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Lot 401 – 450 | Hesse-Auktionen
Lot 401 – 450

401  Insel Verlag – Emile Verhaeren. Ausgewählte Gedichte. – Drei Dramen. – Stefan Zweig. Emile Verhaeren.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Leipzig, Insel 1910. Drei schwarze Originalkalblederbände mit reicher ornamentaler Rückenvergoldung und goldgeprägten Deckelvignetten und -fileten.

Erste bzw. zweite Auflage (Ausgewählte Gedichte) dieser Nachdichtungen bzw. der Biographie von Stefan Zweig. – Auf festem, glatt gestrichenen Papier. – Entwurf der Einbände von Emil Rudolf Weiß. – Bereits 1904 erschien im Insel-Verlag – übernommen von Schuster und Löffler – eine Ausgabe der Gedichte in der Nachdichtung von Stefan Zweig mit Buchschmuck von Théo van Rysselberghe.

Je 20,0 : 13,0 cm. – Rücken etwas verblasst. – Vortitelblatt der Gedichte mit langem handschriftlichem Eintrag.

Sarkowski 1816, 1817 und 1956. – Klawiter I 80, I 81 und G 284. – Fromm 26226 und 26211

402  Insel Verlag – Paul Verlaine. Ausgewählte Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Übertragen von Graf Wolf v. Kalckreuth. Leipzig, Insel 1906. Originalpergamentband; Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten (Gesamtauflage 850). – Deckelillustration, Titel und die zahlreichen Vignetten zeichnete Heinrich Wilhelm Wulff. – Sehr schönes Exemplar.

19,5 : 14,7 cm. [4],156, [8] Seiten.

Sarkowski 1831. – Fromm VI, 26308

403  Marées-Gesellschaft – [Publius] Ovid Naso. Amores.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Libri tres. München, R. Piper 1918. Mit zahlreichen radierten Vignetten von André Lambert und Text nach der Kalligraphie von Heinrich Wieÿnck in Kupferätzung. Pergamentband der Zeit; Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet.

Sechster Druck der Marées-Gesellschaft. – Unnummeriertes Exemplar, wie weitere 50 der zweiten Vorzugsausgabe auf Velin von Wiggins, Teape & Co. mit Wasserzeichen »Hand mit Tulpe« (Gesamtauflage 240, davon 212 für den Handel). – Letztes Blatt mit dem Dedikationsvermerk »Rudolf Freiherr von Simolin ließ dieses Exemplar drucken für Elisabeth Breitling. – Lateinisch-deutscher Paralleltext. Die Übersetzung stammt von Rudolph Schott. – Der gesamte Text wurde nach der Kalligraphie Heinrich Wieÿnck auf Kupfer übertragen und geätzt. Heinrich Wieÿnck (1874–1931) gehörte neben Eckmann, Peter Behrens, Ernst Rudolf Weiß und Rudolf Koch zu den Pionieren der neuzeitlichen Schriftkunst. – Die Radierungen von André Lambert bilden die Titel- und Zwischentitel sowie Kopf- und Schlussvignetten zu jedem Gesang. Jede Seite des Buches wurde von einer Kupferplatte gedruckt. Insofern entspricht auch dieser Druck der Marées-Gesellschaft Rodenbergs idealer Vorstellung von der Verbindung zwischen Wort und Illustration. – Sehr schönes, absolut breitrandig belassenes Exemplar.

26,5 : 20,5 cm. [8], 281, [7] Seiten.

Rodenberg 363f. – Schauer II, 88

405  Officina Serpentis – Johann Wolfgang von Goethe. Helena.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 950

Klassisch-romantische Phantasmagorie, Zwischenspiel zu Faust. Berlin-Steglitz 1922. Roter Maroquinband mit Filetenvergoldung, Lederspiegeln und Seidenvorsätzen (signiert: Th. Jirasko).

Eins von 150 Exemplaren (Gesamtauflage 200). – Handpressendruck der Officina Serpentis, in Rot und Schwarz. – Die 1911 von E. W. Tieffenbach gegründete Handpresse wurde durch die konsequente Verwendung alter Druckschriften bekannt. Der hier verwendete »lateinische« Type, die in der Bauerschen Gießerei eigens für die Officina Serpentis geschnitten wurde, diente die Schöffersche Bibeltype von 1462 als Vorbild (vgl. Rodenberg S, 108). – 1922 druckte Tieffenbach fünf Goethe-Ausgaben, alle mit roten Titeln und Initialen nach den Entwürfen von Hanns Thaddäus Hoyer von Bruno Rollitz in Holz geschnitten. Bei »Helena« kam Hoyers berühmtes Schlangensignet der Presse erstmals zur Anwendung.

28,8 : 20,5 cm. 76, [4] Seiten. – Deckel mit kaum sichtbaren Spuren der Schuberbenutzung (!).

Backe 68. – Rodenberg 114

406  Georg Schrimpf – Eduard Mörike. Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Mit Originalholzschnitten von Georg Schrimpf. München, Verlag der Münchner Drucke 1924. Mit neun Textholzschnitten von Georg Schrimpf. Originalinterimspappband mit schwarz-weißen Holzschnittbezügen und gold-schwarzem Titelschild.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 190 Exemplaren (Gesamtauflage 200). – Als dritter Holzschnitt hier »Liebesvorzeichen« statt »Wanderer«. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Nach ersten Erfolgen durch die Ausstellungen in Herwarth Waldens Galerie »Der Sturm« ging Georg Schrimpf 1917 nach München. Dort stellte er regelmäßig in der Galerie Neue Kunst Hans Goltz aus, für den er auch zahlreiche Drucke illustrierte und die bekannten Einbandaquarelle schuf. Die Mörike-Holzschnitte dokumentieren Schrimpfs Übergang vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit. – Bis auf den leicht gebräunten Rücken tadellos erhalten und unbeschnitten.

26,0 : 16,2 cm. [96] Seiten. – Schuberränder und Rücken etwas gebräunt.

Hofmann/Praeger, S. 237. – Mörike Slg. Berge, S. 108

407  Shakespeare Head Press – [Giovanni] Boccaccio. Decameron.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 190

Volume The First [and] The Second. Oxford, Basil Blackwell 1934. Mit breiten Holzschnitt-Titelbordüren und zahlreichen Holzschnitt-Illustrationen im Text. Originalhalblederbände mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Eins von 300 Exemplaren (Gesamtauflage 328). – Gedruckt in Blau und Schwarz auf der Shakespeare Head Press, Oxford. – I. The Modell of Wit, Mirth, Eloquence and Conversation framed in ten Days, of an hundred curious Pieces, by seven honourable Ladies, and three noble Gentlemen. – II. Containing a hundred pleasant Novels. […] The last five Dayes. – Die Holzschnitte und Initialen von Beedham und Joyce Francis sind Nachschnitte der in der Gregorius-Ausgabe (Venedig 1492) verwendeten. Diese erste illustrierte italienische Boccaccio-Edition gilt als eines der besten venezianischen Holzschnittbücher des 15. Jahrhunderts. – Der Text stammt aus der anonymen englischen Übersetzung, die 1625 von Isaac Jaggard, der auch für die Herausgabe des ersten Folios von Shakespeare verantwortlich war, gedruckt wurde. Die Shakespeare Head Press wurde 1904 von A. H. Bullen gegründet und nach dessen Tod 1920 von Basil Blackwell und seinem Partner Bernard Newdigate übernommen.

29,0 : 21,0 cm. [4], XV, [1], 318, [8] Seiten; [4], XVI, 268, [6] Seiten. – Einbände fleckig, Ecken und Kanten etwas berieben.

Ransom 19, 83. – Franklin 351 (beide datieren 1935). – Healey, Italian in English Translation 3404

408  Stendhal [Marie-Henri Beyle]. Œuvres complètes.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Ausrufpreis/Starting bid: € 1300

Pupliées sous la direction d’ Édouard Champion [de l’année 1919: et] Paul Arbelet. 34 tomes. Paris, Librairie Ancienne Honoré Champion 1913–1934. Mit zahlreichen Tafeln und Faksimiles. Dunkelblaue Halbmaroquinbände mit vergoldeten Rückenfileten, zwei braun-goldenen Rückenschildern und Kopfschnittvergoldung.

