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Literatur und Kunst des 20. Jahrhunderts | Hesse-Auktionen
Literatur und Kunst des 20. Jahrhunderts

812  Max Klinger. Intermezzi. Opus IV.

Schätzpreis/Estimate: € 1000 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Zwölf Radierungen. 1879/1881. 62,5 : 54,0 cm. In der Platte nummeriert.

Die vollständige, 1881 bei Stroefer in Nürnberg erschienene, Folge enthält fünf Radierungen und sieben Aquatintablätter: Bär und Elfe. – Am Meer. – Verfolgter Centaur. – Mondnacht. – Kämpfende Centauren. – Bergsturz. – Simplici Schreibstunde. – Simplicius am Grabe des Einsiedlers. – Simplicius unter den Soldaten. – Simplicius in der Wald-Einöde. – Gefallene Reiter. – Amor, Tod und Jenseits. – Die Radierungen wurden auf französisches Chinapapier abgezogen und dann auf Velinblätter aufgewalzt. – Jede Radierung im Unterrand der Platte mit dem Namen des Künstlers und der Blattnummer. – »Die Blätter entwickeln keinen Gedankengang. Der Titel deutet an, daß es Arbeiten sind, die von Klinger zwischen und neben der Beschäftigung mit seinen geschlossenen Folgen, gefertigt wurden« (Hans Singer). – Lose in der Originalhalbleinenmappe mit Titelaufdruck: »Componirt, radirt und Herrn Kupferstecher und Kunsthändler Hermann Sagert dankbarst zugeeignet«.

Mappenränder gebräunt. – Ränder vereinzelt mit kleinen Knicken, Einrissen und schwachen Stockflecken, bei Blatt 1 etwas stärker.

Singer 52–63 III

813  Max Klinger – Amor und Psyche.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Ein Märchen des Apulejus. Aus dem Lateinischen von Reinhold Jachmann. Illustriert in 46 Original-Radirungen und ornamentiert von Max Klinger. (E.-F. Opus 5). München, Theo. Stroefer 1881. Mit 15 Radierungen auf Tafeln und 31 im Text sowie Holzschnitt-Zierleisten. Roter Originalkalikoband mit großer Vorderdeckelillustration in Gold-, Silber- und Schwarzprägung sowie Rücken- und Schnittvergoldung.

Erste Ausgabe des großartigen Illustrationswerkes, Johannes Brahms gewidmet. – »Die entzückenden Illustrationen zu Amor und Psyche sind das einzige radierte Werk Klingers, das die Schrift eines Dichters recht eigentlich illustriert« (Hans Wolfgang Singer). – Die 15 großen Radierungen wurden von R. Felsing, München, auf getöntes, festes Japan gedruckt und auf Leinenfälzen eingebunden, die 31 großen Textvignetten auf China gedruckt und auf die Textseiten aus weißem Japan aufgewalzt. – Jede Seite mit Holzschnitt-Bordüren umrahmt. – Singer nennt als Erscheinungsjahr der einzigen Ausgabe 1880, »bei Bedarf wurden neue Exemplare gedruckt.«. – Einer der Höhepunkte in Klingers Schaffen, im frühen Jugendstil und in der deutschen Buchillustration. – Seltene Variante im roten Einband.

36,0 : 26,5 cm. [8], LXVIII Seiten, 15 Radierungen. – Vorderes Gelenk in der Mitte angeplatzt. Hinterer Deckel am Unterrand mit kleiner Feuchtigkeits-Spur. – Es fehlen die Seiden-Zwischenblätter. Vereinzelt einige wenige Stockflecke.

Singer 64–109. – Langer, Jugendstil, Seite 65. – Schauer II, 3 (mit Abbildung)

814  Richard Strauss in einem »bunten« Fächer – 14 Künstlersignaturen auf einem Holzfächer.

Schätzpreis/Estimate: € 700

Zuschlag/Hammerprice: € 600

1893–1931.

Innerhalb von etwa zwei Jahrzehnten trug die damalige Besitzerin Autogramme bekannter österreichischer und bayerischer Dichter und Musiker zusammen, darunter: Charlotte Wolter (Mezzosopranistin, 1834–1897, datiert Meisenburg 1893), Rudolf Fitzner (Geiger, 1868–1934, Gmunden 1911), Ferdinand Löwe (Dirigent, 1865–1925, München 1911), Alfred Grünfeld (Komponist, 1852–1924, Marburg 1911), Ludwig Albert Ganghofer (Schriftsteller, 1855–1920, Marburg 1912), Pablo Casals (spanischer Cellist, 1876–1973, 1913), Richard Strauss (Komponist, 1864–1949, Graz 1916) sowie 1931 als »Nachzügler« Wilhelm Kienzl (Komponist, 1857–1941 in Wien).

815  Gästebuch des Schwenninger Hotel »Rössle«.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 350

1953–1956.

In dem nur zu etwa einem Viertel genutzten Gästebuch finden sich etwa 30 Eintragungen, Fotos, Autogrammkarten und Zeichnungen folgender Schauspieler*innen und Schlagersänger*innen: Cornelia Froboess und deren Vater (mit eingeklebter Porträtfotografie der damals Neunjährigen), Dorothea Wieck, Bruce Low, Renée Franke, Günter Schnittjer, Theo Lingen, Grock (mit großer Porträtzeichnung), Marianne Hoppe, Werner Krauß, Leopoldine Konstantin, Claus Biederstaedt, Franz Schafheitlin, Harald Juhnke, Eva Crüwell, Charles Regnier, O. E. Hasse, Hilde Krahl, Maria Andergast und Hans Lang, Peter Frankenfeldt und Lonny Kellner u. a. sowie einiger Sportler*innen, darunter Maxi Herber (verheiratete Baier, mit kleiner Zeichnung des Eislaufpaars) und Fritz Walter (»Zur frdl. Erinnerung an die unvergeßlichen Tage der ›Fußball-Weltmneisterschaft 1954‹« mit eingeklebtem Mannschaftsfoto). – Roter Leinenband mit Strukturprägung. – Beilage: Vier lose Autogrammkarten.

23,5 : 19,0 cm. – Am Rücken etwas berieben. Innen sehr gut erhalten.

816  E[milie] Dobbert. Der Kinder Zaubergarten.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Ausrufpreis/Starting bid: € 600

Verse. Nürnberg, Theo. Stroefer [1895]. Mit acht chromolithographierten Ziehbildern und zahlreichen Illustrationen im Text. Originalhalbleinenband mit chromolithographierter Deckelillustration.

Erste Ausgabe. – Stroefer Verlag Nr. 752. – Sehr seltenes Kinderbuch im Stil der damals sehr erfolgreichen beweglichen Bilderbücher von Lothar Meggendorfer. – Die meist unsignierten Illustrationen stammen nach Ries und Wegehaupt von William Foster, einem englischen Illustrator, der vor allem für seine Tier- und speziell Vogeldarstellungen bekannt wurde und dessen Bilder für mehrere Kinderbücher des Nürnberger Verlegers Stroefer verwendet wurden. – Emilie Dobbert (1861–1925) ließ sich zur Lehrerin ausbilden. Patakys »Lexikon deutscher Frauen der Feder« verzeichnet 13 Kinderbücher und bescheinigt ihr: »Ein Hang zum Träumen und Dichten, der durch ihre ganze Familie geht, gab ihr Veranlassung, sich hin und wieder mit poetischen Arbeiten an verschiedenen Blättern zu beteiligen, doch wandte sie sich vom Jahre 1890 ab ganz der Jugendschriftstellerei zu, für die sie die meiste Begabung empfand.«.

32,5 : 25,3 cm. [20] Seiten. – Einband etwas berieben. – Innen mit Gebrauchsspuren: Einige Randeinrisse überklebt, im Falz neu gefasst. Leicht fleckig.

Patacke I, 159f. – Ries 527, Foster 1. – Wegehaupt IV, 462. – Hauswedell 357

817  Die Nibelungen.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim. Bilder und Ausstattung von C. O. Czeschka. Wien und Leipzig, Gerlach u. Wiedling [1908/09]. Mit 16 farbigen und teils mit Goldbronze gedruckten blattgroßen Illustrationen. Grauer Originalleinenband mit Vignette und Rückentitel in Schwarzdruck.

Gerlachs Jugendbücherei, Band 22. – Erste Ausgabe dieser Nacherzählung. – Einer der schönsten Bände der Reihe. – Besonders die in Schwarz, Blau und Gold gedruckten Doppeltafeln zählen zu den Höhepunkten der Kinder- und Jugendbuch-Illustration und gelten als »Glanzstück der Buchillustration aus dem Jahrhundertbeginn« (Ulrich von Kritter). – Carl Otto Czeschka (1878–1960) gehörte zu den wichtigsten Künstlern der Wiener Werkstätte. 1907 kam er nach Hamburg und lehrte an der dortigen Staatlichen Kunstgewerbeschule Lerchenfeld. – Gedruckt auf leicht chamoisfarbenem samtigen Papier. »Die Leuchtkraft des Goldes kam durch Bronzieren zustande: Nach dem Vordruck einer gelben oder roten Farbe wurde Bronzepulver aufgestäubt« (Friedrich C. Heller).

15,0 : 14,0 cm. 67, [1] Seiten. – Rücken und Deckelkanten minimal gebräunt, innen tadellos.

Heller 158, 22 (in Schiefertafel IV/3). – Seebaß I, 726 und II, 621. – Stuck-Villa 356. – Hofstätter S. 244f. – Kritter 60

818a  Konrad Ferdinand von Freyhold. Bilderbücher. Band Sport und Spiel.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 530

3. bis 4. Tausend. Köln, H. & F. Schaffstein [1929]. Mit zwölf kolorierten Bildtafeln. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband.

Das zweite »Bilderbuch« in reizendem Schablonenkolorit. – Abgebildet sind Kinder beim Reiten, Schwimmen, Segeln, Rad- und Schlittenfahren, Stelzenlauf und Schaukeln.

25,5 : 30,4 cm. [28] Seiten. – Deckel minimal fleckig, Ränder leicht gebräunt. – Klammerheftung gelockert.

Stark, Schaffstein 187. – Kat. Köln 516 (mit weiteren Angaben)

818  Kinderbücher – Konrad Ferdinand von Freyhold. Bilderbücher. Band Tiere.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 600

3. bis 5. Tausend. Köln, H. & F. Schaffstein [1929]. Mit zwölf schablonenkolorierten Bildtafeln. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband mit Originalschutzumschlag.

1905 hatte der Verlag die Reihe mit diesem Titel eröffnet, die großen Erwartungen blieben aber unerfüllt: »Die Bücher waren trotz ihrer außergewöhnlichen künstlerischen Gestaltung überhaupt kein Erfolg« (Roland Stark, Schaffstein Verlag, Seite 66). So erschienen nur kleinste Auflagen und erst nach 25 Jahren ein Nachdruck in lediglich 500 Exemplaren. – Freyholds Bilder, »in ihrer unsäglich rührenden Unberührtheit und Kindlichkeit« (E. R. Weiß 1902 an Richard Dehmel) führen uns Tiere der ländlichen Umgebung (Kühe, Schafe, Schweine, Tauben) vor, die letzte Tafel mit Papageien versetzt den Betrachter in exotische Fernen. – »Freyholds Bilderbücher sind Marksteine in der frühen Entwicklung des Bilderbuches des 20. Jhdts.« (Klaus Doderer).

25,5 : 30,5 cm. [28] Seiten. – Schutzumschlag an den Rändern etwas eingerissen. Deckelränder schwach gebräunt.

Stark, Schaffstein 186. – Vgl. Kat. Köln 516 Anmerkung

819  Tom Seidmann-Freud. Das Zauberboot.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Ein Bilderbuch zum Drehen, Bewegen und Verwandeln. (Das neue Wunderhaus). Berlin, Herbert Stuffer 1930. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen, zwei Tafeln mit Zieh-, eine mit Drehmechanismus, und einer Schablone. Farbig Illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Originelles Spiel- und Experimentierbuch. – Tom (eigentlich Martha-Gertrud) Seidmann-Freud (1892–1930), eine Nichte von Sigmund Freud, war eine der innovativsten Bilderbuch-Künstlerinnen der 20er Jahre in Deutschland. Mit »Fischreise«, »Wunderhaus« und »Zauberboot« hat Seidmann-Freud traditionelle Stoffe in Büchern zum Drehen, Bewegen und Verwandeln experimentell aufgearbeitet. Mit ihrem »Buch der erfüllten Wünsche« hatte 1929 erstmals psychoanalytisches Gedankengut Eingang in die Kinderliteratur gefunden. Die Künstlerin beging 1930 Selbstmord. – Innen sehr gut erhalten, alle Dreh- und Ziehmechanismen intakt. – Selten.

24,1 : 20,7 cm. [10] Seiten. – Deckel minimal fleckig, einer mit kleinem Kratzer. Kanten schwach berieben.

Murken 9. – Vgl. Bilderwelt 660 und Lex. KJL III, 373

820  Sigmund Freud. Die Traumdeutung.

Schätzpreis/Estimate: € 7500

Zuschlag/Hammerprice: € 12000

Leipzig und Wien, Franz Deuticke 1900. Halbleinenband der Zeit, Rückentitel und zwei ornamentale Bordüren an den Kapitalen vergoldet, Deckel mit Marmorpapierbezug.

Erste Ausgabe des Jahrhundertwerks. – Der Verleger ließ 600 Exemplare drucken und datierte das Titelblatt selbstbewusst und geschäftstüchtig ins 20. Jahrhundert, obwohl das Buch bereits im November 1899 erschien. Nicht minder kategorisch stellt Freud sein Werk unter Vergils Motto: »Flectere si nequeo, acheronta movebo« (Wenn mich der Himmel nicht erhört, dann ruf’ ich die Hölle zur Hilfe). – Die »Traumdeutung« steht am Beginn der Psychoanalyse, die Freud berühmt und Berühmtheiten zu seinen Patienten werden lies. Freud sammelte eigene und fremde Träume und begann diese zu analysieren. Seiner Annahme nach äußern sich in unseren Träumen geheime, im Bewussten tabuisierte Wünsche. Seine Lehre gewann einen ungeheuren Einfluss auf Philosophie, Kunst und Literatur. – Diese Erstausgabe gilt vielfach als die letzte zuerst in Buchform publizierte wissenschaftliche Revolution, alle späteren Entdeckungen vergleichbarer Qualität erschienen zuerst in Zeitschriften oder anderen Medien. – Hervorragend gut erhaltenes Exemplar.

22,5 : 15,5 cm. [4], 371, [5] Seiten. – Rücken leicht aufgehellt. – Die letzten beiden Blätter mit kleinem Einriss im Unterrand. – Ganz vereinzelte leichte Bleistiftanstreichungen und knappe Stenographieanmerkungen.

Garrison/Morton 4980. – Printing and the Mind of Man 389. – Grolier/Medicine 87

821  Wiener Buchkunst – Kabarett Fledermaus.

Schätzpreis/Estimate: € 7500

Zuschlag/Hammerprice: € 7500

[Erstes und] 2. Heft. Wien 1907. Mit vier Farblithographien, je eine von Oskar Kokoschka und Bernhard Löffler, zwei von Fritz Zeymer (in Heft 1), neun Lithographien von Maria Jung (in Heft 2) und Buchschmuck von Carl O. Czeschka. Illustrierte Originalbroschuren.

Die beiden ersten, ungemein seltenen Programmhefte des 1907 von der Wiener Werkstätte gegründeten und ausgestatteten Theaters »Cabaret Fledermaus«. – »Im Cabaret Fledermaus wurde das Streben nach dem Gesamtkunstwerk am frühesten und auch am reinsten verwirklicht; von keinen Beschränkungen gehindert […] konnte Hoffmann das ihm vorschwebende Ideal verwirklichen.« (Schweiger, S. 140). – Beide Programmhefte dokumentieren die direkte Beteiligung der namhaftesten Künstler der Wiener Werkstätte: Kostüme und Ausstattungen sowie die Inszenierungen stammen von Fritz Zeymer, Josef Hoffmann, Carl Hollitzer, Bernhard Löffler, Carl Otto Czeschka u. a. – Als Dichter werden u. a. Peter Altenberg, Richard Dehmel und Hans Heinz Evers genannt. – Die breiten ornamentalen Bordüren auf allen Textseiten beider Hefte und den farbigen Umschlag von Heft 1 entwarf C. O. Czeschka. – Kokoschkas Farblithographie »Hirsch, Fuchs und Zauberer« (Wingler/Welz 20: »eine der frühesten genau datierbaren Arbeiten«) illustriert sein mechanisches Märchenspiel »Das getupfte Ei«, welches er zum Eröffnungsprogramm beitrug. Die Aufführung war Kokoschkas erster öffentlicher Auftritt. Wenige Wochen später las er im »Cabaret Fledermaus« »Die träumenden Knaben«.

24,2 : 23,0 cm. [22] Seiten bzw 24,7 : 23,5 cm. [20] Seiten. – Heft 1: Umschlag minimal stockfleckig, das Heft mit geglätteter senkrechter Mittelfalte. – Heft 2: Hinterumschlag etwas fleckig, Umschlag und ein Doppelblatt unten im Falz mit winziger restaurierter Fehlstelle. Heftklammern entfernt, Fadenheftung. Einige Anstreichungen mit Rotstift.

822  Minka Podhajská – Quido M. Vyskocil. Rytířové, panoši a krásné pastýřky.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Kniha pohádek. Illustrovala Minka Podhajská. Olmütz, R. Prombergra 1908. Mit farbig illustriertem Titelblatt, elf farbigen ganzseitigen Illustrationen und einigen Vignetten. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Die Designerin und Illustratorin Minka Podhajská (1881–1963) studierte an der Kunstgewerbeschule Wien. Frühe Arbeiten wurden in den Jahren 1902 bis 1904 in Zeitschriften wie »Ver Sacrum«, »Hohe Warte« und »Die Fläche« veröffentlicht. Sie entwarf Spielzeuge für die Wiener Werkstätte und schuf zahlreiche graphische Arbeiten. Minka Podhajska wurde die am meisten gefeierte Schülerin von Adolf Böhm, einem Gründungsmitglied der Wiener Secession, und später der Wiener Frauenakademie. Sie gehörte der »Klimt-Gruppe« an, die 1905 aus der Secession ausgetretene Kunstgewerbler verband. 1919 ging sie nach Prag und war Gründungsmitglied des tschechischen Künstlerkonsortiums. Die tschechische Künstlerin lehnte das Übersättigte des Fin de Siècle ab und nutzte zwei Hauptquellen als Inspiration: Kinderzeichnungen und traditionelles Bauernspielzeug aus Holz (insbesondere das im Grödnertal, in Südtirol und im Erzgebirge hergestellte). – Das vorliegende kleine Märchenbuch »Ritter, Knappen und schöne Hirten« ist das extrem seltene Zeugnis einer vergessenen Künstlerin einer ungemein schöpferischen Zeit.

15,1 : 14,5 cm. 78,[2] Seiten. – Rücken etwas gebräunt.

Fanelli/Godoni II, S. 119

823  Alastair – Frank Wedekind. Erdgeist.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Tragödie in vier Aufzügen. – Die Büchse der Pandora. Tragödie in drei Aufzügen. München, Georg Müller 1920. Mit jeweils zwölf zweifarbigen Tafeln und ebensolchen Vorsatzpapieren von Alastair. Originalpappbände mit Buntpapierdeckelbezügen und vergoldetem Rückentitel. Zusammen in Originalkassette mit Deckelschild.

Eins von 500 Exemplaren (Gesamtauflage 550). – Beide Bände in den Orignal-Interims-Umschlägen und zusammen in der sehr seltenen Originalkassette. – Bei Erscheinen von »Erdgeist« 1895 wurde das Buch beschlagnahmt, 1896 erschien eine zweite Ausgabe. Beide Stücke blieben skandalträchtig und verfolgt. – Alastair »teilte mit Beardsley die Neigung zum Ornamentalen und Japonismus, mit Bakst die Vorliebe für das Kostüm. […] Seine minutiös ausgeführten Blätter entsprechen mit artistischem Raffinement den Formauffassungen und intellektuellen Besonderheiten des Jugendstil. A. bevorzugte die Rot-Schwarze Graphik dieser Epoche (am vollkommensten in seinen Ill. zu Wedekinds Büchse der Pandora und Erdgeist)« (AKL II, 7). – Beilage: Gefaltetes Doppelblatt, Verlagsankündigung »Carmen. Mit zwölf farbigen Illustrationen von Alastair«.

29,3 : 22,4 cm. 152, [4] und 108, [4] Seiten. Mit zusammen 24 Tafeln. – Ecken minimal berieben. Gelenke der Kassette geplatzt.

824  Hans Arp. Mondsand.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Gedichte Pfullingen, Günther Neske 1959. Mit sieben Radierungen. Originalleinenband mit Vorderdeckelillustration. Im Schuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 im Druckvermerk signierten Exemplaren (Gesamtauflage 333). – Die Radierungen wurden bei Fequet & Baudier, Paris, von den unverstählten Platten auf Bütten gedruckt, der Text einseitig auf weißes Velin bei Ensslin & Laiblin, Reutlingen. – Ein Jahr später erschienen die Gedichte Arps nochmals ohne seine Radierungen. – Tadellos schönes Exemplar.

27,5 : 21,5 cm. [32] Blätter, 7 Radierungen.

Arp-Hagenbach 364

825  Rudolf Augstein. Die Zeit ist nahe …

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausrufpreis/Starting bid: € 1500

Ein szenisches Gleichnis. Typoskript (Durchschlagkopie). [1947].

Korrigierte Abschrift einer früheren, im Spiegel-Archiv verwahrten Fassung. Die dort von Augstein vorgenommenen Änderungen und Korrekturen wurden ausgeführt, aber auch die neue Fassung ist von ihm nochmals durchgesehen und handschriftlich korrigiert. – Originaldokument des einmaligen dramatischen Versuchs von Rudolf Augstein (1923–2002). Das Theaterstück des 24-jährigen SPIEGEL-Chefredakteurs und -Herausgebers wurde im November 1947 in Hannover uraufgeführt. Kurz nach Kriegsende wollte Augstein ein zeitloses Gleichnis zur Tragödie der Nazizeit schaffen. Während eines Pestjahres verstricken sich die Protagonisten im Palazzo eines Kardinals in Schuld, Angst und Hass. – Das Stück fiel beim Publikum durch, von der Kritik wurde es gnadenlos verrissen. Selbst »Der Spiegel« schonte seinen Chef nicht (»Herr Augstein droht mit einem zweiten Stück«). Das Stück erlebte keine weiteren Aufführungen. – Augstein verschenkte den hier vorliegenden Typoskriptdurchschlag an den damaligen Leiter des Berliner »Spiegel«-Büros, seinen Freund Reinhard Hoffmeister (1923–2016). Dieser bot 1975, wohl aus Verärgerung über Augstein, das Typoskript in einem Privatinserat der FAZ zum Verkauf an. Nach seiner Aussage lag das Höchstgebot damals bei 50.000 DM, dem erfolgreichen Bieter teilte Hoffmeister aber mit, dass er eigentlich gar nicht daran denke, das Manuskript zu verkaufen. – Das Originaldokument verblieb in Familienbesitz. – Wir danken Hauke Janssen, dem Leiter des Spiegel-Archivs, für seine freundlichen Auskünfte.

[2], 65 A4-Blätter in Leitz-Ordner. – Blatt 1 etwas gebräunt. Vereinzelte Blätter mit winzigen, geklebten Randeinrissen.

826  Hannes M. Avenarius. – Gerhart Hauptmann. Sonette.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Radiert von H. M. Avenarius. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1921. Acht ganzseitige Radierungen, einschließlich Titelblatt und Druckvermerk. Originalhalbpergamentband mit Seidenbezug und Deckelvergoldung.

Erstes Buch der deutschen Kleinmeister. – Eins von 125 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Bütten und in Halbpergament (Gesamtauflage 300). – Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert. – Hannes M. Avenarius schuf je eine Radierung zu den, hier ebenfalls radierten, Sonetten »Dumpfe Bode«, »Befreite Erde« und »Gott und Götter«. – Druck von Alfred Ruckenbrod.

31,4 : 27,0 cm. [16] Seiten. – Einband etwas angestaubt. Seidenbezug des Hinterdeckels an der unteren Ecke eingerissen und gelöst.

827  Heinrich F. S. Bachmair. Otto Julius Bierbaum.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

Ein Kapitel neuer deutscher Buchkunst. München 1927. Mit 23 Abbildungen, meist auf Tafeln. Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Eins von 150 Exemplaren. – Auf Bütten. – Der Text erschien bereits 1925 in »Monatshefte für Bücherfreunde und Graphiksammler« und wurde für die vorliegende, der Gesellschaft der Münchner Bücherfreunde von Georg Müller gestifteten, Ausgabe textlich und mit weiteren Abbildungen aus »Pan« sowie Insel und Georg Müller Verlag erweitert. Bierbaum war neben Heymel und Schröder Mitbegründer des Insel Verlags und leistete nicht nur dort einen wichtigen Beitrag zur modernen deutschen Buchkunst. – Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers für Irm(in)gard von Freyberg, die Graphikerin und Scherenschneiderin, die Ende der 1920er Jahre u. a. bei Emil Preetorius in München studiert hatte.

26,5 : 18.8 cm. 18, [46] Seiten. – Rücken leicht angeplatzt.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930 S. 197

828  Eduard Bargheer – Albert Camus. Der Gast.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

Mit acht Originalradierungen von Eduard Bargheer. Frankfurt am Main 1965. Mit acht Kaltnadelradierungen, davon sieben blattgroß. Lose Doppelblätter in illustriertem Originalumschlag und -leinenkassette mit Deckelillustration (Helmuth Halbach, Königstein).

Exemplar 30/300 (Gesamtauflage 310). – Im Druckvermerk von Künstler und Verleger signiert. – Druck des Textes auf Velin d’Arches in der Werkstatt der Trajanus-Presse unter Aufsicht von Arthur Wetzig, die Radierungen druckte Hermann Steidle, Essen. – Die Umschlag- und Vorderdeckelillustration wurde nach einem Aquarell Bargheers gedruckt. – Die Übersetzung von Camus’ »L’Hôte« stammt von Guido G. Meister.

44,7 : 32,3 cm. 43, [5] Seiten. – Kassettengelenke etwas verschlissen.

Rosenbach 199–206. – Spindler 40.30. – Isphording II, 38

829  Eduard Bargheer – Sophokles. Antigone.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 350

In der Übersetzung von Karl Reinhardt. Mit zehn Radierungen von Eduard Bargheer. Frankfurt am Main, Ars librorum 1967. Mit neun blattgroßen Radierungen, davon vier in Rötel gedruckt. Originalleinenband mit einer Radierung auf dem Vorderdeckel. In Originalleinenkassette (Helmuth Halbach, Niederhöchstadt).

