ChristianHesse

Lot 201 – 250 | Hesse-Auktionen
Lot 201 – 250

201  Kurt Lother Tank. Deutsche Plastik unserer Zeit.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 130 ( R7 )

Herausgegeben von Wilfrid Bade. Geleitwort von Albert Speer. München, Raumbild Verlag Otto Schönstein 1942. Mit 135 Raumbildaufnahmen und acht Tafeln. Originalpappband mit silbergeprägten Titeln und Steckfächern.

Aus der Reihe »Die Welt im Raumbild«. – Exemplar der Ausgabe A mit Bildbetrachter. – 3-D-Brille mit Halterung und 135 Stereofotografien (Bromsilber-Abzüge von Schwarz-Weiß-Stereoaufnahmen), alle Bilder nummeriert und rückseitig mit Bildtitel und dem Namen des Fotografen versehen. – »In keinem der Raumbildbände werden die kunsttheoretischen Vorstellungen der Stereofotografie so explizit thematisiert wie in dem […] Band ›Deutsche Plastik unserer Zeit‹ (1942). Jeder der insgesamt zehn Beiträge zu einem Bildhauer enthält eine Serie von Stereoaufnahmen« (Autopsie).

29 : 20 cm. 118, [2] Seiten, 8 Tafeln, 135 Stereobilder.

Heidtmann 18593. – Autopsie 1, S. 469

202  Hans Felix Zimmermann. Das hunderttürmige Prag.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 130 ( R7 )

Die alte Kaiserstadt an der Moldau. Herausgegeben im Einvernehmen mit dem Kulturamt der Hauptstadt Prag. München, Raumbild Verlag Otto Schönstein 1943. Mit 100 Raumbildaufnahmen und acht Tafeln. Originalpappband mit Steckfächern.

Exemplar der Ausgabe A mit Bildbetrachter. – 3-D-Brille mit Halterung und 100 Stereofotografien (Bromsilber-Abzüge von Schwarz-Weiß-Stereoaufnahmen), alle nummeriert und rückseitig mit Bildtitel und dem Namen des Fotografen versehen. – Die Aufnahmen stammen sämtlich von Hermann Schoepf, München.

29 : 20 cm. 189, [2] Seiten, 100 Stereobilder.

Heidtmann 18596. – Vgl. Autopsie 1, S. 461

203  Fritz Buschmann. Lourdes.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 130 ( R7 )

Stadt der Bernadette. Wallfahrt zu einem verborgenen Mittelpunkt der Welt. Unter Mitwirkung von Aenne Perl und Ernst Günther Blesch. Saarbrücken und Oberaudorf, Raumbild Verlag Otto Schönstein 1949. Mit 75 Raumbildaufnahmen und acht Tafeln. Originalpappband mit Steckfächern.

Exemplar der Ausgabe A mit Bildbetrachter. – 3-D-Brille mit Halterung und 75 Stereofotografien (Bromsilber-Abzüge von Schwarz-Weiß-Stereoaufnahmen), alle nummeriert und rückseitig mit Bildtitel. – Nahezu nahtlos setzte der Schönstein-Verlag nach Kriegsende seine Publikationsreihe fort.

29 : 20 cm. 141, [3] Seiten, 75 Stereobilder. – Vorderdeckel mit größerem Lichtrand.

Heidtmann 18621

204  Valentin Reisdorf. So kämpften sie!

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 130 ( R7 )

Ein Raumbildwerk von den XV. Olympischen Spielen Helsinki 1952. Oberaudorf am Inn, Raumbild Verlag Otto Schönstein 1952. Mit 100 Raumbildaufnahmen. Originalpappband mit vergoldeten Titeln und Steckfächern.

Exemplar der Ausgabe A mit Bildbetrachter. – 3-D-Brille mit Halterung und 100 Stereofotografien (Bromsilber-Abzüge von Schwarz-Weiß-Stereoaufnahmen), alle nummeriert und rückseitig mit Bildtitel. – Der Verlag hatte sein Engagement für die Geisteshaltung der Nazizeit ohne größere Probleme überstanden und dokumentierte noch bis 1960er Jahre die neuen Zeiten.

29 : 20 cm. 107, [5] Seiten, 100 Stereobilder.

Heidtmann 18621

205  Das deutsche Lichtbild.

Schätzpreis/Estimate: € 1000 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 660 ( R7 )

Jahresschau 1927 [bis] 1938. Elf Bände. Berlin, Robert & Bruno Schultz [1927–1937]. Mit zusammen etwa 1500 ganzseitigen fotografischen Abbildungen in Kupfertiefdruck (Band I) bzw. Tieftondruck. Originalleinenbände mit Deckelvignette in Schwarz und Weiß, fünf mit Originalschutzumschlag.

Vollständige Reihe aller Vorkriegsausgaben der fotografischen Jahrbücher, die letzten fünf mit den Originalsilberpapierumschlägen. – Auf Initiative des Verlegers und Amateurfotografen Bruno Schultz erschien der erste Band anlässlich des 50. Jubiläums seines Verlages. Die Auswahl der je 120–170 Aufnahmen von insgesamt etwa 700 Fotografen erfolgte durch eine Jury. Die ersten drei Jahrgänge (davon 1928/29 als Doppelband) wurden von Hans Windisch herausgegeben. – Jeder Band auch mit Textbeiträgen und Anzeigen. – Die graphische Gestaltung der Reihe, die über alle Jahre nahezu unverändert blieb, zeichnete der Berliner Graphiker und Fotograf Heinz Hajek-Halke. Er entwarf das »ddl«-Logo, das Titelblätter und die Schutzumschläge schmückte. – »Mit seinen rund 1500 Aufnahmen bietet [das Jahrbuch] einen repräsentativen Querschnitt und zugleich eine Auslese der damaligen Bildproduktion von Berufs-, Amateur- und Wissenschaftsfotografen sowie der verschiedenen Gattungen der Fotografie im deutschsprachigen Raum. […] Nicht zuletzt aufgrund ihrer Druck- und Ausstattungsqualität zählen die Bände zu den herausragenden Fotobüchern der Zwischenkriegszeit. Ungeachtet seiner nationalen Tendenz fand ›Das deutsche Lichtbild‹ daher internationale Verbreitung und Anerkennung – und wirkte so vorbildhaft für fotografische Jahrbücher anderer Länder« (Roland Jäger, in »Autopsie«, mit seiner ausführlichen Würdigung der Reihe). – Unter den vertretenen Künstlern die namhaftesten der damaligen Zeit: Renger-Patzsch, Hugo Erfurth, Moholy-Nagy, Bucovich, Paul Wolff, Hoppé, Herbert Bayer, Karl Blossfeldt u. v. a. – Dazu: Roland Jaeger. Index zum fotografischen Jahrbuch »Das deutsche Lichtbild«. Fotografen, Autoren, Inserenten. Berlin 2013.

28 : 23 cm. – Einbände teils etwas stockfleckig, die Schutzmschläge teils mit Randeinrissen und -fehlstellen. – Der Textteil einiger Bände leicht, bei den Jahrgängen 1932 und 1933 stärker stockfleckig. Insgesamt schön erhalten, die Tafeln sehr gut.

Autopsie II, 302ff. – Heidtmann 10879

206  Modern Photography.

Schätzpreis/Estimate: € 1000 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 660 ( R7 )

The Studio Annual of Camera Art. Edited by C. G. Holme. 1931–1942/43. [Zwölf Bände]. London und New York, The Studio [1931–1942]. Mit mehr als 1000 fotografischen Abbildungen, viele ganzseitig, einige farbig und montiert. Originalleinenbände, zwei mit Originalschutzumschlag.

Vollständige Reihe dieses wichtigen Fotojahrbuchs, herausgegeben von dem über Jahrzehnte stilprägenden Verlag »The Studio«. – »Why cannot the […] British publishers give us sometimes books of pure photography, like the excellent year book of ›Das Deutsche Lichtbild‹ […]?« (nach Autopsie). – In zeitlicher Überschneidung mit »Das deutsche Lichtbild« erschienen, blieb »Modern Photography« der avantgardistischen und vor allem der internationalen Fotografie stärker verbunden als das deutsche Pendant. – Mit einleitenden Texten zur Fotografie und Bildkommentaren zu den hervorragenden Aufnahmen von Herbert Bayer, Cecil Beaton, Andreas Feininger, Man Ray, László Moholy-Nagy, Eduard Steichen, Ann Biermann, Piet Zwart, E. Hoppé, Ansel Adams, Edward Weston, Brassaï u. v. a. – Der erste Band erschien als »Special Autumn Number«, die beiden folgenden als »The Studio Photography Annual«. Ab Band IV erschienen die Bände in etwas kleinerem Format und jeweils für einen Zweijahreszeitraum. – Als vollständige Reihe sehr selten.

29 : 21 cm bzw. 25 : 19 cm. – Bei Band 1 ein Ausschnitt des Originalschutzumschlags auf den Vorderdeckel montiert. Ein Band an den Kapitalen etwas bestoßen und leicht fleckig, ein Rücken leicht gebräunt. – Insgesamt sehr gut erhalten.

Autopsie II, 313 und 323. – Nicht bei Parr/Badger

207  At the Still Point.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Photographs from the Manfred Heiting Collection at The Museum of Fine Arts Houston. 2006, 2008–2012 and 2015 [sieben Kalender]. Berlin [2005–2014]. Jeweils zwölf Bildtafeln nach Fotografien. Mit Titelblatt, Index und Deckblatt mit einer wiederholten Abbildung spiralgeheftet.

Nach Auskunft des Herausgebers jeweils in etwa 300 Exemplaren erschienen. – »This calendar made for friends of the printed photographs and not for sale«. – Meisterwerke der Fotografie des 20. Jahrhunderts aus der berühmten Sammlung Manfred Heiting. Hervorragend reproduziert und gedruckt im Novaton-Verfahren bei Kirchner & Rothe, Berlin. – Jeder Kalender widmet sich einem speziellen Thema: Frauen, Paare, Kinder und Jugendliche, Bauten und Ruinen, Bäume und Landschaften, weiblicher Akt. – Bestens erhalten, in Leinenkassette.

59 : 48 cm.

208  Pommern – Unser von Gotts gnaden Barnims des Eltern […] Gerichts Ordnung.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Wie es in unsern Fürstlichen Hoffgerichten des Stettinischen und Walgastischen orts zuhalten. Von der Röm. Key. May. unserm allergnedigsten Herrn confirmirt. Barth 1590. Mit einem blattgroßen Holzschnitt des pommerschen Wappens. – Angebunden: Peinlich Halsgericht […] Keyser Carols des Fünfften […] Gerichtsordnung, auff den Reichstagen zu Augspurg und Regenspurg in Jaren dreyssig und zwey und dreyssig gehalten, auffgericht und beschlossen. Barth 1590. – Pergamentband der Zeit mit Bordüren, Initialen, Jahreszahl und Wappensupralibros in Schwarz- und Goldprägung.

