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Lot 351 – 400 | Hesse-Auktionen
Lot 351 – 400

351  Einbände – Schwarzer Kalblederband mit ornamentaler Vergoldung und Lederschnitt mit farbigen Applikationen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 950

– Inhalt: Marcelle Tinayre. Das Liebesleben des François Barbazanges. Deutsch von Willy Alexander Kastner. Leipzig, A. Schumann 1905. Mit Textillustrationen.

Erste deutsche Ausgabe. – Marcelle Tinayre (1870–1948), Schriftstellerin der Belle Époque, hatte bereits mit ihrem ersten Roman großen Erfolg. In ihren weiteren Büchern spricht sie damals durchaus heikle Themen wie Abtreibung und Schwangerschaften außerhalb der Ehe etc. an. Ihr zweiter Roman erschien 1903 im französischem Original. – Außerordentlich aufwändiger Handeinband, der trotz seiner handwerklichen Güte unsigniert blieb: Beide Deckel mit einem rhombenförmigen Mittelfeld, das durch sorgsam ausgeschnittene filigrane Stege gegliedert ist. Unter die Ausschnitte wurden verschiedenfarbige Seidenstücke appliziert. Die Deckelränder durch feine vergoldete Linien gegliedert, Innendeckel mit blauem Lederspiegel, wiederum mit geschnittenem Mittelfeld, Vorsatzblätter mit blauer Seide bezogen. – In einer farbig bedruckten Leinenkassette. – Tadellos.

21,3 : 11,7 cm. 195, [1] Seiten.

Fromm VI, 25533

352  Einbände – Dunkelgrüner Saffianlederband von Rudolf Lang, München,

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

mit dezenter Vergoldung. – Inhalt: [Johann Wolfgang von] Goethe. West-Östlicher Divan. Leipzig, Insel 1910. Mit Doppeltitel und Initialen von Marcus Behmer.

Eins von 1200 Exemplaren (Gesamtauflage 1300). – Auf getöntem Bütten mit dem Behmer-Wasserzeichen. – Die Buchgestaltung lag ganz in den Händen von Marcus Behmer, der damit seine »erste typographische Leistung, wenn auch nicht aus eigener Type, so doch im drucktechnischen Aufbau vom ersten bis zum letzten Buchstaben« lieferte. Fritz Hohmeyer würdigte 1929 in seinem Behmer-Artikel in der Zeitschrift »Philobiblon« die großartige Arbeit mit der Abbildung des Doppeltitels nahezu in Originalgröße. – Unbeschnitten.

24,3 : 15,0 cm. 262, [2] Seiten. – Rücken leicht verfärbt. – Ränder des ersten und letzten Blattes gebräunt, das letzte mit kleinem restaurierten Einriss.

Sarkowski 612. – Schauer II, 45

353  Einbände – Dunkelroter Maroquinband mit reicher Punzen- und Filetenvergoldung,

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Stehkantenfileten, Innenkantenbordüren, Schnittvergoldung und Oleographiepapiervorsätzen. – Inhalt: Die schönsten Heiligenlegenden in Wort und Bild. Herausgegeben von Expeditus Schmidt u. a. Mit den Namenbildern von Franz Pocci. München, Hans von Weber 1912. Mit zwölf Lichtdrucktafeln.

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Die Texte stammen von Expeditus Schmidt, einem zum Katholizismus konvertierten Lutheraner und Franziskanerpriester, der auch schriftstellerisch tätig war und 1908 die Literaturzeitschrift »Über den Wassern« gegründet hatte, sowie Annette Kolb, Anna von Krane, Franz von Lobkowitz, Franz Pocci-Enkel u. a. – Die Texte (Die Heiligen Drei Könige, Walburga, Maria Annunziata, Adalbert, Ferdinand, Vitus, Modestus, Crescentia, Christoph, Johanna Francisca von Chantal, Justina und Cyprianus, Franciscus Seraphicus, Clemens und Nicolaus) illustrierten die zwölf Heiligenbilder des Malerpoeten Franz Pocci. – Gedruckt bei Poeschel & Trepte. – Bemerkenswert schöner Einband, Hinterdeckel unten mit Monogramm »W«, eventuell Franz Weiße, Hamburg.

22,3 : 14,5 cm. [8], III, [1], 262 Seiten, 12 Tafeln. – Die Blätter der ersten Lage mit Eckknick, sonst sehr schön erhalten.

354  Einbände – Dunkelgrüner geglätteter Maroquinband mit reicher Filetenvergoldung

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 550

auf beiden Deckeln. Rückentitel und -verzierung, Steh- und Innenkantenfileten sowie Kopfschnitt vergoldet. Im Schuber mit Lederkanten und Marmorpapierbezügen. – Inhalt: Lessing und Berlin. Im Auftrage des Berliner Bibliophilen-Abends dargestellt von Max Kirschstein. Berlin 1929. Mit neun Tafeln und vier Textvignetten.

Eins von etwa 150 Exemplaren für die Mitglieder der 1904 gegründeten Bibliophilen-Gesellschaft. – Gesetzt aus der Unger-Fraktur, gedruckt bei Richard Labisch, Berlin. – Die strenge Gliederung und Füllung der Einbanddeckel durch die zahlreichen querlaufenden Fileten in unterschiedlicher Stärke erinnern an Arbeiten von Ignatz Wiemeler. Wahrscheinlich war der ungenannte Buchbinder von diesem Meister inspiriert.

25,0 : 17,5 cm. 78, [2] Seiten, 9 Tafeln. – Rücken leicht verfärbt. – Exlibris (signierte Radierung von Horst Hussel).

Deutsche Bibliophilie 1898–1930 S. 90

355  Erotica – Franz von Bayros – Die sechzehnte Ehefreude.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Eine Satire auf die fünfzehn Freuden der Ehe. Übersetzung und Urtext. Wien, Dr. Rud. Ludwig 1909. Mit Buchschmuck von Franz von Bayros. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Titel (signiert: Wiener Werkstätte).

Eins von 575 Exemplaren (Gesamtauflage 600). – Gedruckt auf Strathmore-Japan. – Text in Deutsch und Französisch, Übersetzung von E. K. Blümml und J. Latzenhofer. – Das französische Original dieser Satire auf Antoine de La Sales fünzehn Freuden erschien 1866 in Paris.

16,5 : 11,5 cm. 43, [1] Seiten. – Ränder minimal gebräunt und berieben.

Hayn/Gotendorf IX, 340 »Selten!«

356  Erotica – Julius Klinger – [John Wilmot] Earl of Rochester. Sodom.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Ein Spiel. Volosca, Dr. Alexander Trianta 1924. Mit Titel- und Schlussvignette und zwölf ganzseitigen Abbildungen nach Zeichnungen von Julius Klinger. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Sammlung »Bibliotheca erotica et curiosa«, herausgegeben von Dr. Alexander Trianta [eigentlich Klement von Treldewehr, Wien]. – Privatdruck, eins von 100 Verlagsexemplaren (Gesamtauflage 1000). – Mit einem bibliographischen Nachwort des Herausgebers, im Druckvermerk von ihm signiert. – Der früheste Druck des unerhört lasziven erotischen Spiels aus dem Jahr 1684 gilt als verschollen. Das Stück soll allerdings tatsächlich am im königlichen Theater Karls II. von England aufgeführt worden sein.

19,9 : 14,5 cm. 102, [2] Seiten. – Rücken und Vorsätze erneuert.

Hayn/Gotendorf IX, 497

357  Erotica – Die braune Blume.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Berlin [1931]. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (Bruno Scheer, Berlin).

Seltener Privatdruck, erschienen in 120 Exemplaren. – Auf Bütten. – Der Verfasser dieser erotischen Gedichte ist unbekannt. Gewidmet wurden sie einem gewissen »H. H.«. »Es bedarf keines großen Scharfsinns, dahinter den romantischen Spötter Heinrich Heine zu erkennen. In seinem Geist und mit durchaus Heineschem Esprit hat der Verfasser dieser frechen lyrischen Leckerbissen seine Feder geführt.« (Herbert Kästner). – Nach dem Erstdruck von 1929 erschien eine Auswahl für den »Herren-Abend« der Berliner Bibliophilen (1930, 30 Exemplare) und die hier vorliegende auf 37 Gedichte erweiterte Ausgabe, gefolgt von einer von Margit Gaal illustrierten Ausgabe (1931) und schließlich, mit einem kenntnisreichen Nachwort und einer Bibliographie von Herbert Kästner sowie Holzstichen von Karl-Georg Hirsch, 1993 eine Ausgabe innerhalb der Leipziger Drucke.

24,3 : 15,7 cm. 74, [6] Seiten.

358  Erotica – Bilder-Lexikon.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 150

Kulturgeschichte – Literatur und Kunst – Sexualwissenschaft. – Ergänzungsband zum Bilder-Lexikon. Herausgegeben vom Institut für Sexualforschung in Wien. Wien und Leipzig, Verlag für Kulturforschung 1928–1931. Mit hunderten, teils farbigen Tafeln und unzähligen Abbildungen. Originalhalbwildlederbände mit ornamentaler Blindprägung.