Erste Gesamtausgabe, mit Anmerkungen und Kommentaren. – Exemplar 128, eins von 100 der dritten Vorzugsausgabe auf holländischem Bütten mit einer zusätzlichen Suite aller Tafeln auf Japon Impérial (Gesamtauflage 1235). – Vor dem Ersten Weltkrieg begonnen und sogleich wieder unterbrochen, erschienen insgesamt 32 Bände mit Werken sowie fünf Bände mit Biographie und Bibliographie. Es fehlen hier die 1938–1940 erschienenen abschließenden drei Bände »Promenades dans Rome«. Jeder Band mit Faksimiles der Titelblätter der Originalausgaben und einigen Bildtafeln und Porträts. – Werke: Vie de Henri Brulard (2), Rome, Naples et Florence (2), La vie de Rossini (2), Le rouge et noir (2), Journal (5), Histoire de la peinture en Italie (2), Racine et Shakespeare (2), Armance (1), De l’amour (2), Lucien Leuwen (4), Vie de Napoléon (1), Mémoires sur Napoléon (1), Mémoires d’un touriste (3). – Supplemente: Adolphe Paupe. La vie littéraire de Stendhal. – Henrio Cordier. Bibliographie Stendhalienne. – Paul Arbelet. La jeunesse de Stendhal (2). – Makellos, inhaltsreich und dekorativ.

22,3 : 14,3 cm, ca. 160 cm »breit«. – Die Rücken der sieben zuletzt erschienenen Bände in minimal abweichendem Blauton, einige andere minimal verblasst.

409  Pierre Bonnard – Longus. Les pastorales ou Daphnis et Chloé.

Schätzpreis/Estimate: € 4500

Ausrufpreis/Starting bid: € 3000

Traduction de J. Amyot. Revue, corrigée […] par P.-L. Courier. Lithographies originales de P. Bonnard. Paris, Ambroise Vollard 1902. Mit 151 Lithographien im Text. Grüner Maroquinband mit Seidenvorsätzen; Rückentitel, Stehkantenfileten und fünffache auf den Innenkanten sowie Kopfschnitt vergoldet (signiert: H. Fikentscher, Leipzig 1920). Im Schuber mit Lederkanten.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen – Eins von 200 Exemplaren auf Van Gelder-Bütten mit dem Wasserzeichen »Daphnis et Chloé«. – Neben »Parallèlement« von Paul Verlaine das zweite große Frühwerk des Künstlers, beide erschienen im Verlag seines Freundes Ambroise Vollard. – Bonnards Lithographien zeichnen sich einmal mehr durch eine besondere Weichheit aus, die meisten füllen großformatig je etwa zwei Drittel der rechten Buchseiten aus. – Insgesamt sehr schönes Exemplar dieses Frühwerks der modernen französischen Buchillustration.

30,0 : 25,2 cm. [2], X, 294, [6] Seiten. – Rücken stark verblasst. – Wie in zwei weiteren Vergleichsexemplaren die Blätter der Lagen 5 und 7 mit stärkeren Verfärbungen.

Garvey 28. – Rauch 22. – Skira 22. – Bouvet 75. – Monod 7262

410  Auguste Rodin – Octave Mirbeau. Le Jardin des Supplices

Schätzpreis/Estimate: € 4500

Zuschlag/Hammerprice: € 5500

Vingt compositions originales de Auguste Rodin. Paris, Ambroise Vollard 1902. Mit fünf Lithographien von Rodin und 15 Lithographien nach seinen Aquarellen und Zeichnungen, 18 der insgesamt 20 Lithographien farbig. Dunkelgrüner Maroquinband (signiert: Frieda Thiersch) mit reicher Vergoldung des Rückens, der Deckel- und Stehkantenfileten und der Innenkanten mit Fileten und Fleurons. Kopfschnitt vergoldet, Vorsätze und Spiegel mit hellroter Seide bezogen, in gefüttertem Schuber mit Lederkanten.

Eins von 155 Exemplaren auf speziell angefertigtem Velin von Masure et Perrigot mit dem Wasserzeichen »Le Jardin des Supplices« (Gesamtauflage 200). – Laut Delteil sind fünf Lithographien von Rodin direkt auf den Stein gezeichnet, die übrigen wurden nach seinen Vorlagen von M. A. Clot auf die Steine übertragen. – Octave Mirbeaus Roman erschien erstmals 1899 (und schon damals mit einem Frontispiz von Rodin). Dessen Aquarelle und Zeichnungen voll zarter Lieblichkeit lassen kaum vermuten, dass Mirbeaus Text von Grausamkeiten und Zivilisationshass geprägt ist. Der »hybride Katalog von ausgeklügelten Foltermethoden« (KLL 10722), denen der anonyme Ich-Erzähler im Garten seiner Geliebten, der Engländerin Miss Clara, beiwohnen muss, soll Kafka zu seiner Erzählung »In der Strafkolonie« angeregt haben. – Jede Lithographie mit einem Seidenpapiervorblatt mit der entsprechenden Textpassage und einer verkleinerten Wiedergabe der Zeichnung. – Nahezu perfektes Exemplar.

32,5 : 25,5 cm. [4], 167, [5] Seiten, 20 Lithographien, 20 Zwischenblätter. – Rücken verfärbt, eine Schuberkante aufgeplatzt, sonst tadellos.

Jentsch, Vollard 3. – Garvey 261. – Monod 8201. – Delteil VI, 13–17

411  Ambroise Vollard. Paul Cézanne.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

Paris, Ambroise Vollard 1914. Mit einer Radierung von Cezanne, 56 Tafeln, teils farbig, teils Heliogravüren, und zahlreichen Textabbildungen nach seinen Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden. Halbmaroquinband mit vergoldetem Rückenschild und Kopfgoldschnitt (H. Fikentscher, Leipzig).

Eins von 650 Exemplaren auf getöntem Velin (Gesamtauflage 1000). – Mit der Radierung »Tête de femme« (Venturi 1160) aus dem Jahr 1873, posthum von der Originalplatte für diese Ausgabe gedruckt. – Als Jurastudent kam 1890 Vollard nach Frankreich. Er wurde zu einem der bedeutendsten Kunsthändler und Verleger des 20 Jahrhunderts. »Mit sicherem Gespür entdeckte er unter der Vielzahl der Pariser Künstler die wichtigsten und sicherte sich deren Werke zu einem Zeitpunkt, als kein Mensch sich für diese Kunst interessierte. So war es Vollard, der Picasso 1901 seine erste Einzelausstellung ausrichtete. Auch Cézanne, Bonnard und Matisse ermöglichte er ihre ersten Einzelpräsentationen. Von Derain und Vlaminck kaufte er deren gesamte Ateliers leer. Seine Galerie in der Rue Lafitte, die er 1895 mit der ersten umfassenden Ausstellung von Gemälden van Goghs eröffnet hatte, war vollgestopft mit Kunst. Bilder und Graphiken stapelten sich vom Boden bis zur Decke. Zusammengerollt lagen Leinwände herum, die heute der Stolz bedeutender Museen in der ganzen Welt sind« (Ralph Jentsch, Ambroise Vollard Éditeur, Einführung). – Der Einband wurde (lt. beiliegender Rechnungskopie) 1918 für Hans Mardersteig c/o Kurt Wolff Verlag in der Handbindeabteilung bei H. Fikentscher ausgeführt. Der illustrierte Originalumschlag wurde am Ende eingebunden. – Tadelloses Exemplar.

32,8 : 25,5 cm. [12], 187, [3] Seiten, 56 Tafeln.

Monod 2465. – Jentsch, Vollard 10

412  Paul Gauguin. Noa Noa.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Voyage de Tahiti. [Faksimile des Manuskripts]. Herausgegeben von Julius Meier-Graefe. München, R. Piper 1926. Mit zahlreichen, meist montierten farbigen Abbildungen nach Aquarellen, Holzschnitten und Fotografien. Originalraffiabasteinband mit Deckel- und Rückentitel.

45. Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 320 Exemplaren im Strohbasteinband (Gesamtauflage 400). – Bereits in den Jahren 1897 und 1901, während Gauguins zweitem Tahiti-Aufenthalt, veröffentlichte Charles Morice, der an der Entstehung des Werkes beteiligt war, erste Teile. »Meanwhile, Gauguin recopied and amplified his manuscript, adding watercolors, woodcuts, and an occasional photograph. The later manuscript, now in the Louvre, is the basis for this facsimile« (Eleanor M. Garvey). Die Druckqualität dieser Edition, die von Kurt Wolffs Faksimile von »Avant et aprés« inspiriert wurde, mit ihren prachtvollen und farblich fein differenzierten Reproduktionen und der durch Einklebung der Bilder entstandenen Authentizität, blieb unübertroffen. – Der Editionsvermerk im Innendeckel eingeklebt.

31,8 : 24,2 cm. [4], 204 [recte 210] Seiten. – Titel auf dem Einband verblasst.

Garvey 115 (mit ganzseitiger Abbildung). – Monod 5158. – Skira 129. – Dokumentations-Bibliothek II, 586 (irrtümlich als 6. Druck der Marées-Gesellschaft bezeichnet)

413  Emil Nolde – Gustav Schiefler. Das graphische Werk Emil Noldes bis 1910.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Berlin, Julius Bard 1911. Mit einem Titel- und 25 Textholzschnitten sowie einer Lithographie. Originalpappband mit Holzschnitt-Deckelvignette.

Erste Ausgabe des bereits im sechsten Jahr des künstlerischen Schaffens erschienenen Verzeichnisses. – Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 435). – Mit dem Holzschnitt »Ägypterin I« und der Lithographie »Der Pflüger«, 25 (Druckvermerk irrig: 26) Textholzschnitten und einer Holzschnittvignette auf dem Vorderdeckel. – Druck der Holzschnitte von den Originalstöcken, die Lithographie wurde bei W. Genthe, Hamburg, gedruckt. – Der Hamburger Richter Gustav Schiefler (1857–1935) war ausgewiesener und engagierter Kunstsammler und Mäzen. Sein Kunstverständnis wurde vor allem von dem damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, geprägt. Besonders engen Kontakt pflegte er zu den Brücke-Künstlern. 1906 lernte er Nolde kennen. Mit dem frühen Verzeichnis der Graphik Emil Noldes wollte er »Zeugnis ablegen, wie ich seine Kunst schätze, und gleichzeitig versuchen, den Kreis derjenigen zu erweitern, welche an seinen Werken Anteil nehmen und sie sammeln.« (Vorwort). Es erschienen von ihm akribisch ediert (Jentsch: »von den Bearbeitern der Ergänzungsbände auch nicht annähernd erreicht«) auch Verzeichnisse der Graphik von Liebermann, Munch, Laage, Kirchner und Illies.

25,0 : 19,7 cm. [2], 139, [1] Seiten, 1 Holzschnitt, 1 Lithographie. – Ränder gebräunt und etwas fleckig. Ecken und Kapitale leicht bestoßen. Hinterdeckel mit stärkerem Lichtrand.

Jentsch 3. – Schiefler/Mosel H 41–48, 50, 53–58, 60–62, 66–70, 72, 76, 86 III und 96 sowie L 35

414  Wassily Kandinsky. Über das Geistige in der Kunst

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

insbesondere in der Malerei. Mit acht Tafeln und zehn Holzschnitten. Dritte Auflage. München, Piper 1912. Mit zehn Holzschnitten im Text, acht Tafeln und drei Tabellen. Originalpappband mit Holzschnittdeckelvignette.

Kandinskys grundlegende Arbeit zur abstrakten Malerei erschien erstmals im Januar 1912 und war so erfolgreich, dass bereits wenige Wochen später eine überarbeitete zweite Auflage erschien, die im Herbst des Jahres unverändert nchgedruckt werden musste. Kandinsky behandelt »Wirkung der Farbe«, »Formen- und Farbensprache« und »Kunstwerk und Künstler«; seine Betrachtungen sind die Frucht der Notizen aus zehn Jahren. Bereits so früh »hatte er die bis heute relevanten Möglichkeiten abstrakten Gestaltens im Ansatz theoretisch vorformuliert« (KNLL IX, 109f). – Auf unbeschnittenem Maschinenbütten.

23,8 : 19,0 cm. [12], 125, [5] Seiten. – Ränder gebräunt. Oberes Kapital beschädigt.

Jentsch 6. – Roethel 82–92

415  Der Blaue Reiter.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Herausgeber: Kandinsky [und] Franz Marc. Zweite Auflage. München, R. Piper 1914. Mit 43 Tafeln, davon vier koloriert, 98 Abbildungen, drei Musikbeilagen und acht Initialen bzw. Vignetten. Farbig illustrierter Originalleinenband.

Zweite Auflage, nun mit dem Vorwort der Herausgeber. – Eins von 1000 Exemplaren. – Der berühmte Almanach, namensgebend für die Künstlergruppe, hat die Auffassungen zur modernen Kunst wie kaum eine andere Publikation des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Beide Auflagen waren Hugo von Tschudi, dem 1911 verstorbenen Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, gewidmet. – Für die vier Tafeln in leuchtendem Pochoirkolorit wählten die Herausgeber je eine eigenes Aquarell (Kandinskys »Entwurf zu Komposition 4« und Marcs »Pferde« – diese gegenüber der Erstausgabe verändert) sowie zwei volkskünstlerische Motive aus. Für den Einband schuf Wassily Kandinsky den berühmten Holzschnitt, hier in der endgültigen Fassung in drei Farben. Rücken und Hinterdeckel zieren zwei Klischeedrucke nach Tuschzeichnungen Kandinskys. – Textbeiträge lieferten neben den Herausgebern auch August Macke, Arnold Schönberg, David Durljuk und andere, die Illustrationen stammen von Arp, Kandinsky, Marc, Kirchner, Heckel, Nolde, Pechstein, Kubin, Klee u. v. a., die Musikbeilagen von Arnold Schönberg, Alban Berg u. Anton von Webern. Zu Unrecht selten erwähnt werden die von Franz Marc und Hans Arp entworfenen Initialen. – Schönes Exemplar.

29,5 : 22,5 cm. [10], 140 Seiten, 40 Tafeln, 5 Blätter Musiknoten. – Einband leicht fleckig, Rücken gebräunt.

Riedel/Hohberg 105 und Bücher 9. – Roethel 141 III (von III), Anhang V, 12–14 und Seite 450. – Jentsch, Expressionismus 5. – Garvey 139

416  Ernst Ludwig Kirchner – W[ill] Grohmann. Kirchner-Zeichnungen.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

100 Tafeln und zahlreiche Holzschnitte im Text. Dresden, Ernst Arnold 1925. Mit 18 Holzschnitten, davon drei auf dem Einband und 15 im Text, sowie zwei Abbildungen und 100, teils farbigen Tafeln. Illustrierter Originalleinenband.

Arnolds Graphische Bücher, Zweite Folge, Band 6. – Der Text und die Auswahl der Abbildungen entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen Grohmann und Kirchner, der großen Wert darauf legte, nicht zusammen mit anderen Künstlern der »Brücke« publiziert zu werden und überhaupt Grohmann eindringlich seine Beratung anbot. – Insgesamt sehr schönes Exemplar.

27,5 : 21,6 cm. 37, [11] Seiten, 100 Tafeln. – Rücken verfblasst.

Dube 832–849. – Schauer II,120. – Rifkind Collection 1481

417  Buchwesen – Konrad Haebler. Der deutsche Wiegendruck in Original-Typenbeispielen.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 6500

115 Inkunabelproben. Band I [und] II. München, Weiss & Co. 1927. 55 bzw. 61 Inkunabelblätter, alle unter Passepartout, und Textheft in je einer Originalleinenkassette.

