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Lot 451 – 500 | Hesse-Auktionen
Lot 451 – 500

451  Fidus [eigentlich Hugo Höppener]. Reigen. Berliner Tageblatt 1909.

Schätzpreis/Estimate: € 600 ( R19 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 500 ( R19 )

Tuschfeder. Wohl 1908. 27,4 : 38,0 cm. Betitelt.

Auf gelblichem Velin. – Erste Vorzeichnung für die Winterseite eines Jahreskalenders des Berliner Tageblatts. – Unten rechts mit Bleistift betitelt »Reigen«. – Der Lübecker Konditorsohn Hugo Höppener (1868–1948) brach sein 1887 begonnenes Studium an der Münchner Akademie nach kurzer Zeit ab und verschrieb sich zunächst dem »Naturapostel« Karl Wilhelm Diefenbach, der ihm den Namen »Fidus« (der Getreue) verlieh. Die von Diefenbach verfolgten Prinzipien des Vegetarismus, der »Lichtgläubigkeit«, der Freikörperkultur und einer generell naturgemäßen Lebensweise beherrschten die Geisteswelt des jungen Fidus. Beide wurden 1888 wegen ihrer Freikörperkultur zu Kerkerhaft verurteilt. Dies war Fidus offensichtlich Anlass, sich wieder seinem Kunststudium zuzuwenden. Aktdarstellungen blieben aber ein zentrales Motiv seiner Bildwelten.

Leicht stockfleckig.

452  Fidus [eigentlich Hugo Höppener]. Reigen. Berliner Tageblatt 1909.

Schätzpreis/Estimate: € 900 ( R19 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 750 ( R19 )

Aquarell und blaue Tuschfeder. Wohl 1908. 27,4 : 38,0 cm. Betitelt.

Auf blassgrauem Velin. – Schöne detailliert ausgeführte Vorzeichnung für die Winterseite eines Jahreskalenders des Berliner Tageblatts. – Gegenüber der schwarzen Fassung (siehe die vorherige Katalognummer) nun mit schemenhaften Bäumen im Hintergrund. Die umlaufende Bordüre mit minimalen Abweichungen. – Unten rechts mit Bleistift betitelt »Reigen«, in der Zeichnung mit der Anweisung »Ausdruck nur auf Kontur!«. – Eine gedruckte Fassung konnten wir nicht nachweisen, wohl aber die Vorzeichnung zur Sommerseite mit sechs unbekleideten jungen Tänzerinnen.

453  Reinhold Geidel. Kalender.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Gouache. Wohl 1924. 44,2 : 32,7 cm. Signiert.

Originalvorlage für den Hintergrundprospekt eines Abreißkalenders, konzipiert als Werbemittel der Kunstdruckanstalt Eschebach & Schäfer in Leipzig-Stötteritz. – Reinhold Geidel (1889–1976) schuf Gemälde, Buchumschläge, Gebrauchs- und Werbegraphiken. Bekannt wurde er vor allem durch seine ornament- und formenreichen Art déco-Einbandentwürfe für die Reisewerke des Brockhaus-Verlages. – In Gelb, Blau und verschiedenen Rottönen, einige Zierstücke mit Goldbronze gehöht. Mittelfeld mit angedeutetem Kalenderblatt. – Auf festem Karton, Seidendeckblatt mit dem Atelierstempel.

454  Philippe Robert. Feuilles d’automne.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Preface de Philippe Godet. Bienne/Biel 1909. Mit 18 farbig lithographierten Tafeln sowie farbigem Buchschmuck. Originalleinenband mit farbig geprägter Vorderdeckelillustration. Im Originalkarton.

