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Lot 301 – 349 | Hesse-Auktionen
Lot 301 – 349

301  Der Sturm – Maschinengeschriebene Einladungskarte »Der Sturm«, von Herwarth Walden paraphiert »H«.

€ 750

Berlin, 17. Februar 1916 (Poststempel).

An Raoul Hausmann auf einer Briefkarte des Verlages mit gedrucktem Briefkopf. – Einladung zu einer Lesung der dänischen Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin Gertrude Barrison (1880–1946), die am 18. Februar 1916 Dichtungen von Peter Altenberg vortrug. – Mit dem roten Stempel »Verein für Kunst«, einmal auf der Textseite, einmal auf der Adressseite. – Schönes Sturm-Dokument, erworben aus dem Nachlass von Hausmanns Tochter Vera.

302  Kestnerbühne – Programmheft zu »Frank Wedekind: Tod und Teufel« und »August Strindberg: Fräulein Julie«.

€ 400

Hannover [1921]. Originalbroschur, Vorderdeckel mit Lithographie von Max Burchartz.

Sehr seltenes Dokument der kurzlebigen »Kestnerbühne«. – Die 1911 in Hannover als privates Theater eröffnete »Schauburg«, stellte nach dem Ersten Weltkrieg ihre Bühne der Kestnergesellschaft »für einige mutige Theater-Experimente zur Verfügung« (vgl. Mlynek, in: Geschichte der Stadt Hannover). Begründet wurde die Kestner-Bühne von Paul Küppers und Carl Schenzinger. – Als dritte Aufführung der Spielzeit 1920/21 zeigte man zwei kurze Stücke. Regie führte Erich Ziegel, der 1918 zusammen mit seiner Ehefrau, Mirjam Horwitz, die Hamburger Kammerspiele gegründet und mit einer Frank-Wedekind-Woche eröffnet hatte. Es verwundert also nicht, dass einige Schauspieler dieser Bühne in Hannover gastierten, u. a. eben auch die Reinhardt-Schülerin Mirjam Horwitz. Nachdem 1926 ihrem Ehemann die Leitung des Hamburger Schauspielhauses übertragen wurde, führte sie die Kammerspiele bis 1928 allein weiter.

28,5 : 22,5 cm. [4] Seiten. – Umschlag leicht fleckig und angestaubt, 2 kleine Randeinrisse.

303  Die Schaffenden.

€ 200

Werbeprospekt. Offsetdruck. 1929. 26,5 : 16,8 (gefaltet).

Seltenes ephemeres Dokument, erschienen anlässlich des sechsten Jahrgangs. – Ausgegeben vom Euphorion Verlag, der die Reihe ab Jahrgang IV vom Kiepenheuer Verlag übernommen hatte. – Mit einem Text über das Sammeln von moderner Graphik (»ist ›außer Mode‹ gekommen«) und zur Zielsetzung des Mappenwerks. Mit Abbildungen von Graphiken von Dix, Kollwitz, Kokoschka, Feininger u. v. a. Auf der letzten Seite werden die Bezugsbedingungen und Auflagen erläutert. Der Text schließt mit der Erkenntnis: »Das signierte graphische Original kostet einschließlich Einführung und Mappe nicht mehr als M 4.–«. – Tadellos erhalten.

304  Kurt Schwitters. Memoiren Anna Blumes in Bleie.

€ 600

Eine leichtfaßliche Methode zur Erlernung des Wahnsinns für Jedermann. Der Autor behält sich alle Rechte für Uebersetzung und Vortrag sowie Verfilmung vor. Gebiß ist künstlich. Gummiabsätze von hans arp. Freiburg, Walter Heinrich 1922. Mit Illustrationen, Musiknoten und Typographiken. Rote Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Heftig diskutiert wurde seit Erscheinen der ersten Anna Blume-Texte über die Herkunft des Namens und die Bedeutung für den Verfasser. In dem Untertitel und dem Geleitwort »Was ist Bleie?« wendet sich Schwitters scharf gegen die zeitgenössischen, verletzenden Kritiker. Seine »Anna Blume« war, durch verschiedenste Werbemaßnahmen bis hin zu den von Schwitters selbst entworfenen Aufklebern längst ein Markenzeichen geworden. – Die Abbildung »für Rußland unannehmbar« auf Seite 5 wurde auch für einen – hier nicht vorhandenen – Schutzumschlag verwendet. – Tadellos schönes Exemplar.

18,3 : 11,2 cm. 25, [3] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 273.4. – Verkauf 164. – Schmalenbach/Bolliger 5

305  Kurt Schwitters. Erster Merzabend.

€ 8000

Plakatentwurf. Zeichnung und Handschrift, Tusche auf Papier. 1923. 16,5 : 10,5 cm, beidseitig beschrieben.

An einen unbekannten Empfänger, wahrscheinlich den Veranstalter des geplanten ersten Merz-Abends am 23. November 1923 in Hannover. – Schwitters erteilt genaue Anweisungen zu einem Plakat für den Ersten Merzabend in Braunschweig: »Wenn Sie aber auf mehr als 50 Leute rechnen, glaube ich, dass Plakate 8 Tage vorher oder Zeitungsanzeigen 3 Tage vorher gemacht werden müssen. Plakate etwa 70/100, darauf gedruckt das ganze Anna Blume Gedicht [O Du, Geliebte] in sehr großen Buchstaben, darüber sehr gross: ›erste Merzabend von Kurt Schwitters‹, darunter: Im Deutschen Haus, Braunschweig, … , Karten a 1 Goldmark, zu haben bei … und an der Abendkasse. ›NUR FRÜHES KOMMEN SICHERT PLATZ‹« Unter der Entwurfszeichnung mit Anmerkungen »freier Raum« und »dunkles Quadrat« folgt: »Alle Schrift rot, nur grosse Buchstaben | Alles dieselbe lateinische Type«.
Auf einem mit »II« paginierten Blatt, das erste mit Anrede und dem Anfang des Textes ist nicht nachweisbar. Möglicherweise hatte Schwitters seine mit Lückentext gedruckte Einladungskarte für Merzabende beigelegt, denn der Text beginnt hier mit dem Halbsatz »beiliegende Zettelchen verwenden?«. – Im Laufe der Jahre 1923/24, auf dem Höhepunkt seiner Merz-Aktivitäten, organisierte Schwitters neben der Herausgabe seiner Zeitschrift Merz-Matineen und Merz-Abende, teils unter Beteiligung anderer Künstler, in mehreren deutschen Städten. Einladungskarten sind nachweisbar für zwei Abende in Magdeburg (3. und 5. Februar 1924), jedoch keine für die hier angekündigte Veranstaltung in Braunschweig, ebenso wenig Plakatversionen.
Provenienz: Rheinländischer Privatsammlung.

Querlaufende Quetschfalte.

Vgl. Schelle/Haldenwanger/Heine 17 und 18

306  Lyonel Feininger. Kathedrale.

€ 1000

Holzschnitt. 1919. 30,4 : 18,9 cm (32,0 : 19,7 cm). – Auf Seite 1 von Programm des Staatlichen Bauhauses in Weimar.

Das berühmte vierseitige Flugblatt vom April 1919 mit dem von Gropius verfassten Manifest (»Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! […]« und dem Programm des Bauhauses (Gründung, Ziele, Grundsätze, Lehre, Aufnahme). – Das Staatliche Bauhaus entstand – unter Leitung von Gropius – im Frühjahr 1919 aus der Vereinigung der Großherzoglichen Hochschule für bildende Kunst und Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule. Lyonel Feininger (1871–1956) wurde durch Gropius unmittelbar nach der Gründung des Bauhauses dorthin berufen. – Prasse kennt Abzüge auf grauem, grünem, gelbem und – wie hier – hellrotem Papier. – Tadellos erhaltenes Exemplar des bekannten Holzschnitts und zugleich die erste offizielle Verlautbarung des Bauhauses.

Rechts unten winziger Eckabriss (2 mm).

Prasse W 144. – Abbildungen: Wingler Seiten 38–41 (vollständig abgebildet). – Fleischmann S. 38. – Bauhaus Utopien S. 10

307  Postkarte »Staatliches Bauhaus Weimar«.

€ 750 ( R19 )

Buchdruck. Um 1924. Entwurf Laszlo Moholy-Nagy (?). 10,5 : 15,3 cm.

