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Lot 301 – 329 | Hesse-Auktionen
Lot 301 – 329

301  So entsteht ein Auto.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 350

Paul G. Erhardt (Text) und Paul Wolff (Fotos). Frankfurt am Main, Bücherei der Adlerwerke. [1930]. Mit zahlreichen fotografischen Abbildungen von Paul Wolff. Originalbroschur mit Negativblind- und -farbprägung.

Mustergültig gestaltete Firmenfestschrift der Frankfurter Adlerwerke, die Ende der 1920er Jahre namhafte Graphiker und Produktentwickler beschäftigten. – Die Fotografien stammen von Paul Wolff, einem der führenden Produktfotografen in Deutschland. »Die Veröffentlichung brachte den Durchbruch für Paul Wolff auf dem Gebiet der Werksfotografie« (Hanna Koch, in: Autopsie). Die Aufnahmen wurden von Hans Breidenstein vielfach atemberaubend als Fotomontagen gestaltet und mit Texten, die aus Paul Renners Futura gesetzt und in Rostbraun gedruckt wurden, kombiniert. Hanna Koch verweist in ihrem Paul Wolff-Beitrag auf die Einzigartigkeit der Fotomontagegestaltung, die sich in folgenden gemeinsamen Projekten von Wolff und Breidenstein nicht fortsetzt. – Ebenfalls 1930 gestaltete Herbert Bayer ein Werbeblatt »Der neue Adler« in den gleichen Farben (vgl. Das A und O des Bauhauses, Abb. 390).

35,5 : 26,5 cm. 109, [5] Seiten (einschließlich Umschlag).

Heidtmann 11487. – Autopsie II, 452. – Ausstellung: Moderne am Main 1919–1933, MAK Frankfurt 2019

302  Georg Johann Köhler – 1,5 Ltr Adler Trumpf auf der Alpenfahrt 1932. – Im Adler Trumpf von der Ostsee bis zur Adria.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

– Werbebroschüren der Firma Adler, mit farbigen Vorderdeckelillustrationen von Georg Johann Köhler. Frankfurt am Main 1932.

Bereits um 1930 hatte Herbert Bayer ein Werbefaltblatt für einen PKW der Frankfurter Adlerwerke entworfen (A und O des Bauhauses Katnr. 467). Georg Johann Köhler (1890–1944) hatte 1907 in Darmstadt eine Ausbildung bei Friedrich Wilhelm Kleukens absolviert und ließ sich 1919 in der kunstsinnigen Stadt als Graphiker nieder. Er entwarf Werbeplakate für Unternehmen der Region, u. a. für die Firma Merck. – Der Adler Trumpf wurde in verschiedenen Ausführungen von 1932 bis 1938 gebaut. – Tadellos erhalten.

10,8 : 16,5 cm. Je [12] Seiten.

303  Johannes Molzahn – Staatliche Akademie fuer Kunst und Kunstgewerbe Breslau.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Ausstellung vom 18. Januar bis 9. Februar 1930 im alten General-Kommando Breslau. Herausgeber: Gustav Eugen Diehl. Berlin, Arnold Eichberg [1929/1930]. Mit 29 meist ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur.

Seltener und wichtiger Katalog, in Bauhaus-Typographie gestaltet von Johannes Molzahn (1892–1965). Er war nach seiner Ausbildung in Kontakt mit Herwarth Walden, Walter Gropius, Theo van Doesburg, El Lissitzky sowie der »Novembergruppe« gekommen und 1923 durch Vermittlung von Bruno Taut an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg berufen worden. Später arbeitete er als Graphiker für die berühmten Fagus-Werke und ging 1928 nach Breslau, wo er Lehrer an der hier vorgestellten Akademie wurde. – In der Ausstellung waren Arbeiten der bildenden und angewandten Kunst zu sehen, im Katalog Abbildungen von Zeichnungen und Gemälde von Oskar Schlemmer, Otto Mueller, Oskar Moll, Johannes Molzahn u. a., Architektur und Möbel von Hans Scharoun sowie Josef und Li Vinecky. – Tadellos erhalten. – Dieser Katalog nicht im MoMA.

23,8 : 15,5 cm. 32, [8] Seiten (einschließlich Umschlag).

304  Kurt Schwitters. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1900

Hannover, 11.11.1923. 1 1/2 Seiten. 14,0 : 9,0 cm.

