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Literatur und Kunst 1900–1945 | Hesse-Auktionen
Literatur und Kunst 1900–1945

474  Otto Baumberger – Hermann Kesser. Die Peitsche.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Erzaehlende Dichtung. Mit Steinzeichnungen von Otto Baumberger. Frauenfeld und Leipzig, Huber 1918. Mit sechs Lithographien und ornamentierten Initialen. Originalhalblederband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Eins von 150 Exemplaren in Halbleder, auf dem Titelblatt vom Autor signiert (Gesamtauflage 500). – Vorblatt mit eigenhändiger Widmung des Verfassers »Dem Doktor W. F. Storck und Frau Maria Theresia in herzlicher Verbundenheit« (W. F. Storck war Direktor der Kunsthalle Mannheim).

22,5 : 15,0 cm. [8], 66, [6] Seiten, 6 Lithographien. – Rücken verblasst, Ecken und Kapitale beschabt und bestoßen.

475  Otto Baumberger. XXXV Kompositionen zur Divina Commedia

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

von Dante Alighieri. Zürich, J. und R. C. Baumberger 1965. Mit 35 Farbtafeln. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel (Hugo Boss, Zürich). Im Schuber.

Eins von 155 Exemplaren der Ausgabe B, jedoch wie die der ersten Vorzugsausgabe mit einer zusätzlichen farbigen Originalskizze aus dem Nachlass des Künstlers (Gesamtauflage 1000). – Teils typographisch gedruckter Text, teils in der Handschrift des Künstlers faksimiliert. – Die farbigen Kompositionen von Baumberger entstanden in den Jahren 1951/52.

32,5 : 30,0 cm. [92] Seiten, 35 Tafeln. – Rücken leicht verblasst.

476  Fritz Beyer – Friedrich Gottlieb Klopstock. Gericht und Höllenfahrt. Des Messias 16. Gesang.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

Zu des Dichters 200. Geburtstag erneut herausgegeben von Heinrich Lütcke. Berlin, G. Grote 1924. Mit acht Farbtafeln nach Aquarellen von Fritz Beyer, einem Lessing-Porträt und zahlreichen ornamentierten Initialen. Roter Originalsaffianlederband mit reicher Vergoldung.

Eins von 500 Exemplaren der Prachtausgabe. – Auf Velin, gedruckt in der Reichsdruckerei. – Die Initialen in Rot und Schwarz zeichnete ebenfalls Fritz Beyer, über dessen Leben und Werk wenig (bis nichts) zu erfahren ist. Seine Aquarelle sind geprägt vom phantastischen Expressionismus.

39,3 : 29,3 cm. XV, [1], 27, [1] Seiten, 9 Tafeln. – Am unteren Kapital minimal berieben. – Die unbeschnittenen Ränder leicht gebräunt.

477  Bertolt Brecht. Der Jasager.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Schuloper. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1930. Originalbroschur.

Erstdruck der endgültigen Fassung (Nubel: »aller weiteren Drucke«). – Auf dem Umschlag bezeichnet als »Versuche 8 | Aus dem 4. Heft ›Versuche‹«. Das vollständige Heft 4 erschien 1931, das Doppelstück »Der Jasager und Der Neinsager« als 11. Versuch. – Sehr selten.

24,0 : 16,0 cm. 9, [1] Seiten.

Seidel 208. – Nubel A 152. – Melzwig 138.2

478  Bertolt Brecht. Die Maßnahme.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Lehrstück. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1930. Originalbroschur.

Erstdruck der ersten Fassung. – Auf dem Umschlag bezeichnet als »Versuche 9 | Aus dem 4. Heft der ›Versuche‹«. Dieses Heft erschien 1931 und enthielt »Die Maßnahme« als 12. Versuch. – Das vorliegende Heft mit dem ursprünglichen Text wurde wohl zusammen mit einem Programmheft an die Besucher der Uraufführung am 10. Dezember 1930 ausgegeben. Nur wenige Exemplare dürften erhalten geblieben sein, Seidels Titelaufnahme erfolgte nach Fotokopien. – Eine der seltensten Brecht-Erstausgaben.

24,0 : 16,0 cm. Seiten 123–151, [3]. – Umschlag lose und mit Randläsuren.

Seidel 261. – Nicht bei Nubel. – Melzwig 139.1

479  Bertolt Brecht. Gesammelte Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 270

Band I [und] II. London, Malik 1938. Originalbroschuren.

Erste Werkausgabe, die angekündigten Bände 3 und 4 sind nie erschienen. – »Laut Mitteilung von Wieland Herzfelde war der dritte Band ausgedruckt und lag bei dem Buchbinder in Prag; vom vierten Band existierte lediglich der Drucksatz. Der Einmarsch von Hitlers Truppen verhinderte die Fertigstellung und Ausgabe dieser Bände« (Nubel).

21,3 : 14,3 cm. 334, [2]; 396, [4] Seiten. – Broschurumschläge gebräunt mit gleichmäßigen Stockflecken. Kapital von Band I angeplatzt.

Seidel 1. – Nubel A 189–190. – Raabe-Hannich 41.49. – Hermann 16. – Melzwig 154.1

480  Bertolt Brecht. Svendborger Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 450

London, Malik 1939. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Herausgegeben unter dem Patronat der Diderot-Gesellschaft und der American Guild for German Cultural Freedom. – Auf der Rückseite des Titelblatts als Vorabdruck aus »Gesammelte Werke Band IV« bezeichnet, der aber ebenso wie der angekündigte Band III nicht mehr erschienen ist. – Gedruckt bei Universal Trykkeriet, Kopenhagen. – Von 1933 bis 1948 lebte Brecht im Exil in Schweden. Die »Svendborger Gedichte« sind das letzte Buch, das im Londoner Exil des Malik-Verlags erschien. – Sehr schönes, unbeschnittenes Exemplar.

22,0 : 15,8 cm. 87, [1] Seiten. – Vorderumschlag mit kleinem Eckknick.

Nubel A 112. – Melzig 155.1. – Raabe/Hannich-Bode 41.16. – Sternfeld/Tiedemann 74. – Malik 305. – Hermann 21

481  Bertolt Brecht – Herrnburger Bericht.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Textausgabe von Bertolt Brecht und Paul Dessau. Gewidmet der Freien Deutschen Jugend anläßlich der III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten für den Frieden in Berlin. Berlin, Zentralrat der FDJ 1951. Originalbroschur.

Wir singen zu den Weltfestspielen, Textheft zur Brecht-Kantate. – Im Mai 1950 hatten etwa 10.000 westdeutsche Jugendliche an einem Pfingsttreffen der Freien Deutschen Jugend in Ost-Berlin teilgenommen. Auf dem Rückweg wurden sie an der Grenzübergangsstelle Herrnburg bei Lübeck an der Einreise gehindert und zwei Tage lang von westdeutscher Polizei festgehalten. Die Jugendlichen weigerten sich, ihre Namen zur »Personalienfeststellung wegen Seuchengefahr« preiszugeben. »Bertolt Brecht setzt sich hinter die Schreibmaschine und bringt – darüber empört – die Kantate ›Herrnburger Bericht‹ zu Papier, die sein Freund Paul Dessau vertont. Tendenz des Agitationsstücks: ›Seuche Friede genannt‹« (Der Spiegel 20/1982). – Die Kantate, die auch in der Brecht-Gesamtausgabe bei Suhrkamp fehlt, wurde in der Bundesrepublik nie aufgeführt. – »Deutsche wurden von Deutschen gefangen weil sie von Deutschland nach Deutschland gegangen«, dieser denkwürdige Satz leitet das Chorwerk ein – er benennt einen unbegreiflichen Widerspruch, der die deutsche Geschichte nur zehn Jahre später für viele Jahre bestimmen sollte. – Extrem selten.

15,0 : 11,0 cm. 31, [1] Seiten. – Broschurumschlag mit Wasserrand. – Drei Seiten mit kleinem Tintenfleck, Titel mit Signatur.

Nubel 125

482  Bertolt Brecht. Cruzada de Crianças.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 200 ( R7 )

Vinte e Quatro Gravuras Gerson Knispel. Berlin und Frankfurt, Suhrkamp, und Sao Paulo, Editora Brasiliense 1962. Mit einem Porträt und 23 ganzseitigen Offsetlithographien. Lose in Originalhalbleinenchemise mit Titelbild und Originalleinenschuber.

Eins von 500 Exemplaren, entgegen dem Druckvermerk nicht signiert und nummeriert. – Erste portugiesische Ausgabe von Brechts »Kinderkreuzzug«, der 1941 im finnischen Exil entstandenen ergreifenden Dichtung. – Mit Vorworten von Anatol Rosenfeld, Sergio Milliet und Tatiana Belinky. – Gershon Knispel wurde 1932 in Köln geboren, emigrierte schon als Kind nach Israel und lebte dort bis 1957. Nach Ausstellungen in Moskau und Studien in München lebte er seit 1959 in Brasilien. In Haifa schuf er in späteren Jahren das Holocaust Memorial (beendet 1991). – Die großformatigen Offsetlithographien jeweils in ein gefalztes Textblatt eingelegt, die Vorworte in einem Textheft. Alle Textseiten auf leicht getöntem Japanpapier gedruckt.

32,2 : 45,5 cm. 24 Lithographien, 34 Textblätter. – Schuberkanten etwas verschlissen, Vorderdeckel mit kleiner Schabstelle, einige Ecken der Textblätter geknickt.

483  Lovis Corinth – Herbert Eulenberg. Anna Boleyn

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Originallithographien von Lovis Corinth. Berlin, Fritz Gurlitt 1920. Mit signierter Titellithographie, 22 meist ganzseitigen Lithographien und 14 Textvignetten. Neuer Halblederband mit montierter farbig lithographierter Originaldeckelvignette.

Die Neuen Bilderbücher, Dritte Folge. – Eins von 125 Exemplaren mit der signierten Titellithographie (Gesamtauflage 175). – Druck der Graphiken auf gelblichem unbeschnittenen Bütten auf der Gurlitt-Presse, Berlin. – »Anna Boleyn« ist Henny Porten gewidmet. 1920 wurde der gleichnamige UFA-Film von Ernst Lubitsch mit Emil Jannings und Henny Porten gedreht. Corinth, der die Schauspielerin sehr verehrte, hielt sich 1920 während der Aufnahmen zum Film häufig im Studio auf und schuf unter diesem Eindruck sämtliche Lithographien. »Wenn ich an die Seligkeit glaubte, würde ich sie um diese Frau verkaufen. Das ist märchenhaft« (Lovis Corinth, zitiert nach Dr. Klaus Dorsch, Henny Porten, Informationen zu Leben und Werk, kmrz.de).

50,8 : 39,3 cm. [84] Seiten.

Schwarz L 428, I–XXIV. – Schauer II, 87

484  Bruno Goldschmitt – Friedrich Schiller. Wilhelm Tell.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

Ein Schauspiel in fünf Aufzügen. München, Julius Schröder 1922. Mit 17 Holzschnitten von Bruno Goldschmitt, davon elf monogrammiert und ganzseitig. Pergamentband mit Deckelbild, vergoldeten Innenkantenbordüren und Kopfschnittvergoldung (signiert: Knorr & Hirth, München).

Meisterwerke der Weltliteratur mit Original-Graphik, Band 6. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Holzschnitten (Gesamtauflage 550). – Auch im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf rheinischem Bütten mit dem Verlagssignet als Wasserzeichen. – Tadellos erhaltenes Exemplar.

30,0 : 23,0 cm. 128, [4] Seiten.

Sennewald 22, 4. – Rodenberg 433, 6

485  Bruno Goldschmitt – Johann Wolfgang von Goethe. Faust.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 230

Der Tragödie zweiter Teil in fünf Akten. München, Julius Schröder 1923 (1922–1925). Mit 20 blattgroßen monogrammierten Radierungen von Bruno Goldschmitt. Roter Lederband mit goldgeprägten Titeln.

Meisterwerke der Weltliteratur mit Originalgraphik, Band 14. – Eins von 20 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe (Gesamtauflage 220), jedoch ohne die dafür im Druckvermerk »versprochene« Kupferplatte. – Als »Trost« wurden hier alle Radierungen monogrammiert. – Druckvermerk vom Künstler signiert. – Bruno Goldschmitt (1881–1964) schuf neben einem umfangreichen Holzschnittwerk auch Fresken und kunstgewerbliche Arbeiten. 1923 wandte er sich der Radierung zu (vgl. Rodenberg S. 337).

44,0 : 33,2 cm. [4], 247, [1] Seiten. – Deckelkanten berieben. – Innendeckel mit Kleberesten. Etwa die erste Hälfte mit leicht gestauchter unterer Ecke.

Sennewald 23–25

486  Walter Hachenburg. Gegengewicht.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Gereimtes und Ungereimtes. Bremen 1930. Leinenband mit Deckel- und Rückenschild.

Nicht bei Kosch. – Bibliographisch nicht nachweisbare, als Privatdruck erschienene Gedichtsammlung, gedruckt bei Gerh. Hillje, Bremen/Brinkum. In Bremen war ein Walter Hachenburg, dessen biographische Daten und Lebensumstände unbekannt bleiben, in der Werbebranche tätig. Vielleicht entstanden die zwanzig Gedichte mit Titeln wie »Meiner Frau«, »Das rote Heft«, »Reminiszenz«, »Gaunerweisheit«, »Markenartikel-ABC« und andere als »Gegengewicht« zu seiner beruflichen Tätigkeit. – Mit eigenhändiger Geschenkwidmung aus Anlass eines Besuchs im Haus des Dichters, datiert »Bremen, April 1939«. – Beiliegend: Walter Hachenburg. Eigenhändiges Manuskript zu dem im Buch abgedruckten Gedicht »Sag – hast Du mich vergessen«. September 1917. Eine Seite. Leicht abweichend gegenüber der späteren Druckfassung.

20,8 : 14,3 cm. [116] Seiten.

487  Otto Erich Hartleben – Albert Giraud. Pierrot Lunaire.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Rondels. Deutsch von Otto Erich Hartleben. Berlin 1892. Originalbroschur mit Umschlagillustration von Moritz Posener. – Widmungsexemplar.

Erste deutsche Ausgabe des ironisch-grotesken Gedichtzyklus. – Privatdruck, in einer Auflage von 60 Exemplaren. – Nach der kalligraphierten Handschrift autographiert (lithographiert) bei A. Liebmann. – Mit eigenhändiger Dedikation Hartlebens für Ernst von Wolzogen, datiert »Mai 92« und mit Exemplar »Nr. 3« bezeichnet. Entsprechend mit dem Besitzvermerk des »Brettl-Barons« Ernst von Wolzogen (1855–1934), dem Gründer der Münchner Freien Literarischen Gesellschaft und des ersten deutschen Kabaretts (Brettl). – Mit der Einleitung Hartlebens an den Feuilletonredakteur Hans Heilmann, den der Dichter mit »Lieber Papa!« anspricht und sich über die zaghaften Verleger äußert (»dieses Büchlein […] so sehr ein Kind der Liebe, daß keiner unserer achtbaren Herrn Verleger sich getraute, es zu adoptieren. – Aber […] man macht doch seine Verse nicht für sie und nicht fürs liebe Publikum – sondern für sich – für Dich und mich.« – Die erste öffentliche und leicht veränderte Ausgabe der Hartleben-Nachdichtungen erschien ein Jahr später in Paul Scheerbarts »Verlag Deutscher Phantasten«. – Die Rondels haben mehrere Komponisten zu Vertonungen angeregt, darunter auch Arnold Schönberg.

22,0 : 16,5 cm. [32] Seiten. – Umschlagkarton im Falz hinterlegt, Oberrand mit kleiner Fehlstelle, Hinterumschlag gebräunt. – Seitenränder leicht gebräunt.

Klement, Hartleben 21. – Nicht bei Fromm (dort erst die Ausgabe 1893)

488  Gerhart Hauptmann. De Waber.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 170 ( R7 )

(Die Weber). Schauspiel aus den vierziger Jahren. Dialekt-Ausgabe. Berlin, S. Fischer 1892. Originalleinenband mit Vergoldung.

Erste Ausgabe, noch vor der »dem Hochdeutschen angenäherten Fassung« erschienen. – Hauptmann stellte sein gesellschaftskritisches Drama, das von den unwürdigen Lebensverhältnissen vor dem Hintergrund des Weberaufstandes 1844 erzählt, zunächst im schlesischen Dialekt fertig.

18,4 : 12,8 cm. [8], 117, [3] Seiten. – Einige Seiten mit größeren, aber sehr schwachen Stockflecken.

Wilpert/Gühring 9

489  Hermann Hesse. Romantische Lieder.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 800

Dresden und Leipzig, E. Pierson 1899. Kleisterpapier-Pappband mit Rückenschild.

Erste Ausgabe des seltenen Erstlings von Hermann Hesse. – Die Gedichte entstanden in den Jahren 1897 und 1898, nach der Zusammenstellung vergingen nur wenige Wochen bis zur Drucklegung. »Wie wichtig schien mir im Herbst 1899 dieses kleine Büchlein als ich das erste Exemplar meines ersten Buches in der Hand hielt! Ich bin dem treu geblieben, was ich damals begonnen habe aber es war ein mühsamer Weg, und die Mühe hat sich nicht gelohnt.« (Brief an Alice Leuthold, 1930, zitiert nach Mises). – Insgesamt sehr schönes Exemplar.

18,5 : 11,8 cm. [4], 44 Seiten. – Titelblatt minimal fleckig, rückseitig im Falz kleiner Braunfleck.

Mises II.1

490  Hermann Hesse. Umwege.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Erzählungen. Berlin, S. Fischer 1912. Dunkelroter Originallederband mit ornamentaler Rücken- und Schnittvergoldung.

Erste Ausgabe. – Eines der selteneren Exemplare im luxeriösen Ledereinband. – Noch im selben Jahr 1912 wurden neun Auflagen nachgedruckt.

18,6 : 12,8 cm. 309, [3] Seiten. – Minimal berieben.

Mileck II, 14

491  Hermann Hesse. Wanderung.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Aufzeichnungen. Mit farbigen Bildern vom Verfasser. Berlin, S. Fischer 1920. Mit 14 farbigen Illustrationen, davon 13 blattgroß und eine auf dem Titel. Farbig illustrierter Originalpappband mit Schutzumschlag und Schuber.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung von Hedwig Fischer, der Ehefrau des Verlegers, für Tony Flake, die Gattin des Schriftstellers Otto Flake. – Die farbige Einbandverzierung entwarf K. E. Mende.

22,5 : 18,1 cm.117, [3] Seiten.

Mileck II, 40

492  Hermann Hesse. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Sieben Bände. Berlin und Frankfurt am Main, Suhrkamp 1957. Rote Originalmaroquinbände. Rückentitel und Monogramm auf dem Vorderdeckel vergoldet.

