ChristianHesse

Lot 401 – 450 | Hesse-Auktionen
Lot 401 – 450

401  Futurismus – F. T. Marinetti. Osvobozená slova

€ 400

(tschechisch: Les mots en liberté futuristes). Prag, Petr a Tvrdy 1922. Mit vier Falttafeln nach Marinetti. Originalbroschur, Vorderdeckel mit Linolschnitt von Josef Capek.

Eins von 1500 Exemplaren. – Erste Ausgabe der einzigen Übersetzung. – »Capek’s linocut cover […] underlines the extent to which Cubism had influenced the Czech artist. The inventive typography was inspired and yet went beyond the original edition, utilizing the unique graphic and phonetic possibilities of the Czech language, evident in the fold-outs. Published within three years after the original French edition, it still remains the only translation ever« (Vloemans).

20,0 : 13,0 cm. 74, [14] Seiten, 4 Falttafeln. – Rücken etwas verfärbt und brüchig. – Vorderdeckel mit kleinem Eckabriss, hinterer mit Stempel. – Einige Lagen lose, die Faltblätter mit kleinen, sauber hinterlegten Einrissen.

Vloemans Avantgarda 15

402  Noi.

€ 450 ( R7 )

Rivista d’Arte Futurista. Direttore: Enrico Prampolini. Numero speciale su l’arte decorativa futurista. Rom 1923. Mit zahlreichen Abbildungen. Rote Originalbroschur mit Typographik in Gelb und Schwarz.

Erster Jahrgang der Neuen Serie, No. 3/4. – Mit Abbildungen von Kunstwerken von Depero, Marchi, Huszar & Wils, Belling, Prampolini, Van Doesburg, Marasco u. a. sowie der »Parole in Liberta« von Morpurgo. – Textbeiträge von Virgilio Marchi, E. Prampolini u. a. – Schön und inhaltsreich.

35,0 : 24,7 cm. 24 Seiten. – Heftklammern entfernt.

Schwarz, Almanacco Dada 105. – Salaris 100

403  F[ilippo] T[ommaso] Marinetti. Gli aeropoeti futuristi

€ 400

dedicano al Duce. Il poema di Torre Viscosa. Parole in libertà futuriste. Mailand, Snia Viscosa 1938. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Umschlagtitel mit eigenhändiger Widmung »omaggio futurista« für den Schweizer Kunstkritiker Emile Schaub-Koch (1890–?). – Enthält auch das futuristische Manifest »La poesia dei tecnicismi« (wohl Erstdruck).

32,7 : 24,5 cm. [12] Seiten. – Horizontale Knickfalte, hinterer Umschlag gebräunt.

Salaris S. 53

404  Tristan Tzara. Vingt-cinq poèmes.

€ 4000

H[ans] Arp. Dix gravures sur bois. Zürich, Collection Dada 1918. Mit zehn (und zwei wiederholten) Holzschnitten, davon acht ganzseitig. Originalpappband mit dem Deckelschild aus Goldfolie.

Erste Ausgabe. – Die zweite Publikation Tzaras und die erste, die Hans Arp für ihn illustrierte. Arp war 1916 auf Einladung Hugo Balls zum »Cabaret Voltaire« gestoßen und rasch zu einem der zentralen Dada-Künstler avanciert. In der »Collection Dada« erschienen auch zwei Werke Huelsenbecks mit seinen Holzschnitten. – Zur Auflagenhöhe, die neben den zehn Vorzugsexemplaren, bei J. Heuberger in Zürich gedruckt wurde, ist nichts bekannt. – Die Holzschnittvignetten auf dem Titel bzw. am Ende des Textes werden auf dem Deckelschild bzw. unter dem Druckvermerk wiederholt.

20,3 : 14,8 cm. [52] Seiten. – Deckelränder und Rücken gebräunt, Vordergelenk angeplatzt. Buchblock lose. – Innen sehr schön.

Harwood 2. – Hagenbach 46. – Arntz 16–25. – Dada Zürich 82. – Castleman 177

405  Dada – Tristan Tzara. Cinéma calendrier du cœur abstrait | maisons.

€ 6000

bois par arp. Paris, collection dada 1920. Mit 19 Holzschnitten von Hans Arp. Helle, unbedruckte Originalbroschur.

Erste Buchausgabe. – Eins von 150 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Hans Arp signiert (wie häufig fehlt auch hier die Signatur Tzaras). – Der französische Dada-Spezialist Michel Sanouillet bezeichnete Tzaras Dichtungen in diesem Werk einmal als »funkelndes verbales Delirium« und »die vollendete Form der dadaistischen Improvisation«. – »Typographie und Illustration ergeben eine seltene Einheit. Ein zu wenig beachtetes Buch, das verdient, zu den besten der illustrierten Werke unseres Jahrhunderts gezählt zu werden« (Hans Bolliger). – Die Holzschnitte von Arp wurden von den Originalstöcken gedruckt, die anschließend zerstört wurden. – Druck bei Otto von Holten in Berlin. – Auf altem Nürnberg-Bütten mit Wasserzeichen »Giorgio Adamo Beckh Norimbergo«, einem außergewöhnlichen Papier auf dem Otto von Holten verschiedene Dada-Werke aber auch Bücher von Marcus Behmer druckte. – Sehr schönes breitrandiges Exemplar, leider ohne die Bauchbinde. – Sehr selten, sehr gut erhalten und in einer schönen Kassette mit schwarzem Lederrücken und vergoldetem Rückentitel.

25,7 : 21,0 cm. [76] Seiten. – Vereinzelte unbedeutende Stockflecken.

Harwood 4. – Arntz 59–77. – Hagenbach 52. – Dada global 217. – Dokumentations-Bibliothek II, 41

406  Dada – Excursions & visites Dada.

€ 800

1ère visite: Eglise Saint Julien le Pauvre. Jeudi 14 Avril a 3 h. Paris [1921].

Flugblatt der Pariser Dadaisten für eine Exkursion, weitere wurden angekündigt, fanden jedoch niemals statt. – »Les dadaïstes de passage à Paris voulant remédier à l’incompétence de guides et de cicerones suspects, ont décidé d’entreprendre une série de visites à des endroits choisis, en particulier à ceux qui ont vraiment pas de raison d’exister, – C’est à tort qu’on insiste sur le pittoresque (Lycée Janson de Sailly), l’intérêt historique (Mont Blanc) et la valeur sentimentale (La Morgue). – La partie n’est pas perdue mais il faut agir vite. – Prendre part à cette première visite c’est se rendre compte du progrès humain, des destructions possibles et de la nécessité de poursuivre notre action que vous tiendrez à encourager par tous les moyens.« – Unterzeichnet von Gabrielle Buffet, Louis Aragon, Arp, André Breton, Paul Eluard, Th. Fraenkel, J. Hussar, Benjamin Péret, Francis Picabia, Georges Ribemont-Dessaignes, Jacques Rigaut, Philippe Soupault und Tristan Tzara. – Grünliches Maschinenpapier, Druck in Blau und Schwarz. – Selten und gut erhalten.

27,5 : 21,8 cm. – Ränder minimal verfärbt und mit winzigen Knittern.

Dada global 235

407  Dada – Dadaisten gegen Weimar.

€ 800

Flugblatt. Februar 1919. 23,5 : 20,6 cm.

Baader kündigte seine Ernennung zum »Präsident des Erdballs« am 6. Februar 1919 im Kaisersaal des Weinhauses Rheingold in der Berliner Bellevuestraße an. Herausgegeben vom »Dadaistischen Zentralrat der Weltrevolution« und typographisch unterzeichnet von Baader, Hausmann, Tzara, Grosz, Janco, Arp, Huelsenbeck, Franz Jung und – ironisch hinzugesetzt – von dem Verleger (und Militärberichterstatter) Alfred Richard Meyer und dem Berliner Polizeipräsidenten Eugen Ernst. Das Flugblatt entwarf Baader als Reaktion auf die Wahlen zur Nationalversammlung und kündigte an »Wir werden Weimar in die Luft sprengen. Berlin ist der Ort …da…da! Es wird niemand und nichts geschont werden. Man erscheine in Massen!« Erwähnt in der Überschrift auch das »Cabaret zur blauen Milchstraße«. – Nach eigenen Angaben soll Baader Hunderte Exemplare des Flugblatts im Sommer in der Weimarer Nationalversammlung abgeworfen haben. – Rückseitig unbedruckt.

