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Literatur und Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts | Hesse-Auktionen
Literatur und Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts

171  Aesop. Fabulæ Æsopi.

€ 300 ( R7 )

Græce et latine, nunc denuo selectæ: Eæ item, quas Avienus Carmine expressit. Accedit Ranarum et Murium pugna, Homero olim asscripta: Cum elegantissimis in utroque libello Figuris […] Amsterdam, Janson & Waesberg 1726. Mit 47 Textholzschnitten. Marmorierter Lederband der Zeit.

Später Druck der griechisch-lateinischen Parallelausgabe der Fabeln von Aesop, Avian, Philostratos und des Froschmäuselerkrieges. – Die schönen Holzschnitte gehen auf die Vorlagen von Ch. von Sichem in den Ausgaben des 17. Jahrhunderts zurück.– Erstmals 1632 erschienen und seitdem als offizielle Schulbuchausgabe in Holland lizensiert.

16,0 : 10,0 cm. 134, [2] Seiten. – Kanten etwas berieben, neues Vorblatt mit Besitzvermerken.

Vgl. Bodemann 65.1

172  Bodoni – Lorenzo Barotti. Lezioni sacre

€ 350

su i libri di Tobia, di Giuditta, e di Ester [und] de’ Maccabei. [Zwei Teile in einem Band]. Parma, Stamperia Reale 1785–1786. Flexibler moderner Pergamentband mit blauen Schließbändern.

Erste Ausgabe. – Vollständige Folge der bei Bodoni gedruckten Bibelkommentare des italienischen Jesuiten Barotti (1724–1801). – Die Widmung an Theresa de Montecattini Bevilacqua aus der Cancelleresco Finanziera gesetzt. – Unbeschnittenes Exemplar.

30,2 : 25,5 cm. [12], 273, [1]; [2], 308, [2] Seiten. – Teils etwas stockfleckig und wasserrandig. Vor- und beide Titelblätter mit handschriftlichem Besitzvermerk.

Brooks 300. – Katalog Weiss 75

173  [Giambattista Bodoni]. Oratio Dominica

€ 4000

in CLV linguas. Versa et exoticis characteribus plerumque expressa. Parma, Typis Bodonieanis 1806. Originalinterimspappband mit zwei Titelschildern.

Erste Ausgabe von Bodonis berühmtem Schriftmusterbuch. – Bodonis »Oratio Dominica« mit den aus 215 Schriften gesetzten 155 Übersetzungen des »Vater Unser« steht unangefochten neben seinem »Manuale Tipografico«, das posthum 1818 erschien. – In vier Teilen folgen den orientalischen (linguas Asiaticas) europäische, afrikanische und amerikanische Übersetzungen. Der Reichtum an Drucktypen ist schier unerschöpflich, wobei neben den vielfältigen orientalischen Typen der auf 37 Seiten ausgebreitete Reichtum an griechischen Schriften besonders beeindruckt. Im Vorwort weist Giambattista Bodoni – Drucker der Könige und König der Drucker – darauf hin, dass er alles mit beweglichen Lettern vollendet habe, im Gegensatz zu früheren Vaterunser-Drucken, die mit exotischen Versionen in Kupferdruck gedruckt wurden. – Finanziert wurde der kostspielige Druck durch Napoléons Stiefsohn, Prinz Eugène de Beauharnais, Vizekönig von Italien, Fürst von Venedig, Bayerischer Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt. Ihm und seiner Gattin, Auguste Amalia von Bayern, ist das Werk gewidmet.
Aus der Privatbibliothek der Lieblingstochter Kaiser Franz I. und Gemahlin Napoléon Bonapartes, Marie Louise von Österreich (1791–1847), Großherzogin von Parma, Piacenza und Guastalla. Mit handschriftlier Widmung von Adam Albert von Neipperg: »Offerte respectueusement à sa Majésté l’Impératrice Marie Louise, Duchesse de Parma, Plaisance et Guastalla par son très humble et très obéissant serviteur […] Comte de Neipperg, Parme, le 21 Juillet 1815«. Von Neipperg, der im März 1815 zum Oberbefehlshaber der Truppen von Marie-Louise ernannt worden war, vertrat beim Wiener Kongress deren Interessen bei der Übertragung des Großherzogtums Parma, das ihr als Abfindung nach der Trennung von Napoléon zuerkannt wurde. Marie-Louise und von Neipperg lebten mit Duldung des Kaisers in Parma zusammen, 1821 gingen sie eine morganatische Ehe ein.
Eine der typographischen Meisterleistungen des 17./18. Jahrhunderts mit ebenso beeindruckender Provenienz und sehr gut erhalten.

43,5 : 30,0 cm. [8], XIX, [5], XIX, [5], 20, [2], CCXLVIII Seiten. – Einband leicht berieben und fleckig, Rücken und Deckelschild wohl erneuert. – Es fehlen die letzten 2 Blätter (das mit dem Impressum und ein leeres). Die breiten Ränder teils minimal stockfleckig. Innendeckel mit leichten Kleberesten.

Brooks 1003. – Kat. Weiss, S. 90. – De Lama II, 171f. (»Questo libro preziosissimo, che fa epoca nella Tipografia«). – Wurzbach XX, 146ff

174  [Émile Gachet]. Les sires de Gavres.

€ 300

Histoire des seigneurs de Gavres. Roman du XVe siècle. Brüssel, Van Dale [1845]. Text und Illustrationen durchgehend farbig lithographiert und teils koloriert. Leinenband der Zeit mit Blindprägung, der lithographierte Originalvorderumschlag auf das Vorblatt aufgezogen.