Sehr seltene Ausgabe, gedruckt für den Herzog von Pommern in der Herzoglichen Druckerei in Barth. In dieser Druckerei, die von Herzog Bogislaw XIII 1582 gegründet wurde, entstand zwischen 1584 und 1586 die berühmte »Barther Bibel«. Nach Schließung der Offizin wurde diese nach Stettin und 1632 wahrscheinlich an den schwedischen König verkauft und nach Dorpat verlegt. – Nach Wappen und Initialen auf dem Vorderdeckel aus der Bibliothek der thüringischen Familie von Werthern.

19 : 15 cm. 189, [3] Seiten; 176, [8] Seiten. – Einband leicht fleckig. – Seite 3/4 in I und die beiden letzten Blätter in II mit restauerierten Fehlstellen, dabei geringer, beim letzten Registerblatt starker Textverlust. Durchgehend etwas wasserrandig. Hinterer Innendeckel mit Eintragung und Einklebung.

VD16 P 4132 und D 1096

209  David Chyträus. Saxonia, ab Anno Christi 1500.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

usquad M. D. XCIX. recognita; & aliquot annorum accesione, […] Leipzig, Michael Lantzenberger für Henning Groß 1599. Mit einer Holzschnittdruckermarke auf dem Titel und wiederholt am Ende des Bandes. Blindgeprägter Schweinslederband der Zeit mit handgeschriebenem Rückentitel.

Dritter Druck. – Band IV der Werke des langjährigen Rektors der Rostocker Universität. David Kochhafe (1530–1600) soll schon im Kindesalter studiert haben, bereits als 16jähriger hörte er in Wittenberg Martin Luther und blieb danach Melanchthon und dem Gedanken der Reformation verbunden. 1551 folgte er einer Berufung nach Rostock. Unter seinem Einfluss wurde Rostock zum neuen Vorort der lutherischen Orthodoxie (vgl. NDB III, 254). – Die Chronik behandelt über Sachsen hinaus Norddeutschland, darunter Hamburg, Schleswig sowie Dänemark und Schweden. – Der Einband mit den Initialen »GA B D« und der Jahreszahl »1602«. – Ehemals Sammlung Thore Virgins mit dessen Exlibris auf dem Innendeckel. – Exlibris Victor von Stedingk, erworben in der Virgin-Auktion 1977. – Vorsatz und Titel mit mehreren, teils alten Besitz- und Kaufvermerken, u. a. von Joh. M. Heusinger 1736.

35 : 23 cm. [24], 991 (paginiert 994), [1], [22] Seiten. – Schließbänder fehlen, kleine Fehlstellen an den Deckelkanten sorgsam restauriert. – Seitenrand des Titelblatts hinterlegt, die folgenden 15 Blätter mit zwei kleinen Wurmlöchern in der unteren Ecke. Die letzten 6 Blätter mit Japan kaschiert.

VD16 ZV 3365. – Adams C 1607

210  Paul Friedeborn. Historische Beschreibung der Stadt Alten Stettin in Pommern

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausruflimit/Reserve price: € 300

… So dann auch eine GeneralBeschreibung des gantzen Pommerlandes […] Beschrieben und in drey Bücher verfasset. Stettin, Jochim Rheten Erben 1613. Mit Holzschnitten im Text, darunter das alte Stettiner Wappen und ein Porträt. Gebunden unter Verwendung eines mittelalterlichen Pergament-Manuskriptblatts mit blauen und roten Initialen.

Erste Ausgabe. – Paul Friedeborn (1572–1637) war langjähriger Chronist und später Bürgermeister seiner Stadt. – »Seine Bedeutung aber hat er als Localhistoriker durch seine ›Historische Beschreibung der Stadt Alten-Stettin‹ […] da ihm in seiner Stellung als Stadtschreiber die archivalischen Schätze seiner Vaterstadt bekannt und leicht zugänglich geworden waren, so hat er dieselben viel benutzt, und eine Menge Excerpte aus Urkunden und andere archivalische Nachrichten in seine Arbeit aufgenommen […]« (ADB VII, 388).

20 : 16 cm. [34 statt 38], 150, [6, 2 leere]; [20], 168, [16]; [16], 112, [14, 2 leere] Seiten; 2 Falttabellen am Ende von Teil 1. – Es fehlen 2 Blätter in der Vorrede (a2 und a3). – Anfangs einige Blätter lose und angerändert, die großen gefalteten Stammtafeln stark geknittert und mit Einrissen. Teils fleckig und wasserrandig, am Ende einige Wurmgänge. Innendeckel mit alten Vermerken und dem Dublettenstempel der Universitätsbibliothek Uppsala.

VD17 23:235314W

211  Daniel Cramer. Das grosse Pomrische Kirchen Chronicon, Das ist Beschreibung Und Ausführlicher Bericht,

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 550

was sich fürnemblich in Religions Sachen von Enderung der Heydenschafft her im Land zu Pomren und zugehörigem Fürstenthumb Rügen […] zugetragen hat. Stettin, Nicolaus Barthelt 1628. Mit Holzschnitt-Titelbordüre, -Porträt und -Wappen. Pergamentband der Zeit mit handgeschriebenem Rückentitel.

Zweite Ausgabe, erstmals 1602–1604 in Frankfurt erschienen. – Vier Teile in einem Band, jeweils mit einem Inhaltsverzeichnis. – Des Autors »Hauptwerk, eine beachtenswerte und reichhaltige Quelle zur Geschichte Pommerns« (ADB), die u. a. Auszüge aus der niederdeutschen (ungedruckt gebliebenen!) Chronik des A. Remmelding enthält. – Die schöne und breite Holzschnittbordüre des Haupttitels enthält u. a. die Porträts von Herzog Wartislaw und dem Stettiner Bischof Otto von Bamberg. Der »Apostel von Pommern« erwirkte die Christianisierung Pommerns und wurde 1189 heilig gesprochen. Die vorliegende Auflage erschien während der Regentschaft von Bugislav XIV, dessen Holzschnittporträt die Rückseite des Titelblatts ziert. – Exlibris Victor von Stedingk.

31 : 19 cm. [10], 108; [8], 155 (paginiert 156), [1]; [8], 192; [8], 211 (paginiert 241), [1] Seiten. – Der Einband minimal berieben und fleckig. – Titel verso mit Stempel der Großherzogl. Bibliothek Neustrelitz und »Ausgeschieden«-Stempel.

Spruth 87. – VD17 23:232933W

212  Triennales Pomeraniæ afflictiones: Hoc est!

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Hoc est! Succincta verissimaque descriptio causarum, quibus militaris praesidii iugum anno M.DC.XXVII. Pomeraniae impositum, quiq[ue] eius fructus & effectus fuerint. Ohne Ort und Jahr. Mit Holzschnitttitel mit elf Wappendarstellungen. Neuerer Halblederband mit schwarz-goldenem Rückenschild.

Der Text am Ende datiert: Sedini (Stettin) 1630. – Erschien im selben Jahr in deutscher Fassung (Drey jaehrige Drancksahl des Hertzogthumbs Pommern), schildert die Erlebnisse der ersten Kriegsjahre des Dreißigjährigen Krieges. – Das schöne Titelblatt zieren die Wappen der Pommerschen Herzöge und zehn pommerscher Städte und Kreise, darunter Stettin, Rügen, Barth, Güstrow, Wolgast und Usedom. – Mit Exlibris »von Dycke Losentitzer Fideicommiss«.

18,5 : 15 cm. [2], 38 Seiten. – Innendeckel mit Katalogeinklebungen.

VD17 14:003725K

213  Balthasar Henckel. De bello, tam protectitio, quam vindicatorio Gustavi Adolphi, regis Suecorum maximi et fide Bogislai XIV, principis Pomeranorum optimi,

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 160

[…] Stettin, Rethe 1631. Späterer Halbschweinslederband mit roten Deckelbezügen.

Eine von zwei gleichzeitig erschienenen Ausgaben mit abweichender Kollation. – Balthasar Henckel, ein Jurist aus Wittenberg, trat als Jurist und Agent in die Dienste des schwedischen Königs Gustav II. Adolf. Nach Jöcher entstand seine Geschichte des pommerschen Krieges während seiner Gefängnishaft. – Mit dem gestochenem Exlibris C. W. Graf von Nostitz. – Dazu: Christoph Schultetus. Josias Geminus Oder Vergleichung der beyden Gottseeligsten Regenten, Josiae des Königs Judae und Gustavi Adolphi, Königs in Schweden […]. Stettin, David Rethe 1633. [12], 64 Seiten. – Recessus limitaneus seu pacta quibus inter Sac. Reg. Maj.tem Sveciæ, &c. [Christina, Königin von Schweden] & Suam Serenitatem Electoralem Brandenburgicam [Kurfürst Friedrich Wilhelm] Stetini Anno MDCLIII conventum est. Stralsund, Reumann 1663. [84] Seiten. – Neuerer Halbleder- bzw. Pappband. – Seltene Ausgaben, I mit der Predigt zum Tode des Schwedenkönigs, II mit den in langwierigen Verhandlungen erreichten Regelungen zu Grenzfragen des besetzten Hinterpommerns, das von Schweden erst 1653, also fünf Jahre nach dem Westfälischen Frieden, geräumt wurde.

19 : 15 cm. [20, 56], 57–267, [1] Seiten. – Rücken mit größerer Fehlstelle. – Titelblatt mit altem Besitzvermerk. – Beigabe I etwas gebräunt, wasserrandig und knapp beschnitten.

VD17 14:053000M. – Jöcher II, 1486. – Beigaben: VD17 12:123078L und 14:001661R

214  Literae an obitu Pomeraniae ducis,

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

laudatissimiæ memoriæ, ex aula Serenissimi Septemviri Brandenburgici & ad eam datæ. E Germanico idiomate Latina. Ohne Ort, 1638. Moderner Leinenband.

Erste lateinische Ausgabe. – Die deutsche Fassung »Abdruck etlicher an der Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg etc. Hoffe, nach absterben deß Hertzogen zu Pommern […] gewechselter Schriften« erschien 1637 in Frankfurt/Oder. – Seltenes Dokument eines folgenreichen bilateralen Konflikts: Nach dem Tod Bogislaw XIV., dem letzten pommerschen Herzog, weigerte sich Schweden, die im Dreißigjährigen Krieg erorberten Gebiete an den erbberechtigten Kurfürsten von Brandenburg zu übergeben. Im Westfälischen Friedensvertrag wurde Schweden zehn Jahre später gar Vorpommern, Rügen und Greifswald zugesprochen. Diese Teilung Pommerns sollte erst 1815 mit dem Wiener Kongress enden. – Exlibris Victor von Stedingk.