Originalausgabe mit dem seltenen Ergänzungsband. – Ausführlich wie die Liste der Mitarbeiter sind auch die Untertitel der Einzelbände: Nachschlagewerk für Kultur- und Sittengeschichte, Folklore, Ethnographie, Kult- und Mysterienwesen, Chronique scandaleuse, Erotische Belletristik, galante, skandalöse und sotadische Literatur, skatologische Curiosa, Sexualpathologie und -anatomie, Hygiene, Kriminalistik, forensische Medizin u. v. a. – Jeweils in alphabetischer Ordnung und überaus reich illustriert. – Die schwergewichtigen Bücher waren sicher nicht leicht vor unerwünschtem Zugriff und heimlicher Betrachtung zu verbergen. – Der Ergänzungsband mit dem Beilagezettel zu dessen beschränkter Auflagenhöhe und den restriktiven Vertriebsvorgaben. – So gute Exemplare sind Angesichts der gewichtigen Buchblöcke selten geworden.

24,0 : 18,0 cm. Zusammen etwa 3600 Seiten. – Nur ganz leicht berieben.

Hayn/Gotendorf IX, 361 (nur Band I, da mehr noch nicht erschienen)

359  Fritz Kahn. Der Mensch als Industriepalast.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 580

Farbige Lithographie. 1926. 95,0 : 48,0 cm.

Mit dem Erläuterungsheft »Versuch einer technischen Darstellung der wichtigsten Lebensprozesse«. Dort mit Abbildungslegende sowie Werbung für dieses und drei weitere Wandbilder. – Konzipiert als gefaltete Beilage zu »Das Leben des Menschen« des Berliner Gynäkologen Fritz Kahn. – »Eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns, die bis heute durch Themen- und Stilvielfalt, Humor und originelle Analogien fasziniert« (Debschitz). – Sehr farbfrisch.

Mehrfach gefaltet. – Am rechten Rand minimal fleckig.

Patrick Rössler. Das Buch über Dich. In: Aus dem Antiquariat, Heft 2018/1. – Uta und Thilo von Debschitz, Man Machine – Maschine Mensch, Heidelberg/New York 2009

360  Diät-Tageskostplankartei

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 170 ( R7 )

– eine Ergänzung der Diät-Rezepturenkartei. Herausgegeben vom Ministerium für Gesundheitswesen. Berlin 1981. Ca. 750 Karteikarten in Registerkasten.

Der planwirtschaftliche Gegenentwurf zu westlichen Modediäten: »Ausgearbeitet vom Zentralinstitut für Ernährung der Akademie der Wissenschaften der DDR und der Sektion Diätetik der Gesellschaft für Ernährung in der DDR unter Mitarbeit des VEB Maschinelles Rechnen Potsdam«. – Nach Einleitung und Grundlagen sind etwa 700 Karten in Hauptgruppen nach »Strenger, erweiterter und Stoffwechsel-Grunddiät« sowie »Krankenvollkost« gegliedert, innerhalb dieser dann nach Kalorienzahl. – Jede Karteikarte mit der Speisenfolge für den gesamten Tag und dem »Materialeinsatz für 10 Personen«. – Eventuell waren die eingeplanten Lebensmittel derartige Mangelware, dass die Kartei ungenutzt blieb – jedenfalls tadellos erhalten.

361  Film – Die Nibelungen.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Ausrufpreis/Starting bid: € 66

Ein deutsches Heldenlied. Regie: Fritz Lang. Decla-Ufa-Film. Berlin, Ufa 1924. Mit zehn Bildtafeln nach Fotos. Kordelgeheftete Originalbroschur.

Souvenir-Programmheft zur ersten öffentlichen Vorführung mit Szenen-Fotos, Besetzungsliste, Inhaltsangaben und erläuternden Texten zur Filmentstehung von Thea Harbou. – Der Aufkleber der Produktionsfirma leider entfernt. – »Mitte der 1920er Jahre, als der Gründer und Direktor der Decla, Erich Pommer, zur Ufa stieß, erlebte die Ufa (und mit ihr der deutsche Stummfilm) ihre international bejubelte Hochphase. Fritz Lang drehte seinen Zweiteiler ›Die Nibelungen‹ (1922–24)« (Patrick Rössler).

18,3 : 12,5 cm. 24 Seiten. – Rücken etwas gebräunt.

Rössler, Filmfieber 51

362  Film – Thea von Harbou. Metropolis.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Roman. Mit 8 ganzseitigen Bildern nach Aufnahmen aus dem gleichnamigen Film. Berlin, August Scherl [1927]. Mit acht Tafeln. Illustrierte Originalbroschur.

Zweite Ausgabe der textlich gekürzten, nun jedoch um Abbildungen aus dem Film erweiterten Broschurausgabe. – Erstmals wird hier als Umschlagmotiv das von Werner Graul entworfene Filmplakat verwendet. – Bereits 1924 hatte Thea von Harbou das Manuskript an Fritz Lang gegeben, 1926 erschien es erstmals im selben Verlag. 1926–1927 entstand in einer der teuersten deutschen Produktionen der damaligen Zeit ein Meilenstein des expressionistischen Stummfilms. Kurz nach der Uraufführung wurde der Film umgeschnitten und gekürzt. Erst durch das wiederentdeckte Archivmaterial war 2010 eine Rekonstruktion der Urfassung möglich. – So gute Exemplare dieser fragilen Ausgabe sind selten.

18,2 : 12,4 cm. 193, [3] Seiten, 8 Tafeln. – Ränder etwas berieben. Umschlag am Gelenk mit kleinem Einriss.

Rössler, Filmfieber S. 116

363  Film – Spione.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Ein Film von Fritz Lang. Manuskript: Thea von Harbou. Berlin [1928].

Aus der Reihe »Illustrierter Film-Kurier«. – Nach den Dreharbeiten zu »Metropolis« wurde mit »Spione« das nächste gemeinsame Projekt von Fritz Lang und seiner Ehefrau Thea von Harbou realisiert. – Sechs Seiten mit Bild-Text-Montagen, Vorderumschlag mit dem Motiv, das auf Plakat, Buchausgabe und Programmheft wiederholt wurde, mongrammiert »FL«.

30,1 : 22,5 cm. [8] Seiten. – Leichte Gebrauchsspuren, Heftlöcher, oben rechts mit Kugelschreibernummer.

Rössler, Filmfieber S. 249 (821a)

364  Film – Hans Richter. Dreams that Money can buy.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 260

This Film offers 7 Dreams shaped after the Vision 7 contemporary Artists. New York, Films International 1947. Mit Abbildungen nach Fotografien. Illustrierte Originalbroschur.

Filmbroschüre zu dem Experimentalfilm »Dreams that money can buy«, der von Hans Richter gedreht und von Peggy Guggenheim produziert wurde. Bei jeweils einer von sieben Traumsequenzen führten die Surrealisten Max Ernst, Fernand Leger, Man Ray, Marcel Duchamp, Alexander Calder und Hans Richter Regie. – Die Umschlagillustration nach einer Max Ernst-Collage aus »Une semaine de bonté«.

21,3 : 15,5 cm. [24] Seiten. – Ränder schwach gebräunt.

365  John Heartfield – Drei Bücher mit seinen Umschlagillustrationen.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 130 ( R7 )

Berlin, Malik 1922–1930 und Prag, Odeon 1934.

I. Upton Sinclair. Man nennt mich Zimmermann. Roman. Berlin, Malik 1922. Originalpappband mit Fotomontage als Deckelbild. Die Rote Roman-Serie VII. – II. Ilja Ehrenburg. Das Leben der Autos. 9.–15. Tausend. Berlin, Malik 1930. Originalleinenband mit Fotomontagen auf dem Schutzumschlag. Mit Wellenmuster, der Rückentitel aber noch nicht schwarz gedruckt, so nicht bei Hermann. – III. A. Avdejenko. Miluji (tschechisch: Ich liebe dich). Prag, Odeon 1934. Originalbroschur mit Fotomontage auf dem Schutzumschlag. Seltene erste Ausgabe. – Dazu: Otto Heller. Sibirien, ein anderes Amerika. Berlin 1930. Mit Tafeln nach Fotografien des Verfassers. Originalbroschur mit Fotomontage von Paul Urban auf dem Schutzumschlag.

Schnitt teils stockfleckig, besonders bei II.

Haufe 15, 119 und vgl. 170 (deutsche Ausgabe mit anderem Motiv). – Hermann 358 a und 51 (I und II). – Melzwig 857.1 (Übersetzung Hermynia Zur Mühlen) und 255.1

366  John Heartfield – »Und sie bewegt sich doch«.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Freie deutsche Dichtung. Vorwort: Professor Oskar Kokoschka. London, »Freie deutsche Jugend« 1943. Originalbroschur mit illustriertem Vorderdeckel nach einer Fotomontage von John Heartfield.

