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Literatur und Kunst 1900-1945 | Hesse-Auktionen
Literatur und Kunst 1900-1945

306  Antoine Bourdelle – Pierre Louÿs. Léda.

€ 450

[Ohne Ort,] L’Astragale 1974. Mit 48 Tafeln, davon 40 nach Aquarellen und acht nach Zeichnungen Bourdelles. Lose in illustriertem Originalumschlag und türkisfarbener Originalkassette mit Goldprägung.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 40 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf »Japon Impérial« mit einer dreizehnteiligen »décomposition« eines der Aquarelle (Gesamtauflage 210). – Der 1893 verfasste Text erschien erstmals 1898 mit Illustrationen von Paul-Albert Laurens. Die Aquarelle des vorwiegend als Bildhauer bekannt gewordenen Émile-Antoine Bourdelle (1861–1929) entstanden um 1912. Von Auguste Rodin bewundert, wurde er Kunstlehrer und unterrichtete unter anderem Matisse und Giacometti. – Gesetzt aus der 14p Baskerville, gedruckt bei Fequet und Baudier. – Die stimmungsvollen Aquarelle, deren Reiz besonders in der Vorzugsausgabe auf dem mattglänzenden Japanpapier zur Geltung kommt, wurden bei Daniel Jacomet aufwendig reproduziert.

40,0 : 29,0 cm. 14, [2] Seiten, 61 Tafeln.

Nicht bei Monod

307  Erich Büttner – Margot Berliner. Flüge im Abendrot.

€ 200

Gedichte. Mit fünf Original-Lithographien und Einbandzeichnung von Erich Büttner. Berlin, Reuss & Pollack 1920. Mit sechs [!] kolorierten signierten Lithographien. Originalseidenband mit farbig lithographierter Deckelillustration.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf rheinischem Bütten. – Die montierten Lithographien wurden im Stein und zusätzlich mit Bleistift signiert, der Druckvermerk von der Dichterin signiert. – Über die Autorin ist fast nichts bekannt. Oskar Loerke schrieb über ihren Erstling, der auch ihre einzige Veröffentlichung bleiben sollte, sie habe »in erheblichen Teilen ihres Buches einen vollkommen reinen Dilettantismus erreicht, also etwas weit Selteneres als den sanften Augenaufschlag und die hektisch holde Wangenrötung des Achtel- oder Zehnteltalents« (Der Bücherkarren, 1965, S. 67). Den opulenten Druck auf schönem Papier lobte er zu Recht dennoch.

29,0 : 20,0 cm. 61, [3] Seiten, 6 Lithographien. – Schönes Exemplar.

Lang, Impressionismus 21

308  Arno Breker. Der Prophet des Schönen.

€ 150

Skulpturen aus den Jahren 1920–1982. Mit Texten von Ernst Fuchs. Katalog und Biographie von Volker G. Probst. München, Richard P. Hartmann 1982. Mit drei signierten Lithographien und zahlreichen Abbildungen. Originalleinenband mit -schutzumschlag. Im Originalschuber.

Eins von 1000 Exemplaren der Luxusausgabe mit den signierten Lithographien »Athlet«, »Aphrodite« und »Adam und Eva«, die eigens für diese Monographie entstanden. – Arno Breker (1900–1991) zählt innerhalb der deutschen Kunstgeschichte sicher zu den umstrittensten Künstlern. – Der großformatige Band dokumentiert die Entwicklung des Bildhauers von den frühen Schaffensjahren über die der nationalsozialistischen Kunstauffassung verpflichteten Monumentalwerke der 1000 Jahre zwischen 1933 und 1945 bis zu den Nachkriegsarbeiten.

40,3 : 30,8 cm. 220, [20] Seiten, davon etwa 190 ganzseitige Abbildungen.

309  Jean Cocteau. Le Potomak

€ 200

1913–1914 précédé d’un Prospectus 1916. Texte définitif. Paris, Stock 1924. Mit zahlreichen, meist ganzseitigen Illustrationen des Verfassers. Originalbroschur.

Eins von 550 Exemplaren auf »Fil du Marais« (Gesamtauflage 685). – Erste öffentliche Ausgabe; der Erstdruck in abweichender Fassung erschien 1919 in gerade einmal 62 Exemplaren. – Enthält das vom Verfasser comicartig illustrierte »Album des Eugènes« mit 63 ganzseitigen Zeichnungen.

18,5 : 11,5 cm. [2], 341, [5] Seiten. – Rücken verblasst.

Vgl. Monod 2929

310  Bruno Goldschmitt – Friedrich Schiller. Wilhelm Tell.

€ 300 ( R7 )

Ein Schauspiel in fünf Aufzügen. München, Julius Schröder 1921. Mit 17 Holzschnitten von Bruno Goldschmitt, davon elf ganzseitig. Pergamentband mit Deckeltitel und -vignette in Negativblindprägung, Schnittvergoldung. In gefütterter Schmuckkassette.

Meisterwerke der Weltliteratur mit Original-Graphik, Band 6. – Eins von 420 im Druckvermerk signierten Exemplaren (Gesamtauflage 550). – Auf rheinischem Bütten mit dem Verlagssignet als Wasserzeichen. – Der bemerkenswerte, leider unsignierte Einband, der wohl erst in den 1950/60er Jahren entstand, greift sowohl die Bildsprache des Künstler als auch die Typographie des Buches auf. Gesetzt wurde aus der Hupp-Fraktur. – Tadellos erhaltenes Unikat.

30,0 : 23,0 cm. 128, [4] Seiten.

Sennewald 22, 4. – Rodenberg 433, 6

311  Lovis Corinth – Das Hohe Lied.

€ 750 ( R7 )

Mit Originallithographien von Lovis Corinth. Berlin, PAN-Presse Paul Cassirer 1911. Mit 26 Farblithographien, davon acht im Text, acht Initialen, zehn signiert und blattgroß. Originahalblederband.

Fünftes Werk der PAN-Presse. – Eins von 250 Exemplaren der Ausgabe auf Strathmore-Japan (Gesamtauflage 310). – »Leicht möglich, daß dem einen oder anderen Beschauer – der an eine fromme und sanfte Auffassung des Hohen Liedes gewöhnt ist – die starke männliche Sinnlichkeit seiner Visionen, die Wildheit der Linien, die Kühnheit der Farben erschrecken.« (Verlagsprospekt). – Kurz nach »Das Buch Judith« als zweite Illustrationsarbeit Corinths erschienen; Cassirers Projekt »Bücher der Bibel in der Übersetzung von Martin Luther« blieb auf diese beiden Corinth-Bücher beschränkt. – Jedes der acht Kapitel enthält eine Initiale, eine ganzseitige und eine halbseitige Illustration. – Corinth zeichnete auf Umdruckpapier, seine Arbeiten wurden dann zusammen mit dem von Else Penzig kalligraphierten Text auf die Lithosteine übertragen. Der Druck der einseitig bedruckten Blätter erfolgte also rein lithographisch.

43,7 : 32,0 cm. [30] Blätter. – Einband etwas stockfleckig. – Seitenränder schwach gebräunt.

Schwarz 82, I–XXVI. – Lang, Impressionismus 24. – Feilchenfeldt/Brandis 29.B. – Rodenberg 452, 5

312  Lovis Corinth – Saul und David.

€ 1000 ( R7 )

Die beiden Bücher Samuelis mit Original-Lithographien von Lovis Corinth. Berlin, Propyläen 1923. Mit einer signierten Radierung und insgesamt 28 Lithographien, davon 23 blattgroß. Dunkelroter Originalhalbmaroquinband mit vergoldeten Titeln. Im Schuber.

Mit »B« bezeichnetes Exemplar, wie die 100 der zweiten Vorzugsausgabe mit der signierten Radierung. – Auch im Druckvermerk von Corinth signiert. – Druck der Radierungen bei A. Rogall, Berlin. Den Text druckte Jakob Hegner, Dresden-Hellerau. – Auf getöntem Einhorn-Bütten von J. W. Zanders. – Illustrationen zu biblischen Texten stehen am Anfang und Ende von Corinths buchkünstlerischem Schaffen: 1910 und 1911 schuf er für Cassirers Pan-Presse Lithographien zu »Das Buch Judith« und »Das Hohe Lied«. »Saul und David« und »Die Sündfluth« entstanden in seinen letzten Lebensjahren. – »In stimmungsvolle Dunkelheit fällt das Licht auf dramatische Szenen, wobei einzelne Motive, wie die männlichen und weiblichen Aktfiguren, dem Bilderrepertoire des Künstlers entnommen sind.« (Papiergesänge).

39,0 : 29,5 cm. 146, [6] Seiten. 1 Radierung. – Kanten minimal berieben. – Vorsatz mit Besitzvermerk. Kleiner Bibliotheksstempel auf Vorsatz und rückseitig auf dem Titelblatt.

Müller 746–774. – Lang, Impressionismus 42 (mit originellem Druckfehler). – Papiergesänge 40 mit ganzseitiger Abbildung der Radierung)

313  Guy Lévis Mano – GLM – 30 Publikationen des Verlages.

€ 400

Paris 1936–1954. Teils mit Illustrationen. Originalbroschuren.

André Breton/Paul Eluard. Notes sur la poésie. Avec un dessin de Salvador Dali. 1936. Mit einer doppelblattgroßen Tafel. Originalbroschur. – Erste Ausgabe. – Unnummeriertes Exemplar auf Velin (Gesamtauflage 115). – Desweiteren: Paul Eluard. Liberté. 1945. Eins von 390 Exemplaren. – Martin Perkins. Leaves of Buchenwald. 1946. Eins von 340 Exemplaren. – Guy Lévis Mano. Mal à l’homme. 1948. Eins von 234 Exemplaren. – Paul Valet. Comme ça. 1952. Mit Illustrationen des Verfassers. Eins von 300 Exemplaren. –Romance de Don Bueso. 1954. Eins von 410 Exemplaren. – Weitere Publikationen von Guy Lévis Mano, Federico Garcia Lorca, Tristan Corbière, Maurice Blanchard, René Brock, Saint-John Perse, Paul Valet, Tom Koreman, Wladimir Majakowski u. a. – Meist unaufgeschnitten, in kleinen nummerierten Auflagen. – Guy Lévis Mano (1904–1980), Autor, Übersetzer und Typograph, gründete 1923 seinen Verlag, der fünf Jahrzehnte erfolgreich versuchte, zeitgenössische Dichtung in mustergültiger Typographie zu erschwinglichen Preisen zu publizieren. – Zwei Beigaben.

Verschiedene Formate. – Leichte Alterungsspuren.

314  Johannes von Guenther. Fahrt nach Thule.

€ 250

Gedichte. – Der Magier. Phantastisches Schauspiel in einem Akt. München, Georg Müller 1916. Originalhalblederbände mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Sehr seltene und frühe Erstausgaben. – I. Eins von 25 Exemplaren. Mit einer Schlussvignette von Marianne Gräfin Mörner. – II. Eins von 23 Exemplaren (Gesamtauflage 800). – Beide im Druckvermerk vom Autor signiert, beide auf Bütten. – Johannes von Guenther (1886–1973) leitete in München seit 1916 den Georg Müller Verlag und gründete 1919 seinen eigenen Musarion-Verlag. Obwohl er im oberbayerischen Kochel lebte, publizierte er nach 1945 seiner Lebensaufgabe folgend im Berliner Aufbau-Verlag zahlreiche Übersetzungen aus dem Russischen und gilt seither als der wohl produktivste russisch-deutsche Literaturübersetzer des 20. Jahrhunderts.

I. 19,4 : 15,3 Seiten. 121, [7] Seiten. Kanten leicht berieben. – II. 21,4 : 14,5 Seiten. 35, [5] Seiten. Rücken verfärbt, Kanten berieben. Einige Seiten stockfleckig, Schnitt stärker.

315  Gerhart Hauptmann. De Waber.

€ 150 ( R7 )

(Die Weber.) Schauspiel aus den vierziger Jahren. Dialekt-Ausgabe. Berlin, S. Fischer 1892. Dunkelbrauner Maroquinband mit Vergoldung, Originalbroschurumschlag eingebunden.

Erste Ausgabe, noch vor der »dem Hochdeutschen angenäherten Fassung« erschienen. – Handexemplar des Theaterkritikers Paul Schlenther (1854–1916), mit dessen eigenhändigem Besitzvermerk und Anstreichungen und Anmerkungen im Text. Nach seiner Tätigkeit im Redaktionsverband der »Vossischen Zeitung«, wo er, eine Zeit lang zusammen mit Theodor Fontane, das Schauspielreferat und die Leitung der Sonntagsbeilage übernahm, gründete Schlenther 1889 mit Otto Brahm, Maximilian Harden und anderen die »Freie Bühne«. Von 1898 bis 1910 war er Direktor des Wiener Burgtheaters. Er gilt als Vorkämpfer des Naturalismus und als der erste Biograph Gerhart Hauptmanns.

19,8 : 13,3 cm. 58], 117, [3] Seiten. – Rücken minimal verblasst. – Broschurumschlag angestaubt und mit Eckknick.

Wilpert/Gühring 9

316  Hermann Hesse. Das Glasperlenspiel.

€ 900

Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften. [Zwei Bände]. Zürich, Fretz und Wasmuth 1943. Zwei rote Kalblederbände, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Reliures Schuhmacher Berne). Zusammen im Schuber.

Erste Ausgabe des großen Spätwerks. – Das zweite uns bekannt gewordene, gleichartig gebundene, Exemplar einer höchstwahrscheinlich vom Verlag edierten Luxusausgabe. – Auf dem ersten Titelblatt vom Dichter signiert. – In einer von mörderischem Krieg umtosten Schweiz schrieb Hesse seine Zukunftsvision einer elitären, universal gebildeten Gesellschaft.

19,0 : 12,0 cm. 451, [1]; 441, [1] Seiten. – Rücken verfärbt, Vergoldung der Rückentitel aufgefrischt.

Mileck 76

317  Walther Klemm – Johann Wolfgang von Goethe. Reineke Fuchs.

€ 300

Mit Originalholzschnitten von Walther Klemm. Weimar, Gustav Kiepenheuer 1916. Mit 47 Holzschnitten, davon 25 im Text. Originalhalblederband mit Deckelholzschnitt.

