ChristianHesse

Literatur und illustrierte Bücher 1900-1945 | Hesse-Auktionen
Literatur und illustrierte Bücher 1900-1945

667  Max Klinger – Klinger · Beethoven.

€ 750

XIV. Kunstausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Wien 1902. Mit 16 blattgroßen Holzschnitten und reichem Buchschmuck, alles meist zweifarbig gedruckt. Originalbroschur mit dem orangefarbenen Bezugspapier der Wiener Werkstätte.

Der seltenste und gesuchteste Wiener Secessionskatalog, der einzige mit Originalgraphiken. – In Orange und Schwarz auf Bütten gedruckt. – Erschienen anlässlich der ersten öffentlichen Ausstellung von Max Klingers Beethoven-Plastik. Diese fand, nach siebzehnjähriger Arbeit an dem Monument, im April/Juni 1902 in einem eigenen Raum des Secessionsgebäudes statt. Unter Leitung von Josef Hoffmann wurden alle Ausstellungsräume aus diesem Anlass von Secessions-Künstlern zu einem Gesamtkunstwerk umgestaltet. Der für diese Ausstellung geschaffene Beethovenfries von Gustav Klimt zählt heute zu dessen Hauptwerken und den Höhepunkten des Wiener Jugendstils.– Mit Holzschnitten von Ferdinand Andri, Rudolf Jettmar (2), Friedrich König (2), Max Kurzweil, Maximilian Lenz, Wilhelm List, Elena Luksch-Makovsky (2), Karl Moll, Koloman Moser, Felician von Myrbach, Emil Orlik (2) und Ernst Stöhr sowie zahlreichen, meist zweifarbig gedruckten Initialen und Künstlermonogrammen, alle entworfen von Secessions-Mitgliedern. – Enthält unter anderem als Titel die verkleinerter zweifarbiger Wiedergabe des Ausstellungsplakates von Alfred Roller, zwei Lagepläne, Auszüge aus Klingers »Malerei und Zeichnung«, Verzeichnis der Aussteller und Secessions-Mitglieder sowie viele Anzeigen.

17,8 : 15,5 cm. 85, [13] Seiten. – Bindung teils etwas gelockert. – Die Broschur war zwischenzeitlich eingebunden, Papierreste auf dem Rücken.

668  Joseph von Divéky – E. T. A. Hoffmann. Klein Zaches, genannt Zinnober.

€ 600

Ein Märchen. Mit Nachwort von Ed. Castle und Zeichnungen von Joseph von Divéky. Wien und Leipzig, Rosenbaum 1911. Mit 20 ganzseitigen Illustrationen, zehn figürlichen Initialen und neun Schlussvignetten, alle nach Zeichnungen. Originalpergamentband, Deckelvignette, Rückentitel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet, Schließbänder aus schwarz-weiß-kariert gewebten Seidenbändern (signiert: Wiener Werkstätte).

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 30 Vorzugsexemplaren auf Kaiserlich Japan und von der Wiener Werkstätte in Pergament gebunden, die weiteren 270 Exemplare erschienen in einem außerhalb der Werkstätte gearbeiteten Ledereinband. – Josef von Divéky (1887–1951) zählte zu den wichtigsten Mitarbeitern der Wiener Werkstätte. Er illustrierte eine Reihe von Büchern, bekannt wurden vor allem seine leuchtend-farbigen Illustrationen zu Heines Tanzpoem »Doktor Faust«. – Die Vorsatzpapiere in Grün, Blau und Schwarz lithographiert.

18,2 : 13,3 cm. 205, [3] Seiten. – Titelblatt mit Besitzvermerk »Evelyn Landing, 1913 NJ«.

Schweiger, Wiener Werkstätte S. 260. – Sennewald 11, 1 (ungenau)

669  Max Linde. Edvard Munch.

€ 300 ( R7 )

Neue Ausgabe. Berlin, Friedrich Gottheiner 1905. Mit einem dreifarbigen Klischeedruck sowie zwölf Abbildungen, teils auf Farbtafeln. Originalbroschur mit montiertem Deckelbild.

Frühe Ausgabe einer der ersten Monographien über Edvard Munch (1863–1944). – Das Heft enthält u. a. einen dreifarbigen Klischeedruck auf Bütten nach dem Farbholzschnitt »Begegnung im Weltall«, der zeitgleich entstandene Farbholzschnitt »Das Herz« ist auf der ersten Tafel reproduziert. – Der Lübecker Kunstsammler und Mäzen Max Linde hatte engen Kontakt zu dem norwegischen Künstler, der ab 1902 oft Gast in der »Lindeschen Villa« war und dort für längere Zeit lebte und arbeitete. Eins der Hauptwerke Munchs ist das Gemälde »Die Söhne des Dr. Linde«.

27,5 : 22,0 cm. 14, [2] Seiten, 6 Tafeln.

Vgl. Schiefler 134/135

670  Henri de Toulouse-Lautrec – Théodore Duret. Lautrec.

€ 900 ( R7 )

Paris, Bernheim-Jeune 1920. Mit einer Radierung, einer Lithographie und 36 Tafeln nach Gemälden und Zeichnungen. Neuer grüner Halblederband mit Kammkleisterpapierbezug; Originalumschlag mit der in Grün gedruckten Deckelillustration eingebunden. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe dieser wichtigen, reich illustrierten Monographie. – Exemplar »H.C.«, wie weitere 100 Exemplare auf Velin d’Arches (nummerierte Gesamtauflage 200). – Mit der Radierung »Portrait de Tristan Bernard« und der Lithographie »L’Argent«. – Vorblatt mit eigenhändiger Widmung des wichtigen Kunstkritikers »A mon ami Nicolle«.

26,3 : 20,8 cm. [4], 124, [8] Seiten. – Tafelränder gebräunt, sonst sehr schön.

671  Franz von Bayros – Die sechzehnte Ehefreude.

€ 250

Eine Satire auf die fünfzehn Freuden der Ehe. Übersetzung und Urtext. Wien, Dr. Rud. Ludwig 1909. Mit Buchschmuck von Franz von Bayros. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Titel (signiert: Wiener Werkstätte). – Widmungsexemplar

Eins von 575 Exemplaren (Gesamtauflage 600). – Gedruckt auf Strathmore-Japan. – Text in Deutsch und Französisch, Übersetzung von E. K. Blümml und J. Latzenhofer. – Das französische Original dieser Satire auf Antoine de La Sales fünfzehn Freuden erschien 1866 in Paris. – Vorblatt mit eigenhändiger Widmung des Übersetzers Emil Karl Blümml für den Schriftsteller Otto Schabbel »zur frdl. Erinnerung an die letzten Febertage 1908«.

16,5 : 11,5 cm. 43, [1] Seiten. – Das marmorierte Bezugspapier etwas verblasst.

Hayn/Gotendorf IX, 340 »Selten!«

672  Samuel Beckett. Dramatische Dichtungen in drei Sprachen.

€ 400 ( R7 )

Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981. Originallederband mit Rückenvergoldung.

Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Einmalige Luxusausgabe beider Teile in einem Band, anlässlich des 75. Geburtstags von Samuel Beckett. – Dünndruckausgabe. – Französische Originalfassung, englische und deutsche Übersetzung.

20,9 : 13,5 cm. 529, 423, [11] Seiten.

673  Max Beckmann. Ebbi.

€ 200 ( R7 )

Eine Komödie. Leipzig, Reclam 1984. Mit einer Radierung und sechs ganzseitigen Abbildungen nach Radierungen. Originalpappband mit -schuber.

Vierter Druck der Dürer-Presse. – Eins von 100 Exemplaren für den Reclam Verlag Leipzig, weitere 100 wurden für die Büchergilde Gutenberg gedruckt (Gesamtauflage 250). – Mit der Radierung »Dostojewski II« von Max Beckmann, gedruckt von der Originalplatte durch Thomas Ranft auf Hahnemühle-Bütten und rückseitig mit dem Nachlassstempel und Signatur Peter Beckmanns. – Die erste Ausgabe von Beckmanns Komödie erschien 1924, gedruckt in der Wiener Johannis-Presse. – Die bibliophile Neuausgabe der Leipziger Dürerpresse verwendet im Gegensatz zur damaligen Ratio-Latein von F. W. Kleukens eine Grotesk, die die moderne Zeitlosigkeit des Textes und die Unvergänglichkeit des graphischen Zyklus verdeutlichen. – Tadellos erhalten.

29,7 : 21,4 cm. 42, [6] Seiten, 6 Tafeln.

Hofmaier 187 D. – Spindler 67.5

674  Max Beckmann – Stephan Lackner. Der Mensch ist kein Haustier.

€ 450

Drama. Mit sieben Originallithographien von Max Beckmann. Paris, Editions Cosmopolites 1937. Mit sieben Lithographien und einer Titelvignette. Originalbroschur mit Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Exemplar der unnummerierten Auflage. – Der unter dem Namen Ernest Gustave Morgenroth 1910 in Paris geborene Autor erwarb 1933 das erste Gemälde des Künstlers. Den Illustrationsauftrag für das 1934 entstandene Stück übernahm Beckmann 1936; nach 1938 wurde er, mittellos im holländischen Exil, von Stephan Lackner finanziell unterstützt. – Schönes Exemplar.

21,7 : 13,7 cm. 111, [1] Seiten, 7 Lithographien.

Hofmaier 323-329. – Jentsch 168

675  Hans Bellmer – Bellmer-Graphik

€ 200 ( R7 )

Köln, Studio 69 1970. Mit zahlreichen teils farbigen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur im Seidenumschlag und Schuber.

Eins von 120 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einer signierten Radierung. – Enthält die zehn reproduzierten Blätter des Zyklus »à Sade« in zwei Fassungen, zwölf Blätter von »Madame Edwarda« und die Folge »Peteite Traité de Morale«. – Der erste Katalog des Kölner »Studio 69« erschien anlässlich der Ausstellung »Ars Erotica«. – Mit einem Text von Horst Albert Glaser.

21,2 : 17,0 cm.

676  Gottfried Benn. Probleme der Lyrik.

€ 300 ( R7 )

3. Auflage. Wiesbaden, Limes 1954. Originalbroschur mit Umschlag.

Vortrag in der Universität Marburg am 21. August 1951. – Auf dem Vorsatzblatt signiert »Gottfried Benn 15. VIII. Flensburg.« – »In der allerletzten Zeit stößt man bei uns auf verlegerische und redaktionelle Versuche, eine Art Neutönerei in der Lyrik durchzusetzen, eine Art rezidivierenden Dadaismus, bei dem in einem Gedicht etwa sechzehnmal das Wort ›wirksam‹ am Anfang der Zeile steht, dem aber auch nichts Eindrucksvolles folgt, kombiniert mit den letzten Lauten der Pygmäen und Andamanesen […]« (Seite 10).

19,7 : 14,0 cm. 48 Seiten.

Vgl. Lohner/Zenner 2.110 (EA 1951)

677  Otto Julius Bierbaum. Mein ABC.

€ 150

Offenbach, Gebrüder Klingspor 1908. Mit 26 ornamentierten Initialen von Heinrich Vogeler, in Gold gedruckt. Leinenband mit dem eingelassenem illustrierten Originalvorderdeckel.

Mit Erlaubnis Otto Julius Bierbaums mit Vogeler-Initialen und Breitkopf-Fraktur für einige Freunde gedruckt. – Die Texte stammen aus »Neubestellter Irrgarten der Liebe« (Insel 1906). – Besonders innen fast druckfrisch erhalten.

15,8 : 14,0 cm. [30] Seiten.

Neteler 197

678  Rudolf Borchardt. Villa.

€ 250

Leipzig, [Insel]1908. Originalpappband mit Buntpapierbezügen.

Erste Buchausgabe. – Privatdruck im Auftrag von Alfred Walter Heymel. – Eins von 100 Exemplaren, das vorliegende für Rudolf Alexander Schröder, womit drei Protagonisten der »Insel« versammelt wären. – Breitrandiger Druck auf Bütten bei E. Haberlandt, Leipzig. – Dazu: Rudolf Borchardt. Pamela. Komödie in drei Akten, (nach Goldoni) neu erfunden. München 1934. Originalpappband (Rücken fehlt). Zweiter Bodmer-Druck. Eins von 100 Exemplaren.

24,5 : 19,0 cm. 43, [5] Seiten. – Rücken fehlt. – Stockfleckig.

Sarkowski 202

679  Rudolf Borchardt – Cornelius Tacitus. De situ moribus et populis Germaniae. Deutschland. Rudolf Borchardt.

€ 400

Lose gefalzte Bogen. 29 : 19 cm. Bremen 1914.

Probedrucke zum zweiten Druck der Bremer Presse. – Von Anna Simons, Schülerin des weltbekannten englischen Schriftkünstlers Edward Johnston, die nun auch zum Mitarbeiterkreis in Bremen zählte, stammen die beiden Titel, die Initiale »D« am Anfang des deutschen Textes und das von ihr abgewandelte Pressensignet Schröders. Wie der Erstling der Presse gesetzt aus der von Willy Wiegand entworfenen und von Louis Hoell geschnittenen 16pt-Antiqua, der ersten eigenen Schrift der Presse. – Vorhanden sind zwei Varianten des Titels und des lateinischen Inhaltsverzeichnisses (einmal Blocksatz, einmal mit Zeilenumbrüchen) sowie ein zwölfseitiger gehefteter Bogen, bei dem der Titel nur mit Bleistift geschrieben wurde, die Seiten I bis III noch ohne Initiale »G«, sowie die vollständige Borchardt-Nachdichtung. – Aus dem Nachlass von Rudolf Borchardt.

680  Algernon Charles Swinburne. Songs before Sunrise.

€ 400

London, Chatto & Windus 1909. Originalhalbleinenband mit zwei Titelschildern.

Eins von 650 Exemplaren auf Aldwych-Bütten für den Verkauf in England und den USA, weitere zwölf wurden auf Pergament gedruckt. – Druck der Florence Press, die Initialen in Rot. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger »Versöhnungs-«Widmung von Alfred Walter Heymel für Rudolf Borchardt: »Sind Verstimmungen im Wege | Leg sie weg und ueberlege | Dass nach eines Jahres Frist | Alles gut und anders ist | s[einem] l[ieben] Borchardt Weihnachten 1909«. – Titelblatt mit Rudolf Borchardts eigenhändigem Monogramm »RB | München XII MCMX«. – Zehn Jahre später erschienen bei Ernst Rowohlt Borchardts Swinburne-Nachdichtungen.

25,7 : 19,5 cm. IX, [1], 209, [3] Seiten. – Einband leicht fleckig. – Vorsätze und Vorblätter leicht stockfleckig.

Tomkinson 85, 4. – Ransom 278, 4

681  Alfred Walter Heymel. Die Fischer

€ 200

und andere Gedichte. Berlin, Verlag der Insel bei Schuster & Loeffler 1899. Mit Buchschmuck von E. R. Weiß. Originalhalbpergamentband mit Goldschnitt.

Erste Ausgabe. – Neben der Normalausgabe erschienen 20 Vorzugsexemplare auf Japan in Ganzpergament. – Gedruckt auf Insel-Bütten. – Buchschmuck von Emil Rudolf Weiß: Titelblatt, Widmungsblatt für Bierbaum, Zwischentitel mit Vignetten, zahlreiche Initialen, Bordüren, Deckel und Vorsatzpapiere. – Das Buch wurde zeitgleich mit dem ersten Heft der »Insel« im Oktober 1899 ausgeliefert. – Dazu: Alfred Walter Heymel. Zwölf Lieder. Leipzig, Insel 1905. Mit illustriertem Doppeltitel und Einbandzeichnung von Karl Walser. Illustrierte Originalbroschur mit vergoldetem Deckeltitel. Erste Ausgabe. Eins von 500 Exemplaren auf Insel-Bütten (Gesamtauflage 530). – Eine der frühesten Illustrationsarbeiten von Karl Walser.

17,8 : 12,2 cm. [8], 94, [2] Seiten. – Ohne das Deckelschild, sonst schönes Exemplar.

Sarkowski 726 und Sarkowski 732. – Badorrek-Hoguth B 30. – Schauer II, 57

682  [Alfred Walter Heymel]. An meinen Traumgeist.

€ 250

Sieben Gesänge von ***. August 1913. Leipzig, Insel 1914. Originalhalbpergamentband.

Erste Ausgabe. – Eins von 50 Subskribentenexemplaren, hier Nr. 41 für Rudolf Alexander Schröder. – Auf Hadern-Bütten.

28,5 : 21,5 cm. [16] Seiten. – Innen wie »meist« stark stockfleckig.

Sarkowski 725

683  Walter Benjamin – Marcel Proust. Im Schatten der jungen Mädchen. – Die Herzogin von Guermantes.

€ 400

[Band I und II]. – Übersetzt von Walter Benjamin und Franz Hessel. Berlin, Die Schmiede [1926] und München, Piper 1930. Weiße Originalleinenbände, einer mit Blaudruck, zwei mit Rotdruck, alle drei mit den Originalschutzumschlägen.

Auf den Spuren der verlorenen Zeit, Zweiter und Dritter Roman. – Prousts Hauptwerk, sein siebenbändiger Roman »À la recherche du temps perdu«, erschien im französischen Original von 1913 bis 1927, zum Teil erst nach Prousts Tod. Erst 1926 wagte man sich in Deutschland an eine Übersetzung, nach Rudolf Schottländers »Der Weg zu Swann« folgten die beiden vorliegenden, die einzigen in den kongenialen Übertragungen von Walter Benjamin und Franz Hessel. Alle weiteren deutschen Bände folgten erst nach Kriegsende. – Den Umschlag und die Einbandgestaltung zu Band I, der innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts erschien, entwarf Georg Salter. Der Piper Verlag übernahm die Einbandgestaltung fast unverändert, die Umschläge zierte nun aber ein Porträtfoto des Autors. – Tadellos erhaltene Exemplare, mit den seltenen Umschlägen und auch diese mit nur minimalen Alterungsspuren.

18,2 : 10,2 cm. 683, [5]; 432; 398, [2] Seiten.

Fromm V, 20882. – Holstein, Salter 125. – Slg. Leinweber 187 und 189, der die Seltenheit der Umschläge betont. – Speck, Proust 162 (mit Abbildung eines abweichenden Umschlags auf S. 236)

684  Walter Benjamin. Ursprung des deutschen Trauerspiels.

€ 750

Berlin, Ernst Rowohlt 1928. Schwarzer Originalleinenband mit goldgeprägten Titeln.

Erste Ausgabe. – Gedruckt bei Poeschel & Trepte, gesetzt aus der Schwabacher Fraktur. – »Entworfen 1916 · Verfaßt 1925 · Damals wie heute meiner Frau gewidmet«. – Das als Habilitationsschrift geplante Werk wurde zeitgleich mit Benjamins, ebenfalls bei Rowohlt erschienenem, Buch »Einbahnstraße« ausgeliefert. – Unter Benjamins »abgeschlossenen Werken wohl das gewichtigste« (Gesammelte Schriften I/3, 868, zitiert nach Leinweber). – Sehr schönes Exemplar.

22,4 : 14,8 cm. 257, [3] Seiten. – Einige Blätter unten mit unbedeutendem Eckknick.

Leinweber 13

685  Pierre Bonnard – Longus. Les pastorales ou Daphnis et Chloé.

€ 3000

Traduction de J. Amyot. Revue, corrigée […] par P.-L. Courier. Lithographies originales de P. Bonnard. Paris, Ambroise Vollard 1902. Mit 151 Lithographien im Text. Grüner Maroquinband mit Seidenvorsätzen; Rückentitel, Stehkantenfileten und fünffache auf den Innenkanten sowie Kopfschnitt vergoldet (signiert: H. Fikentscher, Leipzig 1920). Im Schuber mit Lederkanten.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen – Eins von 200 Exemplaren auf Van Gelder-Bütten mit dem Wasserzeichen »Daphnis et Chloé«. – Neben »Parallèlement« von Paul Verlaine das zweite große Frühwerk des Künstlers, beide erschienen im Verlag seines Freundes Ambroise Vollard. – Bonnards Lithographien zeichnen sich einmal mehr durch eine besondere Weichheit aus, die meisten füllen großformatig je etwa zwei Drittel der rechten Buchseiten aus. – Insgesamt sehr schönes Exemplar dieses Frühwerks der modernen französischen Buchillustration.

30,0 : 25,2 cm. [2], X, 294, [6] Seiten.

Garvey 28. – Rauch 22. – Skira 22. – Bouvet 75. – Monod 7262

686  Farouche a quatre feuilles.

€ 900 ( R7 )

[Avec textes par] André Breton, Lise Deharme, Julien Gracq, Jean Tardieu. [Paris,] Grasset 1954–1955. Schwarzer Pappband mit eingebundenem Originalvorderumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. Sie enthält drei Radioessays (Breton, Alouette du parloir. – Deharme, Le vrai jour. – Gracq, Les yeux bien ouverts) und den für diese Ausgabe verfassten Text »Madrépores ou L’Architect imaginiare« von Jean Tardieu. – Auf dem Vortitelblatt mit eigenhändiger Dedikation von Lise Deharme und den farbigen Signaturen aller vier Autoren. – Unnummeriertes Autorenexemplar auf Velin de Lana (Gesamtauflage 1477).

19,0 : 14,2 cm. 139, [5] Seiten. – Hintergelenk angeplatzt. – Titelblatt leicht fleckig.

687  Max Brod. Abenteuer in Japan.

€ 300

Roman. Amsterdam, Allert de Lange 1938. Originalbroschur mit illustriertem Umschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Für Rudolf und Grete Thomas herzlichst Max Brod | Otto Brod«. – Das Buch entstand unter Mitarbeit von Max Brods Bruder Otto. – Dazu: Zwei signierte Erstausgaben von Max Brod: Der Bräutigam. Berlin, Axel Juncker [1912]. Originalpappband. Orplidbücher 4. – Erlöserin. Ein Hetärengespräch. Berlin, Ernst Rowohlt 1921. Originalbroschur. – Beide 1967 von Max Brod signiert. – Beigabe: Otto Brod. Die Berauschten. Roman. Leipzig und Wien, E. P. Tal 1934. Originalleinenband. Erste Ausgabe.

Raabe/Hannich-Bode 45.52 sowie 11 und 30. – Exilarchiv 745

688  Elias Canetti. Die Blendung.

€ 600 ( R7 )

Roman. Wien, Leipzig, Zürich, Herbert Reichner 1936 [1935]. Originalleinenband mit zweifarbiger Deckelillustration von Alfred Kubin.

Erste Ausgabe von Canettis einzigem Roman, einem der großen und wichtigsten des 20. Jahrhunderts. – »›Die Blendung‹ war Teil einer geplanten ›Comédie Humaine an Irren‹, acht Romane über acht Figuren, […] sieben von ihnen gingen zugrunde, eine blieb am Leben. Die Maßlosigkeit meines Unternehmens trug ihre Strafe in sich, doch war die Katastrophe, in der es endete, nicht komplett, etwas – es heißt heute ›Die Blendung‹ – ist davon übrig geblieben.« (Elias Canetti in »Die Fackel im Ohr«). – Anregungen zum Geschehen des Romans erhielt er durch den Brand des Wiener Justizpalastes 1927 und während eines Berlin-Aufenthaltes 1928/29. – Schönes Exemplar.

21,0 : 13,8 cm. 560 Seiten. – Einige Seiten mit kaum sichtbarer Knickfalte (Herstellungsfehler?).

Wilpert/Gühring 4. – Marcks A 167

689  Hans Carossa. Der Gang zum Grünen Schuh.

€ 400 ( R7 )

Aus einer Jugendgeschichte. Olten, 1952. Ziegelroter Originalnigerlederband mit Rücken-, Deckel- und Kopfschnittvergoldung (signiert: Hugo Peller, Solothurn). Im Originalschuber mit Lederkanten.

