sie den literarischen Erfolg Morgensterns.

18 : 14 cm. [8], 48, [2] Seiten. – Bindung der ersten Lage gelockert. An den Rändern leicht geknittert und mit winzigen Einrissen.

Wilpert/Gühring 15. – Badorrek/Hoguth B 62.1

560  Wladimir Nabokoff-Sirin. Sie kommt – kommt sie?

Schätzpreis/Estimate: € 1500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Roman. Übersetzt von J[akob] M[argot] Schubert und G[regor] Jarcho. Berlin, Ullstein 1928. Gelbe illustrierte Originalbroschur.

Erste deutsche Ausgabe des ersten Romans von Vladimir Nabokov. – Erschienen innerhalb der Reihe »Die gelben Ullstein Bücher« als Band 46. – Sein frühes Meisterwerk »Maschenka« (Originaltitel), das bereits viele Motive des Spätwerks enthält, spielt wie die meisten Romane der frühen Schaffensperiode in der russischen Emigrantenszene im Berlin der 1920er Jahre. – Am 21. III. 1928 unterzeichnete Nabokov den Vertrag mit dem Ullstein Verlag, Berlin, der ihm die Rechte für eine Buchpublikation und für eine Serie in der »Vossischen Zeitung« sicherte. Gerade die zugleich populäre wie banale und preiswerte Erscheinungsweise innerhalb der »Gelben Ullstein Bücher« und der damit einhergehende Verschleiß vieler Exemplare macht diese deutsche Erstausgabe heute fast unauffindbar. Wir konnten kein Exemplar in der Berg Collection, New York, der vollständigsten Sammlung in den USA, keines auf den beiden maßgeblichen Ausstellungen in der New York Public Library und bei Glenn Horowitz, New York, von 1999 und keines in der British Library nachweisen. – Die russische Erstausgabe erschien bereits 1926 beim Verlag Sovo, Berlin. – Sehr schönes Exemplar.

17 : 11 cm. 253, [3] Seiten.

Friesel, V. Nabokov. Verzeichnis der ins Deutsche übertragenen Werke, 74. – Zimmer 11

561  Emil Orlik – Lafcadio Hearn. Sechs Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Frankfurt am Main, Rütten & Loening 1907–1910. Mit Buchschmuck von Emil Orlik. Flexible Originalpergamentbände mit ornamentierter Deckel- und Rückenvergoldung sowie Kopfgoldschnitt. Zusammen in illustriertem Originalschuber.

I. Kokoro. Mit Vorwort von Hugo von Hofmannsthal. 1909. – II. Lotos. Blicke in das unbekannte Japan. 1907. – III. Izumo. Blicke in das unbekannte Japan. 1910. – IV. Kwaidan. Seltsame Geschichten und Studien aus Japan. 1909. – V. Buddha. Neue Geschichten und Studien aus Japan. 1910. – VI. Kyushu. Träume und Studien aus dem neuen Japan. 1910. – IV und V in erster Auflage, die anderen in Nachauflagen. – Alle in autorisierter Übersetzung von Berta Franzos. – Der Buchschmuck stammt von Emil Orlik, der die Illustrationen für die erste deutsche Hearn-Ausgabe in sechs Bänden als Holzschnitte anfertigte. – Der irische Journalist und Schriftsteller Lafcadio Hearn (1850–1904) ging 1890 nach Japan, wo er bis zu seinem Lebensende blieb und unter seinem japanischen Namen Koizumi Yakumo Berühmtheit erlangte. In der Blütezeit des Japonismus hatte das Interesse am japanischen Farbholzschnitt Emil Orlik dazu bewegt, sich die Technik bei einem Japan-Aufenthalt 1900/01 anzueignen. In dieser Zeit lernte er Lafcadio Hearn kennen und die vorliegenden schöne Ausgabe war Ergebnis ihrer beider Begeisterung für japanische Kunst und Kultur.

21 : 15 cm. – Band III mit kleinem Riss in der Pergamentoberfläche.

562  Emil Preetorius. Exlibris und Signete.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 250

München, Drei Masken [1924]. Mit 23 Originalexlibris, eins davon farbig, und 35 Signeten, alle montiert. Grüner Originalhalblederband mit Deckelvignetten.

