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Lot 401 – 450 | Hesse-Auktionen
Lot 401 – 450

401  Lothar Meggendorfer. Aus dem Leben.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Sechste Auflage. München, Braun & Schneider 1885. Acht chromolithographierte Tafeln mit zweilagigem Ziehmechanismus. Originalhalbleinenband mit farbig illustriertem Vorderdeckel.

Die erste Auflage erschien 1882. – Acht pochoirkolorierte Ziehbilder mit Alltagsgeschichten: »Vor der Schule«, »Der Konditorjunge«, »Marie«, »Der Sonntagsreiter«, »An der Wiege«, »Der Truthahn«, »Der Tanzbär« und »Der Affe«. – Die mahnenden Worte des Vorworts »In der Zukunft froh sich’s lohnt, wenn man seine Sachen schont, d’rum mit Vorsicht und Bedacht, gebet auf dies Buch wohl acht« wurden bedingt befolgt – zumindest die Ziehmechanismen sind alle intakt. – Sehr selten.

32,3 : 23,5 cm. [18] Seiten. – Einband fleckig und bestoßen. – Seiten im Falz neu gefasst. Innen deutliche Gebrauchsspuren, einige Papierteile der Ziehbilder erneuert, einige Ziehmechanismen etwas schwergängig. Insgesamt fleckig.

Krahé, Spielwelt 14. – Ries 13. – Wegehaupt IV, 1402. – Lex. KJL II, 460

402  Kindergarderobe.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

27 Farblithographien. Berlin, John Henry Schwerin 1902–1909. Halbleinenband der Zeit.

Mit insgesamt etwa 150 Modellen, alle mit genauen Beschreibungen. – Jede Tafel mit einem fast formatfüllenden farbigen Bildteil, am rechten Rand Bildlegende, kleine Detaildarstellungen und Hinweis auf Zuschneidebogen und Bezugsquellen, dabei fast immer »Emma Bette, Bud & Lachmann, Berlin«. – Unterrand mit Verlagsangabe, Titel und Datierung. – Johann Heinrich Schwerin (1843–1900) hatte 1885 die Frauenzeitung »Mode und Haus« gegründet, der dann weitere langlebige Erfolgstitel folgten: »Kleine Modewelt«, »Große Modewelt«, »Frauenfleiß«, »Kindergarderobe« und »Illustrierte Wäschezeitung«. »Eine jede der genannten Zeitschriften fand den Beifall des Publikums; einzelne derselben erfreuten sich ganz außerordentlich großer Verbreitung.« (Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 5. Berlin/Eberswalde 1908, S. 889-890).

16 : 24 cm. – Einige Tafeln lose, die ersten am Seitenrand fleckig.

403  Sport und Spiel – Henry René de Allemagne. Sports et jeux d’adresse. – Récréations et passe-temps.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Paris, Hachette um 1903–1905. Mit zusammen mehr als 230 Tafeln, davon 61 koloriert, und hunderten Textabbildungen. Halblederbände der Zeit mit eingebundenen illustrierten Originalumschlägen.

Originalausgaben. – Reich illustrierte und wichtige Monographien über die Geschichte des Spiels und des Zeitvertreibs. Beschrieben werden die Entwicklung von Gesellschaftsspielen, Tischspielen (Backgammon, Schach, Dame, Domino, Würfelspiele etc.), verschiedenen Lotterien, Gedulds-, Kinder-, Gesellschafts-, Rate-, Such- und Turnierspielen aber auch Akrobatik, Volksfeste, Jahrmarktsvergnügen u. a. m. – Gut erhalten. – Henry René d’Allemagne wirkte als Bibliothekar an der Bibliothèque de l’Arsénal. Er veröffentlichte zwischen 1900 und 1910 eine Reihe von Standardwerken über Spiele und Spielzeug und viele weitere kulturhistorische Werke.

32,0 : 25,5 cm. [4], 382, IV Seiten; [4], 380 Seiten. – Einbände mit leichten Schabstellen.

404  Hermynia Zur Mühlen. Das Schloß der Wahrheit.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Ein Märchenbuch. Berlin, Verlag der Jugendinternationale 1924. Mit sieben Bildtafeln, davon vier farbig, und 29 Illustrationen im Text, alle von Karl Holtz. Illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Exemplar mit dem Eindruck »Organisationsausgabe« und dem Hinweis, dass »diese Exemplare nur an Mitglieder der der 3. Internationale angeschlossenen Organisationen abgegeben werden« dürfen. – Karl Holtz (1899–1978) arbeitete in dieser Zeit für verschiedene sozialdemokratische Zeitschriften. Nach dem Krieg lebte er in Ostdeutschland. Dort wurde ihm eine Stalin-Karikatur, 1949 in einer Schweizer Zeitung veröffentlicht, zum Verhängnis. Er wurde verhaftet und von einem sowjetischen Militärgericht zu 25 Jahren Haft verurteilt. – Hermynia Zur Mühlen wurde durch Übersetzungen für den Malik-Verlag bekannt und veröffentlichte mehrere proletarische Kinderbücher.

29,0 : 23,0 cm. 61, [3] Seiten, 7 Tafeln. – Einband leicht fleckig. – Besitzvermerk auf Vorsatzblatt, Ränder teils etwas gebräunt.

Melzwig 882.1

405  La boîte à joujoux.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Ballet [Texte et dessins] pour enfants par André Hellé. Musique de Claude Debussy. Paris, A. Durand & Fils [1919]. Mit 18 Farblithographien, davon zwölf Bildtafeln und sechs als Titel, Zwischentitel und Schlussvignette sowie fünf Seiten mit lithographierten Texten und Bildern. Leinenband, illustrierter Vorderdeckel aufgezogen.

Seltene erste Ausgabe. – Bilderwelt zur Ausgabe von 1926: »Dies ist das reizvollste Bilderbuch von Hellé (wovon eine vollständigere und üppigere Ausgabe in Glanzpapier und Querformat 1919 bei Durand herauskam, Kinderballett mit notierter Musik von Debussy). Dieses phantasievolle Bilderbuch über die Welt des Spielzeugs ist […] vollkommen gelungen mit seiner erfinderischen Seitengestaltung und gewählter Zusammenfügung von Text und Bild.« – Der Dekorationskünstler und Buchillustrator André Hellé (1871–1945) wurde besonders durch seine Holzspielzeuge und -modelle, die sich in seinen Illustrationen wiederfinden, bekannt. Claude Debussy komponierte die Musik 1913. Das Ballett wurde 1919, »also im Todesjahr von Debussys einzigem Töchterchen (das seinen Vater nur um ein Jahr überlebte) [in der Ausstattung Hellés] erstmals aufgeführt.« (Seebaß). Die Buchausgabe erschien wohl zu dieser Aufführung. – Am Anfang Inhaltsangabe und Personenverzeichnis, nach der Handschrift Hellés und mit seinen Illustrationen gedruckt, gefolgt von den vier Teilen mit Musiknoten und Texten sowie den entzückenden Zwischenttiteln und Bildtafeln. – Mit dem Textblatt zur Aufführung.

24,0 : 32,0 cm. 1 Blatt, [8] Seiten, 48 Seiten, 18 Lithographien. – Der Einband leider folienkaschiert. Ausgeschiedenes Bibliotheksexemplar mit entsprechenden Stempeln auf dem Vorblatt und dem hinteren Vorsatz. – Im Notenteil vereinzelte Bleistiftnotizen.

Seebaß II, 428 (vermutet eine frühere, unillustrierte Ausgabe). – Vgl. Bilderwelt 2655

406  Hendrik Willem van Loon. The Story of Wilbur the Hat.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Being a true account of the strange things which sometimes happen in a part of the world which does not exist. Written and drawn for the fun of it. New York, Liveright 1925. Mit 56 ganzseitigen, meist farbigen Illustrationen, darunter der Doppeltitel und ein Widmungsblatt. Grüner Originalleinenband mit goldgeprägten Titeln und illustriertem Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Grotesk und surrealistisch anmutendes Bilderbuch, das die Abenteuer eines Hutes auf der Erde, im Weltall und dabei in vielen Situationen mit literarischen, historischen und geographischen Zusammenhängen schildert. – Ein bemerkenswertes Beispiel phantastischer Kinderbuch-Literatur. – Hendrik van Loon (1882–1944) wurde 1919 amerikanischer Staatsbürger und schrieb zahlreiche populärwissenschaftliche Jugendbücher (u. a. »The Story of Mankind« 1921) sowie eine fiktive Rembrandt-Biographie. Er war später eng mit Carl Zuckmayer und den Eheleuten Thomas und Katia Mann befreundet.

