ChristianHesse

Lot 350 – 400 | Hesse-Auktionen
Lot 350 – 400

350  Biblia, Das ist Die gantze Heilige Schrifft

€ 900

Alten und Neuen Testaments, Verteutscht durch D. Martin Luther […] mit Matthäi Merians sel. schönen lebhafften Original-Kupffer-Stücken gezieret; und durch Zugabe des III. und IV. Buchs Esrä und III. der Maccabäer vermehret. Frankfurt am Main, Johann Philipp Andreä für Matthäus Merians Erben 1704. Mit drei blattgroßen Kupfertiteln und 232 Textkupfern von Matthäus Merian. Lederband der Zeit.

»Matthäus Merians d. Ä. Bilderwerk zur Bibel ist die Arbeit einer eigenständigen Künstlerindividualität. Sie leitet sehr früh das Zeitalter des Kupferstichs in der Bibelillustration … und eine Entwicklung der Bibelillustration ein, die immer weiter weg vom reformatorischen Zweck der Bibelbilder zum rein Darstellerisch-Künstlerischen führte. […] Die Leistung Matthäus Merians als Vermittler der Kenntnis und Anschauung der biblischen Geschichten ist sehr groß und wurde durch keinen der späteren Illustratoren übertroffen, kaum erreicht.« (Ph. Schmidt).

37,5 : 23,8 cm. [46], 675, [1]; 264, 182; 328 Seiten. – Kanten berieben. – Innengelenke brüchig. Meist etwas stockfleckig. 4 Blätter mit Einrissen.

Schmidt, Illustration der Lutherbibel, Seiten 304ff

351  Aesop. Fabulæ.

€ 300

Græce et latine, nunc denuo selectæ: Eæ item, quas Avienus Carmine expressit. Accedit Ranarum et Murium pugna, Homero olim asscripta: Cum elegantissimis in utroque libello Figuris […] Amsterdam, Janson & Waesberg 1726. Mit 47 Textholzschnitten. Marmorierter Lederband der Zeit.

Später Druck der griechisch-lateinischen Parallelausgabe der Fabeln von Aesop, Avian, Philostratos und des Froschmäuselerkrieges. – Die schönen Holzschnitte gehen auf die Vorlagen von Ch. von Sichem in den Ausgaben des 17. Jahrhunderts zurück.– Erstmals 1632 erschienen und seitdem als offizielle Schulbuchausgabe in Holland lizensiert.

16,0 : 10,0 cm. 134, [2] Seiten. – Kanten etwas berieben, neues Vorblatt mit Besitzvermerken.

Vgl. Bodemann 65.1

352  A. Ph. Theophrastus Bombast von Hohenheim Paracelsus. Opera.

€ 2500

Bücher und Schrifften […] vor wenig Jahren […] durch Johannem Huserum Brisgoium in zehen unterschiedliche Theil in Truck gegeben. Jetzt […] mit etlichen bißhero unbekandten Tractaten gemehrt […]. Strassburg, Lazarus Zetzner 1603. Mit breiter Holzschnitt-Titelbordüre und zahlreichen figürlichen und schematischen Textholzschnitten. Schweinsleder-Holzdeckelband der Zeit mit reicher Blindprägung mit Platten- und Rollenstempeln. In späterer Halblederkassette.

Erste Strassburger und zugleich erste Folio-Ausgabe, die auf der von Huser herausgegebenen ersten deutschen Gesamtausgabe (Basel 1589ff. in zehn Quartbänden) basiert. – Theophrast Bombast von Hohenheim (1493/94–1541), der sich seit 1529 Paracelsus nannte, lebte und wirkte in Österreich und der Schweiz. Er gilt wegen seiner vielen Schriften zur Wundarznei, Chemie, Alchemie und anderen Gebieten als wichtiger Erneuerer der Naturwissenschaften. Als einer der ersten untersuchte er die Wirkungen von Quecksilber genauer, sowohl die schädlichen als auch die einer erfolgreichen und nebenwirkungsarmen Syphyllis-Behandlung. – Die Vielfalt der Themen ist beeindruckend: Anatomie, Pathologie, Ernährung, Heilmethoden, Wetter, chemische Elemente aber auch Kobolde, Sodomie u. ä. düstere Dinge. – Am Ende Paracelsus’ Deutungen der Nürnberger Papstweissagung »Liber de summis pontificibus« und die 32 Holzschnitte zu seinen magischen Figuren.

34,5 : 21,0 cm. [12], 1127, [53]; [8], 691, [13] Seiten. – Einband fleckig, beschabt und an den Gelenken aufgeplatzt. Schließen fehlen. – Titelblatt hinterlegt, drei der ersten zehn Blätter angerändert. Die ersten Lagen etwas gelockert. Ränder stellenweise stockfleckig, einige Lagen stark gebräunt. Kleiner Namensstempel auf dem Titeblatt.

VD 17 12:168467C und 12:168390P. – Sudhoff 256–257. – Wellcome I, 4807

353  Hieronymus Welsch. Warhafftige Reiß-Beschreibung, Auß eigener Erfahrung, Von Teutschland, Croatien, Italien,

€ 700

denen Insuln Sicilia, Maltha, Sardinia, Corsica, Majorca, Minorca […] deßgleichen von Barbaria, Egypten, Arabien und dem gelobten Lande; wie auch Hispanien, Franckreich, Niderland […] und andern Orten. […] Auff der Eilffjährigen Reise […] von ihme selbst beschrieben und verfertiget. Stuttgart, Wolfgang und Joh. Andreas Endter 1658. Mit gestochenem Frontispiz mit Porträt, Kupfertitel und drei gefalteten Stammtafeln. Moderner Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe des aufregenden Reiseberichts. – Auf seiner ausgedehnten Reise durch Südwest-Europa und den Mittelmeerraum »zeigt sich W. als scharfsinniger und zuverlässiger Beobachter […] Von dauerndem Werthe ist seine Beschreibung des großen Vesuvausbruchs vom December 1631 […] Nicht minder interessant sind seine Bemerkungen über den Ätna« (ADB 41, 682). – Hieronymus Welsch (1612–1665) nahm während seiner langen Reise (1630–1641) einige Jahre als Quartiermeister an den Feldzügen der Franzosen in der Freigrafschaft und in den spanischen Niederlanden teil. Ob er wirklich selbst durch Nordafrika reiste, bleibt fraglich, da er die entsprechenden Berichte aus anderen Reisewerken entlehnte.

21,5 : 18,0 cm. [24], 427, [1] Seiten, 2 Kupfer, 3 Faltblätter. – Kupfer sehr knapp beschnitten und mit Filmoplastüberklebung von Falzeinriss. Unbeschnittenes Exemplar.

Graesse VI/2, 435. – Tresoldi 31. – Röhricht 1104

354  Gabriel Tzschimmer. Die Durchlauchtigste Zusammenkunft, oder: Historische Erzehlung, was der Durchlauchtigste Fürst und Herr, Johann George der Ander

€ 5000

[…] bey Anwesenheit Seiner […] Herren Gebrüdere, dero Gemahlinnen, Prinzen und Princessinnen […] im Monat Februario des 1678sten Jahres an allerhand Aufzügen, Ritterlichen Exercitien, Schau-Spielen, Schiessen, Jagten, Opern […] auufführen und vorstellen lassen. – Kurtze Erläuterungen über die in dem vorhergehenden Wercke gehaltene Aufzüge […] Nürnberg, Johann Hoffmann 1680. Mit allen im Kupferverzeichnis gezählten 52, teils mehrteiligen, teils gefalteten bzw. doppelblattgroßen Kupferstichen, davon ein Titelkupfer und vier Porträts. Pergamentband der Zeit.