An Max Gundermann in Braunschweig. – »Ich bin principiell gern bereit, einen Vortragsabend zu veranstalten. Ich bitte Sie um nähere Angaben, wann, wo und unter welchen Bedingungen der Vortrag veranstaltet werden soll. 1. Wie komme ich auf meine Kosten? 2. Kann ich bei irgend jemand gratis wohnen? Da ich ziemlich viel vorhabe, kann ich meinerseits nur sagen, daß in den nächsten 14 Tagen oder um Weihnachten für mich die Möglichkeit zu einem Vortrag wäre. Mit vorzüglicher Hochachtung Kurt Schwitters«. – Bereits am 16. November antwortete Schwitters auf ein Telegramm Gundermanns, akzeptierte dessen Bedingungen und erörterte ausführlich Details zu dem geplanten ersten Merzabend in Braunschweig. Er entwarf ein Werbeplakat und nannte Namen, die informiert werden sollten. – Die Briefkarte vom 12.1.1924 (siehe die folgende KatNr.) belegt, dass der für den 23. November 1923 geplante Merzabend nicht stattfand. Nachforschungen des Kurt-Schwitters-Archivs in der Braunschweiger Presse ließen das bereits vermuten. – Auf der Bildpostkarte »Kurt Schwitters. Konstruktion für edle Frauen« (Offsetlithographie nach Fotografie der Assemblage von 1919, diese heute im Los Angeles County Museum of Art).

Etwas angestaubt und geknittert. Briefmarken abgelöst.

305  Kurt Schwitters. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

Magdeburg, 12.1.1924. 1 1/2 Seiten. 14,0 : 9,1 cm.

Auf einer Kunstpostkarte mit einer Zeichnung von Hannah Höch. – An Max Gundermann. – Ich komme Sonntag 13.1. von Magdeburg mit dem DZug […] Bitte seien Sie am Bahnhof. Ich werde, damit Sie mich erkennen, mit einer Zeitschrift MERZ in der Hand herauskommen. Herzliche Grüsse. Kurt Schwitters«. – Diese an sich banale Nachricht ist der Beleg, dass der im November 1923 in Braunschweig geplante erste Merzabend, dessen Organisation Max Gundermann oblag, nicht stattgefunden hat. – Auf Kunstdruckpapier.

Leicht geknittert.

306  Kurt Schwitters. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 5500

Hannover, 25.1.1924 (Poststempel). Eine Seite. – Auf: Einladung […] zweiter Merzabend in Magdeburg Februar 1924. Offsetdruck. 10,5 : 15,2 cm.

An Max Gundermann in Braunschweig. – »Wahrscheinlich werden wir um 1/2 4 Uhr in Braunschweig ankommen mit dem Personen-Zug. Wollen Sie uns abholen? Wir gehen dann zu Scheyer und wenn es geht, möchte ich bei Ihnen schlafen […]«. – Im November 1923 hatte in Braunschweig ein erster Merzabend stattgefunden. Schwitters veranstaltete diese Matineen mit wechselndem Programm 1923/24 häufiger, u. a. auch in Hannover, Magdeburg und Berlin. – Aus welchem Anlass Schwitters Ende Januar 1924 nach Braunschweig reiste, wird nicht erklärt. Die verwendete Einladungskarte wurde für den zweiten Merzabend in Magdeburg gedruckt. Die dortige Künstlervereinigung »Die Kugel« war 1919 gegründet worden. Die Einladungskarte mit dem Logo »Die Kugel« und dem Merzbild »Zwillinge« von Schwitters, hier in einer links verkürzten Fassung, ohne die gedruckte Anschriftenzeile von Kurt Schwitters am linken Rand (vgl. Schelle/Haldenwanger/Heine 17).

Minimal berieben und geknittert, eine vertikale Knickfalte.

307  Kurt Schwitters. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift »Merz«.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

Hannover, 28.1.1924. Auf beiden Seiten von Einladung Merzmatinee Tivoli 1923. Offsetdruck. 10,4 : 15,5 cm.

An Max Gundermann, Braunschweig. – Nach dem Besuch und einer Veranstaltung in Braunschweig an einem der vorherigen Tage: »Ich dachte, Sie wollten vielleicht ganz gerne meine und meiner Freunde Arbeiten noch da behalten, um sie eventuell zu verkaufen. Nun komme ich in 3 Wochen nach Braunschweig […] dann hole ich alles ab. Was macht der geplante Kunstsalon? Herzlichst Merz«. – Auf der Bildseite mit eigenhändigen Anmerkungen von Schwitters zu seinen Reiseplänen: »Ich reise wahrscheinlich am 2.2. nach Berlin, 5.2. Magdeburg, 9.2. Weimar, Bauhaus. In Berlin Adresse Frl. Höch […] in Magdeburg per Adr. Herrn Leitz, Gruss [Pfeil auf seinen gedruckten Namen]«. – Auf der von Schwitters gestalteten Einladungskarte zur Merzmatinee am 30. Dezember 1923 im Hannoveraner Tivoli. Mit Werbung für die Zeitschriften »Merz« und »G« und Auszügen aus dem Programm, das Schwitters zusammen mit Raoul Hausmann bestritt. Links das Merzbild »Zwillinge«, am Unterrand der Hinweis »Niemand soll ohne dadaistischen Trost das alte Jahr beschließen«. – Die Einladungskarte in der bei Schelle/Haldenwanger/Heine 14 abgebildeten Fassung.