26,0 : 19,3 cm. 110, [2] Seiten. – Umschlag mit kleinen Randläsuren. – Vorderes Innengelenk angeplatzt.

Vgl. Lex. KJL III, 674

407  Korney Chukovsky. Moidodyr

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

(russisch: Wascht ihn sauber). Leningrad, Detskoy Literatury 1936. Mit zahlreichen teils ganzseitigen Illustrationen nach Zeichnungen von Juri Annenkow. Farbig lithographierte Originalbroschur.

Nachauflage einer der bekanntesten russischen Struwwelpetriaden, die erste Ausgabe erschien 1923. – Die Geschichte, verfasst von Chukowsky für seine Tochter, erzählt von einem Jungen, der sich nicht waschen wollte und deshalb von seinen Spielsachen, Kleidern etc. verlassen wird. Erst drastische Reinigungsprozeduren in teils surrealen Szenerien schaffen Abhilfe. – »Chukovskij’s debt to Struwwelpeter is unmistakable, but he also succeeded in creating a masterpiece in its own right.« (Andres Immel, zit. nach Lemmens/Stommels). – Juri Annenkow, der 1918 durch die Illustrationen zu Bloks Poem »Die Zwölf« bekannt geworden war, illustrierte auch einige Kinderbücher.

22,2 : 17,4 cm. 23, [1] Seiten. – Vorderumschlag mit kleinem Eckknick, hinterer mit den landestypischen Preisnotizen und Stempeln. – Titelblatt am Rand mit Braunfleck.

Lemmens/Stommels S. 88ff

408  Lou Scheper-Berkenkamp. Die Geschichten von Jan und Jon und von ihrem Lotsen-Fisch.

Schätzpreis/Estimate: € 800 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 600

Leipzig, Ernst Wunderlich 1948. Durchgehend farbige Bild-Text-Seiten. Illustrierte Originalbroschur.

Erste und bisher einzige Ausgabe. – Auf festem Karton gedruckt. Die Schrift innerhalb der seitenfüllenden Illustrationen schrieb Barbara Jedermann-Jahncke. – Lou Berkenkamp (1901–1976) kam 1920 ans Weimarer Bauhaus und nahm Unterricht bei Johannes Itten, Paul Klee und Georg Muche. 1922 heiratete sie, mittlerweile Schülerin in der Werkstatt für Wandmalerei, ihren dortigen Kommilitonen Hinnerk Scheper, der 1925 Meister für diesen Kurs wurde. Ende der 1920er Jahre arbeiteten die Eheleute gemeinsam in Moskau für eine »Beratungsstelle für Farbe in der Architektur und im Stadtbild« und kehrten 1931 für noch kurze Zeit ans Bauhaus zurück. Nach dessen Schließung 1933 in Berlin arbeitete Lou Scheper-Berkenkamp freischaffend. In Nachfolge ihres früh verstorbenen Mannes war sie nach 1957 an einigen seiner Projekte (Philharmonie von Hans Scharoun, Gropiusstadt, Flughafen Berlin-Tegel) beteiligt. – Sie »hatte sich schon in den zwanziger Jahren mit Bildern, Bildgeschichten und bebilderten Briefen beschäftigt. Vermutlich entwickelte sie bereits damals das entscheidend neue Prinzip der »Geschichten von Jan und Jon«, nämlich Schrift und Bild zu einer lebendigen Einheit zu verbinden« (Bilderwelt). Ihre wenigen Kinderbücher wurden erst nach Kriegsende publiziert. – Sehr selten.

29,5 : 21,0 cm. [20] Seiten. – Etwas stockfleckig.

Bilderwelt 813. – Doderer/Müller 1038. – Stuck-Villa II, 286 (mit ganzseitiger Abbildung)

409  Die Kunstismen. – Les ismes de l’art. – The Isms of Art.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 2800

Herausgegeben von El Lissitzky und Hans Arp. Zürich, München und Leipzig, Eugen Rentsch 1925. Mit zahlreichen Abbildungen auf 48 Tafeln. Illustrierter Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vorsatzblatt: »Dieses neue Ex für Herrn Hans Fehr | Hans Arp | 20.5.25«. – Hervorragend gestaltetes Dokument in der Typographie von El Lissitzky mit Bildbeispielen aus Konstruktivismus, Proun, Merz, Neo-Plastizismus, Purismus, Dada, Kubismus, Futurismus, Expressionismus, Suprematismus und Abstraktivismus von 1914 bis 1924. – Mit Abbildungen von Arbeiten von Arp, Archipenko, Braque, Dix, Max Ernst, Feininger, Grosz, Kandinsky, Leger, El Lissitzky, Malewitsch, Marc, Moholy-Nagy, Molzahn, Picabia, Picasso, Schlemmer, Tatlin und anderen. – Dreisprachig, Textteil mit Beiträgen verschiedener Künstler zur kurzen Definition der Kunstrichtungen, dort einige Randnotizen des Vorbesitzers Hans Fehr (1874–1961). Dieser war Jurist und seit 1924 in Bern tätig. Schon in jungen Jahren war er mit Emil Nolde befreundet, bei dem er auch Zeichenunterricht erhielt. – Selten, zumal als Widmungsexemplar.

26,1 : 20,3 cm. XI, [1] Seiten, 48 Tafeln. – Untere Ecken minimal berieben, Rücken mit kleinen Abplatzungen des schwarzen Lackpapiers. – Vorsatzblätter und das jeweils anliegende Blatt etwas stockfleckig.

Dokumentations-Bibliothek I, 16; III, 95 und IV, 46. – Bowlt/Hernad 97

410  Futurismus – Poesia.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Rassegna internazionale da redazione F. T. Marinetti. Anno V, N. 3-4-5-6. Mailand, April-Juli 1909. Mit fünf blattgroßen Illustrationen. Illustrierte Originalbroschur.

Enthält den Erstdruck der »Declaration of Futurism«, der ersten englischen Ausgabe des »Manifeste du Futurisme«, welches Marinetti am 20. Februar im Pariser »Figaro« in französischer Sprache veröffentlicht hatte – und sich dabei gegenüber einer italienischen Fassung größere internationale Resonanz erhoffte. – Neben Stellungnahmen von Marinetti und Kritikern der Bewegung sowie internationalen Pressestimmen enthält diese umfangreiche vorletzte Ausgabe der 1905 gegründeten Zeitschrift auch Dichtungen von Marinetti, Paolo Buzzi, Georges Périn u. a., weitere Manifeste und einige Illustrationen. Auf dem Vorderumschlag Alberto Martinis allegorische Darstellung des Siegs der Dichtung über die Hydra, die er 1905 für die Zeitschrift entworfen hatte, und hier erstmals der Aufdruck »Il Futurismo«. – »Futurism is the first authentic avantgarde movement: a group whose members shared an elective affinity, with an ideology which is not limited to the arts but includes politics, morals and manners« (Luciano de Maria in »Futurismo & Futurisme« (Mailand 1986), S. 514). – Gilbert Keith Chesterton erinnerte sich in »Alarms and Discursions«: »It was a warm golden evening […] when the postman handed to me, with a perfunctory haste which doubtless masked his emotion, the »Declaration of Futurism«. If you ask me what Futurism is, I cannot tell you; even the Futurists themselves seem a little doubtful; perhaps they are waiting for the future to find out«.

28,0 : 29,2 cm. 92 Seiten. – Vorderumschlag angestaubt und unten mit kleinem Wasserrand, hinterer mit diagonalem Knick. – Vereinzelte Ränder etwas verfärbt, 4 Blätter mit leichtem Eckknick.

Salaris S. 100. – Gambillo/Fiori I, 15f

411  Velimir Chlebnikov. Ryav!

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Pertschatki 1908–1914 (russisch: Boarrrr! Die Handschuhe 1908–1914). Petersburg, Euy 1914. Mit zwei blattgroßen Linolschnitten von David Burljuk und zwei Tafeln nach Malewitsch. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Diese erste größere Veröffentlichung von Chlebnikow enthält Gedichte, Aufsätze und kurze Stücke. Eine Reihe der Texte sind von slawischen Themen und slawischen Stilen inspiriert – insbesondere die neo-primitivistisches Dichtung »Die Waldnymphe und der Kobold«, das zentrale Werk des Buches, das traditionellen Volksidyllen nachempfunden ist. – Einige Texte der Sammlung und auch die Illustrationen waren zuvor in futuristischen Anthologien und Zeitschriften erschienen. – Welimir Chlebnikow (1885–1922) gilt als der bedeutendste Dichter des russischen Futurismus. Wie kein zweiter hat er diese Stilrichtung, die für etwa 15 Jahre die russische und europäische Literatur umwälzte, geprägt. Gemeinsam mit Majakowski, Burljuk und Kruchenykh veröffentlichte er 1912 das futuristische Manifest »Eine Ohrfeige dem allgemeinen Geschmack«. Auch an der Oper »Sieg über die Sonne« war er beteiligt. Chlebnikow experimentierte mit den Ursprüngen der russischen Sprache und entwickelte gemeinsam mit Kruchenykh die Kunstsprache »Zaum«. – Außerordentlich selten und sehr gut erhalten.