16. Ars librorum Druck. – Eins von 175 Exemplaren (Gesamtauflage 200). – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Druck des Textes von Johannes Weisbecker, Frankfurt a.M., die Radierungen druckte Arnd Maibaum, Berlin. – In Bargheers Œuvre spielt die mediterrane Landschaft, sei sie nun tatsächlich erlebt oder mystisch vorgestellt, besonders auch als Handlungsort der antiken Dramen, eine zentrale Rolle. Nach Jürgen Eyssen bannte Bargheer »die tragische Ausweglosigkeit der antiken Schicksalstragödie in grandiose Masken«. – Tadellos.

44,3 : 31,5 cm. 81, [3] Seiten.

Rosenbach 242–251. – Spindler 40.36. – Tiessen III, 3

830  Georg Baselitz – 1001 Nacht. Die Geschichte des Lastträgers und der drei Damen.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Münster, Kleinheinrich 1995. Mit vier zweifarbigen Radierungen von Georg Baselitz. Originalbroschur im -schuber.

Eins von 180 Exemplaren. – Im Druckvermerk signiert, datiert und nummeriert. – Die formatfüllenden Radierungen in Grün und Schwarz, gedruckt in Kopenhagen auf schweres und blütenweißes Velin »BFK Rives«, alle Blätter einseitig bedruckt. – »Das Geheimnis der Ornamente und die Gesten der Körper stehen in einem andauernden Wechsel von Sich-Zeigen und Verschwinden« (Nachwort). – Die Broschurbindung entstand bei Thomas Zwang, Hamburg. – Der Text wurde aus der Littmannschen Übersetzung des Insel Verlags entnommen, das Nachwort schrieb Siegfried Gohr, der Herausgeber der Buchreihe »Bilder-Worte · Worte-Bilder«, als deren Band 2 Baselitz’ Interpretationen der orientalischen Märchen erschienen. – Tadellos schönes Exemplar.

42,4 : 30,2 cm. 28 Blätter, 4 Radierungen.

831  Thomas Bayrle und Bernhard Jäger. Gesichter.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 270 ( R7 )

10 Original-Lithographien. Stierstadt, Eremiten-Presse 1962. Mit je fünf blattgroßen Lithographien der beiden Künstler, davon sechs farbig. Originalbroschur mit farbig wiederholter Lithographie.

Eins von 100 Exemplaren. – Im Druckvermerk von beiden Künstlern signiert. – Mit einem einleitenden Text von Werner Schreib. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Die Steine der Lithographien wurden nach Ausdruck der Auflage abgeschliffen, zuvor wurde der Stein der zehnten Lithographie zweigeteilt und zweifarbig auf dem Umschlag abgedruckt. – Das seltene Erstlingswerk von Thomas Bayrle (geboren 1937) entstand als Gemeinschaftsarbeit mit dem zwei Jahre älteren Bernhard Jäger. Beide hatten bis 1961 an der Werkkunstschule Offenbach studiert und noch im gleichen Jahr die Gulliver-Presse gegründet, in der mehrere gemeinsam illustrierte Werke erschienen.

28,0 : 17,0 cm. [28] Seiten. – Umschlagränder leicht gebräunt, Rücken etwas brüchig und mit winziger Fehlstelle.

Spindler 1.174. – Reske 170

832  Aubrey Beardsley. Die Geschichte von Venus und Tannhäuser,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

worein gewebt ist eine genaue Beschreibung der Sitten am Hofstaate der Frau Venus […] woran die Abenteuer Tannhäusers daselbst […] geschlossen sind. Eine romantische Novelle. München, Hans von Weber [1909]. Flexibler Originalpergamentband mit grün-goldener Lederintarsie und Kopfgoldschnitt (Carl Sonntag jun., Leipzig).

Erste deutsche Ausgabe. – Eins von 246 Exemplaren »für einen privaten Kreis von Subskribenten« (Druckvermerk). – Satz aus der Hyperion-Antiqua. – Gedruckt in Braun, Rot und Grau auf Bütten »Original Handlinen P & H«. – »In entzückender Ausstattung hergestellt. Die Auflage ist bereits vergriffen und die im Handel vorkommenden Exemplare werden über den Publikationspreis bezahlt und steigen sicher wesentlich noch im Preise« (Hayn/Gotendorf). – Die Originalausgabe von Beardsleys unvollendeter einziger Prosaarbeit erschien 1907 in ebenso kleiner Auflage als Privatdruck in London. – Aus der Bibliothek Carl Georg von Maassen, mit dessen Exlibris. Maassen (1880–1940) gründete zusammen mit Franz Blei, Ernst Schulte-Strathaus und Hans von Weber die Gesellschaft der Münchner Bibliophilen. Ihr gehörten u. a. Karl Wolfskehl und die Verleger Georg Müller und Ernst Rowohlt an. In den Jahren 1920–23 gab er die Zeitschrift »Der Grundgescheute Antiquarius« heraus, deren Beiträge fast ausschließlich aus seiner Feder stammen. Von Haus aus wohlhabend, begann er schon als Gymnasiast, eine Bibliothek aufzubauen, die die Schriften E. T. A. Hoffmanns, seiner Zeitgenossen, Lehrmeister und Nachfolger vereinigen sollte. – Beiliegend: Eigenhändiger Brief des Künstlers Otto zu Gutenegg an Georg von Maassen.

24,4 : 18,5 cm. [16], 64, [4] Seiten. – Deckel leicht verzogen. – Äußerste Ränder minimal gebräunt.

Hayn/Gotendorf VII, 527 f. – Lasner 151 A

833  Marcus Behmer – Honoré de Balzac. Das Mädchen mit den Goldaugen.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Deutsche Übertragung von Ernst Hardt. Zeichnungen von Marcus Behmer. Leipzig, Insel 1904. Mit zehn Illustrationen und Buchschmuck nach Zeichnungen. Originalpergamentband mit braun-goldenen Buntpapiervorsätzen. Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet (signiert: A. Köllner, Leipzig).

Eins von 500 Exemplaren. – Gedruckt auf Van Gelder-Bütten, die Illustrationen als Zinkographien auf Japan. – Nach Oscar Wildes »Salome« war dies die zweite umfangreiche und selbständige buchillustratorische Arbeit des damals gerade 25jährigen Behmer. Er entwarf auch die große Deckelvignette und die braun-gold gedruckten Vorsatzpapiere.

22,0 : 18,0 cm. [16], 91, [5] Seiten. 10 Tafeln. – Einband verfärbt und fleckig. Ecken leicht bestoßen. – Äußerste Ränder gebräunt. Eine Seite mit kleinem Einriss.

Haucke 5. – Sarkowski 86. – Schauer II, 45. – Fromm 1533

834  Marcus Behmer. Salome.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Elf Zinkätzungen. 1904. 17,4 : 12,4 cm (34,5 : 27,5 cm). Zehn monogrammiert, alle bezeichnet.

Unten links bezeichnet bzw. signiert »No 20 Marcus Behmer«. – Auf Japan. – Die vollständige Folge der zehn Salome-Illustrationen, hier zusätzlich ein elftes Blatt mit der großen Dornenbordüre des Doppeltitels. – Die Tuschzeichnungen zu dem Text von Oscar Wilde stellten Behmers erste umfangreiche Illustrationsarbeit dar. »Behmer hatte sich schon Anfang des Jahres 1901, noch in Frankreich lebend, bei Bierbaum um die Illustrationen zur Wilde-Ausgabe des Inselverlages beworben. 1903 […] stellte er die 11 Zeichnungen in der Berliner und Wiener Sezession aus.« (Marcus Haucke). Die zehn Jahre zuvor erschienenen Zeichnungen Beardsleys, die dieser zu seiner französischen Übersetzung des Textes publiziert hatte, lehnte Wilde ab: »Sie sind zu japanisch, während mein Stück byzantinisch ist«. – Die Titelbordüre bezeichnet mit »Am 16. Maerz 1904 Weimar | Marcus Behmer«, alle Blätter in einem etwas knapp gewählten Büttenumschlag, der mit »Elf Zeichnungen zu Oskar Wilde’s Salome fuer Rudolf Stumpf | Weimar am 16. Maerz 1904 | Marcus Behmer« bezeichnet ist. Beide Widmungen stammen wohl nicht von Behmer selbst, sondern eher vom Empfänger, der sie als Schenkungsvermerk notiert haben mag. – Wie hoch die Auflage dieser großformatigen Suitenausgabe war, die vom Insel Verlag ediert wurde, ist nicht belegt.

Ecken oben rechts leicht geknickt, sonst makellos.

Haucke 90. – Vgl. Sarkowski 1913

835  Walter Benjamin. Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik.

Schätzpreis/Estimate: € 2200 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 2000 ( R7 )

Bern, A. Francke 1920. Neuer Leinenband mit Titelschild.

Erste Ausgabe der Dissertation von Walter Benjamin, die er 1919 verteidigt hatte und in der bereits viele Motive seines späteren Denkens angelegt waren. – Erschien als Heft 5 der Neuen Berner Abhandlungen zur Philosophie und ihrer Geschichte. – »Walter Benjamin, für eine ganze Studenten- und auch Professorengeneration der ›doctor subtilis‹ eines undogmatischen Marxismus, geradezu ein dialektischer Messias, scheint nicht eben zu den Großmeistern des Witzes zu zählen. Immerhin hat er es aber während seines Studiums an der Universität Bern von 1917 bis 1919 zusammen mit seinem Freund Gershom Scholem zur Gründung einer Phantasieuniversität Muri mit einer gestandenen ›dämonologischen‹ Fakultät, ihm selber als ›Rector mirabilis‹ und Scholem als Pedell des religionsphilosophischen Seminars gebracht. Dort parodierte er, während er an seiner in der Tat äußerst subtilen Dissertation […] arbeitete, den nicht ganz so subtilen Geist gereimter wie ungereimter Wissenschaft« (Ludger Lütkehaus. Die schwersten Aufgaben warten noch. Februar 2009. Literaturkritik.de). – »Der Doktorand erlangte mit seiner Schrift einen akademischen Achtungserfolg und noch sechzig Jahre später galt diese Arbeit als ein Grundpfeiler in der Romantikforschung.« (Die Berliner Literaturkritik, 26.09.08). – Innen tadellos frisch.

21,3 : 14,2 cm. 111, [1] Seiten.

Leinweber 10

836  Thomas Bernhard. Auf der Erde und in der Hölle.

Schätzpreis/Estimate: € 750 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 500 ( R7 )

Gedichte. Salzburg, Otto Müller 1957. Schwarzer Originalkunststoffumschlag mit Titeln in Gelb und Rot.

Erste Ausgabe der ersten Buchveröffentlichung. – Auf Vélin. – Tadellos erhalten. – Sehr selten.

19,2 : 11,0 cm. 125, [2] Seiten.

Dittmar 8

837  Thomas Bernhard. In hora mortis.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Salzburg, Otto Müller 1958. Schwarze Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Nach »Auf der Erde und in der Hölle« der zweite Gedichtband Bernhards. – Sehr selten. – Dazu: Thomas Bernhard. Ave Vergil. Gedicht. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1981. Erste Ausgabe. – Beide tadellos erhalten.

21,3 : 12,3 cm. 30, [2] Seiten.

Dittmar 9 und 89

838  Thomas Bernhard. Frost.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Frankfurt am Main, Insel 1963. Originalleinenband mit Rückenschild und Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Die Veröffentlichung seines ersten Romans »Frost« im Jahr 1963 bedeutete für Bernhard den literarischen Durchbruch, 1965 erhielt er dafür den Bremer Literaturpreis. – »Ich halte das Buch für eine der stärksten Talentproben, für eines der aufwühlendsten und eindringlichsten Prosawerke, die seit Peter Weiss von einem Autor der jüngeren Generation vorgelegt worden sind« (Carl Zuckmayer, Die Zeit, 1963, zitiert nach Dittmar).

19,5 : 12,5 cm. 357, [3] Seiten. – Rücken minimal verblasst. Schutzumschlag mit kleinen Randläsuren, hinten mit kleinen Kratzern.

Dittmar 21

839  Thomas Bernhard. Frost.

Schätzpreis/Estimate: € 350 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Frankfurt am Main, Insel [1983]. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Faksimile der Erstausgabe, verlegt anlässlich des 20. Erscheinungsjahres. – Eins von 1000 vom Autor signierten und nummerierten Exemplaren. – »Ich halte das Buch für eine der stärksten Talentproben, für eines der aufwühlendsten und eindringlichsten Prosawerke, die seit Peter Weiss von einem Autor der jüngeren Generation vorgelegt worden sind.« (Carl Zuckmaier, »Die Zeit« 1963, zitiert nach Dittmar, S. 52).

19,6 : 12,5 cm. 357, [3] Seiten. – Schutzumschlag am Oberrand mit winziger Läsur.

Dittmar 21

840  Thomas Bernhard. Vier Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 300 ( R7 )

1964–1981. Originaleinbände, drei mit -schutzumschlag.

I. Amras. Frankfurt am Main, Insel 1964. Originalpappband, ohne den Schutzumschlag. – II. Verstörung. Roman. Frankfurt am Main, Insel 1967. – III. An der Baumgrenze. Erzählungen. Salzburg, Residenz 1969. – IV. Ave Vergil. Gedicht. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1981.

Gelenke von I leicht angeplatzt.

Dittmar 26, 37, 44 und 89

841  Joseph Beuys. Multiples + Grafik.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Ausstellung Februar/März 1971, Galerie Schellmann München, Barer Straße 34. München, Schellmann und Klüser 1971. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalringbuchordner.

Eins von 600 Exemplaren. – Früher Ausstellungskatalog, der zugleich die Vorstufe für alle späteren Oeuvreverzeichnisse der Multiples bildete. – Dazu: Multiples. Oeuvreverzeichnis sämtlicher multiplizierten Arbeiten: Objekte, Grafik, Postkarten, Schallplatten, Filme. Herausgegeben von Jörg Schellmann und Bernd Klüser. 3. erweiterte Auflage. Zwei Bände. München, Schellmann 1974. Zwei Originalringbuchordner. Enthält zahlreiche Interviews der Herausgeber mit Joseph Beuys.

25,0 : 24,0 cm.

842  Joseph Beuys – Axel Hinrich Murken. Joseph Beuys und die Medizin.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Münster, F. Coppenrath 1979. Mit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen. Brauner Originalfilzeinband mit Rot-Kreuz-Deckelvignette und Tragegriff.

Erste Ausgabe. – Die Einbandgestaltung entstand unter Mitwirkung des Künstlers und vereint Materialien und Symbole aus Beuys Œuvre. – Der Verfasser ist Arzt sowie Medizin- und Kunsthistoriker.

24,0 : 21,0 cm. 160 Seiten.

843  John Bock. Lütte mit Rucola.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 270 ( R7 )

Köln, Walther König 2011. Durchgehend farbig illustrierter Originalpappband, mit einem gehäkelten Herz als Beilage.

Exemplar der im Buch nicht bezifferten Vorzugsausgabe mit einer monogrammierten Tintenstiftzeichnung auf dem Innendeckel. – Das Buch entstand nach dem blutrünstigen Film des Aktionskünstlers John Bock, der skurrile Folterfantasien verbildlicht. – Ein ganz und gar nicht für Kinder gedachtes Bilderbuch, jedoch mit dicken Pappseiten im Stil eines unzerreißbaren Kinderbuchs gestaltet. – Jedes Blatt mit einer Ausstanzung, die entstehende Kammer birgt das liebevoll gehäkelte Herz. – Tadellos.

32,7 : 26,5 cm. [64] Seiten.

844  Gunter Böhmer. Ein Sommer in Paris.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 460

75 Zeichnungen und Aquarelle mit einem Nachwort des Malers. Zürich und Stuttgart, Aldus Manutius 1959. Mit zahlreichen blattgroßen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur. Im Originalschuber.

Eins von 30 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einer bisher unveröffentlichten signierten, datierten und betitelten Zeichnung. – Gesamtgestaltung von Gunter Böhmer. – »Die vorliegenden Blätter wurden aus meinen Pariser Tagebüchern und Mappen ausgewählt und verkleinert reproduziert. Sie entstanden im Sommer 1953, in den ersten Wochen unseres Pariser Aufenthaltes, des wievielten? […] Mein Motto: ›je ne travaille pas, je m’amuse (en travaillant!)‹« (Nachwort).

24,4 : 17,9 cm. [86] Seiten.

Rysawi 112

845  Gunter Böhmer. Thomas Mann und Felix Krull.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Radierung. Um 1980. 53,5 : 40,5 cm (80,0 : 58,0 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 27/100. – Auf Velin. – Böhmer kombinierte in der großformatigen Radierung mehrere Porträts des Dichters und dessen Romanfigur, verbunden mit Kalligraphie und Signeten. – Wohl in zeitlichem Zusammenhang mit der Felix Krull-Ausgabe der Büchergilde Gutenberg (1981) entstanden. Seit 1955 erschienen vier Werke Thomas Mann mit Illustrationen von Gunter Böhmer. – Mit dem Trockenstempel »Atelier Sammet«.

Am linken Rand minimal gebräunt. – Nicht außerhalb des Rahmens begutachtet.

846  Bertolt Brecht. Svendborger Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

London, Malik 1939. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe, vom Verfasser signiert. – Enthält »Deutsche Kriegsfibel«, »Chroniken« und »Deutsche Satiren (für den deutschen Freiheitssender)«, dort u. a. »Die Bücherverbrennung«, Brechts Loblied auf Oskar Maria Grafs Brief mit der Aufforderung »Verbrennt mich!«. – Die im Buch angekündigten Bände III und IV der Gesammelten Werke sind nicht mehr erschienen. »Svendborger Gedichte« war das letzte Buch im Londoner Exil des Malik-Verlags. – Herausgegeben unter dem Patronat der Diderot-Gesellschaft und der American Guild for German Cultural Freedom. Gedruckt in Kopenhagen. – Unbeschnitten.

22,0 : 15,8 cm. 87, [1] Seiten. – Der Umschlag gebräunt und mit einigen Läsuren. – Auf S. 62 einige englischsprachige Bleistiftanmerkungen.

Hermann, Malik 22. – Vgl. Nubel A 112, Melzwig 155.1, Raabe/Hannich-Bode 41.16, Sternfeld/Tiedemann 74 und Gittig, Malik 305 – die alle diese Vorzugsausgabe nicht erwähnen

847  Bernard von Brentano. Fünf Erstausgaben, zwei mit Widmung.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 190

1934–1962. Originalleinenbände, eine -broschur, vier mit Schutzumschlag.

Der Schriftsteller und Journalist Bernard von Brentano (1901–1964) arbeitete, bevor er 1933 in die Schweiz emigrierte, beim Feuilleton der »Frankfurter Zeitung« und wurde dort Nachfolger seines Freundes Joseph Roth. – I. Berliner Novellen. Zürich, Oprecht & Helbing 1934. Mit zehn Linolschnitten von Clément Moreau, acht im Buch, zwei auf dem Schutzumschlag. Der proletarische Künstler Carl Meffert lebte unter dem Pseudonym Moreau in der Schweiz. – II. Theodor Chindler. Roman einer deutschen Familie. Zürich, Oprecht 1936. Ohne Umschlag. – III. Tagebuch mit Büchern. Zürich, Atlantis 1943. Mit Schutzumschlag. – IV. Das unerforschliche Gefecht. Eine Erzählung in Versen. Zürich, Werner Classen 1946. Broschur. Auf dem Vortitel die Widmung für den Limes-Verleger »Für Max und Lilo Niedermayer zur Erinnerung an meinen ersten Wiesbadener Aufenthalt diese erste Fassung | Brentano Mai 1948«. – V. Schöne Literatur und öffentliche Meinung. Literarische Essays. Wiesbaden, Limes 1962. Auf dem Vortitel: »Auch die Freiheit ist eine geistige Situation (S.30). Meinem lieben Peter von dem Verfasser BvB | Oktober 1962«. – Beigabe: Max Niedermayer. Pariser Hof. Wiesbaden, Limes 1965. Mit Tafeln. Originalbroschur. Erinnerungen des Limes-Verlegers 20 Jahre nach Verlagsgründung.

Exil-Archiv 710, 718, 717 und 720 (I–IV). – I: Friedrich/Meffert B 9

848  Rolf Dieter Brinkmann. Ihr nennt es Sprache.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Achtzehn Gedichte. Leverkusen, Klaus Willbrand 1962. Rote Originalbroschur.

Erste Ausgabe der ersten selbständigen Veröffentlichung Brinkmanns. – Texte, Heft 1. – Eins der wenigen im Druckvermerk von Brinkmann signierten und nummerierten Exemplare. Laut Druckvermerk sollten 500 Exemplare nummeriert und signiert werden, Brinkmann tat dies aus Verärgerung über die zahlreichen Druckfehler nur bei einem kleinen Teil der Auflage und verhinderte die Auslieferung zu Lebzeiten.

21 : 20 cm. 29, [3] Seiten. – Rücken leicht verblasst.

Geduldig/Wehebrink 1. – Seinsoth 1

849  Günter Brus. Geschichte aus dem Sommerhaus.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Berlin, Hohengebraching 1975. 32 Abbildungen, montiert auf klammergeheftete Packpapierseiten.

Eins von 50 Exemplaren. – Sehr seltene Edition, das Originalmanuskript mit 32 Matrizendrucken auf Papier, handabgezogen auf einer Rena »Renaplan«-Spiritdruckmaschine (Druckvermerk). – Druckvermerk vom Künstler signiert.

16 Blätter. 13,5 : 21,0 cm. – Ränder minimal geknickt.

850  James Lee Byars. The Golden Tower.

Schätzpreis/Estimate: € 900 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Serigraphie in Gold auf schwarzem Papier. 1974. 134,5 : 29,5 cm (192,7 : 49,8 cm).

Origineller Katalog zur Ausstellung in der Berliner Galerie Springer und zugleich Einladung zur Eröffnung. – Entwurf des Kataloges durch den Künstler, »Dieser Katalog hat seine exakte Körpergrösse«. – Auf zwei Blätter gedruckt, hier noch nicht zusammengesetzt. – Im Werk des US-amerikanischen Künstlers James Lee Byars (1932–1997) war die Farbe Gold seit Ende der 1960er Jahre ein immer wiederkehrendes Gestaltungsmotiv.

Ein winziger Randeinriss (2 mm), minimal gewellt.

851  Joachim Sartorius und James Lee Byars. The Golden Tower.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Köln, Walter König und Berlin, DAAD 1992. Schwarzer Originalseidenband mit schwarzem, unbedruckten Originalumschlag. In schwarzem Originalpappschuber.

Eins von 333 Exemplaren; die auf dem Schuber angekündigte Vorzugsausgabe von XIII Exemplaren ist nie erschienen. – 100 Blatt schwarzer Karton, davon 32 mit je einer Textzeile in Perforationsschrift. – Die Texte teils in Englisch, Deutsch und reiner Phantasiesprache.

22,7 : 14,2 cm. [100] Blätter.

852  Jean Cocteau. Les enfants terribles.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Roman. Paris, Bernard Grasset 1929. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Unnummeriertes Autorenexemplar. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vortitelblatt: »au docteur Friedmann cet hommage de Jean Cocteau«. – Jean Cocteau (1889–1963) veröffentliche schon im Alter von 17 Jahren erste Gedichte, 1919 erschien sein Debütroman »Le Potomak«. Der Universalkünstler arbeitete als Schriftsteller, Maler, Regisseur und Schauspieler. – »Les enfants terribles« schrieb Cocteau während eines Opiumentzugs. Die tragische Geschichte basiert auf der engen und ungewöhnlichen Beziehung der Geschwister Jeanne und Jean Bourgoint, mit denen Cocteau befreundet war. Zeitweilig war er der Liebhaber des Bruders, 1929 beging Jeanne Selbstmord. Überwältigt von den Geschehnissen schloss Cocteau den Roman in nur drei Wochen ab.

18,7 : 12,0 cm. [6], 228, [2] Seiten. – Rücken beschädigt. Vorderer Umschlag ca. zur Hälfte gelöst. Kanten mit kleinen Knicken und Einrissen.

853  Jean Cocteau. Poèmes écrit en Allemand.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 700

[Den Haag], Le Lapin et le Chat 1944. Originalbroschur. – Widmungsexemplar mit Zeichnung.

Eins von 200 Exemplaren. – Erste Buchausgabe, erschienen in dem von Huib van Krimpen gegründeten Untergrundverlag. Die sechs Gedichte hatte Cocteau 1934 in deutscher Sprache für Klaus Manns Exilzeitschrift »Die Sammlung« geschrieben. – Auf dem Titelblatt eine große Kugelschreiberzeichnung von Cocteau mit dem deutschsprachigen Zusatz »sonst geht es fort«, gewidmet 1962 für Hein(z) Kohn (1907–1979), der als Jude 1933 aus Deutschland nach Holland geflohen war und 1934 dort den Buchclub »Boekenvrienden Solidariteit« gegründet hatte. Er verlegte u. a. Werke von in Deutschland verfolgten Autoren, bis er nach der Besetzung der Niederlande selbst im Widerstand arbeitete und untertauchen musste. Nach Verhaftung und Flucht überlebte er bis zum Ende des Krieges im Untergrund. – Jean Cocteau (1889–1963) war seit den 1920er Jahren mit dem deutschen Bildhauer Arno Breker befreundet gewesen und bekannte sich auch während der deutschen Besatzungszeit seiner Heimat zu dieser Freundschaft, was ihm seitens dem Widerstand nahestehender Freunde und Kollegen angelastet wurde.

24,7 : 16,2 cm. [12] Seiten. – Leichte Knitterfalten. Titelblatt mit kleinen Braunflecken.

854  Paul Celan. Mohn und Gedächtnis.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Ausrufpreis/Starting bid: € 530

3. Auflage. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt 1958. Schwarzer Originalleinenband mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel und dem Folienumschlag. – Widmungsexemplar.

Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers »Für Wolfgang Carl / Paul Celan / Paris, September 1958«. – Der zweite Gedichtband Celans erschien erstmals 1952.

19,1 : 11,8 cm. 75, [5] Seiten. – Der Folienumschlag oben abgerissen. Rücken etwas verblasst.

Glenn B 02

855  Paul Celan. Gedichte 1938–1944. – Schneepart.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Zuschlag/Hammerprice: € 120

– Faksimileausgaben der Handschriften. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1985 und 1976. Schwarzer Originallederband und -pappband im Schuber bzw. weißer Originalkalblederband mit Goldprägung im Schuber.

I. Eins von 1000 Exemplaren. – Mit dem Band »Transkription« mit einem Vorwort von Ruth Kraft, in der sie die frühe Begegnung mit dem Dichter beschreibt. Das kleine Lederbändchen mit Celans frühesten Dichtungen legte sie 1945 Alfred Margul-Sperber vor, der sofort die Meisterschaft des jungen Dichters erkannte. Sperbers Ehefrau suggerierte damals das Anagramm von Celans rumänischen Familiennamen »Ancel«. – II. Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Leder (Gesamtauflage 1000). Celan schloss das Manuskript im September 1969 ab. Aus dem Nachlass zeitgleich mit der Druckausgabe veröffentlicht. – Eine Beigabe.