Kleine Randläsuren und winzige Einrisse. Unten rechts leichter Wasserrand.

Dada global 73. – Bergius, Lachen des Dada S. 336. – Verkauf S. 52 mit Abbildung (aber falscher Datierung). – Dokumentations-Bibliothek III, 26.5

408  Richard Huelsenbeck. En avant Dada. Eine Geschichte des Dadaismus.

€ 300

Hannover, Paul Steegemann 1920. Typographisch illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Die Silbergäule, Band 50/51. – »Die authentische Geschichte des Dadaismus, geschrieben von einem der Begründer […]« (Hans Bolliger). – Mit der schönen Dada-Anzeigenseite »Die Original DADAisten geben das Copyright ihrer Werke dem Verleger Paul Steegemann […] Herr Kurt Schwitters aus Hannover Waldhausen setzte als erster Dadaist auf einen Doppel Silbergaul […]« und der berühmten Typographik auf dem Vorderdeckel (»Ist Dada heilbar?« »Das witzigste Buch über ernsthafte Dinge«). – Unbeschnitten.

23,4 : 15,3 cm. 44, [4] Seiten. – Umschlagränder leicht gebräunt.

Dada global 67. – Meyer 32. – Dokumentations-Bibliothek I, 56. – Raabe/Hannich-Bode 132.8

409  Hans Arp. Die Wolkenpumpe.

€ 750

Hannover, Paul Steegemann 1920. Originalbroschur mit Deckelvignette nach einem Holzschnitt von Hans Arp.

Erste Ausgabe. – Die Silbergäule, Band 52/53, im Impressum irrtümlich als Band 50/51 bezeichnet. – Fast zeitgleich mit »Der Vogel selbsdritt« erschienene Gedichtsammlung.

23,4 : 15,2 cm. [24], [4] Seiten. – Umschlag minimal geknittert. – Vereinzelt winzige Stockflecken. Obere Ecken etwas geknickt, eine Seite mit kurzem Einriss.

Hagenbach 3. – Döhl 4. – Raabe/Hannich-Bode 8.2. – Dada Zürich 66. – Meyer 26

410  Hans Arp. Behaarte Herzen 1923–1926. Könige vor der Sintflut 1952–1953.

€ 800 ( R7 )

Frankfurt am Main, Meta 1953. Mit einem blattgroßen Holzschnitt von Hans Arp. Originalpappband mit blindgeprägter Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe, der außer dem eingebundenen Holzschnittfrontispiz »Fisch« der signierte Holzschnitt »Muschelgesicht« beigelegt wurde (Gesamtauflage 600). – Mit einer Bibliographie von Arps Publikationen. – Selten.

26,2 : 21,0 cm. 52 Seiten, 1 lose Holzschnitt. – Vorderdeckel mit leichter Farbspur, das Frontispiz etwas gelockert.

Arntz 180-181. – Hagenbach A 28

411  Sophie Taeuber-Arp.

€ 120

Herausgegeben von – Edité par – Georg Schmidt. Basel, Holbein 1948. Mit zwei Farblithographien von Sophie Taeuber-Arp und zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur.

Die beiden Farblithos »Six espaces distincts« und »Composition dans un cercle« eingebunden. – Mit Werkverzeichnis, Ausstellungsverzeichnis und Bibliographie. – Text in Deutsch und Französisch.

30,3 : 21,3 cm. 152 Seiten. – Druckvermerk mit kleinem Sammlerstempel.

412  Les Main libres.

€ 1500 ( R7 )

Dessins de Man Ray illustrés par le poèmes de Paul Eluard. Paris, Gallimard 1947. Mit 67 blattgroßen Abbildungen nach Zeichnungen von Man Ray. Zweifarbiger Franzband von L. Stutinsky (signiert), Deckel mit grünen und bordeauxroten Partien. Titel in Goldprägung, Kopfschnitt vergoldet, mit handmarmoriertem Papier kaschierte Ledervorsätze. – Widmungsexemplar des Dichters.

Zweite Auflage, die Édition originale erschien 1937. – Eins von 2000 Exemplaren auf Plumex de Téka-Papier (Gesamtauflage 2375). – Die surrealistischen Zeichnungen von Man Ray entstanden 1936/37, die meisten von ihnen (56) von den Gedichten Eluards »illustriert«. Am Ende folgen »Sade«, »Portraits« (u. a. Nusch, Picasso, Breton, Eluard) und »Détail«. – Erste Textseite mit eigenhändiger Widmung des Verfassers »à Madel de tout coeur, Paul Eluard«, vermutlich an die französische Schriftstellerin und Journalistin Madeleine Riffaud (geboren 1924), die eng mit Eluard befreundet und wie er Mitglied der Résistance war. – Schönes Dokument der Freundschaft zweier großer surrealistischer Künstler. André Breton, der wichtigste Theoretiker des Surrealismus, bescheinigte Éluard die größte Nähe aller surrealistischen Dichter zur Malerei.

21,3 : 16,7 cm. 126, [26] Seiten. – Rücken leicht aufgehellt.

Vgl. Monod 4217 (1937)

413  George Grosz. Mit Pinsel und Schere.

€ 600 ( R19 )

7 Materialisationen. Berlin, Malik 1922. Sieben Bildtafeln. Typographisch illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Sieben Reproduktionen dadaistischer Collagen aus den Jahren 1919–1922. – Sehr schönes Exemplar dieser für Grosz’ dadaistische Schaffensphase exemplarischen Bildfolge.

31,4 : 24,0 cm. Titelblatt, 7 Tafeln. – Vorderer Umschlag mit winzigem, Rückenfalz oben und unten mit kleinem Riss.

Lang, Grosz 36. – Hermann 169. – Malik 60

414  George Grosz – George Grosz und Wieland Herzfelde. Die Kunst ist in Gefahr.

€ 200

Drei Aufsätze. Berlin, Malik 1925. Mit zwei Illustrationen von George Grosz. Originalpappband mit Titelzeichnung in Schwarz und Gelb von George Grosz.

Malik-Bücherei, Band 3. – Erste Ausgabe. – Eins der wenigen Exemplare mit den beiden Grosz-Zeichnungen auf den Seiten 38 und 45; bei einem Großteil der Auflage blieb der dritte Bogen rückseitig unbedruckt. – Der Hintergrund des titelgebenden Aufsatzes war die sogenannte »Kunstlumpen-Debatte«, eine theoretische Auseinandersetzung zwischen Künstlern und Intellektuellen nach der Novemberrevolution.

18,1 : 12,3 cm. 45, [3] Seiten. – Rücken etwas gebräunt, Gelenke leicht brüchig. – Vorsatzblatt mit kleinem Monogrammstempel.

Hermann 167. – Gittig 128. – Lang 43

415  George Grosz – Heinrich Mann. Kobes.

€ 250 ( R7 )

Mit zehn Lithographien von George Grosz. Berlin, Propyläen 1925. Mit zehn blattgroßen Illustrationen nach Zeichnungen. Gelber Originalleinenband mit rotgeprägten Titeln.

Erste Ausgabe. – »Heinrich Manns Novelle vom Intrigenspiel in der Zentrale eines Großkonzerns, dem Kobes vorsteht, spielt auf die Machtstellung des rheinischen Industriellen Hugo Stinnes an, dessen bärtige Physiognomie in einigen Darstellungen deutlich zu identifizieren ist« (Dückers). – Sehr schönes Exemplar.

28,0 : 22,8 cm. [4], 71, [1] Seiten.