Postkarte des Bauhauses, geschrieben am 30. VI. 1924 in Dornburg von Herbert Hübner (1903–1989) an seiner Bruder Johannes in Ingolstadt. – Berichtet von Buchverkäufen »für die eigene Tasche« und spricht über die Ferienplanungen. »Sonst nicht weiter von Bedeutung. Leb wohl! Dein Bruder«. – Herbert Hübner studierte 1923–1925 am Bauhaus in Weimar, unter anderem in Kursen von Walter Gropius, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Laszlo Moholy-Nagy. Er ließ sich in den Bauhaus-Keramikwerkstätten Dornburg zum Kunsthandwerker ausbilden, bevor er in Weimar Musik studierte. Als Tonmeister arbeitete er beim Deutschlandsender, später beim NWDR in Hamburg, wo er 1951 die Reihe »das neue werk« gründete.

Fleischmann S. 43. – Vgl. ausführlich bei »Das A und O des Bauhauses«, KatNr. 73, Abb. 99

308  August Lange-Brock. Hauptrestaurant I.

€ 3500 ( R19 )

Buntpapiercollage auf schwarzem Karton. Um 1920. 45,0 : 59,5 cm. Rückseitig betitelt und mit dem Nachlass-Stempel.

August Lange-Brock (1891–1979) besuchte nach einer Malerlehre die Hamburger Kunstgewerbeschule. Während des Ersten Weltkriegs war er Kriegszeichner auf dem Balkan, kehrte 1918 nach Hamburg zurück und wurde sogleich Meisterschüler von Arthur Illies. Anfang der 1920er Jahre hielt er sich für einige Zeit am Weimarer Bauhaus auf, ohne aber als Student eingeschrieben zu sein. Es gab Kontakte zu Klee, Gropius, Kandinsky und besonders Moholy-Nagy. Mitte der 1920er Jahre wurde Lange-Brock Bühnenbildner bei Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin und arbeitete in dieser Zeit für Herwarth Waldens Zeitschrift »Der Sturm«. – Beeinflusst von den Ideen der Sturm-Bühne und im Hinblick auf Reinhardts expressionistische Bühnenstücke entstanden Collagen, die Bühnenentwürfen und Figurinen ähneln. – Sehr selten und innerhalb seines Œuvres einzigartig.

Leichte Alterungsspuren.

309  Werner Burri. Pappschachtel, mit lasiertem Papier bezogen.

€ 300

1928. 6,5 : 8,5 : 8,5 cm. Monogrammiert und datiert.

Mit schwarzer, gelber und roter Tusche lasiert. – Deckel mit kleinem Griff aus Pergamentstreifen. – Unterseite des Deckels mit dem Monogramm des Künstlers und der Datierung »26. XI. 1928«, mit Bleistift geschrieben und schwer lesbar. – Werner Burri (1898–1972) hatte von 1921 bis 1924 am Bauhaus in Weimar studiert, zunächst im Vorkurs von Johannes Itten, später in der Dornburger Bauhaus-Töpferei unter Gerhard Marcks. Anschließend war er dort unter dem neuen Leiter Otto Lindig bis 1928 tätig. Im Entstehungsjahr der vorliegenden Arbeit verließ er das Bauhaus und wurde Leiter der Modell- und Formwerkstatt der Steingutfabriken Velten-Vordamm. Von 1934 bis zum Kriegsbeginn war er künstlerischer Mitarbeiter der Keramikkünstlerin Hedwig Bollhagen. Das für deren Werkstatt typische Streifenmuster findet sich auch schon auf der vorliegenden Arbeit. – Weitere nicht-keramische Arbeiten von Burri konnten wir nicht nachweisen. – Aus einer französischen Privatsammlung.

Deckel leicht fleckig.

310  László Moholy-Nagy – C. August Emge. Die Idee des Bauhauses. Kunst und Wirklichkeit.

€ 400

Vorträge […] auf Einladung des Instituts für Wirtschaftsrecht anlässlich der Pfingstkurse Juni 1924 in Jena. Berlin, Pan-Verlag Rolf Heise [1924]. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Umschlaggestaltung von László Moholy-Nagy. – »Gleichzeitig zu den Bauhausbüchern führt Moholy Aufträge zur Buchgestaltung aus. […] Auf dem Umschlag ›August Emge‹ bringt Moholy eine photographische Idee in die Buchgestaltung, indem er das Schrift-Negativ vom Umschlag auf das darunterliegende Titelblatt ins Positiv ›kopiert‹.« (Das A und O des Bauhauses, S. 164). – Buchdruck Ohlenroth, Erfurt. – Carl August Emge wurde 1928 außerordentlicher Professor für Philosophie und Soziologie der Universität Jena. Seine beiden Vorträge interpretieren die Ideen des Bauhauses in dem für den Weggang aus Weimar entscheidenden Jahr positiv.

23 : 16 cm. 35, [5] Seiten. – Umschlagränder etwas gebräunt, oben winziger Eckknick.

Das A und O des Bauhauses, KatNr. 132 und Abb. 197. – Fleischmann S. 95. – Neumann, Functional Graphic Design in the Twenties, Abb. 55

311  Laszlo Moholy-Nagy – Christoph Natter. Künstlerische Erziehung aus eigengesetzlicher Kraft.

€ 400

Gotha und Stuttgart, Friedrich Andreas Perthes 1924. Mit Abbildungen auf Tafeln und im Text, davon neun farbig einheftete. Schwarz-weißer Originalhalbleinenband (Entwurf von Laszlo Moholy-Nagy).

Erste Ausgabe der Lebensbilanz des Bildhauers und Malers Christoph Natter (1880–1941), »meinen Schülern und Schülerinnen gewidmet«. – Der Titel erschien, in identischer Ausstattung, zeitgleich im Klotz-Verlag Gera, wo 1931 auch die zweite Auflage, allerdings in anderem Einband, erschien.

22,5 : 18,6 cm. [8], 71, [3] Seiten, 15 Tafeln. – Kanten leicht bestoßen. – Stellenweise leicht stockfleckig.

Fleischmann 296. – Vgl. Dokumentations-Bibliothek I, 20

312  László Moholy-Nagy – Feuerfestes Jenaer Durax-Glas

€ 300 ( R7 )

zum Backen, Braten, Dünsten und Einkochen. Jena [um 1934]. Mit fotografischen Abbildungen und Fotomontagen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Werbemittel Nr. 5142 Eg. – László Moholy-Nagy wurde auf Empfehlung von Wilhelm Wagenfeld, der bereits seit 1931 für das Unternehmen tätig war, mit der Gestaltung der Werbemittel des Jenaer Glaswerks Schott & Genossen beauftragt. (vgl. Krisztina Passuths Monographie, dort mit Abbildungen). – Die angezeigte Broschüre »Angerichtet kochen« erschien 1934. Trotz der dem »neuen« Geist geschuldeten Titelillustration, finden sich die typischen Gestaltungsmittel Moholy-Nagys: eindrucksvolle Objektfotografien, Fotomontagen und der Umschlag zum Teil in Orange gedruckt. Die Zusammenarbeit währte auch über Moholys Emigration nach Amsterdam (1934) bzw. London (1935) hinaus und endete erst, als er im Jahr 1937 die Leitung des »New Bauhaus« in Chicago übernahm.

15 : 21 cm. 35, [1] Seiten.

Vgl. »In nachbarlicher Nähe – Bauhaus in Jena« S. 268ff

313  Herbert Bayer – Alle Kreise der Kulturwelt

€ 450

verfolgen mit Interesse Entwicklung und Schaffen des Bauhauses. Werbeprospekt. 1927/28.

Ephemeres Werbemittel für die Bauhaus-Zeitschrift. – »Der Prospekt informiert knapp, vollständig und sachlich über das neue Gesicht der Bauhaus-Zeitschrift, das Bayer entwarf. Er ist dabei äußerst reizvoll, neu und sehr ökonomisch ausgedacht. […] Er beginnt mit einer Schlagzeile, die dem meist publizierten Foto vom Bauhaus (Klaus Hertig) aufgedruckt wurde. Somit bringt der Betrachter »alle Kreise der Kulturwelt« mit der Hochschule in Verbindung, ein ›Mißverständnis‹, das sich erst nach dem Umblättern aufklärt. Den Schwerpunkt bildet die Abbildung der Titelseite des neuen Heftes, die als Inkunabel der photographischen Realmontage einen wesentlichen Platz in der Entwicklung des Zeitschriftendesigns einnimmt« (Ute Brüning, in »A und O des Bauhauses«). – Gestaltet von Herbert Bayer, typographisch signiert: »bauhaus-satz – herbert bayer«. Noch 1928 verließ Bayer zusammen mit Gropius, Moholy-Nagy u. a. das Bauhaus. Sein Titelseitenentwurf, als Reihentitel konzipiert, wurde nur dieses eine Mal verwendet.