Exemplar der Vorzugsausgabe in Leder. – Dünndruckausgabe. – Neudruck der sechsbändigen »Gesammelten Dichtungen« von 1952, erweitert um den erstmals erschienenen Band VII »Betrachtungen und Briefe«. – Die eleganten Einbände entwarf Hermann Zapf. – Tadellos erhaltenes Exemplar in der Originalkassette.

20 : 12 cm.

Mileck I, E

493  Hermann Hesse. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 320

[Sieben Bände.] Berlin und Frankfurt am Main, Suhrkamp 1958. Rote Originalmaroquinbände. Rückentitel und Monogramm auf dem Vorderdeckel vergoldet. Zusammen in Originalkassette.

Exemplar der Vorzugsausgabe in Leder. – Dünndruckausgabe. – Nachdruck der siebenbändigen »Gesammelten Dichtungen« von 1957, jetzt 11.–13. bzw. 10.–12. Tausend. – Unverändert in der Einbandgestaltung von Hermann Zapf.

20 : 12 cm. – Rücken kaum merklich verblasst.

Mileck I, E

494  Hugo von Hofmannsthal. Das kleine Welttheater

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

oder die Glücklichen. Leipzig, Insel 1903. Mit illustrierten Vorsätzen und Einbandzeichnung von Aubrey Beardsley. Originalpergamentband. Rückentitel, Deckelillustration und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Eins von 800 Exemplaren. – Breitrandiger Druck in Rot und Schwarz auf unbeschnittenem Holländischen Bütten. – Die Vorsatzillustration aus dem Nachlass von Beardsley wurde hier erstmals verwendet. – Stefan George über das Buch des Freundes: »das ganze wirkt doch einfach und vornehm« (zitiert nach Insel-Katalog Marbach, S. 36).

20,2 : 15,0 cm. – Einband etwas aufgebogen. – Vorsatz vorn minimal fleckig. Äußerste Ränder schwach gebräunt.

Sarkowski 768. – Houghton Library Catalogue 422

495  Hugo von Hofmannsthal. Drei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 170 ( R7 )

1901 bis 1920. Zwei Originalbroschuren, ein -kartonumschlag.

Erste Einzelausgaben. – I. Der Tod des Tizian. Ein dramatisches Fragment. Geschrieben 1892. Aufgeführt als Totenfeier fuer Arnold Boecklin im Künstlerhause zu Muenchen den 14. Februar 1901. Berlin, Insel bei Schuster & Loeffler 1901. – II. Vorspiele. Prolog für ein Puppentheater. Leipzig, Insel 1908. – III. Reitergeschichte. Wien · Prag · Leipzig, Ed. Strache 1920. – Dazu: Wert und Ehre deutscher Sprache. In Zeugnissen herausgegeben von Hugo von Hofmannsthal. Gedanken einiger deutscher Männer über die deutsche Sprache. München, Verlag der Bremer Presse 1927. Originalleinenband.

Houghton Library Catalogue 672, 752 und 545 sowie 762. – Sarkowski 773 und 775 (I und II)

496  Hugo von Hofmannsthal. Lucidor.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 100

Figuren zu einer ungeschriebenen Komödie. Mit Originalradierungen von Karl Walser. Berlin, Erich Reiss 1919. Mit sechs Radierungen, eine davon als Frontispiz und signiert. Halblederband mit vergoldetem Titel und Kopfgoldschnitt.

Fünfter Prospero-Druck. – Erste Buchausgabe der Erzählung, die bereits 1910 in einer Wiener Zeitschrift erschienen war. – Eins 170 Exemplaren (Gesamtauflage 240). – Auf Zanders-Bütten. – »Vollends impressionistisch wird er in den Radierungen zu Hofmannsthals Lucidor« (Hans Loubier, zitiert nach Badorrek-Hoguth). – Schönes Exemplar.

30,8 : 24,7 cm. [36] Seiten, 6 Radierungen. – Rücken minimal verblasst.

Badorrek-Hoguth A 15. – Houghton Library Catalogue 448. – Rodenberg 461. – Halbey; Reiss 19.10

497  James Joyce. Haveth Childers everywhere. – Two Tales of Shem and Shaun.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 230

– Fragments of ›Work in progress‹. – London, Faber and Faber 1931 und 1932. Originalbroschur und Originalpappband mit -schutzumschlag.

Erste öffentliche bzw. erste Ausgabe dieser beiden Teilstücke auf dem Weg zu »Finnegans Wake«. – Sehr schöne Exemplare. – Dazu: James Joyce. Verbannte. Schauspiel in drei Akten. Zürich, Rascher 1919. Originalbroschur. Erste deutsche Ausgabe, übertragen von Hannah von Mettal. Unaufgeschnitten, Ränder gebräunt. – Jugendbildnis. Basel u. a., Rhein-Verlag [1926]. Blauer Originalleinenband mit vergoldeten Titeln. Erste deutsche Ausgabe. Rücken verblasst und am oberen Kapital berieben. Hinteres Vorsatzblatt mit Einriss.

19,8 : 13,3 cm. 36 Seiten. – 19,2 : 12,5 cm. 45, [3] Seiten. Schutzumschlag am Rücken ausgeblichen, Oberrand mit winzigen Einrissen und kleinem Wasserfleck.

Slocum/Cahoon A 42 und A 37 sowie D 44 und D 43

498  James Joyce. Finnegans Wake.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

London, Faber und Faber 1939. Dunkelroter Originalleinenband mit vergoldetem Rückentitel und rot-goldenem Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe, es erschien zeitgleich auch eine amerikanische Ausgabe in New York. – Joyce selbst bezeichnete in einem Wortspiel sein »work in progress« als »funferal«, zugleich also ein »funeral« (Begräbnis-Buch) als auch ein »fun for all« (Spaß für alle). – Vorabdrucke erschienen bereits seit 1928 unter verschiedenen Titeln (Anna Livia Plurabelle; Tales Told of Shem and Shaun; Haveth Childers Everywhere; The Mime of Mick, Nick and the Maggies). – »Finnegans Wake«, an dem Joyce neunzehn Jahre arbeitete, gilt als das kryptischste, komplexeste und am meisten verschlüsselte Werk des Dichters, ein Textlabyrinth und Puzzle erster Ordnung. – Unbeschnitten.

24,8 : 16,0 cm. [8], 628 Seiten. – Schutzumschlag mit Fehlstelle am Rücken und vollständig auf Leinen aufgezogen. – Vorsätze etwas, die unbeschnittenen Ränder stellenweise leicht stockfleckig. Einige Ecken geknickt.

Slocum/Cahoon A 47

499  James Joyce. Stephen Hero.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 230

Part of the first draft of »A Portrait of the Artist as a Young Man«. Edited with an introduction by Theodore Spencer. London, Jonathan Cape 1944. Schwarzer Originalleinenband mit goldgeprägtem Rückentitel und illustriertem Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe, ein Teil der Auflage erschien für den US-amerikanischen Markt. – Enthält die Niederschriften zu Joyce’ großem Roman. – Mit dem seltenen Schutzumschlag, der von N. I. Cannon illustriert wurde. – Schönes Exemplar.

20,0 : 13,0 cm. 210 Seiten. – Schutzumschlag oben mit hinterlegten Einrissen und kleinen Fehlstellen. – Vorsatzblatt mit kleinen Besitzvermerken.

Slocum/Cahoon A 51.E

500  James Joyce. Werke. Frankfurter Ausgabe.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Sieben Bände (in neun). Frankfurt am Main, Suhrkamp 1969–1975. Schwarze Originalkalblederbände mit olivgrünen Lederrückenschildern mit vergoldeten Titeln, sechs davon mit Originalschutzumschlag.

Erste deutsche Werkausgabe. Redaktion Klaus Reichert unter Mitwirkung von Fritz Senn. – Band 1: Dubliner. 1969. – Band 2: Stephen der Held. Porträt des Künstlers als junger Mann. 1972. – Band 3/I und II: Ulysses. 1975. – Band 4/I: Kleine Schriften. 1974. – Band 4/II: Gesammelte Gedichte. Anna Livia Plurabelle. Englisch und Deutsch. 1981. – Band 5–7: Briefe I–III. Mit Registern. – Die teils gefalteten Beigaben sind Faksimiles von Briefen, Manuskriptblättern und sechs von Joyce’ Tochter Lucia gezeichneten und kolorierten Initialen. – Die vollständige Frankfurter Ausgabe in einem schönen Exemplar der Ledervorzugsausgabe. – Schönes Exemplar, die Rückenschilder wie meist unterschiedlich ge- und verfärbt.

20,0 : 13,0 cm. Mit 14 Faksimilebeilagen. Zusammen etwa 4500 Seiten.

KNLL VIII, 903ff (zu den einzelnen Texten und Ausgaben)

501  Wassily Kandinsky – Hans Konrad Roethel. Kandinsky. Das graphische Werk.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Köln, DuMont Schauberg 1970. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalleinenband mit Schutzumschlag und Schuber.

Eins von 1500 Exemplaren. – Das bis heute maßgebliche Werkverzeichnis der Graphik. – Verzeichnet 203 Arbeiten, alle mit Abbildung. – Tadellos erhalten.

29,8 : 27,8 cm. XXIX, 504 Seiten. Mit mehr als 200 Abbildungen. – Schutzumschlag mit Einriss.

502  Erich Klossowski – Julius Meier-Graefe. Orlando und Angelica.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Ein Puppenspiel in zehn Akten. Mit Lithographien von Erich Klossowski. Berlin, Paul Cassirer 1912. Mit zwei signierten Aquarellen, 72 Kreidelithographien, davon zehn farbige Zwischentitel, 60 Textillustrationen, davon zwei farbig, Titel und Titelvignette. Hellbeiger Originalsaffianlederband mit reicher Vorderdeckel- und Rückenvergoldung, Innenkantenbordüren, Deckelfileten und Kopfschnitt ebenfalls vergoldet (signiert: Bremer Binderei).

Erste Ausgabe. – Eins von zehn Luxusexemplaren, gedruckt auf Japanpapier und mit zwei beigelegten signierten Aquarellen (Gesamtauflage 634). – Im Druckvermerk von Autor und Künstler signiert. – Die farbigen Lithographien mit den Porträts von Orlando und Angelica, die Klossowski für den Umschlag der Broschurausgabe gezeichnet hatte, wurden für die luxuriös gebundenen Vorzugsexemplare als Vorsatzpapier verwendet. – Nach einem Puppentheaterstück, das Julius Meier-Graefe und Erich Klossowski gemeinsam im Jahr 1911 im Teatro Stella Cerere in Neapel gesehen haben, das wenig später durch einen Brand zerstört wurde. Meier-Graefe schrieb 1912 an Samuel Fischer: »Klossowski und ich sind im vorigen Herbst zusammen in Neapel gewesen und sahen dort Vorstellungen der alten Marionettentheater … Die Puppen sind fabelhaft. [Den] Text habe ich sehr frei übertragen [und er] ist nun in ganz fabelhafter Weise von Klossowski illustriert worden. Ich glaube nicht, daß Sie so etwas von Klossowski gesehen haben. Er ist nach meiner Ansicht, die nicht allein steht, der bei weitem talentvollste unter den jungen Deutschen […]«. – Bei den Luxusexemplaren, die in der damals noch von Peter A. Demeter geleiteten Werkstatt gebunden wurden, ziert der degenschwingende Orlando gleich dreißigmal die Deckelränder und »beschützt« das in der Mitte als Vignette verwendete Bild der Angelica. – Schönes Exemplar der sehr seltenen Luxusausgabe.

40,0 : 31,5 cm. [12], 133, [5] Seiten. 2 Zwischentitel nicht in die Paginierung eingeschlossen. Die beiden Aquarelle in Passepartouts beigelegt. – Deckelkanten leicht berieben, Einbandränder minimal verfärbt, Hinterdeckel leicht fleckig.

Feilchenfeldt/Brandis 144.A

503  Edward Knoblauch [später: Knoblock]. Der Faun.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Eine Komödie in drei Akten. Unverkäufliches Manuskript. Wien und Berlin, Comœdia 1913. Originalleinenbroschur mit Deckelschild.

Wohl erste Ausgabe. – Der Dichter wurde 1874 als Sohn deutscher Eltern in New York geboren. 1911 erschien sein wohl bekanntestes Stück »Kismet«, das mehrfach verfilmt wurde und dem erfolgreichen Musical von 1953 als Vorlage diente. Auch »Milestones« (1912) wurde zu einem Kassenschlager der Londoner Theater.

20,0 : 13,8 cm. 146, [2] Seiten. – Einband beschabt. – Ränder gebräunt, unten teils leichter Wasserrand, das letzte Blatt lose.

504  Alois Kolb – Homer. Odyssee,

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 270

übersetzt von Johann Heinrich Voß. Mit 24 Originallithographien von Alois Kolb. Frankfurt am Main, Frankfurter Verlagsanstalt 1920. Mit 24 Lithographien sowie 24 figürlichen Initialen und zehn Textvignetten. Brauner Saffianlederband mit blindgeprägter Deckelvignette und rot-goldenem Rückenschild; Kopfschnittvergoldung.

Zweiter Frankfurter Liebhaberdruck. – Eins von 140 Exemplaren der Vorzugsausgabe in größerem Format und mit den Lithographien auf Bütten. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Der unsignierte Einband könnte nach Vergleichsexemplaren aus der Fikentscher-Werkstatt stammen.

30,0 : 23,5 cm. 380, [4] Seiten. – Vorsatzränder etwas leimschattig.

Rodenberg 388. – Sennewald 20, 2

505  Alfred Kubin – Otto Julius Bierbaum. Samalio Pardulus.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Mit zwanzig Bildbeigaben von Alfred Kubin. München und Leipzig, Georg Müller 1911. Mit 20 Lichtdrucken nach Federzeichnungen. Bordeauxroter Originalmaroquinband mit reicher Vergoldung (Hübel & Denck, Leipzig).

Erste Ausgabe. – Exemplar der Vorzugsausgabe in Ganzleder (Gesamtauflage 600). – Auf Van Gelder-Bütten. – Einbandentwurf von Paul Renner.

25,4 : 19,8 cm. 44, [6] Seiten, 20 Tafeln. – Einband ganz leicht berfärbt.

Marks A 12 (nennt 100 Vorzugsexemplare). – Raabe 35

506  Alfred Kubin – Der Dichter und das Buch.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 1900

Herausgegeben von Karl Schönberg und Emil F. Tuchmann. Berlin 1930. Mit einer signierten Titellithographie von Alfred Kubin. Roter geglätterer Maroquinband mit vergoldeten und versilberten Fileten und schwarzen Lederapplikationen. Im Halbleinenschuber.

Eins von wenigen Exemplare auf Japanpapier, 300 wurden auf Van Gelder-Bütten gedruckt. – Herausgegeben anlässlich des 25jährigen Bestehens des Berliner Bibliophilen-Abends zum 15. März 1930. – Anthologie mit Beiträgen von Gottfried Benn, Jakob Haringer, Max Hermann-Neiße (Erstdrucke), Hermann Hesse, Arno Holz (Erstdruck), Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Heinrich Lautensack, Oskar Panizza, Rainer Maria Rilke, Joachim Ringelnatz, Robert Walser, Paul Zech (Erstdruck) u. a. – Aus der Kubin-Sammlung von Abraham Horodisch mit dessen Exlibris. – Die Kubin-Lithographie wurde von Otto Felsing auf der Pan-Presse gedruckt. – Die Existenz dieser »Vorzugsausgabe« blieb den Kubin-Bibliographen unbekannt. – Sehr selten.

28,4 : 18,6 cm. [3]–58, [4] Seiten, so aber vollständig.

Marks 121. – Raabe 402. – Horodisch 165. – Deutsche Bibliophilie S. 104

507  Max Liebermann – Theodor Fontane. Effi Briest.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Roman. Mit Steinzeichnungen von Max Liebermann. Berlin 1926. Mit 21 Lithographien im Text, davon drei blattgroß und die erste signiert. Originalpergamentband mit reicher Vergoldung und Kopfgoldschnitt (Hübel & Denck, Leipzig).

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 325 Exemplaren. – Jahresgabe der Maximilian Gesellschaft 1926/27. – Max Liebermann schuf eigens für diese Edition die 21 Lithographien. – Satz aus der Walbaum-Fraktur, Textdruck bei der Officina Serpentis, Druck der Lithographien bei W. Lassally, beide Berlin. – Auf Zanders-Bütten mit dem Wasserzeichen der Maximilian-Gesellschaft. – Einbandentwurf von Marcus Behmer. Dieser hatte sich nach der Anfrage der Maximilian-Gesellschaft sogleich überaus erfreut geäußert. Den schließlich realisierten Entwurf mit vergoldeten Weinranken, Kreuz und Schmetterling erläuterte er dem Schriftführer der Gesellschaft, Fritz Homeyer, zusammen mit vielen Details zu Herstellungsfragen und -kosten in mehreren Briefen (vgl. Philobiblon 1929, Heft 8, Seiten 293ff.). – 1912 wurde die Maximilian-Gesellschaft gegründet – als eine »Stätte, an der es [das deutsche Buch] in einem ausgewählten Kreis von Kundigen und Freunden, unberührt von literarischen und künstlerischen Tagesmeinungen und losgelöst vom Markt, die liebevolle Pflege findet«. In den Folgejahren erhielten die Mitglieder teils aufwäfndige Jahresgaben, Höhepunkte bildeten dabei Kleists »Prinz von Homburg« im Enders-Einband (1913), Schillers »Wallenstein« als Druck der Pan-Presse (1914/1915), die vierbändige Ausgabe der Gedichte von Goethe (1924/1925) und die vorliegende Ausgabe von Fontanes bekanntestem Roman. – Tadellos schönes Exemplar, in dieser Erhaltung sehr selten.

27,5 : 19,7 cm. [12], 313, [5] Seiten. – Leere Vorsatzblätter vorn und Vortitelblatt mit kleinem Fleck, hinteres Vorsatzblatt mit kleinem restaurierten Einriss.

Achenbach 117–137. – Rodenberg 518. – Deutsche Bibliophilie 1898–1930, S. 121. – Schauer II, 43. – Backe/Köppen, Officina Serpentis 126. – Rasch I, 4637

508  Werner Lürmann. Vier Erstausgaben, davon ein Widmungsexemplar.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 200

1922–1930.

I. Erdenlose Sehnsucht. Gedichte. Kassel, Edda 1922. Originalpappband. – II. Das hirtenhafte Lied. Leipzig, Bruno Volger 1922. Originalbroschur. Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers »Der lieben Elsa Leist – Bremen in Aufrichtigkeit«, der Hinweis auf das vorherige Werk (»Vom selben Verfasser«) geändert in »Endlose Sehnsucht«. – III. Der unendliche Abschied. Leipzig, Xenien 1928. Originalpappband. Besitzvermerk Leist. – IV. Wanderschaft. Gedichte. Berlin, Romantik-Verlag 1930. Originalbroschur. – Werner Lürmann (1897–1958) war ein Fabrikbesitzer in seiner Heimatstadt Iserlohn. Er veröffentlichte fünf kleine Sammlungen seiner meist romantischen Gedichte, wohl alle nur in kleinster Auflage.