Zenker 44. – Dückers B III. – Lang, Grosz 45

416  George Grosz. Hintergrund.

€ 500 ( R7 )

17 Zeichnungen zur Aufführung des »Schwejk« in der Piscator-Bühne. Berlin, Malik 1928. Titelblatt und 17 Tafeln. Lose in gelber illustrierter Originalmappe.

Erste Ausgabe. – Auf fein geripptem Bütten. – Vollständiges Exemplar mit den häufig fehlenden Blättern 2, 9 und 10, die in Folge der gegen Grosz und Wieland Herzfelde erhobenen Anklage wegen Gotteslästerung bei vielen Exemplaren beschlagnahmt und nach Prozessende und Urteilsspruch vernichtet wurden. – Grosz’ Zeichnungen entstanden im Zusammenhang mit der von Brecht und Piscator gemeinsam dramatisierten Fassung von Haseks Roman. Für die Aufführung wurde ein Trickfilm produziert, der im Bühnenhintergrund gezeigt wurde. Einige Zeichnungen lassen dies deutlich nachvollziehen. – So schöne Exemplare sind sehr selten.

17,5 : 26,5 cm. 18 Blätter. – Eine Umschlaglasche im Falz eingerissen. – Titelblatt schwach gebräunt. 2 Blätter mit winzigem Eckknick.

Dückers M VI, 1–17. – Lang, Grosz 51. – Hermann 165. – Malik 165

417  George Grosz – Peter Pons. Der große Zeitvertreib.

€ 200

Gedichte. Mit Bildern von George Grosz. Potsdam, Müller & Kiepenheuer 1932. Mit 36 Illustrationen, 19 davon blattgroß. Illustrierte Originalbroschur mit farbig illustriertem -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Das letzte umfangreich von Grosz illustrierte Buch, das vor seiner Emigration in Deutschland erschien. – Der ebenso schöne wie empfindliche Schutzumschlag fehlt bei vielen Exemplaren.

23,6 : 19,4 cm. 62, [2] Seiten. – Schutzumschlag minimal fingerfleckig und mit winzigen Einrissen.

Lang, Grosz 64

418  Sammlung Gabrielson Göteborg.

€ 300

Erwerbungen 1922 · 23 Berlin. Berlin [1923]. Mit 30 Tafeln, davon eine Farbtafel. Originalbroschur.

Unnummeriertes Exemplar. – Privatdruck, wohl in einer Auflage von 1000 nummerierten Exemplaren. – Der Sammler Hjalmar Gabrielson (1876–1949) trug im Laufen weniger Jahre eine der bedeutendsten Sammlung avantgardistischer und konstruktivistischer Kunst zusammen. Die hier dokumentierten Erwerbungen betreffen die »Richtung der neueren Malerei Mittel- und Ost-Europas […] zwischen den zwei äußersten Polen Marc Chagall und Vicking Eggeling« (Adolf Behne). – Die Tafeln mit Werken von Baumeister, Buchholz, Chagall, Dexel, Eggeling, Feininger, Itten, Jawlensky, Kandinsky, Klee, El Lissitzky, Klee, Moholy-Nagy, Muche, Peri, Schlemmer, Schwitters, Segal und Stuckenberg – die Bauhaus-Künstler sind also repräsentativ vertreten. Gabrielsons Sammlung wurde in seinem Todesjahr in Göteborg ausgestellt und bald danach verkauft. – Mit Texten von Adolf Behne zur Sammlung, Ludwig Hilbersheimer zur modernen Kunst und »Goethes Farbenlehre und die moderne Malerei« von Samuel Friedländer-Mynona.

23,0 : 21,0 cm. [12] Seiten, 30 Tafeln, 1 Textblatt. – Vorderdeckel stockfleckig.

Dokumentations-Bibliothek VI, 614 (gleich neben den Katalogen der Sammlungen von Mutter Ey und Ida Bienert)

419  Hans Konrad Roethel. Kandisky. Das graphische Werk.

€ 600 ( R7 )

Köln, DuMont 1970. Mit zahlreichen, teils farbigen Tafeln und Abbildungen. Originalleinenband mit -schutzumschlag und -schuber.

In kleiner Auflage erschienen. – Maßgebliches Werkverzeichnis der Druckgraphik, über 200 Nummern, alle mit Abbildung. – Tadelloses Exemplar.

30,0 : 27,7 cm. XXIX, 504 Seiten.

420  Karel Teige. Stavba a basen.

€ 300

Umeni dnes a zitra. (tschechisch: Bauten und Dichtung. Kunst heute und morgen). Prag, Vanek a Votava 1927. Mit zahlreichen Abbildungen im Tafelteil. Originalbroschur mit farbiger Deckelillustration nach Entwurf des Verfassers.

Edice Olymp, Band 7/8. – Erste Ausgabe. – Mit Aufsätzen von 1919–1927 zu allen Gebieten der modernen Kunst. – Die Tafeln mit Abbildungen zu Architektur und Kunstwerken von Archipenko, Behrens, Le Corbusier, Gropius, Malewitsch, Picasso, Tatlin u. v. a. – »The cover is a beautiful architectural composition, a vintage Teige design. The sanserif single alphabet type used in the cover is that of Herbert Bayer’s ›reformed script‹.« (Vloemans). – Die Einbandgestaltung weicht von der sonst innerhalb der Reihe »Edice Olymp« üblichen ab.

23,8 : 16,0 cm. 183, [7] Seiten, 32 Tafelseiten. – Umschlagränder mit winzigen Einrissen, hinterer Umschlag etwas fleckig und mit Knickfalten. – Einige Lagen lose.

Vloemans Avantgarda 105

421  Karel Teige – Charles Baudelaire. Fanfarlo.

€ 180

Prelozila (Übersetzung) J. Nevarilová. Prag, Odeon 1927. Mit einem Porträt. Originalbroschur.

Bibliofilské edice Odeon, 5. – Eins von 900 Exemplaren auf Bütten (Gesamtauflage 1.000). – Den konstruktivistischen Umschlag und das Titelblatt gestaltete Karel Teige, von dem auch der ausführliche Essay über Baudelaire stammt (Seiten 59–122 des Buches). – Mit dem berühmten Baudelaire-Foto von Nadar als Frontispiz. – Erschienen anlässlich des 60. Todestages des Dichters.

18,8 : 12,7 cm. 125, [5] Seiten (das Frontispiz auf Kunstdruckpapier mitpaginiert). – Einige Doppelseiten lose.

Vloemans Avantgarda 84

422  Boldog uj évet kiván.

€ 250 ( R19 )

Sugar (schwarz) istván reklámgrafikus. Firmenkarte. Zweifarbiger Offsetdruck. Um 1930. 9,1 : 15,0 cm.

Wohl als Neujahrskarte konzipierte Montage des ungarischen Reklamegraphikers Istvan Sugar (Schwarz), den wir leider nicht biographisch bestimmen konnten. – Die Gestaltungselemente (Fotomontage mit Auge und konzentrische Kreise) beweisen klare Einflüsse der Bauhaus-Typographie.

423  Ladislav Sutnar – George Bernard Shaw. Clovek nikdy neví.

€ 200

Prag, Druzstevni Prace 1931. Illustrierte Originalbroschur, Gestaltung von Ladislav Sutnar.

Hry (Stücke), Band XI. – Eins von 1700 Exemplaren. – Tschechische Ausgabe von »You never can tell«. – Unbeschnittenes Exemplar mit dem vollständigen Originalumschlag.

19,2 : 14,2 cm. 164, [4] Seiten.

Sutnar Prag 2003, Seite 76 mit Abbildung. – Vloemans Avantgarda 229

424  Ladislav Sutnar – Romain Rolland. Beethoven.

€ 180

Veliká tvurci obdobi. Od Eroiky k Appassionate. Prag, Stanislav Hanus 1932. Mit zahlreichen Notenbeispielen. Illustrierte Originalbroschur, gestaltet von Ladislav Sutnar.

Erste tschechische Ausgabe. – Für diese Zeit typische Einbandgestaltung Sutnars, der auch hier ein Porträt mit einer geometrischen Form kombiniert.