19 : 15 cm. [8], 206, [2, leere] Seiten. – Die letzte Lage aus einem anderen Exemplar eingebunden. – Titelblatt mit Stempel der Königlichen Bibliothek Stockholm und deren Ausgeschieden-Vermerk.

215  Johannes Micraelius. Altes PommerLand

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

(Erstes – Sechstes Buch). Nebenst historischer Erzehlung, dero in nähisten dreißig Jahren, biß auff des letzten Hertzogen Bogißlai XIV. Todt, in Pommern vorgegangenen Geschichten. Alt-Stettin, Georg Rhete 1639–1640. Mit gestochenem Titelblatt, einer (von zwei) gefalteten Kupferstichkarten und zwei genealogischen Falttafeln. Pergamentband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel.

Erste Ausgabe der berühmten Pommernchronik. – Johannis Micraelius (1597–1658) war ein schriftstellerisch überaus produktiver Pädagoge und Historiker. Für mehr als 15 Jahre leitete er das Pädagogicum in Stettin. »Dauernde Bedeutung gewinnt M. aber durch sein Hauptwerk: Sechs Bücher vom alten Pommernlande, das die Arbeiten früherer pommerscher Chronisten für längere Zeit in den Schatten stellte« (ADB XXI, 701). Besonders der landeskundliche Teil »Von deß Pommernlandes Gelegenheit und Einwohnern« in Band 6 und die erste Pommeriana-Bibliographie am Ende des Bandes sind von Bedeutung.

20 : 16 cm. [54], 658, [8]; 630, [22] Seiten, sowie 6 x 8 Seiten Vorreden. Buch drei erschien in zwei Teilen. – Minimal fleckig, Pergament über dem Vordergelenk angeplatzt. Vorsätze erneuert. – Vereinzelt etwas stockfleckig, ein kleiner Tintenfleck auf 6 Seiten, zwei Blätter mit kleinem Loch. Einige Lagen etwas gebräunt.

Spruth 96. – VD17 39:122681S. – Graesse IV, 518. – Schottenloher 32489a

216  Martin von Rango. Origines Pomeranicas clariss. virorum,

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

nec non XXIV. diplomata vetusta patriae antiquitates illustrantia, antehac nunquam typis evulgata. Kolberg, Georg Bothius 1684. Halblederband der Zeit mit hübscher Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Früher Kolberger Druck. – Enthält außer den Traktaten von Schurzfleisch, Hartknoch, van der Mylen auch Urkunden nebst Anmerkungen. Erwähnenswert sind die altdeutschen Gedichte, niederdeutsche Sprachproben sowie sprachliche Erklärungen. – Mit gestochenem Exlibris Melcher Falkenberg, der große Teile seiner Bibliothek 1780 der Universitätsbibliothek Lund stiftete.

18 : 15 cm. [8], 344, [36] Seiten. – Teils etwas stockfleckig. Vereinzelte alte Anmerkungen.

Spruth 100. – VD17 39:122590L

217  Kurtze Relation von der erbärmlichen Einäscherung der Pommerschen Städte Gartz und Wolgast,

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

Als dieselbe respective am 16. und 27. Martii Anno 1713 von den Barbarischen Moscowitern kläglich in Asche geleget worden. Nebst einer Merckwürdigen Prophezeyung Simonis Pauli […] Vom Verlauff des gegenwärtigen Moscowitischen Krieges. Ohne Ort, 1713. Moderner Pappband mit schwarz-goldenem Rückenschild.

Seltenes Dokument aus dem Großen Nordischen Krieg, der von 1700 bis 1721 um die Vorherrschaft im Baltikum geführt wurde. – Wohl im Sinne der schwedischen Militärs verfasste anti-russische Beschreibung der Gräueltaten der russischen Armee. Die Zerstörung der beiden Städte gilt als Rache für die Zerstörung Altonas durch die Schweden im Januar 1713. – Es wurden zeitgleich mehrere Ausgaben gedruckt, hier die im typographischen Vergleich sicher schönste, da üppiger gesetzte Variante.

19 : 16 cm. 19, [5] Seiten. – Titel- und das letzte Blatt im Falz neu gefasst, Titel mit alten Initialen und Wasserfleck.

218  Albert Georg von Schwartz. Historia finium principatus Rugiæ,

Schätzpreis/Estimate: € 900

Ausruflimit/Reserve price: € 590

[…] Accessit specimen diplomatum Rugianorum majoris operis su titulo Rugiæ Diplomaticæ evulgandi nuntium ferens. Greifswald, Höpfner 1727. – Angebunden: Johannes Bugenhagen. Pomeriana, in quatuor libros divisa. […] Ex manuscripto edidit Jac. Henr. Balthasar. Greifswald, Löfler 1728. – Gregor Langemack. Oratio secularis de providentia divina circa Sudensem reformationem per B.DN.Christian Ketelhutium Anno 1523 […]. Stralsund, Schindler 1723. – Michael Lobes. Kurtze historische Erzehlung, wie das heilsame Reformations-Werck, durch […] Christian Ketelhudten, […] angefangen und fortgesetzet worden. Stralsund, Schindler 1723. – Pergamentband der Zeit mit schwarzgeprägtem Rückenschild.

Bedeutsamer und inhaltsreicher Sammelband, alle in erster Ausgabe. – I. Albert Georg von Schwarz, Professor für Geschichte und Philosophie in Greifswald, befasst sich in seiner berühmten Chronik mit der Geschichte Rügens vom 11. bis 17. Jahrhundert, als die Insel infolge des Westfälischen Friedens an Schweden fiel. – II. Bugenhagens »Pomeriana« (»Von […] hohem Werthe für die Pommersche Geschichte«, ADB II, 31) entstand bereits 1517–18, blieb aber zu Lebzeiten ungedruckt. Nach seinem Studium lebte er mehrere Jahre in Wittenberg, war eng mit Martin Luther befreundet, der ihn »Doctor Pomeranus« nannte, und war an Luthers Bibelübersetzung beteiligt. 1539 reiste er zurück nach Greifswald und initiierte die Reformation der dortigen Universität. – III/IV. Christian Ketelhot gilt als der Reformator Stralsunds. 1523 kam er auf seiner Reise in die Hansestadt, 200 Jahre später erschienen die seine Verdienste würdigenden Schriften. Die »Oratio secularis« enthält einen deutschsprachigen Anhang mit einigen Ausführungen Ketelhots. – Sehr schön erhalten.

20 : 16 cm. [2], 224, [16] Seiten; 20, 188, [4] Seiten, 1 Falttabelle; [8], 80 Seiten; [12], 75, [1] Seiten. – Nur wenige Seiten leicht gebräunt.

219  Albert Georg Schwartz. Vorläuffige Verkündigungs-Schrift, darinn, daß die geliebte Stadt Greifswald […] ein 500jähriges Alter erreichet habe.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Greifswald, Carl Höpfner 1733. Marmorierter Pappband des 19. Jahrhunderts.

Erste Ausgabe. – Dazu: Neun Publikationen zur Geschichte verschiedener pommerscher Städte (Anklam, Greifswald, Rostock, Stralsund, Wolgast), darunter: Das Stadtbuch von Anklam. 1401–1474. 1960. – Otto Francke. Das Verfestungsbuch der Stadt Stralsund. 1875. – Das zweite Stralsundische Stadtbuch (1310–1342). Bearbeitet von Robert Ebeling. 1903. – B. Heberlein. Beiträge zur Geschichte der Burg und Stadt Wolgast. 1892. – Album von Wolgast. Leporello mit zwölf montierten Originalfotografien von Ernst Roepke. Wolgast um 1900.

19 : 15 cm. 4, 96 Seiten. – Die ersten und letzten Blätter fleckig und restauriert, teils leicht wasserrandig.

220  Albert Georg Schwarz. Versuch einer Pommersch- und Rügianischen Lehn-Historie,

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Enthaltend die zum Lehn-Wesen dieser Lande gehörige Geschichte und Merckwürdigkeiten, von den ältesten, bis auf die heutige Zeiten. Erster [bis] Dritter Theil. Auf Kosten des Verfassers. Greifswald, Hieronymus Johann Struck 1740. Pergamentband der Zeit mit späterem goldgeprägten Rückenschild.

Erste Ausgabe der umfangreichen Landesgeschichte, erarbeitet von dem Greifswalder Professor für Geschichte und Philosophie. – Die drei Teile umfassen in chronologischer Folge folgende Zeiträume: Von den ältesten Zeiten bis 1182. – Anfang des 13. Jahrhunderts bis zum Westfälischen Frieden. – Vom Westfälischen Frieden bis zum Erscheinungsjahr.

21 : 17 cm. [20], 140; [8],141–1084; [2], 1091–1444, [48] Seiten. – Vorsatzblatt mit altem Besitzvermerk und Stempel. Bindung etwas gelockert und verzogen.

Spruth 260

221  Johannes Bugenhagen. Pomerania,

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausruflimit/Reserve price: € 800

in quator libros divisa. Greifswald, Jacob Löffler 1728. Zusammen mit sechs weiteren Werken in Pergamentband der Zeit mit ausführlichem handschriftlichen Rückentitel.

Sammelband, alle sieben Titel in erster Ausgabe. – I. Valentin Eickstedt. Epitome annalium Pomeraniae. Greifswald, Jacob Löffler 1728. – II. Johann Samuel Hering. Das dem Pommerschen Hertzogen Erico II. gestöhrte Plaisir einer Jagd bey Horst und daher […] erfolgte traurige und gewaltsame Tod und Untergang vier Greiffswaldischer Bürgermeister […] Nebst […] Anmerckungen […] von ausgestorbenen adelichen Geschlechtern in Pommern. Stettin, Johann Kunckeln [1727]. – III. Johann Samuel Hering. Historische Nachricht welchergestalt die berühmte Handels- und Kauff-Stadt an der Oder Alten Stettin […] Frankfurt/Oder Joh. Gottfried Conradi 1726. – IV. Andreas Westphal. De serenissimorum ducum Pomeraniae meritis in rem literariam. Dissertation, [resp.:] August Balthasar. Greifswald, C. Hoepfner 1723. – V. Albert Georg Schwarz. Positiones ex Historia finium pricipates Rugiae […] Dissertation, [resp.:] Joachim Henric. Greifswald, Daniel Benjamin Starck 1726. – VI. Albert Georg Schwarz. Historia finium Principatus Rugiæ […] Greifswalder, Höpner 1727. – Zu Bugenhagen und Schwarz vgl. KatNr. 218, Bugenhagens »Pomerania« hier mit dem seltenen Supplement. – Johann Samuel Hering (1683–1752) war preußischer Jagdrat und Kammeranwalt und wirkte sowohl am Stettiner Gymnasium als auch in verschiedenen öffentlichen Ämtern. Der Bericht »von der gestörten Plaisir« ist seine einzige die Jagd betreffende Veröffentlichung (Lindner, Jagd 915). – Tadellos schönes Exemplar.

