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Kunstismen | Hesse-Auktionen
Kunstismen

409  Die Kunstismen. – Les ismes de l’art. – The Isms of Art.

€ 3000

Herausgegeben von El Lissitzky und Hans Arp. Zürich, München und Leipzig, Eugen Rentsch 1925. Mit zahlreichen Abbildungen auf 48 Tafeln. Illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vorsatzblatt: »Dieses neue Ex für Herrn Hans Fehr | Hans Arp | 20.5.25«. – Hervorragend gestaltetes Dokument in der Typographie von El Lissitzky mit Bildbeispielen aus Konstruktivismus, Proun, Merz, Neo-Plastizismus, Purismus, Dada, Kubismus, Futurismus, Expressionismus, Suprematismus und Abstraktivismus von 1914 bis 1924. – Mit Abbildungen von Arbeiten von Arp, Archipenko, Braque, Dix, Max Ernst, Feininger, Grosz, Kandinsky, Leger, El Lissitzky, Malewitsch, Marc, Moholy-Nagy, Molzahn, Picabia, Picasso, Schlemmer, Tatlin und anderen. – Dreisprachig, Textteil mit Beiträgen verschiedener Künstler zur kurzen Definition der Kunstrichtungen, dort einige Randnotizen des Vorbesitzers Hans Fehr (1874–1961). Dieser war Jurist und seit 1924 in Bern tätig. Schon in jungen Jahren war er mit Emil Nolde befreundet, bei dem er auch Zeichenunterricht erhielt. – Selten, zumal als Widmungsexemplar.

26,1 : 20,3 cm. XI, [1] Seiten, 48 Tafeln. – Untere Ecken minimal berieben, Rücken mit kleinen Abplatzungen des schwarzen Lackpapiers. – Vorsatzblätter und das jeweils anliegende Blatt etwas stockfleckig.

Dokumentations-Bibliothek I, 16; III, 95 und IV, 46. – Bowlt/Hernad 97

410  Futurismus – Poesia.

€ 450

Rassegna internazionale da redazione F. T. Marinetti. Anno V, N. 3-4-5-6. Mailand, April-Juli 1909. Mit fünf blattgroßen Illustrationen. Illustrierte Originalbroschur.

Enthält den Erstdruck der »Declaration of Futurism«, der ersten englischen Ausgabe des »Manifeste du Futurisme«, welches Marinetti am 20. Februar im Pariser »Figaro« in französischer Sprache veröffentlicht hatte – und sich dabei gegenüber einer italienischen Fassung größere internationale Resonanz erhoffte. – Neben Stellungnahmen von Marinetti und Kritikern der Bewegung sowie internationalen Pressestimmen enthält diese umfangreiche vorletzte Ausgabe der 1905 gegründeten Zeitschrift auch Dichtungen von Marinetti, Paolo Buzzi, Georges Périn u. a., weitere Manifeste und einige Illustrationen. Auf dem Vorderumschlag Alberto Martinis allegorische Darstellung des Siegs der Dichtung über die Hydra, die er 1905 für die Zeitschrift entworfen hatte, und hier erstmals der Aufdruck »Il Futurismo«. – »Futurism is the first authentic avantgarde movement: a group whose members shared an elective affinity, with an ideology which is not limited to the arts but includes politics, morals and manners« (Luciano de Maria in »Futurismo & Futurisme« (Mailand 1986), S. 514). – Gilbert Keith Chesterton erinnerte sich in »Alarms and Discursions«: »It was a warm golden evening […] when the postman handed to me, with a perfunctory haste which doubtless masked his emotion, the »Declaration of Futurism«. If you ask me what Futurism is, I cannot tell you; even the Futurists themselves seem a little doubtful; perhaps they are waiting for the future to find out«.

28,0 : 29,2 cm. 92 Seiten. – Vorderumschlag angestaubt und unten mit kleinem Wasserrand, hinterer mit diagonalem Knick. – Vereinzelte Ränder etwas verfärbt, 4 Blätter mit leichtem Eckknick.