Eins von wohl nur etwa 100 Exemplaren. – Brunet: »fac-simile d’un curieux manuscrit du XVe siècle, […] avec un glossaire et un avertissement. […] Ce volume, exécuté à la lithogr. de Gobert, reproduit en entier et page pour page le texte et les vignettes du manuscrit qu’il représente. L’introduction qui en fait partie imite le style de l’époque de manière à faire illusion«. – Das Subskribenten-Verzeichnis nennt 57 Vorbesteller, von denen mancher bis zu zehn Exemplare orderte.

29,8 : 24,5 cm. 508 Seiten. – Einband leicht bestoßen und angestaubt. – Vorblatt fingerfleckig.

Brunet II, 1430f

175  Hogg’s New Novelist’s Magazine.

€ 600

The Supplement. Being a new collection of Novels and Romances, and containing elegant translations […] by Lewis Porney. London, Alexander Hogg [1794?]. Mit zehn Kupferstichen, meist nach Robert Dighton. Marmorierter Lederband der Zeit mit Rückenvergoldung und Rückenschild »Porney’s Novels«.

Der abschließende Band des »Novelist’s Magazine«, das 1792–1794 in mehreren Teilen zunächst Novellen englischer Autoren veröffentlicht hatte. Das Supplement bot nun Übersetzungen ausländischer Texte. – »Lewis Porney« war ein Pseudonym, das der Drucker und Verleger Alexander Hogg mehrfach verwendete. Auf den Titeln der früheren Bände wird er als »late teacher of the French language at Richmond, Surry« bezeichnet. – »This Work consequently is calculated to amuse the polite and fashionable Circles, and to entertain industrious Families, who after resting from their daily Avocations, wish to peruse a Recital of Characters of the most interesting Nature« (Vorwort). – Selten.

21,8 : 14,0 cm. 395, [1] Seiten, 10 Kupfertafeln. – Berieben, Gelenke brüchig. – Vorsatzränder leimschattig, vereinzelt minimal stockfleckig.

176  Jonathan Swift. Satyrische und ernsthafte Schriften.

€ 500

Erster [bis] Achter Band. Zürich, Orell, Geßner und Co., und (fingiert) Hamburg und Leipzig 1756–1766. Mit insgesamt acht gestochenen Titelvignetten und 13 Kupfertafeln. Marmorierte Pappbände der Zeit mit Rückenschildern und -vergoldung.

Erste deutsche Gesamtausgabe. – Band I in dritter Auflage. – Übersetzt von Johann Heinrich Waser. – Seltene erste und noch immer umfangreichste Sammlung der Schriften des englischen Satirikers. Neben Klassikern wie »Gullivers Reisen« und »Mährgen von der Tonne« sind auch zahlreiche weniger bekannte, teils erstmals übersetzte Schriften enthalten.

Je ca. 18 : 12 cm. – Band I nachgebunden. Ränder etwas berieben, Ecken bestoßen. – Titelblätter mit Bibliotheksstempel, Band I mit Namenszug.

Weller I, 90. – Hayn/Gotendorf VII, 497. – Goedeke IV/1, 578, 18, 7. – Rümann 1129

177  Jean Jaques [sic!] Rousseau. Discours sur l’origine et les fondemens de l’inegalité parmi les hommes.

€ 600

Amsterdam, Marc Michel Rey 1755. Mit gestochenem Forntispiz, gestochener Titel- und Kopfvignette. Lederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Dufour unbekannt gebliebene Variante, die die Merkmale des ersten und zweiten Drucks der Erstausgabe vereint. Wie für den ersten Druck beschrieben, noch mit der falschen Schreibweise des Namens auch am Ende der Vorrede und Zeile 1 auf Seite 262 »cune différence des méchans«. Auch das Blatt nach der Vorrede (»Avertissement sur les notes« und »Question Proposée par l’Académie de Dijon«) verzeichnet Dufour nur für den ersten Druck. – Für den zweiten Druck sprechen die korrigierten Druckfehler, das Fehlen der Kartons und des Errata-Blatts sowie die veränderten Kupfer. – Nach dem Diskurs »sur les Arts et Sciences« (1750) der sogenannte »Zweite Diskurs«, der wiederum als Antwort auf eine Preisfrage entstand. Rousseau untersuchte die Ursachen für die Ungleichheit des Menschen und deren Rechtfertigung.

19,5 : 12,3 cm. [2], LXX, [2], 262 Seiten. – Einband geschickt restauriert. – Vereinzelte Stockflecken.

Dufour 55/56

178  [François-Marie Arouet] de Voltaire. Contes et poésies diverses.

€ 120

Den Haag, Gosse 1777. Mit einem gestochenen Porträtmedaillon. Brauner Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten sowie Buchschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe dieser Sammlung, ein Jahr vor dem Tod des Verfassers erschienen. Ein Nachdruck erschien im gleichen Jahr in Genf. – Entzückende kleinformatige Ausgabe mit dem unsignierten Porträt des Philosophen und zahlreichen kleinen Holzschnittvignetten und Zierstücken.

12,4 : 6,8 cm. 216 Seiten. – Verschiedene Besitzvermerke, darunter zwei asiatische Stempel auf dem Titelblatt.

Bengesco 665

179  C[hristoph] Meiners. Grundriß der Theorie und Geschichte der schönen Wissenschaften.

€ 300

Lemgo, Meyersche Buchhandlung 1787. Halblederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung und zwei grün-goldenen Rückenschildern.

Erste Ausgabe. – Christoph Meiners (1747–1810) war Anhänger der esoterischen Philosophie und lehrte an der Göttinger Universität Philosophie. – Hübscher Einband mit Marmorpapierbezügen und Buntpapiervorsätzen.

18,6 : 10,8 cm. [8], 360 Seiten. – Etwas braunfleckig.

Goedeke IV/1, 6, 10 (verzeichnet nur dieses Werk)

180  R[ichar]d New[to]n. Cries of London.

€ 450

Zwei kolorierte Radierungen. 1797. 22,0 : 60,3 cm.

