ChristianHesse

Lot 251 – 300 | Hesse-Auktionen
Lot 251 – 300

251  [Friedrich von Hagedorn]. Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen.

€ 400

Hamburg, Conrad König 1738. Mit drei gestochenen Vignetten von Christian Fritzsch nach C. A. Wagner, davon eine auf dem Titel, und mehr als 50 Holzschnittzierstücken. Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, vergoldeter Deckelvignette und Blindprägung.

Erste Ausgabe. – Friedrich von Hagedorns (1708–1754) erste große Fabelsammlung mit der er sich stilistisch von seinen Vorbildern Brockes und Hofmannswaldau löste und nun »den leichten Plauderton Lafontaines zum Muster« nahm (Meyers Lexikon 1926). – Die schönen Kopfvignetten mit dem befreiten Aesop von Tieren umringt und die von König David beobachtete Bathseba im Bade. – Am Ende mit genauen Quellenangaben zu den Fabeln. – Dazu: Friedrich von Hagedorn. Poetische Werke. Erster [bis] Dritter Theil. Hamburg, Johann Carl Bohn 1757. Mit gestochenem Porträt und 25 gestochenen Vignetten, davon drei auf den Titelblättern. Lederbände der Zeit mit Rückenvergoldung. Erste Ausgabe. – Der Hamburger Dichter, der ein beachtliches Werk hinterließ, musste in seinem Leben manche Widrigkeit erleiden. Schröders Lexikon weiß zu berichten, dass er um 1620 die Tochter eines in Hamburg lebenden englischen Schneiders Butler heiratete, »die zwar weder jung, noch schön, noch geistreich war, womit er aber seine Glücksumstände beträchtlich zu verbessern hoffte, worinnen er sich indessen getäuscht haben soll.« Schröder erwähnt weiter, dass die Linde »in dem Hamburg benachbarten, romantisch gelegenen Harvstehude«, unter der Hagedorn gern gesessen und gedichtet habe, einige Jahre nach seinem Tode vom Blitz getroffen u. dermaßen beschädigt ward, daß man sie umhauen mußte.«.

20,0 : 13,3 cm. [8], 210, [14] Seiten. – Einband vor allem an den Kanten berieben. – Titelblatt mit Notiz, dort verso und eine Seite mit Stempel. Schwach gebräunt. – Beigabe: Einbände berieben, Ecken leicht bestoßen.

Goedeke IV/1, 27, 20 und 28, 40. – Schröder III 1395, 17 und 39. – Rümann 384

252  Heinrich Heine. Französische Zustände.

€ 400

Hamburg, Hoffmann und Campe 1833. Halblederband um 1880.

Erste Ausgabe. – Das erste Buch, welches nach Heines Übersiedlung nach Paris in Deutschland erschien. – Auf dem Zwischentitel der Ausruf des Dichters: »Vive la France! quand même«. – Von der Zensur wurde der Text schärfstens kontrolliert, war man sich doch sicher, dass dieses Buch »zu den verwerflichsten gehöre, welche wir jemals zu prüfen veranlaßt worden sind«. Die zahlreichen Auslassungen in der Vorrede setzten Heine schwer zu (»… betäubt vor Kummer…«) und veranlassten ihn, in Paris eine unverstümmelte Variante der Vorrede mit einem zusätzlichen Vorwort drucken zu lassen, die hier beigegeben ist: Vorrede zu Heinrich Heine’s Französischen Zuständen nach der französischen Ausgabe ergänzt und herausgegeben von P. G.g.r. Leipzig, Heideloff und Campe 1833. Originalbroschur.

17,0 : 10,5 cm und 18,5 : 11,5 cm. XXVI, [2], 408 Seiten und 58, [2 leere] Seiten. – Einband leicht berieben, Broschur leicht bestoßen. – Beide etwas stockfleckig, beide mit Besitzvermerk.

Goedeke VIII, 557, 41. – Wilhelm/Galley 581. – HSS009. – Sammlung Borst 1687

253  Heinrich Heine. Sämmtliche Werke.

€ 400

Rechtmäßige Original-Ausgabe. Erster [bis] Einundzwanzigster Band. – Supplementband. Hamburg, Hoffmann und Campe 1861–1866 [1867] und 1884. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung.

Erste rechtmäßige Gesamtausgabe, alle Bände in erster Ausgabe, gedruckt auf feines Velin. – Herausgegeben von Adolf Strodtmann, der nach seinem Exil in Paris zunächst in London, New York und Philadelphia lebte, bevor er 1856 nach Hamburg kam. – Gedruckt bei Jacob und Holzhausen, Wien. – Die Planungen zu dieser »Ausgabe letzter Hand« reichen bis in die 1840er Jahre zurück, die Korrespondenz zwischen dem Dichter und seinem Verleger in Hamburg verdeutlichen die sorgfältigen Planungen, die Heine diesem Projekt widmete. – Enthält »Reisebilder« (Bände 1–2), »Englische Fragmente« (3–4), »Über Deutschland« (5–7), »Französische Zustände« (8–11), »Über Ludwig Börne« (12), »Vermischte Schriften« (13–14), »Dichtungen« (15–18) und »Briefe« (19–21). Band 21 (hier etwas abweichend gebunden) enthält die nachgelieferten Bogen 28/29 (»Nachträge« und Vorwort von 1867). – Mit dem zweiten von zwei Supplementbänden: »Memoiren« und neugesammelte Gedichte, Prosa und Briefe. Herausgegeben von Eduard Engel. 1884.

17,2 : 11,4 cm. – Kanten leicht berieben, bei Band 21 stark. – Exlibrisstempel.

Goedeke VIII, 563, 107. – Willem/Galley I, 3. – HSS036

254  Friedrich Hölderlin. Sämmtliche Werke.

€ 450

Herausgegeben von Christoph Theodor Schwab. Erster [und] Zweiter Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1846. Spätere Pappbände mit Rückenschild.

Erste Werkausgabe. – Auf besserem Papier. – Band I enthält die Gedichte und »Hyperion« sowie den Erstdruck von großen Teilen des »Empedokles«, Band II zahlreiche Erstdrucke (Briefe, Jugendgedichte, Gedichte aus der Zeit des Irrsinns) sowie die frühe und umfangreiche Lebensbeschreibung des Dichters, verfasst vom Sohn Gustav Schwabs. Dieser bewirkte drei Jahre nach dem Tod des Dichters mit dieser ersten Werkausgabe, nach mehrjährigem Sammeln der verstreuten und oft noch ungedruckten Texte, eine breitere Anerkennung Hölderlins.

20,1 : 12,5 cm. XIV, [2], 213, [3], 148, [2]; VI, 352, [2] Seiten. – Einige Seiten schwach stockfleckig.

Goedeke V, 472, 4. – Seebaß S. 13. – Kat. Hirschberg 38

255  [E. T. A. Hoffmann]. Nachtstücke,

€ 400

herausgegeben von dem Verfasser der Fantasiestücke in Callots Manier. Erster [und] Zweiter Theil. Berlin, Realschulbuchhandlung 1817. Pappbände der Zeit mit Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Band I erschien, vordatiert, bereits zur Michaelismesse 1816, Band II im November 1817. – Hoffmann hoffte, mit dem Verweis auf die »Fantasiestücke« von 1814/15 an deren großen Erfolg anzuknüpfen. Der Sammlung, die u. a. auch Hoffmanns berühmte Erzählung »Der Sandmann« enthält, war allerdings kein Erfolg beschieden: Nur diese eine Ausgabe erschien zu Lebzeiten des Dichters. – »Die Nachtstück-Manier bezieht sich bei Hoffmann vor allem im übertragenen Sinn auf die wichtigen Themen dieser Sammlung, die Nachtseite der Psyche, das Grauenvolle, Unheimliche, auf traumatische Erlebnisse, Wahnideen und die Frage der Heilung der psychisch Kranken« (KNLL VII, 959).

19,0 : 11,5 cm. [2], 321, [1]; [2], 374 Seiten. – Gelenke von Band 1 restauriert, Kanten von Band 2 beschabt. – Leicht stockfleckig.