21,3 : 13,5 cm. 244, [4] Seiten. – Umschlagränder gleichmäßig gebräunt und an den Seitenrändern bestoßen. – Einige Lagen lose.

Vloemans Avantgarda 264

425  Teresa Zarnower – Obrona Warszawy

€ 450 ( R7 )

Lud Polski w obronie stolicy (Wrzesien, 1939 Roku) (polnisch: Die Verteidigung Warschaus. Die Menschen während der Verteidigung im September 1939). New York, Polish Labor Group 1942. Mit acht fotografischen Tafeln von Teresa Zarnower, davon drei Fotomontagen. Originalbroschur und -umschlag mit zwei weiteren Fotomontagen.

Erste Ausgabe. – Teresa Zarnower (1895–1950) gehörte zu den wichtigsten Vertreterinnen der polnischen Avantgarde. 1923 gestaltete sie das erste konstruktivistische Manifest in Polen und stellte in Waldens Galerie »Der Sturm« aus. – Ende der 1920er Jahre engagierte sie sich zunehmend politisch und musste 1937 in die USA emigrieren. Die auf früheren Aufnahmen basierenden Fotomontagen entstanden 1942. – Sehr selten und gut erhalten.

22,5 : 13,5 cm. 61, [3] Seiten.

Rypson, Against All Odds. Polish Graphic Design 1919-1949, Seite 111 mit Abbildung. – Polish Constructivism in Poland 1923-1936. Museum Folkwang, Essen 1973, Seite 147. – Jewish Women’s Archive (jwa.org)

426  Jindrich Styrský – Jindrich Heisler. Na jehlách techto dni

€ 450 ( R7 )

(tschechisch: Auf glühenden Kohlen in diesen Tagen). Praha, Borový 1945. Mit 28 ganzseitigen Illustrationen nach Fotografien von Jindrich Styrský. Originalbroschur.

Erste öffentliche Ausgabe. 1941 erschien eine Ausgabe mit Originalfotografien in kleinster Auflage. – Der Text von Heisler entstand in Anlehnung an die surrealistischen Fotografien Styrskys. – »Unlike Atget’s photographs of similar subject matter, which are calmly meditative, Styrsky’s images exhibit an enervating neurosis that signifies death and decay in a clearly melodramatic manner« (Parr/Badger). – Die Typographie des spätsurrealistischen Fotobuchs entwarf Karel Teige.

21,3 : 15,0 cm. 64, [4] Seiten. – Kanten minimal berieben. 1 Doppelblatt lose.

Parr/Badger I, 197. – Katalog Centre Pompidou Paris, 1982 (Styrský, Toyen, Heisler), Seite 76

427  Karel Lodr. Co kdo rekl o knihách.

€ 300 ( R7 )

Zrnka o knihách a kolem nich. Sestavil, knizni znacky navhrl a vydal. (tschechisch: Wer sagt was über Bücher. Sprüche über Bücher. Gesammelt, gestaltet und herausgeben). Prag, Eigenverlag [1945?]. Mit 14 Exlibris-Abbildungen nach Entwürfen von Karel Lodr. Farbige Originalbroschur.

Eins von 520 Exemplaren, im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Mit einer Originalzeichnung des Künstlers auf dem Vorblatt: Ex libris. Tempera und farbige Tusche. Monogrammiert und datiert »KL 45«. – Die seltene Publikation vereint Aphorismen verschiedener Autoren zum Thema »Buch« mit 14 von dem Architekten Karel Lodr (1915–1998) entworfenen Exlibris, bei denen er fotografische und typographische Elemente verwendete.

16,0 : 19,7 cm. 19, [5] Seiten, 14 Tafeln, 1 Zeichnung.

428  [Pawel Andrejewitsch] Mansouroff.

€ 300

Paris, Galerie Daniel Gervis 1968. Mit acht Abbildungen, davon zwei farbig, und acht losen Tafeln. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Ausstellungskatalog. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung des Künstlers »Come souvenir a mon exposition a Paris pour mon Ami Monsieur G. Weber | P. Mansouroff | 3/IV 68«. Eine farbige und alle acht losen Tafeln vom Künstler signiert und mit dem Entstehungsjahr der jeweils abgebildeten Arbeit bezeichnet. – Mansurow (1896–1983) zählt zu den wichtigsten Vertretern der russischen Avantgarde. Nach Schule und Studium organisierte er 1920 Ausstellungen für die Delegierten der III. Komintern in Moskau. 1923–26 gehörte er neben Malewitsch u. a. zur Leitung des Staatlichen Instituts für künstlerische Kultur (GINCHUK) in Petrograd. 1928 emigrierte Mansurow nach Paris.

23,9 : 18,0 cm. [12] Seiten, 8 Tafeln.

429  Herwarth Walden – Ein Protest in Sachen Herwarth Walden.

€ 180

Herausgegeben von »Der neue Weg« der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. Berlin, Verlag der Druckerei für Bibliophilen [1909]. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Im Januar 1909 war Walden von der Bühnen-Genossenschaft als Redakteur ihrer Zeitschrift »Der neue Weg« engagiert worden. Nach nur drei Monaten wurde er fristlos entlassen. – Darauf initiierten die Dichter Peter Baum, Salomon Friedländer (Mynona), Paul Scheerbart u. a. eine Sammlung von Solidaritätsadressen, die hier abgedruckt wurden. Das Heft enthält unter anderem Beiträge von Peter Altenberg, Peter Behrens, Max Brod, Elisabeth Förster-Nietzsche, Heinrich Mann, René Schickele und Henry van de Velde. – Die Auseinandersetzungen um Walden führten schließlich zur Gründung der expressionistischen Zeitschrift »Der Sturm«.

21,5 : 14,0 cm. 23, [1] Seiten. – Deckel- und Blattränder gebräunt.

430  De stijl.

€ 750 ( R7 )

International maandblad vor nieuwe kunst wetenschap en kultuur. Redactie Theo van Doesburg. Zesde jaargang. NB 9 [en] NB 12. Leiden 1924/25. Originalumschlag.

1917 gründeten Theo van Doesburg, Piet Mondrian, Bart van der Leck und Huszar die Künstlergruppe »De Stijl«, der sich später Architekten, Dichter und Musiker anschlossen. Im Oktober 1917 erschien die erste Nummer der bedeutenden Kunst-, Architektur- und Literaturzeitschrift. »Unter den Quellenwerken zur abstrakten Kunst … hat ›De Stijl‹ einen ganz hervorragenden Platz.« (Dokumentations-Bibliothek). – Beide im sehr gut erhaltenen Originalumschlag. – Dazu: De Stijl-Banderole 15,2 : 36,7 cm. Entwurf von Theo van Doesburg. Gedruckt in Rot und Schwarz. Unbenutzt und sehr gut erhalten.

26,0 : 20,4 cm. Je 4 Blätter mit den Spalten 121–136 und 137–152. – NB 9 mit dem ursprünglichen Mittelfalz.

Dokumentations-Bibliothek IV, 393

431  Theo van Doesburg. Grote Pastorale. – Pastorale II.

€ 1000

Zwei Fotografien, Vintage prints, Silbergelatineabzüge. 1929. 17,3 : 12,4 cm bzw. 7,0 : 14,9 cm. Beide rückseitig signiert, betitelt und bezeichnet.

Mit dem Prägestempel »Atelier ›Jacoby‹ Dragten«. – Rückseitig von Doesburg eigenhändig betitelt und bezeichnet »Figürliche Fenster für die Landbauschule in Drachten 1920« und signiert. – 1920 hatte Theo van Doesburg den Gemeindearchitekten von Drachten, Cornelis de Boer, kennengelernt und mit ihm erste Projekte in der Stadt realisiert. Die Glasfenster für die dortige »Landbouwwinterschool«, »Grote Pastorale« (zweiteilig im Treppenhaus) und »Kleine Pastorale« (über der Eingangstür) entwarf Doesburg ab 1921. Ausgeführt und montiert wurden die Fenster im Frühjahr 1922. – Den Fotografien von 1929, die im Auftrag des Künstlers entstanden und von denen je ein Abzug im Van Doesburg Archiv (InventarNr 1706 und 1256) verwahrt wird, kommt insofern besondere Bedeutung zu, weil sie die ursprüngliche Anordnung der »Groten Pastorale« dokumentieren. Nach einer Ausstellung 1968/69 wurden diese beiden Fenster versehentlich jeweils spiegelbildlich eingebaut.

