ChristianHesse

Lot 401 – 450 | Hesse-Auktionen
Lot 401 – 450

401  Kurt Schwitters. elementar. Die Blume Anna. Die neue Anna Blume.

€ 300

Eine Gedichtsammlung aus den Jahren 1918–1922. Einbecker Politurausgabe. Berlin, Der Sturm [1923]. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Auf der letzten Seite »Kurt Schwitters ist der Erfinder von MERZ und i und erkennt neben sich niemand als Merzkünstler oder i-Künstler an.« – Unter anderem mit dem Erstdruck des »i«-Gedichts (»lies: rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf). – Schönes Exemplar.

22,8 : 15,0 cm. 32 Seiten. – Umschlag am Rücken verfärbt. – Ränder leicht gebräunt.

Raabe/Hannich-Bode 273.5. – Schmalenbach/Bolliger 4. – Dada global 123

402  Kurt Schwitters. Merz 2.

€ 1000

Nummer i. Hannover, Merzverlag April 1923. Mit einigen Abbildungen. Originalbroschur.

Originalausgabe. – Titelgebend ist die »Textliche und bildliche Darstellung von Schwitters ›i-Kunst‹, die er ähnlich wie die Merz-Idee auf viele Kunstbereiche übertrug.« (Dada global). – Enthält u. a. das »Manifest Proletkunst Den Daag, 6.3.23«, unterzeichnet von van Doesburg, Schwitters, Tzara, Arp und Spengemann, »das sich in scharfer Form gegen die im Dienst der Politik stehende Kunst richtet« (Hans Bolliger). – Auf Seite 23 ein modifiziertes Merz-Quadrat, am Ende eine heraustrennbare Abo-Bestellkarte. – Gedruckt bei Dietsch & Brückner, Weimar, auf grünliches Maschinenpapier. – Ehemals Sammlung Horst Hussel mit dessen Bleistift-Signatur auf der leeren zweiten Umschlagseite. – In Pappumschlagmappe, diese auf dem Vorderdeckel von Host Hussel beschriftet und mit einem seiner Monogrammstempel.

22,1 : 14,2 cm. Seiten 17–32 (des Gesamtwerks »Merz«). – Umschlagränder, besonders am Rückenfalz, etwas gebräunt. Hinterer Umschlag mit Eckknick. – Seitenränder leicht gebräunt.

Schmalenbach/Bolliger VI, 233. – Schelle/Haldenwanger/Heine 3. – Raabe/Hannich-Bode 273.12. – Dada global 109. – Dokumentations-Bibliothek II, 520

403  Max Ernst. Une semaine de bonté

€ 3000

ou Les sept éléments capitaux. Roman. Premier [–] Dernier [cinquième] cahier. Paris, Jeanne Bucher 1934. Mit 182 Tafeln nach Collagen und Zeichnungen von Max Ernst. Fünf Originalbroschuren in Violett, Grün, Rot, Blau und Gelb. Im Originalschuber mit grünem Deckelbild und Rückentitelschild.

Erste Ausgabe eines der Hauptwerke des Surrealismus, »the largest of Ernst’s inventive collage novels« (Castleman). – Eins von 800 Exemplaren auf Papier »Navarre« (Gesamtauflage 816). – »Die ›Semaine de bonté‹ hat ihren Namen ironisch […] denn die Themen dieser fünf Bände kreisen um Verfolgung, Terror (es ist das Jahr 34 von Paris aus gesehen), um Katastrophen, Wassereinbrüche, Feuer, Verhexung, Überfall und Verbrechen. […] Da ist es, als ob die Sicherheit, welche das Lebensgefühl der ›belle époque‹ ausmacht, wie eine Eisdecke springe, sie splittert. Charme schlägt um in Entsetzen. […] Es sind böse Capriccios.« (Erhart Kästner in: Maler machen Bücher. München 1981). – »Im Gegensatz zu seinen früheren, additiv konstruierten dadaistischen Collagen dekonstruiert er hier – in seiner surrealistischen Phase – das Vorgefundene.« (Sybille Bock im Katalog der französischen Malerbücher der Sammlung Classen). – Erst in der Reproduktion der collagierten Ausschnitte aus »Gebrauchsliteratur des 19. Jahrhunderts […] in der die Schnittstellen und Farbnuancen der verschiedenen Teile nicht mehr zu erkennen sind, […] wurde jedes Bild vereinheitlicht und so erhielt der ganze Roman seine stilistische Einheit« (Béatrice Hernad in »Papiergesänge«). – Innen tadellos und insgesamt sehr schön erhalten.

28,0 : 22,5 cm. – 3 Rücken verblasst, Vorderumschlag von Band 1 mit leichtem Lichtrand vom Schuberausschnitt.

Lang, Surrealismus 30. – Papiergesänge 58. – Castleman 161. – Monod 4323. – Katalog Classen 17. – Brusberg 35 B. – Vgl. Spies/Leppien 15 (dort nur die VA)

404  Biens nouveaux.

€ 500

Premier [–] 4ième cahier. Dirigée par Henri Parisot. Paris, GLM 1939. Vier Originalbroschuren.

Vollständige Reihe, mehr nicht erschienen. – I. Lewis Carroll. La Canne du Destin. Traduit de l’anglais par André Bay. – II. Franz Kafka. Le Chasseur Gracchus. Traduit par Henri Parisot. – III. Gisèle Prassinos. Sondue. – IV. Marcel Duchamp. Rrose Sélavy. – Je eins von 500 Exemplaren auf Velin (Gesamtauflage 515). – Enthält neben der ersten Rrose Sélavy-Anthologie auch eine der frühesten französischen Kafka-Übersetzungen. – Das Pseudonym Rrose Sélavy, das auf die Worte »Eros, c’est la vie« zurückgeht, benutzte Duchamp (und seine Freunde für ihn) seit 1920. – Alle unaufgeschnitten und sehr gut erhalten.

16,4 : 11,7 cm. Je ca. 20-32 Seiten. – Umschlag II hinten mit kleinem Einriss.

405  Futurismus – Leonardo Clerici. L’Oracle de l’avant-garde.

€ 1800 ( R7 )

Dictionaire sophiste. Lyre Lame Futuriste. Dictionaire hermeneutique & poetique. Brüssel, Editioni Anastatike Istituto di Skriptura 1994. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur, mit Klammerheftung in Holz-Eisen-Klemmschiene. In der Originalmappe mit zwei Stempelsignaturen.

Eins von 400 nummerierten Exemplaren, weitere elf Exemplare kamen nicht in den Handel. – Erschienen anlässlich der großen Futuristen-Ausstellung 1994 der Bibliotheca Wittockiana in Brüssel, die Clerici, der Enkelsohn von Filippo Tommaso Marinetti, organisierte. Bereits 1991 hatte er in Rom eine vielbeachtete Marinetti-Retrospektive initiiert. – Für das großformatige Katalogbuch wurden zahlreiche Auszüge aus futuristischen Manifesten, Publikationen sowie von der Bewegung beeinflusste bzw. sie prägende Bücher faksimiliert und kommentiert. – Die Titelseite mit der Reproduktion der berühmten Marinetti-Porträtfotomontage von Severini. – Der Materialmix (Dünndruckpapier, Holz und Eisen) und besonders die Bindung unter Verwendung einer Magnetschiene zitiert futuristische Motive.

60,0 : 43,0 cm. [108] Seiten. – Mappe minimal fleckig, das Buch tadellos.

406  Die Argonauten.

€ 1500 ( R7 )

Eine Monatsschrift. Herausgegeben von Ernst Blass. Erste Folge, Hefte 1–12. Heidelberg, Richard Weissbach 1914[–1921]. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel.

Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Old Stratford (insgesamt erschienen 82 Vorzugsexemplare auf besserem Papier) und in Pergament gebunden. – Vollständige Folge aller erschienenen Hefte. – Mit zwei frühen Erstdrucken Walter Benjamins: »Schicksal und Charakter« und »Der Idiot von Dostojewskij«. – Weitere Beiträge, meist Erstdrucke, der literarisch-philosophischen Zeitschrift des Heidelberg-Mannheimer frühexpressionistischen Kreises stammen u. a. von Erich Auerbach, Ernst Blass, Franz Blei, Ernst Bloch, Rudolf Borchardt, Max Brod, Robert Musil, Max Scheler, Carl Sternheim und Franz Werfel. – Anfangs monatlich erscheinend, verzögerte sich die Auslieferung der Hefte 7–12 vom Herbst 1915 bis Dezember 1921. – Selten, sehr schönes Exemplar.