Erste Ausgabe. – 54. Veröffentlichung der Oltner Bücherfreunde. – Eins von 35 römisch nummerierten Exemplaren der Luxusausgabe mit eigenhändigem, signierten Gedicht auf dem Vorblatt und in Ganzleder (Gesamtauflage 755). – Auf Zerkall-Bütten. – Tadelloses Exemplar.

20 : 13 cm. 78, [6] Seiten. – Rücken kaum merklich verblasst.

Wilpert/Gühring 33

690  Joseph Conrad. Youth: A Narrative

€ 750

and two other Stories. Edinburgh und London, William Blackwood and Sons 1902. Grüner Originalleinenband mit ornamentalen Deckelvignetten und Titeln in Gold und Schwarz.

Erste Buchausgabe, erster Druck, die Anzeigenblätter am Ende datiert »10/02«. – Alle drei Erzählungen waren zuvor in »Blackwoods Magazine« erschienen. – »Im Kreis der beiden anderen Novellen […] mit denen Conrad diese Erzählung zu einer Art Triptychon der Lebensalter zusammenschloß, gibt ›Youth‹ unverkennbar den reinsten Klang. Die Präzision der Detailbeobachtungen, die distanzschaffenden Zwischenbemerkungen des gealterten Erzählers Marlow, die den hymnischen Rhythmus gleichsam skandieren, machen den Rückblick auf das verlorene Paradies der Jugend nur noch bedeutungsträchtiger.« (KNLL IV, 158).

19,4 : 14,0 cm. [8], 375, [1], 32 Seiten. – Leicht fleckig und bestoßen. – Vorblatt mit Besitzvermerk 1906.

Cagle A7 a(1)

691  Lovis Corinth – Saul und David.

€ 800

Die beiden Bücher Samuelis mit Original-Lithographien von Lovis Corinth. Berlin, Propyläen 1923. Mit einer signierten Radierung und insgesamt 28 Lithographien, davon 23 blattgroß. Dunkelroter Originalhalbmaroquinband mit vergoldeten Titeln.

Eins von 100 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit der signierten Radierung (Gesamtauflage 300). – Im Druckvermerk von Corinth signiert. – Auf getöntem Einhorn-Bütten von J. W. Zanders. – Illustrationen zu biblischen Texten stehen am Anfang und Ende von Corinths buchkünstlerischem Schaffen: 1910 und 1911 schuf er für Cassirers Pan-Presse Lithographien zu »Das Buch Ruth« und »Das Hohe Lied«, »Saul und David« und »Die Sündfluth« entstanden in seinen letzten Lebensjahren. – »In stimmungsvolle Dunkelheit fällt das Licht auf dramatische Szenen, wobei einzelne Motive, wie die männlichen und weiblichen Aktfiguren, dem Bildrepertoire des Künstlers entnommen sind« (Papiergesänge).

39,0 : 29,5 cm. 146, [6] Seiten. 1 Radierung. – Kanten minimal berieben, Hinterdeckel mit größerer Schabstelle. – Vorsätze etwas stockfleckig.

Müller 746–774. – Lang, Impressionismus 42 (mit originellem Druckfehler). – Papiergesänge 40 mit ganzseitiger Abbildung der Radierung)

692  Salvador Dali. Verborgene Gesichter.

€ 350

Roman. Frankfurt am Main, S. Fischer 1973. Mit zwei ganzseitigen Illustrationen nach Dali. Originalsackleinenband mit Goldpapiervorsätzen und Schließschnüren, im Originalkorkschuber.

Erste deutsche Ausgabe. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe, auf dem Vortitelblatt vom Künstler signiert und in dem aufwendigen Objektbucheinband. – Aus dem Englischen übersetzt von Rolf Hermstein.

25,5 : 18,5 : 8,5 cm (Korkschuber). 381, [3] Seiten.

693  Otto Dix – Sylvia von Harden. Die italienische Gondel.

€ 500

Gedichte. Berlin, Hoboken-Presse [1927]. Mit einer montierten Fotografie nach dem Porträtgemälde von Otto Dix als Frontispiz. Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Eins von 25 von Dichterin und dem Künstler signierten Vorzugsexemplaren (Gesamtauflage 105). – Die expressionistische Dichterin Sylvia von Harden (1894–1964) hatte 1920 ihren ersten Gedichtband veröffentlicht, ebenfalls nur in kleinster Auflage. In Berlin lernte sie Anfang der 1920er Jahre Otto Dix kennen. 1926 porträtierte er sie in einem seiner wichtigsten Gemälde, das für den Gedichtband fotografiert verwendet wurde. »Die beiden interessantesten Typen für seine Bildnisse fand Dix aber im Romanischen Café in dem baltischen Dichter Ivar von Lücken und der Schriftstellerin Sylvia von Harden. [… Sie gehörte zu] den Dekadenten und Morbiden, die die Rolle des Bürgerschrecks übernommen hatten. […] Sylvia war stolz auf ihr Bildnis. Als es mehr als dreißig Jahre später Jean Cassou für das Musée d’Art Moderne in Paris ankaufte, kostümierte sie sich wie ehedem und ließ sich vor ihm farbig fotografieren« (Fritz Löffler, Otto Dix, 1982, S. 75 und Tafel 88).

25,5 : 19,5 cm. [36] Seiten. – Berieben, Rücken abgeplatzt. – Stellenweise etwas fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 102.2

694  Alfred Döblin. Nocturno.

€ 450

Los Angeles, Pazifische Presse 1944. Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Eins von 150 vom Verfasser signierten Vorzugsexemplaren in Halbleder (Gesamtauflage 250). – Privatdruck, herausgegeben von Ernst Gottlieb und Felix Guggenheim. – Auf beiden Seiten des Vorsatzblatts formatfüllender eigenhändiger Brief an den Herausgeber Gottlieb: »dieses Exemplar mit Dank für Sie, den Mitherausgeber der Reihe«. Döblin erläutert die Situation von Erwin und Lucie, zwei Figuren aus seinem Roman »November 1918«, der nach Kriegsende erschien.

25,0 : 16,8 cm. [6], 55, [3] Seiten. – Rücken berieben, kleine Einrisse am oberen Kapital fixiert.

Exilarchiv 1114. – Huguet 73. – Raabe/Hannich-Bode 58.38

695  Albert Ehrenstein. Mein Lied. – Zweites Exemplar zu # 302

€ 250

1900 – 1931. Oskar Kokoschka. Acht Zeichnungen. Berlin, Ernst Rowohlt 1931. Mit acht lithographierten Zeichnungen. Originalpergamentband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Eins von 1000 Exemplaren, hier einer der sehr seltenen Halbpergamentbände. – »Dieser große Sammelband, der […] den echten Freunden der Dichtung und Geistesfreiheit dargeboten wird, vereinigt Albert Ehrensteins Lyrik aus all seinen Jahres- und Lebenszeiten, aus Heimat, Wanderwelt, geschauter und geträumter Ferne, dem Diesseits und Jenseits des eigenen Herzens. […] In einer Zeit, die kaum noch weiß, was ein Dichter ist, was er als Richter seiner Zeit und als unmittelbarer Bekenner des ewig Zeitlosen bedeutet, wird uns dieses Versbuch zum kostbarsten Besitz, um so kostbarer, als acht lithographierte Zeichnungen von Oskar Kokoschka, dem Meister und gefühlsverwandten Freund, die Verse begleiten« (Franz Hessel, Umschlagtext).

24,6 : 16,3 cm. [8], 344, [12] Seiten, 8 Tafeln. – Schutzumschlag minimal fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 62.21

696  Max Ernst. Œuvre-Katalog.

€ 300

Herausgegeben von Werner Spies. [Band 1 bis 6]. Houston, Menil Foundation, und Köln, DuMont Schauberg 1975–1998. Mit einer Farblithographie und zahllosen Abbildungen. Originalhalbleinenbände mit je zwei -schutzumschlägen, alle im Originalschuber.

Der vollständige Catalogue raisonné des graphischen und malerischen Œuvres. – Band 1: Das graphische Werk. Bearbeitet von Helmut R. Leppien unter Mitarbeit von Winfried Konnertz, Hans Bolliger und Inge Bodesohn. – Bände 2–6: Werke. Bearbeitet von Werner Spies, Sigrid und Günter Metken. 1906–1925, 1925–1929, 1929–1938, 1939–1953 und 1954–1963.

Der äußere Schutzumschlag von Band I am Rücken gebräunt. – Sonst tadellos.

697  Friedrich Feigl – Alfons Paquet. Die Botschaft des Rheines.

€ 200

Mit drei Originallithografien von Friedrich Feigl. Hamburg, Adolf Harms 1922. Originalhalbpergamentband mit Rückenvergoldung (Johannes Larink, Hamburg).

Dritter Druck der »Schönen Rarität«, herausgegeben von Niels Heuer. – Das erste von 50 Vorzugsexemplaren auf handgeschöpftem Zanders-Bütten (Gesamtauflage 250). – Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Gedruckt auf der Wilhadi-Handpresse, Hamburg. – Friedrich Feigl (1884–1965) studierte an der Prager Kunstakademie. Im Frühjahr 1905 wurde er wegen »kunstrevolutionärer Umtriebe« der Hochschule verwiesen. 1910 ging Feigl nach Berlin, wo er an der Ausstellung der Neuen Sezession 1911 und 1912 teilnahm. Nach der Besetzung Prags durch die Deutschen misslang ein Fluchtversuch, er wurde in ein Lager in Westfalen verschleppt. Auf Intervention des Artist’s Refugee Committee und des britischen Konsulats in Köln konnten die Eheleute Feigl nach England emigrieren. Während der Naziherrschaft wurden über 20 Bilder des Künstlers aus deutschen Museen entfernt.

32,7 : 24,2 cm. [30] Seiten.

698  Lion Feuchtwanger. Wahn

€ 250 ( R7 )

oder der Teufel in Boston. Ein Stück in drei Akten. Los Angeles, Pazifische Presse, und New York, Mary S. Rosenberg 1948. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel, im Stil des Originals.

Erste Ausgabe. – Der letzte Privatdruck der Pazifischen Presse. – Eins von 250 Exemplaren der vom Autor signierten Vorzugsausgabe. – Siehe KatNr. LFDNR 398.

23,7 : 16,2 cm. 108, [4] Seiten. – Rücken und Vorsätze erneuert, neu gebunden.

Exilarchiv 1443

699  Bruno Frank. Twelve Thousand.

€ 450 ( R7 )

A Play in three Acts. Translated from the German by William A. Drake. New York, Alfred A. Knopf 1928. Originalpappband mit Deckel- und Rückenschild. – Widmungsexemplar.

Erste englischsprachige Ausgabe von Bruno Franks Schauspiel »Zwölftausend«, das 1927 bei Rowohlt erschienen war. – The Theatre Today, edited by George Jean Nathan, Volume 2. – Mit eigenhändiger Widmung des Autors für Herbert Günther: »So gut, wie Herr Nathan behauptet, ist das Stück keineswegs. Dies weiss, infolge Klugheit, Ihr herzlich grüßender Bruno Frank«. – »Zwölftausend« handelt vom Soldatenverkauf, von einem jener schmutzigen Geschäfte, die im 18. Jahrhundert von deutschen Landesherren mit dem Leben ihrer Untertanen betrieben wurden. – Beiliegend: Fragment des originalen Schutzumschlags.

19,5 : 13,3 cm. 86, [4] Seiten. – Rücken verblasst, Deckel mit schwachem Lichtrand.

700  Willi Geiger – Fjedor Dostojewski. Nasser Schnee.

€ 750 ( R7 )

Übertragen von Isa Janthur. Mit Radierungen von Willi Geiger. Berlin, Franz Schneider [1924]. Mit insgesamt neun Radierungen, sechs davon signiert und je eine Titel- und Schlussvignette sowie eine Initiale. Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (E. A. Enders, Leipzig).

Eins von 200 Exemplaren einer einmalige Privatauflage (Druckvermerk). – Impressum vom Künstler signiert. – Breitrandiger Druck auf chamoisfarbenem Papier.

27,2 : 19,0 cm. 94, [2] Seiten, 7 Radierungen. – Ecken und Kanten schwach berieben.

Lang, Expressionismus 75

701  Genius.

€ 750

Zeitschrift für alte und werdende Kunst. Herausgegeben von Hans Mardersteig, Carl Georg Heise und Kurt Pinthus. Jahrgang I–III (alles). München, Kurt Wolff 1919–1921. Mit 16 Originalgraphiken und zahlreichen, teils farbigen, Abbildungen, montiert in den Text oder auf Tafeln. Originalbroschuren mit Rückenschild und jeweils in Originalschutzkartons mit Titelschildern.

»Eine der reichst ausgestatteten und repräsentativsten Zeitschriften des Expressionismus« (Dokumentations-Bibliothek VI, 764). – Ehemals im Besitz von Hans Mardersteig: Er zeichnete für den Gesamtinhalt verantwortlich, gewann Emil Preetorius für den Entwurf des Signets und überwachte Satz, Druck und Farbreproduktionen. – Teils unaufgeschnittene Exemplare.

Originalgraphiken:
Jahrgang I: Karl Schmidt-Rottluff. Kopf. Holzschnitt. 1915. – Richard Seewald. Der Hirte. Holzschnitt, schablonenkoloriert. 1918. – Karl Caspar. Johannes auf Patmos. Lithographie. 1918. – Franz Marc. Tierlegende. Holzschnitt. 1912. – Heinrich Nauen. Mutter und Kind. Radierung. 1919. – Ignaz Epper. Mädchenkopf. Lithographie. 1919.
Jahrgang II: Erich Heckel. Mädchenkopf. Holzschnitt. 1913. – Georg Ehrlich. Tröstung. Lithographie. 1920. – Frans Masereel. Business-Man. Holzschnitt. 1920. – Max Kaus. Kopf. Holzschnitt. 1920. – André Rouveyre. Kopf. Holzschnitt. 1920.
Jahrgang III: Edwin Scharff. Die Brüder. Lithographie. 1920. – Alexander Archipenko. Figürliche Komposition. Lithographie. 1920. – Karl Hofer. Das Nest. Lithographie. 1920. – Karl Schmidt-Rottluff. Lesender Mann. Holzschnitt. 1921. – Alexander Kanoldt. Klausen. Lithographie. 1921.

35,3 : 26,8 cm. – Im Schnitt stellenweise minimal stockfleckig. Es fehlen 6 der montierten Abbildungen.

Söhn HDO 120. – Raabe, Zeitschriften 74. – Jentsch 72. – Göbel 419

702  Der lose Vogel.

€ 200 ( R7 )

Leipzig, Kurt Wolff 1913. Mit einer auf dem Vorderdeckel wiederholten Titelvignette. Originalleinenband mit vergoldeter Vignette.

Erste und einzige Ausgabe des vollständigen Jahrgangs. – Die Zeitschrift erschien seit 1912 im Demeter Verlag und wurde etwa im März 1913 in den gerade gegründeten Kurt Wolff Verlag übernommen. Nach den Einzelheften erschien das gebundene Sammelbuch. – Mit durchweg anonymen Beiträgen von Franz Blei, Max Brod, Samuel Butler, Robert Musil, Robert Walser u. v. a. – »Vorbildlich redigierte, sorgfältig gedruckte, von den Berliner Frühexpressionisten begeistert begrüßte Zeitschrift Franz Bleis ohne thematische Eingrenzung.« (Raabe). – Schönes Exemplar.

26,5 : 21,5 cm. VII, [1], 351, [3] Seiten.

Dietzel/Hügel 1864. – Raabe 8. – Göbel 144

703  Der gelben Posaune der Sieben gewidmet

€ 750

(von der Baurundschau). Herausgegeben von H. Koch und E. Maetzel. Hamburg, Konrad Hanf 1920. Mit sieben Holzschnitten, einer Tafel und 13 montierten Abbildungen. Gelbe Originalbroschur mit Deckelholzschnitt.

Schönes und wichtiges Dokument des Hamburger Expressionismus. – Im Verlag von Konrad Hand erschien die »Baurundschau«, das Organ des Deutschen Werkbunds. Hanf wurde 1919 in den Vorstand der Hamburger Ortsgruppe gewählt. »Nach Kriegsende engagiert sich Hanf auch persönlich – nicht nur in seinem Verlag – für die Moderne Kunst (und auch Literatur) des Expressionismus: So zählt er […] zu den fördernden Mitgliedern der 1919 ins Leben gerufenen Hamburgischen Sezession; sein Mäzenatentum auf dem Gebiet der Kunst dokumentiert sich beispielsweise in der Stiftung des Almanachs ›Der gelben Posaune der Sieben gewidmet‹ für das Hamburger Künstlerfest des Jahres 1920 – eine der schönsten Verlagsveröffentlichungen überhaupt.« (Volker Pirsich, S. 167). – Nicht von ungefähr steuerte Fritz Schumacher, Hamburger Oberbaudirektor, neben Hans Leip, Richard Dehmel und anderen Hamburger Künstlern, Texte bei. – Die sechs ganzseitigen originalen Holzschnitte schufen Emil Maetzel (von ihm stammen auch der Titel- und Vorderdeckelholzschnitt), Hans Leip, Martin Schwemer, Heinrich Steinhagen, Johann Wüsten und Karl Opfermann. Die 13 montierten Abbildungen zeigen Kunstwerke von Fritz Schumacher, Anita Rée u. a. – Mit dem Anzeigenblatt zur (nie realisierten) Vorzugsausgabe und einem eingeklebten Werbeblatt des Verlages.

33,3 : 25,2 cm. 13, [3] Seiten, 20 Tafeln. – Minimal fleckig, besonders der Hinterdeckel, Rücken etwas brüchig.

Söhn HDOG 119. – Rifkind Collection S. 833

704  Die Rote Erde.

€ 750

Monatsschrift für Kunst und Kultur. Herausgegeben von Karl Lorenz und Rosa Schapire. 1. Jahrgang, Heft 8–10. Hamburg, Januar–März 1920. Mit 18 Originalgraphiken. Gelb-schwarze Originalbroschur mit Klischeedruck nach einem Holzschnitt von Karl Schmidt-Rottluff.

»›Die Rote Erde‹ ist von den Zeitschriften des Hamburger Expressionismus zweifellos die herausragende: Sie ist […] diejenige, um die sich der relativ bedeutendste Künstlerkreis schart« (Volker Pirsisch). Das Projekt, die Zeitschrift zum Organ des 1920 entstandenen »Kunstbundes Hamburg« zu machen, scheiterte, »die für ›Die Rote Erde‹ vorgesehenen Gelder gehen an die in Vorbereitung befindliche ›Kündung‹ – ›Die Rote Erde‹ muß, wohl aufgrund finanzieller Probleme, ihre Erscheinungsfolge einstellen«. – Hier das umfangreiche abschließende Heft der ersten Folge, 1922 erschienen zwei Fortsetzungen in Buchform. – Mit Holz- und Linolschnitten von Lyonel Feininger (»Marine«, Prasse W 66), Max Kaus (»Zwei Köpfe« und »Mädchenkopf«, Krause H 1919/8 und 9), Hermann Max Pechstein (»Verwundeter« und Judas Ischarioth«, Krüger H 219 und 220) sowie Josef Achmann (2), Karl Kriete (2), Werner Lange (2), Dorothea Maetzel-Johannsen, Karl Opfermann (2), Otto Lange (2) und Fritz Schaefler (2). – Die Texte stammen von Alfred Brust, Walter Rheiner, Georg Britting u. a. – Der Titelholzschnitt von Karl Schmidt-Rottluff (Schapire G 46) wurde als Klischee gedruckt. – Schönes Exemplar.

32 : 24 cm. Seiten 237–352, 12 Seiten Anzeigen. – Umschlag leicht stockfleckig und an den Kanten minimal berieben.

Söhn, HDOG 67107. – Raabe, Zeitschriften 80

705  Stefan George. Der Stern des Bundes.

€ 600

Berlin, Georg Bondi 1914. Ziegelroter Maroquinband; Rückentitel, doppelte Innenkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet (signiert: K. Ebert, München.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Auf starkem Japanbütten. – »Gedruckt bei Otto v. Holten Berlin C im November Neunzehnhundertdreizehn«. – Landmann erwähnt eine inhaltlich identische »Vorausgabe in zehn Stücken, ohne Titel, November 1913«. – Schönes Exemplar.

21,3 : 15,8 cm. [4], 108, [4] Seiten.

Landmann 384

706  Stefan George – Jean Paul. Ein Stundenbuch für seine Verehrer.

€ 400

Deutsche Dichtung, herausgegeben und eingeleitet von Stefan George und Karl Wolfskehl. Berlin, Blätter für die Kunst 1900. Mit Buchschmuck von Melchior Lechter. Originalpergamentband mit goldgeprägtem Deckeltitel mit Vignette, der blau-rot bedruckte Originalumschlag eingebunden.

Erste Ausgabe. – Eins von 400 Exemplaren auf Bütten, jedoch im Einband der drei Luxusexemplare, die auf Pergament gedruckt und ebenso gebunden wurden. – Gedruckt in Rot, Blau und Schwarz bei Otto von Holten, mit dem frühen und feinlinigen Buchschmuck von Melchior Lechter. – In der Reihe »Deutsche Dichtung« erschienen noch »Goethe« und »Das Jahrhundert Goethes«, 1910 dann alle drei in öffentlicher Ausgabe und mit Bandnummerierung.

20,5 : 15,0 cm. 97, [7] Seiten.

Landmann 141. – Raub A 31

707  Stefan George. Der siebente Ring.

€ 3000

Berlin, Blätter für die Kunst 1907. Mit Buchschmuck von Melchior Lechter, davon 18 Zierseiten. Violetter Originalleinenband; Deckelvignette, Verzierungen und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Eins von 35 Luxusexemplaren auf starkem Japanbütten. – Gesetzt aus der Stefan George-Schrift, gedruckt in Rot und Schwarz bei Otto von Holten, Berlin. – Das letzte von Melchior Lechter ausgestattete George-Werk mit den prachtvollen Doppelblättern als Titel und am Schluss sowie vor jedem der sieben Teile, jede Seite mit einer Bordüre. – Die umfangreichste lyrische Sammlung Georges mit 184 Gedichten, ganz im Banne des von George als »Maximin« verehrten Max von Kronberg, der 1904 im Alter von nur 16 Jahren starb. Die 21 ihm gewidmeten Gedichte bilden inhaltlich den Mittelpunkt des Bandes. – Tadellos schönes Exemplar, nach Angaben des Vorbesitzers aus dem Besitz von Melchior Lechter.

23,5 : 19,0 cm. 213, [5] Seiten.

Landmann 267. – Raub A 62

708  Das Gespensterbuch.

€ 200

Herausgegeben von Felix Schloemp. Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink und Bildern von Paul Scheurich. München, Georg Müller 1913. Mit zwölf Illustrationen auf Tafeln. Illustrierter Originalpergamentband.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Eins von 50 Vorzugsexemplaren im Pergamenteinband. – Geistergeschichten von E. T. A. Hoffmann, Guy de Maupassant, Prosper Mérimée, Rudyard Kipling, Gustav Meyrink, Nikolai Gogol u. a.

21,0 : 14,5 cm. 352, [2] Seiten.

Sennewald 13, 4

709  Erich Glas – H[ans] C[hristian] Andersen. Die Nachtigall.

€ 450

Mit zehn Radierungen von Erich Glas. Weimar, Weimarschau-Verlag 1923. Mit zehn blattgroßen signierten Radierungen. Kordelgehefteter Originalpergamentumschlag mit aquarellierter Tuschzeichnung. In Originalpappkassette mit Deckelvignette.