Salaris S. 100. – Gambillo/Fiori I, 15f

411  Velimir Chlebnikov. Ryav!

€ 1500

Pertschatki 1908–1914 (russisch: Boarrrr! Die Handschuhe 1908–1914). Petersburg, Euy 1914. Mit zwei blattgroßen Linolschnitten von David Burljuk und zwei Tafeln nach Malewitsch. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Diese erste größere Veröffentlichung von Chlebnikow enthält Gedichte, Aufsätze und kurze Stücke. Eine Reihe der Texte sind von slawischen Themen und slawischen Stilen inspiriert – insbesondere die neo-primitivistisches Dichtung »Die Waldnymphe und der Kobold«, das zentrale Werk des Buches, das traditionellen Volksidyllen nachempfunden ist. – Einige Texte der Sammlung und auch die Illustrationen waren zuvor in futuristischen Anthologien und Zeitschriften erschienen. – Welimir Chlebnikow (1885–1922) gilt als der bedeutendste Dichter des russischen Futurismus. Wie kein zweiter hat er diese Stilrichtung, die für etwa 15 Jahre die russische und europäische Literatur umwälzte, geprägt. Gemeinsam mit Majakowski, Burljuk und Kruchenykh veröffentlichte er 1912 das futuristische Manifest »Eine Ohrfeige dem allgemeinen Geschmack«. Auch an der Oper »Sieg über die Sonne« war er beteiligt. Chlebnikow experimentierte mit den Ursprüngen der russischen Sprache und entwickelte gemeinsam mit Kruchenykh die Kunstsprache »Zaum«. – Außerordentlich selten und sehr gut erhalten.

25,5 : 17,5 cm. 29, [3] Seiten. – Der hellrosa Büttenumschlag oben leicht angestaubt und minimal bestoßen. – Buchblock lose.

Rowell/ Wye 68. – Bowlt/Hernad 29

412  Velimir Chlebnikov. Izbornik stichov s poslesloviem rechiaria 1907–1914 gg.

€ 1500

(russisch: Ausgewählte Gedichte mit einem Nachwort des Wortakrobaten 1907–1914). Petersburg, Euy [1914]. Mit 16 lithographierten Seiten mit elf Illustrationen von Pavel Filonow und nach seiner Handschrift lithographiertem Text sowie einer Bildtafel nach Malewitsch. Originalbroschur mit Deckelillustration von D. Burljuk.

Erste Ausgabe. – Auflage 1000 Exemplare. – Das Buch enthält bereits einzeln veröffentlichte Gedichte und als Anhang Unveröffentlichtes, darunter Neologismen und andere Sprachexperimente. Dieser Teil wurde, von Pavel Filonow kalligraphiert und illustriert, lithographisch auf rosa Papier gedruckt. – Sehr selten.

20,5 : 14,8 cm. 48 Seiten, 16 Lithographien. – Umschlagränder bestoßen, Rücken beschädigt. Vorderdeckel mit Preisstempel. – Innen sehr gut erhalten.

Rowell/Wye 91

413  Zapisnaja knischka Velimira Chlebnikova.

€ 400

(russisch: Velimir Chlebnikovs Notizbuch). Sobral i snabdil primechanijami A. Kruchenykh. Moskau, Vserossiiskovo soiuza poetov 1925. Mit einem Porträt. Originalbroschur mit Typographik von Valentina Kulagina-Klutsis.

Erste Ausgabe. – Aufzeichnungen des wichtigsten russischen Futuristen-Dichters Chlebnikow aus dem Jahr 1920. – Mit einer Einleitung von Kruchenykh und einem Nachwort von Tatjana Vecherka. – Sehr gut erhaltenes, unbeschnittenes Exemplar.

19,0 : 14,2 cm. 30, [2] Seiten. 1 Porträt. – Umschlag etwas gebräunt.

Rowell/Wye 598. – Bowlt/Hernad 106

414  David Davidovič Burljuk – Sieben Publikationen von und über den russisch-ukrainischen Avantgarde-Künstler.

€ 1200

New York, Maria Burljuk 1926–1932. Alle mit Abbildungen von Kunstwerken Burljuks und anderer russischer Avantgardisten. Meist Originalbroschuren.

