ChristianHesse

Lot 251 – 300 | Hesse-Auktionen
Lot 251 – 300

251  [Jonathan Swift]. Travels into several Remote Nations of the World.

€ 750

By Lemuel Gulliver. Part I [–] IV [in zwei Bänden]. London 1726 (nur Teil III mit: Benjamin Motte). Mit sechs Kupferstichen sowie einigen Holzstichvignetten. Dunkelblaue Halblederbände um 1850 mit rot-goldenem Rückenschild, Rückenvergoldung und Marmorpapierdeckelbezügen.

Dritter Druck im Jahr der Erstausgabe, mit den bei T./S. beschriebenen Merkmalen. – Auch diese Ausgabe sehr selten. – Die Kupfer mit fünf Karten der bereisten Länder, eines mit der Rechenmaschine. – Das Verfasserporträt auf dem Vorsatzblatt, gestochen von Ravenet, gehört nicht in diese Ausgabe. – Es fehlen am Anfang das Frontispiz mit dem Gulliverporträt und die acht Seiten mit Haupttitel und Vorrede. – »Gullivers Reisen haben Swift unsterblich gemacht. […] Alle, die von […] ›Robinson Crusoe‹ fasziniert gewesen waren, wurden auch jetzt wieder gefesselt. Die Brillanz und Genauigkeit, mit der seine Logik und Erfindungsgabe den Witz der Größenverhältnisse des Riesenmenschen unter den Liliputanern und des kleinwinzigen Gulliver unter Brobdingnagiern bis ins einzelne herausarbeiteten, gingen mit der ursprünglichen Absicht des Verfassers durch. Gullivers Reisen sind zum Glanzstück der satirischen Fabeln geworden, aber zugleich sind sie eine Geschichte für Kinder geworden« (Carter/Muir).

20 : 12 cm. [4], 148, [6], 149–310; [6], 154, [8], 155–353, [1 leere] Seiten, 6 Kupferstiche. – Kapitale etwas berieben. – Stellenweise etwas, vereinzelt auch stark, braunfleckig.

Teerink/Scouten 291. – Carter/Muir 185

252  Jonathan Swift. Mährgen von der Tonne,

€ 250

[…] nebst einem vollständigem Begriffe einer allgemeinen Gelehrsamkeit. Aus dem Englischen ins Teutsche übersetzet [von G. Chr. Wolf]. I. [und] Anderer Theil. Altona, Auf Kosten guter Freunde 1729. Mit acht Kupfertafeln, davon zwei als Frontispiz. Pappband der Zeit.

Erste deutsche Ausgabe, selten. – Swifts früheste Texte, die englische Originalausgabe erschien 1704. – Sammlung berühmter Satiren über Literaturkritik und die drei Konfessionen: katholisch, lutherisch und calvinistisch. Im zweiten Teil tobt in der St. James-Bibliothek die Bücherschlacht zwischen klassischer und moderner Literatur, das Frontispiz zu Band 2 mit entsprechender Darstellung.

17 : 10 cm. [22], 244; [14], 240 Seiten, 8 Kupfer. – Deckel stark berieben, Ecken bestoßen, Rückenbezug fehlt. – Papierbedingt etwas gebräunt, stellenweise leicht fleckig. Ein Kupfer mit hinterlegtem Einriss. – Frontispiz mit einigen Tintenstrichen, Titel von Teil 1 mit altem Besitzvermerk.

Teerink/Scouten 271. – Seebaß 1114 (nur mit 2 Kupfern). – KLL XI, 9218. – Vgl. Rümann 1128 (Ausgabe 1737)

253  Miguel Cervantes de Saavedra. The life and exploits of the ingenious gentleman Don Quixote de la Mancha.

€ 300

Translated from the original Spanish […] by Charles Jarvis. In two volumes. London, J. und R. Tonson und R. Dodsley [1738–]1742. Mit gestochenem Porträt und 64 (statt 68?) Kupfertafeln von van der Gucht nach van der Bank sowie je zehn gestochenen Initialen und Kopfvignetten. Lederbände der Zeit mit Rückenschild und -vergoldung.

Luxuriös illustrierte englische Ausgabe des 18. Jahrhunderts. – Die Kupfer, entstanden bereits für eine spanischsprachige Ausgabe, die 1738 beim selben Verleger erschien, breitrandig und in kräftigen Abzügen. – Enthält auch »The life of Michael de Cervantes Saavedra« von Gregorio Mayàns y Siscár in der Übersetzung von John Ozell und das, nicht allen Exemplaren beigebundene, »Supplement to the translator’s preface«, besser bekannt als »A dissertation on the origin of books of chivalry«, von William Warburton. – In der Tafelnummerierung fehlen die Kupfer 15, 18, 30 und 66. – Wappenexlibris James Plunkett Earl of Fingall.

29 : 23 cm. XXXII, [8, 12], VI, [2], 90, 355, [1]; XII, 388 Seiten, 65 Kupfer. – Berieben und bestoßen, Gelenke und Kapitale abgeplatzt bzw. bestoßen. – Stellenweise stockfleckig, ein Blatt in Band 1 mit kleinem Randeinriss. Band 2 etwas wurmstichig. Vorsätze mit Quetschfalten.

Brunet I, 1753

254  William Blake – Edward Young. The Complaint and the Consolation;

€ 3000

or, Night Thoughts. London, R. Noble for Edwards 1797. Mit 43 blattgroßen Kupferstichen von William Blake. Späterer schwarzer Halblederband mit goldgeprägtem Rückentitel und Blindprägung.

Sehr seltene erste Ausgabe der Blake-Illustrationen. – Edward Young schrieb mit seinen »Nachtgedanken« eines der frühesten Werke der »Empfindsamkeit«, eine Dichtung an der Schwelle zur Romantik und zugleich ein Werk, das den Vorstellungen Blakes ausgesprochen nahe war und ihn zu den großartigen Illustrationen anregte. – Blake schuf Zwischentitelblätter für die erste bis vierte Nacht und für 39 Textseiten gestochene Umrahmungen des typographischen Texts. – Blakes Kunst war für seine Zeitgenossen sicher mehr als irritierend. Nicht zuletzt deshalb setzte seine erfolgreiche Rezeption erst Jahrzehnte später ein. – Mit dem Beilageblatt »Explanation of the Engravings« (gedruckt nach der Handschrift Blakes). – Mit gestochenem Exlibris J. Cleland Burns.

42 : 33 cm. VIII, [2], 95, [1] Seiten. – Durchgehend leicht stock- und vereinzelt fingerfleckig, etwa 20 Blätter wohl papierbedingt stärker gebräunt und stockfleckig, 2 Blätter mit restauriertem Einriss.

Keynes 70

255  William Blake – Robert Blair. The Grave.

€ 1200

A Poem. Illustrated by Twelve Etchings executed by Louis Schavonetti, from the Original Inventions of William Blake. London, T. Bensley for R. H. Cromek 1808. Mit zwölf Kupferstichen nach William Blake, davon einer als Titel, und einem Blake-Porträt nach T. Philipps. Halbwildlederband des 20. Jahrhunderts.

Erste Ausgabe mit den Illustrationen Blakes. – Breitrandiger Druck auf starkem gelblichem Velin »J Whatman 1808«, die Tafeln auf etwas hellerem Velin. – Am Anfang Blakes Widmung »To the Queen«, die Subskribentenliste, Cromeks »Advertisement« von 1808 und die Einleitung von Johann Heinrich Füssli. Nach dem eigentlichen Text folgen die Erläuterungen zu den Zeichnungen und der Prospekt zu Chaucers »Canterbury Pilgrims«. – »This book […] contains one of Blake’s most widely known series of designs. The designs were produced during 1805, and in that year Cromek isued a Prospectus in which it was stated that Blake was himself to be the engraver« (Keynes).

35 : 28 cm. XIV, 36, [4] Seiten, 12 Kupferstiche. – Leicht berieben, Ecken und Kapitale bestoßen. – Tafelränder etwas stockfleckig, das Titelkupfer stärker betroffen. Textblätter am Rand etwas fingerfleckig. – Letztes Blatt mit winzigem überklebtem Randeinriss.

Keynes 81

256  Bodoni – Lorenzo Barotti. Lezioni sacre

€ 300

su i libri di Tobia, di Giuditta, e di Ester [und] de’ Maccabei. [Zwei Teile in einem Band]. Parma, Stamperia Reale 1785–1786. Flexibler moderner Pergamentband mit blauen Schließbändern.

Erste Ausgabe. – Vollständige Folge der bei Bodoni gedruckten Bibelkommentare des italienischen Jesuiten Barotti (1724–1801). – Die Widmung an Theresa de Montecattini Bevilacqua aus der Cancelleresco Finanziera gesetzt. – Unbeschnittenes Exemplar.