Goedeke VIII, 489, 29. – Salomon 82. – Slg. Borst 1276

256  Jean Paul. Eigenhändiger Brief.

€ 1200

[Bayreuth ohne Datum]. Eine Seite.

An den Gymnasialprofessor Lorenz Heinrich Wagner, den Lehrer seiner Kinder Max und Emma, dem Jean Paul zwei Flaschen Wein sendet. – »Ich kann es nicht lassen – und wenn Sie des Henkers würden – daß ich Max u. Emma schicke, damit diese aus jenes Taschen zwei herrliche Ellipse-Brennpunkte, nämlich zwei Weinproben eines noch bessern Steinweins herausziehen, als der vorherige gewesen. Versuchen Sie und Ihre im Kopieren Ihrer (der geistigen u. der leiblichen Ebenbilder) so fleißige Gattin unter dem Essen die Probe«. – Auf der rückseitigen Adress-Seite der Zusatz »Mit einem doppelten Dualismus«. – Abgedruckt in Jean Paul Briefe VIII, 526.

10,5 : 17,0 cm. – Leicht geknittert. Gerahmt.

257  Jean Paul. Vorschule der Aesthetik,

€ 300

nebst einigen Vorlesungen in Leipzig über die Parteien der Zeit. Erste [bis] Dritte Abtheilung. Hamburg, Friedrich Perthes 1804. Drei Pappbände der Zeit mit Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Jean Pauls (1763–1825) große kunsttheoretische Schrift, eine philosophisch reflektierte Theorie der modernen Dichtung, bündelt Überlegungen über die Prinzipien der Kunst, den Gegensatz zwischen Klassik und Romantik, die Wirkungsweisen von Humor, Ironie und Witz. – Band 1 abweichend gebunden.

Ca. 16 : 10 cm, Band 1 etwas kleiner. – Einbände berieben. Exlibris in I, Titelblätter von II und III gestempelt.

Goedeke V, 465, 18. – Berend/Krogoll 18a

258  Jean Paul. Politische Fastenpredigten

€ 120

während Deutschlands Marterwoche. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1817. Pappbändchen der Zeit mit rotem, reich vergoldetem Rücken und marmorierten Deckeln.

Erste Ausgabe. – Enthält den Erstdruck von »Nachsommervögel gegen Ende des Jahres 1816«, die übrigen vier Beiträge erschienen bereits 1810–1812.

17,2 : 10,8 cm. XVI, 264 Seiten. – Vordergelenk mit kleiner Fehlstelle. – Besitzvermerk auf Titel und Vorsatz. Vereinzelte winzige Stockflecken.

Goedeke V, 465, 32. – Berend/Krogoll 30

259  Jean Paul. Sämmtliche Werke.

€ 400

65 in 27 Bänden. Berlin, G. Reimer 1826–1838. 24 Pappbände der Zeit mit Marmorpapierbezug und Rückenschild und drei Halbleinenbände.

Erste Gesamtausgabe. – Erste bis Dreizehnte Lieferung, Teile I bis LXV. – Die Werkausgabe erschien als Ausgabe letzter Hand zunächst zügig bis 1828, die abschließenden fünf Bände mit dem literarischen Nachlass des 1825 verstorbenen Dichters wurden dann aber erst ab 1836 von seinem Neffen R. O. Spazier und von E. Förster herausgegeben. Durch die Unterbrechung des Erscheinens sind vollständige Ausgaben relativ selten. – Im Ganzen gut erhalten, die letzten drei Bände (mit den Nachlasstexten) hier abweichend gebunden.

17,8 : 11,3 cm; 18,9 : 11,5 cm. – Kanten leicht berieben. – Vereinzelt gering stockfleckig, die letzten drei Bände stärker und gebräunt.

Goedeke V, 466, 38 und 41. – Berend/Krogoll 169a und 652a

260  Immanuel Kant. Critik der reinen Vernunft.

€ 600

Zweyte hin und wieder verbesserte Auflage. Riga, Johann Friedrich Hartknoch 1787. Gelber Pappband der Zeit mit Rückenschild.

Zweite Ausgabe, Erstdruck der endgültigen Fassung. – Nach der Erstausgabe hatte Kant sich entschlossen, schon in der Vorrede den Grundgedanken seines Werkes ausführlicher zu erläutern. Mit allen anderen Zusätzen und Änderungen bildet diese zweite Auflage die Grundlage für alle späteren Ausgaben. – Die erste der drei »Kritiken« Kants gilt als eines der einflussreichsten Werke der Philosophiegeschichte und markiert den Beginn der modernen Philosophie. Es folgten die »Kritik der praktischen Vernunft« und die »Kritik der Urteilskraft«.

20,1 : 12,5 cm. XLIV, 884 Seiten. – Beschabt und etwas bestoßen. – Durchgehend etwas stockfleckig.

Warda 60. – Adickes 46. – Slg. Borst 417 Anmerkung. – Goedecke V, 3, 6

261  Immanuel Kant. Anthropologie in pragmatischer Hinsicht abgefaßt.

€ 300

Königsberg, Friedrich Nicolovius 1798. Pappband der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – In seiner letzten selbst herausgegebenen Schrift behandelt Kant, was der Mensch »als frei handelndes Wesen aus sich selber macht, oder machen kann und soll«.

19,8 : 12,5 cm. XIV, [2 leere], 334, [2 leere] Seiten. – Einband etwas berieben.

Warda 195. – Adickes 98. – Slg. Borst 814

262  Gottfried Keller. Der grüne Heinrich.

€ 750

Roman. In vier Bänden. Braunschweig, Friedrich Vieweg und Sohn 1854–1855. Etwas spätere Leinenbände mit Rückenvergoldung und Deckelverzierung in Blindprägung.

Erste Ausgabe der Urfassung. – Gottfried Keller überschritt den selbstgesteckten Liefertermin des Manuskripts an Vieweg um ganze fünf Jahre. »In fabelhafter Langsamkeit ließ er diesen Roman reifen.« Nach Fertigstellung lief der Absatz des Buches schleppend, statt Bezahlung ließ Kellers Verleger ihm Restexemplare in seine kärgliche Wohnung in Zürich liefern und es ist überliefert, dass der in ärmlichsten Verhältnissen lebende Autor seinen Ofen mit den ungebundenen Büchern heizen musste – ein Grund für die große Seltenheit dieses großen Bildungsromans der deutschen Literaturgeschichte. – Sehr sauberes Exemplar, fast fleckenfrei.

17,0 : 11,3 cm. – Ecken teils minimal bestoßen, Buchblöcke etwas verzogen. – Goldgeprägter Vorbesitzername auf den Rücken.

Zippermann 10

263  Heinrich von Kleist. Gesammelte Schriften.

€ 300

Herausgegeben von Ludwig Tieck. Erster [bis] Dritter Theil. Berlin, G. Reimer 1826. Pappbände der Zeit mit goldgeprägten Rückenschildern.

Erste Gesamtausgabe der Werke Kleists, der dadurch auch im Ausland bekannt wurde. – Ludwig Tieck hatte 1821 bereits Kleists »Hinterlassene Schriften« publiziert. Nun folgten die bis dato nur einzeln erschienenen fünf Dramen (»Die Familie Schroffenstein«, »Amphitryon, nach Molière«, »Penthesilea«, »Das Käthchen von Heilbronn« und »Der zerbrochene Krug«) und die Erzählungen aus den beiden Bänden von 1810/1811.

18,5 : 12,0 cm. LXVI, 330; [2], 418; [4], 340 Seiten. – Kanten berieben, Ecken bestoßen. Bezugspapier an den Gelenken etwas gelöst. – Buchhändlermarken auf den Vorsätzen.

Goedeke VI, 104, 13. – Sembdner 41. – Slg. Borst 1497

264  Adolph Freiherr Knigge. Die Reise nach Braunschweig;

€ 400

ein comischer Roman. Hannover, Christian Ritscher 1792. Marmorierter Pappband der Zeit.

Erste Ausgabe, selten. – »Die Reise nach Braunschweig« beschreibt die Reise einer kleinen Gesellschaft aus dem fiktiven Ort Biesterberg bei Hannover, um den ersten bemannten Ballonaufstieg durch Jean-Pierre Blanchard am 10. August 1788 vom August-Bollwerk in Braunschweig mitzuerleben.