Ca. 19 : 13 cm. – Ränder von II und Rücken von III gebräunt.

Lexikon Westfälischer Autor/Innen (online)

509  [Vladimir Majakovskij]. 150.000.000.

Schätzpreis/Estimate: € 900 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 850

(russisch). Moskau, Gosudarstvennoje Isdatelstvo 1921. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Anonym erschienene Gedichtsammlung des bedeutenden russischen Avantgarde-Dichters, die im Widmungsgedicht auf die Macht der Massen Bezug nimmt. – 1920 hatte er u. a. die USA und Europa bereist. – Sehr gut erhalten.

18,0 : 13,5 cm. 70, [2] Seiten. – Am Ende längere Bleistiftnotizen in russischer Sprache.

Rowell/Wye 354/355

510  Heinrich Mann. Die Göttinen

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 650

oder die drei Romane der Herzogin von Assy. [Drei Bände:] Diana, Minerva, Venus. München, Albert Langen 1903. Weiße Originalkalikobände mit Kopfschnittvergoldung und farbig variierter Deckelillustration von Théophile A. Steinlein.

Erste Ausgaben. – »Kulturkritisches Panorama der europäischen Aristokratie, die in einem glanzvollen Maskenspiel das Bewußtsein ihres zunehmenden Verfalls zu betäuben sucht. […] Das Werk, das mehr als nur in formaler Hinsicht ein Gegenstück zu den ›Buddeenbrooks‹ des Bruders Thomas darstellt, begründete den Ruf Heinrich Manns als eines artistischen ›Dichters der Moderne‹: bis zum Ersten Weltkrieg beeinflußte es die zeitgenössischen Schriftsteller stark, unter ihnen vor allem Gottfried Benn« (KLL). – Sehr gut erhaltene Exemplare.

18,5 : 13,0 cm. [8], 341, [3]; [8], 335, [1]; [8], 318, [2] Seiten. – Vortitel mit Stempel.

Zenker 1.8.1. – KLL V, 4019

511  Thomas Mann. Buddenbrooks.

Schätzpreis/Estimate: € 7500 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 5500 ( R7 )

Verfall einer Familie. Roman. Zwei Bände. Berlin, S. Fischer 1901. Grüne Originalkalikobände mit schwarzen Jugendstilornamenten und goldgeprägten Rücken- und Deckeltiteln (Entwurf A. Schäffer).

Erste Ausgabe, erschienen in einer Auflage von 1000 Exemplaren, meist als Broschur ausgeliefert, zum Teil in Leineneinbänden in unterschiedlichen Farben. – Einer der bedeutendsten Romane der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts und zugleich die erste umfangreiche Veröffentlichung des jungen Thomas Mann, durch welche er schlagartig weltberühmt wurde. – Samuel Fischer hatte Ende 1897, also schon vor Erscheinen der Novellensammlung »Der kleine Herr Friedemann«, an Thomas Mann geschrieben, »ich würde mich aber freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben würden, ein grösseres Prosawerk von Ihnen zu veröffentlichen, vielleicht einen Roman, wenn er auch nicht zu lang ist«. Im Juli 1900 war »jenes bedenklich angeschwollene Manuskript, […] das ungeheuer viel mehr Raum (und Zeit) in Anspruch« genommen hatte, als sich der Autor träumen ließ, abgeschlossen. Fischer zweifelte am Erfolg eines so umfangreichen Textes (»Ein Roman von 65 engbedruckten Bogen ist für unser heutiges Leben fast eine Unmöglichkeit«). Nachdem Thomas Mann das Ansinnen, das Buch auf die Hälfte zu kürzen (»dieses Bubenstück von einer Zumutung«) abgelehnt hatte, folgte Fischer den Argumenten des Dichters und seines Lektors und ließ Anfang 1901 zögerliche 1.000 Exemplare drucken. Der Roman wurde, Fischers Bedenken zum Trotz, von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen und das Werk erlebte in rascher Folge wachsende Nachauflagen. Die Erstausgabe aber zählt aufgrund der verlegerischen Zurückhaltung und ihrer Bedeutung für die deutsche Literaturgeschichte zu deren gesuchten Seltenheiten.

18,3 : 12,5 cm. 566, [2]; 539, [1] Seiten. – Kanten schwach berieben, Rücken minimal verfärbt. – Innengelenk von I vorn im Falz gebrochen, hinten angeplatzt.

Potempa D 1.1. – Pfäfflin 69 (dort ockerfarbene Variante). – Haack-Atlas S. 20/21. – Fischer-Verlag Kat. Marbach S. 121ff. (von dort auch alle obigen Zitate)

512  Thomas Mann. Buddenbrooks.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 1000

Verfall einer Familie. Roman. 2. Auflage. [Erster und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1903. Zwei schwarze Originallederbände, Rückentitel, Verlagssignet auf den Vorderdeckeln und Kopfschnitt vergoldet.

Sehr seltene zweibändige Ledervariante. – Nach dem großen Erfolg des Romans, von dem Samuel Fischer 1901 nur zögerliche 1000 Exemplare hatte drucken lassen, erschienen ab 1903 in schneller Folge Nachauflagen, bei denen beide Teile in der Regel in einen Band zusammengebunden wurden. Potempa vermerkt: »Einzelexemplare […] auch als zweibändige Ausgabe ermittelt, in Leder gebunden, mit goldgeprägtem Verlagssignet auf dem Buchdeckel«. – Das selten verwendete Fisch-Signet, das auf den Vorderdeckeln goldgeprägt prangt, entwarf Emil Rudolf Weiß. Als Verlagssignet durchgesetzt hat sich aber Otto Eckmanns netzziehender Fischer.

18,2 : 12,0 cm. IV, 566; 539, [5] Seiten. – Minimal berieben, am unteren Kapital mit kleinem Einriss. – Vorsatz- und Titelblätter mit Stempel, Vorsätze mit handschriftlichem Besitzvermerk und Lesenotizen.

Potempa D 1.2. – Pfäfflin 80

513  Thomas Mann. Tristan.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Sechs Novellen. Sechste Auflage. Berlin, S. Fischer 1906. Blauer Originalleinenband mit Bordüren in Olivgrün und goldgeprägten Titeln. Kopfschnitt vergoldet. – Signiertes Exemplar.

Vortitelblatt signiert: »Thomas Mann | Wien, November 1908«. – Vom 24.–29. November 1908 hielt sich Thomas Mann in Wien auf und traf dort Jakob Wassermann, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und dessen Gattin. – Die Einbandgestaltung stammt von A. Schäffer und wurde auch für andere Ausgaben benutzt.

18,5 : 12,5 cm. [8], 264 Seiten. – Minimal bestoßen. – Schnitt, die ersten und letzten Blätter leicht stockfleckig.

Potempa B 2. – Vgl. Pfäfflin 69

514  Thomas Mann. Königliche Hoheit.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausrufpreis/Starting bid: € 1300

Roman. Berlin, S. Fischer 1909. Halblederband mit eingebundenem illustrierten Originalvorderumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung »Herrn Maurice Muret mit den verbindlichsten Grüßen vom Verfasser. Bad Tölz, Oktober 1909«. – Im Sommer war Thomas Mann in das neu erworbene Sommerhaus in Bad Tölz gereist und hielt sich dort bis Ende Oktober auf. Im Oktober erschien der zweite Roman des Dichters, einige Autorenexemplare wurden noch in Bad Tölz dediziert und verschickt. Der Schweizer Schriftsteller Maurice Muret (1870–1954) hatte 1906 eine Abhandlung zur zeitgenössischen deutschen Literatur veröffentlicht. – Die ornamentale Umschlaggestaltung stammt von Karl Walser.

19,8 : 13,5 cm. 475, [5] Seiten. – Rücken etwas berieben. Vorderumschlag etwas gebräunt und mit leichten Randläsuren. Unbeschnitten.

Potempa D 2.2. – Badorrekt-Hoguth B 59.1

515  Thomas Mann. Königliche Hoheit.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Roman. Neunzehnte Auflage. Berlin, S. Fischer 1910. Pergamentband mit braun-goldenem Rückenschild und Kopfschnittvergoldung (signiert: Carl Sonntag jun. Leipzig).

Von einem der führendsten Buchbinder seiner Zeit in zeitlos eleganter Art gebunden. Grau-grün marmorierte Vorsatzpapiere. – Sehr gut erhalten.

19,5 : 12,8 cm. Seiten [3]-475, [1]. – Die leeren Vorblätter entfernt.

Potempa D 2.2

516  Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Buch der Kindheit. Wien, Leipzig und München, Rikola 1922. Mit sechs signierten Farblithographien von Oskar Laske. Hellblauer Pappband mit montiertem Originaltitelschild.

Erste Ausgabe des ersten Buches. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit Signatur des Autors und den signierten Lithographien (Gesamtauflage 500). – Der Roman, der letztlich unvollendet blieb, erschien erst 1954. Die erste Anregung zum Stoff soll Thomas Mann bereits 1905 durch die deutsche Ausgabe der Erinnerungen eines rumänischen Hochstaplers erhalten haben. Er begann etwa 1910 mit ersten Niederschriften, aus der ein Bruchstück 1911 im Almanach des S. Fischer-Verlages abgedruckt wurde. – Gedruckt bei Mandruck, München, auf chamoisfarbenem Bütten.

30,7 : 24,7 cm. 65, [3] Seiten, 6 Lithographien. – Rücken minimal aufgehellt.

Potempa D 12.1

517  Thomas Mann. Joseph in Ägypten.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Roman. Wien, Bermann-Fischer 1936. Originalleinenband, Rückenverzierung und Deckelvignette goldgeprägt. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Der dritte Joseph-Roman erschien innerhalb der »Gesammelten Werke«. – Auf dem Vorsatzblatt eigenhändige Widmung »Herrn Dr. Ernst Hammerschlag sein dankbarer Patient | Küsnacht 18. X. 36 | Thomas Mann«. – Den »Wiener Arzt« Dr. Ernst Hammerschlag, der damals in Le Lavandou an der Côte d’Azur praktizierte, hatte Thomas Mann im September 1936 während eines Aufenthalts im nahen Aiguebelle kennengelernt. Am Vortag der Widmung notierte Thomas Mann in sein Tagebuch »Tat die drei Bände des »Joseph« für Dr. Hammerschlag zusammen«.

18,8 : 12,5 cm. 752, [4] Seiten. – Innengelenke restauriert.

Potempa D 6.1

518  Thomas Mann – Exiled Author honored at Yale.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

Fotografie (Vintage, Silbergelatine). 1938. 14,1 : 26,5 cm (16,9 : 27,0 cm).

Die Fotografie entstand am 22. Juni 1938 in der Woolsey Hall der Yale University anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde. – Blick über das Auditorium auf die Bühne. Dort steht – mit dem Rücken zum Publikum – Thomas Mann, im Begriff von Charles Seymour, dem Präsidenten der Universität, die Urkunde zu erhalten. – Rückseitig mit Copyright-Stempel »International News Photos New York«, einem Eingangsstempel »Received Examiner Reference Library June 25, 1938« und einem Aufkleber mit dem Pressetext.

Minimale Knickfalten, unten kleine Beschädigung der Bildschicht.

519  Thomas Mann – A Mother’s Welcome. Mrs. Thomas Mann | Monica Lanyi.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 440

Fotografie (Vintage, Silbergelatine). 1940. 24,6 : 19,7 cm.

Pressefoto von Katia Mann und Tochter Monika. – Rückseitig mit Namensstempeln, dem Eingangsstempel der »Reference Library Oct 30 1940« und einem aufgeklebtem Pressetext. – Entstanden am 28. Oktober 1940 im Hafen von New York. Monika, die Tochter von Thomas und Katia Mann hatte am 20. März 1939 den ungarischen Kunsthistoriker Jenö Lányi geheiratet. Ihr Schiff wurde auf der Reise von Schottland nach Kanada von einem deutschen U-Boot versenkt. Ihr Ehemann ertrank, Monika wurde, nachdem sie sich 20 Stunden an eine Holzplanke geklammert hatte, gerettet und zunächst nach Schottland gebracht. Thomas Mann notierte in sein Tagebuch: »in Erwartung der armen kleinen Witwe, die in kläglichem Zustande eintraf und zu Bette gebracht wurde. Erbarmen.« Einen Tag später schrieb er an Lion Feuchtwanger, sie käme »mit ertöteten Händen […] ohne auch nur einen Rheumatismus, einen Schnupfen auch nur davonzutragen. Es ist übernatürlich.« – Dazu: R. Schlauch-Simonet. Zwei Porträtfotografien von Thomas Mann. Vintages, Silbergelatine. 1955. 15,0 : 10,5 cm. Beide rückseitig mit dem Copyright-Stempel des Kilchberger Fotografen. – I. Stehend in seinem Haus vor Notenständer und Publikum. Laut TM-Archiv entstand die Aufnahme bei seinem 80. Geburtstag am 6. Mai 1955. – II. Stehend mit Hut und Mantel.

520  Thomas Mann. Der Zauberberg.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 440

Roman. I [und] II. Verbilligter Sonderdruck für deutsche Kriegsgefangene. Stockholm, Bermann-Fischer 1945. Gelbe Originalbroschuren.

Erschienen in der Bücherreihe »Neue Welt« als Bände 14 und 15. – Mit dem Zensur-Stempel des Kriegsgefangenenlagers Fort Getty auf den Vortitelblättern. – Das Vorwort »Einführung in den Zauberberg für Studenten der Universität Princeton« stammt von Thomas Mann selbst. – Die gelben Umschläge gestaltete Brigitte Bermann-Fischer, die Tochter des ersten Thomas Mann-Verlegers Samuel Fischer. – Die insgesamt 24 Taschenbuchausgaben wurde zum ersten Mal das Lumbeck-Bindeverfahrenund die Verkleinerung der Satzbildvorlagen praktiziert.« (Friedrich Pfäfflin). – Trotz sicher hoher Auflage durch Art der Verwendung und Zeitläufe selten geworden.

16,3 : 10,8 cm. Seiten [V]–XXVI, 521, [1]; [4], 572 Seiten. – Umschläge leicht berieben und die Rücken etwas knittrig.

Potempa D 3.12. – Vgl. Pfäfflin, 100 Jahre S. Fischer Verlag S. 155

521  Thomas Mann. Lotte in Weimar.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 900

Roman. 13.–17. Auflage. Stockholm, Bermann-Fischer 1946. Brauner Originalleinenband mit der goldgeprägten TM-Vignette von Hugo Steiner-Prag, Originalschutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Innerhalb der Stockholmer Gesamtausgabe. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung »To Miss Elizabeth Wilkenson very glad to have made her aquaintance | London, 20. May 1948 | Thomas Mann«. – Elizabeth M. Wilkinson hatte 1944 eine englisch kommentierte Ausgabe von »Tonio Kröger« herausgegeben. – Bei der Jahreszahl unterlief Thomas Mann ein Schreibfehler, schrieb man doch das Jahr 1947 (vgl. auch eine fast gleichlautende Widmung für den englischen Verleger Roger Senhouse vom 19. Mai 1947; Heine/Schommer 359). – Hinterer Vorsatz mit Bleistiftanmerkungen, wohl von Elizabeth Wilkenson.

19,4 : 12,0 cm. 450, [2] Seiten. – Vergoldung etwas berieben. – Vorderer Vorsatz mit Wasserrand, Vordergelenk restauriert.

Potempa D 7.1 Anmerkung

522  Thomas Mann. Die Entstehung des Doktor Faustus.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 3400

Roman eines Romans. Amsterdam, Bermann-Fischer / Querido 1949. Brauner Originalleinenband mit der goldgeprägten TM-Vignette auf dem Vorderdeckel und grün-gold geprägtem Rückentitel. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vorsatzblatt mit der schönen Widmung des Verfassers an seinen Verleger: »An Gottfried Bermann-Fischer in nun schon alter Freundschaft | Frankfurt, 26. Juli 49 | Thomas Mann«. – Am 23. Juli 1949 war Thomas Mann mit dem Nachtzug von Basel nach Frankfurt gereist (»Morgens noch ein Bad, denn wer weiß – Gefühl als ob es in den Krieg ginge«). Am Folgetag empfing Thomas Mann u. a. die Delegation aus Weimar und hielt am 25. in der Paulskirche seine »Ansprache zum Goethejahr«. Wegen seiner Erklärung zum Besuch des KZ Buchenwald in Weimar brach der westdeutsche »Pressesturm« über Thomas Man los. In den Folgetagen besuchte er Stuttgart, München, Nürnberg, Bayreuth und schließlich Weimar. – Sehr schönes Exemplar.

19,4 : 12,2 cm. 204, [2] Seiten.

Heine/Schommer 433a. – Potempa G 1027.1

523  Thomas Mann. Die Betrogene.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 120

Erzählung. Lausanne, Wahli 1953. Mit einer monogrammierten Lithographie von Ernst Morgenthaler. Originalkarton mit -umschlag.

Erstdruck, noch vor der Buchausgabe, erschienen zugunsten bedürftiger Kinder und Jugendlicher in Israel. – Faksimile-Ausgabe der handschriftlichen Urfassung in Kupfertiefdruck, gedruckt wurden 400 Exemplare auf holländischem Pannekoek-Bütten.

30 : 23 cm. [2], 91, [1] Blätter, 1 Lithographie.

Potempa E 33.3

524  Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

Der Memoiren erster Teil. Berlin und Frankfurt a. M., S. Fischer 1954. Originalkalblederband mit goldgeprägter Signatur auf dem Vorderdeckel, Rückenvergoldung und zwei Rückenschildern. Im Schuber.

Erste Ausgabe der endgültigen Fassung, erschienen innerhalb der Stockholmer Gesamtausgabe. – Eins von 500 signierten Exemplaren der Vorzugsausgabe, die anlässlich des 80. Geburtstages Thomas Manns erschien. Dieser notierte am 21.II.1955 in sein Tagebuch: »Ruhigeres Wetter. 1/2 8 auf. Viel Post. Ganzleder-Ausgabe des Krull in 450 Exemplaren zu signieren!«. – Die erste Anregung zu seinem Buch erhielt er bereits 1905 durch die Erinnerungen des rumänischen Hochstaplers und Betrügers Manolescu.

19,0 : 11,5 cm. 441, [3] Seiten. – Rücken leicht fleckig. – Hinteres Innengelenk etwas angeplatzt.