Eins von 500 Exemplaren in Halbleder (Gesamtauflage 650). – Gesetzt aus der Alten Drugulin-Fraktur, gedruckt auf Van Gelder-Bütten. – Walther Klemms hervorragende Holzschnitte und das Gestaltungsprinzip, jeden der zwölf Gesänge mit einer Kopf- und Schlussvignette sowie mehreren großformatigen Illustrationen zu versehen, erinnern an die Ausstattung der Kaulbach-Ausgaben des 19. Jahrhunderts. Die Kiepenheuer-Edition bildet einen Höhepunkt der Reineke-Illustrationen im frühen 20. Jahrhundert. – »Es ist eines der wenigen Bücher mit Holzschnitt-Illustrationen, in denen Klemm sich technisch impressionistischer Stilistik nähert« (Lothar Lang).

38,5 : 28,5 cm. 171, [5] Seiten, 22 Holzschnitte. – Rücken leicht berieben, oberes Kapital und und Ecken leicht bestoßen. Hinterdeckel mit Lichtrand, Vorderdeckel minimal fleckig. – Sammlerstempel auf Vorsatz und Titelblatt.

Sennewald 16, 2 (kennt die vollständige Zahl der Holzschnitte nur für die Vorzugsexemplare). – Lang, Impressionismus 101

318  Walther Klemm – Daniel Defoe. Das Leben und die ganz ungemeinen Begebenheiten des weltberühmten Engelländers Robinson Crusoe,

€ 400

[…] Von ihm selbst beschrieben und, nach der dritten engelländischen Edition, auf vornehmes Begehren, ins Teutsche übersetzt, nachmals in dieser gekürzten Form an Tag geben. Mit 10 Steinzeichnungen von Walther Klemm. Leipzig, Friedrich Dehne 1919. Mit zehn signierten Lithographien. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel (signiert: Hübel & Denck, Leipzig).

Eins von 300 Exemplaren. – Den Text druckte Dietsch & Brückner, die Lithographien unter Aufsicht des Künstlers die Hochschule für Bildende Künste, beide Weimar. – Auf unbeschnittenem, chamoisfarbenen Bütten. – Schönes Exemplar. – Dazu: Honoré de Balzac. Der Succubus.. Mit zehn Radierungen von Walther Klemm. Weimar, Reiher [1924]. Mit zehn signierten Radierungen. Halblederband mit Pergament-Deckelbezügen und roten Titelschildern. Exemplar 62 von 170, jedoch wie die Exemplare der Vorzugsausgabe auf Einhorn-Zanders-Bütten gedruckt (Gesamtauflage 200). Nicht gekennzeichneter Druck der Cranach-Presse.

31,0 : 26,0 cm. 53, [3] Seiten. 10 Lithographien. – Deckelränder leicht gebräunt und berieben. – Exlibris, Sammlerstempel rückseitig auf dem Titelblatt.

Sennewald 19, 2 u. 24, 2. – Lang, Impressionismus 102. – Beigabe: Müller-Krumbach 36

319  Walther Klemm. Das Paradies.

€ 500

6 handkolorierte Steinzeichnungen. Weimar, Reiher 1920. Titellithographie und sechs Lithographien, alle koloriert und signiert. Lose in Originalhalbpergamentmappe mit lithographierter Deckelvignette.

Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 110). – Gedruckt in der Graphischen Abteilung des Staatlichen Bauhauses Weimar, die Mappe wurde in der Handbuchbinderei Otto Dorfner in Weimar herstellt. – Auf dünnem Bütten, jede Lithographie in einem grauen Büttenpassepartout. – Walther Klemm (1883–1957) war künstlerischer Leiter des Reiher-Verlages, der von Otto Dorfner gegründet wurde. – In allen bei auktionspreise-online.de verzeichneten Exemplaren fehlte zumindest die ebenfalls üppig illustrierte Titellithographie. – Vollständiges Exemplar der großen und entzückend kolorierten Kreidelithographien.

46 : 33 cm (Lithographien), 62 : 44 cm (Mappe). – Vorderdeckel etwas angestaubt und mit minimal bestoßener Ecke. – Die erste Lithographie minimal gebräunt.

Katalog Lindenau-Museum 1951–1957. – Sennewald 20, 2

320  Walther Klemm – Wilhelm Tell.

€ 300

41 Holzschnitte. 1929. 27,0 : 19,0 cm. 40 Blätter signiert.

Auf Japan. – Im Exemplar der Sammlung Hoh fehlt der hier vorhandene Holzschnitt mit Tells Aufbahrung, hier fehlt dafür der Vignettenholzschnitt von Seite 58. – Dazu: Wilhelm Tell. Schauspiel von Friedrich v. Schiller. Berlin, Deutsche Buchgemeinschaft 1929. Mit 43 Holzschnitten im Text, davon zwei ganzseitig, und 14 Holzschnitt-Initialen. Originallederband mit geprägter Vorderdeckelillustration nach einem Holzschnitt. – Auf Alfa-Werkdruckpapier. – Jubiläumsdruck anlässlich des 125. Jubiläums der Uraufführung. – Nicht alle Holzschnitte der Suite wurden im Buch verwendet, dafür dort einige doppelt und einige nicht in der Suite enthaltene.

Einzelne Holzschnitte mit einigen schwachen Stockflecken. – Buch: 25,9 : 19,8 cm. 213, [3] Seiten. – Einband leicht fleckig.

Katalog Lindenau-Museum 2277–2317 (hier ohne 2288). – Vgl. Sennewald 23, 1

321  Gustav Klimt. 50 Handzeichnungen.

€ 350 ( R7 )

Mit einem Vorwort von Hermann Bahr. Leipzig und Wien, Thyrsos 1922. 50 Tafeln und Textheft. Lose in Originalhalbpergamentmappe mit Deckeltitel in Rot und Gold.

Eins von 350 Exemplaren (Gesamtauflage 375). – Die Einbandzeichnung entwarf Julius Klinger. – Die Zeichnungen aus verschiedenen Wiener Privatsammlungen wurden hier, mit wenigen Ausnahmen, erstmals veröffentlicht.

28,2 : 21,0 cm. Titelseite und die erste Tafel minimal fleckig, Kassettenflügel etwas angestaubt.

322  Alois Kolb – Börries von Münchhausen. Bayard.

€ 250

Ein Balladenkranz. Mit sieben Radierungen von Alois Kolb. Berlin, Eigenbrödlerverlag [1922]. Mit sieben Radierungen. Cremefarbener Originalschweinslederband mit ornamentaler Deckel- sowie Steh- und Innenkantenvergoldung, schwarz-goldenem Rückenschild und Kopfgoldschnitt.

Eins von 25 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen. – Im Druckvermerk von Verfasser und Künstler signiert. – Auf starkem Velin, die Initialen und Titelzeilen in Blau gedruckt. – Herausgegeben vom Künstlerdank (Clauss-Rochsstiftung). – Der wegen seiner Balladendichtung bekannte Freiherr von Münchhausen (1874–1945) gründete 1930 gemeinsam mit seinem Cousin Hans Albrecht von der Gabelentz-Linsingen, damals »Burghauptmann der Wartburg«, die dort ansässige »Deutsche Dichterakademie«.

24,0 : 17,5 cm. [40] unnummerierte Seiten. 7 Radierungen. – Einband etwas fleckig. Rücken verfärbt, Ränder und Bünde leicht berieben. – Vereinzelt wenige Stockflecken.

Sennewald 22, 6

323  Alfred Kubin – E. T. A. Hoffmann. Nachtstücke.

€ 300

Mit achtundvierzig Zeichnungen von Alfred Kubin. München und Leipzig, Georg Müller 1913. Mit 48 Illustrationen, davon zwölf ganzseitig. Brauner marmorierter Originallederband mit Rückenschild und Kopfgoldschnitt.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Holländischem Bütten und in Ganzleder. – Gesetzt aus der Hausfraktur der Spamerschen Buchdruckerei. – Buchausstattung von Paul Renner. – Teils unaufgeschnitten.

22,5 : 17,8 cm. [6], 305, [5] Seiten. – Kanten leicht berieben, Deckel mit kleinen Kratzspuren. – Titelblatt mit winzigem Sammlerstempel.

Marks A 17. – Raabe 55

324  Alfred Kubin – Oscar A[dolf] H[ermann] Schmitz. Haschisch.

€ 300

Erzählungen. Mit dreizehn Zeichnungen von Alfred Kubin. München und Leipzig, Georg Müller 1913. Mit 13 ganzseitigen Illustrationen. Brauner marmorierter Originallederband mit Rückenschild und Kopfgoldschnitt (Hübel & Denck).

Erste Ausgabe mit Kubins Illustrationen. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Van Gelder-Bütten und in Ganzleder (Gesamtauflage 800). – Vierte Auflage, die ersten drei erschienen ohne Illustrationen. – Einbandentwurf von Paul Renner.

25,8 : 19,8 cm. [14], IV, 109, [5] Seiten, 13 Tafeln. – Kanten und Ecken etwas berieben, Rücken stärker. Deckel mit winzigen Kratzspuren. – Vorsätze stockfleckig.

Marks A 20. – Raabe 58

325  Oskar Laske – Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

€ 300

Buch der Kindheit. Wien, Leipzig und München, Rikola 1922. Mit sechs Farblithographien von Oskar Laske. Hellblauer Pappband mit montiertem Originaltitelschild.

Erste Ausgabe des ersten Buches. – Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Mit einem hochstaplerisch wirkenden Exlibris der Library of Parliament Tasmania mit handschriftlichem Namenszug »F. Krull«.

30,7 : 24,7 cm. 65, [3] Seiten, 6 Lithographien. – Rücken verblasst. – Vereinzelt minimal fleckig.

Potempa D 12.1

326  Oskar Laske – Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

€ 200

Buch der Kindheit. Wien, Leipzig und München, Rikola 1922. Mit sechs Farblithographien von Oskar Laske. Neuer Pappband mit Marmorpapierbezügen und Originaltitelschildern.

Erste Ausgabe des ersten Buches. – Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Der Roman, der letztlich unvollendet blieb, erschien erst 1954. Die erste Anregung zum Stoff soll Thomas Mann bereits 1905 durch die deutsche Ausgabe der Erinnerungen eines rumänischen Hochstaplers erhalten haben. Er begann etwa 1910 mit ersten Niederschriften, aus der ein Bruchstück 1911 im Almanach des S. Fischer-Verlages abgedruckt wurde. Das vorliegende »Buch der Kindheit« wurde ebenfalls bereits 1911 abgeschlossen (vgl. KNLL XI, 58). Erst nach fast 30 Jahren nahm Mann die Arbeit an dem Stoff wieder auf. – Unaufgeschnittenes Exemplar, gedruckt bei Mandruck, München, auf chamoisfarbenem Bütten.

30,7 : 24,7 cm. 65, [3] Seiten, 6 Lithographien.

Potempa D 12.1

327  Thomas Mann. Buddenbrooks.

€ 4500 ( R7 )

Verfall einer Familie. Roman. Zwei Bände. Berlin, S. Fischer 1901. Handgebundene braune Ecrasélederbände mit grünem Rückenschild. Monogramm auf den Vorderdeckeln, Rückentitel und -fileten vergoldet.

Erste Ausgabe. – Einer der bedeutendsten Romane der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts und zugleich die erste umfangreiche Veröffentlichung des jungen Thomas Mann, durch welche er schlagartig weltberühmt wurde. – Samuel Fischer hatte Ende 1897, also schon vor Erscheinen der Novellensammlung »Der kleine Herr Friedemann«, an Thomas Mann geschrieben, »ich würde mich aber freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben würden, ein grösseres Prosawerk von Ihnen zu veröffentlichen, vielleicht einen Roman, wenn er auch nicht zu lang ist«. Im Juli 1900 war »jenes bedenklich angeschwollene Manuskript, […] das ungeheuer viel mehr Raum (und Zeit) in Anspruch« genommen hatte, als sich der Autor träumen ließ, abgeschlossen. Fischer zweifelte am Erfolg eines so umfangreichen Textes (»Ein Roman von 65 engbedruckten Bogen ist für unser heutiges Leben fast eine Unmöglichkeit«). Nachdem Thomas Mann das Ansinnen, das Buch auf die Hälfte zu kürzen (»dieses Bubenstück von einer Zumutung«) abgelehnt hatte, folgte Fischer den Argumenten des Dichters und seines Lektors und ließ Anfang 1901, immer noch zögerlich, lediglich 1.000 Exemplare drucken. – Der Roman wurde, Fischers Bedenken zum Trotz, von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen und das Werk erlebte in rascher Folge wachsende Nachauflagen. – Die Erstausgabe aber zählt aufgrund der verlegerischen Zurückhaltung und ihrer Bedeutung für die deutsche Literaturgeschichte zu deren größten Seltenheiten. Die meisten Exemplare wurden in einer gelben Broschur ausgeliefert. – Hier in schönen, handwerklich perfekten, unsignierten Lederbänden; innen nahezu makellos erhalten.

18,3 : 12,5 cm. 566, [2]; 539, [1] Seiten.

Potempa D 1.1. – Fischer-Verlag Kat. Marbach S. 121ff. (von dort auch alle obigen Zitate)

328  Thomas Mann. Buddenbrooks.

€ 1500

Verfall einer Familie. Roman. Erster [und] Zweiter Band. Fünfzigste Auflage. Berlin, S. Fischer 1910. Pergamentbände mit Rückenschildern und Kopfgoldschnitt (signiert: Carl Sonntag jun., Leipzig). – Widmungsexemplar.

Die Jubiläumsausgabe, hier in schönen Pergamentbänden von Carl Sonntag, mit Thomas Manns eigenhändiger Widmung »Dem Rotarier Emil Hirsch herzlich zugeeignet M. 21. I. 30«. Am 21. Januar 1930 fand im Restaurant Walterspiel des Hotels »Vier Jahreszeiten« eine Sitzung des Münchner Rotary Clubs statt, auf der Thomas Mann von seiner Nobelpreis-Reise erzählte (Vgl. TM Chronik, S. 211). – Auf amerikanischem Alexandra-Papier. – Emil Hirsch (1866–1954) betrieb seit 1897 in München ein Antiquariat mit dem Schwerpunkt Deutsche Literatur und pflegte enge Kontakte mit Literaten und Künstlern. 1907 war er Gründungsmitglied der Gesellschaft der Münchner Bücherfreunde. Als Auktionator versteigerte Hirsch wichtige Sammlungen (Sayn-Wittgenstein, Piloty, Georg Hirth u. a.). – »Die Buchkunstbewegung förderte er intensiv; so regte er Hans von Weber zu den ›Hundertdrucken‹ an und unterstützte als Subskribent die ›Bremer Presse‹. Laut Emil Preetorius waren H.’s Geschäftsräume […] ›der inoffizielle Treffpunkt […] für das geistig-künstlerische München‹. Der Antiquar war […] insgesamt ein hervorragender Repräsentant der Blütezeit des Antiquariatsbuchhandels in dieser Stadt« (Ernst Fischer, Verleger, Buchhändler & Antiquare, S. 139). 1933 begannen die Repressalien unter den Nationalsozialisten, es wurde Hirsch untersagt, weiterhin Auktionen zu veranstalten, 1937 musste er sein Geschäft ganz schließen. Er konnte 1938 zu seinen bereits ausgewanderten Kindern nach New York emigrieren, dort war er bis zu seinem Tod als Antiquar bei Walter Schatzki in der Madison Avenue tätig. – Mit dem Exlibris von Emil Hirsch, gezeichnet von Thomas Theodor Heine.