30 : 25 cm. [12], 273, [1]; [2], 308, [2] Seiten. – Teils etwas stockfleckig und wasserrandig. Vor- und beide Titelblätter mit handschriftlichem Besitzvermerk.

Brooks 300. – Katalog Weiss 75

257  Bodoni – Quintus Orazio Flacco redivivo a Napoleone

€ 300

il Grande Imperatore de’Francesci e Re d’Italia. Parma, co’ Tipi Bodoniani 1806. Mit drei gestochenen Kopfvignetten. Ziegelroter Pappband der Zeit.

Napoleon Bonaparte gewidmete italienische Übersetzung einiger Verse. – Mit einer Vorrede des Übersetztes Barthélemy Benincasa in französischer Sprache. – Lateinisch-italienischer Paralleltext. – »In zwei verschiedenen Typen konfrontiert gedruckt, die Seitenzahlen in Ornamentumrahmung, bietet dieser Druck eine Spitzenleistung der Bodonianischen Presse« (Weiß). – Auf »carta real«, einem starken Bütten mit dem Wasserzeichen »PB« (Parma Bodoni). – Breitrandiges, unbeschnittenes Exemplar in dem typischen Interimseinband der Presse. – »Sehr selten« (Weiß).

45 : 31 cm. [2], V, [1], 17, [3 leere] Seiten. – Einband mit Alterungsspuren. – Die äußersten Ränder der ersten Blätter minimal stockfleckig.

Brooks 992. – Katalog Weiss 416

258  Bodoni – Fr. Adeodato Turchi. Indulto […] per la quarisima […]

€ 300

– Angebunden: Omelia […] recitata nel Giorno di Pentecoste […] Sopra i beni temporali della cattolica chiesa. – Omelia […] nel Giorno di Tutti i Santi […] Sopra la riverenza cha da noi esigono i sacri tempi. – Omelia […] nel Giorno di San Bernardo […] Sopra i beni di chiesa […] [alle:] dell’anno MDCCXCII. Parma, Stamperia Reale 1792. Mit zusammen vier Wappenkupfern. Grauer Pappband der Zeit.

Sammlung von vier Predigten des Bischofs von Parma, die von 1788 bis 1802 bei Bodoni gedruckt wurden. Alle Titel mit Turchis vollständiger Ämteraufzählung: »dell’ordine de Cappuccini, prel. domest. assist. al solio pontif. Vescovo di Parma e Conte ec.«– Alle auf kräftigem weißen Bütten und unbeschnitten. – Jede Ausgabe mit dem gestochenem Wappen des Bischofs, drei unverändert, das letzte leicht variierend gezeichnet. – Alle vier nicht in den Katalogen von da Lama, Brooks und Weiß.

31 : 23 cm. [2], 17, [1 leer]; [2], 35, [3 leer]; 32; [2], 31, [3 leer] Seiten. – Umschlagränder leicht stockfleckig. – Teil 3 möglicherweise unvollständig.

Bei Brooks und da Lama teils mit anderen Kollationsangaben

259  Bodoni – [Giuseppe de Lama]. Vita del Cavaliere Giambattista Bodoni,

€ 500

tipografo Italiano, e catalogo cronologico delle sue edizioni. Tomo I [e] II. Parma, Stamperia Ducale 1816. Mit zwei gestochenen Frontispizes. Orangefarbene Pappbände der Druckerei mit originalem Rückenschild.

Erste Ausgabe der umfassenden Biographie des berühmten Typographen, verfasst von einem seiner engsten Mitarbeiter und Freunde. Giambattista Bodoni (1740–1813), Typograph und Buchdrucker, gilt als der bedeutendste Drucker des Klassizismus und beeinflusste die Buchkunst der nachfolgenden Zeiten. – In Band 2 das frühe, eingehend kommentierte Verzeichnis seiner Drucke. – Das erste Titelkupfer (von de Gubernatis) mit einem Medaillenporträt Bodonis und der ihm 1806 verliehenen Auszeichnung der »Exposition des produits de l’industrie française«.

26 : 19 cm. [6], III, [3], 231, [1]; [6], IX, [3], 252 Seiten, 2 Kupferstiche. – Innengelenke restauriert. – Vorsätze und die ersten Blätter in Band I ganz leicht stockfleckig, insgesamt aber schön sauber und unbeschnitten.

Bigmore/Wyman 69. – Brooks 1170. – Katalog Weiß 489

260  Einband – Aus der Bibliothek von Kurfürst Max Emanuel von Bayern – Dunkelroter geglätteter Maroquinband mit reicher Vergoldung. Süddeutschland, um 1710.

€ 450

– Inhalt: Lettre de Mr Burnet a Mr Thevenot. Nouvelle edition. Paris, Jean Boudot und Estienne Martin 1688. – Lettres de Mr Le Grand à Mr Burnet. Paris, Jean Boudot 1691.

Prächtiger und nahezu tadellos erhaltener Einband aus der Bibliothek des Bayrischen Kurfüsten Max Emanuel (1662–1726) mit dessen bekröntem Monogramm »EM« auf vier Rückenfeldern und als Eckfleurons auf beiden Deckeln. Beide Deckel mit dem bayrischen Wappen mit Reichsapfel als Supralibros, umrahmt von vergoldeten dreifachen Fileten. Steh- und Innenkanten mit vergoldeten Bordüren. Schöne, mehrfarbige Tunkpapier-Vorsätze. – Die beiden Briefausgaben von Joachim Legrand war Teil seiner »Histoire du divorce de Henry VIII. Roy d’Angleterre et de Catherine d’Arragon«, der Rückentitel entsprechend.

16 : 10 cm. [12], 114; [80], 183, [1] Seiten. – Satzspiegel durchgehend mit dünnen Tintenlinien umrahmt.

261  Einband. – Aus der Bibliothek Papst Clemens XIII – Roter, geglätteter Maroquinband mit überaus reicher Vergoldung. Mittelitalien, um 1760

€ 450

– Inhalt: [Giuseppe Maria Mazzolari]. Ragguaglio delle virtuose azioni di Donna Constanza Maria Mattei Caffarelli, Duchessa d’Asergio. Diretto A S. E. D. Maria Eleonora Caffarelli Pallavicino, Principessa di Civitella. Rom, Giovanni Generoso Salomoni 1758. Mit gestochenem Porträt.

Reich vergoldeter und sehr gut erhaltener Einband für die Bibliothek von Papst Clemens XIII. (1693–1769). – Die hochbarocke Deckelvergoldung wird aus breiten Palmettenfriesen, Eckfleurons mit Akanthus-Girlanden und dem reich verzierten großen Wappen »della Torre Rezzonico« von Clemens XIII. gebildet. Das Wappen mit Türmen und Kreuz, im Mittelfeld der Doppeladler, wird bekrönt von der Tiara nebst den Schlüsseln Petri (vgl. die Abbildung bei W. Y. Fletcher, Foreign Bookbindings in the British Museum, Tafel 59). – Rückenvergoldung in sechs Feldern, davon eins mit dem Titel, die übrigen üppig floral verziert.

20 : 13 cm. 256 Seiten, 1 Kupfer. – Kanten minimal, Gelenke etwas stärker beschabt.

262  Einband – Luxuseinbände von Charles-François Capé – Jean Racine. Œuvres poétiques.

€ 500

Tome premier [–] quatrième. Paris, Henri Plon & Brière 1861–1863. Mit einem Porträt. Leuchtend rote Ecrasélederbände mit reicher Rücken-, Deckel-, Kanten- und Schnitvergoldung (signiert: [Charles] Capé).

Eins von 200 Exemplaren der nummerierten Luxusausgabe auf Bütten mit dem Wasserzeichen des Verlegers und Druckers. – Erschienen innerhalb der Reihe »Collection des classiques François, collationée sur les meilleurs textes«. – Mitverleger war der Pariser Bibliophile Thomas Brière de L’Isle. – Alle Seiten mit Textumrahmung in Rot. Ansprechend gedruckte kleinformatige Sammlung der poetischen Werke Racines (1639–1699), der in Frankreich neben Corneille als größter Tragödiendichter bewundert wird. – Charles-François Capé (1806–1867), der die Ausgabe entzückend schön gebunden hat, gilt als einer der fähigsten Buchbinder des »seconde empire«. Die reiche Rückenvergoldung in sechs Feldern wird ergänzt durch dreifache Deckel- und Stehkantenfileten sowie breite Innenkantenbordüren. – Selten und tadellos erhalten.

14 : 9 cm.

263  Casanova – Friedrich Wilhelm Barthold. Die geschichtlichen Persönlichkeiten in Jacob Casanova’s Memoiren.

€ 250

Beiträge zur Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, Alexander Duncker 1846. Grauer Originalleinenband der Zeit.

Erste Auflage. – »Renommirtes Werk!« (Hayn/Gotendorf). – Mit Personen- und Ortsregister.