Potempa D12, 3.2

525  Thomas Mann auf der Freitreppe des Nationaltheaters Weimar.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Fotografie (Vintage, Silbergelatine). 1955. 8,5 : 13,5 cm.

Rückseitig mit Stempel, unten rechts Prägestempel des Fotoateliers Held. Louis Held hatte es, zwei Jahre vor seinem Tod, 1925 an seine Tochter Ella übertragen, die erste Fotografie-Meisterin in Thüringen. – Mitte Mai 1955, eine Woche nach seinem 80. Geburtstag, besuchte Thomas Mann ein zweites Mal nach Kriegsende Weimar, diesmal aus Anlass des Schiller-Jubiläums. Auf dem Festakt im Deutschen Nationaltheater hielt er am 14. Mai seine »Ansprache im Schillerjahr«. Am Folgetag wurde Thomas Mann im Weißen Saal des Weimarer Schlosses die Ehrendoktorwürde der Universität Jena verliehen. Eine Originaleinladung zu diesem Festakt liegt hier bei. »Thomas Mann war nicht bereit, zur Entgegennahme der Urkunde den Abstecher von Weimar nach Jena zu machen. So musste sich das Jenaer Kollegium nach Weimar begeben, um die Ehrenpromotion weniger als Auszeichnung zu verleihen, als vielmehr dem illustren Mann wie ein ihm gleichgültiges, Jenaer Bedürfnis hinterher zu tragen.« (uni-jena.de). – Dazu: Thomas Mann in Weimar. Zwei Fotografien (Vintage, Silbergelatine). Wohl Pressefotos. Beide mit Namensstempel von Theo Piana, Berlin, der mehrere Dichter-Biographien verfasste, 1968 erschien seine Thomas Mann-Biographie.

526  Thomas Mann. Gesammelte Werke

Schätzpreis/Estimate: € 4500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 5000

in zwölf Bänden. Berlin, Aufbau 1956. Zwölf dunkelgrüne Halbfranz-Maroquinbände mit vergoldeten Rückentiteln und Rückendekor in Lederapplikation, Blindprägung und Bogensatzvergoldung. Mit gepunzter Kopfschnittvergoldung und handumstochenen Kapitalien (signiert: R. Meuter, Ascona).

Die Werkausgabe erschien erstmals 1955 anlässlich des 80. Geburtstags von Thomas Mann und somit kurz vor seinem Tod. Laut Potempa folgte 1956 das 6.–10. Tausend. – Die schönen Handeinbände von Roland Meuter bilden durch die Rückengestaltung mit Lederapplikationen und Vergoldung ein Gesamtkunstwerk im wörtlichsten Sinne. – Die Deckel mit rot-grünem Oleographiepapier von Beatrice Meuter bezogen. – Zusammen in einer Acrylglasbox mit Klappdeckel.

19,8 : 12,0 cm.

Potempa A 5 Anmerkung

527  Thomas Mann. Der Kleiderschrank.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Eine Geschichte voller Rätsel. Mit Holzstichen von Andreas Brylka. Garching 1991. Mit zwei ganzseitigen Holzstichen. Originalhalblederband mit Oleographiepapierbezügen (Werkstatt Roland Meuter).

Zweiter Druck der Prosa-Blätter der Antinous-Presse Matthias Loidl. – Eins von 30 Vorzugsexemplaren in Halbleder und mit einer beigelegten signierten Suite der beiden Holzstiche auf Japan (Gesamtauflage 145). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Wohl erste Einzelausgabe der 1898 entstandenen Erzählung (vgl. Potempa E 10). – Tadellos.

33,0 : 23,8 cm. [2], 17, [5] Seiten, 2 Holzstiche.

528  Thomas Mann. Gladius dei.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Novelle. 1975. Ca. 250 gerollte Blätter (»Textlose«) in bedruckter Originalbox.

Erste und wohl einzige Einzelausgabe. – Schäuffelens Lotterie Romane 2. – Eins von 50 Exemplaren. – Auf dem Titelschild im Kassettendeckel vom Künstler Konrad Balder Schäuffelen monogrammiert. – Die Erzählung war 1902 in der Wiener Wochenschrift »Die Zeit« erschienen, ein Jahr später dann in »Tristan«. Das originelle Buchobjekt erschien anlässlich des 100. Geburtstags von Thomas Mann. – Sehr selten.

15,0 : 11,0 : 5,5 cm.

Nicht bei Potempa, vgl. E 14 1–7

529  Vortragsbuch Ludwig Hardt.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Die Hauptstücke aus seinen Programmen nebst Darstellungen seiner Vortragskunst sowie etliche Glossen von ihm selbst. Hamburg, Gebrüder Enoch 1924. Blauer Originalmaroquinband, Rückentitel, Ornamente, Fileten und Kopfschnitt vergoldet. Im Schuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe, im Druckvermerk von Ludwig Hardt signiert und nummeriert. – Enthält als Einleitung Würdigungen des berühmten Vortragskünstlers von Thomas Mann (Potempa G 135.5), Herbert Eulenberg, Else Lasker-Schüler und Erwin Loewenson. Es folgen Texte, mit denen Hardt bei seinen Auftritten als Rezitator begeisterte, darunter Dichtungen von Schiller, Jean Paul, Hebel, Kleist, Goethe, Heine, Hebbel, Storm, Rilke, Kafka, Heym, Rimbaud, Verlaine, Wilhelm Busch u. v. m. – In der Vorzugsausgabe sehr selten.

18,5 : 12,8 cm. 438, [2] Seiten.

530  Klaus Mann. Drei eigenhändige Briefe mit Unterschrift bzw. Paraphe.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 2800

1929–1931. 3 1/2 Seiten.

Alle an den Literaturwissenschaftler Franz Goldstein (1898–1982), Klaus Manns treuer Freund und Verehrer in Kattowitz und dort Herausgeber und Redakteur. Goldstein emigrierte später nach Prag und anschließend nach Palästina, wo er eine Leihbibliothek eröffnete. – I. Paris, 29. IV. 1929: »Lieber Herr Franz Goldstein, hier sind also die ersten drei von diesen Aufsätzen, die anderen kommen auch bald. Ob Sie für drei solche Meisterwerkchen 100 M auswerfen können? […] denn das Pariser Nachtleben ist kostspielig und die französischen Gläubiger noch ungeduldiger als die Berliner. Sind sie lustig? Ist im fernen Osten der Frühling so schön wie hier?« – II. Berlin, 13. X. 1930: »Lieber Herr Frango, so nett es wäre: das mit dem bei-uns-Wohnen wird nicht zu machen sein. Wir sind so viele im Haus, all die unzüchtigen Kinder, und das einzige Zimmer, das in Frage käme, bezieht in diesen Tagen eine Freundin von mir, die auch zur Premiere kommt. Aber Sie können doch bei uns essen! Und eine Nacht Hotel kostet 6 M (2 Nächte 12) Kommen Sie trotzdem! Herzlichst Ihr K.M.« – III. München, 29. XII. 1931: FRÖHLICHE Feiertage, lieber Frango – und das dieses neue Jahr Dir und uns nicht zu schauerlich werde. Magst Du diese kleine Rezension bringen? Ich schreibe sie Dir, so bin ich. Als Notiz kann ich Dir noch verraten, dass der ›Alexander‹ inzwischen französisch erschienen ist […] mit einem Vorwort von Jean Cocteau. […] Vater Zauberer ist ein bisschen krank, sonst geht es uns leidlich und wir freuen uns, als traute kleine Familie, aufs Fest. Anfang Januar lese ich in 4 Städten Rundfunk, dann hoffe ich nach Südfrankreich zu gelangen. Gute Grüsse vom K«. – Nicht in den bisherigen Briefeditionen.

Alle mit Faltspuren, I und III mit kleinen Falzeinrissen, II minimal fleckig.

531  Klaus Mann. Vier Erstausgaben,

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

dabei Klaus Manns Erstlingswerk. Hamburg, Gebrüder Enoch 1925–1927. Drei Originalleinenbände, eine -broschur.

I. Vor dem Leben. Erzählungen. 1925. – II. Der fromme Tanz. Abenteuerbuch einer Jugend. 1926. – »Selten zuvor war in der deutschen Literatur so offen von gleichgeschlechtlicher Liebe erzählt worden, wie es Klaus Mann in seinem ersten Roman tat. Das Buch war ein Bekenntnis zu der Form des Eros, die der Autor längst als seine eigene erkannt und akzeptiert hatte: zur Homosexualität« (Uwe Naumann, Bilder und Dokumente, S. 62). – III. Kindernovelle. 1926. – IV. Heute und Morgen. Zur Situation des jungen geistigen Europas. 1927.

Broschurumschlag angestaubt.

Grunewald 45, 67, 69 und 94. – Wilpert/Gühring 2, 3, 4 und 6, hier »Anja und Esther« als Erstling

532  Klaus Mann. Anja und Esther.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Ausrufpreis/Starting bid: € 66

Ein romantisches Stück in sieben Bildern. Berlin, Oesterheld & Co. 1925. Originalleinenband.

Erste Ausgabe. – »Anja und Esther« war (nach Michel Grunewald) Klaus Manns zweite Buchveröffentlichung, das Theaterstück wurde im Oktober 1925 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Zwei Tage später war die Premiere des Stückes an den Hamburger Kammerspielen mit einer Aufsehen erregenden Besetzung. Die Titelrollen spielten Erika Mann und Pamela Wedekind, die männlichen Hauptfiguren waren Klaus Mann und der damals noch am Beginn seiner Karriere stehende junge Gustav Gründgens.

19,1 : 13,3 cm. 80 Seiten. – Einband fleckig.

Grunewald 47

533  Klaus Mann. Revue zu Vieren.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Komödie in drei Akten (8 Bildern). Unverkäufliches Manuskript. Berlin, Oesterheld & Co. 1926. Klammergeheftete Originalbroschur.

Erste Ausgabe, sehr selten. – Klaus Manns zweites Theaterstück wurde im April 1927 im Alten Theater Leipzig uraufgeführt. Er selbst, Schwester Erika, Pamela Wedekind und Gustaf Gründgens spielten die Hauptrollen. – »Das Stück war ein eklatanter Mißerfolg. Zwar gastierte man in Berlin und München, Dresden, Hamburg und sogar in Kopenhagen – aber oft waren die Vorstellungen ›ein Kampf mit dem Publikum‹« (Uwe Naumann, Bilder und Dokumente, S. 78).

19,6 : 15,2 cm. 94, [2] Seiten. – Ränder etwas gebräunt. – Obere Ecken durchgehend mit kleinem Knick.

Grunewald 70

534  Klaus Mann – Drei Anthologien.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Hamburg bzw. Berlin 1927 und 1929. Originalleinenbände.

Erste Ausgaben. – I. Anthologie Jüngster Lyrik. Geleitwort von Stefan Zweig. Hamburg, Gebrüder Enoch 1927. – II. Anthologie Jüngster Lyrik. Neue Folge. Geleitwort von Rudolf G. Binding. Hamburg, Gebrüder Enoch 1929. – Beide herausgegeben von Willi R. Fehse und Klaus Mann. – III. Anthologie Jüngster Prosa. Herausgegeben von Erich Ebermeyer, Klaus Mann, Hans Rosenkranz. Berlin, J. M. Spaeth 1928. – Den Aufrufen der Herausgeber in der Zeitschrift »Literarische Welt« folgten 52 Dichter und Schriftsteller, die nach 1900 geboren waren.

Grunewald 85, 122 und 96

535  Klaus Mann. Gegenüber von China.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Komödie in 6 Bildern. Als unverkäufliches Manuskript vervielfältigt. Berlin, Oesterheld & Co. 1929. Klammergeheftete Originalbroschur.

Erste Ausgabe, sehr selten. – Die Komödie thematisiert die Unterschiede zwischen der amerikanischen und deutschen Jugend, wie sie Klaus Mann während seiner Weltreise erlebt hat. »Das Theaterstück, heißt es im ›Wendepunkt‹ ohne Umschweife, war ›schwach‹ und wurde zu Recht ein eklatanter Mißerfolg: ›Meine Komödie befremdete, mißfiel. Es war ein Durchfall.‹« (Uwe Naumann, Bilder und Dokumente, S. 97).

20,0 : 15,9 cm. 76 Seiten. – Broschurränder gebräunt.

Grunewald 117

536  Klaus Mann. Abenteuer.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Novellen. Leipzig, Reclam 1929. Originalleinenband mit vergoldeten Titeln.

Erste Ausgabe. – Druckleitung und Einbandentwurf von Emil Rudolf Weiß. – Das Buch bot Neues im Schaffen Klaus Manns: »Die darin versammelten Novellen waren im Stil lakonischer und präziser als frühere Prosatexte, und die Figuren gewannen sichtlich an sozialem Profil« (Uwe Naumann, Bilder und Dokumente, S. 97).

16,4 : 11,0 cm. 162, [2] Seiten. – Ecken minimal berieben. – Vorderes Innengelenk gebrochen.

Grunewald 119

537  Klaus Mann. Drei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Leipzig, S. Fischer 1929–1932. Zwei Originalleinenbände, eine Originalbroschur.

I. Erika und Klaus Mann. Rundherum. Mit 25 Reise-Photographien. Deckelillustration von Rudolf Großmann. Mit acht Fototafeln. Illustrierter Originalleinenband. – II. Alexander. Roman der Utopie. Originalbroschur. – III. Treffpunkt im Unendlichen. Roman. Originalleinenband. – Die Kritiker reagierten verschieden auf den historisch nicht korrekten Roman um König Alexander. Hermann Kasack lobte das Werk in der »Literarischen Welt« als ein »symphathisches Symptom für eine neue Entwicklungsstufe« des Autors, W. E. Süskind schrieb in der Neuen Rundschau, Klaus Mann habe »Krücken von sich geworfen«. In der Weltbühne kritisierte Rudolf Arnheim, dieses Buch sei »infantil« und »das Wahre durch das Wünschenswerte gefärbt und das Natürliche durch das Dekorative verschminkt«. – »Treffpunkt im Unendlichen« zeichnete ein Bild der »Verlorenen Generation« in Deutschland kurz vor Hitlers Machtergreifung, er schildert das Leben junger Menschen zwischen Sehnsucht und Verzweiflung, politischer Rebellion und der Flucht aus dem Alltag.

I. Einige Seiten mit Bibliotheksstempeln. – II. Erste Lage gelockert.

Grunewald 121, 135 und 194

538  Klaus Mann. Alexandre.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 200 ( R7 )

Roman de l’utopie. Traduit de l’allemand par Ralph Lepointe. Préface de Jean Cocteau. Paris, Librairie Stock, Delamain & Boutelleau 1931. Originalbroschur.

Erste französische Ausgabe. – Eins von 23 Exemplaren »hors commerce«, wie die fünf absoluten Vorzugsexemplare auf Japon ancien. Nicht nummeriert, dafür mit dem eingedruckten Namen des Empfängers, »Marquis de Crequi Monfort de Courtivron. – Vollkommen unbeschnittenes Exemplar aus den nur gehefteten Rohbogen.

24,0 : 17,5 cm. XI, [1], 254, [6] Seiten.

Grunewald 135 Anmerkung

539  Klaus Mann. Geschwister.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 550

4 Akte nach Motiven aus dem Roman »Les enfants terribles« von Jean Cocteau. Bühnenmanuskript. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1930. Klammergeheftete Originalbroschur.

Erste Ausgabe, selten, da nicht für den Handel gedruckt. – Im November 1930 fand in den Münchner Kammerspielen die Uraufführung des Stückes statt, das die Geschichte eines sich in einem künstlich verlängerten Kindheitsparadies hermetisch von der Außenwelt abschließenden Geschwisterpaares beschreibt. Wieder standen Klaus und Erika Mann selbst als Darsteller mit auf der Bühne. Bei Kritikern und Publikum erlebte das Stück einen »geräuschvollen Durchfall«, wie Klaus Mann in seiner Autobiographie bekennt.

20,4 : 16,0 cm. 57, [1] Seiten. – Broschur mit wenigen kleinen Randknittern und -läsuren.

Grunewald 137

540  Klaus und Erika Mann. Das Buch von der Riviera.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Mit Originalzeichnungen von Walther Becker, Rudolf Großmann, Henri Matisse u. a. München, Piper 1931. Mit zahlreichen Textillustrationen. Originalbroschur mit farbige Deckelillustration von Walter Trier.

Was nicht im »Baedeker« steht, Band XIV. – Die Buchreihe erschien von 1927 bis 1938 und umfasste insgesamt 17 Bände mit Reisebeschreibungen im feuilletonistischen Stil. Der vorliegende Band war das »Nebenprodukt« vieler Aufenthalte der Geschwister Mann an der französisch-italienischen Mittelmeerküste.

18,5 : 12,2 cm. 185, [7] Seiten. – Umschlaggelenke brüchig, einige Randfehlstellen.

Grunewald 170

541  Klaus Mann. Auf der Suche nach einem Weg. – Kind dieser Zeit. –

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Berlin, Transmare 1931 und 1932. Originalleinenbände.

Erste Ausgaben. – »Auf der Suche nach einem Weg« versammelt Beiträge, »die Klaus Mann im Kontext der ›intellectual history‹ des 20. Jahrhunderts als Grenzgänger zwischen Heimatlosigkeit und säkulärer Religiosität beschreiben und sein literarisches und essayistisches Werk zwischen ästhetischer Autonomie und politischem Engagement verorten« (literaturkritik.de). – »Kind dieser Zeit« ist die erste autobiographische Arbeit des Autors und schildert die Kindheits- und Jugendjahre von 1906 bis 1924.

Ca 18,5 : 13,0 cm. 380, [4]; 331, [1] Seiten. – Einband von I fleckig.

Grunewald 171 und 197

542  [Klaus Mann] Vincenz Hofer. Athen.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Fünf Bilder. Unverkäufliches Manuskript. Berlin, Oesterheld & Co. 1932. Klammergeheftete Originalbroschur.

Erste Ausgabe, sehr selten, da nicht für den Handel erschienen. – Das unter Pseudonym geschriebene Stück über Leben und Sterben des Philosophen Sokrates wurde nie aufgeführt. »Doch ›Athen‹ ist kein Historienstück – unverkennbar sind die Anspielungen auf die aktuelle politische Situation 1932. […] ›Athen‹ läßt sich deuten als ein Stück über das Versagen der Intellektuellen am Vorabend einer Diktatur. Als der Autor 1939 sein Drama noch einmal las, notierte er erstaunt: ›Kaum überholt. Wußte 1932 schon ungefähr so viel wie jetzt‹« (Uwe Naumann, Bilder und Dokumente, S. 134).

20,3 : 16,0 cm. 94, [2] Seiten. – Ränder gebräunt. Untere Ecke vorn geknickt, eingerissen und mit kleinen Fehlstellen. Dort, am Schnitt und dem hinteren Broschurumschlag größere Feuchtigkeitsflecken.