Eins von 13 römisch nummerierten Verlegerexemplaren (Gesamtauflage 103). – Hier mit einem zusätzlichen Inkunabelblatt (handschriftlich bezeichnet als Tafel 71a aus Kobergers Nürnberger Chronik, Blatt LXVIII – Verona, Type 24). – Die Sammlung vereint 116 originale Inkunabelblätter von 70 Druckern des deutschsprachigen Raumes zwischen 1468 und 1500. – Der Textband mit Register und einer genauen Beschreibung jedes einzelnen Inkunabel-Blatts. – Konrad Haebler (1857–1946) gilt als Altmeister der Inkunabelforschung. 1904 übertrug man ihm die Leitung der Kommission für den Gesamtkatalog der Wiegendrucke an der Königlichen Bibliothek zu Berlin, 1914 ernannte man ihn zum Direktor der Handschriftenabteilung. Seine großen Verdienste liegen in der Erfassung und typographischen Erforschung der Inkunabeln. Mit Hilfe des Drucktypenvergleichs wurde es möglich, die Drucke nach Ort, Zeit und Drucker zu bestimmen. – Die Blätter tadellos.

55,0 : 44,5 cm (Kassetten). 116 Inkunabelblätter. – Bezugsleinen stockfleckig.

418  Buchwesen – Konrad Haebler. Der italienische Wiegendruck in Original-Typenbeispielen.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 6000

120 Inkunabel-Proben. Band I [und] II. München, Weiss & Co. 1927. 55 bzw. 65 Inkunabelblätter, alle unter Passepartout, und Textheft in je einer Originalleinenkassette.

Eins von 13 römisch nummerierten Verlegerexemplaren (Gesamtauflage 103). – Die Kassetten enthalten insgesamt 120 originale Inkunabel-Blätter von mehr als 80 Druckern aus dem damaligen Italien. – Der Textband mit Register und einer genauen Beschreibung jedes einzelnen Inkunabel-Blatts. – »Mit voller Deutlichkeit werden die Tafeln zeigen, wie weit weniger abwechslungsreich die Formen des italienischen Frühdrucks gestaltet sind, wenn man sie mit dem vergleicht, was in Deutschland zu derselben Zeit und auf demselben Gebiete geleistet worden ist. Weiter verraten die Tafeln unverkennbar, wie das venezianische Vorbild den italienischen Frühdruck fast erdrückend beherrschte, und wie wenig ihm gegenüber der individuelle Ausdruckswille sich geltend zu machen vermocht hat« (Einführung). – Tadellos erhaltene Sammlung.

55,0 : 44,5 cm (Kassetten). 120 Blätter. – Bezugsleinen an den Rändern gering stockfleckig.

419  Stanley Morison. Meisterdrucke aus vier Jahrhunderten.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Die Entwicklung des Buchdrucks in lateinischer Schrift in mehr als sechshundert Abbildungen in Lichtdruck dargestellt nach Druckwerken aus den Jahren 1500–1914 mit Text und Registern. Berlin, Wasmuth 1924. Mit 625 Abbildungen. Originalhalbleinenband mit intarsiertem Deckelschild.

Eins von 100 Exemplaren der deutschen Ausgabe in der Übersetzung von Anna Simons. 390 weitere und 13 Vorzugsexemplare erschienen in englischer Originalfassung. – Gedruckt in der University Press, Cambridge, gesetzt aus einem Nachschnitt der von Aldus Manutius für »Hypnerotomachia Poliphili« entworfenen und verwendeten Antiqua.

48,3 : 35,5 cm. XXIX, [3], 243, [1] Seiten. – Ecken bestoßen. Bezugsleinen leicht stockfleckig. Bezugspapier etwas berieben.

420  Stanley Morison. Modern Fine Printing.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

An Exhibit of printing issued in England, the United States of America, France, Germany, Italy, Switzerland, Czecho-Slovakia, Holland and Sweden during the Twenteeth Century and with few exceptions since the outbreak of the war. London, Ernest Benn1925. Mit 328 Abbildungen. Originalhalbleinenband mit intarsiertem Deckelschild.

Eins von 650 handschriftlich nummerierten englischen Exemplaren, es erschienen weitere 200 Exemplare in französischer und 150 in deutscher Sprache sowie 15 Vorzugsausgaben. – Gedruckt in der University Press, Cambridge, gesetzt aus einem Nachschnitt der von Aldus Manutius für »Hypnerotomachia Poliphili« entworfenen und verwendeten Antiqua. – Mit Abbildungen von Titeln und Textseiten herausragender internationaler Druckwerke des frühen 20. Jahrhunderts.

48,3 : 35,5 cm. LXIV, [152] Seiten. – Bezugspapier etwas berieben.

421  Die Lehrmeister – Martin Dominique Fertel. La Science pratique de l’Imprimerie.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 670

Contenant des insructions tres-faciles pour se perfectionner dans cet Art. On y trouvera une Description de toutes les Pieces dont une Presse est construite […] Saint-Omer 1723. Mit sechs gefalteten Tafeln und einigen Abbildungen in Kupferstich. Halblederband mit Rückenschild und Marmorpapierbezug.

Erste Ausgabe, im Eigenverlag erschienen. – Martin Dominique Fertel (1684–1752) war Drucker des Bischofs von Saint-Omer. Nach seinem Studium bei Benoît Combe perfektionierte er seine Kunst nicht nur in Frankreich, sondern auch in den Niederlanden, in Savoien und in Italien. Seine wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit der Herstellung qualitativ hochwertiger Bücher. Er behandelt die Auswahl der Schriften, des geeigneten Formats und gibt Aufschluss über typographischen Methoden und Drucktechniken seiner Zeit. – Die gefalteten Tafeln mit Beispielen von Setzkasten- und Schriftmustern, Titelseiten, Druckerpressen, Alphabeten und Druckproben aus der Druckerei des Verfassers.

25,5 : 20,2 cm. [20], 292, [12] Seiten. – Deckel etwas berieben.

Brunet II, 1237: »la première édition de ce traité, aujourd’hui assez rare«

422  Die Lehrmeister – Antoine-François Momoro. Traité élémentaire de l’imprimerie ou

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Le manuel de l’imprimeur. Paris, Veuve Tilliard & Fils 1796. Mit 36 Kupfertafeln und einer gefalteten Tabelle. Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung.

Zweite Ausgabe. – Antoine-François Momoro (1756–1794) hatte sich bereits in Paris als Drucker etabliert, als 1789 die französische Revolution ausbrach. Er druckte bald darauf in deren Diensten eine Vielzahl revolutionärer Schriften und engagierte sich auch persönlich. Robespierres 1790 propagiertes Motto der Revolution »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« ergänzte Momoro zu »Unité, Indivisibilité de la République; Liberté, Egalité, Fraternité ou la mort« und sorgte für dessen Verbreitung. – Sein Hauptwerk zur Druckkunst, 1793 im Eigenverlag erschienen, bestätigt bis heute seine fundierten Kenntnisse und praktischen Erfahrungen als Typograph. – Die Kupfer gewähren Einblicke in Papiermacherei, Setzerei und Druckerei und zeigen Details von Werkzeugen und Maschinen. 26 Kupfer mit Ausschießmustern und Korrekturzeichen.

IV, 347, [1] Seiten. 37 Tafeln. – Berieben, kleine Schabstellen, Hinterdeckel fleckig. – Anfangs und die letzten Kupfer etwas stockfleckig, 3 Kupfer gebräunt.

Graesse IV, 572 (nur diese Ausgabe)

423  Die Lehrmeister – C. Fl. Gessner [und J. G. Hager]. Der in der Buchdruckerei wohl unterrichtete Lehr-Junge.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Oder: Bey der löblichen Buchdruckerkunst nöthige und nüzliche Anfangsgründe, darinnen alles, was bey selbiger in Acht zu nehmen und zu lernen vorfällt, von einem Kunstverwandten mitgetheilet wird. – Nachgebunden: Depositio cornuti typographici. – Leipzig, C. F. Geßner 1743. Mit gestochenem Frontispiz und 17, davon neun gefalteten bzw. doppelblattgroßen, Kupferstichen, einer gestochen Kopfvignette und einigen Textholzschnitten. Pergamentband um 1900 mit vergoldetem Rückenschild.