21,0 : 14,8 cm, offen 21,0 : 29,7 cm. Gestaltet im A5-Format, für den Briefversand auf A6 gefaltet.

Das A und O des Bauhauses 179, Abb. 123. – Fleischmann S. 186 (mit Abbildung beider Doppelseiten)

314  Bauhaus.

€ 400

Zeitschrift für Gestaltung. Herausgeber: Hannes Meyer, Schriftleitung: Ernst Kállai. [Heft] 2/3, 2. Jahrgang. Dessau 1928. Mit zahlreichen Abbildungen nach Fotografien von Erich Consemüller, Lux Feininger u. a. Originalbroschur.

Das erste von Hannes Meyer herausgegebene Heft, der 1927 ans Bauhaus berufen worden war und 1928 Walter Gropius als dessen Direktor ablöste. – Beiträge von Ernst Kállai (über den Personalwechsel), Josef Albers (Formunterricht), Kandinsky (Kunstpädagogik), Adolf Behne, Paul Klee, Joost Schmidt, Oskar Schlemmer und Ludwig Grote-Dessau, sowie Interviews mit Studierenden. Die »Bauhausnachrichten« gehen u. a. auf Gropius’ Ablösung und den Weggang von Herbert Bayer, Laszlo Moholy-Nagy und Marcel Breuer ein und stellen den neuen Lehrkörper vor. Die Berufung von Wassily Kandinsky für die Zeichen- und Malklasse vermeldet der beiliegende (sehr seltene) Nachtrag zu den Bauhausnachrichten. – Vorderumschlag der Zeitschrift mit den zwölf Porträts der Bauhauslehrer. – Weitere Beilage: Postkarte Ich trete dem Kreis der Freunde des Bauhauses bei. – Alle drei Stücke tadellos erhalten. – Ehemals im Besitz von Benita Koch-Otte (1892–1976), Leiterin der Bauhausweberei (siehe die folgende Katalognummer).

29,0 : 21,0 cm. 35, [1] Seiten. – Zwei Beilagen: 10,4 : 14,8 cm.

Wingler Seite 563. – Fleischmann S. 189. – Das A und O des Bauhauses 185

315  Josef Albers. Werklicher Formunterricht.

€ 400

Aus Bauhaus 2/3 1928. [Dessau 1928]. Mit sechs Abbildungen nach Fotografien von Erich Consemüller. Drei Blätter, ohne Umschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Einzelausgabe. – Sonderdruck des Artikels aus der Bauhauszeitschrift, dort auf den Seiten 5–7, hier mit zusätzlicher Titelseite und ohne Paginierung. – Mit eigenhändiger Widmung »Der Otte | Albers« auf der Titelseite. Benita Otte (1892–1976) leitete von 1925 bis 1933 die Bauhausweberei auf der Burg Giebichenstein. 1929 heiratete sie Heinrich Koch, der auf der Burg die Fotoabteilung leitete.

29,7 : 21,0 cm. [6] Seiten. – Einmal quer gefalzt, Falze etwas brüchig. Titelseite leicht fleckig.

316  Josef Albers. Interaction of Color.

€ 1200

Starnberg, Joseph Keller 1973. 81 lose Doppelblätter mit Farbserigraphien. Mit einem Text- und einem Kommentarband (Originalkunstlederband bzw. -broschur) in -Kassette und -schuber.

Erste deutsche Ausgabe eines der bedeutendsten »Künstlerbücher« des späten 20. Jahrhunderts. – Eins von 1000 Exemplaren. – Josef Albers (1888–1976) lernte und lehrte am Dessauer Bauhaus, 1933 ging er ins Exil. In den 1950er Jahren leitete er das Art Department der Yale University, am Ende seiner Lehrtätigkeit widmete er sein wichtiges und berühmtes Werk zur Farbentheorie seinen Schülern: »This Book is my Thanks to my Students«. Er gilt, zusammen mit Victor Vasarely, als Begründer der »Op-Art«. – Auf 81 Doppelbogen veranschaulichen je eine oder mehrere Farbserigraphien bzw. Farboffsets mit einigen aufklappbaren Farbelementen Albers’ Theorien. Unter anderem erörtert er den Bezold-Effekt, dessen Anwendung ihn zu seinen »Homage-to-the-Square«-Bildern führte. Mit Blick auf seine theoretischen Untersuchungen zu physischen und psychischen Wirkungen verschiedener Farben darf man »Interaction of Color« als legitime Fortsetzung von Goethes Farbenlehre und Runges Farbenkugel bezeichnen. Im 20. Jahrhundert beschäftigen sich Hoelzel und Hirschfeld-Mack mit Farbmischung und -wirkung. – Gestaltet von Norman Ives, der später auch für Albers’ »Formulation : Articulation« verantwortlich war. – Aufwändig gedruckt und sorgfältig ediert.

35 : 27 cm. 80, 48 Seiten und 81 Klapptafeln. – Schuber leicht fleckig, beide Rücken minimal verfärbt.

317  Der Kunstnarr.

€ 250

Herausgeber Ernst Kállai. [Heft] 1. Dessau, April 1929. Mit 19 meist ganzseitigen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur.

Erstes und einziges Heft der sehr seltenen Bauhaus-Publikation. – Begründet und herausgegeben von dem ungarischen Bauhauskünstler Ernst Kállai, der zeitweise die Bauhaus-Zeitschrift redigierte und zu den Mitherausgebern der ungarischen Avantgarde-Zeitschrift MA gehörte. – »Der Kunstnarr« enthält überwiegend Texte von Kallai selbst, unter anderem »Kunstnarrenstreife«, sowie von W. Kandinsky »Die kahle Wand«. Die beiden Umschlagabbildungen zeigen Arbeiten von Herbert Bayer und Alexander Schawinsky. Im Heft Abbildungen von Gemälden von Fritz Winter, Mataré, Baumeister, Arp u. a. – »Die erste Nummer des Kunstnarren wäre glücklich […] heraus. Soll es zugleich die letzte sein oder soll dieser Anfang eine Fortsetzung haben? […] Einstweilen kommt alles auf die 90 Pfg. an. Kommen sie in genügender Anzahl, erhält jeder Einsender so bald wie möglich den Kunstnarren Nr. 2. Ja oder nein? Ein Kunstnarr wartet auf Antwort.« (aus der Einleitung). Kállais Befürchtungen bewahrheiteten sich, es erschien nur diese erste Nummer.

20,8 : 15,0 cm. 39, [1] Seiten. – Umschlag leicht fleckig, die erste und letzte Seite mit leichtem Filmoplastabdrucken (eines vormals in guter Absicht angebrachten Pergaminumschlags).

318  Josef und Vlad[imir] Vydra. Bratislava und Umgebung.

€ 200

Übersetzt von Fachlehrer Johann Lang. Bratislava 1932. Mit zahlreichen Abbildungen und zwei farbigen Faltplänen. Illustrierte Originalbroschur.

Originalausgabe. – Führer durch die Slovakei, Band 1. – Der Verfasser des Reiseführers, Josef Vydra (1884–1959) war von 1928 bis 1938 Direktor der Kunstgewerbeschule Bratislava, also jener Einrichtung, die Jozef Rybak 1931 als »Bratislavsky Bauhaus« bezeichnet hatte. 1931 hatte Zdenek Rossmann die Abteilung für Graphik, Typographie und Reklame übernommen. »Dabei konnte er sich nur auf seine Erfahrungen aus der Bauhaus-Zeit stützen, sondern auch auf seine intime Vertrautheit mit den typographischen Positionen von Jan Tschichold« (Harald Olbrich, in »Das Bauhaus im Osten«, S. 51). – Umschlaggestaltung und Textgestaltung mit den Stilelementen der Neuen Typographie. – Der Reiseführer veranschaulicht in der Auswahl von Text- und Bildmaterial auch Vydras Bemühen, der slowakischen Volkskunst ein Fenster zum zeitgenössischen Europa zu öffnen.

17,3 : 10,6 cm. [4], 206, [2] Seiten, 1 Farbtafel, 1 Falttabelle, 2 Beilagen. – Vorderdeckel mit winzigen Braunflecken, innen unberührt.