Glenn B 29 und B 19a

856  Hanne Darboven. Urzeit / Uhrzeit.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 260

New York, Rizzoli 1990. Mit einigen montierten farbigen Abbildungen nach Fotografien und zahlreichen nach Collagen und Zeichnungen. Originalleinenband im Schuber.

Eins von 250 Exemplaren, weitere 50 kamen nicht in den Handel. – Von der Künstlerin auf dem Vortitel monogrammiert, im Druckvermerk nummeriert. – Gedruckt in der von Hans Mardersteig gegründeten Stamperia Valdonega. – Das opulente Künstlerbuch der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven (1941–2009) zeigt eine Auswahl des zwischen 1978 und 1988 entstandenen Werkes »Urzeit/Uhrzeit«, das aus 26 Einzelbänden besteht. Das vorliegende Künstlerbuch beschränkt sich auf 148 Blätter. Jeweils vier Blätter daraus werden auf je einer Seite präsentiert. »Darboven hatte sich in ihren Werken bereits mehrfach mit der Evolutionsgeschichte des Menschen beschäftigt. Ihre Bildsprache, die das Sichtbarmachen von Zeiträumen ausdrückt, verbindet codierte Berechnungen und Assoziationsketten mit Zitaten und Fotografien, die die Künstlerin nach bestimmten Kriterien anordnet. Dieses Opus Magnum – herausgegeben von der Ehefrau Claes Oldenburgs, Coosje van Bruggen – hat niemals die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient hätte.« (Verlagsankündigung). – Tadellos.

42,5 : 30,0 cm. 246, [4] Seiten.

857  Josef Eberz. Nächtlicher Circus.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Sechs Holzschnitte. München, Goltz 1920. Sechs lose Blätter in Originalumschlag mit Titelholzschnitt.

Eins von 170 Exemplaren, im Druckvermerk signiert (Gesamtauflage 200). – Auf Bütten. – Opus I der Reihe »Graphische Capriccios«, einer »Reihe von Mappenwerken der Künstler der Galerie Neue Kunst Hans Goltz in München«. Weitere Mappen, u. a. von George Grosz und Paul Klee, waren geplant. – Josef Eberz studierte zunächst bei Franz Stuck an der Kunstakademie München, als Meisterschüler Adolf Hölzels schloss er sein Studium in Stuttgart ab. Eberz war Mitglied der »Neuen Münchner Secession«. Er profilierte sich als Kirchenmaler und Gestalter von Mosaiken und Glasfenstern und unterrichtete als Professor an den Münchner Lehrwerkstätten.

26,8 : 24,6 cm. 6 Blätter. – Mappe im Falz mit Filmoplast hinterlegt, Ränder mit kleinen Knicken und Verlusten. – 1 Blatt mit kleinem Eckverlust, 1 mit winzigen Läsuren am Unterrand.

Sennewald 20,1

858  [Kasimir] Edschmid. Bilder / Lyrische Projektionen.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Begleitet durch sechs Holzschnitte von Hermann Georgi. Darmstadt, H. Hohmann 1913. Mit sechs blattgroßen Holzschnitten. Originalbroschur mit illustriertem Pergamentumschlag.

Erste Ausgabe. – Eins von 21 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten und in Pergamentumschlag geheftet (Gesamtauflage 210). – Im Druckvermerk von Dichter und Künstler signiert. – Die zweite Veröffentlichung des Dichters, noch unter seinem eigentlichen Namen Ed Schmid. 1915 erschien seine erste Publikation, der Novellenband »Die sechs Mündungen bei Kurt Wolff in Leipzig. »Ganz allein der Zufälligkeit eines dahin gerichteten Gestaltungsdranges verdankt dieser Cyklus seine Entstehung in dem wachsenden Willen: den dekorativen, seelischen oder pigmentären Gehalt der Bilder auszuschöpfen und in die neue Form zu fassen. […] Dass für die Auswahl von Maler und Sujets grundsätzlich und allein nur die Laune des Autors massgebend gewesen ist, sei hinzugefügt…« (Vorrrede). – Hermann Georgi war wie Edschmid Mitglied der Darmstädter Sezession und Mitarbeiter der »Dachstube« und des »Tribunal«.

23,7 : 23,7 cm. [60] Seiten. – Umschlag angestaubt und etwas fleckig, Heftband gerissen. – Innen papierbedingt gebräunt.

Raabe/Hannich-Bode 60.2. – Lang, Expressionismus 80. – Jentsch, Expressionismus 13

859  Dietz Edzard – Nicolai Vasilewic Gogol. Wij.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Eine Volkslegende. Mit sechs Radierungen von Dietz Edzard. München, Pflüger 1924. Mit sechs signierten Radierungen. Originalumschlag und sechs Passepartouts lose in Originalhalbpergamentmappe.

Eins von fünf nicht für den Handel bestimmten Exemplaren, hier bezeichnet als Exemplar »A«. Darüber hinaus erschienen 100 nummerierte Exemplare. – Ins Deutsche übertragen von Karl Nötzel. – Der Text auf Bedenk-Bütten, die signierten und mit »A« bezeichneten Radierungen, in Passepartouts beigelegt, auf chamoisfarbenem Bütten.

42,3 : 30,3 cm (Mappe). [10], 32, [6] Seiten. – Textheft und einige der Radierungen stockfleckig.

Katalog Lindenau-Museum 482-487. – Sennewald 24,2. – Lang, Expressionismus 44. – Jentsch, Expressionismus 144

860  T. S. Eliot. Geoffrey Faber.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

1889 – 1961. London, Faber & Faber 1961. Originalpappband mit goldgeprägten Titeln. Im Originalschuber.

Privatdruck anlässlich der Gedenkfeier für Sir Geoffrey Faber in St. Giles-in-the-Fields, Holborn, 10. Mai 1961. – Eins von 100 Exemplaren auf Japan. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Geoffrey Faber (1889–1961) gründete 1925 zusammen mit Sir Maurice und Lady Gwyer den Verlag Faber & Gwyer, nach Gwyers Ausscheiden 1929 wurde der Verlag in Faber & Faber umbenannt. T. S. Eliot, der seine Gedichte aus den 1920er Jahren hier veröffentlichte, fungierte als Berater des Hauses und arbeitete in der Verlagsleitung mit. Seit 1963 wird Geoffrey Faber zu Ehren der gleichnamige britische Literaturpreis verliehen.

20,3 : 11,7 cm. 19, [5] Seiten. – Rücken etwas verblasst.

861  Lucio Fontana – Manifiesto Blanco.

Schätzpreis/Estimate: € 350 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Mailand, Gallerie Apolliniare 1966. Mit zahlreichen meist blattgroßen und farbigen Abbildungen. Originalhalbleinenband.

Documenti e personaggi, 1. – Mit schwungvoller eigenhändiger Widmung von Lucio Fontana neben seinem Portätfoto. – 1946 erschien in Buenos Aires das berühmte von Lucio Fontana inspirierte viersprachige Manifest, das die »Movimento spaziale« begründete. – Zwei Jahrzehnte später folgte dieses Faksimile der spanischen Fassung mit den Übersetzungen ins Italienische, Französische und Englische sowie zusätzlich ins Deutsche. Der großformatige Band enthält einige weitere Fontana gewidmete Texte.

48,0 : 33,0 cm. [80] Seiten. – Deckelkanten minimal berieben, Schuber beschädigt. – Das erste Porträt lose.

862  Franz Fühmann – Der Wahrheit nachsinnen – Viel Schmerz.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Band 1: Georg Trakl. Gedichte · Dramenfragmente · Briefe. Herausgegeben von Franz Fühmann. – Band 2: Franz Fühmann. Gedanken zu Georg Trakls Gedicht. Leipzig, Philipp Reclam 1981. Mit 16 Farbtafeln nach Aquarellen und Zeichnungen von Egon Schiele. Zwei Originalpappbände und eine Originalbroschur, zusammen im Originalschuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 115 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einem beigelegten Autograph Fühmanns, einer Abschrift des Trakl-Gedichts »Im Schnee« (gefaltetes Büttenblatt) und im Druckvermerk von Band 2 von Fühmann signiert. – Fühmanns Trakl-Essay, als Vorwort konzipiert und dann auf den dreifachen Umfang der Trakl-Auswahl angewachsen, erschien hier gekürzt und bearbeitet. Fühmanns Text, ein Jahr später unter dem Titel »Vor Feuerschlünden« (in der BRD »Der Sturz des Engels«) vollständig erschienen, ist einer der bewegendsten Essays (nicht nur) der DDR-Literaturgeschichte. Fühmanns erste Begegnung mit dem Werk des Frühverstorbenen Salzburger Dichters datiert in den letzten Kriegstagen. Neben Leben und Werk Trakls erläutert Fühmann seine wechselvollen, aber bis zur Selbstzerstörung authentischen, Wandlungen vom Hitlerjungen zum Stalinverehrer und zum an den Erstarrungen des Realsozialismus Verzweifelnden. – Sehr selten und tadellos erhalten. – Dazu: Drei Erstausgaben Fühmanns (Saiäns-Fiktschen, 1981; Essays, Gespräche, Aufsätze 1964–1981, 1983; Das Ohr des Dionysios, 1985).

22,0 : 12,8 cm. 250, [2] ; 98, [2] Seiten, 16 Tafeln, 1 Autographenblatt. – Rückenschild von Band 1 mit leichten Leimspuren.

863  Felix Martin Furtwängler. Totentanz.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

Text + Holzschnitt. Berlin, Tyslander Press 1988. Zwölf signierte Farbholzschnitte mit zwölf Seiten Holzschnitttext. Lose Doppelbogen in bemalter Originalhalblederkassette.

Eins von zwei Künstlerexemplaren, neben weiteren sechs des vierten Zustands. Insgesamt erschienen 30 nummerierte Exemplare in fünf verschiedenen Zuständen. – Der erste Holzschnitt signiert und mit »e/a 1/2« bezeichnet, auch der Druckvermerk vom Künstler signiert. – Eindrucksvoll und großformatig kommen die zwölf Blätter daher: Seinen Totentanz druckte Felix Martin Furtwängler (geboren 1954) auf zwölf schwere unbeschnittene Velin-Doppelblätter. Jedem Bild ist eine Textseite gegenübergestellt, dem ersten der Titel, dem letzten der Druckvermerk. Alle Texte schnitt Furtwängler, inspiriert von mittelalterlichen Unizialschriften, in Holzplatten. – »Furtwänglers Tod setzt sich der namenlosen Angst aus, die den Tod selbst befallen hat. Auf diesen Blättern vernehmen wir kein Wort des Trostes. Trümmer, Fragmente, Fetzen wirbeln chaotisch durcheinander […]. Nicht der Kreislauf des Werdens und Vergehens, diese wundervolle Hoffnung, sondern der endgültige Tod, das endgültige Aus sprechen aus diesen Blättern« (J. Kruse, in Katalog »Totentänze« der HAB Wolfenbüttel, S. 253). – Die Kassetten aus schwarzem Leinen und Leder wurden individuell bemalt. – 70 Jahre zuvor hatte Julius Rodenberg seine Idealvorstellung einer Einheit von Wort und Bild in einem gemeinsamen Druckverfahren postuliert, Furtwängler realisierte sie in diesem großartigen Zyklus. – Makellos.

Holzschnitte: 42,5 : 40,0 cm, Papier: 49 : 92 cm (Doppelseiten).

Katalog »Totentänze« der HAB Wolfenbüttel 86. – Soltek 46

864  Felix Martin Furtwängler. Simsalabin.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausrufpreis/Starting bid: € 1400

Gedicht & Neue Graphik, herausgegeben von Harald Weller. Berlin, Privat Presse 2014. Mit 17 signierten ganzseitigen Tiefdrucken, davon elf mehrfarbig. Originalhalblederband mit Farbschnitten als Deckelbezug und Vorsatzpapier. Im schwarz-blau serigraphierten Originalschuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 18 Exemplaren, die erste Radierung nummeriert, auch im Druckvermerk vom Künstler signiert und dort mit »fecit felix« bezeichnet. – Auf schwerem Hahnemühle-Bütten. – Der Band vereint Gedichte des Künstlers mit Tiefdrucken, die in einem Verfahren entstanden, zu dem der Künstler uns schrieb: »Ich hoffe, dass dies meine Erfindung ist, aber wahrscheinlich wieder mal nicht …«: Mit Kunststoff beschichtete Aluminiumplatten wurden mit Tusche, Stiften etc. bearbeitet, belichtet und dann mit der Hand nur kurz ausgewaschen. Die farbigen Partien wurden mit transparenten Farben im Buchdruck über die schwarzen Partien gedruckt. – Die Texte wurden aus der Linotype Schreibmaschine gesetzt und stehen jeweils einer Graphik gegenüber auf Doppelseiten. – Die Graphiken druckte Dieter Béla in Berlin, der schöne Handeinband entstand in der Werkstatt Ludwig Vater, Jena. – Makellos.

39,7 : 27,5 cm. [40] Seiten.

865  Felix Martin Furtwängler – B. K. Tragelehn. Über B[recht] und B[enjamin].

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Für E. W. Berlin, Privatpresse 2018. Mit 21 Farbholzschnitten, davon sechs blattgroße signiert. Originalhalbleinenband mit Packpapierdeckelbezug und Deckelbild. Im Schuber.

Eins von 14 Exemplaren, von denen nur fünf für den Verkauf bestimmt waren. – Privatdruck für Erdmut Wizisla, den Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs an der Akademie der Künste, anlässlich seines 60. Geburtstages. – Neben der Schlussvignette von Autor, Jubilar und Künstler signiert. – Auf strahlend weißem Velin. – Der Band vereint Erstdrucke verschiedener Gedichte und Texte des Theaterregisseurs und Schriftstellers B. K. Tragelehn zu Bertolt Brecht, Walter Benjamin und Ulrike Meinhof aus mehr als fünf Jahrzehnten, darunter auch das Musikstück »Jüngste Erscheinung des Engels der Geschichte in memoriam Ulrike Meinhof«. Tragelehn, Jahrgang 1936 und Meisterschüler von Brecht, wurde 1961, nachdem seine Heiner Müller-Inszenierung » Die Umsiedlerin« als konterrevolutionär eingestuft wurde, aus der SED ausgeschlossen. Zahlreiche bedeutsame Inszenierungen folgten, 1976 gehörte er zu den Unterzeichnern der Biermann-Petition und verließ 1979 die DDR. – Die farbigen Graphiken Furtwänglers sind Handdrucke des Künstlers, die blattgroßen meist signiert. – Tadellos erhalten.

30,5 : 21,3 cm. 41, [7] Seiten.

866  Rainer M[aria] Gerhardt. Der Tod des Hamlet.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Freiburg, Gruppe Fragmente 1950. Fadengeheftete Originalbroschur mit Umschlag aus japanischem Faserpapier, Monogrammstempel auf dem Vorderdeckel..

Eins von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten (Gesamtauflage 600). – Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Rainer Maria Gerhardt (1927−1954) gründete mit seiner Frau Renate und Claus Bremer den »fragmente-Verlag« und publizierte Werke u. a. von Artaud, Miller, Creeley, Olson und Pound. Anerkennung oder ein nennenswertes Echo auf Gerhardts literarisches Programm, an das später andere erfolgreich anknüpften, blieben aus. »Der Dichter und Verleger Rainer Maria Gerhardt, der 1954 im Alter von siebenundzwanzig Jahren aus dem Leben schied, war tatsächlich so etwas wie ein Heiliger der Literatur. Um ihr zu dienen und um seine Zeitschrift ›fragmente‹ zu finanzieren, führte er ein Leben in Armut und voller Verzicht. Er hatte eine Vision und scheiterte erbarmungswürdig« (»Heiliger im Dienst der Poesie«, faz.net, 25.5.77). – Mit 27 Jahren beging Gerhardt, finanziell ruiniert und literarisch isoliert, Selbstmord.

23,0 : 15,5 cm. 21, [3] Seiten.

867  Bert Gerresheim – Walter Aue. Memorandum.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Gedichte von Berlin. Sieben Holzschnitte von Bert Gerresheim. Duisburg, Guido Hildebrandt 1966. Mit sieben signierten Holzschnitten, fünf blatt-, einer doppelblattgroß. Fadengeheftete Doppelblätter in Originalleinwandmappe mit Rückenschild.

Hundertdruck III. – Eins von 100 Exemplaren. – Gestaltung, Typographie, Handsatz und -druck von Klaus Ulrich Düsselberg. – Vom Autor im Druckvermerk signiert.

39,0 : 27,5 cm. [26] Seiten.

Spindler 157.3

868  Philip Glass. – Laurie Anderson.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Dokumente zum künstlerischen Schaffen.

Sammlung von diversen Originaldokumenten, Programmheften, Büchern, Schallplatten und Zeitungsartikeln zum Schaffen der beiden berühmten Musiker. – Philip Glass (geboren 1937): Pressematerial zu »The Making of the Representative for Planet 8« nach dem Libretto von Doris Lessing, dazu 2 Fotografien von Philip Glass und Doris Lessing. – Porträtfoto von Koos Breukel. – »Breaking in the Kitchen«, New York, 1987. – »Einstein on the Beach« mit Lucinda Childs, New York, 1984; Fotografie von Tom Caravaglia. – »Jean Cocteau. La belle et la bête.« Een opera voor ensemble en film, Amsterdam, 1994, signiert. – »Symphony No.5« Choral, Salzburg, 1999. – »Music by Philip Glass«, New York, 1987, Buch mit eigenhändiger Widmung. – Laurie Anderson (geboren 1947): Porträtfotografie von Frans Schelekens, Silbergelatine. Signiert von Laurie Anderson. – »0 Superman«, EP 1981. – »Empty Places«, Programmheft zur Weltpremiere, Umschlaggestaltung von Sol LeWitt. – Pressefoto Warner Bros., 1994. – »Germano Celant, Laurie Anderson Dal Vivo«, Buch, Mailand 1998. – In zwei Sammelordnern, genaue Auflistung auf Anfrage.

869  Florian und Christl Maria Göthner. Welcome.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Leipzig 1997. Mit zahlreichen Pop-ups, Collagen, Fotografien, farbigen Serigraphien und Offsetdrucken sowie einigen Multiples (Puzzleteile, Plastikgabel, Minituschkasten, Würfel etc.) in Folienumschlag. Ringheftete Originalbroschur.

Eins von 50 Exemplaren. – Entstanden nach einer New York-Reise der Künstlerin mit ihrem 15-jährigen Sohn Florian. – Das Buch zitiert mit Sinnbildern der amerikanischen Alltagskultur (Coca Cola, Dollarnoten, Stars and Stripes) und besonders durch mehrere Pop-ups (Luftballon, Blasebalg) die Größen der amerikanischen Pop-Art wie Jasper Johns, Andy Warhol und andere. – Christl Maria Göthner (geboren 1957) studierte bei Bernhard Heisig an der Leipziger Hochschule und war später seine und Joachim Johns Meisterschülerin an der Akademie der Künste in Berlin. – Sehr selten, ob die Auflage bei dem beträchtlichen Herstellungsaufwand überhaupt erreicht wurde, darf bezweifelt werden.

30,0 : 19,5 cm. Ca. 80 Blätter.

870  Charles Grieger – Nie wieder.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Nach Papierschnitten von Charles Grieger. Mit einem Vorwort von Peter Barras. Hamburg, Kristeller Kunsthandlung [1949]. Acht Blätter mit Abbildungen und zwei Doppelblätter lose in illustrierter Originalkartonmappe.

Als Privatdruck für die Freunde der Kristeller Kunsthandlung Hamburg hergestellt. – Eins von 1000 Exemplaren. – Die eindeutig antifaschistischen Papierschnitte (»Schlachtvieh«, »Die Grußmaschine«, »Kanonenfutter«, »Sie Schwein«, »KV«, »Führer wir danken dir«, »Der letzte Brief«, »Das Massengrab«) entstanden 1945. – Charles Grieger (1903–1952) war ein Hamburger Illustrator und Verleger. In seinem Verlag erschienen wenige Jahre später (unter erwartbar schwierigen Bedingungen) verschiedene von ihm selbst illustrierte homosexuelle Zeitschriften. – Seltenes Zeugnis dieses kämpferischen Widerständlers in dunklen Zeiten.

30,0 : 21,7 cm. [8] Seiten, 8 Blätter. – Mappenränder gebräunt, Falz eingerissen. – Blattränder papierbedingt gebräunt. Titelblatt mit Zueignung.

871  HAP Grieshaber. Osterritt.

Schätzpreis/Estimate: € 1000 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Text von Riccarda Gregor-Grieshaber. Köln, Galerie Der Spiegel 1964. Mit 39 Holzschnitten, teils mehrfarbig und doppelblattgroß, davon einer auf dem Umschlag. Lose Doppelblätter in Originalumschlag und -kassette mit gelbem Büttenbezug.

Erste Ausgabe. – Eins von 350 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Holzschnitte wurden teils mehrfarbig auf weißes Hahnemühle-Bütten, teils in Gold, Silber und Weiß auf schwarzes und rotes Papier gedruckt. – Neben dem nur kurze Zeit später entstandenen »Totentanz« eine der umfangreichsten Bildfolgen Grieshabers und zugleich eine seiner schönsten und fröhlichsten. – Umschlag und Blätter tadellos.

33,5 : 28,5 cm. 42 Doppelblätter. – Ecken der Kassette mit kleinen Eirissen im Bezugspapier.

Fuerst 64/52–90. – Fichtner/Bartelke 34. – Spindler 153.27

872  HAP Grieshaber – Pablo Neruda. Die Höhen von Macchu Picchu.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Übertragung aus dem Spanischen von Rudolf Hagelstange. Mehrfarbige Original-Holzschnitte von HAP Grieshaber. Hamburg, Hofmann und Campe 1965. Mit zehn Farbholzschnitten, davon zwei doppelblattgroße lose beigelegt, die übrigen meist blattgroß im Text. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel. Zusammen mit dem Beiheft in der Originalleinenmappe mit Holzschnittdeckelvignette.

Eins von 190 römisch nummerierten Exemplaren der im Druckvermerk von Künstler und Dichter signierten Vorzugsausgabe auf Pescia-Bütten (Gesamtauflage 1.000 Exemplare). – Das Beiheft enthält die spanische Originalfassung sowie einen Text von Ernst Kreuder und einen Kommentar von Jürgen von Stackelberg. – Tadellos erhalten.

43,7 : 33,0 cm (Mappenformat). 34, [2] Seiten, 2 lose Holzschnitte. Beiheft: 26, [2] Seiten.

Fuerst 65/100–110 a. – Fichtner/Bartelke 180. – Spindler 119.32

873  HAP Grieshaber. Totentanz von Basel

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 250

mit den Dialogen des mittelalterlichen Wandbildes. Dresden, Verlag der Kunst 1966. Mit 40 Farbholzschnitten. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe der großartigen Holzschnittfolge. – Druck der Leipziger Presse in den Werkstätten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. – Texte in deutscher, französischer und englischer Sprache, Nachworte von Wilhelm Boeck und Rudolf Mayer. – Grieshaber dienten Matthias Merians Kupferstiche nach den monumentalen Fresken an der Friedhofsmauer des Baseler Dominikanerklosters als Vorlage. Die Originale wurden 1805 abgerissen, weil die mittelalterlichen Malereien den Stadtvätern als »Kinderschreck« und »Leutescheuche« galten. – Die Übersetzungen der alten deutschen Reime entstanden im frühen 19. Jahrhundert, Albert Kapr, der Leipziger Schriftkünstler, entwarf die Schrifttafeln und schnitt sie mit seinen Studenten in Holz. – Schönes Exemplar, der empfindliche Schutzumschlag nicht ganz frisch.

46 : 35 cm. [130] Blätter. – Titelblatt mit schwachem vertikalen Knick.

Fuerst 66/1–40 c. – Fichtner/Bartelke 55. – Isphording II, 584. – Spindler 65.4

874  HAP Grieshaber. Die rauhe Alb.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 340

Stuttgart, Manus Presse 1968. Mit zwölf, teils mehrfarbigen, Holzschnitten und 20 Lithographien sowie 14 Faksimiles nach älteren Holzschnitten und einem Porträt. Originalleinenband mit farbigen Deckelillustrationen nach einem Holzschnitt. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Unnummeriertes Künstlerexemplar (Gesamtauflage 550). – Mit eigenhändiger Widmung für den Bauhausdesigner Wilhelm Wagenfeld: »aus der Wirklichkeit (die rauhe alb) vielleicht geformt (?) dein Grieshaber«. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Grieshabers opulente Liebeserklärung an seine schwäbische Heimat umfasst Beispiele aus seinem gesamten graphischen Œuvre, bemerkenswert sind neben den frühen Holzschnitten aus den 1930er Jahren die 20 Lithographien, eine von ihm eher selten angewandte Technik. – Mit einem Text von Margarete Hannsmann.

40,7 : 50,7 cm. 22 Seiten, 12 Holzschnitte, 20 Lithographien, [2] Seiten.

Fuerst 68/63–94 b. – Fichtner/Bartelke 68. – Spindler 161.10

875  HAP Grieshaber. Jossef,

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

übertragen von Martin Buber. Stuttgart, Hatje 1972. Mit zwei doppelblattgroßen farbigen Holzschnitten, einer auf dem Schutzumschlag, und zahlreichen Farbtafeln. Originalleinenband.

Eins von 75 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit dem signierten Holzschnitt als Frontispiz. – Grieshabers Jossef-Zyklus, 36 großformatige mit Pastellkreide kolorierte Linolschnitte, entstand 1970 als Wandschmuck für die Stuttgarter St. Germanus-Kirche. – Die nur im Werkverzeichnis (72/119) für die Vorzugsausgabe erwähnte großformatige Lithographie ist hier nicht beigelegt. – Dazu: Carl Orff und HAP Grieshaber. Carmina Burana. Stuttgart, Hatje 1975. Originalleinenband.

29,0 : 35,8 cm. [2], 82 Seiten, 1 Holzschnitt. – Schutzumschlagränder unfrisch.

Fuerst 72/120 a und b. – Fichtner/Bartelke 92

876  George Grosz – Heinrich Mann. Kobes.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Mit zehn Lithographien von George Grosz. Berlin, Propyläen 1925. Mit zehn blattgroßen Illustrationen nach Zeichnungen. Roter Originalleinenband mit schwarzgeprägten Titeln.

Erste Ausgabe. – »Heinrich Manns Novelle vom Intrigenspiel in der Zentrale eines Großkonzerns, dem Kobes vorsteht, spielt auf die Machtstellung des rheinischen Industriellen Hugo Stinnes an, dessen bärtige Physiognomie in einigen Darstellungen deutlich zu identifizieren ist.« (Dückers). – Tadelloses Exemplar.

28,0 : 22,8 cm. [4], 71, [1] Seiten.