16,8 : 10,3 cm. [6], 248 Seiten. – Leicht bestoßen und beschabt. – Titel und vereinzelte Blätter minimal stockfleckig.

Goedeke IV/1, 616, 23. – Slg. Borst 672

265  [Johann Karl August] Musäus. Volksmärchen der Deutschen.

€ 120

Mit einem Vorwort von Friedrich Jacobs. Neue Auflage. Erstes [bis] Fünftes Bändchen [in einem Band]. Gotha, Ettinger 1838. Mit fünf Titelvignetten. Kalblederband der Zeit mit Rückenschild, vergoldeten Fileten und Wappensupralibros auf den Deckeln.

Eine umfassende Kollektion volkstümlicher Erzählungen. Johann Karl August Musäus (1735–1787), Schriftsteller und Philologe, sammelte Zeit seines Lebens Märchen, Sagen und Legenden. Zunächst in fünf Einzelbänden erschienen, wurde die Sammlung posthum als Gesamtausgabe erneut herausgegeben. – Der Einband mit Wappensupralibros der schottischen Society of Writers to the Signet, die 1594 gegründet wurde. – Dazu: Musäus’ Volksmärchen der Deutschen mit Zeichnungen von Ludwig Richter. München, Hugo Schmidt 1919. Originalhalblederband mit Rückenvergoldung.

14,7 : 11,3 cm. – Untere Ecken bestoßen, Ränder leicht berieben. Gelenke gebrochen, innen mit Klebeband hinterlegt. – Exlibris.

Goedeke IV/I, 580, 5

266  Philipp Otto Runge. Hinterlassene Schriften.

€ 300

Herausgegeben von dessen ältestem Bruder. Erster [und] Zweyter Theil. Hamburg, Friedrich Perthes 1840/41. Mit einem gestochenen Porträt, sieben teilweise gefalteten lithographischen Tafeln von Otto Speckter und einem gefalteten Notenblatt. Marmorierte Pappbände der Zeit mit schwarz-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Die Originalbroschurumschläge sind eingebunden. – Die bis heute einzige maßgebliche Ausgabe enthält u. a. Runges Briefwechsel mit Goethe über die Farbenlehre, seine plattdeutschen Märchen »Machandelboom« und »Der Fischer un syne Frau« und im zweiten Band den von seinem Bruder Johann Daniel Runge verfassten Lebenslauf.

21,8 : 14,6 cm. [4], 435, [1] Seiten, 7 Tafeln; XII, 552, [2] Seiten, 2 Tafeln. – Kanten berieben. – Gebräunt und stockfleckig.

Goedeke VI, 48, 2. – Slg. Borst 1901. – Rümann 2177

267  [Friedrich] Schiller. Sämmtliche Werke mit Stahlstichen.

€ 300

Erster [bis] Zwölfter Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1835–1836. Mit 13 Stahlstich-Frontispizen nach Rethel, Kaulbach Schroedter u. a. Halbpergamentbände der Zeit mit Rückenschild.

Großoktavausgabe, erstmals mit den prächtigen Stahlstichen zu den Werken und den Porträts von Friedrich und Charlotte von Schiller. Zuerst 1812–15 von Schillers Freund und Gönner Christian Gottfried Körner herausgegeben, dessen »Nachrichten aus Schillers Leben« und Biographie »Charlotte von Schiller« hier wiederum enthalten sind. – Auf besserem, weißen Papier.

20,4 : 13,3 cm. – Kanten berieben. – Die Stiche gebräunt und stockfleckig.

Goedeke V, 142, K. – Marcuse 19

268  J[ohann] G[ottfried] Seume. Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.

€ 450 ( R7 )

Braunschweig und Leipzig [Dresden, Hartknoch] 1803. Mit gestochenem Frontispiz und gestochenem Titel mit Vignette von Julius Schnorr von Carolsfeld. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe. – Johann Gottfried Seume (1763–1810) arbeitete damals als Korrektor in der Druckerei seines Freundes Göschen im sächsischen Grimma. »Von dort aus machte er in einer an Reisebeschreibern noch armen Zeit 1802 seinen berühmten Spaziergang nach Syrakus. […] Seine Schriften […] haben mehr vom persönlichen und politischen, als vom dichterischen Standpunkte aus Bedeutung« (Goedeke). Teile seiner Reisebeschreibung erschienen bereits vorab in Wielands »Neuen Teutschen Merkur«. – Breitrandiges Exemplar auf leicht bläulichem Papier.

21,8 : 13,0 cm. 2 Kupfer, [III–]XVI, 491, [5] Seiten. – Einband berieben und bestoßen. – Vorderer Innendeckel mit Notizblatt überklebt. Leicht gebräunt und teils etwas stockfleckig.

Goedeke V, 419, 10. – Slg. Borst 958

269  J[ohann] G[ottfried] Seume. Gesammelte Schriften.

€ 300

Herausgegeben von J. P. Zimmermann. Erster [bis] Fünfter Band [in drei Bänden]. Wiesbaden, Schellenberg 1823–1826. Halblederbände der Zeit mit Rückenschild- und Vergoldung.

Erste Gesamtausgabe. – Der junge Seume brach sein Theologiestudium in Leipzig ab, um nach Paris zu gehen. Bedauerlicherweise war die Reise bereits bei Erfurt zu Ende, da er von Werbern des hessischen Landgrafen gefangen und als Soldat gegen die nordamerikanischen Unabhängigkeitsarmee kämpfen musste. Nach seiner Rückkehr ereilte in gleiches Schicksal nochmals, den preussischen Werbern entkam er aber durch eine für ihn geleistete Kaution. Nach Studienabschluss und Militärdienst in Russland arbeitete er als Korrektor bei seinem Freund Göschen in Grimma. 1802 erschien sein berühmter »Spaziergang nach Syrakus«.

19,3 : 12,0 cm. – Vorsätze, erste und letzte Seiten etwas stockfleckig. Titelblätter rückseitig mit Bibliotheks- und Dublettenstempel.

Goedeke V, 420, 19 (zählt nur 4 Bände)

270  Johann Heinrich Voss. Luise.

€ 200 ( R7 )

Ein lændliches Gedicht in drei Idyllen. Auswahl der letzten Hand. Königsberg, Universitäts-Buchhandlung 1823. Mit gestochenem Titel mit Vignette und vier Kupfertafeln, alle von W. Jury nach Daniel Chodowiecki. Pappband der Zeit mit rotem, vergoldetem Rücken und geflammten Buntpapierbezügen.

Seit 1795 wiederholt aufgelegtes Werk, mit dem es Voss gelang, »die Idylle als literarische Kunstform mit neuem Gehalt zu erfüllen« (KNLL XVII, 291). Voss erwähnt bewundernd den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn (›Der hätte den Göttlichen nimmer gekreuzigt‹) und spielt auf Lessings Ringparabel an. – Schönes und breitrandiges Exemplar auf leicht bläulichem Papier. – Rücken mit goldgeprägtem Namen der Vorbesitzerin »Wilhelmine Philipp«.

18,0 : 12,0 cm. [6], 352 Seiten, 5 Kupfer. – Einband mit kleinen Schabstellen, Vordergelenk etwas brüchig. – Vereinzelte Stockflecken.

Goedeke IV/1, 1071, 24. – Engelmann 839-841. – Vgl. Rümann 1195 (so erst 1826)

271  Zacharias Werner. Sämmtliche Werke.

€ 250

Aus seinem handschriftlichen Nachlasse herausgegeben von seinen Freunden. Erster [bis] Dreizehnter Band [in sechs Bänden]. Grimma, Verlags-Comptoir [um 1845]. Grüne Lederbände der Zeit mit rot-goldenem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung.

Undatierte Titelauflage der 1840/41 erschienenen »Ausgewählten Schriften« mit den poetischen und dramatischen Werken sowie ausgewählten Predigten. – Friedrich Ludwig Zacharias Werner (1768–1823), preußischer Dichter und Dramatiker, war Freimaurer, konvertierte 1811 zum Katholizismus und wurde 1814 zum Priester geweiht. Auch wenn Werner als hochbegabter Dramatiker galt, bezeichnete Goethe 1828 dessen Leben und Werk als einen »Complex von Vorzügen, Verirrungen, Thorheiten, Talenten, Mißgriffen und Extravaganzen, Frömmlichkeiten und Verwegenheiten«. – Die »Ausgewählten Schriften« wurden durch Hitzigs Werner-Biographie ergänzt.