20 : 17 cm. 20, 188, [4], 11, [1] Seiten, 1 Falttabelle; 16, 160 Seiten, 1 Falttabelle; 28 Seiten; [2], 34 Seiten; 64 Seiten; [8] Seiten; [2], 224, [16] Seiten. – Besitzvermerk auf Titel I. Ganz vereinzelte Seiten mit unbedeutenden Stockflecken.

VD18 15343200, 15354784, 14481405, –, 10426582, –, 1037955X

222  Hermann Heinrich von Engelbrecht. Delineatio status Pomeraniæ Svethicæ.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Accesserunt mantissa monumentorum et index rerum. Greifswald und Leipzig, Johann Jakob Weitbrecht 1741. Mit Porträt, Titel- und Kopfvignette, alle gestochen. Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe. – Gilt als Hauptwerk des Greifswalder Professors, »welches die Schriften von Mevius, Wolframsdorf, Rosenhand, Tessin, Lagerström und Carvi über diesen Gegenstand weit hinter sich zurückläßt« (ADB VI, 131ff). – Im Anhang befasst sich Engelbrecht mit der Situation der Greifswalder Universität unter der schwedischen Verwaltung und gibt Anregungen zu Umstrukturierungen.

20 : 16 cm. [4], 366, [2], 128, [58] Seiten, 1 Kupfertafel. – Etwas berieben und bestoßen, Kanten und Kapitale mit einigen Fehlstellen.

Spruth 108

223  Neueste Grundgesetze der Staats-Verfassung in Pommern und Rügen Königlich-Schwedischen Antheils,

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 360

wie sie vom Jahr 1720 bis Ausgang 1756 von der Königl. Hochpreislichen Regierung nach Maßgebung der Landes-Umstände publiciret sind. Greifswald, Hieronymus Johann Struck 1757. – Angebunden: Seiner Königlichen Majestät zu Schweden &c. &c. &c. Hofgerichts-Ordnung, in Dero Herzogthum Vorpommern und Fürstehthum Rügen vom Jahr 1672. Nebst den Visitations-Abschieden von 1707, 1737, und 1774 […] Mit einem Anhang der Gemeinen Bescheide vom Jahr 1643, bis 1761. Stralsund, Christian Lorenz Struck 1774. – Marmorierter Kalblederband der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung.

Das pommersche Hofgericht wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts von den pommerschen Herzögen in Wolgast gegründet und 1655 durch Schweden nach Greifswald verlegt. – Der Drucker und Verleger Hieronymus Johann Struck zählt zu den wichtigsten Erneuerern der deutschen Typographie. Seit 1739 in Greifswald tätig, »vervollkommnete [er] die dortige Offizin mit Hülfe des mit ihm befreundeten Breitkopf in Leipzig.« Nach seinem Tod führte sein jüngerer Sohn den Verlag weiter, der ältere Sohn Christian Lorenz Struck leitete die ererbte Rats- und Regierungsdruckerei (vgl. ADB XXXVI, 639). – Aus der Bibliothek des Schwedischen Grafen Melcher Falkenberg (1720–1795) mit dessen gestochenem Wappenexlibris. Er stiftete 1780 einen großen Teil seiner Bibliothek der Universität Lund. – Tadellos schönes Exemplar.

32 : 22 cm. [6], 23, [9], 710 Seiten; 194, [38] Seiten. – Rückenschild mit dem irreführenden Verfassernamen »Dähnert«.

224  Geschichte der Jubel-Feier der Akademie Greifswald

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

über ihr den 17 October 1756 erreichtes Dreyhundertjähriges Alter. Mit beygefügten Sämtlichen Jubel-Schriften und Verhandlungen. Greifswald, gedruckt bei Hieronymus Johann Struck [1757]. Mit einer großen allegorischen Kupfervignette von J. E. Rehn. Moderner Halblederband im Stil der Zeit mit reicher Rückenvergoldung.

Ausführliche Schilderung der Feierlichkeiten zum Jubiläum der Greifswalder Universität. – Mit Beiträgen ihres Rektors Johann Carl Dähnert und von C. J. Kiellman, D. L. Möller, H. M. Lasius, Daniel von Köpf u. a. – Mit ihrem Gründungsjahr 1456 zählt die Academia Gryphiswaldensis zu den ältesten Universitäten Mitteleuropas. Da Pommern 1648–1815 zu Schweden gehörte, erlangte die Universität große Bedeutung für die geistigen Bindungen zwischen Skandinavien und Mitteleuropa. – Selten.

24 : 21 cm. [8], 383, [5] Seiten. – Das erste und letzte Blatt mit kleinen Randausbesserungen. Teils leicht, am Anfang und Schluss etwas stärker stockfleckig.

225  Augustin von Balthasar. Jus ecclesiasticum pastorale. Oder Vollständige Anleitung, wie Prediger, Kirchen- und Schul-Bediente,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

in ihrer Lehre, und im Leben und Wandel, besonders in ihrem Amte […] sich zu verhalten. Nach Anweisung der Pommerschen Kirchen-Ordnung und Agende entworffen. Erster [und] Zweiter Theil. Rostock und Greifswald, Anton Ferdinand Röse 1760–1763. Mit gestochenem Porträt des Verfassers. Pergamentbände der Zeit mit handgeschriebenem Rückentitel.

Erste und einzige Ausgabe. – Augustin von Balthasar (1701–1786) war Lehrer, Rechtsgelehrter und Historiker. 1734 wurde er als Professor an die Greifswalder Universität berufen, deren Rektor er einige Jahre später wurde. Bekannt wurde er vor allem durch sein Werk »Vitae Pomeranorum« und seinen Einsatz gegen die orthodoxen Lehrmeinungen an der theologischen Fakultät in Greifswald. Zusammen mit seinem Bruder Jakob Heinrich sowie J. C. Dähnert u. a. gründete er 1739 die »Teutsche Gesellschaft zu Greifswald«.

34 : 21 cm. [4], 54, [8], 956; [2], 168, 896, 147, [3] Seiten, 1 Kupfer. – Einbände leicht berieben. – Beide Titelblätter und Innendeckel von I mit Besitzvermerk. – Etwa 10 Blätter in Band I mit winzigem Wurmgang. Stellenweise leicht stockfleckig, insgesamt aber recht schön.

226  Johann Carl Dähnert. Sammlung gemeiner und besonderer Pommerscher und Rügischer Landes-Urkunden,

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Gesetze, Privilegien, Veträge, Constitutionen und Ordnungen. Zur Kenntnis der alten und neueren Landes-Verfassung insonderheit des Königlich-Schwedischen Landes-Theils herausgegeben. Erster [bis] Dritter und Letzter Band [und] der Supplementen und Fortsetzung Erster Band. Stralsund, Hieronymus Johann Struck 1765–1769 und [Supplement] Christian Lorentz Struck 1782. Mit gefalteten Tabellen. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung- und schild.

Erste und vollständige Ausgabe aller von dem Greifswalder Professor Johann Carl Dähnert (1719–1785) herausgegebenen Teile. Das opulente Werk erlebte durch Gustaf von Klinkowström bis 1802 noch mehrere Nachträge. – Dähnert, der seit 1738 in Greifswald lebte, wurde 1748 in Anerkennung seiner Verdienste eine »ordentliche Professur der Philosophie verliehen, indem er zugleich zum Universitäts-Bibliothekar ernannt wurde. Dieses Amt hat er in musterhafter Weise und zum notorischen Vortheile der ihm anvertrauten Anstalt verwaltet« (ADB). Später übertrug ihm die schwedische Regierung den neu eingerichteten Lehrstuhl für schwedisches Staatsrecht in Greifswald. Die vorliegende Sammlung gilt als sein Hauptwerk.

33 : 22 cm. Zusammen mehr als 3000 Seiten. – Etwas berieben und leicht bestoßen, Vordergelenk von Band 1 angeplatzt. – Nahezu fleckenfrei. – Exlibris Victor von Stedingk.

ADB IV, 700f

227  Friedrich von Dreger. Codex Pomeraniae,

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 200

vicinarumque terrarum diplomaticus: Oder Urkunden so die Pommersch-, Rügianisch- u. Caminschen, auch die benachbarten Länder, Brandenburg, Mecklenburg, Preussen und Pohlen angehen […] 1. Band bis auf das Jahr 1269 incl. Nebst einem Anhange, welcher die Bildnisse der Pomerellischen Hertzoge, einige Verbesserungen und Anmerckungen […] und ein vierfaches Register […] enthält. [Herausgegeben] und mit einer Vorrede versehen von Johann Carl Conrad Oelrichs. Berlin, Haude und Spenersche Buchhandlung 1768. Mit vier gestochenen Porträts. Pergamentband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild.

Zweite, wesentlich erweiterte Ausgabe. – Die erste erschien 1748, das Werk blieb durch Dregers Tod 1750 unabgeschlossen. Das unveröffentlichte Material, welches in der hier vorliegenden zweiten Auflage im Anhang aufgelistet wurde, gelangte in das Stettiner Marienstiftsgymnasium. Die zweite, verbesserte Edition erhielt als zusätzliche Beigabe vier gestochene Porträts pommerscher Herzöge, gestochen von J. E. Gericke und datiert 1749. – Exlibris Victor von Stedingk.

32 : 21 cm. [8], VI, 560, [32] und [2], 50 Seiten, 4 Kupfer. – Leicht berieben und angestaubt.

Spruth 34. – MNE I, 191. – Dahlmann/Waitz 1249

228  Ludwig Wilhelm Brüggemann. Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

Erster Theil […] Vorpommern. Stettin, H. G. Effenbart 1779. Moderner Halblederband im Stil der Zeit.

Erste Ausgabe des ersten Teils, der zweite, Hinterpommern behandelnde, erschien erst 1784. – Mit einer Falttabelle (Meilenzeiger der pommerschen Städte).

23 : 19 cm. [8], CCCXIIII, 276, [12] Seiten. – Leicht stockfleckig, die letzten Lagen gebräunt und geknittert, die letzten beiden Blätter mit restaurierten Rändern.

Spruth 57. – Engelmann II, 768. – VD18 80324983

229  C. G. N. Gesterding. Pommersches Museum.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Erster [bis] Vierter Theil. Auf Kosten des Verfassers. Rostock, Adler 1782–1790. Pappband der Zeit mit gesprenkeltem Bezugspapier und handgeschriebenem Rückentitel.