Dückers B III. – Lang, Grosz 45. – Zenker 44

877  George Grosz. Interregnum.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Frankfurt am Main, Berlin, Wien, Propyläen 1976. Mit farbigem Frontispiz und 64 Tafeln. Roter Originalhalbleinenband mit Holzfurnierimitationbezügen.

Eins von 400 Exemplaren. – Faksimileausgabe des 1936 bei »The Black Sun Press« in New York edierten Mappenwerks, von dem kaum mehr als 40 Exemplare erschienen. – Diese erste in Deutschland erschienene Ausgabe verzichtete auf die englischsprachige Einführung von John Dos Passos, erhielt aber eine deutsche Fassung der Bildtitel.

41,0 : 30,0 cm. [4], 65, [3] Blätter. – Ecken minimal bestoßen, Rücken kaum merklich verblasst.

Vgl. Dückers S II Anmerkung

878  Franz Roh. Der Maler Kurt Günther.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Berlin, Nierendorf 1928. Mit 32 ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur mit montierter Fotografie.

Erste Ausgabe, erschienen zur Ausstellung der Galerie Nierendorf und mit einem ausführlichen Vorwort des Herausgebers. – Franz Roh hatte die Ausstellung des zu den Dresdner Dadaisten gehörenden Kurt Günther (1893–1955), der sich später vorwiegend Porträts verschrieb, angeregt.

23,3 : 15,7 cm. 48 Seiten. – Umschlag fleckig, Heftklammern rostig.

879  Jakob Haringer. Der Reisende oder Die Träne.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Zuschlag/Hammerprice: € 50

Ebenau bei Salzburg, Grigat 1932. Originalbroschur.

Erste Ausgabe des letzten Werkes vor seiner Emigration, als Privatdruck erschienen. – Unbeschnitten. – Die Band- und Reihenangaben (»Der Werke X. Band« und »Die Denkmäler 48/51«) sind wie meist bei Haringer fingiert und irreführend. Die angekündigte Werkausgabe in zehn Bänden ist nie erschienen, ebenso wenig eine gar dreißigbändige Ausgabe. – Jakob Haringer führte in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen ein unstetes Vagabundenleben und war, ohne festen Wohnsitz, stets auf die Unterstützung von Freunden und Förderern angewiesen. – Zwei Beigaben.

24,5 : 16,0 cm. 67, [1] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 104.13

880  Stephan Hermlin – Gesang auf dem Wege.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

Gedichte. Affoltern, Aehren Verlag [1945]. Originalbroschur.

Sehr seltene Originalausgabe. – Erschien innerhalb der Schriftenreihe »Über die Grenzen«. – Mit Gedichten von Jo Mihaly, Ilse Krämer, Else Lasker-Schüler, Jakob Haringer und anderen, darunter wohl zwei sehr frühe Veröffentlichungen des jungen Stephan Hermlin (»Ballade vom Gefährten Ikarus« und »Ballade vom Stabsfeldwebel Fischer«), der wie die anderen hier Vertretenen in der Schweiz Exil gefunden hatte. – 1987 erschien ein Reprint des Heftes.

22,8 : 15,3 cm. [2], 27, [3] Seiten. – Deckelränder leicht, Blattränder etwas stärker gebräunt, insgesamt aber sehr gut.

Rost/Geist, Hermlin 61. – Nicht bei Melzwig und nicht bei Sternfeld/Tiedemann

881  Hermann Hesse. Klingsors letzter Sommer.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Erzählungen. Berlin, S. Fischer 1920. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der vom Dichter signierten Vorzugsausgabe auf holzfreiem Papier, die »nur vom Dichter selbst (Wohnsitz: Montagnola, Schweiz) zu beziehen sind« (Druckvermerk). – Enthält die Erzählungen »Kinderseele«, »Klein und Wagner« und »Klingsors letzter Sommer«. – »Die Geschichte des Malers Klingsor ist eine Erinnerung an den Sommer 1919. Klingsor, am 2. Juli geboren, zweiundvierzig Jahre alt und allein, Maler, Dichter, Philosoph und Hypochonder, vom Tod beunruhigt, besessen von einer Leidenschaft für das Leben und die Kunst und zu Ausgelassenheit und Depressionen neigend, ist offensichtlich Hesse selber; Klingsors Freundeskreis war der Hesses; und der Schauplatz ist deutlich das Tessin.« (hhesse.de). – Sehr selten.

18,7 : 12,0 cm. 215, [1] Seiten.

Mileck II, 39

882  Hermann Hesse. Siddharta.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Eine indische Dichtung. Berlin, S. Fischer 1922. Originalhalbpergamentband.

Erste Ausgabe. – Einbandentwurf von Emil Rudolf Weiß. – Exemplar aus dem Besitz von Dr. Gottfried Bermann, mit dessen von Gunter Böhmer entworfenem Exlibris, farbig lithographiert und goldgehöht. – 1932 hatte der gelernte Chirurg Dr. Gottfried Bermann-Fischer von seinem Schwiegervater Samuel Fischer die Leitung des Verlages übernommen, der nach Hitlers Machtergreifung bedroht war. 1935 konnte er nach Wien übersiedeln; 1938, Österreich wurde »angeschlossen«, verlor er bei der Flucht Verlag und Eigentum. In Österreich, Stockholm, Amsterdam und New York gründete er neue Verlagsunternehmen.

18,9 : 11,5 cm. 174, [2] Seiten. – Einband lichtrandig. Beide Deckel und Vorsatzblätter mit größerem Fleck.

Mileck II, 43

883  Hermann Hesse. Zehn Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Bern, Stämpfli [1939]. Originalbüttenbroschur, eingebunden in Pappband mit Oleographiepapierbezug und vergoldetem Rückentitel (signiert: R. Meuter, Ascona).

Erste Ausgabe dieser Sammlung, »Dieser nicht käufliche Privatdruck enthält die seit dem Erscheinen der ›Neuen Gedichte‹ [1937] entstandenen Verse« (Editionsvermerk). – Auf dem Titel eigenhändiger »Gruß von H. H.«.

21,7 : 15,5 cm. 14, [2] Seiten. – Einige Blätter unten mit kleinem Eckknick.

Mileck III, 70

884  Hermann Hesse. Kleine Betrachtungen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Sechs Aufsätze. Zürich, Büchergilde Gutenberg [1942]. Mit Illustrationen von Heiner und Isi Hesse. Grüner Halblederband mit farbigen Oleographiepapierbezügen, Rückentitel und -fileten vergoldet, Kopfschnitt mit Graphit gefärbt (signiert: R. Meuter, Ascona).

Eins von 8000 nummerierten (!) Exemplaren. – Mit einem faksimilierten Brief Hesses zu dieser Edition. – Damals nicht käufliche Werbegabe der Büchergilde Gutenberg. – Die fünf Texte aus den Jahren 1928–1933 und ein sechster aus dem Frühjahr 1940 waren, noch ohne die Illustrationen von Hesses Sohn Heiner und dessen Ehefrau Isa, 1941 als Privatdruck erschienen. – Ansprechend gebunden.

21,8 : 15,5 cm. 45, [3] Seiten.

Mileck II, 75 (vgl. III, 74)

885  Hermann Hesse. Das Glasperlenspiel.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften. [Zwei Bände]. Zürich, Fretz und Wasmuth 1943. Hellblaue Originalleinenbände mit schwarzem Rückenschild, Rückenvergoldung und vergoldeter Deckelvignette, beide mit Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe des großen Spätwerks. – In einer von mörderischem Krieg umtosten Schweiz schrieb Hesse seine Zukunftsvision einer elitären, universal gebildeten Gesellschaft. – So schöne Exemplare inzwischen auch selten. – Vorsatzblatt von Band 1 mit einem von Hesse signierten Dedikationsaufkleber des Schweizerischen Schriftstellervereins. – Beiliegend eine Hesse-Fotografie.

19,0 : 12,0 cm. 451, [1]; 441, [1] Seiten. – Rücken der Schutzumschläge gebräunt.

Mileck II, 76

886  Hermann Hesse. Freunde.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Erzählung. Olten 1957. Mit einer Titelzeichnung von Gunter Böhmer. Originalhalbsaffianlederband mit Batik-Modeldruck-Bezugspapier (Hugo Peller, Solothurn). Im Schuber.

75. Publikation der Oltner Bücherfreunde. – Erste Ausgabe. – Eins von 150 Exemplaren der signierten Vorzugsausgabe in Halbleder (Gesamtauflage 850). – Druck auf Zerkall-Bütten.

20,4 : 13,0 cm. [2], 106, [4] Seiten. – Rücken verblasst und minimal fleckig.

Mileck II, 123. – Rysawy 99

887  Hermann Hesse. Demian.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

The Story of a Youth. With a Foreword by Thomas Mann. New York, Henry Holt 1948. Originalleinenband mit illustriertem Originalschutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Auf dem fliegenden Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung von Hermann Hesse: »Gruss vom Autor«. – Die Einleitung Thomas Manns basiert in weiten Teilen auf seinem Artikel »Hermann Hesse zum siebzigsten Geburtstag« in der NZZ (Juni 1947). Die erweiterte Fassung erschien im Sommer 1947 in »Die Neue Rundschau«, 1948 dann in englischer Sprache in »The Saturday Review« und als Einleitung zu »Demian«.

20,8 : 14,2 cm. 207, [1] Seiten.

Mileck IX, 56 a. – Potempa G 979.2

888  Stefan Heym. Nazis in U.S.A.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 260

An Expose of Hitler’s Aims and Agents in the U.S.A. New York, American Committee for Anti-Nazi Literature 1938. Rote Originalbroschur.

Erste Ausgabe, ihrer Herkunft und Verbreitungswege sowie des ephemeren Charakters selten. – Stefan Heym (1913–2001) zählte zu den politisch einflussreichsten deutschsprachigen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Unter dem Namen Helmut Flieg im sächsischen Chemnitz geboren, wurde er 1931 wegen der Veröffentlichung eines Gedichts der Schule verwiesen. Er beendete die Schulzeit in Berlin, emigrierte 1933 nach Prag und lebte fortan unter dem Pseudonym Stefan Heym. 1935 wanderte er in die USA aus, arbeitete dort als Journalist und Schriftsteller und kam als Nachrichtenoffizier der US Army wieder nach Deutschland. Seit 1953 lebte er in der DDR, zunächst als Verfechter der sozialistischen Idee, später als resignierter Kritiker des Systems. 1979 wurde Heym aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. – Schönes Exemplar.

17,0 : 12,7 cm. 45, [3] Seiten. – Rückenfalz lichtrandig. – Exlibris.

Wilpert/Gühring 1. – Sternfeld/Tiedemann 216. – Nicht in Deutsches Exilarchiv

889  Patricia Highsmith. Brief mit Unterschrift »Pat« und eigenhändigem Nachsatz.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Rom, 28. August 1979. Zwei Seiten. 23 : 15 cm.

Patricia Highsmith (eigentlich Mary Patricia Plangman, 1921–1995) schrieb den Brief auf Briefpapier des Hotel Hassler in Rom an zwei Freundinnen (Bar and Bar), u. a. wohl Barbara Borthfeld, die Highsmiths ersten »Ripley«-Roman »The Talented Mr. Ripley« 1961 ins Deutsche übersetzt hatte. – Im Brief erwähnt die Autorin den vierten Roman der Serie, »The Boy Who Followed Ripley«, dessen Erscheinen unmittelbar bevorstehe. Sie erläutert ihre Pläne, eine Wohnung im Tessin zu kaufen, erklärt die steuerlichen Aspekte einer solchen Investition und beschreibt die Geschäftsgebaren verschiedener Verleger und Vertreter (»I must say the Mafia network is loyal to one another«). – Am Anfang des Briefes: »I was really shocked by Mountbatten’s death. I do detest those crazy, hald-drunk Irish. These terrorists don’t even represent their country.« Der 1st Earl Mountbatten of Burma wurde 1979 Opfer eines IRA-Bombenanschlags. – Am Schluss berichtet Patricia Highsmith von ihren nächsten Reiseplänen und fügt unter ihrem Kurznamen »Pat« hinzu »+ if such a mord exists!«.

890  Hockney.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

A Bigger Book. Köln u. a., Taschen 2016. Mit unzähligen farbigen Abbildungen. Originalleinenband und Originalpappband. Zusammen mit dem verchromten Buchständer in Originallieferkarton.

Eins von 9000 Exemplaren der Collector’s Edition. – Herausgegeben von Hans Werner Holzwarth. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Mit einem exklusiven Buchständer von Marc Newson und einem Begleitband mit einer detaillierten, 680-seitigen illustrierten Chronologie. – »A Bigger Book« entstand »in engster Zusammenarbeit mit David Hockney und zeichnet seine gesamte, mittlerweile sechs Jahrzehnte umspannende Karriere nach. … Der Band ist gleichermaßen eine persönliche Rückschau wie die Bestandsaufnahme eines rahmensprengenden Werks, das immer wieder neue Wege beschritten hat.«.

70,0 : 50,0 cm. 498 Seiten; 680 Seiten.

891  Hugo von Hofmannsthal. Florindo.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 230

Wien und Hellerau, Avalun 1923. Mit 25 Lithographien von Otto Hettner, davon 24 blattgroß und eine als Titelvignette. Originalhalblederband mit reicher Vergoldung (P. A. Demeter, Hellerau) im Originalschuber mit vergoldeter Deckelvignette.

25. Avalun-Druck. – Erste Ausgabe der endgültigen Fassung des Dramas, das bereits 1910 in zwei Versionen als »Cristinas Heimreise« bei S. Fischer erschienen war. – Eins von 300 Exemplaren (Gesamtauflage 350). – Im Druckvermerk von Künstler und Verfasser signiert.

25,0 : 16,5 cm. 125, [3] Seiten. – Rücken verblasst, Kanten etwas berieben.

Houghton Library Catalogue 287. – Rodenberg 335, 25. – Lang, Impressionismus 92. – Sennewald 23,1

892  Ödön von Horváth. Zwei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 450

1930 und 1938. Zwei Originalleinenbände mit illustriertem -schutzumschlag.

I. Der ewige Spießer. Erbaulicher Roman in drei Teilen. Berlin, Propyläen 1930. Umschlagillustration von Olaf Gulbransson. – II. Jugend ohne Gott. Roman. Amsterdam, Allert de Lange 1938. – Ödön von Horváth (1901–1938) war seinen Zeitgenossen in erster Linie als Bühnenautor bekannt. »Der ewige Spießer« ist seine erste längere Erzählung. Mit erstaunlicher Hellsichtigkeit erkennt Horváth, dass das politische Bewusstsein des Kleinbürgers nach rechts tendiert und der »neue Typ des Spießers« der zukünftige Mitläufer oder überzeugte Nationalsozialist ist. – »Jugend ohne Gott« schildert die Tragödie einer Jugend, die in Verachtung all dessen aufwächst, was früheren Generationen heilig war.

I. 19,7 : 14,1 cm. 207, [5] Seiten. – II. 18,8 : 12,3 cm. 219, [1] Seiten. – Schutzumschläge mit Randläsuren und Ausrissen. – Schnitt, erste und letzte Seiten stärker stockfleckig.

893  Peter Huchel. Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 900 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Dieter Haack. Collagen. Staufen/Breisgau 1976. Sechs handgeschriebene Gedichte und drei Originalcollagen. Originalleinenband im -schuber.

Eins von 23 Exemplaren. – Privatdruck mit den sechs in Bleistift geschriebenen Gedichten »Wintersee«, »Abschied von den Hirten«, »Schnee«, »Ophelia«, »Gehölz, habichtgrau …« und »Die Gaukler sind fort …«. – Nachdem bereits in den 1950er Jahren seine Arbeit als Chefredakteur bei der Ostberliner Zeitschrift »Sinn und Form« behindert wurde und er 1962 erzwungener Maßen von diesem Posten zurückgetreten war, folgten Publikations- und Reiseverbot. 1971 durfte Huchel nach Intervention von Heinrich Böll endlich die DDR verlassen. Auf Initiative Erhart Kästners ließ er sich in Staufen nieder, unterstützt von dem Mäzen Franz Armin Morat. – Auf Velin.

43,2 : 30,5 cm. [12] Blätter. – Einband mit wenigen schwachen Stockflecken.

894  [Friedensreich] Hundertwasser. Verschimmelungs-manifest gegen den rationalismus in der architektur.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Herausgegeben von Eberhard Fiebig und Reinhard Kaufman. Wiesbaden 1958. Rosafarbene Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Unnummeriert, aber wie weitere 300 Exemplare vom Autor mit Aquarellfarbe signiert. – Erschienen im Eigenverlag des Mitherausgebers Reinhard Kaufman innerhalb der Schriften der Galerie Renate Boukes, Wiesbaden. – Das Manifest wurde zuerst am 4. Juli 1958 auf einer von Monsignore Otto Mauer (siehe KatNr. LAGER 857) in der Abtei Seckau organisierten Kunst- und Architekturveranstaltung verlesen. Danach folgten Lesungen in den Galerien Van de Loo, München, und Parnass, Wuppertal.

20,6 : 14,7 cm. [2], 19, [3] Seiten. – Umschlag leicht fleckig und mit Besitzvermerk.

Fürst ARCH 6

895  Hundertwasser is painting. Hundertwasser malt. Hundertwasser peint.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

[Ausstellungskatalog]. Glarus, Gruener Janura 1979/80. Mit 35 Farbabbildungen. Originalhalbleinenband mit je einem Metallfolie-Prägedruck auf Vorder- und Hinterdeckel.

Eins von 500 Exemplaren der Vorzugsausgabe, auf dem Innendeckel vom Künstler mit weißer Farbe signiert und nummeriert (Gesamtauflage 5.000). – Der Künstler gestaltete dieses Katalogbuch anlässlich einer Ausstellungstournee seiner neuen Bilder in New York, Tokyo, Hamburg, Oslo, Paris, London und Wien in den Jahren 1979–1981. – Die Abbildungen wurden in neun Farben auf schwarze Kartonblätter gedruckt und die Gemälde dabei im Verhältnis ihrer tatsächlichen Größen reproduziert. »Die Breite der Seiten verjüngt sich fächerartig, so daß sich beim Blättern durch Überschneidungen jeweils unterschiedliche Ansichten der Doppelseiten ergeben« (Werkverzeichnis). – Mit einem Essay des Künstlers und bio-bibliographischen Anmerkungen.

28,0 : 24,0 cm. [22] Seiten. – Minimal berieben.

Werkverzeichnis APA 192 (Œuvre 824E)

896  Horst Hussel. Schmähzeichnungen.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

München, Klaus Renner 1994. Mit 35 blattgroßen Illustrationen. Originalpappband mit Fabrianobüttenbezug.

Eins von zehn römisch nummerierten Künstlerexemplaren. – Wie die 35 Vorzugsexemplare mit einer beigelegten signierten Radierung (»Wasserwerker«). – Mit einem Nachwort von Joachim von Westphalen: »Die Schmähzeichnungen […] Hussels kommen gerade recht, um an die frisch verdrängten Obszönitäten der Wiedervereinigung zu erinnern. […] ist es allerhöchste Zeit sich vor Augen zu führen, daß die Deutschen nach wie vor und mehr denn je ein blödes und häßliches Volk von Rüsselschweinen sind.«.

28,5 : 17,5 cm. [80] Seiten, 1 Radierung.

897  Richard Janthur – Pantschatantra.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Fabeln aus dem indischen Liebesleben. Lithographien von Richard Janthur. Berlin, Fritz Gurlitt 1919. Mit zehn farbigen Lithographien und Buchschmuck. Originalhalbpergamentband mit rosa Seidenbezügen und Pergamentschließen; Rückentitel und Deckelvignette goldgeprägt. In der Originalkassette.

Der Venuswagen. Erste Folge, Band III. – Eins von 700 Exemplaren, Privatdruck der Gurlitt-Presse. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Bütten. – Außer den schönen in Schwarz und je zwei aquarellartigen Farben gedruckten Lithographien zeichnete der Expressionist Richard Janthur zur Einleitung und jedem der zehn Texte eine Kopfvignette und eine Initiale. Auch der Doppeltitel wurde wohl nach seiner Kalligraphie lithographiert. – Die neunbändige von Alfred Richard Meyer herausgegebene Reihe »erotischer Privatdrucke mit Originalgraphik« besprach ein zeitgenössischer Kritiker 1920 so: »Der Venuswagen hat kräftige Gewürze, saftige Kräuter aus Abendland und Morgenland geladen, Künstler mit Namen geben die Zukost, Herr Alfred Richard Meyer führt die Zügel. Erotik zieht – Erotik zieht besser denn je. Heia, – wird das eine Fahrt werden! […] Ein Teil der Bilder ist ›massiv‹, ganz im Sinne des Pornobibliophilen […] gepfefferte Kost […]« (Die Bücherstube, Band I, Heft 2, Seite 71f.).

30,5 : 24,5 cm. [4], 47, [5] Seiten, 10 Lithographien. – Kassette etwas angestaubt und mit Lichtrand. Vordere Ränder etwas berieben, an den Schließen winzige Fehlstellen im Seidenbezug.

Hayn/Gotendorf IX, 600. – Josch C 5. – Lang, Expressionismus 144

898  Richard Janthur – Prosper Mérimée. Tamango.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Illustrationen von R. Janthur. Berlin, Franz Schneider 1922. Mit sieben signierten Lithographien. Originalecrasélederband; Rückentitel und Deckelillustration bzw. -vignette goldgeprägt (H. Sperling, Leipzig).

Luxusgraphik Schneider, Band 1. – Eins von 200 Exemplaren. – Auch im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf handgeschöpftem, unbeschnittenen Zandersbütten. – Auch den Einbandentwurf und die Initiale (und wohl auch den kalligraphischen Titel) zeichnete Richard Janthur. – Die Signaturen teils in Bleistift, teils in blauem Kopierstift. – Schönes Exemplar.

29,2 : 19,8 cm. 27, [1] Seiten. – Rücken etwas verblasst, wie auch die Ecken leicht berieben. Deckel mit schwachen Kratzspuren.

Lang, Expressionismus 153. – Sennewald 22,4

899  G. Jeanniot – [Pierre-Ambroise-François] Choderlos de Laclos. Les liaisons dangereuses.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Eaux-fortes originales de G. Jeanniot. Tome premier [et] second. Paris, L. Carteret 1914. Mit 34 farbig gestochen Radierungen, davon 24 im Text. Originalbroschuren.

Eins von 200 Exemplaren auf Vélin du Marais. – Alle Radierungen in zwei Zuständen, farbig und schwarz-weiß, letztere mit Remarque und ohne Text. – Die Radierungen im Text bilden große Kopfvignetten mit Initiale, Schluss- und Titelvignetten. – Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos (1741–1803), Offizier im königlichen Militärdienst und später auf Seiten der Jakobiner unter anderem als Redenschreiber Robespierres tätig, verdankt seinen Ruhm diesem einzigen Buch. 1780/81 schrieb er den als Attacke gegen den Hoch- und Hofadel gedachten Briefroman, der die Verderbtheit der »besseren« Gesellschaft vor der Französischen Revolution schildert. Choderlos de Laclos’ gesellschaftskritisches Sittengemälde, das meisterhaft die Mechanismen der Verstellung, kühlen Berechnung und wahren Gefühle analysiert, wählten die Académie Goncourt 1999 auf Platz 1 von insgesamt zwölf Büchern, die die wesentlichsten Werke der französischen Literatur repräsentieren.

28,7 : 21,5 cm. [4], 298, [6] Seiten; [6], 293,[1] Seiten; zusammen 34 Radierungen.

Monod 2768. – Carteret IV, 104

900  Franz Kafka – Hyperion.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Eine Zweimonatsschrift. Herausgegeben von Franz Blei und Carl Sternheim. Erstes [bis] Elftes/Zwölftes Heft. München, Hans von Weber 1908–1910. Mit sieben Originalgraphiken und 106, teils farbigen Tafeln. Drei fliederfarbene Originalleinenbände mit Deckel- und Rückenvergoldung (signiert: Wiener Werkstätte), vier Originalbroschuren.

Vollständige Folge der beiden erschienenen Folgen. – Eins von 1000 Exemplaren auf englischem Velin (Gesamtauflage 1050). – »Sie stand in geradliniger Nachfolge der ›Insel‹ nahe […] In der Persönlichkeit des jungen Walter Tiemann und in der frühen Fassung seiner Mediaeval lag die Gewähr für eine heitere Stattlichkeit des Zeitschriftenbildes. Das Material war so kostbar wie bei den frühen Insel-Heften, die Typographie ruhig, elegant und durchdacht. Für die Anbringung von dekorativen Zutaten fehlten Anlaß und Notwendigkeit. Anders als in den Jahren des Jugendstils waren jetzt die Schrift und der Schrifttitel aussagekräftig genug.« (Schauer I, 102). – Die Zeitschrift enthält zahlreiche Erstdrucke, darunter in Heft 1 die erste Veröffentlichung des jungen Franz Kafka (acht Stücke aus »Betrachtung«). Kafka war damals noch so unbekannt, dass man hinter seinem Namen ein Pseudonym vermutete. – Weitere Textbeiträge stammen von Brod, Borchardt, Dauthendey, Dehmel, Carl Einstein, Heinrich Mann, Alfred Richard Meyer, Musil, Rilke, Sternheim, Schickele und vielen anderen. – Für die Auswahl der abgebildeten Kunstwerke, u. a. von Nolde, Heckel, Liebermann, Toulouse-Lautrec, Pascin (kolorierte Strichätzung) und Th. Th. Heine war übrigens Alfred Walter Heymel zuständig; die Originalgraphiken stammen von Laboureur, Vrieslander, Edward Gordon Craig und anderen. – Mit den Inhaltsverzeichnissen der beiden Folgen, Musiknoten und Verlagsanzeigen. Die Originalvorderumschläge der Hefte 1–6 wurden eingebunden, ein Heft mit Besitz- oder Zustellvermerk »Graf Harry Kessler«.

28,5 : 23,0 cm (Jg. II: 27,8 : 21,3 cm). – Rücken der Leinenbände verblasst, Umschläge der Broschuren fleckig (9/10 und 11/12), gebräunt und mit kleinen Randläsuren. – Vorsätze und einige Seiten der ersten Folge etwas stockfleckig.

Diesch 2802. – Söhn HDO 124. – Siehe auch Dietz, Kafka 1

901  Franz Kafka. Die Verwandlung.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 210

[2. Auflage]. Leipzig, Kurt Wolff [1918]. Schwarze Originalbroschur mit blauem Deckelschild.

Der jüngste Tag, Band 22/23. – Mit dem Leipziger Zensurstempel auf dem Titelblatt. – Schönes Exemplar.

21,7 : 13,0 cm. 74, [6] Seiten. – Kapital oben und unten mit winzigem Einriss.

Dietz 47. – Raabe/Hannich-Bode 146.3 Anmerkung. – Smolen/Stammerjohann 22/23.2.A. – Göbel 212 Anmerkung

902  Franz Kafka. Due frammenti.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Tradotti da Lorenzo Montano. Florenz 1938. Originalbroschur.