Etwas angestaubt. Mit geglätterer vertikaler Knickfalte.

308  Kurt und Helma Schwitters. Eigenhändige Merz-Postkarte mit Unterschrift »Ihre Schwitters«.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Hannover, 30.5.1924 (Poststempel). 1 1/2 Seiten. 14 : 9 cm.

An Max Gundermann. – Helma Schwitters beginnt den Text mit »Lieber Herr Gundermann. Haben Sie alle Bilder und sämtliche Sachen meines Mannes wohl zusammengestellt? Wir werden in allernächster Zeit nach Braunschweig kommen und alles abholen!« Kurt Schwitters setzt den Satz fort: »Für den Fall dass Sie nicht da sind, schreiben Sie uns doch, bitte, wo wir die Sachen bekommen können. Wie geht es denn mit Ihrem Kunstsalon? Mit frdl. Grüssen Ihre Schwitters«. – Auf der Bildpostkarte »Kurt Schwitters Merzplastik. Der Lustgalgen« (Offsetlithographie nach Fotografie der Assemblage von 1919, zerstört oder verschollen). – Verlegt vom Paul Steegemann Verlag mit Werbung für Schwitters’ »Anna Blume«.

309  Kurt Schwitters. Dammerstock-Siedlung.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Prospekt in Plakatform. Offsetdruck. 1929. 59,2 : 42 cm (gefaltet 21 : 10 cm).

Sehr seltener Prospekt, von Schwitters als Plakat konzipiert. Schwitters selbst erläuterte sein Gestaltungskonzept ausführlich in dem legendären Buch »Gefesselter Blick« (1930, dort auf Seiten 92/93). – Mit einem detaillierten Grundriss und einer schematischen Karte der Umgebung, einer Auflistung der Bauten sowie einer Fotomontage mit Aufnahmen von der Baustelle. Rückseitig illustriert mit weiteren Fotografien von A. K. P. Supper. – Mit dem Bau der Dammerstock-Siedlung setzte die Stadt Karlsruhe neue Maßstäbe beim modernen Siedlungsbau. An dem Wettbewerb für den ersten Bauabschnitt nahmen neben ortsansässigen Architekten auch Walter Gropius, Otto Haesler, Riphahn, Groth und einige andere teil. Das Preisgericht entsprach mit Architekten wie Ernst May, Mies van der Rohe und Paul Schnitthenner der weit über die örtlichen Verhältnisse hinausreichenden Bedeutung der Ausschreibung. Den ersten Preis erhielt der Entwurf von Walter Gropius, der kurz zuvor die Leitung des Bauhauses aufgegeben hatte (vgl. www.karlsruhe.de). – Wichtige Ergänzung zu dem ebenfalls 1929 erschienenen Katalog, zugleich aber ein eigenständig künstlerisch wirkendes Beispiel für Schwitters’ Gestaltungsprinzipien. – Für den damaligen Vertrieb gefaltet, tadellos erhalten.

Schelle/Haldenwanger/Heine 114, denen allerdings kein Exemplar bekannt war, die Beschreibung (mit falsch vermuteter Größenangabe) zitiert »Gefesselter Blick«

310  Hans Richter. Maschinengeschriebener Brief und eigenhändige Briefkarte, beide mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 6500

Berlin, 10. Februar und 27. III. 1924. Zusammen drei Seiten.

Beide an Max Gundermann in Braunschweig, der im Frühjahr 1924 offensichtlich erwog, dort eine Kunsthandlung zu eröffnen. – Hans Richter gehörte in den Jahren 1917–1919 zu den Zürcher Dadaisten, 1920 wandte er sich zusammen mit dem schwedischen Maler Viking Eggeling dem Experimentalfilm zu. 1922 kam Richter wieder nach Berlin und schloss sich der Gruppe De Stijl an. Gemeinsam mit Werner Gräff, El Lisstzky und Mies van der Rohe gab er 1923-1926 die Zeitschrift »G« heraus, von der allerdings nur sechs Ausgaben erschienen. – Beide Schriftstück mit dem wohl von Werner Gräff gestalteten Logo »G« (das Hans Richter häufiger modifizierte) und Angaben zur Redaktion der Zeitschrift. Die Karte am Oberrand mit Perforation. – Brief, 10.2.1924: »Nach Rücksprache mit Herrn Schwitters sind wir Ihnen für Ihre Vorschläge sehr verbunden. Wir werden Ihnen eine Anzahl von Arbeiten zugehen lassen, die sich etwa für den Verkauf im Kunsthandel eigneten […] auch ältere Arbeiten […], die sich leichter verkaufen lassen, als unsere rein abstrakten prinzipiellen Arbeiten (wie das Bild, das Sie von mir in Braunschweig dahaben). Richter schreibt auch über den Vertrieb der Zeitschrift »G« und seine abstrakten Filme. Es scheine ihm »am zweckmässigsten die Vorführung mit einem Vortrag zu verbinden, so wie ich es in Holland, Tschechoslovakei, Oesterreich und Italien auch mache.« – Karte, 27.3.1924: Richter erklärt eingetretene Verzögerungen. »Sie irren sich wenn Sie glauben, dass mir meine Vorschläge ›leid geworden« wären. Nur sind infolge einer Krankheit, die ich durchzumachen hatte alle unsre Angelegenheiten im Rückstand«. An einen Filmvertrag sei nicht zu denken, aber er sei im April zur »Eröffnung unserer Ausstellung in Hannover« und brächte dann Sachen mit nach Braunschweig. Auf der Adresseite »Ich erbitte mein bisheriges Schweigen zu entschuldigen.«.

