ChristianHesse

Lot 301 – 350 | Hesse-Auktionen
Lot 301 – 350

301  Aktions-Lyrik – Oskar Kanehl. Die Schande.

€ 300

Gedichte eines dienstpflichtigen Soldaten aus der Mordsaison 1914–18. Berlin-Wilmersdorf, Die Aktion 1922. Originalbroschur mit Deckelillustration von George Grosz.

Erste Ausgabe. – Die Aktions-Lyrik, Band 7. – Der letzte Band der Reihe, alle weiteren geplanten und teils schon angekündigten Projekte zerschlugen sich. – Oskar Kanehl (1888–1929) war Kampfgefährte des Aktion-Herausgebers Franz Pfemfert. Seine drei Lyriksammlungen illustrierte George Grosz.

22,0 : 13,6 cm. 30, [2] Seiten. – Umschlagränder leicht geknickt.

Raabe/Hannich-Bode 150.3 (mit Abbildung). – Raabe 149, 7. – Lang 32

302  Das Graphische Jahrbuch.

€ 200

Herausgegeben von Hans Theodor Joel. Darmstadt, Karl Lang [1920]. Mit drei Originalgraphiken und 32 Tafeln. Originalpappband mit vergoldeten Titeln.

Enthält u. a. den Holzschnitt »Kleine Prophetin« von Karl Schmitt-Rottluff, einen weiteren von Gottfried Graf und eine Lithographie von Walther Ruttmann. – Mit Beiträgen von Gustav Schiefler, Paul Westheim, Rosa Schapire, Kurt Pfister und anderen.

21,8 : 17,2 cm. 55, [9] Seiten. 32 Tafeln, 3 Graphiken. – Leicht berieben und fleckig. – Eine Seite mit leichtem Abklatsch des Holzschnitts. einige Seite mit kleinen Stockflecken.

Söhn HDOG 121.1–3. – Schapire, Schmidt-Rottluff 253

303  Franz Blei. Das große Bestiarium der modernen Literatur.

€ 300

Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit 18 kolorierten Lithographien, je sechs von Olaf Gulbransson, Thomas Theodor Heine und Rudolf Großmann. Originalhalblederband mit Deckelvignette und vergoldetem Rückentitel. Mit illustriertem Originalschutzumschlag und -schuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 400 Exemplaren der Ausgabe B auf Hadernpapier (Gesamtauflage 430). – »In diesem Bestiarium habe ich, nicht abgeschreckt von vielen Vorgängern, neuerlich den Versuch gemacht, eine so kurze wie anschauliche und genaue Beschreibung derer lebenden Tiere zu geben, so ans Licht der Bücherwelt zu stellen Gott dem Herrn gefallen hat und soweit sie im Gebiete der deutschen Sprache wesen und unwesen. […] Ganz allgemein will ich nur zu einer in der letzten Zeit wieder lebhafter gewordnen Streitfrage kurz Stellung nehmen, der Frage, ob unsere Tiere Intelligenz besitzen oder nicht« (Vorwort). – Die Karikaturen der drei Künstler von Bierbaum, Däubler, Edschmid, Kolb, Lasker-Schüler, Mann, Meyrink u. a. illustrieren den spöttischen Text, der die Literaten als Exoten beschreibt.

20,4 : 13,3 cm. 252, [8] Seiten. – Schutzumschlag am Rücken etwas gebräunt, Ränder mit wenigen winzigen Einrissen.

304  Jahrbuch der jungen Kunst 1922.

€ 500

Herausgegeben von Georg Biermann. Leipzig, Klinkhardt & Biermann 1922. Mit sechs Originalgraphiken und zahlreichen Abbildungen. Originalhalbleinenband mit Linolschnitt auf dem Vorderdeckel.

Mit der Lithographie »Liebespaar« von Max Beckmann, je einer Lithographie von Robert Kohl, Bernhard Kretzschmar und Wilhelm Kohlhoff, je einem Holzschnitt von Walter Teutsch und F. M. Jansen. – Vorderdeckel mit dem schönen Linolschnitt von Georg Mathéy. Das Jahrbuch erschien von 1920 bis 1924.

28,3 : 20,5 cm. [8], 326, [16 Anzeigen-] Seiten , 7 Graphiken. – Rücken leicht verblasst. – Eine Seite mit kleinem Einriss, insgesamt aber schönes Exemplar.

Söhn HDOG 253

305  Marsyas.

€ 6000

Eine Zweimonatsschrift. Herausgegeben von Theodor Tagger. Erstes [bis] Sechstes Heft [alles Erschienene]. Berlin, Heinrich Hochstim 1917–1919. Mit 83 meist signierten Originalgraphiken, davon 55 mit zwei zusätzlichen Abzügen. Originalbroschuren in unterschiedlichen Grautönen, jeweils mit Titelvignette.

Vollständiges Exemplar, je eins von 35 römisch nummerierten der Vorzugsausgabe auf Japan (Gesamtauflage 235). – Im Druckvermerk vom Verleger nummeriert und signiert. – Auswahl der Graphiken: Max Pechstein (8 Radierungen, je 4 zu Carl Sternheims »Heidenstam« und Hermann Stehrs »Der Schatten«, 2 Lithographien), Edwin Scharff (5 Radierungen), Hans Meid (5 Radierungen, 1 Lithographie), Willi Geiger (5 Lithographien), Walter Gramatté (4 Radierungen, 1 Lithographie), Willy Jaeckel (3 Lithographien), Robert Genin (10 Radierungen), Rudolf Großmann (4 Radierungen) und Georg Tappert (4 Lithographien) sowie Fingesten, Pellegrini, Pickardt, Pluennecke, Schinnerer, Spiro, Stein und Ines Wetzel. Die Vorzugsausgabe enthält von den meisten Radierungen zwei zusätzliche Abdrucke in Zustandsdrucken, teils mit Remarquen, die Lithographien wurden meist signiert und teils koloriert. – Allein von Max Pechstein sind hier 26 Originalgraphiken, davon elf signiert, enthalten. – »Zuerst als Zweimonatsschrift erschienene, dann in größeren Abständen veröffentlichte, als Luxusdruck ausgestattete Zeitschrift für moderne Literatur und Kunst. Literarische Beiträge (Erzählungen, Gedichte, Szenen, Aufsätze) und Anmerkungen über zeitgenössisches Leben. Jedes Heft enthält ebenfalls in kleinerer Type die ›Chronik› von Theodor Tagger, eine aufschlußreiche Kommentierung der expressionistischen Literatur. Die Graphik nicht nur aus dem Bereich des Expressionismus, vielmehr Beteiligung von Impressionisten und Phanstasten« (Paul Raabe). – »Äußerlich sehr exklusiv enthält sie meist Arbeiten von hohem Niveau« (Schlawe). – Bei den literarischen Beiträgen finden sich Erstdrucke von Kasimir Edschmidt, Ivan Goll, Hugo von Hoffmannsthal (Jacoby 84 a), Franz Kafka (Dietz 29), Carl Sternheim, Alfred Döblin (Huguet 220), Max Herrmann-Neisse, Hermann Hesse, dem Herausgeber u. a. – Dabei: Marsyas. Ankündigung. 1917. Mit vier Originalgraphiken.

39,5 : 29,5 cm. Kollation und Graphiken wie bei Söhn HDOG angegeben. – Umschlagränder etwas bestoßen und leicht gebräunt, Umschlag von Heft 2 leicht stockfleckig. – Teils und meist nur in den Rändern etwas gebräunt und stockfleckig, die Extraabzüge (auf abweichendem Japan gedruckt) meist nicht betroffen.

Söhn HDOG 138 und 338. – Raabe, Zeitschriften 35. – Schlawe II, 45. – Jentsch 32. – Pechstein: Krüger L 177 u. 178, R 92-95, 100, 105-107

306  Antoine Bourdelle – Pierre Louÿs. Léda.

€ 450

[Ohne Ort,] L’Astragale 1974. Mit 48 Tafeln, davon 40 nach Aquarellen und acht nach Zeichnungen Bourdelles. Lose in illustriertem Originalumschlag und türkisfarbener Originalkassette mit Goldprägung.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 40 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf »Japon Impérial« mit einer dreizehnteiligen »décomposition« eines der Aquarelle (Gesamtauflage 210). – Der 1893 verfasste Text erschien erstmals 1898 mit Illustrationen von Paul-Albert Laurens. Die Aquarelle des vorwiegend als Bildhauer bekannt gewordenen Émile-Antoine Bourdelle (1861–1929) entstanden um 1912. Von Auguste Rodin bewundert, wurde er Kunstlehrer und unterrichtete unter anderem Matisse und Giacometti. – Gesetzt aus der 14p Baskerville, gedruckt bei Fequet und Baudier. – Die stimmungsvollen Aquarelle, deren Reiz besonders in der Vorzugsausgabe auf dem mattglänzenden Japanpapier zur Geltung kommt, wurden bei Daniel Jacomet aufwendig reproduziert.

40,0 : 29,0 cm. 14, [2] Seiten, 61 Tafeln.