22,0 : 14,5 cm. 287, [1], 271, [5] Seiten. – Ganz vereinzelt minimal stockfleckig, das Widmungsblatt etwas stärker.

Raabe 17. – Dietzel/Hügel 147. – Schlawe II,16

407  1914 – 1916. Eine Anthologie.

€ 300

Berlin, Die Aktion (Franz Pfemfert) 1916. Weiß-roter Originalpappband mit Vorderdeckelillustration von M. Ales.

Erste Ausgabe der Sammlung. – Die Aktions-Lyrik, Band 1. – Mit Gedichten von Oskar Kanehl, Wilhelm Klemm, Alfred Lichtenstein, Erwin Piscator, Franz Werfel u. a. Von den 21 Aktions-Dichtern waren einige vor und während der Drucklegung im Ersten Weltkrieg gefallen. Nicht nur dies veranlasste den Herausgeber Franz Pfemfert zu seiner »Bemerkung für fremde Leser: Dieses Buch (Verse vom Schlachtfeld), Asyl einer heute obdachlosen Idee, stelle ich wider diese Zeit …«. – Tadellos erhalten. – Dazu: Georg Heym. Marathon. Berlin, A. R. Meyer 1914. – Jakob van Hoddis. Weltende. Berlin, Die Aktion (Franz Pfemfert) 1918. Vor- und Titelblatt mit Gedichtmanuskript von unbekanntem Schreiber. – Wilhelm Klemm. Traumschutt. Hannover, Paul Steegemann 1920. – Alle drei in Originalbroschur, alle in erster Ausgabe.

21 : 14 cm. 121, [7] Seiten.

Raabe 118 (irrtümlich Halbpergament) sowie Raabe/Hannich-Bode 123.5, 129.1 und 159.7

408  Ganymed.

€ 500

Jahrbuch für die Kunst. Herausgegeben von Julius Meyer-Graefe und Wilhelm Hausenstein. Fünfter Band. München, R. Piper, Verlag der Marées-Gesellschaft 1925. Mit sechs Originalgraphiken und 63 Lichtdrucken. Originalhalbpergamentband.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe (Gesamtauflage 1150). – Mit dem zweifarbigen Holzschnitt von Erich Heckel (Frau/Liegende, 1913, Dube 259 II b), der Lithographie von Hugo Trondle (Brücke), dem Metallschnitt von Otto Nückel (Regenwetter) und den Radierungen von Hans Gött (Schlafendes Mädchen), Adolf Schinnerer (Überfahrt) und Rudolf Großmann (Jahrmarkt), sowie Lichtdrucken nach Werken von Lovis Corinth, Hans Baldung, Pierre Bonnard, Bosch, Vermeer, Palladio und anderen. – Texte von Julius Meyer-Graefe, Wilhelm Hausenstein, Richard Seewald, Reinhard Piper und anderen. – Ohne die zur Vorzugsausgabe gehörende Mappe.

28,2 : 21,8 cm. VII, [1], 247, [1] Seiten, 6 Graphiken, 63 Tafeln.

409  Ernst Barlach. Der tote Tag.

€ 100

Drama in fünf Akten. Berlin, Paul Cassirer 1912. Mit zwei Textillustrationen nach Zeichnungen des Verfassers. Originalpappband mit Titeln in Gold- und Schwarzdruck.

Erste öffentliche Ausgabe. – Thomas Mann äußerte sich positiv: »Es ist im Innersten deutsch und heimlich, wie ein Lied aus ›Des Knaben Wunderhorn‹« (zitiert nach Feilchenfeldt/Brandis).

35,0 : 32,5 cm. 79, [1] Seiten. – Neuer Leinenrücken. Vorderdeckel mit leichtem Wasserfleck. – Vorsatzblatt geknickt und mit Widmung.

Raabe/Hannich-Bode 15.1. – Feilchenfeldt/Brandis 5.1

410  Ernst Barlach. Sechs der sieben bei Paul Cassirer erschienenen Dramen,

€ 400

davon fünf in erster Ausgabe. Berlin, Paul Cassirer 1918–1929. Meist mit Titelbild nach einer Zeichnung des Verfassers. Illustrierte Originalpappbände.

Nahezu vollständige Folge der Dramen des Künstlers, die als erste und nahezu einzige literarische Veröffentlichungen zu Lebzeiten erschienen. – I. Der tote Tag. Zweite Auflage. 1918. – II. Der arme Vetter. Drama. 1918. Mit Titelvignette. – III. Die echten Sedemunds. Drama. 1920. Mit TV. – IV. Die Sündflut. Drama. 1924. – V. Der blaue Boll. Drama. 1926. Mit TV. – VI. Die gute Zeit. Zehn Akte. 1929. – Dazu: Barlach im Gespräch. Aufgezeichnet von Friedrich Schult. [Leipzig,] Insel 1948. Originalbroschur. – Alle in identischer Ausstattung und sehr gut erhalten.

Ca. 27 : 19 cm. – Zwei Rücken und bei III auch die Deckelränder leicht gebräunt.

Raabe/Hannich-Bode 15.2, 3, 5, 6 und 8. – Feilchenfeldt/Brandis 5.2, 6.1, 7, 10.1, 11 und 13

411  Gottfried Benn. Gehirne.

€ 200

Novellen. Leipzig, Kurt Wolff 1917. Originalbroschur mit -umschlag.

Erste Ausgabe. – Der jüngste Tag, Band 35. – Aus der ersten Bindequote: Die englische Broschur mit umgelegtem Umschlag endete innerhalb der Reihe nach Heft 36, besonders die letzten beiden Hefte (Benn und Lotz) scheinen besonders selten in dieser Ausstattung. – Die erste eigenständige Prosaveröffentlichung Gottfried Benns, nach seiner Dissertation 1912 und den Gedichtbänden »Morgue« und »Söhne« (1912/1913). – Aus dem Nachlass des Schauspielers Robert Pirk, der 1917 in Brünn engagiert war.

21,5 : 13,0 cm. 52, [4] Seiten. – Umschlag mit kleinen Farbspritzern, Rücken mit kleiner Fehlstelle. – Leipziger Zensurstempel.

Lohner/Zenner 2.6. – Raabe/Hannich-Bode 24.4. – Smolen/Stammerjohann 35.1.A.1

412  Gottfried Benn. Fleisch.

€ 450

Gesammelte Lyrik. Berlin-Wilmersdorf, Verlag der Wochenschrift Die Aktion (Franz Pfemfert) 1917. Mit zwei blattgroßen Illustrationen sowie einer Umschlagillustration von Max Oppenheimer. Roter Originalhalbpergaminband.

Erste Ausgabe dieser frühen Lyrik-Sammlung. – Die Aktions-Lyrik, Band 3. – Enthält zahlreiche Erstdrucke. – In der berühmten expressionistischen Buchreihe erschienen lediglich sieben Titel. Der Herausgeber der Reihe und der gleichnamigen Zeitschrift äußerte damals: »Die Bücher der »Aktions-Lyrik« werden bleibende wichtige Dokumente der jüngsten Welt-Literatur sein.« (zitiert nach Raabe). – Auf gänzlich »un-revolutionärem« Bütten, sehr schönes Exemplar.

21,4 : 13,8 cm. 87, [9] Seiten.

Lohner/Zenner 1.29. – Raabe/Hannich-Bode 24.5. – Raabe, Zeitschriften 149.3

413  Gottfried Benn. Das moderne Ich.

€ 200

Berlin, Erich Reiß 1920. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Erschien als Band XII der von Kasimir Edschmid herausgegebenen Schriftensammlung »Tribüne der Kunst und Zeit«. – Enthält die beiden Prosastücke »Ekthese« und »Narciß«.

17,8 : 13,1 cm. 56, [8] Seiten. – Die unbeschnittenen Ränder und einige Seiten etwas gebräunt. Heftung gelockert.

Lohner/Zenner 2.18. – Raabe/Hannich-Bode 24.9. – Halbey, Reiß 20.9

414  Ernst Blass. Die Strassen komme ich entlang geweht.

€ 200

Heidelberg, Richard Weissbach 1912. Hellblauer Originalpappband.

Erste Ausgabe des Erstlings. – Ernst Blass studierte von 1908 bis 1913 Jura in Berlin, Freiburg und Heidelberg und kam auf dieser letzten Station mit dem Verleger Weißbach in Kontakt. – Mit eigenhändigem Besitzvermerk von Martinus Hendrikus Werkman (1884–1953). Der niederländische Dichter und Journalist war der jüngste Bruder des expressionistischen Künstlers Hendrik Werkman.