Erste Ausgabe dieser seltenen Exil-Anthologie. – Die Umschlagillustration mit Adolf Hitler als Affe, der mit bluttriefendem Schwert auf einer Weltkugel hockt, gehört zu den berühmtesten Fotomontagen Heartfields. – Mit Beiträgen von Max Herrmann-Neiße, Bertolt Brecht, Johannes R. Becher, Wieland Herzfelde, Erich Weinert, Max Zimmering und anderen.

18,5 : 12,3 cm. 64 Seiten. – Ohne den »tarnenden« Schutzumschlag mit schlichtem Streifenmuster.

Bartsch, Heartfield 200

367  El Lissitzky – Neues Bauen in der Welt.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Zweifarbiger Werbeprospekt. [1929/30]. 29,7 : 21,5 cm.

Seltenes Werbeblatt für die bedeutende Reihe zur modernen Architektur, die 1929 im Wiener Verlag Anton Schroll erschien. – »Unübertroffen ist der Avantgardismus der von El Lissitzky gestalteten Umschläge, die der Künstler im Winter 1928/29 entworfen hat. Sie sind im Tiefdruck hergestellt […] Es handelt sich um vollflächige Fotomontagen auf Basis von Fotoüberblendungen, […]« (Roland Jaeger). Alle drei Vorderumschläge wurden hier in Originalgröße abgebildet. Auf Seite 2 die Inhaltsangabe aller drei Hefte. Im Gegensatz zu den Farbvarianten Rot, Gelb und Blau bei den Umschlägen wurde das nahezu auf Heftformat gefalzte Werbeblatt einheitlich in Rot und Schwarz gestaltet. Die Heftreihe wurde von Josef Ganter herausgegeben und eingeleitet, die Textbeiträge stammten von El Lissitzky (Russland), Neutra (Amerika) und Ginsburger (Frankreich). – Tadellos erhalten.

Küppers, El Lissitzky, Abb. 161–163 (Abbildung der Heftumschläge). – Autopsie II, 394 (mit zwei Abbildungen)

368  Fritz Reck-Malleczewen. Des Tieres Fall.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Das Schicksal einer Maschinerie. Roman. München, Georg Müller 1931. Originalleinenband mit rotgeprägter Vorderdeckelillustration und illustriertem Originalschutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit langem Zitat aus dem Geleitwort von Edwin Erich Dwinger, hier eigenhändig vom Verfasser auf das Vorsatzblatt kalligraphiert und signiert. – Der gesellschafskritische Roman mit Science-Fiction-Motiven erschien am Vorabend des Tausendjährigen Reiches. Die hier geschilderte menschenvernichtende Hitze der Erdkernglut-Kraftwerke wirkt wie ein Vorgriff auf die Feuerschlünde von Auschwitz. – Der Autor starb 1945 im KZ Dachau, der Verfasser des Vorworts war zunächst systemkonform und Mitglied der SS, verlor wegen verschiedener regimekritischer Denkschriften aber zunehmend die Gunst Himmlers. – Der seltene Schutzumschlag verwendet eine konstruktivistische Zeichnung, deren Urheber wir nicht ermitteln konnten. – Sehr schönes Exemplar.

19,8 : 13,0 cm. VII, [1], 268, [4] Seiten. – Mit einigen Anstreichungen.

369  Georg Salter – Marieluise Fleisser. Ein Pfund Orangen

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

und neun andere Geschichten. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1929. Originalleinenband mit Originalschutzumschlag, beide nach Entwurf von Georg Salter farbig typographisch illustriert.

Erste Ausgabe. – »Trotz des bunten Wechsels von Antiqua, Fraktur, Grotesk, Schablonen- und zierlicher Schreibschrift schließen sich die einzelnen Schriftbänder zu einer so organischen Einheit zusammen, daß … die leicht drohende Gefahr der Stillosigkeit restlos überwunden wird.« (E. Hölscher). – Nach seiner Arbeit als Bühnenbildner in Berlin und Wuppertal kehrte Georg Salter (1897–1967) nach Berlin zurück und wurde der leitende Graphiker des 1921 gegründeten Verlages »Die Schmiede«. Er entwarf bis zur Auflösung der Firma etwa 350 Schutzumschläge, darunter die ebenso bekannten wie gesuchten für Kafkas große Romane, für Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« und Ernst Tollers »Feuer aus den Kesseln«. Später arbeitete er auch für Gustav Kiepenheuer und den S. Fischer Verlag.

18,9 : 12,0 cm. 204, [4] Seiten. – Schutzumschlag oben am Rücken mit winziger Fehlstelle.

Holstein 38

370  Georg Salter – John Dos Passos. Der 42. Breitengrad.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Roman. Berlin, S. Fischer 1930. Originalleinenband mit farbigem Originalschutzumschlag (Entwurf Georg Salter).

Erste deutsche Ausgabe. – »Hier bei Dos Passos findet das wahre, unromantische Amerika den lebendigen Nährboden aller ›Amerikanismen‹ in wirtschaftlicher, kultureller, seelischer Hinsicht« (Klappentext). – »Aus typographischem Untergrund wachsen Dinge des Tages: Wichtige und unwichtige nebeneinander: Alles stabilisiert sich um die unveränderliche Achse des 42. Breitengrades. Der Farbenkreis der Spektraltafel ist die in sich geschlossenste graphische Ausdrucksmöglichkeit der Umfassung allen Geschehens« (E. Hölscher).

20,8 : 13,0 cm. 453, [3] Seiten. – Schutzumschlag mit winzigen Randläsuren, in den Falzen mit Papierstreifen hinterlegt.

Holstein 27 und ganzseitige Abbildung auf Seite 75

371  Georg Salter – Jack Bilbo. Ein Mensch wird Verbrecher.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Die Aufzeichnungen des Leibgardisten von Al Capone. – Chicago–Shanghai. Gangster in besonderer Verwendung. – Berlin, Universitas 1932. Originalhalbleinenband und -broschur, beide mit Originalumschlag nach Entwurf von Georg Salter.

Erste Ausgaben. – Pseudonyme Lebensbeichten des Berliners Hugo Baruch (1908–1967), der in jungen Jahren in den Bannkreis des Anführers der Chicagoer Unterwelt geriet. – Beide Umschläge in typographsicher Gestaltung, der erste rückseitig mit einem Porträtfoto Al Capones.

19,0 : 12,8 cm. 229, [3] Seiten, 8 Tafeln bzw. 18,7 : 12,8 cm. 221, [3] Seiten. – Beide Umschläge minimal fleckig.

Blickfang 327 (nur I), beide nicht bei Holstein, Salter

372  Georg Salter. Drei von ihm gestaltete Einbände bzw. Schutzumschläge.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Berlin 1930–31.

I. René Crevel. Der schwierige Tod. Roman. Aus dem Französischen von Hans Feist. Berlin, S. Fischer 1930. Originalseidenleinenband, Entwurf unter Verwendung einer Zeichnung von R. C. von Ripper. Ohne den identisch gestalteten Schutzumschlag. – II. Willy Haas. Gestalten der Zeit. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1930. Originalseidenleinenband mit schwarz-gold geprägtem Deckel- bzw. Rückenschild, Schutzumschlag in Blau und Rot. – III. Sarah Levy. Henri und Sarah. Roman. Übersetzung aus dem Französischen von N. Collin. Originalseidenleinenband mit Goldprägung und hellblau geprägten Rückenschildern, Schutzumschlag in Blau und Schwarz. – Alle sehr gut erhalten.

Kleine Einrisse bei II hinterlegt.

Holstein 19, 48 und 94 (alle mit Abbildung). – Blickfang 330/331 (I und II)

373  Martin Weinberg – Um uns die Stadt.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Eine Anthologie neuer Großstadtdichtung. Herausgeber Robert Seitz und Heinz Zucker. Berlin, Sieben Stäbe 1931. Originalleinenband mit -schutzumschlag (Entwurf Martin Weinberg).

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der Reihe »Bücher der Epoche«. – Sowohl die Deckelvignette als auch die Illustration des Schutzumschlags verwenden das Motiv des Wolkenkratzers.

19,0 : 13,0 cm. 206, [2] Seiten. – Schutzumschlag am Rücken mit kleinen Fehlstellen, Einband dort etwas verblasst.

Blickfang 37

374  Deutscher Buch- und Steindrucker.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Monatlicher Bericht über die graphischen Künste. XXX. Jahrgang, Heft 1–12. Berlin, Oktober 1923 – September 1924. Mit zahlreichen, teils gefalteten und farbigen Tafeln und Mustern sowie zahllosen Abbildungen im Text. Originalhalbleinenband mit Rückenvergoldung.