15,8 : 10,7 cm. – Kanten leicht berieben. Rücken minmal verfärbt, einer mit kleiner Kratzspur. – Teils etwas gebräunt und mit wenigen Stockflecken. Exlibris.

Goedeke VI, 95,18

272  C[hristoph] M[artin] Wieland. Geschichte des Agathon.

€ 300 ( R7 )

Erster [bis] Dritter Theil. Leipzig, Goerg Joachim Göschen 1794. Mit drei gestochenen Frontispizen nach Heinrich Ramberg. Grüne Halblederbände der Zeit mit dezenter Rücken- und Deckelkantenvergoldung.

Erste Ausgabe der endgültigen Fassung. – Erschien als Band 1–3 der »Sämmtlichen Werke«, hier in der großformatigen »Fürstenausgabe« auf weißem Velin mit den Rambergschen Kupfern.

30,0 : 22,0 cm. 10, XXVI, 249, [1]; VI, 250, [2]; VI, 328 Seiten; 3 Kupfer. – Minimal berieben. – Vereinzelt, meist nur in den Rändern, leicht stockfleckig.

Goedeke IV/1, 568, 158, 1/3. – Günther/Zeilinger 2. – Rümann 1264

273  Christoph Martin Wieland. Sämmtliche Werke.

€ 400

Erster [bis] Acht und Dreyssigster Band [von 39]. – Supplemente. Erster [bis] Sechster Band. Leipzig, Georg Joachim Göschen 1794–1805. Marmorierte Halblederbände der Zeit mit goldgeprägten Rückenschildern.

Erste Gesamtausgabe; sie verkörpert Wielands definitive Entscheidung über die Gestalt seiner Werke. – Die »wohlfeile« Ausgabe erschien zunächst in 30 Bänden und sechs Supplementen, die Folgebände 31–38 beinhalten nach 1799 Erschienenes. – Ohne den abschließenden Band 39 (»Menander und Glycerion / Krates und Hipparchia«), der erst 1811 erschien.

17,5 : 11,0 cm. – Die meisten Rückenschilder verblasst.

Vgl. Goedeke IV/1, 568ff., 158, 166, 167, 170, 181 und 183. – Günther/Zeilinger 2. – Hayn/Gotendorf VIII, 414

274  E[berhard] A[ugust] W[ilhelm] von Zimmermann. Taschenbuch der Reisen,

€ 600

oder unterhaltende Darstellung der Entdeckungen des 18. Jahrhunderts, in Rücksicht der Länder, Menschen und Productenkunde. Für jede Klasse von Lesern. Erster Jahrgang für das Jahr 1802 [bis] Vierzehnter Jahrgang [in 20 Bänden]. Leipzig, Gerhard Fleischer [1801]–1819. Mit zahlreichen, teils gefalteten Kupfertafeln und Karten. 17 Originalpappbände mit gestochenen Deckelbordüren, drei Pappbände der Zeit.

Vollständige Folge der Reihe, die bis zum Jahrgang XII (1813) durch vier Doppelbände insgesamt 16 Bände umfasste. Zwei weitere, 1814 und 1815 noch von Zimmermann selbst herausgegebene Bände ohne Verlegernamen und in dürftigerer Ausstattung, wurden seltsamerweise als 15. und 16. Bändchen bezeichnet. Folgerichtig, wenn auch verspätet, erschienen 1817 und 1819 dann die Jahrgänge XIII und XIV, herausgegeben von F. Rühs und H. Lichtenstein, als 17. und 18. Bändchen. Über derartigen editorischen Verwirrspielen sollte der Reiz der Reihe mit ihren mehr als 200 Kupfern nicht vergessen werden. Dargestellt werden Landschaften, Eingeborene, Tiere und Pflanzen, geologische Erscheinungen und Ereignisse, ergänzt um einige gefaltete Karten. Band 1 auf den Innendeckeln mit zwei Kupfern. – E. A. W. Zimmermann (1743–1815) war ein Universalgelehrter, dem der praktische Nutzen seiner Forschungen stets bedeutsam war. Nach seinen Reisen, für die er stets ausreichende Geldmittel erhielt, »suchte er Geographie und Handelswissenschaft, Geogenie und Naturwissenschaft zu verbinden und für das praktische Leben nutzbar zu machen.« Nachdem er 1801 auf eigenen Wunsch von seiner Lehrtätigkeit entbunden worden war, konnte er sich ganz seinen eigenen Forschungen und Publikationen widmen. – So vollständig nicht häufig zu finden.

Ca. 13,5 : 9,0 cm, einige abweichend. – Mehr oder weniger berieben, alle leicht bestoßen. – Leicht gebräunt und stockfleckig, insgesamt aber recht hübsch. Die beiden Jahrgänge 1814/15 mit Stempeln auf den Titelblättern.

Engelmann I, 117. – ADB XLV, 256ff

275  Charles Sealsfield [Karl Postl]. Gesammelte Werke.

€ 400

Erster [bis] Fünfzehnter Theil. Stuttgart, J. B. Metzler 1845–1847. 14 Leinenbände der Zeit mit etwas Rückenvergoldung.

»Originalausg. und inhaltlich bisher vollständigste Werkausgabe« (Hagen). Alle Texte in der maßgeblichen dritten Auflage letzter Hand. – Der Erzähler und Journalist Charles Sealsfield (1793–1864, eigentlich Carl Magnus Postl) flüchtete (aus ungeklärten Gründen) 1823 in die USA. Als Redakteur des New Yorker »Courrier des Etats Unis« reiste er 1831 nach Paris und London und traf dort Scott, Börne und Heine. Ab 1832 lebte er, unterbrochen von neuerlichen Aufenthalten in den USA, in der Schweiz. Sealsfield beschrieb als erster deutschsprachiger Autor, eingebettet in abenteuerliche Handlungen, das Heranwachsen der Vereinigten Staaten von Amerika. »In Sealsfield ist etwas vorgebildet und nichts Geringes: der deutsche Amerikaner. Die Seele ist deutsch, aber durch eine fremde große Schule durchgegangen. Er reiht sich an die andern, und ist doch besonders. Haben sie ihn drüben vergessen, so ist es traurig, hier durfte er nicht fehlen, er erzählt in einer Weise, daß keiner ihn vergißt, der ihm einmal zugehört hat.« (Hugo von Hofmannsthal).

15,5 : 10,5 cm. – Etwas berieben, Rücken leicht verfärbt. – Stellenweise etwas braunfleckig.

Goedeke XV, 630, 338. – Hirschberg S. 385. – Hagen Handbuch 1

276  Alexander von Humboldt. Ansichten der Natur,

€ 1000

mit wissenschaftlichen Erläuterungen. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage. Erster [und] Zweiter Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1849. Rote Halblederbände der Zeit mit reicher Rückenvergoldung. – Widmungsexemplar.

Erstdruck der endgültigen Fassung, gegenüber der vorherigen auf den fast doppelten Umfang erweitert. – Zweites Vorblatt mit eigenhändiger Widmung »Dem thätigen Sprachforscher Herrn Tit. Rath Wilhelm Wald zu freundlichem Andenken und in dankbarer Erinnerung an die sibirische Expedition von 1829 die ich auf die allerhuldreichste Aufforderung Sr. Maj. des Kaisers Nicolaus unternommen habe. Alexander v. Humboldt, Berlin 27. Sept. 1854«. – Auf glattem Velin. – Vier Jahrzehnte nach der Erstausgabe und aus Anlass seines 80. Geburtstages gelang es Humboldt, »eine dritte Ausgabe meiner Schrift zu vollenden und dieselbe nach den Bedürfnissen der Zeit ganz umzuschmelzen. Fast alle wissenschaftlichen Erläuterungen sind ergänzt oder durch neue, inhaltsreichere ersetzt worden.« Besonders beeinflusst und erweitert wurden Humboldts Ansichten durch seine Expedition in das nördliche Asien 1829.