Karikaturen von Ausrufern, jede der acht Figuren mit erläuterndem Text. – Richard Newton, der in den beiden letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts mit zahlreichen Karikaturen in verschiedenen Publikationen vertreten war, wendete sich hier der berühmten englischen Tradition der Kaufrufe zu. – Mit gestochenem Titel, Künstlernamen und Verlegeradresse (Oxford, W. Holland 1797). – Im Besitz der Library of Congress, Washington, befindet sich noch ein drittes Blatt. – Beide sorgfältig gerahmt. – Eine Beigabe (R. Nelson. Cries and Criers of Old London. 1942). – Aus Familienbesitz Erben Dr. Ernst Hauswedell.

Beall E 23 mit Abbildungen des vorliegenden Exemplars

181  Benjamin Franklin. Nachgelassene Schriften und Correspondenz

€ 300

nebst seinem Leben. Aus dem Englischen übersetzt. Erster [bis] Fünfter Band. Weimar, Landes-Industrie-Comptoir 1817. Halblederbände der Zeit, Rücken und Deckel marmoriert, Rücken mit Vergoldung und rot-goldenem Rückenschild.

Erste deutsche Ausgabe. – In seinen »Memoirs of the Life and Writings« versuchte der amerikanische Staatsmann und Schriftsteller Benjamin Franklin, der als der bedeutendste Aufklärer Amerikas gilt, den künftigen Generationen Amerikas puritanisch-aufklärerische Lebensmaximen vor Augen zu stellen. – Band 1 und 2 mit der privaten Korrespondenz, in Band 3 und 4 Franklins Autobiographie, Band 5 enthält vermischte Aufsätze.

19,7 : 12,0 cm. – Minimal berieben. – Ohne die beiden Porträts. Innendeckel und Titelblätter mit Exlibrisstempel und Bibliothekssiglen, jeweils letzte Textseite mit Exlibrisstempel. Etwas braunfleckig. Bände 3-5 mit zahlreichen Bleistiftkorrekturen und -anmerkungen.

Sabin 25556a

182  Alexander von Humboldt. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

€ 450

[Berlin,] Freitags [15. IX. 1837]. 1/2 Seite.

»Ich kann mir die Ehre, Fräulein Fanny Lewald zu empfangen erst Dienstag um 1 Uhr erbitten, da der König [gemeint ist Friedrich Wilhelm III.] morgen wegen der Kirchenweihe auf mehrere Tage nach Potsdam geht. Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung Ihr ganz gehorsamster A Humboldt«. – Die Weihung der neuen, von Karl Friedrich Schinkel entworfenen, Potsdamer Nikolaikirche erfolgte nach sieben pannenreichen Baujahren am Sonntag, dem 17. IX. 1837. Schinkel selbst erhielt zu diesem Ereignis keine Einladung, Humboldt begleitete den preußischen König nach Potsdam und verschob den Empfang der angehenden Dichterin um einige Tage. Die junge Fanny Lewald (1811-1889) nutzte den Aufenthalt in Berlin, um Kontakte zu den geistigen Größen der Zeit zu knüpfen. 1842 erschien ihr erster Roman »Clementine«, 1848 gründete sie in Berlin einen einflussreichen politisch-literarischen Salon.

Leicht gebräunt, in Passepartout.

183  Achim von Arnim. Der Wintergarten.

€ 400 ( R7 )

Novellen. Berlin, Realschulbuchhandlung 1809. Halblederband mit Rückenschild und -vergoldung (um 1900).

Erste Ausgabe. – 1809 vollendete Achim von Arnim seine Novellensammlung, meist Nacherzählungen alter Werke, mit der er sich zum erstmals unmittelbar an ein preußisch-berlinisches Publikum wandte. – Eine übellaunige Wintergesellschaft beschließt, die Langeweile der Abende mit Geschichten aus anderen Zeiten und Ländern zu verkürzen. Am neunten – dem letzten – Abend öffnen sich die Türen des Zimmers, in dem die Unterhaltungen stattfinden, und geben den Blick frei auf die Pracht eines Wintergartens. Arnim schickte seinem Freund Clemens Brentano ein Exemplar, »Du erhältst, lieber Clemens, meinen Wintergarten mitten im Kriegsungewitter. Laß ihn Dir darum nicht gleichgültiger sein, ich glaube gerade darin die eigenthümlichste Kraft bewährt zu haben« (zitiert nach: Grimm/Steig, Achim von Arnim und die ihm nahe standen, Band 1, S. 281). – Insgesamt schönes Exemplar.

17,4 : 11,5 cm. XVI, 488, [2] Seiten. – Deckel und Kanten etwas berieben. – Innen schwach stockfleckig.

Goedeke VI, 74, 22. – Mallon 47

184  Clemens Brentano. Gockel Hinkel Gackeleia.

€ 600

Mährchen wieder erzählt. Frankfurt, Schmerber 1838. Mit lithographiertem Titel und 14 lithographierten Tafeln nach Clemens Brentano. Späterer Pappband mit grünen Deckelbezügen.

Erste Ausgabe, zweiter Druck, mit den nicht getönten Tafeln. – Diese umgearbeitete Fassung des ursprünglich um 1811 entstandenen Märchens, erweitert um die »Herzliche Zueignung« an Marianne von Willemer (Goethes Suleika und Jugendliebe Brentanos) sowie die abschließenden »Blätter aus dem Tagebuch der Ahnfrau«, war eines der letzten Bücher Brentanos. Die Verbindung eines schlichten, aus Elementen der Volkssprache gebildeten, Erzähltons und einer grotesken und phantastischen Handlung ergeben eines der gelungensten Beispiele für die Umsetzung der romantischen Poetik. – Die bemerkenswerten Illustrationen entwarf ebenfalls Brentano: »Sie sind durch ihre ›surrealistischen‹ Reize von einer Modernität wie kaum eine andere Illustration der Romantik.« (Kaldewey XIII/1, 42). Auf Stein gezeichnet wurden die Vorlagen vermutlich durch Kaspar Braun und Maximiliane Pernelle (vgl. Thieme/Becker XXVI, 424), gedruckt von Johann Nepomuk Strixner, hier in kräftigen Abzügen. – Wie häufig etwas knapp beschnitten, dadurch mit Verlust der Verlegerangabe auf dem Titelblatt.

