ChristianHesse

Lot 201 – 250 | Hesse-Auktionen
Lot 201 – 250

201  Jakob Georg Christian Adler. Brevis Linguae Syriacae

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

institutio in usum tironum edita. Altona, Eckardt 1784. Halblederband der Zeit.

Erste Ausgabe der syrischen Sprachlehre. – Jakob Georg Christian Adler (1756–1834) wurde nach Sprachstudien in Rom 1783 Professor für syrische Sprache an der Universität Kopenhagen. Später war er Generalsuperintendent für Holstein und Schleswig und maßgeblich an der dortigen Schulreform beteiligt. – Mit dem Erratablatt. – Selten.

18,7 : 11,2 cm. 64, [2] Seiten. – Einband beschabt. – Innendeckel mit Braunfleck, sonst innen sehr schön.

VD18 1437708X-001

202  Jean Midolle. Traité complet d’ecritures en tous genres et d’ornements moyen-âge

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 230

d’après le systême mèthodique. St. Gallen, Tribelhorn [1840]. Mit lithographiertem Titel und 61 lithographierten Tafeln, meist farbig, teils mit Gold gedruckt. Originalpappband mit lithographierter Deckelillustration.

Großformartiges Schreibmeisterbuch mit zahlreichen Alphabeten, teils Zierschriften und deren Anwendungen. – Die Tafeln teils mit Tonplatte lithographiert, teils chromolithographisch und mit Gold gedruckt. – Am Anfang ausführliche Erläuterungen zu den verschiedenen Schriftfamilien, in Französisch und Deutsch. – Das Werk bildete die Fortsetzung der 1835 erschienenen Sammlungen Midolles zu modernen Schriften. Über den französischen Kalligraphen und Graphiker Jean Midolle sind nur wenige biographische Fakten bekannt: Er wurde 1794 wohl in Besançon geboren und arbeitete in den 1830er Jahren in Genua, Mulhouse, St. Gallen und Strasbourg. 1840 zog die Familie nach Belgien (vgl. Info auf letterformarchive.org).

32 Seiten, 62 Lithographien. – Einband stark fleckig, Deckel lose. – Durchgehend und teils auch stark stockfleckig, Titel im Falz eingerissen. Einige Blätter unten mit Wasserrand.

203  G. K. Nagler. Die Monogrammisten.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 170 ( R7 )

Band I [bis] V. Nieuwkoop, de Graaf 1977. Originalleinenbände.

Reprint der Ausgabe »Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen […]« München, Georg Franz 1858.

22,3 : 14,7 cm.

204  Faksimile – Die Darmstädter Pessach-Haggadah.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Ausrufpreis/Starting bid: € 600

Faksimile und Kommentarband. Berlin, Propyläen 1972. Originalkalblederband mit blindgeprägten Fileten und Originalhalblederband. Zusammen in Originalleinenkassette (Willy Pingel, Heidelberg).

Codex Orientalis 8 der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt. – Eins von 50 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe im Ganzledereinband (Gesamtauflage 600). – Hergestellt unter buchkünstlerischer Leitung von Gotthard de Beauclair. – Kommentarband mit Erläuterungen in Deutsch und Englisch. – Entstanden ist die Handschrift wahrscheinlich als Buch für den privaten Gebrauch zum Pessachfest im westlichen Europa des 13. Jahrhunderts. Das Zeugnis privater jüdischer Buchkultur des Mittelalters gelangte 1805 mit der Sammlung von Baron Hüpsch in die Darmstädter Bibliothek. Die Handschrift wurde 1951, nachdem sie als im Krieg verschollen galt, zufällig im Deutschen Ledermuseum in Offenbach wiedergefunden, wohin sie vom Reichsstatthalter in Hessen wegen des Einbandes verbracht worden war.

36,0 : 27,0 cm. [116] Faksimileseiten. – 129, [7] Seiten (Kommentarband).

205  Faksimile – Rudolf von Ems. Die Weltchronik. – Der Stricker. Karl der Grosse.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Faksimile und Kommentarband. Stuttgart, Müller und Schindler 1980. Mit 23 ganzseitigen goldgehöhten Abbildungen. Originalleder- und -pappband, zusammen in Originalschuber.

Eins von 950 Exemplaren. – Die Handschriften sind nur als Fragment erhalten geblieben. Beide Überlieferungen verdankt man der Entdeckerfreude Hoffmann von Fallerslebens (1798–1874), der die Bibliophilie mit dem Beruf eines Bibliothekars zu verbinden wusste. Er erhielt die Schriften in einem Tauschgeschäft von einem holländischen Sammler und verkaufte sie 1850 an die Königliche Bibliothek in Berlin.

28,5 : 19,5 cm. [48] Faksimileseiten; 59 Seiten.

206  Faksimile – Wolfram von Eschenbach. Parzival Titurel Tagelieder.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Cgm 19 der Bayerischen Staatsbibliothek München. Faksimile und Kommentarband. Stuttgart, Müller und Schindler 1970. Originalleder- und Originalleinenband im -schuber.

Eins von 850 Exemplaren. – Mit Kommentar und Transkription der Texte von Gerhard Augst, Otfried Ehrismann und Heinz Engels sowie einem Beitrag zur Geschichte der Handschrift von Fridolin Dreßler. – Die Handschrift aus dem 13. Jahrhundert wird von der germanistischen Forschung besonders hoch geschätzt und dient neben dem St. Galler Kodex jeder wissenschaftlichen Textedition als Grundlage.

31,2 : 22,3 cm. [150] Faksimileseiten. – 30,8 : 22,0 cm (Kommentarband). – Deckelschild gelockert.

207  Faksimile – Der Rosenroman des Berthaud d’Achy.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Codex urbinatus latinus 376. Faksimile und Kommentarband. Zürich, Belser 1987. Blindgeprägter Originalmaroquinband und Originalleinenband. Zusammen in Originalkassette mit montiertem Deckelbild.

Codices e vaticanis selectis Band LXXI. – Eins von 600 Exemplaren (Gesamtauflage 660). – Kommentar von Eberhard König, mit einem Beitrag von Gabriele Bartz. – Originalgetreues Faksimile des von Berthaud d´Achy um 1280 in Paris verfassten Rosenromans. Die gotische Handschrift wurde um 1235 von Guillaume de Lorris begonnen und um 1280 von Jean de Meung fertig gestellt. Die prächtige Handschrift ist mit 93 goldbesetzten Miniaturen und zahlreichen farbigen Initialen geschmückt.

33,7 : 25,4 cm. [260] Faksimileseiten. – 24,5 : 17,3 cm. 193, [7] Seiten (Kommentarband).

208  Faksimile – Das Lektionar von St. Petersburg.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Cod. gr. 21, gr. 21 a. Faksimile und Kommentarband. Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt und Moskau, Akademie der Wissenschaften Russlands 1994. Blindgeprägter Originalkalblederband und -leinenband. Zusammen im Schuber mit Rückenschild.

Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat der in der Russischen Nationalbibliothek verwahrten Handschrift. – Eins von 700 Exemplaren. – Kommentar von Elena M. Schwarz. – Der Codex, das »Evangeliar von Trapezunt«, verbindet zwei Fragmente einer griechischen Handschrift, die ursprünglich wesentlich umfangreicher war. Entstanden im 13. Jahrhundert, dürfte das »Goldene Evangeliar« bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts bei liturgischen Feiern verwendet worden sein. Es gelangte 1858 als Schenkung nach Sankt Petersburg an den Hof des Zaren.

34,3 : 27,5 cm. [34] Faksimileseiten. – 42, [2] Seiten (Kommentarband). – Ledereinband an den Rändern leicht berieben, Vorderdeckel mit schwachen Schabspuren vom Schuber.

209  Faksimile – Rothschild-Gebetbuch.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Faksimile und Kommentarband. Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1979. Roter Originalsamteinband und Originalpappband. Zusammen im Schuber mit Rückenschild.