Erste Ausgabe der ausführlichen und reich bebilderten Schilderung der Festlichkeiten am Sächsischen Hof. Das einen Monat andauernde Familientreffen des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. und seiner Verwandten war ein Höhepunkt der barocken Festkultur. Ablauf und Ausstattung, Festumzüge und Dekorationen, Reiter- und Jagdspiele sowie das Feuerwerk wurden auf Befehl des Kurfürsten vom Dresdner Bürgermeister Gabriel Tzschimmer beschrieben und mit zahlreichen großformatigen Kupferstichen veranschaulicht. Die Kupferstiche beeindrucken mit panoramaartigen Ansichten des Dresdner Schlosses, der Elbbrücken sowie detaillierten Darstellungen von Kostümen und Wagen. – Einige Programmhöhepunkte: »Ballet von Zusammenkunft und Wirkung der VII Planeten« (Kupferstiche von Johann Oswald Harms), »Der Durchlauchtigen Churfürstin Mohrenballet«, Oper »Apollo und Daphne« mit Jagdspielen, Komödie »Amadis« mit Ritterballett, Tragödie »Vom wilden Manne in Kreta«, anschließend Wilde-Männer- und Zwergenballett u. v. m.

34,8 : 22,5 cm. [30], 316; 552 (paginiert 562, 457–466 übersprungen), [20] Seiten, 55 meist gefaltete Kupfertafeln. – Einband etwas berieben und fleckig. – Ränder meist mit Stockflecken, Satzspiegel und Kupfer teils etwas gebräunt. Die Faltkupfer zum Teil hinterlegt, einige auch mit kurzen Einrissen, aber ohne Verluste. – Als Beigabe ein zweites Exemplar (Text vollständig, mit dem Kupferverzeichnis, von den Kupfern nur Frontispiz, vier Porträts und die 17 des zweiten Teils, diese besser erhalten als bei dem oben beschriebenen Exemplar).

Lipperheide II, Sbe 9. – Graesse VI/2, 221

355  [Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger]. Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger.

€ 400

Zürich, auf Kosten der Gesellschaft 1757. Mit gestochenem Titelblatt von R. Füßli. – Angebunden: [Salomon Gessner]. Idyllen von dem Verfasser des Daphnis. Zürich, Gessner 1756. Mit radiertem Titelblatt und zehn radierten Vignetten des Verfassers. – Halblederband der Zeit mit zwei Rückenschildern und dezenter Rückenvergoldung.

I: Erste kritische Ausgabe der um 1350 entstandenen Fabel-Sammlung ›Der Edelstein‹ des Berner Dominikaners Ulrich Boner, nun mit umfangreichem Glossar. Die Handschrift, die sich in Breitingers Besitz befand, gilt heute als verschollen. – II: Erste Ausgabe. – »Diese 23 Idyllen gründeten Gessners Weltruhm und gehören zum Wertvollsten seines dichterischen Schaffens.« (Lehmann-van Elck).

15,8 : 10,2 cm. [16], 350 Seiten; 134 Seiten (beide inklusive des gestochenen Titels). – Rücken minimal brüchig. – Vereinzelt leicht stockfleckig, die ersten Blätter oben mit schwachem Wasserrand.

I: Goedeke I, 269 und IV/1, 17, 113. – II: Goedeke IV/1, 82, 4. – Leemann-van Elck 507. – Rümann 326

356  Bodoni – Torquato Tasso. Aminta.

€ 600

Favola boschereccia, ora per la prima volta alla sua vera lezione ridotta. Crisopoli [Parma], Impresso co’ caratteri Bodoniani 1789. Mit gestochener Porträtvignette auf dem Titel und Wappenvignette. Dunkelblauer Chagrinlederband der Zeit mit reicher Vergoldung, Buchschnitt, Steh- und Innenkantenfileten ebenfalls vergoldet.

Prachtausgabe auf Bütten, laut Brooks wurden 50 Exemplare auf Vélin »Carta d’Anonnay« und 50 auf »Carta doppia ducale« sowie ein Exemplar auf Pergament gedruckt. – Gewidmet der Marchesa Donna Anna Malaspina della Bastia mit einem Gedicht von Vincenzo Monti, dem ihr Wappen, gestochen von J. Luccatelli, vorangestellt wurde. – Mit der großen Antiqua-Type und der leicht geschwungenen Kursive, dem feingerippten weißen Papier und dem breitrandigen Satz und Druck gilt Tassos »Aminta« als einer der schönsten und seltensten Bodonidrucke.

30,8 : 22,4 cm. [12], 14, [2], 142 Seiten. – Am Rücken leicht berieben, Ecken etwas bestoßen. – Ohne das Avis-Blatt am Schluss, das nicht allen Exemplaren beigegeben wurde, und ohne die beiden weißen Blätter am Anfang und Schluss.

Brooks 379. – Katalog Weiß 111/112. – Renouard III, 113. – Brunet V, 673

357  Clemens Brentano. Gesammelte Schriften.

€ 300

Herausgegeben von Christian Brentano. Erster [bis] Siebenter Band. Frankfurt am Main, J. D. Sauerländer 1852. Mit einem gestochenen Porträt und einer Kupferstichtafel. Geprägte Pappbände mit vergoldeten Rückentiteln.

Erste Ausgabe, ohne die 1855 erschienenen beiden Bände »Gesammelte Briefe«. – Band 5 enthält die Umrissradierung mit der berühmten Darstellung des »Philisters«.

19,4 : 13,7 cm. – Ränder berieben. – Durchgehend etwas stockfleckig. – Mit dem Anzeigenblatt in Band 3, in Band 5 das Inhaltsblatt am Schluss, in Band 7 das Blatt »Personen« nach »Vorerinnerung« eingebunden.

Goedeke VI, 62, 50. – Mallon 184–190

358  [Johann Wolfgang von] Goethe. Schriften.

€ 1200

Erster [bis] Dritter Theil [und] Vierter Band. Berlin, Christian Friedrich Himburg 1775–1779. Mit vier gestochenen Titelvignetten von J. W. Meil und zehn Kupfertafeln von Berger, sieben nach Chodowiecki und drei nach Krüger. Kalblederbände im Stil der Zeit mit je zwei Rückenschildern und Rückenvergoldung, Deckel mit vergoldeten Bordüren und Eckfleurons.

Die erste in Deutschland gedruckte Sammlung von Goethes Schriften erfolgte wie ihr Pendant aus Biel unrechtmäßig, da ohne Goethes Zustimmung. Im Vergleich zu dieser Schweizer Ausgabe ist die Himburgsche jedoch sehr sorgfältig ediert und zudem illustriert. – Außer den Titelvignetten von Meil in allen Teilen finden sich in Band 1 (Werther) hier fünf Kupfer, drei wie üblich (eins nach Chodowiecki) und zwei zusätzliche Chodowiecki-Porträts: Lotte (Basrelief: Lotte Brot schneidend) und Werther (Basrelief: Werther Lotte küssend), in Band 2 drei Kupfer (zwei nach Chodowiecki) zu den drei Stücken (Götz, Clavigo, Erwin und Elmire) und in Band 3 zwei Kupfer nach Chodowiecki (Stella, Claudine). – Der vierte Band erschien als unillustriertes Supplement erst mit der dritten Auflage 1779. – Insgesamt eine Zierde für jede Goethe-Sammlung.

15,9 : 9,3 cm. – Das eine bei Band 3 fehlende Rückenschild geschickt ersetzt. – Besonders in Band 3 einige Feuchtigkeitsflecken. – Exlibris Alexander Schippan.

Goedeke IV/3, 1, h1. – Hagen 2 und 4. – Slg. Kippenberg I, 325

359  Johann Wolfgang von Goethe. Werke.

€ 900

Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster [bis] Fünfundfünfzigster Band. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta 1827–1833. Kupferbraun-Schwarz-marmorierte Pappbände der Zeit mit je zwei olivfarbenen Rückenschildern mit Goldaufdruck.

Die Werkausgabe vereinte alle Schriften, die Goethe noch zu Lebzeiten zur Veröffentlichung auswählte (Bände 1–40, 1827–30), sowie in den Bänden 41–60 (1833–1842) die »Nachgelassenen Werke« (hier ohne die Nachlassbände 56–60, die erst 1842 von Eckermann herausgegeben wurden). Besonders bedeutsam ist die endgültige Fassung von »Faust« in Band 12 und der Erstdruck von »Faust II« in Band 41. – Die »Großoktavausgabe« wurde gedruckt, nachdem Goethe in den bereits erschienenen Bänden der »Taschenausgabe« Korrekturen vorgenommen hatte. So gilt sie als die textlich zuverlässigere Edition. Sie erschien in deutlich kleinerer Auflage als die »Kleinoktavausgabe« (3.200 statt 20.000 ! Exemplare) und wurde stets wegen ihrer besseren Lesbarkeit und des gefälligeren Erscheinungsbildes besonders geschätzt. Die Auslieferung begann erst 1828. – Mit einigen Textholzschnitten (in Band 55 zur Optik), gefalteten Tabellen und einer lithographierten Tafel (in Band 51 zur Geologie). – Insgesamt gut erhalten und recht dekorativ.