17,8 : 11,2 cm. XVIII, 362, [2]; [4], 407, [1] Seiten. – Einbände berieben, leicht bestoßen und etwas fleckig, vorderes Innengelenk von Band I gebrochen. – Durchgehend etwas gewellt und mehr oder weniger wasserrandig.

Fiedler/Leitner 3.3. – Goedeke VI, 261, 10. – Vgl. Fischer, Cotta 648 und 1618

277  Alexandre Verschaffelt. Nouvelle Iconographie des Camellias,

€ 18000

contenant les figures et la [Tome 1: une court] description des plus rares, des plus nouvelles, et des plus belles variétés de ce genre. Tome I [– XIII]. Gent, Auguste van Geert [und ab Band 2]: Alexandre Verschaffelt 1848–1860. Mit 624 kolorierten Lithographien. Acht unterschiedliche Halblederbände, meist der Zeit.

Erste Ausgabe. – Das umfangreichste Werk zu der im Europa des 19. Jahrhunderts besonders beliebten ostasiatischen Pflanzengattung der Kamelien. Deren Benennung erfolgte durch Carl von Linné zu Ehren des Jesuitenpaters Georg Joseph Kamel, der im 17. Jahrhundert die »Camellia japonica« nach Spanien brachte. – Vollständiges Exemplar mit allen 624 prachtvoll und nuancenreich kolorierten Lithographien von G. Severeyns und L. Stroobant nach B. Leon, A. Lagarde, G. Severeyns sowie P. Stroobant. Jede Tafel mit einem erläuternden Textblatt. Alle Jahrgänge mit Inhaltsverzeichnis, zwölf mit je zwei Titelblättern. Mit der Einleitung von Auguste van Geert. – Die beiden Verleger waren europaweit bekannte Pflanzensammler in Gent. – Vollständige Exemplare des schönen Pflanzenwerkes sind sehr selten, das vorliegende wurde vom Vorbesitzer über Jahre aus fünf voneinander abweichend gebundenen »Quellen« zusammengestellt. Insgesamt gut erhalten. – Beigabe: New Iconography of the Camelias. Translated by E. A. McIlhenny. 1945. Im Eigenverlag erschienene englische Übersetzung der französischen Erläuterungstexte. Mit einem alphabetischen Gesamtregister.

Ca. 26 : 19 cm. – Leicht berieben und beschabt, stellenweise stärker, zwei Gelenke eingerissen. Einbände der Doppelbände 1850/51 und 1852/53 vertauscht. – Teils etwas fleckig und vereinzelt mit kleinen Läsuren. – Einige Innengelenke gebrochen, ein Vorsatzblatt und Vortitel lose, der Zwischentitel zu Band III (1850) fehlt.

Pritzel 9743. – Nissen 2056. – Sitwell-Blunt 85

278  Édouard Manet – Émile Zola. Éd[ouard] Manet.

€ 500

Étude biographique et critique. Paris, E. Dentu 1867. Mit einer Manet-Porträtradierung von Bracquemond und einer Radierung von Manet. Halbpergamentband der Zeit.

Erste Ausgabe dieser kleinen biographischen Essays. – Mit der schönen Radierung »Olympia« (Guérin 39/VI) nach dem Gemälde des Künstlers. – Die seltene Schrift erschien zur Eröffnung der Ausstellung von Gemälden Manets, gleichzeitig mit der »Exposition universelle«.

23,8 : 15,5 cm. 48 Seiten, 2 Radierungen. – Stellenweise stärker stockfleckig. Das Porträt mit restauriertem Randeinriss.

Carteret II, 491. – Monod 11598. – Lang, Impressionismus 17 (unter Bracquemond)

279  Édouard Manet – Exposition des oeuvres de Édouard Manet.

€ 1500

Préface de Émile Zola. Catalogue. Paris, Imprimerie de A. Quantin Januar 1884. Originalbroschur.

Originalausgabe des äußerst seltenen Ausstellungskatalogs. – Der unmittelbar nach Manets Tod veranstalteten Gedenkausstellung folgte die legendäre Nachlassauktion im Hôtel Druot am 5. Februar 1884. – Emile Zola, der bereits zu der Pubilkation 1867 ein Vorwort verfasst hatte, schrieb nun überschwänglich: »Une exposition des principaux tableaux de l’artiste […] acte de libéralisme intelligent dont il faut la remercier, car il se trouve peut-être encore des crânes durs que l’entrée de Manet dans le sanctuaire de la tradition offensera. Voilà son oeuvre, venez et jugez. Nous sommes certains de cette dernière victoire, qui lui assignera définitivement une des premières places parmi les maîtres de la seconde moitié du siècle« (Seite 8f.). – Der Katalog verzeichnet 179 Arbeiten Manets und schließt mit den Gedanken von Antonin Proust zur Gestaltung eines Grabmals für den Künstler.

17,5 : 11,5 cm. 72 Seiten. – Beide Umschlagblätter lose, Rückenbezug fehlt, Vorderumschlag mit Randläsuren. Vereinzelt stark stockfleckig.

280  [August] de Villiers de l’Isle-Adam. Akëdysséril.

€ 800 ( R7 )

Paris, Brunhoff 1886. Mit einem Lichtdruck-Porträt und einer Heliogravüre nach Felicien Rops sowie zwei Vignetten und einer Initiale. Gelber Halblederband der Zeit mit Buntpapierbezügen (signiert: E. Champs).

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren. – Auf Kaiserlich Japan. – Die Tafel von Felicien Rops in drei Farbvarianten eingebunden (Grau, Rot und Blau), eine mit eigenhändiger und signierter Anmerkung des Verfassers am Unterrand: » … des feux mortels, nonchalante satane, révulsant le tranchant de tes ailes […] « – Die beiden Vignetten am Ende jeweils als Separatdruck in Rot eingebunden. – Breitrandig, absolut unbeschnitten, Originalumschlag eingebunden. – Exlibris Leo Kok (1923–1945, niederländischer Dekorations- und Reklamemaler).

25,7 : 17,5 cm. [6], 67, [5] Seiten, 6 Tafeln. – Rücken berieben und verfärbt, Hinterdeckel mit Schabstelle.

Nicht bei Monod. – Carteret II, 472

281  Georges Rochegrosse – Anatole France. Thaïs.

€ 500

Paris, Librairie des amateurs, A. et F. Ferroud 1909. Mit farbig radiertem Frontispiz, einer kolorierten Titelvignette und 13 Radierungen im Text von E. Décisy nach G. Rochegrosse. Dunkelblauer Originalmaroquinband mit vergoldeten Fileten auf Deckeln, Rücken und Stehkanten, ornamentaler Innenkantenvergoldung, marmorierten Spiegeln und Vorsätzen sowie Kopfschnittvergoldung (signiert: Bernasconi). Der Originalumschlag eingebunden.

Eins von 65 Exemplaren der ersten Vorzugsausgabe auf Japon imperial und mit zwei zusätzlichen Suiten der 14 Radierungen, im ersten und endgültigen Zustand, jedoch beide noch mit Remarquen, das Frontispiz in zwei abweichenden Farbstellungen. – Hier eins von 20 der absoluten Vorzugsausgabe in größerem Format und mit einem signiertem Aquarell von Rochegrosse. – Im Impressum vom Verleger monogrammiert. – Georges-Antoine Rochegrosse (1859–1938) war stark vom Orientalismus beeinflusst. Neben Bildern zu den Werken von Anatole France wurde er besonders durch seine Illustrationen der antiken Dichter bekannt. – Tadellos erhalten, ein Kleinod der französischen Bibliophilie.

25,8 : 19,3 cm. [4], 229, [3] Seiten, 28 zusätzliche Radierungen, 1 Aquarell.

Monod 4959. – Carteret IV, 171

282  Paul Gauguin. Noa Noa.

€ 900

Yoyage de Tahiti. [Faksimile des Manuskripts. Herausgegeben von Julius Meier-Graefe. München, R. Piper 1926]. Mit zahlreichen, meist montierten farbigen Abbildungen nach Aquarellen, Holzschnitten und Fotografien. Originalraffiabasteinband.