Erste Ausgabe. – Nummeriertes Exemplar einer nicht genannten Auflage. – Philippe Robert (1881–1930) stammt aus einer bedeutenden Schweizer Künstlerfamilie. Seine Arbeiten waren zunächst rein botanischen und zoologischen Darstellungen gewidmet, gewannen aber – wie auch das vorliegende Portfolio beweist – vom Jugendstil beeinflusst, zunehmend ornamentalen Charakter. – Das »ganz von ihm geplante bibliophile ›Feuilles d’Automne‹ sah als Muster für handwerkliche Motive (Keramik, Textilien, Tapeten usw.) die Steigerung von Blatt- und Blütenformen in strenge Ornamente vor« (Stiftung Sammlung Robert, www.collection-robert.ch). – Die außergewöhnliche Typographie verwendet eine von Eugène Grasset geschnittene Schrifttype, reich mit farbigen Bordüren verziert. – Die 18 leuchtend farbigen Tafeln wurden auf Kunstdruckpapier gedruckt und auf hellgraues Fabriano-Bütten montiert, auf das auch der Text von Philippe Godet gedruckt wurde. – Jede Tafel mit den Pflanzennamen in Französisch und Latein, gedruckt mit kleiner Bordüre auf einem Seidenvorblatt. – Selten und tadellos erhalten.

37,5 : 50,0 cm. 45, [3] Seiten, 18 Tafeln.

455  Georg Hulbe. Fotoalbum; Lederband mit farbigen Lederschnittverzierungen und Vergoldung.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R19 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 220 ( R19 )

Um 1900. 33,5 : 21,0 : 4,8 cm.

Hellbrauner Kalblederband, Rücken mit fünf Bünden, Vorderdeckel mit partiell bemaltem Lederschnittdekor (Fliederzweige vor stilisierten Wolken). Das Wolkenlineament vergoldet, die Blätter der Zweige erhaben modelliert – insgesamt typische Gestaltung des Hamburger Buchbinders. »Seine Werkstatt, die 200 Angestellte beschäftigte, hatte in der Zeit der Protorenaissance der 1880er und 90er Jahre internationale Bedeutung« (Thieme/Becker XVIII, 105). – Er galt als »einer der erfolgreichsten Kunstgewerbler seiner Zeit in Deutschland mit dem bleibenden Verdienst der Wiederbelebung historischer Ledertechniken. […] Hulbe revitalisiert die künstlerische Behandlung des Leders, die im 15./16. Jh. in Hochblüte stand und seit dem 18. Jh. in völlige Vergessenheit geraten war. […] Motive findet er in historischen und zeitgenössischen Bild- und Ornamentvorlagen […] die in Hulbes Atelier sämtlich stilsicher und ›ledergerecht‹ adaptiert werden« (AKL LXXV, 442). – Hinterdeckel mit dem Kogge-Prägestempel Hulbes, das Vorsatzpapier farbig und in Gold lithographiert ebenfalls mit dem Kogge-Motiv. – 14 starke Kartonblätter mit Schnittvergoldung, alle mit Kulissenpassepartouts für insgesamt 18 Fotografien im Kabinett-Format und 40 im »carte-de-visit«-Format.

Leicht fleckig und berieben. Schließen fehlen. – Einige Passepartouts mit kleinen Einrissen, einige mit Filmoplastspuren.

Vgl. Deutsche Kunst und Dekoration I, 193f

456  Einbände – Roter Ecrasélederband mit Vergoldung und blauen Intarsien.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 700

– Inhalt: Thomas Mann. Der Tod in Venedig. Novelle. Zwölfte Auflage. Berlin, S. Fischer 1913.

Der außergewöhnliche Einband stammt sicher aus dem Umfeld von Henry van de Velde während seiner Tätigkeit an der Weimarer Kunstgewerbeschule. Besonders das vergoldete Zierstück, das 42fach wiederholt die umlaufende Deckelbordüre bildet, geht auf seinen Entwurf oder seine Anregung zurück. Zwischen den Zierstücken wurden kleine blau intarsierte Herzen eingefügt. Die Mittelfelder beider Deckel mit dem vergoldeten Titel, wobei die Versalien TOD und V mit blauem Leder intarsiert und die Umrisse vergoldet wurden. – Vorsätze aus Buntpapier. – Ein Vorblatt mit längerem Textzitat »Kunst ist ein erhöhtes Leben. Sie gräbt in das Antlitz ihres Dieners die Spuren …«, datiert »9. Januar 1914«, monogrammiert »L«.

18,3 : 11,8 cm. 145, [3] Seiten. – Rücken leicht, Gelenke stärker brüchig. Rücken wohl früher neu aufgelegt und dadurch bis um die Gelenke reichend etwas verfärbt. – Vorsatzränder gebräunt, sonst innen sehr schön.