Eins von 320 Exemplaren (Gesamtauflage 360). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Graphiken auf glattem Papier, dieses auf Bütten montiert. – Enthält unter anderem die Exlibris für Leo Frobenius, Karl Jaspers, Thomas Mann, Hans von Weber, das farbige Exlibris des Künstlers und die Signete für verschiedene Verlage (Insel, Bruno Cassirer, S. Fischer, Kurt Wolff u. a.). – Mit einem Vorwort von Wilhelm Hausenstein. – Die beiden Vignetten auf dem Einband stammen ebenfalls von Preetorius. – Besonders in der Gebrauchsgraphik verband Preetorius sehr gekonnt technisches Können, künstlerisches Empfinden und viel Witz auf meisterhafte Weise. – Schönes Exemplar.

27 : 17 cm. 13, [3] Seiten, 44 Tafeln, [4] Seiten. – Kanten minimal berieben.

Ohr 27

563  Emil Preetorius – Drei philosophische Werke aus der Bibliothek des Künstlers.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

1921–1936. Originalbroschuren.

I. Moritz Geiger. Die philosophische Bedeutung der Relativitätstheorie. Vortrag. Halle/Saale 1921. – II. Martin Heidegger. Was ist Metaphysik? Bonn, Friedrich Cohen 1929. – III. Max Planck. Vom Wesen der Willensfreiheit. Vortrag gehalten zuerst in der Deutschen Philosophischen Gesellschaft zu Berlin. Leipzig, J. A. Barth 1936. – Aus dem Besitz Emil Preetorius’, mit dessen eigenhändigem Besitzvermerk auf den Umschlägen und dem Nachlass-Stempel auf den ersten Seiten.

Umschlag mit Randläsuren, am Rücken eingerissen (I).

564  Marie Madeleine [von Putkamer]. Auf Kypros.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Zuschlag/Hammerprice: € 66

Berlin, Est-Est-Verlag 1910. Mit einer Radierung von Hermann Struck sowie teils farbigen Illustrationen nach Max Liebermann, Lovis Corinth, Karl Walser und anderen, davon 23 auf Tafeln montiert. Illustrierter Originalpappband.

Eins von 1000 Exemplaren (Gesamtauflage 1020). – Auf Bütten, die Tafeln auf schwarze Kartonblätter montiert. – Dem Andenken von Félicien Rops gewidmet. – Aufwändig gedruckte und reich ausgestattete Ausgabe des Erstlingswerks von Marie Madelaine, die expressiv-sinnlichen Texte erschienen bereits 1900. – Buchschmuck und Einbandillustration von H. R. Erdt.

37 : 29 cm. 132 Seiten, 23 Tafeln, 1 Radierung.

Hayn/Gotendorf IX, 390. – Holzmann/Bohatta 175

565  Rainer Maria Rilke. Duineser Elegien.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

Leipzig, Insel 1923. Dunkelgrüner Originalhalbmaroquinband mit bronziertem Kamm-Marmorpapier. Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe, gedruckt in nur 300 Exemplaren auf Einhorn-Bütten von J. W. Zanders und etwa fünf Exemplaren auf Japan. – Gesetzt aus der Tiemann-Antiqua. – Wie die »Sonette des Orpheus«, die ebenfalls 1923 erschienen, wurde eine bibliophile und eine öffentliche Ausgabe gedruckt. – Der Text folgt der Handschrift, die sich im Besitz der Fürstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe befand. – Schönes unbeschnittenes Exemplar. – Der Einband stammt ganz offensichtlich aus der gleichen Werkstatt wie die bekannte (und häufigere) Ganzledervariante. Der Rückentitel wurde vom identischen Klischee direkt in das grüne Leder geprägt.

29 : 19 cm. [4], 52, [8] Seiten.

Sarkowski 1338. – Ritzer E 9

566  Rainer Maria Rilke und Lotte Pritzel. Puppen.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 130

München, Hyperion 1921. Mit 16 Farbtafeln nach Zeichnungen von Lotte Pritzel. Originalhalbleinenband mit Buntpapierbezug.