Einige Hefte mit der Beilage »Graphische Feierstunden. Unterhaltungsblatt für Angehörige und Freunde des Druckgewerbes.«. – Das Hauptorgan des deutschen Druckgewerbes wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. – Besonders durch die vielen Anzeigen und beigegebenen Musterdrucke eine Fundgrube für zeitgenössische Werbung, graphische Gestaltung etc. Hier u. a. mit farbig lithographiertem Umschlagentwurf von Georg Salter (für das Notenheft »Michael Krausz. Die Tänzerin.« nicht bei Holstein), montierten Farbabbildungen nach Plakaten von Wilhelm Deffke, mehreren Abbildungen von Bauhausplakaten u. v. m. – Tadellos erhalten und komplett.

28,5 : 21,0 cm. 1000 Seiten, zahlreiche Tafeln.

375  Gustav Wolf. Das Zeichen-Büchlein.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Karlsruhe 1921. Mit 19 Holzschnitten im Text nach alten Vorlagen und drei auf Tafeln nach Zeichnungen bzw. Gemälden von Thoma, van Gogh und Hodler. Originalhalblederband mit den zwölf Tierkreis-Symbolen als farbige Holzschnitte auf den Deckeln (signiert: Werkstatt Buchkunst Otto Schick, Karlsruhe).

Erste, noch nicht öffentliche Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren, die Gustav Wolff (1887–1947), Professor für Graphik an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe, gemeinsam mit seinen Schülern entwarf, schnitt und druckte. – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert, nummeriert und mit dem Namen des Empfängers W. Storck (Direktor der Mannheimer Kunsthalle) versehen. – Wilhelm Gerstung in Offenbach druckte 1923 eine veränderte Ausgabe.

26,2 : 19,0 cm. 23, [3] Seiten, 3 Tafeln. – Kleine Druckstelle an den Oberkanten der Deckel.

Vgl. Rodenberg 233, I, 1

376  Philipp Albinus. Grundsätzliches zur neuen Typographie.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Berlin, Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker 1929. Mit 30 Abbildungen. Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Die ersten Abbildungen mit architektonischen Beispielen, gefolgt von Vergleichen konventioneller und neuer Satzgestaltung. – Philipp Albinus (1884 bis 1957) war von 1924–1933 Lehrer und Werkstattleiter an der Städtischen Kunstgewerbeschule Frankfurt. Er legte eine legendäre Sammlung von Drucksachen zur Typographiegeschichte an. – Sehr schönes Exemplar.

20,4 : 14,8 cm. 52 Seiten.

Alles Neu! 100 Jahre Neue Typografie und neue Grafik in Frankfurt am Main, S. 23 ff

377  Die Form.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. Jahrgang I, Heft 4. Berlin, Kurt Schroeder 1926. Mit zahlreichen fotografischen Abbildungen und architektonischen Plänen. Originalbroschur mit Umschlagdruck in Rot und Schwarz.

Frühes Heft der wichtigen Zeitschrift des Deutschen Werkbundes. – Im Herbst 1925 erschien das erste Heft »dieser hervorragend dokumentierenden Zeitschrift des deutschen Werkbundes« (D.-B.). W. C. Behrendt blieb bis Ende 1926 Herausgeber und wurde dann durch Walter Riezler abgelöst. Die Gestaltung der typographischen Umschläge lag anfangs in den Händen des Bauhäuslers Joost Schmidt (1893–1948), der ab 1928 die Reklameabteilung und die Druckerei in Dessau leitete. – In den 1920er Jahren wendete sich der Werkbund, nicht zuletzt unter Einfluss der Bauhäusler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, verstärkt der Architektur zu. Hier mit Beiträgen von Richard Döcker (Zum Bauproblem der Zeit), zu holländischer Architektur und über den Wettbewerb zur Gestaltung des Berliner Messegeländes. – Tadellos erhalten.

29,7 : 21,0 cm. Seiten 61–84, 4 Seiten Anzeigen.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Fleischmann 315. – A und O des Bauhauses, S. 70. – Rössler, Bauhaustypografie S. 127

378  Die Form.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. 8. Jahr, Hefte 2–5 und 7–11. Schriftleiter: Wilhelm Lotz. Berlin, Loewenthal bzw. (ab Heft 4:) Wendt & Matthes 1933. Mit zahlreichen Abbildungen, meist nach Fotografien. Originalbroschuren mit foto-illustriertem Vorderumschlag.

Die Zeitschrift des Deutschen Werkbundes, die 1933 den Verleger wechselte, wurde 1934 endgültig eingestellt. Sofort nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten waren zahlreiche Mitarbeiter und Beiträger emigriert. – Mit Beiträgen zu Textilkunst, Japan, Schulen, Goldschmiedearbeiten, Glas u. a. – In Heft 5: Walter Dexel: »Gebrauchsgegenstände aus drei Jahrhunderten«, in Heft 9: W. Wendland »Der Deutsche Werkbund im neuen Reich«. – Heft 11 mit Bericht über die Ausstellung »Die Kamera« in Berlin mit Abbildungen der Großfotos von W. Niemann sowie Aufnahmen von Renger-Patzsch, Hugo Erfurth u. a. – Hefte 2 und 3 als Beilage mit den beiden letzten Ausgaben von »Das Kunstblatt«. Die von Paul Westheim herausgegebene Zeitschrift wurde im März 1933 eingestellt. – Alle gut erhalten.

30,5 : 23,0 cm. Je 32 Seiten.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Jaeger 1074. – 100 Jahre Deutscher Werkbund, S. 139f. und 161. – Autopsie I, 248f. – Vgl. Dietzel/Hügel 1710

379  Das Reckendorfbuch.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausrufpreis/Starting bid: € 1200

Beiträge zum 50. Geburtstag von Hermann Reckendorf. 4. März 1930. [Berlin 1930]. Mit 18 ganz- und vier halbseitigen Illustrationen nach Zeichnungen und Gemälden. Grüner Originalleinenband mit blindgeprägter Deckelvignette.

Eins von 50 Exemplaren des Privatdrucks, gestiftet von Mitarbeitern und Freunden »aus allen Bereichen seines Wirkens, vom Rundfunk über die Kunst bis hin zum Deutschen Werkbund« (Roland Jaeger). – Mit eigenhändiger Widmung des Jubilars für Karl Würzburger (1891–1978), Rundfunkpionier, Schriftsteller und Kulturpolitiker. – Auf Bütten mit dem Verlegermonogramm »HRe« als Wasserzeichen. – Mit Textbeiträgen von Georg Graf Arco, Robert Breuer, Paul Westheim, vier »Negro-Songs« von Albert K. Henschel sowie blattgroßen Illustrationen nach den Widmungszeichnungen von Karl Hofer, Ludwig Meidner, George Grosz, Gerhard Marcks, Albert Schamoni, Oskar Kokoschka bzw. architektonischen Entwürfen von Hans Poelzig (farbig) und Hilberseimer. – Herbert Reckendorf (1880–1936) war Reklamechef bei Ullstein u. a. Verlagen und gründete 1920 in enger Zusammenarbeit mit und für den Deutschen Werkbund seinen eigenen Verlag, in dem bahnbrechende Werke zur Architektur und Fotografie, aber auch Rundfunkzeitschriften erschienen. – Sehr selten.

40,0 : 30,5 cm. 86, [2] Seiten.

Autopsie I, Seite 265

380  Deutsches Kunstgewerbe 1927.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 250

Mostra Internationale delle Arti Decorative di Monza, Sezione Germanica. Berlin [1927]. Mit 28 montierten Abbildungen. Farbig lithographierte Originalbroschur.

Typographie und Umschlaggestaltung von Ernst Böhm (1890–1963), der als Gebrauchsgraphiker an der vom Werkbund geprägten Staatsschule für Kunst Berlin-Charlottenburg lehrte. – Herausgegeben von dem Berliner Architekten Bruno Paul, damals Direktor vorgenannter Schule, der für die Konzeption der Ausstellungsräume verantwortlich war. Mit einem Textbeitrag von ihm und einem von Alfred Kuhn, jeweils in Italienisch und Deutsch. – Die Bildtafeln mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen nach Entwürfen von Bruno Paul, F. A. Breuhaus, Edwin Scharff, Ernst Barlach, Peter Lipman-Wulf, Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein, dazu thematische Listen von Künstlern und Werkstätten. – Wichtiger Ausstellungskatalog mit Referenzcharakter zum deutschen Kunstgewerbe der 1920er Jahre.

21,2 : 21,2 cm. 68 Seiten. – Minimal berieben und bestoßen.

381  Herbert Bayer – Section Allemande.

Schätzpreis/Estimate: € 5000

Zuschlag/Hammerprice: € 6000

Grand Palais 14. Mai – 13. Juillet. Exposition de la Société des Artistes décorateurs. Berlin, Hermann Reckendorf [1930]. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur mit geprägtem Folienumschlag.