19,8 : 13,0 cm. XIV, 346 Seiten. – Deckelbezüge leicht fleckig, Kapitale und Ecken bestoßen, Gelenke angeplatzt. – Einige Seiten mit Stockflecken.

Goedeke VI, 62, 43. – Slg. Borst 1856. – Rümann 130 und 2562. – Stuck-Villa I, 60

185  Joseph von Eichendorff. Gedichte.

€ 400

Berlin, Duncker und Humblot 1837. Halblederband mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe der ersten selbständigen Gedichtsammlung Eichendorffs. – An der Textredaktion dieser Sammlung war Adolf Schöll (1805–1882, Altphilologe und Literaturhistoriker) beteiligt, von dem auch vermutlich die Grundanordnung der Gedichte, die Abteilungstitel und selbst wohl einige Gedichttitel stammen. – »Eine große Zahl von Gedichten Eichendorffs ist in Romane, Erzählungen, Schauspiele und Versepen verflochten, doch anders als im Werke Brentanos entwickeln sich diese Lieder nicht aus dem umgebenden Prosatext« (Hermann Korte, Deutsche Literatur aus fünf Jahrhunderten, S. 117). – Eichendorffs Lyrik gehört zu den meistgelesenen Texten der romantischen deutschen Dichtung.

17,8 : 11,4 cm. XII, [2], 482, [2] Seiten. – Deckel leicht beschabt. – Durchgehend etwas stockfleckig.

Goedecke VIII, 129, 29. – Slg. Borst 1828

186  [Johann] Wolfgang von Goethe. Reineke Fuchs.

€ 200

Mit Zeichnungen von Wilhelm von Kaulbach gestochen von R. Rahn und A. Schleich. Stuttgart, Cotta 1867. Mit gestochenem Titel, 36 Stahlstichtafeln und 24 Vignetten. Roter Originalmaroquinband mit reicher Deckel- und Rückenvergoldung und Goldschnitt.

Neuauflage. – »Angeregt vermutlich durch die karikaturistischen Tierdarstellungen Grandvilles kleidet Kaulbach die Tiere in meist eindeutig standesbezogene Kostüme und stattet die Bildszenen mit zahlreichen spitzen Anspielungen auf die Politik und das gesellschaftliche Leben der Zeit aus […] Friedrich Wilhelm IV. aber war entgegen allen Befürchtungen begeistert von Kaulbachs Zeichnungen; damit konnten dessen Reineke-Illustrationen unangefochten richtungsweisend für die weiteren Ausgaben des 19. Jahrhunderts werden« (Fabula docet, Katalog Wolfenbüttel 43, Seite 90). – »Mit einigen Anzüglichkeiten auf seine Zeit und ein paar aktuellen Bosheiten verändert Kaulbach in seinen berühmten Stichen zum ›Reinecke Fuchs‹ Goethes Text« (Wolfgang Stubbe, in Hauswedell/Voigt I, Seite 74). – Das Werk erschien ab September 1846 in monatlichen Teillieferungen mit broschierten Umschlägen für Subskribenten.

33,7 : 27,8 cm. [4], 257, [1] Seiten, 36 Tafeln. – Einband etwas berieben. – Vorsatz mit eingeklebtem Widmungsblatt. Einige Seiten vereinzelt stockfleckig, äußerste Ränder gebräunt.

Goedeke IV/3, 307. – Rümann 1094

187  Heinrich Heine. Der Doktor Faust.

€ 400

Ein Tanzpoem, nebst kuriosen Berichten über Teufel, Hexen und Dichtkunst. Hamburg, Hoffmann und Campe 1851. Illustrierte Originalbroschur in blauem Kalblederband der Zeit mit reicher Blind- und Goldprägung.

Erste Ausgabe, hier eines der bei Hotop, Kassel, gedruckten Exemplare. – Bereits 1847 bot Heine das Buch seinem Hamburger Verleger an: »eine meiner größten und hochpoetischsten Produkzionen […] Der Stoff ist für Deutschland von so großem Interesse und so denkwürdig […] und bildet ein Büchlein welches vielleicht viel Anfechtung erleidet, für meinen Herrn Verleger aber sehr profitabel seyn wird« (zitiert nach HSS). Erst durch eine am Wiener Burgtheater geplante Aufführung wandte sich Campe dem Projekt im Herbst 1851 wieder zu. – Unbeschnitten. Der Umschlag zu Heines Tanzpoem »Der Doktor Faust« (wie auch zum ebenfalls 1851 erschienenen »Romanzero«) gelten als frühe Beispiele des künstlerisch illustrierten Verlagseinbandes. – In prachtvollem Einband.

19,1 : 12,3 cm. 103, [3] Seiten. – Ecken minimal berieben. Vorder- und beide Innengelenke etwas brüchig. – Erstes und letztes Blatt mit kleinem Braunfleck. Teils leichte Knickspur im Unterrand.

Goedeke VIII, 561, 88. – Wilhelm/Galley I, 530. – Sammlung Söhn 26. – Sammlung Borst 2428

188  Jean Paul. Titan.

€ 400

Erster [bis] Vierter Band. – Komischer Anhang zum Titan. Erstes [und] Zweites Bändchen. Berlin, Matzdorff 1800-1803. Mit vier gestochenen Titelblättern. Vier Halblederbände der Zeit mit rot-schwarzen Rückenschildern.