Hoek 672.IIt-1 (mit ausführlichen Hinweisen, auch zur Publikation des Fotos)

432  Kurt Schwitters. Anna Blume.

€ 300

Dichtungen. Hannover, Paul Steegemann 1919. Originalbroschur mit Illustration von Kurt Schwitters auf dem Vorderdeckel.

Erste Ausgabe. – Die Silbergäule, Band 39/40. – Mit seiner ersten selbstständigen Veröffentlichung schuf Kurt Schwitters das Markenzeichen »Anna Blume«. – Schwitters war durch Herwarth Walden in Verbindung mit den Berliner Dadaisten gekommen und fühlte sich deren Kunstauffassung verbunden: Die Umschlagzeichnung der »Anna Blume« wird von dem in Rot gedruckten Wort »dada« dominiert. Richard Huelsenbecks scharfe Kritik an der Dichtung und die Zurückweisung durch andere Dada-Künstler, nicht zuletzt aufgrund von Schwitters Verbindung zum Sturm-Verleger Walden, führten zur Gründung von »Merz«.

22,3 : 14,4 cm. 37, [3] Seiten. – Vorderdeckel gleichmäßig, Hinterdeckel nur an den Rändern verfärbt. Rückenfalz mit winzigen Läsuren.

Schmalenbach/Bolliger 1. – Dada global 121. – Raabe/Hannich-Bode 273.1. – Meyer 20.1

433  Kurt Schwitters. Anna Blume.

€ 300

Dichtungen. Hannover, Paul Steegemann 1919. Originalbroschur mit Illustration von Kurt Schwitters auf dem Vorderdeckel.

Erste Ausgabe. – Die Silbergäule, Band 39/40. – Mit seiner ersten selbstständigen Veröffentlichung schuf Kurt Schwitters das Markenzeichen »Anna Blume«. – Schwitters war durch Herwarth Walden in Verbindung mit den Berliner Dadaisten gekommen und fühlte sich deren Kunstauffassung verbunden: Die Umschlagzeichnung der »Anna Blume« wird von dem in Rot gedruckten Wort »dada« dominiert. Richard Huelsenbecks scharfe Kritik an der Dichtung und die Zurückweisung durch andere Dada-Künstler, nicht zuletzt aufgrund von Schwitters Verbindung zum Sturm-Verleger Walden, führten zur Gründung von »Merz«.

22,3 : 14,4 cm. 37, [3] Seiten. – Ränder und Vorderumschlag gebräunt, am Unterrand größere Feuchtigkeitsspur. – Seiten papierbedingt gebräunt.

Schmalenbach/Bolliger 1. – Raabe/Hannich-Bode 273.1. – Dada global 121. – Meyer 20.1

434  Kurt Schwitters. Die Kathedrale.

€ 2500

8 Lithos. Hannover, Paul Steegemann 1920. Sieben blattgroße, rückseitig unbedruckte Lithographien in der Originalbroschur mit der achten Lithographie auf dem Vorderdeckel.

Erste und einzige Ausgabe. – Erschienen als Nummer 41/42 der Reihe »Die Silbergäule«. – »Die Graphiken der ›Kathedrale‹ sind zweifellos die schönsten und originalsten, die Schwitters in dieser Zeit hervorgebracht hat, und dürfen einen Ehrenplatz in der Geschichte der neueren Graphik beanspruchen« (Schmalenbach/Bolliger). Sie gehören zu den frühesten »Merz«-Arbeiten Schwitters. – Von dem originellen Verschlussstreifen »Vorsicht: Anti-Dada […] « ist hier nur der rückseitige Teil »Man weise aufgebrochene Exemplare zurück. K. S. Merz. 1920.« vorhanden. Die Banderole gilt als Reaktion Schwitters’ auf die Ächtung durch den Berliner Dada-Kreis, der ihn von der »Ersten Internationalen Dada-Messe« zurückgewiesen hatte. – »In this booklet, the bits are printing type, doodles, and old shoe soles. Rebelling against traditional forms and techniques, Schwitters used such ephemera as the construction material for an ideal building, or cathedral« (Castleman, MoMA 1994/95, Seite 158).

22,4 : 14,4 cm. 8 Blätter. – Heftklammern erneuert, dort im Falz mit kleinen Rostflecken. Vorderdeckel mit kleinem Papierrest der Banderole.

Schmalenbach/Bolliger 251. – Dada global 124. – Raabe/Hannich-Bode 273.2. – Meyer 38. – Garvey 278

435  Kurt Schwitters. Elementar. Die Blume Anna. Die neue Anna Blume.

€ 300

Eine Gedichtsammlung aus den Jahren 1918–1922. Einbecker Politurausgabe. Berlin, Der Sturm [1923]. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Am Ende das Statement des Verfassers: »Kurt Schwitters ist der Erfinder von MERZ und i und erkennt neben sich niemand als Merzkünstler oder i-Künstler an.« – Enthält unter anderem den Erstdruck des berühmten »i«-Gedichts (lies: »rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf«).

22,8 : 15,0 cm. 32 Seiten. – Rücken stärker, Ränder minimal gebräunt.

Schmalenbach/Bolliger 4. – Dada global 123. – Raabe/Hannich-Bode 273.5

436  Kurt Schwitters – Drei Hefte »Der Sturm«

€ 300

mit Illustrationen von Kurt Schwitters. Berlin 1921. Drei Originalbroschuren.

Alle aus dem zwölften Jahrgang: Zweites Heft. »Merzzeichnung« sowie Abbildungen von Lothar Schreyer, Iwan Puni und Tour Donas. – Viertes Heft. »Merzstempelzeichnung« (auf dem Vorderumschlag wiederholt) und »Der Kritiker / Merzzeichnung« sowie ein farbiger Holzschnitt der Kampfbühne und Abbildungen von Paul Busen und Reinhard Goering. – Sechstes Heft. »Merzzeichnung rä« (montierte Farbabbildung) sowie Abbildungen von Rudolf Bauer und Oskar Fischer.

30,4 : 23,1 cm. – Umschlag von Heft 2 lose und mit Läsuren, Umschlag von Heft 4 am Rücken überklebt. – Heftung von 2 und 4 lose. Papierbedingt gebräunt.

Söhn HDOG 548 02, 04 und 06

437  Kurt Schwitters – M[ichel] Seuphor (en or). Wenduyne aan zee.

€ 2000 ( R7 )

Prise de vues, des cris, des coupures. Antwerpen, Het Overzicht 1924. Mit einem Porträt des Verfassers. Originalbroschur, Vorderumschlag mit Abbildung des Merzbildes »Das Kreisen« von Kurt Schwitters.

Erste Ausgabe. – In den Jahren 1923/24 war Kurt Schwitters besonders in Holland aktiv. Gemeinsam mit Theo van Doesburg veranstaltete er dort Dada-Soireen, arbeitete aber auch mit den Künstlern und Dichtern der belgischen Avantgarde zusammen. Michel Seuphor hatte bereits 1921 gemeinsam mit anderen Künstlern die Zeitschrift »Het Overzicht« (Übersicht) gegründet. – Das Merzbild »Das Kreisen« (1919, Original heute im MoMA New York) wurde auf dem Umschlag leider kopfstehend abgebildet und außerdem versehentlich mit »Das Kreissen« betitelt. – Gedruckt in Grau auf dünnes Papier. – Sehr selten.

23,6 : 15,7 cm. [36] Seiten. – Rückenfalz, auch innen, leicht fleckig. – Einige Ränder mit leichten Knickfalten.