Vollständige Folge aller vier Teile, die in Lieferungen erschienen, mit den Titelblättern, allen Nachträgen (auf gelbem Papier) und dem Gesamtregister. – Christoph Gottfried Nicolaus Gesterding (1691–1763), Jurist in Greifswald, »erwarb [sich] auch auf dem Gebiete pommerscher Geschichtsforschung hervorragende Verdienste, namentlich durch Herausgabe dreier Zeitschriften, ›Pommersches Magazin‹, 1774—82, ›Pommersches Museum‹, 1782—90, ›Pommersche Mannigfaltigkeiten‹, 1796« (ADB IX, 126f.). – Dazu: Des Pommerschen Magazins erster Theil. Greifswald, August 1774. Karton der Zeit. Der erste Teil des ersten von Gesterding herausgegeben Periodikums, am Ende ein Wörterbuch zu den alten Ortsnamen in Pommern und auf Rügen. – Ferner: Schwedisch-Pommersch-Rügianischer Staats-Calender. Herausgegeben von Lambert Heinrich Röhl u. a. Stralsund, Struck [1789–1804]. In zwei Bänden. Enthält wohl die Jahrgänge 1790, 1791, 1793, 1796 (ohne Titelei), 1797, 1798, 1799, 1801 (separat gebunden), 1802 und 1805. Reichhaltige Informationen zu Personen, Ämtern, Handel und Messen sowie besonderen Ereignissen. Nicht kollationiert, teils stark gebräunt.

21 : 17 cm. [8], 174; [2], 175–348; [2], 349–500; [4], 501–586; XLIV, [22] Seiten. – Ohne den Haupttitel zu Band 1/2. – Exlibris »von Dycke Losenitzer Fideicommiss«.

Spruth 215. – Vgl. Diesch 283

230  Bartholomäi Sastrowen Herkommen, Geburt und Lauff seines gantzen Lebens,

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 360

[…] von ihm selbst beschrieben. Aus der Handschrift herausgegeben und erläutert von Gottl. Christ. Friedr. Mohnike. Erster [bis] Dritter Theil. Greifswald, Universitäts-Buchhandlung 1823–1824. Mit zwei gefalteten Stammtafeln. Spätere Halblederbände mit Rückenvergoldung, -schild und Buntpapiervorsätzen (Christian Schaaf, Hamburg).

Erste Ausgabe. – Die Selbstbiographie des Bürgermeisters von Stralsund, die seine Lebensjahre bis 1555 umfasst, ist »für die pommersche und allgemeine deutsche Geschichte von hoher Bedeutung« und zeichnet sich durch die »lebendige Auffassung und Darstellung der berichteten Thatsachen und ihre frische humoristische Sprache, in der sich hochdeutsche Mundart mit niederdeutschen Provincialismen und lat. Citaten mischen« aus (ADB XXX, 398). – Das Manuskript zu einem vierten Teil wurde von den Erben vernichtet. – Schönes Exemplar.

21 : 12 cm. [2], CLII, 434, [2]; [2], XXXVI, 720; XXXII, [8, 6], 328 Seiten; 2 Falttabellen. – Teils etwas stockfleckig. – Nach der Vorrede zu Band III folgen das Subskribentenverzeichnis, die Austauschblätter 157/158 und 185/186 sowie das nachgelieferte Widmungsblatt.

Goedeke XIV, 70, 9

231  J. T. Bagmihl. Pommersches Wappenbuch

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

gezeichnet und mit Beschreibung der Wappen und historischen Nachweisen versehen. Erster Band [bis] Band V. Stettin, Selbstverlag u. a. 1843–1855. Mit 352 lithographierten Tafeln mit Wappen und Siegeln. Vier dunkelblaue Halblederbände mit vergoldeten Rückentiteln, Band 1–3 mit vergoldeten Wappensupralibros.

Vollständiges Exemplar des grundlegenden und wichtigen Werkes zur Erforschung der pommerschen Adelsgeschichte. Jeder Band enthält etwa 70 Tafeln und 200 Textseiten mit biographischen Anmerkungen und Angaben über die erste Erwähnung der Geschlechter in Pommern, Grundbesitz, Teilung in verschiedene Linien, Stiftungen etc. – Band I mit dem Haupttitel, dem illustren Subskribentenverzeichnis sowie einer Tafel zur Erläuterung der Farben. – Die Bände IV und V noch in den Originalumschlägen, nachträglich angeglichen zusammengebunden. – Alle fünf Teile aus der Königlichen Ernst August Fideicomissbibliothek, die 1970/71 bei Hauswedell & Nolte versteigert wurde. Die ersten drei Bände mit deren Wappen auf den Vorderdeckeln, alle fünf mit dem roten Bibliotheksstempel rückseitig auf den Titelblättern. – So vollständig sehr selten und hier mit bedeutender Provenienz. – Alle mit Exlibris Victor von Stedingk.

26 : 18 cm. – Gelenke vereinzelt leicht berieben. – Teils etwas stockfleckig, einige Tafeln in Band IV stärker, die letzte in Band V geknickt, sonst sehr gut erhalten.

von Berchem I, 257f

232  Theodor Pyl. Geschichte der Greifswalder Kirchen

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 100

und Klöster, sowie ihrer Denkmäler, nebst einer Einleitung vom Ursprunge der Stadt Greifswald. Erster [bis] Dritter Theil. Greifswald, Bindewald 1885–1887. Mit 18 lithographierten Tafeln und einigen Textabbildungen. Neuere Halblederbände.

Erste Ausgabe. – In Band 1 die Greifswalder Hauptkirchen und deren Denkmäler mit vielen Ansichten, Grundrissen und einzelnen Denkmälern, in Band 2 die Geistlichkeit und Schulen der Stadt, in Band 3 deren Klöster. – 1898–1900 erschienen drei Nachträge. – Schönes Exemplar mit vergoldeten Rückentiteln, marmorierten Deckelbezügen und Kopfschnittvergoldung. – Beigabe: Protokolle der Pommerschen Kirchenvisitationen. Bearbeitet von Hellmuth Heyden. Drei Teile (1535–1539, 1540–1555, Anlagen und Register) in einem Band. Köln 1961–1964. Neuer Halblederband. Tadellos erhalten, ähnlich gebunden wie das obige Werk.

22 : 14 cm. Zusammen etwa 1530 Seiten.

Spruth 665

233  Fünf Publikationen.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausruflimit/Reserve price: € 330

1659–1773. Verschiedene Einbände und Broschuren.

I. Mattias Biörenklou. Memoriale quod post Cæsarei exercitus irruptionem in Pomeraniam. exhibitum est Sac. Rom. Imperii […] Anno 1659. Ohne Ort, 1659. 20 Seiten. VD17 23:261128Q – II. Georg Adolph Caroc [und] Friedrich Christoph Corsvant. Commentationem academicam de Svecorum in Pomeraniam, cumprimis citeriorem meritis. Greifswald, Daniel Benjamin Starck 1710. [2], 30 Seiten. – III. Jakob Liefer. Prodromus exhibens bellum Sundense Anno MCCCXVI. à partu virgineo terra marique gestum. Collectum ex Saxonia Chytræi & chronico Poeraniæ manuscripto. Stralsund, Mederian 1715. [8], 47, [1] Seiten. Nachdruck der Ausgabe von Rostock 1639. – IV. Johann Georg Peter Möller. De iure indigenatus praecipue suecos inter ac Pomeranos reciproco commentatio. Greifswald, A. F. Röse 1773. 36 Seiten. – V. Albert Georg Schwarz & Johann Albert Schwarz. Commentatio academia de principipus veteris et de baronibus mediæ Pomeraniaæ Rugiæque. Greifswald, Hieronymus Johann Struck 1746. [4], XLVIII Seiten.

234  Pommersche Jahrbücher.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Herausgegeben vom Rügisch-Pommerschen Geschichtsverein zu Greifswald und Stralsund. [24 von 34 Bänden]. Greifswald, Abel (später: L. Bamberg) 1900–1940. Acht neuere grüne Pappbände mit gold-schwarzem Rückenschild und eingebundenen Originalumschlägen.

Umfangreiche Folge der wichtigen und inhaltsreichen Sammlung. – Vorhanden die Bände 1–4, 7–9, 13–21, 26–29 und 31–34 (der letzte erschienene Band). – 1945 wurde der Geschichtsverein aufgelöst. – Unter den zahlreichen wichtigen Beiträgen findet sich in Band 26 u. a. »Die Bibliothek Herzog Philipps I. von Pommern« von Josef Deutsch. – Exlibris Victor von Stedingk.

22 : 15 cm. – Seiten 91/92 in Band 17 mit Eckabschnitt und etwas Textverlust.

Kirchner 17274. –

235  28 Bücher zur Geschichte, Genealogie und Stadtgeschichte.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Umfangreiches Konvolut, darunter: A. C. Vanselow. Gelehrtes Pommern. Oder alphabetisches Verzeichniß einiger in Pommern gebohrnen Gelehrten. Stargardt, Tiller 1728. – C. Gesterding [und] Th. Pyl. Pommersche Genealogien. Fünf Teile. Berlin, Reimer 1842 und Greifswald 1868–1892. – Robert Klempin und Gustav Kratz. Matrikeln und Verzeichnisse der pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin, Bath 1863. – Ferner: Pommersches Urkundenbuch (Einzelbände), neun Publikationen in schwedischer Sprache. – Meist Publikationen des 19. Jahrhunderts. – Nicht kollationiert, kein Rückgaberecht.

236  Sophronius Eusebius Hieronymus. Epistolae.

Schätzpreis/Estimate: € 5000 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 4500 ( R7 )

Pars I [–] III [in einem Band]. Basel, Kesler 1489. Mit einem Textholzschnitt und einer Holzschnitt-Druckermarke, einer großen Initiale in Blau und Rot. Lederband der Zeit mit Blindprägung und Beschlägen.

Der schöne Basler Druck mit dem kleinen Holzschnitt am Anfang von Teil II: Der Hl. Hieronymus kniet mit dem Stein in der Hand vor dem Kruzifix, neben ihm ein Löwe. Als zugehöriger Text die Ode »Narrat beatus Hieronymus vitam quam tenuit in heremo«. – Am Schluss von Teil 3 folgen unter Keslers Druckermarke zehn Distichen, in denen Druckername, Ort und Jahreszahl enthalten sind. – Schönes, durchgehend rot rubriziertes Explar, Versalien und alle Initialen in Rot. – Vorsätze aus Pergament, auf dem vorderen Vorsatzblatt im 19. Jahrhundert handschriftlich betitelt. – Hieronymus von Stridon (347–420), Ambrosius, Augustinus und Gregor der Große gelten in der katholischen Kirche als die großen Kirchenväter der Spätantike. Ihre Schriften erschienen in vielen Ausgaben der Frühdrucker.