Nicht bei Monod

307  Erich Büttner – Margot Berliner. Flüge im Abendrot.

€ 200

Gedichte. Mit fünf Original-Lithographien und Einbandzeichnung von Erich Büttner. Berlin, Reuss & Pollack 1920. Mit sechs [!] kolorierten signierten Lithographien. Originalseidenband mit farbig lithographierter Deckelillustration.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf rheinischem Bütten. – Die montierten Lithographien wurden im Stein und zusätzlich mit Bleistift signiert, der Druckvermerk von der Dichterin signiert. – Über die Autorin ist fast nichts bekannt. Oskar Loerke schrieb über ihren Erstling, der auch ihre einzige Veröffentlichung bleiben sollte, sie habe »in erheblichen Teilen ihres Buches einen vollkommen reinen Dilettantismus erreicht, also etwas weit Selteneres als den sanften Augenaufschlag und die hektisch holde Wangenrötung des Achtel- oder Zehnteltalents« (Der Bücherkarren, 1965, S. 67). Den opulenten Druck auf schönem Papier lobte er zu Recht dennoch.

29,0 : 20,0 cm. 61, [3] Seiten, 6 Lithographien. – Schönes Exemplar.

Lang, Impressionismus 21

308  Arno Breker. Der Prophet des Schönen.

€ 150

Skulpturen aus den Jahren 1920–1982. Mit Texten von Ernst Fuchs. Katalog und Biographie von Volker G. Probst. München, Richard P. Hartmann 1982. Mit drei signierten Lithographien und zahlreichen Abbildungen. Originalleinenband mit -schutzumschlag. Im Originalschuber.

Eins von 1000 Exemplaren der Luxusausgabe mit den signierten Lithographien »Athlet«, »Aphrodite« und »Adam und Eva«, die eigens für diese Monographie entstanden. – Arno Breker (1900–1991) zählt innerhalb der deutschen Kunstgeschichte sicher zu den umstrittensten Künstlern. – Der großformatige Band dokumentiert die Entwicklung des Bildhauers von den frühen Schaffensjahren über die der nationalsozialistischen Kunstauffassung verpflichteten Monumentalwerke der 1000 Jahre zwischen 1933 und 1945 bis zu den Nachkriegsarbeiten.

40,3 : 30,8 cm. 220, [20] Seiten, davon etwa 190 ganzseitige Abbildungen.

309  Jean Cocteau. Le Potomak

€ 200

1913–1914 précédé d’un Prospectus 1916. Texte définitif. Paris, Stock 1924. Mit zahlreichen, meist ganzseitigen Illustrationen des Verfassers. Originalbroschur.

Eins von 550 Exemplaren auf »Fil du Marais« (Gesamtauflage 685). – Erste öffentliche Ausgabe; der Erstdruck in abweichender Fassung erschien 1919 in gerade einmal 62 Exemplaren. – Enthält das vom Verfasser comicartig illustrierte »Album des Eugènes« mit 63 ganzseitigen Zeichnungen.

18,5 : 11,5 cm. [2], 341, [5] Seiten. – Rücken verblasst.

Vgl. Monod 2929

310  Bruno Goldschmitt – Friedrich Schiller. Wilhelm Tell.

€ 300 ( R7 )

Ein Schauspiel in fünf Aufzügen. München, Julius Schröder 1921. Mit 17 Holzschnitten von Bruno Goldschmitt, davon elf ganzseitig. Pergamentband mit Deckeltitel und -vignette in Negativblindprägung, Schnittvergoldung. In gefütterter Schmuckkassette.

Meisterwerke der Weltliteratur mit Original-Graphik, Band 6. – Eins von 420 im Druckvermerk signierten Exemplaren (Gesamtauflage 550). – Auf rheinischem Bütten mit dem Verlagssignet als Wasserzeichen. – Der bemerkenswerte, leider unsignierte Einband, der wohl erst in den 1950/60er Jahren entstand, greift sowohl die Bildsprache des Künstler als auch die Typographie des Buches auf. Gesetzt wurde aus der Hupp-Fraktur. – Tadellos erhaltenes Unikat.

30,0 : 23,0 cm. 128, [4] Seiten.

Sennewald 22, 4. – Rodenberg 433, 6

311  Lovis Corinth – Das Hohe Lied.

€ 750 ( R7 )

Mit Originallithographien von Lovis Corinth. Berlin, PAN-Presse Paul Cassirer 1911. Mit 26 Farblithographien, davon acht im Text, acht Initialen, zehn signiert und blattgroß. Originahalblederband.

Fünftes Werk der PAN-Presse. – Eins von 250 Exemplaren der Ausgabe auf Strathmore-Japan (Gesamtauflage 310). – »Leicht möglich, daß dem einen oder anderen Beschauer – der an eine fromme und sanfte Auffassung des Hohen Liedes gewöhnt ist – die starke männliche Sinnlichkeit seiner Visionen, die Wildheit der Linien, die Kühnheit der Farben erschrecken.« (Verlagsprospekt). – Kurz nach »Das Buch Judith« als zweite Illustrationsarbeit Corinths erschienen; Cassirers Projekt »Bücher der Bibel in der Übersetzung von Martin Luther« blieb auf diese beiden Corinth-Bücher beschränkt. – Jedes der acht Kapitel enthält eine Initiale, eine ganzseitige und eine halbseitige Illustration. – Corinth zeichnete auf Umdruckpapier, seine Arbeiten wurden dann zusammen mit dem von Else Penzig kalligraphierten Text auf die Lithosteine übertragen. Der Druck der einseitig bedruckten Blätter erfolgte also rein lithographisch.

43,7 : 32,0 cm. [30] Blätter. – Einband etwas stockfleckig. – Seitenränder schwach gebräunt.

Schwarz 82, I–XXVI. – Lang, Impressionismus 24. – Feilchenfeldt/Brandis 29.B. – Rodenberg 452, 5

312  Lovis Corinth – Saul und David.

€ 1000 ( R7 )

Die beiden Bücher Samuelis mit Original-Lithographien von Lovis Corinth. Berlin, Propyläen 1923. Mit einer signierten Radierung und insgesamt 28 Lithographien, davon 23 blattgroß. Dunkelroter Originalhalbmaroquinband mit vergoldeten Titeln. Im Schuber.

Mit »B« bezeichnetes Exemplar, wie die 100 der zweiten Vorzugsausgabe mit der signierten Radierung. – Auch im Druckvermerk von Corinth signiert. – Druck der Radierungen bei A. Rogall, Berlin. Den Text druckte Jakob Hegner, Dresden-Hellerau. – Auf getöntem Einhorn-Bütten von J. W. Zanders. – Illustrationen zu biblischen Texten stehen am Anfang und Ende von Corinths buchkünstlerischem Schaffen: 1910 und 1911 schuf er für Cassirers Pan-Presse Lithographien zu »Das Buch Judith« und »Das Hohe Lied«. »Saul und David« und »Die Sündfluth« entstanden in seinen letzten Lebensjahren. – »In stimmungsvolle Dunkelheit fällt das Licht auf dramatische Szenen, wobei einzelne Motive, wie die männlichen und weiblichen Aktfiguren, dem Bilderrepertoire des Künstlers entnommen sind.« (Papiergesänge).

39,0 : 29,5 cm. 146, [6] Seiten. 1 Radierung. – Kanten minimal berieben. – Vorsatz mit Besitzvermerk. Kleiner Bibliotheksstempel auf Vorsatz und rückseitig auf dem Titelblatt.

Müller 746–774. – Lang, Impressionismus 42 (mit originellem Druckfehler). – Papiergesänge 40 mit ganzseitiger Abbildung der Radierung)

313  Guy Lévis Mano – GLM – 30 Publikationen des Verlages.

€ 400

Paris 1936–1954. Teils mit Illustrationen. Originalbroschuren.

André Breton/Paul Eluard. Notes sur la poésie. Avec un dessin de Salvador Dali. 1936. Mit einer doppelblattgroßen Tafel. Originalbroschur. – Erste Ausgabe. – Unnummeriertes Exemplar auf Velin (Gesamtauflage 115). – Desweiteren: Paul Eluard. Liberté. 1945. Eins von 390 Exemplaren. – Martin Perkins. Leaves of Buchenwald. 1946. Eins von 340 Exemplaren. – Guy Lévis Mano. Mal à l’homme. 1948. Eins von 234 Exemplaren. – Paul Valet. Comme ça. 1952. Mit Illustrationen des Verfassers. Eins von 300 Exemplaren. –Romance de Don Bueso. 1954. Eins von 410 Exemplaren. – Weitere Publikationen von Guy Lévis Mano, Federico Garcia Lorca, Tristan Corbière, Maurice Blanchard, René Brock, Saint-John Perse, Paul Valet, Tom Koreman, Wladimir Majakowski u. a. – Meist unaufgeschnitten, in kleinen nummerierten Auflagen. – Guy Lévis Mano (1904–1980), Autor, Übersetzer und Typograph, gründete 1923 seinen Verlag, der fünf Jahrzehnte erfolgreich versuchte, zeitgenössische Dichtung in mustergültiger Typographie zu erschwinglichen Preisen zu publizieren. – Zwei Beigaben.