Vollständige Faksimile-Ausgabe im Originalformat des Codex Vindobonensis Series Nova 2844 der Österreichischen Nationalbibliothek. – Eins von 864 Exemplaren in rotem Samt (Gesamtauflage 990). – Kommentar von Ernst Trenkler. – Das Rothschild-Gebetuch gehört zu den schönsten und wertvollsten späten Stundenbüchern. Die Handschrift wurde um 1520 in Brügge oder Gent für einen unbekannten Auftraggeber ausgeführt und gelangte dann in den Besitz der Wittelsbacher. Mit einer großen Schenkung kam der Codex in die Heidelberger Universitätsbibliothek. Im 30jährigen Krieg sind bei Plünderungen größere Bestände verloren gegangen, erst drei Jahrhunderte später tauchte die Handschrift wieder auf.

22,5 : 16.0 cm. 252 Faksimileblätter. – 96, [2] Seiten, 8 Tafeln.

210  Faksimile – Codex Caesareus Upsaliensis.

Schätzpreis/Estimate: € 700

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

An Echternach Gospel-Book of the Eleventh Century. Faksimile und Kommentarband. Stockholm, Almqvist & Wiksell 1971. Originalpergamentband mit Deckelvergoldung und -halbpergamentband. Zusammen im Schuber mit Deckelschild.

Vollständige Faksimileausgabe. – Eins von 500 Exemplaren. – Mit einem Vorwort von Carl Nordenfalk. – Kaiser Heinrich III. hatte die prächtige Bibelhandschrift 1051 zur Weihe der Goslarer Stiftskirche St. Simon und Judas in Auftrag gegeben. Rund 600 Jahre lang blieb das mit goldgehöhten Bildern reich illustrierte Evangeliar in Goslar, bevor es in den Wirren des 30jährigen Krieges verschwand. 1740 tauchte die Handschrift dann bei einem Privatsammler in Schweden wieder auf, 1805 wurde sie der Universität Uppsala übergeben und in »Codex Caesareus Upsaliensis« umbenannt.

39,0 : 29,5 cm. [320] Faksimileseiten. – 165[1] Seiten (Kommentarband).

211  Faksimile – Velislai Biblia Picta.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Faksimile und Kommentarband. Prag, Pragopress 1970. Originalhalblederband und -kunstlederband. Zusammen in Originalkassette.

Codex XXIII C 124. – Eins von 470 Exemplaren. – Kommentartext in von Dr. Karel Stejskal Tschechisch, Englisch, Französisch und Deutsch. – Die Welislaw-Bibel ist der umfangreichste gotische Bilderkodex Mitteleuropas, eine unvollständige Bilder-Bibel, die ursprünglich ungefähr 880 Bilder umfasste, von denen 747 erhalten sind. Ihr ikonographischer Reichtum ist außergewöhnlich. Die Handschrift wird in der Universitätsbibliothek Prag verwahrt.

31,5 : 25,0 cm. 188 Faksimileblätter. – 70, [10] Seiten (Kommentarband).

212  Faksimile – Die große Burgunder Chronik des Diebold Schilling von Bern.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 650

»Zürcher Schilling«. Faksimile und Kommentarband. Luzern, Faksimile-Verlag 1985. Cremefarbener Originalschweinslederband mit reicher Blindprägung, Metallbeschlägen und -schließen. Originalhalblederband mit Rückenschild.

Dibold Schillings Spiezer Bilderchronik, Mss.h. I. 16. – Eins von 980 Exemplaren (Gesamtauflage 1060). – Die Handschrift aus der Zentralbibliothek Zürich, nach ihrer Bibliotheksheimat über fünf Jahrhunderte lang als »Zürcher Schilling« bezeichnet, entspricht textlich größtenteils dem dritten Band von Diebold Schillings »Amtlicher Chronik«, als deren Konzept und erste Niederschrift sie bisher betrachtet wurde. Die Chronik stellt die Burgunderkriege, die Auseinandersetzung der Eidgenossen mit Karl dem Kühnen ins Zentrum, die Illustrationen schildern die zahlreichen Ereignisse von den Vorkommnissen von 1468 bis zum Tschalunerkrieg von 1480.

39,5 : 30,0 cm. 380 Faksimileblätter. – 306, [2] Seiten (Kommentarband). – Vorsatzpapiere des Kommentarbandes mit kleinen Stockflecken.

213  Friedrich Justin Bertuch. Bilderbuch für Kinder

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Blumen Früchten, Mineralien, Trachten und allerhand andern unterrichtenden Gegenständen […] . Erster [und] Zweiter Band. Leipzig, Edition Leipzig 1977. Mit insgesamt 200 Farbtafeln. Originalleinenbände mit Rückenschild, zusammen mit Kommentarband im Schuber.

Auswahlfaksimile der berühmten Kinderenzyklopädie der Goethezeit nach den Exemplaren der Zentralbibliothek der Deutschen Klassik, Weimar. – Mit einem Kommentar von Werner Schmidt in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache. – »Ein Bilderbuch ist für eine Kinderstube ein eben so wesentliches und noch unentbehrlicheres Meuble als die Wiege, die Puppe, oder das Steckenpferd« (Vorwort). – Mit insgesamt 1185 kolorierten Stichen und den zum teil viersprachigen erläuternden Texten gehört das von 1790 bis 1830 erschienene zwölfbändige Werk zu den bedeutendsten Arbeiten aus der Frühzeit der für Kinder bestimmten Literatur. Bertuchs Absicht war es »der Jugend Liebe für die Naturgeschichte spielend einzuflößen.« – Friedrich Justin Bertuch (1747–1822) arbeitete beim »Teutschen Merkur« und war Mitbegründer der »Allgemeinen Deutschen Literatur-Zeitung«.

24,7 : 20,8 cm. [422]; [414]; 74, [2] Seiten.

214  A. Humbert. Un voyage en lanterne magique.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Nouveaux tableaux de lecture grotesques. Précédés d’un alphabet […] Illustré de neuf dessins comiques coloriés. Pont-à-Mousson, Haguenthal [um 1870]. Mit neun kolorierten Lithographien im Text. Farbig lithographierter Pappband der Zeit mit kolorierter montierter Deckelillustration.

Sehr seltenes Kinderbuch, das sich mit den karikierenden Darstellungen von neun europäischen Ländern und deren Bewohnern wohl mehr an Jugendliche und Erwachsene richtete. – Auf festem Papier. – Nach einer ABC-Tafel und zwei Blättern mit kurzen Hinweisen zur Aussprache und Grammatik folgen neun Blätter mit je einer kolorierten Lithographie mit einem Paar in Landestracht aus Großbritannien, Spanien, Russland, Elsass, Italien, Türkei, Bretagne, Griechenland und Polen, darunter beschreibender Text. – Die Vorlagen stammen von einem ungenannten Künstler. – Wir konnten kein einziges Exemplar im KVK und den bekannten Kinderbuchbibliographien nachweisen.

24,0 : 18,0 cm. [13] Blätter. – Etwas berieben und bestoßen, Hinterdeckel lose. – Unbedeutend fingerfleckig, die Vorsätze etwas stärker. – Vorderes Innengelenk angeplatzt, die letzten vier Blätter oben im Falz etwas gestaucht. – Mit Buchhändlerschildchen Antiquariat Gunnar Kaldewey.

215  Kasperl sucht einen Dienst.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 260

In drei Aufzügen. Eßlingen und München, J. F. Schreiber [um 1875]. Mit zwei farbig lithographierten Beilagen. Originalbroschur mit kolorierter Deckellithographie.

Schreibers Kasperl-Theater, Erstes Heft. – Neben der Reihe »Schreibers Kindertheater«, in der berühmte Märchen und Dramen adaptiert wurden, erschien in dem bekannten Verlag auch die Reihe »Kasperl-Theater«. – Mit den beiden großen Faltbögen (No. 585 und 586) mit den zum Ausschneiden bestimmten Ziehfiguren der Protagonisten des Stückes: Kasper, Patron und Teufel. – Möglicherweise Einzelausgabe vor der Sammlung »Kasperl. Puppenspiele für Jung und Alt. Von Dr. Fidel Fidelius« [C. F. A. Kolb] mit Illustrationen von Lothar Meggendorfer.

20,0 : 14,0 cm. 16 Seiten, 2 Beilagen (36 : 41cm, mehrfach gefaltet). – Leicht fleckig, Ränder etwas gebräunt. Vorderdeckel mit Buchhandlungsstempel.

Vgl. Krahé 70 und Wegehaupt III, 2016ff

216  Skizzenbuch, nach Hans Probst »Wen soll ich malen?«

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R19 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 140 ( R19 )

Um 1900. 32 Blätter mit zahlreichen kolorierten Bleistiftzeichnungen.13 : 20 cm. Leinenband.