22,5 : 14,8 cm. 71, [1] Seiten. – Innen wie meist etwas stockfleckig.

Raabe/Hannich-Bode 31.1

415  Max Brod. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

€ 450

Prag, 31. 3. [1905]. Eine Seite und Adresse.

An den »Wiener Verlag«. – »Löblicher Verlag, Sie gestatten mir die Mittheilung, daß nun auch der ›Simplicissimus‹ (München) eine Novelle von mir angenommen hat. Mein Name dürfte infolgedessen bald auch in weiteren Kreisen bekannt werden.« – Bittet um schnelle Entscheidung, ob ein Manuskript, »das nun schon 8 Wochen bei Ihnen liegt«, verlegt werden soll oder nicht. »Falls Sie dies aber nicht beabsichtigen, bitte ich um sofortige Retournierung, da mir auch andere Verlage zu Gebote stehen.« – Die erste Veröffentlichung von Max Brod in der Münchner Satirezeitschrift war »Der Apollo von den Tubuaiinseln« (1905, Heft 19). Nur ein Jahr später wurde Max Brod mit seinen ersten zehn Büchern Autor des Axel Juncker Verlages in Stuttgart. – So frühe Schreiben des Kafka-Freundes sind selten.

9 : 14 cm. – Anschriftseite mit Klebespuren, linker Rand mit Heftlöchern.

416  Max Brod. Der Hügel ruft.

€ 250

Ein kleiner Roman. Tel-Aviv, Joachim Goldstein 1942. Originalbroschur.

Seltene Originalausgabe, nach dem Typoskript vervielfältigt. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »Meinem lieben C. Z. Klötzel herzlichst Max Brod«. – Rückseitig mit Stempel »Dieser Roman entstand in gemeinsamer Arbeit mit Norbert Garai. – M. B.« – 1939 war Max Brod aus Prag geflohen und hatte sich in Palästina niedergelassen. Der Widmungsempfänger war Cheskel Zwi Klötzel (1891–1951), deutsch-jüdischer Journalist, der wie Brod nach Palästina emigrierte und für verschiedene Exilantenzeitschriften, u. a. den New Yorker »Aufbau« schrieb.

20,4 : 16,3 cm. [2], 102, [2] Seiten. – Ohne Schutzumschlag bzw. Titelaufdruck, Einband teils verfärbt, Rücken fehlt. – Titelblatt papierbedingt gebräunt und gelockert.

Raabe/Hannich-Bode 45.54

417  Albert Ehrenstein. Die weiße Zeit.

€ 150

München, Georg Müller 1914. Originalhalblederband mit goldgeprägten Titeln.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren. – Druckvermerk vom Dichter signiert. – Opulent gestaltete und ausgestatte Sammlung expressionistischer Gedichte. Der österreichische Dichter war mit Arthur Schnitzler und Kokoschka befreundet, letzterer illustrierte sein Erstlingswerk »Tubutsch«. – Kurze Zeit später wurde Ehrenstein Lektor des Verlags Kurt Wolff und später bei S. Fischer.

29,3 : 23,3 cm. 87, [1] Seiten. – Kanten minimal berieben. – Vorderer Vorsatz etwas gebräunt und im Gelenk leicht brüchig.

Raabe/Hannich-Bode 62.4

418  [Samuel Friedlaender] Mynona. Berliner Wohnungsamt oder Urahne, Großmutter, Mutter u. Kind.

€ 900

– In: Der Komplizsissimus. Herausgeber: Willy Bünger. Ohne Ort und Jahr [Berlin 1923/24]. Klammergeheftete Broschur.

Unbekannter Erstdruck der 1923 entstandenen Groteske. – 1919 hatte Mynona die Zeitschrift »Der Einzige« gegründet. Die Hefte des ersten Jahrgangs erhielten ein von ihm redigiertes Beiblatt, dessen satirischer Nebentitel sich von Nummer zu Nummer änderte. Nach einjähriger Unterbrechung übernahm sein Vetter Anselm Ruest 1921 die Herausgabe. »Der Komplizissimus« wurde 1923/24 als Beiblatt für die Hefte 1 und 2 angekündigt, kann aber nach Diezel/Hügel (und anderen Bibliographen der Zeitschrift) nicht nachgewiesen werden. Möglicherweise entstand von dem nach Typoskripten, Handschriften und Zeichnungen hektographierten Komplizissimus-Heftchen keine Auflage im eigentlichen Sinne. – Inhalt: Mynona: Berliner Wohnungsamt sowie »Was Isolde sollte, wenn der Duplikator grollte« und »Pervertiertes Volkslied«, ferner Texte von Willy Bünger, Peter Wespe (pseudonym Friedlaender?), Paul Scheerbart und Zeichnungen von Lothar Homeyer. – In den Anmerkungen der Gesammelten Schriften von Mynona wird der Erstdruck von »Der Beweis, daß die Deutschen dennoch Menschen sind« in »Der Komplizissimus«, Heft 1, mit dem Hinweis »sehr selten« verzeichnet. – Druck in Blau und Rot.

20,0 : 12,5 cm. 15, [1] Seiten. – Klammerheftung etwas rostfleckig.

Vgl. Dietzel/Hügel 858, Raabe, Zeitschriften 61 und Raabe/Hannich-Bode 217.26

419  Ivan Goll. La chanson de Jean sans Terre.

€ 750

[Première,] deuxième [et] troisième livre. Paris, Èditions Poésie & Cie. 1936, 1938 und 1939. Drei Originalbroschuren, zwei mit Deckelillustration. – Widmungsexemplare.

Erste Ausgaben der ersten drei Sammlungen. – Je eins von 500 bzw. 600 (III) Exemplaren auf Velin d’Arches. – Jeder Band mit mehrzeiliger eigenhändiger Widmung von Ivan Goll für den französischen Dichter Léon Paul Fargue (1876–1947) auf dem Vortitelblatt, bei Band 1 signiert mit »Jean sans Terre«, die beiden anderen mit Ivan Goll. Die Widmung in Band 2 enthält zudem ein vierzeiliges Gedicht. – Die Deckelillustration zu Band 1 zeichnete Marc Chagall, die Zeichnung von Galanis auf dem Umschlag von Band 3 mit dem fröhlich grüßenden Freund Hein wird im Heft blattgroß wiederholt. – »In den beiden großen Spätwerken ›Jean sans Terre‹ und ›Traumkraut‹ schuf G. sein Eigenstes und Persönlichstes« (NDB VI, 624). – Die Gedichte entstanden kurz vor seiner Emigration nach Amerika und wurden im Exil fortgesetzt. Die vollständige Sammlung erschien erst 1957, lange nach dem Tod des Dichters. Die Figur des »Johanns ohne Land« trägt autobiographische Züge, Goll selbst beschrieb sich bereits 1920 als »keine Heimat, durch Schicksal Jude, durch Zufall in Frankreich geboren, durch ein Stempelpapier als Deutscher bezeichnet« (in »Menschheitsdämmerung«, zitiert nach KNLL). Yvan Goll (1891–1951) musste als Deutsch-Franzose 1914 ins Schweizer Exil fliehen. Dort begegnete er den Dadaisten, die ihn wesentlich prägten. Er pflegte freundschaftliche Beziehungen zu James Joyce, Stefan Zweig und Hans Arp. 1919 ging er nach Paris, wo er einer der Wortführer der surrealistischen Bewegung wurde. – Léon-Paul Fargue (1876–1947), französischer Dichter, gründete mit Valéry Larbaud und Paul Valéry die Zeitschrift »Commerce«. Im Haus seines ehemaligen Lehrers Stéphane Mallarmé traf er regelmäßig die intellektuelle und kulturelle Elite Frankreichs zur Jahrhundertwende wie Valéry, Schwob, Claudel, Debussy und Gide.

20,5 : 13,5 cm. 61, [3]; 60, [4]; 43, [5] Seiten. – Ränder teils leicht stockfleckig. Stehkanten mit minimalen Knickspuren. – Gute unbeschnittene Exemplare.

Raabe/Hannich-Bode 86.31, 34 und 35. – Monod 5560. – KNLL VI, 614

420  Max Herrmann. Einsame Stimme.

€ 1200

Ein Buch Gedichte. Berlin, Martin Wasservogel 1927. Mit einer Lithographie von George Grosz als Frontispiz. Originalkalblederband mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung. – Widmungsexemplar des Verlegers für den Dichter.