19,2 : 12,5 cm. 499, [1]; 477, [3] Seiten. – Die Rückenschilder wohl etwas späteren Datums. Rückengelenke des ersten Bandes unten im Falz angeplatzt.

Potempa D 1. 3

329  Thomas Mann. Tristan.

€ 1800

Sechs Novellen. Berlin, S. Fischer 1903. Moderner grüner Leinenband, Vorderdeckel mit der Umschlagzeichnung von Alfred Kubin. In grünem Leinenschuber.

Seltene erste Ausgabe (2000 Exemplare). – Auf den Vorderdeckel des neuen Einbandes ist der von Alfred Kubin gestaltete Teil des Originalschutzumschlags eingelassen. Nur diese erste Auflage wurde mit dem Kubin-Schutzumschlag ausgeliefert, welcher sehr selten geworden ist. Bereits die Folgeauflage erhielt einen Schutzumschlag von Carl Schnebel. – Die düstere Zeichnung von Alfred Kubin – ein massiger Mann tritt auf einen am Boden liegenden Pierrot – und der von Kubin gezeichnete Buchtitel, sind seine frühesten Buchillustrationen. – Enthält die Novellen »Der Weg zum Friedhof«, »Tristan«, »Der Kleiderschrank«, »Luischen«, »Gladius Dei« und »Tonio Kröger«. Bereits 1901 berichtete Thomas seinem Bruder Heinrich von einer in Entstehung befindlichen Burleske mit dem Titel »Tristan«. – Schönes und zugleich außergewöhnliches Exemplar.

19,2 : 12,4 cm. [8], 264 Seiten. – Rückenschild faksimiliert.

Potempa B 2. – Kubin: Raabe 9. – Marcks A 2

330  Thomas Mann. Bilse und ich.

€ 150

Dritte Auflage. München, E. W. Bonsels 1906. Originalbroschur mit Titel in Rotdruck.

Im Jahr der Erstausgabe erschienen drei unveränderte Auflagen. – Thomas Manns Erwiderung auf den Vergleich mit dem Skandalautor Fritz Oswald Bilse. Nachdem in seiner Heimatstadt verschiedene Entschlüsselungslisten zu den Personen in Thomas Manns Roman »Buddenbrooks« kursierten, zeigten sich manche Honoratioren und Bürger der Stadt ob ihrer Darstellung tief verärgert. Die Presse griff diese Stimmung auf und Thomas Mann versuchte, das Recht des Schriftstellers, lebende Personen künstlerisch auszugestalten, zu verteidigen. Die Angriffe gegen ihn gipfelten in der Bezeichnung, die »Buddenbrooks« seien ein »Bilse-Roman«, was schlussendlich zu vorliegendem Essay führte, der zunächst in zwei Teilen in den »Münchner Neuesten Nachrichten« abgedruckt wurde. Das Vorwort datiert »am 50. Todestag Heinrich Heines« [17. II. 1906]. – Vorderdeckel mit handschriftlichem Besitzvermerk »Grisebach«, wohl Eduard Grisebach (1845–1906), der berühmte Bibliophile und Literaturwissenschaftler.

19,5 : 13,2 cm. 39, [5] Seiten. – Broschurränder leicht gebräunt, oben am Falz zwei kleine Fehlstellen.

Potempa G 26.2 und 27.2

331  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

€ 500 ( R7 )

[Berlin, S. Fischer 1912]. Späterer dunkelblauer Maroquinband mit Rückenschild. Rückentitel, Fileten, Monogramm auf dem Vorderdeckel und Kopfschnitt vergoldet.

Erstdruck der Novelle in »Die Neue Rundschau«, Oktober und November 1912. Jahrgang 23, Hefte 10 und 11. – Nahezu zeitgleich erschien die bibliophile Ausgabe innerhalb der »Hundertdrucke«. – Die Novelle schrieb Thomas Mann nach der Adriareise mit seiner Frau Katja 1911. Zugunsten der Arbeit an »Der Tod in Venedig« lässt er seine Arbeit an dem begonnenen Roman »Felix Krull« vorerst liegen. Im Helden der Novelle, Gustav von Aschenbach, setzt Thomas Mann dem Komponisten Gustav Mahler ein Denkmal, von dessen Tod er während der Reise erfuhr. »Leidenschaft als Verwirrung und Entwürdigung war eigentlich der Gegenstand meiner Fabel« (TM an Carl Maria Weber, 4. VI. 1920). – Mit dem Reihentitelblatt. – Tadellos erhalten.

24,2 : 17,5 cm. Seiten 1368–1526. – Titel und erste Textseite hinterlegt und dadurch ohne störenden Text.

Potempa E 26, 2

332  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

€ 3000

Novelle von Thomas Mann. Berlin, S. Fischer 1913. Marmorierter Originalpappband.

Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten, davon 50 für den Verkauf. – Im Auflagenvermerk vom Verfasser signiert. – Vorzugsausgabe der ersten öffentlichen Ausgabe, die den Text wieder in Thomas Manns Hausverlag »zurückholte«. Zuvor erschien die ebenfalls hoch dotierte bibliophile Ausgabe innerhalb der »Hundertdrucke«. – Gedruckt bei W. Drugulin, Leipzig.

19,3 : 12,6 cm. 144, [4] Seiten. – Das Bezugspapier des Rücken sehr geschickt erneuert.

Potempa E 26.3

333  Thomas Mann. Herr und Hund.

€ 2500

Ein Idyll. München 1919. Mit Buchschmuck von Emil Preetorius. Illustrierter Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Eins von 120 Exemplaren, im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Einmalige Vorzugsausgabe, deren Erlös dem »Schutzverband Deutscher Schriftsteller, Ortsgruppe München« zugute kommen sollte. – Mit Titelbild, zwei Umschlagillustrationen, zwei Vignetten und sechs großen figürlichen Initialen von Emil Preetorius. – Druck bei Knorr & Hirth, München. – Auf unbeschnittenem Zanders-Bütten. – Die danach bei S. Fischer erschienene öffentliche Ausgabe enthielt keine Illustrationen. – Neben »Der Tod in Venedig« wohl die seltenste Erstausgabe Thomas Manns. – Sehr schönes Exemplar.

23,0 : 16,5 cm. 93 Seiten, 1 Blatt. – Rücken etwas angestaubt. Riss am Hintergelenk fachmännisch restauriert. – Original-Interimsbindung, erste Lage etwas gelockert.

Potempa E 27.1. – Ohr 24

334  Thomas Mann. Gesang vom Kindchen.

€ 500

Eine Idylle. München, Rupprechtpresse 1920. Originalinterimspappband mit Buntpapierbezug.

Erste Einzelausgabe. – Eins von 200 Exemplaren. – Von Hand auf Bütten gedruckt, die Bindung unverleimt. – Die Holzschnitt-Initialen im Buch und das hübsche Bezugspapier mit »stern«förmig in Blau umrandeten Tieren und Gegenständen aus der Kinderwelt, angeordnet in braunen Rauten auf hellem Grund, schuf F. H. Ehmcke. – Geschrieben für Elisabeth, Thomas Manns jüngste Tochter: »Letztgeborenes du und Erstgeborenes dennoch mir erst in Wahrheit!«. – Beiliegend noch zwei lose Bogen des Bezugspapiers in etwas kleinerem Format.

22,5 : 15,0 cm. [6], 40, [10] Seiten. – Rücken etwas gebräunt. – Vereinzelt ganz schwache Stockflecken.

Potempa B 28.3. – Schauer II, 20. – Rodenberg 130, 9

335  Thomas Mann – Theodor Storm. Sämtliche Werke

€ 300

in zwei Bänden. Mit einer Einleitung von Thomas Mann. Herausgegeben von Friedrich Düsel. Berlin, Th. Knaur Nachf. [1930]. Zwei ziegelrote Maroquinbände mit Kopfschnitt- und dezenter Rückenvergoldung (signiert: Binding by The Collector’s Book Club London).

Erste vollständige Ausgabe der Einleitung »Theodor Storm« von Thomas Mann (in Band 1, Seiten 7–26). – Thomas Mann schrieb diese biographische Skizze im Juni 1930. Sie erschien in Auszügen in der Zeitschrift »Daheim« in zwei Teilen unter dem Titel »Der Lyriker Theodor Storm – Theodor Storm, der Mensch«. – Die schönen Handeinbände mit zweifarbig handumstochenen Kapital, Marmorpapiervorsätzen und -spiegeln.

19,0 : 12,5 cm. 907, [1]; 910, [2] Seiten. – Rücken leicht verfärbt, Deckel minimal stockfleckig. – Vortitelblatt von Band 1 neu gefasst.

Potempa G 462.2. –Teitge 31

336  Thomas Mann. Joseph in Ägypten.

€ 1200

Der dritte Roman. Wien, Bermann-Fischer 1936. Originalleinenband mit vergoldeter Deckelvignette und vergoldetem Rückentitel. – Widmungsexemplar.

Erste Auflage. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vorsatzblatt, an Thomas Manns Freund und Schriftstellerkollegen Alexander Moritz Frey »Dem deutschen Dichter A. M. Frey zum Zeichen herzlicher Wertschätzung Küsnacht 15. X. 36«. – »Alexander Moritz Frey war im Ersten Weltkrieg Hitlers Kamerad. Entsprechend versuchten die Nazis, Frey für ihre Zwecke einzubinden. Doch der lehnte ab und floh im März 1933 zunächst nach Österreich, später in die Schweiz. Dort starb er, verarmt und vergessen 1957. […] Noch vor dem Ersten Weltkrieg war sein erster Roman erschienen: ›Solneman, der Unsichtbare‹. Von Thomas Mann sehr gelobt, danach aber meist in die Schublade phantastische Literatur abgeschoben. […] ›Darf ich aufrichtig reden. Ich gehe seit sechs Jahren im gleichen Rock umher, meine Kleidung kann man allmählich als abgerissen bezeichnen. Meine Einkünfte haben mit diesem Jahr völlig aufgehört: ich habe keinerlei Arbeiten mehr untergebracht. Gehungert habe ich bisher nicht. Jedenfalls ergibt sich: zu besseren Geburtstagsfeiern nach Zürich kann ich nicht fahren‹ (Frey an Thomas Mann, 15.6.1933).« (Aus Tomas Fitzels Beitrag »Vergessene Autoren und ihre Werke nach der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933« vom 10.5.2013, Deutschlandradiokultur.de).

19,0 : 12,0 cm. 752, [4] Seiten. – Einband etwas fleckig, Gelenke angeplatzt. – Innengelenke angeplatzt.

Potempa D 6.1

337  Thomas Mann. Ein neuer Glaube.

€ 900

– In: Die andere Seite. Viertes Heft. [London 1943]. Mit sieben Abbildungen nach Fotografien und Zeichungen. Gelb-rote Originalbroschur.

Erstdruck einer Rundfunkansprache Thomas Manns, in der er im August 1943 der Widerstandsgruppe »Weiße Rose« gedachte. – Das Heft enthält auch das »Manifest der Münchner Studenten«. Dieser Text wurde als letztes Flugblatt von Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 im Innenhof der Münchner Universität verteilt. Man entdeckte die Geschwister, die daraufhin verhaftet und am 22. Februar, gerade einmal vier (!) Tage nach ihrer Aktion, zum Tode verurteilt und umgehend hingerichtet wurden. – Die kleinformatigen Flugblattbroschüren »Die andere Seite« wurden von der Royal Air Force von Herbst 1942 bis ins Frühjahr 1945 über Deutschland abgeworfen. Insgesamt enthielten vier Hefte der Reihe Beiträge von Thomas Mann, die 1945 gesammelt in »Deutsche Hörer« erschienen. – Weitere Beiträge in Heft 4 stammen von Reinhold Niebuhr, Hendrik van Loon, J. B. Priestley sowie anonymen bzw. unbekannten Verfassern. – Vgl. auch KatNrn 347–353.

13,5 : 10,5 cm. 32 Seiten. – Vorderumschlag geknittert und mit kleinen Einrissen.

Potempa 855.1

338  Thomas Mann. Achtung, Europa!

€ 300

Aufsätze zur Zeit. – Lotte in Weimar. – Verbilligter Sonderdruck für deutsche Kriegsgefangene. Stockholm, Bermann-Fischer 1945. Zwei Originalbroschuren.

Unveränderte Nachdrucke der Erstausgaben von 1938 und 1939 innerhalb der Bücherreihe »Neue Welt« (Bände 10 und 21). – Dazu: Selected Short Stories. Translated from the German by H. T. Lowe-Porter. Editions for the Armed Services. New York [um 1940]. Originalbroschur. Sammlung von englischen Übersetzungen, die bei Alfred A. Knopf in den Jahren 1930–1936 erschienen.

16,0 : 10,5 cm. Seiten [5]–191, [3] bzw. Seiten [5]–450. – Broschuren mit einigen Lesespuren. – Titelblätter mit Schenkungsvermerk bzw. Zensurstempel und Besitzvermerk eines Kriegsgefangenen.

Potempa D 7.7 und B 69.3

339  Thomas Mann. Der Zauberberg.

€ 600

Roman. I [und] II. Verbilligter Sonderdruck für deutsche Kriegsgefangene. Stockholm, Bermann-Fischer 1945. Gelbe Originalbroschuren.

Erschienen in der Bücherreihe »Neue Welt« als Bände 14 und 15. – Mit dem Zensur-Stempel des Kriegsgefangenenlagers Camp Swift in Texas auf dem Titel vom ersten Band. – Das Vorwort »Einführung in den Zauberberg für Studenten der Universität Princeton« stammt von Thomas Mann selbst. – Nun wurden auch Thomas Manns Romane wieder für Leser aus Deutschland gedruckt, auch wenn es für die hier gemeinte Zielgruppe meist noch dauern sollte, bis der heimische Lesesessel wieder verfügbar war. – Die gelben Umschläge gestaltete Brigitte Bermann-Fischer, die Tochter des ersten Thomas Mann-Verlegers Samuel Fischer. – Trotz sicher hoher Auflage durch Art der Verwendung und Zeitläufe selten geworden.