16 : 11 cm. [4], 268; [2], 339, [1], XV, [1] Seiten. – Äußerste Ränder gebräunt.

Hayn/Gotendorf I, 560f

264  Adelbert von Chamisso. Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte.

€ 600

Herausgegeben von Friedrich Baron de la Motte Fouqué. Mit einem Kupfer. Nürnberg, Johann Leonhard Schrag 1814. Mit gestochenem Frontispiz von F. Leopold. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und etwas -vergoldung.

Seltene erste Ausgabe, die lediglich das Titelkupfer von F. Leopold enthielt. 1827 erschien eine zweite Ausgabe, nun bereits mit den Cruikshank-Kupfern, 1835 wurden zwei weitere von Peter Carl Geißler hinzugefügt.

17,0 : 10,5 cm. 132 Seiten. – Durchgehend gebräunt und fleckig. Es fehlen die Seiten 15/16, diese ersetzt durch Büttenblatt mit dem handschriftlich ergänzten Text.

Goedeke VI, 148, 14 a. – Rümann 257

265  Adelbert von Chamisso. Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte.

€ 400

Dritte Auflage. Mit neun Kupfertafeln. Nürnberg, Johann Leonhard Schrag 1835. Mit einem Titelkupfer, sechs Kupfer nach G. Cruikshank und zwei Kupfern von P. C. Geißler. Marmorierter Halblederband der Zeit.

Nach der Erstausgabe von 1814, die lediglich das Titelkupfer von F. Leopold enthielt, erschien 1827 eine zweite Ausgabe, nun bereits mit den Cruikshank-Kupfern aus der englischen Ausgabe von 1825. Für die dritte Ausgabe wurden zwei weitere Kupfer von Peter Carl Geißler hinzugefügt sowie das Titelkupfer mit dem berühmten Schlemihl-Porträt umgezeichnet. Die breiten Umrahmungen, die zahlreiche ergänzende Szenerien wiedergeben, wurden jeweils in einer anderen Farbe gedruckt. – Diese dritte Ausgabe enthält ein neues Vorwort »An meinen alten Freund Peter Schlemihl«, datiert »Berlin, August 1834«.

17 : 12 cm. 142, [2] Seiten, 9 Kupfertafeln. – Einband etwas berieben. Rücken erneuert. – Exlibris. Durchgehend schwach wasserrandig.

Goedeke VI, 148, 14c. – Sammlung Borst 1193. – Rümann 257

266  [Friedrich Ludwig Karl Fink von Finkenstein]. Arethusa oder die bukolischen Dichter des Alterthums.

€ 1200

Erster Theil [alles Erschienene]. Berlin, Johann Friedrich Unger 1789. Mit einem Frontispiz und einer Titelvignette, beide gestochen von E. Henne nach J. W. Meil. Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, zwei Rückenschildern und vergoldeten Deckelkantenbordüren. Vorsätze aus Buntpapier.

Sehr schöner Luxusdruck, wohl nur in kleiner Auflage erschienen. – Auf schwerem Bütten in der Ungerschen Officin mit der Didot-Antiqua gedruckt, die dieser erst seit 1788 benutzte. Mit seinen Luxusdrucken hoffte Unger, in Deutschland Anschluss an die besonders in Frankreich in hoher Blüte stehende Druckkunst anzuknüpfen. – Der Küstriner Regierungspräsident Fink von Finkenstein (1745–1818) widmete sich den Wissenschaften und schönen Künsten. In seiner Vorrede lobt er u. a. Gessners Theokrit-Übertragungen (Hauswedell/Voigt I, S. 86), dem antiken Dichter verlieh er den Titel »Arethusa« (Quelle). Das schöne Kupfer nach Johann Wilhelm Meil zeigt einen vor dem Grabmal des Daphnis lagernden Pan. – Breitrandig belassen, vom Buchbinder also hier nicht »verhunzt«, eine Befürchtung, die Unger (durch einen gelegentlich beiliegenden Zettel) vermeiden wollte. Noch mit den üppigen weißen Rändern und durch den großen Zeilendurchschuss eine typographische Meisterleistung.

30 : 22 cm. [2], X, [2], 175, [1] Seiten. – Kapitale und Ecken etwas bestoßen, Gelenke brüchig. – Gelegentlich etwas stockfleckig.

Goedeke VII, 736, 15, 1. – Nicht bei Dorn, Meil und nicht bei MNE

267  Gaben der Milde.

€ 1200

Für die Bücher-Verlosung »zum Vortheil hülfloser Krieger« herausgegeben von F[riedrich] W[ilhelm] Gubitz. Erstes [bis] Viertes Bändchen [alles Erschienene]. Berlin 1817–1818. Neue blaugrüne geglättete Lederbände mit vergoldeten Bordüren und zwei farbigen Rückenschildern.

Vollständiges Exemplar mit allen vier erschienenen Bänden. Die Bändchen erschienen nicht im Buchhandel und dienten als Zugabe zu den Gewinnen bei der genannten Verlosung, die zu Gunsten der Rückkehrer aus den Befreiungskriegen veranstaltet wurde. – Mit Erstdrucken bekannter Texte von Ludwig Achim von Arnim (Der tolle Invalide), Clemens Brentano (Geschichte vom braven Kasperl), Goethe (Wonne des Gebens), E. T. A. Hoffmann, Wilhelm Müller (Das Wandern ist des Müllers Lust) u. v. a.

16 : 10 cm. [2], 224; [2], 216; [2], 216, [2] 216 Seiten.

Goedeke VII, 97, 193. – Houben, Almanache Sp. 301ff. – Zu den genannten Erstdrucken: Arnim: Mallon 97, Brentano: Mallon 68, Goethe: Hagen 708, Hoffmann: Salomon 83, Müller. – Goedeke VIII, 63, 12. – Kaldewey, Hehres & Trivales IX, 486

268  Salomon Gessner. Mort d’Abel.

€ 600

Poëme. Traduit par Hubert. Édition ornée d’estampes imprimées en couleur, d’après les dessins de M. Monsiau. Paris, Defer de Maisonneuve 1793. Mit Frontispiz und fünf Kupfertafeln, alle farbig gestochen nach Monsiau. Marmorierter Pappband der Zeit.

Prachtvoller Didot-Druck auf gutem Papier, die in Farben gedruckten Kupfer vor der Nummerierung. – Das Frontispiz mit der Büste Gessners (und einem kleinen Gedenkstein mit dem Namen des Übersetzers) wurde von Colibert gestochen, die prächtigen Bilder zu den fünf Gesängen von ihm, Clément und Casenave. – »Eine nur kurze Blüte auf dem Gebiete der Buchillustration erlebte der aus England eingeführte, in Frankreich zu höchster technischer und künstlerischer Vollendung gelangte Farbstich während der neunziger Jahre in einer kleinen Zahl in beschränkter Auflage hergestellter Prachtpublikationen des Verlegers Defer der Maisonneuve, die in ihrer Zeit keine Nachfolge fanden« (Kat. Fürstenberg S. 88). »[…] von einer Platte in Punktiermanier nach dem englischen Vorbild hergestellt. Die bekanntesten unter ihnen sind Florians Galatée und Gessners Mort d’Abel« (Lexikon des Buchwesens). – Die Stiche in kräftigen farbfrischen Abdrucken, sehr sauberes und, weil vollkommen unbeschnitten, breitrandiges Exemplar.

37 : 27 cm. 161, [3 leere] Seiten. – Deckelkanten mit leichten Druckstellen.

Cohen/Ricci 436. – Fürstenberg 122 u. 205. – Leemann-van Elck 699. – Sander 780

269  [Johann Wolfgang Goethe]. Die Leiden des jungen Werthers.

€ 3000

Erster [und] Zweyter Theil [in einem Band]. Leipzig, Weygand 1774. Mit einer gestochenen Titelvignette von Oeser und einigen Holzstichvignetten. Halblederband des 19. Jahrhunderts mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe, zweiter Druck mit den korrigierten Druckfehlern. An Stelle des Druckfehlerverzeichnisses auf Seite 224 nun die Holzstichvignette »Sense mit Sanduhr«. – Man darf getrost behaupten, dass Goethe nach »Götz« und »Clavigo« spätestens mit diesem Buch seinen Weltruhm begründet hat. Der Briefroman mit dem bekannt-tragischen Ende hat nicht nur Scharen von Nachahmern – sei es im Hinblick auf das Werther-Gewand oder den Freitod aus verschmähter Liebe – gefunden, sondern auch viele Schriftsteller inspiriert. – Sehr selten.

16 : 10 cm. 224 Seiten. – Sorgsam gereinigtes Exemplar, Buchblock neu eingehängt, Vorsätze erneuert. Seite 96 mit kleiner Rostspur am Oberrand, Titel mit verblasstem alten Besitzvermerk.