Originalausgabe des bahnbrechenden von Herbert Bayer gestalteten Kataloges. – Katalog der deutschen Ausstellung innerhalb der »Société des Artistes décorateurs« in Paris. – Im 20. Jahr ihres Bestehens lud die französische Künstlervereinigung eine ausländische Abteilung nach Paris ein. Im Auftrag des Werkbunds gestaltete Walter Gropius unter Mitwirkung von Herbert Bayer, Marcel Breuer und Laszlo Moholy-Nagy eine Präsentation von mehr als 100 deutschen Designern, Architekten, Möbel-, Glas- und Kunsthandwerksfirmen in fünf Räumen. Welche Bedeutung die Ausstellung für Gropius hatte, wird deutlich, wenn er noch 1947 in einem Brief Alexander Dorners Darstellung widerspricht, »that the Werkbund Exhibition in Paris, 1930 […] were organized by Herbert Bayer.« Vielmehr sei er der Organisator dieser Ausstellungen gewesen, Moholy-Nagy, Bayer und Marcus Breuer hätten ihm jeweils nur assistiert. (vgl. unsere Auktion 7, KatNr. 332). – Das alphabetische Register am Ende des Prospekts liest sich wie ein Who-is-who der angewandten Kunst in Deutschland. – Mit Beiträgen von Walter Gropius, W. C. Behrendt, Laszlo Moholy-Nagy, Adolf Behne, Marcel Breuer, Hermann Muthesius, Friedrich Naumann und Paul Klee, alle auch in französischer Übersetzung. – Bild-Text-Seiten zu den fünf Ausstellungsräumen mit Vorstellung der Aussteller und zahlreichen Abbildungen von Bauten, Möbeln, Leuchten, Theaterbühnen und -aufführungen, Schriften, Stoffen und Tapeten, Glas, Keramik und Schmuck. Am Ende: Herbert Bayers Konzept einer perspektivischen Fotoschau, Modelle Bauhaus Dessau (Gropius) und Krankenhaus (Breuer/Hassenpflug), Marcel Breuer Sitzmöbel, Werbung für die Werkbundzeitschrift »Die Form« und Herbert Bayers Plakat zur Pariser Ausstellung. – Gedruckt in mustergültiger Bauhaus-Typographie in Rot und Schwarz, mit Fotomontagen und Zeichnungen. – Umschlagillustration mit Fotomontage. – Griffregister, Zellophanumschlag mit Blindprägung. – »Der zweischichtige Aufbau des Umschlags, eine Erinnerung an doppelbödig widersprüchliche, surreale Motive, wird von Seite zu Seite zur perfekten Blickführung ausgebaut.« (A und O des Bauhauses). – Sehr gut erhaltenes Exemplar einer der überzeugendsten gebrauchsgraphischen Arbeiten der Zeit. – Sehr selten.

15,0 : 20,7 cm. [44] Seiten, 1 montierte Klapptafel.

Rössler/Bayer D–07b. – Rössler, BauhaustypografieS. 134. – Fleischmann 280–283 mit acht Abbildungen. – Das A und O des Bauhauses 428, Seiten 251ff. – Wingler S. 528ff. – Autopsie I, S. 253, und II, S. 65

382  Hans Poelzig. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Potsdam, 20. August 1927. Eine Seite.

An seinen Mitarbeiter Heinrich Schapiro. – »Zum Hinscheiden Ihres Vaters mein herzlichstes Beileid. Selbstverständlich blieben Sie dort bei Ihrer Frau Mutter; Schwennicke ist hier – es ist alles in Ordnung«. – 1927 realisierte der Architekt Hans Poelzig (1869–1936) mit seinen Mitarbeitern Schapiro und Schwennicke solche Großprojekte wie das Ausstellungsgebäude der Berliner Sezession, die Umgestaltung des Platzes der Republik vor dem Reichstag u. a. – Auf dem Briefpapier des Architekten in dessen schwungvoller Handschrift sehr dekorativ.

Leichte Knick- und Faltspuren.

383  Art Déco – V[oldemar] Boberman. Tapis.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 260

Édité par Dim. Vingt quatre compositions en couleurs. Ave une préface par Maurice Raynal. Paris, Éditions des quatre chemins 1929. Mit 24 pochoirkolorierten Tafeln. Lose Blätter in Originalpappchemise mit Schließbändern.

Eins von 750 Exemplaren. – Die schönen Teppichentwürfe im Stil des Art decó wurden bei D. Jacomet gedruckt und prachtvoll pochoirkoloriert. Der teils kräftige und an den Rändern leicht verwischte Farbauftrag vermittelt die Anmutung von Originalgouachen. – Voldemar Boberman (1897–1987) wurde im armenischen Erivan geboren, wanderte nach Paris aus und wirkte dort als Marine-, Akt- und Landschaftsmaler.

33,0 : 25,0 cm. [2], 9, [1] Seiten, 24 Tafeln. – Rücken der Chemise mit Fehlstellen. – Ränder vereinzelt minimal gebräunt.

vgl. Vollmer I, 240

384  Bauhaus – Tapete und Raum.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 480

9 Beispiele moderner Raumgestaltung. Ohne Ort und Jahr. Neun Originaltapetenmuster, neun montierte Farbabbildungen. Klammergeheftete Originalbroschur.

Seltenes kleines Musterbuch mit zwei Beispielen für die Verwendung der berühmten Bauhaustapeten, hier einmal im Schlafzimmer, einmal im Kinderzimmer. Die auf die Tapetenmuster montierten Einrichtungsbeispiele u. a. mit den Kindermöbeln des Bauhäuslers Erich Dieckmann. – Weitere Muster von Weimartapete (5), Breuhaustapete und Maytapete. – Jeweils mit Erläuterungstext, Bestellnummer und Preisangabe. – Möglicherweise von der Tapetenfabrik Rasch herausgegeben, wohl Anfang der 1930er Jahre. – Selten und sehr gut erhalten.

11,0 : 15,5 cm. 9 Blätter. – 1 Muster mit kleinem Einriss.

385  Herbert Matter – Knoll International GmbH.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Zuschlag/Hammerprice: € 100

[Planungskatalog]. [Um 1959]. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur mit Spiralbindung.

Einrichtungskatalog für Sitzmöbel, Tische, Kastenmöbel und Betten, Büromöbel und Textilien. – Die Liste der Entwerfer liest sich wie ein »who-is-who« des Möbeldesigns: Harry Bertoia, Florence Knoll, Mies van der Rohe, Eeero Saarinen, Ilmari Tapiovaara, Inge Toft u. v. a. – 1937 wanderte der Stuttgarter Hans G. Knoll in die Vereinigten Staaten aus und gründete die »Hans G. Knoll Möbel-Company«. Nach Kriegsende firmierte er ab 1951 gemeinsam mit seiner Frau Florence als »Knoll International Ltd« mit weltweiten Niederlassungen. Durch die Stuttgarter Niederlassung gelangten ihre Interieurs und Möbel auch in westdeutsche Verwaltungsgebäude und Direktionsräume, kommunale Büros und Musentempel. – Die graphische Gestaltung stammt von Herbert Matter (1907–1984, Schweizer-US-amerikanischer Fotograf und Graphiker), der 1944 einen MoMA-Film über Alexander Calder drehte und 1952–1978 Grafikdesign in Yale lehrte. Er beriet u. a. das Guggenheim Museum und das Museum of Fine Arts Houston.

30,0 : 22,0 cm. 51 Blätter. – Spiralbindung rostig. Broschurdeckel angestaubt und fleckig.

386  Anton Stankowski. Embag.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Stuttgart 1964. Originalbroschur mit Deckelvignette. – Auf dem Vorderdeckel monogrammiert.

Sehr selten (gewordene) Publikation der Stuttgarter Papierfirma Emil Bandell, erschienen zu deren 100. Firmenjubiläum. – Die außergewöhnliche Gestaltung entwarf Anton Stankowski (1906–1998). Bereits während seines Studiums an der Folkwangschule in Essen entstanden gemeinsam mit seinem dortigen Lehrer Max Burchartz erste Entwürfe und »funktionelle Graphik«. Nachdem Stankowski einige Jahre in der Schweiz gearbeitet hatte, musste er 1934 nach Deutschland zurückkehren. Nach Kriegsende gründete er in Stuttgart ein eigenes graphisches Atelier. Neben Willi Baumeister, Max Bense, Walter Cantz und Egon Eiermann machte Stankowski Stuttgart zur »Hochburg des deutschen Graphikdesigns«. Er entwarf so bekannte Markenzeichen wie »Signal Iduna«, »Viessmann« und das berühmte »5-Linien-Viereck« der »Deutschen Bank«. – In dem Musterbuch werden 22 Papierproben präsentiert, jeweils mit einem kreisförmigen Ausschnitt. Durch den konzentrischen Versatz dieser Ausschnitte bildet sich ein vielfarbiges Muster. – 1964 wurden seine Arbeiten auf der documenta III gezeigt.

13,5 : 21,3 cm. 22 Blätter. – Minimal gebräunt, einige Papierproben mit schon bei der Herstellung des Buches ausgekratzter bzw. überklebter winziger Beschriftung .