Verschiedene Formate. – Leichte Alterungsspuren.

314  Johannes von Guenther. Fahrt nach Thule.

€ 250

Gedichte. – Der Magier. Phantastisches Schauspiel in einem Akt. München, Georg Müller 1916. Originalhalblederbände mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Sehr seltene und frühe Erstausgaben. – I. Eins von 25 Exemplaren. Mit einer Schlussvignette von Marianne Gräfin Mörner. – II. Eins von 23 Exemplaren (Gesamtauflage 800). – Beide im Druckvermerk vom Autor signiert, beide auf Bütten. – Johannes von Guenther (1886–1973) leitete in München seit 1916 den Georg Müller Verlag und gründete 1919 seinen eigenen Musarion-Verlag. Obwohl er im oberbayerischen Kochel lebte, publizierte er nach 1945 seiner Lebensaufgabe folgend im Berliner Aufbau-Verlag zahlreiche Übersetzungen aus dem Russischen und gilt seither als der wohl produktivste russisch-deutsche Literaturübersetzer des 20. Jahrhunderts.

I. 19,4 : 15,3 Seiten. 121, [7] Seiten. Kanten leicht berieben. – II. 21,4 : 14,5 Seiten. 35, [5] Seiten. Rücken verfärbt, Kanten berieben. Einige Seiten stockfleckig, Schnitt stärker.

315  Gerhart Hauptmann. De Waber.

€ 150 ( R7 )

(Die Weber.) Schauspiel aus den vierziger Jahren. Dialekt-Ausgabe. Berlin, S. Fischer 1892. Dunkelbrauner Maroquinband mit Vergoldung, Originalbroschurumschlag eingebunden.

Erste Ausgabe, noch vor der »dem Hochdeutschen angenäherten Fassung« erschienen. – Handexemplar des Theaterkritikers Paul Schlenther (1854–1916), mit dessen eigenhändigem Besitzvermerk und Anstreichungen und Anmerkungen im Text. Nach seiner Tätigkeit im Redaktionsverband der »Vossischen Zeitung«, wo er, eine Zeit lang zusammen mit Theodor Fontane, das Schauspielreferat und die Leitung der Sonntagsbeilage übernahm, gründete Schlenther 1889 mit Otto Brahm, Maximilian Harden und anderen die »Freie Bühne«. Von 1898 bis 1910 war er Direktor des Wiener Burgtheaters. Er gilt als Vorkämpfer des Naturalismus und als der erste Biograph Gerhart Hauptmanns.

19,8 : 13,3 cm. 58], 117, [3] Seiten. – Rücken minimal verblasst. – Broschurumschlag angestaubt und mit Eckknick.

Wilpert/Gühring 9

316  Hermann Hesse. Das Glasperlenspiel.

€ 900

Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften. [Zwei Bände]. Zürich, Fretz und Wasmuth 1943. Zwei rote Kalblederbände, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Reliures Schuhmacher Berne). Zusammen im Schuber.

Erste Ausgabe des großen Spätwerks. – Das zweite uns bekannt gewordene, gleichartig gebundene, Exemplar einer höchstwahrscheinlich vom Verlag edierten Luxusausgabe. – Auf dem ersten Titelblatt vom Dichter signiert. – In einer von mörderischem Krieg umtosten Schweiz schrieb Hesse seine Zukunftsvision einer elitären, universal gebildeten Gesellschaft.

19,0 : 12,0 cm. 451, [1]; 441, [1] Seiten. – Rücken verfärbt, Vergoldung der Rückentitel aufgefrischt.

Mileck 76

317  Walther Klemm – Johann Wolfgang von Goethe. Reineke Fuchs.

€ 300

Mit Originalholzschnitten von Walther Klemm. Weimar, Gustav Kiepenheuer 1916. Mit 47 Holzschnitten, davon 25 im Text. Originalhalblederband mit Deckelholzschnitt.

Eins von 500 Exemplaren in Halbleder (Gesamtauflage 650). – Gesetzt aus der Alten Drugulin-Fraktur, gedruckt auf Van Gelder-Bütten. – Walther Klemms hervorragende Holzschnitte und das Gestaltungsprinzip, jeden der zwölf Gesänge mit einer Kopf- und Schlussvignette sowie mehreren großformatigen Illustrationen zu versehen, erinnern an die Ausstattung der Kaulbach-Ausgaben des 19. Jahrhunderts. Die Kiepenheuer-Edition bildet einen Höhepunkt der Reineke-Illustrationen im frühen 20. Jahrhundert. – »Es ist eines der wenigen Bücher mit Holzschnitt-Illustrationen, in denen Klemm sich technisch impressionistischer Stilistik nähert« (Lothar Lang).

38,5 : 28,5 cm. 171, [5] Seiten, 22 Holzschnitte. – Rücken leicht berieben, oberes Kapital und und Ecken leicht bestoßen. Hinterdeckel mit Lichtrand, Vorderdeckel minimal fleckig. – Sammlerstempel auf Vorsatz und Titelblatt.

Sennewald 16, 2 (kennt die vollständige Zahl der Holzschnitte nur für die Vorzugsexemplare). – Lang, Impressionismus 101

318  Walther Klemm – Daniel Defoe. Das Leben und die ganz ungemeinen Begebenheiten des weltberühmten Engelländers Robinson Crusoe,

€ 400

[…] Von ihm selbst beschrieben und, nach der dritten engelländischen Edition, auf vornehmes Begehren, ins Teutsche übersetzt, nachmals in dieser gekürzten Form an Tag geben. Mit 10 Steinzeichnungen von Walther Klemm. Leipzig, Friedrich Dehne 1919. Mit zehn signierten Lithographien. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel (signiert: Hübel & Denck, Leipzig).

Eins von 300 Exemplaren. – Den Text druckte Dietsch & Brückner, die Lithographien unter Aufsicht des Künstlers die Hochschule für Bildende Künste, beide Weimar. – Auf unbeschnittenem, chamoisfarbenen Bütten. – Schönes Exemplar. – Dazu: Honoré de Balzac. Der Succubus.. Mit zehn Radierungen von Walther Klemm. Weimar, Reiher [1924]. Mit zehn signierten Radierungen. Halblederband mit Pergament-Deckelbezügen und roten Titelschildern. Exemplar 62 von 170, jedoch wie die Exemplare der Vorzugsausgabe auf Einhorn-Zanders-Bütten gedruckt (Gesamtauflage 200). Nicht gekennzeichneter Druck der Cranach-Presse.

31,0 : 26,0 cm. 53, [3] Seiten. 10 Lithographien. – Deckelränder leicht gebräunt und berieben. – Exlibris, Sammlerstempel rückseitig auf dem Titelblatt.

Sennewald 19, 2 u. 24, 2. – Lang, Impressionismus 102. – Beigabe: Müller-Krumbach 36

319  Walther Klemm. Das Paradies.

€ 500

6 handkolorierte Steinzeichnungen. Weimar, Reiher 1920. Titellithographie und sechs Lithographien, alle koloriert und signiert. Lose in Originalhalbpergamentmappe mit lithographierter Deckelvignette.

Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 110). – Gedruckt in der Graphischen Abteilung des Staatlichen Bauhauses Weimar, die Mappe wurde in der Handbuchbinderei Otto Dorfner in Weimar herstellt. – Auf dünnem Bütten, jede Lithographie in einem grauen Büttenpassepartout. – Walther Klemm (1883–1957) war künstlerischer Leiter des Reiher-Verlages, der von Otto Dorfner gegründet wurde. – In allen bei auktionspreise-online.de verzeichneten Exemplaren fehlte zumindest die ebenfalls üppig illustrierte Titellithographie. – Vollständiges Exemplar der großen und entzückend kolorierten Kreidelithographien.

46 : 33 cm (Lithographien), 62 : 44 cm (Mappe). – Vorderdeckel etwas angestaubt und mit minimal bestoßener Ecke. – Die erste Lithographie minimal gebräunt.

Katalog Lindenau-Museum 1951–1957. – Sennewald 20, 2

320  Walther Klemm – Wilhelm Tell.

€ 300

41 Holzschnitte. 1929. 27,0 : 19,0 cm. 40 Blätter signiert.

Auf Japan. – Im Exemplar der Sammlung Hoh fehlt der hier vorhandene Holzschnitt mit Tells Aufbahrung, hier fehlt dafür der Vignettenholzschnitt von Seite 58. – Dazu: Wilhelm Tell. Schauspiel von Friedrich v. Schiller. Berlin, Deutsche Buchgemeinschaft 1929. Mit 43 Holzschnitten im Text, davon zwei ganzseitig, und 14 Holzschnitt-Initialen. Originallederband mit geprägter Vorderdeckelillustration nach einem Holzschnitt. – Auf Alfa-Werkdruckpapier. – Jubiläumsdruck anlässlich des 125. Jubiläums der Uraufführung. – Nicht alle Holzschnitte der Suite wurden im Buch verwendet, dafür dort einige doppelt und einige nicht in der Suite enthaltene.