Eins von 100 Exemplaren. – Erstes Buch einer von Erich Glas illustrierten Folge von Märchen. – Die Radierungen entstanden in der Druckerei der 1921 neu gegründeten Staatlichen Hochschule für bildende Kunst in Weimar. Erich Glas (1897–1973) studierte zunächst in München bei F. H. Ehmcke, bevor er 1919 ans Bauhaus nach Weimar kam, dort bei Johannes Itten und Lyonel Feininger studierte und in die von Walter Klemm geleitete Druckereiwerkstatt übernommen wurde. 1921 wurde er Mitglied in der Künstlergruppe »Das junge Rheinland«, ab 1926 arbeitete er freischaffend in Weimar und Berlin. Seine Arbeiten wurden politischer und satirischer. 1934 emigriert Glas nach Palästina. – Druckfrisches Exemplar des ebenso seltenen wie hübschen Büchleins.

21,4 : 16,9 cm. [26] Seiten.

Sennewald 23, 1

710  Bruno Goldschmitt – Die Offenbarung Sankt Johannis.

€ 750

Mit zehn Originalholzschnitten von Bruno Goldschmitt. Hellerau, Avalun-Verlag 1923. Mit neun signierten blattgroßen Holzschnitten sowie zwei Holzschnitt-Vignetten. Schwarzer Originalkalblederband mit Rückenschild, Kopfgoldschnitt, vergoldeten Fileten, Stehkanten und Eckfleurons auf den Innendeckeln (P. A. Demeter, Hellerau). Zusammen mit Original-Halbpergamentkassette in -Schuber.

33. Avalun-Druck. – Eins von 60 Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe mit zwei Extrasuiten der Holzschnitte, alle signiert, eine Suite wurde von Bruno Goldschmitt handkoloriert (Gesamtauflage 450). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Bruno Goldschmitt (1881–1964) war an der Akademie der Bildenden Künste, München, Schüler von Franz von Stuck. 1900 gründete er zusammen mit Hermann Hesse, Ludwig Finckh und anderen eine Künstlerkolonie am unteren Bodensee. Neben einem umfangreichen Holzschnittwerk schuf er Fresken und kunstgewerbliche Arbeiten. Besonders Anfang der 1920er Jahre illustrierte er zahlreiche Drucke der Verlage Hans von Webers und Julius Schröders. – Sehr schönes Exemplar.

32,5 : 22,5 cm. [88] Seiten. – Winzige Bereibungen am Rücken und den Bünden.

Rodenberg 337, 33. – Schauer II, 97

711  Claire und Yvan Goll. Neue Blümlein des heiligen Franziskus.

€ 300

Mit fünf Zeichnungen von Francis Rose. St. Gallen, Pflugverlag Thal 1952. Illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung von Claire Goll: »Für Mary und Buwei einige Blümlein aus dem Garten der Goll’s unter den Weihnachtsbaum mit der Liebe von Claire (und Ivan) New York 1952«. Die Widmung richtete sich an Mirjam Sachs und Oskar Maria Graf, die mit Claire Goll seit der New Yorker Zeit befreundet waren. Graf gründete 1938 im Exil die German American Writers Association und war erster Vorsitzender, Thomas Mann Ehrenvorsitzender. – Das einzige gemeinsam geschriebene Prosawerk de Eheleute Goll, eine Sammlung von Legenden, die sie in Ermangelung des Originals, der »Fioretti di San Francesco«, improvisierten, entstand im amerikanischen Exil, erschien aber erst nach ihrer Rückkehr nach Europa.

18,0 : 11,5 cm. 92, [4] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 85.23

712  Oskar Maria Graf. Bolwieser.

€ 600 ( R7 )

Roman eines Ehemannes. München und Berlin, Dreimasken 1931. Originalleinenband mit schwarzgeprägten Titeln. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung des Autors auf dem Vorsatzblatt: »Dem aufrichtigen Pionier für mein Schaffen Herrn Herbert Günther herzlich Oskar M Graf München, Nov 1931«. – Der Schriftsteller Herbert Günther (1906–1978) lebte wie Graf in München, eine Zeit lang war er Vorsitzender der Gesellschaft der Bibliophilen. Sein bekanntestes Buch »Hier schreibt Berlin. Eine Anthologie von heute«, repräsentierte vor allem die literarische Moderne. 1933 fiel dieses Werk der Bücherverbrennung zum Opfer. – Dazu: Die Eroberung der Welt. Roman einer Zukunft. München, Kurt Desch, 1949. Mit eigenhändiger Widmung für Karl Kammer: »Dem gleichgesinnten Freund & aufrichtig interessierten Leser meiner Bücher herzlich OskarM Graf N.Y.C. 9. Nov. 1949.« – Oskar Maria Grafs (1894–1967) erste Gedichte erschienen in der Zeitschrift »Die Aktion«, in den Jahren des Nationalsozialismus wurden sämtliche Bücher von ihm verboten. Am 12. Mai 1933 veröffentlichte er in der Wiener Arbeiter-Zeitung den Artikel »Verbrennt mich«, er emigrierte schließlich in die USA.

18,4 : 12,4 cm. 359, [1] Seiten; 18,7 : 13,0 cm. 583, [5] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 89.20

713  Walter Gramatté – Nikolai Gogol. Der Mantel.

€ 750 ( R7 )

Deutsch von Felix Gaber. Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1919. Mit zwölf Lithographien von Walter Gramatté, die erste signiert. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitiel.

Graphische Bücher, Band 3. – Unnummeriertes Exemplar, wie die 100 Exemplare der Vorzugsausgabe mit der signierten Lithographie und auf handgeschöpftem Zanders-Bütten (Gesamtauflage 1100). – Die Lithographien wurden auf der Panpresse, Berlin, gedruckt. – Walter Gramatté schuf die Lithographien zum Buch im Sommer 1918: »20 herrliche Punkte sind im Gogol, 8 muß ich leider streichen. Aber vielleicht mache ich sie doch (für’s selbe Geld) nur, weil der Gogol so herrlich ist« (Brief an Hetta L., zitiert nach Eckardt).

25,6 : 20,5 cm. [8], 39, [9] Seiten, 12 Lithographien. – Bezugspapier etwas lichtrandig und mit winzigen Fehlstellen.

Eckardt S. 35. – Lang, Expressionismus 92, Abb. S. 173

714  George Grosz – Wieland Herzfelde. Tragigrotesken der Nacht.

€ 250

Träume. Mit Zeichnungen von George Gross [sic!]. Berlin, Malik 1920. Mit 22 Illustrationen und illustrierten Vorsätzen. Farbig illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers für einen Berliner Sammler »zur Erinnerung an den 15.XI.1974«. – Wieland Herzfelde bliebt mit dieser, seiner dritten Publikation der Verbindung zu George Grosz treu: Für seinen Erstling, die Gedichtsammlung »Sulamith«, gedruckt als Kriegsdruck der Cranach-Presse, und die als Nummer 2 der Zeitschrift »Die Pleite« erschienene Broschüre »Schutzhaft« schuf Grosz bereits die Umschlagillustrationen.

23,7 : 16,0 cm. 88 Seiten. – Hinterdeckel mit leichtem Eckknick. – Sammlerstempel rückseitig auf Titelblatt.

Raabe/Hannich-Bode 120.3. – Hermann 192. – Lang 12

715  George Grosz. Das Gesicht der herrschenden Klasse.

€ 300

55 politische Zeichnungen. [Berlin], Malik 1921. Originalhalbleinenband.

Kleine Revolutionäre Bibliothek, Band IV. – Herausgegeben von Julian Gumperz. – George Grosz karikierte mit dieser Serie, die auf dem Höhepunkt seines Berliner Dada-Engagements entstand, das Spießertum der Deutschen und den Militarismus der Weimarer Republik.

23,5 : 16,2 cm. 61, [3] Seiten. – Leinenrücken mit Wasserrand.

Lang, Grosz 25. – Malik 29. – Hermann 159

716  George Grosz. Ecce homo.

€ 1500

Berlin, Malik 1923. Mit 100 Tafeln, davon 16 farbig. Illustrierte Originalbroschur.

Exemplar der Ausgabe C mit allen 100 Tafeln, gedruckt auf Bütten, in Büttenkartonbroschur. – Bei den Tafeln handelt es sich um Offsetdrucke, farbige nach Aquarellen und einfarbige nach Zeichnungen. – »Ecce Homo« ist das erste große Sammelwerk des Künstlers, fertiggestellt wohl Ende 1922 und um den Jahreswechsel ausgeliefert. – 1923 wurden Grosz und die Verleger Gumperz und Herzfelde vom Generalstaatsanwalt beim Berliner Landgericht angeklagt, »unzüchtige Abbildungen und Darstellungen feilgehalten […] zu haben«, 23 Blätter wurden konfisziert.

36,5 : 26,5 cm. 2 Blätter, 84 Tafeln, 1 Blatt. – Die breiten Ränder des Broschurumschlags wie meist etwas bestoßen, der ganze Umschlag mit etwas »Patina«. – Innen gut erhalten.

Dückers S I C. – Hermann 155. – Lang, Expressionismus 38

717  George Grosz – O. Henry. The Voice of the City

€ 250

and Other Stories. A Selection, with an Introduction, by Clifton Fadiman. With Illustrations by George Grosz. New York, Limited Edition Club 1935. Mit 20 Farbtafeln und einer Titelvignette nach Aquarellen und 26 Vignetten nach Federzeichnungen. Schwarzer Originalleinenband im Originalschuber.

Eins von 1500 Exemplaren. – Alle Exemplare wurden im Druckvermerk von George Grosz signiert.

27,5 : 19,5 cm. 220, [6] Seiten, 20 Tafeln.

Lang, Grosz 65

718  Erich Gruner – Adalbert Stifter. Das alte Siegel.

€ 250

Mit sechs Radierungen von Erich Gruner. Leipzig, Karl W. Hiersemann 1920. Mit sechs signierten Radierungen und einer radierten Titelvignette. Originalhalbpergamentband mit Rückenschild, Fileten- und Kopfschnittvergoldung (P. A. Demeter, Hellerau).

Eins von 100 Exemplaren. – Erich Gruner (1881–1966) gehörte zum Freundeskreis Max Klingers, ab 1910 arbeitete er freischaffend, wurde Mitglied des Deutschen Werkbundes und 1911 Vorsitzender des Leipziger Künstlerbundes. Um 1920 schuf er das Doppel-M-Logo für die Leipziger »Mustermesse«. Ab 1931 war er Leiter der neu errichteten Leipziger Kunstgewerbeschule, an der er erstmals in Deutschland Bühnenbildgestaltung als Lehrfach einführte.

33,0 : 25,0 cm. 81, [2] Seiten, 6 Radierungen.

719  Olaf Gulbransson. Sprüche und Wahrheiten.

€ 400 ( R7 )

Leipzig, Philipp Reclam 1939. Illustrierte Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Vortitelblatt mit eigenhändiger Zeichnung und Widmung des Künstlers. In Gulbranssons typischer Schreibweise und mit seiner »Nasen-Signatur«: »Mein lieber Soldat Fitus zu Weihnachten«. Auf der vorderen Umschlagklappe »Mein lieber Fitus, das Buch war vergriffen vor Weihnachten schon deswegen komt es so spät. Herzlichen Dank für die Karten. Schilchen (?) hat ein wundernettes Umschlag für ›die Dame‹. Hoffentlich gefällt es Ihnen gut. Alles Gute«.

26,5 : 21,0 cm. 65 Blätter. – Umschlag leicht angestaubt.

720  Walter Hasenclever. Der Retter.

€ 750

[Privatdruck] Herbst 1916. Originalpappband mit Deckelschild.

Erstdruck. – Eins von 15 Exemplaren. – Archivexemplar des Kurt Wolff Verlags. – Der Text entstand im Frühjahr 1915, Hasenclever ließ zunächst nur fünfzehn Exemplare drucken »und zur Kenntnisnahme an folgende Personen versenden«: Genannt werden nach Reichskanzler Bethmann Hollweg auch Max Brod, Kurt Hiller, Albert Köster, Rudolf Leonhard, Heinrich Mann, Kurt Pinthus und »Oberleutnant Kurt Wolff, im Felde«, der allerdings 1916 auf Fürsprache von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen aus dem Heeresdienst entlassen wurde und wieder als Verleger tätig sein konnte. – Am Ende eine Anzeigenseite mit den drei bisher bei Kurt Wolff erschienenen Hasenclever-Titeln und der in Vorbereitung befindlichen Gedichtsammlung »Tod und Auferstehung«. Das Stück »Der Retter« erschien erst nach Kriegsende, nachdem sich Hasenclever und Kurt Wolff getrennt hatten bei Paul Cassirer, im selben Jahr erfolgte die Uraufführung im Berliner Theater »Die Tribüne«. – Innen tadellos erhalten, erwartungsgemäß selten.

24,5 : 16,5 cm. 47, [1] Seiten. – Deckelränder etwas gebräunt, Gelenke unauffällig restauriert.

Raabe/Hannich-Bode 107.6

721  Gerhart Hauptmann. Indipohdi.

€ 200 ( R7 )

Dramatisches Gedicht. Berlin, S. Fischer 1920. Originalpergamentband mit Blindprägung und Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Eins von 270 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Bütten. – Im Druckvermerk vom Dichter signiert. – Das fünfaktige Drama »Indipohdi« wurde 1922 unter dem Titel »Das Opfer« im Schauspielhaus Dresden uraufgeführt. Es gehört zu Hauptmanns vergessenen Dramen, die so gut wie keine Bühnengeschichte haben.

28,1 : 19,3 cm. 138, [6] Seiten.

Wilpert/Gühring 46

722  Gerhart Hauptmann. Die Insel der großen Mutter oder Das Wunder von Île des Dames.

€ 200 ( R7 )

Eine Geschichte aus dem utopischen Archipelagus. Berlin, S. Fischer 1924. Originalpergamentband, Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Vorzugsexemplaren auf Bütten. – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Der Einbandentwurf stammt von Emil Rudolf Weiß. – Hauptmanns Roman ist ein »ironischer Beitrag zu dem ihn immer wieder fesselnden Thema des dämonisch-mystischen Eros« (KNLL).

20,4 : 12,3 cm. 373, [3] Seiten.

723  Max Herrmann. Einsame Stimme.

€ 300 ( R7 )

Ein Buch Gedichte. Berlin, Martin Wasservogel 1927. Mit einer Lithographie von George Grosz als Frontispiz. Originalleinenband mit Titeln in Braundruck.

Erste Ausgabe. – Eins von 680 Exemplaren (Gesamtauflage 900), jedoch wie die Vorzugsexemplare im Druckvermerk vom Autor signiert. – Max Herrmann (1886–1941) schrieb 1929 in »Das Kunstblatt« über seine Freundschaft zu Grosz: »Ganz zu Hause fühlte ich mich stets auch bei George Grosz. Wir hatten ungefähr dieselbe Gesinnung und Stimmung […] Wir waren beide sowohl Lyriker als Zyniker, korrekt und anarchisch. Ich saß ihm unzählige Male herzlich gern [Modell], war in seinem Atelier selig geborgen […] Er arbeitete an meinem Porträt mit einer Sorgfalt, die das Schaffen ganz ernst nahm.« (zitiert nach Jentsch). – Tadellos schönes Exemplar, der vordere Teil des Originalschutzumschlags liegt bei.

25,8 : 19,4 cm. [4], 173, [5] Seiten, 1 Lithographie.

Raabe/Hannich-Bode 118.18. – Dückers E 104. – Lang 49. – Jentsch 163

724  J[ohannes] Hesse. Das Spiel im häuslichen Kreise.

€ 250

Ein Ratgeber für die Familie. Zweite vermehrte Auflage. – Rätselraten im häuslichen Kreise. Ein Ratgeber für Jung und Alt. Stuttgart, D. Gundert [1890 und 1892]. Mit einigen Textabbildungen. Zwei Originalhalbleinenbände.

Die beiden Spielbücher verfasste der Vater von Hermann Hesse, Schwiegersohn des Verlegers Hermann Gundert. 1893 übernahm der zuvor als Missionar in Indien tätig gewesene Lehrer an der Missionsanstalt in Basel die Leitung des Calwer Verlages. – Kein Rarissimum, aber selten im familiären Zusammenhang beschrieben.

Beide 18,0 : 13,0 cm. 95, [1] Seiten. – Titel II etwas bestoßen, fleckig und mit gelockerter Bindung.

Wegehaupt II, 1267 (nur »Rätselraten«)

725  Hermann Hesse. Romantische Lieder.

€ 1200

Dresden und Leipzig, E. Pierson 1899. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe des seltenen Erstlings von Hermann Hesse. – Die Gedichte entstanden in den Jahren 1897 und 1898, nach der Zusammenstellung vergingen nur wenige Wochen bis zur Drucklegung. »Wie wichtig schien mir im Herbst 1899 dieses kleine Büchlein als ich das erste Exemplar meines ersten Buches in der Hand hielt! Ich bin dem treu geblieben, was ich damals begonnen habe aber es war ein mühsamer Weg, und die Mühe hat sich nicht gelohnt.« (Brief an Alice Leuthold, 1930, zitiert nach Mises).

18,5 : 11,8 cm. [4], 44 Seiten. – Deckel am Oberrand mit winzigen Läsuren, gebräunt. Rücken brüchig, Vorderdeckel im Falz bis zur Hälfte eingerissen. – Exlibris. Titelblatt mit handschriftlichem Besitzvermerk.

Mises II, 1

726  Hermann Hesse. Eine Stunde hinter Mitternacht.

€ 750

Leipzig, Eugen Diederichs 1899. Originalbroschur mit Goldprägung.

Erste Ausgabe. – Die zweite Gedichtsammlung Hesses erschien, nur kurze Zeit nach seinem Erstling »Romantische Lieder«, in kleiner Auflage (ca. 600 Exemplare). – Sehr selten.

19,0 : 13,6 cm. [4], 84 Seiten. – Vorderumschlag im Falz eingerissen.

Mileck II, 2

727  Hermann Hesse – Hermann Lauscher. Hinterlassene Schriften und Gedichte.

€ 1000

Herausgegeben von Hermann Hesse. Basel, R. Reich 1901. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Drei Prosastücke und neun Gedichte. – Noch unter Pseudonym geschrieben, Richard von Schaukal deckte 1902 die Urheberschaft auf. – Die kleine »Schrift, die ich Ende 1900 in Basel erscheinen ließ und in der ich pseudonym über meine damals zu einer Krise gediehenen Jünglingsträume abrechnete. Ich dachte damals, mit dem von mir erfundenen und totgesagten Lauscher meine eigenen Träume, soweit sie mir abgetan schienen, einzusargen und zu begraben. Das Büchlein erschien, in kleinster Auflage, beinahe mit Ausschluß der Öffentlichkeit, und ist kaum über meinen Freundeskreis hinaus bekannt geworden. Wenige andere griffen, da sie meine späteren Bücher kannten, nachträglich zu dem Schriftchen und sahen darin eine Art von literarischem Kuriosum.« (Vorrede zur Ausgabe von 1908). – »Der Lauscher wurde mit Recht ein Bekenntnisbuch genannt, denn er enthält außer der schon erwähnten Schilderung der Basler Kinderzeit als wichtigstes Stück das schwermütig-ironische ›Tagebuch 1900‹. Diese Aufzeichnungen […] geben ein ungeschminktes Bild von Hesses labiler seelischer Verfassung zu jener Zeit, sie sind Zeugnisse leidenschaftlicher Selbsterforschung, aber auch bereits fortschreitender künstlerischer Gestaltungskraft« (Geleitwort zur Ausgabe 1970).

21,3 : 14,0 cm. 83, [1] Seiten. – Ränder schwach gebräunt und etwas brüchig.

Mileck II, 3

728  Hermann Hesse. Peter Camenzind.

€ 600

Berlin, S. Fischer 1904. Originalleinenband mit zweifarbig geprägter Deckelvignette von Franz Christophe.

Erste Ausgabe. – Hesses erster Roman und zugleich sein »erstes Buch bei S. Fischer wurde sofort ein so großer buchhändlerischer Erfolg, daß sein Verfasser den Beruf eines Buchhändlers in Basel aufgab, um sich in Gaienhofen als Schriftsteller niederzulassen.« (Frieder Pfäfflin). – Hermann Hesse widmete den Roman seinem Freund Ludwig Finckh, der sich ab 1905 gleichfalls als Schriftsteller in Gaienhofen versuchte. – Schönes Exemplar.

18,8 : 13,0 cm. [8], 260, [4] Seiten. – Deckelränder leicht gebräunt, Vorderdeckel mit kleinem Wasserfleck. – Exlibris Ernst Zahn (wohl der Schweizer Schriftsteller, 1867–1952).

Mileck II, 7. – Pfäfflin 86

729  Hermann Hesse. Der Novalis.

€ 450

Aus den Papieren eines Altmodischen. Mit Zeichnungen von J. Wackerle. – In: März. Heft 6 und 7. München, Langen 1907. Mit einigen kolorierten Textillustrationen. Privater Halbpergamentband mit Deckelschild.

Erschienen als Fortsetzung in zwei Heften der damals (1907–1912) von Hermann Hesse herausgegebenen Zeitschrift. – Hesse setzte mit seinem »Novalis« der Liebe zum Buch und seiner Verehrung für die Romantik ein Denkmal.

24,3 : 17,8 cm. [28] Seiten. – Einband mit Alterungsspuren.

Mileck IV, 90. – Dietzel/Hügel 1881

730  [Hermann Hesse, pseudonym:] Emil Sinclair. Demian.

€ 200

Die Geschichte einer Jugend. Berlin, S. Fischer 1919. Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Hermann Hesse beschreibt die Suche des jungen Mannes nach dem Sinn des Lebens. Es ist die exemplarische Geschichte einer Selbstfindung gegen den subtilen Druck von Religion und Moral, die auch virulent geblieben ist in Zeiten, die mit anderen Instanzen der Fremdbestimmung zu rechnen haben. 1920 wurde Hesses Pseudonym, das er auch schon früher für kriegskritische Schriften benutzt hatte, aufgedeckt.

18,7 : 12,4 cm. 256 Seiten. – Rücken gebräunt. – Seiten papierbedingt gebräunt.

Mileck II, 32

731  Hermann Hesse – Vivos voco.

€ 450

Eine deutsche Monatsschrift. Jahrgang I, Heft 1 bis 12. Herausgegeben von Hermann Hesse und Richard Woltereck. Leipzig, Seemann & Co. 1919/1920. Pappband der Zeit.

Der vollständige erste Jahrgang der von Hermann Hesse u. a. mit karitativen Zielen gegründeten Zeitschrift. – »Unser Ruf an die Lebenden, an die Jungen vor allem, ist der Ruf um Hilfe und Mitkämpfer gegen die Not der Zeit. […] Der Ertrag, den unsere Monatsschrift hoffentlich ergeben wird, ist für die Kinderfürsorge bestimmt. Niemand macht an unserem Blatt Gewinne, auch der Verleger nicht […]« (Einleitung). – Der Originalvorderumschlag von Heft 1 wurde eingebunden.

23,2 : 17,0 cm. 822 Seiten.

Mileck VII, C5. – Diesch 3002 (ungenau). – Dietzel/Hügel 3009 ^

732  Hermann Hesse. Sinclairs Notizbuch.

€ 300

Zürich, Rascher 1923. Mit vier farbigen Tafeln nach Aquarellen von Hermann Hesse. Originalhalbleinenband mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Eins von 1000 im Druckvermerk von Hesse signierten Exemplaren (Gesamtauflage 1100). – Die Aufsätze entstanden meist in den Jahren 1917 und 1918 und wurden damals unter Hesses Pseudonym Emil Sinclair in Zeitungen gedruckt. – Auf starkem Velin.