Vgl. »Zwischen van de Velde und Bauhaus«, Abb. 91 und 93 (Schülerarbeit aus der KGS Weimar bzw. Einband von Otto Dorfner)

457  Einbände – Dunkelroter Saffianlederband, signiert »W. Gerlach«,

Schätzpreis/Estimate: € 700

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

mit reicher Fileten-, Bordüren-, Rückentitel- und Schnittvergoldung. – Inhalt: J. W. Goethe. Das Tagebuch. Berlin, Officina Serpentis 1913.

Eins von 50 Exemplaren »für die Freunde der Presse hergestellt«. – Auf Old Stratford-Velin. – Nach zwei Mappenwerken und einem Buch über »Die neue Kunst in Berlin« erschien mit dem vorliegenden Versuchsdruck der erste eigentliche Pressendruck Tieffenbachs. – Die erste Initiale und das Monogramm der Presse unter dem Druckvermerk wurden in Rot gedruckt. – Der Einband Walter Gerlachs mit umlaufenden vierfachen Fileten und Bordüren auf beiden Deckeln, die breiten Innenkanten wurden mit floralen Bordüren überaus reich vergoldet. Farbiges Marmorpapier ziert Spiegel und Vorsatzblätter. – Kalligraphiertes Exlibris Franz Jaobi.

23,8 : 16,0 cm. [16] Seiten. – Kanten vereinzelt minimal berieben. – Das letzte Blatt mit dem Kolophon mit restaurierter Schabstelle.

Backe/Köppen 4

458  Einbände – Preußisch-blaue Maroquinbände mit reicher Vergoldung.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 420

– Inhalt: E. und J. de Goncourt. Gavarni. Der Mensch und das Werk. Erster [und] Zweiter Band. Berlin, Hyperion [1919]. Mit 107 Tafeln und 36 Textabbildungen.

Erste deutsche Ausgabe der reich illustrierten Monographie, deren Originalausgabe 1870 erstmals in Paris erschienen war. Die Übersetzung stammt von Stefanie Strizek, die Einleitung vom Herausgeber Max Boehn. – Gedruckt auf starkem, leider etwas holzhaltigem Papier, die Tafeln auf weißem Kunstdruck. – Die opulent vergoldeten Einbände blieben unsigniert, auf den hinteren Vorsatzblättern gestempelt »Coll. Leder«.

22,4 : 16, 0 cm. [4], 263, [1]; [4], 189, [1] Seiten, 107 Tafeln. – Rücken minimal verfärbt.

Fromm III, 11298

459  Einbände – Preußischblauer Saffianlederband von Bruno Scheer,

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

mit reicher floraler Rücken- und Bordürenvergoldung. Steh- und Innenkantenfileten sowie Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Edmond Rostand. Cyrano von Bergerac. Berlin, Wohlgemuth & Lissner 1923. Mit acht signierten blattgroßen Radierungen von Ernst Oppler.

Meistereinband von Bruno Scheer (1889–1968). Scheer war Schüler von Paul Kersten und Franz Weiße und Mitglied des Jakob Krause-Bundes wie auch des Bundes der »Meister der Einbandkunst«. Viele seiner Einbände wurden ausgezeichnet. 1962 wurde er Ehrenmitglied der Berliner Buchbinderinnung. – Eins von 300 Exemplaren auf Zanders-Bütten. Zusätzlich wurden zwölf römisch nummerierte Exemplare auf Japan gedruckt. – Gesetzt in der Winckelmann-Antiqua, gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig.

28,7 : 19,5 cm. [8], 207, [9] Seiten. – Rücken und äußere Ränder minimal verfärbt. Vorsätze und Vorsatzblätter mit Feuchtigkeitsspur, vorn etwas gelöst, hinten innere Lederkante leicht gewellt.

460  Einbände – Blauer Saffianlederband mit vergoldeten Titeln und Fileten.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

– Inhalt: Nal und Damajanti. Eine indische Geschichte [übersetzt] von Friedrich Rückert. Hamburg 1926. Mit 33 Bleischnitten von Hugo Meier-Thur im Text. In samtgefüttertem Schuber mit blauen Lederkanten.