45. Druck der Marées-Gesellschaft, ausgegeben 1926 in einer Auflage von 400 Exemplaren, davon 320 in dem Strohbasteinband mit Deckel- und Rückentitel. – Bereits in den Jahren 1897 und 1901, während Gauguins zweitem Tahiti-Aufenthalt, veröffentlichte Charles Morice, der an der Entstehung des Werkes beteiligt war, erste Teile. »Meanwhile, Gauguin recopied and amplified his manuscript, adding watercolors, woodcuts, and an occasional photograph. The latter manuscript, now in the Louvre, is the basis for this facsimile« (Eleanor M. Garvey). Die Druckqualität dieser Edition mit ihren prachtvollen und farblich fein differenzierten Reproduktionen und der durch Einklebung der Bilder entstandenen Authentizität, blieb unübertroffen. – Der Editionsvermerk wurde vielen Exemplaren nur beigelegt. Wie häufig fehlt er hier, ebenso der Originalschutzumschlag. – Sehr schönes Exemplar.

31,8 : 24,2 cm. [4], 204 [recte 210] Seiten. – Rückentitel etwas verblasst.

Artist and the Book 115 (mit ganzseitiger Abbildung). – Monod 5158. – Skira 129. – Dokumentations-Bibliothek II, 586 (irrtümlich als 6. Druck der Marées-Gesellschaft bezeichnet)

283  Max Elskamp. L’alphabet de Notre Dame la Vierge.

€ 300

Anvers, Buschmann für Conservatoire de la tradition populaire 1901. 58 ganzseitige Bild-Text-Holzschnitte mit farbigen Bordüren. Originalbroschur mit Deckelholzschnitt.

Eins von 100 Exemplaren auf Holländischem Bütten (Gesamtauflage 215). – Schönes Alphabet des belgischen Symbolisten Max Elskamp (1862–1931), dessen Werk auch in späteren Jahren stark von seinem katholischen Glauben geprägt wurde. – »Alphabet ›incunable‹ sans lettres mobiles« (Monod). Links auf den 25 Doppelseiten jeweils eine Initiale und der dazu gewählte Begriff oder Vers, rechts die bildliche Darstellung. Die üppige florale Verzierung jeder Seite wurde zusätzlich in Gelb und Blau gedruckt. Auch Titelei und Druckvermerke sind in Holz geschnitten und verziert. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Selten.

26,5 : 21,0 cm. [58] Seiten. – Rücken und Innengelenke mit Feuchtigkeitsspuren, nach Monod häufiger so.

Monod 4190

284  Aubrey Beardsley – Ernest Dowson. Verses.

€ 450

London, Leonard Smithers 1896. Hellbraun gefärbter Originalpappband mit großer vergoldeter Deckelillustration nach Entwurf von Aubrey Beardsley.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren auf Bütten (Gesamtauflage 330). – Gedruckt auf der Chiswick Press. – Nachdem Dowson ein erstes Exemplar seiner Gedichtsammlung erhalten hatte, schrieb er dem Verleger: »Beardsley’s binding block is admirable – simplex munditiis, & yet most sumptuous« (zitiert nach Lasner). – Exlibris Lucy Spiegl.

19,7 : 14,7 cm. XII, 57, [3] Seiten. – Deckel leicht berieben und etwas stockfleckig. – Vorsätze etwas und die untersten Ränder vereinzelt leicht stockfleckig.

Lasner 106. – Later Works 78

285  Aubrey Beardsley – The later Work of Aubrey Beardsley.

€ 250

London, John Lane 1901 [1900]. Mit einer kolorierten Heliogravure und 173 Tafeln. Originalleinenband mit vergoldeten Deckelillustrationen und Kopfschnittvergoldung.

Erste Ausgabe. – Eins von etwa 120 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japanpapier und mit dem koloriertem Frontispiz »Mademoiselle de Maupin«, rückseitig nummeriert »No. 45 of 100 copies«. – Fortsetzung des opulenten Werkverzeichnisses; 1899 war »The early Work« erschienen, 1925 folgte abschließend »The uncollected Work«. – 18 Zeichnungen wurden hier erstmals veröffentlicht. – Aubrey Beardsley (1872–1898) zeichnete bereits in Bristol Karikaturen für die Schulzeitung. Der Autodidakt erhielt die einzige professionelle Unterweisung in Abendkursen der Westminster Kunstschule. Oscar Wildes »Salome« inspirierte Beardsley zu einer Zeichnung Salomes mit dem Haupt Johannes’, die in »The Studio« veröffentlicht wurde. Darauf wurde Wilde aufmerksam und beauftragte ihn mit den Illustrationen zur englischen Ausgabe. Zu dieser Zeit lernte er den Verleger John Lane kennen, der nach Beardsleys frühem Tod die umfangreiche Dokumentation edierte.

29,3 : 22,8 cm. [12] Seiten, 177 Tafeln, jede mit Zwischentitelblatt. – Die Klebebindung der schweren Tafeln wie meist gelöst.

Lasner 136

286  Monogrammist »L«. Sechs Tuschfederzeichnungen zu O. Wilde »Das Bildnis des Dorian Gray«.

€ 450

1915. Ca. 18 : 13 cm.

Sehr fein ausgeführte, von Beardsley und Behmer durchaus inspirierte Zeichnungen. – Auf dünnem Papier, am Unterrand mit Bleistift in deutscher Sprache betitelt. – Auf Kartonblätter montiert und mit einem Titelblatt mit kalligraphierter Titelvignette, dort paraphiert »L 15« und datiert »12 – 8 – 15«.

287  Jugend.

€ 450

Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben. Herausgeber: Georg Hirth – Redaktion: Fritz von Ostini. II. [bis] IV. Jahrgang. München, Georg Hirth 1897–1899. Mit allen farbigen Originalumschlägen und zahlreichen, teils ganzseitigen oder doppelblattgroßen, teils farbigen Illustrationen. Illustrierte Originalleinenbände.

Vollständige Folge der sechs Halbjahresbände mit den insgesamt 156 Heften der frühen Jahrgänge. – Die 1896 gegründete Zeitschrift, die den neuen Zeitgeist wie keine andere spiegelte und zugleich beeinflusste, war namensgebend für die Kunstrichtung der Jahrhundertwende: »Jugendstil«. – Mit Textbeiträgen von Otto Julius Bierbaum, Richard Dehmel, Max Halbe, Hugo von Hofmannsthal, Arno Holz, Börries von Münchhausen, Fritz von Ostini u. v. a.

30,0 : 23,5 cm. – Ein Gelenk leicht angeplatzt, sonst sehr gut erhalten.

Dietzel/Hügel 1516. – Diesch 2668

288  Ver sacrum.

€ 2000

Organ [bzw. in Jahrgang II: Zeitschrift] der Vereinigung bildender Künstler Österreichs. I. [und] II. Jahrgang, je Heft 1 [bis] 12. Wien, Gerlach & Schenk 1898 und Leipzig, E. A. Seemann 1899. Mit einer Farblithographie von Koloman Moser und zahlreichen, teils farbigen, teils montierten Abbildungen. Spätere Halbleinenbände mit gold-braunem Rückenschild und Buntpapierbezügen. Mit 24 eingebundenen illustrierten Originalumschlägen.

Die vollständigen ersten beiden Jahrgänge der repräsentativen Zeitschrift der 1897 gegründeten Wiener Secession. – Der »Heilige Frühling« sollte den »brausenden Frühlingssturm, der überall erlösend die Kunst durchwehte« nun auch nach Wien holen. Im programmatischen Geleitwort verkünden die Herausgeber weiter: »Wir wollen dem thatenlosen Schlendrian, dem starren Byzantinismus und allen Ungeschmack den Krieg erklären« und bekennen zugleich, ganz im Sinne William Morris: »Wir kennen keine Unterscheidung zwischen ›hoher Kunst‹ und ›Kleinkunst‹, zwischen Kunst für die Reichen und Kunst für die Armen. Kunst ist Allgemeingut.« – Mit künstlerischen Beiträgen von Koloman Moser, Gustav Klimt, J. Hoffmann, Max Liebermann, Alphons Mucha, J. Olbrich, Segantini und vielen anderen. – Besonders die ersten beiden Jahrgänge sind für die buchkünstlerische Gestaltung und Beispielhaftigkeit berühmt geworden. – Ohne das Sonderheft zur zweiten Ausstellung der Wiener Secession. – Heft I, 5/6 erschien als Doppelnummer. – Einige Verlagsanzeigen und -werbungen beigeheftet.