Erste Ausgabe des wichtigen Lehrbuchs, das neben typographischem Grundwissen auch orthographische Regeln zur deutschen und verschiedensten fremden Sprachen und Schriften vermittelt. Ausführlich werden Ausschießvorlagen für den Druck diverser Formate vorgestellt. – Mit zahlreichen Schrift- und Typenproben, Alphabeten, Hieroglyphen, teils auf Kupfertafeln, teils als Holzschnitte im Text. – Die Schriftproben entstammen der Ehrhardt’schen Schriftgießerei sowie von den Wittenberger Schriftgießern C. Zineken & J. W. Boßvögel. – Mit eigenhändiger Widmung von Kurt Wolff auf dem weißen Vorsatzblatt »Das Buch vom ›Lehrjungen‹ dem künftigen Meister mit herzlichem Weihnachtsgruss | Kurt Wolff | XII/22«. Die wohlwollend prophetische Widmung bezieht sich auf die Trennung Hans Mardersteigs vom Müchner Verlag. »Kurt Wolff hatte die Gründung der Officina Bodoni mit lebhaftestem Anteil verfolgt […] Als ich ihm im Januar 1923 den ersten Probedruck der Offizin mit Goethes Urworten gesandt hatte, antwortete er mir bald darauf mit dem Wunsch, die herrliche ›Marienbader Elegie‹ von mir gedruckt zu sehen. Und so geschah es mit großer Freude.« (Hans Mardersteig in der Bibliographie seiner Presse). – Tadellos schönes Exemplar.

17,5 : 10,8 cm. [40], XIII, [17], 462; 112 Seiten, 18 Kupfer. – Titelblatt leicht fingerfleckig.

Bigmore/Wyman I, 265

424  Officina Bodoni – Elizabeth Barrett Browning. Sonnets from the Portuguese.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Montagnola 1925. Originalpergamentband mit goldgeprägtem Rückentitel, Deckelsignet und Kopfgoldschnitt. Im Schuber.

Eins von 225 Exemplaren (Gesamtauflage 230). – Satz aus der Bodoni Catania Antiqua. – Gedruckt auf Fabriano-Bütten. – Die Sonette, Zeugnis und Ausdruck der Liebe der Autorin zu ihrem Gatten Robert Browning, entstanden im Winter 1846–47. 1845 hatte das Paar gegen den Willen von Elizabeths Vater geheiratet und lebte seitdem in Florenz.

25,7 : 17,9 cm. [4], 54, [6] Seiten.

Schmoller/Mardersteig 12. – Schauer II, 78

425  Officina Bodoni – Crito.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2600

A Socratic Dialogue by Plato. Translated by Henry Cary. Paris, Pleiad Press 1926. Bordeauxroter geglätteter Originaloasenmaroquinband; Rückentitel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Officina Budoni fec). In gefüttertem Originalschuber mit Lederkanten.

Druckvermerk mit dem eigenhändigen Zusatz »Printers copy | One of five copies printed on Japanese Vellum | F. W.«. – Diese Zeilen stammen von Frederic Warde, dem amerikanischen Typographen. Hans Mardersteig hatte den Mitarbeiter von Stanley Morison im Frühjahr 1925 in Paris kennengelernt. Morison und Warde bewunderten den italienischen Schreibmeister Ludovico Arrihgi und Warden entwarf zwei nach diesem Schriften, die kursive Arrighi-Vicenza wurde hier erstmal verwendet. – Die eigentliche Auflage von 475 Exemplaren wurde auf Bütten gedruckt. – Früher Druck der damals noch in Montagnola ansässigen Presse. – In der Vorzugsausgabe nahezu unauffindbar.

23,6 : 15,5 cm. XXXVI, [12] Seiten. – Rücken minimal verblasst.

Schmoller/Mardersteig 16

426  Officina Bodoni – Horace Walpole. Hieroglyphic Tales.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

London, Elkin Mathews 1926. Bordeauxroter Originaloasenmaroquinband mit rücken-, Deckel-, Steh- und Innenkanten sowie Kopfschnittvergoldung (signiert: Officina Bodoni fec.). In gefüttertem Originalschuber mit Lederkanten.

Verlegerexemplar im unikalen Einband, im Druckvermerk monogrammiert »HM«. Die Auflage von 250 Exemplaren erschien in Kleisterpapierpappbänden. – Gesetzt aus der Bodoni Cuneo, gedruckt in Montagnola, auf Binda-Büttenpapier. – Englischer Originaltext der sechs Erzählungen von Walpole mit Vorwort, Nachwort und Anmerkungen des Autors nach der ersten Ausgabe von 1785.

23,7 : 16,3 cm. 85, [7] Seiten. – Rücken minimal aufgehellt. – Einige Lagen stockfleckig.

Schmoller/Mardersteig 18

427  Officina Bodoni – Carlo [Charles] Ricketts. Dell’arte della stampa.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

Verona, Stabilimenti Grafici Mondadori 1926. Rostroter Originalmaroquinband mit dezenter Rücken- und Filetenvergoldung (signiert: Officina Bodoni fec). Im gefütterten Schuber mit Lederkanten.

Unikales Exemplar für Hans Mardersteig auf Japan und im Ganzledereinband. Die Auflage von 125 Exemplaren wurde auf Fabriano-Bütten gedruckt und in Halbpergament gebunden. – Italienische Übersetzung von Charles Ricketts’ »A defense of the revival of printing«. – Einer der letzten Drucke in Montagnola, schon für den Veroneser Verleger. – Gesetzt aus der Bodoni Cuneo Antiqua und Kursiv.

20,6 : 13,6 cm. 41, [9] Seiten.

Schmoller/Mardersteig 19

428  Officina Bodoni – Carlo Ricketts. Dell’arte della stampa.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Montagnola 1926. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt. Im Schuber.

Exemplar »E«, wie die 125 Exemplare auf Fabriano-Bütten und in Halbpergament gebunden. – Italienische Übersetzung des Textes »A defense of the revival of printing« von Charles Ricketts. – Gesetzt aus der 12pt Bodoni Cuneo Antiqua und Kursiv, gedruckt für Stabilimenti Grafici Mondadori di Verona.

20,6 : 13,6 cm. 41, [9] Seiten. – Schuber angestaubt.

Schmoller/Mardersteig 19

429  Officina Bodoni – A newly discovered Treatise on classic Letter Design

Schätzpreis/Estimate: € 700

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

printed at Parma by Damanius Moyllus circa 1480. Reproduced in Facsimile with an Introduction by Stanley Morison. Paris, Pegasus Press 1927. Roter geglätteter Originalmaroquinband auf fünf Bünden mit vergoldeten Fileten und Kopfgoldschnitt (signiert: Officina Bodoni fec). Im gefütterten Schuber mit Lederkanten.

Wohl unikaler Einband in Ganzleder. – Eins von 50 Verlegerexemplaren (Gesamtauflage 350), gedruckt auf Arches-Bütten. – »Das kleine Büchlein enthält die erste bisher bekannte gedruckte Konstruktion eines römischen Alphabets aus dem Quattrocento. Das Exemplar [der Ausgabe Parma 1480] wurde von Leo Olschki entdeckt und befindet sich heute als Gabe von Tammaro De Marinis in der Biblioteca Palatina von Parma« (Schmoller/Mardersteig, S. 34). – Das Original wurde bei Albert Fritsch, Berlin, in Lichtdruck faksimiliert und ergänzt mit einer Einleitung von Stanley Morison und der englischen Übersetzung des Textes.

18,9 : 12,8 cm. 23, [3], 81, [3] Seiten, 24 Blätter Faksimile. – Rücken leicht verblasst. – Vorsatzpapiere mit Leimschatten.

Schmoller/Mardersteig 21

430  Officina Bodoni – Beethovens Heiligenstädter Testament.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Montagnola 1927. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Unnummeriertes Exemplar eines kleinen Privatdrucks »für Freunde«, dieses für Hans Mardersteig (Gesamtauflage 33). – Originaltext des Testaments, geschrieben in Heiligenstadt am 6. Oktober 1802. – Gesetzt aus der Bodoni Casale Antiqua, gedruckt auf Marais-Bütten. – Das schmale Bändchen war der letzte Druck der Officina Bodoni in Montagnola vor Mardersteigs Umzug nach Verona.