Erste Ausgabe mit den Illustrationen. – Eins von 1200 Exemplaren. – »Lotte, die ich malte, hatte Rilke sehr angezogen durch ihre Kunst, die sie ausschließlich der Schöpfung seltsamer Puppen widmete, welche eine phantastische, unwirkliche Atmosphäre atmeten‹« (Lou Albert-Lasard, Wege mit Rilke) – »Rilke hat sich 1914 in seinem Aufsatz ›Puppen‹ [Die weißen Blätter, Jg. I, Heft 7] ausdrücklich auf die Wachspuppen von Lotte Pritzel bezogen, sie haben auch für die ›Puppe‹ der Vierten Duineser Elegie Modell gestanden. Lotte Pritzel hat auch die Puppe nach Dresden geliefert, die Kokoschka lebensgroß bei ihr bestellt hatte, die ihn ins Theater begleitete; Kokoschka hat sich rechtzeitig von ihr befreit, Bellmer blieb ihr verfallen« (Gottfried Sello, Den Puppen verfallen, Die Zeit, 22. XI. 2012).

27 : 18 cm. 14, [6] Seiten, 16 Tafeln.

Mises 93

567  Hans Bellmer. Die Puppe.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

1. Puppe. 2. Spiel der Puppe. 3. Die Anatomie des Bildes. Berlin, Gerhardt 1962. Mit 25 teils farbigen montierten Abbildungen und zahlreichen Textabbilddungen nach Zeichnungen. Originalbroschur mit -umschlag.

Erste deutsche Gesamtausgabe der 1933ff. erschienenen französischen Originalausgaben. – Eins von 2000 Exemplaren. – Bellmer begann seit 1933 »zwei menschengroße, seltsame, nackte Puppen zu konstruieren […]. Danach baute er sie langsam wieder auseinander, und dabei fotografierte er sie. Bellmers Puppen sahen ein bisschen nach verdrängten SM-Fantasien aus, ein bisschen nach Konzentrationslager, und es gibt Leute, die sagen, diese Fotos gehörten zu den besten und krankesten Bildern, die sich ein Künstler im letzten Jahrhundert vom Leben gemacht hatte.« (Maxim Biller, Bellmers böse Puppen, Die Zeit, 18/2008).

21 : 17 cm. 190 Seiten.

568  Joachim Ringelnatz. Betrachtungen über dicke und dünne Frauen.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 160

[ohne Ort 1938]. Faksimile nach der illustrierten Handschrift des Verfassers. Originalumschlag mit Seidenkordel.

erste Ausgabe. – Seltener Faksimiledruck nach der Handschrift vom 30. Juli 1923. – Nach Recherchen in der Deutschen Bücherei Leipzig ist das vorliegende Exemplar ohne Druckvermerk eines der Erstausgabe von 1938 (Katalognummer 1938 A 14089). Die abweichenden Auflagen erschienen dann 1940/41. – Skurrile Verse voll schwarzen Humors über weibliche Körperfülle: »Die dicke Frau trägt ein Korsett, sonst kratzt ihr Busen das Parkett« oder »Die dünnen Fraun am Schwarzen Meere benutzt man dort im Krieg als Speere«. – Tadellos und sehr selten.

17 : 12 cm. [12] cm.

Kayser/des Coudres 50

569  Joseph Roth. Hotel Savoy.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Ein Roman. Berlin, Die Schmiede 1924. Illustrierter Originalpappband.

Erste Ausgabe von Roths Erstlingswerk. – Die expressionistische Umschlagillustration stammt von Georg Salter. – So gut erhalten selten. – Dazu fünf Erstausgaben aus dem Exil: I. Der Antichrist.Amsterdam, Querido 1934. Originalleinenband. – II. Tarabas. Ein Gast auf dieser Erde. Roman. 1934. Originalhalbleinenband. – III. Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht. Amsterdam, Allert de Lange 1936. Originalleinenband. – IV. Die hundert Tage. Roman. 1936. Originalleinenband. – V. Der Leviathan. Amsterdam, Querido 1940. Originalpappband mit -schutzumschlag.

19 : 14 cm. 145, [1] Seiten.