16,3 : 10,8 cm. Seiten [V]–XXVI, 521, [1]; [4], 572 Seiten. – Umschläge leicht, für die wahrscheinliche Provenienz unbedeutend, berieben. – Ränder leicht gebräunt.

Potempa D 3.12

340  Thomas Mann. Tristan.

€ 450

Solothurn 1955. Mit einem Porträt des Verfassers. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel.

Dritter Solothurner Privatdruck. – Eins von 150 nummerierten Exemplaren, gedruckt auf Hahnemühle-Bütten. – Das Porträtfoto stammt von Gotthard Schuh. – Unter der montierten Fotoabbildung die faksimilierte Signatur Thomas Manns. – »Einige Wochen nach seinem von der ganzen zivilisierten Welt gefeierten achtzigsten Geburtstage, jedoch in schwerer Krankheit und dem Tode nahe, erteilte Thomas Mann mit Freude seine Zustimmung, diese von ihm vor fünfzig Jahren – 1905 – geschriebene Erzählung als dritten Solothurner Privatdruck auf Weihnachten 1955 herzustellen« (Druckvermerk).

21,5 : 14,0 cm. 76, [2] Seiten. – Deckel am Oberrand schwach verfärbt.

Potempa E 13.9

341  Thomas Mann. Gesammelte Werke in Einzelbänden.

€ 300

Frankfurter Ausgabe. Herausgegeben von Peter de Mendelssohn. Frankfurt, S. Fischer 1980–1986. 20 Originalleinenbände mit Schutzumschlag. Jeweils im Originalschuber mit Rückenschild.

Erste Ausgabe der schönen handlichen Werkedition. – Jeder Band mit einem Nachwort, z. B. von Peter de Mendelssohn, Hanno Helbing, Albert von Schirnding u. a., und bibliographischen Nachweisen.

17,5 : 11,0 cm. – Tadellos erhalten.

Potempa A13

342  Führer durch die Ausstellung »Entartete Kunst«.

€ 150

Berlin, Verlag für Kultur- und Wirtschaftswerbung [Ende 1938]. Mit 59 Abbildungen. Originalbroschur.

Zweite von drei Ausgaben des Ausstellungsführers durch die berüchtigte Wanderausstellung des NS-Propagandaministeriums. – Für diese Ausgabe hatte Richard Haizmann offensichtlich erfolgreich gegen die Bezeichnung »Jude« protestiert. Drei Textstellen wurden gegenüber der Erstausgabe von 1937 verändert. – Auf Kunstdruckpapier.

21,0 : 14,8 cm. 30, [2] Seiten.

Barron Seite 356ff

343  E. O. Plauen. Wir merken nichts …

€ 500 ( R19 )

Tuschzeichnung. 1940. 27,5 : 18,5 cm (36,5 : 25,5 cm). Monogrammiert.

»Wir merken nichts, wir merken nichts, wir merken – oh, verdammt es drückt!« – Der maschinengeschriebene Text als Streifen unter die Zeichnung geklebt. Rückseitig mit Stempel »Interpress-Karrikatur«, Datierung »14. 3. 40«, und handschriftlich ausgefüllten Vordruck-Stempel mit Angaben zu Titel, Zeichner und Honorar. – Das Blatt stammt wahrscheinlich aus der Zeit Ohsers Mitarbeit bei der NS-Wochenschrift »Das Reich«, die ab Mai 1940 neu erschien. – Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bedeutete das Aus für den politischen Zeichner Erich Ohser (1903–1944), sein Antrag auf Aufnahme in die Reichspressekammer wurde abgelehnt, was einem Berufsverbot gleichkam. Ende 1934 bewarb sich Ohser bei der »Berliner Illustrirten Zeitung«, die einen Comic ähnlich dem amerikanischen Vorbild »Micky Maus« plante, mit einem Entwurf von »Vater und Sohn«. Unter der Auflage, sich nicht politisch zu betätigen und erst nachdem er sich das Pseudonym »e. o. plauen« (seine Initialen und der Name seiner Heimatstadt) zugelegt hatte, erhielt er den Zuschlag. Im Dezember 1934 erschien die erste Bildergeschichte von Vater und Sohn. Als Karikaturist publizierte er von 1940–44 mehr als 800 Zeichnungen in »Das Reich«. Im März 1944 wurde Ohser von einem Nachbarn wegen regimekritischer Äußerungen denunziert und von der Gestapo verhaftet. Die Anklage lautete auf Wehrkraftzersetzung, der Prozess gegen ihn sollte im April eröffnet werden. Einem sicheren Todesurteil kam Erich Ohser zuvor – er erhängte sich in der Nacht zum 6. April in seiner Zelle. – »Ich frag ihn, wie er es über sich bringen könne, jede Woche politische Karikaturen in dem Blatt des Dr. Göbbels zu bringen. Er lächelte, er sagte: ›Aber sie sind nun einmal jetzt unsere Gegner, die Churchill, die Roosevelt, die Stalin – es ist nicht unanständig, gegen unsere Gegner zu kämpfen. Ich tue nichts anderes, als was sie gegen uns tun. Aber eines tue ich nicht: ich zeichne nie eine antisemitische Karikatur, diese Schweinereien mache ich nicht mit‹« (Hans Fallada, Trinkermanuskript 1944, zitiert nach e.o.plauen.de).

Kleine Flecken am Unterrand, teils bis in die Darstellung reichend.

344  El Libro libre. – 23 Werke aus dem Verlagsprogramm.

€ 1500

Mexiko 1942–1946. Meist Originalbroschuren (abweichende Originaleinbände unten aufgeführt).

1942 wurde der bedeutende Exilverlag, dessen Autoren der kommunistischen Exilbewegung nahestanden, anlässlich des neunten Jahrestages der Bücherverbrennung durch die Mitglieder des Heinrich Heine-Klubs Mexico und der Bewegung »Freies Deutschland« gegründet. Verlagsleiter war Walter Janka, der nach Kriegsende den Ost-Berliner Aufbau Verlag leitete, bis er 1956 wegen haltloser politischer Anschuldigungen verhaftet wurde. – Nahezu vollständige Folge aller Publikationen, alle in erster Ausgabe: Theodor Balk. Fuehrer durch Sowjet-Krieg und Frieden. 1942. – Lion Feuchtwanger. Unholdes Frankreich. 1942. (Umschlag fleckig). – Egon Erwin Kisch. Marktplatz der Sensationen. 1942. – Anna Seghers. Das siebte Kreuz. Roman aus Hitlerdeutschland. 1942. Originalpappband. – Theodor Balk. Das verlorene Manuskript. 1943. Mit Originalschutzumschlag. – Bruno Frank. Die Tochter. Roman. 1943. – Heinrich Mann. Lidice. Roman. 1943. Originalpappband. (Einige Blätter lose). – Paul Merker. Was wird aus Deutschland? Das Hitler-Regime auf dem Wege zum Abgrund. 1943. – Andre Simone [Otto Katz]. La batalla de Rusia. 1943. Mit zahlreichen Abbildungen. – El libro negro. Del terror nazi en Europa. 1943. Mit Abbildungen und Illustrationen. Originalleinenband. – Unser Kampf gegen Hitler. Protokoll des ersten Landeskongresses der Bewegung »Freies Deutschland« in Mexiko. 1943. – Leo Katz. Totenjaeger. Roman. 1944. Originalpappband. – Paul Mayer. Exil. Gedichte. 1944. Originalleinenband. – Paul Merker. Deutschland. Sein oder nicht sein? Von Weimar zu Hitler. – Das 3. Reich und sein Ende. 1944/45. Originalleinenbände. – Ludwig Renn. Adel im Untergang. Roman. 1944. Illustrierte Originalbroschur. – Ernst Sommer. Revolte der Heiligen. Erzaehlung. 1944. – Vincent Lombardo Toledano. Johann Wolfgang von Goethe. Übersetzt von Bodo Uhse. 1944. – F. C. Weiskopf. Vor einem neuen Tag. Roman. 1944. Illustrierte Originalbroschur (Umschlag lose). – Deutsche, wohin? Protokoll der Gruendungs-Versammlung des National-Komitees Freies Deutschland und des Bundes Deutscher Offiziere. [1944]. – Alexander Abusch. Der Irrweg einer Nation. Ein Beitrag zum Verstaendnis deutscher Geschichte. 1945. (Umschlag und Schnitt fleckig). – Egon Erwin Kisch. Entdeckungen in Mexiko. 1945. – Theodor Plivier. Stalingrad. Roman. 1946. – Dazu: Heines Geist in Mexico. Herausgegeben vom Heinrich Heine-Klub. Mexiko 1946. Mit zahlreichen Porträts. Originalbroschur. – Eine Beigabe. – So vollständig, trotz vieler Angebote in den Weiten des world-wide-web, sicher schwer zusammenzutragen.

Meist 19 : 15 cm. – Nicht ganz zu ignorierende Alterungsspuren, insgesamt aber beachtlich gut erhalten.

345  Aurora Verlag – Das vollständige Verlagsprogramm.

€ 1000

New York 1945–1947. Zwölf Originalleinenbände, davon elf mit Originalschutzumschlag.

Am 3. April 1944 ließ Wieland Herzfelde, der im April 1939 nach seinen vorläufigen Fluchtorten Prag und London in die USA emigriert war, den Verlagsnamen »Aurora« registrieren. An dem Unternehmen waren elf exilierte Autoren beteiligt, von denen jeweils ein Werk verlegt wurde. Das von Herzfelde entworfene Verlags-Signet besteht aus den Anfangsbuchstaben des ursprünglich geplanten Verlagsnamens »Die Tribüne«. – »Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten erscheinen die Bücher in einer anspruchsvollen Ausstattung« (Frank Hermann). – I. Bertolt Brecht. Furcht und Elend des III. Reiches. 1945. Seidel 129. – II. Ferdinand Bruckner [Theodor Tagger]. Simon Bolivar. Zwei Schauspiele. 1945. – III. 6^. Der Quasterl und andere Erzählungen. 1945. – IV. Franz Carl Weiskopf. Die Unbesiegbaren. Berichte, Anekdoten, Legenden 1933–1945. 1945. – V. Ernst Bloch. Freiheit und Ordnung. Abriss der Sozial-Utopien. 1946. Mit eigenhändiger Widmung »Adolf Lowe in herzlicher Freundschaft Ernst«. – VI. Alfred Döblin. Sieger und Besiegte. Eine wahre Geschichte. 1946. – VII. Lion Feuchtwanger. Venedig (Texas) und vierzehn andere Erzählungen. 1946. – VIII. Anna Seghers. Der Ausflug der toten Mädchen und andere Erzählungen. 1946. Die Autorin zählte nicht zu den Aurora-Gründern. – IX. Berthold Viertel. Der Lebenslauf. Gedichte. 1946. – X. Ernst Waldinger. Die kühlen Bauernstuben. Gedichte. 1946. – XI. Oskar Maria Graf. Unruhe um einen Friedfertigen. Roman. 1947. – XII. Morgenröte. Ein Lesebuch. Einführung von Heinrich Mann. Herausgegeben von den Gründern des Aurora Verlages. 1947. – Alle in erster Ausgabe, die Texte der Sammlungen vollständig oder zum Teil im Erstdruck.

22,5 : 14,5 cm. – Angemessene Alterungsspuren, Innendeckel leicht gebräunt, die Schutzumschläge teils am Rücken verblasst. Einband von VII mit Feuchtigkeitsspuren. Schutzumschlag von X und XI mit Verlusten, XII ohne Schutzumschlag, Exlibris Hans Kafka. – 2 Seiten von I gebräunt.

Hermann, Malik 18, 26, 147, 436, 13, 31, 74, 310, 427, 428, 148 und 246 sowie Seite 229f. – W/G 34, 20, 32, –, –, 47, 52, 15, 10, –, 35, XII bei mehreren Autoren

346  Der Gag Bag.

€ 200

Mein Chump. Dunellen/New Jersey, Anthony 1939. Mit zahlreichen Illustrationen nach Karikaturen und Fotografien. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Volume I, Number 1. – Ebenso seltene wie originelle Ausgabe mit Anti-Nazi-Propaganda in Wort und Bild. – Die Überschriften meist in »Denglish«, u. a. »Adolf in Blunderland«, »Mein Krampf. Unpurged Edition«, »Birds-Heil View of Hitleropia«, »Wartoons« u. v. m. – Der Betrachter schwankt zwischen Lachen und Entsetzen, besonders die dokumentarischen Bildfolgen zu den Greueln des Krieges lassen das Lachen schnell verstummen. – Wir konnten via WorldCat nur diese eine Ausgabe nachweisen.

29,0 : 21,5 cm. [32] Seiten. – 2 Seiten mit Randnotiz.

347  Alliierte Propaganda – 15 englische Flugblätter,

€ 300

London 1939–1944. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter, meist illustriert. Meist ca. 21 : 13 cm.

Dieses und die nachfolgenden sechs Konvolute beinhalten eine bemerkenswert vielfältige und gut erhaltene Sammlung von englischen Propagandaflugblättern, wie sie in den Jahren 1939–1945 von der Royal Air Force über Deutschland und von Deutschland besetzten Gebieten abgeworfen wurden. Die meisten der Flugblätter wurden mit einer Codierung versehen. – Achtung! Der englische Premierminister Chamberlain richtete am 3. September über den Rundfunk … folgende Worte an das deutsche Volk. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1939]. Code EH.280. Eines der ersten von den Engländern im 2. Weltkrieg abgeworfenen Flugblättern. Wiedergegeben ist eine gekürzte Fassung von Chamberlains Rede zum Kriegseintritt Englands. – Sechs weitere Flugblätter von 1940. – Mightier Yet! Dangerous days lie ahead of us. Glorious days, too. Germany is now … [London,] Ministry of Information 1940. Mit Titelblattillustration. Flugblatt des britischen Informationsministeriums zur Stärkung der Heimatfront. – Gestapolen. [Vier Ausgaben. London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1940]. Code EH.331, 332, 333 und 334. Über die Gräueltaten der Gestapo in Polen. – Der Führer übernimmt das Kommando. [London, Political Warfare Executive 1942]. Mit Fotomontage auf dem Titelblatt und fotografischen Abbildungen. Code G.4/1942. Das Flugblatt zeigt die fatalen Folgen von Hitlers Kriegsführung. – Londoner Rundfunk. Sendungen in deutscher Sprache / B.B.C. Der Londoner Rundfunk. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Code EH.490. Selten, nur 198.000 Exemplare im April 1940 abgeworfen. Über Sendezeiten, Wellenlängen und mit Anweisungen »Fenster zu! Stellen Sie den Empfangsapparat auf ein Kissen!« – Von Diplomatenhaushalt keine Spur? [London, Political Warfare Executive 1943]. Prangert die bevorzugte Versorgung der Parteibonzen an. Richards, The Black Art, H.663 / Q.34 (mit Abbildung auf S. 366).