387  Jacques Vaché. Lettres de Guerre.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 150

Avec un dessin de l’auteur et une introduction par André Breton. Paris, Au Sans Pareil 1919. Mit einer ganzseitigen Illustration und einer Titelvignette nach Zeichnungen des Verfassers sowie einem Faksimile. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Collection de Littérature No. 3. – Unnummeriertes Exemplar auf Velin Bouffant (Gesamtauflage 1000). – Enthält Briefe an Breton und Fraenkel und Zeitungsmeldungen über den Tod Vachés, der sich 1919 mit einer Überdosis Opium das Leben nahm. – Jacques Vaché (1895–1919) war eng mit André Breton befreundet, der Assistenzarzt in dem Krankenhaus in Nantes war, wo Vaché während seines Fronteinsatzes behandelt wurde. – »Ein Werk, das durch die Briefe und die ganze Lebenshaltung des Dichters entscheidenden Einfluss auf die jungen Dadaisten und kommenden Surrealisten hatte.« (Hans Bolliger). Noch 1938 betonte Breton im »Dictionnaire abrégé du surrealisme« diese Bedeutung. – Mit einer Bibliographie der »Éditions Au Sans Pareil«.

19,0 : 13,5 cm. [8], V, [3], 32, [8] Seiten. – Umschlag mit kleinen Einrissen am Rücken. – Vorsatzblatt leicht stockfleckig.

Dokumentations-Bibliothek II, 76 und IV, 138

388  Pierre Reverdy. Self Defense.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Critique – Esthétique. Paris 1919. Originalbroschur.

Erste Ausgabe, gedruckt in der »Imprimerie Littéraire«. – Eins von 350 Exemplaren auf Bütten (Gesamtauflage 364). – Mit einem Vorwort von Juan Gris. – Dazu: La Lucarne Ovale. Poèmes. Paris 1918. Originalbroschur. Gedruckt bei Birault, die Erstausgabe erschien 1916. Auf bläulichem Bütten.

15,0 : 10,0 cm. [32] Seiten. – Umschlag leicht geknittert.

389  Alfred Jarry. Gestes suivis des paralipomènes d’Ubu.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Paris, Éditions du Sagittaire 1920/21. Mit sieben Radierungen von Géo A. Drains, davon eine koloriert, sowie Buchschmuck und -illustrationen in Rot und Schwarz. Originalbroschur mit Titeln in Gold und Rot.

Erste Ausgabe. – Eins von 940 Exemplaren auf holländischem Bütten (Gesamtauflage 1040). – Wohl auf Anregung und unter Leitung von André Malraux entstandene, entzückende Ausgabe mit den Radierungen von Georges A. Drains, die erste koloriert, die übrigen in Sepia gedruckt. – Jede Doppelseite mit bordürenhaften Figuren, gedruckt in Rot und Schwarz. – Unbeschnitten.

15,0 : 15,5 cm. 152, [12] Seiten, 7 Radierungen. – Umschlagränder und -rücken leicht gebräunt.

Monod 6375

390  Tristan Tzara. Sept manifestes dada.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausrufpreis/Starting bid: € 1200

Quelques dessins de Francis Picabia. Paris, Éditions du diorama Jean Budry [1924]. Mit einem blattgroßen Tzara-Porträt und acht Textillustrationen. Schwarze Originalbroschur.

Erste Ausgabe dieser Sammlung von Tzaras Dada-Manifesten. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Madagascar Papier (Gesamtauflage 300). – Tristan Tzara, eigentlich Samuel Rosenstock (1896–1963), zählt zu den Mitbegründern von Dada Zürich. Sein »Manifeste de Monsieur Antipyrine« von 1916 gilt als die erste Publikation der Zürcher Dadaisten. Acht Jahre später fasst der seit 1919 in Paris lebende Dichter seine wichtigsten bis dahin verfassten Texte zusammen: »Manifeste de Monsieur Antipyrine«, »Manifeste Dada 1918«, »Proclamation sans prétention«, »Manifeste de Monsieur Aa l’antiphilosophe«, »Tristan Tzara«, »Monsieur Aa l’Antiphilosophe nous envoie ce manifeste«; »Dada manifeste sur l’amour faible et l’amour amer« und »Annexe«. – Unaufgeschnittenes Exemplar der sehr seltenen Vorzugsausgabe auf besserem Papier.

19,2 : 14,0 cm. 97, [7] Seiten. – Umschlag lose, ein Umschlaggelenk gebrochen. Am Rücken leicht berieben. Ohne das blaue Deckelschild.

Dada global 218. – Dokumentations-Bibliothek I, 64. – Harwood 5

391  Hans Arp. Der Pyramidenrock.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Erlenbach-Zürich und München, Eugen Rentsch [1924]. Mit einem Porträt des Dichters von Amedeo Modigliani. Typographisch illustrierter Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Bedeutende Gedichtsammlung aus Arps Dadazeit. – Enthält: Opus Null, Schneethlehem, Der poussierte Gast, Sekundenzeiger, Schnurrmilch, Das bezungte Bett, Arabische Sanduhr, Die Notendurft, Die Schwalbenhode, Pupillennüsse, Der gebadete Urtext, Das Fibelmeer, Sankt Ziegenzack Sankt Faßanbaß. – Das Arp-Porträt war bereits 1916 im »Cabaret Voltaire« abgebildet.

25,0 : 19,8 cm. 70, [2] Seiten. – Ränder und Rücken leicht, innen papierbedingt etwas stärker gebräunt.

Hagenbach A 5. – Raabe/Hannich-Bode 8.4. – Dada Zürich 67

392  Hans Arp. 1924 · 1925 · 1926 · 1943.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

Bern, Benteli 1944. Mit einer ganzseitigen Illustration nach einer Zeichnung von Sophie Taeuber-Arp. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren. – Nach der Typographie von Jan Tschichold gedruckt. – Tadellos schönes Exemplar. – Selten. – Dazu: Hans Arp. Wortträume und schwarze Sterne. Auswahl aus den Gedichten der Jahre 1911–1952. Wiesbaden, Limes 1953. Mit vier Bildtafeln. Originalbroschur. Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten, jedoch ohne die signierten Holzschnitte. – Hans Arp. Behaarte Herzen 1923–1926. Könige vor der Sintflut 1952–1953. Frankfurt, Meta 1953. Mit einem Holzschnitt. Originalpappband. Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit dem Frontispizholzschnitt (hier lose), der signierte beigelegte Holzschnitt fehlt.

24 : 16 cm. [32] Seiten.

Hagenbach A 14 sowie 27 und 28

393  George Grosz – Richard Huelsenbeck. Phantastische Gebete.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

Zeichnungen von George Grosz. Zweite erweiterte Auflage. Berlin, Der Malik-Verlag Abteilung DADA 1920. Mit Porträt des Verfassers und 13 Illustrationen nach Zeichnungen von George Grosz, davon zwei auf dem Umschlag und vier blattgroß. Neuer Kartonumschlag, der illustrierte Originalumschlag aufgezogen.

Erste Ausgabe mit den Grosz-Illustrationen. – Huelsenbecks Erstling erschien 1916 in Zürich mit Holzschnitten von Hans Arp. Restbestände dieser Ausgabe wurden 1920 vom Malik-Verlag übernommen und vertrieben. George Grosz und Richard Huelsenbeck hatten während dieser Jahre schon gemeinsam in verschiedenen DADA-Zeitschriften veröffentlicht, die auch textlich erweiterte Neuausgabe der »Phantastischen Gebete« war nun der erste reine Huelsenbeck-Text den Grosz illustrierte; ein Jahr später erschien »Doctor Billig am Ende«.

26,2 : 18,0 cm. 31, [1] Seiten. – Umschlag an den Rändern gebräunt und mit kleinen Fehlstellen. – Die letzte Seite im Falz angerändert und der Buchblock eingebunden.

Lang, Grosz 10. – Raabe/Hannich-Bode 132.1. – Dada global 70. – Hermann 199

394  George Grosz – Bertolt Brecht. Die drei Soldaten.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Ein Kinderbuch […] mit Zeichnungen von George Grosz. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1932. Mit 25, davon 16 ganzseitigen, Illustrationen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Erschienen als Versuche 14, Heft 6. – »Das Buch soll, vorgelesen, den Kindern Anlaß zu Fragen geben.« (Vorwort). – Die Auflage wurde beschlagnahmt und zum Großteil vernichtet. – Beigabe: Versuche, Hefte 2-5, 7 und 9–14.

24,0 : 16,5 cm. 59, [1] Seiten. – Umschlag lose und mit Randläsuren. – Die beigegebenen Hefte mit beschädigten Umschlägen und nicht kollationiert. – Exlibris.