Einzelne Holzschnitte mit einigen schwachen Stockflecken. – Buch: 25,9 : 19,8 cm. 213, [3] Seiten. – Einband leicht fleckig.

Katalog Lindenau-Museum 2277–2317 (hier ohne 2288). – Vgl. Sennewald 23, 1

321  Gustav Klimt. 50 Handzeichnungen.

€ 350 ( R7 )

Mit einem Vorwort von Hermann Bahr. Leipzig und Wien, Thyrsos 1922. 50 Tafeln und Textheft. Lose in Originalhalbpergamentmappe mit Deckeltitel in Rot und Gold.

Eins von 350 Exemplaren (Gesamtauflage 375). – Die Einbandzeichnung entwarf Julius Klinger. – Die Zeichnungen aus verschiedenen Wiener Privatsammlungen wurden hier, mit wenigen Ausnahmen, erstmals veröffentlicht.

28,2 : 21,0 cm. Titelseite und die erste Tafel minimal fleckig, Kassettenflügel etwas angestaubt.

322  Alois Kolb – Börries von Münchhausen. Bayard.

€ 250

Ein Balladenkranz. Mit sieben Radierungen von Alois Kolb. Berlin, Eigenbrödlerverlag [1922]. Mit sieben Radierungen. Cremefarbener Originalschweinslederband mit ornamentaler Deckel- sowie Steh- und Innenkantenvergoldung, schwarz-goldenem Rückenschild und Kopfgoldschnitt.

Eins von 25 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen. – Im Druckvermerk von Verfasser und Künstler signiert. – Auf starkem Velin, die Initialen und Titelzeilen in Blau gedruckt. – Herausgegeben vom Künstlerdank (Clauss-Rochsstiftung). – Der wegen seiner Balladendichtung bekannte Freiherr von Münchhausen (1874–1945) gründete 1930 gemeinsam mit seinem Cousin Hans Albrecht von der Gabelentz-Linsingen, damals »Burghauptmann der Wartburg«, die dort ansässige »Deutsche Dichterakademie«.

24,0 : 17,5 cm. [40] unnummerierte Seiten. 7 Radierungen. – Einband etwas fleckig. Rücken verfärbt, Ränder und Bünde leicht berieben. – Vereinzelt wenige Stockflecken.

Sennewald 22, 6

323  Alfred Kubin – E. T. A. Hoffmann. Nachtstücke.

€ 300

Mit achtundvierzig Zeichnungen von Alfred Kubin. München und Leipzig, Georg Müller 1913. Mit 48 Illustrationen, davon zwölf ganzseitig. Brauner marmorierter Originallederband mit Rückenschild und Kopfgoldschnitt.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Holländischem Bütten und in Ganzleder. – Gesetzt aus der Hausfraktur der Spamerschen Buchdruckerei. – Buchausstattung von Paul Renner. – Teils unaufgeschnitten.

22,5 : 17,8 cm. [6], 305, [5] Seiten. – Kanten leicht berieben, Deckel mit kleinen Kratzspuren. – Titelblatt mit winzigem Sammlerstempel.

Marks A 17. – Raabe 55

324  Alfred Kubin – Oscar A[dolf] H[ermann] Schmitz. Haschisch.

€ 300

Erzählungen. Mit dreizehn Zeichnungen von Alfred Kubin. München und Leipzig, Georg Müller 1913. Mit 13 ganzseitigen Illustrationen. Brauner marmorierter Originallederband mit Rückenschild und Kopfgoldschnitt (Hübel & Denck).

Erste Ausgabe mit Kubins Illustrationen. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Van Gelder-Bütten und in Ganzleder (Gesamtauflage 800). – Vierte Auflage, die ersten drei erschienen ohne Illustrationen. – Einbandentwurf von Paul Renner.

25,8 : 19,8 cm. [14], IV, 109, [5] Seiten, 13 Tafeln. – Kanten und Ecken etwas berieben, Rücken stärker. Deckel mit winzigen Kratzspuren. – Vorsätze stockfleckig.

Marks A 20. – Raabe 58

325  Oskar Laske – Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

€ 300

Buch der Kindheit. Wien, Leipzig und München, Rikola 1922. Mit sechs Farblithographien von Oskar Laske. Hellblauer Pappband mit montiertem Originaltitelschild.

Erste Ausgabe des ersten Buches. – Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Mit einem hochstaplerisch wirkenden Exlibris der Library of Parliament Tasmania mit handschriftlichem Namenszug »F. Krull«.

30,7 : 24,7 cm. 65, [3] Seiten, 6 Lithographien. – Rücken verblasst. – Vereinzelt minimal fleckig.

Potempa D 12.1

326  Oskar Laske – Thomas Mann. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

€ 200

Buch der Kindheit. Wien, Leipzig und München, Rikola 1922. Mit sechs Farblithographien von Oskar Laske. Neuer Pappband mit Marmorpapierbezügen und Originaltitelschildern.

Erste Ausgabe des ersten Buches. – Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Der Roman, der letztlich unvollendet blieb, erschien erst 1954. Die erste Anregung zum Stoff soll Thomas Mann bereits 1905 durch die deutsche Ausgabe der Erinnerungen eines rumänischen Hochstaplers erhalten haben. Er begann etwa 1910 mit ersten Niederschriften, aus der ein Bruchstück 1911 im Almanach des S. Fischer-Verlages abgedruckt wurde. Das vorliegende »Buch der Kindheit« wurde ebenfalls bereits 1911 abgeschlossen (vgl. KNLL XI, 58). Erst nach fast 30 Jahren nahm Mann die Arbeit an dem Stoff wieder auf. – Unaufgeschnittenes Exemplar, gedruckt bei Mandruck, München, auf chamoisfarbenem Bütten.

30,7 : 24,7 cm. 65, [3] Seiten, 6 Lithographien.

Potempa D 12.1

327  Thomas Mann. Buddenbrooks.

€ 4500 ( R7 )

Verfall einer Familie. Roman. Zwei Bände. Berlin, S. Fischer 1901. Handgebundene braune Ecrasélederbände mit grünem Rückenschild. Monogramm auf den Vorderdeckeln, Rückentitel und -fileten vergoldet.

Erste Ausgabe. – Einer der bedeutendsten Romane der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts und zugleich die erste umfangreiche Veröffentlichung des jungen Thomas Mann, durch welche er schlagartig weltberühmt wurde. – Samuel Fischer hatte Ende 1897, also schon vor Erscheinen der Novellensammlung »Der kleine Herr Friedemann«, an Thomas Mann geschrieben, »ich würde mich aber freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben würden, ein grösseres Prosawerk von Ihnen zu veröffentlichen, vielleicht einen Roman, wenn er auch nicht zu lang ist«. Im Juli 1900 war »jenes bedenklich angeschwollene Manuskript, […] das ungeheuer viel mehr Raum (und Zeit) in Anspruch« genommen hatte, als sich der Autor träumen ließ, abgeschlossen. Fischer zweifelte am Erfolg eines so umfangreichen Textes (»Ein Roman von 65 engbedruckten Bogen ist für unser heutiges Leben fast eine Unmöglichkeit«). Nachdem Thomas Mann das Ansinnen, das Buch auf die Hälfte zu kürzen (»dieses Bubenstück von einer Zumutung«) abgelehnt hatte, folgte Fischer den Argumenten des Dichters und seines Lektors und ließ Anfang 1901, immer noch zögerlich, lediglich 1.000 Exemplare drucken. – Der Roman wurde, Fischers Bedenken zum Trotz, von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen und das Werk erlebte in rascher Folge wachsende Nachauflagen. – Die Erstausgabe aber zählt aufgrund der verlegerischen Zurückhaltung und ihrer Bedeutung für die deutsche Literaturgeschichte zu deren größten Seltenheiten. Die meisten Exemplare wurden in einer gelben Broschur ausgeliefert. – Hier in schönen, handwerklich perfekten, unsignierten Lederbänden; innen nahezu makellos erhalten.

18,3 : 12,5 cm. 566, [2]; 539, [1] Seiten.

Potempa D 1.1. – Fischer-Verlag Kat. Marbach S. 121ff. (von dort auch alle obigen Zitate)

328  Thomas Mann. Buddenbrooks.

€ 1500

Verfall einer Familie. Roman. Erster [und] Zweiter Band. Fünfzigste Auflage. Berlin, S. Fischer 1910. Pergamentbände mit Rückenschildern und Kopfgoldschnitt (signiert: Carl Sonntag jun., Leipzig). – Widmungsexemplar.