Neuntes Buch der Hamburger Handdrucke der Werkstatt Lerchenfeld für den Buchbund Hamburg. – Eins von 150 Exemplaren, hier römisch »X« nummeriert, möglicherweise also Belegexemplar. – Auf Hadernpapier. – Die Buchgestaltung leitete Johannes Schulz, gesetzt wurde der Text aus der Hansa-Fraktur von Gentzsch & Heyse, Hamburg. – Der unsignierte Einband beeindruckt durch das kräftig genarbte Leder und die auf typographische Gestaltung reduzierte Vergoldung mit dem Titel der Episode aus dem »Mahabarata« auf Vorderdeckel und Rücken und wenigen, starken Fileten an den Deckelrändern, Steh- und Innenkanten. – Vorsatzpapiere aus Japon nacré. – Der Einband könnte in der Werkstatt der Hamburger Kunstgewerbeschule entstanden sein. Dort hatte in den Jahren 1914–1921 u. a. Ignatz Wiemeler bei Franz Weiße studiert. Auch Wiemeler wandte sich in den späten 1920er Jahren zeitweilig vom Ornamentalen ab und einer typographischen Einbandgestaltung zu. Er band u. a. den ein Jahr später erschienenen 8. Hamburger Handdruck, Rückerts »Mystische Ghaselen«. – Die Bleischnitte, die als große Kopfvignette die 30 Gesänge zieren – mit zwei zusätzlichen Vignetten im 18. Gesang und einer 33. mit der Frontansicht der Hochschule über dem Druckvermerk – stammen von Hugo Meier-Thur (1881–1943). Nach seinem Studium in Hamburg und Fronteinsatz unterrichtete er von 1919 bis 1943 an der Hochschule am Lerchenfeld. Wegen regimekritischer Äußerungen wurde er 1943 von der Gestapo verhaftet und ermordet. Den »Buchbund Hamburg« gründeten die Leiter der Werkstatt Lerchenfeld 1922.

24,5 : 17,3 cm. 259, [1] Seiten. – Rücken minimal verfärbt. – Hinteres Vorsatzblatt mit Anmerkung »Mainz 52« (Kaufvermerk?).

Deutsche Bibliophilie 1898–1930 Seite 171. – Isphording I, 380

461  René Kieffer – [Denise] Diderot. Les bijoux indiscrets.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

Avec vingt-cinq eaux-fortes coloriées de Sylvain Sauvage. Paris, Éditions René Kieffer 1923. Mit 25 kolorierten Radierungen. Schwarzer Originallederband mit reicher Narben- und ornamentaler Blindprägung, vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (signiert: René Kieffer, Paris).

Eins von 500 Exemplaren (Gesamtauflage 600). – Breitrandiger Druck auf chamoisfarbenem Velin mit dem Wasserzeichen der Edition. – Der Originalbroschurumschlag wurde eingebunden.

26,7 : 21,0 cm. 255, [5] Seiten, 25 Radierungen.

Monod 3768. – Carteret IV, 138

462  René Kieffer – Anatole France. Les Contes de Jacques Tournebroche.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Eaux-fortes coloriées de Sylvain Sauvage. Paris, Éditions René Kieffer 1924. Mit drei Folgen von 20 Radierungen. Grüner Ecrasélederband mit Deckelillustrationen in Gold- und Schwarzprägung (signiert: René Kieffer, Paris).

Eins von 30 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit den Radierungen in jeweils drei Zuständen: Umriss, mit Aquatinta und koloriert (Gesamtauflage 550). – Der Originalbroschurumschlag eingebunden. – Breitrandiger Druck in Schwarz und Blau auf chamoisfarbenem Velin. – Sylvain Sauvage (1888–1948) zählt mit seinen karikaturhaften Illustrationen, die er meist zu den großen Texten der französischen Nationalliteratur des 19. Jahrhunderts entwarf, zu den typischen Vertretern dieser Richtung der französischen Buchkunst der 1920er-1940er Jahre. – Sehr gut erhaltenes Exemplar in schönem Kieffer-Einband.

25,9 : 17,0 cm. 166, [8] Seiten, 57 Radierungen.