Innendeckel mit Namenszug des Zeichners / Vorbesitzers (?) »Ernst Loose, Osterstraße 148 I« [Hamburg]. – Die etwa 100 Zeichnungen sind zum Großteil von Hans Probsts (1861–1941) Zeichenanleitungen inspiriert. Hans Riess beschreibt deren Technik: »Aus einfachen, geometrischen Grundfeldern werden […] die verschiedenen, meist heiteren Zeichnungen entwickelt und mit Reimen erklärt. Am Ende der Genese steht jeweils das Schlußbild, das heißt die vollendete Form, die nunmehr […] wirkungsvoll schablonenkoloriert ist […]« (Riess, S. 50). Bei aller Heiterkeit ist bei einigen Darstellungen eine antisemitische Tendenz nicht zu übersehen. – Viele Zeichnungen betitelt, u. a. Bauer, Herr Bliemchen, Soldat, Hanswurst, General, Chinese, Waldi, Der weise Grieche, Wagenpferd, Reitpferd, Tintenklekser, Hausherr, Der alte Fritz, Nilpferd; einige Motive wiederholt.

217  Gerlach’s Jugendbücherei.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 2600

Band 1 [bis] 34. München 1901–1920. Mit meist farbigen Illustrationen. 32 illustrierte Originaleinbände.

Vollständige Reihe der legendären Jugendbücher, davon 26 in Erstausgaben. – 1. Kinder- und Hausmärchen nach Sammlung der Brüder Grimm. Bilder von Ign[az] Taschner. – 2. Märchen-Sammlung von L. Bechstein. Bilder von Karl Fahringer. – 3. Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Bilder von A. Weisgerber. – 4. »Aus des Knaben Wunderhorn.« Bilder von Berthold Löffler. – 5. Kinder- und Hausmärchen nach Sammlung der Brüder Grimm. Bilder von Karl Fahringer. – 6. »Till Eulenspiegel.« Bilder von A. Weisgerber. – 7. Josef Freiherr von Eichendorff. Gedichte. Bilder von Horst-Schulze. – 8/9. Reineke Fuchs. Von W. v. Goethe. Für die Jugend bearbeitet. Bilder von Karl Fahringer. – 10. Ausgewählte Gedichte von Nikolaus Lenau. Bilder von Hugo Steiner-Prag. – 11. Die Nymphe des Brunnens. Nach J. K. A. Musäus. Bilder von Ignaz Taschner. – 12. Kinder- und Hausmärchen. Nach der Sammlung der Brüder Grimm. Bilder von Otto Tauschek. – 13. Ausgewählte Gedichte von August Kopisch. Bilder und Buchschmuck von Ferd. Andri. – 14. Erzählungen und Schwänke von J. P. Hebel. Bilder von C. O. Czeschka. – 15. Andersens Märchen. Bilder von Hugo Steiner-Prag. – 16. Die Blume im Lied. Bilder von Rudolf Sieck. – 17.Bergkristall. Von Adalbert Stifter. Bilder von Otto Bauriedl. – 18. Rübezahl, der Herr des Riesengebirges. Deutsche Volkssagen von Musäus. Bilderschmuck von Prof. Hans Schwaiger und Jos. J. Loukota. – 19. Fahrten und Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen. Deutsch von G. A. Bürger. – 20. Gockel, Hinkel und Gackeleia von Klemens Brentano. Bilder und Buchschmuck von Franz Wacik. – 21. Deutsche Gedichte mit Schattenbildern. Bilder und Buchschmuck von Ferdinand Staeger. – 22. Die Nibelungen. Dem Deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim. Bilder von C. O. Czeschka. – 23. E. T. A. Hoffmann. Nußknacker und Mausekönig. Bilderschmuck von Otto Bauriedl und Ernst Kutzer. – 24. Deutsche Wiegenlieder. Schrift und Bilder von R. Daenert. – 25. Andersens Märchen. Zweiter Teil. Bilder von Franz Wacik. – 26. Die Schildbürger von Gustav Schwab. Bilder von Ernst Liebenauer. – 27. Gedichte von Ludwig Uhland. Bilder von Ferdinand Staeger. – 28/29. Ausgewählte Märchen von Wilhelm Hauff. Bilder von Karl Fahringer. – 30. Brüder Grimm. Deutsche Sagen. Bilder von Ernst Liebenauer. – 31. Deutsche Schwänke. Bilder von Siegmund v. Suchodolski. – 32. Robinson Crusoe von Daniel Defoe. Nach dem englischen Original und älteren Übersetzungen bearbeitet von Professor Ludwig Tesar. Bilder von Ernst Liebenauer. – 33. Die Ostereier. Der Weihnachtsabend. Zwei Erzählungen von Christoph von Schmid. Texte gesichtet von Emil Hofmann. Bilder von Ferdinand Staeger. – 34. Andersens Märchen. Bilder von Norbertine Breßlern-Roth. – Bände 1, 4, 5, 7–12, 14–19, 22, 24, 25, 27–34 in erster Auflage, davon Bände 2 und 3 in Titelauflagen, Bände 14, 17, 24, 28/29 und 34 in Halbleinen. Band 20 in 2., Bände 6, 13, 21, 23 und 26 in 3. Auflage. – Martin Gerlach initiierte mit seiner »Jugendbücherei« einen »Bücherschatz zur Literaturbildung und Kunsterziehung der Jugend«. Von 1901 bis 1924 erschienen 34 kleine Bände, darunter bis heute gesuchte Präziosen der Kinder- und Jugendliteratur, illustriert von namhaften Künstlern des Wiener Jugendstils, darunter Berthold Löffler, Carl Czeschka u. a. »Der Grundsatz: dem Kinde nur das Beste, war nicht nur für die Textwahl, sondern auch für die künstlerische Ausstattung maßgebend. Die tüchtigsten Künstler wurden für den illustrativen Teil gewonnen, der, in Farben ausgeführt, dazu bestimmt erscheint, das Kunstgefühl in der jungen Seele und die Freude an der farbigen Erscheinung der Dinge zu erwecken und im modernen Geist zu erziehen« (Verlagsanzeige, zitiert nach: Schiefertafel IV/3, S. 141).

15 : 14 cm. – Exlibris in 6, Stempel in 8, handschriftlicher Besitzvermerk in 8 Bänden.

Heller, Gerlachs Jugendbücherei 1–34

218  Das Dorf

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 360

in Bild und Wort von Marie Stiefel & Olaf Rau. Nürnberg, Theo. Stroefer [1906]. Mit zwölf blattgroßen Farblithographien von Marie Stiefel sowie zweifarbig lithographiertem Titel, farbig illustrierten Vorsätzen, zahlreichen großen Vignetten und Buchschmuck. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Texte von Olaf Rau, Steinzeichnungen von Marie Stiefel (1879–1962). – »In ihrem Bilderbuch ›Das Dorf‹ wechseln stimmungsvolle Landschaftsbilder mit informativen, sachbuchartigen Ansichten […] Die sorgfältige Ausstattung […] bis hin zu den eindrucksvollen Farbtafeln, machen das Buch zu einem besonders schönen Beispiel des Künstlerbilderbuchs« (Lex. Schweizer Bilderbuch, S. 75), » […] das merkwürdigerweise in einem deutschen Verlag […] erschienen ist« (Albert Schug). – Sehr schönes Exemplar.

25,0 : 35,0 cm. 36 Seiten. – Deckel minimal fleckig. – Ein Textblatt mit Knickfalte, ein Blatt mit restauriertem kleinen Randeinriss. Schenkungsvermerk von 1907 auf dem Vortitel.

Bilderwelt 502. – Stuck-Villa II, 325 (mit Abb.)

219  Heinrich Vogeler – Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Vollständige Ausgabe. Mit einem Titelbilde von Ludwig Emil Grimm, acht farbigen Bildern von Heinrich Vogeler-Worpswede, drei Bildnissen, sowie einer Einleitung von Heinrich Wolgast. Leipzig, Hesse & Becker [1907]. Grüner Originalleinenband mit farbiger Deckelillustration und Rückenvignette.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Die sehr seltene Einbandvariante in grünem Ganzleinen (nicht bei Neteler), gleichsam eine Vorzugsausgabe des ohnehin raren Vogeler-Märchenbuchs. – In der Einleitung finden sich zwei Abbildungen mit insgesamt drei Porträts (beide Grimms auf einem). – Es gab auch Exemplare ohne Hinweis auf Vogeler auf dem Titelblatt und ohne Frontispiz.