319  Herbert Bayer – Section Allemande.

€ 5000

Grand Palais 14. Mai – 13. Juillet. Exposition de la Société des Artistes décorateurs. Berlin, Hermann Reckendorf [1930]. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur mit geprägtem Folienumschlag.

Originalausgabe des bahnbrechenden von Herbert Bayer gestalteten Kataloges zur deutschen Ausstellung innerhalb der »Société des Artistes décorateurs« in Paris. Auf Einladung der Pariser Künstlervereinigung und im Auftrag des Werkbundes gestaltete Walter Gropius unter Mitwirkung von Herbert Bayer, Marcel Breuer und Laszlo Moholy-Nagy eine Präsentation von mehr als 100 deutschen Designern, Architekten, Möbel-, Glas- und Kunsthandwerksfirmen in fünf Räumen. – Mit Beiträgen in Wort und Bild von Walter Gropius, W. C. Behrendt, Laszlo Moholy-Nagy, Adolf Behne, Marcel Breuer, Hermann Muthesius, Friedrich Naumann und Paul Klee, alle Texte in deutsch-französischem Paralleltext. – Bild-Text-Seiten zu den fünf Ausstellungsräumen mit Vorstellung der Aussteller und zahlreichen Abbildungen von Bauten, Möbeln, Leuchten, Theaterbühnen und -aufführungen, Schriften, Stoffen und Tapeten, Glas, Keramik und Schmuck. Am Ende: Herbert Bayers Konzept einer perspektivischen Fotoschau, Modelle von Bauhaus Dessau (Gropius) und Krankenhaus (Breuer/Hassenpflug), Marcel Breuers Sitzmöbel, Werbung für die Werkbundzeitschrift »Die Form« und Herbert Bayers Plakat zur Pariser Ausstellung. – Gedruckt in mustergültiger Bauhaus-Typographie in Rot und Schwarz, mit Fotomontagen und Zeichnungen. – Zellophanumschlag mit Blindprägung, Umschlagillustration mit einer Fotomontage, Griffregister. – »Der zweischichtige Aufbau des Umschlags, eine Erinnerung an doppelbödig widersprüchliche, surreale Motive, wird von Seite zu Seite zur perfekten Blickführung ausgebaut« (Das A und O des Bauhauses). – Sehr gut erhaltenes Exemplar einer der überzeugendsten gebrauchsgraphischen Arbeiten der Zeit. – Sehr selten.

15,0 : 20,7 cm. [44] Seiten, 1 montierte Klapptafel. – Hinterdeckel des Folienumschlags mit winzigem Randeinriss. – Die Ecken des Griffregisters minimal aufgebogen.

Rössler/Bayer D–07b. – Rössler, Bauhaustypografie S. 134. – Fleischmann 280–283 mit acht Abbildungen. – Das A und O des Bauhauses 428 und Abbildung 340. – Wingler S. 528ff. – Autopsie I, S. 253, und II, S. 65

320  Herbert Bayer – Deutsches Volk – Deutsche Arbeit.

€ 200

Amtlicher Führer durch die Ausstellung 21. April bis 3. Juni 1934. Berlin, Ala 1934. Mit zahlreichen ganzseitigen fotografischen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschüre (Entwurf Herbert Bayer).

Auf dem Vorderdeckel im Druck signiert, im Impressum »Gestaltung: Herbert Bayer«. – Bayer war nach Schließung des Dessauer Bauhauses weiterhin als Gestalter von Katalogen und Werbeschriften erfolgreich. In manchem Entwurf sind seine Prinzipien noch sichtbar, so z. B. bei der Fotomontage auf Seite 34. Ansonsten dokumentierte die Ausstellung die geistig-moralische Wende. Nur ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten finden sich nun auch Fachausschüsse zu »Deutschem Blut- und Kulturerbe« und »Rassenpflege«. Die Ausstellung fand auf dem Messegelände am Kaiserdamm statt und repräsentierte Industrie und Handwerk. Die Fotografen der zahlreichen Luftaufnahmen, Porträts und Industriefotografien werden nicht genannt.

20,8 : 20,8 cm. 240, 132 Seiten. – Umschlag und die beiden angrenzenden Blätter leicht stockfleckig, Seitenrand des Vorderumschlags etwas geknickt.

Rössler D-19b

321  Herbert Bayer – Hotel Edelweiss & Gurgl in Ober-Gurgl, Tyrol.

€ 400

Innsbruck [nach 1935].

Werbeprospekt für das Hotel im Gurgler-Tal. – Nach dem Neubau von 1935 erschienen. – Gestaltet von Herbert Bayer, mit den klassischen Stilelementen des Bauhäuslers: Fotomontage, partielle Einfärbung von Bildteilen. – Es gibt eine englische Variante (Bauhaus Archiv 4199).

14,7 : 14,7 cm. [24] Seiten.

Rössler E-07 a. – Nicht im Bauhaus-Archiv

322  Herbert Bayer – Die neue Linie.

€ 250

Hefte VII/1 und IX/12 Leipzig und Berlin, Otto Beyer September 1935 und August 1938. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Originalbroschuren, Umschlaggestaltung von Herbert Bayer.

Ein Umschlag im Druck signiert »herbert bayer dorland«, das zweite »baYer«. – Zwei Hefte des ersten deutschen »Lifestyle«-Magazins, das seit 1929 erschien und an dessen Gestaltung und Typographie mit Herbert Bayer und László Moholy-Nagy zwei führende Bauhaus-Künstler beteiligt waren. Bayer entwarf 26 Umschläge und auch die markante Titelschrift »Universal«. – Nach 1933 erschien die Zeitschrift weiter, der künstlerische Spielraum der Gestalter wurde jedoch zunehmend eingeengt. 1943 wurde »die neue linie« wegen Papiermangels eingestellt. – 1938 verließ Bayer Deutschland. Das Augustheft 1938 ist der letzte von ihm entworfene Titel. Die Stiefelabdrücke vor einer Alpenidylle könnten seine versteckte Kritik am Anschluss Österreichs sein.

36,6 : 27,0 cm. 56 und 58, VIII Seiten. – Beide Rückenfalze ganz leicht brüchig.

Bauhaus-Archiv 4052 und 4055. – Rössler C-05s und C-05z

323  Walter Gropius – 25 Jahre Fagus-Werk.

€ 600 ( R7 )

Alfeld 1936. Mit 25 meist ganzseitigen Abbildungen, meist nach Fotografien von Alfred Renger-Patzsch und anderen. Originalbroschur.

Gropius hatte 1910/11 mit dem hier auf dem Umschlag und in einigen bis heute bekannten Fotografien abgebildeten Fabrikbau ein Ikone der modernen Architektur geschaffen und das etwa zehn Jahre vor dem Bauhausbau in Dessau. – Auch andere Protagonisten der Moderne wurden von Karl Benscheidt, dem Eigentümer der Werke, für Werbemittel u. a. beauftragt: Herbert Bayer, Johannes Molzahn und sogar Theo van Doesburg schufen typographische Arbeiten für das Unternehmen. Schließlich setzte Albert Renger-Patzsch mit seinen Fotos, von den auch in dieser Festschrift einige reproduziert wurden, der »Pilgerstätte der Industriekultur« ein Denkmal. Die Künstler, die in den 1920er Jahren im Dunstkreis der Kestnergesellschaft oder auf Einladung von Kurt Schwitters Hannover besuchten, begaben sich meistens auch hinaus nach Alfeld zu den Benscheidtschen Faguswerken, u. a. auch Katharine Dreier zusammen mit Marcel Duchamp. – Weitere Fotos stammen von Edmund Lill, Hannover, und Karl Frevert, Lemgo. – Dazu: Klappbriefkarte der Fagus-Werke, Typographie von Johannes Molzahn. Zunächst noch zweifelnd hatte Benscheidt sich an Gropius gewandt, der Molzahns Entwürfe guthieß. Von 1922 bis 1925 entwarf und überarbeitete Molzahn daraufhin alle Drucksachen des Fagus-Werkes.

16,0 : 22,5 cm. 57, [23] Seiten. – Deckelkanten leicht berieben.

324  Kurt Julius. Professor Gropius.

€ 300

Fotografie (Vintage, Bromsilbergelatineabzug). Um 1950. 23,5 : 17,5 cm.

Auf Agfa Brovia. – Anlässlich einer Bauhaus-Ausstellung entstandene Aufnahme von Kurt Julius, dem bekannten Hannoveraner Fotografen (1909–1986). – Rückseitig mit seinem Atelierstempel »Hannover, Ellernstr. 8«. – Nachdem das väterliche Atelier in der Georgenstraße, welches er 1938 übernommen hatte, ausgebombt worden war, arbeitete Julius von 1943 bis 1953 in seiner Privatwohnung in der Ellernstraße.