I: David Burljuk. Voschozhdenie na Fudzi-san (russisch: Die Besteigung des Fuji-san). 1926. Ohne Umschlag. – II: David Burljuk. Russkije chudoschniki w Amerike. 1917-1928. (russisch: Russische Künstler in Amerika). 1928. – III: David Burljuk. Entelechizm. Teorija kritika stichi kartiny (1907–1930). K 20ti letiju Futurisma […]. 1930. – IV: Erich Gollerbach. Iskusstwo Davida Burljuka (russisch: Die Kunst David Burljuks). 1930. – V: Erich Gollerbach. Poesia Davida Burljuka (russisch: Die Dichtung David Burljuks). 1931. Hinterumschlag mit kolorierter Vignette »Red rider, Berlin 1908«. – VI: Benedikt Livschiz. Gileja (russisch). 1931. – VII: Igor Postupalski. Literaturnij trud Davida D. Burljuka (russisch: Das literarische Werk David D. Burljuks). 1932. Fadengeheftet.
David Burljuk (1882–1967) zählt zu den wichtigsten russischen Avantgarde-Künstlern und gilt als »Vater des Futurismu«. Er nahm an Ausstellungen des »Blauen Reiter« und Waldens »Herbstsalon« teil. In seiner Heimat organisierte er futuristische Tourneen. Nach der Oktoberrevolution verließ er nach einer Japan-Reise die Sowjetunion und emigrierte in die USA.
I. Bericht über die Japan-Reise Burljuks 1922. – II. Repräsentative Darstellung der bedeutendsten Vertreter russischer Avantgarde in Amerika. – III. Ebenso seltene wie wichtige Ausgabe mit Texten Burljuks über den Futurismus, die Kunst als schöpferischen Prozess und viele andere Dichtungen. Umschlag mit Fotoporträt von David und Maria Burljuk nach einer Fotografie des Sohnes David. – V. Die wahrscheinlich von Burljuks Sohn scherzhaft mit Rotstift kolorierte Vignette eines Reiters verweist auf Burljuks Beteiligung am Almanach und an Ausstellungen der Künstlergruppe »Der Blaue Reiter«. – VI. Livschitz’ Bericht über die Künstlergruppe »Hyläa«, zu der neben ihm die Brüder Nikolai und David Burljuk sowie Kruchenykh und Majakowski gehörten. – Alle als Geschenk der Familie Burljuk an den Düsseldorfer Antiquar Günter Fuchs; teils mit Stempeln, Bemalungen, Notizen und Widmungen von Maria und David Burljuk junior. – Beigaben: Acht Porträtfotografien Burljuks und seiner Ehefrau Maria, eine mit dem New Yorker Wohnhaus des Ehepaares. – Sechs Burljuk-Kunstpostkarten.

Kollation: [2], 12, [2] Seiten; 47, [1] Seiten; 24 Seiten, 16 Seiten, [4], 32, [4] Seiten, 15, [1] Seiten.

415  Natalija Gontscharowa – Valentin Parnach. Samum.

€ 1500

3 risunka Natalij Gontscharowa (russisch). Paris 1919. Mit drei Lithographien, davon zwei zweifarbig. Originalbroschur.

Erste Ausgabe, wohl im Selbstverlag in kleiner Auflage erschienen. – Auf Velin. – Natalija Sergejewna Gontscharowa (1881–1962), eine der maßgeblichen Künstlerinnen der russischen Avantgarde, lebte seit 1915 in Paris, da ihre Bühnenbildentwürfe für Daghilews »Ballets Russes« vom Publikum begeistert aufgenommen worden waren. »Die drei ganzseitigen Bilder von Gontscharowa sind […] von der Raumauffassung der Künstlerin geprägt. Die zwei farbigen Darstellungen zeigen Anklänge an den Kubismus […], während die in Schwarz-Weiß gehaltene Zeichnung unter dem Einfluss des Futurismus steht« (Beatrice Hernad). – Auch der Dichter Parnach (1891–1951), von dem 32 Gedichte enthalten sind, lebte zu dieser Zeit in Paris. Nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion wandte er sich der Musik zu und gilt als Begründer des sowjetischen Jazz. – Beeindruckend schönes Exemplar.

22,8 : 16,0 cm. [2], 43, [3] Seiten, 3 Lithographien.

Rowell/Wye 221. – Bowlt/Hernad 77

416  E[duard] Bagritsky. Duma pro Opanasa.

€ 450

(russisch: Duma von Opanas). Moskau, GIChL 1935. Mit vier Farblinolschnitten von I. G. Nikolaevtsew nach R. A. Grabbe. Originalleinenband mit rotgeprägter Deckelvignette.

Erste Ausgabe mit der lyrischen Fassung von 1926 und dem Libretto. – Der Dichter Bragitsky verfasste einige Texte, die seinen frühen Tod Jahrzehnte überdauerten. – Seine Huldigung des revolutionären Kampfes wurde in der dramatisierten Fassung von W. J. Schebalin vertont.

30,3 : 22,5 cm. 68, [4] Seiten, 4 Linolschnitte. – Einband etwas fleckig. – Leicht fleckig, Titel mit Besitzvermerk, hinterer Innendeckel mit Eintragung.

417  Nikolai Gumiljov. Ognennij Stolp

€ 250

(russisch: Die Feuersäule). Petersburg 1921. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Nikolai Stepanowitsch Gumiljow (1886–1921) gilt als einflussreicher Dichter der russischen Moderne. Seine Dichtungen gelten als Musterbeispiele des »Akmeismus«, jener damaligen russischen Literaturströmung , die sich ohne futuristisch-revolutionäre Wandlungen von Sprache und Schrift vom Symbolismus abgrenzen wollte. – 1921 wurde Gumiljow von der russischen Geheimpolizei verhaftet und hingerichtet. Seine Werke wurden verboten, das vorliegende ist seine letzte Lyriksammlung.