17,5 : 12,5 cm. XLVII, [1], 882 Seiten, 8 Tafeln. – Kapitale minimal bestoßen.

Neteler 168

220  Hugo von Hofmannsthal. Prinz Eugen der edle Ritter.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Sein Leben erzählt in Bildern. 12 Original-Lithographien von Franz Wacik. Wien, L. W. Seidel & Sohn 1915. Mit zwölf ganzseitigen Farblithographien. Originalpergamentband mit Deckelillustration in Schwarz- und Titel in Goldprägung. In gefüttertem Schuber.

Erste Auflage. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe, im Druckvermerk vom Künstler und zusätzlich auch vom Verfasser signiert, gedruckt auf Van Gelder Zoonen-Bütten und in Pergament gebunden. – Franz Wacik (1883–1938) war ein bedeutender österreichischer Buchillustrator, einige der besten Bände aus Gerlachs Jugendbücherei wurden von ihm illustriert. – Alle Textseiten in ornamentaler Umrahmung. Die Vorsatzpapiere zeigen den kaiserlichen Doppeladler und das Wappen Prinz Eugens.

26,0 : 32,7 cm. [50] Seiten. – Einband minimal fleckig. Vorderes Innengelenk angeplatzt. – Vorsatzblatt mit kleinem Exlibrisstempel.

Houghton Library Catalogue 523. – Stuck-Villa I, 520. – Vgl. Seebaß II, 898 und Bilderwelt 565 (2. Auflage)

221  [Maria Steinkamp]. Pfui, wie unartig!

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 340

Neue Struwelpeter Geschichten illustriert von Paul Wendling. [Duisburg, J. A. Steinkamp ca. 1914]. Acht farblithographierte Tafeln mit Text und Bild. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Verlagsnummer 1159, diese Variante bibliographisch nicht nachweisbar. – »Im Erfinden von neuen Struwwelpetergeschichten war Maria Steinkamp [die Tochter des Verlegers] in ihrer Zeit führend« (Johannes Baumgartner). – Enthält die Geschichten »Der Struwelpeter«, »Max der Wasservogel«, »Kurt der Äpfeldieb« und »Aufgepaßt!«. – Ohne Verlagsangabe.

29,5 : 21,7 cm. [8] Seiten. – Leicht fleckig, Hinterdeckel stärker.

Vgl. Baumgartner I, 42, 129, 130, 132 und 133 (nicht diese Fassung)

222  Hans von Volkmann. Strabantzerchen.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Bilder und Reime. 10.–11. Tausend. Köln, Hermann Schaffstein 1921. Mit koloriertem Titelblatt und 16 pochoirkolorierten Tafeln. Originalhalbleinenband mit kolorierten Deckelillustrationen und Vorsätzen.

Dritte Auflage, die letzte von Hand pochoirkolorierte. – Die Landschaftsmalerei von Hans Richard von Volkmann (1860–1927) erinnert an Hans Thoma, seine Lithographien und Radierungen wurden aber unter dem Einfluss des Jugendstils stilisierter. Beim vorliegenden Buch »handelt es sich um den wohl vollkommendsten Einsatz von Pochoir-Kolorit im deutschen Kinderbuch.« (Bilderwelt). – Spätere Auflagen erschien im Offsetdruck. – Auf festem, etwas bräunlichem Papier. – Der Originalschutzumschlag liegt bei (gefaltet und eingerissen. – Schönes Exemplar.

25,4 : 31,8 cm. [36] Seiten.

Stark, Schaffstein 187. – Vgl. Stuck-Villa II, 340; Bilderwelt 515; Lex. KJL III, 723 (alle erste Ausgabe 1906)

223  Gute Freunde.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Bilder aus Buntpapier geschnitten von Karl Rohr mit Versen von Albert Sixtus. Eßlingen und München, J. F. Schreiber [1924]. Mit acht Farblithographien. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – »Dieses im Ausschneidestil gehaltene Bilderbuch soll die Kinder […] dazu anregen, mit Schere und Buntpapier die Bilder nachzuschneiden oder eigene Schöpfungen dieser Art hervorzubringen« (Einleitung). – Die Verse von Albert Sixtus in Sütterlin jeweils unter den Bildern lithographisch gedruckt. – Schönes Exemplar.

26,7 : 20,8 cm. [2] Seiten, 8 Lithographien. – Minimal bestoßen.

Schreiber Verlagsnummer 149

224  Olaf Gulbransson – H[ans] C[hristian] Andersen. Däumelieschen und andere Märchen.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

Mit Zeichnungen von Olaf Gulbransson. Berlin, Bruno Cassirer [1927]. Mit 22 ganzseitigen Illustrationen, einschließlich der Titel und Zwischentitel. Originalpergamentband mit Deckelillustration in Schwarz und Gold; Kopfgoldschnittvergoldung.

15. Buch der Reihe »Das Märchenbuch«. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten und in Ganzpergament. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert und nummeriert. – Druck von Dietsch & Brückner AG, Weimar. – Einbandzeichnung, Titel, Zwischentitel und Illustrationen von Olaf Gulbransson. – Enthält neben der Titelgeschichte vier weitere Andersen »Klassiker« wie »Des Kaisers neue Kleider«, »Das Mädchen mit den Zündhölzchen« und »Das häßliche junge Entlein«. – Schönes Exemplar der seltenen Vorzugsausgabe.

33,5 : 23,4 cm. 62, [6] Seiten. – Hinteres Gelenk mit kleiner Druckstelle. – Vorsatz von früherem Besitzerstolz gezeichnet: 2 Exlibris, 2 Besitzvermerke. – Vereinzelt leicht stockfleckig.

225  Peteris Aigars. Drosmigais Gailens

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 240

(lettisch: Das mutige Hähnchen). Illustrejusi Zelma Talberga. Riga, T. O. Steinberg 1943. Mit 14 farbig lithographierten Illustrationen. Originalbroschur mit farbigem Deckelbild.

Erste Ausgabe, sehr selten. Trotz der angegebenen Auflage von 5.000 Exemplaren konnten wir via KVK kein Exemplar der Originalausgabe nachweisen. 1944 wurde im selben Verlag eine deutschsprachige Ausgabe gedruckt. – 1970 erschien in Riga eine Monographie über das graphische und malerische Œuvre der lettischen Künstlerin Zelma Talberga (1900–1972). Der bürgerliche Name des Dichters war Herbert Termanis (1904–1971). – Beigabe: Aleksandr Junkers. Kokgrebumi. Riga 1942. Mit 15 Holzschnitttafeln. Mit Textheft lose in Originalumschlag. Eins von 1050 Exemplaren in lettischer Sprache.

24,3 : 30,5 cm. [16] Seiten. – Ränder leicht gebräunt.

In keiner uns zugänglichen Kinderbuchbibliographie

226  Eva Johanna Rubin. Der bunte Garten.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

Ein Buch für unsere Kinder mit Bildern. Niederschöneweide/Berlin, Erich Thieme [1946]. Mit vier Farbtafeln und zahlreichen zweifarbigen Illustrationen. Originalhalbleinenband mit mehrfarbiger Vorderdeckelillustration und Hinterdeckelvignette.

Vorabexemplar, montiert aus den Andruckbogen. – Das erste Kinderbuch von Eva Johanna Rubin (1925–2001) erschien nur in einer einzigen Ausgabe »und ist scheinbar verschollen wie der Verlag«. Die Künstlerin, die in den Folgejahren für verschiedene DDR-Verlage arbeitete, kalligraphierte für ihren Erstling Texte von Paula Dehmel und Christian Morgenstern sowie bekannte Kinderreime und illustrierte diese in den Texten. Zu eigenen Versen entstanden vier ganzseitige Farbbilder. – Meist noch mit Passermarken und Farbskalen, einige mit Deckweiß retuschiert. – Unikum.

24,8 : 20,0 cm. [18] Seiten. – Deckel minimal fleckig.