Folio (30,5 : 21,3 cm). [6], 206, [1 leer]; [6], 271 Blätter. – Es fehlt das erste Blatt von Teil 1 und das leere Blatt am Ende von Teil 3. – Oben teils mit leichtem Wasserrand, einige Blätter mit kleinen Wurmlöchern und -gängen im Rand.

GW 12431. – Hain 8559. – Goff H 171. – Schramm XXI, Abb. 724

237  Diogenes Laertius. De vita, & moribus philosophorum libri decem,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

nuper ad uetusti Græci codicis fidem accuratissime castigati […] cum indice in omnes libros utilissimo. Basel, Valentin Curio 1524. Mit Holzschnittdruckermarke und zahlreichen figürlichen Holzschnitt-Initialen. Pappband des 18. Jahrhunderts.

Erster Druck der lateinischen Übersetzung im deutschen Sprachraum. – Die Geschichte der griechischen Philosophie entstand im dritten Jahrhundert nach Christus. Die vorliegende Übersetzung von Ambrogio Traversari (1386–1439) wurde bereits in fünf Inkunabelausgaben gedruckt. – Vorliegender Druck mit griechischen Einschüben. – »Ex Bibliotheca Afrana« mit deren Stempel auf dem Titelblatt. – Innen schönes Exemplar, meist auf festem Papier gedruckt und nahezu fleckenfrei.

21 : 16 cm. 10 Blätter, 391 Seiten. – Einband berieben und fleckig, am Rücken unten mit Fehlstelle. – Lage d und e vertauscht. – Stellenweise alte Anmerkungen und Anstreichungen. – Anfangs leichter Wasserrand.

VD 16 D 1837. – Adams D 486. – IA 153.801

238  Martin Luther. De servo arbitrio.

Schätzpreis/Estimate: € 4500

Zuschlag/Hammerprice: € 3600

Mar[tin] Lutheri ad D. Erasmum Roterodamum. Wittenberg, Hans Lufft 1525. Titel mit breiter Holzschnittbordüre mit Luffts Monogramm. – Angebunden: Johannes Brenz. In epistolam Pauli ad Philemonem, et in historiam Esther commentarioli. Schwäbisch Hall, Pankratius Queck für Peter Braubach 1543. – Pergamentband der Zeit mit Blindprägung durch Platten- und Rollenstempel sowie Streicheisen.

I. Erste Ausgabe, der einzige Druck im Jahr 1525. – Das wohl wichtigste Dokument der geistigen und geistlichen Auseinandersetzung der beiden führenden Geistesgrößen der Reformationszeit, Luthers Erwiderung auf Erasmus »De libero arbitrio« (September 1524). – Der in Basel residierende »Fürst der Wissenschaften«, der Niederländer Erasmus, stimmte Luthers 95 Thesen durchaus zu, war aber mit dessen Vorgehen uneins. Nach dem Reichstag in Worms schrieb er an Herzog Georg von Sachsen: »Luther, das lässt sich nicht leugnen, hatte die allerbeste Sache angefangen. Hätte er nur eine so wichtige Sache gemäßigter in Stimme und Sprache geführt und sein Gutes nicht durch unerträglich Schlechtes verpfuscht! Jetzt steht zu befürchten, dass so viel Gutes untergeht, was ich nicht abgeschafft sehen möchte.« – Um sich zu positionieren, suchte Erasmus ein Thema, bei dem sich ihrer beider Meinungen deutlich unterschieden und fand dieses in den Auffassungen von Freiheit oder Gebundenheit des Willens. Erasmus widersprach Luthers Aussage, der freie Wille führe zwangsläufig in die Todsünde: »Wenn man sagt, es gebe so wenig ein Verdienst des Menschen, dass alle Werke desselben Sünde seien, wenn man sagt, unser Wille könne nicht mehr leisten als der Ton in der Hand des Töpfers, und wenn man alles, was wir tun oder wollen, auf unbedingte Notwendigkeit zurückführt, dann stoße ich auf viele Bedenken.« – Luthers Reaktion war ausgesprochen heftig: »Es ist nicht zu beschreiben, was für einen Ekel ich an dem Büchlein vom freien Willen habe.« Seine Erwiderung gilt ihm am Ende des Buches als nicht in Frage zu stellende Behauptung: »Ich will auch keinem das Urteil überlassen, sondern rate allen, dass sie Gehorsam leisten«. – II. Erste Ausgabe der beiden Kommentare des Reformators von Schwäbisch Hall. Johannes Brenz (1499–1570) gilt als einflussreicher Vertreter der Reformation in Süddeutschland. Zusammen mit Philipp Melanchthon arbeitete er an der Augsburger Konfession. Er war Teilnehmer an für die Reformation so wichtigen Ereignissen wie dem Schmalkaldischen Bundestag und den Religionsgesprächen in Worms und Regensburg. Mit seiner Kirchenordnung, die ebenfalls 1543 erschien, galt die Reformation in Schwäbisch Hall endgültig umgesetzt. – Einband: Beide Deckel umlaufend mit Porträtstempeln »Venus« und »Casta Lucretia«, Mittelfelder mit Fleurons und Luther-Rose.

16 : 10 cm (Oktav). [192] Blätter; [8], 56, CXIIII, [4] Blätter. – Deckel etwas berieben und gebräunt, es fehlen beide Schließen. – Stellenweise leichter Wasserrand. Vereinzelt leicht fleckig, Titel und 6 Blätter in I stärker, 2 Blätter mit kleinem Einriss am Oberrand, 4 weitere am Unterrand. Vorsatz und Titel von I gelockert, am Ende von II zwei Blätter lose. – Einige alte und kleine Marginalien. – Vorsatzblatt mit Besitzvermek »Heinricus Abundus Sache, Anno 1675« und späterem »Lange«.

VD16 L 6660. – Benzing 2201. – Knaake I, 471. – Kuczynski 3321. – Alle Zitate nach Astrid Nettlings Essay im Deutschlandfunk am 4.I.2017. – II: VD16 B 7716. – Nicht bei Knaake

239  Biblia.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausruflimit/Reserve price: € 1200

Das ist: Die gantze Heylige Schrifft Teutsch. D. Mart. Luth. Sampt einem Register […] und schönen Figuren. Jetzungdt auffs neuw mit grösserem fleiß corrigiert. Frankfurt am Main, Johann und Sigmund Feyerabend 1578. Mit drei Titelbordüren, einem Porträt und zwei Druckermarken, alle in Holzschnitt, und 142 teils wiederholten Textholzschnitten von Jost Amman nach Johann Bocksberger. Pergamentband des 19. Jahrhunderts.

Wohl die fünfte Ausgabe der Bocksperger-Amman-Holzschnitte. – Die berühmten Illustrationen wurden seit ihrer ersten Ausgabe von 1564, als sie noch als reines Bilderalbum erschienen, in mehrere Foliobibeln aufgenommen. – »Die tiefe Verbundenheit des Künstlers mit dem Text […] ist ein echtes Suchen nach konkreter Vorstellung der heiligen Geschichte, die turmhoch über dem hohlen Pathos der späteren Bibelillustration steht. Die von Jost Ammans Künstlerhand selber geschnittenen Bilder sind wohl oft etwas überladen und daher für den Beschauer da und dort nicht ganz leicht zu erfassen. Doch gehören sie zu den besten Bibelillustrationen, die uns der alte Protestantismus hinterlassen hat«. (Ph. Schmidt).

36 : 24 cm (Folio). [18], 251; [1], 170; 120; [2] Blätter. – Der Einband stark fleckig, Pergament über dem Vordergelenk aufgeplatzt, es fehlt die Schließe. – Haupttitel und Blatt 2 randrissig und an den Rändern hinterklebt, erste Lage gelockert. 4 Blätter mit Randausriss, dabei das letzte Blatt mit größerem bis in den Rand der Druckermarke. – Vereinzelte Braunflecken, am Ende leichter Wasserrand und winzige Einrisse, insgesamt aber innen recht schön.

VD16 B 2789. – Vgl. Becker, Amman S. 5ff. – Schmidt, Illustr. der Lutherbibel S. 245ff., in seiner Bibliographie die Ausgabe von 1578 nicht verzeichnet

240  Polydorus Vergilius. Von den erfyndern der dyngen.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 2000

Wie […] alle Künsten, Handtwercker, auch all andere händel, Geystliche und Weltliche Sachen […] Von anfang der Wellt her biß auff dise unsere zeit geübt und gepraucht [aygentlich im Latein geschriben und jetzund newlich durch Marcum Tatium Alpinu(m) […] ins Teutsch transferiert un(d) gepracht mit schönen figuren. Augsburg, Heinrich Steiner 1537. Mit Titel-Holzschnitt und 132 (2 ganzseitigen) Textholzschnitten von Hans Weiditz, H. Schäufelein u. a. Neuer Pergamentband.

Erste deutsche Ausgabe von »De inventoribus rerum«. – Das schöne Holzschnitt-Buch, eine Art Enzyklopädie über Naturwissenschaften, Technik, Handwerk etc., ist kunst- und kulturgeschichtlich gleichermaßen von Bedeutung. – Mit Kapiteln über Buchdruckerkunst, Kaufmannschaft, Medizin, Magie, Musik, Festlichkeiten, Jagd etc. – Unter den vielen Holzschnitten, von denen allein 64 von Hans Weiditz stammen, finden sich interessante Berufsdarstellungen von Buchdruckern, Poeten, Musikanten, Alchemisten, Medizinern, Juristen, Uhrmachern usw. – Das Werk beinhaltet nicht nur Geschichtliches und religiöse Themen, sondern auch Ethik, Moral, die Geschichte der Medizin, Chemie und Pharmazie und vor allem der alten Technik. – Insgesamt schönes Exemplar.

Kleinfolio (30 : 21 cm). [18], 210 Blätter = 446 Seiten. – Vereinzelt leicht braun- bzw. fingerfleckig, Titel etwas stärker betroffen und mit sorgsam restauriertem Randeinriss, die leere Rückseite des letzten Blatts mit Japan hinterlegt. 1 Blatt mit kleinem Randausriss.

VD16, V 763. – Adams V 440. – Graesse VI, 2, 283. – Nagler, Monogrammisten III, 1444, 35. – Fairfax Murray 425

241  Sammelband mit fünf Holzschnittwerken des 16. Jahrhunderts.

Schätzpreis/Estimate: € 10000

Zuschlag/Hammerprice: € 6500

Weißer Schweinslederband mit Blindprägung und Messingschließen.