18,7 : 11,5 cm. – Rücken von Band 8 verblasst. Innendeckel mit Papierresten.

Goedeke IV/3, 14, C. – Hagen 24 C3. – Kippenberg 341. – Fischer, Cotta 1770, 1869, 1958 und 2084

360  J[ohann] W[olfgang von] Goethe. Stella.

€ 450

Ein Schauspiel für Liebende in fünf Akten. Berlin, August Mylius 1776. Zweifarbiger Lederband im Stil der Zeit mit vergoldeten Bordüren und Fleurons, zwei rot-goldenen Rückenschildchen sowie Blindprägung auf Deckeln und Innenkanten (signiert: Wilh. Gethers Eft. Kannikestr. 15).

Erste Ausgabe, sehr selten. – Die Dreiecksgeschichte zwischen Fernando, Stella und Cezilie gipfelte zur Empörung vieler Zeitgenossen (und bald auch der Berliner Zensur) in einem glücklichen Finale: »Fernando, beide umarmend. ›Mein, Mein!‹ Stella, seine Hand fassend an ihm hangend. ›Ich bin dein!‹ Cezilie, seine Hand fassend, an seinem Hals. ›Wir sind dein!‹« – Das überaus erfolgreiche Stück erlebte noch im Jahr der Erstausgabe sechs unrechtmäßige Nachdrucke. Nach zehn Aufführungen wurde es von preußischen Behörden verboten. Goethe schrieb das Stück 1806 zum »Trauerspiel« um: Fernando erschießt sich, Stella nimmt Gift. – Personenverzeichnis auf Seite 4, Paginierung Seite 80 korrekt (vgl. Hirzel). – Insgesamt sehr schönes Exemplar.

16,5 : 10,3 cm. – Kanten minimal berieben, 1 Gelenk leicht angeplatzt. – Exlibris und Monogrammstempel.

Goedeke IV/3, 131, 113. – Hagen 121. – Hirzel A76/77. – Slg. Kippenberg 353

361  [Friedrich Heinrich Jacobi]. Ueber die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn.

€ 300

Breslau, Gottl. Löwe 1785. Dunkelgrüner Lederband um 1900, Rückentitel vergoldet, Innenkantenbordüren blindgeprägt.

Erste Ausgabe. – Enthält die Erstdrucke von Goethes Gedichten »Das Göttliche« (»Edel sey der Mensch Hülfreich und gut«) auf den Seiten vor der Vorrede und »Prometheus« (»Bedecke deinen Himmel Zeus«) als eingeheftetes Doppelblatt. Da der Verleger mit Zugriffen der Zensur rechnete, konnte man das Prometheus-Doppelblatt spurlos entfernen. Das für diesen Fall vorgesehene und hier eingeheftete Austauschblatt der Seiten 11/12 enthält die Fußnote: »Dieses in sehr harten Ausdrücken gegen alle Vorsehung gerichtete Gedicht, kann aus guten Ursachen hier nicht mitgetheilet werden«. – »Ob Du aber wohl gethan hast, mein Gedicht [›Das Göttliche‹] mit meinem Namen vorauf zu setzen, damit man ja bei dem noch ärgerlichern ›Prometheus‹ mit Fingern auf mich deute, das mache mit dem Geiste aus, der Dich es geheißen hat. Herder findet lustig, daß ich bei dieser Gelegenheit mit Lessing auf einen Scheiterhaufen zu sitzen komme« (Goethe in einem Brief an Jacobi, zitiert nach Gräf III/1, S. 93f.).

17,2 : 11,3 cm. [8], 48, [8], 49-215, [1] Seiten. – Anfangs Ränder leicht gebräunt. Im letzten Drittel einige alte Anstreichungen mit Rotstift. – Beilage: Reizender kleiner Scherenschnitt aus Goldbrokatpapier (Reiter in windgepeitschter Landschaft).

Goedeke IV/1, 693, 12. – Schulte-Strathaus 160, 5a. – Hagen 577. – Slg. Kippenberg 590

362  Johann Wolfgang von Goethe – Zwei Wertheriaden.

€ 250

Frankfurt und Leipzig 1775 und 1779 [Leipzig um 1850]. Originalbroschuren, ohne Umschlag, mit Buntpapierrückenfalz.

I. Eine entsäzliche Mordgeschichte von dem jungen Werther, wie sich derselbe […] um’s Leben gebracht hat, allen jungen Leuten zur Warnung. Frankfurt und Leizig 1775. 8 Seiten. Nachdruck von Heinrich Gottfried von Bretschneiders berühmtem Werther-Bänkelsang von 1776, zur Verwirrung der Bibliographen früher als der Erstdruck datiert. – II. Leben und geringe Thaten von Werther dem Sekretär, Einem gutmüthig-grausigen Liebhaber. Geschrieben und leider auch gedruckt in Lipzig da man zählte 1779. 18 Seiten. Nach Ebeling stammt diese Travestie von einem Leipziger Buchhändler und datiert zwischen 1830 und 1855.

Ca. 14 : 11 cm. 8 bzw. 18 Seiten. – Leicht stockfleckig, unbeschnitten.

Goedeke IV/3, 186, 3 Anmerkung und 188, 52. – Appell 335 und 345. – Vgl. Slg. Kippenberg 3222–3225 und 3231. – VD18 10232125 und 10230068 (ohne Angabe der korrekten Erscheinungsjahre)

363  Jean Paul. Sämmtliche Werke.

€ 300

1. [bis] 60. Band [in 20 Bänden]. Berlin, G. Reimer 1826–1828. Mit zwölf Textholzschnitten [in Band 40]. Prächtige Halblederbände um 1880 mit ornamentaler Rückenvergoldung und je zwei braun-goldenen Rückenschildern.

Erste Gesamtausgabe. – Die Werkausgabe erschien als Ausgabe letzter Hand zunächst zügig bis 1828, die abschließenden fünf (hier fehlenden) Bände mit dem literarischen Nachlass des 1825 verstorbenen Dichters wurden erst ab 1836 von seinem Neffen R. O. Spazier und von E. Förster herausgegeben. – Trotz angemessener Patina gut erhalten und dekorativ.

18,5 : 11,4 cm. – Stellenweise, auch die Rücken, leicht stockfleckig. Kleiner Namensstempel auf Innendeckel von Band 1.

Goedeke V, 466, 38. – Behrend/Krogoll 169 a

364  Immanuel Kant. Werke.

€ 300

Herausgegeben von Ernst Cassirer und anderen. Band I [bis] XI. Berlin, Bruno Cassirer 1912–1922. Hellbraune Saffianlederbände mit Rückenschild und Blindprägung.

Mischauflage. – Enthält Werke und Briefe sowie die grundlegende Kant-Biographie von Ernst Cassirer.

24,0 : 16,5 cm. – Einbände teils fleckig und etwas beschabt.

365  Gotthold Ephraim Lessing. Nathan der Weise.

€ 100

Ein Dramatisches Gedicht, in fünf Aufzügen. Ohne Ort, 1779.

Erster Druck der ersten Ausgabe. – Entgegen den drei Nachdrucken, die ebenfalls im Jahr 1779 erschienen, ist die sogenannte »Subskriptionsausgabe« sehr selten. – Lessings Plädoyer für offene Humanität im Zeichen der Aufklärung gilt als Beispiel für eine Haltung gelebter Toleranz, die angesichts heutiger gesellschaftlicher Probleme von beklemmender Aktualität geblieben ist. – Mit dem verschlimmbesserten Druckfehler »reicher« statt »reichre« auf Seit 95. – Wegen des konservatorischen Handlungsbedarfs äußerst moderat bewertetes Exemplar.