Erste Ausgabe. – Eins von 20 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Van Gelder-Bütten und in Ganzleder gebunden, im Druckvermerk vom Autor signiert (Gesamtauflage 920). – Das dem Dichter vom Verleger zugedachte Exemplar mit entsprechender Widmung auf dem Vorblatt: »Dem lieben kleinen Max Herrmann – dem großen Dichter. Der kleine Verleger in großer Verehrung. 15/11.27 Martin Wasservogel« – Max Herrmann (1886–1941) studierte in Breslau Literatur- und Kunstgeschichte, verließ die Universität jedoch ohne Abschluss, um in seiner Heimatstadt Neiße als freier Schriftsteller zu leben. Seine frühen, noch expressionistischen Bücher wurden unter anderem von Else Lasker-Schüler oder Oskar Loerke begeistert aufgenommen. Der Dichter trat später regelmäßig mit meist eigenen Texten in Kabaretts auf, zahlreiche Künstler, darunter George Grosz und Otto Dix, porträtierten ihn zu dieser Zeit. In den späten 1920er Jahren war Herrmann-Neiße einer der bekanntesten Berliner Literaten. Seine Hyposomie (Kleinwüchsigkeit) beeinflusste und überschattete seinen Lebensweg. Der Eichendorff- und Gerhart-Hauptmann-Preisträger floh 1933 in die Schweiz. Über Holland und Frankreich gelangte er nach England, wo er bis zu seinem Tod 1941 weitgehend isoliert lebte und arbeitete. Wie viele Schriftsteller der Zeit geriet er schnell in Vergessenheit. Erst ab den 1980er Jahren wurden seine Werke allmählich wiederentdeckt und neu herausgegeben. – Äußerst selten, zumal mit dieser Provenienz.

26,4 : 20,5 cm. [4], 173, [3] Seiten, 1 Lithographie. – Einband mit kleinen Kratzspuren, Kapitale bestoßen, Ecken berieben. – Äußerste Ränder minimal gebräunt.

Dückers E 104. – Lang 49. – Raabe/Hannich-Bode 118.18

421  Holthoff – Doctor Eisenbart.

€ 200

Linoleumschnitte von Hermann Holthoff und Adolf Rademacher. München, Drei Masken 1923. 22 Linolschnitte, davon 20 koloriert. Kordelgeheftete Originalkartondeckel mit kolorierter Holzschnitt-Deckelvignette.

Erste und wohl einzige Ausgabe. – Das um 1800 verfasste Trinklied schildert recht »unkonventionelle« Behandlungsmethoden des Wundarztes Johann Andreas Eisenbart, der tatsächlich ein angesehener und erfolgreicher Chirurg und unter anderem Hof-Augenarzt des »Soldatenkönigs« Friedrich Wilhelm I. von Preußen war. – »Beispiel eines Märchenbuches, das im zeichnerischen Stil vom Expressionismus beeinflußt wurde.« (Lothar Lang). – Text und Bilder wurden in Linol geschnitten, dabei Titel und Druckvermerk nur mit Text und unkoloriert. – Auf rauem Hadernbütten. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden.

22,2 : 15,7 cm. [44] Seiten.

Rifkind Collection 1237. – Lang, Expressionismus 128

422  Franz Kafka. Eigenhändiges Manuskript »Skizze zur Einleitung für Richard und Samuel«.

€ 90000

[Prag, 14. XI.1911]. Ein gefalztes Doppelblatt und ein Einzelblatt, beide beidseitig beschrieben, zusammen sechs Seiten.

Vollständiger Text zu einer Einleitung des gemeinsam mit Max Brod geplanten, jedoch nicht realisierten Romanprojekts. – Mit zwei kleinen Bleistiftkorrekturen von Max Brod auf der ersten Seite.
» [D]ie schlechte Idee: Gleichzeitige Beschreibung der Reise und der innerlichen Stellungnahme zu einander die Reise betreffend« – so beschreibt Franz Kafka in einem Tagebucheintrag vom 26. VIII. 1911 den mit Max Brod gefassten Plan eines gemeinsamen Romanprojekts. ›Richard und Samuel‹ soll der Titel sein, zwei aus Kafka und Brod persönlich entwickelte Figuren die Protagonisten, die am Tag der Eintragung begonnene, knapp dreiwöchige Reise durch die Schweiz und Norditalien der Gegenstand.
Schon während der Reise beginnen beide Autoren mit Feuereifer die Arbeit an ausführlichen Tagebuchaufzeichnungen, die die Grundlage des gemeinsamen Romans bilden und die Beziehung der Protagonisten aus einander gegenübergestellten Perspektiven beleuchten sollen – doch nach ihrer Rückkehr in den Alltag lässt die Euphorie rasch nach. Das Projekt scheitert an den unterschiedlichen Arbeitsweisen Kafkas und Brods, wie Kafka bereits am 19. XI. 1911 in seinem Tagebuch recht deutlich notiert: »Ich und Max müssen doch grundverschieden sein. So sehr ich seine Schriften bewundere, wenn sie als meinem Eingriff und jedem andern unzugängliches Ganzes vor mir liegen, […] so ist doch jeder Satz, den er für Richard und Samuel schreibt, mit einer widerwilligen Koncession von meiner Seite verbunden, die ich schmerzlich bis in meine Tiefe fühle.«
Nichtsdestotrotz finden sich heute neben zahlreichen Tagebucheintragungen und Notizen beider Autoren auch zwei umfangreichere Textteile aus dem gemeinsamen literarischen Projekt: Ein vollständiges erstes Kapitel, das unter dem Titel »Die erste lange Eisenbahnfahrt (Prag-Zürich)« im Juni 1912 in den von Willy Haas, Norbert Eisler und Otto Pick herausgegebenen »Herderblättern« erscheint (Jg. I, Nr. 3), sowie die hier in der Handschrift zur Auktion stehende »Skizze zur Einleitung für Richard und Samuel« aus der Hand Franz Kafkas (Niederschrift am 14. XI. 1911). Im Text werden die zwei Protagonisten mit der für Kafka typisch bildreichen und dabei doch so scharf umreißenden Sprache charakterisiert – Richard als Kafka, Samuel als Brod erkennbar: »Daher kommt es auch, daß Richard trotz seines langsameren Denkens, eingebettet in die Fülle seiner Unsicherheit Samuel eigentlich richtiger beurteilt, als Samuel ihn, da dieser wenn auch mit guter Kombinationskraft in seinem Urteil auf dem kürzesten Weg ihn am sichersten zu fangen glaubt und nicht wartet, bis er sich zu seiner wahren Gestalt beruhigt.« Gemeinsam mit verschiedenen Notizen Brods dient die Skizze wohl als Basis für die in den »Herderblättern« dem ersten Kapitel vorangestellte Vorbemerkung zum Text.
Ist das Scheitern des Romanprojekts als selbsterstelltes Zeugnis der Beziehung zwischen Franz Kafka und seinem langjährigen Freund (man kennt sich schon aus Studentenzeiten) und späteren Nachlassverwalter Max Brod für die Literaturwissenschaft ohne Frage ein großer Verlust, so ist das vorliegende Manuskript ein umso wertvolleres Artefakt dieser besonderen Verbindung. Das kann auch Kafka selbst nicht schmälern, wenn er gegen Ende des Jahres 1911 zum ersten und zugleich letzten Kapitel in sein Tagebuch notiert: »[D]ie eine Seite von R. u. S., die wir unter gegenseitigen Widerständen zustande brachten, ist nur ein Beweis von Maxens Energie, sonst aber schlecht.« (Anne-Katrin Golombek, Hamburg)
Möglicherweise war auch dieses Manuskript in die Redaktion der Herder-Blätter eingereicht worden und verblieb dort. – Seit 1983 in Schweizer Privatbesitz. – Das erste seit der Versteigerung von »Der Prozess« 1988 auf einer Auktion angebotene Kafka-Manuskript.

Doppelblatt, 20,5 : 16,7 cm, unliniert, Heftstiche, roter Schnitt, mit Querfalte. – Einzelblatt, 16,2 : 9,7 cm, liniert, Heftstiche.

Text: Kafka Werke, Kritische Ausgabe, Nachgelassene Schriften und Fragmente I (1993), Seiten 183–186. – Anmerkungen: Apparatband Seiten 61–66

423  Franz Kafka. Betrachtung.

€ 200

In: Hyperion. Eine Zweimonatsschrift. München, Hans von Weber 1908. Originalbroschur.