Melchior Pfintzing. Die Ehr und man(n)liche Thaten, Geschichten vnnd Gefehrlichaitenn des Streitbaren Ritters vnnd Edlen Helden Tewerdanck. Zu Ehren dem hochloblichen Hause zu Osterreich, vnd Burgundien, etc. Zum Exempel aber vnnd Vorbilde allen Fürstlichenn Blut vnnd Adels genossen Teutscher Nation. New zugericht, Mit schönen Figuren vnnd lustigen Reimen volendet. Frankfurt am Main, Christian Egenolff 1553. Mit 118 großen Textholzschnitten sowie einem Wappen- und einem Titelholzschnitt von Leonhard Beck, Hans Burgkmair, Hans Leonhard Schäufelein, Jörg Breu u. a.
Vierte Ausgabe, die erste von Burkhart Waldis bearbeitete. – Im berühmten »Theuerdanck« werden die Abenteuer und Heldentaten Kaiser Maximilians I. auf der Reise zu seiner Braut Maria von Burgund beschrieben. Der Kaiser hatte, als Förderer von Kunst und Literatur, maßgeblichen Einfluss auf das Werk. Als gesichert gilt, dass weite Passagen von ihm selbst verfasst und redigiert wurden. – Mit den großartigen und großformatigen Holzschnitten der Erstausgabe von 1517, mit denen die Reiseerlebnisse detail- und spannungsreich illustriert wurden.
[4], CX Blätter. –  VD16 M 1653. – Goedecke II, 452, 13a

Leonhardt Fronsperger. Fünff Bücher. Von Kriegß Regiment und Ordnung, wie sich ein yeder kriegßman inn seinem Ampt und bevelsch halten soll […] Item von Belägerungen un(d) Besatzungen der Stett. Schlösser, Märckten und Bergheüßern, Und wie man die Feürkuglen bereitten, werffen und schiessen soll. Frankfurt am Main, David Schöffel 1555. Mit 19 großen Textholzschnitten sowie einer Holzschnitt-Titelvignette und -Initiale.
Erste Ausgabe. – Leonhardt Fronsberger sammelte militärische Erfahrungen im Heer von Kaiser Maximilian II. 1566 nahm er u. a. am Türkenkrieg in Siebenbürgen teil. Sein dreiteiliges »Kriegsbuch« war 1573 vollendet und erschien kurz vor seinem Tod.
[6], CXXXI Blätter. – VD 16 F 3128. – Jähns I, S. 549

Leonhardt Fronsperger. Vonn Geschütz unnd Fewrwerck, wie dasselb zuwerffen und schiessen, Auch von gründlicher zuberaitung […] und rechtem gebrauch der Fewrwerck, wie man die […] von der hand, aus Fewrbüchsen oder Böllern, zu lust oder gegen den Feinden sol werffen, schiessen, oder […] zubrauchen. Das ander Buch. Vonn erbawung, erhaltung, besatzung und profantierung der wehrlichen Bevestungen […]. Frankfurt am Main, David Zephel 1557. Mit einem Textholzschnitt, einer großen Holzschnitt-Druckermarke und zahlreichen -Zierinitialen.
Erste Ausgabe
[6], 58, [2 leere] Blätter. – VD 16 F 3114. – Jähns I, S. 549

Flavius Vegetius Renatus. Vier bücher der Ritterschafft mit mancherleyen gernsten bolwercken un(d) gebewen, Als Büchsen, Katzen, Antriben, Oberwerffenden prucken, Wasserzeugen, Steyglaitern, Ziechtürmen, Schiffen und anders zu Kryegsleuffen gehörig. Zum anderen mal ubersehen unnd mit etlichen figuren gemeret und gebesseret. Augsburg, Heinrich Steiner 1534. Mit 137, meist blattgroßen Holzschnitten.
Vierte deutsche Ausgabe, die zweite bei Steiner gedruckte. – Die prachtvollen Holzschnitte, die den heutigen Betrachter gleichermaßen bewundernd wie amüsiert einen schon damals unglaublichen Erfindergeist in Sachen Waffen- und Verteidungstechnik betrachten lassen, stammen von Jörg Breu d. Ä., Hans Schäufelein, Hans Weiditz u. a. – Es finden sich die absonderlichsten Streitwagen, Schleudern, Schiffe und U-Boote, Taucher u. v. m.
[4], XXX, [66] Blätter. – VD16 V 467. – Jähns I, S. 268 u. 452. – Cockle 17
Jakob Köbel. Wapen. Des heyligen Römischen Reichs Teutscher nation. Der Churfürsten, Fürsten Graven Freihen, Rittern, Auch der merer theil Stett so zu dem Reich (in Teutschem land gelegen) gehören und gehöret haben. Auch wie, wo, und durch Wen, die erwölung un(d) krönung eynes Römischen Kunigs und Keysers geschehen soll. Frankfurt am Main, Cyriac Jacob 1545. Mit Titelholzschnitt, Holzschnittdruckermarke und 144 blattgroßen Holzschnitten.
Erste Ausgabe der Holzschnittfolge, der Text Köbels stammt aus der 1532 erschienenen »Glaublichen Offenbarung«. – Die Urheberschaft der meist mit »IK« monogrammierten Holzschnitte ist nach Nagler III, 2682 ungeklärt, laut Lipperheide stammen die Vorzeichnungen für die Wappen von Jost Amman, die blattgroßen Holzschnitte schreibt Röttinger (Gutenberg Jahrbuch 1936, S. 129) dem Verfasser zu. – Pracht- und schwungvoll präsentieren Fahnenträger die Stadtwappen vor Stadtsilhouetten, Burgen oder Landschaften. – Alle in kräftigen, klaren Abdrucken.
[86] Blätter. – VD 16 K 1623. – Benzing, Köbel 154. – Vgl. Lipperheide Qb 4 (1579)

Zustand: Insgesamt beeindruckend gut erhalten, fast ausnahmslos auf festem sauberem Papier.
I. Titel mit Bibliotheksigeln. Letztes Blatt mit kleiner Läsur und kurzem restauriertem Randeinriss. Es fehlt das leere Blatt am Schluss. – III. 2 Blätter stark gebräunt, 2 Seiten stockfleckig. – IV. Die letzten Blätter etwas gebräunt, 2 mit leichten Läsuren, das letzte etwas fleckig. – V. Einige Blätter am Rand leicht braunfleckig, 3 Blätter stärker fleckig.

242  Johann Wilhelm Baur. Ovidii Metamorphosis oder Verwandelungs Bücher.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Das ist Hundert und Fünfzig neüe kunstreiche Kupffer Bildunge aus des, zwar heidnischen, aber Sinnreichen Poeten Ovidij fünfzehen Büchern von seltsamer verwandelung der gestalten […] mit Teutschen reimen öffentlich heraus gegeben. Nürnberg, Paul Fürst [1641]. 150 Kupfertafeln und ein gestochenes Titelblatt. Neuerer Halbpergamentband.

Erste Ausgabe. – Johann Wilhelm Baur wurde 1637 in Wien Hofmaler Ferdinand III. Über die genauen Lebensdaten besteht Unklarheit (ca. 1600–1640), sein umfangreichstes Werk erschien wohl erst nach seinem Tod. – »In seiner Frühzeit sind B. die Kompositionen Callots Vorbild, dagegen wird ihm in den italienischen Jahren der Stil des Stefano della Bella maßgebend, dessen Bedeutung für ihn noch in dem spätesten Werk, den Metamorphosen, erkennbar ist« (Ursula Röhlig, in NDB). – Die großformatigen Kupfer in guten kräftigen Abdrucken. Alle mit gestochenem Titel in Latein und Bildunterschriften in Latein und Deutsch, fast alle mit Blattnummer unten rechts und Bandnummer oben links.

Ca. 14 : 21 cm (18 : 30 cm). – Titel nur in Fragmenten, stark gebräunt und aufgezogen. – Die ersten Blätter an der unteren Ecke etwas abgegriffen, durchgehend besonderes die Ränder fleckig und teils leicht wasserrandig.

Hollstein 12/II. – Thieme/Becker III, 89f. – NDB I, 672 (1645). – Vgl. Graesse I, 312

243  Samuel Bottschild. A B C.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Vier Kupferstiche von Martin Bodenehr mit insgesamt 24 Darstellungen. Um 1693. Je 5,3 : 5,3 cm, Platten 12,8 : 19,5 cm.

Reizvolle ABC-Folge, illustriert mit Figuren der antiken Mythologie, davon 23 mit den Buchstaben des Alphabets und eine nachgestellte Titelvignette »ABC«. – Abgedruckt in Bottschilds »Opera Varia Historica, Poetica & Iconologica«, verlegt um 1693 von Christoph Weigel, Nürnberg. – Gestochen von Martin Bodenehr nach den Vorzeichnungen des sächsischen Künstlers Samuel Bottschild (1641–1706, »das bedeutendste Mitglied dieser Familie und ein hervorragender Künstler seiner Zeit« (Thieme/Becker), Hofmaler des sächsischen Kurfürsten Johann Georg IV. – Je sechs Initialen, jeweils betitelt, auf einer Platte, diese am Unterrand mit gestochenem Künstlernamen und Initialen des Stechers. – Gut erhalten.

Auf bräunlichem Bütten, rückseitig Abklatsch von alter Handschrift.

VD17 1:000385Y. – Katalog Kunstbibliothek Berlin 5291. – Hollstein IV/141, 51–54

244  Thomas Hobbes. Leviathan,

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

or, the matter, form, and power of a common-wealth ecclesiastical and civil. London, Andrew Crooke 1651. Mit einem kolorierten gestochenen Frontispiz und einer Falttabelle. Halblederband des 20. Jahrhunderts mit vergoldetem Rückentitel.

Nach Macdonald/Hargreaves der dritte Druck der Erstausgabe, der immer noch Ort und Jahr des Erstdrucks verwendet, obwohl er erst um 1680 und wahrscheinlich in Amsterdam gedruckt wurde. Merkmale sind die »Ornament«-Titelvignette und die Paginierungsfehler (249/250 doppelt, 257–260 übersprungen, letzte Seite 294). – Das über seinen Tod hinaus umstrittene Hauptwerk Hobbes, das bis heute das Verständnis von Entstehung und Bedeutung des Staatswesens prägt, entstand in den 1640er Jahren. »Der Staat […] ließ sich als ein großes, aus Einzelmenschen zusammengesetztes künstliches Ungeheuer sehen, dessen Dasein sich von seiner Zeugung durch die menschliche Vernunft unter dem Druck menschlicher Bedürfnisse bis zu seiner Vernichtung durch den menschlicher Leidenschaft entspringenden Bürgerkrieg verfolgen läßt. […] Jede Regierung sei besser als die Anarchie des Naturzustandes« (Carter/Muir, S. 266). – Wegen der heftigen Kritik in England, die in Verfolgung des Buches und seiner Herausgeber umzuschlagen drohte, wurden die Folgeausgaben in Amsterdam gedruckt.