29,0 : 28,5 cm. Je etwa 30-32 Seiten. – Vereinzelte Umschläge mit kleinen, restaurierten Randeinrissen, der erste Vorderumschlag stärker betroffen. Etwas knapp beschnitten. – Drei Hefte in Jahrgang I papierbedingt gebräunt.

Dietzel/Hügel 2985. – Diesch Langner, Jugendstil, Seite 150. – Schauer I, 40 und II, 7

289  Wiener Werkstätte – Sammlung von drei Drucksachen.

€ 300

Wien 1905–1928.

I. Rosensignet. Zweifarbiger Klischeedruck. Um 1905. 19,5 : 28,5 cm. Entwurf von Kolo Moser und Josef Hoffmann. Das Signet in 108 Feldern auf einem Bogen wiederholt. Das Rosensignet war seit 1903/04 die registrierte Schutzmarke der Wiener Werkstätte. – II. Kunstschau 1908. Eintrittskarte. Zweifarbige Lithographie. 4,5 : 11,5 cm (6,8 : 19,3 cm). Entwurf von Anton Kling. Probedruck, unbeschnitten. Gedruckt bei Chwala, Wien. – III. Briefkuvert Wiener Werkstätte. Lithographie. 10,1 : 15,7 cm. Mit dem großen Logo der Werkstätte. – Alle tadellos erhalten. – Aus der Wiener Secession hervorgegangen, entwickelte sich die Wiener Werkstätte für etwa 25 Jahre zu einer der führenden Entwurfs- und Produktionsstätten des Jugendstil und Art Déco.

Vgl. Abbildungen in Schweiger S. 40 und 80

290  Wiener Buchkunst – Johann Wolfgang von Goethe. Sechzehn kleine Lieder.

€ 150

Wien 1932. Mit farbigem Buchschmuck von Rudolf Junk. Illustrierte Originalbroschur.

Festgabe im Goethe-Jahr 1932. – In kleiner Auflage gedruckt. – Mit floralen Zierstücken und unterschiedlich großen prachtvoll ornamentierten Initialen in Grün, Blau und Gold. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Die Vorlagen schuf Rudolf Junk bereits 1917, außer einigen Handabzügen erschien aber nie eine Auflage. Junk war Künstlerischer Beirat der Akademie für Musik und Darstellende Kunst Wien und ab 1924 Direktor der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt Wien. Nach den kolorierten und vergoldeten Handdrucken des Künstlers wurden in der dortigen Druckerei die Klischees angefertigt.

24,8 : 21,0 cm. [78] Seiten. – Kanten minimal berieben, etwas angestaubt. – Klammerheftung etwas gelockert.

291  Gustav Klimt. 25 Zeichnungen.

€ 350

Ausgewählt und bearbeitet von Alice Strobl. Graz und Wien, Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1964. 25 Faksimiletafeln, alle unter Passepartout. Mit Textheft lose in Originalleinenmappe mit montiertem Deckelschild, in -halbleinenschuber.

Veröffentlichungen der Albertina I. – Herausgegeben von Walter Koschatzky. – Tadellos.

60,0 : 42,5 cm (Mappenformat). 14, [2] Seiten, 25 Tafeln.

292  Doves Press – Johann Wolfgang von Goethe. Faust.

€ 1500

Eine Tragoedie. [Erster] und Zweiter Theil. Hammersmith 1906 und 1910. Flexible Originalpergamentbände mit vergoldeten Rückentiteln (signiert: The Doves Bindery).

Eins von 300 bzw. 200 Exemplaren auf Bütten, von beiden Teilen erschienen jeweils auch 25 Exemplare auf Pergament. – Druck in Rot und Schwarz mit acht großen Initialen. – Satzanordnung: J. H. Mason und William Jenkins. – Druck von H. Gage-Cole und Albert Lewis. – Durch die Weimarer Ausgabe der Werke Goethes angeregt und auf deren Textfassung basierend edierte T. J. Cobden-Sanderson, der unter anderem deutsche Philosophie studiert hatte, im Laufe der Jahre sechs deutschsprachige Goethe-Drucke: 1906 und 1910 die beiden Teile des »Faust«, 1911 »Die Leiden des jungen Werther«, 1912 »Iphigenie auf Tauris«, 1913 »Torquato Tasso« und schließlich als einen der letzten Drucke der Presse 1916 die »Auserlesenen Lieder, Gedichte und Balladen«. – Marianne Tidcombe bezeichnet den »Faust« als »one of the most beautiful books produced at the Doves Press. Johnston’s four-line heading, in black, with the words ›Die Tragoedie‹ standing alone on the page following the preliminaries, is especially fine«. – Beide Bände mit Originalrechnung der Doves Press aus den Jahren 1906 bzw. 1910, ausgestellt für James Ramsay MacDonald (1866–1937, Mitbegründer der Labour Party und deren erster Premierminister), mit handschriftlichen Zusätzen und Steuermarken, eine mit eigenhändiger Quittierung »Received with many thanks T. S. Cobden-Sanderson«.

23,4 bzw. 23,8 : 17,0 cm. [2], 260, [6] und [8], 373, [13] Seiten. – Rücken mit je einem kleinem Fleck, in Band I vier Blätter minimal vergilbt.

Tidcombe DP 10 und 20. – Tomkinson 55, 10 und 56, 20

293  Bremer Presse – Hugo von Hofmannsthal. Die Wege und die Begegnungen.

€ 1200

Bremen 1913. Roter Originalmaroquinband mit Kopfgoldschnitt. Blindgeprägte ornamentale Rückenverzierung und Deckelfileten sowie vergoldete Steh- und Innenkantenbordüren (signiert: Bremer Binderei).

Erstes Buch der Bremer Presse. – Erste Ausgabe. – Eins von 200 Exemplaren. – Der einzige kleinformatige Druck der Presse. – Die Initialen und den Buchschmuck zeichnete Rudolf Alexander Schröder. – Gedruckt auf Van Gelder-Bütten in Rot und Schwarz auf der Handpresse. – Der Einband stammt von Frieda Thiersch, deren Handeinbände für lange Jahre ein Markenzeichen der Presse waren. – Nur dieser Text des Mitbegründers der Presse und der im Folgejahr gedruckte »Tacitus«, der allerdings erst nach dem Weltkrieg ausgeliefert werden konnte, entstanden in der Gründungsstadt der Presse. – Nahezu tadelloses Exemplar.

19,5 : 12,2 cm. [4], 21, [7] Seiten. – Innendeckel mit wenigen und leichten Stockflecken.

Lehnacker 1. – Rodenberg 1. – Schauer II, 68. – Houghton Library Catalogue 758

294  Bremer Presse – Dante [Alighieri]. Comedia.

€ 400 ( R7 )

Deutsch von Rudolf Borchardt. München 1922. Originalpergamentband mit Rücken-, Fileten- und Kopfschnittvergoldung (signiert: Bremer Binderei. F. TH.).

Erster Sonderdruck für die Vereinigung von Freunden der Bremer Presse. – Eins von 120 Exemplaren, weitere 33 Belegexemplare. – Gedruckt auf Zanders-Bütten. – Gesetzt aus der 16pt Antiqua. – Titel, Untertitel und die Initialen zeichnete Anna Simons. – Wiegand und Wolde als Gründer der Presse schlossen 1912, also noch vor deren Gründung, mit Rudolf Borchardt einen Honorarvertrag für Übersetzungen zur Veröffentlichung in der Bremer Presse. »Mit Rudolf Borchardt war eine der eigenwilligsten, sprachbegabtesten, leidenschaftlichsten Persönlichkeiten zur Bremer Presse gestoßen« (Lehnacker, S. 118). Rudolf Borchardt arbeitete über 20 Jahre an der Übertragung der »Divina Comedia«, die vollständig erst 1930 im Verlag der Bremer Presse und im Ernst Rowohlt Verlag Berlin veröffentlicht wurde.