Erstdruck der ersten Veröffentlichungen des jungen Franz Kafka. – Acht Stücke aus »Betrachtung« (im Inhaltsverzeichnis noch als »Betrachtungen« betitelt). – Kafka war damals noch vollkommen unbekannt; man vermutete hinter seinem Namen deshalb ein Pseudonym. – Die Bedeutung der Zeitschrift und ihres verdienstvollen Herausgebers Franz Blei beschreibt Kafka so: »Er sollte denen, die an der Grenze der Literatur wohnen, eine große lebendige Repräsentation geben; aber sie gebührte jenen nicht und sie wollten sie im Grunde auch nicht haben« (zitiert nach Dietz).

28,2 : 22,0 cm. – Seiten etwas stockfleckig.

Dietz 1

424  Franz Kafka. Betrachtung.

€ 7500

Leipzig, Ernst Rowohlt 1913. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe von Kafkas erster Erzählungssammlung. – Gedruckt in einer Auflage von 800 nummerierten Exemplaren, von denen allerdings 1915 noch mehr als die Hälfte unverkauft war. Diese Restauflage wurde durch ein neues Titelblatt mit dem Verlagsnamen Kurt Wolff zur zweiten Auflage umgearbeitet. – Die auf Kafkas Wunsch hin verwendete ungewöhnlich große Schrift bezeichnet der Dichter selbst in einem Brief an seinen Verleger als »wunderschön«. – Gewidmet »Für M[ax] B[rod]«, der bereits an diesem Frühwerk großen Anteil hatte. »Die Kafka wesentliche Reihenfolge der Stücke wird mit Hilfe Brods am Abend des 13. August 1912, der ersten Begegnung mit Felice Bauer, festgelegt und am 14. August das Manuskript durch Brod abgeschickt« (Dietz). – Der rote Vorderumschlag der Originalbroschur eingebunden. – Innen sehr schön.

24,0 : 15,8 cm. [8], 99, [1] Seiten. – Kanten minimal berieben. – Broschurumschlag mit kleinem Besitzvermerk.

Dietz 27. – Raabe/Hannich-Bode 146.1. – Göbel 91

425  Franz Kafka. Betrachtung.

€ 3000

Zweite Ausgabe. Leipzig, Kurt Wolff [1913/1915]. Originalhalblederband mit goldgeprägtem Rückentitel und Deckeltitel und -vignette in Schwarzdruck.

Titelauflage der ersten Ausgabe. – 1913 erschien Kafkas erste Erzählungssammlung, gedruckt in 800 Exemplaren. Etwas mehr als die Hälfte der unverkauften Exemplare wurde 1915 – anlässlich der Verleihung des Fontane-Preises an Kafka – mit einem neuen Titelblatt (»da die Exemplare bisher noch die Firma Ernst Rowohlt tragen«) versehen. – »Auf den Wunsch Kafkas […] in einem ungewöhnlich großen Schriftgrad (Tertia) gesetzt«, den Kafka Felice gegenüber als »ein wenig übertrieben schön«, in einem Brief an seinen Verleger dann aber vorbehaltlos als »wunderschön« bezeichnete. – Gewidmet »Für M[ax] B[rod]«, der bereits an diesem Frühwerk großen Anteil hatte. »Die Kafka wesentliche Reihenfolge der Stücke wird mit Hilfe Brods am Abend des 13. August 1912, der ersten Begegnung mit Felice Bauer, festgelegt und am 14. August das Manuskript durch Brod abgeschickt« (alle Zitate nach Dietz).

24,5 : 16,3 cm. [8], 99, [1] Seiten. – Deckel minimal berieben und an den Rändern leicht gebräunt. – Die ersten und letzten Blätter etwas stockfleckig.

Dietz 27. – Raabe/Hannich-B. 146.1. – Göbel 91

426  Franz Kafka. Der Heizer.

€ 1800

Ein Fragment. Leipzig, Kurt Wolff 1913. Mit einer Tafel. Originalbroschur, orange mit Titelaufdruck.

Erste Ausgabe, erste Bindequote. – Der jüngste Tag, Band 3. – Mit der berühmten Ansicht des New Yorker Hafens als Frontispiz. – Dieses erste Kapitel des Romans »Der Verschollene (Amerika)« begann Kafka im September 1912. Kurt Wolff hielt den Text für »sehr rund und schön« und favorisierte die Einzelveröffentlichung, zumal Kafka meinte: »es ist ein Fragment und wird es bleiben, diese Zukunft gibt dem Fragment die meiste Abgeschlossenheit« (zitiert nach Dietz). – Auf außergewöhnlich starkem Velin gedruckt und unbeschnitten.

22,0 : 13,8 cm. 47, [5] Seiten, 1 Tafel. – Broschurumschlag fachmännisch restauriert, Lichtrand. Vorderdeckel mit Bleistift-Notiz. – Exlibris auf der Tafelrückseite.

Dietz 21. – Raabe/Hannich-Bode 146.2. – Smolen/Stammerjohann 3.1.A

427  Franz Kafka. Der Heizer.

€ 1500

Ein Fragment. Leipzig, Kurt Wolff 1913. Mit einer Tafel. Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Der jüngste Tag, Band 3. – Bindequote »wie Halbpergament«. – Beigabe: Das Urteil. München [um 1920]. Schwarze Originalbroschur. Zweite Auflage.

21,2 : 13,0 cm. 47, [1] Seiten, 1 Tafel. – Rücken beschädigt, Ränder gebräunt. – Vorsätze und angrenzende Blätter stockfleckig, Seitenränder gebräunt.

Dietz 21. – Raabe/Hannich-Bode 146.2. – Smolen/Stammerjohann 3.1.B.2

428  Franz Kafka. Der Heizer.

€ 200

Ein Fragment. [3. Auflage]. Leipzig, Kurt Wolff [1917/1918]. Schwarze Originalbroschur mit blauem Deckelschild.

Der jüngste Tag, Band 3. – Dritte Auflage der zweiten Buchveröffentlichung. Kafka hatte für diese Novelle (eigentlich der Romananfang von Amerika), die bereits 1913 erschienen war, den Fontane-Preis erhalten. – Zusammen mit »Das Urteil« und »Die Verwandlung« bildet »Der Heizer« eine Novellentrilogie, deren Veröffentlichung unter dem Titel »Die Söhne« Kafka seinem Verleger bereits im April 1913 vorschlug (Kurt Wolff Briefwechsel S. 29). – Mit dem Leipziger Zensurstempel.

21,8 : 13,0 cm. 47, [1] Seiten. – Umschlag verblasst, an den Rändern stärker.

Dietz 42. – Raabe/Hannich-Bode 146.2 Anmerkung. – Smolen/Stammerjohann 3.3.A

429  Franz Kafka. Die Verwandlung.

€ 1800

Leipzig, Kurt Wolff 1916. Originalbroschur mit illustriertem Originalumschlag.

Erste Einzel- und Buchausgabe. – Der jüngste Tag 22/23. – Kafkas »Wanzengeschichte«, so hatte Franz Werfel sie Kurt Wolff anempfohlen, erschien im Oktober 1915 zunächst in der Zeitschrift »Die weißen Blätter«. Nur wenige Wochen später, im November, wurde die vorliegende Buchausgabe gedruckt und – wie üblich – bereits mit dem Folgejahr versehen ausgeliefert. – 1915 gab der Fontane-Preisträger Carl Sternheim das Preisgeld auf Empfehlung von Franz Blei an »den jungen Prager Erzähler Franz Kafka für dessen Bücher ›Der Heizer‹ und ›Die Verwandlung‹ weiter als ein Zeichen seiner Anerkennung«. Dieser Umstand, werbewirksam in Szene gesetzt, sorgte für steigende Absatzzahlen der Kafka-Bücher. – »Die Verwandlung« erschien innerhalb von »Der jüngste Tage« als dritter von vier Titeln der Reihe »Neue deutsche Erzähler« (neben Edschmid, Sternheim und Schickele) – alle mit Umschlagillustrationen von Ottomar Starke. Auf dessen berühmte bildliche Darstellung des Gregor hatte Kafka wohl noch selbst Einfluss genommen, befürchtete er doch, Starke »könnte etwa das Insekt selbst zeichnen wollen. Das nicht, bitte das nicht!« (Brief an den Verlag, zitiert nach Dietz).

21,4 : 13,4 cm. 72, [8] Seiten. – Umschlag an den Gelenken mit minimalen Läsuren, hinten Klebereste, Seitenränder etwas gebräunt. – Heftung etwas gelockert, Titel mit handschriftlicher Datierung.

Dietz 26. – Raabe/Hannich-Bode 146.3. – Göbel 212. – Smolen/Stammerjohann 22/23.1.A.1

430  Franz Kafka. Die Verwandlung.

€ 1800

Leipzig, Kurt Wolff 1916. Originalpappband mit Deckelaufdruck in Schwarz.