25,5 : 17,5 cm. 29, [3] Seiten. – Der hellrosa Büttenumschlag oben leicht angestaubt und minimal bestoßen. – Buchblock lose.

Rowell/ Wye 68. – Bowlt/Hernad 29

412  Velimir Chlebnikov. Izbornik stichov s poslesloviem rechiaria 1907–1914 gg.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

(russisch: Ausgewählte Gedichte mit einem Nachwort des Wortakrobaten 1907–1914). Petersburg, Euy [1914]. Mit 16 lithographierten Seiten mit elf Illustrationen von Pavel Filonow und nach seiner Handschrift lithographiertem Text sowie einer Bildtafel nach Malewitsch. Originalbroschur mit Deckelillustration von D. Burljuk.

Erste Ausgabe. – Auflage 1000 Exemplare. – Das Buch enthält bereits einzeln veröffentlichte Gedichte und als Anhang Unveröffentlichtes, darunter Neologismen und andere Sprachexperimente. Dieser Teil wurde, von Pavel Filonow kalligraphiert und illustriert, lithographisch auf rosa Papier gedruckt. – Sehr selten.

20,5 : 14,8 cm. 48 Seiten, 16 Lithographien. – Umschlagränder bestoßen, Rücken beschädigt. Vorderdeckel mit Preisstempel. – Innen sehr gut erhalten.

Rowell/Wye 91

413  Zapisnaja knischka Velimira Chlebnikova.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 550

(russisch: Velimir Chlebnikovs Notizbuch). Sobral i snabdil primechanijami A. Kruchenykh. Moskau, Vserossiiskovo soiuza poetov 1925. Mit einem Porträt. Originalbroschur mit Typographik von Valentina Kulagina-Klutsis.

Erste Ausgabe. – Aufzeichnungen des wichtigsten russischen Futuristen-Dichters Chlebnikow aus dem Jahr 1920. – Mit einer Einleitung von Kruchenykh und einem Nachwort von Tatjana Vecherka. – Sehr gut erhaltenes, unbeschnittenes Exemplar.

19,0 : 14,2 cm. 30, [2] Seiten. 1 Porträt. – Umschlag etwas gebräunt.

Rowell/Wye 598. – Bowlt/Hernad 106

414  David Davidovič Burljuk – Sieben Publikationen von und über den russisch-ukrainischen Avantgarde-Künstler.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

New York, Maria Burljuk 1926–1932. Alle mit Abbildungen von Kunstwerken Burljuks und anderer russischer Avantgardisten. Meist Originalbroschuren.

I: David Burljuk. Voschozhdenie na Fudzi-san (russisch: Die Besteigung des Fuji-san). 1926. Ohne Umschlag. – II: David Burljuk. Russkije chudoschniki w Amerike. 1917-1928. (russisch: Russische Künstler in Amerika). 1928. – III: David Burljuk. Entelechizm. Teorija kritika stichi kartiny (1907–1930). K 20ti letiju Futurisma […]. 1930. – IV: Erich Gollerbach. Iskusstwo Davida Burljuka (russisch: Die Kunst David Burljuks). 1930. – V: Erich Gollerbach. Poesia Davida Burljuka (russisch: Die Dichtung David Burljuks). 1931. Hinterumschlag mit kolorierter Vignette »Red rider, Berlin 1908«. – VI: Benedikt Livschiz. Gileja (russisch). 1931. – VII: Igor Postupalski. Literaturnij trud Davida D. Burljuka (russisch: Das literarische Werk David D. Burljuks). 1932. Fadengeheftet.
David Burljuk (1882–1967) zählt zu den wichtigsten russischen Avantgarde-Künstlern und gilt als »Vater des Futurismu«. Er nahm an Ausstellungen des »Blauen Reiter« und Waldens »Herbstsalon« teil. In seiner Heimat organisierte er futuristische Tourneen. Nach der Oktoberrevolution verließ er nach einer Japan-Reise die Sowjetunion und emigrierte in die USA.
I. Bericht über die Japan-Reise Burljuks 1922. – II. Repräsentative Darstellung der bedeutendsten Vertreter russischer Avantgarde in Amerika. – III. Ebenso seltene wie wichtige Ausgabe mit Texten Burljuks über den Futurismus, die Kunst als schöpferischen Prozess und viele andere Dichtungen. Umschlag mit Fotoporträt von David und Maria Burljuk nach einer Fotografie des Sohnes David. – V. Die wahrscheinlich von Burljuks Sohn scherzhaft mit Rotstift kolorierte Vignette eines Reiters verweist auf Burljuks Beteiligung am Almanach und an Ausstellungen der Künstlergruppe »Der Blaue Reiter«. – VI. Livschitz’ Bericht über die Künstlergruppe »Hyläa«, zu der neben ihm die Brüder Nikolai und David Burljuk sowie Kruchenykh und Majakowski gehörten. – Alle als Geschenk der Familie Burljuk an den Düsseldorfer Antiquar Günter Fuchs; teils mit Stempeln, Bemalungen, Notizen und Widmungen von Maria und David Burljuk junior. – Beigaben: Acht Porträtfotografien Burljuks und seiner Ehefrau Maria, eine mit dem New Yorker Wohnhaus des Ehepaares. – Sechs Burljuk-Kunstpostkarten.

Kollation: [2], 12, [2] Seiten; 47, [1] Seiten; 24 Seiten, 16 Seiten, [4], 32, [4] Seiten, 15, [1] Seiten.

415  Natalija Gontscharowa – Valentin Parnach. Samum.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

3 risunka Natalij Gontscharowa (russisch). Paris 1919. Mit drei Lithographien, davon zwei zweifarbig. Originalbroschur.

Erste Ausgabe, wohl im Selbstverlag in kleiner Auflage erschienen. – Auf Velin. – Natalija Sergejewna Gontscharowa (1881–1962), eine der maßgeblichen Künstlerinnen der russischen Avantgarde, lebte seit 1915 in Paris, da ihre Bühnenbildentwürfe für Daghilews »Ballets Russes« vom Publikum begeistert aufgenommen worden waren. »Die drei ganzseitigen Bilder von Gontscharowa sind […] von der Raumauffassung der Künstlerin geprägt. Die zwei farbigen Darstellungen zeigen Anklänge an den Kubismus […], während die in Schwarz-Weiß gehaltene Zeichnung unter dem Einfluss des Futurismus steht« (Beatrice Hernad). – Auch der Dichter Parnach (1891–1951), von dem 32 Gedichte enthalten sind, lebte zu dieser Zeit in Paris. Nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion wandte er sich der Musik zu und gilt als Begründer des sowjetischen Jazz. – Beeindruckend schönes Exemplar.

22,8 : 16,0 cm. [2], 43, [3] Seiten, 3 Lithographien.

Rowell/Wye 221. – Bowlt/Hernad 77

416  E[duard] Bagritsky. Duma pro Opanasa.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

(russisch: Duma von Opanas). Moskau, GIChL 1935. Mit vier Farblinolschnitten von I. G. Nikolaevtsew nach R. A. Grabbe. Originalleinenband mit rotgeprägter Deckelvignette.

Erste Ausgabe mit der lyrischen Fassung von 1926 und dem Libretto. – Der Dichter Bragitsky verfasste einige Texte, die seinen frühen Tod Jahrzehnte überdauerten. – Seine Huldigung des revolutionären Kampfes wurde in der dramatisierten Fassung von W. J. Schebalin vertont.

30,3 : 22,5 cm. 68, [4] Seiten, 4 Linolschnitte. – Einband etwas fleckig. – Leicht fleckig, Titel mit Besitzvermerk, hinterer Innendeckel mit Eintragung.

417  Nikolai Gumiljov. Ognennij Stolp

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

(russisch: Die Feuersäule). Petersburg 1921. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Nikolai Stepanowitsch Gumiljow (1886–1921) gilt als einflussreicher Dichter der russischen Moderne. Seine Dichtungen gelten als Musterbeispiele des »Akmeismus«, jener damaligen russischen Literaturströmung , die sich ohne futuristisch-revolutionäre Wandlungen von Sprache und Schrift vom Symbolismus abgrenzen wollte. – 1921 wurde Gumiljow von der russischen Geheimpolizei verhaftet und hingerichtet. Seine Werke wurden verboten, das vorliegende ist seine letzte Lyriksammlung.