32 : 20 cm. [6], 394 Seiten. – Titelei und einzelne Seiten stärker, sonst nur mäßig fleckig. Mehrere Seiten mit Bibliotheksstempel, mehrere mit kleinen Siegellack- bzw. Tintenflecken, teils im Rand, teils im Text. Kupfertitel mit kurzem Randeinriss, Blatt Aaa3 zu 3/4 abgerissen und durch Kopie ersetzt. – Vorblatt mit Schenkungsvermerk.

Macdonald/Hargreaves. – Carter/Muir 138

245  René Descartes. Meditationes de prima philosophia,

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

in quibus Dei existentia, & Animae humanae à corpore distinctio, demonstrantur. […] Cum responsionibus auctoris. Editio ultima. [Drei Teile in einem Band]. Amsterdam, Daniel Elzevier 1678. – Angebunden: René Descartes. Tractatus de homine, et de formatione foetus. Quorum prior notis perpetuis Ludovici de la Forge, M. D. illustratur. Amsterdam, Daniel Elzevier 1677. – Pergamentband der Zeit mit Blindprägung.

I. Erschien auch als Teilband der »Opera philosophica«. – Die fünfte Quartausgabe. – Mit dem Appendix und den Epistolae ad Gisbertium Voetium. – II. Vierte (dritte lateinische) Ausgabe, die erste bei Elzevier, selten. Erstmals 1662 erschienenes Werk, das Descartes’ Auseinandersetzung mit der Medizin, hier besonders der Ophthalmologie, und Pathologie belegt. Mit zahlreichen Holzschnitten zur Anatomie und Funktion der Augen. – Obwohl René Descartes nicht im engeren Sinne ärztlich tätig war, ist er für die Geschichte der Medizin von großer Bedeutung.

20 : 15 cm. [12], 191, [1], 164, 88 Seiten; [76], 239, [1] Seiten. – Vorderdeckel leicht fleckig, aufgebogen, Schließbänder fehlen. Unteres Kapital mit Fehlstelle. – Innen tadellos.

Willems 1545 und 1531

246  Johann Ludwig Gottfried. Historische Chronica,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Oder Beschreibung der fürnehmsten Geschichten, so sich von Anfang der Welt, biß auff das Jahr Christi 1619. zugetragen. Nach Auftheilung der vier Monarchien […] in acht Theil abgetheilet: Mit viel schönen Contrafaicturen imd Geschichtsmässigen Kupfferstücken. [Frankfurt am Main], Matthäus Merian Erben 1674. Mit 31 Kupfern mit Medaillon-Portraits, einer gestochenen Weltkarte, einem gestochenen Plan von Ostende sowie 329 Textkupfern. Halblederband im Stil der Zeit.

Sechste Ausgabe der 1630 erstmals erschienenen Weltchronik. – Zum größten Teil von dem Amberger Theologen und Historienschriftsteller selbst verfasst, vollendet nach Gottfrieds Tod von J. P. Abelin. – Reich illustriert mit den Kupferstichen von Matthäus Merian, zu Beginn mythologisch, später historisch und teils mit authentischen Stadtansichten im Hintergrund. Immer wieder gelingt es Merian, auch den heutigen Betrachter mit Details zu fesseln: Das Meer der Schöpfung quillt von Ungeheuern förmlich über, allerlei Vögel und geflügelte Wesen bevölkern die Lüfte. Es finden sich eine Ansicht der Pyramiden von Gizeh mit der Sphinx, Mord- und Folterszenen neben Voyeuristen, abenteuerlichen Fluchten, fleißige Buchdrucker, brandschatzende Heere, Luther bei der Verbrennung der Bannbulle, Königskrönungen und vieles mehr – die Bildbetrachtung und daraus folgende Lektüre schaffen Bildungserlebnisse. Schon Goethe gewann aus Gottfrieds Chronik erste geschichtliche Kenntnisse.

33 : 21 cm. [10], [64], 1185, [53] Seiten. – Es fehlt der Kupfertitel von Sandrart und das letzte leere Blatt. – Vereinzelt etwas fleckig, teils gebräunt, wenige Blätter mit kleinen Einrissen. Titel im Falz neu gefasst.

Wüthrich III, 79. – Lipperheide Ci 14

247  Balthasar Gracian. Homme de Cour,

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

oder kluger Hof- und Welt-Mann. Nach Amelot de la Houssaie […] ins Teutsche übersetzet von Selintes [J. L. von Mosheim]. Nebst Christiani Thomasii Judicio vom Gracian. Augsburg, Paul Kühtze 1711. Mit blattgroßem gestochenem Frontispiz. Halbpergamentband der Zeit.

Erste Ausgabe der zweiten deutschen Übersetzung. – Der Übersetzer der neuen Fassung kritisiert an der ersten von 1686 »so krautwelsch ist das Frantzösische darinn hanthieret worden«. – Der spanische Jesuit Balthasar Gracian (1601–1658) verfasste hunderte Aphorismen, eine Auswahl daraus erschien 1653 unter dem Titel »Oraculo Manual«. Die französische Übersetzung von Amelot de la Houssaie folgte 1684, den frühen deutschen recht bald hundert andere Übersetzungen und Auswahlausgaben. – Nach Titel und Zuschrift folgt hier zunächst der Anhang von Christian Thomasius und das Erratablatt.

17 : 10 cm. [16, 16, 44], 436 Seiten. – Ränder teils etwas braunfleckig. – Titel mit altem Besitzvermerk.

Faber du Faur 1681. – De Backer/Sommervogel III, 1649

248  [Antoine Joseph Dezallier d’Argenville]. La théorie et la pratique du jardinage,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

ou l’on traite a fond des beaux jardins appellés communément les jardins de propreté, comme sont les parterres, les bosquets, les boulingrins, &c. Contenant plusieurs plans et dispositions générales de jardins […] avec la maniere de dresser un terrain […] Den Haag, Pierre Husson 1711. Mit 32 Kupferstichen, davon 28 doppelblattgroß, drei weiteren als Wappen- bzw. Kopfvignetten und 13 Textholzschnitten. Pergamentband der Zeit mit neuem Rückenschild.

Zwei Jahre nach der Erstausgabe erschien dieser unrechtmäßige Nachdruck, herausgegeben von Pierre Husson. Erst die zweite Auflage (Paris 1713) nannte die Initialen des Verfassers. Es folgten Übersetzungen des wichtigen Buches über die barocke Gartenbaukunst ins Englische und Deutsche. – Viele der schönen Kupferstiche zeigen detailreiche Grundrisse von Gärten und Parkanlagen, Anleitungen zur Terrainvermessung und Ansichten verschiedener Pavillons, Treppen, Wasserspiele etc. – Dezallier d’Argenville (1680–1765) wurde später einer der eifrigsten Mitarbeiter an Diderots Enzyklopädie, dem »Brockhaus« des 18. Jahrhunderts.

27 : 21 cm. [12], 208 Seiten, 32 Kupfer. – Einband etwas fleckig. – Die ersten 16 Blätter mit Wurmgang im Oberrand (mit minimalem Textverlust), weitere 20 Blätter mit kleinem Wurmloch. 1 Blatt mit Eckabriss.

249  Georg Eberhard Rumpf. D’Amboinsche Rariteitkamer,

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

behelzende eene Beschryvinge van allerhande zoo weeke als harde Schaalvisschen […] Krabben, Kreeften, en diergelyke Zeedieren, als mede allerhande Hoorntjes en Schulpen, die men in d’Amboinsche Zee vindt […] Amsterdam, Jan Roman de Jonge 1741. Mit 60 Kupfertafeln und Frontispiz, Titelvignette, Porträt und drei Kopf- und zwei Schlussvignetten, alle gestochen. Marmorierter Kalblederband der Zeit mit reicher Rücken- , Deckel- und Stehkantenvergoldung.

Zweite Auflage der berühmten »Ambonischen Raritätenkammer«, die erstmals 1705 erschienen war. – Der Kaufmann und Naturforscher Georg Eberhard Rumpf (1627–1702) hielt sich seit 1653 im Dienst der Ostindischen Kompanie auf der Molukkeninsel Ambon auf, wo er als erster deren Fauna und Flora erforschte. Das Werk gilt noch heute als grundlegend, die ebenso prächtigen wie detailreichen Kupfer lassen die Vielfalt an Muscheln, Schnecken, Schalentieren und Fossilien mehr als nur erahnen. Die Vorlagen für die Stiche zeichnete Sibylla Merian nach Rumpfs Aufzeichnungen und Präparaten in holländischen Sammlungen. Auch die großen allegorischen Kopf- und Schlussvignetten sind voller Details zu Tier- und Pflanzenwelt der Insel. Das ganzseitige Porträt Rumpfs verbildlicht einen Schicksalsschlag, der den Forschungsreisenden während seines Aufenthalts auf Ambon traf: Er erblindete an Grauem Star. Nur wenige Jahre später wurde seine Familie Opfer eines Tsunamis. – Schönes sauberes Exemplar in zeitgenössischem Einband. – Drucktitel rückseitig mit Exlibris Ignatius zur Mühlen, Innendeckel mit seinem handschriftlichen Besitzvermerk.

41 : 26 cm. [24], 340, [44] Seiten, 62 Kupferstiche. – Vortitel verso im Falz hinterlegt. Drucktitel etwas gewellt (durch Exlibrismontage), 1 Doppelblatt lose.

250  Carl Bock. Unter den Kannibalen auf Borneo.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Eine Reise auf dieser Insel und auf Sumatra. Zweite Auflage. Jena, Hermann Costenoble [1882]. Mit 30 chromolithographierten Tafeln und einer gefalteten Karte. Illustrierter Originalkalikoband mit Deckel- und Rückenvergoldung.

Mit einleitendem Vorwort von Alfred Kirchhoff. – Illustriert mit 30 Tafeln in Farbendruck, sieben Holzschnitt-Illustrationen und einer auffaltbaren Karte von Borneo. – »Der Verfasser dieses Buches, Karl Bock, besuchte zwar Sumatra und Borneo zunächst zum Zwecke naturhistorischer Sammlung, schenkte indessen auf seinen Wanderzügen und Flußfahrten auch der sonstigen Landesnatur, namentlich aber der Bevölkerung Aufmerksamkeit genug, um uns in Wort und Bild eine lebensvolle Gesamtschilderung der von ihm durchzogenen Landesteile entrollen zu können.« (Vorwort).

26 : 19 cm. 407, [1] Seite, 30 Tafeln, 1 Karte. – Kanten leicht berieben. – Eine Lage gelockert.