Dada global 14. – Catalogue Centre Pompidou 1994, S. 181

438  Kurt Schwitters. Dammerstock-Siedlung.

€ 7500 ( R7 )

Prospekt in Plakatform. Offsetdruck. 1929. 59,2 : 42,0 cm.

Sehr seltener Prospekt, von Schwitters als Plakat konzipiert. Schwitters selbst erläuterte sein Gestaltungskonzept ausführlich in dem legendären Buch »Gefesselter Blick« (1930, dort auf Seiten 92/93). – Mit einem detaillierten Grundriss und einer schematischen Karte der Umgebung, einer Auflistung der Bauten sowie einer Fotomontage mit Aufnahmen von der Baustelle. Rückseitig illustriert mit weiteren Fotografien von A. K. P. Supper. – Mit dem Bau der Dammerstock-Siedlung setzte die Stadt Karlsruhe neue Maßstäbe beim modernen Siedlungsbau. An dem Wettbewerb für den ersten Bauabschnitt nahmen neben ortsansässigen Architekten auch Walter Gropius, Otto Haesler, Riphahn, Groth und einige andere teil. Das Preisgericht entsprach mit Architekten wie Ernst May, Mies van der Rohe und Paul Schnitthenner der weit über die örtlichen Verhältnisse hinausreichenden Bedeutung der Ausschreibung. Den ersten Preis erhielt der Entwurf von Walter Gropius, der kurz zuvor die Leitung des Bauhauses aufgegeben hatte (vgl. www.karlsruhe.de). – Wichtige Ergänzung zu dem ebenfalls 1929 erschienenen Katalog, zugleich aber ein eigenständig künstlerisch wirkendes Beispiel für Schwitters’ Gestaltungsprinzipien.

Mit Faltspuren der ursprünglichen Verwendung.

Schelle/Haldenwanger/Heine 114, denen allerdings kein Exemplar bekannt war, die Beschreibung (mit falsch vermuteter Größenangabe) zitiert »Gefesselter Blick«

439  Kurt Schwitters – Städtische Bühnen Hannover. Spiel- und Probenplan vom 24. April bis 2. Mai 1932.

€ 700 ( R19 )

Offsetdruck. 1932. 47,2 : 33,8 cm. Typographisch signiert.

Die von Schwitters entworfenen Spiel- und Probenpläne für das Hannoveraner Opern- bzw. Schauspielhaus sind, im Gegensatz zu einem anderen, öffentlichen Plakat, nicht im Werkverzeichnis aufgeführt. Auch von letzterem war kein Original auffindbar. Da die Probenpläne nur für interne Aushänge gedacht waren, dürften sie noch seltener sein. – Mit dem für Schwitters typischen Gestaltungsmittel der verschieden starken Linien, von ihm bevorzugt eingesetzt für gute Lesbarkeit und strenge Gliederung.

Horizontale, geglättete Faltspur, dort minimal gebräunt.

Vgl. Schelle/Haldenwanger/Heine 270

440  Fritz Kahn. Der Mensch als Industriepalast.

€ 900 ( R19 )

Farblithographie. 1926. 94,0 : 46,3 (95,8 : 48,0 cm).

Gedruckt bei Fricke & Co, Stuttgart. – Im Unterrand typographisch bezeichnet. – »Eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns, die bis heute durch Themen- und Stilvielfalt, Humor und originelle Analogien fasziniert« (Debschitz). – Der Berliner Gynäkologe Fritz Kahn (1888–1968) schrieb in den 1920er Jahren eine Reihe mehr oder weniger populärwissenschaftlicher Artikel und Bücher und illustrierte diese teils selbst. Kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten reiste er nach Palästina, später nach Frankreich und Portugal. Mit Hilfe von Albert Einstein und anderen prominenten Fürsprechern erhielt er 1941 die Einreisegenehmigung in die USA. – Sein Wirken und seine »industriellen Visionen der Natur« (Spiegel online) würdigte eine international viel beachtete Ausstellung im »Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité«. – So hervorragend erhalten sehr selten.

Gefaltet, sonst tadellos.

Uta und Thilo von Debschitz, Man Machine – Maschine Mensch, Heidelberg/New York 2009, mit Abbildung der Lithographie auf dem Umschlag. – Wilk, Modernism – Designing a New World, Victoria & Albert Museum, Seite 250 mit ganzseitiger Abbildung

441  Die Form.

€ 12000 ( R7 )

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. Bonn, Kurt Schroeder, (ab Jahrgang II:) Berlin, Hermann Reckendorf, (ab Jahrgang VIII) u. a. 1925–1934. Mit zahlreichen Abbildungen, meist nach Fotografien. Originalbroschuren, meist mit illustriertem Vorderumschlag.

Fast vollständige Folge aller zehn Jahrgänge: I (1925/26), Hefte 1–15. – II (1927), 1–12. – III (1928), 1–15. – IV (1929), 1–24. – V (1930), 1–23/24. – VI (1931), 1–12. – VII (1932), 1–12. – VIII (1933), 1–10 und 12. – IX/X (1934), 1–7. – Insgesamt 126 Hefte, davon sechs Doppelnummern. – »Hervorragend dokumentierende Zeitschrift des deutschen Werkbundes« (Hans Bolliger). – Herausgeber: W. C. Behrendt (Jahrgang I), danach Walter Riezler und Schriftleitung Wilhelm Lotz. Die Gestaltung der typographischen Umschläge lag in den Händen von Joost Schmidt (1893–1948). Er war seit 1919 am Bauhaus und leitete seit 1925 die Plastischen Werkstatt. Bereits 1922 entstanden erste typographische Arbeiten, von 1928 an leitete er auch die Reklameabteilung und die Druckerei in Dessau. – Die Zielstellung der 1907 gegründeten Künstlervereinigung »Werkbund« beschrieb Hermann Hesse bereits 1912: »Im Deutschen Werkbund arbeiten Künstler mit Handwerkern und Fabrikanten zusammen und zwar gegen den Schund zugunsten der Qualitätsarbeit.« In den 1920er Jahren wendete sich der Werkbund, nicht zuletzt unter Einfluss der Bauhäusler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, verstärkt der Architektur zu. Die Ausstellung »Neues Bauen« und die Stuttgarter Werkbund-Ausstellung »Siedlung am Weißenhof« 1927 dürften als Meilensteine dieser Phase des Werkbundes gelten. – Auswahl einiger besonders wichtiger Beiträge: Sonder-Heft Mode; Ludwig Hilberseimer, Über die Typisierung des Miethauses; Fritz Schumacher, Vom Wesen der Zahl; Über El Lissitzkys Raum der Abstrakten; Architektur von Lilly Reich und Mies van der Rohe in der Werkbundausstellung »Die Wohnung« 1927 in Stuttgart; Fritz Wichert, Max Beckmann und einiges zur Lage der Kunst; Mies van der Rohe-Pavillon; Werkbundausstellung »Wohnung und Werkraum« Breslau, »Vom Kino-Auge zum Radio-Auge«, Glasarchitektur von Ludwig Hilbersheimer; Themenheft »Das Buch« mit Beiträgen von Paul Renner, Theo von Doesburg; Katalog der Dammerstocksiedlung; Wilhelm Lotz, Fotobücher, Richard J Neutra, Japanische Wohnung, Otto Neurath Das Sachbild; Ludwig Hilbersheimer, Die Wohnung unserer Zeit; W. Riezler, Betrachtungen zur Bauausstellung Berlin und Das Mies van der Rohe-Haus Tugendhat in Brünn, Jan Tschichold, Neuere Typografie in Frankreich; Werner Gräff, Zur Form der Automobile; Wilhelm Wagenfeld, Jenaer Glas; Beilage Salubra-Farbmuster; Walter Dexel, Zur Problematik des Gestaltungsunterrichts in der Volksschule; Richard Neutra, Schulbau; Moholy-Nagy, Probleme des neuen Films; Werkbund-Ausstellung Stuttgart 1932; Otto Neurath, Internationale Werkbundsiedlung Wien 1932; W. Lotz, Das Ende des Bauhauses in Dessau; Jubiläumsheft 25 Jahre Deutscher Werkbund; Marcel Breuer, Zur Frage des Hochhauses; Aus dem Unterricht der Ittenschule; Neue Bauaufgaben in der Sowjet-Union; Justus Bier, Zur Auflösung der Staatlichen Bauhochschule in Weimar; Laszlo Moholy-Nagy, Lichtrequisit einer elektrischen Bühne; Frank Lloyd Wright. Neue Pläne. – Mit Heft 7 des letzten, durchgezählten Doppeljahrgangs 1934 wurde die Zeitschrift, die seit 1933 mehrfach den Verleger und Schriftleiter gewechselt hatte, eingestellt. Bereits nach den ersten Monaten der von den neuen Machthabern angestrebten 1000 Jahre waren zahlreiche Mitarbeiter und Beiträger emigriert oder sollten/konnten dies in den folgenden Jahren tun. – Aus unterschiedlichem Vorbesitz zusammengetragene Reihe, bemerkenswert gut erhalten. – Eine so vollständige Folge konnte nicht einmal Hans Bolliger in seiner Dokumentations-Bibliothek anbieten.