Erste italienische Übersetzung der beiden Skizzen »Abweisung« und »Die Truppenaushebung«. – Sonderdruck aus der Zeitschrift »Letteratura«, 1938, Heft 1. – »Abweisung« zählt zu den frühesten Arbeiten Kafkas und erschien unter diesem deutschen Titel nur 1908 in der Hyperion-Auswahl »Betrachtung«, »Truppenaushebung« wurde erst 1937 im Band VI »Tagebücher und Briefe« der Werkausgabe abgedruckt. – Sehr selten.

24,0 : 16,8 cm. [12] Seiten, einschließlich Umschlag. – Ränder gebräunt.

903  Axel Kallas. Nervenvibrierungen im Tintengewande.

Schätzpreis/Estimate: € 750 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Futuro-kubistisches. Zeichnungen von Gori. [Pärnu, Graphische Gesellschaft »Kiri« 1920. Mit 30 Illustrationen und farbigen Initialen. Pappband der Zeit mit eingebundenem Originalumschlag mit Deckelbild.

Erste Ausgabe. – »Diese Sammlung trägt einerseits dadaistische Züge, enthält andererseits aber auch Spottgedichte auf die modernen Strömungen […]« (Cornelius Hasselblatt, Geschichte der estnischen Literatur, Berlin 2006). – Axel Kallas (1890-1922) hatte 1911 die erste estnische Gedichtanthologie auf Deutsch herausgegeben. Im Alter von 31 Jahren starb er in Berlin. – Der Hinweis auf den Urheber der Illustrationen wurde auf dem Titel überklebt. Möglicherweise stammten die Zeichnungen gar nicht von dem berühmten estnischen Karikaturisten Gori (1894–1944, bis 1935 Georg Tõnisson). – Ehemals Sammlung Günter Rossipaul.

21,3 : 16,5 cm. 56 Seiten. – Ränder gebräunt.

904  Ernst Ludwig Kirchner – Jakob Boßhart. Neben der Heerstraße.

Schätzpreis/Estimate: € 650

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Mit Holzschnitten von E. L. Kirchner. Zürich und Leipzig, Grethlein & Co. 1923. Mit 23 Holzschnitten im Text. Illustrierter roter Originalhalbleinenband. Originalschutzumschlag mit Holzschnitt.

Erste Ausgabe. – Neben Georg Heyms »Umbra Vitae« und fast gleichzeitig entstanden, sind Boßharts Erzählungen das zweite große illustratorische Werk Kirchners. – Umschlag und Einband in der endgültigen Fassung. – Schönes Exemplar mit dem meist verlorenen Schutzumschlag.

20,0 : 13,5 cm. 434, [6] Seiten. – Umschlag mit winzigen Fehlstellen am oberen Kapital. – Ränder, wie meist, papierbedingt gebräunt.

Dube 808 IV/3, 809–831. – Jentsch 143. – Lang, Expressionismus 174

905  Grafik E L Kirchner.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Ausstellung von graphischen Arbeiten von E. L. Kirchner. Frankfurt am Main 1920. Mit drei Holzschnitten, davon einer auf dem Vorderumschlag, und 30 Abbildungen. Blaue Originalbroschur.

Ausstellungskatalog der Galerie Schames. – Mit dem schönen Titelholzschnitt auf blauem Papier und zwei frühen Abdrucken der Holzschnitte »K. Th. Bluth Hymnus« und »Der Garten der Irren«. Ersterer wurde später ohne das Monogramm und die Schrift in Band II von Schieflers Kirchner-Werkverzeichnis abgedruckt, der zweite findet sich 1924 auf Seite 12 von Kirchner/Heyms »Umbra vitae«. – Der Katalog enthält die Dichtung »Ernst Ludwig Kirchner« von Karl Theodor Bluth und einen Beitrag von Eduard Griesebach über das graphische Werk Kirchners.

28,2 : 22,5 cm. 45, [1] Seiten. – Beide Umschlagdeckel und nahezu alle Seiten lose. Vorderumschlag mit winzigen und 2 längeren hinterlegten Einrissen. – Ränder etwas angestaubt. Es fehlt das letzte, wohl leere Blatt.

Dube 737, 748 I und 768. – Rifkind Collection 1473.1–3

906  Ernst Ludwig Kirchner – Schweizer Arbeit.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 4000

Ausstellung von neuen Gemälden und Grafik von E. L. Kirchner 1916–1921. Frankfurt am Main 1922. Mit vier Holzschnitten, davon einer blattgroß und einer doppelblattgroß auf dem Umschlag, und elf Abbildungen im Text. Originalbroschur.

Ausstellungskatalog der Galerie Schames. – Der ziegelfarbene Umschlag mit dem doppelblattgroßen Titelholzschnitt, im Heft die Holzschnitte »Selbstbildnis mit Blume in der Hand«, »Kopf vor Landschaft mit Figuren« und »Wiese«. – Mit einem Text von L. de Marsalle über die Schweizer Arbeiten Kirchners. Gezeigt wurden 37 Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen, Holzschnitte Lithographien und Radierungen von Ernst Ludwig Kirchner. – Tadellos erhalten und extrem selten.

20,3 : 13,9 cm. [16] Seiten.

Dube 738 II, 428 II, 739 II und 757 B. – Rifkind Collection 1475.1–4

907  Ernst Ludwig Kirchner – W[ill] Grohmann. Kirchner-Zeichnungen.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 4400

100 Tafeln und zahlreiche Holzschnitte im Text. Dresden, Ernst Arnold 1925. Mit einem signierten Holzschnitt, einem zweifarbigen Titelholzschnitt sowie 15 Holzschnitten im Text sowie zwei Abbildungen und 100, teils farbigen Tafeln. Originalhalbpergamentband mit goldgeprägten Titeln, Kopfgoldschnitt und dem Holzschnitt-Rückentitel in Gold.

Arnolds Graphische Bücher. Zweite Folge. Band 6. – Eins von 200 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit dem mit Rotstift signierten Holzschnitt »Weiblicher Akt vor einem Schrank« von 1916 (Gesamtauflage 2225). Diese Vorzugsexemplare wurden in Halbpergament gebunden, die Holzschnitte für Vorder- und Hinterdeckel der Normalausgabe (Dube 832 und 834) fanden deshalb hier keine Verwendung. Der Text und die Auswahl der Abbildungen entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen Grohmann und Kirchner, der großen Wert darauf legte, nicht zusammen mit anderen Künstlern der »Brücke« publiziert zu werden und überhaupt Grohmann eindringlich seine Beratung anbot. – Ehemals Sammlung Robert Johannes Meyer, Hamburg.

27,5 : 21,6 cm. 37, [11] Seiten, 100 Tafeln, 1 Holzschnitt. – Pergament leicht angestaubt und der Rücken leicht nachgedunkelt. Oberkante des Hinterdeckels mit kleinem Fleck. – Oberränder, besonders bei den ersten und letzten Blättern mit leichten Feuchtigkeitsspuren, der Holzschnitt nicht betroffen.

Dube 287 II, 355, 833 und 835–849. – Jentsch 153. – Rifkind Collection 1481. – Schauer II,120

908  Ernst Ludwig Kirchner – Will Grohmann. Das Werk Ernst Ludwig Kirchners.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

München, Kurt Wolff 1926. Mit fünf Holzschnitten von Ernst Ludwig Kirchner, gedruckt in Blau und Schwarz, vier blattgroß im Textband und einer lose als Titel des Tafelteils, 100 Tafeln und zahlreichen Abbildungen im Text. Originalbroschur und Tafeln, davon vier farbig, in rot-blauer Originalleinenkassette.

Eins von 800 Exemplaren (Gesamtauflage 850). – Titelholzschnitt in Blau und Schwarz, die vier Holzschnitt-Zwischentitel nur in Blau gedruckt. – Die buchtechnische Gestaltung und Ausstattung dieses seltenen Künstlerbuchs hatte Kirchner selbst übernommen. – Die zweite Kirchner gewidmete Veröffentlichung von Grohmann, dessen Künstlermonographien und Œuvrekataloge »Meilensteine in der Kunstpublizistik des 20. Jahrhunderts« darstellen (Ralph Jentsch).

28,5 : 27,0 cm (Kassette). 58, [2] Seiten, 1 Holzschnitt, 100 Tafeln. – Kassettenränder ausgeblichen, Rücken verschlissen, Stege restauriert und mit einigen Gebrauchsspuren. – Eine Tafel an der Unterkante geknickt, eine Ecke mit winzigen Einrissen.

Dube 852-53 und 855-57. – Göbel 662. – Jentsch 160. – Schauer II, 120

909  Walter Klemm – Wilhelm Klemm. Gloria!

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 120

Kriegsgedichte aus dem Feld. Holzschnitte von Professor Walther Klemm. München, Albert Langen 1915. Mit 18 blattgroßen Holzschnitten. Originalpappband mit Deckelvignette und Kopfgoldschnitt (E. A. Enders, Leipzig). Mit Originalbuntpapierumschlag und im Schuber mit Titelschildern.

Erstausgabe der ersten selbständigen literarischen Veröffentlichung von Wilhelm Klemm, einige der hier versammelten Antikriegsgedichte waren zuvor in Pfemferts »Aktion« erschienen.

22,4 : 17,0 cm. 84, [4] Seiten. – Vorsätze mit Abklatsch des umschlagpapiers. Erste und letzte Seiten mit wenigen schwachen Stockflecken.

Raabe/Hannich-Bode 159.2. – Sennewald 15,2

910  Oskar Kokoschka – Albert Ehrenstein. Tubutsch.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Mit 12 Zeichnungen von O. Kokoschka. Wien und Leipzig, Jahoda & Siegel [1911]. Mit zwölf blattgroßen Illustrationen. Illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe des literarischen Erstlings von Albert Ehrenstein (1886–1950), der in Wien mit Oskar Kokoschka Freundschaft schloss. – Unaufgeschnittenes, sehr schönes Exemplar.

21 : 15 cm. 64, [4] Seiten. – Kleiner Besitzvermerk auf dem vorderen fliegenden Vorsatz.

Raabe/Hannich-Bode 62.2. – Lang, Expressionismus 188

911  Alois Kolb – Wirtschaft und Idealismus.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Herrn Dr. Alfred Giesecke, dem Mitinhaber der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner zum 60. Geburtstag gewidmet. Leipzig 1928. Mit radierter Titelvignette und einer signierten farbigen Radierung von Alois Kolb. Originalpergamentband mit vergoldetem Titel. In Halbleinenkassette mit vergoldetem Titel.

Wohl nur in kleiner Auflage erschienener Privatdruck. – Mit Beiträgen von damals namhaften Universitätsprofessoren, Theologen und Politikern zu im Verlagsprogramm vertretenen Themen. – Die Radierung von Alois Kolb, dem etablierten Buchillustrator, mit einem Porträt des Geehrten.

23,4 : 17,7 cm. [8], 155, [1] Seiten, 1 Radierung. – Kassette fleckig.

Sennewald 28

912  Käthe Kollwitz – Gerhart Hauptmann. Die Weber.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 900

Schauspiel aus den Vierziger Jahren. Frankfurt am Main, Erich Steinthal 1917. Mit vier Heliogravüren und zwei Kupfertiefdrucken nach Käthe Kollwitz. Brauner Maroquinband mit ornamentaler Blindprägung und Goldschnitt (signiert: A. Fritz).

Eins von 175 Exemplaren auf Bütten (Gesamtauflage 230). – Die Heliogravüren und Vignetten druckte O. Felsing nach den Radierungen und Lithographien des Zyklus »Ein Weberaufstand«, der zwischen 1893 und 1897 entstanden war. Als Schlussvignette wurde das verworfenen Schlussblatt »Aus vielen Wunden blutest du, o Volk« verwendet, für die Titelvignette diente die frühe Radierung »Mann mit niedrigem Hut« als Vorlage. – Innen sehr schön.

31,0 : 23,5 cm. [6], 127, [7] Seiten, 6 Tafeln. – Einband minimal fleckig, Hinterdeckel etwas verfärbt, ein Gelenk angeplatzt.

Vgl. Knesebeck 5 und 32–38

913  Alfred Kubin – Charles de Coster. Smetse, der Schmied.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Eine flämische Legende. Mit Bildern von Alfred Kubin. München, Buchenau & Reichert 1923. Mit Titelvignette, zweifarbiger Initiale und 24 Illustrationen, alles Holzschnitte nach Federzeichnungen. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (E. A. Enders, Leipzig). Mit Schutzpapierumschlag und Schuber.

Zehnter Phantasusdruck. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Zanders Einhornbütten und in Halbpergament (Gesamtauflage 1430). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Federzeichnungen schnitt Albert Fallscheer faksimilegetreu in Holz. – Beilage: Briefkarte des Verlegers Siegfried Buchenau an den damaligen Besitzer, Robert Johannes Meyer (1882–1967), der 1931 Präsident des Landgerichts Hamburg war und bereits 1933 wegen seiner Weigerung, die jüdischen Richter aus dem Dienst zu entlassen, zwangspensioniert wurde. Buchenau übersandte das Buch als Geburtstagsgeschenk und betont: »Es gibt von Kubin nur dieses eine Buch, wo die Federzeichnungen des Künstlers in Holz […] nachgeschnitten wurden.« – Tadellos.

48,5 : 19,5 cm. 102, [2] Seiten.

Raabe 224. – Marks A 71. – Schauer II, 99

914  Markus Lüpertz – Friedrich Hölderlin. Das nächste Beste.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Amsterdam, Picaron 1990. Mit vier signierten Farbholzschnitten von Markus Lüpertz. Lose Doppelblätter in Originalumschlag und -holzschuber.

Eins von zehn Künstlerexemplaren (»artist’s proofs«) (Gesamtauflage 46), hier bezeichnet mit »p.p.« (printer’s proof), aus dem Besitz des Typographen und Druckers Rob Cox, Amsterdam. – Auf starkem Velin. – Die zweifarbigen Holzschnitte illustrieren den Titel und die drei Fassungen von Hölderlins Gedicht. – Tadellos erhalten und sehr selten. Nach Aussage des Vorbesitzers wurden nicht alle Exemplare der Ausgabe durchgehend signiert.

38,5 : 27,0 cm. [20] Seiten.

915  Markus Lüpertz. Ich Orpheus.

Schätzpreis/Estimate: € 600 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 400 ( R7 )

Karlsruhe, in-house music [1995]. Mit 21 farbigen Abbildungen. Farbig illustrierter Originalleinenband mit eingelassener CD. In Originalleinenkassette.

Exemplar einer nicht bezifferten kleinen Vorzugsausgabe mit der beigelegten aquarellierten und monogrammierten Radierung. – Von der allgemeinen Auflage mit der reproduzierten Radierung sollten zunächst 1000 Exemplare erscheinen, dies wurde auf 200 korrigiert. – Die CD enthält die Aufnahmen von 1995. Unter musikalischer Leitung und mit Kompositionen von Freddy Scholl und anderen. Markus Lüpertz und andere Künstler singen, lesen und spielen verschiedene Instrumente. – Selten.

30,0 : 30,0 cm. 89, [1] Seiten, 1 Radierung, 1 CD.

916  Frans Masereel – Carl Sternheim. Fairfax.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

Geschmückt mit 10 Lithographien von Frans Masereel. Berlin, Düsseldorf und Frankfurt am Main, Galerie Flechtheim 1922. Mit zehn signierten Lithographien. Originalhalbpergamentband mit Deckelillustration.

XVII. Druck der Galerie Flechtheim. – Eins von 140 Exemplaren auf rauhem altgetönten Bütten (Gesamtauflage 200 ). Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert. – Carl Sternheims Erzählung »Fairfax« war bereits 1921 in einer unbebilderten Ausgabe bei Ernst Rowohlt in Berlin erschienen […] In der Zeitschrift »Der Querschnitt« äußerte sich Sternheim enthusiastisch über die Illustrationen Masereels: ›Über den Schwarzweißkünstler Masereel steht das europäische Urteil fest: ein Phänomen! … Ich preise mich glücklich, daß Masereel sich entschlossen hat, Fairfax zu illustrieren…Masereels himmlische Bilder zum Fairfax aber haben mir wieder bewiesen: manchmal ist Leben doch feine Sache!« (zitiert Jentsch).

31,3 : 24,6 cm. 35, [5] Seiten. 10 Lithographien. – Einband leicht fleckig, an den Rändern gebräunt.

Ritter C a 24. – Jentsch, Expressionismus 120. – Raabe/Hannich-Bode 291.37

917  Wassili Masjutin – A[lexander] S[ergejewitsch] Puschkin. Ruslan und Ludmilla.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Ein phantastisches Märchen. Aus dem Russischen von Johannes von Guenther. Titelzeichnung und Illustrationen von Wassili Masjutin. München, Orchis 1922. Mit neun pochoirkolorierten Illustrationen und Buchschmuck. Halblederband mit farbigen Oleographiepapierbezügen (signiert: R. Meuter, Ascona).

Erster Band der Reihe »Poesie und Prosa seit Puschkin«. – Eins von 100 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Haderndruck. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Gedruckt und koloriert nach Holzschnitten des Künstlers. – Die Textseiten sind von breiten roten Bordüren umrahmt. – Wassili Nikolajewitsch Masjutin (1884–1955) studierte an der Schule für Malerei, Bildhauerei und Baukunst in Moskau, zeitweise gemeinsam mit Majakowski und Burljuk. Nach der Revolution emigrierte er über Riga 1922 nach Berlin.

34,0 : 24,8 cm. 67, [1] Seiten, 9 Tafeln. – Rücken etwas verblasst. – Ränder schwach gebräunt.

Oestmann 17 a

918  Georg Alexander Mathéy – Klingspor-Karten.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Vaterländische Worte. – Deutsche Sprache. – Hölderlin. Anordnung von Georg Alexander Mathéy. München, J. F. Lehmanns 1916. Drei Folgen von je zehn Briefkarten auf Bütten bzw. Japan, mit Texten und Buchschmuck. Jeweils im illustrierten Originalumschlag.

Von den Klingspor-Karten erschienen in den Kriegsjahren mehr als 70 Serien. – Neben Mathéy übernahmen auch Rudolf Koch, Walter Tiemann und Otto Hupp die Gestaltung.– Dazu: Klingspor-Kalender für 1925, 1926, 1927, 1930, 1932 und 1939. Mit zahlreichen Illustrationen. Illustrierte Originalpappbände. Drei Dubletten. Sowohl in der Vielfalt der verwendeten Schriften von W. Tiemann und R. Koch als auch durch die verschiedenartigen Illustrationen und graphischen Gestaltungen reizvoll. – Neun Drucke für die im Feld stehenden Betriebsangehörigen: Originalbroschuren. Gedichte von Hölderlin, Mörike, Schiller, Morgenstern u. a. – Drei Übungsarbeiten im Hause Klingspor. Handgebundene Halblederbände. – Sieben Beigaben. – Die von den Brüdern Karl und Wilhelm Klingspor geleitete Firma in Offenbach zählte zu den bedeutendsten deutschen Schriftgießereien des 20. Jahrhunderts. Das Unternehmen gehörte 1907 zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Werkbundes.

919  Thomas Mann. Gesammelte Werke

Schätzpreis/Estimate: € 7500

Ausrufpreis/Starting bid: € 7200

[in Einzelausgaben]. Elf Bände. Berlin, S. Fischer 1922–1930. Blaue Originalkalblederbände mit rotem Rückenschild, Rücken-, Deckel und Kopfschnittvergoldung.

Erste Werkausgabe, die noch bis 1936 fortgesetzt wurde, allerdings erschienen nur elf Bände in der hier vollständig vorliegenden Luxusvariante. – Je eins von 150 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Ganzleder. – Alle vom Verfasser im Druckvermerk signiert. – Gedruckt auf Hadern-Velin-Papier. – Die Bände wurden nur in Subskription auf das Gesamtwerk abgegeben. – I/II. Buddenbrooks. Verfall einer Familie. 1922. – III. Königliche Hoheit. Roman. 1922. – IV. Betrachtungen eines Unpolitischen. 1922. – V. Rede und Antwort. Gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze. 1922. VI/VII. Novellen. 1922. – VIII/IX. Der Zauberberg. Roman. 1924. – X. Bemühungen. Neue Folge der Gesammelten Abhandlungen und kleinen Aufsätze. 1925. – XI. Die Forderung des Tages. Reden und Aufsätze aus den Jahren 1925–1929. 1930. – Die sehr empfindlichen dunkelblauen Kalblederbände der Vorzugsausgabe, die vollständig nur selten angeboten wird, hier farbfrisch und von nachstehend detailliert beschriebenen Mängeln gut erhalten.

19,0 : 12,5 cm. – Rücken teils minimal verfärbt, einige Ränder und Ecken minimal berieben. Einige Gelenke minimal brüchig und unauffällig nachgefärbt, bei einem berieben, bei einem angeplatzt und mit leicht fleckigem Deckel. – Einige mit Exlibris. Unterschiedliche Exemplarnummern.

Potempa A 1 IV

920  Thomas Mann. Buddenbrooks.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

Verfall einer Familie. 100. Auflage. Berlin, S. Fischer [1919]. Zwei Originalhalblederbände mit Rückenvergoldung, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Eins von 200 zum Verkauf bestimmten Exemplaren der Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Zanders-Bütten (Gesamtauflage 210). – Vom Verfasser im Druckvermerk signiert. – Die Einbände und die schönen Doppeltitel der Jubiläumsausgabe entwarf Emil Preetorius.

20,2 : 13,5 cm. 499, [1]; 477, [3] Seiten. – Rücken stärker berieben. Deckel leicht fleckig.

Potempa D 1.5

921  Thomas Mann. Buddenbrooks.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Berlin, S. Fischer 1951. Hellbraune Originalkalblederbände mit schwarz-rotem Rückenschild und vergoldeten Titeln, teils Kopfschnittvergoldung.

Das 1171. – 1180. Tausend erschien als Jubiläumsausgabe zum 50. Jahr des Erscheinens. – Aus der Stockholmer Gesamtausgabe in einer bibliographisch nicht nachweisbaren Einbandvariante, identisch gestaltet erschien 1955 eine Vorzugsausgabe von »Felix Krull«. Das Vorhaben einer vollständigen Vorzugsedition der Werkausgabe wurde offenbar nie realisiert, eine zwölfbändige Auswahl in identischen Ledereinbänden stiftete der S. Fischer Verlag dem Thomas-Mann-Archiv, eine zehnbändige Zusammenstellung versteigerten wir in unserer Herbstauktion 2018 (Auktion 18, Lot 762).

18,4 : 12,2 cm. 787, [1] Seiten. – Rücken schwach aufgehellt.

Vgl. Potempa A 4

922  Thomas Mann. Tristan.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Sechs Novellen. Berlin, S. Fischer 1903. Hellbrauner Originalkalikoband mit schwarz geprägten Jugendstilornamenten, goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel und Kopfgoldschnitt. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vortitelblatt: »seinem lieben Carl Ehrenberg. Siehe auch Seite 19«. – Enthält neben dem Erstdruck der Titelnovelle die Novellen »Der Weg zum Friedhof«, »Der Kleiderschrank«, »Luischen«, »Gladius Dei« und »Tonio Kröger«. Jeder der sechs Novellen stellte Thomas Mann eine gedruckte Widmung voran, u. a. für Arthur Holitscher, Richard Schaukal, Carl Ehrenberg, Kurt Martens und seine Schwester Carla. – Über die Idee zum hier erstmals abgedruckten »Tristan« berichtet Thomas seinem Bruder Heinrich schon 1901. – Einbandentwurf von A. Schäffer. – Die Brüder Paul (Maler, 1876-1949) und Carl Ehrenberg (Komponist und Dirgent, 1878-1962) zählten zu den engsten Freunde des Junggesellen Thomas Manns. In der Figur des Geigers Rudi Schwerdtfeger, der in »Doktor Faustus« (1947) eine entscheidende Rolle spielt, setzte Thomas Mann den beiden und ihrer Freundschaft ein literarisches Denkmal. Mit Carl wurde im Haus der Senatorswitwe Julia Mann gelegentlich musiziert: »…der Abend begann meist mit Musik, dann lasen wir, das heißt, Tommy las aus Tolstoi, Knut Hamsun oder aus eigenen Werken vor.« (Dagmar von Gersdorff, Julia Mann: Eine Biographie). – Carl Ehrenberg selbst erinnert sich:, »So wurde oft bis tief in die Nacht hinein musiziert, dazwischen las uns wohl ›Thomy‹ aus einem neuen im Entstehen begriffenen Werke und meist mußte ich zum Abschluß auf seinen Wunsch noch irgend etwas von R. Wagner spielen, für dessen Musik er besonders empfänglich war. (Zur Erinnerung hieran widmete er mir später seine Novelle ›Tristan‹)«.

18,8 : 13,0 cm. [8], 264, [8] Seiten. – Einband fleckig, Kanten etwas berieben. – Äußerer Rand im hinteren Drittel mit Feuchtigkeitsfleck.

Potempa B 2. – Zum Einbandkünstler vgl. Roland Stark in »Einbandforschung« (Berlin Heft 42/2018)

923  Thomas Mann – Königliche Hoheit.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Verlagsprospekt. Berlin, S. Fischer Herbst 1909. Zwei klammergeheftete Doppelblätter.

Der erste Gesamtprospekt für alle vier bis dahin erschienenen Werke Thomas Manns, gestaltet von ihm selbst und mit der vereinfachten Umschlaggraphik von Karl Walser. – »Auf den nächsten Roman nach den ›Buddenbrooks‹ durfte man gewiß sehr gespannt sein. […] So wie wir das Patrizierhaus der Buddenbrooks kennen lernten, so lernen wir auch das Schloß der Königlichen Hoheit kennen, bis in die letzten dunklen und unheimlichen Gänge hin, bis in die Heimlichkeiten der Diener und die Resignation der Herren. Wir haben in unserer Literatur nichts Ähnliches von Exaktheit in der Schilderung solcher Verhältnisse, und nicht oft wird es Kunst geben, die ebendiese Exaktheit zum Instrument der Ironie zu machen weiß« (Anzeigentext).

17,2 : 11,7 cm. [8] Seiten. – Vorder- und Rückseite mit Buchhandlungsstempel.

Marbach Katalog S. Fischer. Von der Gründung bis zur Rückkehr aus dem Exil, S. 137f

924  Thomas Mann. Zwei Novellen.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Nicht im Buchhandel. Liebesgabe für deutsche Kriegsgefangene. Bern, Verlag der Bücherzentrale für deutsche Kriegsgefangene [1918]. Klammergehefteter Originalhalbleinenband.