34,0 : 21,4 cm. [2], 159, [3] Seiten. – Deckel etwas berieben. – Ganz vereinzelt minimal stockfleckig, die ersten und letzten Blätter wie meist etwas stärker betroffen.

Lehnacker 10. – Rodenberg 58, 10. – Schauer II, 68

295  Cranach-Presse – Rainer Maria Rilke. Gesammelte Gedichte.

€ 1800

Erster [bis] Vierter Band. Leipzig, Insel 1930–1933. Originalhalbpergamentbände mit vergoldeten Rückentiteln und Kopfgoldschnitt (in Band 3 signiert: Gerhard Prade, Leipzig).

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Eins von 200 Exemplaren auf handgeschöpftem Maillol-Kessler-Bütten (Gesamtauflage 425). – Die Titelzeilen der Gedichte und die Zwischentitel wurden in Rot gedruckt. Die Titelschrift und Initialen zeichnete Eric Gill, die Initialen wurden von Aristide Maillol ornamentiert. – Anton Kippenberg beauftragte Kessler nach Rilkes Tod mit dem Druck der vierbändigen Gesamtausgabe der Gedichte. Die ersten drei Bände wurden auf der Weimarer Cranach-Presse gedruckt, Band IV nach deren Auflösung unter Aufsicht Kesslers bei Poeschel & Trepte. – Im vorliegenden Exemplar manifestiert sich das Schicksal von zahllosen Verfolgten und Beraubten während der zwölfjährigen Herrschaft der Nationalsozialisten: Alle Bände im Innendeckel mit Exlibris Dr. Gottfried Bermann, seit 1926 Schwiegersohn von Samuel Fischer und seit 1928 Geschäftsführer von dessen Verlag. 1936 verlegte er den Hauptsitz des Verlages nach Wien, musste jedoch wegen des Anschlusses Österreichs bereits im März 1938 wieder von dort fliehen. Seine Bibliothek fiel der Österreichischen Nationalbibliothek zu, deren Bearbeiter jedweden bibliophilen Feinsinn vermissen ließen: Alle Titelblätter gestempelt mit Sigel und »Lux. Ausg.«, rückseitig mit dem Stempel der Bibliothek. Alle Vorderdeckel mit Bibliotheksschild, die Rücken mit der aufgestempelten Sigelnummer. – »Tausend« Jahre später wurde das Raubgut restituiert und wiederum in gründlicher Art und Weise markiert: Jeder Band am Ende mit einem erneuten Bibliotheksstempel und dem gestempelten Hinweis, »Aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek als rechtmäßiges Eigentum des – [handschriftlich:] Dr. Bermann-Fischer – ausgeschieden«. – Das Bermann-Exlibris, farbig lithographiert und goldgehöht, entwarf Gunter Böhmer.

26,8 : 17,8 cm. – Einbände etwas angestaubt, berieben und leicht gebräunt. – Innen, von den beschriebenen Stempeln und leichten Stockflecken im Schnitt und auf einigen Vorsätzen abgesehen, gut erhalten.

Müller-Krumbach 52. – Brinks 82, 83 und 94. – Sarkowski 1348. – Gill 342. – Mises 129. – Schauer II, 75

296  Cranach Presse – Canticum Canticorum Salomonis.

€ 400

Probedruck auf Pergament. Mit einem blattgroßen Holzschnitt und einer Holzschnitt-Initiale von Eric Gill. Um 1930/31. 25,4 : 26,7 cm.

Die Seiten 4 und 5 auf einem Bogen Pergament. – Die Kolumnentitel sind hier in Blau gedruckt. – Besonders interessant die probeweise, partielle Vergoldung der Holzschnitte und die dazu mit Bleistift notierten Anmerkungen zur Mischung von Eigelb, Glyzerin und Leim. – Die Initialen der Vorzugsexemplare auf Pergament wurden handvergoldet (vgl. Brinks 91).

297  Ernst Engel Presse – Friedrich Hölderlin. Der Tod des Empedokles.

€ 400

Ein Trauerspiel. Das Bruchstück der ersten Fassung. Offenbach a. M. 1924–1925. Mit drei Holzschnitten von Gustav Eichenauer nach Zeichnungen von Heinrich Holz. Flexibler Pergamentband mit vergoldetem Rückentitel.

8. Handpressendruck der Ernst Engel Presse. – Eins von 55 Exemplaren auf Japan-Bütten (Gesamtauflage 110). – Satz und Druck in Rot und Schwarz von Ernst Engel.

24,3 : 13,8 cm. 101, [1] Seiten. – Kleiner Sammlerstempel auf Vorsatz und Druckvermerk.

Rodenberg Nachtrag, S. 497. – Katalog Klingspor Museum, S. 30

298  Ernst Ludwig-Presse – Das Buch Esther.

€ 400

Übersetzt von Dr. Martin Luther. Leipzig, Insel 1908. Mit illustriertem Doppeltitel und zehn ornamentierten Initialen von Friedrich Wilhelm Kleukens. Handgebundener Lederband mit farbigen ornamentalen Intarsien und reicher Vergoldung auf dem Vorderdeckel.

Erstes Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von 275 Exemplaren auf Van Gelder Zonen-Bütten mit dem EL-Wasserzeichen (Gesamtauflage 300). – Breitrandiger Handpressendruck unter Leitung von F. W. und C. H. Kleukens. – Die gesamte Ausstattung des Buches einschließlich des Einbandes übernahm Friedrich Wilhelm Kleukens: Der berühmte Doppeltitel und die zehn ornamentierten Initialen wurden in Schwarz und, wie auch die Kapitelüberschriften und das Pressensignet, Gold gedruckt. – Im Doppeltitel ist die Schlüsselszene der alttestamentarischen Ahasver-Erzählung dargestellt.

25,2 : 16,3 cm. [10], XXIX, [5] Seiten. – Vorderdeckel und Rücken stark, aber gleichmäßig verfärbt.

Stürz 1. – Sarkowski 238. – Rodenberg 74. – Schauer II, 63

299  Ernst Ludwig-Presse – Theodor Storm. Immensee.

€ 200

Eine Novelle. 1849. Leipzig, Insel 1909. Mit zehn ornamentierten Initialen von Friedrich Wilhelm Kleukens. Originalpergamentband mit goldgeprägter Deckelvignette, Schließbändern und Kopfgoldschnitt.

Siebtes Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von 180 Exemplaren auf Old Stratford-Velin, von denen laut Harald Ernstbergers Kleukens-Archiv 150 durch den Insel-Verlag in den Handel gelangten (Gesamtauflage 200). – Gesetzt aus der hier erstmals verwendeten Korpus Ingeborg-Antiqua. – Der Titel und das Pressensignet wurden in Grün gedruckt.

23,1 : 15,5 cm. 40, [4] Seiten. – Einband leicht stockfleckig, Rücken stärker. – Vorsätze mit Abklatsch der Schließbänder.

Stürz 7. – Sarkowski 1686. – Rodenberg 74. – Schauer II, 63

300  Ernst Ludwig-Presse – Emile Verhaeren. Die Gesichter des Lebens.

€ 400

Deutsche Nachdichtung von Erna Rehwoldt. Leipzig, Insel 1911. Flexibler weinroter Originalkalblederband, Titel und Kopfschnitt vergoldet.

Zwölftes Buch der Ernst Ludwig-Presse. – Erste deutsche Ausgabe. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan (Gesamtauflage 550). – Gesetzt aus der Korpus Kleukens-Antiqua. – Nach seinem frühen realistischen Gedichtzyklus »Les flamandes«, der in seiner Heimat einen Skandal auslöste – die Eltern Verhaerens versuchten, die gesamte Auflage zurückzukaufen –, wandte sich der Dichter Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt sozialkritischen Themen zu. Seine Dichtungen wurden unter anderem von Rainer Maria Rilke und Stefan Zweig begeistert aufgenommen und übersetzt.

19,6 : 13,4 cm. 62, [4] Seiten. – Ränder schwach berieben und verfärbt. – Exlibris.

Stürz 12. – Sarkowski 1819. – Rodenberg 75, 12. – Schauer II, 63. – Fromm VI, 26242