Die Jubiläumsausgabe, hier in schönen Pergamentbänden von Carl Sonntag, mit Thomas Manns eigenhändiger Widmung »Dem Rotarier Emil Hirsch herzlich zugeeignet M. 21. I. 30«. Am 21. Januar 1930 fand im Restaurant Walterspiel des Hotels »Vier Jahreszeiten« eine Sitzung des Münchner Rotary Clubs statt, auf der Thomas Mann von seiner Nobelpreis-Reise erzählte (Vgl. TM Chronik, S. 211). – Auf amerikanischem Alexandra-Papier. – Emil Hirsch (1866–1954) betrieb seit 1897 in München ein Antiquariat mit dem Schwerpunkt Deutsche Literatur und pflegte enge Kontakte mit Literaten und Künstlern. 1907 war er Gründungsmitglied der Gesellschaft der Münchner Bücherfreunde. Als Auktionator versteigerte Hirsch wichtige Sammlungen (Sayn-Wittgenstein, Piloty, Georg Hirth u. a.). – »Die Buchkunstbewegung förderte er intensiv; so regte er Hans von Weber zu den ›Hundertdrucken‹ an und unterstützte als Subskribent die ›Bremer Presse‹. Laut Emil Preetorius waren H.’s Geschäftsräume […] ›der inoffizielle Treffpunkt […] für das geistig-künstlerische München‹. Der Antiquar war […] insgesamt ein hervorragender Repräsentant der Blütezeit des Antiquariatsbuchhandels in dieser Stadt« (Ernst Fischer, Verleger, Buchhändler & Antiquare, S. 139). 1933 begannen die Repressalien unter den Nationalsozialisten, es wurde Hirsch untersagt, weiterhin Auktionen zu veranstalten, 1937 musste er sein Geschäft ganz schließen. Er konnte 1938 zu seinen bereits ausgewanderten Kindern nach New York emigrieren, dort war er bis zu seinem Tod als Antiquar bei Walter Schatzki in der Madison Avenue tätig. – Mit dem Exlibris von Emil Hirsch, gezeichnet von Thomas Theodor Heine.

19,2 : 12,5 cm. 499, [1]; 477, [3] Seiten. – Die Rückenschilder wohl etwas späteren Datums. Rückengelenke des ersten Bandes unten im Falz angeplatzt.

Potempa D 1. 3

329  Thomas Mann. Tristan.

€ 1800

Sechs Novellen. Berlin, S. Fischer 1903. Moderner grüner Leinenband, Vorderdeckel mit der Umschlagzeichnung von Alfred Kubin. In grünem Leinenschuber.

Seltene erste Ausgabe (2000 Exemplare). – Auf den Vorderdeckel des neuen Einbandes ist der von Alfred Kubin gestaltete Teil des Originalschutzumschlags eingelassen. Nur diese erste Auflage wurde mit dem Kubin-Schutzumschlag ausgeliefert, welcher sehr selten geworden ist. Bereits die Folgeauflage erhielt einen Schutzumschlag von Carl Schnebel. – Die düstere Zeichnung von Alfred Kubin – ein massiger Mann tritt auf einen am Boden liegenden Pierrot – und der von Kubin gezeichnete Buchtitel, sind seine frühesten Buchillustrationen. – Enthält die Novellen »Der Weg zum Friedhof«, »Tristan«, »Der Kleiderschrank«, »Luischen«, »Gladius Dei« und »Tonio Kröger«. Bereits 1901 berichtete Thomas seinem Bruder Heinrich von einer in Entstehung befindlichen Burleske mit dem Titel »Tristan«. – Schönes und zugleich außergewöhnliches Exemplar.

19,2 : 12,4 cm. [8], 264 Seiten. – Rückenschild faksimiliert.

Potempa B 2. – Kubin: Raabe 9. – Marcks A 2

330  Thomas Mann. Bilse und ich.

€ 150

Dritte Auflage. München, E. W. Bonsels 1906. Originalbroschur mit Titel in Rotdruck.

Im Jahr der Erstausgabe erschienen drei unveränderte Auflagen. – Thomas Manns Erwiderung auf den Vergleich mit dem Skandalautor Fritz Oswald Bilse. Nachdem in seiner Heimatstadt verschiedene Entschlüsselungslisten zu den Personen in Thomas Manns Roman »Buddenbrooks« kursierten, zeigten sich manche Honoratioren und Bürger der Stadt ob ihrer Darstellung tief verärgert. Die Presse griff diese Stimmung auf und Thomas Mann versuchte, das Recht des Schriftstellers, lebende Personen künstlerisch auszugestalten, zu verteidigen. Die Angriffe gegen ihn gipfelten in der Bezeichnung, die »Buddenbrooks« seien ein »Bilse-Roman«, was schlussendlich zu vorliegendem Essay führte, der zunächst in zwei Teilen in den »Münchner Neuesten Nachrichten« abgedruckt wurde. Das Vorwort datiert »am 50. Todestag Heinrich Heines« [17. II. 1906]. – Vorderdeckel mit handschriftlichem Besitzvermerk »Grisebach«, wohl Eduard Grisebach (1845–1906), der berühmte Bibliophile und Literaturwissenschaftler.

19,5 : 13,2 cm. 39, [5] Seiten. – Broschurränder leicht gebräunt, oben am Falz zwei kleine Fehlstellen.

Potempa G 26.2 und 27.2

331  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

€ 500 ( R7 )

[Berlin, S. Fischer 1912]. Späterer dunkelblauer Maroquinband mit Rückenschild. Rückentitel, Fileten, Monogramm auf dem Vorderdeckel und Kopfschnitt vergoldet.

Erstdruck der Novelle in »Die Neue Rundschau«, Oktober und November 1912. Jahrgang 23, Hefte 10 und 11. – Nahezu zeitgleich erschien die bibliophile Ausgabe innerhalb der »Hundertdrucke«. – Die Novelle schrieb Thomas Mann nach der Adriareise mit seiner Frau Katja 1911. Zugunsten der Arbeit an »Der Tod in Venedig« lässt er seine Arbeit an dem begonnenen Roman »Felix Krull« vorerst liegen. Im Helden der Novelle, Gustav von Aschenbach, setzt Thomas Mann dem Komponisten Gustav Mahler ein Denkmal, von dessen Tod er während der Reise erfuhr. »Leidenschaft als Verwirrung und Entwürdigung war eigentlich der Gegenstand meiner Fabel« (TM an Carl Maria Weber, 4. VI. 1920). – Mit dem Reihentitelblatt. – Tadellos erhalten.

24,2 : 17,5 cm. Seiten 1368–1526. – Titel und erste Textseite hinterlegt und dadurch ohne störenden Text.

Potempa E 26, 2

332  Thomas Mann. Der Tod in Venedig.

€ 3000

Novelle von Thomas Mann. Berlin, S. Fischer 1913. Marmorierter Originalpappband.

Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten, davon 50 für den Verkauf. – Im Auflagenvermerk vom Verfasser signiert. – Vorzugsausgabe der ersten öffentlichen Ausgabe, die den Text wieder in Thomas Manns Hausverlag »zurückholte«. Zuvor erschien die ebenfalls hoch dotierte bibliophile Ausgabe innerhalb der »Hundertdrucke«. – Gedruckt bei W. Drugulin, Leipzig.

19,3 : 12,6 cm. 144, [4] Seiten. – Das Bezugspapier des Rücken sehr geschickt erneuert.

Potempa E 26.3

333  Thomas Mann. Herr und Hund.

€ 2500

Ein Idyll. München 1919. Mit Buchschmuck von Emil Preetorius. Illustrierter Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Eins von 120 Exemplaren, im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Einmalige Vorzugsausgabe, deren Erlös dem »Schutzverband Deutscher Schriftsteller, Ortsgruppe München« zugute kommen sollte. – Mit Titelbild, zwei Umschlagillustrationen, zwei Vignetten und sechs großen figürlichen Initialen von Emil Preetorius. – Druck bei Knorr & Hirth, München. – Auf unbeschnittenem Zanders-Bütten. – Die danach bei S. Fischer erschienene öffentliche Ausgabe enthielt keine Illustrationen. – Neben »Der Tod in Venedig« wohl die seltenste Erstausgabe Thomas Manns. – Sehr schönes Exemplar.

23,0 : 16,5 cm. 93 Seiten, 1 Blatt. – Rücken etwas angestaubt. Riss am Hintergelenk fachmännisch restauriert. – Original-Interimsbindung, erste Lage etwas gelockert.

Potempa E 27.1. – Ohr 24

334  Thomas Mann. Gesang vom Kindchen.

€ 500

Eine Idylle. München, Rupprechtpresse 1920. Originalinterimspappband mit Buntpapierbezug.

Erste Einzelausgabe. – Eins von 200 Exemplaren. – Von Hand auf Bütten gedruckt, die Bindung unverleimt. – Die Holzschnitt-Initialen im Buch und das hübsche Bezugspapier mit »stern«förmig in Blau umrandeten Tieren und Gegenständen aus der Kinderwelt, angeordnet in braunen Rauten auf hellem Grund, schuf F. H. Ehmcke. – Geschrieben für Elisabeth, Thomas Manns jüngste Tochter: »Letztgeborenes du und Erstgeborenes dennoch mir erst in Wahrheit!«. – Beiliegend noch zwei lose Bogen des Bezugspapiers in etwas kleinerem Format.

22,5 : 15,0 cm. [6], 40, [10] Seiten. – Rücken etwas gebräunt. – Vereinzelt ganz schwache Stockflecken.