Goedeke IV/3, 163, 3. – Hagen 80 D1a

270  [Johann Wolfgang von] Goethe. Wilhelm Meisters Lehrjahre.

€ 1000

Ein Roman. Erster [bis] Vierter Band. Berlin, Johann Friedrich Unger 1795. Mit acht meist gefalteten Musikbeilagen. Halblederbände um 1900 mit hübscher Rückenvergoldung im Stil der Zeit.

Erste Einzelausgabe. – Goethe arbeitete viele Jahre an seinem großen Entwicklungsroman und schloss das Manuskript auf Drängen Schillers 1794–1796 ab. Er selbst zweifelte am Erfolg, viele seiner Zeitgenossen erkannten aber sofort die überragende Bedeutung. – Die Kompositionen zu den acht Goethe-Gedichten stammen von Johann Friedrich Reichardt. Goethe schrieb ihm im Dezember 1795 »Die Lieder zum Roman sind voll Anmuth und Bedeutung«. – Die hier vorhandene achte Musikbeilage scheint in den meisten Exemplaren zu fehlen: »Nebenbei bemerkt: ich kenne kein Exemplar … sie fehlt sogar in dem … das G. Schillern geschenkt hat.« (H. M. Gräf in »Goethe über seine Dichtungen«, Bd. III/1, S. 188). Selbst das Exemplar der Sammlung Kippenberg zählt nur sieben Beilagen. – Der Roman erschien zeitgleich auch innerhalb der »Neuen Schriften«. – Hier mit der Bogensignatur »W. Meisters Lehrj.« und den bei Hagen 14 beschriebenen Merkmalen der Doppeldrucke N2 (Bände 1 und 2) und N1 (Bände 3 und 4), alle Titelblätter mit »Bei« und der Band 4 in der seltenen Variante mit der Jahreszahl »1795«. – So vollständig, mit allen Musikbeilagen und Anzeigenblättern sehr selten.

16 : 10 cm. [2], 364 Seiten, 3 Musikbeilagen; [3]-374, [2] Seiten, 2 Musikbeilagen; [3]-371, [1] Seiten, 2 Musikbeilagen; [3]-507, [1] Seiten, 4 Seiten Anzeigen, 1 Musikbeilage. – Lederrücken mit kleinen Abplatzungen, Rücken von Band 2 restauriert. – Bände 1 und 2 leicht, Bände 3 und 4 stärker stockfleckig.

Goedeke IV/3, 416, B 1. – Hagen 221. – Slg. Kippenberg I, 373. – Slg. Borst 729

271  [Johann Wolfgang von] Goethe. Werke.

€ 450

Erster [bis] Zwanzigster Band [in zehn Bänden]. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1815–1819. Mit einer Musikbeilage und einer gefalteten Kupfertafel. Halblederbände der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung.

Die zweite bei Cotta gedruckte Werkausgabe, deren Bände 14–20 zugleich als Supplemente der zunächst nur zwölfbändig angelegten ersten verwendet wurden. – Bände 1–9 mit den Merkmalen des Doppeldrucks B2, Band 10 eines der Mischexemplare mit Merkmalen von B und B2. – Die Musiknoten und die Falttafel zu Band XIII am Ende des Doppelbandes eingebunden.

20 : 11 cm. – Deckel leicht berieben, Ecken und einige Kapitale stärker bestoßen. – Vorsatzecken leimschattig. Gelegentlich etwas stockfleckig. – Vorsatzblätter mit Besitzvermerk »Hoegh-Guldberg 1820«.

Goedeke IV/3, 8, B. – Hagen 20

272  [Johann Wolfgang von] Goethe. Faustus:

€ 1200 ( R7 )

From the German of Goethe. London, Boosey and Sons and Rodwell & Martin 1821. Mit einem gestochenen Porträt nach Schwerdgeburth. Etwas späterer marmorierter Pappband mit rot-goldenem Rückenschild.

»Frühste englische inhaltliche Gesamtübersetzung des I. Teiles ›Faust‹ – z. T. in Inhaltsangaben« (Notiz von Ernst Bertram auf dem Vorsatzblatt). – Bereits seit 1810, also zwei Jahre nach der deutschen Ausgabe, waren in England Übersetzungen von verschiedenen Auszügen erschienen. – Auch die Einleitung zur Bedeutung der Dichtung liefert keinen Hinweis auf den Überetzer. – Diese Oktavausgabe erschien ohne die Umrisszeichnungen von Henri Moses nach Moritz Retzsch, die bereits 1820 als separate Folge gedruckt wurden und am Ende des Bandes, der quasi als Textband dienen sollte, genannt werden. – Aus der Bibliothek des Literaturwissenschaftlers und Schriftstellers Ernst Bertram (1884–1957) mit dessen Besitzvermerk (München 1919) und einigen Anmerkungen. – Dazu: Umrisse zu Goethe’s Faust, gezeichnet von Retsch [sic!] Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1820. 26 Umrissradierungen und zwölf Seiten Text. Pappband der Zeit. Die zweite Auflage der berühmten Folge, hier mit dem seltenen Textheft. Teils stockfleckig.

23 : 14 cm. VIII, 86, [2] Seiten, 1 Kupferstich. – Teils etwas stockfleckig.

Goedeke IV/3, 630, 8. – Slg. Kippenberg I, 2426 und 1872

273  Johann Wolfgang von Goethe. Hermann und Dorothea.

€ 300

Neue Ausgabe mit vier Kupfern nach Kolbe von Esslinger. Braunschweig, Friedrich Vieweg 1829. Mit vier Kupferstichen. Roter Chagrinlederband der Zeit. Rückentitel und -bordüren sowie der Buchschnitt vergoldet, Deckelkantenfileten und Fleurons blindgeprägt.

Zweiter Druck der »Prachtausgabe« (Goedeke) mit diesen Illustrationen. – Gegenüber der Ausgabe von 1822 nun mit »Hermann« statt »Herrmann«. – Goethes Epos war seit Erscheinen 1798 ein wahrer Bestseller. Allein die zu Lebzeiten des Dichters gedruckten Varianten, viele illustriert, füllen bei Goedeke mehrere Seiten. – Üppiger Satz und opulenter Druck auf kräftigem Papier. – Die vier schönen Kupfer illustrieren das Epos jeweils mit einer Szenerie und dem Figurenpaar in verschiedenen Lebensphasen. – »Dieser Prachtausgabe in typographischer Hinsicht ist gleichzeitig einer der ersten Verlegerliebhabereinbände zuteil geworden« (Kippenberg).

22 : 14 cm. 239, [1] Seiten, 4 Kupfer. – Kanten etwas berieben. – Etwas stockfleckig.

Goedeke IV/3, 335, 68.2.u. – Hagen 263. – Vgl. (beide die Ausgabe 1822) Rümann 1125 und Slg. Kippenberg 671

274  [Johann] Wolfgang von Goethe. Reineke Fuchs.

€ 300

Mit Zeichnungen von Wilhelm von Kaulbach gestochen von R. Rahn und A. Schleich. Stuttgart und Tübingen, Cotta 1846. Mit gestochenem Titel, 36 Stahlstichtafeln und 24 Vignetten. Tiefblauer Originalkalblederband mit reicher Deckel- und Rückenvergoldung und Goldschnitt.

Erste Ausgabe mit den Kaulbachschen Illustrationen. Das Werk erschien ab September 1846 in monatlichen Teillieferungen für Subskribenten, Kalbledereinbanddecken konnten in verschiedenen Farben erworben werden. – »Angeregt vermutlich durch die karikaturistischen Tierdarstellungen Grandvilles kleidet Kaulbach die Tiere in meist eindeutig standesbezogene Kostüme und stattet die Bildszenen mit zahlreichen spitzen Anspielungen auf die Politik und das gesellschaftliche Leben der Zeit aus […] Friedrich Wilhelm IV. aber war entgegen allen Befürchtungen begeistert von Kaulbachs Zeichnungen; damit konnten dessen Reineke-Illustrationen unangefochten richtungsweisend für die weiteren Ausgaben des 19. Jahrhunderts werden« (Fabula docet, Katalog Wolfenbüttel 43, Seite 90). – Beiliegend Register der Stahlstiche für den Buchbinder. – Dazu: J. F. Blumenbach. Über die Illustrationen zum Reineke Fuchs. Sonderabdruck aus dem Jahrbuch der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde. Originalbroschur.

34 : 28 cm. [4], 257, [1] Seiten, 36 Stahlstichtafeln. – Kanten berieben. – Innen durchgehend stockfleckig. Titelblatt und die ersten vier Stiche von Kinderhand zart ankoloriert.