Bode, Rubin 2

227  Guten Abend, gut’ Nacht!

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Die schönsten Wiegenlieder mit Bildern von Ruthild Busch-Schumann. Mainz, Jos. Scholz [1946]. Farbig illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar..

Scholz-Bilderbücher Nr 416. – Mit eigenhändiger Widmung der Verleger-Witwe Edith Scholz für einen Förderer bei den amerikanischen Behörden: »Dies Büchlein entstammt der ersten Neuauflage, die unter der mir erteilten amerikanischen Licenz entstanden ist. … in aufrichtiger Dankbarkeit für die erwiesene wohlwollende Unterstützung und beratende Förderung bei der Erfüllung meiner verlegerischen Aufgabe … Wiesbaden im August 1946«. – Als Großhandelsfirma für Papierwaren 1793 gegründet, wurden seit den 1840er Jahren illustrierte Kinderbücher verlegt. Der im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstörte Verlag wurde von Edith Scholz wieder aufgebaut.

17,6 : 16,5 cm. [20] Seiten. – Papierbedingt gebräunt. Exlibris.

Bilderwelt 716

228  Antoine de Saint-Exupéry. Der Kleine Prinz.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Mit Zeichnungen des Verfassers. Bad Salzig, Karl Rauch 1950. Mit zahlreichen meist farbigen Illustrationen. Originalleinenband mit farbig illustriertem -schutzumschlag.

Erste deutsche Ausgabe, zeitgleich erschien eine Lizenzausgabe in Zürich. – »Das ist kein Buch für Kinder, es ist die aus aller Erdeneinsamkeit befreiende Botschaft eines großen Dichters, mit der er uns dicht heranrückt an die Lösung der großen Geheimnisse der Welt. Prof. Martin Heidegger bezeichnet es als sein Lieblingsbuch« (Umschlagtext).

23,0 : 18,0 cm. 91, [3] Seiten. – Schutzumschlag an den Rändern etwas gebräunt, ein kleiner Einriss hinterlegt.

229  Astronomie – P[ierre] S[imon] de Laplace. Traité de mécanique céleste.

Schätzpreis/Estimate: € 6000

Zuschlag/Hammerprice: € 5000

Tome premier [–] cinquième [et] Supplement [1–4]. Paris, J. B. M. Duprat (1799)–1802, Courcier 1805 und Bachelier 1825. Mit einer gefalteten Kupfertafeln und zahlreichen Tabellen im Text. Halblederbände des 19. Jahrhunderts.

Vollständiges Exemplar der ersten Ausgabe. – »Laplace hat man den ›Newton Frankreichs‹ genannt. In seiner großartigen ›Abhandlung über Himmelsmechanik‹, die in einem Zeitraum von siebenundzwanzig [!] Jahren veröffentlicht wurde, faßte er die Theorien und Ausführungen seiner Vorgänger – vor allem Newtons, Eulers, d’Alemberts, Kants und seines Zeitgenossen Lagrange […] zusammen und entwickelte sie weiter.« (PMM). Im Gegensatz zu Newton, der ein korrigierendes göttliches Eingreifen für notwendig erachtete, zeigte Laplace hier das Wirken von Eigenkorrekturen und damit das Sonnensystem als mechanisch stabil. – Wegen des langen Erscheinungszeitraums selten vollständig, hier mit allen vier Supplementen in Band III, IV (dort zwei) und V.

XXXII, 368; [4], 382, [2]; XXIV, 303, [1], 24; XL, 347, [1], [2], 65, [1], 1 Kupfer, 78, [2]; VIII, 419, [1], [2], 35, [1] Seiten. – Leicht berieben und bestoßen, Rücken alt erneuert. – Innendeckel mit Bibliotheksschildern, Titel bzw. Vortitel und meist noch eine zusätzliche Seite mit Stempel. Alter verblasster Besitzvermerk. Nur ganz vereinzelt leicht fleckig.

PMM 252. – Brunet III, 834 u. Graesse IV, 105 (beide 1800 für Band I)

230  Julius Schiller. Cœlum Stellatum Christianum.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

– Daraus: 18 Kupferstiche von Lukas Kilian und zwei Kupfertitel. 1627. 24 : 32 cm. Augsburg, Andreas Aperger 1627.

Aus der ersten Ausgabe von Julius Schillers christlichem Sternkatalog. In diesem hatte er die Sternbilder nicht durch die üblichen Tiere und antiken Halbgötter dargestellt, sondern durch christliche Heilige und Symbole. Die astronomische Beschreibung stammt hauptsächlich von Johann Bayer, der 1803 seine berühmte »Uranometria« veröffentlicht hatte. Während dessen Methode der Sternbenennung noch heute verwendet wird, blieb Schillers christliche Astronomie ein Kuriosum. – Nach den Vorlagen von Matthias Karger stach Lukas Kilian die prächtigen Kupfer. Von den insgesamt 49 Kupferstichen des Werkes sind hier vorhanden: Sechs Sternbilder des Nordhimmels mit Figuren des Neuen Testaments (u. a. Pegasus = Erzengel Gabriel, Kassiopeia = Maria Magdalena), sechs Sternbilder des Südhimmels mit alttestamentlichen Figuren (u. a. Kleiner Hund = Opferlamm, Centauer = Abraham und Isaak) und sechs der zwölf Tierkreiszeichen, die nun für die zwölf Apostel standen (hier Krebs = Johannes, Jungfrau, Zwillinge, Stier, Löwe und Waage). – Die Darstellung der Sternbilder erfolgt aus göttlicher Sicht auf das Firmament in Richtung Erde, also seitenverkehrt. – Neben dem figürlichen Haupttitel hier noch eine Variante, gestochen von Wolf Kilian, die die Namen von Zeichner und Stecher unterschlägt. – Alle Kupferstiche rückseitig mit Text der Buchausgabe.

Einige leicht stockfleckig und leicht gebräunt, vereinzelte restaurierte Fehlstellen.

Katalog Augsburger Barock 1968, 674

231  Digestum vetus.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Digestorum seu Pandectarum Juris enucleati ex omni jure veteri in libros quinquaginta collecti […] Lyon, Hugo Porta und Anton Vincent 1558. Mit zwei gefalteten Holzschnitten. Pergamentband der Zeit mit reicher Blindprägung mit Platten- und Rollenstempeln und Messingbeschlägen.

Eine von zwei Quartausgaben des ersten Teils der Pandektensammlung des Corpus Juris, der die Digesten 1 bis 24 enthielt. – Gedruckt in Rot und Schwarz, Text in Latein und Griechisch. – Hugo Porta hatte sich mit verschiedenen Verlegern in Lyon und Genf zusammengeschlossen und betrieb die Herausgabe der maßgeblichen Gesetzessammlung, die auf die justinianischen Beschlüsse im Jahr 530 zurückging, als Monopol. Seit 1538 erschienen stetig Nach- und Neuausgaben, 1551 folgte die erste, 1558 die vorliegende zweite Quartausgabe. Erst im 17. Jahrhundert wurde die bis dahin unbestrittene Gültigkeit der Pandekten diskutiert.

27,0 : 19,0 cm. [174], 1509, [1] Seiten. – Einband etwas fleckig und am Rücken unten aufgeplatzt. – Teils etwas wasserrandig, einige Anstreichungen, die ersten 80 Blätter unten stark gebräunt. Die Vorblätter mit alten Anmerkungen. Die beiden Holzschnitte lose, einer am linken Rand mit Klebespuren.

Spangenberg 1817, 228

232  Reineke Fuchs.

Schätzpreis/Estimate: € 750 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

Das ist Ein sehr Nützliches, Lust- und Sinn-reiches Büchlein, Darein auf verblümete, jedoch löbliche schreibart, unter den Nahmen deß Löwen, Bähren, Fuchses, Wolfes etc. Das Hofe. wie auch aller Stände der Welt Leben und Wesen […] Tugenden , als auch […] Lastern beschrieben […] Auff das Neue mit allerhand jetziger Zeit üblichen Reimarten […] ausgezieret. […] Und in drey Theile abgetheilet. Rostock, Joachim Wilden 1650. Mit 41 Holzschnitten von Virgil Solis und einer Holzschnitt-Titelvignette. Halbpergamentband des 19. Jahrhunderts.