Potempa B 28.3. – Schauer II, 20. – Rodenberg 130, 9

335  Thomas Mann – Theodor Storm. Sämtliche Werke

€ 300

in zwei Bänden. Mit einer Einleitung von Thomas Mann. Herausgegeben von Friedrich Düsel. Berlin, Th. Knaur Nachf. [1930]. Zwei ziegelrote Maroquinbände mit Kopfschnitt- und dezenter Rückenvergoldung (signiert: Binding by The Collector’s Book Club London).

Erste vollständige Ausgabe der Einleitung »Theodor Storm« von Thomas Mann (in Band 1, Seiten 7–26). – Thomas Mann schrieb diese biographische Skizze im Juni 1930. Sie erschien in Auszügen in der Zeitschrift »Daheim« in zwei Teilen unter dem Titel »Der Lyriker Theodor Storm – Theodor Storm, der Mensch«. – Die schönen Handeinbände mit zweifarbig handumstochenen Kapital, Marmorpapiervorsätzen und -spiegeln.

19,0 : 12,5 cm. 907, [1]; 910, [2] Seiten. – Rücken leicht verfärbt, Deckel minimal stockfleckig. – Vortitelblatt von Band 1 neu gefasst.

Potempa G 462.2. –Teitge 31

336  Thomas Mann. Joseph in Ägypten.

€ 1200

Der dritte Roman. Wien, Bermann-Fischer 1936. Originalleinenband mit vergoldeter Deckelvignette und vergoldetem Rückentitel. – Widmungsexemplar.

Erste Auflage. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vorsatzblatt, an Thomas Manns Freund und Schriftstellerkollegen Alexander Moritz Frey »Dem deutschen Dichter A. M. Frey zum Zeichen herzlicher Wertschätzung Küsnacht 15. X. 36«. – »Alexander Moritz Frey war im Ersten Weltkrieg Hitlers Kamerad. Entsprechend versuchten die Nazis, Frey für ihre Zwecke einzubinden. Doch der lehnte ab und floh im März 1933 zunächst nach Österreich, später in die Schweiz. Dort starb er, verarmt und vergessen 1957. […] Noch vor dem Ersten Weltkrieg war sein erster Roman erschienen: ›Solneman, der Unsichtbare‹. Von Thomas Mann sehr gelobt, danach aber meist in die Schublade phantastische Literatur abgeschoben. […] ›Darf ich aufrichtig reden. Ich gehe seit sechs Jahren im gleichen Rock umher, meine Kleidung kann man allmählich als abgerissen bezeichnen. Meine Einkünfte haben mit diesem Jahr völlig aufgehört: ich habe keinerlei Arbeiten mehr untergebracht. Gehungert habe ich bisher nicht. Jedenfalls ergibt sich: zu besseren Geburtstagsfeiern nach Zürich kann ich nicht fahren‹ (Frey an Thomas Mann, 15.6.1933).« (Aus Tomas Fitzels Beitrag »Vergessene Autoren und ihre Werke nach der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933« vom 10.5.2013, Deutschlandradiokultur.de).

19,0 : 12,0 cm. 752, [4] Seiten. – Einband etwas fleckig, Gelenke angeplatzt. – Innengelenke angeplatzt.

Potempa D 6.1

337  Thomas Mann. Ein neuer Glaube.

€ 900

– In: Die andere Seite. Viertes Heft. [London 1943]. Mit sieben Abbildungen nach Fotografien und Zeichungen. Gelb-rote Originalbroschur.

Erstdruck einer Rundfunkansprache Thomas Manns, in der er im August 1943 der Widerstandsgruppe »Weiße Rose« gedachte. – Das Heft enthält auch das »Manifest der Münchner Studenten«. Dieser Text wurde als letztes Flugblatt von Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 im Innenhof der Münchner Universität verteilt. Man entdeckte die Geschwister, die daraufhin verhaftet und am 22. Februar, gerade einmal vier (!) Tage nach ihrer Aktion, zum Tode verurteilt und umgehend hingerichtet wurden. – Die kleinformatigen Flugblattbroschüren »Die andere Seite« wurden von der Royal Air Force von Herbst 1942 bis ins Frühjahr 1945 über Deutschland abgeworfen. Insgesamt enthielten vier Hefte der Reihe Beiträge von Thomas Mann, die 1945 gesammelt in »Deutsche Hörer« erschienen. – Weitere Beiträge in Heft 4 stammen von Reinhold Niebuhr, Hendrik van Loon, J. B. Priestley sowie anonymen bzw. unbekannten Verfassern. – Vgl. auch KatNrn 347–353.

13,5 : 10,5 cm. 32 Seiten. – Vorderumschlag geknittert und mit kleinen Einrissen.

Potempa 855.1

338  Thomas Mann. Achtung, Europa!

€ 300

Aufsätze zur Zeit. – Lotte in Weimar. – Verbilligter Sonderdruck für deutsche Kriegsgefangene. Stockholm, Bermann-Fischer 1945. Zwei Originalbroschuren.

Unveränderte Nachdrucke der Erstausgaben von 1938 und 1939 innerhalb der Bücherreihe »Neue Welt« (Bände 10 und 21). – Dazu: Selected Short Stories. Translated from the German by H. T. Lowe-Porter. Editions for the Armed Services. New York [um 1940]. Originalbroschur. Sammlung von englischen Übersetzungen, die bei Alfred A. Knopf in den Jahren 1930–1936 erschienen.

16,0 : 10,5 cm. Seiten [5]–191, [3] bzw. Seiten [5]–450. – Broschuren mit einigen Lesespuren. – Titelblätter mit Schenkungsvermerk bzw. Zensurstempel und Besitzvermerk eines Kriegsgefangenen.

Potempa D 7.7 und B 69.3

339  Thomas Mann. Der Zauberberg.

€ 600

Roman. I [und] II. Verbilligter Sonderdruck für deutsche Kriegsgefangene. Stockholm, Bermann-Fischer 1945. Gelbe Originalbroschuren.

Erschienen in der Bücherreihe »Neue Welt« als Bände 14 und 15. – Mit dem Zensur-Stempel des Kriegsgefangenenlagers Camp Swift in Texas auf dem Titel vom ersten Band. – Das Vorwort »Einführung in den Zauberberg für Studenten der Universität Princeton« stammt von Thomas Mann selbst. – Nun wurden auch Thomas Manns Romane wieder für Leser aus Deutschland gedruckt, auch wenn es für die hier gemeinte Zielgruppe meist noch dauern sollte, bis der heimische Lesesessel wieder verfügbar war. – Die gelben Umschläge gestaltete Brigitte Bermann-Fischer, die Tochter des ersten Thomas Mann-Verlegers Samuel Fischer. – Trotz sicher hoher Auflage durch Art der Verwendung und Zeitläufe selten geworden.

16,3 : 10,8 cm. Seiten [V]–XXVI, 521, [1]; [4], 572 Seiten. – Umschläge leicht, für die wahrscheinliche Provenienz unbedeutend, berieben. – Ränder leicht gebräunt.

Potempa D 3.12

340  Thomas Mann. Tristan.

€ 450

Solothurn 1955. Mit einem Porträt des Verfassers. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel.

Dritter Solothurner Privatdruck. – Eins von 150 nummerierten Exemplaren, gedruckt auf Hahnemühle-Bütten. – Das Porträtfoto stammt von Gotthard Schuh. – Unter der montierten Fotoabbildung die faksimilierte Signatur Thomas Manns. – »Einige Wochen nach seinem von der ganzen zivilisierten Welt gefeierten achtzigsten Geburtstage, jedoch in schwerer Krankheit und dem Tode nahe, erteilte Thomas Mann mit Freude seine Zustimmung, diese von ihm vor fünfzig Jahren – 1905 – geschriebene Erzählung als dritten Solothurner Privatdruck auf Weihnachten 1955 herzustellen« (Druckvermerk).

21,5 : 14,0 cm. 76, [2] Seiten. – Deckel am Oberrand schwach verfärbt.

Potempa E 13.9

341  Thomas Mann. Gesammelte Werke in Einzelbänden.

€ 300

Frankfurter Ausgabe. Herausgegeben von Peter de Mendelssohn. Frankfurt, S. Fischer 1980–1986. 20 Originalleinenbände mit Schutzumschlag. Jeweils im Originalschuber mit Rückenschild.

Erste Ausgabe der schönen handlichen Werkedition. – Jeder Band mit einem Nachwort, z. B. von Peter de Mendelssohn, Hanno Helbing, Albert von Schirnding u. a., und bibliographischen Nachweisen.

17,5 : 11,0 cm. – Tadellos erhalten.

Potempa A13

342  Führer durch die Ausstellung »Entartete Kunst«.

€ 150

Berlin, Verlag für Kultur- und Wirtschaftswerbung [Ende 1938]. Mit 59 Abbildungen. Originalbroschur.

Zweite von drei Ausgaben des Ausstellungsführers durch die berüchtigte Wanderausstellung des NS-Propagandaministeriums. – Für diese Ausgabe hatte Richard Haizmann offensichtlich erfolgreich gegen die Bezeichnung »Jude« protestiert. Drei Textstellen wurden gegenüber der Erstausgabe von 1937 verändert. – Auf Kunstdruckpapier.