15,6 : 11,0 cm. 74, [4] Seiten. – Einband fleckig, Hinterdeckel mit Stempeln, am Rücken eingerissen. – Besitzvermerk auf Titel, sonst innen sehr schön.

418  S[emjon] Kirsanov. Poslednij sovremennik

€ 300

(russisch: Der letzte Zeitgenosse). Moskau, Federatsia 1930. Originalbroschur mit farbig lithographiertem Umschlag nach Entwurf von Alexander Rodschenko.

Erste Ausgabe. – Enthält aus der titelgebenden Versdichtung auch die Sammlung »Pisma«. – Kirsanow, geboren in Odessa, gilt als der wichtigste Initiator der Vereinigung der Futuristen in den südlichen Sowjetrepubliken und gründete 1921 »LEF Jug« (LEF Süd). Er lernte dadurch Majakowski kennen und unternahm mit ihm Lesereisen durch die UdSSR.

18,2 : 13,0 cm. 95, [1] Seiten. – Umschlagkanten etwas bestoßen. – Titel mit Besitzvermerk.

Rowell/Wye 891

419  Nikolai Konstantinovich Kostarev. Aeropoema

€ 2500

(russisch). Wladiwostok 1924. Originalbroschur mit schwarz-roter Lithographie von Pavel Ljubarsky auf dem Vorderdeckel.

Erste Ausgabe. – Eins von 200 Exemplaren. – Sehr seltenes Beispiel für das Vordringen des Futurimus bis nach Transsibirien. – Sehr selten, laut KVK nur ein Exemplar in der Houghton Library.

25,8 : 8,7 cm. [8] Seiten. – Umschlag mit kleinen Läsuren und am Rückenfalz gerissen.

Nicht bei Rowell/Wye

420  Aleksei Eliseevich Kruchenykh. Zaumnyi yazyk u:

€ 350

Seifullinoi, Vs. Ivanova, Leonova, Babelia, I. Selvinskovo, A. Veselovo i dr. Kniga 127-ia (russisch). Moskau, Vserossiiskovo soiuza poetov 1925. Mit zwei Vignetten und Vorderdeckelillustration von Valentina Kulagina-Klutsis. Farbig lithographierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 3000 Exemplaren. – Gedichtsammlung mit Zaum-Dichtungen von Kruchenykh und Texten von Isaak Babel, Lidija Seifulina, Ilia Selwinsky und anderen. – Mit einer Bibliographie der Werke Kruchenykhs.

18,5 : 13,8 cm. 59, [5] Seiten. – Beide Umschlagdeckel leicht geknickt, vorderer mit kleiner Nummer, hinterer fleckig.

Rowell/Wye 599. – Compton 156, 31

421  Osip M. Brik. Ne poputchitsa

€ 450

(russisch: Kein Mitreisender). Moskau, Gosudarst. Isdatelstvo 1923. Illustrierte Originalbroschur nach Entwurf von Anton Lawinsky.

Erste Ausgabe. – Anton Lawinsky (1893–1968) war 1920 nach Moskau gekommen, hatte dort Majakowski und die Künstlergruppe des Instituts für Künstlerische Kultur (INChUK) kennengelernt und wurde Mitglied der Gruppe »Linke Front der Künste« (LEF). – Lawinsky schuf herausragende Fotomontageplakate (Filme, Werbung), die Umschlagillustration zu Briks Dichtung kombiniert konstruktivistische Elemente mit Fotomontage unter Verwendung der damals bevorzugten Bilddiagonale. – Hinterumschlag mit dem Logo der Zeitschrift »LEF«.

22,4 : 15,3 cm. 36 Seiten.

Rowell/Wye 472

422  [Vladimir Majakovskij]. 150.000.000.

€ 750 ( R7 )

(russisch). Moskau, Gosudarstvennoje Isdatelstvo 1921. Dunkelroter Lederband mit Blindprägung, die Originalbroschur eingebunden.

Erste Ausgabe. – Anonym erschienene Gedichtsammlung des bedeutenden russischen Avantgarde-Dichters, die im Widmungsgedicht auf die Macht der Massen Bezug nimmt. – 1920 hatte er u. a. die USA und Europa bereist. – Sehr gut erhalten, unbeschnitten eingeheftet.

19,0 : 14,0 cm. 70, [2] Seiten. – Die Deckel der Broschur etwas fleckig und vorn mit kleiner ergänzter Randfehlstelle.