Wilpert/Gühring2 1 sowie 12, 13, 14, 15 und 20. – Holstein, Salter 132

570  Nelly Sachs. Sternverdunkelung.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Gedichte. Amsterdam, Bermann-Fischer und Querido 1949. Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung für Anna und Daniel Brick, datiert »Stockholm, d. 2.6.49«. – Die Fotografin Anna Riwkin-Brick (1908–1970) war bereits als Kind mit ihrer Familie deren jüdischer Abstammung wegen aus Russland (zunächst nach Deutschland und 1914 nach Schweden) emigriert. Berühmt wurde Anna Brick mit ihren Fotoillustrationen zu Kinderbüchern von Astrid Lindgren. 1955 war sie auf der berühmten Fotoausstellung »The Family of Man« im MoMA vertreten. Ihr Ehemann Daniel war ebenfalls Fotograf. – Nelly Sachs war 1940, ihrem Abtransport in ein Vernichtungslager im letzten Moment entgehend, nach Stockholm fliehen. Dort entwickelte sie als Übersetzerin einen eigenen lyrischen Stil. Sie gilt als die erste Dichterin, die die »Schornsteine von Auschwitz« zum Inhalt einer Dichtung machte. Nach jahrelanger Nichtbeachtung in Westdeutschland erhielt sie 1966 den Literaturnobelpreis.

23 : 14 cm. 82, [2] Seiten.

Kersten 4. – Sternfeld/Tiedemann 433

571  Nelly Sachs. Flucht und Verwandlung.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Gedichte. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt 1959. Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung für »Karl […], den berühmtesten Dichter und Menschen! Nelly Sachs, Ostern 1959«. – Sehr gut erhalten, mit dem bedruckten Folienumschlag.

19 : 12 cm. 69, [3] Seiten. – Der Folienumschlag mit zwei kleinen Randausrissen.

Kersten 6

572  Richard Seewald – Heinrich von Kleist. Penthesilea.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Ein Trauerspiel mit 21 Lithographien von Richard Seewald. München, Goltz 1917. Mit lithographiertem Titelblatt und 21 Lithographien, davon neun blattgroß, darunter fünf koloriert. Originalhalblederband mit Deckelvignette, Rücken- und Kopfschnittvergoldung (A. Köllner, Leipzig).

Eins von 140 Exemplaren auf holländischem Hadernbütten (Gesamtauflage 200). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Sehr schönes Exemplar.

31 : 24 cm. [8], 127, [1] Seiten. – Deckel am Oberrand schwach lichtrandig, ansonsten tadellos.

Jentsch L 36 bis 56

573  Max Slevogt – Sindbad der Seefahrer.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 550

33 Originallithographien von Max Slevogt. Berlin, Bruno Cassirer 1908. Mit 33 Lithographien im Text. Originalpergamentband mit farbiger Deckelillustration und Schnittvergoldung.

Eins von 300 Exemplaren. – Im Auflagenvermerk vom Künstler signiert. – Auf Kupferdruckpapier. – Die Zeichnungen Slevogts wurden mit Hilfe von Umdruckpapier auf die Lithosteine übertragen. – Slevogt widmete das Werk dem Berliner Mediziner Friedrich Gisevius »in Erinnerung an den April 1907«. – Sehr schönes Exemplar.

36 : 28 cm. [2], 59, [3] Seiten.

Sievers/Waldmann 37–69. – Rümann 92 a. – Schauer II, 85 (mit Abbildung). – Lang, Impressionismus 187

574  Max Slevogt – Gabriel Ferry. Der Waldläufer.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

Mit Steinzeichnungen von Max Slevogt. Nach der Übertragung von Julius Hoffmann. Berlin, Propyläen [1921]. Mit einer signierten Radierung als Frontispiz und 66 Lithographien im Text, davon neun blattgroß. Grüner Originalkalblederband mit vergoldetem Rückentitel, goldgeprägten Bordüren und Kopfgoldschnitt.

Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit der signierten Radierung »Der Waldläufer«, die übrigen 1.200 Exemplare enthielten eine signierte Lithographie. – Die Radierung wurde auf Japan gedruckt. – Gedruckt von der Reichsdruckerei Berlin in einer alten Frakturschrift.

33 : 26 cm. [2], 359, [9] Seiten, 1 Radierung. – Rücken stark verfärbt. Deckel fleckig, berieben und eine Ecke bestoßen. – Innengelenk gebrochen.