Goedeke IV/3, 307. – Rümann 1094

275  Tasse.

€ 800

Porzellan, unbemalt. Deutschland, um 1800. 7,5 : 5,5 cm

Aus dem Besitz der Familie von Vulpius. – Christiane Vulpius, verheiratete Freifrau von Goethe, war die Mutter von Goethes einzigem Sohn August (1789–1830). Nach ihrem frühen Tod 1816 geriet sie, die schon zu Lebzeiten vom Weimarer Hof und der dortigen Gesellschaft nur widerstrebend akzeptiert wurde, in Vergessenheit. Sogar ihr Grab wurde erst 1888 wiederentdeckt. – Die Tasse, die wohl einige Zeit im Haushalt der Familie Goethe gewesen sein mag, blieb mehr als 150 Jahre im Familienbesitz. Dr. Wolfgang Vulpius (1897–1978, stellvertretender Bibliotheksdirektor der Klassikstiftung Weimar) hielt 1967 erstmals einen Vortrag vor der Rostocker Goethe-Gesellschaft. Der Mutter des Vorsitzenden der Gesellschaft überreichte er als Dank für die freundliche Beherbergung ein Bildnis von Christiane von Goethe mit dem Vierzeiler »Heiter, hübsch und gastlich wie Christiane | Erschien Frau […] mir. Als Dankesgruß das Bild der Tante-Ahne | Send ich ihr!« und – mit ausdrücklichem Hinweis auf die Provenienz – »die Tasse von Christiane«.

Oberrand mit winziger Absplitterung, sonst tadellos.

276  Johann Peter Hebel. Sämmtliche Werke.

€ 450

Erster [bis] Achter Band. Karlsruhe, Chr. Fr. Müller 1832–1834. Mit lithographiertem Porträt und vier lithographierten gefalteten Musikbeilagen. Marmorierte Pappbände der Zeit mit rot-goldenen Rückenschildern.

Erste Gesamtausgabe. – Enthält im ersten Band eine Hebel-Biographie von G. Fr. N. Sonntag. – Neben den später immer wieder abgedruckten »Allemannischen Gedichten« und »Erzählungen des rheinländischen Hausfreunds« sind hier auch Hebels biblische Erzählungen, Predigten, liturgische und vermischte Aufsätze enthalten. – In Band 1 vier Blätter Musiknoten zu vier Vertonungen allemannischer Gedichte. – Band 2 enthält auch Rätsel, Scharaden und Logogriphen (mit Auflösungen). – Gedruckt und verlegt in der für die Dichter des badischen Vormärz besonders wichtigen Druckerei von Christian Friedrich Müller. – Seltene Ausgabe.

19 : 11 cm. – Gelenke und Kapitale etwas beschabt (besonders bei Band 3, bei diesem auch die Bemalung etwas brüchig). – Meist etwas stockfleckig. – Einige Bände mit nachgebundenen Leerblättern für Notizen.

Goedeke VII, 543, 24. – Slg. Achter 296 (mit genauen Angaben zur Kollation). – Hagen, Handbuch 1

277  Heinrich Heine – Shakspeares [sic!] Maedchen und Frauen.

€ 200

Mit Erlaeuterungen von H. Heine. Paris und Leipzig, Delloye, Brockhaus und Avenarius 1839. Mit 45 Stahlstichen. Halblederband um 1920.

Erste Ausgabe. – Die Stiche entstanden in England und wurden nach Erscheinen der Londoner Ausgabe nach Paris verkauft. Neben einer französischen plante der dortige Verleger auch eine deutsche Version, suchte dafür nach einem zugkräftigen Namen und fand diesen in Heinrich Heine. Die für damalige Verhältnisse gute Bezahlung war ein Köder für Heine, »hätte er abgelehnt, wäre Tieck beauftragt worden, was Heine auch wußte und ihn somit gleich doppelt motivierte« (HSS). – Für die Protagonistinnen der Tragödien schrieb Heine eigene Texte, denen der Komödien gab er Auszüge aus Shakespeares Dramen bei. Heine steht »in der Tradition deutscher Shakespeare-Rezeption der Aufklärung und Romantik und spricht es auch so aus: ›Besser als die Engländer haben die Deutschen den Shakespeare begriffen‹.« (Stefanie Leibetseder, literaturkritik.de). – Auf feinem Verlinpapier gedruckt.

24 : 17 cm. 228 Seiten, 45 Tafeln.

Goedeke VIII, 559, 59. – Slg. Borst 1903. – HSS 14. – Wilhelm/Galley I, 504

278  Heinrich Heine. Sämtliche Werke.

€ 90

Herausgegeben von Rudolf Frank. Erster bis zehnter Band. München und Leipzig, Rösl 1923. Blaue Originalhalblederbände mit Rückenvergoldung.

Enthält neben den Dichtungen in den Bänden 9 und 10 eine umfangreiche Auswahl aus Heines Briefen.

23 : 15 cm. – Rücken leicht aufgehellt, oberes Kapital von Band 1 mit kleiner Fehlstelle.

279  Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Dichtungen und Schriften sowie Briefe und Tagebücher.

€ 120

Gesamtausgabe in fünfzehn Bänden. Herausgegeben und mit Nachworten versehen von Walther Harich. Weimar, Erich Lichtenstein 1924. Schwarze Originalpappbände mit blau-goldenen Rückenschildern.

Vollständiges Exemplar der ansprechenden Werksammlung. – »Abgesehen von den Ausgaben von Hirschberg und Frank – die auch Unechtes enthalten – … die bisher vollständigste« (Voerster). – Die Texte in Fraktur, Nachworte in Antiqua gesetzt.

23 : 15 cm. – Exlibris.

Voerster A 12

280  Friedrich Hölderlin. Hyperion

€ 2500

oder der Eremit in Griechenland. Tübingen, J. G. Cotta 1797. Späterer schwarz marmorierter Pappband mit rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe von Hölderlins erster Buchveröffentlichung. – »Die Dichte, in der sich poetische Sprache und geschichtsphilosophische Argumentation, Zeitkritik und religiöse Metaphorik verbinden, macht die Einzigartigkeit dieses Textes in der deutschen Literatur aus« (Meinhard Prill, in KNLL). – Das »Fragment von Hyperion« entstand 1794 und wurde von Schiller sogleich in seiner »Thalia« abgedruckt. Im Folgejahr machte Schiller den Verleger Cotta auf das Projekt aufmerksam: »Er hat recht viel Genialisches und ich hoffe auch noch einigen Einfluss darauf zu haben« (zit. nach KNLL). 1795 nahm Cotta Hölderlin unter Vertrag, nach mehreren Zwischenstadien erschien in dem für den Dichter hoffnungsvollen Jahr 1797 der erste Teil, der zweite folgte 1799. – Laut Bernhard Fischers Cotta-Bibliographie wurden nur 350 bis 500 Exemplare gedruckt, entsprechend selten und gesucht.

16 : 10 cm. 160 Seiten. – Schwach stockfleckig, Titelblatt rückseitig mit »AK« monogrammiert.

Goedeke V, 471, 1. – Seebaß 11. – KNLL VII, 928f. – Fischer, Cotta 187 (mit falscher Kollation)

281  Johann Caspar Lavater. Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniss und Menschenliebe.

€ 5000

Gott schuf den Menschen sich zum Bilde! Erster [bis] Vierter Versuch. Leipzig, Weidmann’s Erben und Reich sowie Winterthur, Johann Heinrich Steiner 1775–1778. Mit 343 Kupfertafeln sowie 488 Textvignetten, Kopf- und Schlussstücken von Daniel Chodowiecki, Johann Heinrich Lips, J. R. Schellenberg u. a., jeder Titel mit einer Kupfervignette. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung und je zwei Rückenschildern.

Erstausgabe eines der berühmtesten Druckwerke der Zeit, das – kostbar und vorbildlich ausgestattet – zu den originellsten illustrierten Büchern des 18. Jahrhunderts zählt.
Der Zürcher Schriftsteller und Pfarrer bewegte die Epoche bis zu Goethe nachhaltig mit seiner groß angelegten Wesensschau. Die vier monumentalen Bände wurden auf Wunsch Lavaters von Goethe überwacht und in der Leipziger Druckerei Dürre in einer Auflage von 750 Exemplaren auf kräftigem Büttenpapier gedruckt. Goethes Mitarbeit war zumindest an den beiden ersten Bänden umfassend. Er lieferte Schattenrisse und Kopien nach antiken Skulpturen und Werken von Raffael und Rembrandt, daneben zahlreiche Beiträge zur Physiognomik (Nasen, Tierschädel und zahlreiche Personencharakteristika, z. B. von Homer, Klopstock und dem Grafen Stolberg). Das Werk enthält auch die ersten Goethe-Porträts. Unter den beteiligten Künstlern verdienen Daniel Chodowiecki sowie die Schweizer Schellenberg und Lips besondere Erwähnung, war doch gerade ihre künstlerische Meisterschaft entscheidend für das großartige Ergebnis. – »Lavaters Idee, von der Form des Kopfes auf den menschlichen Charakter zu schließen, ein Lehrsystem, das von der Übereinstimmung von äußerer Erscheinung und den Eigenschaften des Menschen, ja der Natur schlechthin, ausging, wurde als Kategorie der Individualität besonders von den Anhängern des ›Sturm und Drang‹ begeistert aufgenommen. Lichtenberg beobachtete damals gar eine ›Raserei der Physiognomik‹. Das Werk galt binnen kurzer Zeit in nahezu ganz Europa als Bestseller; englische, französische, holländische und russische Übersetzungen, alle jedoch mit veränderter und verringerter Ausstattung, folgten. Das Werk hatte aufgrund seiner exzellenten Ausstattung seinen Preis: 90 Reichstaler und 16 Groschen, das entsprach fast der Hälfte des Jahresetats etwa der weithin berühmten Herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel« (vgl. A. Ohage, in: Wiederholte Spiegelungen. Weimarer Klassik). – Sehr gut erhalten und vollständig mit allen Kupfertafeln.