325  Bauhaus-Fotografie.

€ 1800

Arbeiten ehemaliger Bauhaus-Studierender aus der CSSR, der UVR und der DDR.

Exemplar 6/40, weitere zehn waren nicht für den Handel bestimmt. – Die von der Galerie am Sachsenplatz anlässlich des 100. Geburtstages von Walter Gropius edierte Mappe enthält 13 Fotografien, meist abgezogen von den Originalnegativen, je zwei von Irena Blühova, Marianne Brandt, Lotte Gerson-Collein, Albert Hennig, Gyula Pap und Hajo Rose; eins von Edmund Collein. – Die Abzüge, je ca. 38 : 28 cm, wurden auf Kartonblätter montiert, diese tragen rückseitig einen von den Fotografen signierten Aufkleber der Galerie mit Angaben zum Fotografen, Titel und Technik. Marianne Brandt, die kurz nach Erscheinen der Mappe verstarb, konnte nicht mehr eigenhändig signieren, ihre Unterschrift wurde faksimiliert. – Mit zwei Textblättern, darunter das Geleitwort von Lotte Collein, lose in der Originalleinenkassette.

43,5 : 32,0 cm (Kassette). – 2 Trägerkartons am Oberrand etwas spakig.

326  22 Berliner Bauhäusler stellen aus.

€ 300

Berlin 1950. Mit 23 Abbildungen. Originaltapetenbroschur.

Originalausgabe, wegen der fragilen Aufmachung inzwischen selten geworden. – Für den Umschlag wurde ein Stück originale Bauhaus-Tapte der Firma Rasch bedruckt. – Die Ausstellung fand in Ausstellungsräumen in Neukölln statt. Es wurden Arbeiten von Breusing, Hassenpflug, Lindig, Wagenfeld u. a. gezeigt, jeweils eine Arbeit ist abgebildet. Die biographischen Anmerkungen wurden in Rot auf transparente Halbblätter gedruckt. – Mit Texten von Walter Gropius und Hubert Hoffmann (1904–1999), der von 1926 bis 29 am Bauhaus studiert hatte und nach Kriegsende erfolglos versuchte, das Bauhaus als Schule zunächst in Dessau und später – nach seiner Flucht aus der DDR – in West-Berlin wieder zu eröffnen. – Mit einer eigenhändigen Einladungskarte zur Ausstellung von Hoffmann (signiert: »Dein Habley«).

21,6 : 17,0 cm. [16] Seiten, 6 Halbblätter. – Umschlagfalze etwas verschlissen, kleine Randfehlstellen am Rücken.

327  Junger Westen.

€ 400

Tapetenmusterbuch. [Bramsche], Rasch [1954]. 48 Tapetenmuster, ein Textblatt. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Originalausgabe. – Nachdem die Tapetenfirma Rasch seit 1929 mit großem Erfolg die berühmten »Bauhaus-Tapeten« entwickeln ließ und vertrieben hatte, erwartete der deutsche Wirtschaftswundermarkt etwas neueres als diese »long seller« (hier als Reihe »bauhaus 54« beworben). 1950 entstanden zunächst die »Rasch Künstler Tapeten« nach Entwürfen von Alfred Mahlau, Bruno Munari, Renée Sintenis u. a. – Die Künstlergruppe »Junger Westen«, die dann mit neuen Entwürfen beauftragt wurde, war 1948 durch Emil Schumacher, Thomas Grochowiak, Heinrich Siepmann, Hans Werdehausen, Gustav Deppe und den Bildhauer Ernst Hermanns gegründet worden und existierte bis 1962. – Alle Tapetenmuster rückseitig gestempelt mit der Musternummer und dem Copyright »junger westen«. – Sehr selten, in der Firmenhistorie Rasch nicht dokumentiert.

16,8 : 25,0 cm. [2] Seiten, 48 Muster, nach Mustertabelle vollständig. – Umschlag leicht verfärbt und angestaubt.

328  Konstantin Melnikow – Pavillon de l’Union des Republiques Socialistes Sovietiques Russes.

€ 400

Exposition internationale des arts décoratifs Paris 1925. Fotografie (Heliogravüre). 1925/26. 14,2 : 8,7 cm.

Eindrucksvolle Aufnahme der spektakulären Fassade des sowjetischen Pavillons von Konstantin Melnikow, der deutliche Anleihen bei Tatlins Konstruktivismus nahm. Bereits 1923 hatte Melnikow mit seinem Ausstellungspavillon »Machorka« auf der Allrussischen Landwirtschafts- und Handwerksausstellung auf sich aufmerksam gemacht, ein Jahr später entstand nach seinem Entwurf der Sarkophag für das Lenin-Mausoleum. – Der sowjetische Pavillon galt neben dem der Zeitschrift »L’Esprit Nouveau« von Le Corbusier als Ausnahme vom dominierenden Art Déco, die »kleine Weltausstellung« des Kunsthandwerks und Designs gilt als Namensgeberin dieser Stilrichtung. – Rückseitig beschrieben an einen Empfänger in Basel, offensichtlich aber in Briefumschlag verschickt.

329  Art-déco – Entwurf für ein Jagdzimmer.

€ 1000 ( R19 )

Tempera, Tusche und farbige Kreiden auf Papier. 24 : 27 cm bzw. 35 : 40 cm.

Ebenso fein wie außergewöhnlich ausgeführter Entwurf für ein Jagdzimmer. – Die erste Zeichnung, etwas kleiner im Format und auf ein Kartonblatt montiert, zeigt eine Ansicht mit drei Sitzmöbeln, Wandverzierungen und Einbauschränken. Die zweite Zeichnung liefert Front- und Seitenansicht eines der abgebildeten Sitzmöbel. – Laut Notiz auf einem Zwischenblatt möglicherweise von Remigius Geyling (1878–1974), dem österreichischen Maler und Bühnenbildner, der u. a. Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbunds und von 1926 bis 1946 Professor an der Wiener Kunstgewerbeschule war.

330  Jean Cocteau. Soignez la gloire de votre firme et l’excellence des vos marchandises,

€ 750

car, si vous le jugez bonnes, votre intérêt devient l’intérêt général. Illustrée par Charles Martin. Paris, Draeger [1924]. Mit elf losen Farblithographien. Originalbroschur mit farbig lithographierter Typographik.

Loblied der berühmten Druckerei Draeger Frères auf Buchdruck und die graphischen Techniken. – Den Text von Cocteau illustrieren die prächtigen großformatigen Lithographien Charles Martins, die den verschiedenen Professionen gewidmet sind. Als Bildunterschrift jeweils die Berufsbezeichnung vom Verleger bis zum Kunden (Dessineur, Graveur, Imprimeur, Tireur d’epreuves, Photograveur, Lithographe usw.). – Auf Maschinenbütten. – Mit dem Editionsvermerk auf dem Innendeckel. – Der Vorderdeckel mit dem (hier frei) übersetzten Motto: »Achte auf den Ruf deiner Firma und die Qualität deiner Produkte, dann wird dein Unternehmen geachtet.« – Charles Martin (1884–1934), der zu den Illustratoren der bekannten Pariser Jugendstil-Modezeitschriften »Gazette du Bon Ton«, »Journal Des Dames et Des Modes« und der frühen »Vogue« zählte, illustrierte auch viele literarische Texte (siehe KatNr. 772).

38,7 : 31,3 cm. [8] Seiten, 11 lose Lithographien. – Umschlagbezug am Falz mit Einrissen. Oben am Falz leicht bestoßen.

331  Fritz Kahn. Der Mensch als Industriepalast.

€ 500 ( R19 )

Farblithographie. 1926. 94,0 : 46,3 (95,8 : 48,0 cm).

Gedruckt bei Fricke & Co, Stuttgart. – Im Unterrand typographisch bezeichnet. – »Eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns, die bis heute durch Themen- und Stilvielfalt, Humor und originelle Analogien fasziniert« (Debschitz). – Der Berliner Gynäkologe Fritz Kahn (1888–1968) schrieb in den 1920er Jahren eine Reihe mehr oder weniger populärwissenschaftlicher Artikel und Bücher und illustrierte diese teils selbst. Kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten reiste er nach Palästina, später nach Frankreich und Portugal. Mit Hilfe von Albert Einstein und anderen prominenten Fürsprechern erhielt er 1941 die Einreisegenehmigung in die USA. – Sein Wirken und seine »industriellen Visionen der Natur« (Spiegel online) würdigte eine international viel beachtete Ausstellung im »Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité«. – So hervorragend erhalten sehr selten.