Monod 4876. – Carteret IV, 167

463  René Kieffer – Anatole France. Pierre Nozière.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Eaux-fortes de Vigoureux. Paris, René Kieffer 1925. Mit 20 kolorierten Radierungen. Grüner Originallederband mit goldgeprägten Illustrationen auf Rücken und Deckeln sowie Kopfschnittvergoldung (signiert: René Kieffer, Paris).

Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Breitrandiger Druck auf chamoisfarbenem Velin. – Alle Radierungen mit zartem Kolorit, alle mit Remarquen. – Der Originalbroschurumschlag wurde eingebunden. – Sehr schönes Exemplar in prächtigem Kieffer-Einband.

25,7 : 17,5 cm. 284, [4] Seiten.

Monod 4935. – Carteret IV, 169

464  Einbände – Revorim-Einband von Jean de Gonet

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

– Inhalt: Gerhard Roth. Erinnerungen an die Menschheit. Texte. Bühnenbild- und Kostümentwürfe Günter Brus. Graz, Droschl 1985. Mit 26 Farbabbildungen nach Zeichnungen und 16 nach Fotografien, teils gefaltet.

Erste Ausgabe. – Mit Aufnahmen von der Uraufführung des Stücks. – Eins von 200 Exemplaren im Gonet-Einband, auf dem Vorderdeckel mit geprägtem Hinweis auf die zweite Serie seiner Revorim-Einbände »souscription no. 2«, auf dem Innendeckel mit der von Gonet signierten Nummerierung. – Jean de Gonet (geboren 1950) zählt zu den besten zeitgenössischen französischen Einbandkünstlern. Seine »Kunstwerke« wurden seit 1982 bei vielen Ausstellungen in Frankreich und dem Ausland gezeigt. Bei den Revorim-Einbänden wird eine schwarze Kunststoffmasse mit Hilfe einer gefrästen Matrize in die gewünschte Form und Struktur gegossen. Der Rücken hier klassisch in Leder mit rotgeprägtem Titel, zwei Gurtbänder als Gelenke, Vorderdeckel mit genieteter Intarsie. – Der Originalumschlag wurde eingebunden.

21,3 : 15,0 cm. 136, [4] Seiten.

465  Guido Moriell-Einband – Oscar Wilde. Der glückliche Prinz.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

Mit Illustrationen von Rudolf Stuckert. Radolfzell 1991. Mit zehn kolorierten signierten Radierungen und 40 kolorierten Initialen. Grüner Saffianlederband mit Blindprägung, Lederintarsien und partieller Bemalung. Mit einer VHS-Videokassette in Originalleinenkassette.

Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe B, weitere 50 erschienen als Vorzugsausgabe A mit anderen Radierungen. Nur die Vorzugsausgaben enthielten zehn Originalradierungen, jedes der 100 Exemplare wurde unikat gebunden. – Im Druckvermerk von Künstler und Buchbinder signiert. – Erschienen aus Anlass des 25jährigen Bestehens der Handbuchbinderei Guido Moriell. – Gesetzt aus der Futura, die Initialen aus Hermann Zapfs Optima. – Auf handgeschöpftem Steinort-Bütten. – Das beigelegte Video dokumentiert die Buchherstellung.

31,2 : 23,7 cm. 55, [1] Seiten. – Kassettenrücken verblasst.

466  Officina Serpentis – Johann Wolfgang von Goethe. Achilleis.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit einer farbig eingemalten Initiale, entworfen von Hanns Thaddäus Hoyer. Schwarzer Ecrasélederband (Otto Dorfner, Weimar). In gefütterter Originalhalbleinenkassette.

Der zweite von fünf Goethe-Drucken der Officina Serpentis. – Eins von 50 Exemplaren mit dem handgemalten farbigen Initial. – Handpressendruck E. W. und E. H. Tieffenbach auf Bütten, gedruckt in Rot und Schwarz. – Hoyer entwarf auch den Titel, der wie das Pressensignet von Bruno Rollitz in Holz geschnitten wurde. – Der prächtige Handeinband stammt von Otto Dorfner, blieb aber unsigniert. Titel, Stehkanten, zehnfache Fileten auf den Deckeln und der Kopfschnitt wurden handvergoldet.

28,0 : 20,0 cm. 29, [3] Seiten. – Innenseite der Kassette mit wenigen schwachen Stockflecken. – Wenige Seiten und Vorsätze gering stockfleckig.