Brief: 29,7 : 21,0 cm. Mehrfach gefaltet, Falzdurchrisse restauriert, kleiner Eckverlust oben links. – Karte: 8,8 : 14,0 cm.

311  Willi Baumeister. Rechnungsformular »G. Siegle & Co Farben-Fabriken Stuttgart«.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 300 ( R7 )

Zweifarbige Lithographie. 1927. 29,5 : 21 cm.

In »Sieglegelbgrün« und Rot gedruckt. – Rückseitig Produktliste. – 1927 wurde Willi Baumeister Mitglied in dem von Kurt Schwitters gerade gegründeten »Ring neuer Werbegestalter« und gewann, in Stuttgart angesiedelt, dadurch eine Reihe neue Firmenkunden, u. a. auch die Farbenfabrik Siegle.

Heftlöcher, beschrieben und gestempelt.

312  Willi Baumeister. Perkeo jr., der Hart- u. Weichlötapparat.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Zweifarbige Lithographie. Um 1927. 21 : 14,7 cm. Im Stein monogrammiert.

Werbefaltblatt der Apparatefabrik Hermann Stahl & Co. in Stuttgart. – Willi Baumeister entwarf die Titelseite mit der Schriftzeile und den sieben Piktogrammen.

Horizontale Faltspur.

313  Willi Baumeister. Briefbogen »Akademischer Verlag Dr. Fritz Wedekind & Co. Stuttgart«.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Zweifarbige Lithographie. Um 1929. 29,5 : 20,7 cm.

Konsequenter Entwurf von Baumeister, mit roten Balken und einem Textblock in Schwarz. – 1930 wurde Willi Baumeister an die Frankfurter Kunstgewerbeschule berufen, der Entwurf entstand wohl vor seinem Weggang aus Stuttgart. – Maschinengeschriebener Text an die »Bau-Rundschau« in Hamburg, datiert 3.7.1931.

Etwas stockfleckig.

314  Max Burchartz – GRUGA.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Werbebroschüre. Essen 1929. 22,4 : 11 cm (ausgefaltet: 22,4 : 76,8 cm).

14seitiges Leporello für die Große Ruhrländische Gartenausstellung (GRUGA) mit Fotomontage, zahlreichen Ansichten und vorbildlicher Typographie in Orange und Schwarz. – Max Burchartz gehörte neben Robert Michel, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Willi Baumeister und Kurt Schwitters zum Ring Neue Werbegestalter, der im Jahr 1928 gegründet wurde. – Diese Arbeit für die GRUGA in Essen zählt zu seinen bekanntesten Entwürfen. – Sehr selten, zumal druckfrisch wie hier.

Kunst kann unter Umständen Kunst sein / Amsterdamer Ausstellung 1931, S. 18

315  Neue Verwaltung. Die Organisationsschau der Stadt Köln

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

auf der Herbstmesse 1929. Mit einem doppelblattgroßen Organigramm und vier Abbildungen. Originalbroschur.

Auch Köln übernahm für seine Einrichtungen und Ämter Ende der 1920er Jahre die Regeln der Neuen Typographie. – Innerhalb der Ausstellung »Büro und Organisation« stellte die Sondergruppe »Das moderne Büro« neue Organisationsstrukturen und Techniken vor. – 1929 wurde dazu diese zwölfseitige Broschüre konzipiert, zweispaltig gesetzt, mit Abbildungen und einer Tabelle. – Gedruckt bei Ziegler Beckmann, Köln, in Orange und Schwarz. – Dazu: 2. Organisationsschau der Stadt Köln. Herbstmesse 1930. Doppelblatt, zweifach gefalzt. Zur Fachschau »Büro, Vertrieb und Werbung«. In identischer Gestaltung, allerdings nur mit Texten.

23,0 : 20,0 cm (vor der konzipierten vertikalen Faltung).

316  Galleria lusticana.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Parodieen aus beiden Berliner Kunstausstellungen von Czabran, Jüttner, Vanselow und Wellner. Berlin, Verlag der Lustigen Blätter [1893]. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Beilage zu Heft 26/1893 der »Lustigen Blätter«. Das kleinformatige Heft karikiert die Aufregungen um die Abspaltung und parallel ausstellenden Künstler der Berliner Secession. – Parodiert werden u. a. Kunstwerke von Boecklin (Caroussel bei den Cimbern), Menzel (Talent und Gähnialität), Slevogt (Friedensbertha mit dem Kriegsgott abtanzend) u. v. m. – Wir konnten das Heft via KVK nicht einzeln nachweisen.