Erste Ausgabe, vollständige mit den beiden Anhängen zu Band 1 und 2. – Alle Teile im Erstdruck und mit den häufig fehlenden Druckfehlerverzeichnissen. – Auf fein geripptem Papier, wohl die von Matzdorff als »Komparativus« bezeichnete Teilauflage von 2000 Exemplaren. – Im zweiten Teil des Anhangs findet sich der Erstdruck von »Des Luftschiffers Giannozzos Seebuch«. – Erste Aufzeichnungen zu Jean Pauls »Kardinal- und Kapitalroman« entstanden bereits 1792. Jean Paul selbst bezeichnete den Roman, der ihn mehr als zehn Jahre beschäftigte, als das »liebste und beste unter meinen Werken«. Seine Kritik an den bestehenden politischen Verhältnissen, die aber vorwiegend auf Kritik am fürstlichen Absolutismus beschränkt blieb, legte Jean Paul – wohl nicht zuletzt aus Gründen der Zensurabwehr – »einem über ganz Deutschland […] wegschiffenden Giannozzo, einem wilden Menschenverächter in den Mund, der blos in seinem Namen spricht« (Brief an Christian Otto, zitiert nach KLL).

18,0 : 11,0 cm. Kollation wie bei B./Kr., zwei Abweichungen zur dortigen Abfolge. – Leicht berieben, Ecken etwas bestoßen. – Stellenweise leicht, die ersten und letzten Blätter von 1–3 etwas stärker stockfleckig.

Goedeke V, 464, 14. – Berend/Krogoll 13a und 14. – KLL XI, 9400. – Slg. Borst 864

189  Friedrich Kind. Der Freischütz.

€ 300

Oper in drei Aufzügen. In Musik gesetzt von Carl Maria von Weber. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1822. Halblederband der Zeit mit Rückenverzierung und -schild.

Erste Ausgabe des vollständigen Textes; enthält auch die beiden Eingangsszenen mit dem Eremiten, die Weber nicht vertonte. – Carl Maria von Weber soll durch das 1810 erschienene Gespensterbuch von Apel und Laun zu dem Stoff angeregt worden sein. 1817 besprach er seine Idee mit Friedrich Kind, der umgehend mit der Dichtung begann. 1820 komponierte von Weber die Musik. Die Uraufführung 1821 im Berliner Schauspielhaus war ein triumphaler Erfolg und die Kritik ernannte den »Freischütz« bald zur ersten deutschen National-Oper. – Zur Uraufführung in Berlin erschien eine Ausgabe »Arien und Gesänge« mit Musiknoten (Goedeke Ziffer 2).

16,8 : 10,5 cm. 123, [1] Seiten. – Stellenweise etwas fleckig. – Exlibris »H. D. E. Holzhausen«.

Goedeke IX, 264, 3. – Slg. Borst 1400

190  Heinrich von Kleist. Gesammelte Schriften.

€ 300

Herausgegeben von Ludwig Tieck. Erster [bis] Dritter Theil. Berlin, G. Reimer 1826. Halblederbände um 1900 mit neueren Rückenschildern.

Erste Gesamtausgabe der Werke Kleists, der dadurch auch im Ausland bekannt wurde. – Ludwig Tieck hatte 1821 bereits Kleists »Hinterlassene Schriften« publiziert. Nun folgten die bis dato nur einzeln erschienenen fünf Dramen (»Die Familie Schroffenstein«, »Amphitryon, nach Molière«, »Penthesilea«, »Das Käthchen von Heilbronn« und »Der zerbrochene Krug«) und die Erzählungen aus den beiden Bänden von 1810/1811.

18,7 : 11,8 cm. LXVI, 330 Seiten; [2], 418 Seiten; [4], 340 Seiten. – Vorsätze erneuert. Buchblock von Band 3 etwas kleiner.

Goedeke VI, 104, 13. – Sembdner 41. – Slg. Borst 1497

191  Adolf Freiherr Knigge. Die Reise nach Braunschweig.

€ 200

Komischer Roman. Siebente Auflage, herausgegeben vom Enkel des Verfassers. Mit 36 Skizzen von G. Osterwald. Hannover, Hahn 1839. Mit 36 Lithographien, davon eine als Frontispiz, 19 auf Tafeln, 16 im Text. Halblederband mit Marmorpapierbezügen und Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe mit den Illustrationen von Georg Osterwald (1803–1884), Herausgeber der Hannoverschen Kunstblätter. – Mit dem eingebundenen Originalumschlag. – »Die Reise nach Braunschweig« beschreibt die Reise einer kleinen Gesellschaft aus dem fiktiven Ort Biesterberg bei Hannover, um den ersten bemannten Ballonaufstieg durch Jean-Pierre Blanchard am 10. August 1788 vom August-Bollwerk in Braunschweig mitzuerleben.

20,1 : 14,5 cm. [4], VIII, [2], 176 Seiten, 19 Tafeln. – Rücken verblasst, Kanten berieben, innen sehr schön.

Rümann 1522. – Goedeke IV/I, 616, 23

192  Wilhelm Müller. Lieder der Griechen.

€ 250

Dessau, Christian Georg Ackermann 1821. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Johann Ludwig Wilhelm Müller (1794–1827) wurde durch seine gesellschaftskritischen deutschen Volkslieder bekannt, von ihm stammen u. a. die Verse so bekannter Lieder wie »Das Wandern ist des Müllers Lust«, »Am Brunnen vor dem Tore« und »Im Krug zum grünen Kranze«. Er setzte sich für den Unabhängigkeitskampf der Griechen gegen die türkische Besatzung ein – daher sein Beiname »Griechen-Müller« – und kritisierte dabei gleichzeitig auch die Verhältnisse im zerrütteten Deutschland. Insgesamt publizierte er zwischen 1821 und 1826 sechs Heftchen »Griechenlieder«. Die Zensurbehörde reagierte und verbot einige seiner Lieder. – Bemerkenswert gut erhaltenes Exemplar der seltenen Broschur.