24,5 : 18,6 cm. 108, [4] Seiten, 4 Farbtafeln.

Mileck II, 44

733  Hermann Hesse. Aus vielen Jahren.

€ 300

Gedichte, Erzählungen und Bilder. Bern, Stämpfli & Cie. 1949. Mit drei montierten farbigen Abbildungen nach Aquarellen und zwei blattgroßen nach Zeichnungen. Originalbroschur.

Herausgegeben als Jubiläumsschrift der Buchdruckerei Stämpfli & Cie. zur Feier ihres 150jährigen Bestehens. – Kein Exemplar gelangte in den Handel, die kleine Auflage wurde an Geschäftsfreunde verschenkt. »Der Verfasser stellt seine Exemplare, soweit sie nicht an nahe Freunde verschenkt werden, seiner seit 1946 bestehenden privaten Aktion zu Gunsten von Hungernden in den Kriegsländern zur Verfügung« (Beilageblatt der Druckerei). – Auf dem Beilageblatt vom Autor signiert »Gruss von Hermann Hesse«.

24,5 : 19,3 cm. 129, [3] Seiten.

Mileck II, 96

734  Hermann Hesse. Zwei jugendliche Erzählungen.

€ 200

Olten 1956. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – 70. Publikation der Oltner Bücherfreunde. – Eins von 200 für den Dichter reservierten Exemplaren »hors commerce« auf Werkdruckpapier (neben der offiziellen Auflage von 750). – Vorblatt mit eigenhändiger Widmung »Herzlich dankt u. grüsst H Hesse«. – Enthält die Erzählungen »Hans Amstein« und »Sor Acqua«, »aus der Zeit meiner literarischen Anfänge. Sie sind in Buchform nie erschienen.« (Nachwort).

20 : 13 cm. [2], 56, [6] Seiten. – Umschlagränder gebräunt.

Mileck II, 121

735  Hermann Hesse. Freunde.

€ 250 ( R7 )

Erzählung. Olten 1957. Mit einer Titelzeichnung von Gunter Böhmer. Originalhalbsaffianlederband mit Batik-Modeldruck-Bezugspapier (Hugo Peller, Solothurn). Im Schuber.

75. Publikation der Oltner Bücherfreunde. – Erste Ausgabe. – Eins von 150 Exemplaren der signierten Vorzugsausgabe in Halbleder (Gesamtauflage 850). – Druck auf Zerkall-Bütten.

20,4 : 13,0 cm. [2], 106, [4] Seiten. – Rücken etwas verblasst.

Mileck II, 123. – Rysawy 99

736  Hermann Hesse. Erwin.

€ 200 ( R7 )

Olten 1965. Gelber Originalhalblederband mit goldgeprägtem Rückentitel, Kopfgoldschnitt und Modeldruckbezügen (Hugo Peller, Solothurn).

Erste Ausgabe. – Achter Oltner Liebhaberdruck. – Eins von 110 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 665).

20,0 : 12,5 cm. 51, [9] Seiten. – Rücken kaum merklich verfärbt.

Mileck II, 147

737  Hermann Hesse. Zwei Typoskripte, 17 Privat- und Sonderdrucke, Postkarten etc.,

€ 600

meist signiert, teils mit Widmung. 1952–1961.

Zwei Typoskripte: Louis Soutter. Ein A4-Blatt. Geschrieben Ende September 1961. Mit eigenhändiger Unterschrift. In eigenhändig adressiertem Umschlag. Mileck V-D 813. – Bitte lesen und vernichten. Ein A6-Blatt. Um 1950. Über den Hesse-Sammler Erich Weiß, dessen Unwesen Hesse scharf kritisiert. Nicht bei Mileck. – Zehn signierte Privatdrucke: Grossväterliches. 1952. »Gute Wünsche! H Hesse«. M. III, 212. – Dank für Briefe und Glückwünsche (Besinnung/Stufen). 1954. »Gruss von H Hesse«. M. III, 232. – Klage und Trost. 1954. »Dank u. Gruss! H Hesse« M. III, 236. – Wanderer im Spätherbst. 1956. Signiert. M. III, 256. – Weltanschauliche Briefe philosophischer Richtung. Sonderdrucke aus den Heften 3 und 4, Jahrgang 36, der »Schweizer Monatshefte«. 1956. Auf den Umschlägen von Hesse korrigiert in »Briefe« und »Neue Briefe«. M. III, 258 und 259. Dabei eine Postkarte mit Hesse-Aquarell und eigenhändiger Widmung. – Der Trauermarsch. 1957. Monogrammiert. M. III, 263. – Chinesische Legende. 1959. Signiert. M. III, 273. – Dank für Briefe und Glückwünsche (Vier späte Gedichte). 1959. »Hesse grüsst« M. III, 274. Dabei monogrammiertes Porträtfoto von 1947. – Freund Peter. 1959. »Herzlich grüsst HH«. M. III, 277. Dabei monogrammierte Postkarte mit Bänningers Hesse-Büste. – Fünf unsignierte Privatdrucke, zwei Beigaben. – Teils mit eigenhändig adressiertem Kuvert.

738  Franz Hessel. Spazieren in Berlin.

€ 250

Zwei Berliner Stätten. Berlin 1929. Originalbroschur.

Erste Ausgabe der beiden, im gleichnamigen Roman nicht enthaltenen Skizzen, die Hessel dem Berliner Fontane-Abend »freundlichst zur Verfügung stellte«. Gedruckt wurden 150 Exemplare auf Bütten als Handpressendruck der Officina Serpentis, die Druckkosten stifteten Bernhard Krisch und Georg Perlmann. – Dazu: Franz Hessel. Pariser Romanze. Papiere eines Verschollenen. Berlin, Rowohlt 1920. Originalpappband. – Franz Hessel. Marlene Dietrich. Berlin, Kindt & Bucher 1931. Mit 40 fotografischen Abbildungen auf Tafeln. Originalbroschur. – Beides erste Ausgabe.

19,8 : 13,2 cm. [2], 13, [1] Seiten.

Backe/Köppen 146. – Deutsche Bibliophilie 1898–1930 S. 229

739  [Joseph Arthur] Graf Gobineau. Asiatische Novellen.

€ 350

Wien, Anton Schroll [1922]. Mit zehn Farblithographien, sechs figürlichen Initialen und einer Schlussvignette von Armin Horovitz. Blauer Originalsaffianlederband von Ferdinand Bakala, Wien.

Eins von 150 Vorzugsexemplaren, die auf Japan-Dokumentenpapier gedruckt und nach Entwurf Horovitz’ in Leder gebunden. – Der farbig lithographierte Umschlag und die rot-gelb lithographierten Vorsatzpapiere sind eingebunden, Bakala verwendete Marmorpapiere als Vorsätze. – Der polnische Künstler Armin Horovitz (1880–1965) hatte in Wien und München studiert, bevor er im Ersten Weltkrieg als Kriegsmaler tätig wurde. Bis zum Anschluss Österreichs arbeitete er in Wien. – Der Band enthält fünf Novellen Gobineaus, u. a. »Die Liebenden von Kandahar«, in der Neuübersetzung von Ernst Klarwill.

23,8 : 16,5 cm. 295, [1] Seiten, 10 Lithographien. – Kleine Bereibungen an den Gelenken, Vordergelenk oben unauffällig restauriert.

Fromm III, 11129

740  Richard Janthur – Die Gazelle.

€ 800 ( R7 )

Berlin, Leipzig, Wien und Bern, Franz Schneider [1924]. Mit zehn kolorierten signierten Lithographien und lithographiertem Text mit kolorierten Vignetten. Roter Originalmaroquinband. Rückentitel, Deckelvignette und Stehkantenbordüren vergoldet (H. Sperling, Leipzig).

Eins von 200 Exemplaren, wobei Sennewald die signierten Lithographien nur für eine nicht bezifferte Vorzugsausgabe nennt. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Die zehn großen Lithographien und die Vignetten wurden vom Künstler koloriert. – Der Text, entnommen aus der Sammlung »Afrikanische Märchen« des Eugen Diederichs Verlags, Jena, wurde von Richard Janthur auf die Lithosteine geschrieben und dort mit zahlreichen Vignetten verziert. – Gedruckt auf handgeschöpftem Bütten von A. Rogall, Berlin. – Eines der schönsten, durch die Einheit von Text und Illustration besonders stimmigen, Bücher Janthurs. – Schönes Exemplar, sehr selten.

29,5 : 23,3 cm. [68] Seiten. 10 Lithographien. – Vorsatzpapiere mit leichtem Abklatsch vom Klebeband der Schutzfolie.

Sennewald ohne Jahr [ca. 24]

741  Ernst Jünger. Sonnentau.

€ 300 ( R7 )

Olten 1955. Rotbrauner Originalhalblederband mit Rückenvergoldung und Buntpapierdeckelbezügen (Hugo Peller, Solothurn). Im Schuber.

Erste Ausgabe. – 65. Veröffentlichung der Oltner Bücherfreunde. – Eins von 114 Vorzugsexemplaren, auf dem Vortitel vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 590). – Erschienen zum 60. Geburtstag des Verfassers.

20 : 13 cm. [2], 68, [8] Seiten. – Rücken verblasst.

Des Coudres/Mühleisen B 30

742  Ernst Jünger. Ein Vormittag in Antibes.

€ 200 ( R7 )

Olten 1960. Rostbrauner Originalhalblederband mit goldgeprägtem Rückentitel, Kopfgoldschnitt und Modeldruckbezügen (Hugo Peller, Solothurn). Im Schuber.

86. Publikation der Oltner Bücherfreunde. – Erste Ausgabe. – Eins von 120 Vorzugsexemplaren, auf dem Vortitel vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 653).

20,0 : 12,5 cm. 52, [4] Seiten. – Rücken kaum merklich verblasst.

Des Coudres/Mühleisen B 40

743  Ernst Jünger. Das spanische Mondhorn.

€ 200 ( R7 )

Olten 1967. Mit einer Fotolithographie nach einem Aquarell von Niklaus Stöcklin. Gelber Originalhalblederband mit goldgeprägtem Rückentitel, Kopfgoldschnitt und Modeldruckbezügen (Hugo Peller, Solothurn).

Erste Ausgabe. – 95. Publikation der Oltner Bücherfreunde. – Eins von 120 Exemplaren der Vorzugsausgabe, auf dem Vortitel vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 665).

20,0 : 12,5 cm. 55, [3] Seiten. – Rücken etwas verfärbt.

Des Coudres/Mühleisen B 43

744  Ernst Jünger. Grenzgänge.

€ 200 ( R7 )

Olten 1965. Orangefarbener Originalhalblederband mit Rückenvergoldung und Buntpapierdeckelbezügen (Hugo Peller, Solothurn).

Sechster Oltner Liebhaberdruck. – Eins von 100 Vorzugsexemplaren, auf dem Vortitel vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 655). – Erschienen zum 70. Geburtstag des Verfassers. Die ein Jahr später unter gleichem Titel bei Klett erschienene Ausgabe, weicht, abgesehen vom Titelessay, inhaltlich vollständig ab. – Sehr schönes Exemplar.

20,0 : 12,5 cm. 61, [3] Seiten. – Rücken kaum merklich verblasst.

Des Coudres/Mühleisen B 52

745  Ernst Jünger. Zwei Inseln.

€ 400 ( R7 )

Formosa / Ceylon. Olten 1968. Gelber Originalhalblederband mit goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (Hugo Peller, Solothurn).

Erste Ausgabe. – 16. Oltner Liebhaberdruck. – Eins von 105 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 665). – Vom Autor auf dem Vortitelblatt signiert.

20,0 : 12,5 cm. 51, [9] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 60

746  Ernst Jünger. Siebzig verweht.

€ 900 ( R7 )

I [bis] V. Stuttgart, Klett-Cotta 1982–1997. Originalhalblederbände mit vergoldeten Rückentiteln. Vier Bände in den Originalschubern.

Erste Ausgaben. – Je eins von 200 bzw. 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe, im Druckvermerk vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden. – Alle erschienenen Bände der Sammlung von Aphorismen, Tagebucheinträgen und Briefen aus den Jahren 1965–1995.

22,8 : 14,8 cm (I und II) und 21,7 : 13,0 cm (III-V).

Des Coudres/Mühleisen B 79/80 (nur I und II)

747  Ernst Jünger. Aladins Problem.

€ 200 ( R7 )

Stuttgart, Klett-Cotta 1983. Karminroter Originalkalblederband mit blindgeprägter Deckelvignette und vergoldetem Rückentitel (G. Lachenmaier, Reutlingen).

Erste Ausgabe. – Eins von 200 Exemplaren der Vorzugsausgabe, im Druckvermerk vom Verfasser signiert und in Leder gebunden. – »Der Stil des neuen [Werkes] ist gelöst, an vielen Stellen sogar salopp. Es wird ›geklönt‹, manchmal auch Trivial-Deutsch zitiert: ›Das gibt zu denken.‹ Das Edel-Getue, vormals bewährtes Markenzeichen Jüngerscher Stilistik, kommt nur noch selten vor.« (Der Spiegel, Heft 20/1983).

21,6 : 13,3 cm. 121, [3] Seiten.

Des Coudres/Mühleisen B 82

748  Ernst Jünger. Autor und Autorschaft.

€ 200 ( R7 )

Stuttgart, Klett-Cotta 1984. Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel und Marmorpapierbezug.

Erste Ausgabe. – Eins von 200 Vorzugsexemplaren, vom Verfasser im Druckvermerk signiert. – Im Originalschuber.

21,6 : 13,3 cm. 277, [3] Seiten; 100, [2] Seiten.

749  Erich Kästner. Das »Kakao-Epigramm«. Eigenhändiges Gedicht mit Unterschrift.

€ 1000

November 1931. Eine Seite. – Auf dem Vorsatzblatt von Ein Mann gibt Auskunft. Elftes und zwölftes Tausend. Stuttgart und Berlin, Deutsche Verlags-Anstalt [1931]. Mit Illustrationen von Erich Ohser. Originalleinenband mit goldgeprägten Titeln.

Eins der bekanntesten Kästner-Zitate. – Kästner schrieb diese Zeilen im November 1931, also noch bevor das Epigramm, leicht verändert, 1933 als Einleitung in seinem nächsten Gedichtband »Gesang zwischen den Stühlen« gedruckt wurde. – Von »Ein Mann gibt Auskunft« erschienen innerhalb von nur zwei Jahren sieben Auflagen mit insgesamt 20.000 Exemplaren. Das Gedicht »Die andere Möglichkeit«, das seit dem Erstdruck von reaktionären oder konservativen Kreisen angegriffen wurde, ist hier zum letzten Mal abgedruckt. Der Verlag ersetzte es ab der nächsten Auflage durch das harmlose »Herbst auf der ganzen Linie«.

20,8 : 18,5 cm. 110, [2] Seiten. – Rücken verblasst, Vorsatzblatt mit leichter vertikaler Knickfalte.

750  Franz Kafka. Betrachtung.

€ 6000

Leipzig, Ernst Rowohlt [1913]. Hellrote Originalbroschur mit Holzschnitt-Vignette und -bordüre.

Erste Ausgabe von Kafkas erster Erzählungssammlung. – Eins von 800 Exemplaren, handschriftlich nummeriert. – Von der Rowohlt-Erstausgabe dürften schon zu Lebzeiten des Verfassers kaum mehr als 400 Exemplare existiert haben, denn mehr als die Hälfte der Auflage wurde 1915 vom Kurt Wolff Verlag übernommen und mit einem neuen Titelblatt versehen. – Auf Wunsch des Dichters wurde der Text »in einem ungewöhnlich großen Schriftgrad (Tertia) gesetzt«, den Kafka in einem Brief an seinen Verleger vorbehaltlos als »wunderschön« bezeichnete. – Gewidmet »Für M[ax] B[rod]«, der bereits an diesem Frühwerk großen Anteil hatte. »Die Kafka wesentliche Reihenfolge der Stücke wird mit Hilfe Brods am Abend des 13. August 1912, der ersten Begegnung mit Felice Bauer, festgelegt und am 14. August das Manuskript durch Brod abgeschickt.« (alle Zitate nach Dietz) – Unbeschnittenes Exemplar in der seltenen Originalbroschur.

24,5 : 16,3 cm. [8], 99, [1] Seiten. – Umschlag beschädigt. – Die ersten 2 Blätter am Unterrand mit Fehlstelle, 2 Blätter unsachgemäß aufgeschnitten, 4 im Falz eingerissen.

Dietz 17. – Raabe/Hannich-Bode 146.1. – Göbel 91

751  Franz Kafka. In der Strafkolonie.

€ 900

Leipzig, Kurt Wolff 1919. Originalbroschur mit grün-braunen Buntpapierdeckelbezügen und Titelschild.

Erste Ausgabe. – Viertes Buch der neuen Folge der Drugulin-Drucke. – Eins von 1000 Exemplaren, hier in der seltenen unbeschnittenen Originalbroschur. – Üppig und breitrandig gesetzt, »mit zweifarbigem Titelblatt versehen […] setzt die ›Strafkolonie‹ der Ausstattung nach die mit der ›Betrachtung‹ begonnene Linie der ›großen‹ Bücher Kafkas konsequent fort, die damit sämtlich als bibliophile Drucke erschienen sind« (Dietz, S. 105).

23,3 : 15,5 cm. 68, [4] Seiten. – Bezugspapier am Rücken oben und unten mit kleiner Fehlstelle, unscheinbare Kanteneinrisse. – Seite 5 unten mit kleinem Leimfleck.

Dietz 50. – Raabe/Hannich-Bode 146.5. – Rodenberg 380, 4

752  Franz Kafka. Ein Hungerkünstler.

€ 400

Vier Geschichten. Berlin, Die Schmiede 1924. Originalpappband mit grauem Kleisterpapierbezug und montiertem Deckel- und Rückenschild (Entwurf Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Erschien innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts«. – Enthält die vier Erzählungen »Erstes Leid, »Eine kleine Frau«, »Ein Hungerkünstler« und »Josefine, die Sängerin«. – Der »Hungerkünstler« erschien zwar erst nach Kafkas Tod, man nimmt aber an, dass er noch alle vier Geschichten selbst korrigiert hat.

19,7 : 13,9 cm. 85, [3] Seiten. – Bezugspapier am Rücken und an einigen Kanten berieben.

Dietz 66. – Raabe/Hannich-Bode 146.7. – Holstein, Salter 68

753  Franz Kafka. Gesammelte Schriften.

€ 1000 ( R7 )

Band I [bis ] VI. – Max Brod. Franz Kafka. Eine Biographie. (Erinnerungen und Dokumente.) Berlin, Schocken, und Prag, Heinrich Mercy 1935–1937. Originalleinenbände mit Vergoldung.

Erste Werkausgabe. – Herausgegeben von Max Brod und Heinz Politzer. – I. Erzählungen und kleine Prosa. 1935. – II. Amerika. Roman. 1935. – III. Der Prozess. Roman. 1935. – IV. Das Schloss. Roman. 1935. – V. Beschreibung eines Kampfes. Novellen, Skizzen, Aphorismen aus dem Nachlass. 1936. – VI. Tagebücher und Briefe. 1937. – 1934 stimmte Kafkas Mutter dem Vertrag zu, mit dem der Berliner Schocken Verlag Max Brod die Herausgabe der Werke Kafkas übertrug. Brod hatte sich bereit erklärt, die gesamte Arbeit ohne Entgelt zu leisten. In jüdischen Buchhandlungen durften Kafkas Bücher nur an Leser ausgehändigt werden, die sich als Juden auswiesen. Vier von geplanten sechs Bänden lagen vor, als der Schocken-Verlag nach New York übersiedeln musste, Band V und VI sowie seine Kafka-Biographie gab Max Brod 1936/37 im Prag Exil heraus.

19,3 : 12,5 cm.

Raabe/Hannich-Bode 146.13 und 45.51

754  Ernst Ludwig Kirchner – Alfred Döblin. Das Stiftsfräulein und der Tod.

€ 2000

Eine Novelle. Schnitt von E L Kirchner. Berlin-Wilmersdorf, A. R. Meyer 1913. Mit fünf blattgroßen Holzschnitten. Schwarzer Maroquinband mit dem montierten Titelholzschnitt als Deckelvignette.

Lyrische Flugblätter Nr. 41. – Eins von 500 Exemplaren. – Auf chamoisfarbenem Velin. – Das erste von Ernst Ludwig Kirchner illustrierte Buch und zugleich das einzige illustrierte Flugblatt Meyers. Kirchner hatte Döblin, einem der wichtigsten Mitarbeitern von Waldens Zeitschrift »Der Sturm«, 1911 nach dem Umzug der Brücke-Künstler nach Berlin kennengelernt. Die Erzählung erschien kurz zuvor in dem Sammelband »Die Ermordung einer Butterblume« im Georg Müller Verlag, München. – Tadellos erhalten und außergewöhnlich gebunden.

24,5 : 18,5 cm. Seiten [3–16]. – Blatt 1 wurde beschnitten auf den Vorderdeckel montiert.

Dube 199-203. – Jentsch 12. – Lang 171. – Slg. Classen 33. – Papiergesänge 29. – Garvey 141. – Josch D 17. – Raabe/Hannich-Bode 58.4. – Raabe 144.41

755  Ernst Ludwig Kirchner – Jakob Bosshart. Neben der Heerstraße.

€ 500 ( R7 )

Erzählungen. Mit Holzschnitten von E. L. Kirchner. Zürich und Leipzig, Grethlein 1923. Mit 23 Holzschnitten im Text. Roter Halbmaroquinband (signiert: R. Meuter, Ascona) mit Oleographiepapierdeckelbezügen; Rückentitel, Kapitalfileten und der gepunzte Kopfschnitt vergoldet. Der Originalvorderumschlag mit dem zweifarbigen Holzschnitt und der originale Hinterumschlag sind eingebunden. Im Schuber mit roten Lederkapitalen.

Erste Ausgabe. – Der Holzschnitt auf dem Umschlag in einer bei Dube so nicht beschriebenen Variante: Druck in Schwarz (hier ohne die umrahmenden Flächen) und Violett auf rosa Papier, der hintere Umschlag ist unbedruckt. – Kirchner hatte den Schweizer Dichter Bosshart wohl in seiner Davoser Zeit kennengelernt. Die Holzschnitte zu den sechs Erzählungen entstanden 1922. Neben Georg Heyms »Umbra Vitae« das zweite große buchillustratorische Werk Kirchners. – Elegant gebunden.

20,0 : 13,5 cm. 434, [6] Seiten. – Seitenränder, wie meist, papierbedingt gebräunt.

Dube 808 IV, 809–831. – Jentsch 143. – Lang, Expressionismus 174

756  Ernst Ludwig Kirchner – Jakob Bosshart. Neben der Heerstraße.

€ 250 ( R7 )

Mit Holzschnitten von E. L. Kirchner. Zürich und Leipzig, Grethlein & Co. 1923. Mit 23 Holzschnitten im Text. Illustrierter roter Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Das zweite große illustratorische Werk Kirchners, neben seinen Holzschnitten zu Georg Heyms »Umbra Vitae«. – Schönes Exemplar in seltener Einbandvariante.

20,0 : 13,5 cm. 434, [6] Seiten.

Dube 809–831. – Jentsch 143. – Lang, Expressionismus 174

757  Walter Klemm – Nikolaus Gogol. Das Gespenst.

€ 400 ( R7 )

Mit Lithographien von Walter Klemm. Berlin, Franz Schneider [1924]. Mit sechs signierten Lithographien, sowie zwei Vignetten und einem Initial nach Zeichnungen. Blaugrüner Maroquinband mit Vergoldung.