31 : 28 cm. [VIII], 12, 272, [8]; [10], 291, [9]; [12], 356, [8]; XII, 490, [10] Seiten. – Rücken etwas berieben, Kapitale und Ecken leicht bestoßen. – Vorsatzecken leimschattig. – Band I in der zweiten Hälfte am Oberrand mit teils starkem Braunfleck durch Feuchtigkeit und teils leichten Läsuren, ebenso bei Band II die ersten 20 Blätter an der unteren Ecke. Kupfertafeln in I–III teilweise am Rand etwas stockfleckig. – Besitzvermerke auf den Titelblättern »Fr Schmit 1792« und »Dr. Hayn 1826« (dieser bei Titelblatt 1 übermalt).

Schulte-Strathaus 106. – Kippenberg I, 578. – Lonchamp 1759. – Lanchoronska/Oehler III, 93f. – Saltzwedel, Das Gesicht der Welt. Physiognomisches Denken in der Goethezeit (1993), 35f

282  Johann Caspar Lavater. Essays on Physiognomy,

€ 900

designed to promote the knowledge and the love of mankind. Executed by […] Thomas Holloway. Translated from the French by Henry Hunter. Vol. I [–] III (in fünf Teilen). London, John Murray, H. Hunter and T. Holloway 1792. Mit drei gestochenen Titelvignetten, 174 Kupfertafeln und mehr als 350 Textkupfern. Lederbände der Zeit mit reicher Vergoldung.

Erste englische Ausgabe von Lavaters Hauptwerk, das zwar von vielen rationalistischen Zeitgenossen scharf angegriffen und bespöttelt wurde, aber trotzdem von großem Einfluss blieb. – Die großartigen Kupfer sind nur zum Teil mit der noch umfangreicheren deutschen Ausgabe identisch. Auch dem englischen Leser bot man die Silhouetten von Goethe mit Fritz von Stein und der Charlotte von Stein, ferner blattgroße Porträts von Henry IV., Lavater, Voltaire, Mengs, Haller, Caesar, Karl XII. von Schweden, Friedrich dem Großen, Winckelmann, Füßli, Thomas More, Erasmus von Rotterdam, Seneca, Homer aber auch George Washington u. v. a. – Lavaters Untersuchungen zu Mimik und Gestik und seine vergleichenden Hand-, Augen- und Mund-Studien reizten den Spötter Lichtenberg zu einem »Fragment von den Schwänzen«. – Auf starkem Bütten, sehr breitrandig gedruckt.

35 : 28 cm. [22], 281, [1] Seiten, 74 Vignetten (V), 14 Kupfertafeln (K); III–IX, [1], 23 Seiten, 78 V, 45 K; [6], 239–444 Seiten, 63 V, 45 K; III–IX, [1], 252 Seiten, 82 V, 24 K; [6], 253–437, [13] Seiten, 61 V, 46 K. – Etwas berieben und einige Ecken stärker bestoßen, Rücken restauriert (unterlegt). – Innengelenke angeplatzt. – Vereinzelt unbedeutend fleckig, etwa 20 Kupfer auch stärker gebräunt bzw. fleckig. – Möglicherweise fehlt in den Bänden I, II und IV jeweils das Vortitelblatt.

Goedeke IV/1, 264, 31 c. – Schulte-Strathaus 110, 77 f. – Lowndes II, 1321. – Slg. Kippenberg 582

283  Michail Lermontov. Poetischer Nachlaß.

€ 200 ( R7 )

zum Erstenmal in den Versmaßen der Urschrift aus dem Russischen übersetzt […] von Friedrich Bodenstedt. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, Deckersche Geheime Ober-Hofdruckerei 1852. Rote Originalleinenbände mit Rückenvergoldung und Deckelblindprägung.

Erste deutsche Ausgabe. – Mit Einleitung, Anmerkungen und »biographisch-kritischem Schlusswort«. – Einige Gedichte des russischen Romantikers Lermontov (1814–1841) wurden hier erstmals veröffentlicht. – Nach seinen Studienjahren arbeitete Friedrich von Bodenstedt als Lehrer in Moskau und Tiflis. Mehr als durch eigene Dichtungen wurde er durch seine Übersetzungen bekannt. Besonders die »Lieder des Mirza Schaffy«, des aserbaidschanischen Dichters Mirzə Şəfi Vazeh, der ihn in Tiflis in die Sprachen der Kaukasusvolker eingeführt hatte, fanden in Bodenstedts Nachdichtung große Beachtung.

15 : 10 cm. XXIV, 326, [2]; IV, 354 Seiten. – Einbände sehr gut erhalten, innen vereinzelt etwas stockfleckig, Titel 2 stärker.

284  Gotthold Ephraim Lessing. Lustspiele.

€ 250

Erster [und] Zweyter Theil. Zweyte Auflage. Berlin, Christain Friederich Voß 1770. Mit einigen Holzschnittvignetten. Kalblederbände der Zeit mit rot-goldenen Rückenschildern, Filetenvergoldung und vergoldeten Initialen »A. K.« auf den Vorderdeckeln.

Die Sammlung enthält die Stücke »Die Juden«, »Der Freygeist« und »Minna von Barnhelm« sowie die bereits von 1762 bis 1764 erschienenen Schauspiele »Der junge Gelehrte«, »Der Misogyn« und »Der Schatz«. – Die zweite Auflage ist in Druck und Seitenzahl identisch mit der ersten Auflage von 1767, lt. Muncker wurden aber die Korrekturen der »Minna von Barnhelm« nach dem Einzeldruck C übernommen. – Schöner Druck auf festem Büttenpapier.

16,1 : 10,2 cm. [2], 352; [2], 442 Seiten. – Titelblätter mit handschriftlichem Besitzvermerk.

Goedeke IV/1, 395, 100. – Muncker 421. – Seifert 82.2

285  Molière. Œuvres complètes.

€ 250

Nouvelle édition. […] Précédée d’une introduction par M. Jules Janin. Paris, Laplace, Sanchez et Cie 1875. Mit 20 kolorierten Kupfertafeln, davon 19 von Wolff und Manceau nach Geffroy und Maurice Sand und eine mit dem Porträt des Verfassers. Originalmaroquinband mit Rückenvergoldung und Goldschnitt.

Nach den Ausgaben des 17. Jahrhunderts mit Anmerkungen zur alten Schreibweise. – Die entzückenden, fein kolorierten Kupfer mit dem jeweiligen Protagonisten des Stückes.

27 : 19 cm. 649, [3] Seiten. – Leicht berieben, Ecken bestoßen. – Vereinzelt minimal stockfleckig.

286  Friedrich Rückert. Kindertodtenlieder.

€ 150

Aus seinem Nachlasse. Frankfurt a. M., J. D. Sauerländer 1872. Grauer Originalleinenband. Rückenverzierung, Vorderdeckelillustration und -bordüre und Buchschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Die vielleicht ergreifendsten Gedichte Friedrich Rückerts im Gedenken an seine »beiden liebsten und schönsten Kinder«. Alle seine Kinder erkrankten damals schwer an Scharlach, zwei von ihnen sind im Alter von drei und fünf Jahren 1833/34 gestorben, ihnen galt seine Klage: »Oft denk ich, sie sind nur ausgegangen, / Bald werden sie wieder nach Hause gelangen.«.

14 : 10 cm. XVI, 408 S. – Es fehlt das vordere Vorsatzblatt, sonst recht hübsches Exemplar.

Goedeke VIII, 175, 227

287  Friedrich Schiller. Die Räuber,

€ 400

ein Trauerspiel. Neue für die Mannheimer Bühne verbesserte Auflage. Mannheim, Schwan 1782. Mit Holzschnitt-Titelvignette. Ohne Einband, reversibel in Velinumschlag eingehängt.