29,2 : 19,8 cm. 13, [7] Seiten. – Innen schwach stockfleckig.

Schmoller/Mardersteig 22

431  Officina Bodoni – Antonio Cippico. Musa limitaris.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Mailand, Mondadori 1928. Originalpergamentband; Deckelvignette, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Im Schuber.

Eins von 115 Exemplaren auf Fabriano Bütten (Gesamtauflage 147). – Gedichte in italienischer Sprache. – Einer der ersten Drucke Mardersteigs in Verona. – Selten und tadellos erhalten.

29,1 : 20,3 cm. 49, [11] Seiten.

Schmoller/Mardersteig 26

432  Officina Bodoni – Das Weihnachtsmärchen

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 380

aus den beiden Evangelien Lukas & Matthaeus. Verona 1928. Fadengebundene Originalbroschur mit roter Deckelvignette.

Eins von nur 40 Exemplaren. – Privatdruck, nicht für den Handel bestimmt. – Auf Montval Bütten. – Vorsatzblatt mit den Bleistift -Initialen von Hans Mardersteig.

26,3 : 18,0 cm. 6, [2] Seiten. – Vorderumschlag mit kleinem Fleck.

Schmoller/Mardersteig 29

433  Officina Bodoni – Die Officina Bodoni.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Das Werkbuch einer Handpresse in den ersten sechs Jahren ihres Wirkens. Paris, Pegasus 1929. Mit zwölf ganzseitigen Holzschnitten im Text, sowie 13 Tafeln mit Schriftproben. Originalleinenband mit vergoldeter Deckelvignette, goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt. Mit Originalschutzumschlag.

Eins von 350 Exemplaren der deutschen Ausgabe, weitere 500 Exemplare erschienen in englischer Sprache, 200 in italienischer. – Der frühe Katalog der Presse enthält das »Credo« von Hans Mardersteig, den ausdrucksstarken Holzschnittzyklus von Frans Masereel zu »Wie ein Buch in der Offizin entsteht« und ein Verzeichnis der Editionen 1923–1929. – Handpressendruck mit originalen Bodoni-Schriften, gedruckt auf Lafuma-Papier. Auch die montierten Schriftproben wurden auf der Handpresse gedruckt. – Dazu: Zahlreiche Schriftproben und Prospekte der Officina Bodoni und anderer Druckerein.

30,2 : 21,7 cm. 80, [4] Seiten, 13 Tafeln.

Schmoller/Mardersteig 31. – Ritter C a 44

434  Officina Bodoni – Georg Reinhart. Aus meinem Leben.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Winterthur MCMXXXI. Als Manuskript gedruckt. Verona 1931. Mit einem Porträt, zwei Textholzschnitten und 17 Tafeln bzw. blattgroßen Lichtdrucken nach Zeichnungen des Verfassers sowie einem montierten Etikett. Dunkelblauer Originalecrasélederband; Rückentitel, Stehkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet. Im Originalschuber mit Lederkanten. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe des Privatdrucks, den Hans Mardersteig in einhundert Exemplaren auf handgeschöpftem Bütten auf der Handpresse der Officina Bodoni in Verona druckte. – Vorblatt mit eigenhändiger Widmung Reinharts für Hans Mardersteig »Dem unübertrefflichen Drucker meines kleinen Werkes mit vielem Dank für seine Mühewaltung […]«. – Der Winterthurer Mäzen Georg Reinhart (1877––1955) war stiller Teilhaber der Officina Bodoni und ermöglichte Hans Mardersteig im Jahr 1922 die Gründung der Handpresse in Montagnola, mit der Mardersteig 1926 nach Verona übersiedelte. Reinharts Kunstsammlung, die neben Arbeiten zeitgenössischer Schweizer Künstler auch Kunstwerke von Hofer, Kolbe, Liebermann, Masereel, Picasso, Renoir, Rousseau, Vlaminck und anderen enthielt, dokumentierte der Sammler bereits 1922 in einem üppigen Katalog, dessen Gestaltung und Druck Hans Mardersteig leitete: Georg Reinhart. Katalog meiner Sammlung. Winterthur 1922. Mit 55 Lichtdrucktafeln nach Hermann Lincks Fotografien der Kunstwerke. Originalhalbpergamentband mit Rückenschild. – Georg Reinhart 1877–1955 Zum Gedächtnis. Verona 1956. Originalhalbpergamentband. Satz der Officina Bodoni, Druck der Stamperia Valdonega. Mit Originalbeilagen. – C. F. Ramuz. Die Geschichte vom Soldaten. Frei Nachdichtung von Hans Reinhart. Zürich 1924. Originalbroschur. Mit eigenhändiger Widmung des Übersetzers, dem Bruder von Georg Reinhart.

15,8 : 10,5 cm. 449, [3] Seiten, 5 Tafeln. – Rücken verfärbt, Vordergelenk leicht brüchig.

Schmoller/Mardersteig 37

435  Hans Linck. Frans Masereels Mosaiken für die Villa Reinhart.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 800

14 Fotografien. Vintages, Silbergelantine. Um 1940. 16,5 : 22,5 cm.

Die vollständige Folge mit Abbildungen der 13 Mosaiken von Frans Masereel (und einem Detailfoto). – 1930/31 hatte Frans Masereel für das Sonnenbad der Villa des Kunstsammlers und Mäzens Georg Reinhart hoch über dem Winterthurer Tössertobel dreizehn Mosaiken entworfen, die in den Farben Schwarz, Grau, Weiß und Gold ausgeführt wurden. – Nach den rückseitigen Beschriftungen der Fotografien bilden sie neben dem Eingangsmosaik »La ville« drei Zyklen mit je vier Mosaiken: Jahreszeiten, Tageszeiten und die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde. »Jedes Thema wird durch die Beziehung einer weiblichen Figur zu dem sie jeweils umgebenden Bildinhalt dargestellt.« (Harry Joelson-Strohbach). – Jede Fotografie rückseitig handschriftlich betitelt, nummeriert und mit der Negativnummer sowie mit dem Stempel des Fotografen. Mit dem Freitod des Fotografen Hans Hermann Linck (1902–1949) endet diese seit 1864 bestehende »Winterthurer Fotografendynastie« (www.winterthur-glossar.ch). – 1950 erschien ein Gedichtzyklus von Rudolf Hagenstange, angeregt durch die Mosaiken Masereels (KatNr. 466).

Vgl. auch Harry Joelson-Strohbach in: Librarium 32 (1989), Heft 3

436  Officina Bodoni – P. Ovidius Naso. Amores.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 4600

Qui fuerant quinque libelli sunt tres. Verona 1932. Senfgelber Originalziegenlederband mit vergoldeten Titeln und Kopfgoldschnitt. In gefüttertem Originalschuber mit Lederkanten.

Eins von zwölf Exemplaren in gelbem Ziegenleder (Gesamtauflage 123, davon drei auf Pergament). – Lateinischer Text gedruckt auf Magnani-Bütten mit den Wasserzeichen von Papiermühle und Presse – Die Initialen wurden in Rot handgeschrieben. – »Die zierliche und elegante Kursiv des Ludovico Arrighi il Vicentino schien mir besonders gut geeignet für den Druck der anmutigen und leichtfüßigen Verse von Ovids ›Amores‹. Für die vorliegende Ausgabe dieses Textes sind von Charles Malin, dem Nachfolger von Plumet, einige kallgraphische Ornamente und das Majuskelalphabet in einem kleineren Schriftgrad zur Ergänzung geschnitten worden. Die graziösen roten Initiale […] wurden von Claudio Bonacini geschrieben. Als Vorlage dienten dabei die Buchstabenformen, die sich in Vicentinos Schreibbüchlein befinden.« (Schmoller/Mardersteig, S. 49) – Beilage: Probedruck des letzten Doppelblatts mit dem Kolophon auf Pergament.