16 : 12,2 cm. 16 Seiten (einschließlich Umschlag). – Geknickt, oben mit Falzeinriss.

317  Die Futuristen.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 80

Umberto Boccioni · Carlo D. Carra · Luigi Russolo · Gino Severini. Künstlerische Leitung: Zeitschrift Der Sturm. Herausgeber: Herwarth Walden. Siebentes und achtes Tausend dieses Kataloges. [Berlin 1913]. Mit sieben ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur.

»Im März 1912 eröffnete Walden die lange Reihe seiner Ausstellungen in der Berliner Galerie mit Arbeiten der Gruppe ›Blauer Reiter‹. […] Schlag auf Schlag zeigte er in den nächsten Monaten das Beste an junger europäischer Kunst. […] Am meisten Aufsehen erregte die erste Ausstellung der Futuristen im April des Jahres 1913. Nell Walden schrieb dazu: ›Ihr Sprachrohr, die Presse, überbot sich in Angriffen, die all das, was die Franzosen sich [anlässlich der Pariser Futuristen-Ausstellung 1912 in der Galerie Bernstein] geleistet hatten, in den Schatten stellte«. (Georg Brühl). – Der Katalog enthält Marinettis »Manifest des Futurismus« und hier als »trüffelnde« Beilagen drei Sturm-Kunstpostkarten mit Gemälden der ausstellenden Künstler. Auf der dritten Umschlagseite ein Werbeaufkleber für Waldens »Erster Deutscher Herbstsalon«, der im September 1913 öffenete. – Vorderdeckel mit Stempel des berühmten Kunstsalons Emil Richter in Dresden.

19,4 : 15,0 cm. 28, [4] Seiten.

318  Franz Marc Gedächtnis-Ausstellung.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Münchner Neue Secession. München 1916. Mit 14 Tafeln. Originalbroschur.

Originalausgabe des wichtigen Kataloges. – Mit einer Einleitung von Wilhelm Hausenstein. – Die Ausstellung mit Werken aus dem Nachlass und Leihgaben aus Museen und privaten Sammlungen war vom 14. September bis 15. Oktober 1916 geöffnet. Gezeigt wurden mehr als 180 Arbeiten. – Dazu: Neun Originalfotografien aus den Ausstellungsräumen. Vintages. 1916. 12,5 : 17,5 cm. Zu sehen sind etwa 80 Arbeiten, darunter der »Turm der blauen Pferde«. – Galerie Der Sturm. Franz Marc Gedächtnis-Ausstellung. November 1916. Mit sieben Tafeln. Originalbroschur. Mit dem Einleitungstext von Herwarth Walden zum Tod des Künstlers im März 1916. – Fotos und Kataloge in privatem Schuber.

Ca. 21 : 16 cm (Kataloge).

319  Expressionisten.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 150

Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf. I. Ausstellung [nach der] Wiedereröffnung 1919. Potsdam, Gustav Kiepenheuer 1919. Mit zwei Holzschnitten und mehr als 60 Abbildungen. Originalbroschur.

Ausstellungskatalog mit Beiträgen von Herbert Eulenberg, Walter Cohen, Wilhelm Hausenstein, Paul Westheim u. a. – Mit je einem Holzschnitt auf gelbem Japanpapier von Eberhard Viegener (»Soest«) und Richard Schwarzkopf (ohne Titel), letzterer entwarf auch die Umschlaggestaltung.

23,0 : 15,5 cm. 80, [8] Seiten, 2 Holzschnitte. – Vorderdeckel und einige Blattecken leicht geknittert.

Rifkind Collection 3046 und 2659

320  Fritz Gurlitt. Das Graphische Jahr.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 900

Berlin, Fritz Gurlitt 1921. Mit neun signierten Originalgraphiken. Originalhalblederband mit farbig lithographierten Deckelillustrationen und vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Eins von 40 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit neun signierten Graphiken. – Vom Verfasser im Druckvermerk signiert. – Enthält Radierungen von Lovis Corinth (»Lesender Mönch« und »Des Künstlers Schwiegermutter (Belle mère)«, hier kurioserweise als »Männliches Bildnis« bezeichnet), Felix Meseck, Otto Schoff und Wilhelm Wagner, Lithographien von George Grosz (»Arbeitslose«), Richard Janthur und Paul Scheurich sowie den Holzschnitt »Weiblicher Kopf« von Max Pechstein. – Alle Graphiken wurden auf der Handpresse gedruckt. – Enthält Biographien und einen Katalog zu Einzelgraphiken, Mappenwerken und illustrierten Bücher mit zahlreichen interessanten Preisangaben auch für die verschiedenen Vorzugsausgaben.