Gefaltet, sonst tadellos.

Uta und Thilo von Debschitz, Man Machine – Maschine Mensch, Heidelberg/New York 2009, mit Abbildung der Lithographie auf dem Umschlag. – Wilk, Modernism – Designing a New World, Victoria & Albert Museum, Seite 250 mit ganzseitiger Abbildung

332  Das Plakat.

€ 450

Zeitschrift des Vereins der Plakatfreunde e.V. für Kunst in der Reklame. Herausgegeben von Hans Sachs. Jahrgang XII, Hefte 1–12. Berlin, Verlag Das Plakat 1921. Mit zahllosen meist farbigen Abbildungen, teils als Tafeln, teils montiert. Zehn Originalbroschuren in zwei Halblederbänden der Zeit.

Vollständige Folge des letzten Jahrgangs der Zeitschrift, die zehn farbig illustrierten Originalumschläge mit eingebunden. – »Reich ausgestattet und exzellent gestaltet. […] farbige und montierte Beilagen als Beispiele herausragender Werbegrafik, wie sie sich sonst in keiner Konkurrenzzeitschrift fanden. Verkleinerte Ausführungen von Plakaten, teils auf starken Karton gedruckt […]« (Katalog KaraJahn, Berlin). – Fast jedes Heft war einem Sonderthema gewidmet: München, Warenzeichen, Tanz und Musik, Amtliche Graphik, Hamburg, Holländische Plakatkunst, Religiöse Graphik, Familiengraphik. – Unter den vertretenen Künstlern: Ludwig Hohlwein, Emil Preetorius, Eduard Ege, Otto Hupp, Peter Behrens, F. W. Kleukens, Paul Renner, Henry van de Velde, Kolo Moser, Henri de Toulouse-Lautrec, Ludwig Kainer, Hans Leip, Karl Rössing, Carl Otto Czeschka, Ludwig Enders, Jules Cheret, Walter Kampmann, Curt Winters, Bruno Karberg, Anton Kling, Jan Toorop, Piet van der Hem, Ludwig Sütterlin, Ernst Schneidler, Hugo Steiner-Prag, Ernst Aufseeser, Sepp Frank, Emil Orlik und viele andere. – In Heft 12 der »Jahresbericht 1921 und Einladung zur Vorstands- und Mitgliederversammlung des Vereins«. Auf dieser Versammlung wurde die Auflösung des Vereins beschlossen, was das Ende der legendären Zeitschrift bedeutete.

28,8 : 22,6 cm. 668 Seiten [eigentlich 670, da 197/198 doppelt paginiert], 146 zusätzliche Blätter und Tafeln. – 4 Blätter mit Einriss, 2 Hinterumschläge und angrenzende Blätter lose.

333  Architektur – [Fertighäuser und -bauten der Firma] F. H. Schmidt, Altona und Wilhelmsburg.

€ 120

Special-Fabriken für Export-Bauten.

Musterkatalog einer der erfolgreichsten Firmen für Bauten in den deutschen Kolonien. Auf 16 Tafeln werden Haustypen (zerlegbares Schulgebäude, Militärlazarett, Stationshäuschen, Wohnhaus) aber auch bestimmte Häuser (Haus des Kommandanten in Dar es Salaam; des Gouverneurs in Tsingtau, des Gouverneurs in Kamerun) vorgestellt. – Titel, Einleitung und Bildunterschriften in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.

20,0 : 28,1 cm. 17 Blätter.

334  Richard Riemerschmid – Vom praktischen Bauen und sonnigen Wohnen.

€ 300

München, Holzhaus und Hallenbau [vor 1927]. Mit zahlreichen fotografischen Abbildungen und Grundrissen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Der legendäre Katalog mit den von Richard Riemerschmid entworfenen Fertighäusern. – Der Werkbund-Architekt und Planer der Gartenstadt Dresden-Hellerau hatte nach Ende des Ersten Weltkrieges Möglichkeiten entwickelt, auch Wohnhäuser durch Serienfertigung preiswerter produzieren zu können. Auf der Deutschen Gewerbeschau in München 1922 zeigte Riemerschmid den ersten Entwurf eines vorfabrizierten Fertighauses. Er entwarf auch die gesamte Innenausstattung seiner Häuser. – Der Katalog stellt 40 verschiedene Hausmodelle und -varianten vor, meist mit Grundriss und Innen- oder Außenansicht. Die beiliegende Preisliste verzeichnet auch das Gewicht der Häuser (von 980 Mark für das 2.800 kg schwere und ca. 8 qm »große« »Münchner Kindl« bis zum Topmodell »Barbara 2« (ca. 90 qm für 14.500 Mark). – Mit Einleitungen zu den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Vorteilen von Fertighäusern von Hermann Roth und W. Schweisheimer, hintere Umschlagseite mit Werbung für die Gartenstadt Pullach.

28,3 : 12,3 cm. 64 Seiten, 1 Blatt. – Fleckig und angestaubt, Knicke und zwei Randeinrisse, kleines Brandloch. – 3 Seiten etwas fleckig, die ersten 7 Blätter unten leicht gewellt, Preisliste unten mit Randläsuren.

335  Die Architekten Brüder Gerson.

€ 200

Mit einer Einleitung von Werner Hegemann. Berlin/Leipzig/Wien, Friedrich Ernst Hübsch 1928. Mit zahlreichen Abbildungen nach Fotografien auf Tafeln. Originalpappband mit goldgeprägten Titeln.

Erste Ausgabe, erschienen in der Reihe »Neue Werkkunst«. – Ausführliche Monographie der Brüder Oskar (1881–1931), Hans (1886–1966) und Ernst Gerson (1890–1974) die in Hamburg zusammen ein Architekturbüro betrieben. Die Bauprojekte sind reichhaltig fotografisch dokumentiert, teils mit Bauzeichnungen. – Etwa 20 private Wohn- und Landhäuser errichteten die Brüder für wohlhabende Hamburger Kaufleute (Nicolaus Darboven, Max Warburg, Paul Böger), aber auch ganze Wohnanlagen (Quartier Dulsberg in Hamburg Barmbek). Über Hamburg hinaus bekannt wurden sie durch Kontorhäuser wie den Thaliahof am Alstertor, das Ballinhaus und den Sprinkenhof. »In Hamburg gehörten sie zum Kreis jener Architekten, die teils im Konflikt, teils in Zusammenarbeit mit Fritz Schumacher, dem mächtigen Oberbaudirektor der Hansestadt, das Stadtbild nachhaltig veränderten.« (Karl Hofmann, Hamburgisches Architekturarchiv). Die Brüder Oskar und Ernst führten nach dem Tod des Bruders Hans das Büro weiter, wurden aber 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus dem Bund Deutscher Architekten ausgeschlossen und emigrierten nach Neuseeland bzw. in die USA.

26,5 : 20,5 cm. XIII, [5] Seiten, 69, [2] Tafeln.

Jäger 31

336  Arthur Brocke – Die Städtische Knaben- und Mädchen-Mittelschule Mülheim a.d. Ruhr.

€ 300

Mülheim 1929. Mit 32 Tafeln, davon 27 nach Fotografien und fünf mit Grundrissen. Schwarzer Originalleinenband mit Vorderdeckelgestaltung in Gelb und Rot.

Originalausgabe. – Den legendären Neubau der Realschule Mülheim Stadtmitte entwarf Arthur Brocke (1884–1933), der als Stadtbaurat auch das Ruhrstadion und den Flughafen Essen/Mülheim sowie die Siedlungen Witthausbusch und Salierstraße plante. Von den Nationalsozialisten entlassen und bedroht, nahm er sich 1933 das Leben. – Die Aufnahmen stammen von dem Kölner Architekturfotografen Hugo Schmölz (1879–1938). – Sehr selten.

26,5 : 19,8 cm. [2], 14, [4] Seiten, 32 Tafeln. – Rücken und Gelenke leicht verschlissen. – Vorderes Innengelenk angeplatzt, Vorsatzränder gebräunt.

337  Arthur Korn. Glas

€ 200

im Bau und als Gebrauchsgegenstand. Werbeprospekt. Offset. 1929. 28,1 : 21,0 cm (gefaltet).