Erste Einzel- und Buchausgabe. – Der jüngste Tag, Band 22/23. – In der seltenen halbpergamentähnlichen Einbandvariante. – Auf sehr festem Papier. – Kafkas »Wanzengeschichte«, so hatte Franz Werfel sie Kurt Wolff anempfohlen, erschien im Oktober 1915 zunächst in der Zeitschrift »Die weißen Blätter«. Nur wenige Wochen später wurde die vorliegende Buchausgabe – wie üblich bereits mit dem Folgejahr versehen – gedruckt und ausgeliefert. – 1915 gab der Fontane-Preisträger Carl Sternheim sein Preisgeld auf Empfehlung von Franz Blei an »den jungen Prager Erzähler Franz Kafka für dessen Bücher ›Der Heizer‹ und ›Die Verwandlung‹ weiter – als ein Zeichen seiner Anerkennung«. Dieser Umstand, werbewirksam in Szene gesetzt, sorgte für steigende Absatzzahlen der Kafka-Bücher.

21,5 : 13,6 cm. 72, [8] Seiten. – Ränder etwas gebräunt. Kanten am Rücken berieben.

Dietz 26. – Raabe/Hannich-Bode 146.3. – Göbel 212. – Smolen/Stammerjohann 22/23.1.B

431  Franz Kafka. Das Urteil.

€ 500

Eine Geschichte. Leipzig, Kurt Wolff 1916. Originalbroschur mit hellem -umschlag mit Gelb- und Schwarzdruck.

Erste Ausgabe, erste Bindequote. – Der jüngste Tag, Band 34. – Kafka schätzte die erstmals 1913 in der Zeitschrift »Arkadia« erschienene Erzählung sehr und setzte sich bei seinem Verleger mit Nachdruck für eine Einzelveröffentlichung ein: »Sie ist auch die mir liebste Arbeit und es war daher immer mein Wunsch, daß sie, wenn möglich, einmal selbständig zur Geltung komme« (Kurt Wolff. Briefwechsel eines Verlegers. 1966/67, Seite 39f.). – Mit dem bei Dietz nicht erwähnten Anzeigenblatt »Von demselben Verfasser erschien ferner […] «. – Unbeschnittenes Exemplar in der frühesten Umschlagvariante.

21,5 : 13,5 cm. 28, [4] Seiten. – Umschlagränder stärker gebräunt, mit wenigen kleinen Knicken und Einrissen.

Dietz 31. – Raabe/Hannich-Bode 146.4. – Smolen/Stammerjohann 34.1.A.1

432  Franz Kafka. Das Urteil.

€ 450

Eine Geschichte. Leipzig, Kurt Wolff 1916. Schwarze Originalbroschur mit blauem Titelschild.

Erste Ausgabe. – Der jüngste Tag, Band 34. – Mit dem bei Dietz nicht erwähnten Anzeigenblatt »Von demselben Verfasser erschien ferner […] «. – Schönes unbeschnittenes Exemplar in der serientypischsten Umschlagvariante, die als zweite Bindequote ausgeliefert wurde. – Mit dem Leipziger Zensurstempel.

22,7 : 13,0 cm. 28, [4] Seiten. – Umschlag vorn an der unteren Ecke schwach geknickt. Titelschild mit kleinen Kratzspuren und kleiner Fehlstelle.

Dietz 31. – Raabe/Hannich-Bode 146.4. – Smolen/Stammerjohann 34.1.A.2

433  Franz Kafka. In der Strafkolonie.

€ 900

Leipzig, Kurt Wolff 1919. Schwarzer Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel, schwarz-roten Buntpapierdeckelbezügen und Kopfgoldschnitt.

Erste Ausgabe. – Viertes Buch der neuen Folge der Drugulin-Drucke. – Eins von 1000 Exemplaren. – Gesetzt aus der Cicero Französische Antiqua und gedruckt in Blau und Schwarz bei Drugulin, Leipzig. – Die 1914 entstandene Erzählung steht in direktem Zusammenhang mit Kafkas posthum erschienenen Roman »Der Prozeß«. – Kafka schrieb über die Erzählung an seinen Verleger Kurt Wolff , »daß nicht nur sie peinlich ist, daß vielmehr unsere allgemeine und meine besondere Zeit gleichfalls sehr peinlich war und ist […]« (K. W. Briefwechsel S. 41). – Wie schon der Erzählungsband »Betrachtung« üppig und breitrandig gesetzt. – Seiten- und Fußsteg unbeschnitten. – Nur in kleiner Auflage erschienen und hier in der selteneren schwarz-roten Einbandvariante.

23,3 : 15,5 cm. 68, [4] Seiten. – Ecken leicht, Rücken stark berieben. – Vereinzelt leicht stockfleckig, Exlibris.

Dietz 50. – Raabe/Hannich-Bode 146.5. – Rodenberg 380, 4

434  Franz Kafka. In der Strafkolonie.

€ 900

Leipzig, Kurt Wolff 1919. Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel und grün-braunen Buntpapierdeckelbezügen.

Erste Ausgabe. – Drugulin-Drucke, Neue Folge, Band IV. – Eins von 1000 Exemplaren. – In der braun-grünen Einbandvariante.

23,3 : 15,5 cm. 68 Seiten, 2 Blätter. – Rücken leicht berieben. – Vereinzelt stockfleckig.

Raabe/Hannich-Bode 146.5. – Rodenberg 380, 4

435  Franz Kafka. Ein Landarzt. – Der Mord.

€ 120 ( R7 )

In: Die Neue Dichtung. Ein Almanach. Mit 9 Bildbeigaben von Ludwig Meidner. Leipzig, Kurt Wolff 1918. Mit neun ganzseitigen Illustrationen. Illustrierte Originalbroschur.

Erstdrucke. – »Während die Erzählung ›Ein Landarzt‹ nur geringfügige Varianten gegenüber den späteren Drucken aufweist, sind die von ›Der Mord‹ beträchtlich. – […] Die Wahl der frühen Fassung beweist, daß Kafka nicht Korrektur gelesen haben kann. Der Druck […] ist damit auch manuskriptnäher als die anderen Drucke der Erzählung« (Dietz, S. 100). – Des weiteren sind Beiträge enthalten von Heinrich Mann, Franz Werfel, Walter Hasenclever, Gottfried Benn, Georg Trakl und anderen.

18,6 : 12,6 cm. – Rücken verfärbt und brüchig.

Dietz 48 und 49

436  Franz Kafka. Ein Landarzt.

€ 450

Kleine Erzählungen. München und Leipzig, Kurt Wolff 1919. Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel, Vorderdeckel mit Titel in Schwarzdruck.

Erste Ausgabe, in der sehr seltenen Halbledervariante des Verlages. – Die Erzählungssammlung wurde, sehr zu Kafkas Freude, wieder in dem übergroßen Tertia-Schriftgrad gesetzt und gedruckt. – Seine Begeisterung wurde durch die Verzögerung des Drucks arg geschmälert – der Band erschien erst nach mehr als zwei Jahren – und Kafka überlegte mehrfach, sich einen anderen Verleger zu suchen. – Wohl erst 1920 wurde der Band ausgeliefert, gedruckt wurden nicht mehr als 2.000 Exemplare, nach Kurt Wolffs späten Erinnerungen gar nur 1.000. Trotz der niedrigen Auflage stagnierte der Absatz und noch 1926 war die Erstausgabe lieferbar. Dieser Rückgang der Verkaufszahlen bei Kurt Wolff mag ein Grund für den Wechsel zum Verlag »Die Schmiede« gewesen sein.

23,3 : 15,5 cm. [8], 189, [3] Seiten. – Einband fleckig, teils verfärbt und am Rücken beschabt, oberes Kapital beschädigt. – Etwas stockfleckig, Exlibris.

Raabe/Hannich-Bode 146.6. – Dietz 53. – Göbel 426

437  Franz Kafka. Ein Landarzt.

€ 450

Kleine Erzählungen. München und Leipzig, Kurt Wolff 1919. Originalhalbleinenband mit aufgedrucktem Rückenschild.

Erste Ausgabe. – Auch diese Erzählungssammlung wurde, sehr zu Kafkas Freude, in dem übergroßen Tertia-Schriftgrad gesetzt und gedruckt. Allerdings verzögerte sich der Druck des Buches, es erschien erst nach mehr als zwei Jahren. Dieser Umstand und die schleppenden Verkaufszahlen bei Kurt Wolff mögen Gründe für Kafkas Wechsel zum Verlag »Die Schmiede« gewesen sein.