Zweite Auflage, erster Druck. – Der Mannheimer Verleger Schwan hatte ein Jahr zuvor Schillers Schauspiel abgelehnt. Der neueren Forschung zufolge ließ Schiller das Werk daraufhin im Selbstverlag drucken, wofür er mehrere Kredite aufnehmen musste. – Erst diese zweite Auflage erhielt das Blatt mit den handelnden Personen (darunter der junge August Wilhelm Iffland als Franz Moor) und ein bei Marcuse nicht verzeichnetes Blatt mit Verlagsanzeigen am Ende. – Die Seltenheit des Erstdrucks ist legendär, erst nach der Mannheimer Erstaufführung stieg die Nachfrage und man druckte die vorliegende zweite Auflage. – Breitrandig. – Titelblatt mit Besitzvermerk »Baron de Berenger«.

21 : 13 cm (Buchblock). 166, [2] Seiten. – Teils etwas stockfleckig.

Goedeke V, 163, 25. – Marcuse 37

288  [Friedrich] Schiller. Briefwechsel mit Körner.

€ 100

Von 1784 bis zum Tode Schillers. Erster [bis] Vierter Theil. Berlin, Veit 1847. Dunkelviolette Halblederbände der Zeit mit hübscher Rückenvergoldung und geprägten Marmorpapierdeckelbezügen.

Erste Ausgabe. – Christian Gottfried Körner war mit Schiller seit 1784, also dem Jahr, als der Dichter Mannheim verließ, eng befreundet. Er war der Herausgeber der ersten Schiller-Gesamtausgabe. – Dekoratives, innen sehr gut erhaltenes Exemplar.

18 : 11 cm. – Gelenke leicht brüchig, kleine Bereibungen an den Kapitalen. – Exlibris.

Goedeke V, 110, 29

289  Carl Philipp Emanuel Bach. Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen

€ 300

mit Exempeln und achtzehn Probe-Stücken in sechs Sonaten erläutert. Erster Theil. Dritte mit Zusätzen und sechs neuen Clavier-Stücken vermehrte Auflage. – Angebunden: Zweyter Theil, in welchem die Lehre von dem Accompagnement und der freyen Fantasie abgehandelt wird. Zweite vom Verfasser verbesserte und mit Zusätzen vermehrte Auflage. Leipzig, Schwickert 1787 und 1797. Mit einer gefalteten Kupfertafel. Moderner Halbpergamentband.

Die wichtige theoretische Schrift Carl Philipp Emanuel Bachs erschien erstmals 1753 bzw. 1762 im Eigenverlag. – Im ersten Teil finden sich einige wenige, im zweiten dann zahlreiche Notenbeispiele. – Über Jahrhunderte sind die Musikhistoriker des Lobes voll: »Als Musiktheoretiker nimmt C. Ph. E. Bach unter der Menge der Skribenten des lehrhaften Aufklärungszeitalters eine überragende Stellung ein. Sein ›Versuch‹ hat als Lehrbuch […] weit über seine Zeit hinaus gewirkt« (MGG). – Ohne den Tafelband mit den Notenbeispielen.

22 : 18 cm. VIII, 103, [1]; [8], 280 Seiten, 1 Kupfertafel.

Vgl. MGG I, 934. – VD18 80421520-001

290  August Ludwig Follen. Harfen-Grüße

€ 400

aus Deutschland und der Schweiz. Nebst Kupfern, und Musik von Kreuzer, Nägeli und anderen. Zürich, Geßner 1823. Mit Stahlstichtitel, fünf Radierungen, elf radierten Vignetten von Geßner und vier gestochenen gefalteten Musikbeilagen. Neuerer Pappband; der originale Umschlag mit gestochenen Vignetten aufgezogen.

Seltene erste Ausgabe. – Klassische Anthologie der Romantik in der Schweiz. – Mit Gedichten in Erstveröffentlichung von Follen, Hessemer, Tanner, Goll, K. H. Hofmann und R. Wackernagel. »Der vorliegenden Sammlung von Gedichten, meist ernsten, und düsteren Inhaltes sind recht viele Leser zu wünschen; […] Sechs Schweizer […] lassen ihre Harfen tönen. […] Doch wird auch jeder Leser ihre kleinen Lieder mit Dank aufnehmen. Auch die charakteristischen Melodien von so bekannten Männern, und die hübschen Zeichnungen erhöhen den Werth des Buches. Alte Schweizerlieder machen einen erwünschten Anhang. Zu wünschen wäre nur, dass manches Wort für den Nicht-Schweizer in einer Note erklärt wäre. Das Aeussere ist, wie man es von der Verlagshandlung gewohnt sein kann, geschmackvoll und schön.« (Leipziger Literatur Zeitung, No. 97, April 1827, S. 774). – 1814 zog August Ludwig Follen (1794–1855) als Freiwilliger in den Befreiungskriegen nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr wurde er unter dem Eindruck der Restauration 1814 zu einem Mitbegründer der »Teutschen Lesegesellschaft« und des »Gießener Germanenbundes«. In den Jahren vor der Märzrevolution 1848 bildete sein Zürcher Wohnsitz eine Anlaufstelle für politisch Verfolgte, unter ihnen die Dichter Georg Herwegh, Hoffmann von Fallersleben und Ferdinand Freiligrath. Hier trafen deutsche Emigranten mit einheimischen Liberalen zusammen.

21 : 16 cm. [6], 182, [2] Seiten, 4 Notenblätter. – Umschlag fleckig. Vorderdeckel mit kleinem Besitzerstempel.

Goedeke VIII, 139, 5, 5

291  Musik – Ludwig von Köchel. Chronologisch-thematisches Verzeichniss sämmtlicher Tonwerke Wolfgang Amade Mozart’s.

€ 200

Nebst Angabe der verloren gegangenen, unvollendeten, übertragenen, zweifelhaften und untergeschobenen Compositionen desselben. Leipzig, Breitkopf und Härtel 1862. Mit zahlreichen Musiknoten. Neuer Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Meilenstein der Mozart-Forschung, der die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dessen Werk eröffnete. – Breitrandig und unbeschnitten. – Dazu: Wolfgang Amade Mozart. Verzeichnüß aller meiner Werke. New York, Herbert Reichner ohne Jahr. Originalhalbleinenband. Faksimile-Ausgabe nach Mozarts Handschrift, die die Jahre 1784–1791 umfasst. Mit dem englischsprachigen Textheft von Otto Erich Deutsch.

28 : 19 cm. XVIII, [2], 551, [1] Seiten.

292  Leos Janacek.

€ 400

Porträtfotografie. Vintage, Bromsilberabzug. 13,8 : 8,5 cm.

Zeitgenössische Porträt-Fotografie, rückseitig vom Komponisten signiert und mit Stempelaufdruck zur Verwendung als Postkarte. – Mit Prägestempel »Bromografia Brno«.

Rückseitig Reste von ehemaliger Montierung.

293  Johannes Waller. Abhandlungen von dem Alpdrücken, dem gestörten Schlafe,

€ 150

erschreckenden Träumen und nächtlichen Erscheinungen. Nebst der Heilart dieser lästigen Zufälle. Aus dem Englischen übersetzt und mit einigen Anmerkungen begleitet von Elias Wolf. Frankfurt am Main, Philipp Heinrich Guilhauman 1820. Moderner schwarzer Umschlag.

Erste Ausgabe. – Eine der zahlreichen Abhandlungen zum Thema »Schlafwandeln«. Das Phänomen wurde damals mit dem »tierischen Magnetismus« erklärt, ein psychologischer Ansatz ließ noch 80 Jahre auf sich warten. – Die deutsche Ausgabe gibt alle Texte, »da sie nichts Anstößiges enthalten«, wieder – auch jene im englischen Original aus »Schamhaftigkeit« in Latein verfassten Stellen.

19 : 12 cm. [2], VI, 92 Seiten. – Etwas braunfleckig, alter Besitzvermerk.

294  M[atthias] Trentsensky. Der junge Landwirth,

€ 1000

ein Bilderwerk mit erklärendem Texte, zur Verbreitung naturhistorischer, ökonomischer und technologischer Kenntnisse unter der vaterländischen Jugend. Wien [1840]. Mit 96 kolorierten lithographierten Tafeln. Halbleinenband der Zeit.

Erste Ausgabe. – Es erschienen insgesamt 16 Hefte mit den begleitenden Erläuterungen zu den Abbildungen und jeweils 6 Bildertafeln. – Vorhanden Texthefte 2 bis 16, die Tafeln vollzählig. – Inhalt der Hefte 2–4: Ökonomische Pflanzen, 5–8: Giftpflanzen, 9–12: Technologische Pflanzen, 13-16: Insekten, Pilze und Schwämme. – Matthias Trentsensky (1790–1868) gründete 1819 in Wien eine lithographische Anstalt. Diese wurde später berühmt durch die sogenannten »Mandlbogen«, Bilderbogen für Kinder mit Soldaten, Bühnen- und Trachtenfiguren, Tieren und Papiertheater. 1823 erhielt er ein Patent für die Herstellung von Lithographien auf Zinkplatten. Diese Technik ersetzte den schweren Schieferstein und bahnte dem Offsetdruck den Weg zum Hauptdruckverfahren.