15,6 : 11,0 cm. 74, [4] Seiten. – Einband fleckig, Hinterdeckel mit Stempeln, am Rücken eingerissen. – Besitzvermerk auf Titel, sonst innen sehr schön.

418  S[emjon] Kirsanov. Poslednij sovremennik

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

(russisch: Der letzte Zeitgenosse). Moskau, Federatsia 1930. Originalbroschur mit farbig lithographiertem Umschlag nach Entwurf von Alexander Rodschenko.

Erste Ausgabe. – Enthält aus der titelgebenden Versdichtung auch die Sammlung »Pisma«. – Kirsanow, geboren in Odessa, gilt als der wichtigste Initiator der Vereinigung der Futuristen in den südlichen Sowjetrepubliken und gründete 1921 »LEF Jug« (LEF Süd). Er lernte dadurch Majakowski kennen und unternahm mit ihm Lesereisen durch die UdSSR.

18,2 : 13,0 cm. 95, [1] Seiten. – Umschlagkanten etwas bestoßen. – Titel mit Besitzvermerk.

Rowell/Wye 891

419  Nikolai Konstantinovich Kostarev. Aeropoema

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

(russisch). Wladiwostok 1924. Originalbroschur mit schwarz-roter Lithographie von Pavel Ljubarsky auf dem Vorderdeckel.

Erste Ausgabe. – Eins von 200 Exemplaren. – Sehr seltenes Beispiel für das Vordringen des Futurimus bis nach Transsibirien. – Sehr selten, laut KVK nur ein Exemplar in der Houghton Library.

25,8 : 8,7 cm. [8] Seiten. – Umschlag mit kleinen Läsuren und am Rückenfalz gerissen.

Nicht bei Rowell/Wye

420  Aleksei Eliseevich Kruchenykh. Zaumnyi yazyk u:

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 250

Seifullinoi, Vs. Ivanova, Leonova, Babelia, I. Selvinskovo, A. Veselovo i dr. Kniga 127-ia (russisch). Moskau, Vserossiiskovo soiuza poetov 1925. Mit zwei Vignetten und Vorderdeckelillustration von Valentina Kulagina-Klutsis. Farbig lithographierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 3000 Exemplaren. – Gedichtsammlung mit Zaum-Dichtungen von Kruchenykh und Texten von Isaak Babel, Lidija Seifulina, Ilia Selwinsky und anderen. – Mit einer Bibliographie der Werke Kruchenykhs.

18,5 : 13,8 cm. 59, [5] Seiten. – Beide Umschlagdeckel leicht geknickt, vorderer mit kleiner Nummer, hinterer fleckig.

Rowell/Wye 599. – Compton 156, 31

421  Osip M. Brik. Ne poputchitsa

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

(russisch: Kein Mitreisender). Moskau, Gosudarst. Isdatelstvo 1923. Illustrierte Originalbroschur nach Entwurf von Anton Lawinsky.

Erste Ausgabe. – Anton Lawinsky (1893–1968) war 1920 nach Moskau gekommen, hatte dort Majakowski und die Künstlergruppe des Instituts für Künstlerische Kultur (INChUK) kennengelernt und wurde Mitglied der Gruppe »Linke Front der Künste« (LEF). – Lawinsky schuf herausragende Fotomontageplakate (Filme, Werbung), die Umschlagillustration zu Briks Dichtung kombiniert konstruktivistische Elemente mit Fotomontage unter Verwendung der damals bevorzugten Bilddiagonale. – Hinterumschlag mit dem Logo der Zeitschrift »LEF«.

22,4 : 15,3 cm. 36 Seiten.

Rowell/Wye 472

422  [Vladimir Majakovskij]. 150.000.000.

Schätzpreis/Estimate: € 750 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 500 ( R7 )

(russisch). Moskau, Gosudarstvennoje Isdatelstvo 1921. Dunkelroter Lederband mit Blindprägung, die Originalbroschur eingebunden.

Erste Ausgabe. – Anonym erschienene Gedichtsammlung des bedeutenden russischen Avantgarde-Dichters, die im Widmungsgedicht auf die Macht der Massen Bezug nimmt. – 1920 hatte er u. a. die USA und Europa bereist. – Sehr gut erhalten, unbeschnitten eingeheftet.

19,0 : 14,0 cm. 70, [2] Seiten. – Die Deckel der Broschur etwas fleckig und vorn mit kleiner ergänzter Randfehlstelle.

Rowell/Wye 354/355

423  Vladimir Majakovskij. Groznyi smekh.

Schätzpreis/Estimate: € 700

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

(russisch: Das schreckliche Gelächter). Moskau/Leningrad, GIChL 1932. Mit 37 Bildseiten nach Rosta-Fenstern, einem Porträt und illustrierten Vorsätzen. Originalpappband mit Typographik auf dem Schutzumschlag.

Eins von 3000 Exemplaren. – Die den Rosta-Plakaten gewidmeten Texte erschienen zwei Jahre nach Majakowskis Tod. Das Buch besticht durch seine außergewöhnliche Gestaltung von Warwara Stepanova: Die Textseiten, nach den Regeln der modernen Typographie unter Verwendung verschieden starker Balken gesetzt, werden ergänzt durch die am Außenrand halbseitengroß abgebildeten legendären Plakate der russischen Telegrafen-Agentur ROSTA, die seit 1919 besonders in Zusammenarbeit mit Majakowski entstanden. Jedes zweite Textblatt blieb unillustriert und wurde in schmalem Hochformat eingebunden, so dass die Abbildungen stets unverdeckt bleiben. – Mit der berühmten Fotomontage von Boris Ignatowitsch (by Susan Compton, Russian Avant-Garde Books, ebenfalls als Vorsatz verwendet). – Warwara Stepanowa (1894–1958) war auf der Ersten Russischen Kunstausstellung in Berlin (1922) vertreten. Sie arbeitete als Textildesignerin, zählte zu den LEF-Mitarbeiterinnen und arbeite eng mit Majakowski zusammen. »Warwara Stepanowa schuf mit ihrer Gestaltung des Buches ein wegweisendes, modernes Werk« (Bowlt/Hernad).

24 : 21 cm. 79, [1] Seiten. – Schutzumschlag mit Randeinrissen und Besitzvermerk. – Hinteres Vorsatzblatt (auf der unbedruckten Seite) mit Schabstelle.

Rowell/Wye 1006. – Bowlt/Hernad 104

424  Alexander Tufanov. K Zaumi.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Fonicheskaja musika i funkzii soglasnich fonem (russisch: Über Zaum. Phonetische Musik und Funktion konsonantischer Phoneme). Petersburg 1924. Mit Vorderdeckelillustration und einer Doppeltafel von Boris Ender. Originalbroschur.

Erste Ausgabe, im Selbstverlag in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen. – Alexander Tufanow verwendete in seinen Lautgedichten kyrillische und lateinische Buchstaben, auf der Tafel am Ende des Bandes stellt Boris Ender eine Art Runenalphabet vor. – Boris Ender (1893–1960) war Schüler Bilibins, wandte sich aber bereits 1911 durch die Bekanntschaft mit Michail Matjuschin den Avantgardisten zu. Später realisierte er biomorphe Abstraktionen, die auch neurologische Untersuchungen einbezogen. – Selten.

20,5 : 14,3 cm. 48 Seiten, 1 Falttafel. – Umschlagränder gebräunt.

Rowell/Wye 533

425  Bal Banal. Programme.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Organisé par l’Union des Artistes Russes au profit de la Caisse de Secours Mutuels de l’Union. Paris 1924. Mit 16 Illustrationen. Zwei klammergeheftete Doppelblätter.

Programm zu einem der berühmten Bälle der in Paris lebenden russischen Künstler, dieser am 14. März 1924 im Salle Bullier. – Der Prospekt nennt die Mitwirkenden samt deren Beiträgen, u. a. Foujita, Pascin, Larionow, Iliazd, Babel. Ebenso würdigt man die für die Dekoration der Logen und Säulen sowie des Eingangsportals und der Bar verantwortlichen Künstler: Aleksieff, Belinsky, Brunelleschi, Kogan u. v. m. – Die Illustrationen stammen von Picasso, Brancusi, Braque, Izdebsky, Laurencin, André Lhote u. a. – Auf Velin, zwei Abbildungen auf Kunstdruckpapier und montiert.

38,0 : 29,0 cm. [8] Seiten. – Außen angestaubt und minimal fleckig. Obere Ecken mit minimalen Läsuren.