Eins von 200 Exemplaren auf handgeschöpftem Bütten. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die etwas bemühte Expressivität der Deckelgestaltung steht in anrührendem Gegensatz zu den Buntpapiervorsätzen und beides wiederum zum kongenial illustrierten Gogol-Text.

27,0 : 19,5 cm 53, [3] Seiten. – Rücken verblasst.

Sennewald 24, 6

758a  Albert Ehrenstein. Mein Lied.

€ 250

1900 – 1931. Oskar Kokoschka. Acht Zeichnungen. Berlin, Ernst Rowohlt 1931. Mit acht lithographierten Zeichnungen. Originalpergamentband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Eins von 1000 Exemplaren, hier einer der sehr seltenen Halbpergamentbände. – »Dieser große Sammelband, der […] den echten Freunden der Dichtung und Geistesfreiheit dargeboten wird, vereinigt Albert Ehrensteins Lyrik aus all seinen Jahres- und Lebenszeiten, aus Heimat, Wanderwelt, geschauter und geträumter Ferne, dem Diesseits und Jenseits des eigenen Herzens. […] In einer Zeit, die kaum noch weiß, was ein Dichter ist, was er als Richter seiner Zeit und als unmittelbarer Bekenner des ewig Zeitlosen bedeutet, wird uns dieses Versbuch zum kostbarsten Besitz, um so kostbarer, als acht lithographierte Zeichnungen von Oskar Kokoschka, dem Meister und gefühlsverwandten Freund, die Verse begleiten« (Franz Hessel, Umschlagtext).

24,6 : 16,3 cm. [8], 344, [12] Seiten, 8 Tafeln.

Raabe/Hannich-Bode 62.21

758  Oskar Kokoschka – Victor Dirsztay. Lob des hohen Verstandes.

€ 300 ( R7 )

Ein Umriss zur Morphologie des Menschen nebst Anmerkungen und einer Einführung. Mit 6 Lithographien und einer Titelvignette von Oskar Kokoschka. Leipzig, Kurt Wolff 1917. Mit sechs Lithographien und zwei Vignetten, eine auf dem Vorderdeckel. Originalpappband.

Erste Ausgabe, Göbel nennt eine Auflage von lediglich 200 Exemplaren. – Der ungarische Dichter Dirsztay (1882–1935) hinterließ ein nur schmales literarisches Œuvre. Von den drei Büchern illustrierte Kokoschka, der den Dichter als »komplizierten Charakter« beschrieb (Wingler/Welz: »eine neurotische, von Weltschmerz und Ekel zerrissene Persönlichkeit«), die beiden letzten. – Eine kleine von Kokoschka gezeichnete Totentanzszene wurde für Titel und Einband reproduziert. Die Federlithographien monogrammierte der Künstler im Stein.

33,8 : 25,4 cm. 27, [7] Seiten, 6 Lithographien. – Rücken gebräunt.

Wingler/Welz 104–109. – Göbel 308. – Lang, Expressionismus 197

759  Oskar Kokoschka – Aristophanes. Die Frösche.

€ 1200

Eine Komödie. Mit zwölf Kaltnadel-Radierungen von Oskar Kokoschka. Frankfurt am Main, Ars librorum 1968. Mit zwölf signierten blattgroßen Kaltnadelradierungen. Lose Doppelbogen in illustrierter Originalhalbleinenchemise und -halblederkassette.

18. Ars librorum Druck. – Exemplar »h. c.«, von der Ausgabe mit Text erschienen 120 und 30 zusätzliche Exemplare, von der Suitenausgabe ohne Text weitere 110. – Auch im Druckvermerk vom Künstler monogrammiert und vom Verleger signiert. – Auf Auvergne-Bütten Richard de Bas.

45,5 : 33,2 cm. [4], 98, [10] Seiten.

Wingler/Welz 437–448. – Spindler 40.38. – Tiessen III, 23

760  Oskar Kokoschka – Heinrich von Kleist. Penthesilea.

€ 1000

Ein Trauerspiel. Mit zehn Kaltnadel-Radierungen von Oskar Kokoschka. Frankfurt am Main, Edition Gotthard de Beauclair 1970. Lose Doppelbogen und zehn signierte Radierungen in Originalhalblederchemise und -kassette (Willy Pingel, Heidelberg).

Eins von 100 Exemplaren der Ausgabe A mit den lose beigegebenen Radierungen (Gesamtauflage 140). – Vom Herausgeber im Druckvermerk signiert. – Handsatz aus der Original-Janson-Antiqua, gedruckt auf Auvergne-Bütten in den Werkstätten der Trajanus-Presse. – Druck der Radierungen auf der Kupferdruckpresse der Folkwang-Offizin, Essen.

49,0 : 37,5 cm.

Wingler/Welz 454–463. – Spindler 40.49. – Tiessen IV, 25

761  Karl Kraus. Die Unüberwindlichen.

€ 600 ( R7 )

Nachkriegsdrama in vier Akten. Wien und Leipzig, Die Fackel 1928. Originalleinenband mit goldgeprägten Titeln und Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Auf dem Vorsatzblatt mit eigenhändiger Signatur des Autors. – »Der erste Theaterabend fand mittags statt: in der Berliner Volksbühne haben sie die ›Unüberwindlichen‹ von Karl Kraus gegeben. Als die Wogen des Beifalls durch das Theater rollten, trat Kraus vor die Gardine und dankte. Er täuschte sich nicht: er hat kein Publikum erobert. Er hat ein erobertes Publikum erobert. […] Sie hatten alle die ›Fackel‹ gelesen; sie hatten ihr Pensum gelernt; […] und hier liegt die Schwäche des Stücks. Kraus setzt voraus, er gestaltet nicht.« (Kurt Tucholsky, Kritiken und Rezensionen, 1929, Berliner Theater).

20,0 : 13,0 cm. 158, [2] Seiten. – Schutzumschlag fleckig, Risse an einigen Stellen hinterlegt.

Wilpert/Gühring 46

762  Kriegsbilderbogen.

€ 450

[1. bis] 3. Mappe (alles). Münchner Künstler. – Deutsche Künstler. München, Goltz 1914. 36, meist kolorierte und signierte Lithographien. Lose in den drei lithographierten und kolorierten Originalumschlägen und der Originalhalbleinenmappe.

Je eins von 950 Exemplaren auf Lichtdruckkarton bzw. »unecht China«. – Enthält Lithographien von Edwin Scharff, Richard Seewald, René Beeh, Joseph Eberz, Max Unold und vielen anderen. – Drei Blätter blieben unkoloriert bzw. unsigniert, da die Künstler kriegsbedingt abwesend waren. – Alle Lithographien mit typographischer Bezeichnung und Signet des Goltz-Verlages. – Vollständige Exemplare sind selten.

41,5 : 35,5 cm. Je 12 Lithographien.

Söhn HDOG 131–133

763  Alfred Kubin – Jules Amédée Barbey d’Aurevilly. Teufelskinder.

€ 600 ( R7 )

Ins Deutsche übertragen von Arthur Schurig. Mit neunzehn Zeichnungen von Alfred Kubin. München, Georg Müller 1921. Mit 21 [!] Abbildungen nach Zeichnungen, zwölf davon blattgroß. Originalpergamentband mit farbiger Deckelvignette, Rücken- und Kopfschnittvergoldung. In privatem Schuber.

Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Bütten (Gesamtauflage 1800). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Erste Ausgabe dieser Neuübersetzung,.

29,3 : 23,1 cm. [6], 265, [5] Seiten. – Deckelränder etwas gebräunt.

Marcks A 53. – Raabe 147. – Fromm I, 1781

764  Alfred Kubin – Jean Paul. Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht.

€ 200 ( R7 )

Mit 27 Federzeichnungen von Alfred Kubin. München, R. Piper 1921. Mit 27 Illustrationen, davon acht blattgroß. Originalhalbpergamentband mit Buntpapierdeckelbezügen. Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Im Originalschuber.

Exemplar 102 von 200 der Vorzugsausgabe in Halbpergament. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Einbandentwurf von F. H. Ehmcke.

27,8 : 24,3 cm. [4], 40, [8] Seiten. – Kanten leicht berieben. – Äußerste Ränder minimal gebräunt. Eine Seite mit schwachem Knick und winzigem Einriss.

Raabe 154. – Marks A 60

765  Alfred Kubin. 20 Bilder zur Bibel.

€ 1200

München, R. Piper 1924. Mit 20 kolorierten Lichtdrucken nach signierten und betitelten Zeichnungen, drei weitere Lichtdrucke nach Kubins Handschrift. Originalhalbleinenband mit Schutzumschlag.

Unnummeriertes Exemplar, wie die 80 Vorzugsexemplare von Kubin eigenhändig koloriert und im Druckvermerk signiert, hier im Einband der allgemeinen Ausgabe. – Wassily Kandinsky und Franz Marc planten 1913 eine Folge von biblischen Illustrationen verschiedener Künstler und luden dazu ein. Alfred Kubin, Paul Klee, Erich Heckel und Oskar Kokoschka sagten ihre Teilnahme zu; allerdings vollendete nur Alfred Kubin seinen Zyklus »Der Prophet Daniel«. Dieser erschien 1918 bei Georg Müller. Das Bibelprojekt des »Blauen Reiters« war gescheitert. Zehn Jahre nach den Daniel-Zeichnungen schuf Kubin die hier vorliegende Folge zur ganzen Bibel. – Kubins Bilder sind frei von jedem Pathos und gehören sicher zu den wichtigsten Bibelillustrationen des 20. Jahrhunderts. 1936 wurden sie in Nazideutschland verboten und in die Liste des verbotenen Schrifttums aufgenommen.

32,5 : 27,5 cm. 24 Blätter. – Das erste Doppelblatt aus der Heftklammerung gelöst, sonst makellos, nur der seltene Schutzumschlag mit leichten Läsuren.

Marcks A 76. – Raabe 236

766  Alfred Kubin – Gerhart Hauptmann. Fasching.

€ 800 ( R7 )

Mit Originallithographien von Alfred Kubin. Berlin, S. Fischer 1925. Mit zwölf Lithographien, davon zehn blattgroß, elf signiert, eine monogrammiert. Neuerer Maroquinband mit silbergeprägten Titeln. In gefüttertem Schuber.

Erste vollständige Buchausgabe. – Unnummeriertes Exemplar, wie bei den 50 Vorzugsexemplaren alle Lithographien signiert, die Initiale monogrammiert (Gesamtauflage 450). – Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Auf Bütten gedruckt bei Otto von Holten, Berlin. – Sehr schönes Exemplar.

33,0 : 25,7 cm. 40, [4] Seiten. – Rücken minimal verblasst.

Marks A 84. – Raabe 291

767  Alfred Kubin. Rauhnacht.

€ 350

13 Steinzeichnungen. Mit einem Vorwort von Otto Stoessl. Berlin, Volksverband der Bücherfreunde Wegweiser-Verlag 1925. 13 Lithographien, zusammen lose in Originalhalbleinenmappe mit Deckelillustration.

Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die »Rauhnacht« entstand nach einem Fiebertraum Kubins. Noch geschwächt brachte er den gespenstischen Zyklus zu Papier, welcher gleichsam ein nahezu fünf Meter langes Panorama bildet. – Sehr zu Kubins Bedauern erschien die Folge dann nicht als Leporello, sondern in 13 Einzeltafeln »zerstückt«. Die »Rauhnächte« sind im Volksglauben die 13 Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in denen Geisterheere über die Erde ziehen und die Träume besonders intensiv sein sollen. – Die Lithographien makellos.

37,8 : 48,3 cm. 2 Doppelblätter Text, 13 Lithographien. – Die Mappe leicht fleckig und am Hinterdeckel etwas angestoßen.

Raabe 281. – Marcks A 86

768  Alfred Kubin – Oskar Maurus Fontana. Die Türme des Beg Begouja.

€ 250 ( R7 )

Roman. Mit Zeichnungen von Alfred Kubin. Wien, Wilhelm Frick 1946. Mit sieben Strichätzungen auf Tafeln und zwölf Kopfvignetten nach Federzeichnungen. Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Eins von 150 Exemplaren der Vorzugsausgabe. – Im Druckvermerk von Autor und Künstler signiert. – Neuausgabe von Fontanas frühem Roman »Erweckung« (Kurt Wolff 1919). Der österreichische Schriftsteller, Theaterkritiker und Journalist Oskar Maurus Fontana (1889–1969) hatte in seiner Jugend Kontakt zur expressionistischen Bewegung, zu Oskar Kokoschka, Albert Ehrenstein und Berthold Viertel. Mit Robert Musil war er befreundet. 1917 gab Fontana die expressionistischen Zeitschrift »Flugblatt« heraus. Spätestens mit seiner Anthologie »Die Aussaat« (Konstanz 1915) wurde Fontana zum Wegbereiter des Expressionismus in Österreich.

26,1 : 21,0 cm. 102, [2] Seiten.

Marcks A 210. – Raabe 638. – Raabe/Hannich-Bode 76.4 Anmerkung

769  Else Lasker-Schüler. Styx.

€ 400 ( R7 )

Gedichte. Berlin, Axel Juncker 1902. Mit einer Titelvignette von Fidus. Handeinband mit verschiedenen Buntpapieren als Rücken- bzw. Deckelbezug und goldgeprägtem Leinenrückenschild.

Erste Ausgabe des Erstlings der Dichterin. – »Meinen teuren Eltern zur Weihe«. – 1899 hatte Else Lasker-Schüler Georg Lewin kennengelernt. Nach der Trennung von ihrem erstem Mann, Jonathan Lasker, heiratete sie Lewin und schuf für ihn das Pseudonym »Herwarth Walden«. Walden trug sicher nicht unwesentlich zum Erscheinen dieser Gedichtsammlung bei, war er doch einer der ersten, der neben Karl Kraus die große dichterische Begabung von Else Lasker-Schüler erkannte. – Jedes Gedicht mit einer Zierleiste und einem Zierstück. – Auf fein geripptem Büttenpapier. – Mit Besitzvermerk des »jüdischen Fontane« Georg Hermann (Borchardt) (1871–1943). Noch bevor die Nationalsozialisten seine Schriften verbrannten, ging Hermann ins Exil nach Holland. Dort wurde der Dichter 1943 verhaftet, nach Auschwitz deportiert und ermordet.

19,5 : 13,3 cm. 77, [3] Seiten. – Vorsätze und angrenzende Blätter etwas stockfleckig. Der Besitzvermerk am Oberrand angeschnitten.

Raabe/Hannich-Bode 182.1

770  Else Lasker-Schüler. Hebräische Balladen.

€ 350 ( R7 )

Der Gedichte erster Teil. Mit einer Einbandzeichnung der Verfasserin. Berlin, Paul Cassirer 1920. Originalbroschur mit Deckelillustration und farbiger Bordüre.

Erste Ausgabe, erschien als Band VIII der Gesammelten Werke. – Auf dem Vortitel von Else Lasker-Schüler signiert.

23,0 : 16,8 cm. 110, [2] Seiten. – Umschlag leicht angestaubt, Ränder etwas geknickt. – Papier gebräunt und an den Rändern etwas brüchig.

Raabe/Hannich-Bode 182.12. – Feilchenfeldt/Brandis 119

771  Else Lasker-Schüler. Theben.

€ 4000

Gedichte und Lithographien. Berlin, Querschnitt 1923. Mit zehn blattgroßen signierten Lithographien und zwölf Seiten lithographiertem Text. Blauer Originalleinenband mit vergoldeter Illustration auf dem Vorder- und dem Signet der Galerie Flechtheim auf dem Hinterdeckel.

24. Druck der Galerie Flechtheim. – Erste Ausgabe. – Eins von 200 Exemplaren (Gesamtauflage 250). – Alle zehn Lithographien und der Druckvermerk von der Dichter-Künstlerin signiert. – »Ich schrieb die Verse dieses Buches und zeichnete die Bilder dazu auf den Stein bei A. Ruckenbrod in Berlin, der das Buch […] druckte« (Druckvermerk). – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Else Lasker-Schüler war 1923 auf dem Höhepunkt ihrer Bekanntheit und Anerkennung als Lyrikerin und als Künstlerin. Schon 1910 hatte Karl Kraus sie als »die stärkste und unwegsamste lyrische Erscheinung des modernen Deutschland« gepriesen, später prophezeite Arnold Zweig: »Aber eine gibt es, die niemals sterben wird – niemals … Sie ist so unzeitlich wie die Worte, die einstmals morgenfrisch aus ihrer sprechenden Seele brachen«. Daran konnten auch die Nationalsozialisten nichts ändern, die 1933 alle ihre Werke als »zu beschlagnahmend« auflisteten. – In der Einheit von Bild und Schrift, in seiner spontan wirkenden Gestaltung und trotzdem bibliophilen Aufmachung einer der Höhepunkte der expressionistischen Buchkunst. – »Die zehn Gedichte, die zu den schönsten der Dichterin gehören, stammen aus verschiedenen früheren Sammlungen und sind mit ihrem Familien- und Freundeskreis eng verbunden. […] Die wichtigsten Gestalten, die die private Phantasiewelt der Künstlerin bevölkern, ziehen in Text und Bild durch das Werk, in schnellen, nervösen, eigenwilligen Zügen in Silhouetten gezeichnet, die sich von der Realität entfernt haben.« (Papiergesänge). – Die Dichterin widmete das Buch »Paolo Pedrazzini, dem Dogen von Locarno«, einem dreißigjährigen Halbmexikaner, zu dem Else Lasker-Schüler während ihres ersten Tessinaufenthaltes in Liebe entbrannte, wenn er auch »ganz ganz ganz unantastbar« für sie war.

32,5 : 24,8 cm. [28] Seiten. – Deckelränder minimal fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 182.15. – Jentsch 136

772  Max Liebermann – 54 Steindrucke zu kleinen Schriften von Heinrich von Kleist.

€ 600 ( R7 )

Berlin, Bruno Cassirer 1917. Mit 54 Lithographien, davon zwei ganzseitigen, und zwei lithographierten Initialen. Originalpergamentband mit lithographierter Vorderdeckelvignette, vergoldetem Rückentitel und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 250 Exemplaren auf Handbütten (Gesamtauflage 270). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Liebermanns Lithographien illustrieren 21 Anekdoten des Dichters. – »Es ist das erste Mal, daß der große Maler auch als Illustrator vor die Öffentlichkeit tritt. […] Liebermann hat Kleist mit Menzelischer Laune aufgefaßt, hat aber zugleich in meisterhafter Weise seinen eigenen Illustrationsstil gefunden […] Von den Schwierigkeiten, die der Krieg dem Buchgewerbe bereitet, ist in diesem Werke nicht zu spüren« (aus der beiliegenden Verlagswerbung, einem mit drei Lithographien geschmücktem Doppelblatt).

33 : 25 cm. 74 (paginiert 76) Seiten. – Einbandränder vorn etwas fleckig.

Schiefler 226-282. – Schauer II, 86

773  Max Liebermann – Das Buch Ruth.

€ 2000

Mit Original-Lithographien von Max Liebermann. Berlin, Propyläen 1924. Mit neun Lithographien, davon fünf ganzseitig und signiert. Bordeauxroter Originalmaroquinband mit Vergoldungen.

Eins von 50 Vorzugsexemplaren auf Japan-Bütten und in Ganzleder gebunden (Gesamtauflage 200). – »Max Liebermann war von den deutschen Impressionisten derjenige, der sich am wenigsten für die Buchillustration erwärmen konnte. […] In seinem Spätwerk, zwischen 1915 und 1927, haben ihn Illustrationen jedoch stark beschäftigt und gemessen am insgesamt kleinen Umfang seines graphischen Œuvres ist die Bedeutung der Illustration nicht zu unterschätzen. Zweimal widmete sich Liebermann Texten aus dem Alten Testament […] Für den Künstler steht hierbei nicht die Handlung an sich, sondern das individuelle Schicksal der beteiligten Personen im Vordergrund« (Ann-Katrin Hahn, in Slg. Classen).

43,1 : 31,4 cm. [24] Seiten. – Einband mit leichten Druckstellen und etwas berieben. – Gelegentlich leicht stockfleckig.

Schauer II, 86. – Lang, Impressionismus 116. – Achenbach 91–99. – Slg. Classen 45

774  Thomas Mann. Buddenbrooks.

€ 600

Verfall einer Familie. Roman. 2. Auflage. Berlin. S. Fischer 1903. Farbig illustrierter Originalleinenband.

Die erste einbändige ist zugleich die erste Ausgabe mit der biedermeierlichen Umschlagzeichnung von Wilhelm Schulz, der schon 1898 den Umschlag von Thomas Manns erstem Buch illustriert hatte. Lange Jahre hindurch sollte seine Lübecker Straßenszene die Gestalt kommender Buddenbrook-Auflagen prägen, »[…] jetzt erhielt der Roman die Gestalt, in der er seine erstaunliche, am wenigsten von seinem Autor vorausgesehene Laufbahn beginnen sollte« (Kat. Marbach).

18,2 : 13,0 cm. [4], 566; 539, [5] Seiten. – Kanten minimal berieben. – Vortitel mit Besitzerstempel, Innendeckel mit Exlibris (Bruno Girardoni, Bremer Spinnereibesitzer, 1864–1934).

Potempa D 1.2. – Pfäfflin 68

775  Thomas Mann. Zwei Novellen.

€ 400

Nicht im Buchhandel. Liebesgabe für deutsche Kriegsgefangene. Bern, Verlag der Bücherzentrale für deutsche Kriegsgefangene [1918]. Klammergehefteter Originalhalbleinenband.

Bücherei für deutsche Kriegsgefangene, Band 20. – Herausgegeben von Hermann Hesse und Richard Woltereck. – Eins von 2500 Exemplaren. – Enthält die beiden Novellen »Das Eisenbahnunglück« und »Tonio Kröger«. – Gedruckt in der Deutschen Internierten-Druckerei Bern. – Hermann Hesse wurde für kriegsuntauglich befunden und in Bern der Deutschen Gesandtschaft zugeteilt, in deren Dienst er Kriegsgefangene in Frankreich, England, Russland und Italien mit Lektüre versorgte, Gefangenenzeitschriften herausgab und redigierte sowie einen eigenen Verlag für Kriegsgefangene aufbaute. – Sehr selten.

17,8 : 12,2 cm. 88 Seiten. – Ränder, auch die der Seiten, gebräunt.

Potempa B 15. – Mileck VII-A, 14.20

776  Thomas Mann. Tristan.

€ 1500

Radierungen von Edwin Scharff. München, Drei Masken 1922. Mit zwölf monogrammierten Radierungen im Text. Originalpergamentband mit braun-goldenem Rückenschild und Kopfschnittvergoldung, Vorderdeckel mit radierter Titelvignette.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 70 römisch nummerierten Vorzugsexemplaren, im Druckvermerk von Verfasser und Künstler signiert und mit den monogrammierten Radierungen (Gesamtauflage 340). – Fünfter Obelisk-Druck. – Satz aus der Cicero Walbaum-Kursiv, gedruckt auf Zanders-Bütten bei Mandruck, München, die Radierungen auf der dortigen Künstlerpresse unter Aufsicht des Künstlers. – Die Novelle zählt zu den Frühwerken Thomas Manns und erschien erstmals 1903. – Die Radierungen entstanden in der wohl produktivsten Schaffensphase Scharffs, kurz vor seinem Weggang aus München an die Berliner Hochschule für Bildende Künste. – Sehr selten.

25,8 : 17,5 cm. 69, [3] Seiten. – Deckel leicht stockfleckig und leicht verzogen. – Vereinzelt minimal stockfleckig, 2 Seiten etwas stärker.