Einige leichte Knickspuren, vereinzelte Heftlöcher.

348  Alliierte Propaganda – 19 englische Flugblätter und Tarnschriften.

€ 500

London 1940–1942. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter. Meist ca. 21 : 13 cm.

Freiwillige vor für die U-Boot-Waffe! Wir fahren gegen England / Wir fahren hinab ins kühle Grab. [London, Political Warfare Executive 1942]. Ausziehbares illustriertes Flugblatt. 10,2 cm : 20 cm. [Code G.7]. Als Werbung für die U-Boot Waffe aufgemachtes Flugblatt, das sich erst beim Herausziehen des Schiebestreifens als Feindpropaganda entpuppt. – Das Leben eines U-Bootmanns. [London, Political Warfare Executive 1942]. Illustriertes Doppelblatt der englischen Propaganda mit Comicstrip im Innenteil. Code 9x. Als Werbeprospekt für die U-Boot Waffe aufgemachtes Flugblatt, das beim genaueren Lesen die geringen Überlebenschancen der deutschen U-Bootmatrosen offenbart. – Predigt des Bischofs Clemens August Graf von Galen. Gehalten am 13. Juli 1941 in der Lambertikirche zu Münster. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. 4 Seiten. EH.526. Seltenes Flugblatt, das im Oktober und November 1941 über Deutschland abgeworfen wurde. – René Graetz. Allies inside Germany. Underground Germany helps to destroy Hitler. They need your help! [Großbritannien, Freier Deutscher Kulturbund] 1942. Bogen mit zwölf Cinderella Briefmarken. 12,5 : 22,5 cm. Die von René Graetz gestalteten Marken (je 3,5 : 5,0 cm) zeigen Aktionen und Gefahren des antifaschistischen Untergrundkampfes in Deutschland. Erschien zur gleichnamigen Ausstellung und wurde als Bogen oder einzeln zum Preis von einem Penny pro Stück verkauft. – An die Arbeiter Westdeutschlands! Was gedenkt Ihr zu tun? [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Mit ganzseitiger Titelblattillustration. Code EH.513. – Unverdunkelt! / Wer Haß sät. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Mit Abbildung einer amerikanischen Fabrik. Code EH.507. – Wolkiger Beobachter. – Hamburger Fremdes Blatt. – Luftpost. Fünf Flugblätter, die Titel und Gestaltung deutscher Zeitungen karikierend nachahmen. – Acht weitere Flugblätter in Form von Anschlägen und Handzetteln.

349  Alliierte Propaganda – Acht englische Flugblätter.

€ 300

London u. a. 1941–1942. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter. Meist ca. 21 : 13 cm.

Nicht euer Kind ist das, sondern irgendeines … wollt ihr dafür büßen ? [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Code EH.498. Titelbild mit einem toten Kind. – Führerworte! [London, Political Warfare Executive 1942]. Auf gelbem Papier. Code G.32. Zitate von Hitler, Göring und Robert Ley aus den Jahren 1939 und 1940, die sich als Lügen entpuppten. – Mehr als 1000 Bomber auf einmal eingesetzt / Englands Angebot Englands Forderung. [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.31. – Aus der letzten April-Woche 1942 / Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen, … [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.24/1942. – V-Waffen hätten es auch nicht geschafft / Die letzte Geheimwaffe. [Psychological Warfare Division of Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force 1944]. Mit fotografischen Abbildungen. Code ZG.71. – 54 Millionnen [sic] Arbeitskräfte einsatzbereit / »Dieser Gegner, Russland, ist bereits gebrochen. … «. [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.23/1942. – Nach Hitlers Sturz / Was ergibt sich daraus für den Deutschen? [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.39/1942. – Totaler Krieg gegen Schwächere tat Euch nicht weh / Wir schlagen zurück. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Mit Titelblattillustration und Trauerrand. 13,8 cm : 10,6 cm. Code EH.480.

Von unbedeutenden Alterungsspuren abgesehen, sehr gut erhalten.

350  Alliierte Propaganda – 17 englische Flugblätter,

€ 400

meist für das von Deutschland besetzte Frankreich. London 1941–1942. Flugblätter und Broschüren, teils illustriert. Meist ca. 21 : 13 cm.

Wie viele sind hier aufmarschiert? [London, Political Warfare Executive 1942]. Achtseitiges Original-Leporello der englischen Propaganda mit einer fotografischen Abbildung über mehrere Seiten. 61,0 : 13,5 cm. Code G.17. Kirchner IV, G 17/2. Das Flugblatt, das im Frühjahr 1942 abgeworfen wurde, vergleicht die 330.000 deutschen Männer, die 1933 zur Standartenweihe im Nürnberger Luitpoldhain aufmarschiert waren, mit der Zahl von mindestens viermal so vielen deutschen Kriegsgefallenen. – Auch für die französische Bevölkerung in den besetzten Gebieten Frankreichs wurde aufklärende Propaganda gedruckt und von Flugzeugen abgeworfen: Fünf Ausgaben Le Courrier de l’Air illustré. No. 10, 1941, 28, 1941; 3, 1942; 4, 1942; oNr. 1942; [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Code EH(F) 50/10, 50/28. Code F.3/1942, Code F.7/1942, Code F.33. Im verkleinerten Zeitungsformat mit Nachrichten und Artikeln zum Kriegsverlauf in französischer Sprache. – Neun weitere englische Flugblätter in französischer Sprache, darunter auch einige mit Ansprachen des amerikanischen Präsidenten Roosevelt an die Menschen in Frankreich. – Eine Beigabe.

351  Alliierte Propaganda – Sieben englische Flugblätter und Tarnschriften,

€ 300

London 1941–1944. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter, meist illustriert. Meist ca. 21 : 13 cm.

Anklage gegen Gestapo. Eine Predigt des Bischofs von Münster und sein Briefwechsel mit einem Reichsminister. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Mit Fotoporträt. Code EH.528. Auszug aus der am 13. Juli 1941 vom Bischof Galen von Münster gehaltenen Predigt, in der er die Auflösung von jesuitischen Ordenshäusern durch die Geheime Staatspolizei anklagte. – Wofür wir als Soldaten Hitlers kämpfen und sterben. Merkblatt. [London, Political Warfare Executive 1942]. Flugblatt mit Adler und Hakenkreuz auf dem Titelblatt. 7,5 : 10,4 cm. Gut getarnte Propaganda, die sich beim genaueren Lesen als bissige Satire entpuppt. Richards, The Black Art, H.214 (mit Abbildung auf S. 288). – Was die Woche zeigt – und was sie verschweigt / Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen … [London, Political Warfare Executive 1942]. G.21/1942. Mit Fotos eines Hitlerjungen und Soldatenleichen. – Warum? Für Führer und Vaterland / Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen. [London, Political Warfare Executive 1942]. Fotomontage auf dem Titelblatt. Code G.10. Die grausige Fotomontage zeigt starr gefrorene Soldatenleichen, im Hintergrund Todesanzeigen. – Christen Deutschlands! [London, Political Warfare Executive, 1943]. Mit Porträt von Pastor Martin Niemöller. Code G.3. Selten, da nur kurzfristig im Februar 1943 über Deutschland abgeworfen. Auszug aus einer Predigt des Erzbischofs von Canterbury aus Anlass von Martin Niemöllers Geburtstag. – Ein Wort zum Thema Etappe von Reichsminister Goebbels. [London, Special Operations Executive 1944]. Das sehr gut getarnte Flugblatt, das zum großen Teil auf dem Originaltext basiert, prangert die Begünstigungen und den Geheimbefehl an, der Mitarbeiter von Goebbels Propagandaministerium vom direkten Kampfeinsatz befreite. Richards, The Black Art, H.961 (mit Abbildung auf S. 366). – Hamburg! Propaganda-Aufkleber. [London, Special Operation Executive 1944]. Propaganda-Aufkleber. 12,0 : 3,8 cm. Antifaschistischer Aufkleber der britischen Propaganda, der vortäuscht, von einer Hamburger Widerstandsgruppe zu stammen. Richards, The Black Art, H.1082 (mit Abbildung auf S. 248). – Dazu: Fritz von Unruh. Kameraden! Ihr kennt mich … [Paris 1940]. 9,7 : 18 cm. Erste Ausgabe. Seltener Aufruf des bereits 1932 emigrierten Dramatikers und überzeugten Pazifisten.

352  Alliierte Propaganda – Vier Broschüren und drei Flugblätter mit Propaganda des Widerstands.

€ 400

London 1935–1943. Originalbroschuren und Flugblätter. Meist ca. 21 : 13 cm.

Georgi Dimitrov. Thaelmann. London, British Anti-War Movement [um 1935]. Englische Original-Ausgabe von Dimitroffs Aufruf zur Rettung Thälmanns. Mit einem Vorwort von John Strachey. – P Temple. Second Front German for the Forces. Blackburn, The Language Chart Publishing [ca. 1940]. 12 Seiten. Originalbroschur. Kleiner Sprachführer für englische Soldaten. Mit englischer Übersetzung von »Common German Expressions«, wie zum Beispiel »Heil Hitler«, »Blitzkrieg«, »Völkischer Beobachter«, »Kraft durch Freude« u. a. m. Besitzvermerk und Anmerkungen auf dem dafür vorgesehenen inneren Hinterumschlag. – Two Letters from Germany. With an Introduction by Thomas Bell. Communist Party of Great Britain 1942. Kommunistisches Pamphlet mit Auszügen aus Briefen kommunistischer Untergrundkämpfer in Deutschland. – John Olday. The March to Death. London, Freedom Press 1943. Mit zahlreichen Illustrationen. Erste Ausgabe mit den Karikaturen des Anarchisten Olday gegen Kapitalismus, Faschismus und Krieg. Deutsches Exilarchiv 4416. – Dazu: R A F V Es kommt der Tag! / Von der Maas bis an die Memel … [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Mit Titelblattillustration. Code EH.508. Weist auf die Erfolge der britischen Luftwaffe hin. – Ich fühle mich so frisch. Es kommt der Frühling. [London, Political Warfare Executive 1942]. Mit Fotomontage auf der Titelseite. Code G.14 Die Fotomontage zeigt den amüsierten Hitler von erfrorenen Soldaten umgeben. – Hitler-Mathematik. Nur für H.J. und B.D.M.! [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.48. Auf einer Schiefertafel wird vorgerechnet, wie viele deutsche Familien einen Angehörigen an der Ostfront verloren haben. Rückseitig zwei fotografische Abbildungen von Leichenbergen in Afrika und an der Ostfront.

353  Amerikanische Propaganda – Sechs farbig illustrierte Postkarten.

€ 300

8,9 : 14,0 cm. Asheville [ca. 1942–1945].

Vier der sechs humoristischen Karten wurden von Max Halverson entworfen und thematisieren das »Women’s Army Corps« der amerikanischen Armee. – Dazu: A Bear Behind and a Terrible Future! New York, Graphic Post Card [ca. 1941–1945]. Postkarte mit Karikatur. Axis Series Nr. 73. Die Karikatur stammt von B. F. Long, der zahlreiche der Postkarten der Axis Serie entworfen hat. Menchine S. 79 (mit Abbildung). – [Hitler hängt am Galgen]. Ohne Ort und Jahr [ca. 1939–1945]. Postkarte mit Lithographie. Propaganda-Postkarte ohne jegliche Angaben, wahrscheinlich englischer Herkunft. – Es wär zum Lachen … wenn es nicht zum Weinen wär’ … / Wer kann Deutschland retten ? [Psychological Warfare Branch of the Allied Force Headquarters, 1945]. Flugblatt mit Titelblattkarikatur. 19,7 : 11,6 cm. Code T/70. Sehr selten, herausgegeben von der alliierten »Psychological Warfare Branch« in Italien, für die auch Klaus Mann als amerikanischer Soldat Propagandatexte und Flugblätter schrieb.

Menchine S. 88 (mit einer Abbildung)

354  George Grosz – Heinrich Hauser. The German talks back.

€ 250

Introduction and Footnotes by Hans J. Morgenthau. New York, Henry Holt 1945. Originalleinenband. – Mit ausführlicher Widmung von George Grosz..

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung von George Grosz für das befreundete Künstlerehepaar »Rudolf und Annot [Jacobi] mit herzlichen Grüßen für die Tage auf Arnesholm von George & EVA«. – 1928 hatte das Paar in Berlin eine Malschule eröffnete, die 1933 zwangsweise wieder geschlossen wurde. Rudolf und Annot emigrierten in die USA wo sie zum Freundeskreis von Grosz gehörten.

19,2 : 13,0 cm. XXIII, [1], 215, [1] Seiten. – Rücken gebräunt, Gelenk mit kleinem Einriss.

Sternfeld/Tiedemann 199

355  Bertolt Brecht. Lindberghflug.

€ 700

Vorabdruck aus Brecht, Versuche 1–3 (bei G. Kiepenheuer demnächst erscheinend). Berlin, gedruckt bei Selmar Bayer [1929/30]. Zwei klammergeheftete Doppelblätter.

Erste Einzelausgabe der ersten Fassung. – In dieser Textform als Radiohörspiel abgedruckt in der Zeitschrift »Uhu« (Jahrgang V, Heft 7, April 1929). Die Fassung, die 1930 im Heft 1 der »Versuche« unter dem Titel »Der Flug der Lindberghs« erschien, war deutlich verändert. – Am Ende mit Anmerkungen. – Sehr selten.

23,2 : 16,5 cm. [8] Seiten.

Seidel 120. – Nicht bei Nubel. – Melzwig 140.1

356  Bertolt Brecht. Der Jasager.

€ 900

Schuloper. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1930. Originalbroschur.