Dokumentations-Bibliothek VI, 713

426  Lajos Kassák. Tisztaság könyve

Schätzpreis/Estimate: € 900 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 600 ( R7 )

(ungarisch: Buch der Reinheit). Budapest, Horizont 1926. Mit serigraphierten Zwischentiteln, einer farbig serigraphierten Anzeige und sechs Bildtafeln. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe dieser wichtigen Sammlung von Aufsätzen und Dichtungen. – Enthält u. a. »25 uj vers« (25 neue Gedichte), nummeriert 40–65; »Prózák 1925« und »Forditások 1915–26« (Übersetzungen) sowie »A korszerü müvészet EL«. – Die Bildtafeln mit Kunstwerken Kassáks, darunter Bühnenbilder, Plastiken (u.a. das auf dem Umschlag nochmals abgebildete Relief), farbiger Reklameentwurf. – In mustergültiger Typographie gestaltet. – Der Entwurf des Umschlags war u. a. 1927 auf der Internationalen Schau zeitgemäßer Reklame in der Kunsthalle Mannheim ausgestellt.

25 : 17 cm. 115, [5] Seiten, 6 Tafeln. – Umschlag gebräunt, etwas fleckig und an den Rändern unauffällig restauriert.

Csaplar, Kassak 1999, 83

427  Abstraction, création, art non figuratif.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 2400

[Cahier 1] – 4. Paris, Éditions les tendances nouvelles 1932–1935. Mit zusammen mehr als 350 Abbildungen. Originalbroschuren.

Vier von insgesamt fünf erschienenen Ausgaben der »für die Geschichte der Abstrakten Kunst wichtigen Zeitschrift […] Mitarbeit aller bedeutenden abstrakten Künstler der Zeit. Reich illustriert mit zahlreichen bedeutenden programmatischen Texten.« (Hans Bolliger). – U. a. mit Texten und Bildern zu Albers, Arp, Brancusi, Calder, Doesburg, Domela, Kandinsky, Moholy-Nagy, Mondrian, Ben Nicholson, Schwitters, Seligmann, Taeuber-Arp und Vordemberge-Gildewart.

27,8 : 22,3 cm. 48 Seiten. – Umschläge etwas angestaubt und teils leicht, Hinterumschlag von 4 stärker fleckig. – Buchblock von Heft 1 gelockert.

Dokumentations-Bibliothek IV, 323

428  Minotaure.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Revue artistique et littéraire. Première année, No. 1 Paris, Albert Skira 1933. Mit zahlreichen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Das erste Heft der legendären französischen Kunst- und Literaturzeitschrift. Mit Beiträgen in Wort und Bild von und über Picasso, Reverdy, Eluard, Breton, Raynal, Masson, Dali u. v. a. – Den Umschlag entwarf Picasso, dem u. a. ein langer Artikel von André Breton »Picasso dans son élément« mit Abbildungen nach Brassaï gewidmet wurde. – Bis 1939 erschienen statt geplanter 30 nur 13 Ausgaben. – Mit dem Ankündigungsblatt des Verlages.

31,5 : 24,5 cm. [12], 75, [1] Seiten.

429  Labyrinthe.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

Journal mensuel des lettres et des arts. Rédacteur en chef: Albert Skira. Nos. 1[–] 23 [alles]. Genf, Oktober 1944–Dezember 1946. 22 Zeitschriften mit zahlreichen Abbildungen.

Vollständige Folge der von Albert Skira herausgegeben und verlegten Kunstzeitschrift »an der die Elite der französischen Literatur und Kunst mitarbeitete« (Hans Bolliger). – Mit Text- und Bildbeiträgen von und über Matisse, Giacometti, Chagall, Picasso, Brassai, Breton, Tzara, Malraux u. v. a. – Im März 1946 erschien kein Heft, nach dem Herbst folgte im Dezember 1946 die abschließende Doppelnummer 22/23. – Dazu: Le ciel bleu. Hedomadaire littéraire pour tous. Directrice et editeur responsable: Rose Capel. 1re année, No. 1 [–] 9 [alles]. Brüssel, Februar–April 1945. Mit einigen Illustrationen. Gefaltete Originalzeitschriften. Interessante Zeitschrift zur literarischen Moderne Europas, die aber bereits nach zwei Monaten wieder eingestellt wurde.

50 : 33 cm, hier einmal horizontal gefaltet. – Erste Seite von Heft 1 mit horizontalem Einriss. – Ränder teils leicht gebräunt und mit leichten Alterungsspuren (beide Reihen).

Dokumentations-Bibliothek III, 179

430  Surrealistische Publikationen.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 270

Herausgegeben von Edgar Jené und Max Hölzer. [Hefte 1 und 2]. Klagenfurt, Josef Haid 1950 und Paris, Editions surréalistes [1953]. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschuren.

Erste Ausgaben. – Die beiden einzigen Ausgaben »einer der ganz wenigen surrealistischen Anthologien in deutscher Sprache« (Hans Bolliger). – Mit Beiträgen der Herausgeber und von Bréton, Péret, Celan (Heft 1) und Arp, Artaud, Guttenbrunner, R. Wittkopf und Dieter Wyss (Heft 2), meist Erstdrucke bzw. erstmals in deutscher Übersetzung durch die Herausgeber sowie Erica Lilegg und Paul Celan. – Die Illustrationen stammen von Hans Arp, Victor Brauner, Dorothea Tanning, Max Ernst, Toyen u. v. a., die Umschlagillustrationen von Egdar Jené (1) und Toyen (2). – Sehr selten, zumal so gut erhalten.

21,7 : 15,3 cm. 94, [2] Seiten bzw. 25,2 : 17,2 cm. 32 Seiten.

Laakmann/Tgahrt 428. – Dokumentations-Bibliothek VI, 141 (nur II)

431  Arte fantastico.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 300 ( R7 )

Texto de Antonio Saura. Madrid, Libreria Clan, Espoz y Mina [1953]. Mit 14 Bildtafeln, davon 13 nach Fotografien von Carlos Saura. Originalbroschur.

Coleccion Artistas nuevos, Heft 12. – Eins von 300 Exemplaren, herausgegeben als Erinnerung an die Ausstellung »Arte fantastico« in der Madrider Buchhandlung »Libreria Clan«. Dort wurden Arbeiten von Miró, Picasso, Calder, des jungen Antonio Saura und anderer Künstler gezeigt. Die Fotografien der Objekte und Künstler, entstanden in Ateliers und während er Ausstellung, stammen von Carlos Saura, der damals an der staatlichen spanischen Filmhochschule studierte und, durch seinen Bruder Antonio vermittelt, bereits erste Ausstellungen hatte. – Sehr selten, kein Exemplar im Handel nachweisbar, nur drei Exemplare via WorldCat. – 2007 erfolgte ein Reprint der von T. Seral Casas herausgebenen Reihe.

19,5 : 17,0 cm. [12] Seiten, 14 Tafeln. – Titelblatt mit Exlibrisstempel.

Galfetti, Saura Bibliographie 2

432  Albert Gleizes und J. Metzinger. De Cubisme.

Schätzpreis/Estimate: € 4500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 3500

Paris, Compagnie Française des Arts Graphiques 1947. Mit elf Radierungen, davon sieben originalen und vier nach Zeichnungen, alle ganzseitig. Lose Doppelbogen in Originalumschlag, -chemise mit Rückenschild und Originalschuber.

Eins von 400 Exemplaren auf »Papier pur fil Lana« (Gesamtauflage 435 und 20 Belegexemplare). – Mit sieben blattgroßen und rückseitig unbedruckten Originalradierungen, je eine von Pablo Picasso (»L’Homme au chapeau«, Aquatinta, 1914/15, Bloch 29 und livre 46), Jean Metzinger (Kaltnadel), Marie Laurencin (Aquatinta), Albert Gleizes (Kaltnadel), Francis Picabia (Kaltnadel, 1907), Jacques Villon (»Le Cheval«, Aquatinta, 1921, Ginestet/Pouillon E 295) und Marcel Duchamp (Aquatinta) und vier weiteren nach André Derain, George Braques, Fernand Léger und Juan Gris. – Eine der grundlegenden Veröffentlichungen zur Geschichte des Kubismus. Bereits 1912 hatten die beiden Herausgeber das Werk, in welchem die Kunstrichtung erstmals als »Cubisme« bezeichnet wurde, veröffentlicht. 35 Jahre später erfolgte der vorliegende Rückblick in Form einer erweiterten Neuausgabe, originalgraphisch von den führenden Protagonisten der Kunstrichtung illustriert. 1947 wurde in Lyon eine große Retrospektive des künstlerischen Werkes von Albert Gleizes gezeigt. – Sehr schönes Exemplar des ebenso wichtigen wie gesuchten Werkes.