Potempa E 13.3. – Sennewald 22, 3. – Lang, Expressionismus 298. – Rodenberg 448, 5

777  Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

€ 1500

Buch der Kindheit. Wien, Leipzig und München, Rikola 1922. Mit sechs signierten Farblithographien von Oskar Laske. Hellblauer Originalpappband mit zwei montierten Titelschildern.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Vorzugsexemplaren, bei denen der Druckvermerk vom Verfasser und die Lithographien vom Künstler signiert wurden (Gesamtauflage 500). – Gedruckt bei Mandruck, München, auf chamoisfarbenem Bütten, lockere Interimsbindung. – Der Roman, der letztlich unvollendet blieb, erschien erst 1954. Die erste Anregung zum Stoff soll Thomas Mann bereits 1905 durch die deutsche Ausgabe der Erinnerungen eines rumänischen Hochstaplers erhalten haben. Er begann etwa 1910 mit ersten Niederschriften, aus denen ein Bruchstück 1911 im Almanach des S. Fischer-Verlages abgedruckt wurde.

30,7 : 24,7 cm. 65, [3] Seiten, 6 Lithographien. – Rückenschild etwas gebräunt. Die ersten 4 Blätter mit geglätteter Knickfalte (Widmungsblatt nicht betroffen).

Potempa D 12.1

778  Thomas Mann. Unordnung und frühes Leid.

€ 1800

Novelle. Berlin, S. Fischer 1926. Mit einer radierten Titelvignette von Karl Walser. Illustrierter Originalpappband mit farbig illustriertem Originalschuber. – Widmungsexemplar.

Mit eigenhändiger Widmung des Autors für seine Tochter Erika Mann auf dem Vorsatzblatt: »Eri zum Geburtstag 1926« – Heine/Schommer (118/119) verzeichnet Widmungen des »Zauberers« in diesem Buch für Sohn Klaus (»zum Geburtstag 1926«) und für Bruder Heinrich (»zu Weihnachten 1926«). Die Anrede »Eri« für seine Tochter empfand Thomas Mann sicher als besonders vertraut. Bereits Weihnachten 1919 widmete er »Der lieben Eri« ein Exemplar der »Buddenbrooks« und zeichnete mit »Pielein« (H./S. 58). – Als Erika Mann 1905 als erstes von sechs Kindern zur Welt kam, zeigte sich der 30jährige Vater nicht eben erfreut: »Es ist also ein Mädchen: eine Enttäuschung für mich«, schrieb Thomas Mann – »unter uns« – an den Bruder Heinrich. Später war Eri ihres Vaters Lieblingskind und hat wesentliche Etappen seines Weges begleitet und beeinflusst. – »Die geschilderte Familie des Geschichtsprofessors Cornelius ist Manns eigene zur Zeit der Inflation, der die bereits früher geplante Erzählung die entscheidende Konstellation verdankt. Zeitgeschichte wird im Reflex aufs Private festgehalten. Dabei geht es weniger um die ausführlich beschriebene Änderung der materiellen Lebensumstände einer bürgerlichen Familie als um die von Veränderung bedrohte bürgerliche Gesellschaft« (KNLL XI, 9742). – In der Zeitschrift »Querschnitt« veröffentlichten Erika und Klaus Mann 1928 die von Ottomar Starke illustrierte Parodie »Unordnung und späte Freude«.

16 : 11 cm. 126, [2] Seiten. – Gelenke fachgerecht und unauffällig restauriert, insgesamt sehr schönes Exemplar.

Potempa E 29.2. – Heine/Schommer 116 (dort wohl versehentlich mit der Paraphe »Z«). – Badorrek-Hoguth B 60.1

779  Thomas Mann. Die Forderung des Tages.

€ 1000

Reden und Aufsätze aus den Jahren 1925–1929. Berlin, S. Fischer 1930. Originalleinenband mit Schwarz- und Goldprägung. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe dieser Sammlung, erschienen innerhalb der »Gesammelten Werke in Einzelausgaben«. – Vorsatzblatt mit Bleistiftwidmung »Lavinia Mazzucchetti herzlich verbunden | München 17. XI. 29 | Thomas Mann«. – Die Germanistin Lavinia Mazzucchetti übersetzte 27 Werke von Thomas Mann ins Italienische. Heine/Schommer verzeichnen allein fünf Widmungen zwischen 1930 und 1954.

18,7 : 12,4 cm. 417, [11] Seiten. – Unterrand und Rücken mit leichtem Wasserrand, entsprechend die ersten 30 Blätter mit ganz kleinem Wasserfleck im Fußsteg. Vorderes Innengelenk leicht angeplatzt.

Potempa B 67

780  Thomas Mann. A Sketch of my Life.

€ 1200

Translation has been made by H. T. Lowe-Porter. Paris, Harrison 1930. Originalhalbpergamentband; Rückentitel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet.

Erste englische Ausgabe und erste Buchausgabe überhaupt. – Eins von 75 römisch nummerierten Exemplaren der signierten Vorzugsausgabe, die auf Japanpapier gedruckt und in Halbpergament gebunden wurden (Gesamtauflage 785). – Mit dem montierten Korrekturzettel, dass durch eine Zuwendung des Verfassers 75 (statt 50) Vorzugsexemplare gedruckt werden konnten. – Gestaltet von Monroe Wheeler und als viertes Deluxe-Buch des Pariser Verlegers Harrison erschienen. – Der Text war im Juniheft der Zeitschrift »Die Neue Rundschau« erschienen, mit so vielen Druck- und Namensfehlern, dass der Verlag im nächsten Heft eine Entschuldigung abdruckte. Nahezu zeitgleich erschien eine japanische Ausgabe, die dort dem Schulgebrauch diente. – Makellos.

19,8 : 14,7 cm. 69, [3] Seiten.

Potempa G 445.2

781  Thomas Mann. A Sketch of my Life.

€ 400

Translation has been made by H. T. Lowe-Porter. Paris, Harrison 1930. Originalleinenband mit schwarzgeprägten Titeln. Im Originalschuber mit großem Deckelschild.

Erste englische Ausgabe und erste Buchausgabe überhaupt. – Eins von 15 Exemplaren »Not for sale«, mit Bleistift nummeriert als »1/15« (Gesamtauflage 785). – Gestaltet von Monroe Wheeler und in Darmstadt auf Van Gelder-Bütten gedruckt. – Der Text war im Juniheft der Zeitschrift »Die Neue Rundschau« erschienen, mit so vielen Druck- und Namensfehlern, dass der Verlag im nächsten Heft eine Entschuldigung abdruckte. Nahezu zeitgleich erschien eine japanische Ausgabe, die dort dem Schulgebrauch diente.

20,3 : 14,8 cm. 69, [3] Seiten. – Vorsatzblatt etwas gebräunt, sonst tadellos.

Potempa G 445.2

782  Thomas Mann. Nocturnes.

€ 250 ( R7 )

With Lithographs by Lynd Ward. New York, Equinox Cooperative Press 1934. Mit sieben Lithographien, drei davon blattgroß. Illustrierter Originalleinenband mit Rückenschild.

Neunte Publikation der Equinox Cooperative Press. – Eins von 990 Exemplaren (Gesamtauflage 1000). – Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Die Novellen »Ein Glück« (1904), »Schwere Stunde« (1905) und »Das Eisenbahnunglück« (1909) erschien hier erstmalig in englischer Übersetzung (von H. T. Lowe-Porter).

21,8 : 15,0 cm. 61, [3] Seiten. – Rücken etwas gebräunt.

Potempa II, T 296. – Exilarchiv 3898

783  Thomas Mann. The Beloved Returns.

€ 400 ( R7 )

Lotte in Weimar. Translated from the German by H. T. Lowe-Porter. New York, Alfred A. Knopf 1940. Originalhalbleinenband mit Deckel-, Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Erste amerikanische Ausgabe. – Eins von 375 Exemplaren (Gesamtauflage 395). – Im Druckvermerk vom Autor signiert und nummeriert. – »Lotte in Weimar« erschien zuerst 1939 bei Bermann-Fischer in Stockholm.

25,2 : 16,9 cm. [16], X, 453, [11] Seiten. – Einige Seiten leicht stockfleckig.

Potempa II, T 329.1. – Exilarchiv 3890

784  Thomas Mann. Nachruf auf einen Henker.

€ 200

– In: Die andere Seite. Erstes Heft. [London 1942]. Mit 17 Abbildungen nach Fotografien und Zeichnungen. Grau-rote Originalbroschur.

Erstdruck einer Rundfunkansprache Thomas Manns, die er im Juli 1942 hielt. – Der »Henker des Dritten Reiches« Reinhard Heydrich war am 27. Mai 1942 bei einem Attentat, der Operation »Anthropoid«, von zwei tschechischen Geheimdienstoffizieren schwer verletzt worden. Er starb einige Tage später an einer Sepsis den »natürlichsten Tod also, den ein Bluthund wie er sterben kann« (Thomas Mann). Die Folge des Attentats waren Racheaktionen im »Großdeutschen Reich«, der Ort Lidice wurde ausgelöscht – alle Männer wurden hingerichtet, die Frauen ins KZ Ravensbrück verschleppt. – Die kleinformatigen Flugblattbroschüren »Die andere Seite« wurden von der Royal Air Force von Herbst 1942 bis ins Frühjahr 1945 über Deutschland abgeworfen. Insgesamt enthielten vier Hefte der Reihe Beiträge von Thomas Mann, die 1945 gesammelt in »Deutsche Hörer« erschienen. – Weitere Beiträge in Heft 1 stammen von Sigruid Undset, G. B. Shaw, H. A. Wallace, sowie anonymen bzw. unbekannten Verfassern. – Tadellos erhalten.

13,5 : 10,5 cm. 32 Seiten. – Letztes Blatt mit Stempel.

Potempa G 855.1

785  Thomas Mann. Leiden an Deutschland.

€ 250 ( R7 )

Tagebuchblätter aus den Jahren 1933 und 1934. Los Angeles, Pazifische Presse, und New York, Mary S. Rosenberg 1946. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel, im Stil des Originals.

Erste Ausgabe. – Neunter Privatdruck der Pazifischen Presse. – Eins von 250 Exemplaren der vom Autor signierten Vorzugsausgabe (Gesamtauflage 500). – Siehe KatNr. LFDNR 398.

23,7 : 16,2 cm. 108, [4] Seiten. – Einband erneuert. – Titelblatt rückseitig mit Bibliotheksstempel.

Potempa G 919.1

786  Thomas Mann – Exiled Author honored at Yale.

€ 400

Fotografie (Vintage, Silbergelatine). 1938. 14,1 : 26,5 cm (16,9 : 27,0 cm).

Die Fotografie entstand am 22. Juni 1938 in der Woolsey Hall der Yale University anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde. – Blick über das Auditorium auf die Bühne. Dort steht – mit dem Rücken zum Publikum – Thomas Mann, im Begriff von Charles Seymour, dem Präsidenten der Universität, die Urkunde zu erhalten. – Rückseitig mit Copyright-Stempel »International News Photos New York«, einem Eingangsstempel »Received Examiner Reference Library June 25, 1938« und einem Aufkleber mit dem Pressetext.

Minimale Knickfalten, unten kleine Beschädigung der Bildschicht.

787  Thomas Mann – Thomas und Erika Mann.

€ 400

Fotografie (Vintage, Silbergelatine). 1941. 20,7 : 25,3 cm.

Großes Doppelporträt von Vater und Tochter, wohl im Hafen von New York aufgenommen. – Rückseitig mit Datierung (?) »8/20/41«, dem Copyright-Stempel »King Features Syndicate, Inc. | International News Photos New York« und einem aufgeklebtem Pressetext: »One of the eminent eloquent advocates of democracy in the world is Nobel-Prizeman Thomas Mann, above with writer-lecturer daughter Erika. He filed his first papers for American citizenship in 1938. Erika, wife of an British writer, took the same step.«.

788  Erika und Klaus Mann. Rundherum.

€ 300

Mit 35 Reise-Photographien. Berlin, S. Fischer 1929. Mit 35 Abbildungen nach Fotografien auf sechs Tafeln. Illustrierte Originalbroschur mit -schutzumschlag.

Erste Auflage. – »Länder, Menschen, Abenteuer. Alles gesehen mit den Augen zweier frischer, vagabundierender junger Menschen« (Umschlagtext). – Anfang 1927 brechen Klaus und Erika Mann zu einer gemeinsamen Reise auf. Als »Literary Mann Twins« reisen sie um die Welt. Das intellektuelle und künstlerische Publikum zeigt sich fasziniert von den schönen, begabten Geschwistern. Um ihre Reisewut und den wachsenden Alkohol- und Drogenkonsum finanzieren zu können, unterwirft sich nun auch Erika dem »Familienfluch« der Schriftstellerei. Mit Klaus schreibt sie den Reisebericht »Rundherum«. – Schwer lastete später die Trauer über den Selbstmord ihres Bruders Klaus auf Erika: »Waren wir doch Teile von einander – so sehr, dass ich ohne ihn im Grunde gar nicht zu denken bin« (deutschlandfunk.de). – Der Originalschutzumschlag mit dem berühmten Doppelporträt ist selten geworden.

21,3 : 14,0 cm. 165, [3] Seiten. – Schutzumschlag mit Einrissen und kleinen Randläsuren, größere Fehlstelle am Rücken.

789  Katia Mann. Meine ungeschriebenen Memoiren.

€ 300

Herausgegeben von Elisabeth Plessen und Michael Mann. 21.–30. Tausend. Frankfurt am Main, S. Fischer 1974. Originalpappband mit -schutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Mit eigenhändiger Widmung der Witwe Thomas Manns für »Professor Hans Wysling, dem treuen Hüter, mit allen guten Wünschen zugeeignet. Kilchberg, Oktober 1974 Katia Mann«. – Der Literaturwissenschaftler und Thomas-Mann-Forscher Hans Wysling (1926–1995) leitete von 1962 bis 1993 das Thomas-Mann-Archiv in Zürich.

19,5 : 12,0 cm. 174, [2] Seiten. – Rücken verfärbt.

790  Pazifische Presse. – Elf Werke

€ 4000 ( R7 )

[alles Erschienene.] Los Angeles, Pazifische Presse, und New York, Mary S. Rosenberg 1942–1948. Elf Halblederbände, sieben originale, vier im Stil der Originale erneuert, alle mit vergoldetem Rückentitel. Zusammen in Kassette.

Je eins von 150 (ab Band VIII 250) Vorzugsexemplaren, vom jeweiligen Autor signiert und in Halbleder gebunden. – I. Thomas Mann. Thamar. 1942. Erstdruck dieses Auszugs aus »Joseph, der Ernährer« (erschien erst 1943). – II. Franz Werfel. Die Geschichte vom wiederhergestellten Kreuz. 1942. – III. Bruno Frank. Sechzehntausend Francs. 1943. – IV. Leonhard Frank. Mathilde 1943. – V. Friedrich Torberg. Mein ist die Rache. 1943. – VI. Alfred Neumann. Gitterwerk des Lebens. 1943. – VII. Alfred Döblin. Nocturno. 1944. – VIII. Thomas Mann. Das Gesetz. 1944. Erste Ausgabe. – IX. Thomas Mann. Leiden an Deutschland. 1946. Erstausgabe. – X. Franz Werfel. Gedichte aus den Jahren 1908–1945. 1946. – XI. Lion Feuchtwanger. Wahn oder Der Teufel in Boston. [1948]. – Alle in kleiner Auflage erschienen, die ersten sieben Ausgaben wurden in einer Auflage von nur 250 Exemplaren veröffentlicht, keine der folgenden war höher als fünfhundert Exemplare. – Mit Ausnahme von Bruno Franks Beitrag, der bereits 1940 in Amsterdam erschienen war, sind alle anderen Erstdrucke.
Felix Guggenheim und Ernst Gottlieb gaben am 30. Oktober 1942 die Gründung der Pazifischen Presse bekannt: »Wir möchten ein Zeugnis für die herausragende kulturelle Kraft sein, die von Hitler vertrieben wurde und in Amerika einen sicheren Hafen gefunden hat. […] Wir sind diesen Autoren zu Dank verpflichtet und hoffen, ihnen auf diese Weise zu danken. Sie sind schließlich das beste und wertvollste [Talent], das wir in unserer neuen Heimat für uns zeigen müssen« (aus: Aufbau, 30.X.1942). Die Auswahl beruhte hauptsächlich auf persönlichen Beziehungen zu den Autoren. Finanziert wurde die Arbeit durch den Verkauf an Subskribenten vor dem Druck der beiden verschiedenen Versionen: einer regulären Halbleinenausgabe und einer Luxusausgabe, signiert und in Halbleder gebunden. Insgesamt erschienen elf Werke. Beide Verleger sahen voraus, dass die Pazifische Presse mit Kriegsende ihre historische Bedeutung verlieren würde; die Arbeit in dieser Zeit legte den Grundstein für den weiteren Berufsweg der beiden Verleger – Ernst Gottlieb wurde Antiquar, Felix Guggenheim Literaturagent.

Ca. 25 : 16 cm. – Einige Bände neu aufgebunden und mit erneuertem Rücken (I, III, V, VIII), Band X an der vorderen Kante bestoßen.

Exilarchiv 3868, 6417, 1552b, 1575, 5944, 4274, 1114, 3859, 3886, 6358 und 1443. – Thomas Mann: Potempa D 8.6, E 32.2 und G 919.1. – Franz Werfel: Spalek/Hawrylchak 284 und 58

791  Freier Deutscher Kulturbund in Großbritannien – Sammelband mit zwölf Publikationen.

€ 450

London 1942–1945. Pappband der Zeit.

Alle mit Titel- bzw. Umschlagblatt. – I. Unser ist der Morgen. August 1942. – II. Woman under the Swastika. 1942. – III. Gekabelt aus Moskau. 1943. – IV. Erich Weinert. Die fatale letzte Patrone. 1943. – V. Der falsche Magier. Gedichte und Essays. 1943. – VI. The War as seen by Children. 1943. – VII. Hans Siebert. Der Fall Professor Huber. 1943. – VIII. Jürgen Kuczynski. Freie Deutsche damals und heute. 1944. – IX. Theodor Plivier. Der Igel. Die Geschichte vom Untergang einer Nazi-Bastion an der Ostfront. 1944. – X. Das Wesen der Freiheit. 1944. – XI. [Rita Hausdorff]. Silesian story. The Story of a Jewish Family in Germany. 1944. – XII. Karl Wollf. Schiller und die Idee der Freiheit. 1945. – 1939 gründeten deutsche und österreichische Emigranten in London den Freien Deutschen Kulturbund (Free German League of Culture), den Vorsitz hatte zunächst Alfred Kerr, später auch Oskar Kokoschka und Stefan Zweig. Bekannte britische Intellektuelle und Künstler unterstützten die Vereinigung und übernahmen die Schirmherrschaft über Lesungen, Ausstellungen, Vorträge, Konzerte und Theatervorstellungen. Der Kulturbund wollte sowohl die freie deutsche Kultur als auch das gegenseitige Verständnis zwischen Emigranten und der britischen Bevölkerung fördern und ermahnte zur Solidarität der Flüchtlinge mit allen demokratischen, freiheitsliebenden und fortschrittlichen Kräften. 1942 wurde das Clubhaus im Londoner Stadtteil Hampstead eröffnet, das Gebäude stellte George Bell, der Bischof von Chichester, zur Verfügung. Bell war mit Dietrich Bonhoeffer befreundet, er sprach sich öffentlich gegen die Übernahme des Arierparagraphen durch die Deutsche Evangelische Kirche aus. Die wohl erfolgreichste Aktion des FDKB war die Ausstellung »Allies inside Germany«, die im Sommer 1942 in London eröffnet und danach als Wanderausstellung unter dem Titel »We accuse – Ten years of Hitler Fascism« in vielen Städten des Landes gezeigt wurde. Kurz vor seiner Auflösung veröffentlichte der FDKB die Broschüre »Kleine Sammlung 1946«, einen Überblick über die Arbeit von Schriftstellern und Künstlern wie Heartfield, Lade, Kokoschka, Schwitters, Graetz, Balden, Schames u. v. a. im Exil.

20,5 : 14,5 cm.

Exilarchiv 6047, 6564, 1826, 6287, 1312, 6185, 5450, 3222, 4599, 6438, 2171 und 6562

792  Gerhard Marcks – Philipp Otto Runge. Von dem Fischer un syner Fru.

€ 300

Hamburg, Grillen-Presse 1955. Mit elf Holzschnitten von Gerhard Marcks im Text. Dunkelgrüner Maroquinband mit blindgeprägten Deckelfileten und vergoldetem Rückentitel. Im Schuber mit Furnierbezügen und Lederkanten.

Fünfter Druck der Grillen-Presse. – Eins von 830 Exemplaren, davon 650 für die Mitglieder der Maximilian-Gesellschaft Hamburg. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Satz aus der Garamond der Lettergieterij Amsterdam. – Gedruckt auf Hahnemühle Kupferdruck-Bütten. – Der unsignierte Einband stammt wohl von Christian Zwang, Hamburg.

23,7 : 17,7 cm. 21, [5] Seiten. – Rücken leicht verfärbt.

Lammek 486, 1–11. – Spindler 43.7 und 49.5. – Schauer II, 154

793  Frans Masereel. Die Sonne.

€ 400

63 Holzschnitte. – Die Idee. 83 Holzschnitte. München, Kurt Wolff 1920 und 1924. Mit zahlreichen Holzschnitten. Originalhalblederbände mit Rückenschild bzw. vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Beide in erster »deutscher« Ausgabe. – Je eins von 750 Exemplaren auf Bütten (Gesamtauflage je 800). Druck von den originalen Stöcken, alle späteren Auflagen wurden von Galvanos gedruckt. – 1919 hatte »Kurt Wolff – der Münchner Verleger, der gewissermaßen der Mann gewesen ist, der mich als Künstler entdeckt und hauptsächlich in Deutschland bekannt gemacht hat –, ich weiß nicht wie, ein Exemplar vom ›Stundenbuch‹ in die Hände bekommen und ist davon sehr beeindruckt gewesen. Er hat mir sogleich seinen Herstellungsleiter und künstlerischen Direktor, Hans Mardersteig, nach Genf geschickt, der später mein Freund geworden ist, und wir haben sofort einen Vertrag […] geschlossen« (Frans Masereel im Gespräch mit Pierre Vorms, Ausgabe Dresden 1967, S. 48).

16 : 12 cm.

Ritter B a 7.I und 11.1 – Göbel 536 und 627

794  Frans Masereel. Grotesk Film.

€ 500

[Berlin], J. B. Neumann [1921]. Titel, Porträt und 18 doppelblattgroße Illustrationen nach Tuschzeichnungen. Zweifarbig illustrierte Originalbroschur.

Eins von 100 Vorzugsexemplaren auf Japan (Gesamtauflage 300). – Handschriftlich nummeriert, vom Künstler signiert und datiert. – Sehr schönes Exemplar der seltenen Ausgabe.

17,8: 12,0 cm. [44] Seiten.

Ritter B a 12

795  Frans Masereel. Aventure nocturne.

€ 250

Cinquante bois gravés. Belvès, Pierre Vorms 1958. Mit 50 ganzseitigen Holzschnitten. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von zwanzig römisch nummerierten Vorzugsexemplaren auf unbeschnittenem »Pur Chiffon d’Auvergne« und einem beigelegten signierten Holzschnitt, der nicht in die Folge aufgenommen worden war (Gesamtauflage 155). – Auch der Druckvermerk signiert und nummeriert. – Die Idee zu dieser Traumgeschichte entstand bereits in den 1930er Jahren, fast 30 Jahre später wandelte und ergänzte Masereel das damals in 25 Zeichnungen fixierte Konzept. – Sehr gut erhalten.

27,5 : 21,0 cm. [8 und 6] Seiten, 50 Holzschnitte.