Bücherei für deutsche Kriegsgefangene Band 20. – Herausgegeben von Hermann Hesse und Richard Woltereck. – Eins von 2500 Exemplaren. – Enthält die beiden Novellen »Das Eisenbahnunglück« und »Tonio Kröger«. – Gedruckt in der Deutschen Internierten-Druckerei Bern. – 1912 ging Hermann Hesse nach Bern, bei Kriegsausbruch wurde er bei für kriegsuntauglich befunden und der Deutschen Gesandtschaft zugeteilt, wo er im Dienst der Deutschen Kriegsgefangenen-Fürsorge Kriegsgefangene in Frankreich, England, Russland und Italien mit Lektüre versorgte, Gefangenenzeitschriften herausgab und redigierte sowie einen eigenen Verlag für Kriegsgefangene aufbaute. – Sehr selten.

17,8 : 12,2 cm. 88 Seiten. – Äußere und innere Ränder etwas gebräunt. Vorderes Innengelenk brüchig.

Potempa B 15

925  Thomas Mann. Herr und Hund. Gesang vom Kindchen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Zwei Idyllen. Berlin, S. Fischer 1919. Originalpappband mit Einbandillustration von Emil Preetorius.

Erste Buchausgabe von »Gesang vom Kindchen«, »Herr und Hund« war kurz zuvor als Einzelausgabe erschienen. – Mit eigenhändiger Widmung von Katia Mann »Für Reinhold Wimmers nach einer gemütlichen Teestunde. Mit allen guten Wünschen, Kilchberg, Oktober 1970«. – Nach dem Tod Thomas Manns lebte Katia noch bis 1980 im Kilchberger Haus.

18,0 : 12,0 cm. 190, [2] Seiten. – Einband gebräunt.

Potempa B 5 (und E 28.2)

926  Thomas Mann. Tristan.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Radierungen von Edwin Scharff. München, Drei Masken 1922. Mit zwölf Radierungen im Text. Originalpergamentband mit Deckelillustration, Rückenschild und Kopfschnittvergoldung.

Fünfter Obelisk-Druck. – Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Römisch nummeriertes Exemplar, wie die Vorzugsausgabe in Halbpergament, hier jedoch die Radierungen nicht monogrammiert (Gesamtauflage 340). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Zanders-Bütten. – Die Novelle zählt zu den Frühwerken Thomas Manns und erschien erstmals 1903. – Die Radierungen entstanden in der wohl produktivsten Schaffensphase Scharffs, kurz vor seinem Weggang aus München an die Berliner Hochschule für Bildende Künste. – Sehr schönes Exemplar.

26,0 : 17,5 cm. 69, [3] Seiten.

Potempa E 13.3. – Rodenberg 448, 5. – Sennewald 22,3. – Lang, Expressionismus 298

927  Thomas Mann. Okkulte Erlebnisse.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Ausrufpreis/Starting bid: € 2200

Berlin, Alf Häger [1924]. Mit einer signierten Radierung von Karl Dannemann. Blauer Originalecrasélederband mit vergoldeten Fileten, Rücken- und Schnittvergoldung und grün-goldenen Vorsatzpapieren (Holzhey & Sohn, Leipzig).

Erste Ausgabe. – Eins von 75 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit der Porträt-Radierung Thomas Manns und in Ganzleder (Gesamtauflage 300). – Thomas Mann signierte wie üblich den Druckvermerk, ließ es sich aber auch nicht nehmen, seinen Namenszug auch noch auf die Radierung Dannemanns zu setzen. – Titel in Blau und Schwarz. – Breitrandiger Pressendruck von Poeschel & Trepte in Leipzig auf Zanders-Hadernpapier. – Der Einbandentwurf stammt von Hermann Holzhey. – Karl Dannemann (1896–1945), Schauspieler und Maler, war als Student Meisterschüler von Max Slevogt.

24,4 : 16,0 cm. 64, [4] Seiten, 1 Radierung. – Rücken und Ränder etwas verfärbt. Vorderes Gelenk am Oberrand fachmännisch restauriert. – Vorderer Vorsatz mit Verfärbung an einer Ecke.

Potempa G 186

928  Thomas Mann. Der Zauberberg.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 440

Roman. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1924. Originalhalblederbände mit Rückenvergoldung und goldgeprägter Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der »Gesammelten Werke in Einzelausgaben«, hier in der seltenen Halbledervariante. – 1912 verbrachte Katja Mann mehrere Monate in einem Davoser Lungensanatorium. Die dortigen Eindrücke bewogen den Autor mit »Der Tod in Venedig« (1912) zunächst zu einer »Art humoristischem Gegenstück«. »Der Zauberberg«, der dritte große Roman Thomas Manns entstand dann in den Jahren von 1913 bis 1924. Der Erste Weltkrieg zwang Thomas Mann zur Schreibpause, erst 1919 setzte er seine Arbeit fort. Der Roman weitete sich zum Zeitroman aus, zur Kritik an spätbürgerlichen Lebens- und Denkformen der Vorkriegszeit, deren Repräsentanten auf dem »Zauberberg« versammelt sind.

18,8 : 12,8 cm. 578, [2]; 629, [3] Seiten. – Gelenke minimal berieben.

Potempa D 3.1

929  Thomas Mann. Der Zauberberg.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 2000

100. Auflage. Berlin, S. Fischer 1928. Mit einem Thomas Mann-Porträt nach einer Zeichnung von Olaf Gulbransson. Originalmaroquinbände mit vergoldetem Deckelsignet, goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Eins von 100 Vorzugsexemplaren innerhalb der Jubiläumsausgabe (Gesamtauflage 1000). – Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Mit einem Geleitwort von Hans Reisiger. – Einbandentwurf von E. R. Weiß.

18,7 : 12,4 cm. 578 Seiten, 1 Tafel; 629, [3] Seiten. – Rücken minimal verfärbt.

Potempa D 3.3

930  Thomas Mann. Der Zauberberg.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 800

100. Auflage. Berlin, S. Fischer 1928. Mit einem Thomas Mann-Porträt nach einer Zeichnung von Olaf Gulbransson. Originalhalbpergamentbände mit vergoldetem Deckelsignet, Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 900 nummerierten Exemplaren der im Druckvermerk von Thomas Mann signierten Jubiläumsausgabe. – Mit einem Geleitwort von Hans Reisiger. – Einbandentwurf von E. R. Weiß.

18,7 : 12,4 cm. XXXVII, [1], 578, [2] Seiten, 1 Tafel; 629, [3] Seiten. – Rücken von Band I am Unterrand mit Braunfleck.

Potempa D 3.3

931  Thomas Mann. Der Zauberberg.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

100. Auflage. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, S. Fischer 1928. Originalleinenbände mit vergoldetem Deckelsignet, goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

In Leinen gebunden wie die »Gesammelten Werke in Einzelausgaben«, Potempa ist diese Variante nicht bekannt. Vermutlich wurden aber nicht 900 Exemplare der Jubiläumsausgabe in Halbpergament gebunden und signiert, sondern nur ein kleinerer Teil und die restlichen wie vorliegend.

18,7 : 12,4 cm. XXXVII, [1], 578, [2]; 629, [3] Seiten. – Rücken und Ränder etwas gebräunt.

Vgl. Potempa D 3.1

932  Thomas Mann. Der Zauberberg.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Roman. I [und] II. Verbilligter Sonderdruck für deutsche Kriegsgefangene. Stockholm, Bermann-Fischer 1945. Gelbe Originalbroschuren.

Erschienen in der Bücherreihe »Neue Welt« als Bände 14 und 15. – Mit dem Zensur-Stempel des Kriegsgefangenenlagers Fort Jackson (South Carolina) auf dem Titel des ersten und Camp Blanding (Florida) des zweiten Bands. – Das Vorwort »Einführung in den Zauberberg für Studenten der Universität Princeton« stammt von Thomas Mann selbst. – Nun wurden auch Thomas Manns Romane wieder für Leser aus Deutschland gedruckt, auch wenn es für die hier gemeinte Zielgruppe meist noch dauern sollte, bis der heimische Lesesessel wieder verfügbar war. – Die gelben Umschläge gestaltete Brigitte Bermann-Fischer, Ehefrau des damaligen und Tochter des ersten Thomas Mann-Verlegers. – Trotz sicher hoher Auflage durch Art der Verwendung und Zeitläufe selten geworden.

16,3 : 10,8 cm. Seiten [V]–XXVI, 521, [1]; [4], 572 Seiten. – Buchblöcke verzogen, ein Vorderumschlag geknittert. – Teils gebräunt.

Potempa D 3.12

933  Thomas Mann. Unordnung und frühes Leid.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 850

Novelle. Berlin, S. Fischer 1926. Mit Titelradierung von Karl Walser. Flexibler Originalkalblederband mit Deckelvignette, farbig illustrierten Vorsätzen und Originalschuber.

Erste Buchausgabe. – Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe, vom Verfasser signiert, mit der radierten Titelvignette, auf getöntem Bütten und in Kalbleder gebunden. Der im Druckvermerk angekündigte Pergamentband ließ sich aus technischen Gründen nicht ausführen, worüber ein beigelegter Anmerkungszettel informiert. – Außer der hübschen Titelvignette schuf Walser auch die Illustrationen auf Vorderdeckel, Vorsätzen und Schuber. – »Bezaubernd ausgestattet […] wohl das graziöseste Büchlein, das Fischer je herausgebracht hat« (Peter de Mendelssohn, zitiert nach Badorrek-Hoguth).

16,5 : 12,5 cm. 126, [6] Seiten. – Bezugspapier an einem Gelenk etwas angeplatzt.

Potempa E 29.2. – Badorrek-Hoguth B 60.1. – Pfäfflin 140

934  Thomas Mann. Joseph in Ägypten.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

Der dritte Roman. Wien, Bermann-Fischer 1936. Originalleinenband mit vergoldeter Deckelvignette und vergoldetem Rückentitel. – Widmungsexemplar.

Erste Auflage. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vorsatzblatt, »Lavinia Mazzucchetti freundschaftlich zugeeignet Küsnacht – Zürich 27. XII. 36. ›Versinke denn! Ich könnt’ auch sagen: steige! ’s ist einerlei.‹ (Faust)«. – Mit der italienischen Germanistin Lavinia Mazzucchetti (1889–1965) verband Thomas Mann eine konstante geistige Freundschaft, Bindeglied war ihrer beider Verehrung für Goethe. Mazzucchettis Goethe-Biographie diente auch als Vorlage für »Lotte in Weimar«. »Mit Mazzucchetti bahnt sich der Leitfaden an, der die Verbindung zu gleichgesinnten italienischen Intellektuellen gekennzeichnet hat, und zwar als eine Achse der Kultur, die sich dem sogenannten Kulturabkommen entgegengestellt hat, das im November 1938 von Hitler und Mussolini abgeschlossen wurde und im ›Doktor Faustus‹ als ›Herrschaft des Abschaums‹ definiert wird. […] Nachdem sie [Mazzucchetti] erfahren hatte, Thomas Mann sei nach seiner Ausbürgerung im Dezember 1936 ›kein Deutscher nach den Papieren mehr‹, drückte sie ihm seine Bedeutung für die italienischen Intellektuellen mit folgenden Worten aus: ›Haben Sie Dank auch dafür, dass wir an Ihnen weiter ›unser Deutschland‹ lieben dürfen.« (Düsseldorfer Beiträge zur Thomas Mann-Forschung: Bd. 2, S 110). – Tagebuchnotiz vom 27.12.1936: »J. i. Ä. an die Mazzucchetti und an Dr. Osborne.«.

19,0 : 12,0 cm. 752, [4] Seiten. – Einband leicht fleckig und an den Rändern etwas gebräunt.

Potempa D 6.1

935  Thomas Mann. Achtung, Europa!

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

Aufsätze zur Zeit. New York und Toronto, Longmans, Green & Co. 1938. Originalleinenband mit goldgeprägten Titeln und Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe, nach Potempa ist die häufig als solche angebotene Stockholmer Ausgabe der zweite Druck. – »Dieser Band enthält die wichtigen Aufsätze und Vorträge Thomas Manns seit dem Jahre 1930. Sie sind ein Bekenntnis zur Humanität, ein Protest gegen die Verfolgung und Entrechtung der Menschen und ein Ausblick auf den Sieg der Gerechtigkeit.« – Sehr selten, mit dem Schutzumschlag kaum auffindbar.

18,9 : 12,4 cm. 191, [1] Seiten. – Schutzumschlag am Oberrand mit kleinem Einriss und leicht geknickt, Rückseite mit Lichtrand. – Vorsatzblätter gebräunt.

Potempa B 69.1

936  Thomas Mann – Read at a luncheon.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 100

Given by Fannie Hurst, Anne O’Hare McCormack and H. L. Mencken to Blanche W. Knopf on December 8, 1940. [New York], Knopf 1941. Originalbroschur.

Eins von 500 Exemplaren. – Die kleine Festschrift zum Verlagsjubiläum und zu Ehren von Blanche Knopf, die 1915 zusammen mit ihrem Mann Alfred einen der erfolgreichsten US-amerikanischen Verlage gegründet hatte, enthält den Erstdruck des Beitrags von Thomas Mann und ein Gedicht von Robert Nathan. – Gedruckt auf Worthy-Bütten bei der Plimpton Press, die Buchgestaltung übernahm W. A. Dwiggins. – Beilage: Brief eines Knopf-Mitarbeiters auf dem Briefpapier des Verlages (» maybe you’d like this new Dwiggins thing?«). – Tadellos und selten.

20,3 : 13,8 cm. [20] Seiten.

Potempa 754.1

937  Thomas Mann. Joseph, der Ernährer.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

Roman. Stockholm, Bermann-Fischer 1943. Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe des vierten Joseph-Romans, eins von nur wenigen Exemplaren mit dem amerikanischen Druckvermerk. – Mit eigenhändiger Widmung von Thomas Mann auf dem Vorsatzblatt: »Alfred Neumann und seiner Kitty von ihrem Freunde | Pacif. Palisades 26. Aug. 44«. Drei Seiten mit kleinen Korrekturen von Thomans Mann, wie die Widmung in blauer Tinte, eine Seite mit Bleistift Anmerkung (von Neumann?). – Der Schriftsteller und Übersetzer Alfred Neumann (1895–1952) erhielt 1926 für seinen Roman »Der Teufel« den renommierten Kleist-Preis. 1933 weigerte er sich, die Formulare der Reichsschrifttumskammer auszufüllen, und verließ Deutschland in Richtung Italien, sein Besitz wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Der Schriftsteller jüdische Herkunft konnte, anders als etliche andere Emigranten, auf seinen internationalen Reputationen und verlegerischen Kontakten aufbauen. 1938 musste er Italien verlassen, in Frankreich wurde er als »unerwünschte Person« im berüchtigten Lager »Le Vernet« interniert. Durch Vermittlung amerikanischer Hilfsorganisationen erhielt er ein Visum für die USA, 1941 erreichte er New York und arbeitete in den Folgejahren als Drehbuchautor in Hollywood. Thomas Mann kannte er noch aus Münchner Zeiten, im Exil pflegten sie engen Kontakt. »Wie anormal die Situation für die aus dem deutschen Bildungsbürgertum stammenden und äußerlich gutgestellten Emigranten dennoch war, verrät ein Brief Thomas Manns aus Pacific Palisades: ›Wir leben zwischen unseren Palmen und lemon trees so den längst gewohnten Wartesaal-Tag, in geselligem Reihum mit Franks, Werfels, Dieterle, Neumanns, immer dieselben Gesichter‹.« (kulturportal-west-ost.eu). – Schönes Exemplar.

20,2 : 13,5 cm. 642 Seiten. – Korrekturen auf S. 509, 565 und 639.

Potempa D 8.2

938  Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Der Memoiren erster Teil. Berlin und Frankfurt a. M., S. Fischer 1954. Originalkalblederband mit goldgeprägter Signatur auf dem Vorderdeckel, Rückenvergoldung und zwei Rückenschildern. In gefüttertem Schuber mit Lederkanten.

Erste Ausgabe der endgültigen Fassung, erschienen innerhalb der Stockholmer Gesamtausgabe. – Eins von 500 signierten Exemplaren der Vorzugsausgabe, die anlässlich des 80. Geburtstages Thomas Manns erschien. Dieser notierte am 21.II.1955 in sein Tagebuch: »Ruhigeres Wetter. 1/2 8 auf. Viel Post. Ganzleder-Ausgabe des Krull in 450 Exemplaren zu signieren!«. – Die erste Anregung zu seinem Buch erhielt er bereits 1905 durch die Erinnerungen des rumänischen Hochstaplers und Betrügers Manolescu.

19,0 : 11,5 cm. 441, [3] Seiten.

Potempa D 12.3.2

939  Konrad Balder Schäuffelen. Thomas Mann. Gladius dei.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausrufpreis/Starting bid: € 1200

Novelle. 1975. Ca. 250 gerollte Blätter (»Textlose«) in bedruckter Originalholzbox.

Erste und einzige Einzelausgabe. – Schäuffelens Lotterie Romane 2. – Eins von 50 Exemplaren. – Auf dem Titelschild im Kassettendeckel vom Künstler Konrad Balder Schäuffelen monogrammiert. – Die Erzählung war 1902 in der Wiener Wochenschrift »Die Zeit« erschienen, ein Jahr später dann in »Tristan«. Das originelle Buchobjekt erschien anlässlich des 100. Geburtstags von Thomas Mann. – Sehr selten.

15,0 : 11,0 : 5,5 cm.

Nicht bei Potempa, vgl. E 14 1–7

940  Thomas Mann. Beim Propheten.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Mit Zeichnungen von Gunter Böhmer und einem Nachwort von Klaus Gerth. Hannover, Erich W. Hartmann 1982. Mit Abbildungen nach Zeichnungen. Originalbroschur mit illustriertem Umschlag.

Erste Einzelausgabe. – Eins von 50 Exemplaren der vom Künstler signierten Vorzugsausgabe. – Erschienen anlässlich des 25jährigen Bestehens der Buchhandlung Erich W. Hartmann, Hannover. – Die Novelle, 1904 geschrieben, wurde erstmals in »Neue Freie Presse« vom 22. Mai 1904 abgedruckt, 1914 erschien sie dann in »Das Wunderkind«. – In der Vorzugsausgabe sehr selten.

21,2 : 18,3 cm. 41, [3] Seiten.

Potempa E 19.2. – Rysavy 156

941  Thomas Mann – Christian Mischke. Unordnung und frühes Leid.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 500

13 Radierungen zur Erzählung von Thomas Mann. 2007/2008. 26 : 23 cm. Signiert, datiert und betitelt.

Schöne Folge des Münchner Graphikers, der die Erzählung von Thomas Mann in traumartige Bildsequenzen umsetzte. Die Platten wurden von Bild zu Bild erweitert oder reduziert. – Die Originalradierungen zur Buchausgabe, die 2008 als zehnter Leipziger Liebhaberdruck erschien. Der 300er Auflage des Buches lag eine Originalradierung bei (hier als 18. Probedruck), die übrigen wurden im Buch nur reproduziert. – Vorhanden hier laut rückseitiger Bezeichnung die Blätter 1–5 und 8–12 sowie »Epilog« und ein »Extradruck für den Verleger«, nach Vergleich mit der Buchausgabe fehlt das Doppelblatt 6/7. – Nach der Nummerierung war eine kleine Suitenauflage geplant, drei Blätter noch als Probedruck bezeichnet. – Dazu: 12 Dubletten (ohne Einleitungsblatt und Blatt 1, dafür drei Abzüge von »Epilog«. – In betiteltem und dem Verleger gewidmetem Umschlagblatt.

942  Thomas Mann – Laudationes et salutationes Klaus W. Jonas’.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

München 2000. Mit 13 montierten Abbildungen und einigen Faksimiles. Roter Originalkalikoeinband mit goldgeprägtem Deckeltitel.

Originalexemplar der Festschrift, die Joachim Waterstradt zum 80. Geburtstag des Thomas Mann-Forschers, -Sammlers und -Bibliographen Klaus W. Jonas angefertigt hatte. Sie vereint Widmungen und Briefe Thomas Manns an Jonas. – Auf Büttenpapier. – Nach einer Anmerkung im Innendeckel handelt es sich hier um eins von zwei Exemplaren der originalen Festschrift. – Mit Widmung des Jubilars für den Herausgeber, der offensichtlich ein Exemplar zurückgeschenkt bekam. Klaus W. Jonas ließ im Jahre 2000 einige wenige Faksimiles anfertigen, die er an Bibliotheken und Sammlerfreunde verschenkte. – Dazu: Klaus W. Jonas. Der Kronprinz Wilhelm. Frankfurt 1962. Privates Faksimile der Originalausgabe, mit Widmung des Verfassers: »So viel Ehre hat noch niemand diesem Buch und seinem Verfasser angetan: Ich bin sehr gerührt und dankbar.« – 30 Briefe von Klaus W. Jonas, seiner Ehefrau Ilsedore B. Jonas und der Familie seines Bruders an den Herausgeber der Festschrift.

30,5 : 21,5 cm.

943  Die Rappen.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausrufpreis/Starting bid: € 1400

Jahrbuch 1937. Wien, Bermann-Fischer 1937. Illustrierter Originalpergamentband.

Erster und einziger Almanach des Verlags. – Eins von 30 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten und im Ganzpergamenteinband (Gesamtauflage 3000). – Buchschmuck von Fritz Neugebauer. – Enthalten sind Beiträge, Vorabdrucke und Nachdrucke von Thomas Mann, Alfred Döblin, Hugo von Hofmannsthal, Harry Graf Kessler, Robert Musil, Arthur Schnitzler, Jakob Wassermann, Carl Zuckmayer, Paul Valery, Bernhard Shaw, Annette Kolb u.v.a. – »Ein Jahr nach seiner Gründung legt der Bermann-Fischer Verlag seinen ersten Almanach vor, mit dem er durch Mannigfaltigkeit und Eigenart des Gebotenen dem Leser Freude zu bereiten hofft, darüber hinaus aber die Absicht verfolgt, ein Gesamtbild der dichterischen Kräfte zu geben, die er vertritt und die Gesamtheit des Publikums, an das er sich wendet, fester um das Wirken dieser Kräfte zusammenzuschließen. Jedermann weiß von den außerordentlichen Schwierigkeiten, die in der heutigen hochpolitisierten Welt der Führung eines Verlagsunternehmens entgegenstehen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Sache der Kunst, der Sache des Geistes zu dienen« (Vorwort).

19,5 : 13,0 cm. 133, [3] Seiten. – Deckel leicht aufgebogen. Deckel und Ränder schwach angestaubt.

Katalog Marbach S. Fischer S. 484f

944  Christoph Meckel – Christa Reinig. Die Ballade vom blutigen Bomme.

Schätzpreis/Estimate: € 180 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 120 ( R7 )

Original-Linol- und Holzschnitte von Christoph Meckel. Düsseldorf 1972. Mit acht doppelblattgroßen signierten Originalgraphiken. Illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Eins von 180 Exemplaren. – Das originell gestaltete Künstlerbuch ist sicher eines der schönsten der Düsseldorfer Jahre der Eremiten-Presse. Die großen Linol- und Holzschnitte, jeder von Meckel signiert, wurden auf starkes Velin von Fabriano gedruckt, asymmetrisch gefalzt und auf der Außenseite mit den Textpassagen bedruckt. – Beilage: Zwei Briefe des Verlages, einer eigenhändig von Friedolin Reske.

33,5 : 24,5 cm. [8] Seiten, 8 gefaltete Graphiken.

Spindler 90.19. – Reske 299

945  Robert Motherwell. L’humanisme de l’abstraction.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Traduction de Joël Dupont. Caen, Le Échoppe 1991. Originalbroschur.

Erste französische Ausgabe. – Eins von 50 von Motherwell signierten Vorzugsexemplaren auf Velin (Gesamtauflage 1000). – Der von Motherwell selbst sehr hoch geschätzte Essay »On the Humanism of Abstraction« gilt als eine der verständlichsten und überzeugendsten Aussagen über die Abstraktion in der Malerei. Diese offenbar einzige Übersetzung des Textes erschien kurz vor Motherwells Tod (1915–1991). – Tadellos erhalten.

15,2 : 11,2 cm. [32] Seiten. – Unaufgeschnitten.

946  Hans Alexander Müller – Johann Hermann Detmold. Die schwierige Aufgabe.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Radierungen von Hans Alexander Müller. Leipzig 1919. Mit radierter Titelvignette und fünf Radierungen. Blauer Originalpappband mit Vergoldung (signiert: E. A. Enders, Leipzig).

Eins von 99 Exemplaren für die Mitglieder des Leipziger Bibliophilen-Abends, hier Nr. 56 für M. Plaut. – Zentrales Motiv der Müllerschen Radierungen ist eine Venusstatue, die von drei Herren »begutachtet« wird. – Im Originalschutzumschlag und -schuber, tadellos schön.

17,4 : 10,7 cm. [10], 77, [5] Seiten, 5 Radierungen.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930, S. 66. – Eichhorn/Salter 1.10

947  Max Linde. Edvard Munch.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 350

Neue Ausgabe. Berlin, Friedrich Gottheiner 1905. Mit einem dreifarbigen Klischeedruck sowie zwölf Abbildungen, teils auf Tafeln. Originalbroschur mit montiertem Deckelbild.

Frühe Ausgabe einer der ersten Monographien über Edvard Munch (1863–1944). – Das Heft enthält u. a. einen dreifarbigen Klischeedruck auf Bütten nach dem Farbholzschnitt »Begegnung im Weltall«, der zeitgleich entstandene Farbholzschnitt »Das Herz« ist auf der ersten Tafel reprouziert. – Der Lübecker Kunstsammler und Mäzen Max Linde hatte engen Kontakt zu dem norwegischen Künstler, der ab 1902 oft Gast in der »Lindeschen Villa« war und dort für längere Zeit lebte und arbeitete. Eines der Hauptwerke Munchs ist das Gemälde »Die Söhne des Dr. Linde«.

27,5 : 22,0 cm. 14, [2] Seiten, 6 Tafeln. – Umschlagränder gebräunt.

Vgl. Schiefler 134/135

948  Robert Musil. Vereinigungen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Zwei Erzählungen. München und Leipzig, Georg Müller 1911. Originalkleisterpapierpappband mit Titelschildern.

Erste Ausgabe. – Die beiden Erzählungen können als »Vorstufe« zum Roman »Der Mann ohne Eigenschaften« betrachtet werden. »Rückblickend sah der Autor selbst in ihnen das ›Glied einer Entwicklung‹ […] Seinem Vorsatz zum Trotz, diese Geschichte in acht bis zehn Tagen zu schreiben, investiert er in dieses Vorhaben ›ein 2 1/2jähriges verzweifeltes Arbeiten, während dessen ich mir zu nichts anderem Zeit gönnte.‹« (KNLL XII, 116.) – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung des Publizisten Willy Haas für seiner Ehefrau Jarmila, datiert 1921. – Tadellos schönes Exemplar.

17,8 : 11,8 cm. [4], 174, [2] Seiten.

949  Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Roman. Band I und II (von drei). Berlin, Ernst Rowohlt 1930 und 1932. Originalleinenbände mit -schutzumschlägen.