16,0 : 10,6 cm. 32 Seiten. – Hinterer Umschlag mit kleiner Feuchtigkeitsspur.

Goedeke VIII, 26 a

193  J[ohann] C[arl] A[ugust] Musäus. Volksmährchen der Deutschen.

€ 300

Prachtausgabe in einem Bande. Herausgegeben von Julius Ludwig Klee. Mit Holzschnitten nach Originalzeichnungen und 12 größeren Titelblättern von L. Richter. Leipzig, Gustav Mayer 1845. Mit zwölf lithographierten Tafeln und zahlreichen Illustrationen im Text. Halblederband mit reicher Rückenvergoldung.

Titelauflage der Ausgabe von 1842. – Die lithographierten Tafeln getönt. – Die zahlreichen Illustrationen im Text stammen von R. Jordan, G. Osterwald, L. Richter und A. Schrödter. – »Wohl aber haben wir über den Text etwas zu bemerken. Wir konnten uns nicht entschließen einen andern zu geben, als unverändert den von Musäus selbst herrührenden. Daher haben wir ihn nach der ursprünglichen Ausgabe vom Jahr 1782–87, als der einzigen die noch ganz von dem Dichter selbst besorgt ist, getreu wiedergegeben« (Vorwort).

26,7 : 18,7 cm. [2], 752, [2] Seiten, 12 Tafeln. – Kanten leicht berieben. – Vorderes Vorsatzblatt mit größerem Einriss.

Rümann 2051. – Vgl. Hoff/Budde 1842

194  Friedrich von Schiller. Sämmtliche Werke.

€ 300 ( R7 )

Erstes [bis] achtzehntes Bändchen. – Supplemente. Erstes [bis] Siebtes Bändchen. – Supplement. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1827–1828 (Werke) und Leipzig und Weimar, Vogel (Supplemente) 1823–1826. Mit 25 gestochenen Frontispizen nach Ramberg, Schnorr und anderen und einem gefalteten Faksimile. Halblederbände der Zeit mit reicher Rückenvergoldung und schwarz-goldenem Rückenschild.

Zweite Auflage der Werkausgabe von 1818–1819. Auch diese mit den Kupferstichen zu den einzelnen Stücken und dem Schiller-Porträt. – Die Supplementbände mit den Fortsetzungen der »Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung« von Karl Curths (I–IV), der »Geschichte des Dreißigjährigen Krieges« von Karl Ludwig von Woltmann (V–VI) und der Schiller-Biographie von Heinrich Döring (Band VII). – Als Band 26, in uniformen Einband, ein weiteres Supplement (Briefe an Dalberg, Demetrius, Karlsruhe 1824). – Hübsche, dekorative Ausgabe. Selbst bei einer verbreiteten Abneigung gegen Werkausgaben kann man sich dem Reiz dieses Exemplars kaum entziehen.

13,6 : 9,3 cm. – Gelenke von Band 2 etwas eingerissen.

Goedeke V, 144, St 1 und V, 147. – Trömel/Marcuse 10 und 7

195  William Shakespeare. Dramatische Werke.

€ 250

Miniaturausgabe in 37 Bändchen. Leipzig, Georg Wigand [1838?]. 36 (statt 37) hellgrüne Originalpappbände in der Original-Buchattrappen-Halbleinenkassette mit Rückenschild.

Einzige Ausgabe in der Miniaturform. – Rückentitel der Kassette mit dem Zusatz »Sämmtliche«. Unter diesem Titel erschienen bei Georg Wigand Ende der 1830er Jahre verschiedene Editionen, teils in mehreren, teils in einem Band. – Neben der originellen Unterbringung der Miniaturbände ist die Wigand-Ausgabe als Übersetzungsalternative des frühen 19. Jahrhunderts interessant. Die deutschen Fassungen stammen von Leopold Petz, Theodor Mügge, Ernst Ortlepp, Alexander Fischer, Karl Simrock, Ludwig Hilsenberg, Theodor Oelckers, Wilhelm Lampadius, Ernst Susemihl, Adolf Böttger, Heinrich Döring und Ernst Thein. – Leider ohne Band 5 (Othello).

Je 11,2 : 7,0 cm, Kassette: 25,0 : 19,0 : 7,8 cm. – Kapitale etwas bestoßen, bei 4 Bänden mit kleinen Verlusten. – Die Rücken handschriftlich nummeriert.

196  [Christoph Martin Wieland]. Der goldne Spiegel,

€ 400

oder die Könige von Scheschian, eine wahre Geschichte. Aus dem Scheschianischen übersetzt. Erster [bis] Vierter Theil [in zwei Bänden]. Leipzig, M. G. Weidmanns Erben und Reich 1772. Mit vier gestochenen Frontispizen und Titelvignetten von Geyser nach Mechau. Spätere Halblederbände mit Rückenvergoldung.

Wielands Werk in der Tradition des philosophisch-didaktischen Staatsromans brachte die für das 17. und 18. Jahrhundert bezeichnende Mischform des Fürstenspiegels hervor. »›Der Goldne Spiegel‹ bietet, als Staatsroman im exotisch-morgenländischen Kostüm, die Geschichte des indischen Königshauses Scheschian, die in einer kunstvollen, der Erzählsituation der Märchen aus Tausendundeine Nacht nachgebildeten Rahmenhandlung dem Sultan Schach-Gebal von seiner Mätresse Nurmahal und seinem Hofphilosophen Danischmend vorgetragen wird« (KLLL V, 4036). – Das Buch erweckte die Aufmerksamkeit der Weimarer Herzogin Anna Amalia, die darauf hin Wieland als Erzieher ihres Sohnes Karl August einstellte und damit den Beginn von Weimars kultureller Blüte einleitete.