Ritter B a 51

796  Frans Masereel. Acht Holzschnitte zu Hemingways Erzählung »Der alte Mann und das Meer«.

€ 300

Ca. 13 : 8 cm (18,5 : 13,5 cm). Signiert.

Unnummeriertes Künstlerexemplar der Suite auf Japanpapier, Ritter nennt eine nummerierte Auflage von 100 Exemplaren in Passepartouts. – Umschlag mit eigenhändiger Widmung des Künstlers für Margarete Asmus, datiert »Nice 1961«. Suite und Buchausgabe erschienen 1961/62 im Hamburger Johannes Asmus Verlag. – Tadellos erhalten.

Ritter B a 56

797  Frans Masereel. Das Gesicht Hamburgs.

€ 200 ( R7 )

80 Original-Holzschnitte. Hamburg, Asmus 1964. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel. Im Originalschuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 850 Exemplaren (Gesamtauflage 1.025). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – »…anschaulicher, moderner und aufregender als alle noch so ausgeklügelten Fotos es einfangen können … dieses Werk gehört in die große Reihe seiner ›romans en images‹« (aus dem Vorwort von Hans Bütow). – Druckfrisches Exemplar.

24,5 : 18,2 cm. [86] Blätter. – Schuberkante angeplatzt.

Ritter B a 59

798  Frans Masereel – Carl Sternheim. Fairfax.

€ 800 ( R7 )

Geschmückt mit 10 Lithographien von Frans Masereel. Berlin, Düsseldorf und Frankfurt am Main, Galerie Flechtheim 1922. Mit zehn signierten Lithographien. Originalhalbpergamentband mit Deckelillustration.

XVII. Druck der Galerie Flechtheim. – Eins von 140 Exemplaren auf rauem altgetönten Bütten mit (Gesamtauflage 200 ). – Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert. – Carl Sternheims Erzählung »Fairfax« war bereits 1921 in einer unbebilderten Ausgabe bei Ernst Rowohlt in Berlin erschienen […] In der Zeitschrift »Der Querschnitt« äußerte sich Sternheim enthusiastisch über die Illustrationen Masereels: ›Über den Schwarzweißkünstler Masereel steht das europäische Urteil fest: ein Phänomen! […] Ich preise mich glücklich, daß Masereel sich entschlossen hat, Fairfax zu illustrieren […] Masereels himmlische Bilder zum Fairfax aber haben mir wieder bewiesen: manchmal ist Leben doch feine Sache!« (zitiert nach Jentsch). – Schönes Exemplar.

31,3 : 24,6 cm. 35, [5] Seiten. 10 Lithographien.

Ritter C a 24. – Jentsch, Expressionismus 120. – Raabe/Hannich-Bode 291.37

799  Walter Mehring. Arche Noah S·O·S.

€ 250

Neues trostreiches Liederbuch. Berlin, S. Fischer 1931. Originalbroschur mit Farblithographie von Georg Salter als Umschlagillustration.

Erste und einzige Ausgabe der ursprünglichen Fassung. Die wunderbare Lithographie »im Stil einer Kinderzeichnung zu schonungslosen zeit- und gesellschaftskritischen Songs, in denen Mehring geistreich die bürgerliche Moral seiner Zeit angreift und kommendes Unheil ›besingt‹, so in dem ›Lied der Hakenkreuzler‹« (Jürgen Holstein) entwarf Georg Salter als Einbandillustration. – Unbeschnittene Originalbroschur.

20,4 : 13,0 cm. 154, [6] Seiten. – Umschlag unten am Rücken mit Fehlstelle im unbedruckten Bereich, Umschlagränder teils hinterlegt. Hinterdeckel leicht fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 202.13. – Holstein, Salter 112 mit ganzseitiger Abbildung auf S. 95 und Blickfang 241

800  [Walter Mehring]. Naziführer sehen dich an.

€ 300

33 Biographien aus dem Dritten Reich. Paris, Editions du Carrefour 1934. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Schutzumschlag von Paul Urban. – Erste anonym erschienene Exilveröffentlichung Mehrings. – Am 27.2.1933, dem Tag des Reichstagsbrands, floh Walter Mehring, der rechtzeitig gewarnt worden war und seinerseits Ossietzky und Brecht vor der Verhaftung warnte, nach Paris. Dort erschienen 1934 sein Versband »Und Euch zum Trotz« und das vorliegende.

18,7 : 13,0 cm. 226, [2] Seiten. – Umschlagpapier an den Rändern brüchig, Rücken mit kleiner Fehlstelle und Einriss.

Exilarchiv 4034. – Nicht bei Raabe/Hannich-Bode

801  Ludwig Meidner. Septemberschrei.

€ 2000

Hymnen / Gebete / Lästerungen. Mit vierzehn Steindrucken. Berlin, Paul Cassirer 1920. Mit 14 signierten Lithographien. Originalhalbpergamentband mit Japan-Buntpapierbezügen und Kopfgoldschnitt. Im Schuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren auf handgeschöpftem Van Gelder-Bütten. – Die Lithographien sind Handdrucke der Pan-Presse. – Sowohl als bildender Künstler wie auch als Schriftsteller setzte sich Ludwig Meidner mit dem Krieg auseinander. Die während seines Kriegsdienstes entstandenen Tagebuchaufzeichnungen, von 1916 bis 1918 war er als Dolmetscher in einem Kriegsgefangenenlager, setzte er im vorliegenden Buch um und schuf mit seinem »Septemberschrei« eines der wichtigsten expressionistischen Prosawerke. »Eine Doppelbegabung fürs Literarische und Zeichnerische war der Expressionist par exellance. […] Die Zeichnungen bieten das weite Panorama der für Meidner charakteristischen Eigenarten. Sie werden beherrscht von einer in barbarischer Wildheit sich äußernden Ekstase.« (Lothar Lang, S. 55). – Aus der Bibliothek von Hanns-Conon von der Gabelentz (1892–1977), Museumsdirektor des Staatlichen Lindenau-Museums Altenburg von 1945 bis 1969.

29,9 : 22,5 cm. 75, [4] Seiten, 14 Lithographien. – Exlibris.

Raabe 203.2. – Jentsch 88. – Feilchenfeldt/Brandis 143.0. – Lang 234

802  Gabriela Mistral. Desolacion.

€ 600 ( R7 )

Poemas. New York, Instituto de las Españas en los Estados Unidos 1922. Mit einem Porträt der Dichterin. Weinroter Halbmaroquinband mit Rückenvergoldung und marmorierten Deckelbezügen und eingebundenem Originalumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vortitel von Gabriela Mistral (1889–1957) signiert, das Vorblatt mit ihrer eigenhändigen Widmung für die französische Schriftstellerin Thyde Mathilde Monnier (1887–1967). Beide Frauen hatten bereits in jungen Jahren begonnen zu dichten, Thyde Monnier erregte als 19jährige Aufsehen mit ihrem »Sonett an Mistral«. Wohl deshalb übersandte die chilenische Dichterin, die ihr Pseudonym vom Erzengel Gabriel und dem Mittelmeerwind Mistral ableitete, ihr dieses Widmungsexemplar ihres zweiten Gedichtbands. 1922 verließ Gabriela Mistral ihre Heimat und lebte zunächst in Mexiko, später in den USA. 1945 erhielt sie den Literaturnobelpreis.

19,8. : 13,7 cm. [16], 245, [11] Seiten.

803  W. [Vladimir] Nabokoff-Sirin [Nabokov]. König · Dame · Bube.

€ 750 ( R7 )

Ein Spiel mit dem Schicksal. Roman. Autorisierte Übersetzung von Siegfried von Vegesack. Berlin, Ullstein 1930. Originalleinenband mit Titel- und Deckelvignette in Schwarz- und Rot-Prägung.

Erste deutsche Ausgabe von Nabokovs zweitem Roman. – Nach seinem Erstling »Maschenka«, der in deutscher Übersetzung (»Sie kommt – kommt Sie?«) 1928 sehr erfolgreich war, zeigte sich der Ullstein-Verlag auch an dem neuen, noch ungeschriebenen Roman interessiert. Sofort nach Erscheinen der russischen Ausgabe unterzeichnete Nabokov einen Vertrag für die deutsche Ausgabe, mit der auf Empfehlung des Verlages der Schriftsteller Siegfried von Vegesack (1888–1974) beauftragt wurde.

19,5 : 13,5 cm. 265, [7] Seiten. – Leinenband in den Gelenken und an der Unterkante etwas stockfleckig. – Besitzvermerk auf Vorsatzblatt, Titel mit Namensstempel.

804  Der Orchideengarten.

€ 1200

Phantastische Blätter. Herausgegeben von Karl Hans Strobel. Erster [bis] Dritter Jahrgang [alles]. München, Wien und Zürich, Dreiländerverlag 1919–1921. Mit 51 farbigen Originalumschlägen und zahlreichen Illustrationen. Zwei Halbleinenbände der Zeit.

Vollständige Folge aller 54 Hefte der Zeitschrift (darunter drei Doppelhefte). – Die frühe und für das Gebiet der phantastischen Literatur wichtige Zeitschrift ist nicht nur wegen der Texte und Illustrationen sondern besonders wegen der Rezensionen und Anzeigen zu diesem Gebiet von besonderer Bedeutung. – Die Schriftleitung oblag Alf von Cibulka. – Mit Texten von Kasimir Edschmid, Edgar Allen Poe, A. M. Frey, Oskar Maria Graf u. v. a. – Die skurrilen Titelbilder und Illustrationen zeichneten Edwin Henel, Otto Linnekogel, Carl Rabus, Karl Ritter, E. Plaichinger-Coltelli, Sepp Frank, Lore Lepsius u. v. a., der Umschlag von Heft I/5 nach einer Zeichnung von Tom Seidmann-Freud. – Jahrgänge I und III in einem Band, Jahrgang II in einem weiteren. – Insgesamt sehr gut erhalten und so vollständig sehr selten. – Dazu: Tuschzeichnung, wohl von Karl Ritter. 17,5 : 12,0 cm. Wohl für eine Illustration in der Zeitschrift (vgl. Heft II/14, Seite 5).

29,5 : 22,0 cm. – Gelenke etwas verschlissen. – Papierbedingt die Ränder leicht gebräunt.

Dietzel/Hügel 2334. – Laakmann/Tghart 341

805  Emil Orlik. Kleine Aufsätze.

€ 250

Berlin, Propyläen 1924. Mit drei signierten Originalgraphiken sowie acht Tafeln. Originalhalblederband mit vergoldeten Titeln und Vignette.

Erste Ausgabe. – Exemplar »A«, wie die 100 der Vorzugsausgabe mit den drei signierten Originalgraphiken: »Selbstbildnis« (Radierung), »Feluka auf dem Nil« (Radierung) sowie »Drei Frauen auf der Straße« (Farbholzschnitt). – Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf fein geripptem Büttenpapier. – Breitrandig. – Das Max Slevogt gewidmete Buch enthält die Aufsätze »Beethoven«, »Leibnizens Bildnisse«, »Kleine Holzschnitte«, Texte über japanische und chinesische Farbendrucke, über Fotografie, Opernausstattung sowie »Aus meinem Leben«. – Mit einem Vorwort von Moritz Heimann.

27,2 : 19,4 cm. 54, [6] Seiten. 3 Graphiken. – Rücken verblasst.

806  Pablo Picasso. Suite de 180 dessins.

€ 450

Paris 1954. Mit 13 Farblithographien, davon eine als Titelillustration, und 167 Abbildungen, davon drei farbig, alle nach Zeichnungen von Pablo Picasso. Farbig lithographierter Originalpappband.

Verve. Revue artistique et littéraire. Vol. VIII, No. 29 et 30. – Die Zeichnungen entstanden im Winter 1953/54 in Vallauris. – Die Einbandillustration entwarf Picasso extra für diese Ausgabe. – Enthält auch einen Text von Michel Leiris sowie Einleitungen von Tériade und Rebecca West.

36,0 : 27,0 cm. [184] Seiten, 12 Lithographien. – Gelenke geplatzt, Rücken etwas gebräunt.

Kibbey 266 (amerikanische Ausgabe)

807  Emil Preetorius – Adelbert von Chamisso. Peter Schlemihls wundersame Geschichte.

€ 200

München, Hans von Weber 1907. Mit elf Tafeln in Gelbdruck und 23 Schattenrissen von Emil Preetorius. Türkisfarbener Originalpappband mit goldgeprägter Deckelillustration und Kopfgoldschnitt. – Widmungsexemplar des Künstlers.

Erster Druck des ersten von Preetorius illustrierten Werkes. – Eins von 1100 Exemplaren auf festem Bütten, die Tafeln auf Japan (Gesamtauflage 1200). – Vortitelblatt mit eigenhändiger Widmung des Künstlers »Für Karl und Hanna Wolfskehl […] in Dankbarkeit und Freundschaft | München, 5/XII 1907«. – »Für Emil Preetorius […] war die Illustration ein echtes Bündnis mit literarischen Texten und zugleich sein Eingang und Anfang als Buchgestalter.« (Georg K. Schauer). – Mit einer weiteren Widmung von Hani Heise (?) für den jungen Regisseur Hanns Farenburg »mit den besten Wünschen für die Schlemihl-Inszenierung | Berlin, Weihnachten 1941«. – Dazu: Exemplar der Neuausgabe (Leipzig, Kurt Wolff, 1919?].

24,0 : 16,8 cm. [4], 59, [1] Seiten, 11 Tafeln. – Deckel leicht fleckig, Rücken gebräunt.

Ohr 1. – Schauer I, 209

808  Imre Reiner – Gérard de Nerval. Aurélia.

€ 400

Paris, Alexandre Loewy 1970. Mit 25 signierten blattgroßen Radierungen, eine davon auf dem Umschlag, von Imre Reiner. Lose Doppelbogen in Originalumschlag, illustrierter Originalpappchemise und -schuber.

Eins von 20 römisch nummerierten Exemplaren »hors commerce« (Gesamtauflage 145). – Gedruckt auf Velin de Rives. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert.

33,5 : 26,5 cm. [192] Seiten.

Tiessen IV, 38. – Reiner III, 41. – Monod 8635

809  Rainer Maria Rilke. Larenopfer.

€ 1500 ( R7 )

Prag, H. Dominicus 1896. Halbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Buntpapier-Deckelbezug. Originalumschlag eingebunden. In privater mit Samt ausgeschlagener Kassette mit vergoldetem Titel.

Erste Ausgabe. – Rilkes zweite selbständige Veröffentlichung, noch mit seinem Vornamen »René« gezeichnet und schon zu seinen Lebzeiten sehr selten. – Bereits 1894 hatte der gerade Neunzehnjährige seinen Erstling »Leben und Lieder« drucken lassen. »Larenopfer«, eine Sammlung von 79 Gedichten, darunter »Auf der Kleinseite«, »Der Hradschin«, »Bei St. Veit«, »Kaiser Rudolf« und »Mittelböhmische Heimat«, wurde bereits Weihnachten 1895 ausgeliefert und bildet eine Abschiedsgabe des Dichters an seine Heimatstadt. Rilke verließ im Folgejahr Prag und zog nach München. – Gedruckt auf feinem Velin. – Der Entwurf des hellblauen Originalumschlags mit der großen ornamentalen Deckelvignette stammt von Valerie von David-Rhonfeld, genannt Vally. Ihr hatte Rilke seinen ersten Gedichtband gewidmet.

15,2 : 8,7 cm. III, [1], 106 Seiten, 1 Anzeigenblatt. – Zwei kleine Buchhändlermarken auf der Innenseite des Umschlags eingeklebt. – Erste und letzte Seiten im Falz neu gefasst.

Mises 2

810  Rainer Maria Rilke. Die Sonette an Orpheus.

€ 450

Geschrieben als ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop. Leipzig, Insel 1923. Türkisfarbener Maroquinband mit Vergoldung (signiert: Peters · Hahne · Hamburg).

Erste Ausgabe. – Schöner Handeinband der Hamburger Binderei Peters-Hahne: Deckelober- und -unterkanten und die äußeren Innenkanten mit unterschiedlich starken vergoldeten Fileten, Rücken mit vergoldetem Rückentitel und zwei vergoldeten Fleurons. Die Innendeckel und Vorsatzblätter wurden mit Japon nacré bezogen. – Das Werk der Hamburger Buchbinderei, die von 1927 bis 1982 bestand, würdigte 1984 eine Ausstellung in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel.

21,8 : 14,2 cm. [2], 63, [7] Seiten. – Rücken leicht verfärbt.

Mises 100. – Sarkowski 1357

811  Joachim Ringelnatz. Weitab von Lappland.

€ 450 ( R7 )

Berlin, Hermann Birkholz 1922. Mit einem signierten lithographierten Ringelnatz-Porträt von H. E. Linde-Walther und zwei ganzseitigen monogrammierten Lithographien von Paul Haase. Originalbroschur mit Buntpapierbezug.

Zwölfter Erasmusdruck. – Erste Ausgabe. – Eins von 200 Exemplaren. – Das Porträt des Dichters wurde von ihm und dem Künstler signiert. – Das Buch widmete Ringelnatz dem Dichter Arno Holz.

30,0 : 21,5 cm. [20] Seiten. – Bezugspapier an den leicht Rändern gebräunt, am Rücken mit kleinen Fehlstellen.

Kayser/des Coudres 20. – Rodenberg 153, 12

812  Karl Rössing – Nikolaus Gogol. Taras Bulba.

€ 250 ( R7 )

Mit 30 Holzschnitten von Karl Rössing. Wien, Leipzig und München, Rikola 1922. Mit 30 Holzschnitten, davon acht ganzseitig und zwölf als figürliche Initialen, und Holzschnittvorsatzpapieren. Originalhalbpergamentband mit Buntpapierdeckelbezügen und Kopfgoldschnitt.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 150 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf »besserem Papier«, vom Künstler im Druckvermerk signiert und in Halbpergament gebunden. – Gesetzt aus der Ehmcke-Schwabacher und gedruckt unter Aufsicht von F. H. Ehmcke, Rössings Lehrer an der Königlichen Kunstgewerbeschule München, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. – Karl Rössing (1897–1987) gilt als Wiedererwecker des Holzstichs, »einer Technik, die […] im 19. Jahrhundert zur rein mechanischen Wiedergabe von Reproduktionskunst verflacht war.« (Roswitha Mair) – Sehr schönes Exemplar dieser frühen Illustrationsfolge, in der Vorzugsausgabe selten.

24,4 : 18,6 cm. 148, [4] Seiten.

Eichhorn/Mair 1.10.1

813  Nelly Sachs. Eli

€ 300 ( R7 )

Ein Mysterienspiel vom Leiden Israels. Malmö, Forssell 1951. Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Eins von 200 Exemplaren. – Im Druckvermerk von der Autorin signiert. – Gedruckt in Blau und Schwarz. – Erste Gedichte schrieb Nelly Sachs (1891–1970) mit 17 Jahren. 1921 erschien mit Unterstützung des Schriftstellers Stefan Zweig ihr erster Gedichtband unter dem Titel »Legenden und Erzählungen«, ihre Gedichte wurden in der Vossischen Zeitung, dem Berliner Tageblatt und der Zeitschrift »Jugend« veröffentlicht. Sie wuchs in einer liberal-jüdischen Familie auf, erst 1940 und dann in buchstäblich letzter Minute entschloss sie sich, vor der Bedrohung der Nationalsozialisten zu fliehen und emigrierte nach Schweden. Nelly Sachs, eine der bedeutendsten Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts, erhielt 1966 für ihre lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren, den Nobelpreis für Literatur.

24,9 : 17,9 cm. 74, [4] Seiten. – Rücken gebräunt. Deckel mit Lichtschatten.

Kersten 17

814  Paul Scheerbart. Immer mutig! Ein phantastischer Nilpferderoman mit dreiundachtzig merkwürdigen Geschichten.

€ 250

Erster [und] Zweiter Teil. Minden, J. C. C. Bruns 1902. Mit zahlreichen Vignetten des Verfassers. Blaue Originalpappbände mit goldgedruckten Deckelvignetten.

Erste Ausgabe. – Exemplar der allgemeinen Ausgabe, die vom Verfasser im Druckvermerk »angekündigte« Vorzugsausgabe auf gegerbter Menschenhaut (Preis 50.000 RM) ist dankenswerter Weise nie erschienen. – Gewidmet Max Bruns, dem Verleger des Buches, mit dem Scheerbart mehrere Jahre in Briefkontakt stand.

16,0 : 11,5 cm. [8], 235, [1]; [4], 250, [2] Seiten. – Rücken minimal gebräunt.

Kohnle S. 33. – Raabe/Hannich-Bode 260.10

815  Paul Scheerbart. Jenseits-Galerie.

€ 750

Berlin, Oesterheld 1907. Zehn Strichätzungen nach Zeichnungen. Mit einem Text-Doppelblatt lose in grüner Originalleinenmappe mit rotgeprägtem Titel.

Erste Ausgabe. – Auf Bütten. – Auf dem Titelblatt von Scheerbart in roter Tinte nummeriert »No. 305« und signiert. – Aus Scheerbarts »wissenschaftlicher« Einleitung: »Die zehn vorliegenden Zeichnungen sind Nachbildungen von dem, was wir jenseits der Neptunsbahn entdeckt haben.« Scheerbart bezeichnete diese Zeichnungen von »Asteroïdenbewohnern mit vielen neuen Organen und bisher noch nie gezeigten Gliedmaßen« 1904 als seine bis dato gelungenste Produktion. In der »Jenseits-Galerie« »gibt er seinen Wortträumen in seltsamen surrealen Phantasiewesen, die an Redon erinnern, optischen Ausdruck« (Hans Bolliger). – Scheerbart entwarf und kalligraphierte auch den Titel für den Mappendeckel. – Sehr schönes Exemplar.

29,3 : 19,5 cm. [4] Seiten, 10 Tafeln.

Kohnle S. 37. – Raabe/Hannich-Bode 260.19. – Dokumentations-Bibliothek II, 363

816  Rudolf Alexander Schröder. Lieder an eine Geliebte.

€ 250

Berlin, Verlag der Insel bei Schuster & Löffler 1900. Originalpappband mit Deckelvignette und Rückenschild.

Erste Ausgabe von Schröders zweiter Buchveröffentlichung. – Eins von 300 Exemplaren auf Insel-Bütten (Gesamtauflage 315). – Ein Teil der Auflage erhielt später ein neues Titelblatt mit der Leipziger Verlagsadresse. – Gedruckt bei W. Drugulin, Leipzig. – Die beiden »Tulpenvignetten« und die große »Tulpeninitiale« entwarf der Dichter selbst. – Schönes Exemplar.

18,2 : 12,8 cm. Seiten [3]–72, so aber wohl vollständig.

Sarkowski 1541. – Adolph 2

817  Rudolf Alexander Schröder. Sonette zum Andenken an eine Verstorbene.

€ 500

Probeband mit Andrucken, eigenhändigen Manuskriptseiten, Entwurfszeichnungen und Skizzen. [München 1903/04].

Aus dem Nachlass des Dichters. – Rudolf Alexander Schröder gehörte 1899 neben Heymel und Bierbaum zu den Gründern des Insel-Verlages. – Ca. 150 Blätter holländisches Bütten. – Inhalt: Probedrucke der ersten 24 Sonette (I–XII und Zweites Buch I–XII) mit einigen Abweichungen zu den endgültigen Fassungen, die 1904 im Insel-Verlag erschienen. – Zwei Seiten mit Bleistiftskizzen und Entwurf der Titelvignette, vier weitere Skizzenblätter. – Drei Seiten mit eigenhändigen Gedichtmanuskripten. – Eine Seite mit Musiknoten (Tuschfeder und Bleistift) und kleinem Zierstück. – Schlichter Pappband (28 : 23 cm), mit vielen Leerseiten, Rücken fehlt.