15,6 : 9,7 cm. [4], 276 Seiten. – Ohne Einband, durchgehend fleckig, die ersten Blätter stärker und zudem brüchig. Titelblatt mit hinterlegten Einrissen. – Kein Rückgaberecht.

Goedeke IV/1, 451, 171. – Muncker S. 458. – Seifert 1009

366  Weimarisches dramatisches Taschenbuch

€ 180

für größere und kleinere Bühnen unter der Theilnahme von Castelli, H. Clauren, Contessa, Gehe, Geyer, Holbein, Kind, Lebrun, v. d. Velde, Weissenthurn, Ziegler u. a. Herausgegeben von Theodor Hell (d. i. Karl Gottlieb Theodor Winkler). Erster Jahrgang [alles Erschienene]. Weimar, Gebrüder Hoffmann [1822]. Mit gestochenem Porträt und drei kolorierten Kupfertafeln von C. Ermer nach Lorzing, König und Schwerdgeburth. Originalpappband mit lithographierten Bordüren.

Der einzig erschienene Jahrgang enthält entgegen der Ankündigung auf dem Titel nur Stücke von Geyer (Der Bethlehemitische Kindermord), Clauren (Das Gasthaus zur goldenen Sonne), Ernst von Houwald (Die alten Spielkameraden) und Johanna Franul von Weissenthurn (Ein Mann hilft dem andern). – Eins der reizvollen farbigen Kostümkupfer zeigt den Vater des Komponisten Albert Lortzing. – Am Ende ein Errata-Blatt und sechs Seiten Verlagsanzeigen der noch heute existierenden Weimarer Buchhandlung.

14,3 : 8,0 cm. [12], 120, 128, 87, [1], 64, [8] Seiten. – Die kolorierten Kupfer leicht und gleichmäßig gebräunt. – Stellenweise stockfleckige Ränder.

Lanckoronska/Rümann 126. – Goedeke VIII, 131, 25. – MNE II, 283

367  [Christoph Martin] Wieland. Poetische Schriften.

€ 500

1er [bis] IIItr Band. Zürich, Orell, Gessner und Comp[agnie] 1762. Mit drei gestochenen Titelblättern mit Vignetten von Joh. Meil nach Salomon Gessner. Halblederbände der Zeit mit etwas Rückenvergoldung.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Vorwiegend chronologisch geordnet. In den Vorreden geht Wieland u. a. auf Lessings Kritik an seiner »Sammlung einiger prosaischer Schriften« ein. – Prächtige Großoktavausgabe, Exemplar auf festem feingeripptem Papier.

20,0 : 12,5 cm. 24, 327, [1]; 304; 285, [3] Seiten. – Die beiden Rückenschilder nachgefärbt. – Titel minimal stockfleckig, Band 1 am Anfang mit zwei winzigen Wurmlöchern, sonst sehr schön erhalten.

Goedeke IV/1, 550, 49. – Günther/Zeilinger 25. – Deusch 7. – Rümann 1261. – Leemann/van Elck 287–289

368  [Christoph Martin Wieland]. Der goldne Spiegel,

€ 400

oder die Könige von Scheschian, eine wahre Geschichte. Aus dem Scheschianischen übersetzt. Erster [bis] Vierter Theil [in zwei Bänden]. Leipzig, M. G. Weidmanns Erben und Reich 1772. Mit vier gestochenen Frontispizen und Titelvignetten von Geyser nach Mechau. Spätere Halblederbände mit Rückenvergoldung.

Wielands Werk in der Tradition des philosophisch-didaktischen Staatsromans brachte die für das 17. und 18. Jahrhundert bezeichnende Mischform des Fürstenspiegels hervor. »›Der Goldne Spiegel‹ bietet, als Staatsroman im exotisch-morgenländischen Kostüm, die Geschichte des indischen Königshauses Scheschian, die in einer kunstvollen, der Erzählsituation der Märchen aus Tausendundeine Nacht nachgebildeten Rahmenhandlung dem Sultan Schach-Gebal von seiner Mätresse Nurmahal und seinem Hofphilosophen Danischmend vorgetragen wird« (KNLL V, 4036). – Das Buch erweckte die Aufmerksamkeit der Weimarer Herzogin Anna Amalia, die darauf hin Wieland als Erzieher ihres Sohnes Karl August einstellte und damit den Beginn von Weimars kultureller Blüte einleitete.

16,3 : 10,3 cm. [2], XXIV, 226, [2], 238; [2], XXVI, 228, [2], 232, [6] Seiten.

Holzmann/Bohatta IV, 3260. – Goedeke IV/1, 555, 66. – Günther/Zeilinger 604. – Deusch 24. – Rümann 1253

369  Monats-Schrift der Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften zu Berlin.

€ 600

Erster [und] Zweyter Band [in einem Band]. Berlin 1788. Mit 35 Kupfertafeln, davon eine mit Porträt, und gestochenen Vignetten, zwei auf dem Titel, fünf (und eine geschnittene) im Text, meist von Bernhard Rode.

Erstdruck der ersten beiden Jahrgänge. – Die vom Geist der Aufklärung geprägte Zeitschrift wurde nach weiteren drei Heften im dritten Jahr eingestellt. – Herausgeber waren Karl Philipp Moritz und der später wegen seiner aufrührerischen Schriften aus Preußen ausgewiesene Andreas Riem. Die interessanten Beiträge stammen u. a. von Ramler, Chodowiecki, Engel, Pfeffel, Unger (»Etwas über Buchhandel, Buchdruckerey und den Druck außerhalb Landes«, eine Werbeschrift für die von ihm angestrebte Ablösung der deutschen Fraktur durch die international übliche Antiqua-Typen), Gleim, J. W. Meil und Boutterwek. Sie befassen sich neben reiner Dichtung mit Literatur, Buchdruck, Farben, Glasätzung, Architektur, Zeichenkunst und vielem mehr. – Gutes Exemplar der seltenen Zeitschrift. – Der porträtierte preußische Staatswirt Friedrich Anton von Heinitz (1725–1802) gilt als Reformer der Berliner Akademie.

25,8 : 21,0 cm. [4], 290; [10], 282 Seiten, 35 Kupfertafeln. – Einband berieben und leicht bestoßen. – Ränder teils etwas stockfleckig.

Goedeke IV/1, 618, 95. – Diesch 1166a

370  Musterbuch mit Modeldrucken.

€ 300

Um 1800. Mit 92 blatt- oder halbblattgroßen Modeldrucken, meist in Blau. Marmorierter Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild »Glasmalerei«.

Das vielfältige Musterbuch enthält im ersten Teil 58 Flächenornamente, im zweiten 34 Bordüren. – Auf festem, feingeripptem Papier. – Sehr gut erhalten.

17,1 : 11,0 cm. 58, [2 leere], [11], [5 leere] Seiten.

371  E[duard] Petzold. Zur Farbenlehre der Landschaft.

€ 1000

Beiträge zur Landschafts-Gärtnerei. Jena, Friedrich Fromann 1853. Mit sieben kolorierten Farbspektren auf vier gestochenen Tafeln und drei Textabbildungen. Dunkelgrüner Halbleinenband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel.

Seltene erste Ausgabe. – Karl Eduard Adolph Petzold (1815–1891) war zunächst Lehrling in der Gärtnerei des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau, bevor er ausgedehnt Bildungsreisen durch Europa unternahm. Er beließ es nicht bei der Besichtigung zahlreicher Parks und Gärten, »insgesamt hat Petzold rund 170 öffentliche und private Gärten und Parks in Deutschland, Schlesien, den Niederlanden, Böhmen, Österreich und Polen entworfen, umgestaltet, regeneriert und betreut. 1878 trat er in den Ruhestand, leitete aber noch bis 1881 den Muskauer Park und war bis zuletzt schriftstellerisch tätig. Noch im hohen Alter reiste er nach Bulgarien und Konstantinopel. – »Petzold gehört neben Gustav Meyer (1816–77) zu den bedeutendsten, weit über die Grenzen Deutschlands bekannten und tätigen Gartenkünstlern des späteren 19. Jahrhunderts. […] Auf der Grundlage seiner enormen Pflanzenkenntnis setzte er die Palette der Vegetation weitaus reichhaltiger und nuancierter ein als z. B. Fürst Pückler. […] Petzold erschloß die Grundlagen der Farben- und Perspektivlehre für die Landschaftschaftsgärtnerei […]« (NDB XX, 276f.).