16,3 : 10,3 cm. [2], XXIV, 226, [2], 238; [2], XXVI, 228, [2], 232, [6] Seiten. – Exlibris.

Goedeke IV/1, 555. – Rümann 1253. – Holzmann/Bohatta 3260

197  Wünschelruthe.

€ 450

Ein Zeitblatt. [Herausgegeben von H. Straube und J. P. von Hornthal]. Nummern 1 [–] 36 [von 52]. [Göttingen, Vandenhoeck und Rupprecht] 1. Januar – 4. Mai 1818. Halbleinenband um 1900.

Diese seltene Zeitschrift der deutschen Romantik erschien als Organ der literarischen Gesellschaft »Poetische Schustergilde« in Göttingen. Zu ihren Mitarbeitern zählten u. a. Achim von Arnim (Mallon 101), Clemens Brentano (Mallon 73) und die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. – In Heft 4 das »Märchen von einem, der auszog das Fürchten zu lernen«, in den Heften 11–15 die »Geschichte eines Algierer-Sklaven« nach den Akten eines Prozesses, den der Gerichtsherr A. von Haxthausen leitete. Er war der Onkel von Annette von Droste-Hülshoff, die Texte gelten als Ursprung ihrer Erzählung »Die Judenbuche«. – Die Zeitschrift wurde bereits im Juni/Juli 1818 nach 52 Nummern und vier Zugaben wieder eingestellt.

26,5 : 21,5 cm. 144 Seiten. – Berieben. – Gebräunt und etwas stockfleckig. Anfangs einige Ränder hinterlegt. – Es fehlen außer den abschließenden Nummern 37ff. auch Titel und Inhaltsverzeichnis.

Goedeke VIII, 30, 131. – Diesch 1649. – Houben, Zeitschriften der Romantik 325 ff. mit genauer Inhaltsangabe

198  Friedrich Nietzsche. Sammlung von 18 Werken

€ 15000 ( R7 )

im Erstdruck der definitiven Fassung und in uniformer zeitgenössischer Bindung. Leipzig, E. W. Fritzsch bzw. C. G. Naumann 1886–1891. Schwarze Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung. Deckelbezüge, Buchschnitt und Vorsätze marmoriert.

Die Sammlung enthält alle zu Lebzeiten Nietzsches erschienenen philosophischen Werke im Erstdruck, davon zwölf in so genannter Titelauflage. – Die Verkaufszahlen von Nietzsches Büchern zu Lebzeiten waren eher kläglich. Die Restexemplare der Erstauflagen, die Nietzsches neuer Verleger Fritzsch 1886 erwarb, wurden mit neuen Titelblättern, Anhängen und neuen Vorreden versehen. Gerade diese Vorreden gelten in ihrer komprimierten Form zu dem Schönsten in Nietzsches Werk. Man muss bei diesen »Zusammenstellungen« deshalb von Erstdrucken der definitiven Fassungen sprechen. Zusammen mit den vier Erstausgaben der Spätwerke, die Nietzsche, unterstützt durch großzügige Spenden einiger enger Freunde, auf eigene Kosten und in kleinen Auflagen bei seinem »Eitelkeitsverleger« Naumann drucken ließ, bildet die vorliegende Sammlung eine so nie erschienene »Ausgabe letzter Hand«, hier in nahezu einheitlicher, dekorativer Bindung.

Die Geburt der Tragödie. Oder: Griechenthum und Pessimismus. Neue Ausgabe mit dem Versuch einer Selbstkritik. Leipzig, E. W. Fritzsch [1886]. – Titelauflage der endgültigen Ausgabe, von der Fritzsch 576 Exemplare übernahm. Mit der wichtigen Vorrede Nietzsches. Es erschienen 1886 zeitgleich umgearbeitete Exemplare der ersten und (wie hier) der endgültigen Auflage, wobei diese Variante die seltenste sein dürfte (Schaberg 42).
Unzeitgemässe Betrachtungen. Erstes Stück: David Strauss der Bekenner und der Schriftsteller. – Zweites Stück: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben. Leipzig, E. W. Fritzsch [1886]. – Sehr seltene Titelauflagen der Erstausgaben, von denen Fritzsch 212 bzw. 351 Exemplare übernahm (vgl. Schaberg 23a und 25a).
Unzeitgemässe Betrachtungen. Drittes Stück: Schopenhauer als Erzieher. – Viertes Stück: Richard Wagner in Bayreuth. Titelauflagen. Leipzig, E. W. Fritzsch [1886]. – Titelauflagen der Erstausgaben (vgl. Schaberg 26 und 27).
Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. Erster Band. Neue Ausgabe mit einer einführenden Vorrede. Leipzig, E. W. Fritzsch 1886. – Titelauflage der Erstausgabe von 1878, von der Fritzsch 511 Exemplare übernahm. Erweitert um die ausführliche neue Vorrede und das Nachspiel »Unter Freunden« (Schaberg 43).
Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. Zweiter Band. Neue Ausgabe mit einer einführenden Vorrede. Erste Abtheilung: Vermischte Meinungen und Sprüche. Zweite Abtheilung: Der Wanderer und sein Schatten. Leipzig, E. W. Fritzsch 1886. – Titelauflage der Erstausgaben von 1879/1880, von denen Fritzsch 674 bzw. 808 Exemplare übernahm. Erweitert um die ausführliche neue Vorrede (Schaberg 44).
Morgenröthe. Gedanken über die moralischen Vorurtheile. Neue Ausgabe mit einer einführenden Vorrede. Leipzig, E. W. Fritzsch 1887. – Titelauflage der Erstausgabe von 1881, von der Fritzsch 784 Exemplare übernahm. Erweitert um die Vorrede Nietzsches, geschrieben 1886 in Ruta (Schaberg 50).
Die fröhliche Wissenschaft. (»la gaya scienza“). Neue Ausgabe mit einem Anhang: Lieder des Prinzen Vogelfrei. Leipzig, E. W. Fritzsch 1887. Titelauflage der Erstausgabe von 1882, von der Fritzsch 788 Exemplare übernahm. Erweitert um Nietzsches neue Vorrede, die er 1886 in Ruta geschieben hatte, das fünfte Buch »Wir Furchtlosen« und den Anhang » Lieder des Prinzen Vogelfrei« (Schaberg 51).
Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen. In drei Theilen. Leipzig, E. W. Fritzsch [1886]. Titelauflagen der Erstdrucke mit neu gedrucktem Gesamttitelblatt und Zwischentiteln (statt der ursprünglichen Einzeltitelblätter) für Teile 2 und 3 (Schaberg 45).
Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen. Vierter und letzter Theil. – Dionysos-Dithyramben. Leipzig, C. G. Naumann 1891. Mit einem Porträt Nietzsches. – Erste öffentliche Ausgabe, gedruckt in 1000 Exemplaren. Enthält auch die ersten Dionysos-Gedichte im Erstdruck (Schaberg 58).
Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft. Leipzig, C. G. Naumann 1886. – Erste Ausgabe. Eins von 600 Exemplaren, auf Nietzsches Kosten gedruckt(Schaberg 40).
Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift. Leipzig, C. G. Naumann 1887. – Erste Ausgabe. Eins von 600 Exemplaren, auf Nietzsches Kosten gedruckt (Schaberg 53).
Der Fall Wagner. Ein Musikanten-Problem. [irrig bezeichnet als] Zweite Auflage. Leipzig, C. G. Naumann [1888]. – Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophiert. Leipzig, C. G. Naumann 1889. – Beide in erster Ausgabe. Je eins von 1000 Exemplaren, die Naumann auf Nietzsches Kosten druckte. 500 Exemplare von »Der Fall Wagner« wurden (wie hier) irrtümlich als zweite Auflage bezeichnet (Schaberg 54 und 56).