Vgl. Adolph 6 und Sarkowski 1545

818  Rudolf Alexander Schröder – William Shakespeare. Sturm.

€ 200

Deutsch von Rudolf Alexander Schröder. Letzte Fassung. Frankfurt am Main, Gesellschaft der Bibliophilen 1959. Mit neun Illustrationen von Werner Peltzner. Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Über die Auflage von 1000 gedrucktes Exemplar mit eigenhändiger Widmung von Schröder »der lieben Nachbarin Weihnachten 1959 in alter Anhänglichkeit«. – Gesetzt aus der Shakespeare-Antiqua von Kleukens, in Rot und Schwarz gedruckt auf der Mainzer Eggebrecht-Presse. – Schönes Exemplar.

30,5 : 22,0 cm. 98, [6] Seiten. – Rücken leicht verfärbt.

819  Otto Schubert – Johann Wolfgang von Goethe. Reineke Fuchs.

€ 400 ( R7 )

Zwölf Gesänge. Mit Rahmen, Initialen und Bildern gezeichnet und radiert von Otto Schubert. München, Marées-Gesellschaft R. Piper & Co. 1921. Mit 42 Radierungen, davon 33 blattgroß, und zwölf radierten Initialen. Originalpappband mit Deckel- und Rückenschild.

30. Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 185 Exemplaren auf Van Gelder-Bütten (Gesamtauflage 250). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Druck der Radierungen von Alfred Ruckenbrod, Berlin, des Textes Jakob Hegner, Hellerau. – Otto Schubert (1892–1972) studierte an der Dresdner Kunst- und Gewerbeschule und wurde dort Bühnenmaler. Nach ersten Erfolgen mit Illustrationsfolgen wurde er Mitglied der Dresdner Sezession und kam in Kontakt zu den Verlegern Piper und Flechtheim. Ein Großteil seiner Arbeiten wurde bei der Bombardierung Dresdens 1945 zerstört.

25,0 : 21,5 cm. 302, [2] Seiten. – Rücken gebräunt, Einband etwas fleckig.

Rodenberg 370. – Schauer II, 88. – Sennewald 21, 1

820  Anna Seghers. Das siebte Kreuz.

€ 750 ( R7 )

Roman aus Hitlerdeutschland. Mexiko, El Libro Libre 1942. Originalpappband.

Erste deutsche Ausgabe. – Einer der bedeutendsten Romane der deutschsprachigen Exilliteratur, der die Flucht aus einem nationalsozialistischen Konzentrationslager schildert. – Anna Seghers begann 1938 im Exil in Südfrankreich mit der Arbeit an diesem Roman. Bereits 1939 erschien das erste Kapitel in der Moskauer Zeitschrift »Internationale Literatur« und ebenfalls 1942 die vollständige englische Ausgabe in den USA. – Sehr schönes Exemplar. – Dazu: Lion Feuchtwanger. Unholdes Frankreich. Mexiko, El Libro Libre 1942. Originalbroschur. Erste deutsche Ausgabe, ein Jahr zuvor erschien die englische Übersetzung »The Devil in France«. Leicht abgegriffen.

19,7 : 15,7 cm. [3–]468, [4] Seiten, so vollständig.

Exilarchiv 5396 und 1431. – Melzwig 657.1 (nur I)

821  [Hugo Sonnenschein]. Die Legende vom weltverkommenen Sonka.

€ 200

Leipzig, Zürich, Wien, E. P. Tal 1920. Illustrierter Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Hugo Sonnenschein (1889–1953) publizierte seine Gedichte unter dem Pseudonym »Sonka«. – »Ichgott, Geuse Einsam:/Judenjunge, Slowakenkind/Kulturbastard«, so charakterisierte sich Sonka selbst. Als radikaler Pazifist wurde er im Ersten Weltkrieg mehrfach inhaftiert, war nach 1918 in linksoppositionellen Gruppen tätig und Gründungsmitglied der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei. Als er gegen Trotzkijs Verbannung protestierte, wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Nach der deutschen Besetzung des Landes wurde er verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Sonnenschein überlebte den Faschismus – und ging im Stalinismus zugrunde: Im Mai 1945 wurde er in Prag wegen angeblicher Kollaboration mit den Nazis verurteilt und starb acht Jahre später im Zuchthaus.

23,3 : 15,5 cm. 40, [4] Seiten. – Kanten schwach berieben.

Raabe/Hannich-Bode 282.7

822  Carl Sternheim. Tabula Rasa.

€ 300 ( R7 )

Ein Schauspiel. Leipzig, Kurt Wolff 1916. Originalhalbpergamentband mit Kopfgoldschnitt.

Als Manuskript gedruckt. »Ich verbiete die Aufführung dieses Schauspiels für die Kriegszeit. Carl Sternheim.« – Eins von 1000 Exemplaren. – Archivexemplar des Kurt Wolff Verlags, München, mit eingeklebter Archivmarke auf dem Vorsatz, dort ebenso Exlibris Carl Winter, Heidelberg (Mitinhaber des Winter-Verlags). – Beiliegend eigenhändiger Schenkungsvermerk von Carl Sternheim: »Rudolf von Richter (?) für ein schönes Pastellbild von mir. Berlin 11/11 1929«.

26,3 : 20,0 cm. 132, [4] Seiten. – Einband fleckig. Ecken leicht bestoßen. Oberes Kapital gestaucht. – Hinteres Innengelenk gebrochen.

Raabe/Hannich-Bode 291.20

823  Hermann Struck. Die Kunst des Radierens.

€ 300

Ein Handbuch. 10.–14. Tausend. Berlin, Paul Cassirer 1923. Mit vier Originalgraphiken. Schwarzer Originalleinenband mit goldgeprägter Deckelillustration.

Fünfte Auflage, unter Mitwirkung von Karl Schwarz bearbeitet. – Mit Radierungen von Max Liebermann (»Eislaufen«, Achenbach 59c ) und Hermann Struck (»Marc Chagall«), einer Lithographie von Oskar Kokoschka (»Sitzende Frau«, Wingler/Welz 159) und einem Holzschnitt von Ernst Barlach (»Verliebte Reverenz«, Schult 223). – Hermann Struck, selbst Künstler, liefert einen bis heute grundlegenden Überblick über Technik und Werkzeug, künstlerische Entwicklung und herausragende Beispiele der Radierkunst. – Tadellos erhalten.

25,4 : 19,5 cm. 331, [1] Seiten. 4 Graphiken.

Söhn HDOG 265

824  Eduard Stucken. Grotesken.

€ 300

Fünfzig Originallithographien. Berlin, Erich Reiss [1923]. 50 ganzseitige in Grün gedruckte Lithographien. Originalpergamentband mit vergoldeten Titeln und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 20 Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Zandersbütten (Gesamtauflage 75). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gedruckt auf der Handpresse von H. Birkholz, Berlin. – Eduard Stucken (1865–1936) war ein erfolgreicher Schriftsteller, besonders sein vierbändiger Roman »Die weißen Götter« (1918–1922) machten ihn populär. Seine hier versammelten, wahrhaft grotesken, bildlichen Einfälle stellen ein Unikum in seinem Œuvre dar. – Als Einleitung ein Gedicht von Stucken (»War’s meiner Seele Hölle […]«). – Tadellos erhalten.

25,0 : 20,5 cm. [54] Blätter.

Halbey, Reiss 23:18

825  Ernst Toller. Hoppla, wir leben.

€ 300

Ein Vorspiel und fünf Akte. Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1927. Originalpappband. – Mit zwölf Schauspielersignaturen.

Erste Ausgabe. – Wohl 1987 bei einer Aufführung des Toller-Stücks von Willi Schmidt einem »aufmerksamen Zuschauer« gewidmet. Dieser sammelte, teils in den Folgejahren, auf dem Titel- und Widmungsblatt Signaturen der mitwirkenden Schauspieler Boy Gobert, Werner Hinz, Wilhelm Borchert, Helmut Wildt, Martin Heldt, Jürgen Thormann, Bernhard Minetti u. a.

18,5 : 12,3 cm. 141, [3] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 303.12

826  Gustaf Gründgens. Wirklichkeit des Theaters.

€ 300 ( R7 )

Einbandzeichnung von Theo Otto. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1953. Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

»In diesem Buch sind Aufzeichnungen, Ansprachen, Reden und Vorträge vereinigt, mit welchen [Gustaf Gründgens] seine Tätigkeit in zwei Jahrzehnten begleitet hat. […] Die äußeren Erfolge, die diesen Weg ständig begleiteten, waren ihm offenbar nicht die ausreichende Bestätigung« (Einleitung). – Auf dem Vortitelblatt die eigenhändige Widmung für (Marianne Hoppe?) »Peppeline das erste Buch 6.12.53«. – Gründgens war seit 1934 Theaterintendant. Sein »wahres Ich« verbarg er so weit er konnte hinter den vielen Bühnenfiguren. »Ich habe nur eines gewollt in meinem ganzen Leben: Schauspieler sein« (Ewig Mephisto, Die Welt 6.10.2013).

19,0 : 12,0 cm. 215, [1] cm. – Rückendeckel etwas fleckig.

827  Kurt Tucholsky. Rheinsberg.

€ 250

Ein Bilderbuch für Verliebte. Mit einer Vorrede zum fünfzigsten Tausend. Mit Kupfern von Kurt Szafranski. Berlin, Axel Juncker [1921]. Mit sechs blattgroßen Radierungen und zwei radierten Vignetten. Farbig illustrierter Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Eins von 750 Exemplaren auf Velin (Gesamtauflage 1.000) der Jubiläumsausgabe. – Druckvermerk von Verfasser und Künstler signiert. – »Tucholskys erstes und unbeschwertestes Buch [EA 1912], das […] einer seiner größten Erfolge wurde, hat die Freude am Da-Sein, am Jung-Sein und an der Liebe zum Thema, der sich jedoch die wehmütige Einsicht hinzugesellt, daß dem Liebenden auch in der intensivsten Begegnung die letzte Erfüllung versagt bleibt.« (KLL X, 8157).

21,3 : 15,5 cm. 101, [3] Seiten. – Deckel gebräunt und etwas stockfleckig. Ecken bestoßen und berieben, Rücken verfärbt.

Bonitz/Wirtz C 1.3

828  Paul Valéry. Essai sur Stendhal.

€ 300 ( R7 )

Paris, Jacques Schiffrin Éditions de la Pléiade 1927. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste, bibliophile Einzelausgabe. – Eins von 30 römisch nummerierten Exemplaren »hors commerce« (Gesamtauflage 341), welche von Valery namentlich dediziert wurden, hier »à Monsieur Charles Salomon sympathique hommage de Paul Valéry«. Hierbei handelte es sich wohl um den französischen Übersetzer Charles Alphonse Salomon (1862–1935). – Auf »Velin à la Cuve B. F. K.« Mit blau eingedruckten Initialen und typographischen Verzierungen von René Ben Sussan. – Der umfangreiche Essay erschien zeitgleich innerhalb der Stendhal-Werkausgabe von Édouard Champion (siehe KatNr. ## 769) als Vorwort zu »Lucien Leuwen«.

24,3 : 17,8 cm. 102, [14] Seiten. – Umschlagrücken restauriert. – Ganz vereinzelte Seiten stockfleckig.

829  Stendhal [Marie-Henri Beyle]. Œuvres complètes.

€ 1200

Pupliées sous la direction d’ Édouard Champion [de l’année 1919: et] Paul Arbelet. 34 tomes. Paris, Librairie Ancienne Honoré Champion 1913–1934. Mit zahlreichen Tafeln und Faksimiles. Dunkelblaue Halbmaroquinbände mit vergoldeten Rückenfileten, zwei braun-goldenen Rückenschildern und Kopfschnittvergoldung.

Erste Gesamtausgabe, mit Anmerkungen und Kommentaren. – Exemplar 128, eins von 100 der dritten Vorzugsausgabe auf holländischem Bütten mit einer zusätzlichen Suite aller Tafeln auf Japon Impérial (Gesamtauflage 1235). – Vor dem Ersten Weltkrieg begonnen und sogleich wieder unterbrochen, erschienen insgesamt 32 Bände mit Werken sowie fünf Bände mit Biographie und Bibliographie. Es fehlen hier die 1938–1940 erschienenen abschließenden drei Bände »Promenades dans Rome«. Jeder Band mit Faksimiles der Titelblätter der Originalausgaben und einigen Bildtafeln und Porträts. – Werke: Vie de Henri Brulard (2), Rome, Naples et Florence (2), La vie de Rossini (2), Le rouge et noir (2), Journal (5), Histoire de la peinture en Italie (2), Racine et Shakespeare (2), Armance (1), De l’amour (2), Lucien Leuwen (4), Vie de Napoléon (1), Mémoires sur Napoléon (1), Mémoires d’un touriste (3). – Supplemente: Adolphe Paupe. La vie littéraire de Stendhal. – Henrio Cordier. Bibliographie Stendhalienne. – Paul Arbelet. La jeunesse de Stendhal (2). – Makellos, inhaltsreich und dekorativ.

22,3 : 14,3 cm, ca. 160 cm »breit«. – Die Rücken der sieben zuletzt erschienenen Bände in minimal abweichendem Blauton, einige andere minimal verblasst.

830  Emil Rudolf Weiß. Drei Monate in Spanien.

€ 200

Zeichnungen und Aufzeichnungen eines Malers. Berlin, Maximilian-Gesellschaft 1931. Mit zahlreichen in den Text eingedruckten Lithographien des Verfassers. Originalpappband mit lithographiertem Titel.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren für die Mitglieder der Maximilian-Gesellschaft. – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Emil Rudolf Weiß (1875–1942) war von 1910 bis zu seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten 1933 Professor an der Berliner Kunstgewerbeschule. In diesen Jahrzehnten schuf er ein immenses buchkünstlerisches Œuvre (Schriften, Buchschmuck, Einbandentwürfe usw.). Im Frühjahr 1923 hatte ihm Georg Hartmann, Inhaber der Bauerschen Gießerei, die Spanien-Reise finanziert, von der hier in Wort und Bild berichtet wird. – Satz aus der 1929 von Emil Rudolf Weiß für die Bauersche Druckerei entworfenen Weiss Antiqua und Kursiv. – Auf Zanders-Papier, die Lithographien in Schwarz und Rötel gedruckt. – Exlibris Rudolf Schwabe (Basler Musikjournalist und Verleger).

38,2 : 28,0 cm. Seiten [5]–215, [5], so vollständig.

Schauer II, 39

831  Josef Weisz – [Johann Wolfgang von] Goethe. Faust.

€ 400 ( R7 )

Tragödie. Erster [und] Zweiter Teil. Mit Bildern von Josef Weisz. München, Hugo Schmidt 1920. Mit 34 Illustrationen nach Lithographien. Originalpergamentbände mit Blindprägung und Vergoldung. In den Originalschubern mit Rückenschild.

Je eins von 150 Exemplaren auf Bütten. – Textrevision von Kurt Moreck. – Josef Weisz (1894–1969) gehörte »zu den Künstlern, die vorübergehend in eine epigonale Beziehung zur expressionistischen Illustration geraten waren« (Lang, S. 31). Er studierte bei F. H. Ehmcke an der Münchner Kunstgewerbeschule. Weisz’ buchkünstlerisches Werk umfasst 35 Arbeiten, die zwischen 1919 und 1962 entstanden. Sein wohl bekanntestes Werk ist die vierbändige Mappenfolge »Blumen der Alpen« mit insgesamt 100 Holzschnitten. – Tadellos erhalten.

31,4 : 23,4 cm. 157, [2]; 236 Seiten, 34 Tafeln. – Die Farbe des Pergaments beider Bände unterschiedlich.

Lang, Expressionismus 362

832  Hendrik N. Werkman – [Psalmen

€ 500

130, 43, 94 und 12 in der Übersetzung von Martin Buber]. [Heerenveen], De Blauwe Schuit Dezember 1942. Mit drei farbigen Materialdrucken, davon einer auf dem Originalumschlag.

Eins von 75 Exemplaren, die gesamte Auflage kam aus nachfolgenden Gründen nicht in den Handel. – Der niederländische Avantgardegraphiker Werkman (1882–1945) gründete 1923 das Magazin »The Next Call«. Während der deutschen Besatzung verteilte er im Untergrund an Freunde seine von Widerstand geprägten Hefte »De blauwe Schuit« (Die blaue Barke). Die etwa 40 erschienenen kleinen Hefte setzte, illustrierte und druckte er mit einfachsten Mitteln, die »Bilder« zum Beispiel von zugeschnittenen Gummiwalzen. – Kurz vor Kriegsende wurde Werkman verhaftet und von der SS zwei Tage vor der Befreiung Groningens ermordet. Seine Werkstatt und alle Drucke wurden beschlagnahmt und bei der Explosion eines Munitionslagers vernichtet. – HAP Grieshaber bewahrte ihn mit seiner »Hommage a Werkman« (siehe die folgende KatNr.) jahrzehntelang vor dem Vergessen.

26,5 : 16,2 cm. [8] Seiten. – Umschlag unten mit drei Braunflecken, innen etwas stockfleckig. Heftfaden gerissen.

Hot printing 42 g18

833  Hommage à Werkman.

€ 400

Herausgegeben von HAP Grieshaber und anderen. Stuttgart, Fritz Eggert 1957/58. Mit 31 teils farbigen Originalgraphiken von HAP Grieshaber und anderen. Originalhalbleinenband mit farbiger Deckelillustration.

Eins von 1000 Exemplaren. – Achalm-Druck 1. – HAP Grieshaber initiierte 1957 diesen typographisch aufwendigen Druck in Zusammenarbeit mit Studenten der Akademie Karlsruhe und erinnert damit an Hendrik Nicolaas Werkman, den niederländischen Avantgarde-Künstler und -Büchermacher. Bei experimentellen Arbeiten mit Lettern aus Blei und Holz, aber auch mit druckfernen Objekten – wie etwa Türscharnieren – entdeckte er die künstlerische und symbolische Kraft der Buchstaben und erfüllte sie mit neuem visuellen Leben. – Mit elf den Originalen angenäherten Wiedergaben von »De Blauwe Schuit« sowie Beiträgen und Originalgraphiken von H. L. Greve, HAP Grieshaber, A. Henkels, W. Martin, W. Sandberg, R. Ubac, H. Antes u. a. sowie Erstdrucken von Briefen Werkmans an A. Henkels. – Tadellos erhalten.

29,5 : 20,5 cm. [284] Seiten, 46 Blätter mit farbigen Abbildungen nach Werkman, 31 Graphiken, 1 Fotoabbildung, 1 Faksimile. – Vorsatzblatt mit kleinem Besitzvermerk.

Spindler 119.16. – Fichtner/Bartelke 155. – Fürst I, 57/14-19. – Dokumentations-Bibliothek VI, 94 (nennt 400 nummerierte Exemplare)

834  Käte Wilczynski – Waldemar Bonsels. Kyrie eleison.

€ 200 ( R7 )

Berlin, Eigenbrödlerverlag 1922. Mit sechs signierten Radierungen von Käte Wilczynski. Handgebundener blauer Originalkalblederband mit reicher Vergoldung.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen (Gesamtauflage 510). – Im Druckvermerk von Künstlerin und Verfasser signiert. – Auf Bütten. – Druck bei Otto von Holten, Berlin. – Herausgegeben vom Künstlerdank (Clauss-Rochsstiftung). Diese Vereinigung zur Unterstützung durch den Krieg in Not geratener Künstler »ohne Unterschied der Religion, Konfession, Nationalität und politischen Gesinnung« wurde kurz vor Kriegsende durch die Militärärzte Rochs und Clauß gegründet. Käte Wilczynski war möglicherweise die Ehefrau des Geschäftsführers der Stiftung, dem Schriftsteller Karl Wilczynski. – Waldemar Bonsels 1908 erstmals veröffentlichte Schilderung eines Sexualmordes wurde 1910 vom Landgericht München verboten, 1912 veröffentlichte er seine bis heute bekannteste Erzählung »Die Biene Maja«. – Schönes Exemplar der Vorzugsausgabe.

22,8 : 15,3 cm. [6], 54, [6] Seiten, 6 Radierungen. – Rücken leicht verfärbt. Ränder minimal berieben, Deckel mit wenigen schwachen Kratzspuren.

Hayn/Gotendorf IX, 76

835  Karl Wolfskehl. Ulais.

€ 600

Berlin, Verlag der Blätter für die Kunst 1897. Originalbroschur, Vorderumschlag mit Illustration von Melchior Lechter. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe von Wolfskehl lyrischem Erstling. – Eins von 200 Exemplaren auf gelblichem Bütten (Gesamtauflage 207). – Vortitel mit eigenhändiger Widmung Wolfskehls: »Dem verehrten Onkel seiner Hanna Herrn J. J. de Haan in herzlicher Erinnerung. Karl Wolfskehl München MCM«. – Hanna Wolfskehl (1878–1965), Tochter des in Darmstadt tätigen niederländischen Dirigenten Willem de Haan, heiratete 1898 Karl Wolfskehl, der im George-Kreis aktiv war. – Die frühe buchkünstlerische Arbeit Lechters steht in ihrer dekorativen Symbolik vollgültig neben Lechters Einbandzeichnungen für Stefan Georges »Das Jahr der Seele«, das im gleichen Jahr erschien. – Unbeschnittenes Exemplar.

21,8 : 16,8 cm. 78, [2] Seiten. – Der unbeschnittene Japanumschlag etwas braunfleckig. – Ränder etwas angestaubt, erste und vor allem letzte Seite etwas fleckig.

Raub A 10. – Landmann 82

836  Julius Zimpel – Max Glass. Don Juans Puppen.

€ 300

Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1923. Mit neun signierten Tafeln nach Steinradierungen von Julius Zimpel. Grüner Originalmaroquinband mit reicher Vergoldung (Otto Dorfner, Weimar).

Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Lithographien und in Ganzleder gebunden (Gesamtauflage 250). – Auf Bütten. – »Die Bilddrucke nach Steinradierungen von Julius Zimpel fertigten Christoph Reißers Söhne in Wien«. – Julius Zimpel (1896–1925), ein Neffe von Gustav Klimt, war Schüler von Koloman Moser und Dagobert Pesche und wurde 1923 künstlerischer Leiter der Wiener Werkstätte. »Von der Wahl des Papiers an bis zum Pressen des fertigen Buches besorgte er alles selbst. In ihm verkörperte sich das Ideal des Buchkünstlers«, charakterisierte ihn Max Roden (zitiert nach Sennewald). – Reizendes Büchlein, ganz im Wiener Stil. Jede Textseite mit Kopf- und Fußstegbordüre, die feinlinigen Radierungen Zimpels in Sepia gedruckt.

15,5 : 10,5 cm. 255, [1] Seiten, 9 Tafeln. – Rücken teils leicht verblasst.

Sennewald 23,1

837  Stefan Zweig. Abschied von Rilke.

€ 500 ( R7 )

Eine Rede. Tübingen, Rainer Wunderlich [1927]. Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers für »Max Hermann-Neisse herzlichst ergeben Stefan Zweig«. – Rilke war am 29. XII. 1926 im Sanatorium in Valmont verstorben. Der Dichterfreund Stefan Zweig hielt die Gedenkrede am 20.II.1927 im Münchner Staatstheater. Sie wurde »in der Unmittelbarkeit ihres ersten Ausdrucks wiedergegeben«. – Aus der Bibliothek Victor Achter, mit dessen »markantem« Exlibris. – Sehr selten.

19,2 : 11,7 cm. 30, [2] Seiten. – Rücken gebräunt.

Klawiter C 1 (datiert 1928). – Mises 1124