22,7 : 18,0 cm. IX, [1], 68 Seiten, 4 Kupfertafeln. – Textblätter stockfleckig, die auf Velin gedruckten Farbtafeln nur leicht. – Vorsatzblatt mit Schenkungsvermerk.

Dochnahl 119

372  Hans Christian Andersen. Sammelband mit vier Erstausgaben.

€ 600

Kopenhagen, Universitätsbuchhandlung C. A. Reitzel 1845–1851.

I. Lykkens Blomst. Eventyr-Comedie. Musiken af Syngemester Rung. 1845. 79, [1] Seiten. – II. Kunstens Dannevirke. Forspil verd det kongelige danske Theaters hundredeaars Fest 1848. 22 Seiten. – III. Den nye Barselstue. Originalt Lystspil. 1850. 46 Seiten. – IV. Hyldemoer. Phantasiespil i een Act. 1851. [4], 60 Seiten. – Alle Titelblätter mit kleinem Stempel des Verlegers. – Alle gedruckt bei Bianco Luno.

16,4 : 11,2 cm. – Gelenke leicht berieben, obere Ecken etwas bestoßen. – Durchgehend mehr oder weniger stockfleckig. Vorsatzblatt mit Besitzvermerk und Exlibris.

Andersen Online Bibliographie des H. C. Andersen Centret 621, 624, 629 und 630

373  Wilhelm Hauff. Märchen.

€ 180

Sechste Auflage. Mit sechs Radirungen von J. B. Sonderland. Stuttgart, Brodhag 1842. Mit radiertem Frontispiz, radierter Titelvignette und vier Radierungen auf Tafeln. Halblederband der Zeit mit Romantikervergoldung.

Erste Ausgabe mit den kongenialen figurenreichen Illustrationen des Düsseldorfer Künstlers Johann Baptist Sonderland (1805–1878).

17,5 : 13,3 cm. VIII, 432 Seiten, 6 Radierungen. – Durchgehend etwas stockfleckig.

Goedeke IX, 214, 24a. – Rümann (Kinderbücher) 159. – Rümann (Illustrierte Bücher) 2439. – Wegehaupt I, 882

374  Theodor Fontane. Christian Friedrich Scherenberg

€ 250

und das literarische Berlin von 1840 bis 1860. Berlin, Wilhelm Hertz 1885. Grüner Originalleinenband mit Gold- und Schwarzprägung.

Erste Ausgabe. – Noch heute bildet Fontanes Porträt ein wichtiges und lebensvolles Bild der gesellschaftlichen und literarischen Zustände in Berlin vor der Reichsgründung. – Dazu: Theodor Fontane. Kriegsgefangen. Erlebtes 1870. Berlin, Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei 1871. Halblederband der Zeit. Erste Ausgabe.

19,8 : 13,5 cm. [4], 260 Seiten. – Das letzte Drittel unten leicht gestaucht, sonst sehr schön. – 18,5 : 12,0 cm. VIII, 336 Seiten. Einbandecken etwas berieben. Exlibris, Titelblatt mit Stempel.

Rasch I, 402 und I, 373

375  Honoré Daumier – Album du siége

€ 450

par Cham [Amédée de Noé] et [Honoré] Daumier. Recueil de caricatures. Paris, Bureaux du Charivari 1870–71. 40 Lithographien, einschließlich Titelblatt. Roter Halblederband um 1900 mit Rückenvergoldung.

Enthält 30 karikierende Lithographien von Cham und zehn von Daumier zu den Zuständen an und hinter der Front während des deutsch-französischen Krieges 1870-71. – Beide Künstler gehörten zu den wichtigsten Beiträgern der Satirezeitschrift »Le Charivari« (Das Spektakel), die von 1832 bis 1937 erschien. – Alle Blätter sehr gut erhalten.

33,3 : 25,3 cm. 40 Lithographien. – Ecken und Kapitale etwas berieben.

Sander 207

376  Gustav Doré – Jean de Lafontaine. Fabeln.

€ 200

Übersetzt von Ernst Dohm. Illustrirt von Gustav Doré. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, W. Moeser [1876–77]. Mit Holzstichen nach Gustav Doré, davon 85 (statt 86) auf Tafeln mit Tonplatte, 243 im Text und 217 Vignetten. Dunkelrote Halblederbände der Zeit mit reicher Vergoldung.

Erste deutsche Ausgabe mit Dorés kongenialen Illustrationen. Diese waren mit dem französischen Originaltext erstmals zehn Jahre zuvor in Paris erschienen. – »Die Bedeutung Dorés liegt aber vor allem in der Buchillustration, der er neue Wege wies. Er lieferte für Nachbildungen in Holzschnitt eine geradezu ungeheuerliche Menge von Zeichnungen […] bei denen die Anzahl der Zeichnungen mit der Mannigfaltigkeit der Phantasie wetteifert« (Sander, Frankreich 19. Jh., S. 29). – Insgesamt recht schönes Exemplar der opulenten und gewichtigen Ausgabe, gedruckt auf blütenweißem Velin.

38,8 : 28,3 cm. [6], XXVIII, 310, [2] Seiten, 42 Tafeln; [4], 382, [2] Seiten, 43 Tafeln. – Einbände etwas berieben, an den Stehkanten unten leicht angeplatzt. – Leicht stockfleckig, vereinzelt etwas stärker.

Fromm IV, 13799

377  New York.

€ 450

Chromolithographie nach John Bachmann. 1870. 33,3 : 66,7 cm.

Eine der bekanntesten Vogelschauansichten von New York aus dem späten 19. Jahrhundert. – Verlegt von L. W. Schmidt 1870. – Der Blick reicht vom Hudson River und dem Ufer von New Jersey über Manhattan, Battery Park, East River mit Brooklyn Bridge, den Stadtteil Brooklyn bis zum Hafen von New York und Governors Island. – John Bachmann (1814–1896) schuf eine größere Anzahl von Ansichten der Stadt, die mit ihrem Detailreichtum bis heute beeindrucken und für zahlreiche Nachdrucke sorgten.

Oben und unten bis an die Darstellung beschnitten, eine handschriftliche Legende im Unterrand. – Ränder etwas gebräunt und mit kleinen Einrissen, rückseitig stockfleckig.

378  Ludwig Feuerbach. Das Wesen des Christenthums.

€ 300

Leipzig, Otto Wigand 1841. Halbleinenband der Zeit mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – »Feuerbach wollte sein Werk, um es schon vom Titel her mit Kants epochemachender Umwertung der Metaphysik in ein Verhältnis setzen zu können, zunächst ›Kritik der reinen Unvernunft‹ nennen. Feuerbach bestreitet nicht die Attribute Gottes, wohl aber dessen Existenz und gibt die göttlichen Attribute wieder an den Menschen zurück. […] Feuerbach beeinflusste mit seinem Hauptwerk entscheidend die marxistische Ideengeschichte und den Übergang von Marx und Engels vom Idealismus zum Materialismus. Friedrich Engels schrieb in »Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie«: »Mit einem Schlag zerstäubte es den Widerspruch, indem es den Materialismus ohne Umschweife wieder auf den Thron erhob. Man muß die befreiende Wirkung dieses Buchs selbst erlebt haben, um sich eine Vorstellung davon zu machen. Die Begeisterung war allgemein: Wir waren alle momentan ›Feuerbachianer‹« (zitiert nach Marx/Engels, Werke, Bd. XXI, S. 272). – Angebunden: [Ludwig Feuerbach]. Zur Charakteristik des modernen Afterchristenthums. Herr Dr. Nepomuk von Ringseis oder Hippokrates in der Pfaffenkutte. Hallische Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst, No. 131–134, 2.–5. Juni 1841. – Feuerbachs Reaktion auf die Angriffe gegen sein »Wesen des Christentums«, pseudonym veröffentlicht in Arnold Ruges Tageszeitung. – Am Ende mit Namenszug L. Feuerbach.

21,4 : 13,8 cm. XII, 450 Seiten. – Seiten [531]–536, gefaltet. – Kanten berieben, Ecken etwas bestoßen. – Ränder etwas stockfleckig. – Besitzvermerk. – Wie meist ohne die beiden letzten Blätter (Druckfehler und Anzeigen).