Grunewald 195

543  Klaus Mann. Fünf Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Amsterdam, Querido 1934–1950. Originalleinenbände.

I. Flucht in den Norden. Roman. 1934. Klaus und Erika Mann reisten 1932 durch den »nördlichen Sommer« Finnlands. Die Romanfigur der Johanna trägt die Züge der sie begleitenden androgynen Freundin Annemarie. – II. Symphonie Pathétique. Ein Tschaikowsky-Roman. 1935. »Der Roman sei ›sehr traurig‹ geworden […] berichtete Klaus Mann seiner Schwester Monika und fügte hinzu: ›[…] ich habe so merkwürdig viel aus meinem Leben hineinpacken können in das Leben meines rührenden Peter Iljitsch.‹« (Uwe Naumann, Bilder und Dokumente, S. 172). – III. Vergittertes Fenster. Novelle um den Tod des Königs Ludwig II. von Bayern. 1937. Klaus Mann widmete die Novelle seinem mehrjährigen Lebensgefährten Thomas Quinn Curtiss, damaliger Film- und Literaturkritiker, den er 1937 in Budapest kennen gelernt hatte. – IV. Der Vulkan. Roman unter Emigranten. 1939. Mit der Arbeit an dem weitgehend autobiographischen Roman hatte Mann im Herbst 1937 begonnen und vollendete ihn im Frühling 1939. Er gilt neben Anna Seghers’ »Das siebte Kreuz« als einer der bedeutenden Exilantenromane. – V. Klaus Mann zum Gedächtnis 1950. Mit einem Vorwort von Thomas Mann und Beiträgen von 33 Freunden und Weggefährten, unter ihnen Gottfried Benn, Lion Feuchtwanger, Hermann Kesten, Anette Kolb, Bruno Walter und Upton Sinclair.

Einband lichtrandig (I), einige Seiten und Schnitt leicht stockfleckig (I, II und III). Einband etwas fleckig, Rücken gebräunt (IV).

Grunewald 260, 328, 424 und 538. – Sternfeld/Tiedemann 331

544  Klaus Mann. Mephisto.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Roman einer Karriere. Amsterdam, Querido 1936. Originalleinenband mit vergoldeten Titeln.

Erste Ausgabe. – Im März 1933 ging Klaus Mann ins Exil, auch er wurde, wie sein Vater, als Schriftsteller nach der Machtergreifung der Nazis politisch verfolgt. Von seinem Freund, dem Verleger Fritz Helmut Landshoff, bekam er das Angebot, eine monatliche Zahlung für die Niederschrift seines nächsten Romans zu erhalten. Der Schriftsteller Hermann Kesten unterbreitete ihm den Vorschlag, in Romanform die Geschichte eines Karrieristen im dritten Reich zu verarbeiten. Als Vorlage diente die Figur Gustaf Gründgens’, von dem sich Manns Schwester Erika 1929 nach einer kurzen Ehe hatte scheiden lassen. Seinem früheren Schwager gelang, protegiert von Hermann Göring, ein kometenhafter Aufstieg als Schauspieler, Regisseur und Intendant im Dritten Reich. »Alle Personen dieses Buches stellen Typen dar, nicht Porträts. K. M.« (Nachwort). – 20 Jahre nach der Erstausgabe folgte eine Ausgabe in Ostberlin. Die erste westdeutsche Ausgabe, die nochmals fast ein Jahrzehnt auf sich warten ließ (München 1965), wurde auf Betreiben der Erben Gründgens verboten. – Zwei Beigaben.

19,0 : 12,3 cm. 399, [1] Seiten. – Rücken verblasst. – Vorsätze etwas gebräunt. Besitzeintrag.

Grunewald 387. – Sternfeld/Tiedemann 331

545  Klaus und Erika Mann. Drei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Originalleinenbände.

I. Escape to Life. Illustrated. Boston, Houghton Mifflin 1939. »Practically Everybody who in World Opinion had stood for what was currently called German Culture prior to 1933 is now a refugee«. – II. The other Germany. New York, Modern Age Books 1940. Zusammenfassung der Vorträge, die Klaus Mann seit 1937 in den USA gehalten hatte. – III. Heart of Europe. An Anthology of Creative Writing in Europe 1920 – 1940. Edited by Klaus Mann and Hermann Kesten. With an Introduction by Dorothy Canfiled Fisher. New York, L. B. Fischer 1943. Wichtige Anthologie mit Texten von mehr 150 Autoren des progressiven Europas. Vom Herausgeber Klaus Mann stammt auch das Vorwort.

Einbände von II und III mit leichten Gesprauchsspuren.

Grunewald 539, 620 und 700. – Sternfeld/Tiedemann 328 und 331

546  Klaus Mann. The Turning Point.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Thirty-five Years in this Century. New York, L. B. Fischer 1942. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – »In dem autobiographischen Text sind zahlreiche Porträts von Personen und Skizzen von politisch-literarischen Ereignissen eingeflochten. Diese Passagen verflechten sich zu einem Bild der Epoche – sie gehören zum Besten, was Klaus Mann überhaupt geschrieben hat« (Uwe Naumann, Bilder und Dokumente, S. 256). – Dazu: Klaus Mann. Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht. Frankfurt am Main, S. Fischer 1952. Originalleinenband. – Erst posthum erschien Klaus Manns Autobiographie in seiner Muttersprache.

23,0 : 15,0 cm. XVIII, 366 Seiten. – Schutzumschlag an den Rändern etwas gebräunt und mit kleinen Fehlstellen. – Vorsatz mit Besitzstempel.

Grunewald 681 und 963. – Sternfeld/Tiedemann 330

547  Klaus Mann. André Gide

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

and the Crisis of Modern Thought. New York, Creative Age Press 1943. Originalleinenband.

Erste Ausgabe. – Thomas Mann lobte die Biographie des von seinem Sohn als eine Art »Übervater« verehrten Dichters: »Es hat mich sehr gefesselt, sehr unterhalten und auch vielfach belehrt, denn Du bist ja wirklich ein genauer und intimer, weil liebender Kenner dieser Seele und dieser Kunst, von der ich wohl eine Vorstellung habe, und eine sehr ehrerbietige, die mir aber doch keineswegs so Linie für Linie vertraut ist, wie Dir. Er hätte sich wohl wirklich keinen gewiegteren Portraitisten und Interpreten wünschen können […]« (Brief an KM, 9. II. 1943). – Dazu: Klaus Mann. André Gide. Die Geschichte eines Europäers. Zürich, Steinberg 1948. Originalleinenband. Erste deutsche Ausgabe.

23,0 : 15,5 cm. 331, [1] Seite. – Einband etwas berieben, Rücken leicht verfärbt. – Innengelenke angebrochen. Hinten eingeklebter Text.

Grunewald 699 und 934. – Sternfeld/Tiedemann 330

548  Klaus Mann – Anita Loos. Zum Geburtstag.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

(»Happy Birthday«). Deutsch von Klaus Mann. Bühnenmanuskript. Berlin, Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH 1953. Originalbroschur.

Erste deutsche Ausgabe. – Anita Loos (1888–1981) war als junge Frau als Drehbuchautorin und Schauspielerin erfolgreich. 1926 erschien ihr berühmtestes Werk »Gentlemen Prefer Blondes«. Den Zweiakter »Happy Birthday« von 1947 übersetzte Klaus Mann im Folgejahr.

14,5 : 20,4 cm. 166 Seiten. – Broschurumschlag etwas fleckig, ein durchgehender vertikaler Knick, einige Randknitter. Rücken erneuert. – Etliche Anstreichungen.

Grunewald 956

549  Klaus Mann. Fluch und Segen.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Fragment einer Kantate aus dem Nachlaß. Herausgegeben von Uwe Naumann. Schriesheim, Edition Frank Albrecht 1997 und 1999. Mit zwei signierten Radierungen von Inge Jastram, eine lose und eine als Frontispiz. Originalleinenband.

Erste Ausgabe. – Vierter Druck der Edition Frank Albrecht. – Eins von 50 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den beiden signierten Radierungen (Gesamtauflage 260). – Faksimileausgabe der bis dato unveröffentlichten Manuskripte »Fluch und Segen«, »Lied von den verlorenen Gesichtern« und »Der Erwartete« aus dem Nachlaß in der Monacensia, Stadtbibliothek München. – Dazu: Gedichte und Chansons. Herausgegeben von Uwe Naumann und Fredric Kroll. Schriesheim 1999. Mit 19 Abbildungen nach Radierungen von Inge Jastram. Originalleinenband. Fünfter Druck der Edition Frank Albrecht. Eins von 320 Exemplaren (Gesamtauflage 370). – Die 1934 in Erfurt geborene Graphikerin Inge Jastram arbeitete in der DDR unter anderem als Buchillustratorin für den Rostocker Hinstorff Verlag. Ihr Mentor war Werner Klemke. – Tadellos erhalten.

34,2 : 25,2 cm. 63, [1] Seiten, 1 Radierung; 107, [1] Seiten.

550  Klaus Mann. Literarische Beiträge in Zeitschriften.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

1926 bis 1942. Insgesamt 24 Hefte.

Klaus Mann veröffentlichte zahlreiche Beiträge literarischen und politischen Inhalts in deutschsprachigen Zeitschriften. Nach 1933, im Exil, gab er selbst zwei literarische Monatsschriften – »Die Sammlung« und »Decision« – heraus. – I. Neue Schweizer Rundschau. Oktober 1926. – II. Das Tagebuch. Heft 1 und 3/1928. – III. Der Querschnitt. Heft 3/1929. – IV. Die Sammlung. 1. Jahrgang, Heft 2–4, 6, 8, 10, 11 und 2. Jahrgang Heft 1–4, 10 und 11 (1933–1935). – V. Europäische Hefte. Nr. 33/34 1934/1935. – VI. Decision. Vol. I, Heft 2, 5 und 6 (1941), Vol. II, Heft 1 und 4 (1941) und Vol. III, Heft 1–2 (1942). – Beigabe: Die Sammlung. 1934/1935. Nachdruckausgabe, München 1986.

551  Klaus Mann. Briefe und Antworten. – Tagebücher.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 300

– Zwei bzw. sechs Bände. München, Edition Spangenberg / Ellermann 1979 und 1989. Originalleinenbände mit -schutzumschlag.

I. Herausgegeben von Martin Gregor-Dellin. Die Bände umfassen insgesamt 362 in den Jahren 1922 bis 1949 von Klaus Mann verfasste Briefe sowie 99 Antwortbriefe. – »Seine Briefe entschleiern das eigene Geheimnis, die Spontaneität, Freundschaftlichkeit und den Zauber seiner Person, ›die noble Entschiedenheit seiner Haltung‹ (Golo Mann)« (Klappentext). – II. Herausgegeben von Joachim Heimannsberg, Peter Laemmle und Wilfried F. Schoeller. Tagebücher der Jahre 1931 bis 1949. Diese Tagebücher sind »Kernstück einer durch und durch literarischen Existenz, an der Schnittstelle von Leben und Schreiben angelegt« (Klappentext). – Dazu: Klaus-Mann-Schriftenreihe. Sechs in sieben Bänden. Wiesbaden, Blahak 1976–1996. Herausgegeben von Fredric Kroll. – 16 Werke Sekundärliteratur – darunter Michael Grunewalds Bibliographie –, acht Beigaben, zwei Dubletten.

Schutzumschläge von I minimal angestaubt. – Band 4/II der Klaus-Mann-Schriftenreihe als Broschur.

552  Frans Masereel. 9 Dessins inspirée par sa [Leonhard Franks] nouvelle »Die Mutter«.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 6000

Neun Tuschpinselzeichnungen. 1918. Ca. 14 : 11 cm. Monogrammiert und mit Widmung bezeichnet.

Mit eigenhändiger Widmung »à Leonhard Frank ces 9 Dessins inspirée par sa nouvelle »Die Mutter« – Fraternellement Frans Masereel 1918«. – Die Novelle war 1917 in dem Sammelband »Der Mensch ist gut erschienen« und hatte Masereel offenbar zu den vorliegenden Zeichnungen inspiriert. Die danach entstandenen neun Holzschnitte, die 1919 die erste Einzelausgabe der Novelle illustrierten, sind ein »Frühwerk der Illustrationskunst Masereels« (Paul Ritter). – Die Zeichnungen wurden vom Künstler auf Kartonblätter montiert und monogrammiert, das erste mit o. g. Widmung. – In Halbleinenmappe mit Titel. – Dazu: Vier Erstausgaben der Editions du Sablier, Genf 1919/20, mit Holzschnitten von Frans Masereel: I. Romain Rolland. Liluli. Mit 30 Holzschnitten. – II. Georges Duhamel. La Pointe et Ropiteau. Mit 9 Holzschnitten. – III. Walt Whitman. Calamus. Poèmes. Mit 10 Holzschnitten. – IV. Romain Rolland. Pierre et Luce. Mit 16 Holzschnitten. Im Schnitt etwas angestaubt, III mit Fleck auf Vorderumschlag. – Unbeschnitten und innen gut erhalten.

Die Kartonblätter leicht fleckig, paginiert und mit Größenangaben.

Vgl. Ritter C a 7 und Ritter, Frühe Holzschnittfolgen, S. 26. – Bücher: Ritter C a 8, 9, 11 und 14

553  Frans Masereel – Emile Verhaeren. Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Mit 26 Holzschnitten von Frans Masereel. Übertragen von Friderike Maria Zweig. Leipzig, Insel 1923. Mit 26 Holzschnitten im Text, neun davon ganzseitig. Originalhalbpergamentband mit Kopfgoldschnitt.

Erste deutsche Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf echtem Büttenpapier.

21,5 : 15,4 cm. 106, [6] Seiten. – Rücken etwas unfrisch.

Sarkowski 1826. – Ritter C a 20. I – Fromm VI, 26239

554  Frans Masereel – The making of a Book

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

at the Officina Bodoni. Twelve woodcuts bay Frans Masereel with a note by Giovanni Mardersteig. Verona, Officina Bodoni 1973. Mit zwölf ganzseitigen Holzschnitten. Originalbroschur mit Büttenpapierumschlag.

Eins von 200 Exemplaren für Freunde der Offizin in den USA auf Magnani-Bütten (Gesamtauflage 300). – Reprint der Ausgabe von 1929. – Erschienen anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Officina Bodoni, die Holzschnitte entstanden 1929 für die erste Ausgabe »The Officina Bodoni, the Operation of a Hand press during the first six years of its works«.

24,9 : 17,7 cm. [40] Seiten. – Umschlagpapier vorn mit winziger Fehlstelle.

Mardersteig 183. – Vgl. Ritter C a, Nr. 44.II

555  Ernst Matthes

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

1878 – 1918. Als Privatdruck herausgegeben von Magdalene Blohm und Peter Hirschfeld. Hamburg 1929. Mit einer montierten Porträtfotografie und 31 montierten Tafeln, davon 13 farbig. Originalhalbpergamentband mit kalligraphiertem Rückentitel.

Eins von 70 Exemplaren. – Aus Anlass des zehnten Todestages des Künstlers erschienene bibliophile Ausgabe. Mit einem biographischen Vorwort von Peter Hirschfeld. 1927 schrieb Gottfried Sello anlässlich der ersten größeren Retrospektive in der Bremer Kunsthalle: »Eine Gedächtnisausstellung für einen Künstler, der in keiner Kunstgeschichte auch nur erwähnt ist, der vor 1914 lange in Paris gelebt hat und 1918 gefallen ist. Ernst Matthes hat kein abgeschlossenes Werk hinterlassen, aber ein hinreißendes Fragment, ohne Vergleich in der deutschen Malerei vor dem Weltkrieg. Nach zarten und poetischen Exerzitien im Jugendstil kommt er nach Paris, [… und] malt seine Pariser Straßenszenen und Nachtlokale mit hemmungslosem koloristischen Temperament und einer satirischen Schlagfertigkeit. In dieser ganz selbstverständlichen Verbindung von Malerei und Karikatur liegt die ungewöhnliche Attraktivität seiner Arbeiten vor allem aus den Pariser Jahren« (zeit.de). – Selten.

28,7 : 22,8 cm. 14, [2] Seiten, 32 Tafeln. – Vorderdeckel minimal fleckig.

556  Hans Meid – Gerhart Hauptmann. Der Ketzer von Soana.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Mit vierzehn Radierungen von Hans Meid. Berlin, S. Fischer 1926. Mit 14 signierten Radierungen, davon zwölf blattgroß. Originalpergamentband, Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Eins von 130 Vorzugsexemplaren, davon waren zehn Exemplare nicht für den Handel bestimmt. – Vom Verfasser im Druckvermerk signiert. – Gesetzt aus der Fleischmann-Antiqua von 1732, gedruckt bei Jakob Hegner auf handgeschöpftem Bütten. – Die Radierungen druckte Carl Sabo, Berlin. – Sehr schönes Exemplar.

26,2 : 18,7 cm. 173, [3] Seiten.

Jentsch, Meid XLVIII und 527–540. – Badorrek-Hoguth 1.24

557  Karl Miersch – Prosper Merimée. Tamango.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 150

Eine Erzählung. Mit acht Radierungen von Karl Miersch. Leipzig, Insel 1923. Mit acht Radierungen, davon sechs ganzseitig. Originalhalbpergamentband mit schwarzem Deckelschild. Rücken- und Deckeltitel sowie Kopfschnitt vergoldet.

Dritter Druck der Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, Leipzig. – Eins von 200 Exemplaren. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Satz aus der Walbaum-Antiqua. – Gedruckt auf Bütten. – Übersetzt von Julius Zeitler, dem Leipziger Schriftsteller, Verleger und Bibliophilen. – Karl Miersch (1894–1969) unterrichtete sowohl an der Leipziger Akademie (1924–1934) als auch an der dortigen Kunstgewerbeschule.

29,5 : 22,5 cm. [4], 49, [5] Seiten. – Deckelränder leicht gebräunt.

Sarkowski 1104. – Rodenberg 185, 3. – Sennewald 23

558  Max Linde. Edvard Munch.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Neue Ausgabe. Berlin, Friedrich Gottheiner 1905. Mit einem Farbholzschnitt sowie zwölf Abbildungen von und nach Edvard Munch, zwei davon auf Tafeln. Originalbroschur mit montiertem Deckelbild.

Frühe Ausgabe einer der ersten Monographien über Edvard Munch (1863–1944). – Mit dem Farbholzschnitt »Begegnung im Weltall«, der für die Publikationen 1902 und 1905 verkleinert geschnitten wurde (vgl. Schiefler 135). – Der Lübecker Kunstsammler und Mäzen Max Linde hatte engen Kontakt zu dem norwegischen Künstler, der ab 1902 in der »Lindeschen Villa« oft zu Gast war und dort auch für längere Zeit lebte und arbeitete. Dort entstand eines der Hauptwerke Munchs »Die Söhne des Dr. Linde«.