Söhn 405–471. – Rümann 20 a. – Lang, Impressionismus 209 (ungenau)

575  Max Slevogt. Die Nibelungen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Sieben Holzschnitte. 1925. Ca. 29,5 : 39,5 cm (ca. 35 : 51 cm).

Exemplar 77, Auflage lt. Söhn ca. 200 Exemplare. – Auf dem Titelblatt vom Künstler signiert. – Auf Chinapapier, in Passepartouts montiert. – Die Blätter 2, 5 und 6 schnitt Oskar Bangemann nach den Vorzeichnungen des Künstlers. – Herausgegeben von der Verbindung zur Förderung deutscher Kunst. – Gedruckt auf der Panpresse von Otto Felsing. – Mit dem Titelblatt lose in der Originalleinenmappe.

46 : 60 cm (Mappe). – Mappe leicht fleckig, Einschlaglaschen eingerissen.

Söhn 759–765. – Rümann 68

576  Ottomar Starke – Leo Tolstoi. Hadschi-Murad.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Roman. Illustriert von Ottomar Starke. Frankfurt a. M., Hans Gieschen 1924. Mit zahlreichen Kreidelithographien im Text. Halbpergamentband.

Eins von 500 Exemplaren. – Übertragung von Ludwig und Dora Berndl. – Der von Lothar Lang als »gelegentlich impressionistisch« bezeichnete Ottomar Starke wurde besonders als Illustrator der expressionistischen Autoren bekannt. – Schönes Exemplar in unsigniertem Handeinband.

24 : 15 cm. 260, [8] Seiten.

Sennewald 24 (zählt 92 Lithographien)

577  Hugo Steiner-Prag – Salomon Gessner. Idyllen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Lithographien und Vignetten von Hugo Steiner-Prag. Berlin, Erich Reiss [1921]. Mit neun signierten Lithographien, lithographiertem Titelblatt und sieben Vignetten. Roter Originalmaroquinband; Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Zanders-Bütten und mit den signierten Handdrucken der Lithographien. – Innen makelloses Exemplar.

23 : 15 cm. 152, [4] Seiten, 10 Lithographien. – Einband stellenweise leicht berieben und verfärbt. – Exlibris, Innendeckel mit kleinem Bibliotheksschildchen.

Sennewald 21, 1. – Frenzel/Osborn 23

578  Hugo Steiner-Prag – Bibliomanen.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Drei Erzählungen von Nodier, Flaubert, Asselineau. Wien/Leipzig 1921. Mit elf signierten Radierungen und radierter Titelvignette von Hugo Steiner-Prag. Brauner marmorierter Originalkalblederband mit Rücken- und Deckelvergoldung sowie grün-goldenem Rückenschildchen (Leipziger Buchbinderei AG, vorm. Gustav Fritzsche).

Elfter Avalun-Druck. – Eins von 200 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen und in Ganzleder (Gesamtauflage 400). – »Die Bibliomanenfratze ist die Selbsterkenntnis des Bibliophilen, den die bedeutenden Ereignisse in seinem Leben, die für ihn Bücher sind, nicht zu überwältigen vermögen. Er versteht den Bibliomanen und verzeiht ihm […] Jeder Bibliophile hat seinen Bibliomanen in sich, die absonderliche Art der Büchernarren ist Menschenwesen.« (G. A. E. Bogeng im Vorwort). – Dazu: Gustave Flaubert. Der Büchernarr. Mit Lithographien von Alfred Kubin. Hannover, Paul Steegemann [1921].

19 : 13 cm. 114 Seiten, 11 Radierungen. – Rücken verblasst. – Vorsätze mit schwachem Leimschatten.

Rodenberg 332, 11. – Sennewald 21, 3

579  Hugo Steiner-Prag – Jan Neruda. Zu den drei Lilien.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Leipzig, 1924. Mit einer signierten Radierung von Hugo Steiner-Prag. Originalbroschur.

Eins von 140 Exemplaren. – Privatdruck für die Mitglieder des Leipziger Bibliophilen-Abends zum 22. November 1924. – Im Druckvermerk vom Künstler, von dem auch die Übersetzung stammt, signiert. – Dazu: Ausstellung Hugo Steiner-Prag, Leipzig. Graphik – Zeichnungen – Aquarelle – Buchkunst. Neue Galerie Wien, 1925.