Ziegenfuß I, 318 ff. – Katalog Hirschberg 123. – Slg. Borst 1978

379  Friedrich Nietzsche. Unzeitgemässe Betrachtungen.

€ 1500

Erstes [bis] Viertes Stück. 1873–1876. Halbleinenband um 1900 mit vergoldetem Rückentitel.

Sammelband mit allen vier »Betrachtungen«, alle in erster Ausgabe. – I: David Strauss, der Bekenner und der Schriftsteller. Leipzig, E. W. Fritzsch 1873. 101, [1] Seiten. Mit dem seltenen Beilageblatt »Berichtigungen«. – II: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben. Leipzig, E. W. Fritzsch 1874. VI, 7–111, [1] Seiten. – III: Schopenhauer als Erzieher. Chemnitz, Ernst Schmeitzner 1874. 113, [1] Seiten. – IV: Richard Wagner in Bayreuth. Chemnitz, Ernst Schmeitzner 1876. 98, [2] Seiten. – Von allen vier Teilen wurden je 1000 (Teil 4 1500) Exemplare gedruckt. Noch nach mehreren Jahren war davon jeweils mehr als die Hälfte unverkauft. Diese »Reste« wurden nach den beiden Verlagswechseln vom jeweils neuen Verleger zu Titelauflagen umgearbeitet, so dass die wirklichen Erstausgaben sehr viel seltener sind, als die ursprünglichen Auflagen vermuten lassen. – »Schopenhauer als Erzieher« war im Übrigen das erste Buch, das Friedrich Nietzsche bei Ernst Schmeitzner verlegte. Nachdem sich die finanziellen Probleme von Fritzsch dramatisch verschlechtert hatten, kam Nietzsche die Anfrage des Chemnitzer, der gerade eine Verlagsbuchhandlung gründen wollte, sehr gelegen, zumal sich Schmeitzner anfangs von der allerbesten Seite zeigte: Hohe Vorschüsse, mehr Freiexemplare als erwünscht und pünktliche Auslieferung des dritten Teils, passend am 30. Geburtstag des Verfassers. 1884 war aber auch diese Geschäftsbeziehung gescheitert, wegen veruntreuter Gelder trennte man sich mit einem Prozess. – Die irreführende Angabe »Zweite Auflage« bei Teil 4 wurde irrtümlich bei 800 zusätzlichen Exemplaren der Erstausgabe eingedruckt. – Teile 1 und 2 auf festem, glatten Papier, insgesamt schönes Exemplar.

22,7 : 14,9 cm. – Wie fast immer teils stockfleckig. Im Falz vor Teil 4 etwas gelockert.

Schaberg 23a, 25a, 26 und 27. – WNB 350, 352, 362 und 367

380  Friedrich Nietzsche – Den Manen Friedrich Nietzsches.

€ 250

Weimarer Weihgeschenke zum 75. Geburtstag der Frau Elisabeth Förster-Nietzsche. Herausgegeben von Max Oehler. München, Musarion [1921]. Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vorblatt mit eigenhändiger Widmung der Schwester des Philosophen, der umstrittenen Hüterin seines Nachlasses: »Für Professor Dr. Deetjen in dankbarer Erinnerung an den 10. Juli 1921« (wohl Werner Deetjen, der Mitglied der »Freunde des Nietzsche-Archivs« war). – Mit Beiträgen von Ernst Bertram, Thomas Mann, Richard Oehler u. v. a.

24,7 : 17,5 cm. [8], 224, [4] Seiten. – Einband leicht fleckig. – Erste und letzte Seite etwas gebräunt.

wegen Thomas Mann: Potempa G 108.21

381  [Friedrich] Nietzsche. Nachtgedanken.

€ 450

Frankfurt am Main 1935. Schwarzer Maroquinband mit vergoldetem Deckeltitel und blindgeprägten Fileten, rote Seidenspiegel.

Erste Einzelausgabe des Gedichts »aus der Jünglingszeit«. – »Gesetzt und gedruckt in der Städelschule (Schule für freie und angewandte Künste) der Stadt Frankfurt am Main im Sommer 1935«. – Auf Velin. – Nietzsches Nachtgedanken erschienen zuerst in »Gedichte und Sprüche« (Leipzig 1898). – Jede der sieben Strophen auf einem Blatt und mit einer ornamentierten Holzschnitt-Initiale. Die Titelzeile wurde mit Gold hinterlegt. – Die seltene Ausgabe ist im KVK ebenso wenig wie in der Weimarer Nietzsche-Bibliographie verzeichnet. Wer sie gestaltet hat, konnten wir nicht ermitteln. Wichtige Typographielehrer der Städelschule dieser Zeit waren Willi Baumeister, der allerdings 1933 seine Professur aufgeben musste, Albert Windisch, der diese übernahm, und der pensionierte Johann Vincenz Cissarz, der wegen des herrschenden Personalmangels bis 1939 weiter unterrichtete.

29,0 : 42,5 cm. [10] Blätter. – Am Rücken leicht berieben, Deckel etwas verzogen.

382  Theodor Herzl. Tagebücher

€ 200

1895–1904. Erster [bis] Dritter Band. Berlin, Jüdischer Verlag 1922–1923. Jeweils mit einer Porträttafel. Originalhalblederbände mit vergoldetem Rückentitel.

Eins von 150 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten. – Theodor Herzl (1860–1904), Begründer des Zionismus, führte Tagebuch von den Arbeiten zu seinem Hauptwerk »Der Judenstaat« (1896) bis zu seinem Tod.

23,8 : 16,0 cm. [8], 647, [1]; [6], 619, [1]; [6], 661, [1] Seiten, je 1 Tafel. – Rücken etwas wasserfleckig, bei Band III auch anfangs im Falz wasserrandig.

383  Bibliotheque de Voyage.

€ 200 ( R7 )

Genf, Kundig [1945]. Acht Originalbroschuren. Zusammen in Originalhalbpergamentkassette und Schuber.

Eins von 400 Exemplaren für Subskribenten. – Anlässlich ihres 50. Firmenjubiläums edierte die Genfer Druckerei Kundig diese Zusammenstellung weniger bekannter Texte berühmter Autoren und bewies ihr herstellerisches Können durch den Druck in verschiedensten, teils winzigen Formaten. – Inhalt: Amours, Poèmes choisis. – Rousseau. Quatre lettres a M. le Président de Malesherbes. – John Calvin. Sermon où il est montré quelle doit être la modestie des femmes en leurs habillements. – La Fontaine, Lettres à sa femme. – Racine. Lettres à son fils Jean-Baptiste. – Amiel. Fragments d’un Journal intime. – Montesquieu. Portrait par lui-même. – La Rochefoucauld. Maximes choisies.

26,5 : 20,0 cm (Kassette).

384  Georg Kurt Schauer. Deutsche Buchkunst 1890 bis 1960.

€ 180

Zwei Bände. Hamburg, Maximilian-Gesellschaft 1963. Text- und Tafelband. Originalleinenbände.

Erste Ausgabe. – Eins von 1600 Exemplaren. – Bis heute unübertroffenes Standardwerk zur Buchkunst der klassischen Moderne. Der Tafelband mit 490 Abbildungen und bibliographischen Angaben.

30,5 : 21,5 cm. 297, [5] Seiten; [6], 32, Seiten, 163 Tafeln.

385  Philobiblon.

€ 250

Eine Vierteljahresschrift für Buch- und Graphik-Sammler. Jahrgänge 1–45. Hamburg, später Stuttgart 1957–2001. Mit zahlreichen Abbildungen. 180 Originalbroschuren in 45 Halbleinenschubern.

Vollständige Folge, 2001 eingestellt. – 1957 übernahm der Hamburger Verleger, Antiquar und Versteigerer Dr. Ernst Hauswedell die Neubegründung und machte die Zeitschrift für Jahrzehnte zur führenden Publikation der (zumindest west-)deutschen Bibliophilen. – Neben den verdienstvollen Inhalten mit zahlreichen versteckten Bibliographien sind die typographisch ansprechenden Umschlaggestaltungen zu nennen. – Gut erhalten.