27,3 cm : 20,0 cm. [2], 142, [8]; [2], 80, [8] Seiten. 9 Graphiken. – Einband etwas fleckig, Rücken beschabt. – Die Graphiken sämtlich leicht stockfleckig und an den Rändern gebräunt.

Söhn HDOG 513-1 bis 513-9. – Schwarz, Corinth 411. – Dückers, Grosz E 67. – Krüger, Pechstein H 214

321  Werner Schümann. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 150

Vitte/Hiddensee, 14. V. 1924. Eine Seite.

An Max Gundermann. – »Erinnern Sie sich noch des jungen, blonden Mitarbeiters der Galerie von Garvens, den Sie anläßlich Ihrer Besuche nur flüchtig kennen lernten? Ich konnte Ihnen seinerzeit mein warmes Interesse für Sie und Ihre Kunst, aus Gründen der Autorität [Loyalität?] meinem Chef gegenüber, nicht offen zum Ausdruck bringen. Ich freue mich, daß ich diese jetzt nachholen kann […] Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihren Sommerurlaub hier auf dieser schönen Insel verleben würden, wo sich alljährlich die künstlerische Elite Deutschlands einfindet.« – Offensichtlich hatte sich der Mitarbeiter der für Dada, Merz und andere avantgardistische Kunst wichtigen Hannoveraner Galerie Garvens 1924 als Buch- und Kunsthändler im beschaulichen Fischerdörfchen Vitte niedergelassen. In der Tat ist die Liste der Dichter und Maler, die den kleinen Inselort aufsuchten, lang: Erich Heckel, Hans Fallada, Joachim Ringelnatz, Asta Nielsen, Gottfried Benn, Carl Zuckmayer und natürlich Gerhart Hauptmann. – Rückseitig mit einigen Notizen Gundermanns.

Mehrfach gefaltet, eine Falzeinrisse.

322  Alexander Archipenko.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Elfte retrospektive Ausstellung. Lyonel Feininger. Frankfurt 1922. Zwei Doppelblätter.

Ausstellungskatalog des Kunstsalons Ludwig Schames Mai 1922. – Mit Einleitungen von Archipenko und Wilhelm Hausenstein. – Gezeigt wurden 129 Arbeiten. – Sehr selten, erschienen ein Jahr nach Feiningers erster Bauhaus-Mappe.

21,5 : 14,0 cm. [8] Seiten. – Etwas wasserfleckig. Querlaufende Knickfalte.

323  Futurismus – Cornely Zelinsky, Aleksej Chicherin und Ellj Selvinskij. Mena vsech. Konstruktivisty poety.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausrufpreis/Starting bid: € 1000

(russisch: Vollkommener Wechsel. Konstruktivistische Dichter). Moskau 1924. Mit drei Fotoporträts der Autoren, einem nach einem Gemälde und fünf konstruktivistischen Illustrationen von Chicherin. Moderner Pappband mit dem aufgezogenen Originalvorderumschlag mit Typographik von N. Kuprejanow. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Von Chicherin eigenhändig dem russischen futuristischen Dichter Vasily Vasilevich Kamensky gewidmet. – Der erste Sammelband der literarischen Gruppe der Konstruktivisten. Er enthält deren erste Deklaration »Znaem« (Wir wissen) sowie Gedichte und theoretische Texte der drei beteiligten Autoren. – Einige Gedichte Chicherins in dynamischer Typographie, ergänzt durch Diagramme und Hinweise zu Vertonungen.

24,0 : 17,8 cm. 83, [1] Seiten. – Vorderumschlag und die ersten beiden Blätter leicht fleckig, die Folgeblätter unten im Falz mit kleinem Wasserrand.

Rowell/Wye 567

324  Novembergruppe – Bruno Schuch. 10 Jahre Novembergruppe.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 4600

Sieben Ausstellungsfotografien. Vintages. 1929. Ca.16 : 22 cm.