Rowell/Wye 354/355

423  Vladimir Majakovskij. Groznyi smekh.

€ 700

(russisch: Das schreckliche Gelächter). Moskau/Leningrad, GIChL 1932. Mit 37 Bildseiten nach Rosta-Fenstern, einem Porträt und illustrierten Vorsätzen. Originalpappband mit Typographik auf dem Schutzumschlag.

Eins von 3000 Exemplaren. – Die den Rosta-Plakaten gewidmeten Texte erschienen zwei Jahre nach Majakowskis Tod. Das Buch besticht durch seine außergewöhnliche Gestaltung von Warwara Stepanova: Die Textseiten, nach den Regeln der modernen Typographie unter Verwendung verschieden starker Balken gesetzt, werden ergänzt durch die am Außenrand halbseitengroß abgebildeten legendären Plakate der russischen Telegrafen-Agentur ROSTA, die seit 1919 besonders in Zusammenarbeit mit Majakowski entstanden. Jedes zweite Textblatt blieb unillustriert und wurde in schmalem Hochformat eingebunden, so dass die Abbildungen stets unverdeckt bleiben. – Mit der berühmten Fotomontage von Boris Ignatowitsch (by Susan Compton, Russian Avant-Garde Books, ebenfalls als Vorsatz verwendet). – Warwara Stepanowa (1894–1958) war auf der Ersten Russischen Kunstausstellung in Berlin (1922) vertreten. Sie arbeitete als Textildesignerin, zählte zu den LEF-Mitarbeiterinnen und arbeite eng mit Majakowski zusammen. »Warwara Stepanowa schuf mit ihrer Gestaltung des Buches ein wegweisendes, modernes Werk« (Bowlt/Hernad).

24 : 21 cm. 79, [1] Seiten. – Schutzumschlag mit Randeinrissen und Besitzvermerk. – Hinteres Vorsatzblatt (auf der unbedruckten Seite) mit Schabstelle.

Rowell/Wye 1006. – Bowlt/Hernad 104

424  Alexander Tufanov. K Zaumi.

€ 350

Fonicheskaja musika i funkzii soglasnich fonem (russisch: Über Zaum. Phonetische Musik und Funktion konsonantischer Phoneme). Petersburg 1924. Mit Vorderdeckelillustration und einer Doppeltafel von Boris Ender. Originalbroschur.

Erste Ausgabe, im Selbstverlag in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen. – Alexander Tufanow verwendete in seinen Lautgedichten kyrillische und lateinische Buchstaben, auf der Tafel am Ende des Bandes stellt Boris Ender eine Art Runenalphabet vor. – Boris Ender (1893–1960) war Schüler Bilibins, wandte sich aber bereits 1911 durch die Bekanntschaft mit Michail Matjuschin den Avantgardisten zu. Später realisierte er biomorphe Abstraktionen, die auch neurologische Untersuchungen einbezogen. – Selten.

20,5 : 14,3 cm. 48 Seiten, 1 Falttafel. – Umschlagränder gebräunt.

Rowell/Wye 533

425  Bal Banal. Programme.

€ 600

Organisé par l’Union des Artistes Russes au profit de la Caisse de Secours Mutuels de l’Union. Paris 1924. Mit 16 Illustrationen. Zwei klammergeheftete Doppelblätter.

Programm zu einem der berühmten Bälle der in Paris lebenden russischen Künstler, dieser am 14. März 1924 im Salle Bullier. – Der Prospekt nennt die Mitwirkenden samt deren Beiträgen, u. a. Foujita, Pascin, Larionow, Iliazd, Babel. Ebenso würdigt man die für die Dekoration der Logen und Säulen sowie des Eingangsportals und der Bar verantwortlichen Künstler: Aleksieff, Belinsky, Brunelleschi, Kogan u. v. m. – Die Illustrationen stammen von Picasso, Brancusi, Braque, Izdebsky, Laurencin, André Lhote u. a. – Auf Velin, zwei Abbildungen auf Kunstdruckpapier und montiert.

38,0 : 29,0 cm. [8] Seiten. – Außen angestaubt und minimal fleckig. Obere Ecken mit minimalen Läsuren.

Dokumentations-Bibliothek VI, 713

426  Lajos Kassák. Tisztaság könyve

€ 900 ( R7 )

(ungarisch: Buch der Reinheit). Budapest, Horizont 1926. Mit serigraphierten Zwischentiteln, einer farbig serigraphierten Anzeige und sechs Bildtafeln. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe dieser wichtigen Sammlung von Aufsätzen und Dichtungen. – Enthält u. a. »25 uj vers« (25 neue Gedichte), nummeriert 40–65; »Prózák 1925« und »Forditások 1915–26« (Übersetzungen) sowie »A korszerü müvészet EL«. – Die Bildtafeln mit Kunstwerken Kassáks, darunter Bühnenbilder, Plastiken (u.a. das auf dem Umschlag nochmals abgebildete Relief), farbiger Reklameentwurf. – In mustergültiger Typographie gestaltet. – Der Entwurf des Umschlags war u. a. 1927 auf der Internationalen Schau zeitgemäßer Reklame in der Kunsthalle Mannheim ausgestellt.