Erstdruck der ersten Fassung. – Auf dem Umschlag bezeichnet als »Versuche 10 | Aus dem 4. Heft ›Versuche‹«. Dieses Heft erschien 1931 und enthielt, nun aber als »Versuche 11«, eine überarbeitete Fassung des Doppelstücks »Der Jasager und Der Neinsager« auf den Seiten 308–328. Die Paginierung des Erstdrucks lässt auf eine grundlegend andere Konzeption des Heftes 4 schließen. – Sehr selten.

24,0 : 16,0 cm. 8, [2] Seiten. – Umschlagränder minimal gebräunt.

Seidel 207. – Nicht bei Nubel. – Melzwig 138.1

357  Bertolt Brecht. Die Maßnahme.

€ 900

Lehrstück. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1930. Originalbroschur.

Erstdruck der ersten Fassung. – Auf dem Umschlag bezeichnet als »Versuche 9 | Aus dem 4. Heft der ›Versuche‹«. Dieses Heft erschien 1931 und enthielt, nun aber als »Versuch 12«, eine überarbeitete Fassung des Stücks auf den Seiten 329–358. Die Paginierung des Erstdrucks lässt auf eine grundlegend andere Konzeption des Heftes 4 schließen. – Das vorliegende Heft mit dem ursprünglichen Text wurde wohl zusammen mit einem Programmheft an die Besucher der Uraufführung am 10. Dezember 1930 ausgegeben. Nur wenige Exemplare dürften sich erhalten haben; das Brecht-Archiv konnte erst in den 1960er Jahren eines erwerben. – Eine der seltensten Brecht-Erstausgaben.

24,0 : 16,0 cm. Seiten 123–151, [3]. – Umschlagränder gebräunt und mit kleinen Fehlstellen. Senkrechte Knickfalte.

Seidel 261 (lag das Original nicht vor). – Nicht bei Nubel. – Melzwig 139.1

358  Bertolt Brecht. Gesammelte Werke.

€ 450

Band I [und] II. London, Malik 1938. Originalleinenbände.

Erste Werkausgabe, die angekündigten Bände 3 und 4 sind nie erschienen. – »Laut Mitteilung von Wieland Herzfelde war der dritte Band ausgedruckt und lag bei dem Buchbinder in Prag; vom vierten Band existierte lediglich der Drucksatz. Der Einmarsch von Hitlers Truppen verhinderte die Fertigstellung und Ausgabe dieser Bände« (Nubel).

21,3 : 14,3 cm. 334, [2]; 396, [4] Seiten. – Leinenbezug etwas wellig, Schnitt leicht stockfleckig. Vorsätze gering wellig und angestaubt.

Seidel 1. – Nubel A 189–190. – Raabe-Hannich 41.49. – Hermann 16. – Melzwig 154.1

359  Bertolt Brecht. A Penny for the Poor.

€ 450

Translated from the German by Desmond I. Vesey. Verses translated by Christopher Isherwood. New York, Hillman-Curl 1938. Roter Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste amerikanische Ausgabe von Brechts »Dreigroschenroman«, der epischen Fassung seiner »Dreigroschenoper«. – Die deutsche Originalausgabe erschien 1934 in Amsterdam, eine erste Ausgabe der vorliegenden Übersetzung 1937 in London. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Dr. Pergament herzlich Bertolt Brecht« von 1941. – Vorsatzblatt mit Besitzvermerk »J. Pergament«. – Die Identität des Widmungsempfängers konnten wir nicht ermitteln.

21,0 : 14,3 cm. 396, [4] Seiten. – Rücken verblasst, Vorderdeckel leicht fleckig.

Melzwig 150.27

360  Bertolt Brecht. Svendborger Gedichte.

€ 450

London, Malik 1939. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Herausgegeben unter dem Patronat der Diderot-Gesellschaft und der American Guild for German Cultural Freedom. – Auf der Rückseite des Titelblatts als Vorabdruck aus »Gesammelte Werke Band IV« bezeichnet, der aber ebenso wie der angekündigte Band III nicht mehr erschienen ist. – Gedruckt bei Universal Trykkeriet, Kopenhagen. – 1933 bis 1948 lebte Brecht im Exil in Schweden. Die »Svendborger Gedichte« sind das letzte Buch, das im Londoner Exil des Malik-Verlages erschien. – Mit dem vorderen Teil der Bauchbinde mit dem Brecht-Text »Geflüchtet unter das dänische Strohdach, Freunde | Verfolg ich euren Kampf. Hier schick ich euch | Wie hin und wieder schon, ein paar Wort […] Svendborg 1939«. – Innen tadellos, insgesamt sehr schönes unbeschnittenes Exemplar.

22,0 : 15,8 cm. 87, [1] Seiten. – Umschlagrücken mit kleinem Einriss, Vorderumschlag mit winzigen Flecken. – Kleiner Stempel auf dem Titelblatt.

Nubel A 112. – Melzig 155.1. – Raabe/Hannich-Bode 41.16. – Sternfeld/Tiedemann 74. – Hermann 21. – Malik 305

361  Bertolt Brecht – Vera Tenschert. Helene Weigel als Mutter Pelagea Wlassowa.

€ 800

Plakat von Karl-Heinz Drescher unter Verwendung einer Fotografie von Vera Tenschert. Berlin 1968. Offsetkupfertiefdruck in Braun und Rot. 80,7 : 57,7 cm.

Eins von 1000 Exemplaren. – »Brecht. Die Mutter nach Motiven aus Gorkis Roman. Musik Hanns Eisler. Berliner Ensemble«. – Eins der wohl berühmtesten Theaterplakate der Nachkriegszeit. – Brechts Dramatisierung von Gorkis Roman wurde 1932 im »Theater am Schiffbauerdamm« uraufgeführt und recht bald abgesetzt. 1954 zog das von Brecht und Helene Weigel gegründete Berliner Ensemble in das Theater zurück, in dem nun die legendären Inszenierungen der Brecht-Stücke folgten. – Karl-Heinz Drescher (1936–2011) war seit 1962 Theatergraphiker des BE, Vera Tenschert (geboren 1936) wurde von Helene Weigel 1954 als Theaterfotografin engagiert. Wolf Biermann, der damals im Arbeiterchor mitsingen durfte, erinnert sich in seiner Autobiographie an die dargestellte Szene: »Am Ende des Stückes eine bombastische Apotheose der Weltrevolution, quer über die Bühne. In der Mitte Helene Weigel in der Rolle der Pelagea Wlassowa, mit der theaterblutgetränkten Fahne« (Warte nicht auf bessre Zeiten. Berlin 2016).

Links unten winziger Eckverlust, unten rechts kleiner Eckknick. – Auf Leinen kaschiert. – Ansprechend und stilvoll gerahmt.

Drescher-Werkverzeichnis (drescher-plakate.de) 20

362  Klaus Mann. Mephisto.

€ 300

Roman einer Karriere. Amsterdam, Querido 1936. Originalbroschur mit -umschlag.

Erste Ausgabe. – »Aus der Geschichte einer Karriere wird die Zeitsatire großen Stils« (Klappentext). – Im März 1933 ging auch Klaus Mann ins Exil. Sein Freund, der Verleger Fritz Helmut Landshoff, bot ihm einen monatlichen Vorschuss auf einen nächsten Roman an. Von Hermann Kesten stammt der Vorschlag, die Geschichte eines Karrieristen im dritten Reich zu verarbeiten. Als Vorlage diente Gustaf Gründgens, von dem sich Manns Schwester Erika 1929 nach kurzer Ehe hatte scheiden lassen. Seinem früheren Schwager gelang, protegiert von Hermann Göring, ein kometenhafter Aufstieg als Schauspieler, Regisseur und Intendant im Dritten Reich. Klaus Mann: »Alle Personen dieses Buches stellen Typen dar, nicht Porträts«. – Nach dem Krieg erschien der Roman 1956 im Ostberliner Aufbau Verlag, eine erste westdeutsche Ausgabe (München 1965) wurde auf Betreiben der Erben Gründgens verboten.

20,0 : 12,0 cm. 399, [1] Seiten. – Rücken leicht gebräunt. Ränder mit winzigen Knittern, Vorderdeckel am Gelenk eingerissen. Vorn mit kleinem Rest von Klebestreifen.

Grunewald 387. – Sternfeld/Tiedemann 331

363  Erika Mann. School for Barbarians.

€ 150

With an Introduction by Thomas Mann. New York, Modern Age Books 1938. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Erste englische Ausgabe, auch von dem Vorwort Thomas Manns. – Im gleichen Jahr wie die deutsche Fassung erschienen (Amsterdam, Querido). – Mit der eindrucksvollen farbigen Umschlagillustration (Bücherverbrennung unterm Hakenkreuz) von Politzer.

19,0 : 14,0 cm. 159, [1] Seiten. – Ränder minimal berieben. – Seiten papierbedingt gebräunt.

Sternfeld/Tiedemann 328. – Potempa G 672.2

364  Klaus Mann – Decision.

€ 200

A review of free culture. Editor: Klaus Mann. Volume I, No. 1 [–] 6. New York Januar – Juni 1941. Mit einigen Illustrationen. Farbige Originalbroschuren.

Vollständiger erster Band der von Klaus Mann herausgegebenen Zeitschrift, die auch für die deutschen Exilanten wichtig war. – Der zweite Band startete im Juli 1941, 1942 wurde die Zeitschrift wieder eingestellt. – Mit Beiträgen von Jean Cocteau, Bruno Frank, Klaus Mann, Thomas Mann, Franz Werfel u. v. a.

22,7 : 15,2 cm. Je 60-90 Seiten. – Alle Rücken mit winzigen, zwei mit kleinen Läsuren.

Grunewald 640–647 und 649–653

365  Klaus Mann. The Turning Point.

€ 250

Thirty-five Years in this Century. New York, L. B. Fischer 1942. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Erst 1952 und somit posthum erschien Klaus Manns Autobiographie in seiner Muttersprache (»Der Wendepunkt«).

23,0 : 15,0 cm. XVIII, 366 Seiten. – Schutzumschlag leicht fleckig.

Grunewald 681. – Sternfeld/Tiedemann 330

366  Klaus Mann – Heart of Europe.

€ 120

An Anthology of Creative Writing in Europe 1920 – 1940. Edited by Klaus Mann and Hermann Kesten. With an Introduction by Dorothy Canfiled Fisher. New York, L. B. Fischer 1943. Blauer Originalleinenband mit illustriertem Schutzumschlag (Georg Salter).

Erste Ausgabe der wichtigen (und trotz des nachfolgenden Hinweises gewichtigen) Anthologie mit Texten von mehr 150 Autoren des progressiven Europas. – Vom Herausgeber Klaus Mann stammt auch das Vorwort. – »This is an wartime book. Size, weight of paper and margins have been reduced to conserve material necessary for the war effort«. – Die Gestaltung von Einband und Schutzumschlag stammt von Georg Salter, der seit 1934 an seine Berliner Erfolgsjahre anknüpfen konnte.

22,0 : 15,8 cm. XXXVI, 970, [2] Seiten. – Umschlag mit einigen Läsuren.

Grunewald 700

367  Erika und Klaus Mann. Escape to Life.

€ 250

Illustrated. Boston, Houghton Mifflin 1939. Mit acht Bildtafeln. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – »Practically Everybody who in World Opinion had stood for what was currently called German Culture prior to 1933 is now a refugee«.

22,0 : 15,0 cm. VII, [3], 384 Seiten, 8 Tafeln. – Ränder des Schutzumschlags schwach geknittert.

Sternfeld/Tiedemann 328. – Grunewald 539

368  Erika und Klaus Mann. The other Germany.

€ 300

Translated by Heinz Norden. New York, Modern Age Books 1940. Originalleinenband mit illustriertem -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Zusammenfassung der Vorträge, die Klaus Mann seit 1937 in den USA gehalten hatte. – Dazu: Zero Hour. A Summons to the Free by Stephen Vincent Benet, Erika Mann, McGeorge Bundy, William L. White, Garret Underhill, Walter Millis. NewYork und Toronto, Farrar & Rinehart 1940. Originalleinenband mit -schutzumschlag. »Erika Mann brings to the american scene the judgements forged during the days when she watched german democracy go into a decline and die.«.

21,0 : 14,5 cm. XV, [3], 318 Seiten. – Ränder des Schutzumschlags mit kleineren Randausrissen.

Sternfeld/Tiedemann 328. – Grunewald 620

369  Erika Mann. The Lights go down.

€ 300

Translated by Maurice Samuel. Illustrated by John O’Hara Cosgrave, II. New York [und] Toronto, Farrar & Rinehart 1940. Mit elf ganzseitigen Illustrationen. Originalleinenband mit illustriertem -schutzumschlag.

Erste amerikanische Ausgabe, im Jahr der Londoner Erstausgabe erschienen. – Dazu: Erika Mann. Zehn Millionen Kinder. Amsterdam, Querido 1938. Originalbroschur mit -umschlag.

21,3 : 15,0 cm. [6], 282 Seiten. – Untere Ecken und Kapital leicht gestaucht. Ränder des Schutzumschlags mit wenigen winzigen Einrissen.

Vgl. Sternfeld/Tiedemann 328

370  Karl August Wittfogel. Der Mann, der eine Idee hatte.

€ 200

Erotisches Schauspiel in vier Akten. – Wer ist der Dümmste? Eine Frage an das Schicksal in einem Vorspiel und vier Akten. Berlin, Malik 1922 und 1923. Typographisch illustrierte Originalbroschuren.

Erste Ausgaben. – Sammlung revolutionärer Bühnenwerke, Bände VII und VIII. – Selten.

23,8 bzw. 23,0 : 16,0 cm. 48 bzw. 80 Seiten. – I: Umschlag leicht fleckig mit winzigen Fehlstellen. – Ränder stark gebräunt, Buchblock etwas gelöst. – II: Schönes Exemplar.

Hermann 440 und 443. – Herzfelde 72 und 87

371  Karl August Wittfogel. Die Wissenschaft der bürgerlichen Gesellschaft.

€ 200

Eine marxistische Untersuchung. – Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Von ihren Anfängen bis zur Schwelle der grossen Revolution. Berlin [und] Wien, Malik 1922 und 1924. Originalbroschur bzw. Originalhalbleinenband.

Erste Ausgaben. – Kleine Revolutionäre Bibliothek, Band 8, bzw. Wissenschaft und Gesellschaft, Band 2. – 1924 hatte Wieland Herzfelde in Wien eine Zweigstelle seines Malik-Verlages eröffnet. – Wittfogel widmete den zweiten Titel seiner Ehefrau Rose, die mit ihm zu den wichtigsten Initiatoren des Frankfurter Instituts für Sozialforschung zählte. – Die Typographie beider Einbände gestaltete John Heartfield.