21,0 : 14,8 cm. 30, [2] Seiten.

Barron Seite 356ff

343  E. O. Plauen. Wir merken nichts …

€ 500 ( R19 )

Tuschzeichnung. 1940. 27,5 : 18,5 cm (36,5 : 25,5 cm). Monogrammiert.

»Wir merken nichts, wir merken nichts, wir merken – oh, verdammt es drückt!« – Der maschinengeschriebene Text als Streifen unter die Zeichnung geklebt. Rückseitig mit Stempel »Interpress-Karrikatur«, Datierung »14. 3. 40«, und handschriftlich ausgefüllten Vordruck-Stempel mit Angaben zu Titel, Zeichner und Honorar. – Das Blatt stammt wahrscheinlich aus der Zeit Ohsers Mitarbeit bei der NS-Wochenschrift »Das Reich«, die ab Mai 1940 neu erschien. – Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bedeutete das Aus für den politischen Zeichner Erich Ohser (1903–1944), sein Antrag auf Aufnahme in die Reichspressekammer wurde abgelehnt, was einem Berufsverbot gleichkam. Ende 1934 bewarb sich Ohser bei der »Berliner Illustrirten Zeitung«, die einen Comic ähnlich dem amerikanischen Vorbild »Micky Maus« plante, mit einem Entwurf von »Vater und Sohn«. Unter der Auflage, sich nicht politisch zu betätigen und erst nachdem er sich das Pseudonym »e. o. plauen« (seine Initialen und der Name seiner Heimatstadt) zugelegt hatte, erhielt er den Zuschlag. Im Dezember 1934 erschien die erste Bildergeschichte von Vater und Sohn. Als Karikaturist publizierte er von 1940–44 mehr als 800 Zeichnungen in »Das Reich«. Im März 1944 wurde Ohser von einem Nachbarn wegen regimekritischer Äußerungen denunziert und von der Gestapo verhaftet. Die Anklage lautete auf Wehrkraftzersetzung, der Prozess gegen ihn sollte im April eröffnet werden. Einem sicheren Todesurteil kam Erich Ohser zuvor – er erhängte sich in der Nacht zum 6. April in seiner Zelle. – »Ich frag ihn, wie er es über sich bringen könne, jede Woche politische Karikaturen in dem Blatt des Dr. Göbbels zu bringen. Er lächelte, er sagte: ›Aber sie sind nun einmal jetzt unsere Gegner, die Churchill, die Roosevelt, die Stalin – es ist nicht unanständig, gegen unsere Gegner zu kämpfen. Ich tue nichts anderes, als was sie gegen uns tun. Aber eines tue ich nicht: ich zeichne nie eine antisemitische Karikatur, diese Schweinereien mache ich nicht mit‹« (Hans Fallada, Trinkermanuskript 1944, zitiert nach e.o.plauen.de).

Kleine Flecken am Unterrand, teils bis in die Darstellung reichend.

344  El Libro libre. – 23 Werke aus dem Verlagsprogramm.

€ 1500

Mexiko 1942–1946. Meist Originalbroschuren (abweichende Originaleinbände unten aufgeführt).

1942 wurde der bedeutende Exilverlag, dessen Autoren der kommunistischen Exilbewegung nahestanden, anlässlich des neunten Jahrestages der Bücherverbrennung durch die Mitglieder des Heinrich Heine-Klubs Mexico und der Bewegung »Freies Deutschland« gegründet. Verlagsleiter war Walter Janka, der nach Kriegsende den Ost-Berliner Aufbau Verlag leitete, bis er 1956 wegen haltloser politischer Anschuldigungen verhaftet wurde. – Nahezu vollständige Folge aller Publikationen, alle in erster Ausgabe: Theodor Balk. Fuehrer durch Sowjet-Krieg und Frieden. 1942. – Lion Feuchtwanger. Unholdes Frankreich. 1942. (Umschlag fleckig). – Egon Erwin Kisch. Marktplatz der Sensationen. 1942. – Anna Seghers. Das siebte Kreuz. Roman aus Hitlerdeutschland. 1942. Originalpappband. – Theodor Balk. Das verlorene Manuskript. 1943. Mit Originalschutzumschlag. – Bruno Frank. Die Tochter. Roman. 1943. – Heinrich Mann. Lidice. Roman. 1943. Originalpappband. (Einige Blätter lose). – Paul Merker. Was wird aus Deutschland? Das Hitler-Regime auf dem Wege zum Abgrund. 1943. – Andre Simone [Otto Katz]. La batalla de Rusia. 1943. Mit zahlreichen Abbildungen. – El libro negro. Del terror nazi en Europa. 1943. Mit Abbildungen und Illustrationen. Originalleinenband. – Unser Kampf gegen Hitler. Protokoll des ersten Landeskongresses der Bewegung »Freies Deutschland« in Mexiko. 1943. – Leo Katz. Totenjaeger. Roman. 1944. Originalpappband. – Paul Mayer. Exil. Gedichte. 1944. Originalleinenband. – Paul Merker. Deutschland. Sein oder nicht sein? Von Weimar zu Hitler. – Das 3. Reich und sein Ende. 1944/45. Originalleinenbände. – Ludwig Renn. Adel im Untergang. Roman. 1944. Illustrierte Originalbroschur. – Ernst Sommer. Revolte der Heiligen. Erzaehlung. 1944. – Vincent Lombardo Toledano. Johann Wolfgang von Goethe. Übersetzt von Bodo Uhse. 1944. – F. C. Weiskopf. Vor einem neuen Tag. Roman. 1944. Illustrierte Originalbroschur (Umschlag lose). – Deutsche, wohin? Protokoll der Gruendungs-Versammlung des National-Komitees Freies Deutschland und des Bundes Deutscher Offiziere. [1944]. – Alexander Abusch. Der Irrweg einer Nation. Ein Beitrag zum Verstaendnis deutscher Geschichte. 1945. (Umschlag und Schnitt fleckig). – Egon Erwin Kisch. Entdeckungen in Mexiko. 1945. – Theodor Plivier. Stalingrad. Roman. 1946. – Dazu: Heines Geist in Mexico. Herausgegeben vom Heinrich Heine-Klub. Mexiko 1946. Mit zahlreichen Porträts. Originalbroschur. – Eine Beigabe. – So vollständig, trotz vieler Angebote in den Weiten des world-wide-web, sicher schwer zusammenzutragen.

Meist 19 : 15 cm. – Nicht ganz zu ignorierende Alterungsspuren, insgesamt aber beachtlich gut erhalten.

345  Aurora Verlag – Das vollständige Verlagsprogramm.

€ 1000

New York 1945–1947. Zwölf Originalleinenbände, davon elf mit Originalschutzumschlag.

Am 3. April 1944 ließ Wieland Herzfelde, der im April 1939 nach seinen vorläufigen Fluchtorten Prag und London in die USA emigriert war, den Verlagsnamen »Aurora« registrieren. An dem Unternehmen waren elf exilierte Autoren beteiligt, von denen jeweils ein Werk verlegt wurde. Das von Herzfelde entworfene Verlags-Signet besteht aus den Anfangsbuchstaben des ursprünglich geplanten Verlagsnamens »Die Tribüne«. – »Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten erscheinen die Bücher in einer anspruchsvollen Ausstattung« (Frank Hermann). – I. Bertolt Brecht. Furcht und Elend des III. Reiches. 1945. Seidel 129. – II. Ferdinand Bruckner [Theodor Tagger]. Simon Bolivar. Zwei Schauspiele. 1945. – III. 6^. Der Quasterl und andere Erzählungen. 1945. – IV. Franz Carl Weiskopf. Die Unbesiegbaren. Berichte, Anekdoten, Legenden 1933–1945. 1945. – V. Ernst Bloch. Freiheit und Ordnung. Abriss der Sozial-Utopien. 1946. Mit eigenhändiger Widmung »Adolf Lowe in herzlicher Freundschaft Ernst«. – VI. Alfred Döblin. Sieger und Besiegte. Eine wahre Geschichte. 1946. – VII. Lion Feuchtwanger. Venedig (Texas) und vierzehn andere Erzählungen. 1946. – VIII. Anna Seghers. Der Ausflug der toten Mädchen und andere Erzählungen. 1946. Die Autorin zählte nicht zu den Aurora-Gründern. – IX. Berthold Viertel. Der Lebenslauf. Gedichte. 1946. – X. Ernst Waldinger. Die kühlen Bauernstuben. Gedichte. 1946. – XI. Oskar Maria Graf. Unruhe um einen Friedfertigen. Roman. 1947. – XII. Morgenröte. Ein Lesebuch. Einführung von Heinrich Mann. Herausgegeben von den Gründern des Aurora Verlages. 1947. – Alle in erster Ausgabe, die Texte der Sammlungen vollständig oder zum Teil im Erstdruck.

22,5 : 14,5 cm. – Angemessene Alterungsspuren, Innendeckel leicht gebräunt, die Schutzumschläge teils am Rücken verblasst. Einband von VII mit Feuchtigkeitsspuren. Schutzumschlag von X und XI mit Verlusten, XII ohne Schutzumschlag, Exlibris Hans Kafka. – 2 Seiten von I gebräunt.