27,5 : 22,0 cm. 14, [6] Seiten, 2 Tafeln, 1 Holzschnitt. – Ränder gebräunt.

559  H[elene] Kröller-Müller. Die Entwicklung der Modernen Malerei.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 120

Ein Wegweiser für Laien. Leipzig, Klinkhardt & Biermann [1927]. Mit Buchschmuck von Henry van de Velde und zahlreichen Abbildungen. Originalleinenband mit Vergoldung.

Erste deutsche Ausgabe. – »Der innere Buchschmuck, seinerzeit von Prof. H. van de Velde für die holländische Ausgabe entworfen, ist auf Wunsch der Verfasserin beibehalten« (Vorwort). – Helene Kröller-Müller (1869–1939) sammelte mit großer Leidenschaft Werke Vincent van Goghs, Picassos und Mondrians. »Im Kaufrausch auf höchstem Niveau« trug Helene Kröger-Müller 12.000 Kunstwerke zusammen. Ihr Lebensziel, für ihre einzigartige Sammlung ein Museum zu erbauen, erfüllte sich – nach Entwürfen van de Veldes – 1938 in Otterlo/Niederlande.

26,5 : 20,0 cm. [8], 251, [5] Seiten. – Rücken verblasst, Deckel mit Lichtrand.

Brinks 145. – Weber 79 B (von C)

560  Emil Orlik – H. M. Weiss. Li.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Begleitet durch Radierungen, Aquarelle und Handzeichnungen von Emil Orlik. Berlin, Eigenbrödler [1925]. Mit fünf signierten Radierungen und 24, teils farbig lithographierten Tafeln. Cremefarbener Originallederband mit mit vergoldeter Negativprägung auf Rücken und beiden Deckeln sowie Kopfschnittvergoldung. Im Schuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 125 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan und mit den signierten Radierungen (Gesamtauflage 1.000). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert, von ihm stammt auch der Einbandentwurf. – H. M. Weiss’ Erzählungen spielen in der Zeit der Bürger- und Revolutionskriege. Emil Orlik (1870-1932) bereiste 1911 China und beschäftigte sich seitdem intensiv mit der fernöstlichen Kunst, die Illustrationen gehen auf damals entstandene Skizzen zurück. Die Faszination des Fernen Ostens wirkte in seinem Spätwerk und ließ ihn 1926 den Wunsch äußern, im hohen Alter »Gwakyo Rojin« genannt zu werden, »der in das Zeichnen vernarrte Greis«. – Bis auf die beanspruchten Innengelenke sehr schönes Exemplar.

26,5 : 20,3 cm. [8], 78, [8] Seiten. 5 Radierungen, 24 Tafeln.

561  Emil Orlik – Lafcadio Hearn. Sechs Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Frankfurt am Main, Rütten & Loening 1905–1912. Mit Buchschmuck von Emil Orlik. Flexible Originalpergamentbände mit ornamentierter Deckel- und Rückenvergoldung sowie Kopfgoldschnitt.

I. Kokoro. Mit Vorwort von Hugo von Hofmannsthal. 1909. – II. Lotos. Blicke in das unbekannte Japan. 1907. – III. Izumo. Blicke in das unbekannte Japan. 1910. – IV. Kwaidan. Seltsame Geschichten und Studien aus Japan. 1909. – V. Buddha. Neue Geschichten und Studien aus Japan. 1910. – VI. Kyushu. Träume und Studien aus dem neuen Japan. 1910. – II, IV und V in erster Auflage, die anderen in Nachauflagen. – Alle in autorisierter Übersetzung von Berta Franzos. – Der Buchschmuck stammt von Emil Orlik, der die Illustrationen für die erste deutsche Hearn-Ausgabe in sechs Bänden als Holzschnitte anfertigte. – Mit dem Beilageheft des Verlages: Einiges über Lafcadio Hearn und seine Werke. – Der irische Journalist und Schriftsteller Lafcadio Hearn (1850–1904) ging 1890 nach Japan, wo er bis zu seinem Lebensende blieb und unter seinem japanischen Namen Koizumi Yakumo Berühmtheit erlangte. In der Blütezeit des Japonismus hatte das Interesse am japanischen Farbholzschnitt Emil Orlik dazu bewegt, sich die Technik bei einem Japan-Aufenthalt 1900/01 anzueignen. In dieser Zeit lernte er Lafcadio Hearn kennen und die vorliegenden schöne Ausgabe war Ergebnis ihrer beider Begeisterung für japanische Kunst und Kultur. – Dazu: Lafcadio Hearn. Japan. Ein Deutungsversuch. Frankfurt a. M., Rütten & Loening 1912. Originalhalbpergamentband mit Rücken-, Deckel- und Kopfschnittvergoldung. – Alle tadellos erhalten.

21 : 15 cm.

562  Stanislaus Przybyszewski. Zur Psychologie des Individuums.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

I. Chopin und Nietzsche. – II. Ola Hansson. Berlin, Fontane & Co. 1892. Originalbroschuren.

Erste Ausgabe von Przybyszewskis (1868–1927) Erstlingswerk. – Przybyszewski avcancierte neben Strindberg zum Kopf der Berliner und skandinavischen Bohemiens in deren Stammkneipe »Zum schwarzen Ferkel«, wo er sich mit Ida und Richard Dehmel befreundete. Gerade auf letzteren hatte seine Dichtungen großen Einfluss. »Zwischen Chopin und Nietzsche bestand eine Art Sternenfreundschaft zweier Kometen« (der Autor 1892, zitiert nach der Werkausgabe). – Dazu: Stanislaus Przybyszewski. Der Schrei. München, Georg Müller 1918. Originalbroschur. Polnische Bibliothek III/3. Erste Ausgabe.

Je 19,8 : 13,2 cm. 48 Seiten; 178, [2] Seiten. – Umschläge am Rücken eingerissen. – Broschurumschlag mit Randläsuren. Innen etwas gebräunt.

563  Carl Rabus – Wilhelm Hauff. Die Bettlerin vom Pont des Arts.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 450

München, Hesperos 1921. Mit zehn signierten Radierungen von Carl Rabus. Pergamentband mit farbiger Tuschzeichnung auf dem Vorderdeckel.

12. Hesperos-Druck. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzusgausgabe mit den signierten Radierungen (Gesamtauflage 200). Auf Bütten. Auch der Druckvermerk vom Künstler signiert. – Vorliegendes Exemplar wurde in Pergament gebunden und vom Künstler vorn mit einer großen Deckelvignette (farbige Tuschen, 16,5 : 10,0 cm, monogrammiert »R«) mit Figuren aus dem Buch und dem kalligraphierten Titel verziert. – Carl Rabus (1898–1983) lebte und arbeitete in den 1920er Jahren in München, Berlin, Frankreich, Spanien und Italien. 1933 emigrierte er und kehrte erst 1974 nach Deutschland zurück.

28,5 : 20,7 cm. 167, [5] Seiten, 10 Radierungen. – Deckelränder leicht fleckig. – Titelradierung mit kleinem Prägestempel.

Rodenberg 403, 12. – Sennewald 21,2. – Lang, Expressionismus 282

564  Rainer Maria Rilke. Das Buch der Bilder.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 5600

Berlin, Axel Juncker [1902]. Mit einer Titelvignette nach einer Federzeichnung von Heinrich Vogeler. Originalpergamentband mit vergoldeten Titeln und Kopfgoldschnitt. – Widmungsexemplar..

Erste Ausgabe. – Eins von 500 Exemplaren, davon sicher nur eine Handvoll in Pergament gebunden. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vortitelblatt: »Meinem lieben Verleger Axel Juncker in Freundschaft und Dankbarkeit: Rainer Maria Rilke, Westerwede, im July 1902«. – Die Titelvignette Vogelers schmückte einige Zeit Rilkes Briefpapier. – Die Sammlung von 45 Gedichten ist durchgehend in Majuskeln gedruckt. 1906 folgte eine zweite, um 37 Gedichte erweiterte, formal und inhaltlich wesentlich veränderte Ausgabe. – »Im Buch der Bilder objektiviert sich Rainer Maria Rilkes Dichtung. Er war gewiss, wie Robert Musil es ausdrückte, ›der religiöseste Dichter seit Novalis‹, aber anders als im Stundenbuch ist seine Lyrik nicht hymnische Gebetsdichtung, sondern Gott, ›das Ding der Dinge‹, wird in ihnen selbst gesehen und gefunden« (suhrkamp.de).

22,7 : 15,0 cm. [96] Seiten. – Eine Seite geknickt, eine mit kleinem Tintenfleck.

Mises 19. – Neteler 77

565  Rainer Maria Rilke. Auguste Rodin.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Leipzig, Insel 1924. Mit 96 Tafeln. Violetter Maroquinband; Deckel- und Rückentitel, Kopfschnitt sowie mehrfache Fileten vergoldet.

Bereits in der Reihe »Die Kunst« im Julius Bard Verlag war 1903 ein biographischer Essay über Rodin erschienen. Die vorliegende Fassung, illustriert mit 96 Bilddtafeln, erschien im Insel Verlag erstmals 1913. – Der unsignierte Einband braucht in Gestaltung und Ausführung den Vergleich mit großen Vorbildern nicht zu scheuen. Souverän kombiniert er Schrift und Zierlinien, lebt vom Farb- und Materialkontrast und ist bis hin zu den fein marmorierten Vorsatzpapieren ein ästhetisches Gesamtwerk.

22,2 : 15,0 cm. 121, [3] Seiten, 96 Tafeln. – Buchschnitt minimal stockfleckig.

Vgl. Mises 33 und 34

566  Rainer Maria Rilke. Duineser Elegien.

Schätzpreis/Estimate: € 1800 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

Leipzig, Insel 1923. Dunkelgrüner Originalhalbmaroquinband mit vergoldetem Rückentitel, dunkelbraunen Deckelbezügen und Kopfschnittvergoldung. Im Originalschuber mit Lederkanten.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe, die teils in Ganz-, teils in Halbleder gebunden wurde, auf unbeschnittenem Einhorn-Bütten von Zanders. – Gesetzt aus der hier erstmals verwendeten Tiemann-Antiqua, gedruckt in Rot und Schwarz. – Der Text folgt der Handschrift im Besitz der Fürstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe. Rilke begann mit der Niederschrift 1912 als er in dem Adria-Schloss Duino der Fürstin lebte und beendete sie erst 1922. Rilke hat diese Gedichte zusammen mit den »Sonetten an Orpheus« als seine wichtigsten Arbeiten angesehen. So scheint es folgerichtig, dass von beiden Sammlungen 1923 vor den öffentlichen Ausgaben jeweils eine Luxusausgabe in kleinster Auflage erschien. – Sehr schönes Exemplar.

29,6 : 19,7 cm. [6], 52, [10] Seiten. – Exlibris.

Mises 94. – Sarkowski 1338

567  Rainer Maria Rilke. Die Sonette an Orpheus.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Geschrieben als ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop. Leipzig, Insel 1923. Blauer Originalkalblederband; Deckelvignette, Fileten und Kopfschnitt vergoldet, schwarz-goldenes Rückenschild (signiert: H. Sperling, Leipzig).

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Vorzugsexemplaren auf Bütten. – Druck bei Offizin W. Drugulin, Leipzig. – Ebenfalls 1923 erschienen die »Duineser Elegien«, auch von diesen wurde eine Vorzugs- und eine öffentliche Ausgabe gedruckt. – Die Vorsätze mit grün-bronzefarben marmoriertem Papier. – Seltene Einbandvariante in blauem Leder, es gibt Exemplare in grünem Leder und in Halbledereinbänden.

21,8 : 14,2 cm. [2], 63, [7] Seiten. – Einband leicht berieben und teils etwas verfärbt, innen sehr schön erhalten.

Mises 99. – Sarkowski 1357 VA

568  Karl Rössing-Schüler – Jochen Ehbets. 30 Holzschnitte.

Schätzpreis/Estimate: € 120 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 80

Essen, Folkwangschule [1930/31?]. Meist ganzseitige Holzschnitte. Originalumschlag. – Widmungsexemplar.

Originalausgabe. – Auf dem Vorblatt vom Künstler signiert und mit handschriftlicher Widmung von Meta Ehbets, datiert »Berlin-Wilmersdorf, 13.3.1931«. – Teils zu literarischen Vorlagen (Sinclair, Tolstoi, E.T.A. Hoffmann, Don Quichote). – Jochen Ehbets war Schüler der Rössing-Klasse an der Essener Folkwangschule. Der ganz offensichtlich für Ehbets stilprägende Rössing unterrichtete dort von 1927 bis 1931. – Sehr schönes Exemplar.

24,0 : 20,4 cm. [28] Blätter. – Umschlag leicht angestaubt.

569  Georg Walter Rößner – Josocus Hilarius [Gottfried August Bürger]. Neue weltliche hochdeutsche Reime, enthaltend die ebentheyerlich doch wahrhaftige Historiam von der wunderschönen Durchlauchtigen Kaiserlichen Prinzessinn Europa, und einem uralten heidnischen Götzen, Jupiter item Zeus genannt,

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 100

Als welcher sich nicht entblödet, unter der Larve eines unvernünftigen Stiers […] Jungfernraub auszuüben. Berlin-Wilmersdorf, A. R. Meyer 1919. Mit einer kolorierten und signierten Lithographie von Georg Walter Rößner. Originalbroschur.

Eins von 200 Exemplaren mit der kolorierten Lithographie, weitere 200 Exemplare erschienen unillustriert. – Auf Bütten.

26,0 : 19,4 cm. 14, [2] Seiten, 1 Lithographie. – Umschlag angestaubt und mit kleinen Braunflecken. – Innen sehr schön.

Raabe, Zeitschriften 144.61. – Hayn/Gotendorf IX, 92

570  Paul Scheerbart. Vier Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Berlin 1889 bis 1921. Originaleinbände.

I. Das Paradies. Die Heimat der Kunst. George & Fiedler 1889. Originalbroschur. – II. Ja .. was .. möchten wir nicht Alles! Ein Wunderfabelbuch. Erstes Heft. Verlag deutscher Phantasten 1893. Broschur mit Kleisterpapierumschlag. – III. Tarub Bagdads berühmte Köchin. Arabischer Kulturroman. Verein für Deutsches Schriftthum [1897]. Originalleinenband mit vergoldeten Titeln. Eins von etwa 400 Exemplaren. – IV. Von Zimmer zu Zimmer. 70 Schmoll- und Liebesbriefe des Dichters an seine Frau. Alfred Richard Meyer 1921. Illustrierte Originalbroschur. Lyrische Flugblätter, Nr. 90. – Die ersten eigenständigen Veröffentlichungen Paul Scheerbarts (1863–1915), der zeitlebens ein literarischer Einzelgänger blieb. Ständig am Rande des Existenzminimums lebend, suchte er alle sich bietenden Möglichkeiten der Veröffentlichung in verschiedensten Verlagen und Zeitschriften.

Rücken überklebt (I), Umschlag gebräunt (II). – Exlibris (II).

Kohnle S. 55, 35, 61 und 65. – Raabe/Hannich-Bode 260.1, 2, 4 und 29

571  Paul Scheerbart. Vier Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 160

Berlin, München und Leipzig 1898 bis 1920. Vier Originaleinbände, ein neuerer Einband.

I. NaProst! Phantastischer Königsroman. Berlin und Leipzig, Schuster & Loeffler 1898. Originalbroschur. – II. Die große Revolution. Ein Mondroman. Leipzig, Insel 1902. Neuerer Halbleinenband. – III. Lesabéndio. Ein Asteroiden-Roman. München und Leipzig, Georg Müller 1913. Originalbroschur. Mit vierzehn Zeichnungen von Alfred Kubin. – IV. Das graue Tuch und zehn Prozent Weiß. Ein Damenroman. München und Berlin, Georg Müller 1914. Originalhalbleinenband. – Dazu: Katerpoesie. Berlin, Ernst Rowohlt [1920]. Originalhalblederband. Zweite bis Vierte Auflage.

Umschlag gebräunt und fleckig (I, III), Broschurumschlag aufgezogen (I) bzw. hinterlegt und mit Läsuren (III). – Buchblock im Falz überklebt (I), Lagen gelöst (I). Exlibris (IV und V).

Kohnle S. 53, 30, 47, 28 und 40. – Raabe/Hannich-Bode 260.6, 9, 25 und 26; vgl. 20

572  Paul Scheerbart. Rakkóx der Billionaer.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Ein Protzenroman. Die Wilde Jagd. Ein Entwicklungsroman in acht anderen Geschichten. Leipzig, Insel 1901. Mit Buchschmuck von Jossot und einer Illustration von Felix Vallotton. Originalhalbleinenband mit Buntpapierbezug.

Titelauflage der ersten Ausgabe von 1900, die eine »Inkunabel des Insel-Verlages« war. – Gedruckt im Auftrag von A. W. Heymel. – Einbandentwurf, Buntpapiervorsätze und Buchschmuck von Henri Jossot.

21,2 : 14,8 cm. [6], 119, [1] Seiten. – Ränder beriebn.

Kohnle S. 57. – Sarkowski 1437

573  Paul Scheerbart. Drei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 280

1901–1912. Originalpappband und zwei -broschuren.

Die Seeschlange. Ein See-Roman. Minden, J. C. C. Bruns [1901]. Illustrierter Originalpappband. – Kometentanz. Astrale Pantomime in zwei Aufzügen. Leipzig 1903. Mit zahlreichen Vignetten nach Zeichnungen des Verfassers. Rote Originalbroschur mit vergoldeter Titelvignette. – Das große Licht. Ein Münchhausen-Brevier. Leipzig, Sally Rabinowitz 1912. Originalbroschur.

Rücken (I) bzw. Umschlag (III) gebräunt, Umschlag etwas fleckig (II). – Exlibris (I und III),.

Kohnle S. 61, 45 und 29. – Raabe/Hannich-Bode 260.8, 13 und 24

574  Paul Scheerbart. Immer mutig! Ein phantastischer Nilpferderoman mit dreiundachtzig merkwürdigen Geschichten.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Erster [und] Zweiter Teil. Minden, J. C. C. Bruns 1902. Mit zahlreichen Vignetten des Verfassers. Blaue Originalpappbände mit vergoldeten Umschlagillustrationen. In neuer Leinenkassette mit Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Exemplar der allgemeinen Ausgabe, die vom Verfasser im Druckvermerk »angekündigte« Vorzugsausgabe auf gegerbter Menschenhaut (Preis 50.000 RM) ist dankenswerter Weise nie erschienen. – Gewidmet Max Bruns, dem Verleger des Buches, mit dem Scheerbart mehrere Jahre in Briefkontakt stand. – Sehr schönes Exemplar.

16,0 : 11,5 cm. [8], 235, [1]; [4], 250, [2] Seiten. – Rücken minimal verfärbt.