Lang, Grosz 62. – Stuck-Villa II, 195. – Kunze/Wegehaupt S. 362ff. mit mehreren Abbildungen. – Seidel 6 und 7.9-15. – Melzwig 147.1. – Raabe/Hannich-Bode 41.48

395  George Grosz – Arthur Holitscher. Amerika.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 3800

Heute und morgen. Reiseerlebnisse. Berlin, S. Fischer 1912. Mit zahlreichen fotografischen Abbildungen. Originalleinenband, Deckelvignette, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. In privater Leinenkassette.

Erste Ausgabe von Holitschers wichtigstem Werk. – George Grosz‘ Exemplar, das er im Laufe vieler Jahre mit zahlreichen Anmerkungen in Deutsch und Englisch versah. Die Anmerkungen mit Bleistift und Tinte entstanden während wiederholter Lektüre. Auf etwa 60 Seiten finden sich Grosz‘ spontane Kommentare. – Trotz der besonders später vorgebrachten Kritik an mancher Sichtweise Holitschers schätzte Grosz dessen Arbeit sehr. 1926 schrieb er an den befreundeten Kunstsammler Eduard Plietzsch: »Lesenswert auch Reiseschilderungen von Holitscher – der Beste, den wir als Reiseberichter haben. (Mit modernem Blick und ›politischem‹ Bewußtsein – kein dummer Junge.)« (Briefe, 1979, S. 99).

Titelblatt: »This very book influenced me a great deal to make up my mind (the time was 1912) to go to the United STATES | G. G. | Huntington/Nov 4/48«. – »In diesem Buch wird nicht 1. psychoanalisiert 2. nicht getrunken 3. nicht geraucht«. – »Holitscher war idealistischer Sozialist, das versucht er hier zu beweisen – wenn er’s tut – schrecklich« und darunter und »Freud & Tiefenpsychologie kannte er nicht – schade«. – In frühen Einträgen findet sich Grosz‘ kritische Sicht auf die USA: »heute siehe Israel sie versuchen zu colonisieren«. – »Vorwegnahme von Reader’s Digest – that is: Cultur der Mittelklasse vom Kochrezept zu Euclid«. – Seite 153 mit kleiner Zeichnung: Eine Wippe mit »Oberklasse / Kapital« oben und »Unterklasse / Proletariat« unten sitzend. – Immer wieder wird Holitscher selbst ironisch kritisiert: »typisch Hollitscher [sic!] wusste noch nichts von ›Massenpsychologie‹ & Freud – alter anarchistischer Schwärmer & somewhat idealiste«. – »Arthur, du warst doch auch mal jüdisch – warum denn so ironisch«. – »hat er nur gelesen, hat selbst nie teilgenommen – ist nur durchgefahren«. – »na, na geheimnisse da man nichts hinein – alter Jenosse«. – In den letzten Kapiteln schreibt Holitscher u. a. über die Rolle der Gewerkschaften. Hier kommentierte Grosz 1954 mit bitterer Sicht auf die Entwicklungen in der UdSSR unter Stalin und prognostiziert »ein neues – und ein ziemlich blutunterlaufenes – Gesicht«, konstatiert »dumme Agitation a la Masereel & Toller« oder kritisiert einfach nur »grässlich, schauerlich, Quatsch, dummes Zeug, einseitig sozialistischer Quatsch«. – Religion: »My eye – ›Seelsorger von Morgen‹ – Terroristen & Concertlager [sic!] – Inquisition, siehe Russland«. – Literatur: »Dummheit 1912 wusste noch nicht von O’Neil, Faulkner, Tennessee Williams & Miller«. – Kunst: »Die Bierbrauer sind die Mäcene der Baseball League – nicht des Theaters – das ist okay – ein Deutscher ist nicht verpflichtet ein Mäcen der Kunst zu sein«. – Holitschers Resümee »Amerika ist das Schicksal und die Erfüllung des Menschengeschlechts« kommentierte Grosz mit seinem letzten Eintrag: »nicht schlecht like Sowjetrussland«. – Hinteres Vorsatzblatt mit einigen Anmerkungen von Grosz.

20,8 : 13,5 cm. 429, [3] Seiten.

396  Dada [und seine Berliner Protagonisten]. Runen-Kalligraphie.

Schätzpreis/Estimate: € 4500

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

Bleistift auf Papier. Ohne Ort und Jahr, wohl um 1920.

Einzigartiges und originelles Dokument eines sicher vergnüglichen Zusammenseins der drei Berliner Dada-Größen »Oberdada« Johannes Baader, »Dadasof« Raoul Hausmann und »Weltdada« Richard Huelsenbeck. – Den von Sprach- und Schriftexperimenten begeisterten Dadaisten war das 1878/1880 in Wien erschienene »Buch der Schrift, enthaltend die Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und aller Völker des Erdkreises« von Carl Faulmann sicher eine inspirierende Fundgrube. Bei einem Treffen der oben genannten wurde der Name »Dada« zunächst in der sogenannten »Zend-Avesta« (Faulmann Seite 91) notiert, danach in »Irischen Ogham-Runen« (Seite 166). In diesem Strichcode folgen dann Titel und Namen der drei Anwesenden. – Neben den Runenreihen notierte Johannes Baader die »Klarnamen«. Von ihm stammt möglicherweise auch die Umschrift seines Namens ins deutsche Sütterlin. – Das Blatt wurde am Rand verklebt und gefaltet. – Rückseitig ein Gedichtmanuskript in deutscher Schreibschrift (drei Strophen) : »Horch, schon zwitschern in den Lüften | Schwalben, die der Lenz geschickt […] Ein Lawinchen aus der Höhe | Schmilzt und fließt dem Tale zu«. – Vom Vorbesitzer aus dem Nachlass Raoul Hausmanns erworben.

27,0 : 22,0 cm. – Klebereste, Faltspuren.

397  Raoul Hausmann – Alexander Koch. 600 Monogramme und Signets.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Darmstadt [1911]. Mit zahlreichen Abbildungen auf 30 Tafeln. Originalbroschur. – Mit eigenhändigem Manuskript und zwei eigenhändigen Anmerkungen von Raoul Hausmann auf dem Vorsatzblatt und im Buch selbst.

Raoul Hausmann (1886–1971) erwarb die Koch-Publikation wohl 1915 (Datierung in Tusche auf dem Vorsatzblatt). In Tusche notierte er im Buch einige ironische und kritische Anmerkungen, z. B. unter »Alle Rechte vorbehalten«: »warum? wegen des bischen nachgepanschten Biedermeiers? oder des Bauernstils? (Wahrscheinlich wegen der »Kultur‹!)«. – Wohl etwas später benutzte er das vordere Vorsatzblatt für ein Manuskript: »Diese ganze quasi-neopathetische Gesellschaft (Lych, Rubiner, Hardekopf, Ghuttmann etc Unger) hält sich für weiss wie sehr tief – ist aber eben doch nur so obenhin. Selbst [ausradierte Textstelle] gewitzt, gewieft, aber eben zu gewitzt – er könnte nie etwas schreiben wie Bergson’s ›Über Kunst‹ einfach weil er zu witzig ist, um die Dinge so zu durchleuchten, dass die Fassung seines Geistigen wieder dinglich erscheint – er ist lieber abstrait, absent. […] alle verwechseln ihre Peripherie mit dem centralen Subjekt. Das Frankreichheft [der Aktion] zeigt, dass die Franzosen erfüllt und ausgehend von diesem Subjekt, sich alle ›Dinge‹ reproduktiv schöpferisch zu eigen zu machen verstehen […]«. Zu den Neopathetikern, einem prä-expressionistischen Dichterkreis in Berlin gehörten u. a. Georg Heym, Ernst Blass und Jakob van Hoddis. – Hinterer Vorsatz mit einem weiteren Manuskript, in deutscher Schreibschrift, Urheberschaft unklar: »Der Schauendentrückte hat die Vision eines Körpers […]«.

29,5 : 21,0 cm. [8], 30, [4] Seiten. – Einige Monogramme im Buch ankoloriert.

398  Hannah Höch. Eigenhändiges Gedichtmanuskript mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

[Berlin], Februar 1918. Sieben Seiten.