Die 1918 gegründete Novembergruppe feierte ihr Jubiläum im Folgejahr mit einer umfangreichen Ausstellung. – Außerordentlich inhaltsreiche Bildserie des Berliner Fotografen Bruno Schuch. Die Aufnahmen entstanden in den Ausstellungsräumen am Lehrter Bahnhof und dokumentieren (mit einigen Überschneidungen) mehr als 100 Kunstwerke der beteiligten Künstler. – Rückseitig mit dem Atelierstempel des Fotografen. – Dazu folgende Originaldokumente: Aufruf der Ausstellungskommission zur Beteiligung. Juni 1929. Gefaltetes Doppelblatt mit Text und Namensliste der Kommissionsmitglieder (Baumeister, Kandinsky, Grosz, Heartfield, Behne u. a.). – Pressetext der Ausstellungskommission. [Sommer 1929]. Einblattdruck. – Will Grohmann. Zehn Jahre Novembergruppe. Sonderheft aus »Kunst der Zeit« (1928). Sechs lose Blätter (12 Seiten mit Abbildungen und Veröffentlichungen der Gruppe). – Drei Führer durch die Abteilung der Novembergruppe Kunstausstellung Berlin 1920, 1921 und 1922. Originalbroschuren und ein weiterer undatierter Führer (ohne Umschlag). – Vier Einladungen zu Künstlerfesten der Novembergruppe: Kunsttopf. Freies Künstlerkostümfest der Novembergruppe. Faltplakat mit Holzschnitt von Hans Freese. Wohl 1920. – Literarisches Tingeltangel. Faltzettel mit zahlreichen Abbildungen und Graphiken, gedruckt in Rot. 1922. – Tendenz: Fest! Bester Börsentipp: Novembergruppe! Einblattdruck. Einladung zu dem Künstlerkostümfest am 2.12.1922. – Das Fest der Silbernen Sphinx. Eine Völkerbundsrevue im Chaos der Unendlichkeit. 4. Dezember 1926 in der Berliner Philharmonie. Gefaltetes Doppelblatt mit Illustration von Kampmann und Textaufkleber.

Das Plakat von 1922 mit Heftlöchern und kleinen Ausrissen, ansonsten nur unwesentliche Alterungsspuren.

325  Galerie der Stadt Kassel.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

[Kassel um 1928]. Mit 22 montierten Originalfotografien von Trude Schaumlöffel. Halbleinenband mit Lederkordelbindung.

Sehr seltene Dokumentation mit 22 ausgewählten Gemälden der Städtischen Galerie, fotografiert von der Kasseler Fotografin Trude Schaumlöffel, die mehrfach für den dortigen Museumsverein tätig war. – Die Bilder sind chronologisch geordnet, von einem Porträt des Landgrafen Philipp des Großmütigen aus dem 16. Jahrhundert über Courbet, Thoma, Slevogt bis zu Lyonel Feininger »Clarissenkirche«. Dieses Werk wurde 1927 erworben und kurz nach 1933 als »entartet« wieder aus der Galerie entfernt. – Das graphische Design, durchaus von den Auffassungen des Bauhauses geprägt, stammt wahrscheinlich von Hermann Virl (1903–1958). Dem Graphiker widmete die Zeitschrift des Ehmcke-Kreises 1928 ein Sonderheft. Er gestaltete auch einen Fremdenführer »Kassel-Wilhelmshöhe«, in dem als Werbung für die Städtische Galerie drei Fotografien aus dem hier vorliegenden Band abgebildet (Corinth, Slevogt und Feininger) und mit »Phot. Trude Schaumlöffel Kassel« bezeichnet wurden. – Nur zwei Nachweise via KVK: UB Saarbrücken und UB Köln, beiden mit falscher Datierung.

23,5 : 19,2 cm. Doppeltitel, 22 Bildtafeln, 23 leere Zwischenblätter. – Deckel leicht berieben.

326  Frankfurter Siedlungstapeten.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 670

[Marburg oder Frankfurt um 1928]. Tapetenmusterbuch mit 48 Originalmusterblättern und einer Fototafel. Originalleinenband mit Schraubbindung.

Musterbuch mit Tapeten, die Hans Leistikow 1925/26 entworfen hatte, also mehrere Jahre vor den Tapeten aus dem Dessauer Bauhaus. – Die Bildtafel vor den Tapetenmustern mit einer Aufnahme der Siedlung Bruchfeldstraße in Frankfurt-Niederrad. Diese Siedlung wurde 1928 als erste der von Ernst May entworfenen fertiggestellt. – »Ernst May und die »Architekten des Neuen Frankfurt hatten bei der Gestaltung der Innenwände ihrer Siedlungshäuser zwei Möglichkeiten: Sie konnten die Räume entweder anstreichen oder mit Tapeten versehen, ›von denen die einen zu teuer, die anderen zu schlecht und beide meistens unpassend waren‹ kommentierte retrospektiv der Grafiker Hans Leistikow. Nach seinen Farbvorschlägen brachte eine Marburger Tapetenfabrik 1926 eine Serie einfarbiger Normtapeten als ›Frankfurter Siedlungstapeten‹ heraus. Bald darauf erschien die sogenannte Rastertapete, für die die einfarbige Tapete mit einem gleichmäßigen engen Netz in verwandten Farben überdruckt wurde, was großes Aufsehen erregte.« (Webseite der Ernst-May-Gesellschaft). »Leistikows Dessins waren eigens für kleine Räume bestimmt und können als ›Geburtsstunde der modernen, monochromen Tapete‹ gelten« (Hanna Elisabeth Koch, Dissertation Freiburg 2014). – Das Doppel-S-Signet auf dem Musterbuch könnte auf das Frankfurter Einrichtungshaus Schwinn & Starck verweisen, das maßgeblich die neue Innenarchitektur vertrat. – Sehr selten.