25 : 17 cm. 115, [5] Seiten, 6 Tafeln. – Umschlag gebräunt, etwas fleckig und an den Rändern unauffällig restauriert.

Csaplar, Kassak 1999, 83

427  Abstraction, création, art non figuratif.

€ 1200 ( R7 )

[Cahier 1] – 4. Paris, Éditions les tendances nouvelles 1932–1935. Mit zusammen mehr als 350 Abbildungen. Originalbroschuren.

Vier von insgesamt fünf erschienenen Ausgaben der »für die Geschichte der Abstrakten Kunst wichtigen Zeitschrift […] Mitarbeit aller bedeutenden abstrakten Künstler der Zeit. Reich illustriert mit zahlreichen bedeutenden programmatischen Texten.« (Hans Bolliger). – U. a. mit Texten und Bildern zu Albers, Arp, Brancusi, Calder, Doesburg, Domela, Kandinsky, Moholy-Nagy, Mondrian, Ben Nicholson, Schwitters, Seligmann, Taeuber-Arp und Vordemberge-Gildewart.

27,8 : 22,3 cm. 48 Seiten. – Umschläge etwas angestaubt und teils leicht, Hinterumschlag von 4 stärker fleckig. – Buchblock von Heft 1 gelockert.

Dokumentations-Bibliothek IV, 323

428  Minotaure.

€ 300

Revue artistique et littéraire. Première année, No. 1 Paris, Albert Skira 1933. Mit zahlreichen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Das erste Heft der legendären französischen Kunst- und Literaturzeitschrift. Mit Beiträgen in Wort und Bild von und über Picasso, Reverdy, Eluard, Breton, Raynal, Masson, Dali u. v. a. – Den Umschlag entwarf Picasso, dem u. a. ein langer Artikel von André Breton »Picasso dans son élément« mit Abbildungen nach Brassaï gewidmet wurde. – Bis 1939 erschienen statt geplanter 30 nur 13 Ausgaben. – Mit dem Ankündigungsblatt des Verlages.

31,5 : 24,5 cm. [12], 75, [1] Seiten.

429  Labyrinthe.

€ 450

Journal mensuel des lettres et des arts. Rédacteur en chef: Albert Skira. Nos. 1[–] 23 [alles]. Genf, Oktober 1944–Dezember 1946. 22 Zeitschriften mit zahlreichen Abbildungen.

Vollständige Folge der von Albert Skira herausgegeben und verlegten Kunstzeitschrift »an der die Elite der französischen Literatur und Kunst mitarbeitete« (Hans Bolliger). – Mit Text- und Bildbeiträgen von und über Matisse, Giacometti, Chagall, Picasso, Brassai, Breton, Tzara, Malraux u. v. a. – Im März 1946 erschien kein Heft, nach dem Herbst folgte im Dezember 1946 die abschließende Doppelnummer 22/23. – Dazu: Le ciel bleu. Hedomadaire littéraire pour tous. Directrice et editeur responsable: Rose Capel. 1re année, No. 1 [–] 9 [alles]. Brüssel, Februar–April 1945. Mit einigen Illustrationen. Gefaltete Originalzeitschriften. Interessante Zeitschrift zur literarischen Moderne Europas, die aber bereits nach zwei Monaten wieder eingestellt wurde.

50 : 33 cm, hier einmal horizontal gefaltet. – Erste Seite von Heft 1 mit horizontalem Einriss. – Ränder teils leicht gebräunt und mit leichten Alterungsspuren (beide Reihen).

Dokumentations-Bibliothek III, 179

430  Surrealistische Publikationen.

€ 400 ( R7 )

Herausgegeben von Edgar Jené und Max Hölzer. [Hefte 1 und 2]. Klagenfurt, Josef Haid 1950 und Paris, Editions surréalistes [1953]. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschuren.