Auf zwei gefalzten Blättern: »I. O blauer Tag | Abhang. | Blau, so himmelblau | rot, grün, weiss | Maiwiese. || Schreitend Sie. | Zitternd Leben fühlend | aus Todnächten kommend | […] Da fiel ein weisses Kleid – | und nackt | ein weisser Leib] eine rote Wunde | ein todmüdes Herz … | sank – | hilflos, friedvoll. || Da | talab | schreit welthin | ein D-Zug. || Morgen schon – | eine blasse Frau – | Tact von eisernen Rädern: | Wo ist das Kind | Bohrend: | Wo ist dein Kind – | Stöhnend: | kein Kindelein | kein Kindelein […]«. – »II: Nebel, | stöhnend die Fahrt. […] Plötzlich | hart neben ihr | Männerhand | schwer auf Schultern. | Die Blasse denkt: | Wiese – – Lenze. | Jener glüht – breitet aus | die Herrlichkeit der Welt. […| Da – | zugentlang | ein Weib rasend | frevelhaft sicher | ihr Angesicht. | – Der Mann winkt! – | Es bricht Weg | gellend himmelan | die Blasse sinkt. – | – Stille – weint – | niegeboren | ihr Kind.« – Diese zu den wenigen literarischen Arbeiten der Dada-Künstlerin zählenden Zeilen entstanden im heftigsten Krisenjahr ihrer seit 1915 währenden Liebesbeziehung mit dem verheirateten Raoul Hausmann. Hannah Höch hatte sich (nach 1916) zum zweiten Mal zu einem Schwangerschaftsabbruch entschlossen, da sie kein Kind von Hausmann bekommen wollte, während dieser noch mit Elfriede Schaeffer verheiratet war. Selbst nach diesem Eingriff gelang es Hausmann aber nicht, sich von seiner Ehefrau zu trennen, vielmehr kam es zu massiven Streitigkeiten und handgreiflichen Auseinandersetzungen mit Hannah Höch. – 1918 war für Dada Berlin sicher das entscheidendste Jahr: Ende Januar hielt Huelsenbeck die »Erste Dada-Rede« in Deutschland, im April fand die Berliner Dada-Soirée statt, im Sommer entdeckten Hannah Höch und Raoul Hausmann das Prinzip der Fotomontage. – Vom Vorbesitzer 1989 aus dem Besitz von Raoul Hausmanns Tochter Vera erworben. – Dazu: Sechs Skizzenblätter mit Modeentwürfen. Bleistift. Möglicherweise von Hannah Höch, die seit 1916 neben ihrem Studium für die Handarbeitsredaktion des Ullstein-Verlages arbeitete. Ein Blatt rückseitig mit handschriftlicher Erläuterung »Kunstwolle«.

399  Hannah Höch. Drei eigenhändige Briefe, alle mit Unterschrift

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 4200

[Berlin], 29. IV. 1918 – 31. V. 1919. Zusammen 23 Seiten.

Alle an Elfriede Hausmann-Schaeffer (1876–1952), die damalige Ehefrau von Raoul Hausmann. Die Geigerin und Musiklehrerin lebt seit 1905 mit dem zehn Jahre jüngeren Hausmann zusammen, der damals versucht, in Berlin als Künstler und Literat Fuß zu fassen. 1907 wird ihre gemeinsame Tochter Vera geboren, 1908 heiratet das Paar. – Hannah Höch (1889–1978) kehrt 1915 nach Berlin zurück und wird Schülerin in der von Emil Orlik geleiteten Klasse für Graphik und Buchkunst in der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums. Bereits im April lernt sie Raoul Hausmann kennen – es entwickelt sich eine dramatische Liebesbeziehung, die sich auch in künstlerischer Hinsicht auf Höchs weiteren Lebensweg auswirkt. Hausmann zögert, Frau und Kind zu verlassen, Hanna Höch verlangt wiederholt und erfolglos eine eindeutige Klärung der Situation. 1916 und 1918 lässt Hannah Höch zwei Schwangerschaften abbrechen, da sie es trotz Kinderwunsch ablehnt, ein Kind des noch Verheirateten zur Welt zu bringen. An der berühmten Berliner Dada-Soirée am 12. April 1918 nahm Hannah Höch nach einer heftigen Auseinandersetzung mit Hausmann, in der er sie auch körperlich attackierte, nicht teil. Sie fand Schutz bei ihrem Bruder Danilo. – In diesem Zeitraum entstehen die ersten beiden Briefe. 29. IV. 1918: »Sie haben Fesseln gelegt statt … diesen Menschen mit mir … in den Himmel laufen zu lassen. […] Damals hatte ich heilige Kräfte und wäre ganz rein und naiv über alle Klippen mit ihm gelaufen. […] Sie aber gaben ihn nicht frei als es an der Zeit war, – und so musste ich durch alle Qualen der Welt, konnte ihm im Dunkel nicht strahlen und meine Liebe welkte im Schmutz. […] auch Sie wollten etwas von ihm, und wenn es nur, was ich nicht mal glaube, Ihr Kind war, und Sie sagen; er sei Ihnen etwas schuldig geblieben? – Sie hatten Ihr Kind von ihm bekommen! und vieles andere dazu. und schuldig war er Ihnen noch ?!?! Dankbarkeit. und dann zerstörten Sie unser Leben.« – Juni 1918: »Habt Ihr nicht gewühlt, die Schamdecke von meinem Herzen gezerrt bis Ihr mein armes Herz ans Licht gezerrt hattet, dann zerpflückt, Forderungen gestellt und mich verdroschen, zu zweit. […] Du hasst mich genau so wenn nicht noch bösartiger, weil versteckter, wie ich Dich hasse. […] Und darum musste ich für alle drei Schläge […] erdulden und dann darf ich an der Tür stehen mit meinem zerschundenen Körper, kaum noch aufrecht, und darf hören: sieh sie Dir doch an … muss sie einem nicht leid tun … dass man sie so schlagen muss. […] Ich gehe jetzt und bin nicht schuldig. Äusserlich durch Eure Schuld aber im Grunde durch höheres Gesetz, das Ihr aus Bequemlichkeit und Bürgerlichkeit nicht anerkennen wollt.« – 31. Mai 1919: Sie schildert die Verwirrungen im Zusammenhang mit einem Ausstellungsbesuch und schreibt über eine »Lüge, die Du mir sogar aufzuschreiben wagtest; die nämlich R. H. erst wenige Tage vorher Johannes Baader mit ähnlichen Worten erzählte: ich sei in Jahren nicht vom Fleck zu bringen. […] Die grosse Verachtung geht weiter. […] ich habe Dich nicht oberflächlich ›bekämpft‹: Ich habe in Dir das Prinzip bekämpfen müssen. [… Schlusszeile:] Weitere Nachrichten erhältst Du nicht von mir.« – Hausmann zieht wahrscheinlich im Juni 1919 zu Hannah Höch,. Die emotionalen und psychischen Spannungen eskalieren und bleiben bis zur endgültigen Trennung Mitte 1922 bestehen. Im September 1921 beginnt auf der gemeinsamen Prag-Reise der Paare Hausmann-Höch sowie Kurt und Helma Schwitters die lang anhaltende – auch künstlerisch bedeutende – Freundschaft zum Merz-Begründer. 1923 folgen die Bekanntschaften mit den Bauhaus- und De Stijl-Protagonisten. – Hoch emotionale Schreiben, die Einblick in eine der prägendsten Lebensphasen der Dada-Künstlerin gewähren. Die Gegenbriefe an Hanna Höch sind im Archiv der Berlinischen Galerie erhalten.

Vgl.: Hannah Höch. Aller Anfang ist Dada! Herausgegeben von Ralf Burmeister. Berlin 2007

400  Kurt Schwitters. Anna Blume.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Dichtungen. Hannover, Paul Steegemann 1919. – Elementar. Die Blume Anna. Die neue Anna Blume. Eine Gedichtsammlung aus den Jahren 1918–1922. Einbecker Politurausgabe. Berlin, Der Sturm [1923]. – Illustrierte Originalbroschuren.

I. Erste Ausgabe. – Die Silbergäule, Band 39/40. – Mit seiner ersten selbstständigen Veröffentlichung schuf Kurt Schwitters das Markenzeichen »Anna Blume«. Durch Herwarth Walden war er in Verbindung mit den Berliner Dadaisten gekommen und fühlte sich deren Kunstauffassung verbunden: Die Umschlagzeichnung der »Anna Blume« wird von dem in Rot gedruckten Wort »dada« dominiert. Richard Huelsenbecks scharfe Kritik an der Dichtung und die Zurückweisung durch andere Dada-Künstler, nicht zuletzt aufgrund von Schwitters Verbindung zum Sturm-Verleger Walden, führten zur Gründung von »Merz«. – II. Einbecker Politurausgabe. Erste Ausgabe. – Am Ende das Statement des Verfassers: »Kurt Schwitters ist der Erfinder von MERZ und i und erkennt neben sich niemand als Merzkünstler oder i-Künstler an.« – Enthält unter anderem den Erstdruck des berühmten »i«-Gedichts (lies: »rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf«). – Dazu: Memoiren Anna Blumes in Bleie. Eine leichtfaßliche Methode zur Erlernung des Wahnsinns für Jedermann von Kurt Merz Schwitters. Berlin, Petersen Press 1964. Faksimiledruck der Ausgabe von 1922. Eins von 200 Exemplaren.

I. 22,3 : 14,4 cm. 37, [3] Seiten. – II. 23 : 15 cm. 32 Seiten. – Ränder und Umschläge gebräunt, Rücken und Falze innen mit Filmoplast überklebt. – Bindungen gelöst. Seiten papierbedingt gebräunt.

Schmalenbach/Bolliger 1 und 4. – Raabe/Hannich-Bode 273.1 und 5. – Dada global 121 und 123. – Meyer 20.1 (I)