Hermann, Malik 18, 26, 147, 436, 13, 31, 74, 310, 427, 428, 148 und 246 sowie Seite 229f. – W/G 34, 20, 32, –, –, 47, 52, 15, 10, –, 35, XII bei mehreren Autoren

346  Der Gag Bag.

€ 200

Mein Chump. Dunellen/New Jersey, Anthony 1939. Mit zahlreichen Illustrationen nach Karikaturen und Fotografien. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Volume I, Number 1. – Ebenso seltene wie originelle Ausgabe mit Anti-Nazi-Propaganda in Wort und Bild. – Die Überschriften meist in »Denglish«, u. a. »Adolf in Blunderland«, »Mein Krampf. Unpurged Edition«, »Birds-Heil View of Hitleropia«, »Wartoons« u. v. m. – Der Betrachter schwankt zwischen Lachen und Entsetzen, besonders die dokumentarischen Bildfolgen zu den Greueln des Krieges lassen das Lachen schnell verstummen. – Wir konnten via WorldCat nur diese eine Ausgabe nachweisen.

29,0 : 21,5 cm. [32] Seiten. – 2 Seiten mit Randnotiz.

347  Alliierte Propaganda – 15 englische Flugblätter,

€ 300

London 1939–1944. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter, meist illustriert. Meist ca. 21 : 13 cm.

Dieses und die nachfolgenden sechs Konvolute beinhalten eine bemerkenswert vielfältige und gut erhaltene Sammlung von englischen Propagandaflugblättern, wie sie in den Jahren 1939–1945 von der Royal Air Force über Deutschland und von Deutschland besetzten Gebieten abgeworfen wurden. Die meisten der Flugblätter wurden mit einer Codierung versehen. – Achtung! Der englische Premierminister Chamberlain richtete am 3. September über den Rundfunk … folgende Worte an das deutsche Volk. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1939]. Code EH.280. Eines der ersten von den Engländern im 2. Weltkrieg abgeworfenen Flugblättern. Wiedergegeben ist eine gekürzte Fassung von Chamberlains Rede zum Kriegseintritt Englands. – Sechs weitere Flugblätter von 1940. – Mightier Yet! Dangerous days lie ahead of us. Glorious days, too. Germany is now … [London,] Ministry of Information 1940. Mit Titelblattillustration. Flugblatt des britischen Informationsministeriums zur Stärkung der Heimatfront. – Gestapolen. [Vier Ausgaben. London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1940]. Code EH.331, 332, 333 und 334. Über die Gräueltaten der Gestapo in Polen. – Der Führer übernimmt das Kommando. [London, Political Warfare Executive 1942]. Mit Fotomontage auf dem Titelblatt und fotografischen Abbildungen. Code G.4/1942. Das Flugblatt zeigt die fatalen Folgen von Hitlers Kriegsführung. – Londoner Rundfunk. Sendungen in deutscher Sprache / B.B.C. Der Londoner Rundfunk. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Code EH.490. Selten, nur 198.000 Exemplare im April 1940 abgeworfen. Über Sendezeiten, Wellenlängen und mit Anweisungen »Fenster zu! Stellen Sie den Empfangsapparat auf ein Kissen!« – Von Diplomatenhaushalt keine Spur? [London, Political Warfare Executive 1943]. Prangert die bevorzugte Versorgung der Parteibonzen an. Richards, The Black Art, H.663 / Q.34 (mit Abbildung auf S. 366).

Einige leichte Knickspuren, vereinzelte Heftlöcher.

348  Alliierte Propaganda – 19 englische Flugblätter und Tarnschriften.

€ 500

London 1940–1942. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter. Meist ca. 21 : 13 cm.

Freiwillige vor für die U-Boot-Waffe! Wir fahren gegen England / Wir fahren hinab ins kühle Grab. [London, Political Warfare Executive 1942]. Ausziehbares illustriertes Flugblatt. 10,2 cm : 20 cm. [Code G.7]. Als Werbung für die U-Boot Waffe aufgemachtes Flugblatt, das sich erst beim Herausziehen des Schiebestreifens als Feindpropaganda entpuppt. – Das Leben eines U-Bootmanns. [London, Political Warfare Executive 1942]. Illustriertes Doppelblatt der englischen Propaganda mit Comicstrip im Innenteil. Code 9x. Als Werbeprospekt für die U-Boot Waffe aufgemachtes Flugblatt, das beim genaueren Lesen die geringen Überlebenschancen der deutschen U-Bootmatrosen offenbart. – Predigt des Bischofs Clemens August Graf von Galen. Gehalten am 13. Juli 1941 in der Lambertikirche zu Münster. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. 4 Seiten. EH.526. Seltenes Flugblatt, das im Oktober und November 1941 über Deutschland abgeworfen wurde. – René Graetz. Allies inside Germany. Underground Germany helps to destroy Hitler. They need your help! [Großbritannien, Freier Deutscher Kulturbund] 1942. Bogen mit zwölf Cinderella Briefmarken. 12,5 : 22,5 cm. Die von René Graetz gestalteten Marken (je 3,5 : 5,0 cm) zeigen Aktionen und Gefahren des antifaschistischen Untergrundkampfes in Deutschland. Erschien zur gleichnamigen Ausstellung und wurde als Bogen oder einzeln zum Preis von einem Penny pro Stück verkauft. – An die Arbeiter Westdeutschlands! Was gedenkt Ihr zu tun? [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Mit ganzseitiger Titelblattillustration. Code EH.513. – Unverdunkelt! / Wer Haß sät. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Mit Abbildung einer amerikanischen Fabrik. Code EH.507. – Wolkiger Beobachter. – Hamburger Fremdes Blatt. – Luftpost. Fünf Flugblätter, die Titel und Gestaltung deutscher Zeitungen karikierend nachahmen. – Acht weitere Flugblätter in Form von Anschlägen und Handzetteln.

349  Alliierte Propaganda – Acht englische Flugblätter.

€ 300

London u. a. 1941–1942. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter. Meist ca. 21 : 13 cm.

Nicht euer Kind ist das, sondern irgendeines … wollt ihr dafür büßen ? [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Code EH.498. Titelbild mit einem toten Kind. – Führerworte! [London, Political Warfare Executive 1942]. Auf gelbem Papier. Code G.32. Zitate von Hitler, Göring und Robert Ley aus den Jahren 1939 und 1940, die sich als Lügen entpuppten. – Mehr als 1000 Bomber auf einmal eingesetzt / Englands Angebot Englands Forderung. [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.31. – Aus der letzten April-Woche 1942 / Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen, … [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.24/1942. – V-Waffen hätten es auch nicht geschafft / Die letzte Geheimwaffe. [Psychological Warfare Division of Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force 1944]. Mit fotografischen Abbildungen. Code ZG.71. – 54 Millionnen [sic] Arbeitskräfte einsatzbereit / »Dieser Gegner, Russland, ist bereits gebrochen. … «. [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.23/1942. – Nach Hitlers Sturz / Was ergibt sich daraus für den Deutschen? [London, Political Warfare Executive 1942]. Code G.39/1942. – Totaler Krieg gegen Schwächere tat Euch nicht weh / Wir schlagen zurück. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Mit Titelblattillustration und Trauerrand. 13,8 cm : 10,6 cm. Code EH.480.

Von unbedeutenden Alterungsspuren abgesehen, sehr gut erhalten.

350  Alliierte Propaganda – 17 englische Flugblätter,

€ 400

meist für das von Deutschland besetzte Frankreich. London 1941–1942. Flugblätter und Broschüren, teils illustriert. Meist ca. 21 : 13 cm.

Wie viele sind hier aufmarschiert? [London, Political Warfare Executive 1942]. Achtseitiges Original-Leporello der englischen Propaganda mit einer fotografischen Abbildung über mehrere Seiten. 61,0 : 13,5 cm. Code G.17. Kirchner IV, G 17/2. Das Flugblatt, das im Frühjahr 1942 abgeworfen wurde, vergleicht die 330.000 deutschen Männer, die 1933 zur Standartenweihe im Nürnberger Luitpoldhain aufmarschiert waren, mit der Zahl von mindestens viermal so vielen deutschen Kriegsgefallenen. – Auch für die französische Bevölkerung in den besetzten Gebieten Frankreichs wurde aufklärende Propaganda gedruckt und von Flugzeugen abgeworfen: Fünf Ausgaben Le Courrier de l’Air illustré. No. 10, 1941, 28, 1941; 3, 1942; 4, 1942; oNr. 1942; [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Code EH(F) 50/10, 50/28. Code F.3/1942, Code F.7/1942, Code F.33. Im verkleinerten Zeitungsformat mit Nachrichten und Artikeln zum Kriegsverlauf in französischer Sprache. – Neun weitere englische Flugblätter in französischer Sprache, darunter auch einige mit Ansprachen des amerikanischen Präsidenten Roosevelt an die Menschen in Frankreich. – Eine Beigabe.