Erste Ausgaben. – Die beiden einzigen Ausgaben »einer der ganz wenigen surrealistischen Anthologien in deutscher Sprache« (Hans Bolliger). – Mit Beiträgen der Herausgeber und von Bréton, Péret, Celan (Heft 1) und Arp, Artaud, Guttenbrunner, R. Wittkopf und Dieter Wyss (Heft 2), meist Erstdrucke bzw. erstmals in deutscher Übersetzung durch die Herausgeber sowie Erica Lilegg und Paul Celan. – Die Illustrationen stammen von Hans Arp, Victor Brauner, Dorothea Tanning, Max Ernst, Toyen u. v. a., die Umschlagillustrationen von Egdar Jené (1) und Toyen (2). – Sehr selten, zumal so gut erhalten.

21,7 : 15,3 cm. 94, [2] Seiten bzw. 25,2 : 17,2 cm. 32 Seiten.

Laakmann/Tgahrt 428. – Dokumentations-Bibliothek VI, 141 (nur II)

431  Arte fantastico.

€ 450 ( R7 )

Texto de Antonio Saura. Madrid, Libreria Clan, Espoz y Mina [1953]. Mit 14 Bildtafeln, davon 13 nach Fotografien von Carlos Saura. Originalbroschur.

Coleccion Artistas nuevos, Heft 12. – Eins von 300 Exemplaren, herausgegeben als Erinnerung an die Ausstellung »Arte fantastico« in der Madrider Buchhandlung »Libreria Clan«. Dort wurden Arbeiten von Miró, Picasso, Calder, des jungen Antonio Saura und anderer Künstler gezeigt. Die Fotografien der Objekte und Künstler, entstanden in Ateliers und während er Ausstellung, stammen von Carlos Saura, der damals an der staatlichen spanischen Filmhochschule studierte und, durch seinen Bruder Antonio vermittelt, bereits erste Ausstellungen hatte. – Sehr selten, kein Exemplar im Handel nachweisbar, nur drei Exemplare via WorldCat. – 2007 erfolgte ein Reprint der von T. Seral Casas herausgebenen Reihe.

19,5 : 17,0 cm. [12] Seiten, 14 Tafeln. – Titelblatt mit Exlibrisstempel.

Galfetti, Saura Bibliographie 2

432  Albert Gleizes und J. Metzinger. De Cubisme.

€ 4500 ( R7 )

Paris, Compagnie Française des Arts Graphiques 1947. Mit elf Radierungen, davon sieben originalen und vier nach Zeichnungen, alle ganzseitig. Lose Doppelbogen in Originalumschlag, -chemise mit Rückenschild und Originalschuber.

Eins von 400 Exemplaren auf »Papier pur fil Lana« (Gesamtauflage 435 und 20 Belegexemplare). – Mit sieben blattgroßen und rückseitig unbedruckten Originalradierungen, je eine von Pablo Picasso (»L’Homme au chapeau«, Aquatinta, 1914/15, Bloch 29 und livre 46), Jean Metzinger (Kaltnadel), Marie Laurencin (Aquatinta), Albert Gleizes (Kaltnadel), Francis Picabia (Kaltnadel, 1907), Jacques Villon (»Le Cheval«, Aquatinta, 1921, Ginestet/Pouillon E 295) und Marcel Duchamp (Aquatinta) und vier weiteren nach André Derain, George Braques, Fernand Léger und Juan Gris. – Eine der grundlegenden Veröffentlichungen zur Geschichte des Kubismus. Bereits 1912 hatten die beiden Herausgeber das Werk, in welchem die Kunstrichtung erstmals als »Cubisme« bezeichnet wurde, veröffentlicht. 35 Jahre später erfolgte der vorliegende Rückblick in Form einer erweiterten Neuausgabe, originalgraphisch von den führenden Protagonisten der Kunstrichtung illustriert. 1947 wurde in Lyon eine große Retrospektive des künstlerischen Werkes von Albert Gleizes gezeigt. – Sehr schönes Exemplar des ebenso wichtigen wie gesuchten Werkes.

25,0 : 21,0 cm. 79, [9] Seiten. – Schuberkanten minimal angeplatzt. – Einzelne Ränder minimal stockfleckig.

Dokumentations-Bibliothek I, 367. – Monod 5476. – Goeppert/Cramer 46

433  Tristan Tzara. Sept manifestes dada.

€ 1500

Quelques dessins de Francis Picabia. Paris, Éditions du diorama Jean Budry [1924]. Mit einem blattgroßen Tzara-Porträt und acht Textillustrationen. Schwarze Originalbroschur.