22,5 : 15,0 cm. 95, [1] Seiten. Umschlag mit kleinen Fehlstellen, insgesamt leicht fleckig. – 23,3 : 16,0 cm. 319, [1] Seiten.

Hermann 444 und 439. – Herzfelde 122 und 74

372  Karl August Wittfogel. Das erwachende China.

€ 200

Ein Abriß der Geschichte und der gegenwärtigen Probleme Chinas. Wien, Agis 1926. Originalleinenband mit Deckelillustration.

Erste Ausgabe. – Seine Studien zur chinesischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte zählen zu den wichtigsten Arbeiten des Verfassers. Als Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung nahm er 1931 an Konferenzen in der Sowjetunion teil und musste erleben, dass seine Thesen dort plötzlich auf heftige Ablehnung stießen. – Dazu: Der Wolkenkratzer. Amerikanischer Sketch. Berlin, Malik 1924. Originalheftung ohne Umschlag. Sehr seltene erste Ausgabe. Letzte Seite leicht fleckig. – Beigabe: Die Weltbühne. Jahrgang XXIII, Nummer 39 (27. September 1927). Enthält u. a. Wittfogels Beitrag »Wohin treibt China?«.

21,0 : 14,0 cm. 174, [2] Seiten. – Rücken etwas verblasst. Deckelränder minimal stockfleckig.

Beigabe: Hermann 445, Herzfelde 123

373  [Karl August Wittfogel] Klaus Hinrichs. Staatliches Konzentrationslager VII.

€ 250

Eine »Erziehungsanstalt« im Dritten Reich. London, Malik 1936. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Karl August Wittfogel, Sinologe und Soziologe sowie frühes KPD-Mitglied wurde sofort nach der Machtergreifung durch die Nazis verhaftet und in eines der berüchtigten Emslandlager verschleppt. Sein unter Pseudonym veröffentlichter umfangreicher Bericht ist eines der frühen Zeugnisse über das KZ-System. – Die Buchgestaltung mit dem Reichsadler auf dem Vorderdeckel stammt von den Brüdern John Heartfield und Wieland Herzfelde. – Selten, zumal so gut erhalten.

19,0 : 12,9 cm. 435, [5] Seiten. – Stempel »Schweiz. Arbeiterbildungszentrale Bern« auf dem Titelblatt.

Hermann 194. – Herzfelde 283. – Nicht bei Sternfeld/Tiedemann

374  Stefan Zweig. Georg Friedrich Händels Auferstehung.

€ 900

Eine historische Miniatur. Wien, Leipzig und Zürich, Herbert Reichner 1937. Mit elf Illustrationen und einer Titelvignette nach Tuschfederzeichnungen [von Fritz Kredel]. Grüner Originalsaffianlederband. Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Eins von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe im Ledereinband (unnummeriert, Gesamtauflage 350). – Auf Bütten. – Das Vorhaben, die 25 Exemplare von Stefan Zweig signieren zu lassen, scheiterte an den Zeitumständen: Nachdem seine Bücher 1933 auf den Scheiterhaufen der Nationalsozialisten brannten, lebte Stefan Zweig in London. Im Mai 1937 verkaufte er sein Haus in Salzburg und kehrte nicht mehr in seine Heimat zurück. – Die Illustrationen entstanden laut Druckvermerk in der »Meisterschule Viktor Hammer in Grundlsee«. Sie stammen von Fritz Kredel, dem 1936 durch die Reichskammer der bildenden Künste Berufsverbot erteilt worden war. Er übersiedelte daraufhin über die Steiermark nach Wien. Der Typograph Viktor Hammer hatte 1936 seine »Schule für freie und strenge Künste« am steirischen Grundlsee eröffnet, die nun Kredel und dem Verleger Herbert Reichner als Pseudonym diente. – Mit einer Empfehlungskarte des Verlages. – Sehr selten.

20,3 : 12,0 cm. 58, [6] Seiten. – Rücken leicht verfärbt.

Klawiter G 786. – Salter, Kredel 1.79

375  Stefan Zweig. Schachnovelle.

€ 1200

Buenos Aires, Pigmalion 1942. Original(?)-Lederband mit vergoldetem Rückentitel.

Erste deutsche Ausgabe von Stefan Zweigs letzter Veröffentlichung. – Eins von 250 Exemplaren (Gesamtauflage 300), von denen allerdings wohl nur wenige in Leder gebunden worden sein dürften. Innendeckel und Vorblatt mit dem Klebeschildchen des Verlages. – »Das Original dieses Buches wurde vom Verfasser wenige Stunden vor seinem Tod seinem Freund und Übersetzer Alfredo Cahn zugeschickt und erscheint als Liebhaberdruck […]« (Druckvermerk). – Eine der seltensten Zweig-Editionen.

18,7 : 12,5 cm. 97, [5] Seiten. – Rücken und Gelenke etwas berieben. – Stellenweise etwas fleckig, vereinzelte Blattecken geknickt. – Bindung der ersten und letzten Lage leicht gelockert.

Klawiter F 110

376  Officina Warszawska Abroad – W. J. Stankiewicz. The Accomplished Senator

€ 400

of Laurentius Goslicius. Warschau 1946. Originalpergamentband, Titel und Bordüren in Goldprägung, Deckelvignette in Rot. Im Originalschuber. – Widmungsexemplar.

Eins von 25 römisch nummerierten Vorzugsexemplaren auf Simili-Japan, im Druckvermerk vom Verleger signiert. – Gedruckt in Rot und Schwarz. – Stankiwiecz’ Abhandlung über das berühmte Buch »De optimo senatore« des polnischen Bischofs Laurentius Grimaldius Goslicius (1530–1607) wurde 1944 verfasst und hier erstmals veröffentlicht. Die »Officyna Warszawska Abroad« wurde 1938 von Anatol Girs und Boleslaw Barcz gegründet. Sie ging während der Zerstörung Warschaus 1944 unter, Barsz starb während des Krieges. Erst nach Kriegsende wurde die Presse wieder eröffnet. – Goslicius’ Text über die Verpflichtungen der Monarchie gegenüber dem Willen der Bevölkerungsmehrheit war im 16. Jahrhundert revolutionär und beeinflusste sowohl den polnischen Adel als auch verschiedene Nationalverfassungen. – Mit eigenhändiger Widmung des Verlegers Anatol Girs für Aloys Ruppel (1882–1977), den Bibliothekar und langjährigen Leiter des Gutenberg-Museums in Mainz, datiert München 1946.

21,0 : 15,3 cm. 40, [4] Seiten.

377  Frans Masereel – Emile Verhaeren. Fünf Erzählungen.

€ 300

Mit 28 Holzschnitten von Frans Masereel. Übertragen von Friderike Maria Zweig. Leipzig, Insel 1921. Mit 28 Holzschnitten, davon 13 ganzseitig. Originalpergamentband mit Deckelvignette, schwarzem Rücken- und Deckeltitel und Kopfgoldschnitt.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf echtem Büttenpapier (Gesamtauflage 1100). – Erste deutsche Ausgabe der 1920 erschienenen Sammlung »Cinq Récits« (1920). – Tadellos schönes Exemplar.

22,4 : 14,8 cm. 100, [4] Seiten. – Einband stockfleckig. Deckel etwas aufgebogen. – Schnitt und einige Seiten mit wenigen Stockflecken.

Ritter C a 15. I. – Fromm VI, 26213 (unter »Oeuvres«)

378  Frans Masereel – Oscar Wilde. The Ballad of Reading Gaol.

€ 450

Holzschnitte von Frans Masereel. München, Drei Masken 1923. Mit 37 Holzschnitten im Text, davon sieben blattgroß. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Elfter Obelisk-Druck. – Eins von 250 Exemplaren auf Deutschem Bütten (Gesamtauflage 340). – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Druck der Holzschnitte von den Original-Stöcken. – »Eine wirklich künstlerische Harmonie zwischen der Dichtung und der Graphik kann nur dann entstehen, wenn nicht der Auftrag, sondern die Liebe den Graphiker zu dem Dichterwerk geführt hat.« (Aus der Ankündigung des Verlages, zitiert nach Rodenberg.) – »Of all illustrated editions of the Ballad, the Masereel edition seems to me to have the highest artistic importance. This is necessarily a subjective appraisal, but I must confess that, both in conception and execution, Masereel’s woodcuts have made the deepest impression on me.« (Abraham Horodisch, Wilde’s Ballad, Seite 50f.).

28,0 : 18,4 cm. [2], 57, [11] Seiten.

Ritter C a 29. – Rodenberg 448, 11

379  Frans Masereel. Acht Original-Holzschnitte zu Hemingway Der alte Mann und das Meer.

€ 300

Acht Holzschnitte. 1962. 13 : 8 cm (18,7 : 13,3 cm). Signiert.

Eins von 100 Exemplaren, blattweise signiert. – Auf Japan, die Druckfarbe dadurch mit feinem, tuscheartigen Glanz. – Sonderausgabe der acht Holzschnitte, die auch in der Buchausgabe erschienen. Ediert vom Johannes Asmus Verlag, Hamburg. – Jeweils in Passepartout montiert. – Mit einem Textblatt lose in Originalumschlag und -schuber. – Vom Schuber abgesehen tadellos.

Schuber etwas lichtrandig.

Ritter B a 56

380  Frans Masereel. Das Gesicht Hamburgs.

€ 180

80 Original-Holzschnitte. Hamburg, Johannes Asmus 1964. Originalbroschur mit -schuber.

Erste Ausgabe dieser Bildfolge. – Eins von 150 römisch nummerierten »zusätzlichen« Exemplaren, die wohl nicht für den Handel bestimmt waren (Gesamtauflage 1.025). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Zerkall-Bütten. – » […] anschaulicher, moderner und aufregender als alle noch so ausgeklügelten Fotos es einfangen können« (aus dem Vorwort von Hans Bütow).

24,5 : 18,2 cm. [86] Blätter. – Schuberkanten leicht gebräunt, Hinterdeckel mit kleinem Fleck.

Ritter B a 59

381  Hans Meid – Clemens Brentano. Die Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl.

€ 350

Mit 12 Radierungen von Hans Meid. Berlin, Eigenbrödler [1925]. Mit zwölf signierten Radierungen. Lilafarbener Originalkalblederband mit reicher Deckel- und Rückenvergoldung und Kopfgoldschnitt.

Eins von 100 der zweiten Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen (Gesamtauflage 550 Exemplare). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Satz aus der Frühlingfraktur von Rudolf Koch. – Gedruckt bei Otto von Holten, Berlin. – Einbandentwurf von Ernst Nicolas. – Über den Eigenbrödlerverlag, der 1919 in Berlin gegründet wurde und nach eigenem Bekunden »hauptsächlich Werke mit Radierungen« edieren wollte, finden sich in den einschlägigen Bibliographien keine Informationen. Nach dem Historischen Archiv des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels leiteten u. a. Robert Johndorff, Artur Lokesch, Willy Stuhlfeld sowie Ernst Nicolas und Paul Eipper zeitweise den Verlag. 1930 erfolgte die Umfirmierung in »Deutsch-Schweizerische Verlagsanstalt AG«, 1932 erlosch der Verlag durch Konkurs.

26,6 : 19,5 cm. [4], 62, [3] Seiten. 12 Radierungen. – Rücken leicht verblasst, Deckel mit winzigen leichten Kratzspuren und Verfärbungen.

Jentsch XLV und 485–496. – Badorrek-Hoguth 1.7

382  Hans Meid – Ernst Toller. Die Rache des verhöhnten Liebhabers

€ 500

oder Frauenlist und Männerlist. Mit neun Radierungen von Hans Meid. Ein galantes Puppenspiel in zwei Akten frei nach einer Geschichte des Kardinals Bandello. Berlin, Paul Cassirer 1925. Mit neun signierten Radierungen, davon fünf blattgroß. Dunkelroter Originalmaroquinband (Söchting, Berlin) mit vergoldeter Deckelvignette und Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Eins von 120 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den Originalradierungen. – Auf Zanders-Bütten. – Druck der Radierungen bei Carl Sabo, Berlin, Druck des Textes bei Jacob Hegner, Dresden-Hellerau. – »Ernst Toller war mit Paul Cassirer schon lange bekannt, als er sich im Mai 1919 in München – während Tilla Durieux in der Klinik war – ohne ihr Wissen in ihrer Wohnung versteckte. Sie konnte die Behörden nur mit Mühe von ihrer Unschuld überzeugen. Toller wurde zu Festungshaft verurteilt, wo er dieses Stück verfaßte« (Tilla Durieux. Meine ersten neunzig Jahre. Zitiert nach F./Br.). – Die Widmung »meinem Freund E. K. als Gruss ins Exil« gilt dem wegen seiner Beteiligung am Münchner Novemberaufstand 1918 in die Schweiz geflohenen Erich Katzenstein. – Schöner Einband mit Deckelvignette (Florett über Geweih), Steh- und Innenkantenvergoldung.

24,4 : 18,4 cm. 61, [3] Seiten. – Rücken etwas verfärbt. – Vorsatzblätter am Rand mit Leimschatten.

Jentsch, Meid XLIII und 462–470. – Badorrek-Hoguth 1.60 VA. – Feilchenfeldt/Brandis 194.0. – Schauer II, 91. – Hayn/Gotendorf IX, 586

383  Robert Musil. Drei Frauen.

€ 180

Novellen. Berlin, Ernst Rowohlt 1924. Originalpappband mit Deckelschild.

»Mit den formal traditionellen Erzählungen ›Grigia‹ (entstanden 1921), ›Die Portugiesin‹ (1923) und ›Tonka‹ (1922) dringt Musil in jenen dem Verstand nicht mehr ganz zugänglichen Grenzbereich des menschliche Erfassungsvermögens vor, in jene ›bewegliche, singuläre, irrationale‹ Welt, die sich mit der äußeren Welt ›nur scheinbar deckt, die wir aber nicht bloß im Herzen tragen oder im Kopf, sondern die genau so wirklich draußen steht wie die geltende‹« (KNLL XII, 108).

19,3 : 12,0 cm. 166, [2] Seiten. – Einband etwas berieben. – Innen mit wenigen kleinen Stockflecken.

Wilpert/Gühring 5, 6 und 7. – Lang, Expressionismus 370 (I)

384  Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften.