24,5 : 16,5 cm. 133, [15] Seiten. – Rücken minimal aufgehellt.

Schmoller/Mardersteig 38. – Schauer II, 79 (mit Abbildungen)

437  Officina Bodoni – [Edward James]. Carmina Amico.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

Opus Quintum. Verona 1932. Originalhalbpergamentband mit Kleisterpapierbezug; Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet. Im Schuber.

Eins von 100 Exemplaren auf Lafumapapier und in Halbpergament gebunden (Gesamtauflage 150). – Sonette von Edward James im englischen Originaltext. – Edward James (1907–1984) erbte in jungen Jahren ein Millionenvermögen. Er studierte Literatur in Oxford, war Poet, Kunstsammler, Mäzen und Landschaftskünstler. Als Anhänger und früher Mäzen der surrealistischen Bewegung unterstützte er den damals noch unbekannten Dalí, ebenso förderte er ab 1937 René Magritte. Salvador Dalí sagte über James, er wäre der einzig wirklich Verrückte im Kreis der Möchtegern-Surrealisten.

25,3 : 16,9 cm. [72] Seiten.

Schmoller/Mardersteig 39

438  Gunter Böhmer – Hermann Hesse. Hermann Lauscher.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

Mit 25 Zeichnungen von Gunter Böhmer. Berlin, S. Fischer 1933. Mit 25 Illustrationen im Text. Sandfarbener Originalleinenband mit -schutzumschlag, Vorderdeckel und -umschlag mit farbiger Illustration von Gunter Böhmer. – Widmungsexemplar mit Zeichnung.

Erste illustrierte Ausgabe von Hesses Frühwerk, zugleich das erste von Gunter Böhmer illustrierte Buch. – Vorsatzblatt mit zweifarbiger Tuschfederzeichnung (Künstler und Dichter überbringen das Buch) und eigenhändiger Widmung von Gunter Böhmer. – Erschienen innerhalb der »Gesammelten Werke«, hier jedoch in der seltenen illustrierten Leinenausgabe. – Sehr schönes Exemplar.

18,8 : 11,8 cm. 194, [6] Seiten. – Schutzumschlag am Rücken etwas gebräunt.

Rysawi . – Mileck I, A-16 bzw. II, 3 D

439  Gunter Böhmer – Adele Gundert. Marie Hesse.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern. Mit 16 Original-Lithographien von Gunter Böhmer. Stuttgart, D. Gundert 1934. Mit 16 Lithographien. Hellblauer Originalleinenband mit Vergoldung und illustrierter Originalschutzumschlag, beide nach Entwurf von Gunter Böhmer. – Widmungsexemplar mit Zeichnung.

Erste Ausgabe. – Marie Hesse war die Mutter von Hermann Hesse und seiner Schwester Adele. Als Tochter eines schwäbischen Missionars wurde sie 1842 in Indien geboren. – Vorsatzblatt mit Tuschfederzeichnung von Gunter Böhmer (zum zehnjährigen Jubiläum der Officina Bodoni wird ein Bonnard-Buch überreicht) und eigenhändiger Widmung »Den lieben Dr. Mardersteigs in herzlichem Gedenken an die Spätsommertage 1934 von Ihrem Gunter Böhmer, Montagnola 17. VIII. 34«.

18,8 : 13,0 cm. 253, [3] Seiten. – Schutzumschlag am Rücken gebräunt und mit Fehlstelle am Oberrand.

Rysawi 6

440  Hermann Hesse. Vom Baum des Lebens.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Ausgewählte Gedichte. Leipzig, Insel [1934]. Originalpappband mit Buntpapierbezug, Deckel- und Rückenschild. – Widmungsexemplar mit Aquarell und Gedicht..

Erste Ausgabe. – Insel-Bücherei 454 [1A]. – Vorsatzblatt mit einem Aquarell von Hermann Hesse (Landschaft am Luganer See. 6,8 : 7,6 cm), Vortitelblatt mit dem Gedicht »Blätter wehen vom Baume« (Widmungsverse für ein Gedichtbuch), die zwölf Zeilen signiert mit »vom Nachbarn H. H.« und datiert »VIII.34«. – Bei Hermann Hesse, der in Montagnola Mardersteigs Nachbar war, hatte das Ehepaar Mardersteig den jungen Maler Gunter Böhmer kennengelernt. Dieser kam 1933 auf Hesses Einladung nach Montagnola und wurde bald Nachmieter in der Casa Camuzzi. Hermann Hesse war 1932 in die benachbart gelegene Casa Rossa umgezogen.

18,3 : 12,0 cm. 78, [2] Seiten. – Widmungsblatt leicht gebräunt.

Mileck II, 65 und V-D 57

441  Hermann Hesse. Besinnung.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 220

[Berlin, Erasmusdruck 1934]. Originalbroschur.

Erste Buchausgabe. – »Aufgezeichnet am 20. November 1933 in Baden (Schweiz) als ein Versuch, die paar Fundamente meines Glaubens zu formulieren, deren ich sicher bin« (Untertitel). – Gedruckt in Rot und Braun auf Hadernbütten, als Blockbuch gebunden. – Auf dem Titelblatt signiert. – Selten.

25,0 : 23,0 cm. [6] Seiten. – Rückenfalz brüchig.

Mileck III, 36

442  Hermann Hesse. 14 Privatdrucke, signiert und meist mit Widmung des Dichters.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 900

Zürich, St. Gallen u. a. 1931–1961.

I. Beim Einzug in’s neue Haus. 1931. – II. Zehn Gedichte. 1939. – III. Ein hoffnungsfrohes Weihnachtsfest. 1942. – IV. Brief an Adele. 1946. – V. Traumtheater. 1948. – VI. An einen jungen Künstler. 1949. – VII. Gedenkblatt für Martin. 1949. – VIII. Glück. 1949. – IX. Zum 6. Juni 1950. – X. Brief an einen schwäbischen Dichter. 1951. – XI. Alter Maler in der Werkstatt. 1954. – XII. Freund Peter. 1959. – XIII. Ein paar Aufzeichnungen und Briefe. 1960. – XIV. Schreiben und Schriften. 1961. – Teils mit eigenhändig adressiertem Briefumschlag. – Dazu: Acht weitere Privatdrucke ohne Signatur.

Mileck III, 26, 70, 79, 108, 157, 161, 167, 168, 185, 190, 229, 277, 285 und 293

443  Gunter Böhmer – Karl Hönn. Der Maler Gunter Böhmer.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Sonderdruck der Kunst- und Antiquitäten-Rundschau. Ulm, Karl Hönn [um 1936]. Mit sechs Textabbildungen. – Unikat erweitertes Exemplar des Künstlers mit drei Tuschfederzeichnungen, einer vierten, aquarellierten auf dem Vorderdeckel sowie montierten Originalschutzumschlägen und Abbildungen. Halbleinenband.

Mit Widmungszeichnung (Selbstporträt) und eigenhändiger Widmung »Verspätete Weihnachtsgabe von Eurem Josef« (dem Spitznamen des Künstlers im Hause Mardersteig). – Nach dem Sonderdruck wurden mehrere Kartonblätter eingebunden, dort zwei Tuschfederzeichnungen sowie fünf montierte, von Böhmer illustrierte Schutzumschläge sowie einige Abbildungen seiner Werke. – Auf dem Vorderdeckel ein Zweig mit Apfelblüten (Aquarell und blaue Tusche). – 1933 hatte Böhmer Hermann Hesse im Tessin besucht und bald darauf Samuel Fischer kennengelernt, der erste Illustrationsaufträge erteilte. Während einer längeren Studienreise durch Italien lebte und arbeitete Böhmer 1935/36 längere Zeit bei Hans Mardersteig in Verona. – Dazu: Karl Reitz. G. G. Böhmer. Buchgraphische Bestrebungen und Lösungen. Sonderdruck der Typographischen Monatsblätter. Bern 1938. Mit Abbildungen und sechs montierten Originalbeispielen. Originalbroschur. Mit aquarellierter Widmungszeichnung (Selbstporträt an der Staffelei) »für HJKM« auf dem Vorsatzblatt (Hans und Irmi Krayer Mardersteig). – Hermann Hesse. Gunter Böhmer. Sonderdruck der Zeitschrift »Das Werk«. Zürich 1938. Erstdruck, Mileck IV, 648– Gunter Böhmer. Neue Bilder. Sonderdruck des Bodenseebuches. [Ulm] 1940. – Beide mit eigenhändiger Widmung und eingeklebten eigenhändig betitelten Fotografien. – Gunter Böhmer. Tagebuch eines Malers. Olten 1944. Mit 150 Abbildungen auf 140 Tafelseiten, davon 80 farbig. Originalpappband mit -schutzumschlag im -schuber. – Widmungsexemplar. Eins von 250 Exemplaren (Gesamtauflage 330). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung des Künstlers, monogrammiert und datiert »Pfingsten 1950«. Umschlagrücken und Teile des Schubers gebräunt.