Kohnle S. 33. – Raabe/Hannich-Bode 260.10

575  Paul Scheerbart. Liwûna und Kaidôh.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Ein Seelenroman. Leipzig, Insel 1902. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Mit zwei Textvignetten und einer Deckelillustration von Heinrich Vogeler. – Breitrandig gedrucktes, unbeschnittenes Exemplar.

18,2 : 12,3 cm. 131, [1] Seiten. – Rücken gebräunt. – Erste Lage gelöst.

Kohnle S. 49. – Sarkowski 1436. – Raabe/Hannig-Bode 260.11. – Neteler 73

576  Paul Scheerbart. Cervantes.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Berlin und Leipzig, Schuster & Loeffler [1904]. Mit Frontispiz und sieben Abbildungen auf Tafeln. Flexibler violetter Originalkalblederband mit Deckel-, Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Die Dichtung, Band VIII. – Eins von 20 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten und im Ledereinband. – Ob die Auflagenangabe »Zweites Tausend« fingiert ist, ist nicht bekannt. – Einbandentwurf, farbige Vorsätze und Buchschmuck von Heinrich Vogeler. – Unter Paul Remers Redaktion entstand bei Schuster & Loeffler die schnell populär gewordene Monographien-Sammlung »Die Dichtung«, die es in kurzer Zeit auf 60 Bände brachte und an der Dichter wie Gustav Falke, Ricarda Huch, Hugo von Hofmannsthal, Hermann Hesse, Fritz Mauthner, Gabriele Reuter, Paul Scheerbart, Johannes Schlaf, Richard Schaukal und viele andere mitarbeiten.

16,5 : 10,5 cm. 92, [4] Seiten. – Rücken leicht verblasst. Einband berieben, Hinterdeckel mit kleinen Kratzern und Druckstellen. Oberes Kapital eingerissen. – Handschriftlicher Eintrag auf der ersten Seite. Erste Lage im Falz mit Klebestreifen fixiert.

Kohnle S. 16. – Raabe/Hannich-Bode 260.14. – Neteler 109

577  Paul Scheerbart. Theater-Bibliothek.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Band III. Mit Federzeichnungen von Paul Scheerbart. Berlin, E. Eisselt 1904. Illustrierte Originalbroschur. In Kartonmappe mit montiertem Aquarell von Horst Hussel.

Erste Ausgabe. Revolutionäre Theaterbibliothek, Band III. – Inhalt dieses dritten von insgesamt sechs Bänden: Herr Kammerdiener Kneetschke. Eine Kammerdiener-Tragödie in 5 Aufzügen. – Das dumme Luder. Ein Jupiterdrama. – Es lebe Europa! Eine Kapitalistentragödie in 5 Akten. – Die Welt geht unter! Ein Tableau.

16,4 : 12,8 cm. 84, [4] Seiten. – Rücken mit Filmoplast überklebt. Umschlag gebräunt. Eckknick. – Heftung gelockert.

Kohnle S. 60. – Raabe/Hannich-Bode 260.17

578  Paul Scheerbart. Münchhausen und Clarissa.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 360

Ein Berliner Roman. Berlin, Oesterheld & Co. 1906. Illustrierte Originalbroschur. Im Schuber mit montiertertem Aquarell von Horst Hussel.

Erste Ausgabe. – Umschlagillustration und Textvignetten von Paul Scheerbart. – Münchhausen, der sagenhafte Lügenbaron, ist aus hundertjährigen Schlaf erwacht und macht die Menschen Europas mit der Zukunft bekannt. In sieben Wochentagen berichtet er von den Wundern der fiktiven Weltausstellung in Melbourne, der Melbourne-Kunst (Glasarchitektur, Malerei, Musik, Literatur), wie man sie im alten Europa noch nicht kennt.

21,0 : 14,0 cm.141, [3] Seiten. – Rücken und Ränder gebräunt. – Exlibris. Schnitt und äußerste Ränder mit wenigen Stockflecken. Eine Lage gelockert.

Kohnle S. 52.– Raabe/Hannich-Bode 260.18

579  Paul Scheerbart. Das Perpetuum mobile.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 160

Die Geschichte einer Erfindung. Dritte Auflage. Leipzig, Ernst Rowohlt 1910. Mit 26 Abbildungen auf einer mehrfach gefalteten Tafel. Illustrierter Originalpappband.

Paul Scheerbart unternahm tatsächlich Versuche zum Bau eines Perpetuum Mobile, dessen Modell er zwischen 1908 und 1910 mehrfach beim Patentamt anmeldete, was einen nicht unerheblichen Teil seiner kargen finanziellen Mittel verschlang. »Die Geschichte ist so großartig, daß ich immer noch zweifle, ob ich mich nicht täusche. Automobile, Fabrikschornsteine und Lokomotiven gäbs dann bald nicht mehr. Das sieht wie ein Witz aus, ist mir aber durchaus ernst. Andererseits nehm’ ichs selber gar nicht so wichtig, mir sind alle meine astralen Geschichten wichtiger« (Brief an R. A. Schröder, 20.5.1908, in »70 Trillionen Weltgrüße«, S. 351). – Die Einbandzeichnung von Ottomar Starke zeigt den Erfinder vor der Maschine und entzückte den Verfasser »Die Zeichnung ist einfach grandios.« (Scheerbart an Rowohlt, 13.8.1910).

21,8 : 18,0 cm. 44, [4] Seiten. – Bezugspapier gebräunt. Kapital angeplatzt.

Kohnle S. 47. – Raabe/Hannich-B. 260.22. – Göbel 19

580  Paul Scheerbart. Astrale Novelletten.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Karlsruhe und Leipzig, Dreililien 1912. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eines der letzten Bücher Scheerbarts, noch im gleichen Jahr wurden Restbestände der sicher ohnehin kleinen Auflage vom Georg Müller Verlag übernommen. – Mit dem Leipziger Zensurstempel. – Selten und gut erhalten. – Exlibris »Haus Markowski« (Holzstich von Oskar Bangemann nach einer Zeichnung von Max Liebermann, der einen Schüler Hanns Markowski hatte).

16,8 : 11,7 cm. 209, [3] Seiten. – Broschurumschlag gebräunt und mit kleinen Stempeln.

Kohnle S. 13. – Raabe/Hannich-Bode 260.23

581  Arthur Schnitzler. Liebelei.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Schauspiel in drei Akten. Als Manuscript vervielfältigt. Berlin, A. Entsch 1895. Halbleinenband der Zeit.

Sehr seltener Vorabdruck, ein Jahr vor der Buchausgabe 1896 bei S. Fischer. – Im vorliegenden Exemplar finden sich zahlreiche Anmerkungen und Skizzen zu einer Aufführung, die wir nicht bestimmen konnten. Mit Skizzen zum Bühnenbild, Regieanweisungen und Streichungen in Blei- und Farbstift. – Aus dem Nachlass des Schauspielers Robert Pirk, der 1917 in Brünn engagiert war. In den 1920er Jahren gehörte er zur Direktion der Berliner Rotter-Bühnen. – Wir konnten kein Exemplar im Schnitzler-Archiv der Unibibliothek Freiburg und keines im Schnitzler-Nachlass der Cambrigde University nachweisen.

19,5 : 12,5 cm. 59, [1] Seiten. – Einband verschlissen. – Etwas fingerfleckig und gebräunt, im Falz gelockert.

582  Rudolf Alexander Schröder. Heilig Vaterland.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Kriegsgedichte. Leipzig, Insel 1914. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Herrn Joh. Siedenberg mit besten Grüßen R. A. Schröder | Brüssel den 29. I. 16«. – Auch Schröder war damals von der umfassenden Kriegsbegeisterung ergriffen: »Zum 1. August 1914 | Gottlob, es ist erschollen | Das Wort, darauf wir bang geharrt […]«. Den Reinerlös dieser Publikation spendeten Dichter und Verlag (vorausschauend) dem Roten Kreuz. – Dazu: Steigerungsgedichte. Bremen 1934. Originalbroschur mit Goldpapierbezug. Erste Ausgabe. Fünfter Bremer Liebhaber-Druck. Eins von 200 Exemplaren. – Werke und Tage. Festschrift […] zum 60. Geburtstage am 26. Januar 1938. Herausgegeben von Ernst L. Hauswedell und Kurt Ihlenfeld. Berlin und Hamburg, Eckart und Dr. Ernst Hauswedell 1938. Mit einer Lithographie von E. R. Weiß. Originalleinenband. Eins von 1000 Exemplaren. – Rudolf Adolph. Schröder-Bibliographie 1953. Originalpappband. Eins von 500 Exemplaren.

18,5 : 12,7 cm. 39, [1] Seiten. – Rückenfalz leicht angeplatzt. – Leichter Lichtrand bei Festschrift und Bibliographie, sonst alle sehr gut erhalten.

Nicht bei Adolph. – Sarkowski 1540. – Die Beigaben: Adolph 29 und 889

582a  Ernst Schütte – Oscar Wilde. Der Priester und der Messnerknabe.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Deutsch von E. Sander. Illustriert von E. Schütte. Hannover, Der Zweemann Robert Goldschmidt 1919. Mit zwei blattgroßen Illustrationen, eine davon als Frontispiz. Originalhalbpergminband mit Japanpapierbezug.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe in »Halbpergament«. – Auf besserem Papier. – Der Editionsvermerk wurde auf das hintere Vorsatzpapier gestempelt und vom Künstler signiert. – Die apokryphe Wilde-Erzählung handelt von Homosexualität und Pädophilie eines Geistlichen. Bereits als Mitarbeiter des Goldschmidt-Verlages hatte Paul Steegemann eine Übersetzung des Textes bei Erst Sander in Auftrag gegeben. Diese erschien, nachdem Steegemann den Zweemann-Verlag übernommen hatte 1919/1920 in drei leicht variierenden Ausgaben. Ein unberechtigtes Plagiat von 1922 führte zu einer Verurteilung Steegemanns. – Ernst Schütte entwarf zahlreiche Umschlagillustrationen für Steegemanns Verlag. – Selten.

23,0 : 13,5 cm. 32 Seiten. – Deckelränder leicht verfärbt.

Vgl. Hayn/Gotendorf IX; 630 und Meyer 90 sowie dort Anmerkungen auf Seiten 12, 47 und 49

583  Richard Seewald – Adalbert Stifter. Abdias.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Erzählung. Originalradierungen von Richard Seewald. München, Drei Masken 1921. Mit neun signierten Radierungen und drei radierten Initialen. Originalhalblederband im Schuber.

Dritter Obelisk-Druck. – Eins von 250 Exemplaren (Gesamtauflage 320). – Im Druckvermerk signiert und hier entgegen allen Vergleichsexemplaren auch die neun Radierungen und das Vortitelblatt von Seewald signiert – es handelt sich eventuell um ein Künstlerexemplar. – Mit wenigen Ausnahmen wurden die Obelisk-Drucke in der Offizin der Mandruck, Berlin, gedruckt, die Radierungen auf deren Künstlerpresse.

19,8 : 14,5 cm. 154, [2] Seiten, 9 Radierungen. – Rücken restauriert, Deckelränder etwas angestaubt und minimal wellig. – Unbeschnittene Ränder leicht verfärbt.

Jentsch R 53–64. – Lang, Expressionismus 327. – Rodenberg 447, 3. – Schauer II,114

584  Anna Seghers. Das siebte Kreuz.

Schätzpreis/Estimate: € 750 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Roman aus Hitlerdeutschland. Mexiko, El Libro Libre 1942. Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Einer der bedeutendsten Romane der deutschsprachigen Exilliteratur. – Anna Seghers begann 1938 im Exil in Südfrankreich mit der Arbeit an diesem Roman. Bereits 1939 erschien das erste Kapitel in der Moskauer Zeitschrift »Internationale Literatur« und ebenfalls 1942 die vollständige englische Ausgabe in den USA. – Schönes Exemplar, Innendeckel mit Klebeschildchen der Buchhandlung des Pigmalion-Verlages in Buenos Aires, wo u. a. Stefan Zweigs »Schachnovelle« erschien.

19,7 : 15,7 cm. 468, [4] Seiten. – Rücken leicht angestaubt, Deckel etwas fleckig. – Besitzvermerk.

Sternfeld/Tiedemann S. 461. – Melzwig 657.1

585  Renée Sintenis – Hans Siemsen. Das Tigerschiff.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Jungensgeschichten. Zehn Radierungen von Renée Sintenis. Frankfurt am Main, Querschnitt-Verlag 1923. Mit zehn signierten Radierungen. Dunkelblauer Originalhalblederband mit rot-goldenem Rückenschild und Kopfgoldschnitt (signiert: Handband Enders Leipzig). Im Originalschuber mit Kleisterpapierbezug und Lederkanten.

26. Flechtheim Druck. – Eins von 250 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Künstlerin und Verfasser signiert. – Auf Bütten. – Aus dem Besitz von Bob Gésinus-Visser, niederländischer Maler und Bildhauer, mit dessen Exlibris (1898–1978). – Schönes Exemplar.

30,2 : 21,8 cm. 33, [1] Seiten, 10 Radierungen. – Rücken leicht verfärbt und berieben, Gelenke angeplatzt. – Exlibris. Vereinzelt an den Rändern wenige schwache Stockflecken.

Rodenberg, Seite 356, 26. – Schauer II, 113. – Lang, Expressionismus 333. – Imprimatur NF V, Seite 112 (Flechtheim)

586  Hans Siemsen. Wo willst du hin?

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Unveröffentlichtes Manuskript. Ohne Ort und Jahr [New York ca. 1946]. Klammergeheftete Broschur.

Erste Ausgabe dieser Sammlung, wohl zahlreiche Gedichte im Erstdruck. – Selten, da nur als hektographiertes Typoskript vervielfältigt und im Eigenverlag vertrieben. – Die Sammlung enthält die Zyklen »Liebe und Abschied«, »Emigration« und »Wo willst du hin?«. Am Ende: »Letztes Wort an den Leser: Böser und gefährlicher als die Atombombe ist unsere Herzensträgheit«. – Der Schriftsteller Hans Siemsen (1891–1969), bekennender Homosexueller und engagierter Gegner der Todesstrafe, entging 1933 nur knapp der Verhaftung. Er emigrierte 1934 nach Frankreich, später in die USA. Nach Kriegsende kehrte er nach Deutschland zurück, war jedoch nicht mehr schriftstellerisch tätig. – Titelblatt mit (eigenhändigem?) Namenszug »v. Hans Siemsen«.

21,5 : 14,0 cm. [32] Blätter. – Umschlagränder minimal bestoßen. – Die letzten beiden Blätter mit leichten Randläsuren.

Sternfeld/Tiedemann 466

587  Max Slevogt – Die Inseln Wak Wak.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Eine Erzählung aus 1001 Nacht. Mit 54 Steinzeichnungen von Max Slevogt. Berlin, Bruno Cassirer [1921]. Mit 57 Lithographien im Text, eine davon ganzseitig. Originalseidenband mit farbiger Deckelillustration nach einem Aquarell von Slevogt, Rückenschild und vergoldetem Kopfschnitt.

Eins von 360 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Lithographien wurden von M. W. Lassally, Berlin, mit der Handpresse in den Text eingedruckt, die von Seite 73 als Titelvignette wiederholt. – F. P. Greve übersetzte den Text nach der englischen Ausgabe von Burton, die enthaltenen Gedichte bearbeitete Herbert Eulenberg. – Slevogts zarte Lithographien passen sich in den entsprechend umbrochenen Satzspiegel so harmonisch ein, dass man an Einzeichnungen glauben mag. Der im Farblichtdruck illustrierte großformatige Seideneinband ist sicher ein Meilenstein der impressionistischen Buchgestaltung. – Schönes Exemplar.

42,5 : 32, 7 cm. [4], 146, [2] Seiten. – Gelenke verschlissen, am oberen Kapital mit kleiner Fehlstelle.

Söhn 481–536. – Rümann 49 a. – Lang, Impressionismus 208. – Schauer II, 85 (mit Abbildung). – Papiergesänge 34

588  Neue spanische Dichtung.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Übertragen von Roy Hewin Winstone und Hans Gebser. Berlin, Rabenpresse 1936. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe dieser von den Dichtern autorisierten Übertragungen. – Hans Gebser (1905–1973) gründete zusammen mit Victor Otto Stomps 1926 die Rabenpresse. Bemerkenswerte ist, das diese Auswahl von modernen und später weltberühmten spanischen Dichtern wie Rafael Alberti, Vincente Aleixandre, Luis Cernuda, Jorge Guillen, Emilio Prados, Pedro Salinas und Federico Garcia Lorca 1936 in Nazi-Deutschland, wenn auch in sehr kleiner Auflage, erscheinen konnte.

22,8 : 15,5 cm. 45, [3] Seiten. – Umschlag gebräunt, mit Lichtrand, am Oberrand kleiner Einriss und geknickt. – Äußerste Ränder mit wenigen kleinen Stockflecken. Im Falz gebrochen.

589  [Kurt Tucholsky] Ignaz Wrobel. Der Zeitsparer.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Grotesken. Berlin, Reuss & Pollack (Pollack & Glaser) 1914. Kordelgeheftete Originalbroschur mit farbiger Deckelillustration von Thomas Theobald Tomate [Kurt Szafranski].

Erste Ausgabe der zweiten Veröffentlichung Tucholskys, bei der er erstmals eines seiner Pseudonyme benutzte. Auch der beteiligte Künstler Kurt Szafranski verbarg sich hinter einem Pseudonym. – Mit der seltenen Bauchbinde: »Wollen Sie Zeit sparen, kaufen Sie!«.

22,5 : 14,6 cm. 23, [1] Seiten (einschließlich Umschlag). – Umschlag oben minimal fleckig und leicht angestaubt, Rückenfalz unten mit kleinem Einriss.

Bonitz/Wirtz I, C 2

590  [Kurt Tucholsky] Peter Panter. Ein Pyrenäenbuch.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Mit 33 Abbildungen. Berlin, Die Schmiede 1927. Mit zwölf Bildtafeln. Originalleinenband mit vergoldeten Titeln.

Erste Ausgabe dieser Sammlung, mit 25 Erstdrucken. – Alle späteren Ausgabe erschienen in veränderter Fassung. – Auf starkem Velin.

23,2 : 15,0 cm. 289, [3] Seiten. – Vorderes Innengelenk gebrochen. Obere Ecken mit schwachem Knick.

Bonitz/Wirtz I, C8

591  Fritz von Unruh – Alvin Kronacher. Fritz von Unruh.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

A Monograph. Introduction by Albert Einstein. Translated by Julia R. Stiller. New York, Rudolf Schick 1946. Mit vier Tafeln. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung von Fritz von Unruh für den Schauspieler Robert Pirk »in herzlicher Sympathie mit vielen Grüssen«, datiert »New York 1949«. – Der Band enthält neben dem Vorwort Einsteins (»in truth an inspiring model for all mankind«) und dem biographischen Essay Kronachers auch »The Violin-Maker« von Fritz von Unruh, »Unruh the Painter« von Max Osborn und eine Bibliographie. – Der engagierte Pazifist Fritz von Unruh hatte Deutschland bereits 1932 verlassen und kehrte erst 1948 in seine Heimat zurück. Bis zu seinem Tod 1970 engagierte er sich gegen Krieg und Wiederbewaffnung.