25,0 : 21,0 cm. 79, [9] Seiten. – Schuberkanten minimal angeplatzt. – Einzelne Ränder minimal stockfleckig.

Dokumentations-Bibliothek I, 367. – Monod 5476. – Goeppert/Cramer 46

433  Tristan Tzara. Sept manifestes dada.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

Quelques dessins de Francis Picabia. Paris, Éditions du diorama Jean Budry [1924]. Mit einem blattgroßen Tzara-Porträt und acht Textillustrationen. Schwarze Originalbroschur.

Erste Ausgabe dieser Sammlung von Tzaras Dada-Manifesten. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Madagascar Papier (Gesamtauflage 300). – Tristan Tzara, eigentlich Samuel Rosenstock (1896–1963), zählt zu den Mitbegründern von Dada Zürich. Sein »Manifeste de Monsieur Antipyrine« von 1916 gilt als die erste Publikation der Zürcher Dadaisten. Acht Jahre später fasst der seit 1919 in Paris lebende Dichter seine wichtigsten bis dahin verfassten Texte zusammen: »Manifeste de Monsieur Antipyrine«, »Manifeste Dada 1918«, »Proclamation sans prétention«, »Manifeste de Monsieur Aa l’antiphilosophe«, »Tristan Tzara«, »Monsieur Aa l’Antiphilosophe nous envoie ce manifeste«; »Dada manifeste sur l’amour faible et l’amour amer« und »Annexe«. – Unaufgeschnittenes Exemplar der sehr seltenen Vorzugsausgabe auf besserem Papier.

19,2 : 14,0 cm. 97, [7] Seiten. – Umschlag lose, ein Umschlaggelenk gebrochen. Am Rücken leicht berieben. Ohne das blaue Deckelschild.

Dada global 218. – Dokumentations-Bibliothek I, 64. – Harwood 5

434  [Marcel] Duchamp und [Vitali] Halberstadt. Opposition et Cases Conjuguées

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 400

sont réconciliées. Opposition und Schwesterfelder sind versöhnt. Opposition and Sister Squares are reconciled. Paris-Bruxelles: Éditions de L’Échiquier 1932. Mit 246 farbigen Diagrammen im Text und 8 farbigen Diagrammen auf Transparentpapier. Originalbroschur.

Originalausgabe. – Druck in Rot und Schwarz. Mit zwei Erratazetteln, davon einer in den hinteren Innendeckel montiert. – »Das berühmte und äusserst seltene Schachbuch von Marcel Duchamp. [Seit] 1923 […] widmet er sich mechanisch-optischen Experimenten und vor allem theoretischen Fragen des Schachspiels, die er in diesem Buch niederlegte. Text in französisch, deutsch und englisch. Die ganze Gestaltung des Buches verrät die Hand Duchamps.« (Hans Bolliger). – Das vorliegende Werk zu Schachkompositionen verfasste er zusammen mit Vitali Halberstadt, dem in Odessa geborenen Schachmeister, der seit den 1920er Jahren in Frankreich lebte. – Unwirklich schönes Exemplar.

28,0 : 24,3 cm. [2], 112, 112, [1] Blätter. – Untere Ecken leicht gestaucht.

Schwarz, Duchamp Works 430 und Bibliographie 25. – Van der Linde 2273. – Dokumentations-Bibliothek II, 116

435  Raoul Hausmann. Courrier Dada

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 500

suivi d’une Bio-Bibliographie de l’Auteur par Poupard-Lieussou. Paris, Le Terrain Vague 1958. Mit 15 Tafeln. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe des wichtigen Rückblicks auf die Dada-Zeit. – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung Hausmanns aus dem Jahr 1964: »I caught for Günter Fuchs a Shakespearian whisper that times whisped away ›To be or not to be DADA, that is the question?‹ The Dadasophe Raoul Hausmann«. – Hausmann schreibt u. a. über Malerei und Fotomontage, Huelsenbeck und Baader, Antidada und Merz. Die Tafeln mit eigenen Dada-Werken, Porträts von Baader, Schwitters und anderem mehr. – Auf Velin. – Inhaltsverzeichnis mit eigenhändiger(?) Korrektur. – Unbeschnitten. – Dazu: Raoul Hausmann. Kolorierter Holzschnitt. 1961. 22,0 : 15,5 cm. Signiert und datiert.

19,2 : 14,0 cm. – Rücken leicht gebräunt.

436  Girli mux ün fidel bum

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

[Schaffhausen], Edition bim 1996. Mit Holzschnitten, Materialdrucken und Typographiken. Lose in Originalkarton.

Eins von 90 Exemplaren (Gesamtauflage 100). – Herausgegeben von Fritz Sauter und von ihm auf dem Druckvermerk signiert und nummeriert. – Enthält 15 Blätter, darunter einen Holzschnitt von Hans Arp (»erscheint in dieser Form zum ersten Mal«) sowie Texte von Robert Walser (»Will eine feine Frau man sein …«), Hugo Ball, Emmy Ball-Hennings, Apollinaire, August Stramm, Paul Scheerbart, Erik Satie (»Während meiner gesamten Jugend sagte man mir: Sie werden schon sehen, wenn Sie einmal 50 sind. Ich bin 50. Ich habe NICHTS gesehen«) u. a., meist mit Holzschnitten von Fritz Sauter. – Gedruckt »auf Velin Arches-Bütten, Karton, Tapetenmuster und so«. – Ebenso selten wie originell.

54 : 32 cm (Kassette). – Kassette leicht beschädigt, Inhalt tadellos.

437  Kelmscott Press – Geoffrey Chaucer. The Works,

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

now newly imprinted. London, Basilisk Press 1974. Faksimile und Kommentarband. Mit zahlreichen Illustrationen, Bordüren und Initialen nach den Holzschnitten von Edward Burne-Jones, Kommentarband mit zahlreichen Abbildungen, darunter 85 montierte. Farbig bedruckte Originalleinenbände in Originalschuber.

Eins von 515 Exemplaren der hervorragenden Faksimileedition, im Buchdruck hergestellt und somit dem Original um Welten näher als spätere Offsetnachdrucke. – Auf Bütten mit dem Wasserzeichen der Kelmscott Ausgabe. – Der Einbandstoff wurde nach einem Entwurf William Morris’ von 1874 hergestellt. – Mit dem Kommentarband von Duncan Robinson zu den Vorzeichnungen von Edward Burne-Jones, die hier erstmals veröffentlicht wurden. – 1896 erschien der »Kelmscott Chaucer«, Höhepunkt von Morris’ Karriere als Typograph und Designer. »The ›Works of Geoffrey Chaucer‹ represents the culmination of Morris’ lifelong search for the ›Ideal Book‹; it is the kind of book that he and Burne-Jones dreamed of creating when they were undergraduates and that they attempted unsuccessfully to produce during the 1860s and 1870s: ›It should have come out when Morris and I were at Oxford in our first term‹ Burne-Jones wrote, ›and we should have lost our senses with bliss‹. Instead it came at the end of Morris’s life, when he was able to pour into this single volume all his bibliophilic passion and his unmatched skill as a designer of ornaments« (Nachwort).

43,5 : 30,0 cm. [8], 554, [2] Seiten (Faksimile), 146, [2] Seiten.

438  Bernard Sleigh – Amy Mark. The Sea King’s Daughter

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

and other poems. Decorated with designs by Bernard Sleigh. Birmingham, Napier, und London, Tylston & Edwards and Marsden 1895. Mit 39 ganzseitigen Holzschnitten, teils mit Text. Grüner Leinenband der Zeit mit goldgeprägtem Titel.

Wohl nur in kleiner Auflage auf der Presse der »Birmingham Guild of Handicraft Limited« gedruckt. – Auf »Van Gelder Zonen«-Bütten. – Bernard Sleigh (1872–1954) wurde während seiner Ausbildung bei Arthur Gaskin auch durch Edward Burne-Jones beeinflusst. Nachdem Sleigh ein Buch seines Lehrers illustriert hatte (1893), erschien als zweites Werk die Märchensammlung von Amy Mark, welche neben der Titelgeschichte auch »The Flower’s Heaven« und »Night-Winds« enthält. Die Entwürfe, teils als Bordüren und Vignetten neben dem ebenfalls in Holz geschnittenen Text gedruckt, schnitt der Künstler zusammen mit L. A. Talbot in Holz.

22,6 : 17,8 cm. [44] Seiten. – Einband minimal fleckig, Gelenk leicht angeplatzt. – Vorsatzblätter spakig. Leichte Ausfettungen der Druckfarben.