22,3 : 14,7 cm (Band 8 minimal abweichend). Kollation wie bei Schaberg angegeben. – Die vergoldeten Rückenfleurons der späten Bände variierend, 2 Rücken ins Braun verfärbt. Nur vereinzelt minimal berieben. – Auch innen sehr sauber.

Schaberg 23, 25–27, 42–45, 50, 51, 53, 56 und 58

199  Insel Verlag – Friedrich Nietzsche. Ecce Homo.

€ 1000

Leipzig, Insel [1908]. Mit illustriertem Doppeltitel und Buchschmuck von Henry van de Velde. Grauer Originalwildlederband mit goldgeprägtem Rückentitel und Deckelsignet, Kopfgoldschnitt und goldfarbenem Vorsatzpapier (Königliche Kunstgewerbeschule Weimar nach Entwurf von Henry van de Velde).

Erste Ausgabe. – Eins von 150 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan und in Wildleder gebunden (Gesamtauflage 1.250 Exemplare). – Nietzsches autobiographischer Text (»Wie man wird, was man ist«) entstand bereits 1888 und sollte ursprünglich 1890 erscheinen. Wegen einer Differenz mit seinem Verleger und Nietzsches Nervenzusammenbruch konnte das Werk erst 18 Jahre später aus dem Nachlass in dieser bibliophilen Ausgabe von Raoul Richter, der auch das ausführliche Nachwort schrieb, herausgegeben werden.

25,0 : 19,6 cm. 154, [6] Seiten. – Einband fleckig und berieben, Rücken verblasst. – Innendeckel mit Abklatsch eines Schutzumschlages. Schnitt und Seiten an den äußersten Rändern stockfleckig, einige stärker.

Sarkowski 1201. – Schauer II, 15. – Schaberg 61 a

200  Leos Janacek. Eigenhändige Unterschrift

€ 350

auf einem Rundschreiben vom 28. September 1882.

Im Rundschreiben bittet man um Fertigstellung bzw. Einreichung der Lehrpläne für das Studienjahr 1882/83. Auf der Rückseite unterzeichnen 16 Lehrer, unter ihnen Leos Janacek (1854–1928). Nach Studien in Prag, Leipzig und Wien ging er nach Brünn und wurde 1881 an die dort neu gegründete Orgelschule berufen. Der Lehrbetrieb begann 1882/83, bis 1919 bliebt Janacek deren Direktor.

38 : 24 cm. Etwas gebräunt, mittig horizontale Falte, dort kleiner Einriss.

201  Petr Mikhailowich Boklewsky. Albom Gogolewskich Tipow

€ 300

po risunkam chudoschnika (russisch: Album Gogolscher Typen nach Zeichnungen). St. Petersburg, Eduard Goppe 1895. Mit 30 großen Holzstichen nach Zeichnungen. Roter Leinenband der Zeit mit reicher Vergoldung.

Erste Ausgabe dieser originellen Sammlung von Porträts der literarischen Figuren aus dem Werk Nikolai Gogols. Die karikierenden Holzstiche entstanden nach Vorlagen des russischen Graphikers Petr Boklewsky (1816–1897). – Mit einem Vorwort von W. J. Stojunin. – Aus dem Besitz des Pianisten und Musikpädagogen Télémaque Lambrino (1878–1930), geboren in Odessa. Nach seiner Ausbildung in Odessa, München und Berlin unterrichtete er in Halle und Erfurt. 1908/09 kehrte er nach Russland zurück, um später wieder in Deutschland tätig zu sein. Seit 1902 gehörte er zu den gefragtesten Pianisten Europas. Vorsatzblatt mit handschriftlicher Widmung »Télémaque Lambrino | 1896, Odessa, 27 mars«, Titel mit unleserlichem Namenszug. Der eigens angefertigte Einband mit den Initialen »T. L.« in kyrillischer Schrift.

31,2 : 23,0 cm. [4] Seiten, 30 Tafeln. – Einband minimal fleckig.