Backe/Köppen 69. – Rodenberg 114

467  Officina Serpentis – Johann Wolfgang von Goethe. Prometheus.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit drei Initialen, entworfen von Hanns Thaddäus Hoyer. Schwarzer Ecrasélederband mit reicher Vergoldung (Otto Dorfner, Weimar). In gefütterter Originalhalbleinenkassette.

Der dritte Goethe-Druck der Officina Serpentis. – Handpressendruck auf Bütten, gedruckt in Rot und Schwarz. – Hoyer entwarf auch den Titel und die drei Zwischentitel; dieser wurden wie das Pressensignet von Bruno Rollitz in Holz geschnitten. – Der prächtige Handeinband stammt von Otto Dorfner, blieb aber unsigniert. Titel, Stehkanten, zehnfache Fileten auf den Deckeln und der Kopfschnitt wurden handvergoldet. – Identische Gestaltung und naheliegende Ergänzung zu der vorherigen Katalognummer.

28,0 : 20,0 cm. 29, [3] Seiten. – Innenseite der Kassette mit wenigen schwachen Stockflecken.

Backe/Köppen 70. – Rodenberg 114

468  Einbände – Pergamentband mit vergoldeten Titeln und Durchstichheftung (signiert: O. Dorfer, Weimar).

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 380

– Inhalt: Iphigenie auf Tauris. Ein Schauspiel von Goethe. Leipzig, Rowohlt 1911.

Elfter Drugulin-Druck. – Ganz nach dem Vorbild der Doves Press – deren »Iphigenie« im Folgejahr erschien – gesetzt und in Rot und Schwarz gedruckt. – Bis 1913 erschienen 17 Drugulin-Drucke, die letzten dann schon bei Kurt Wolff. Ab 1919 folgte eine »Neue Reihe«. – Otto Dorfners sicher erst in den 1950er Jahren entstandener Einband wiederholt den in Versalien gesetzten Titel auf dem Vorderdeckel, der Rückentitel beschränkt sich auf den Verfassernamen. – Grüne Büttenvorsätze, Leinenfalze in den Gelenken. – Geheftet auf vier durchgezogene Pergamentstreifen. – Mit Schutzpapierumschlag und Schuber, von Dorfner eigenhändig beschriftet. – Tadellos erhalten.

25,8 : 17,0 cm. [6], 81, [3] Seiten.

Göbel 42. – Rodenberg 379, 11

469  Einbände – Leuchtend grüner Saffianlederband mit ornamentaler Vergoldung (signiert: O. Dorfner, Weimar).

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 900

– Inhalt: Goethe. West-östlicher Divan. Leipzig, Insel 1923. Mit einem Titelbild.

Prächtiger Handeinband mit reicher Rückenvergoldung in sieben Feldern, davon drei mit Titeln. Vorderdeckel mit vergoldeter Vignette. Kopfschnitt, Deckel- und Innenkantenfileten vergoldet. – Vorsätze und Spiegel aus schwarz-goldenem Marmorpapier. – Aus dem 15. Tausend der erstmals 1912 erschienen Neuausgabe durch Hans Gerhard Gräf. – Schön erhalten, im Pappschuber.

18,0 : 11,0 cm. 338 cm.

Sarkowski 612 A

470  Einbände – Rostroter Ecrasélederband (signiert O. Dorfner, Weimar) mit ornamentaler Vergoldung.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

– Inhalt: Eugen Roth. Ein Mensch. Unveröffentlichte Gedichte. Leipzig 1942.

Privatdruck für die Mitglieder des Graphischen Bundes, herausgegeben von der Jungmannschaft Leipziger Meisterschüler. – Auf dem Titelblatt die gedruckte rätselhafte Widmung »Unsern Bkn als Geburtstagsgruß für das Jahr 1942«. Der Graphische Bund Leipzig wurde 1899 gegründet. – Enthält 14 Gedichte von Eugen Roth, jedes beginnt »Ein Mensch …«, das erste betitelt »Für die Buchdrucker«. – Auf Japanpapier. – Reizvoller kleinformatiger Einband Dorfners: Beide Deckel mit großzügigem vergoldetem Bogenmuster; Rückentitel, Innenkantenfileten und Kopfschnitt ebenfalls vergoldet. – Mit Schutzpapierumschlag und Schuber, von Dorfner eigenhändig beschriftet. – Tadellos erhalten.