Fanelli/Godoli II, 189 (mit Abbildung)

439  Rysselberghe – Emile Verhaeren. Almanach.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Cahier de vers, ornementé par Théo van Rysselberghe. Brüssel, Dietrich 1895. Mit Holzschnitten, davon vier ganzseitig, und Holzschnittvignetten. Originalbroschur, Vorderumschlag mit Holzschnittillustration.

Eins von 250 in Blau gedruckten Exemplaren (Gesamtauflage 1050, davon 50 auf Japan, die übrigen in vier Farbvarianten auf »Papier Ingres«). – Die Gedichte Verhaerens zu den zwölf Monaten werden durch Holzschnittvignetten verziert, jede Jahreszeit mit einem blattgroßen Titelholzschnitt. Das Kalendarium mit reich ornamentierten Bordüren. – Prächtiges Beispiel für den belgischen Jugendstil, zu dessen Hauptvertretern Théodore van Rysselberghe (1862–1926) zählt.

20,8 : 19,3 cm. [48] Seiten. – Äußerste Seitenränder schmal gebräunt.

Langer S. 213

440  Eugen Sue. Works.

Schätzpreis/Estimate: € 2500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 2800

Illustrated with etchings by Mercier, Bicknell, Poiteau, and Adrian Marcel. [20 Bände]. Boston, Francis A. Niccolls 1899, 1900 und ohne Jahr. Mit 98 Radierungen. Rehbraune Ecrasélederbände mit überaus reicher Jugendstil-Vergoldung und kleinen farbigen Lederauflagen.

Vollständiges Exemplar der ersten englischen Werkausgabe. – Eins von 50 Exemplaren der »Editions des amateurs«. – Diese Luxusausgabe wurde auf feinstes Bütten gedruckt, die Titelblätter und die Frontispizradierungen auf Japan. Von jedem Frontispiz wurde ein zweiter Abzug auf Bütten gedruckt und koloriert. – Statt einer Nummerierung sind hier alle Bände mit roter Tinte als »Publisher’s copy« bezeichnet. – Inhalt: The Mysteries of Paris. – The Wandering Jew. – Arthur. – The Seven Cardinal Sins. – The Knight of Malta. – Am Textende jeder Abteilung vom Drucker (?) monogrammiert. – Eugène Sue (1804–1857) gilt als Begründer des Fortsetzungsromans. »Les mystères de Paris« waren im 19. Jahrhundert das vielleicht erfolgreichste Werk dieses Genres und Wegbereiter für ähnliche Veröffentlichungen von Alexandre Dumas, George Sand und Honoré de Balzac. – Die unsignierten Einbände außen und innen überaus reicht floral vergoldet, Innendeckel mit breiten Bordüren und blauen Ecrasélederspiegeln mit intarsiertem Wappenschild. Vorsätze mit olivgrüner Moiré-Seide bezogen. – Stehkanten und Kapitale mit vergoldeten Fileten, polierte Kopfschnittvergoldung. – Tadellos erhaltene Prachtausgabe.

23,0 : 15,5 cm.

441  Wiener Buchkunst – H[ans] C[hristian] Andersen. Die Prinzessin und der Schweinehirt.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Illustrirt von Heinrich Lefler. Wien, Gesellschaft für vervielfältigende Kunst 1897. Titelblatt, farbig lithographierter Bildtitel und 13 farbig lithographierte Tafeln. Zusammen lose in lithographiertem Originalumschlag.

Jahresgabe der Wiener Gesellschaft für vervielfältigende Kunst. – Tafeln mit farbig lithographierten Illustrationen und lithographiertem Text, nummeriert von I–XIII. – »Spielerisch korrespondiert der handgeschrieben Text mit den wechselnden Text- und Bildflächen. Der ironische Tonfall des Andersen-Märchens wird in den Darstellungen und ihrem Zierat heiter reflektiert.« (Bilderwelt, S. 351). – »Mit der bereits 1895 entstandenen Andersen-Mappe ›Die Prinzessin und der Schweinehirt‹ legt L[efler] im deutschen Sprachraum, zumal in Wien, eine der frühesten buchkünstlerischen Arbeiten der Stilbewegung um 1900 vor« (Lex. KJL II, 329f.).

39,5 : 29,5 cm. 15 Blätter. – Mappenränder lädiert. – Einige Blätter mit wenigen kleinen Stockflecken, Titelblatt stockfleckig.

Bilderwelt 463. – Langer, Jugendstil S. 154. – Vgl. Stuck-Villa II, 244

442  Wiener Buchkunst – Andersen Kalender 1911.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Zwölf Märchen, nacherzählt von Hugo Salus, illustriert von Heinrich Lefler und Joseph Urban. Wien, M. Munk [1910]. Mit zwölf ganzseitigen farbigen Illustrationen und reichem Buchschmuck in Grau und Gold. Originalbroschur in -umschlag mit farbiger Vignette.

Bereits 1897 erschien Andersens Märchen »Die Prinzessin und der Schweinehirt« »in einer völlig neuartigen Illustrationstechnik« von Heinrich Lefler für die Wiener »Gesellschaft für vervielfältigende Kunst«. »Mit seinem Schwager, dem Architekten Joseph Urban, illustrierte Lefler noch einige Märchenausgaben des Scholz-Verlages in Mainz, die als ›Lefler- und Urban-Produkte‹ bald großes Ansehen genossen« (Alfred Langer). – Die Märchen-Kalender des Munk-Verlages erschienen seit 1905, mehrfach wurden Andersen-Märchen ausgewählt. – Heinrich Lefler war seit 1902 Vorsitzender des 1899 entstandenen »Hagen-Bundes« (benannt nach dem Wirt des Caféhauses, in dem sich die Künstler regelmäßig trafen), zu dessen Mitgliedern auch Egon Schiele, Gustav Klimt, der junge Oskar Kokoschka und der Graphiker Rudolf Junk gehörten.

30,3 : 26,2 cm. [50] Seiten. – Titelblatt mit Abklatsch ehemaliger Klebestreifen.

Langer, Jugendstil Seite 154

443  Wiener Buchkunst – Andersen Kalender 1917.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Zwölf Märchen, nacherzählt von Hugo Salus, illustriert von Heinrich Lefler und Joseph Urban. Wien, M. Munk [1916]. Mit zwölf ganzseitigen farbigen Illustrationen und reichem Buchschmuck in Grau und Gold. Originalbroschur mit farbiger Deckelvignette.

30,3 : 26,2 cm. [56] Seiten. – Umschlag angestaubt. – Exlibris.

444  Wiener Buchkunst – Oesterreichische Monatsbilder.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 270 ( R7 )

XXV Compositionen von H. Lefler und J. Urban. Wien, Artaria 1900. Mit zwölf Farbtafeln. Originalbroschur.

Zwölf Farbtafeln und Monatsblätter mit breiten illustrierten Bordüren, gezeichnet von den Wiener Sezessions-Künstlern Joseph Urban und Heinrich Lefler. – Die beiden Künstler arbeiteten oft zusammen, Urban lieferte dabei stets die dekorative Umrahmung zu Leflers Illustrationen. Beide zählten zu den wichtigsten Künstlern des europäischen Jugendstils. – »Der ›Österreichische Kalender‹ 1898 entstand im Auftrag des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht. Die Originale wurden vom Unterrichtsministerium erworben und der Monatsschrift ›Kunst und Kunsthandwerk‹ des Österreichischen Museums zur monatlichen Veröffentlichung überlassen. Die 25 Farbdrucke waren als Jubiläumskalender aus Anlass des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs gedacht. Im darauffolgenden Jahr, 1899, erschienen die Illustrationen als gesonderte Broschüre. 1900 wurden sie unter dem Titel ›Österreichische Monatsbilder‹ unter Weglassung des Kalendariums erneut publiziert« (Markus Kristan, Joseph Urban. Wien, Böhlau 2000). – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Aus dem Besitz des österreichischen Schriftstellers Karl Klammer mit dessen Exlibris. Die Eintragungen geben Einblick in das Privatleben Klammers, aber auch in die Firmengeschichte des Artaria Verlag (dessen Gesellschafter Klammer war und in dem das vorliegende Buch erschien).

31,5 : 27,5 cm. [26] Seiten. – Rücken erneuert. – Exlibris. Titelblatt mit Abklatsch inzwischen entfernter Klebestreifen. Monatsblätter sämtlich mit handschriftlichen Eintragungen.