Erste Rostocker Ausgabe. – Die 41 Textholzschnitte von Virgil Solis, einige wurden mehrfach verwendet, entstanden bereits für die Frankfurter Ausgabe. – »Barocke Bearbeitung unter Verwendung von Alexandrinern aus dem Umkreis der Nürnberger Pegnitzschäfer (G. Ph. Harsdörffer); zuweilen auch Philipp von Zesen bzw. Johann Heinrich Rist zugeschrieben« (Menke). – Mit dem seltenen Errata-Blatt am Ende.

16,5 : 10,3 cm. 421, [19] Seiten. – Leicht wellig, gelegentlich leicht gebräunt. Titelblatt rückseitig mit überklebtem Bibliotheksstempel, Seite 7 mit 2. Stempel. – Im Falz etwas knapp eingebunden.

VD 17, 23:270754L. – Menke S. 338, VII, 23

233  Erasmus von Rotterdam. Lob der Narrheit

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 300

in einer Schertz-Rede entworffen. Anjetzo aufs neue aus dem Lateinischen ins Teutsche übersetzt, mit nöthigen Anmerkungen erläutert und mit Johann Holbeins Kupfern gezieret, wie auch einer kurtzgefaßten Lebens-Beschreibung des Auctoris versehen Frankfurt und Leipzig, Ludwig Ußleber 1735. Mit gestochenem Porträt, sechs gefalteten Kupfertafeln und 76 Textkupfern nach Holbein von I. A. Schmidt. Kalblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Das 1509 als Scherzschrift entstandene »Lob der Narrheit« wurde zu einem Rundumschlag gegen die Missstände in Kirche, Politik und Gesellschaft. Der Humanist Erasmus von Rotterdam eckte mit diesem eigentlich nur als »Stilübung« gedachten, seinem Freund Thomas Morus in London zugeeigneten, unterhaltsam philosophischen Werk bei vielen seiner Zeitgenossen an, die Kirche setzte es später sogar auf den Index. Zu offen wandte sich Erasmus gegen die weltlichen Auswüchse von Religion und Kirche. Den reformatorischen Geist der Schrift erkannte damals auch Martin Luther nicht. – Dazu: Samuel Knight. Das Leben des fürtrefflichen Erasmi von Rotterdam, Insbesonderheit aber diejenige merckwürdigste Theil davon […] Nebst einem Anhang unterschiedlicher rarer Urkunden. Leipzig, Johann George Löwe 1736. Mit 19 teils gefalteten Kupfertafeln. Halbpergamentband.

18,4 : 12,2 cm. [34], 264 Seiten, 6 Tafeln; 56, 398, [2], 126, [10] Seiten, 19 Tafeln. – Zeitungsnotiz auf dem Vorsatz eingeklebt. – 1 Falttafel mit kleiner Fehlstelle, eine im Klebefalz eingerissen. 1 Seite mit kleinem Einriss.

234  G[erhard] T[ersteegen]. Diß ist der Frommen Lotterie,

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Wobey man kan verlieren nie: Das Nichts darin it all so groß, Als wann dir fiel das beste Loos. Mit verschiedenen Reimen aufs neue vermehret, und durchhin mit Biblischen Sprüchen bejräftiget von dem Autore. Solingen, Johann Schmitz 1754. Lederband der Zeit mit blindgeprägter Vignette und Eckfleurons.

1722 wurde die Spruchsammlung des Laienpredigers Tersteegen erstmals veröffentlicht. Ab 1738 erschien sie als geistliche Lotterie mit 365 Losen – eins für jeden Tag des Jahres. Die Lose, jeweils vierzeilige erbauliche Reimverse, zählten zu den verbreitetsten im deutschen Sprachraum. 1743 erschien sie in der vorliegenden, auf 381 Sprüche vermehrten, Ausgabe, in späteren Jahren gab es weitere mit insgesamt 412 Sprüchen. – Die hier vorliegende Sammlung ist weder im KVK noch in einer der einschlägigen Bibliographien nachweisbar. – Gerhard Tersteegen (1697–1769) wurde als Seelsorger, Schriftsteller und Mystiker zu einem der herausragendsten Vertreter des Pietismus im 18. Jahrhundert. Seit 1728 war einer der bekanntesten Dichter von Kirchenliedern und verfasste zahlreiche Schriften, 1729 erschien sein »Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen«. Seit 1728 wirkte er als Prediger in der protestantischen Erweckungsbewegung. – Für ein zum täglichen Gebrauch bestimmtes Buch nach mehr als 250 Jahren in bemerkenswert gutem Zustand.

6,0 : 11,0 cm. [2], 381, [1] Seiten. – Einband am Oberrand mit kleiner Wurmfraß-Stelle. Ränder minimal berieben.

235  Samuel Bottschild. Opera varia historica, poetica & iconologia.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 400

– Daraus: 34 Kupferstiche und das gestochene Titelblatt. [Nürnberg,] Christoph Weigel [um 1693].

Schöne Sammlung von mythologischen, allegorischen und emblematischen Kupfern nach den Vorzeichnungen des sächsischen Künstlers Samuel Bottschild (1641–1706, »das bedeutendste Mitglied dieser Familie und ein hervorragender Künstler seiner Zeit« (Thieme/Becker), Hofmaler des sächsischen Kurfürsten Johann Georg IV. – Das Werk widmete Bottschild Johann Christian Schumann (1634–1705), dem langjährigen Ratsherren sowie späteren Bürgermeister der Stadt Dresden (1696–1705). – Meist mit dem gestochenen Namen des Künstlers, ein Blatt mit dem Namen des Stechers M. Bodenehr.

Verschiedene Formate (20 : 15 bis 32 : 24 cm). – Teils leicht braunfleckig.

Katalog Kunstbibliothek Berlin 5291

236  Jacques Callot. Lux claustri. La lumiere du cloistre.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 800 ( R7 )

Representées par figures emblematiques. Paris, François Lanlois 1646. Mit 27 emblematischen Kupferstichen, davon elf koloriert. Lederband der Zeit mit etwas Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe. – Hübsche Folge der sinnbildlichen Kupfer (je 6 : 8 cm), jeder auf einem einseitig bedruckten Blatt mit Überschrift in Latein und Französisch über sowie einem zweizeiligen lateinischen und einem vierzeiligen französischen Motto unter dem Stich. – Bemerkenswert Kupfer 22 mit der Darstellung des sich im Wasser spiegelenden Narziss. – Zehn Kupfer sehr fein, eins nur in Ansätzen koloriert. – Mit gestochenen Exlibris von Alfred Murányi Rohó und Alfred Pfeiffer, sowie einem Bibliotheksschildchen des letzteren.

18,5 : 14,0 cm. [2], 27 Blätter. – Einband stark berieben. – Die ersten Blätter mit winzigen Randläsuren, einige Kupfer mit leichten Wasserrändern (vom Kolorieren). Vorsatzblatt geknittert.

Meaume 234–260. – Landwehr 199

237  Adriaen van Ostade.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Die Radierungen des Meisters in originalgetreuen Nachbildungen mit einer Einführung von Elfried Bock. Berlin, Amsler & Ruthardt 1922. Mit 50 Tafeln. Originalpergamentband mit vergoldeten Titeln.

Eins von 160 Exemplaren der Luxusausgabe. – Auf Bütten. – Die hervorragenden Drucke in Originalgröße entstanden in der Chalkographischen Kunstanstalt Angerer, Berlin. – Mit einer biographischen Einführung und einer Konkordanz zu Bartschs Verzeichnis.

37, 2 : 29,0 cm. [12] Seiten, 50 Tafeln. – Hinterdeckel leicht berieben. – Stempel auf dem Vorsatzblatt. Ränder mit vereinzelten Stockflecken, letzte Tafel am Rand etwas fingerfleckig.

238  Peter Carl Geissler. Acht lavierte Silberstiftzeichnungen

Schätzpreis/Estimate: € 800 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 650

zu Goethes »Torquato Tasso« bzw. »Rameaus Neffe«.1830. Ca. 11 : 7 cm. Mit Bleistift bezeichnet.