23,3 : 15,8 cm. [8], 189, [3] Seiten. – Etwas berieben und fleckig. – Ränder leicht gebräunt, sonst innen schön.

Dietz 53. – Raabe/Hannich-Bode 146.6. – Göbel 426

438  Franz Kafka. Ein Landarzt.

€ 1000

Kleine Erzählungen. München und Leipzig, Kurt Wolff 1919. Halblederband mit blindgeprägtem Rückentitel (signiert: Rel. Altermatt).

Erste Ausgabe. – Die Erzählungssammlung wurde, sehr zu Kafkas Freude, wieder in dem übergroßen Tertia-Schriftgrad gesetzt und gedruckt. – Seine Begeisterung wurde durch die Verzögerung des Drucks arg geschmälert – der Band erschien erst nach mehr als zwei Jahren – und Kafka überlegte mehrfach, sich einen anderen Verleger zu suchen. – Wohl erst 1920 wurde der Band ausgeliefert, gedruckt wurden nicht mehr als 2.000 Exemplare, nach Kurt Wolffs späten Erinnerungen gar nur 1.000. Trotz der niedrigen Auflage stagnierte der Absatz und noch 1926 war die Erstausgabe lieferbar. Dieser Rückgang der Verkaufszahlen bei Kurt Wolff mag ein Grund für den Wechsel zum Verlag »Die Schmiede« gewesen sein. – Der Einband stammt von Arthur Viktor Altermatt (1900-1964), Buchbinder und -gestalter, von 1931-33 Direktor des »Atelier moderne du livre«.

23,2 : 16,0 cm. [8], 189, [3] Seiten. – Rücken etwas verblasst. – Seiten schwach gebräunt, vereinzelte Stockflecken.

Dietz 53. – Raabe/Hannich-Bode 146.6. – Göbel 426

439  Franz Kafka. Ein Hungerkünstler.

€ 2000

Vier Geschichten. Berlin, Die Schmiede 1924. Originalpappband mit montiertem Deckel- und Rückenschild und Originalschutzumschlag (Entwurf Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Enthält die vier Erzählungen: Erstes Leid; Eine kleine Frau; Ein Hungerkünstler; Josefine, die Sängerin. – Das einzige Buch, das Kafka selbst einem anderen Verleger als Kurt Wolff gab – nach seinem Weggang aus Prag kam er Ende 1923 durch Ernst Weiß und weitere ihm bekannte Autoren des jüdischen Schmiede-Verlegers Rudolf Leonhard mit diesem in Kontakt. – »Ein Hungerkünstler« erschien erst nach Kafkas Tod, man darf aber annehmen, dass er noch alle vier Geschichten selbst korrigiert hat. – Erschienen innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts«. – Titelblatt mit Besitzvermerk des Künstlers Max Schwimmer 1927.

19,8 : 13,8 cm. 85, [3] Seiten. – Gelenke etwas berieben und leicht brüchig. Der Schutzumschlag, dessen Rücken fehlt, aufgezogen und leicht gebräunt.

Dietz 66. – Raabe/Hannich-Bode 146.7. – Vgl. Holstein 68

440  Franz Kafka. Ein Hungerkünstler.

€ 450

Vier Geschichten. Berlin, Die Schmiede 1924. Grüner Originalleinenband mit blau-rotem Rücken- und Deckelschild (Entwurf Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Enthält die vier Erzählungen: Erstes Leid; Eine kleine Frau; Ein Hungerkünstler; Josefine, die Sängerin. – Das einzige Buch, das Kafka selbst einem anderem Verleger als Kurt Wolff gab – nach seinem Weggang aus Prag kam er Ende 1923 durch Ernst Weiß und weitere ihm bekannte Autoren des jüdischen Schmiede-Verlegers Rudolf Leonhard mit diesem in Kontakt. – Der »Hungerkünstler« erschien erst nach Kafkas Tod, man darf aber annehmen, dass er noch alle vier Geschichten selbst korrigiert hat. » […] aufgrund der aktiven Teilnahme Kafkas an der Herstellung seiner gültigen Textgestalt ist es jedoch nur im äußerlichsten Sinne des Wortes als posthume Publikation zu bezeichnen« (Ludwig Dietz). – Erschien innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts«.

19,8 : 13,8 cm. 85, [3] Seiten. – Rücken leicht verfärbt, Rückenschild gebräunt. – Vereinzelt stockfleckig.

Dietz 66. – Raabe/Hannich-Bode 146.7. – Holstein, Salter 68

441  Franz Kafka. Der Prozess.

€ 500

Roman. Berlin, Die Schmiede 1925. Grüner Originalleinenband mit blau-rotem Deckel- und Rückenschild (Entwurf von Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts«. – Max Brod gab den Text aus dem Nachlass des Dichters und gegen dessen Willen heraus. In dem Nachwort rechtfertigte der Freund des Dichters sein editorisches Vorgehen. – »Der Prozess« bildet den ersten Teil der sogenannten »Trilogie der Einsamkeit«, die Folgeteile »Das Schloss« und »Amerika« erschienen im Kurt Wolff Verlag in identischer Ausstattung.

19,8 : 14,0 cm. [8], 411, [1] Seiten. – Ränder leicht, Rücken stark verblasst. Rückenschild gebräunt.

Raabe/Hannich-Bode 146.8

442  Franz Kafka. Das Schloss.

€ 500

Roman. München, Kurt Wolff 1926. Blauer Originalleinenband mit blau-rotem Deckel- und Rückenschild (Entwurf von Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Der zweite Teil der Romantrilogie erschien wieder bei Kurt Wolff. – Wie alle drei posthum erschienenen Romane mit einem Nachwort des Freundes und Herausgebers Max Brod.

19,7 : 13,5 cm. [8], 503, [1] Seiten. – Rücken stark verblasst, Ränder leicht gebräunt. Hinterdeckel etwas fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 146.9. – Göbel 663

443  Franz Kafka. Amerika.

€ 750

Roman. München, Kurt Wolff 1927. Roter Originalleinenband mit blau-weißem Deckel- und Rückenschild (Entwurf Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Von Max Brod aus dem Nachlass herausgegeben und mit einem Nachwort versehen, beschließt der doch vollendete Roman nach »Der Prozess« und »Das Schloss« die sogenannte »Trilogie der Einsamkeit«. – Kurt Tucholsky 1929 in »Auf dem Nachttisch« (Gesammelte Werke, Band III, Reinbek 1961, S. 44): »Zum Beispiel Banken. Und wenn die groß geworden sind, so groß, dass sie ein Land überschatten, dann heißt das Land Amerika, und nun wollen wir einmal ein Amerika-Buch begucken, das eigentlich gar keines ist und doch eines ist. […] Es ist etwas ganz und gar Wunderbares, an innerer Musik und dem Pianissimo der Töne nur noch mit Hamsun zu vergleichen«.

19,5 : 14,0 cm. 391, [1] Seiten. – Rückenschild minimal gebräunt, kleine Einrisse an den Gelenken.

Raabe/Hannich-Bode 146.10. – Göbel 673

444  Franz Kafka. Beim Bau der chinesischen Mauer.

€ 600

Ungedruckte Erzählungen und Prosa aus dem Nachlaß. Herausgegeben von Max Brod und Hans Joachim Schoeps. Berlin, Gustav Kiepenheuer 1931. Originalbroschur mit Originalschutzumschlag (Entwurf von Georg Salter).

Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Besonders die bis dahin unveröffentlichte Titelerzählung erweist sich »als eine Art dichterische Bilderschrift, als eine Umschreibung jener Äußerung, in der Kafka allein die Sehnsucht als wahr anerkennt, doch bezeichnend hinzufügt: ›Aber selbst die Wahrheit der Sehnsucht ist nicht so sehr ihre Wahrheit als vielmehr der Ausdruck der Lüge alles übrigen sonst‹« (KLL 1428). – Dazu: Beim Bau der chinesischen Mauer. [Hagen], Gustav Kiepenheuer 1948. Originalhalbleinenband mit -schutzumschlag, dieser gestaltet von Emil Schumacher. Wohl die früheste buchkünstlerische Arbeit Schumachers, der damals vollkommen mittellos in seiner Heimatstadt Hagen lebte.

19,5 : 12,3 cm. 266, [6] Seiten. – Beiden Umschläge fachmännisch restauriert, etwas gebräunt und berieben.

Raabe/Hannich-Bode 146.11. – Vgl. Holstein 69 (I) und Beck/Eggeling, S. 28 (II)

445  Der jüngste Tag. Neue Dichtungen. 1–6.

€ 5000

Leipzig, Kurt Wolff 1913. Grüner Originalleinenband mit goldgeprägten Titeln.