Erste Ausgaben. – Die Entstehungsgeschichte dieses Haupt- und Lebenswerkes reicht bis in die Zeit um die Jahrhundertwende zurück. – Einer der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts. Der zweite Band wurde sofort nach Erscheinen verboten, den dritten – hier fehlenden – gab die Witwe Musils aus dem Nachlass heraus. – Einbandentwürfe von E. R. Weiß. – Die Leinenbände ungewöhnlich frisch, die Schutzumschläge ohne Randeinrisse.

19,5 : 12,5 cm. 1074, [2]; 605, [3] Seiten. – Rücken des Umschlags gebräunt (I) und mit größerem Feuchtigkeitsfleck (II).

Roth 257. – Deutsches Exilarchiv 4218. – Sternfeld/Tiedemann 362

950  Wladimir Nabokoff Sirin. Sie kommt – kommt sie?

Schätzpreis/Estimate: € 800

Ausrufpreis/Starting bid: € 540

Roman. Übersetzt von J[akob] M[argot] Schubert und G[regor] Jarcho. Berlin, Ullstein 1928. Gelbe, illustrierte Originalbroschur.

Erste deutsche Ausgabe des ersten Romans von Vladimir Nabokov. – Die gelben Ullstein Bücher, Band 46. – Sein frühes Meisterwerk »Maschenka« (Originaltitel), das bereits viele Motive des Spätwerks enthält, spielt wie die meisten Romane der frühen Schaffensperiode in der russischen Emigrantenszene im Berlin der 1920er Jahre. – Am 21. III. 1928 unterzeichnete Nabokov den Vertrag mit dem Ullstein Verlag, Berlin, der diesem die Rechte für eine Buchpublikation und für eine Serie in der »Vossischen Zeitung« sicherte. Gerade die zugleich populäre wie banale und preiswerte Erscheinungsweise innerhalb der »Gelben Ullstein Bücher« und der damit einhergehende Verschleiß vieler Exemplare macht diese deutsche Erstausgabe heute fast unauffindbar. Wir konnten kein Exemplar in der Berg Collection, New York, der vollständigsten Sammlung in den USA, keines auf den beiden maßgeblichen Ausstellungen in der New York Public Library und bei Glenn Horowitz, New York, von 1999 und keines in der British Library nachweisen. – Die russischsprachige Erstausgabe erschien 1926 beim Verlag Sovo, Berlin.

253 Seiten, 1 Blatt (Anzeigen). – Band etwas fleckig und berieben, Ecken geknickt, untere vorn mit winzigem Ausriss. – Ränder der ersten und letzten Blätter teils etwas fleckig, die Heftung wurde möglicherweise später erneuert.

Friesel, V. Nabokov. Verzeichnis der ins Deutsche übertragenen Werke, 74. – Zimmer 11

951  Pablo Neruda. Las piedras de Chile.

Schätzpreis/Estimate: € 750 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Poesias. Antonio Quintana. Fotografias. Buenos Aires, Losada 1960. Mit zahlreichen, teils blattgroßen und zweifarbig getönten Abbildungen nach Fotografien. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Vortitelblatt mit eigenhändiger Widmung des chilenischen Dichters und kommunistischen Politikers. – Mit eingeklebter eigenhändiger Notiz.

24,5 : 19,8 cm. 132, [2] Seiten. – Deckelränder angestaubt, der Schutzumschlag mit winzigen Einrissen.

952  Olaf Nicolai. Zeichenbuch.

Schätzpreis/Estimate: € 700

Ausrufpreis/Starting bid: € 470

[Leipzig] 1989. Mit zwölf Farbserigraphien, davon drei doppelblattbreit und eingefaltet, und drei Transparentblätter mit serigraphiertem Titel und Text. Originalhalbleinenband mit Deckelvignette. – Mit beigelegter Zeichnung.

Eins von 50 Exemplaren (Gesamtauflage 65). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Beigelegt eine Originalarbeit des Künstlers: Flucht und Vorhang. Tempera und schwarze Fettkreide. 1990. 18,8 : 20,5 cm. Rückseitig signiert, datiert und betitelt. – Die in dem Begleitbuch zur Ausstellung der Galerie »Eigen + Art Leipzig« »enthaltenen Blätter beruhen auf den drei 1987 entstandenen Zeichenbüchern. Ich habe darin versucht, die Zeichnung wie eine Sprache zu behandeln […] Man kann die Elemente auf dem beigehefteten Blatt selbst – also nach einer eigenen Syntax – anordnen; somit selbst neue Zeichen kombinieren.« (aus dem Vorwort).

20,3 : 36,7 cm. 15 Blätter. – 3 Serigraphien aus der Durchstichheftung gelöst.

Henkel/Russ B 109

953  Emil Nolde – Gustav Schiefler. Das graphische Werk Emil Noldes bis 1910.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 820

Berlin, Julius Bard 1911. Mit einem Titel- und 25 Textholzschnitten sowie einer Lithographie. Originalpappband mit Holzschnitt-Deckelvignette.

Erste Ausgabe des bereits im sechsten Jahr des künstlerischen Schaffens erschienenen Verzeichnisses. – Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 435). – Mit dem Holzschnitt »Ägypterin I« und der Lithographie »Der Pflüger«, 25 (Druckvermerk irrig: 26) Textholzschnitten und einer Holzschnittvignette auf dem Vorderdeckel. – Druck der Holzschnitte von den Originalstöcken, die Lithographie wurde bei W. Genthe, Hamburg, gedruckt. – Der Hamburger Richter Gustav Schiefler (1857–1935) war ausgewiesener und engagierter Kunstsammler und Mäzen. Sein Kunstverständnis wurde vor allem von dem damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, geprägt. Besonders engen Kontakt pflegte er zu den Brücke-Künstlern. 1906 lernte er Nolde kennen. Mit dem frühen Verzeichnis der Graphik Emil Noldes wollte er »Zeugnis ablegen, wie ich seine Kunst schätze, und gleichzeitig versuchen, den Kreis derjenigen zu erweitern, welche an seinen Werken Anteil nehmen und sie sammeln.« (Vorwort). Es erschienen von ihm akribisch ediert (Jentsch: »von den Bearbeitern der Ergänzungsbände auch nicht annähernd erreicht«) auch Verzeichnisse der Graphik von Liebermann, Munch, Laage, Kirchner und Illies.

25,0 : 19,7 cm. [2], 139, [1] Seiten, 1 Holzschnitt, 1 Lithographie. – Einband gebräunt und fleckig. Ecken und Kapitale leicht bestoßen.

Schiefler/Mosel H 41–48, 50, 53–58, 60–62, 66–70, 72, 76, 86 III und 96 sowie L 35. – Jentsch, Expressionismus 3

954  Alfons Paquet. Der Rhein, eine Reise.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Frankfurt, Verlag der Societäts Druckerei 1923. Roter Originalmaroquinband mit grün-goldenem Rückenschild und reicher Vergoldung.

Erste Ausgabe. – Unnummeriertes Exemplar in der Ausstattung der 30 Vorzugsexemplare, auf breitrandigem Velin und in prächtigem Ledereinband. – Auf einem Widmungsblatt »Sonderdruck für einen Kreis Hamburger Freunde« vom Verfasser signiert. – Alfons Paquet erläuterte in zwei »Rhein-Büchern« (1920 und 1923) seine Auffassungen von der vermittelnden Rolle Deutschlands in einem »rheinländischen Europa«. – Mit Besitzvermerk des Schriftstellers und Journalisten Hans Bütow (1900–1991), der 1954 unter Kurt Sieveking Regierungssprecher der Hansestadt Hamburg wurde.

22,2 : 14,5 cm. 193, [3] Seiten. – Bünde mit winzigen Schabstellen.

955  August Ohm – Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (Novalis). Die Lehrlinge zu Sais.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Mit Bildern von August Ohm. Oberwiederstedt, Novalis-Museum 1998. Mit 22 Abbildungen nach Gemälden. Originalpappband mit -schutzumschlag.

Mit formatfüllender Farbstiftzeichnung von August Ohm, signiert und datiert (15.11.98) auf dem Vortitelblatt. – August Ohm (geboren 1943) studierte an der Werkkunstschule Hamburg. Er lebt und arbeitet in Hamburg, Berlin und Florenz. In seinen Arbeiten setzt er sich immer wieder mit den historischen Vorbildern der abendländischen Malerei auseinander, 1998 zeigte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe seine »Bilder zur Antike« in einer umfangreichen Einzelausstellung. »In einer Balance von Einfühlung und Verwandlung gelingen ihm ganz neue Interpretationen von anscheinend Bekanntem« (stiftung-ohm.de).

30,5 : 23,5 cm. 71, [1] Seiten.

956  Jürgen Partenheimer – Cees Nooteboom. De slapende goden. Les dieux dormants. Jürgen Partenheimer. Sueños y otras mentiras.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 670

Gent, Ergo Press 2005. Mit zwei farbigen blattgroßen Lithographien und Illustrationen von Jürgen Partenheimer. Farbig illustrierte Originalbroschur im Acrylglasschuber.

Eins von 24 Exemplaren der niederländisch-französischen Ausgabe, weitere 24 erschienen mit deutschem Paralleltext. – Mit einer signierten Suite der beiden Lithographien. – Im Druckvermerk von Künstler und Dichter signiert. – Gedruckt auf Velin »Saunders Waterford«. – Ein Künstlerbuch, »in which the minimalism of Partenheimer is juxtaposed to Nooteboom’s ›poetry of place‹« (Webseite der Ergo Press). – Tadellos erhalten.

28,5 : 38,7 cm. [52] Seiten.

957  Julius Pascin – Heinrich Heine. Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopsky.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 4800

Mit lithographischen Zeichnungen von Julius Pascin. Berlin, Paul Cassirer 1910. Mit 35 Lithographien, davon acht blatt- und eine doppelblattgroß, sechs koloriert und neun signiert, eine als Titel. Originalpergamentband mit kolorierter Deckellithographie und Kopfgoldschnitt.

Vierter Druck der Pan-Presse. – Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Alt Kaiserlich Japan (Gesamtauflage 310). – Der Druckvermerk von Pascin signiert und nummeriert. – »Es war, wenn ich mich recht erinnere, das erste kostbare Buch der ›Pan-Presse‹, die wir gegründet hatten. Seine Bilder illustrierten Heine nicht nur, sondern schufen auch eine ganz neue Welt voll von übermütigem Witz, Grazie, Kühnheit und zartesten Linien« (Wilhelm Herzog, zitiert nach Feilchenfeldt/Brandis). – »Hier passen einmal Bild und Textsatz harmonisch zusammen, auch trifft die Illustration restlos den Heineschen Stil« (Hans Loubier, Buchkunst, S. 107). – Julius Pascin, geboren 1885 in Bulgarien als Julius Pincas, studierte in Wien und München, wo er bald Illustrator beim »Simplicissimus« wurde. Heines »Schnabelewopsky«, Pascins erstem und einzigem illustrierten Buch, bescheinigt Eleanor M. Garvey: »The deceptive simplicity of his drawing, recalling German illustration of a hundred years earlier, gives the plates a mock innocence.« – Der Künstler lebte einige Jahre in den USA, ging 1920 nach Paris und beging dort 1930 Selbstmord. Die Teilnahme am Trauerzug soll überwältigend gewesen sein: »Am Tag der Beerdigung des ›Prinzen von Montparnasse‹ blieben alle Pariser Galerien geschlossen […]« (Ann-Katrin Hahn, in: Slg. Classen). – Makellos, mit Schutzpapierumschlag in Holzfurnierschuber mit Pergamentkanten.

31,5 : 24,0 cm. [2], 83, [7] Seiten.

Garvey 219. – Slg. Classen 60. – Feilchenfeldt/Brandis 96.0.A. – Rodenberg 452, 4

958  Emil Pirchan. Weinwunder.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Ein Spiel in Sinntänzen. Berlin, Die Wende 1918. Mit sieben blattgroßen kolorierten Lithographien des Verfassers. Originalbroschur mit farbig lithographiertem Umschlag, in ebensolchem Originalschuber, beide mit montierter Deckelvignette und Rückenschild.

Erster EOS-Druck. – Eins von 215 Exemplaren, laut Druckvermerk wurden nur die ersten 40 Exemplare von Pirchan koloriert. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Druck in Silber und Schwarz in der Mandruck GmbH in der Kronen-Mediaeval. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Mit der beiliegenden signierten Farblithographie »Die Geburt des Weines« sowie einem nummerierten Deckelschild. – Die gesamte Buchausstattung, stark an den Stil der Wiener Werkstätte angelehnt, stammt von Emil Pirchan (Architekt und Bühnenbildner, 1884–1957), der 1918 zusammen mit Paul Baumann die bibliophile Dreimonatsschrift »EOS« gründete.

17,3 : 14,4 cm. 44 Seiten. – Schuber Umschlagpapier am Rücken mit kleinem Einriss. Ränder schwach berieben.

Rodenberg 384, 1

959  Sylvia Plath. Lyonnesse.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Poems. London, Rainbow Press 1971. Originalkalblederband mit goldgeprägten Titeln und Fileten sowie Kopfgoldschnitt (Zaehnsdorf). Im Schuber.

Eins von 90 Exemplaren der Vorzugsausgabe im Ganzledereinband (Gesamtauflage 400). – Gedruckt auf Hodgkinson hand-made paper von der Rampant Lions Pree, Cambridge. – Vorsatzpapier mit Faksimiles von zwei Plath-Gedichten. – Das dritte von Rainbow Press herausgegebene Buch ist eine Sammlung bis dahin unveröffentlichter Gedichte von Sylvia Plath (1932–1963). Die Dichterin beging 1963 Selbstmord, ihr Ehemann Ted Hughes veröffentlichte viele ihrer Werke erst posthum aus dem Nachlass.

29,5 : 19,5 cm. 31, [7] Seiten.

960  Hanns Wolfgang Rath. Pierrots sonderbare Ehe und Absterben.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Ein tragigrotesk pikanter Roman. Frankfurt a. M., Carl Fr. Schulz 1912. Mit einer signierten Farbradierung von Willi Geiger. Flexibler Originalseideneinband.

Erste Ausgabe, im Eigenverlag erschienen. – Eins von 40 Exemplaren der Luxusausgabe auf Handjapan (Gesamtauflage 240). – Impressum vom Autor signiert und mit eigenhändigem Gedicht und Zueignung: »Hütet, Männer, euch vor Frauen. Unersättlich sind sie alle; wenn es gilt Flacons zu haschen | äugt man auch nach – Puderquasten. | 11.1. 16. H.W.R. für Herrn M. Liebhold als Gruß aus der pierrotischen Perspektive«. – Hinter dem Pseudonym Wolfgang Rath verbarg sich der Frankfurter Schriftsteller Carl-Friedrich Schulz-Euler (1880–1934). Weit mehr als durch eigene Dichtungen wurde er durch seine Publikationen zu Hölderlin, den schwäbischen Dichterkreis und besonders zu Eduard Mörike bekannt.

24,5 : 15,0 cm. 57 Blätter, 1 Radierung. – Rücken und hintere Ränder etwas verblasst.

Hayn/Gotendorf VI, 364

961  Hans Reimann. Die sächsische Volksseele in ihren Wallungen.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

10 Originalradierungen mit Begleittext. München, Ottmar Kern [1922]. Lose in Originalhalbleinenmappe mit zwei Deckelschildern.

Eins von 200 Exemplaren. – Alle Radierungen signiert, jede mit vorgelegtem Textblatt. Dort findet sich neben dem jeweiligen Titel der Radierung ein kurzer Text in der Reimann eigenen sächsischen Lautschrift (Anmerkung: »j« sprich »sch«), z. Bsp. Blatt 1 »Die Bestie in Sachsen | ›Das saachj dr, mei Guhdsdr, biss Du bloß no ä eenzjes mal widdr so gemeene zu mir, da sorgj drfier, daßde de Radiesjn von unden wachsen siehsd!‹« oder das hier abgebildete Blatt 4: »Zwischen Quatsch und Philosophie | ›Wemmr ä Bahr Laadschn hadd, unn dähr eene is wek, da nudzn een alle beede nischd«. – Mit eigenhändiger Widmung des Verlegerehepaars »Zur Erinnerung an die schönen Tage in Dresden im August 1930 | ›Auf, daß die sächsische Volksseele walle!‹« – Mit dem Titelblatt.

31,5 : 27,0 cm. 10 Radierungen, 11 Blätter. – Mappendeckel (fast) lose, ein Umschlagflügel beschädigt, einer fehlt.

Raabe/Hannich-Bode 242.21

962  Christa Reinig. Skorpion.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 130 ( R7 )

Einblattdruck mit vier Holzschnitten von Cäcilia von Schoultz. 28 : 38 cm.

Exemplar 5/36. – Auf »Vélin d’Arches 88«. – Bibliographisch nicht nachweisbarer Privatdruck der Parabel vom Bücher-Skorpion, die erstmals 1968 in Christa Reinigs »Orion trat aus dem Haus. Neue Sternbilder.« in der Stierstädter Eremiten-Presse erschien. – Die Künstlerin Cäcilia von Schoultz (1931–2015) hat das gefaltete Blatt signiert und nummeriert. – Die kurze Schilderung eines Bücherkaufs endet für den Buchhändler tödlich: Der Skorpion »preßte das Buch mit beiden Händen fest an sein Herz, und, da er nichts mehr frei hatte, reichte er dem Buchhändler zum Abschied seinen Stachel. Der Buchhändler drückte den Stachel und fiel tot um.«.

963  Rainer Maria Rilke. Die Sonette an Orpheus.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Geschrieben als ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop. Leipzig, Insel 1923. Dunkelgrüner Originalkalblederband. Deckelvignette, Fileten und Kopfschnitt vergoldet, schwarz-goldenes Rückenschild (signiert: H. Sperling, Leipzig).

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten. – Druck bei Offizin W. Drugulin, Leipzig. – Ebenfalls 1923 erschienen die »Duineser Elegien« von denen auch eine Vorzugs- und eine öffentliche Ausgabe gedruckt wurde. – Hier in der grünen Einbandvariante, die die Nähe zu den »Duineser Elegien« noch mehr verdeutlicht. – Exlibris Wilhelm Kesten (1875–1958), Bergwersdirektor und Vorstand der Zeche Dahlbusch. – Sehr selten und gesucht, zumal so tadellos erhalten.

21,8 : 14,2 cm. [2], 63, [7] Seiten. – Rücken kaum merklich verblasst.

Sarkowski 1357 VA. – Mises 99

964  Dieter Roth. Poeterei.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Doppelnummer 3/4 der Halbjahresschrift für Poesie und Poetrie. Herausgegeben von Dieter Roth und Rudolf Rieser. Stuttgart, Hansjörg Mayer 1968[–72]. Mit einer Collage, einer Zeichnung, beide signiert, und einem beigelegten »Original-Hammel«. Originallederbroschur.

Eins von 230 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Dieter Roth signiert und datiert »68«. – Nummer 3 mit einem »Originalrhein« (Collage aus einer Bildpostkarte, die durch Ausschnitte auf den Rheinwasserspiegel reduziert wurde, monogrammiert und datiert »D. R. 68«). – Nummer 4 mit einer blattgroßen Originalzeichnung, betitelt »Hammel« und signiert »Dieter Roth 72« sowie einem eingelegten Käsestück. – Mit dieser Doppelnummer wurde die Zeitschrift abgeschlossen, die 1969 erschienene Nummer 5 enthielt nur Auszüge aus 1 und 2 und erschien als Band 15 der »Gesammelten Werke«. – Nummer 3 auf starkem Karton, Nummer 4 als Blockbuch gedruckt. – Der Hinweis im Druckvermerk auf den Einband aus »Zickel-Embryohaut« vom Künstler gestrichen. – Sehr schönes Exemplar.

24,8 : 14,2 cm. [24], [44] Seiten. – Das Leder minimal abgegriffen.

Dobke, Bücher F 5. – Spindler 28.53

965  Antoine de Saint-Exupéry. Le Petite Prince.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2000

Avec dessins par l’auteur. New York, Reynal & Hitchcock 1943. Mit zahlreichen, meist farbigen Illustrationen, davon zwölf ganzseitig. Hellroter Originalleinenband, Rückentitel und Vorderdeckelillustration in Rotdruck. Mit farbig illustriertem Originalschutzumschlag. In Holzfurnierschuber mit Lederkanten.

Erster Druck der ersten Ausgabe. – Eins der bekanntsten, meistübersetzten und nachgedruckten Bücher des 20. Jahrhunderts. – »Die gedankentiefe und zartempfundene Geschichte vom kleinen Prinzen, die Saint-Exupéry selbst illustriert hat, ist die von unmittelbarer Lebenserfahrung geprägte, dichterische Darstellung einer moralischen Erkenntnis. Die einfache Diktion dient der Absicht des Autors, die Sprache und Sichtweise des Kindes wiederzugeben, das mit dem Herzen das Innere der Dinge ergreift, ohne sich von der äußeren Erscheinung beirren zu lassen, und ist nicht zuletzt aus Saint-Exupérys Achtung vor der Wahrheit und dem Ernst des Wortes zu verstehen.« (KLL). – Die Erstausgabe erschien in den USA zeitgleich im französischen Original und in englischer Übersetzung. Der Autor hielt sich damals in den USA auf, kehrte aber noch im gleichen Jahr nach Algerien zurück und wurde nochmals als Luftwaffenpilot eingesetzt. Von seinem letzten Aufklärungsflug, am 31. Juli 1944 von Korsika aus Richtung Grenoble, kehrte er nicht mehr zurück. In Frankreich erschien das Buch erst nach seinem Tod, bald erfuhren Text und Illustrationen leichte Veränderungen, die in alle späteren Ausgaben übernommen wurden.

23,0 : 18,3 cm. 91, [3] Seiten. – Schutzumschlag mit Preisangabe »$2.00« und der Verlegeranschrift »386 Fourth Avenue«. – Schutzumschlag am Rücken leicht gebräunt und mit winzigem Einriss, Oberrand des vorderen Umschlags berieben. – Das Buch tadellos. – Kleines Monogrammexlibris auf Vorsatzblatt.

KLL 7414

966  Paul Scheerbart. Jenseits-Galerie.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Berlin, Oesterheld 1907. Zehn Strichätzungen nach Zeichnungen. Mit einem Doppelblatt lose in roter Originalleinenmappe mit grüngeprägtem Titel.

Erste Ausgabe. – Auf dem Titelblatt von Scheerbart in roter Tinte nummeriert »No. 113« und signiert. – Aus Scheerbarts »wissenschaftlicher« Einleitung: »Die zehn vorliegenden Zeichnungen sind Nachbildungen von dem, was wir jenseits der Neptunsbahn entdeckt haben.« Scheerbart bezeichnete diese Zeichnungen von »Asteroïdenbewohnern mit vielen neuen Organen und bisher noch nie gezeigten Gliedmaßen« 1904 als seine bis dato gelungenste Produktion. In der »Jenseits-Galerie« »gibt er seinen Wortträumen in seltsamen surrealen Phantasiewesen, die an Redon erinnern, optischen Ausdruck« (Hans Bolliger). – Die Lithographien nach Zeichnungen von Paul Scheerbart auf Japan, der Vorderdeckel der Mappe wurde nach seinem Entwurf gedruckt. – Sehr schönes Exemplar.

29,3 : 19,5 cm. [4] Seiten, 10 Tafeln. – Mappe minimal lichtrandig. – Titelblatt unten mit kleinem Eckknick. Titelblatt und Innendeckel mit rot kalligraphiertem Vorbesitzer-Monogramm.

Kohnle S. 37. – Raabe/Hannich-Bode 260.19. – Dokumentations-Bibliothek II, 363

967  Lothar Romain und Rolf Wedewer. Bernard Schultze.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

München, Hirmer 1991. Mit mehr als 300 meist blattgroßen Farbabbildungen. Originalleinenband mit Schutzumschlag. – Widmungsexemplar der Vorzugsausgabe mit Zeichnung und Originalradierungen.

Die erste umfangreiche Monographie zu Leben und Werk Bernard Schultzes (1915–2005). – Exemplar einer im Buch nicht ausgewiesenen Vorzugsausgabe mit drei beigelegten Farbradierungen (Labyrinth-Figur 1-3, jede signiert, datiert und nummeriert). Die Radierungen in grünem Kartonumschlag und zusammen mit dem Buch in lilafarbener Originalleinenkassette. – Vortitel mit formatfüllender Bleistiftzeichnung, gewidmet »für Horst und Vivien von Bernard Dez. 91«. – Tadellos erhalten.

32,5 : 27,5 cm. 128 Seiten, zahlreiche Tafeln.

969  Renée Sintenis – Sappho. Carmina

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1900

(griechisch). München, Piper 1921. Mit zwölf Radierungen von Renée Sintenis sowie radiertem Titel und 24 radierten Textseiten. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (signiert: Frieda Thiersch). Im Originalhalbpergamentschuber.

31. Druck der Marées-Gesellschaft. – Unnummeriertes Verlegerexemplar, gedruckt für den Verleger Reinhard Piper, dies im Impressum handschriftlich vermerkt. Wie die 65 römisch nummerierten Exemplare der Vorzugsausgabe auf englischem Velin und in Ganzpergament (Gesamtauflage 250). – Im Druckvermerk von beiden Künstlern signiert. – Renée Sintenis (1888–1965) und Emil Rudolf Weiß (1875–1942) schufen mit diesem Druck der Marées-Gesellschaft eines der elegantesten Bücher des 20. Jahrhunderts: Weiß radierte die griechischen Texte nach Vorbild einer alten Minuskelhandschrift, seine Ehefrau steuerte zwölf blattgroße Radierungen bei, anmutige, »hauchzarte Umrisse ihrer Figurinen, die in ihrer zerbrechlichen Schönheit den Text mit graziöser Anmut begleiten.« (Jürgen Eyssen).

26,5 : 20,5 cm. [44] Seiten.

Rodenberg 371, 31. – Schauer I, 218. – Eyssen S. 58

970  Max Slevogt – Klabund. Mohammed.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Der Roman eines Propheten. Berlin, Erich Reiß 1917. Mit lithographiertem Titel von Max Slevogt und einer Radierung von Hans Meid, beide signiert. Originalbrokateinband mit Rückenschild und versilbertem Rückentitel (Fikentscher, Leipzig). Im Schuber.

Zweiter Prospero-Druck. – Eins von 70 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Bütten, im Seideneinband und mit den signierten Graphiken (Gesamtauflage 600). – Unbeschnitten.

25,7 : 19,7 cm. 115, [5] Seiten, 1 Lithographie, 1 Radierung. – Brokatbezug an Rücken und Rändern verschlissen. – Vorsatz minimal fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 158, 11. – Slevogt: Söhn 36 und Rümann 53. – Meid: Badorrek-Hoguth 3.12 und Jentsch 261

971  Max Slevogt. Aquarelle zu Mozarts Zauberflöte.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Einführung von Fritz Wichert. Herausgegeben von J. Meier-Graefe. München, R. Piper 1920. 14 farbige Reproduktionen nach Aquarellen, alle unter Passepartout. Zusammen mit Titelblatt und kordelgeheftetem Textheft lose in Originalhalbleinenmappe mit Deckelschild.

25. Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 265 Exemplaren auf Hadern-Papier (Gesamtauflage 300). – Die Faksimiles wurden nach den Originalen von der Anstalt Ganymed in Berlin als ihr erster Druck hergestellt. – Dazu: Lorenzo da Ponte. Don Juan. Mit zwanzig Zeichnungen von Max Slevogt in Holz geschnitten von Reinhold Hoberg. Berlin, Fritz Gurlitt 1921. Roter Originalhalblederband. Neue Bilderbücher, Reihe IV. Eins von 250 Exemplaren mit einem von Slevogt signierten Holzstich (Gesamtauflage 320). Auf Bütten. – »Don Juan und Zauberflöte werden Lieblingsopern des Künstlers. Da ihre Stoffe ihm im Innersten entsprechen, erscheint es ihm ganz natürlich, daß er seine Liebe zu Mozart gerade an ihnen Ausdruck geben konnte. […] Es ist das Wesen des wahren Graphikers, hinter einem Nichts die Weltfülle spürbar zu machen. Slevogt löst die Aufgabe, und was wir finden, ist Kindhaftigkeit, Lebensreichtum, Güte« (Einführung zur Zauberflöten-Mappe).

37,8 : 28,7 cm (Mappenformat). – Mappe mit Gebrauchsspuren, Gelenke der Beigabe etwas berieben.

Söhn 381–400 (Beigabe). – Rümann 66 b und 71 d. – Rodenberg 369, 25 und 394, 4.2. – Lang, Impressionismus 206 und 211

972  Max Slevogt. Die goldene Kugel.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

17 Lithographien. 1920. 28 : 20 cm. Signiert und nummeriert.

Eins von 35 römisch nummerierten Exemplaren der Suitenausgabe ohne Text. – Das Buch »Die goldene Kugel« mit Fritz Wicherts »märchenhafter Geschichte« erschien 1920 im Münchner Bruckmann Verlag und enthielt neben dem gezeichneten Titelblatt die 16 entzückenden Lithographien Slevogts als Textvignetten. – Auf Japanpapier, jeweils in Passepartout eingelegt und diese lose in Originalhalbpergamentmappe.

40 : 31 cm (Mappe). – Mappe etwas fleckig und berieben. – Das Passepartout gebräunt, sonst tadellos.

Söhn 277–293, alle c. – Rümann 108 a. – Lang, Impressionismus 204

973  Max Slevogt. Alte Märchen

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

mit der Feder erzählt, in Worte gefasst von Joachim Zimmermann. Berlin, Propyläen 1920. Mit einer signierten Lithographie und 20 Tafeln nach Federzeichnungen. Mit 23 Textblättern lose in Originalpergamentmappe mit der goldgeprägten Künstlersignatur als Deckelvignette.

Eins von 200 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit der Lithographie »Schneewittchen bei der Morgentoilette«. – Neben der Titelzeichnung enthält die Folge 19 detaillreiche Zeichnungen von Slevogt zu Märchen der Brüder Grimm, Perrault u. a. Sammlungen. Jede Tafel in Passepartout eingelegt, dazu jeweils ein Blatt mit der Kurzfassung des Märchens. – In Slevogts buchkünstlerischem Œuvre spielen die Märchenillustrationen eine zentrale Rolle, Rümann nennt allein zwölf illustrierte Grimm-Ausgaben. Viele Zeichnungen zu »Alte Märchen« gewinnen besonderen Reiz durch die comicartigen, auf einer Zeichnung vereinigten Bildsequenzen.

31 : 38 cm (Mappe). – Pergament etwas stockfleckig, Deckel leicht verzogen. – Passepartout der Litho mit Abklatsch der Mappenflügel, die Litho nicht betroffen.

Rümann 63 a. – Söhn 329 b

974  Max Slevogt – Lorenzo da Ponte. Don Juan.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Heiteres Drama in zwei Akten. Mit zwanzig Zeichnungen von Max Slevogt in Holz geschnitten von Reinhold Hoberg. Berlin, Fritz Gurlitt 1921. Mit 16 blattgroßen, davon einer signiert, und vier Vignetten-Holzschnitten. Roter Halblederband mit rot-goldenem Rückenschild und marmorierten Deckelbezügen.

Neue Bilderbücher, Reihe IV. – Eins von 250 Exemplaren der Ausgabe B (Gesamtauflage 300 und 20 Mappenausgaben). – Auf getöntem deutschen Bütten. – »Zu den ohne Zweifel wichtigsten Arbeiten Slevogts sind die Illustrationen für ›Don Juan‹ zu zählen. Slevogt war natürlich von der Musik Mozarts enthusiasmiert. In den Illustrationen […] folgt er dem Text des heiteren Dramas von Lorenzo da Ponte mit rasanten Bewegungen, zumal in dem Getümmel der Kampfszenen. […] Hoberg erreichte mit ihnen den Gipfel seiner Faksimile-Holzschnittkunst.« (Lothar Lang, Seite 100). – Tadellos.

33,3 : 25,5 cm. [10], 130, [12] Seiten.

Söhn 381–400. – Rümann 71 d. – Rodenberg 394, 4.2. – Lang, Impressionismus 211

975  Max Slevogt – [Johann Wolfgang von] Goethe. Das Maerchen.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Wien und Hellerau, Avalun 1922. Mit einer signierten Lithographie von Max Slevogt. Roter Originalmaroquinband mit Vergoldung (P. A. Demeter).

18. Avalun-Druck. – Eins von 135 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Ganzleder (Gesamtauflage 260). – Auf Bütten. – Den Text druckte Jakob Hegner, Hellerau, Slevogts Lithographie M. W. Lassally, Berlin.

22,7 : 17,7 cm. 105, [7] Seiten. – Ränder minimal fleckig, Kanten minimal berieben, eine Ecke stärker. – Filetenvergoldung an einigen Stellen gelöst.

Söhn 548. – Rümann 26 a

976  Max Slevogt. Das singende, springende Löweneckerchen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Zwölf Zeichnungen zu dem Märchen der Brüder Grimm, in Holz geschnitten von Oskar Bangemann. 1923. Signiert.

Eins von 50 Exemplaren der Suitenausgabe ohne den Text – In der Reichsdruckerei mit der Handpresse auf China gedruckt und in Passepartouts. – Die Mappenausgabe erschien wie die Buchausgabe 1923 bei Bruno Cassirer, Berlin. – Mit Doppelblatt (Titel und Auflagenvermerk) lose in der Originalhalbpergamentkassette.

39,5 : 29,5 cm (Kassette). 12 Holzschnitte. – Kassettendeckel fleckig und berieben. – Textblatt stockfleckig.

Söhn 622–633. – Rümann 38 b

977  Max Slevogt. Der gelernte Jäger.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

13 Federlithographien zu dem Märchen der Brüder Grimm. 1924. Signiert.

Eins von 100 Exemplaren der Suitenausgabe ohne Text. – Die Lithographien wurden mit der Handpresse auf feines Chinapapier gedruckt und in Passepartouts montiert. – Die Mappenausgabe erschien wie die Buchausgabe 1924 bei Bruno Cassirer, Berlin. – In der Originalhalbpergamentkassette mit Deckelvignette und vergoldetem Rückentitel. – Ohne das Doppelblatt mit Titel und Auflagenvermerk.

39,5 : 29,5 cm (Kassette). – Kassettenränder berieben. – Vereinzelt schwach stockfleckig, Titellithographie stärker.

Söhn 725–737 (datiert irrtümlich auf 1933/34). – Rümann 30 b

978  Max Slevogt – Vier Märchenbücher.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Berlin, Bruno Cassirer 1920–1924. Mit Illustrationen nach Federzeichnungen und Federlithographien. Drei Originalhalbpergamentbände, ein Originalhalblederband.

I. Alte Märchen mit der Feder erzählt, in Worte gefaßt von Joachim Zimmermann. 1920. 20 Tafeln. – II. Zeichnungen zu Kinderliedern, Tierfabeln und Märchen. 1920. 42 Illustrationen. Auflage 600. – III. Das singende, springende Löweneckerchen. 1923. 12 Illustrationen. Auflage 360. – IV. Das blaue Licht. 1924. 15 Federlithographien. Auflage 400. – Alle im Druckvermerk vom Künstler signiert.

Einbände angestaubt (II und III), Deckel lichtrandig (II).

Rümann 63b, 52a, 38a und 37b. – Söhn 329 b, 294–328 a, 621-633, 671-685 b

979  Tschechiche Buchkunst – Saint-John Perse. Kronika.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Prag, Lyra 1982. Mit sechs signierten Farbradierungen von Jan Souček. Olivgrüner Kalblederband mit Blind- und Goldprägung.

Eins der 200 Vorzugsexemplare im Ledereinband von Jiriho Faltuse. – Jan Souček (1941–2008) zählte zu den wichtigsten Vertretern des tschechischen Neo-Surrealismus. Zu Leben und Werk vgl. Heinz Brüggemanns Essay auf der Webseite der Galerie Grewenig in Heidelberg. – Auf Bütten.

29,8 : 21,5 cm. 36, [4] Seiten, Broschurumschlag eingebunden. – Rücken leicht aufgehellt.

980  Ottomar Starke – F[jodor] M[ichailovic] Dostojewski. Der Spieler.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Roman. Illustriert von Ottomar Starke. München, Phantasus 1922. Mit zahlreichen, teils blattgroßen Holzschnitten nach Federzeichnungen von Ottomar Starke. Roter Originalmaroquinband mit marmorierten Buntpapiervorsätzen. Rücken-, Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet (Spamersche Buchbinderei, Leipzig).

Eins von 30 Exemplaren der römisch nummerierten Vorzugsausgabe im Maroquinhandeinband. Zudem erschienen 400 arabisch nummerierte Exemplare in Halbleder- und Pappbänden. – Gesetzt aus der Tiemann-Fraktur. – Die Federzeichnungen von Ottomar Starke wurden von den Münchner Xylographen Albert Fallscheer und Hans Tempel »faksimilegetreu« in Holz geschnitten. – Ottomar Starke (1886–1962) zählte vor dem ersten Weltkrieg zu den wichtigsten expressionistischen Buchillustratoren, für Kurt Wolff illustrierte er mehrere Hefte der Reihe »Der jüngste Tag«, unter anderem Kafkas »Verwandlung«. – Tadellos schönes Exemplar der äußerst seltenen Vorzugsausgabe.

28,5 : 20,7 cm. [2], 257, [5] Seiten.

Rodenberg 458, 6. – Sennewald 23,1. – Schauer II, 95 (Abbildung)

981  Hugo Steiner-Prag – E. T. A. Hoffmann. Das Majorat.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Mit Radierungen von Hugo Steiner-Prag. Berlin, Propyläen [1922]. Mit zwölf blattgroßen signierten Radierungen. Originalhalblederband mit Vergoldung.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 100 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen, aber ohne Remarquen (Gesamtauflage 300). – Auf Bütten.

21,5 : 15,0 cm. 159, [5] Seiten. – Rücken leicht fleckig und verblasst, Oberrand des Vorderdeckels leicht aufgehellt.

Sennewald 22,4

982  Hugo Steiner-Prag – Arthur Graf Gobineau. Die Liebenden von Kandahar.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Deutsch von Franz Werner Schmidt. Mit Radierungen von Hugo Steiner-Prag. Berlin, Franz Schneider [1923]. Mit sechs signierten Radierungen und drei radierten Vignetten. Roter Kalblederband mit reicher Rückenvergoldung. Deckelvignette und Stehkanten vergoldet (signiert: Handeinband Fritzsche AG). Im Originalschuber.

Eins von 200 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Alle Radierungen signiert und mit Remarquen. – Auf handgeschöpftem Bütten. – Außer den stimmungsvollen, besonders durch ihr Spiel von Licht und Schatten eindrücklichen Bildern radierte Steiner-Prag die Titel- und Schlussvignette sowie eine figürliche Initiale. – Der elegante Einband, mit Schutzpapierumschlag und Schuber, tadellos erhalten.

27,2 : 19,0 cm. 56, [4] Seiten, 6 Radierungen. – Schnitt minimal gebräunt.

Sennewald 23,2

983  Hans Ticha. Persönliches Meinungsbild.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Ohne Ort 1995–1999. Mit zwölf signierten Originalholzschnitten, zehn davon farbig. Originalhalbleinenband mit Holzdeckeln mit farbigem Deckelrelief. Im Schuber.

Eins von 25 unikalen Exemplaren, wohl im Eigenverlag erschienen. – Im Impressum vom Künstler signiert. – Die Holzschnitte wurden von Hand abgezogen, signiert und als Blockbuch gebunden. – Die Bildtitel wurden in Einzellettern in jedes Buch gestempelt. – Den Einband, weiße Holzdeckel mit Relief aus verschieden farbigen Holzteilen, fertigte Hans Ticha selbst.

29,0 : 23,2 cm. [28] Seiten.

984  Hans Ticha – Ernst Jandl. 13 Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 460

6 Farbholzschnitte Hans Ticha. Ohne Ort [1998]. Mit sechs signierten ganzseitigen Farbholzschnitten von. Illustrierter Originalleinenband mit Rückenschild.

Eins von 25 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Autor und Künstler signiert und nummeriert. – Schönes Künstlerbuch des vor allem in der DDR als Buchillustrator (aber auch durch Arbeiten für die Büchergilde in Westdeutschland) bekannt gewordenen Hans Ticha. Eine der letzten zu Lebzeiten Jandls erschienenen Publikationen. – Tadellos.

29,6 : 22,4 cm. [32] Seiten.

985  Jean Tinguely – K. G. Pontus Hultén. Jean Tinguely »Méta«.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Berlin, Propyläen 1972. Mit einer signierten Méta-matic-Zeichnung, einer Schallplatte und zahlreichen Abbildungen. Original-Objekteinband.

Deutsche Ausgabe, zeitgleich mit der Stockholmer Ausgabe erschienen. – Katalogobjekt in Form eines Koffers mit Tragegriff. – Die von Tinguelys Zeichenmaschine »geschaffene« Zeichnung vom Künstler signiert. – Tadellos erhalten.

30 : 22 cm. 363, [1] Seiten, davon einige gefaltet, 1 Zeichnung, 1 Schallplatte.

Slg. Schnepel T2-02

986  Walter Trier. Zwei eigenhändige Postkarten mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 270

– Von Walter Trier farbig illustrierte Werbekarten der Leipziger Krausswerke-Metallwarenfabrik.

Beide an eine Familie Robert David in Berlin-Dahlem. – 22. Dezember 1926: Frohes Fest ! u. Prost Neujahr! und falls Sie sich weiter so rar machen fröhliche Ostern!« und »Wir haben Ihnen heute eins der von mir gezeichneten 3 Fridolin-Bücher gesandt und hoffen, daß es Ihren Kindern Spaß machen wird.« – Undatiert: »Anbei mit schönsten Grüßen die 2 Künstlerkarten und 1 Freikarte. Wir haben Tisch 49 und sind schon um 9 Uhr zum Essen da.« – Walter Trier entwarf in dieser Zeit Werbeartikel für die Leipziger Firma, die durch ihre »Volksbadewanne« und die Waschmaschine »Turna-Krauss« bekannt wurde.

10,5 : 14,8 cm. – Minimale Knickspuren.

987  Walter Trier. Dr. Alfred Fürstenberg und Frau Lotte Fürstenberg-Cassirer ziehen um nach Hohenzollernstr. 6.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Kolorierte Lithographie. 15 : 23 cm. Im Stein signiert.

Typisch humorvolle Umzugsanzeige für das Ehepaar Fürstenberg-Cassirer. – Die Ehefrau und die Söhne sind mit Bildern und Graphikmappen belastet, der Ehemannn und Vater mit chirurgischen Instrumenten. – 1927 hatte die verwitwete Charlotte Cassirer, die Mutter des Kunsthändlers Reinhold Cassirer, wieder geheiratet. Die Ehe mit dem jüdischen Arzt Alfred Fürstenberg sollte allerdings nur wenige Jahre bestehen können: 1933 beging der Mediziner Selbstmord. – Ehemals Sammlung Siegbert Marzynski (Marcy) (Berlin 1892–1969 Beverly Hills, California), rückseitig dessen signierte Hinweis »Original«.

988  Rosemarie Trockel – Gabriel García Márquez. Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Roman. Mit Arbeiten von Rosemarie Trockel. Köln, Kiepenheuer & Witsch 1998. Mit zahlreichen Illustrationen nach Zeichnungen. Farbig illustrierte Originalbroschur mit dem bedruckten Folienumschlag.

Eins von 21 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit einer signierten Lithographie von Rosemarie Trockel (Zwei Hühneköpfe, 45 : 34 cm, gerahmt). – Auch im Druckvermerk von der Künstlerin signiert und nummeriert. Die deutsche Erstausgabe mit der hier neu aufgelegten Übersetzung von Curt Meyer-Clason erschien erstmals 1976. – Tadellos.

24,0 : 18,8 cm. 101, [3] Seiten.

989  Tomi Ungerer. Weltschmerz.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Eine Bilanz der traurigen Errungenschaften des Fortschritts. Mit einem Empfehlungsschreiben von Art Buchwald. – The Party. Klub der Bibliomanen, Band 15. Zürich, Diogenes 1961 und 1966. Mit zahlreichen, teils farbigen Bildtafeln nach Zeichnungen. Originalleinenbände mit illustriertem Schutzumschlag. – Widmungsexemplare.

Erste Ausgaben. – Beide Bücher mit einer eigenhändigen Bleistiftkarikatur Ungerers auf dem Vorsatzblatt. Beide Widmungen richten sich an Hein Kohn (1907–1979, niederländischer Literaturagent und Verleger). – Der Kosmopolit Tomi Ungerer (1931–2019) ließ sich 1957 in New York nieder, wo seine Karriere erst richtig begann. Insgesamt illustrierte er mehr als 140 Bücher und schuf etwa 40.000 Zeichnungen, über 300 Plakate, Dutzende Ölbilder, Lithographien und Skulpturen. – In einem Interview mit der Weltwoche beschrieb er einmal seinen künstlerischen Antrieb: »Wollen Sie mit Ihrem Buch nur Gesellschaftskritik üben oder auch einen Beitrag zu Veränderung dieser Gesellschaft leisten? ›Wenn überhaupt eine Gesellschaftsveränderung möglich wäre, hätte ich dieses Buch dafür gezeichnet. Ich zeichne, um mir selbst im klaren zu bleiben, um Ärgernisse loszuwerden‹.« Der ZEIT sagte er: »Meine Streiche sind irgendwie kindisch, aber ich schäme mich nicht dafür.« – Tomi Ungerer starb vor wenigen Wochen, im Februar 2019 in Irland.

30,5 : 23,5 cm. [108] Seiten; [128] Seiten.

990  Hans-Joachim Walch – Johann Wolfgang von Goethe. Myrons Kuh.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Gesetzt, gedruckt und mit Holzschnitten versehen von Hans-Joachim Walch. [Leipzig] 1953. Mit 14 Holzschnitt-Vignetten. Orignalpergamentband mit vergoldeter Deckelvignette und Kopfgoldschnitt.

Hergestellt in wohl nur einer Handvoll Exemplare in den Werkstätten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst während seines externen Studiums. – Hans–Joachim Walch (1927–1991) wurde 1952 Herstellungsleiter und künstlerischer Gestalter beim Leipziger Insel Verlag. Als 1977 aus den ostdeutschen Niederlassungen der Verlage Insel, Kiepenheuer, Dieterich und Paul List ein Kombinat gebildet wurde, verließ er den Verlag und arbeitete fortan freischaffend als Buchgestalter, Illustrator und Graphiker für zahlreiche Verlage. Sein künstlerischer Nachlass befindet sich im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

21,3 : 13,3 cm. 20, [4] Seiten. – Mittig am Rücken kaum sichtbar geknickt.

991  William Carlos Williams. The Tempers.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

London, Elkin Mathews 1913. Originalpappband mit vergoldeten Titeln.

Erste Ausgabe der ersten Gedichtsammlung. – Auf dem Vorsatzblatt vom Dichter signiert. – William Carlos Williams (1883–1963), amerikanischer Arzt und Lyriker, gilt neben Ezra Pound und T.S. Eliot als der bedeutendste amerikanische Lyriker der Moderne. Seine frühen Gedichte sind noch stark vom europäischen Dadaismus und Surrealismus geprägt, mit Pound und Eliot schloss er sich um 1912 den Imagisten an, einer anglo-amerikanischen literarischen Bewegung. Während einer Europareise besuchter er den Salon von Gertrude Stein.

13,0 : 10,0 cm. 31, [1] Seiten. – Einband leicht angestaubt.

992  Kurt Wolff Verlag – Sieben Almanache des Verlages.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Leipzig und München 1913–1926. Originalpappbände und -broschuren.

I. Das bunte Buch. Leipzig 1914 [1913]. Rote Broschur. Der erste Verlagsalmanach mit einem vollständigen Verlagsverzeichnis 1910–1913. Mit Illustrationen von Karl Walser, Thylmann, Kokoschka, Seewald, Lichnowsky, Tiemann u. a. Mit Textbeiträgen von Kafka, Werfel, Trakl, Heym, Robert Walser u. v. a. – II. Vom jüngsten Tag. Ein Almanach neuer Dichtung. 1916. Mit Bildtafeln. Illustrierter Pappband. – III–V. Der neue Roman. – Die neue Dichtung. – Das neue Geschichtenbuch. Ein Almanach. 1917 bzw. 1918. Mit Bildtafeln nach Kokoschka, Oppenheimer u. a. und Illustrationen von Ludwig Meidner. Drei farbige Broschuren. – VI-VII. 1925 [bzw.] 1927. Ein Almanach für Kunst und Dichtung aus dem Kurt Wolff Verlag. [München 1924 bzw. 1926]. Mit Tafeln und Illustrationen. Pappbände mit Deckelillustration von Frans Masereel. – Die Almanache I, II und IV enthalten folgende Erstdrucke von Franz Kafka: »Zum Nachdenken für Herrenreiter« (Dietz 22), »Vor dem Gesetz« (D. 28), »Ein Landarzt« (D. 48) und »Der Mord« (D. 49). – Dazu: Bücher und Graphik des Kurt Wolff Verlages. München u. a. 1925. Broschur. – Eine Beigabe.

I: Rücken verblasst und brüchig, Deckel etwas fleckig. – II: Fleckig. – V: Rücken mit Fehlstelle.

Göbel 152, 345, 361, 367, 636

993  Kurt Wolff Verlag – Der jüngste Tag.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 350

57 (von 86) Nummern in 47 (von 73) Heften. Leipzig und München, Kurt Wolff 1913–1921. Meist Originalbroschuren, vereinzelt illustriert.

Umfangreiches Konvolut der wichtigsten deutschsprachigen Buchreihe des Expressionismus. – Meist in ersten Ausgaben, viele aber auch in Nachauflagen (darunter besonders die frühen Hefte, Kafkas »Heizer« in 3. Auflage). – »›Der jüngste Tag‹ soll mehr als ein Buch sein und weniger als eine Bücherei: er ist die Reihenfolge von Schöpfungen der jüngsten Dichter, hervorgebracht durch das gemeinsame Erlebnis unserer Zeit« (Verlagsankündigung, zitiert nach Smolen/Stammerjohann). – Es fehlen die Nummern 6, 18, 22/23, 25, 34, 42, 44/45, 49, 55 und 60, danach sind nur folgende vorhanden 66, 67/68, 75, 76/77, 78 und 84. – Erwähnenswert sind die seltene Einbandvariante von Nr. 17 (Georg Kölwel »Gesänge gegen den Tod«, so Smolen unbekannt) und die Erstausgabe von Gottfried Benns »Gehirne« (Nr. 35). – Dazu: Vom jüngsten Tag. Ein Almanach neuer Dichtung. Zweite veränderte Ausgabe. Leipzig, Kurt Wolff 1917. Mit Bildtafeln. Originalbroschur.

Teils stärkere Gebrauchs- und Alterungsspuren, Exlibris und Besitzvermerke. – Kein Rückgaberecht.

Raabe, Zeitschriften 145

994  Stefan Zweig. Das Haus am Meer.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

Ein Schauspiel in zwei Teilen (drei Aufzügen). Leipzig, Insel 1912. Originalecrasélederband mit vergoldetem Deckelsignet, Rückentitel und Kopfschnitt.

Erste Ausgabe. – Eins von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf holländischem Bütten und in weinrotes Ganzleder gebunden. – Unbeschnitten. – Das Theaterstück »Das Haus am Meer« wurde am 26. Oktober 1912 am Wiener Burgtheater uraufgeführt. »Der Abend war ein ausgesprochener Erfolg für den Dichter«, berichtete Friderike von Winternitz für das »Hamburger Abendblatt« (Stefan Zweig/Friderike Zweig, Briefwechsel 1912-1942, Frankfurt a. M., S. Fischer 2006). – Sehr selten, in der Vorzugsausgabe kaum auffindbar.

20,0 : 14,0 cm. 170, [6] Seiten. – Rücken kaum merklich verfärbt.

Klawiter E7

995  Stefan Zweig. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Salzburg, 20. Februar 1930.

An Fritz Adolf Hünich (1885–1964), damals Lektor beim Insel Verlag. – Zweig teilt mit, dass er erst im März kommen wird. »Am 15. ist die Premiere gleichzeitig in Hannover, Breslau, Lübeck, dann folgt gleich Frankfurt, Bremen, Wien. Aber die Sache macht mir durch das Abspringen von W. Krauss schon keine Freude mehr«. – 1930 wurde Zweigs Theaterstück »Das Lamm des Armen« in Breslau – und nicht wie geplant in Wien (in einem Brief an Kippenberg: »da uns Werner Krauss im Burgtheater im Stiche liess«) – uraufgeführt. Zweig plante anlässlich der Aufführungen eine Neuauflage des 1929 im Insel Verlag erschienenen Buches. – Postkarte mit kleiner Ansicht von Hallstatt bei Salzburg und Stefan Zweigs eingedruckter Salzburger Anschrift.

Etwas gebräunt, Tinte leicht verblasst. Ganz leichte Knickfalte.

Vgl. Stefan-Zweig-Handbuch 2.10

996  Stefan Zweig. Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Wien, Reichner 1934. Mit neun ganzseitigen Abbildungen nach alten Holzschnitten sowie einigen Vignetten, Zierleisten und Initialen. Originalhalblederband mit Deckelvignette, vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (Albert Günther, Wien).

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Vorzugsexemplaren, im Druckvermerk vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 700). – Unbeschnitten.

25,6 : 16,8 cm. 227, [13] Seiten. – Einband etwas fleckig. – Vorsatz mit Besitzvermerk, Titel und hinterer Vorsatz mit Nummerierung. Zwei Seiten mit größerem Feuchtigkeitsfleck.

Klawiter G 886