Feinst ausgeführte Vorlagen für die Kupferstecher, jeweils am Unterrand bezeichnet als »Zeichnung von P. C. Geissler in Nürnberg«, teils datiert 1830. Meist auch mit Zusatz der Textvorlage u. a. – Vorhanden sind die Vorzeichnungen für das Titelkupfer von »Minerva. Taschenbuch für das Jahr 1833« und fünf der acht dort enthaltenen Kupfer zum »Torquato Tasso« (I, II, III, VI und VII), eine zu Goethes »Rameaus Neffe« und eine unbetitelte. – Alle auf festem Bristol Paper und sehr gut erhalten. – Peter Carl Geissler (1802–1872) gründete 1830 in Nürnberg eine Verlagsbuchhandlung und Illuminieranstalt und »lieferte namentlich Titelzeichnungen und Taschenbuchblätter, auch Zeichnungen zu den Werken von Goethe, Schiller, Zschokke […]« (Thieme/Becker XIII, 354). – Eine Zeichnung mit handschriftlichem Vermerk »Excudatur Sartorius«. – Vgl. den digitalisierten Bestand des Frankfurter Goethehauses.

239  Otto Wagner. Teplitz.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Acht Tuschpinselzeichnungen, Sepia über Bleistift, eine zusätzlich koloriert. Um 1840. Etwa 8 : 10 bis 10 : 17 cm. Bezeichnet.

Die dem Dresdner Maler Otto Wagner (1803–1961) zugeschriebene Folge der kleinformatigen, fein ausgeführten Sepiazeichnungen enthält Ansichten vom Teplitzer Schlossgarten (2), Theater, Steinbad, Schlangenbad, Schwefelbad sowie der nahegelegenen Orte Graupen und Mariaschein. 1846 erschien unter dem Titel »XVII Ansichten von Teplitz und der Umgegend« eine Folge von farbigen Lithographien des Künstlers. Otto Wagner, Bruder des für seine architektonischen Arbeiten bekannten Georg Wagner, war vor allem als Landschafts- und Dekorationsmaler tätig. Für einige Ansichten in Tromlitz’ Band über die Sächsische Schweiz in der Reihe »Das malerische und romantische Deutschland« lieferte er die Vorlagen. – Jede Zeichnung mit blauem Papier unterlegt und auf Kartonblätter montiert. – Ehemals Sammlung Franz Apelt, Zittau.

Thieme/Becker XXXV, 45f

240  Hans von Marées. Zeichnungen.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Mit Betrachtungen von Wilhelm Hausenstein, Rudolf Pannwitz, Walther Riezler, Julius Meier-Graefe. München, Verlag der Marées-Gesellschaft R. Piper 1918. 30 Tafeln nach Zeichnungen und das Textheft mit elf Radierungen, davon vier ganzseitig, von W. Schmidt nach Marées in Originalhalbleinenmappe.

Zehnter Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 150 Exemplaren (Gesamtauflage 200). – Die Texte und Radierungen auf starkes, blütenweißes Bütten gedruckt. – Die Zeichnungsfaksimiles wurden bei den namhaften Druckereien Markert, Obernetter, Albert Fritsch und Hanfstaengl gedruckt. Das Papier wurde nach dem jeweiligen Original ausgewählt. – Die »Marées-Gesellschaft« wurde 1917 von Julius Meier-Graefe zum Andenken an den 1887 verstorbenen Künstler Hans von Marées gegründet.

67 : 51 cm (Mappe). – Die Mappe etwas bestoßen und gelockert. – Ein Doppelblatt im Heft gelockert.

Rodenberg 364, 10

241  Clemens Brentano. Die Märchen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 440

Zum Besten der Armen nach dem letzten Willen des Verfassers herausgegeben von Guido Görres. Erster [und] Zweiter Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1846–47. Halblederbände der Zeit mit Rückenverzierung in Gold- und Blindprägung. Marmorierte Deckelbezüge.

Erste Ausgabe der umfassenden Märchensammlung. – Auf feinem weißen Velinpapier. – Der Dichter hatte bereits 1809 eine Veröffentlichung seiner »Kindermährchen« bei dem Verleger Zimmer in Heidelberg, der ihm durch die Veröffentlichung von »Des Knaben Wunderhorn« bekannt war, erwogen. Er bat Philipp Otto Runge und die Brüder Grimm um Unterstützung. Der Plan verzögerte sich, 1827 erschien ein unautorisierter Abdruck (»In die Buchhandlung gekommen, finde ich mit einem mich wunderlich ergreifenden Ekel meine in Frankfurt sorgenlos zurückgelassenen Märchen in der Iris abgedruckt.« (Brief an Joh. Fr. Böhmer, 15. II. 1827).

20,8 : 13,3 cm. LVIII, [2], 495, [1]; [4], 608 Seiten. – Rücken minimal verblasst. Deckelbezüge berieben. – Vorsätze und einige Seiten schwach stockfleckig.

Goedeke VI, 62, 46. – Mallon 155 u. 163 – Slg. Borst 2198

242  Joseph von Eichendorff. Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 230

Erster [bis] Vierter Theil [in zwei Bänden] Berlin, M. Simion 1842. Mit einem gestochenen Porträt als Frontispiz. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung.

Titelauflage der ersten Gesamtausgabe von 1841.

18,6 : 12,5 cm. XVIII, 514, [2], 382; [4], 443, [7], 396 Seiten. – Etwas berieben und bestoßen, eine Ecke geknickt. – Innengelenke von II gebrochen, eine Lage gelockert. Hin und wieder etwas stockfleckig.

Goedeke VIII, 192, 35

243  Johann Gottlieb Fichte. Drei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 350

1798–1806.

I. Das System der Sittenlehre nach Principien der Wissenschaftslehre. Jena und Leipzig, Christian Ernst Gabler 1798. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung. [2], XVIII, [4], 494 Seiten. – II. Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters. Dargestellt […] in Vorlesungen, gehalten zu Berlin, im Jahre 1804–5. Berlin, Realschulbuchhandlung 1806. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung und zwei Rückenschildern. VIII, [2], 563, [1] Seiten. Exlibris. – III. Ueber das Wesen des Gelehrten und seine Erscheinungen im Gebiete der Freiheit. In öffentlichen Vorlesungen, gehalten zu Erlangen, im Sommer-Halbjahre 1805. Berlin, Himburgsche Buchhandlung 1806. Neuer Interimsumschlag. VI, 215, [1] Seiten.

I und II: sehr schön und nur ganz vereinzelt leicht stockfleckig. – III: unbeschnitten, gelegentlich gebräunt bzw. stockfleckig.

Goedeke V, 8, 11 und 16 (III dort nicht). – Baumgartner/Jacobs 36, 61 und 62. – Slg. Borst 802, 1027 und 1028

244  Christian Fürchtegott Gellert. Sämmtliche Fabeln und Erzählungen

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 180

in drey Büchern. Neue verbesserte Auflage. Berlin, Oehmigke der Jüngere 1803. Mit zwölf kolorierten Kupfertafeln von J. H. Meil nach Daniel Chodowiecki und kolorierter, gestochener Titelvignette. Brauner Pappband der Zeit mit grün-goldenem Rückenschild und vergoldeten Fileten.

Gellerts Fabeln erschienen erstmals 1745 , mit Chodowieckis Illustrationen 1775/76. – Die Meilschen Stiche nach Chodowieckis Vorlagen umfassen Motive aus beiden Serien und sind etwas größer als die Originalstiche. – Die Titelvignette wurde von Glassbach gestochen. – In farbfrischem, kräftigen Kolorit.

20,2 : 12,2 cm. XXXVIII, 208 Seiten. 12 Kupfertafeln. – Rücken verblasst. – Stellenweise fleckig.

Rümann 18. Jahrhundert 311. – Vgl. Bauer 246–257 und 284–295

245  J[ohann] W[olfgang von] Goethe. Stella.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 560

Ein Schauspiel für Liebende in fünf Akten. Berlin, August Mylius 1776. Zweifarbiger Lederband im Stil der Zeit mit vergoldeten Bordüren und Fleurons, zwei rot-goldenen Rückenschildchen sowie Blindprägung auf Deckeln und Innenkanten (signiert: Wilh. Gethers Eft. Kannikestr. 15).