Originalsammelband der ersten Serie »Der jüngste Tag« mit dem Reihentitelblatt (zugleich Inhaltsverzeichnis) und durchgehend auf starkem Werkdruckpapier. – Inhalt: I. Franz Werfel. Die Versuchung. Ein Gespräch des Dichters mit dem Erzengel und Luzifer. – II. Walter Hasenclever. Das unendliche Gespräch. Eine nächtliche Szene. – III. Franz Kafka. Der Heizer. Ein Fragment. Mit dem Frontispiz. – IV. Ferdinand Hardekopf. Der Abend. Ein kleines Gespräch. – V. Emmy Hennings. Die letzte Freude. – VI. Carl Ehrenstein. Klagen eines Knaben. – Nur im ersten Verlagsverzeichnis, das 1914 in dem Almanach »Das bunte Buch« erschien, bewarb der Verlag die »Einbanddecken für jede Serie«. Bereits im zweiten Verzeichnis von 1916 ist davon keine Rede mehr, so dass Josef Smolen vermutete, es sei bereits ab der dritten Folge auf Einbanddecken verzichtet worden. Ob es jemals zu einer echten Produktion und Auslieferung gekommen ist, muss angesichts der Seltenheit bezweifelt werden – bisher kannte man nur die beiden Archivexemplare des Verlages. Die Gestaltung der Vorderdeckel entsprach dem typographischen Entwurf von Wilhelm Wagner für die zweite Folge. – Heft 1 mit dem Viertelbogen Anzeigen, der auch den Einzelausgaben der Hefte 3–6 nachgeheftet wurde, hier konsequenter Weise aber ohne diese »Dopplungen«. – Eine der größten Seltenheiten aus dem Leipziger Verlag. – »Die Serie hatte einen durchschlagenden Erfolg, sie wurde Vorbild für die anderen Schriftenreihen des Expressionismus.« (Paul Raabe).

21,1 : 13,0 cm. Titelblatt; 31, [5]; 14, [2]; 47, [1], 1 Tafel; 19, [1]; 15, [1]; 48 Seiten. – Rücken minimal verfärbt. – Zwei Seiten mit leichter Verfärbung am Oberrand und leichter Druckspur (herstellungsbedingt).

Smolen/Stammerjohann 1.1.C–6.1.C. – Raabe, Zeitschriften 145

446  Ernst Ludwig Kirchner – Jakob Boßhart. Neben der Heerstraße.

€ 300

Mit Holzschnitten von E. L. Kirchner. Zürich und Leipzig, Grethlein & Co. 1923. Mit 23 Holzschnitten im Text. Illustrierter roter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Neben Georg Heyms »Umbra Vitae« und fast gleichzeitig entstanden, sind Boßharts Erzählungen das zweite große illustratorische Werk Kirchners.

20,0 : 13,5 cm. 434, [6] Seiten. – Kleine Klebespur auf dem Vorderdeckel (wohl von entferntem Preisschild). – Innengelenke oben gebrochen. Ränder, wie meist, papierbedingt gebräunt.

Dube 809–831. – Jentsch 143. – Lang, Expressionismus 174

447  Ernst Ludwig Kirchner – Georg Heym. Umbra vitae.

€ 8000

Nachgelassene Gedichte. Mit 47 Originalholzschnitten von Ernst Ludwig Kirchner. München, Kurt Wolff 1924. Grüner Originalleinenband mit Holzschnitt in Gelb und Schwarz über beide Deckel und zwei farbigen Holzschnittvorsätzen.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 500 Exemplaren (Gesamtauflage 510). – Gedruckt auf gelblichem Bütten. – Diese »Krönung expressionistischer Buchillustration« (Jürgen Eyssen, in: Buchkunst in Deutschland, S. 130) ist einer Initiative von Hans Mardersteig zu danken. Ende Februar 1922 schrieb er an den Verleger der (noch unillustrierten) Erstausgabe, Kurt Wolff: »Er [Kirchner] hat in seinen Mußestunden schon seit Jahren zu eigener Freude Heyms Umbrae vitae illustriert. Und zwar derart, daß er die alte Ausgabe hernahm und jeweils unter den einzelnen Gedichten […] einen kleinen Holzschnitt eingefügt hat […] Ich würde Ihnen dringend raten, daß Sie einen Neudruck des Bändchens mit den Holzschnitten machen. […] Das Buch würde ein Novum unter illustrierten Büchern darstellen.« (K. W. Briefwechsel eines Verlegers, S. 391). – Neben den Textholzschnitten schuf Ernst Ludwig Kirchner auch die Holzschnitte für die rosa-blau gedruckten Vorsätze und den farbigen Einband. – »Umbra vitae was the artist’s major effort« (Castleman S. 229). – »Wer wissen will, was Expressionismus heißt, braucht nur in den Seiten dieses Buches zu blättern« (Jürgen Eyssen, S. 162).

23,2 : 16,0 cm. [4], 62, [6] Seiten. – Einband minimal verblasst. – Vorsatzpapiere am Unterrand ausgeblichen.

Dube 759-807 u. 61 II. – Raabe/Hannich-Bode 123.3. – Jentsch 152. – Lang, Expressionismus 175. – Garvey 142. – Papiergesänge 45

448  Felix Brazil [Wilhelm Klemm]. Die Satanspuppe.

€ 180

Verse. Hannover, Paul Steegemann 1922. Illustrierter Originalpappband.

Erste Ausgabe. – »Felix Brazil ist der Name eines bekannten Dichters, dem die deutsche Mentalität nicht gestattet, seinen Namen zu nennen« (Paul Steegemann). – Der im Buch angekündigte Band »Der Leichenheinrich« ist nie erschienen. Nach dieser eher dem Surrealismus nahestehenden Gedichtsammlung »verstummte« Wilhelm Klemm (1881–1968) für mehr als vier Jahrzehnte. Er wurde Leiter des Kröner Verlages und später der Dieterich’schen Buchhandlung, im Dritten Reich durfte er nicht veröffentlichen. Erst 1964 erschien sein nächster und zugleich letzter Gedichtband.

23,5 : 15,8 cm. 59, [5] Seiten. – Deckelränder leicht gebräunt. – Vorsatzblatt mit Besitzvermerk.

Raabe/Hannich-Bode 159.9. – Meyer 72

449  Adolf Knoblauch. Dada.

€ 200

Leipzig, Kurt Wolff 1919. Mit einem Holzschnitt von Lyonel Feininger. Schwarze Originalbroschur mit orangefarbenem Deckelschild.

Der jüngste Tag, Heft 73/74. – Erste Ausgabe. – Mit dem von Feininger »Der Abgott« betiteltem Holzschnitt als Frontispiz. – »Leo Feininger waffenbrüderlich zugeeignet«. – Adolf Knoblauch (1882–1951) veröffentlichte zwischen 1911 und 1922 kontinuierlich in Herwarth Waldens »Sturm«.

21,5 : 12,8 cm. 75, [5] Seiten. – Broschurdeckel lose, der Holzschnitt fast. Ränder mit kleinen Fehlstellen.

Raabe/Hannich-Bode 160.4. – Smolen/Stammerjohann 73/74.1.A. – Prasse W 91

450  Else Lasker-Schüler. Styx.

€ 300

Gedichte. Berlin, Axel Juncker 1902. Mit einer Titelvignette von Fidus. Originalbroschur mit Deckelillustration.

Erste Ausgabe des Erstlings der Dichterin. – »Meinen teuren Eltern zur Weihe«. – 1899 hatte Else Lasker-Schüler Georg Lewin kennengelernt. Nach der Trennung von ihrem erstem Mann, Jonathan Lasker, heiratete sie Lewin und schuf für ihn das Pseudonym »Herwarth Walden«. Walden trug sicher nicht unwesentlich zum Erscheinen dieser Gedichtsammlung bei, war er doch neben Karl Kraus einer der ersten, der die große dichterische Begabung von Else Lasker-Schüler erkannte. – Jedes Gedicht mit einer Zierleiste und einem Zierstück. – Auf fein geripptem Büttenpapier, unbeschnitten. – Die Vignette von Fidus und die Typographie des Titelblatts wurde auf dem Vorderumschlag der grauen Büttenbroschur wiederholt.

19,5 : 13,3 cm. 77, [3] Seiten. – Umschlagränder leicht bestoßen, Rücken beschädigt und mit Fehlstellen. – Buchblock vor der letzten Lage gebrochen und im Falz mit Filmoplaststreifen fixiert.

Raabe/Hannich-Bode 182.1