€ 1200

Roman. Drei Bände. Berlin, Ernst Rowohlt 1930 und 1933 sowie Lausanne, Imprimerie Central 1943. Originalleinenbände, einer (III) mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Die Entstehungsgeschichte dieses Haupt- und Lebenswerkes reicht bis in die Zeit um die Jahrhundertwende zurück. Der zweite Band wurde sofort nach Erscheinen verboten, der dritte wurde, von Musils Witwe aus dem Nachlass herausgegeben, nur in kleinerer Auflage gedruckt. – Einbandentwürfe von E. R. Weiß.

19,9 : 13,1 cm. – Rücken etwas verfärbt (I und II), III an den Ecken minimal gestaucht. Schutzumschlag an den Ecken minimal geknickt.

Wilpert/Gühring 10. – Sternfeld/Tiedemann 362

385  Robert Musil. Nachlass zu Lebzeiten.

€ 120

Zürich, Humanitas 1936. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Dritte Auflage, wohl Bindequote innerhalb der Erstauflage. – »Es handelt sich bei dieser letzten (Buch)Publikation Robert Musils um ›seine letzten Worte, […] um Gedankenexperimente, welche die Bedingungen moderner Wahrnehmung, Erkenntnis und Literaturpraxis zur Disposition stellen« (Birgit Nübel, Robert Musil – Essayismus als Selbstreflexion der Moderne, S. 469).

18,2 : 11,7 cm. 220 Seiten. – Schutzumschlag am oberen Kapital mit winzigen Randeinrissen.

Wilpert/Gühring 12. – Sternfeld/Tiedemann 362

386  Kay Nielsen – Henry Jacques. Sous le Signe du Rossignol.

€ 1000

Illustré par Kay Nielsen. Paris, H. Piazza 1923. Mit 19 auf Tafeln montierten farbigen Abbildungen und Buchschmuck. Halblederband mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 150 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einer eingebundenen Extrasuite der auf Tafeln montierten Illustrationen (Gesamtauflage 1500). – Auf Japan. – Der Originalbroschurumschlag eingebunden. – Kay Rasmus Nielsen (1886–1957), vor allem in den 1920er Jahren für seine Jugendstil-Illustrationen bekannt, steht als einer der großen Drei des »Golden Age of Illustration« in einer Reihe mit Arthur Rackham und Edmund Dulac. Später arbeitete er für Walt Disney in Hollywood.

30,3 : 23,5 cm. 102, [4] Seiten, 38 Tafeln. – Leder des Einbands leicht fleckig. – Wenige Seiten mit einigen kleinen Stockflecken.

387  Rainer Maria Rilke. Das Stunden-Buch

€ 250

enthaltend die drei Bücher vom mönchischen Leben / von der Pilgerschaft / von der Armuth und vom Tode. Leipzig, Insel 1905. Flexibler Originalhalbleinenband mit Deckelillustration.

Erste Ausgabe. – Exemplar 181 von 500. – Gedruckt auf Van Gelder-Bütten. – Der Titel, die Kopfleiste und Initiale wurden von Walter Tiemann gezeichnet, unter Anlehnung an venezianische Holzschnitte. – Druck in Rot und Schwarz. – Rilke widmete das Buch Lou Andreas-Salome. – Das zweite Buch von Rilke im Insel-Verlag.

18,0 : 11,3 cm. [4], 98, [2] Seiten. – Einband an den Rändern gebräunt. Oberkante und erste Seiten mit winzigem Einriss. – Titelblatt mit Spuren von Tintenstift.

Mises 36. – Sarkowski 1359

388  Rainer Maria Rilke. Sämtliche Werke.

€ 250

Herausgegeben vom Rilke-Archiv. In Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke. Besorgt durch Ernst Zinn. Erster [bis] Sechster Band. Frankfurt am Main, Insel 1963–1971. Hellbraune Originalkalblederbände mit Rückenblindprägung und blaugrauem Rückenschild mit Vergoldung.

Nachauflagen der Werkausgabe von 1955–1966, Band VI in erster Ausgabe. – Dünndruckausgabe.

18,5 : 11,5 cm. – An den Kapitalen minimal berieben.

Vgl. Sarkowski 1296 und Mises 154

389  Ruth Schaumann. Der singende Fisch.

€ 300 ( R7 )

Mit 20 farbigen Tafeln nach Pergament-Miniaturen der Verfasserin. Berlin, G. Grote 1934. Mit 20 Farbtafeln. Originalpergamentband mit Pergamentdurchstich. Kopfschnitt und Rückentitel vergoldet.

Exemplar 1 von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe, bei denen der Text auf Bütten und die Tafeln auf Japanpapier gedruckt wurden. Die Vorzugsausgabe in Pergament gebunden und im Druckvermerk von der Autorin signiert. – Ruth Schaumann (1899–1975) erlernte zunächst den Beruf der Modezeichnerin und studierte seit 1918 an der Münchner Kunstgewerbeschule Bildhauerei. Bereits 1921 wurde sie Meisterschülerin. Parallel dazu entstanden Gedichte und Prosawerke. Ab 1935 galt Schaumanns künstlerisches Werk als »entartet«.

19,8 : 12,5 cm. [8], 306, [2] Seiten. – Der Einband leicht stockfleckig, innen tadellos.

390  Paul Scheerbart. Rakkóx der Billionaer.

€ 300

Ein Protzenroman. Die Wilde Jagd. Ein Entwicklungsroman in acht anderen Geschichten. Leipzig, Insel 1901. Mit Buchschmuck von Jossot und einer Illustration von Felix Vallotton. Originalhalbleinenband mit Rückenschild und Buntpapierbezug.

Titelauflage der ersten Ausgabe von 1900, die eine »Inkunabel des Insel-Verlages« war. – Gedruckt im Auftrag von A. W. Heymel. – Einbandentwurf, Buntpapiervorsätze und Buchschmuck von Henri Jossot. – Dazu: Tarub, Bagdads berühmte Köchin. Arabischer Kulturroman. Berlin, Hugo Storm [1897]. Pergamentband, Originalbroschurumschlag eingebunden.

21,2 : 14,8 cm. [6], 119, [1] Seiten. – Kapitale, Ecken und Kanten leicht berieben. – Einige Seiten hinten am Unterrand mit Feuchtigkeitsspur.

Kohnle S. 57 sowie 62. – Sarkowski 1437

391  Karl Thylmann – Christoph Martin Wieland. Geschichte des Prinzen Biribinker.

€ 200

Mit 10 Radierungen von Karl Thylmann. Weimar, Kiepenheuer 1914. Mit radiertem Titelblatt und zehn Radierungen. Rostroter Originalbocklederband mit Rücken-, Deckel- und Schnittvergoldung (H. Fikentscher, Leipzig).

Eins von 310 Exemplaren im Bockledereinband (Gesamtauflage 500). – Druck in der ersten handgeschnittenen Fassung der Ungertype in der Offizin Poeschel & Trepte, Leipzig. – Der Druck der Radierungen erfolgte auf der Pan-Presse, Berlin. – Einbandzeichnung von Bernhard Lorenz, Leipzig.

18,7 : 15,7 cm. 153, [7] Seiten, 11 Radierungen. – Einband leicht fleckig, Rücken minimal verblasst, Kanten berieben, kleiner Einriss am oberen Kapital.

Sennewald 14 (ungenau)

392  Kurt Tucholsky. Rheinsberg.

€ 450

Ein Bilderbuch für Verliebte. Mit Kupfern von Kurt Szafranski. Berlin, Axel Juncker [1921]. Mit sechs blattgroßen Radierungen und zwei radierten Vignetten. Lilafarbener Originalseidenband mit Vergoldung.

Eins von 230 Exemplaren der Vorzugsausgabe innerhalb der 1000 Exemplare der Jubiläumsausgabe. – Auf Bütten und in Seide gebunden. – Druckvermerk von Verfasser und Künstler signiert. – Mit einer Vorrede des Dichters zum fünfzigsten Tausend. – »Tucholskys erstes und unbeschwertestes Buch, das […] einer seiner größten Erfolge wurde, hat die Freude am Da-Sein, am Jung-Sein und an der Liebe zum Thema, der sich jedoch die wehmütige Einsicht hinzugesellt, daß dem Liebenden auch in der intensivsten Begegnung die letzte Erfüllung versagt bleibt« (KNLL X, 8157).

21,3 : 15,5 cm. 101, [3] Seiten. – Rücken verblasst und berieben, Vergoldung mit kleinen Verlusten. – Obere Ecken, auch die des Vorderdeckels, mit Knickfalte.

Bonitz/Wirtz C 1.3

393  Marcel Vertès – Colette. La Vagabonde.

€ 250

Lithographies en couleurs de Marcel Vertès. Paris, Cité des Livres 1927. Mit 15 Farblithographien von Marcel Vertès. Halbmaroquinband mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung sowie Marmorpapierbezügen. Im Schuber.

Unnummeriertes Exemplar, wie 230 Exemplare mit zusätzlicher »Suite en Sanguine« (Gesamtauflage 305). – Marcel Vertès (1895–1961), gebürtiger Ungar, ging 1925 nach Paris, wo er sich bald einen Namen als einer der wichtigsten Künstler der Szene machte. Er illustrierte die Bücher französischer Schriftsteller, seine Kunst entsprach genau dem Zeitgeist der »Wilden Zwanziger«. Vertès arbeitete ebenfalls als Bühnen- und Kostümbildner, 1952 erhielt er für die Ausstattung des Films »Moulin Rouge« zwei Oscars.

28,5 : 23,5 cm. [6], 277, [3] Seiten, 30 Lithographien. – Rücken stark verblasst.

Monod 3054

394  Robert Walser. Aufsätze.

€ 200 ( R7 )

Leipzig, Kurt Wolff 1913. Originalpappband mit farbig illustriertem Vorderdeckel.

Erste Ausgabe. – Den Buchschmuck (Einband und Vignetten) zeichnete der Bruder des Dichters, Karl Walser. – »Daß Sie in die Mitarbeit meines Bruders am Aufsatzbuch einwilligen, freut mich lebhaft« (Robert Walser 1912 an den Verleger, zitiert nach Badorrek-Hoguth).

21,0 : 13,0 cm. 237, [3] Seiten. – Deckelränder und Rücken etwas gebräunt, innen sehr schön.

Badorrek-Hoguth A 26. – Göbel 145

395  Robert Walser. Kleine Dichtungen.

€ 350 ( R7 )

Erste Auflage hergestellt für den Frauenbund zur Ehrung rheinländischer Dichter. Leipzig, Kurt Wolff 1914. Originalpappband mit Einbandillustration von Karl Walser, in Gold gedruckt.

Erste Ausgabe. – Auf dem Vortitelblatt vom Dichter signiert. – Im Juli 1914, das Buch war bereits in der Herstellung, teilte Walser dem Verleger mit, dass er für eine Auszeichnung durch den »Frauenbund zur Ehrung rheinländischer Dichter« ausgewählt worden sei. Dies sollte die einzige öffentliche Ehrung bleiben, die dem Dichter zu Lebzeiten zuteil wurde. – Das Mitgliederverzeichnis des Frauenbundes (Seiten 285–312) verzeichnet 1048 Namen, so dass man von einer Auflage von etwa 1100 Exemplaren ausgehen kann.

20,3 : 13,3 cm. 311, [1] Seiten. – Rücken und Vorsätze erneuert. Einband etwas gebräunt und berieben, das Gold der Deckelillustration teils oxidiert.

Badorrek-Hoguth B 86.1. – Göbel 177

396  Robert Walser. Kleine Prosa.

€ 200 ( R7 )

Bern, A. Franke 1917. Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Gedruckt in einer Auflage von 1.500 Exemplaren, von denen allerdings etwa die Hälfte bei einem Lagerbrand vernichtet wurde. – Selten.

19,5 : 12,7 cm. 201, [3] Seiten. – Rücken und Ränder gebräunt, Feuchtigkeitsspur an Rücken und Oberrand. – Vorsätze, erste und letzte Seiten etwas stockfleckig.

Wilpert/Gühring 10

397  Robert Walser. Poetenleben.

€ 200 ( R7 )

Frauenfeld und Leipzig, Huber 1918. Originalhalbleinenband mit farbig lithographierter Vorderdeckelillustration von Karl Walser.

Erste Ausgabe. – Nur ein Teil der Gesamtauflage von 2200 Exemplaren wurde in Halbleinen gebunden.

18,5 : 12,5 cm. [4], 183, [5] Seiten. – Vorderes Innengelenk gebrochen.

Wilpert/Gühring 12. – Badorrek-Hoguth B 87

398  Frank Wedekind. Herakles.

€ 200

Dramatisches Gedicht in drei Akten. Mit zwanzig Steinzeichnungen von Edwin Scharff. München, Georg Müller 1920. Mit 20 Lithographien. Originalpappband mit Deckel- und Rückenschild.

Erste Ausgabe (entgegen der irrtümlichen Angabe »1917« bei Wilpert/Gühring). – Erschien in der Reihe »Welttheater. Meisterdramen mit Originalgraphik«, Band IV. – Eins von 230 Exemplaren (Gesamtauflage 330). – Die Einbandgestaltung stammt von Paul Renner.

26,3 : 22,5 cm. 127, [3] Seiten, 20 Lithographien. – Ränder leicht berieben.

Rodenberg 475. – Sennewald 20. – Lang, Expressionismus 297

399  Klaus Wrage. Helgi und Sigrun.

€ 100

Edda-Blockbuch. Berlin, Holle [1941]. Mit 81 Tafeln nach Holzschnitten von Klaus Wrage. Brauner Originalleinenband mit Kordelheftung.

Nordischer Geist, herausgegeben von Dirck Clasen, Band 3. – Gedruckt nach einem von den Originalholzschnitten von Klaus Wrage handgedruckten Exemplar. – Der alte Edda-Text um den Hundingstöter Helgi wurde von Klaus Wrage nach der Fassung von Felix Genzmer und Hans Voss überarbeitet, ergänzt und illustriert. Der Text wurde vom Künstler in die Holzschnitte eingearbeitet, so dass Text-Bild-Tafeln entstanden. – Klaus Wrage (1891–1984) war eng mit dem Hamburger Expressionisten Karl Lorenz befreundet, hatte 1920 in Malente seine Holm-Presse gegründet und mehrfach Holzschnitte zu Lorenz’ Almanachen und Zeitschriften beigesteuert. – Gedruckt wurde das Blockbuch im holländischen Wormerveer, gebunden bei Brandt & Sohn, Amsterdam.

35,5 : 31,5 cm. [88] Seiten. – Schutzumschlag fleckig und mit Einrissen. – Schnitt minimal fleckig.