444  Gunter Böhmer – Joseph von Eichendorff. Aus dem Leben eines Taugenichts.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 900

Mit fünfundzwanzig Zeichnungen von Gunter Böhmer. Tübingen, Rainer Wunderlich 1937. Mit 25 teils blattgroßen Illustrationen. Originalleinenband mit illustriertem Originalschutzumschlag. – Widmungsexemplar mit Zeichnung.

Vorsatzblatt mit aquarellierter Tuschfederzeichnung (Der Eier und Bücher werfende Böhmer auf einem Osterhasen reitend) und eigenhändiger Widmung »Seinen Lieben: Irmi et Giovanni mit herzlichsten Wünschen von Joseph | Montagnola, Ostern 1937«. – Auf den Vorderdeckel kalligraphierte Böhmer im Grün des gedruckten Rückentitels die von ihm für Hans Mardersteig und dessen Ehefrau Irmi Krayer-Mardersteig verwendeten Initialen »HJKM«.

19,0 : 11,8 cm. 181, [3] Seiten. – Schutzumschlag am Rücken gebräunt, sonst tadellos.

Rysawi 16

445  Gunter Böhmer – Gustave Flaubert. Madame Bovary.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Zuschlag/Hammerprice: € 140

Translated from the French by Eleanor Marx Aveling, with an introduction by André Maurois and water-color illustrations by Gunter Böhmer. [New York], Limited Editions Club 1938. Mit 49 farbigen Illustrationen. Originalseidenband mit Rückenschild und Schuber.

Eins von 1500 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert und anstelle der Nummer mit den Initialen »HJKM« (Hans Mardersteig und dessen Ehefrau Irmi Krayer-Mardersteig). – Das Werk wurde bei den Gebrüdern Fretz in Zürich gedruckt. Da diese in engem Kontakt zu Böhmers Freund und Nachbarn Hermann Hesse stand, darf vermutet werden, dass Hesse diesen ersten internationalen Auftritt Gunter Böhmers arrangiert hat.

22,3 : 14,5 cm. 348, [4] Seiten. – Rücken leicht und glecihmäßig verfärbt.

Rysawi 26

446  Officina Bodoni – Giosue Carducci. Visioni d’Italia.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Verona 1936. Hellgelber Seidenband in aquarelliertem Pappschuber.

Probeband für ein außergewöhnliches Buchprojekt, das schlussendlich nur in einem Exemplar realisiert wurde. – 1936 druckte Hans Mardersteig anlässlich der Hochzeit von Romualdo Borletti und Luisa Tosi, einem der gesellschaftlichen Höhepunkte im Mailand dieses Jahres, eine Auswahl aus Dichtungen des ersten italienischen Literaturnobelpreisträgers. – Gesetzt aus der Bembo Antiqua und gedruckt auf Pescia-Bütten. – Das Original versah der mit Mardersteig befreundete Gunter Böhmer mit zehn Aquarellen, die hier verständlicherweise nicht vorhanden sind. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden.

30,0 : 23,1 cm. [8], 37, [3] Seiten.

www.fondazioneboehmer.ch/bibliography

447  Officina Bodoni – [Lorenzo Montano]. San Zeno · Vescovo · Patrono di Verona.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 670

Verona 1937. Mit drei Holzschnitten von Gunter Böhmer, einer davon auf dem Titel. Originalpergamentband mit vergoldetem Deckelsignet, goldgeprägtem Rückentitel und Kopfgoldschnitt. Im Schuber.

Unikal gebundenes Verlegerexemplar (einer ohnehin kleinen Auflage) für Hans Mardersteig, mit dessen vergoldeten Initialen auf dem Vorderdeckel (Gesamtauflage 50). – Gedruckt auf Magnani Bütten, gesetzt aus der 16pt Zeno Antiqua. – Die Holzschnitte Böhmers entstanden nach der Statue des Heiligen und den Reliefs seiner Wunder in der veroneser Basilica. – Italienischer Originaltext einer Erzählung von Lorenzo Montano über das Leben und die Wunder des Schutzpatrons von Verona. – »Dieser kleine Druck ist die erste Probe einer Schrift, welche für ein damals geplantes aber später nicht ausgeführtes ›Missale Romanum‹ geschnitten worden ist. […] Der Text wurde auf meine Bitte von Lorenzo Montano geschrieben, […] meine Schrift wurde in der Folge nach dem Namen des Heiligen Zeno genannt. Von diesem Druck an fanden die Handpressen ihre endgültige Aufstellung in meinem Haus.« (Schmoller/Mardersteig, S. 52f).

26,3 : 18,2 cm. 13, [5] Seiten.

Schmoller/Mardersteig 41. – Rysavi NB 2

448  Officina Bodoni – Due episodi della vita di Felice Feliciano.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Ovvero la terza e decimaquarta novella da Le Porretane di Sabadino degli Arienti. Saggio di un nuovo carattere detto Griffo. Verona 1939. Originallinsoneinband mit vergoldeter Deckelvignette und Rückenschild.

Eins von insgesamt nur 35 Exemplaren, von denen einige in Linson, der größere Teil schlicht in Pappe gebunden wurden. – Originaltext zweier Geschichten aus dem Leben Felice Felicianos in der Novellensammlung von Sabadino degli Arienti. – Erste Druckprobe dieses Nachschnitts einer Antiqua von Francesco Griffo da Bologna von 1495, ausgeführt von Charles Malin.

23,8 : 16,6 cm. 14, [4] Seiten.

Schmoller/Mardersteig 44

449  Officina Bodoni – Torquato Tasso. Aminta.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Verona 1939. Mit sieben Radierungen von Francesco Chiapelli, zwei davon blattgroß. Originalpappband mit Pergamentecken und -kapitalen. Im Schuber.

Eins von 100 Dedikationsexemplaren, »stampato per Hans Mardersteig« (Gesamtauflage 120). – Auf unbeschittenem Magnani-Bütten. – Die erste Veröffentlichung der in Florenz gegründeten Vereinigung der »I Cento Amici del Libro«. Bis 1974 druckte Hans Mardersteig alle Drucke der Bibliophilenvereinigung. – Italienischer Text von Tassos beliebter Fabel vom Hirtenleben.

29,5 : 20,5 cm. [8], 127, [9] Seiten. – Einband und Schuber mit schwachen Fingerflecken.

Schmoller/Mardersteig 45

450  Officina Bodoni – Giovanni Boccaccio. Il Ninfale Fiesolano.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Ausrufpreis/Starting bid: € 530

Con le figure di una perduta edizione fiorentina del Quattrocento ora riuniteda vari libri del Cinquecento e reincise in legno. Verona 1940. Mit 22 Holzschnitten im Text. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Eins von 110 Exemplaren. – Der schöne Handpressendruck Mardersteigs vereint den italienischen Originaltext der Dichtung mit den Holzschnitten Fritz Kredels, die dieser nach alten Vorbildern schuf. – Gedruckt auf Magnani-Bütten. – Mit einem Vorwort von Tammaro de Marinis.

27,9 : 20,0 cm. [6], 82, [6] Seiten. – Einige Seiten, erste und letzte stärker, leicht stockfleckig.

Schmoller/Mardersteig 46. – Salter 1.110.1