445  Wiener Buchkunst – Eugen Herbert. Unter Wildenten.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Buchschmuck von Berthold Löffler. Wien und Leipzig, Wiener Verlag 1903. Mit zwei ganzseitigen Zwischentiteln, zwei Schlussvignetten und durchgehend mit Kopfvignetten und Ornamenten, gedruckt in Grün und Schwarz. Farbig lithographierter Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Enthält neben der Titelerzählung die dramatische Szene »Am Feuer«. – Von Bertold Löffler (1874–1960), dem Czeschka- und Kolo Moser-Schüler in Wien und bald einer der wichtigsten und stilprägendsten Mitarbeiter der Wiener Werkstätte, ganz im Sinne dieser Bewegung illustriert und gestaltet. – Bertold Löffler illustrierte auch »Des Knaben Wunderhorn« in der Reihe »Gerlachs Jugendbücherei«.

19,2 : 13,5 cm. 77, [3] Seiten. – Rücken fehlt, Ränder des Hinterdeckels gebräunt. Vorderdeckel mit kleiner Nummerierung. – Innengelenke überklebt.

Fanelli/Godoli II, 24

446  C[arl] O[tto] Czeschka. Allerlei Gedanken in Vignettenform.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 270 ( R7 )

Wien und Leipzig, Martin Gerlach & Co. [1902]. Mit Titelblatt und 29 teilweise farbigen Tafeln von C. O. Czeschka, lose in Originalhalbleinenmappe mit Schließbändern.

Erste und einzige Ausgabe der ersten selbständigen Publikation Czeschkas. – Erschien als erster Teil des von Martin Gerlach herausgegebenen dreibändigen Mappenwerkes »Die Quelle«. Czeschkas »Vignetten« mit Illustrationen von Exlibris bis zu Menüentwürfen gelten neben Kolo Mosers »Flächenschmuck« als bestes Beispiel für das Grafikdesign der Wiener Secession. Die Publikationen dienten diversen Kunsthandwerkern als Vorlagenwerk. – Carl Otto Czeschka (1878–1960) gehörte zu den wichtigsten Künstlern der Wiener Werkstätte. 1907 kam er nach Hamburg und lehrte an der dortigen Staatlichen Kunstgewerbeschule Lerchenfeld.

25,5 : 29,5 cm. 30 tafeln. – Mappe berieben und fleckig. Vorderdeckel mit Bibliotheksstempeln und -schild. – Titelblatt (und vier Tafeln) ebenfalls mit Bibliotheksstempeln. Wenige Tafeln mit winzigen Randläsuren.

447  Wiener Werkstätte – Drei Drucksachen.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Wien 1905–1928.

Zwei Bogen »Einwickel«papiere mit dem »Rosensignet«, einer zweifarbig, einer in der dunklen Variante. Um 1905. Je 29 : 20 cm. Entwurf von Kolo Moser und Josef Hoffmann. Das Rosensignet war seit 1903/04 die registrierte Schutzmarke der Wiener Werkstätte. – Dagobert Peche. Die Stoffe der Wiener Werkstätte kauft man von nun an im Stoffladen 1. Maysederg. 4. Lithographie mit dem WW-Signet. Um 1915. 20,8 : 15,0 cm. – Aus der Wiener Secession hervorgegangen, entwickelte sich die Wiener Werkstätte für etwa 25 Jahre zu einer der führenden Entwurfs- und Produktionsstätten des Jugendstil und Art Déco.

Vgl. Abbildungen in Schweiger S. 40 und 80 und Angela Völker, Die Stoffe der WW, S. 156, Abbildung der Entwurfszeichnung

448  Wiener Buchkunst – Rudolf von Larisch. Beispiele künstlerischer Schrift.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Erste [bis] Fünfte Serie [alles Erschienene]. Wien, Anton Schroll und Österreichische Staatsdruckerei 1900–1926. Originalhalbleinenband, Originalbroschur und zwei Originalhalbleinenmappen.

Erstausgaben. – Mit kurzer eigenhändiger Widmung des Herausgebers auf dem Titelblatt der dritten Serie »In Verehrung Larisch. – Während die bis 1906 erschienenen ersten drei Serien zeitgenössische Beispiele künstlerischer Schrift zeigen, tragen die 1910 bzw. 1926 erschienenen Serien 4 und 5 den Titelzusatz »Beispiele künstlerischer Schrift aus vergangenen Jahrhunderten«. – Mit Schriftproben von George Auriol, Leopold Bauer, Peter Behrens, J. V. Cissarz, Walter Crane, C. O. Czeschka, Emil Doepler, Otto Eckmann, F. H. Ehmcke, Fidus (Höppener), Rudolf Geyer, Otto Hupp, Raphael Kirchner, Max Klinger, Rudolf Koch, Melchior Lechter, Ch. Mackintosh, Koloman Moser, Alphons Mucha, Joseph Olbrich, Emil Orlik, Alfred Roller, Theo v. Rysselberghe, Viktor Schufinsky, Felix Valloton, Heinrich Vogeler, Emil Rudolf Weiss, Otto Wagner u.a.

Verschiedene Formate. – Einbände etwas berieben und fleckig.

Schauer I, S. 40 (nur I und II)

449  Remigius Geyling – Ball der Stadt Wien 1909.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 200 ( R7 )

Gedenktage aus dem Jahre 1909. Eine Erinnerung. Den Damen Wiens gewidmet vom Ballkommitee der Stadt Wien. Wien [1909]. Originalecrasélederband mit reicher Deckelvergoldung und Goldschnitt (signiert: Wilhelm Melzer, Wien). In Originalkassette.

Erstausgabe dieser berühmten Ballspende mit den schönen farbigprächtig lithographierten Jugendstil-Illustrationen von Remigius Geyling aus der Geschichte Wiens im Jahre 1809. – Remigius Geyling (1878–1974) besuchte ab 1898 die Kunstgewerbeschulen in Wien und München. Er war Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbunds und von 1922 bis 1945 Ausstattungschef des Wiener Burgtheaters. Dort führte er die szenischen Wechselbilder mittels Großwechselbild-Projektion ein. Die Spannbreite seines künstlerischen Schaffens reicht vom Jugendstil über den Expressionismus bis zum Art Déco.

14,7 : 16,8 cm. 14 Kartontafeln. – Ränder der Kassette etwas berieben. – Einband minimal fleckig.

Langer, Jugendstil 158

450  Gustav Klimt – Lukian [von Samosata]. Die Hetaerengespraeche.

Schätzpreis/Estimate: € 5000

Zuschlag/Hammerprice: € 22000

Deutsch von Franz Blei. Mit funfzehn Bildern von Gustav Klimt. Leipzig, Julius Zeitler 1907. Mit 15 Heliogravüren nach Federzeichnungen. Grauer Originalsämischlederband mit einer goldenen Deckelplakette und Kopfschnittvergoldung (signiert: Wiener Werkstätte J[osef] H[offmann]). In Halbleinenkassette. – Widmungsexemplar der Übersetzers.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe, gebunden in der Wiener Werkstätte in Sämischleder, ein speziell gegerbtes Wildleder, und auf chamoisfarbenem Zanders-Bütten (Gesamtauflage 450, sämtlich nur für Subskribenten). – Gedruckt in Schwarz und Gold in der Offizin W. Drugulin, Leipzig. Klimts erotische Zeichnungen wurden als Lichtdrucke faksimiliert. Jeder der 15 Dialoge wird durch eine der prächtigen Zeichnungen eröffnet. Klimt entwarf auch die Einbandzeichnung, also die Kalligraphie der Deckelplakette. Der Einband stammt von Josef Hoffmann, dem führenden Designer der Wiener Werkstätte, auf dem Hinterdeckel sein vergoldeter Monogrammstempel. – »Immer war es das Prickelnde, was [Julius Zeitler] reizte, die Besonderheit im romantischen Sinne und nicht selten das Gewagte aus dem erotischen Bereich, wie etwa die kühne Ausgabe der Hetärengespräche des Lukian (1907) mit den überfeinert genialen Zeichnungen von Gustav Klimt« (Georg Schauer). »Das Werk ist ein treffliches Gegenstück zu der Ausgabe des ›Jardin des Supplices‹, die Rodin mit Zeichnungen schmückte« (Hayn/Gotendorf). – Auf dem Vorsatzblatt die eigenhändige Widmung von Franz Blei für »Meinen lieben Emil Preetorius in Freundschaft und Verehrung«, datiert »24. 12. 1907«. – Tadellos schönes Exemplar.

37,0 : 29,5 cm. [4], 37, [3] Seiten, 15 Tafeln.

Hayn/Gotendorf IV, 294. – Schauer I, 158. – Hofstätter S. 214. – Langer, Jugendstil 153. – Eyssen S. 177. – Abbildung von Hoffmanns Monogramm: Reschke, buntpapier als pART der WW, 2018, S. 162