24,0 : 16,0 cm. – Rücken teilweise gebräunt.

386  The Print Collector’s Newsletter.

€ 180

Volume I–XXVI [alles Erschienene]. New York 1970–1996. Mit zahllosen Abbildungen. 158 Originalbroschuren in 15 blauen Originalsammelmappen.

Vollständige und sehr gut erhaltene Folge der wichtigen Zeitschrift, die zweimonatlich über internationale Ausstellungen, Editionen und Auktionen berichtete. – Die Zeitschrift endete mit Heft 2 des Jahrgangs 1996. – Dazu: On Paper. The Journal of Prints, Drawings, and Photography. Formerly Print Collector’s Newsletter. New York 1996–1998. Elf reich illustrierte Originalbroschuren. Von dieser Fortsetzung erschienen im ersten Jahrgang sechs, im zweiten nur noch fünf Hefte. – Alle tadellos.

29,0 : 25,5 cm. Je Heft ca. 32-48 Seiten.

387  Faksimiles – Al-Gazuli.

€ 300

Dala’il al-hairat (und andere Texte »Anthologie«). Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1987. Faksimile, durchgehend farbig und mit Vergoldungen, und Kommentarband. Weinroter Originallederband mit reicher Deckelvergoldung und Originalpappband, zusammen in roter Originalhalblederkassette.

Eins von 1000 Exemplaren, weitere 50 als Belegexemplare. – Vollständiges Faksimile des Codex Vind. Mixt. 1876 der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien. – Mit Kommentar von Tarif Al Samman. – »Zu den am häufigsten kopierten und gelesenen arabischen Schriften religiösen Inhalts gehören die Dala ìl al-hayrat, die Hinweisungen zur Wohltätigkeit. […] Bis heute wird an Wochenenden oder religiösen Festtagen aus diesem Gebetbuch gemeinsam im Chor – laut und ohne Pause – gelesen. […] Der feine Duktus von Schrift und Ornamentik deutet auf einen geübten Künstler hin, der in Erfüllung seines Auftrages eines der schönsten Beispiele nordafrikanischer Buchkunst schuf« (Verlagswerbung). – Sehr gut erhalten.

11,5 : 11,5 cm. [646] Faksimileseiten, 57, [11] Seiten.

388  Faksimiles – Apocalypsis Johannis.

€ 300

Faksimile und Kommentarband. Modena, Libri illustri Il Bulino 1998. Originallederband mit Blindprägung und Halblederband.

Eins von 980 Exemplaren (Gesamtauflage 999). – Faksimile des Blockbuches a.D.5.22 der Bibliotheca Estense Universitaria in Modena. – Mit Aufsätzen von Ernesto Milano und Daniele Bini. – Die Bilderhandschrift mit kolorierten Holzschnitten entstand um 1460 in den Niederlanden oder in der deutschen Rhein-Region.

29,5 : 23,0 cm. 48 Blätter; 127 Seiten.

389  Faksimiles – Beati Petri Apostoli epistulae.

€ 180

Ex Papyro Bodmeriana VIII. Rom, TREC 1978. Faksimile, Kommentarband und Übersetzung. Originalholzdeckelband, -lederband und -broschur, zusammen in Originalkassette.

Eins von 950 Exemplaren. – Faksimile der beiden Petrusbriefe nach den Handschriften der Bodmer-Sammlung. – Detailgetreu und in Originalgröße faksimiliert, vermitteln die Blätter einen authentischen Eindruck der fragilen Papyrusblätter. – Kommentarband mit französischer und deutscher Einleitung sowie der Transkription der Texte und der lateinischen Übersetzung, die deutsche Fassung in einem Beiheft. – Herausgegeben unter Verantwortung der Bibliotheca Apostolica.

17 : 14 cm. 9 fadengeheftete Doppelblätter Faksimile; XXVI, 74; 32 Seiten. – Schuber beschabt und rückseitig beschriftet.

390  Faksimiles – Die Darmstädter Pessach-Haggadah.

€ 750

Faksimile und Kommentarband. Berlin, Propyläen 1972. Originalkalblederband mit blindgeprägten Fileten und Originalhalblederband. Zusammen in Originalleinenkassette (Willy Pingel, Heidelberg).

Codex Orientalis 8 der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt. – Eins von 50 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe im Ganzledereinband (Gesamtauflage 600). – Hergestellt unter buchkünstlerischer Leitung von Gotthard de Beauclair. – Kommentarband mit Erläuterungen in Deutsch und Englisch. – Entstanden ist die Handschrift wahrscheinlich als Buch für den privaten Gebrauch zum Pessachfest im westlichen Europa des 13. Jahrhunderts. Das Zeugnis privater jüdischer Buchkultur des Mittelalters gelangte 1805 mit der Sammlung von Baron Hüpsch in die Darmstädter Bibliothek. Die Handschrift wurde 1951, nachdem sie als im Krieg verschollen galt, zufällig im Deutschen Ledermuseum in Offenbach wiedergefunden, wohin sie vom Reichsstatthalter in Hessen wegen des Einbandes verbracht worden war.

36,0 : 27,0 cm. [116] Faksimileseiten. – 129, [7] Seiten (Kommentarband).

391  Faksimiles – Goldenes Hildesheimer Kalendarium.

€ 200

Stuttgart, Müller und Schneider 2003. Faksimile und Kommentar. Hellbrauner Originaloasenziegenlederband mit Blindprägung. Zusammen mit dem Kommentarheft in Originalleinenkassette.

Eins von 980 Exemplaren. – Faksimile nach der Handschrift Cod. Guelf. 13. Aug 2° der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. – Mit zwei blattgroßen Miniaturen, zwölf kreisförmigen Vignetten mit Tierkreiszeichen und Kalendarium, alles reich vergoldet. – Am Ende ein Faksimile des Schreibens von 1662 zur Trennung der Handschrift in zwei Teile und der faksimilierte Restaurierungsbericht der Werkstatt Schoy, Essen, von 1957. Die dabei vor die beiden Miniaturen gehefteten »Seidenvorhänge« wurden auch in das Faksimile montiert.

32,1 : 23,5 cm. 8 Faksimileblätter; 75, [1] Seiten (Kommentar).

392  Faksimiles – Das Mittelalterliche Hausbuch. The Medieval Housebook.

€ 300

Faksimile- und Kommentarband. München und New York, Prestel 1997. Blindgeprägter Originalleder- und Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Eins von 50 nummerierten Belegexemplaren (Gesamtauflage 800). – Die Fragment gebliebene Handschrift beschäftigt sich mit Planetenbildern, Ritterleben, Hausmitteln, Bergwerk und Verhüttung, Kriegstechnik und vielem mehr und wurde durchgehend reich illustriert. – Der Codex lässt sich nicht genau datieren, das Hausbuch taucht zum ersten Mal nach dem Tod des Wolfeggers Maximilian Willibald (1604–1667) in dessen Nachlassinventar auf. – Mit dem Kommentarband von Christoph Graf zu Waldburg Wolfegg. – Tadellos erhalten.

31,0 : 21,0 cm. 63 Blätter; 235, [1] Seiten.

393  Faksimiles – Liber Physiognomiae.

€ 300

Faksimile und Kommentarband. Modena, Libri illustri Il Bulino 2000. Originallederband und Originalbroschur. Zusammen im Schuber.

Eins von 980 Exemplaren (Gesamtauflage 999). – Faksimile der Handschrift Lat. 697 des 15. Jahrhunderts aus der Biblioteca Estense Universitaria in Modena. – Mit einem Kommentar von Daniele Bini, Paola di Pietro Lombardi und Leandro Ventura. – Faksimile einer anonymen Handschrift, die auf das Jahr 1440 datiert wurde. Die Enzyklopädie befasst sich mit Medizin und Astrologie im Mittelalter.

30,2 : 22,5 cm. [72] Seiten; 135, [1] Seiten.

394  Faksimiles – Werdener Psalter.

€ 300

Ms. theol. lat. fol. 358 Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin. Graz 1979. Faksimile und Kommentarband. Mit sechs ganzseitigen Miniaturen und zahlreichen Initialen. Brauner Originallederband mit Blindprägung und Originalleinenband.