40 : 27 cm. 96 Tafeln.

295  Henry-René d’ Allemagne. Histoire du luminaire.

€ 600

Depuis l’époque Romaine jusqu’au XIXe siècle. Paris, Alphonse Picard 1891. Mit 80 Tafeln und 500 Textabbildungen von Émile Solvet. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung, der farbige Originalumschlag eingebunden.

Erste Ausgabe. – Eins von 50 Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe auf Japan, weitere 350 Vorzugsexemplare wurden auf Velin gedruckt. Nur die übrigen 600 Exemplare auf einfachem Papier waren für den Handel bestimmt. – In Text und Bild wird die Entwicklung der Beleuchtung von biblischen Zeiten bis ins 19. Jahrhundert dargestellt. Im zweiten, speziellen Teil werden einzelne Beleuchtungsarten beschrieben (Gas, Phosphor, Elektrik u. a.). Auf hunderten Abbildungen werden Lampen aus verschiedensten internationalen Museen und privaten Sammlungen vorgestellt und die Darstellung von Lampen in Kunst und . – Mit eingehefteten Widmungsblatt für Albert Ellissen, der d’Allemagne zu dieser Publikation animierte, deren Herstellung finanzierte und dem der Verfasser deshalb das Buch in doppeltem Sinne widmete. Möglicherweise hier also das Exemplar für Albert Ellissen (1838–1923). – Henry-René d’Allemagne (1863–1950) war ein vielseitiger Archivar und Bibliothekar an der Bibliothèque de l’Arsenal und veröffentliche eine Reihe ähnlich umfangreicher Monographien zu Spielkarten, Möbeln u. a. – »[…] figure parmi les plus importants spécialistes des arts décoratifs de la fin du XIXe et de la première moitié du XXe siècle. Ses nombreuses publications semblent si foisonnantes qu’il serait aisé de le considérer comme un génial touche-à-tout, qu’aucune réelle ligne directrice ne saurait guider« (www.inha.fr). – Sehr selten, zumal in der Vorzugsausgabe.

34 : 26 cm. [4], VI, 702, [2] Seiten, 80 Tafeln. – Unbeschnitten, die äußersten Ränder leicht gebräunt.

297  George Cruikshank – Der Freischütz.

€ 350

Travestie by Septimus Globus. With twelve etchings by George Cruikshank, from drawings by an amateur; and the originale tale whereon the German opera is founded. London, C. Baldwyn 1824. Mit zwölf gestochenen Tafeln. Brauner Kalblederband mit reicher Rückenvergoldung, zwei farbigen Rückenschildern, vergoldeten Deckel-, Steh- und Innenkantenbordüren sowie Schnittvergoldung (signiert: Morrell Bindery, London).

Erste Ausgabe. – Drollig illustrierte Parodie der 1822 erschienenen deutschen Nationaloper, zu der Carl Maria von Weber durch ein Gespensterbuch der damaligen Zeit angeregt worden sein soll. Cruikshank stach die Illustrationen nach Vorlagen des jungen Alfred Crowquill (1804–1872). – Dekorativ gebunden und sehr gut erhalten.

24 : 16 cm. [4], 68 Seiten, 12 Tafeln.

Rümann, Illustrierte Bücher, S. 66

298  Thomas Rowlandson – [William Combe]. The English Dance of Death,

€ 900

from the designs of Thomas Rowlandson, with metrical Illustrations by the Author of »Doctor Syntax«. Vol. I [and] II. London, R. Ackermann 1815–1816. Mit 74 kolorierten Aquatintaradierungen, davon 72 Tafeln, das Frontispiz und eine große Vignette auf dem gestochenen Titelblatt. Blaue Halbecrasélederbände der Zeit mit Rückenvergoldung in sechs Feldern; Deckelfileten und Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Der Tod besucht unter anderem einen Antiquar, ein Liebespaar, Taschendiebe, Glücksspieler, einen Maskenball, Pferderennen und verschiedene andere gesellschaftliche Vergnügungen; im zweiten Band kommen einige »riskante« Lebenssituationen dazu: Obstdiebstahl aus Nachbars Garten, Unfälle im Haushalt, Kinderreichtum. – »The Dance of Death is the finest effort (in book form) of the greatest artist of his day […] not only indispensable to any Rowlandson collection but one of the essential pivots of any colour plate Library« (Tooley, S. 222). – William Combe (1741–1823) hatte bereits mehrere erfolgreiche Satiren und besonders fiktive Reiseberichte und Briefwechsel verfasst und dafür mehrfach Ärger mit der englischen Justiz bekommen, als er 1809–1811 für R. Ackermanns »Political Magazine« die berühmten Reisebeschreibungen des Doctor Syntax schrieb, die zusammen mit den irrwitzigen Aquatintaillustrationen von Thomas Rowlandson (1756–1827) ein Riesenerfolg wurden. Auch die Verleger des frühen 19. Jahrhunderts verlangten in einem solchen Fall nach Fortsetzungen und so erschienen recht bald »Dance of Death«, »Death of Life« und »The Adventures of Johnny Quae Genus« – alle bis heute gleichermaßen bekannt wie gesucht, lesens- und betrachtenswert. – Schönes Exemplar dieses großartigen Beispiels englischen Humors.

24 : 15 cm. VII, [5], 295, [1]; [6], 299, [1] Seiten, 74 Tafeln. – 2 Ecken leicht bestoßen. – Frontispiz und Titelblatt etwas fleckig, Frontispiz mit Eckknick und hinterlegtem Einriss. – Vereinzelte Ecken mit Braunflecken. – Die Radierungen jeweils mit einem vorgebundenen Leerblatt, dieses mit apartem Abklatsch der Schwarzpartien.

Massmann, S. 60, E. 1. – Tooley, S. 219-222

299  William Shakespeare – The National Shakespeare.

€ 450 ( R7 )

A Facsimile of the Text of the First Folio of 1623. Illustrated by Sir J. Noel Paton. [In three Volumes]. London, William Mackenzie [1888–1889]. Mit zwei Porträts, zwei Ansichten und 20 Szenenbildern nach Zeichnungen, alle heliograviert. Grüne Originalmaroquinbände mit reicher Vergoldung und Blindprägung.

Edition de Luxe auf starkem Bütten, in Prachteinbänden und mit den Heliogravüren. – Das Faksimile folgt der ersten Shakespeare-Sammlung von 1623 in der Satzanordnung bis hin zu den Unregelmäßigkeiten der Seitenzählung. – Insgesamt enthielt die Ausgabe 36 Komödien, Historien und Tragödien. – Die Prunkeinbände mit dunkelgrünem, stark genarbtem Maroquin über Holzdeckeln, alle Deckel mit eingelassenem ovalen Mittelfeld mit reicher Vergoldung. Die ornamental verzierten Rückentitel, reichliches Schmuckwerk, die Innenkantenbordüren und der Kopfschnitt wurden ebenfalls vergoldet. – Die Illustrationen des schottischen Malers Joseph Noel Paton (1821–1901) wurden für die Luxus-Edition auf Chinapapier gedruckt und diese aufgewalzt.

41 : 27 cm. Kollation: [16], 303, [1]; [4], 1–100 (98), 67–232, [32]; [4], 98, [2], 109–156, 257–399, [1] Seiten, 24 Tafeln. – Deckelränder und Rücken leicht berieben und verfärbt. – 2 Seiten in Band 1 mit Bräunungsabklatsch, die Tafelkartons rückseitig minimal stockfleckig.

300  [Émile Gachet]. Les sires de Gavres.

€ 180

Histoire des seigneurs de Gavres. Roman du XVe siècle. Brüssel, Van Dale [1845]. Text und Illustrationen durchgehend farbig lithographiert und teils koloriert. Leinenband der Zeit mit Blindprägung, der lithographierte Originalvorderumschlag auf das Vorblatt aufgezogen.

Eins von wohl nur etwa 100 Exemplaren. – Brunet: »fac-simile d’un curieux manuscrit du XVe siècle, […] avec un glossaire et un avertissement. […] Ce volume, exécuté à la lithogr. de Gobert, reproduit en entier et page pour page le texte et les vignettes du manuscrit qu’il représente. L’introduction qui en fait partie imite le style de l’époque de manière à faire illusion«. – Das Subskribenten-Verzeichnis nennt 57 Vorbesteller, von denen mancher bis zu zehn Exemplare orderte.

30 : 25 cm. 508 Seiten. – Einband leicht bestoßen und angestaubt. – Vorblatt fingerfleckig. Titelblatt rückseitig mit getilgtem Stempel.

Brunet II, 1430f