21,0 : 13,5 cm. 64 Seiten, 4 Tafeln. – Kratzspur auf dem Vorderdeckel, Rücken verblasst. – Vereinzelte Anstreichungen.

592  Heinrich Vogeler. Dir.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Gedichte. Leipzig, Insel 1920. Mit zahlreichen Illustrationen, Bordüren und Vignetten von Heinrich Vogeler. Originalhalbleinenband mit hellgrün und rot illustrierten Deckelbezügen.

Fünfte Auflage. – »Die von ihm selbst verfaßten und niedergeschriebenen Verse des Bandes ›Dir‹ von 1899, feinstrichig, schlank und dicht, bilden die wahre Mitte des rahmenden Liniengespinstes aus Blütengewächsen und Geäst« (Schauer I, 47). – Schönes Exemplar eines der typischsten Bücher des deutschen Jugendstils.

24,2 : 18,5 cm. [64] Seiten. – Exlibris.

Sarkowski 1842 A. – Schauer II, 12

593  Heinrich Vogeler. Sechs Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 350

1919–1922. Fünf illustrierte Originalbroschuren, ein Originalpappband.

I. Über den Expressionismus der Liebe. Hannover, Paul Steegemannn 1919. Silbergäule 12. Erste Ausgabe der veränderten Fassung. – II. Siedlungswesen und Arbeitsschule. Hannover, Paul Steegemannn 1919. Silbergäule 36. – III. Proletkult. Kunst und Kultur in der Kommunistischen Gesellschaft. Hannover, Paul Steegemannn 1920. Silbergäule 54. – IV. Die Freiheit der Liebe in der kommunistischen Gesellschaft. Hamburg, Konrad Hanf [1920]. – V. Kosmisches Werden und menschliche Erfüllung. Hamburg, Kommunistischer Kulturverlag der Kopf- und Handarbeiter 1921. – VI. Friede. Bremen, Angelsachsen 1922. Mit einem Porträt von Severin Janssen. – Zwei Jahrzehnte nach seinem Erstling »Dir« (siehe KatNr. 323) hatte sich Vogeler, zurückgekehrt aus dem Krieg, den Arbeiterräten seiner Osterholzer Heimat angeschlossen und versucht, in Worpswede eine kommunistische Kolonie zu gründen. Nur wenige Jahre später reiste er ein erstes Mal in die Sowjetunion, übersiedelte 1931 dorthin und starb 1942 in Kasachstan. – Gut erhalten. – Beigabe: Wilhelm Michel. Essays. Hannover, Steegemann 1920. Silbergäule 33.

Ca. 22,5 : 14,5 cm. – Einige mit Bleistiftbesitzvermerk.

Raabe/Hannich-Bode 319.2, 6, 7, 9, 12 und 13. – Neteler 284.2, 291, 303, 302, 309 und 317. – Meyer 22, 24 und 43

594  Heinrich Vogeler – Gustav Falke. Das Büchlein Immergrün.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 150

Eine Auswahl deutscher Lyrik für Junge Mädchen. Köln, Schafstein 1905. Mit koloriertem Titel und Buchschmuck von Heinrich Vogeler. Cremefarbener Originalkalikoband mit vergoldeter Vorderdeckelillustration, goldgeprägtem Rückentitel und Goldschnitt.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Neteler bezeichnet die Exemplare mit dem kolorierten Titelbild als Vorzugsausgabe. – Text und Buchschmuck in Gold gedruckt. – »Das intim gehaltene Bändchen ist ein Musterbeispiel für die Tendenz des Jugendstils zur Kostbarkeit« (Bilderwelt).

18,8 :12,2 cm. 119, [1] Seiten. – Vorderdeckel mit winzigen Flecken. – Vorsatz- und Vortitelblatt minimal stockfleckig.

Neteler 119. – Bilderwelt 470. – Düsterdieck 1945. – Lex. KJL III, 720

595  Robert Walser. Fritz Kocher’s Aufsätze.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Der Commis. Der Maler. Der Wald. Elf Zeichnungen von Karl Walser. Leipzig, Insel 1904. Mit elf Tafeln. Hellgrüne Originalbroschur mit Deckelillustration von Karl Walser, gedruckt in Gold und Schwarz.

Erste Ausgabe von Walsers erster Veröffentlichung. – Auf Bütten, die Illustrationen von Karl Walser auf festem Japanpapier. Vom Bruder des Dichters stammen auch die Umschlagzeichnung sowie die Kalligraphien des Doppeltitels und der Kapitelüberschriften. – Ermuntert durch Walsers Beiträge in der Zeitschrift »Die Insel« hatte sich der Verlag bereit erklärt, eine kleine Sammlung bisheriger Arbeiten aufzulegen. Es wurden 1300 Exemplare bei Breitkopf & Härtel gedruckt. Der Verkauf geriet zu einem Desaster, nach einem Jahr waren gerade einmal 47 (!!) Exemplare verkauft. Der Restbestand soll in einem Warenhaus verramscht worden sein. – »Karl Walser hat in das Buch viel Kompott hineingezeichnet; aber das schadet nichts« (Kurt Tucholsky, in »Die Schaubühne« 17, 1913, zitiert nach Badorrek-Hoguth).

17,8 : 11,6 cm. [4], 128 Seiten, 11 Tafeln. – Einband fleckig und beschädigt. – Stellenweise größere Stockflecken, gelockert.

Sarkowski 1872. – Badorrek-Hoguth 28.1

596  Robert Walser. Geschwister Tanner.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Roman. Berlin, Bruno Cassirer 1907. Etwas späterer Halblederband der Zeit mit fünf echten Bünden, schwarz-goldenem Rückenschild und Kleisterpapierbezügen (signiert: Buchb. Meink · Berlin). Der farbig lithographierte Originalvorderumschlag und Rücken der Broschur eingebunden.

Erste Ausgabe des ersten Romans von Robert Walser. – Die Auflage betrug lediglich 1000 Exemplare. – Die berühmte Einbandillustration schuf Karl Walser, der Bruder des Dichters. – Ein »Entwicklungsroman […], dessen Held sich jedoch kaum entwickelt« (KLL 3904). – Exlibris Feuerbacher Heide und Slg. Holzhausen. – Die Buchbinderei Meink in Berlin arbeitete in den 1920er Jahren für den Euphorion Verlag.

20,0 : 14,0 cm. [4], 319, [1] Seiten. – Kleisterpapier mit kleinen Kratzspuren. – Vorblätter, Vor- und Haupttitel leicht stockfleckig, sonst sehr schön.

Badorrek-Hoguth B 84.1

597  Robert Walser. Geschwister Tanner.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Roman. Zweite Auflage. Berlin, Bruno Cassirer [1907]. Halbleinenband mit Rückenschild, illustrierter Originalvorderumschlag eingebunden.

Im Jahr der Erstausgabe erschienener Neudruck von Walsers erstem Roman. – Innendeckel der Originalbroschur mit Widmungsblatt »Geschenk der Schweizerischen Schillerstiftung zu Ehren des Dichters«, mit (eigenhändigem?) Namenszug »Robert Walser«. – Die Illustration auf der Originalbroschur stammt von Karl Walser, dem Bruder des Dichters.

19,5 : 14,0 cm. [4], 319, [1], [12 Anzeigen-]Seiten. – Blattecken oben anfangs mit winzigem Verlust.

Badorrek-Hoguth B 84.2

598  Robert Walser. Geschichten

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

mit Zeichnungen von Karl Walser. Leipzig, Kurt Wolff 1914. Mit einer Titelvignette und 30 Illustrationen im Text. Illustrierter Originalhalblederband mit Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Der Bruder des Dichters steuerte die Titelvignette, die auf dem Vorderdeckel wiederholt wurde, und zu jeder der 30 Erzählungen eine Kopfvignette bei.

19,3 : 14,0 cm. IV, 231, [1] Seiten. – Vorderdeckel fleckig. – Vorderes Vorsatzblatt fehlt.

Badorrek-Hoguth A 30.1. – Göbel 175

599  Robert Walser. Kleine Dichtungen.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Erste Auflage hergestellt für den Frauenbund zur Ehrung rheinländischer Dichter. Leipzig, Kurt Wolff 1914. Originalpappband mit Einbandillustration von Karl Walser, gedruckt in Gold.

Erste Ausgabe. – Auf dem Vortitelblatt vom Dichter signiert. – Im Juli 1914, das Buch war bereits in der Herstellung, teilte Walser dem Verleger mit, dass er für eine Auszeichnung durch den »Frauenbund zur Ehrung rheinländischer Dichter« ausgewählt worden sei. Dies sollte die einzige öffentliche Ehrung bleiben, die dem Dichter zu Lebzeiten zuteil wurde. – Das Mitgliederverzeichnis des Frauenbundes (Seiten 285–312) verzeichnet 1048 Namen, so dass man von einer Auflage von etwa 1100 Exemplaren ausgehen kann. – Dazu: Gedichte. Berlin, Bruno Cassirer [1918]. Zweite Ausgabe der erstmals 1909 in kleiner Auflage erschienenen Gedichte. Die Radierungen jener Ausgabe sind hier reproduziert.

20,3 : 13,3 cm. 311, [1] Seiten. – Rücken gebräunt, Ecken leicht bestoßen. Ränder der Beigabe berieben, Gelenk beschädigt.

Badorrek-Hoguth B 86.1 und A 29.2. – Göbel 177

600  Robert Walser. Kleine Prosa.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Bern, A. Franke 1917. Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Von 1.500 gedruckten Exemplaren wurde etwa die Hälfte bei einem Lagerbrand vernichtet. – Selten und gut erhalten. – Dazu: Aufsätze. Leipzig, Kurt Wolff 1913. Mit Vignetten. – Kleine Dichtungen. Leipzig, Kurt Wolff 1915. Zweite Auflage. – Originalpappbände mit Illustrationen von Karl Walser.

19,5 : 12,7 cm. 201, [3] Seiten. – Rücken und Deckelränder etwas gebräunt (die der Beigaben stärker).

Wilpert/Gühring2 10. – Beigaben: Badorrek-Hoguth A 26 und B 86.2

601  Robert Walser. Poetenleben.

Schätzpreis/Estimate: € 160

Ausrufpreis/Starting bid: € 110

Frauenfeld und Leipzig, Huber 1918. Originalbroschur mit farbig lithographierter Vorderdeckelillustration von Karl Walser.

Erste Ausgabe. – Von den 2200 Exemplaren wurde ein Teil in Halbleinen gebunden und ein Teil broschiert ausgeliefert. – Schönes Exemplar der empfindlichen Broschurausgabe.

18,5 : 12,5 cm. [4], 183, [5] Seiten. – Vorderumschlag mit kleinem Besitzvermerk. Unbeschnitten.

Wilpert/Gühring2 12. – Badorrek-Hoguth B 87

602  Erich Weinert. Der Gottesgnadenhecht

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 250

und andere Abfälle. Berlin, Elena Gottschalk 1923. Originalbroschur mit Titelillustration des Verfassers.

Erste Ausgabe des Erstlings. – Die Angabe »3.–5. Auflage« beim Hinweis zur Titelzeichnung scheint fingiert, da auch Melzwig diese beim Erstdruck aufführt. – Erich Weinert (1890–1953), proletarisch-revolutionärer Dichter, war Anfang der 1920er Jahre Lehrer an der Magdeburger Kunstgewerbeschule und veröffentlichte damals erste Gedichte. In Leipzig und später in Berlin trat er erfolgreich als Kabarettkünstler auf und erhielt daraufhin in Preußen Redeverbot. Als Mitglied der Internationalen Brigaden berichtete er vom spanischen Bürgerkrieg und war ab 1941 im Moskauer Exil propagandistisch tätig. 1943 wurde er Präsident des NKFD, 1953 erschien sein Erinnerungsbuch an Heinrich Vogeler. – Sehr selten.

21,8 : 14,5 cm. 15, [1] Seiten. – Umschlag am Rückenfalz leicht berieben. – Ränder mit leichten Knickfalten und papierbedingt etwas gebräunt.

Melzwig 711.1

603  Friedrich Wolf. Zwei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

1929 und 1935. Originalbroschuren, I mit Umschlagbild von Elli Markus.

I. CyankaIi. § 218. Berlin, Wien und Zürich, Internationaler Arbeiter-Verlag 1929. Das Neue Drama, Band 1. – II. Doktor Mamlocks Ausweg. Tragödie der Westlichen Demokratie. Zürich, Oprecht & Helbling 1935. Alle Folgeausgaben erschienen unter dem Titel »Professor Mamlock«, der hier nur auf dem Umschlag abgedruckt wurde.

18,8 : 12,8 cm. 93, [3] Seiten. – 19,1 : 12,9 cm. 80, [2] Seiten. – Ränder etwas gebräunt.

Melzwig 784.1 und 798.2 (zeit- und inhaltsgleich erschien die Moskauer Ausgabe, die Melzwig als erste nennt). – II: Sternfeld/Tiedemann 551

604  Hedda Zinner. Unter den Dächern.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Gedichte. Moskau, Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter in der UdSSR 1936. Originalbroschur.

Erste Ausgabe von Hedda Zinners Erstling. – Mit einem Vorwort von Erich Weinert. – Im Moskauer Exil erschienen noch zwei weitere Gedichtsammlungen, bevor die Autorin nach Ostberlin zurückkehrte. Dort heiratete sie den Schriftsteller Fritz Erpenbeck. – Selten.

18,8 : 12,2 cm. 101, [3] Seiten. – Umschlagränder leicht verfärbt. Die ersten Blätter mit winzigem Eckverlust.

Sternfeld/Tiedemann 564. – Melzwig 825.1

605  Stefan Zweig. Silberne Saiten.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

Gedichte. Titelblatt und Randleisten von Hugo Steiner-Prag. Berlin und Leipzig, Schuster & Loeffler 1901. Moderner Pergamentband mit eingebundenem illustriertem Originalvorderumschlag.

Erste Ausgabe der ersten Buchveröffentlichung des gerade Neunzehnjährigen. – Die Idee, eine Auswahl seiner bereits entstandenen lyrischen Versuche zu veröffentlichen, kam Zweig noch während seiner Schulzeit. Die Kritik reagierte positiv, Zweig selbst distanzierte sich aber rasch von diesen Gedichten. – Die graphische Gestaltung des Bandes übernahm Hugo Steiner-Prag, von ihm stammen die Umschlagillustration, zwei große Zwischentitel- sowie Titel- und Schlussvignette. – Ehemals Sammlung Host Hussel, mit von ihm kalligraphierten Deckelschild.

22,2 : 14,3 cm. Seiten [3]–88 Seiten, ohne das leere Vorblatt. – Der Originalumschlag etwas fleckig und gebräunt sowie rechts sehr knapp beschnitten. – Vortitel mit kleinem Braunfleck, ansonsten innen sehr schön.

Klawiter D 4

606  Stefan Zweig. Die Feldpost. – Lebende Kampfmittel. – Kriegsgefangen.

Schätzpreis/Estimate: € 150 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 170

– In: Aus der Werkstatt des Krieges. Ein Rundblick über die organisatorische und soziale Kriegsarbeit 1914/15 in Österreich-Ungarn. Herausgegeben von Alois Veltzé. Wien, Manz 1915. Mit einem Porträt und mehrerenTafeln nach Zeichnungen von C. Pippich. Weinroter Originalkalikoband mit reicher Goldprägung.

Erste Ausgabe. – Enthält neben den drei Erstdrucken von Stefan Zweig weitere von Hugo von Hofmannsthal (Unsere Militärverwaltung in Polen, nicht im Houghton Library Katalog), Alfred Polgar und anderen. – Sehr schönes Exemplar des interessanten Seitenstücks einer Zweig-Sammlung. Die drei Texte, die zusammen etwa 50 Seiten umfassen, wurden später nie neu abgedruckt.

24,3 : 16,5 cm.[4], 345, [1] Seiten, 1 Porträt. – Stempel rückseitig auf Porträttafel.

Klawiter H 178, 371 und 385

607  Stefan Zweig. Sainte-Beuve.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 190

Frankfurt am Main, Frankfurter Verlagsanstalt 1923. Mit einem montierten Porträt. Originalbroschur mit Buntpapierumschlag.

Erste Ausgabe. – Eins von 200 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Bibliophiler Vorabdruck des Essays, der danach als Einleitung in der von Zweig herausgegebenen Auswahl der Literarischen Charakteristiken von Sainte-Beuve verwendet wurde. – Festgabe des Verlages und der Druckerei Poeschel & Trepte für die Frankfurter Bibliophilen-Gesellschaft.

18,5 : 11,5 cm. 24, [8] Seiten. – Umschlag berieben und am Rückenfalz aufgeplatzt.

Klawiter C 19. – Deutsche Bibliophilie 1898–1930 S. 179

608  Stefan Zweig. Abschied von Rilke.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Eine Rede. Tübingen, Rainer Wunderlich [1927]. Originalpergamentband.

Erste Ausgabe. – Eins von 30 Vorzugsexemplaren. – Der Druckvermerk vom Verfasser signiert und nummeriert. – Rilke war am 29. XII. 1926 im Sanatorium in Valmont verstorben. Der Dichterfreund Stefan Zweig hielt die Gedenkrede am 20.II.1927 im Münchner Staatstheater. Sie wurde »in der Unmittelbarkeit ihres ersten Ausdrucks wiedergegeben«. – Sehr selten.

19,2 : 11,7 cm. 30, [2] Seiten. – Deckel unvermeidlich etwas verzogen. Hinterer Vorsatz leicht stockfleckig.

Klawiter C 1 (datiert 1928). – Mises 1124

609  Stefan Zweig. Schachnovelle.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 3800

Buenos Aires, Pigmalion 1942. Originalbroschur mit Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren (Gesamtauflage 300). – Stefan Zweigs letzte Veröffentlichung. – »Das Original dieses Buches wurde vom Verfasser wenige Stunden vor seinem Tod seinem Freund und Übersetzer Alfredo Cahn zugeschickt und erscheint als Liebhaberdruck […]« (Druckvermerk). – Im Exil erschienen und zudem in kleiner Auflage zählt diese Erstausgabe zu den seltensten Zweig-Editionen. – Dazu: Schachnovelle. Stockholm, Bermann-Fischer 1943. Originalhalbleinenband.

20,2 : 13,4 cm. [97], [3] Seiten. – Kapitale etwas bestoßen, unteres stärker.

Klawiter F 110 und 112