Sehr seltenes Werbeblatt für die wichtige Monographie. – Seite 1 mit dem Schutzumschlag von Jürgen Freese, innen drei große Abbildungsbeispiele (u. a. Bauhaus Dessau), rückseitig weitere Abbildungen und Anzeigen des Verlags Ernst Pollak, in dem das Buch 1929 erschien. – Es bot einen breiten Überblick über Arbeiten von Josef Albers, Le Corbusier, Walter Gropius, Cesar Klein, Erich Mendelsohn, Mies van der Rohe, Gerrit Rietveld, Hans Scharoun u. v. a. – Vorn typographisch signiert »Freese«, hinten mit Sigel »Krey Sing«. – Tadellos.

Vgl. Jaeger 698

338  Carl Ernst Hinkefuß. Qualität.

€ 300 ( R7 )

Wirtschaftliche Bildung und Qualitätsproduktion. Herausgegeben von C. Dünnhaupt. Jahrgang VIII, Heft 1. Berlin 1930. Mit vielen Abbildungen und Anzeigen. Originalbroschur.

Nach der Trennung von Wilhelm Deffke gab Carl Ernst Hinkefuß seit 1920 die für die deutsche Werbeindustrie wichtige Zeitschrift »Qualität« heraus. – Das Heft mit einer Gildehof-Zigaretten-Anzeige auf dem Vorderumschlag und Textbeiträgen von Hugo Winkler, wurde im Inneren fast durchgehend von Wilhelm Poetter gestaltet, der in Essen die Agentur »Bergmann-Poetter« leitete. – Aufwändig gedruckt in Farben und Silber und in herausragender Typographie von Carl Ernst Hinkefuß.

29,7 : 20,8 cm. 32 Seiten.

339  Erik Nitsche – Der Jungkaufmann.

€ 200

Schweizer Monatsschrift für die kaufmännische Jugend. VII. [und] XIX. Jahrgang. Zürich 1933 und 1944. Mit zahlreichen Abbildungen und Karikaturen. Originalleinenbände mit Schwarzprägung.

Vollständige Jahrgänge, alle Hefte mit den Originalumschlägen eingebunden. – Die Titelzeichnung unter Verwendung des SKV-Logos des Schweizerischen Kaufmännischen Vereins entwarf Erik Nitsche. Nach Studienjahren in Lausanne, München und Paris arbeitete er bei der Druckerei Draeger Frères und kehrte 1933 noch einmal kurz in seine Schweizer Heimat zurück. 1934 ging er nach New York und startete eine erfolgreiche Karriere als Graphiker und Art Director. – Auch einige der Karikaturen in den Heften sind von Nitsche signiert, die Titel- und Einbandzeichnung monogrammiert »N«.

24,0 : 17,2 cm. 244 bzw. 284 Seiten. – Vorderdeckelränder minimal braunfleckig, sonst tadellos.

340  Kurt Schwitters – Kreiselpumpen. Weise Söhne.

€ 450

Kat[alog] 926. Halle/Saale um 1930. Mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen. Originalbroschur mit lithographierter Deckelvignette.

Vorbildlicher Warenkatalog, die Modellblätter und den Vorderumschlag gestaltete Kurt Schwitters. Der Auftrag der Firma Weise Söhne erreichte Schwitters vermutlich Ende 1926. Anfang 1927 erwähnt er die Aufgabe »einen Katalog zu gestalten, die mir viel Freude macht« in einem Brief an Katherine Dreyer. – Das von ihm entworfene Firmensignet, auf dem Umschlag in Schwarz, Hellgrau und Silber gedruckt, bildete Schwitters 1930 in seinem in eigener Sache herausgegebenen Werbeprospekt »Die neue Gestaltung in der Typographie« ab und erläuterte: »Funktion des ausfließenden Wassers, zentrische Bewegung ausstrahlend, aktiv«.

21,8 : 16,5 cm. Etwa 80 ungezählte Blätter. – Umschlag leicht fingerfleckig.

Typographie kann unter Umständen Kunst sein/Schwitters Abbildung 75 auf S. 85 und Schelle/Haldenwanger/Heine 72–74

341  Hans Meffert. Blick in den Spiegel der Vergangenheit.

€ 300

Fotomontage. Offsetdruck. 1930/31. 14,3 : 10,5 cm.

Postkarte des »Ehrenkommers der Vereinigung der Studierenden an der Staatl. Akademie für Technik Chemnitz«. – Zu dem Fotografen Hans Meffert konnten wir keinerlei Informationen ermitteln. – Blickfang der Fotomontage ist eine reflektierende Halbkugel, ein Motiv das auch von Moholy-Nagy, Marianne Brandt, Georg Muche und vor allem von Joost Schmidt in seinem sensationellen Katalog der Bauhaustapeten wiederholt eingesetzt wurde. Hier spiegelt sich die Hauptfassade der seit 1929 so benannten Staatlichen Akademie für Technik Chemnitz und einige Studenten. Die Bildfläche wird ergänzt durch die Aufsicht auf einen Schreibtisch mit Arbeitsutensilien eines Architekten mit einem programmatisch drapierten Heft der Werkbund-Zeitschrift »Die Form« (Heft August 1930). Am Unterrand Malfarben, Pinsel und Palette. – Die Briefkarte, die anlässlich einer Feier der Studentenvereinigung gedruckt und verschickt wurde (Poststempel 19.3.1931), ist unterschrieben von acht Studenten. – Seltenes Dokument der noch heute existierenden sächsischen Hochschule.

Durch Dr. Roland Jaeger, Hamburg, erhielten wir dankenswerter Weise folgende Hinweise zu Hans Meffert: geboren wohl 1908, studierte nach einer Maurerlehre zunächst an der Werkkunstschule Hannover, dann sieben Semester an der Staatl. Akademie für Technik Chemnitz. Nach 1958 war Meffert im niedersächsischen Innenministerium tätig.

342  Techniek en Kunst.

€ 300

Wendingen. Serie 9, Nummer 2. Herausgegeben von H. C. Verkruysen. Sandpoort 1928. Mit 32, teils ganzseitigen Abbildungen. Farbig lithographierte Originalbroschur.

Dieses Heft der berühmten holländischen Architekturzeitschrift widmet sich den künstlerischen Aspekten der Technik und belegt diese mit Fotografien von Automobilen, Werftanlagen, Büromaschinen und Haushaltsgegenständen. Mit Einleitungen des Herausgebers und des De Stijl-Künstlers W. H. Gipsen, der auch die Umschlaglitho entwarf. Im Heft sind u. a. fünf von ihm entworfene Leuchten abgebildet. – Desweiteren mit einer ganzseitigen Abbildung des Ausstellungsstandes der NKF (Nederlandsche Kabelfabriek), den Piet Zwart für die Industriemesse Rotterdam 1928 entwarf. – Der legendäre Buchschmuck der Reihe wurde in Silbergrau gedruckt. – Die Zeitschrift erschien von 1918 bis 1931. – Dazu: The Covers of Wendingen 1918–1931. Rotterdam 1995.

33,5 : 33,7 cm. 18 Seiten. – Innen und außen leicht fleckig.

343  Paul Schuitema. Toledo-Berkel Maatschappij. Hoe grooter wijzerplaat · Hoe nauwkeuriger schaal.

€ 700 ( R7 )

Offsetdruck. 16,2 : 31,6 cm.

Werbeblatt, mit zwei Falzen in Leporelloform. – Typographisch signiert »Ontwerp Paul Schuitema«. – Gedruckt in Rot und Schwarz. – Nachdem er sein Kunststudium in Rotterdam abgeschlossen hatte, arbeitete Paul Schuitema (1897–1975) bereits in den frühen 1920er Jahren für die Rotterdamer Gerätefabrik Berkel, für die er viele Drucksachen und Anzeigen, aber auch Ausstellungsräume und Messestände gestaltete. – Mit dem bekannten Skalen-Motiv und zwei der berühmten Toledo-Waagen. – Mit den Typo- und Farbelementen des Bauhauses.

Vgl. Spencer, Pioneers of modern Typography. S. 121ff

344  Ophinag. Original Leuchtstoffröhren.

€ 200

Leistungsproben. Berlin [um 1934]. 20 Tafeln nach Fotografien, davon vier farbig, und eine mit einer Fotomontage als Titelbild. Mit einem Doppelblatt mit Geleitwort in der Originalumschlagmappe.