Codices selecti LXIII. – Eins von 765 Exemplaren (Gesamtauflage 890). – Jeder Psalm und die nachfolgenden Cantica mit einer großen verzierten Initiale, meist mit reproduzierter Goldauflage. – Wohl der Einband der Luxusausgabe. – Mit dem Kommentar von Hermann Knaus.

27,2 : 19,0 cm. 122 Blätter Faksimile; 53, [1] Seiten.

395  Kleine Erzählungen über Ein Buch mit Kupfern

€ 200

oder leichte Geschichten für Kinder. Philadelphia, Johnson und Warner 1809. Mit 19 Holzstichen. Gefalzte Blätter ohne Einband.

Erste deutsche Ausgabe, nach der amerikanischen Fassung. – 1804 erschien in London das englische Original »Little prattle over a book of prints«, 1808 folgte bei Johnson eine amerikanische Ausgabe. Beide waren mit 17 Kupferstichen illustriert, die – um zwei Abbildungen erweitert – für die deutsche Ausgabe in Holz nachgestochen wurden. Am Ende ein Alphabet und eine Seite Silbenschrift. – Die Illustrationen zu den belehrenden, teils recht drastischen Texten könnten von Alexander Anderson (1775–1870) stammen. Der Sohn schottischer Einwanderer wurde in New York geboren und illustrierte zahlreiche Kinderbücher und Jugendzeitschriften.

13,8 : 9,0 cm. [44] Seiten. – Kleiner Braunfleck am Seitenrand.

Rosenbach, Early American Children’s Books 395 und 372

396  Franz von Pocci – Guido Görres. Schön Röslein.

€ 250

Ein Mährchen. München, Litterarisch-Artistische Anstalt 1838. Mit zahlreichen Textholzschnitten von H. Neuer nach Zeichnungen von Franz von Pocci. Pappband mit chromolithographierten Deckelvignetten.

Erste Ausgabe des romantischen Märchens. – Unter den Holzschnitten nach Poccis entzückenden Vorlagen finden sich auch viele figürliche Initialen. – Am Ende die Zeitungsparodie »Allgemeine Königl. Hof-Rosenzeitung«, herausgegeben von Kurz von der Rosen, mit Meldungen aus Rosenburg, vom Landgericht Rosenheim, Rezepten gegen Gürtelrose, Anzeigen eines Antiquars aus Rosenthal (u. a. Les roses von Redoute, Dornröschen gezeichnet von Neureuther) und Börsenkursen von Rosenobel und Rosenpiaster. – Im Gegensatz zu Grimms und Bechsteins […] Märchen […] ein Kunstprodukt, dem man die Mache anmerkt, eine Häufung abenteuerlicher Begebenheiten mit deutlichen Anklängen an bekannte Geschichten […] die zahlreichen Initialen, reich an glücklichen Einfällen, überraschen den Beschauer […]« (Aloys Dreyer, Pocci, S. 41). – Eines der von Pocci-Enkel erwähnten »besseren« Exemplare mit den Chromolithographien auf dem Einband.

19,8 : 15,5 cm. [2], 70 Seiten. – Deckelränder und Rücken übermalt, Vorsatzblatt mit eingeklebter ankolorierter Bleistiftzeichnung (Blütenmuster). – Etwas stockfleckig und oben mit Wasserrand.

Pocci-Enkel 80. – Stuck-Villa I, 126. – Seebass II, 652. – Rümann 1653. – Rümann, Das illustrierte Buch, Seite 306

397  Lothar Meggendorfer. Prinz Liliput.

€ 600

Ein lustiges Ziehbilderbuch. Mit Text von Ferd. Feldigl. Esslingen, J. F. Schreiber [1906]. Mit farbig illustriertem Titel und zahlreichen Illustrationen sowie sieben Farbtafeln, davon sechs als bewegliche Ziehbilder. Originalhalbleinenband mit farbiger Deckelillustration.

Vorderdeckel mit Eindruck »Zweite Auflage« – »Dieses Ziehbilderbuch zählt mit zu den schönsten Beispielen dieser Gattung. Auf den sechs beweglichen Tafeln breitet sich eine Tier- und Pflanzenwelt aus, in deren Mittelpunkt der daumengroße Prinz Liliput und seine abenteuerlichen Erlebnisse stehen.« (Bilderwelt).

37,0 : 26,3 cm. [28] Seiten. – Einband gebräunt und leicht fleckig, Kanten etwas berieben. – Alle Ziehmechanismen intakt. Seiten an den Rändern gebräunt, teils brüchig und mit kleinen Läsuren bzw. Ausbesserungen. Bei einem Ziehbild Verlust eines kleinen Teils.

Krahé, Spielwelt 114 Anmerkung. – Vgl. Ries 108, Bilderwelt 2051, Wegehaupt IV, 1439 und Lex. KJL II, 460 (EA 1898)

398  Lothar Meggendorfer. Verwandlungs-Bilder.

€ 1000

Erste Vorstellung. Zweite Auflage. Esslingen, J. F. Schreiber [1894]. Mit Titelvignette, Textillustrationen und sechs chromolithographierten Tafeln mit zweilagigem Ziehmechanismus. Originalhalbleinenband mit farbig illustriertem Vorderdeckel.

Erste Ausgabe. – Äußerst seltenes Ziehbilderbuch mit witzigen und einfallsreichen Verwandlungsbildern zu den Geschichten vom Widerspenstigen Esel, dem Dummen August, der Fischerin, dem Neger in Kamerun u. a. – Durch vertikales Verschieben der vier horizontalen Bilderstreifen erscheint ein vollkommen neues Bild. – »Mit seinen Verwandlungsbildern führt uns Meggendorfer wieder allerhand menschliche Schwächen auf die komischste Art in Jalousiebildern vor Augen« (Laub, SMCA S. 243). – Die Ziehmechanismen alle tadellos intakt.

35,3 : 25,5 cm. [16] Seiten. – Einband lichtrandig und fleckig. – Vorsatz mit Händlerstempel. Ziehmechanismus teils unauffällig restauriert, dort Bildausschnitte mit kleinen Eckeinrissen.

Krahé, Spielwelt 125. – Ries 95. – Stuck-Villa I, 438

399  Lothar Meggendorfer. Drehbilder-A-B-C.

€ 400

Ein lehrreiches Bilderbuch mit zweiundzwanzig feinen Farbendruckbildern, auf welchen durch Drehen noch eine Anzahl weiterer Abbildungen zum Vorschein kommen. Text in Versen von Ferdinand Feldigl. Esslingen bei Stuttgart, J. F. Schreiber 1898. Chromolithographierte Tafeln. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband.

Zweite Auflage. – In die elf zweilagigen Seiten mit Ausstanzungen wurde jeweils mittig eine Drehscheibe montiert. Durch Drehen der Scheibe erscheinen über dem Hauptbild zum jeweiligen Buchstaben kleine ergänzende Bilder, unter dem Hauptbild jeweils ein dazu passender Vers. – Sehr seltenes ABC-Buch.

28,2 : 31,7 cm. [26] Seiten. – Einband gebräunt und etwas fleckig. – Ränder gebräunt und mit kleinen Läsuren. Äußerer Falz des ersten Bildes eingerissen.

Krahé, Spielwelt 31. – Ries 106. – Wegehaupt IV, 1406. – Lex. KJL II, 460

400  Lothar Meggendorfer. Zwölf schöne Geschichten.

€ 300

Ein Bilderbuch für Kinder. Text von Franz Bonn. Dritte Auflage. München, Braun & Schneider [1883]. Mit kolorierten lithographischen Illustrationen. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband.

Dritte Auflage des erstmals 1881 erschienenen Werkes. – Eins der frühesten Kinderbücher Meggendorfers, eine Struwwelpetriade mit Geschichten vom langen Hans, dem kleinen Otto, dem unfolgsamen Adolf, Ferdinand und Laura und vielen anderen.

38,0 : 29,0 cm. 24 Seiten. – Einband gebräunt, Kanten berieben. – Bindung gelockert. Ränder gebräunt, wenige Seiten mit kleinen Fehlstellen.

Krahé, Spielwelt 140 Anmerkung. – Vgl. Ries 11, Wegehaupt IV, 1448 und Lex. KJL II, 460 (EA 1881)