Erste Ausgabe dieser Sammlung von Tzaras Dada-Manifesten. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Madagascar Papier (Gesamtauflage 300). – Tristan Tzara, eigentlich Samuel Rosenstock (1896–1963), zählt zu den Mitbegründern von Dada Zürich. Sein »Manifeste de Monsieur Antipyrine« von 1916 gilt als die erste Publikation der Zürcher Dadaisten. Acht Jahre später fasst der seit 1919 in Paris lebende Dichter seine wichtigsten bis dahin verfassten Texte zusammen: »Manifeste de Monsieur Antipyrine«, »Manifeste Dada 1918«, »Proclamation sans prétention«, »Manifeste de Monsieur Aa l’antiphilosophe«, »Tristan Tzara«, »Monsieur Aa l’Antiphilosophe nous envoie ce manifeste«; »Dada manifeste sur l’amour faible et l’amour amer« und »Annexe«. – Unaufgeschnittenes Exemplar der sehr seltenen Vorzugsausgabe auf besserem Papier.

19,2 : 14,0 cm. 97, [7] Seiten. – Umschlag lose, ein Umschlaggelenk gebrochen. Am Rücken leicht berieben. Ohne das blaue Deckelschild.

Dada global 218. – Dokumentations-Bibliothek I, 64. – Harwood 5

434  [Marcel] Duchamp und [Vitali] Halberstadt. Opposition et Cases Conjuguées

€ 600

sont réconciliées. Opposition und Schwesterfelder sind versöhnt. Opposition and Sister Squares are reconciled. Paris-Bruxelles: Éditions de L’Échiquier 1932. Mit 246 farbigen Diagrammen im Text und 8 farbigen Diagrammen auf Transparentpapier. Originalbroschur.

Originalausgabe. – Druck in Rot und Schwarz. Mit zwei Erratazetteln, davon einer in den hinteren Innendeckel montiert. – »Das berühmte und äusserst seltene Schachbuch von Marcel Duchamp. [Seit] 1923 […] widmet er sich mechanisch-optischen Experimenten und vor allem theoretischen Fragen des Schachspiels, die er in diesem Buch niederlegte. Text in französisch, deutsch und englisch. Die ganze Gestaltung des Buches verrät die Hand Duchamps.« (Hans Bolliger). – Das vorliegende Werk zu Schachkompositionen verfasste er zusammen mit Vitali Halberstadt, dem in Odessa geborenen Schachmeister, der seit den 1920er Jahren in Frankreich lebte. – Unwirklich schönes Exemplar.

28,0 : 24,3 cm. [2], 112, 112, [1] Blätter. – Untere Ecken leicht gestaucht.

Schwarz, Duchamp Works 430 und Bibliographie 25. – Van der Linde 2273. – Dokumentations-Bibliothek II, 116

435  Raoul Hausmann. Courrier Dada

€ 500

suivi d’une Bio-Bibliographie de l’Auteur par Poupard-Lieussou. Paris, Le Terrain Vague 1958. Mit 15 Tafeln. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe des wichtigen Rückblicks auf die Dada-Zeit. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung Hausmanns aus dem Jahr 1964: »I caught for Günter Fuchs a Shakespearian whisper that times whisped away ›To be or not to be DADA, that is the question?‹ The Dadasophe Raoul Hausmann«. – Hausmann schreibt u. a. über Malerei und Fotomontage, Huelsenbeck und Baader, Antidada und Merz. Die Tafeln mit eigenen Dada-Werken, Porträts von Baader, Schwitters und anderem mehr. – Auf Velin. – Inhaltsverzeichnis mit eigenhändiger(?) Korrektur. – Unbeschnitten. – Dazu: Raoul Hausmann. Kolorierter Holzschnitt. 1961. 22,0 : 15,5 cm. Signiert und datiert.

19,2 : 14,0 cm. – Rücken leicht gebräunt.

436  Girli mux ün fidel bum

€ 300

[Schaffhausen], Edition bim 1996. Mit Holzschnitten, Materialdrucken und Typographiken. Lose in Originalkarton.

Eins von 90 Exemplaren (Gesamtauflage 100). – Herausgegeben von Fritz Sauter und von ihm auf dem Druckvermerk signiert und nummeriert. – Enthält 15 Blätter, darunter einen Holzschnitt von Hans Arp (»erscheint in dieser Form zum ersten Mal«) sowie Texte von Robert Walser (»Will eine feine Frau man sein …«), Hugo Ball, Emmy Ball-Hennings, Apollinaire, August Stramm, Paul Scheerbart, Erik Satie (»Während meiner gesamten Jugend sagte man mir: Sie werden schon sehen, wenn Sie einmal 50 sind. Ich bin 50. Ich habe NICHTS gesehen«) u. a., meist mit Holzschnitten von Fritz Sauter. – Gedruckt »auf Velin Arches-Bütten, Karton, Tapetenmuster und so«. – Ebenso selten wie originell.

54 : 32 cm (Kassette). – Kassette leicht beschädigt, Inhalt tadellos.