29,7 : 21,0 cm. – Es fehlt Heft VIII/11. – Einige Umschläge mit Besitzvermerk, 3 mit losen Deckeln, 1 fleckig. – 3 Hefte mit losen Seiten, davon 2 mit je 2 fehlenden Blättern.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Jaeger 1074

442  Kritisk Revy.

€ 400 ( R7 )

(dänisch: Kritische Revue). Chefredaktion: Poul Henningsen. Jahrgang I–III [alles Erschienene]. Charlottenlund Juli 1926 – Dezember 1928. Mit zahlreichen Abbildungen. Elf illustrierte Originalbroschuren.

Im ersten Jahrgang erschienen drei Hefte, in den beiden Folgejahren je vier. – Sehr seltene dänische Avantgarde-Zeitschrift zu Architektur, Design und bildender Kunst. – Schwerpunkte im ersten Jahr waren verschiedene Aspekte der Baukunst. – Mit Text- und Bildbeiträgen von Poul Henningsen, Ivar Bentsen, Uno Ahren, Ejnar Utzon-Frank, Otto Gelsted, Edvard Heiberg, Alvar Aalto und anderen. In Heft 3/1927 ein ausführlicher Artikel von Poul Henningsen zum Spannungsfeld »Tradition und Moderne«. In Heft 1/1928: Hannes Meyer »Die neue Welt« und Otto Gelsteds Erwiderung »Modernismus – Kritizismus«, diese beiden Artikel in deutscher Sprache. – Sehr gut erhalten.

35,5 : 21,5 cm. Jeweils 70–100 Seiten. – Rücken gebräunt.

443  Johannes Molzahn – Staatliche Akademie fuer Kunst und Kunstgewerbe Breslau.

€ 300 ( R7 )

Ausstellung vom 18. Januar bis 9. Februar 1930 im alten General-Kommando Breslau. Herausgeber: Gustav Eugen Diehl. Berlin, Arnold Eichberg [1929/1930]. Mit 29 meist ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur.

Seltener, wichtiger Katalog, in Bauhaus-Typographie gestaltet von Johannes Molzahn (1892–1965). Er war nach seiner Ausbildung in Kontakt mit Herwarth Walden, Walter Gropius, Theo van Doesburg, El Lissitzky sowie der »Novembergruppe« gekommen und 1923 durch Vermittlung von Bruno Taut an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg berufen worden. Später arbeitete er als Graphiker für die berühmten Fagus-Werke und ging 1928 nach Breslau, wo er Lehrer an der hier vorgestellten Akademie wurde. – In der Ausstellung waren Arbeiten der bildenden und angewandten Kunst zu sehen, im Katalog Abbildungen von Zeichnungen und Gemälde von Oskar Schlemmer, Otto Mueller, Oskar Moll, Johannes Molzahn u. a., Architektur und Möbel von Hans Scharoun sowie Josef und Li Vinecky.

23,8 : 15,5 cm. 32, [8] Seiten (einschließlich Umschlag). – Weißer Umschlag minimal fleckig und berieben.

444  Paul Girkon. Die Stahlkirche.

€ 150

Evangelischer Kultbau auf der Pressa Köln 1928. Berlin, Furche [1928]. Mit 28 meist ganzseitigen Abbildungen nach Fotografien von Hugo Schmölz, davon vier farbig, und fünf Abbildungen im Text. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Die Typographie und der Umschlagentwurf stammen von Otto Dorfner. – Mit einem Vorwort des Architekten der Pressa-Kirche Otto Bartning sowie dem Beitrag von Pfarrer Paul Girkon. – Innerhalb weniger Wochen wurde der spektakuläre Entwurf des Leiters der Bauhochschule Weimar, der Nachfolgeinstitution nach der Schließung bzw. dem Umzug des Bauhauses nach Dessau, für die Ausstellung in Köln realisiert. Schon 1919 hatte Bartning eine Publikation »Vom neuen Kirchenbau« veröffentlicht (vgl. Jaeger 475).

23,1 : 15,0 cm. 29, [1] Seiten, 27 Tafeln. – Umschlag etwas angestaubt, Rücken gebräunt und mit kleiner Nummer. – Innendeckel mit Nummer, Titel mit Bleistift-Besitzvermerk. Die ersten Blätter etwas stockfleckig.

Jaeger 584 mit Abbildung 296. – Zwischen van de Velde und Bauhaus, S. 149 und Abb. 197

445  El Lissitzky – Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken.

€ 2500

Katalog des Sowjet-Pavillons auf der Internationalen Presse-Ausstellung Köln 1928. Redaktion: M. Guss und P. Kakisa. [Köln 1928]. Mit dem Fotomontage-Leporello. Rote Originalbroschur.

Sehr seltene Originalausgabe des legendären Ausstellungskataloges. – »El Lissitzky entwickelte eine Ausstellungsarchitektur mit beweglichen Wandelementen, die eine dynamische Raumerfahrung erzeugen sollten. Trotz der Verwendung verschiedenster Gestaltungsmittel wie Diagrammen, Leuchtreklamen sowie Illustrationen bildeten Fotografie und Fotomontage die wesentlichen Repräsentationsformen der Ausstellung. Kernstück war der über 23,5 m lange Fotofries ›Die Erziehung der Massen ist die Hauptaufgabe der Presse in der Übergangszeit vom Kapitalismus zum Kommunismus‹, der durch die Opulenz des fotografischen Materials aus Alltag und Politik und seine filmartige Montagetechnik auffiel« (Jule Reuter, in »Mit voller Kraft«, Hamburg 2001, S. 100). – Als künstlerischer Leiter der Ausstellung gestaltete El Lissitzky auch den Katalog mit dem berühmten achtzehnseitigen Leporello (ca. 235 : 20 cm), das mit Lenin als Redner beginnt. – »Ohne Zweifel gehört der Katalog zu den bedeutendsten typographischen Gestaltungen Lissitzkys« (Hans Bolliger). – Mit einem Vorwort von Staatskommissar A. B. Chalatow. – Die Ausstellung selbst zeigte 227 Exponate von 38 Künstlern, das Presseecho war überwältigend. – So gut erhalten sehr selten.

21,0 : 15,7 cm. 111, [1] Seiten. – Umschlag mit minimalen Flecken und Knicken, Heftklammern innen leicht angerostet. – Das Leporello fast unberührt, mit zwei sorgsam restaurierten Rissen und einer unauffällig ergänzten kleinen Randfehlstelle.

Küppers-Lissitzky S. 81ff. – Dokumentations-Bibliothek VI, 681. – Bowld/Hernad 99. – Lang, Konstruktivismus 59. – Autopsie II, 62f. mit vollständiger Abbildung

446  Bauhaus – Utopia. Dokumente der Wirklichkeit.

€ 450 ( R7 )

Weimar, Utopia Verlag 1920. Werbeblatt mit Typoillustration von Johannes Itten.