20 : 13 cm. 12 [8] Seiten.

Sennewald 24,3. – Deutsche Bibliophilie 1898–1930, S. 80f

580  Hugo Steiner-Prag – Zwei Werke mit Illustrationen von Hugo Steiner-Prag.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Zürich/Wien/Prag, Büchergilde Gutenberg 1935. Originalleinenbände mit -schutzumschlag.

I. Harry Blomberg. Volk in der Fremde. Roman. – II. Emil Vachek. Die Hühnersteige. Roman. – Beide mit Deckelvignette, illustriertem Schutzumschlag und Textillustrationen von Hugo Steiner-Prag. – Erschienen in der Exilzeit der Büchergilde. – Mit den Originalumschlägen selten.

23 : 14 cm. 283, [1]; 270, [2] Seiten. – Schutzumschlag von I fachmännisch aufgezogen.

Sennewald 35, 2 und 3

581  Robert Walser. Die Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 3000 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

[Zürich-Höngg, Pauli und Bührer 1919]. Mit zwei Radierungen und einem Holzschnitt von Gregor Rabinovitch, alle signiert. Originalumschlag. In Halbleinenkassette.

Erste Ausgabe. – Bagatellen, Band 3. – Eins von nur 30 Exemplaren. – Am Textende vom Autor signiert. – Der vierseitige Prosatext ist sicher die seltenste Robert Walser-Erstausgabe. – Auf unbeschnittenem Bütten. – Beim Holzschnitt auf dem Vorderumschlag nummeriert und dort mit »Vorzugsdruck« bezeichnet. – Gregor Rabinovitch (1884–1958) flüchtete 1915 aus dem zaristischen Russland über Umwege in die Schweiz. Er wies bereits ein Werk vor, das sich mit dem zeitgenössischen Expressionismus in der Schweiz messen konnte. Die wenigen Holzschnitte, die Rabinovitch geschaffen hat, sind in der Zeit um 1919 entstanden. Mehr als die Expressionisten der Schweiz wandte sich Gregor Rabinovitch mit seiner Kunst an die Öffentlichkeit. (vgl. Bruno Haldner, Gregor Rabinovitch: ein verkannter Bekannter).

35 : 25 cm. [8] Seiten. – Umschlag mit winzigen Randeinrissen, innen tadellos.

Wilpert/Gühring 14

582  Emile Verhaeren. Ausgewählte Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

In Nachdichtung von Stefan Zweig. Berlin, Schuster & Loeffler 1904. Mit einer Porträttafel als Frontispiz. Halblederband der Zeit mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Erste deutsche Ausgabe und die erste Werksammlung in deutscher Sprache überhaupt. – Eins von 350 Exemplaren auf holländischem Bütten (Gesamtauflage 375). – Der schöne Jugendstil-Buchschmuck stammt von Théo van Rysselberghe. – Das Frontispiz mit einer Abbildung der Porträtbüste Emil Verhaerens von Charles van der Stappen. – Nach seinem frühen realistischen Gedichtzyklus »Les flamandes«, der in seiner Heimat einen Skandal auslöste – die Eltern Verhaerens versuchten, die gesamte Auflage zurückzukaufen – wandte sich der Dichter Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt sozialkritischen Themen zu. Seine Dichtungen wurden unter anderem von Rainer Maria Rilke und Stefan Zweig begeistert aufgenommen und übersetzt.

24 : 16 cm. 90, [2] Seiten, 1 Tafel.

Fromm V, 26224. – Klawiter I 79. – Sarkowski 1815 (falsche Auflagenhöhe)

582a  Stefan Zweig. Die frühen Kränze.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Leipzig, Insel 1906. Mit Titelblattillustration von Marcus Behmer. Blauer Originalkalblederband mit Rückenvergoldung, -schild und Kopfgoldschnitt.

Erste Ausgabe. – Nach seinem Erstling »Silberne Saiten« die zweite Gedichtsammlung des Verfassers. – Druck in Schwarz und Ocker auf Bütten. – Einband und Titel von Marcus Behmer.

18 : 13 cm. [4], 84, [4] Seiten. – Kanten berieben, Ränder etwas verfärbt.

Klawiter D 2. – Sarkowski 1959