Ophinag wurde 1931 als Gemeinschaftsunternehmen von Philips Eindhoven und der zum Siemens-Konzern gehörenden Osram GmbH Berlin gegründet, um die Forschung auf dem Gebiet der Gasentladungslampen und Leuchtröhren zusammenfassen zu können. – Die Bilder zeigen teils spektakuläre architektonische Lösungen, teils aber auch den Einsatz in ganz konventioneller Weise: Schaufenster, Kino- und Theaterfassaden, Hochhäuser, Hotels und Gasthäuser.

15,5 : 21,3 cm. 21 Tafeln, 1 Textdoppelblatt. – Umschlag leicht fleckig, innen tadellos.

345  K. G. Pontus Hulten. The machine

€ 100

as seen at the end of the mechanical age. New York, Museum of Modern Art 1968. Mit zahlreichen Abbildungen. Originaleinband mit geprägtem und farbig lackiertem Vorderdeckel.

Katalog zu der legendären Ausstellung mit dem ebenso berühmten Einband, hergestellt in Schweden nach einem Entwurf von Anders Österlin unter Verwendung eines Fotos von Alicia Legg. – Die Ausstellung zeigte Maschinen und deren Darstellung in der Kunst von Leonardo bis in die Gegenwart mit besonderem Schwerpunkt bei den Futuristen und Surrealisten sowie der russischen Avantgarde. – Sehr schönes Exemplar.

24,5 : 21,6 cm. 216 Seiten, 2 Tafeln nach Tinguelys »Homage to New York«.

346  Politik und Geschichte – Nie sollst Du mich befragen …

€ 400

Wahlplakat. Lithographie. Wohl 1932. 111 : 80 cm.

Sehr seltenes Wahlplakat der bayerischen SPD, wohl zur letzten freien Landtagswahl vor 1933. Inhaltlich verantwortlich zeichnete Thomas Wimmer (1887–1964), langjähriger Vorsitzender der Münchner Sozialdemokraten, von 1924 bis 1933 ehrenamtlicher Stadtrat und von 1948 bis 1960 Münchner Oberbürgermeister. Bereits am 10. März 1933 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet. – Unter dem Lohengrin-Zitat werden brisante Fragen gestellt, die zur Datierung beitragen. Am Unterrand dann die Aufforderung: »Wählt Sozialdemokraten!« – Die Diskussion um den drohenden Verrat Hitlers an dem seit 1919/1920 zu Italien gehörenden Landesteil südlich des Brenners wurde durch die österreichische Sozialdemokratie seit 1931 geführt. Kronprinz Wilhelm von Preußen galt als eifriger, auch finanzieller Unterstützer Hitlers. – Gedruckt bei R. Schumann, München. – Bei der Landtagswahl 1932 verlor die SPD ein Drittel ihrer Wähler und erreichte 15,5%, die NSDAP kam auf 32,5%.

Unbeschnitten, links ist der mitdruckende Plattenrand sichtbar geblieben. – Einige Faltspuren, im weißen Rand kleine restaurierte Ausrisse durch ehemalige Anheftung.

347  Kennst Du sie?

€ 250

… die Daten der Deutschen Geschichte. 100 Fragen und Antworten. Gesellschaftsspiel. Um 1942. 13,5 : 13,5 : 2,0 cm.

Vollständiges Spiel mit dem Frageheft, 25 Antwortkarten und je etwa 50 roten und weißen Spielmarken. – In der Originalschachtel mit Deckelbild und Spielanleitung auf dem Innendeckel. – Die Fragen reichen von der Reichsgründung unter Heinrich I. bis zum Dreimächtepakt Deutschland-Italien-Japan 1940. – Mit Druckgenehmigungsnummer K/0942. – Wohl unbenutzt.

348  Dokumente zum Wirken der »Partisanengruppe 117« und des »Nationalkomitees Freies Deutschland«.

€ 600

Zahlreiche Briefe, Abschriften, Fotografien, Fotokopien, Zeitschriften u. a. sowie einige NKFD-Originalflugblätter. Berlin 1965. Montiert in sechs Fotoalben auf zusammen etwa 300 Seiten.

Aus dem Nachlass von Hugo Bahrs (1915–1985), der als Wehrmachtssoldat 1942 verwundet und durch sowjetische Partisanen gefangen genommen wurde. 1943 nahm er an der Gründung des NKFD teil und wurde im Frühjahr 1944 Mitglied der Partisanengruppe 117, die mit der Verbreitung von Propagandamaterial hinter der Front, also in noch von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten beauftragt war. Die Mitglieder der Gruppe stellten Flugblätter vor Ort mit eigens beim Fallschirmabsprung mitgeführtem Setzkasten und Druckmaschine her und verteilten diese unter Lebensgefahr. Die umfangreiche Materialsammlung schildert die Aktivitäten der Gruppe während des Krieges und die Entwicklung ihrer Protagonisten in den Jahren danach ausführlich. Laut Claus-Dieter Krohn, Hamburg, kann das vorliegende Material die Sichtweisen auf Struktur und Arbeitsweise des NKFD präzisieren (vgl. seinen Beitrag in »Flugblätter des Nationalkomitees Freies Deutschland« im Ausstellungskatalog der Staatsbibliothek Berlin 1989). – Hugo Bahrs kehrte nach Kriegsende in seine Heimatstadt Hamburg zurück und eröffnete dort, unterstützt durch die SED und KPD, einen Autohandel, der auch für die Verbreitung illegalen Propagandamaterials genutzt wurde. Als dies aufflog und ihm nach dem KPD-Verbot 1956 eine Anklage wegen Hochverrats drohte, floh er nach Ostberlin. Seine Materialsammlung entstand, nachdem Hugo Bahrs dort 1960 einen Zeitungsartikel über das Wirken der Partisanengruppe gelesen hatte. Er kontaktierte daraufhin Kameraden und Genossen der Kriegsjahre und trug bis 1965 zahlreiche Briefe, Fotografien, Flugblätter und Zeitungsausschnitte zusammen. Von russischen Texten fügte er Übersetzungen bei, die meisten Fotos sind ausführlich beschrieben. 1965, anlässlich des 20. Jahrestages des Kriegsendes, nahmen Bahrs und andere Angehörige der Partisanengruppe an Feierlichkeiten in der UdSSR und der DDR teil. Ende der 1960er Jahre, wohl im Zusammenhang mit der Niederschlagung des Prager Frühlings und der ausbleibenden Öffnung der DDR, geriet er zunehmend in Konflikt mit der SED und kehrte Ende der 1970er Jahre als politischer Flüchtling wiederum nach Hamburg zurück.

Sechs rote Leinenalben mit Gold- und Schwarzprägung. 24,0 : 20,0 cm, je ca. 28 Blätter. – Einige Rücken mit leichtem Wasserrand, sonst sehr gut erhalten.

349  Karl Mungenast. Kochbuch.

€ 750 ( R7 )

Handschrift und Zeichnungen auf Packpapier. 1946.

Angelegt vom Kriegsgefangenen Karl Mungenast (GefangenenNr 1207/09) im »Camp 71«, einem Internierungslager der 7. US-Armee in Ludwigsburg-Aldingen, das von Mai 1945 bis 1946 existierte. – Der Verfasser widmete dieses Werk seiner Frau, da er im Lager eine Ausbildung zum Kochgehilfen erhalten habe. »Ich schriebs mit vieler Liebe allein für Dich, herzlichste Muh, und fand im Denken an Dich so wieder die nötige Ruh«. – Zwei Leinenbände mit bemalten Deckeln. – Band 1 mit Inhaltsverzeichnis, Widmungsgedicht und -zeichnung, Grundlagen der Fleischarten (bebildert) und den Kapiteln »Süße Suppen«, »Suppen«, »Eintopf-«, »Fleisch-Speisen«, »Gemüse«, »Torten-Bäckerei« – jeweils mit einer Farbstiftzeichnung als Zwischentitel, einige Rezepte mit kleinen Zeichnungen. – Band 2 am Anfang mit Grundrissen von Küchen und Restaurants sowie Notizen zu Menüs und Büffets. Es folgen Anleitungen zum Beizen, Räuchern und zur Wurstherstellung sowie viele Süßspeisen-Rezepte. – Einige Rezepte in Band 2 mit dem Zusatz »Camp 91« (Darmstadt) wurden wohl nach Erfahrungsaustausch mit anderen Inhaftierten notiert. Eine der beiden Deckelillustrationen signiert »I Kolb 46«, einige Zeichnungen in Band 1 unleserlich signiert.

Ca 26 : 21,0 cm. 144 und [96] Seiten