Erste Ausgabe, sehr selten. – Die Dreiecksgeschichte zwischen Fernando, Stella und Cezilie gipfelte zur Empörung vieler Zeitgenossen (und bald auch der Berliner Zensur) in einem glücklichen Finale: »Fernando, beide umarmend. ›Mein, Mein!‹ Stella, seine Hand fassend an ihm hangend. ›Ich bin dein!‹ Cezilie, seine Hand fassend, an seinem Hals. ›Wir sind dein!‹« – Das überaus erfolgreiche Stück erlebte noch im Jahr der Erstausgabe sechs unrechtmäßige Nachdrucke. Nach zehn Aufführungen wurde es von preußischen Behörden verboten. Goethe schrieb das Stück 1806 zum »Trauerspiel« um: Fernando erschießt sich, Stella nimmt Gift. – Personenverzeichnis auf Seite 4, Paginierung Seite 80 korrekt (vgl. Hirzel). – Insgesamt sehr schönes Exemplar.

16,5 : 10,3 cm. – Kanten minimal berieben, 1 Gelenk leicht angeplatzt. – Exlibris und Monogrammstempel.

Goedeke IV/3, 131, 113. – Hagen 121. – Hirzel A76/77. – Slg. Kippenberg 353

246  [Johann Wolfgang von] Goethe. West-oestlicher Divan.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Stuttgart, Cotta 1819. Mit gestochenem Frontispiz und Titel von C. Ermer nach Entwürfen Goethes. Leinenband des späten 19. Jahrhunderts mit neuerem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Mit dem korrigierten Viertelbogen der Seiten 7–10. – Der Gestaltung des Titelblatts mit den arabischen Schriftzügen widmete Goethe größte Aufmerksamkeit. – »Wie die Hinwendung zur klassischen Antike Goethes ersten großen Gedichtzyklus, die ›Römischen Elegien‹, bestimmt hatte, so gab ihm die Begegnung mit der orientalischen Poesie, vor allem der Lektüre des ›Divan‹ des persischen Dichters Hafez […] den geistigen Anstoß zu seinem ›West-östlichen Divan‹. […] Zu der geistigen Anregung durch die Hafis-Lektüre kam das Gefühl körperlicher und geistiger Verjüngung, einer ›wiederholten Pubertät‹ […]« (KNLL). Im August 1814 begegnete Goethe auf seiner Reise in die Rhein-Main-Gegenden Marianne Jung, späterer von Willemer. »Aus der Leidenschaft zwischen Goethe und Marianne von Willemer, die vor allem im Herbst 1815 […] voll zur Entfaltung kam, erwuchs ein großer Teil der Gedichte. Einige der schönsten Gedichte des Bandes stammen von der Hand der Verehrten.«.

16,2 : 10,5 cm. Doppelkupfertitel, 556 Seiten. – Rücken und Teile des Hinterdeckels verblasst. – Titel mit gelöschtem Stempel, dort hinterlegt und, wie das Folgeblatt, mit kleiner Bräunung. Meist sehr leicht, einige Lagen auch stärker stockfleckig.

Goedeke IV/3, 492, 110. – Hagen 416. – Slg. Kippenberg 400. – Slg. Borst 1312. – Fischer, Cotta 1189

247  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

oder Die Entsagenden. Ein Roman. Erster Theil [alles Erschienene]. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1821. Grüner Leinenband um 1900 mit Rückentitel und Fileten in Gold.

Erste Ausgabe. – Die elf Gedichte bzw. Sprüche auf den Vorblättern wurden hier erstmals veröffentlicht. – Einzelne Novellen aus dem Roman, der unvollendet blieb, erschienen seit 1809 in mehreren Jahrgängen des »Taschenbuch für Damen«. – Schönes Exemplar, sehr sauber und breitrandig.

16,2 : 10,5 cm. [8], 550 Seiten. – Vordergelenk restauriert. – Stempel auf Titelblatt (Stadtwappen von Den Haag).

Goedeke IV/3, 434. – Kippenberg I, 402. – Hagen 425. – Fischer, Cotta 1300

248  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters theatralische Sendung.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 200 ( R7 )

Nach der Schultheß’schen Abschrift zum ersten Male herausgegeben von Harry Maync. Stuttgart und Berlin, J. G. Cotta Nachfolger 1911. Mit fünf Porträttafeln und sechs Faksimiles. Marmorierter Originalkalblederband mit reicher Vergoldung.

Erste Ausgabe der Urfassung. – Eins von 820 Exemplaren der Luxus-Ausgabe. – Auf fein geripptem Bütten gedruckt und in Kalbleder gebunden, der Einbandentwurf stammt wie die gesamte Buchgestaltung von Emil Rudolf Weiß. – Über die bibliophile Schönheit des Bandes hinaus handelt es sich hier zudem um einen Goethe-Erstdruck: Die Urfassung hatte Goethe in den Jahren 1777 bis 1785 niedergeschrieben, für die Druckausgabe »Wilhelm Meisters Lehrjahre« aber stark verändert. Lange Zeit meinte man, dass der ursprüngliche Text verloren sei, da Goethe das Manuskript selbst vernichtet hatte. 1910 entdeckte Gustav Billeter eine Abschrift in Zürcher Privatbesitz. – Schönes Exemplar.

22,2 : 13,5 cm. [12], 410, [2] Seiten, 11 Tafeln, [6] Seiten. – Kanten schwach berieben.

Goedeke IV/3, 415, b. – Slg. Kippenberg 7947. – Vgl. Roland Starks ausführliche Arbeit in »Aus dem Antiquariat« Heft 11/2002

249  Carl Jügel. Das Puppenhaus,

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

ein Erbstück in der Gontard’schen Familie. Bruchstücke aus den Erinnerungen und Familien-Papieren eines Siebenzigers. Frankfurt a. M. 1857. Mit zwei Porträttafeln. Brauner Ecrasélederband mit vergoldeten Innenkantenbordüren und Schnittvergoldung.

Erste Ausgabe. – Jügels schriftstellerisches Hauptwerk enthält persönliche Erinnerungen an das Frankfurt des frühen 19. Jahrhunderts und – anknüpfend an die Beschreibung eines Puppenhauses – wichtige Beiträge zur Geschichte der Familie Gontard, in denen Goethes Verlobte Lilli, Friedrich Hölderlin und Dr. Ebel einen bemerkenswerten Platz einnehmen. – Von der Familie d’Orville gelangte das Puppenhaus im 18. Jahrhundert in die Bankiersfamilie Gontard. 1816 heiratete Carl Jügel Marie Schönemann, die Nichte von Goethes Freundin Lilli, die mütterlicherseits mit der Familie Gontard verwandt war. Das Puppenhaus befindet sich als Stiftung von Jügels Söhnen Franz und August im historischen Museum in Frankfurt. – Sehr schönes Exemplar.

22,0 : 15,5 cm. 415, [1] Seiten, 2 Tafeln. – Bünde mit kleinen Verfärbungen. – Titelblatt mit Besitzvermerk.

ADB XIV, 659 ff

250  Jeremias Gotthelf. Vier Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Zürich bzw. Berlin 1840–1852.

Der Schweizer Theologe Albert Bitzius (1797–1854) nahm 1836 als Pseudonym den Namen der Hauptfigur seines ersten Romans »Der Bauern-Spiegel«, Jerimias Gotthelf, an. – I. Die Armennoth. Zürich und Frauenfeld, Ch. Beyel 1840. Halblederband. – II. Wie Uli, der Knecht, glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute. Zürich und Frauenfeld, Ch. Beyel 1841. Marmorierter Pappband. Gotthelfs erster Roman in hochdeutscher Sprache. – III. Käthi, die Großmutter, oder: der wahre Weg durch jede Noth. Eine Erzählung für das Volk. Erster [und] Zweiter [in einem] Band. Berlin, Verlagshandlung des allgemeinen deutschen Volksschriften-Vereins (M. Simion u. Jul. Springer) 1847. Grüner Originalleinenband mit Blind- und Goldprägung. – IV. Zeitgeist und Berner Geist. Erster [und] Zweiter Theil [in einem Band]. Berlin, Julius Springer 1852. Marmorierter Pappband. – Ehemals Sammlung Franz Ulrich Apelt.

Einband II etwas berieben und verzogen, I und II vereinzelt etwas stockfleckig. III ohne den Vortitel.

Juker/Martorelli 164, 1211, 718 und 1520. – Brieger 757, 784, 777 und 787. – Slg. Borst 1938, 1982, 2252 und 2464