Erster Prospekt für das legendäre Hauptwerk Ittens. – Der vom Herausgeber und Verlagsgründer Bruno Adler verfasste programmatische Prospekttext orientiert sich an den theosophischen Lehren von Rudolf Steiner. – Mit der bemerkenswerten Typographik von Johannes Itten, der von 1919 bis 1923 künstlerischer Leiter am Bauhaus, Weimar war. – Tadellos erhalten.

22,3 : 14,8 cm. [4] Seiten, davon die letzte leer.

Nicht bei Dokumentations-Bibliothek, Fleischmann und Wingler

447  Bauhaus-Einband von Anni Wottitz – Karl Widmaier. Der Diktator.

€ 1500 ( R7 )

Drama in fünf Akten. Berlin, Ruda-Bücher 1923/1924. Pappband mit grauen Deckelbezügen, beide Deckel mit collagierter Papierbanderole, die auf dem Vorderdeckel mit schablonenkoloriertem Schriftzug.

Exemplar 2 von 400, im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Auf Perfecta-Bütten, gedruckt bei Dr. Hans Kayser, Berlin. – Innendeckel und Vorsatzblätter mit farbigen Papiercollagen. – Der Einband nimmt in seiner Reduzierung auf das typographische Element die Grundsätze der Bauhaus-Typographie, die erst in den Folgejahren manifestiert werden sollten, vorweg. Der Einband wurde laut zeitgenössischer Notiz im »Bauhaus (Weimar) Zweighaus Berlin« hergestellt. Diese »Werkstätten Bildender Kunst« in Berlin-Friedenau gründeten Anni Wottitz, Friedl Dicker und Franz Singer 1923/24, nach ihrer Bauhaus-Zeit, als gemeinsames Atelier (vgl. A und O des Bauhauses, S. 46, Abb. 18). – »Wottitz kam aus dem Kreis um Johannes Itten von Wien ans Bauhaus nach Weimar. Beeinflußt von Ittens experimentellem Umgang mit Material, dem er vor allem in seinem Vorkurs eine wichtige Rolle zuwies, fand Wottitz zu einem ganz eigenen Umgang mit den Materialien. Neben der Materialwirkung und der Flächenaufteilung, ist die Schrift wesentliches Gestaltungselement für Wottitz. Die Titel, deren einzelne Buchstaben in- und übereinandergreifen, werden auf den Buchdeckeln häufig wie ein Ornament behandelt und sind daher nur noch schwer lesbar« (Nina Widemeyer, in: Zwischen van de Velde und Bauhaus, Halle 1999, S. 113).

38,3 : 25,5 cm. [8], 74, [2] Seiten. – Rückenbezug unten leicht angeplatzt.

A und O des Bauhauses, KatNr. 18 und Abb. 22. – Zwischen van de Velde und Bauhaus S. 111, Abb. 116

448  Bauhaus – Ludwig Hirschfeld-Mack. Optischer Farbenmischer (Farbkreisel).

€ 700

Holzkreisel und sieben mehrfarbig serigraphierte Pappscheiben. Wohl um 1950.

Nachdem er 1919 in Stuttgart bei Adolf Hölzel in Stuttgart Farbenlehre studiert hatte, schrieb sich Hirschfeld-Mack am Bauhaus als Student ein. 1922/23 initiierte er ein extracurriculares Farbenseminar, das im Bauhausbuch von 1923 als Lehrveranstaltung Kandinskys mit Farbtafeln von Hirschfeld-Mack publiziert wird. Ungefähr zur gleichen Zeit entwickelte er zusammen mit Kurt Schwerdtfeger seine »Reflektorischen Lichtspiele« (Farbenlichtspiele). Wahrscheinlich ist auch der Farbkreisel in diesen Jahren entstanden. Nach seinem Exil in England und Australien kehrte Hirschfeld-Mack 1949, 1958 und nochmals 1964 besuchsweise nach Europa zurück. Die vorliegende Fassung des Farbkreisels (mit rückseitiger typographischer Beschriftung der Scheiben in Deutsch und Englisch) ließ er wohl in Australien herstellen und brachte einige Exemplare als Geschenke mit nach Deutschland. Möglicherweise erfolgte die Produktion auch in Deutschland anlässlich der Eröffnung des Bauhaus-Archivs in Berlin (1961). – Wir konnten kein Exemplar aus der eigentlichen Entwurfszeit nachweisen. In der großen Hirschfeld-Mack-Retrospektive (Bozen/Wien/Frankfurt a.M. 2000/2001) wurde nur eine Replik aus den 1970er Jahren gezeigt, ein weiteres Exemplar der hier vorliegenden frühen Fassung versteigerten wir aus derselben Provenienz in unserer Auktion 11 (Mai 2015). – Wir danken Dr. Peter Stasny, Wien, für seine Erläuterungen.

Durchmesser Farbscheiben: 10,0 cm, Trägerkarton: 22,3 : 44,0 cm, Kreisel 4,0 : 7,5 cm. – Einige Scheiben lose, einige rückseitig mit Filmoplast fixiert.

Vgl. L. Hirschfeld-Mack, Kat. 2000/2001, KatNr. 79 mit Abbildung auf Seite 85

449  Herbert Bayer – die neue linie.

€ 200 ( R7 )

Bestellkarte für Anzeigenschaltung. Beidseitiger Offsetdruck. Nach 1929. 10,5 : 14,8 cm.

Tadellos erhaltenes Exemplar der Bestellkarte an den Leipziger Beyer Verlag. In diesem erschien seit 1929 das erste deutsche »Lifestyle«-Magazin, an dessen Gestaltung und Typographie mit Herbert Bayer und László Moholy-Nagy zwei führende Bauhaus-Künstler beteiligt waren. Bayer entwarf u. a. die markante serifenlose Universal-Type für den Titel. – Auch nach 1933 erschien die Zeitschrift weiter, der künstlerische Spielraum der Gestalter wurde jedoch zunehmend eingeengt. 1938 verließ Bayer, der mehr als 20 Titelblätter gestaltet hatte, Deutschland. 1943 wurde »die neue linie« wegen Papiermangels eingestellt.

Nicht bei Rössler

450  Herbert Bayer – Deutsches Volk – Deutsche Arbeit.

€ 200 ( R7 )

Amtlicher Führer durch die Ausstellung 21. April bis 3. Juni 1934. – Katalogbroschüre. Berlin, Ala 1934. Beide mit zahlreichen ganzseitigen fotografischen Abbildungen. Zwei farbig illustrierte Originalbroschüren (Entwurf Herbert Bayer).

Beide auf dem Vorderdeckel im Druck signiert, im Impressum »Gestaltung: Herbert Bayer«. – Bayer war nach Schließung des Dessauer Bauhauses weiterhin als Gestalter von Katalogen und Werbeschriften der neuen Herrschenden erfolgreich. In manchem Entwurf sind seine Prinzipien noch sichtbar, so z. B. bei der Fotomontage auf Seite 34. – Ansonsten dokumentierte die Ausstellung die geistig-moralische Wende. Nur ein Jahr nach der Machtergreifung der Nazis finden sich nun auch Fachausschüsse zu »Deutschem Blut- und Kulturerbe« und »Rassenpflege«. Die Ausstellung fand auf dem Messegelände am Kaiserdamm statt und repräsentierte Industrie und Handwerk. Der zweigeteilte Katalog mit Geleitworten der verschiedenen Minister, Beiträgen zu den einzelnen Wirtschaftsgebieten und einem monographischen Teil. Die Fotografen der zahlreichen Luftaufnahmen, Porträts und Industriefotografien werden nicht genannt. – Die Katalogbroschüre mit historischen und zeitgenössischen Abbildungen und Fotografien (Roland Jaeger: »Graphisch ambitionierter [als der amtliche Führer]«).

20,8 : 20,8 cm. 240; 132 bzw. [38] Seiten, 17 Zwischenblätter. – Seitenrand des Vorderdeckels etwas bestoßen, Hinterdeckel mit Randfehlstelle. – Einband II etwas geknickt und mit Rostspuren im Falz.

Rössler D-19b und 19c. – Autopsie II, 66