15,8 : 22,5 cm. Einband fleckig. – Vorblatt und etwa 15 Musterblätter entfernt, eins zur Hälfte abgerissen.

Vgl. »Das Neue Frankfurt« (Heft 4, 1930, S. 117ff.)

327  Bauhaus & Künstler Töne.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 500

[Frankfurt nach 1929]. Tapetenmusterbuch mit 153 Originalmusterblättern. Originalhalbleinenband mit Schraubbindung.

1929 kam die erste, »gemeinsam mit der Tapetenfabrik Gebrüder Rasch entwickelte, Kollektion der Bauhaus Tapete auf den Markt und wurde nach anfänglicher Kritik zum größten kommerziellen Erfolg des Bauhauses. Innerhalb weniger Jahre verkauften sich über sechs Millionen Rollen. Tapete wandelte sich vom dekorativen Wandbelag zum begehrten Werkstoff am Bau« (www.bauhaustapete.de). – Nahezu vollständiges Musterbuch des Frankfurter Einrichtungshauses Schwinn & Starck aus der Zeit des »Neuen Frankfurt«. – Alle Muster rückseitig mit Musternummer und Preisgruppe, Innendeckel mit Preisgruppenliste. – Sehr gut erhalten und sehr umfangreich.

15,8 : 22,8 cm. – Einband leicht abgegriffen. – Von 5 Musterblättern die Hälfte abgerissen.

328  Architektur – Wilhelm Riphahn.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Mit einer Einleitung von H[einrich] de Fries. Berlin u. a., Friedrich Ernst Hübsch 1927. Mit 33 Tafeln und einer Textabbildung. Gelber Originalleinenband mit farbiger konstruktivistischer Deckelprägung.

Erste Ausgabe. – Erschienen in der Reihe »Neue Werkkunst«. – Wilhelm Riphahn (1889–1963) war ab 1913 als selbständiger Architekt tätig und wurde als bedeutender Vertreter des »Neuen Bauens« zum einflussreichsten Architekten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Köln. – Die Tafeln zeigen seine Siedlungsbauten »Mauenheim«, »Grüner Hof« und »Bickendorf« und andere öffentliche und private Bauten, darunter auch Riphahns wohl bekanntestes Bauwerk, »Die Bastei« am Rheinufer.

26,7 : 20,2 cm. [14] Seiten, 33 Tafeln. – Einband leicht angestaubt. – Erste und letzte Seite etwas stockfleckig, ansonsten tadellos.

Jaeger 89 (mit Abbildung 271)

329  Die Baukunst.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Die Kunst im Dritten Reich. 65 Ausgaben. [München, Zentralverlag der NSDAP] November 1938 – April 1944. Mit zahllosen Abbildungen, einigen farbigen Tafeln und vielen, teils gefalteten Plänen. Fünf private Halbleinenbände.

Seit 1937 erschien »Die Kunst im Deutschen Reich« als »Illustrierte Monatsschrift für freie und angewandte Kunst«, jeweils mit dem Beiheft »Die Baukunst«. – Dieser Teil wurde herausgegeben vom »Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP« (»Amt Rosenberg«, unter Leitung von Alfred Rosenberg) und vom »Beauftragten für Bauwesen in der NSDAP, dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt« (Albert Speer). – Vorhanden sind das Novemberheft 1938 (ohne »Die Kunst«), je zwölf Hefte von 1939–1943 und die ersten vier Hefte von 1944. Im August 1944 wurde die Zeitschrift eingestellt. – Baukunst war gegen Ende des Krieges nicht mehr zu realisieren oder war bereits wieder zerbombt: Im Mai 1945 lag Deutschland endgültig in Trümmern, insoweit kommt der reich illustrierten Zeitschrift dokumentarischer Wert zu. Einen umfassenderen Eindruck von den architektonischen Großprojekten des »Möchtegern«-Architekten Hitler und seines Fachmanns Speer ist kaum zu gewinnen. Auf mehr als 1500 Seiten und zahlreichen Faltplänen werden realisierte Bauten neben gigantomanischen Visionen detailliert beschrieben und kommentiert (Reichskanzlei, Reichsautobahn, »Platz Adolf Hitlers« in Weimar u. v. a., Linzer Brückenkopf, Grunewald-Umgestaltung, Botschaftsbauten, Schulungsheime u.v.m.) – Der eigentliche Hauptteil der Zeitschrift präsentiert auf etwa 1800 Seiten das Kunstverständnis der Nationalsozialisten durch Aufsätze über Künstler, Volkskunst, Ausstellungen u.s.w. – Vom Vorbesitzer eingehend kollationiert: Laut Paginierung fehlen drei Blätter in »Baukunst«, in »Die Kunst« 39 Blätter sowie sämtliche Umschläge. – Jahrgangsweise gebunden, tadellos erhalten, ohne Gebrauchs- und Lesespuren.