21,0 : 10,3 cm. 16 Seiten.

471  Alexander Olbricht. Ober-Weimar.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Sechs kolorierte Radierungen. Um 1920. Ca. 5 : 6 bis 8 : 11 cm. Signiert, betitelt und bezeichnet.

Auf dünnem Japanpapier. – Enthält folgende Radierungen: »Haus mit Laube«, »Am Viadukt in Weimar«, »Seifengasse in Weimar«, »OberWeimar«, »Mauerecke«, »Eingeschneites Haus No. 189a zu OberWeimar«, blattweise signiert und mit Reihen- und Einzeltitel, »Vorzugsdr.« sowie einer Exemplarnummer bezeichnet. Alle in Passepartouts und diese in dunkelgrüner Kalbledermappe. Innendeckel mit Olbrichts eigenhändigem und signiertem Hinweis »handkolorierte Vorzugsdrucke«. – Die Mappe wurde angefertigt und signiert von Otto Dorfner, Weimar. Der Rückentitel, die Deckelkantenfileten und Eckverzierungen sowie Olbrichts Monogramm auf dem Vorderdeckel wurden vergoldet. Die Innendeckel und Mappenflügel sind mit gelbem Kleisterpapier bezogen. – Alexander Olbricht (1876–1942) kam 1899 nach Weimar und studierte an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule. 1902 begegnete er Marcus Behmer, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. In den 1920er Jahren war er Professor an der Weimarer Hochschule für bildende Künste.

17,9 : 23,5 cm (Kassette). – Vier Radierungen mit kleinen, kaum merklichen Stockflecken.

472  Reiher-Verlag – Stille Musik.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

26 Original-Holzschnitte von Alexander Olbricht mit Versen deutscher Dichter. Weimar, Reiher 1922. Mit 13 ganzseitigen und 13 Holzschnitten im Text, davon fünf koloriert. Ohne Einband.

Unnummeriertes Exemplar. – Auf Bütten. – Einen Teil der Holzschnitte, die auf der Reiher-Presse gedruckt wurden, kolorierte der Künstler.

22 : 18 cm. [48] Seiten. – Eine Seite mit kleinem Einriss (1,5 cm).

473  Reiher-Verlag – Alexander Olbricht. Holzschnitte.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Acht kolorierte Holzschnitte. Ca. 5: 5 bis 13 : 13 cm. Signiert und bezeichnet.

Auf dünnem Japanpapier. – Alle Holzschnitte signiert sowie mit »orig. Handdr.« und Werknummer bezeichnet. – Fünf der Motive wurden verwendet für »Stille Musik« (26 Original-Holzschnitte mit Versen deutscher Dichter, erschienen 1922 im Reiher-Verlag). – Alle unter Passepartout. – Die Passepartouts lose in handgefertigter Halbledermappe von Otto Dorfner: Schwarzer Kalblederrücken mit vergoldetem Titel, blaue Kleisterpapierbezüge und vergoldete Schmuckkanten.

27,5 : 24,0 cm (Mappe).

474  Reiher-Verlag – Alexander Olbricht. Dreissig Radierungen.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 2800

Weimar, Reiher 1923. 30 Radierungen und eine Titelvignette, alle koloriert, 29 signiert, sowie ein gestochener Druckvermerk. Roter Originalsaffianlederband mit vergoldeten Titeln, Fileten und Stehkantenbordüren; Kopfschnitt vergoldet (signiert: O. Dorfner, Weimar). Mit Schutzpapierumschlag und Schuber.

Eins von 50 Exemplaren. – Sehr seltene Folge der meist kleinformatigen Radierungen. – Gedruckt auf verschieden farbigem Bütten und vom Künstler zart koloriert. – Alexander Olbricht (1876–1942) war zusammen mit Walther Klemm, der zu den ersten Lehrern des Weimarer Bauhauses gehörte, künstlerischer Mitarbeiter des Reiher-Verlages. Diesen hatte Otto Dorfner 1922 gegründet und leitete ihn zusammen mit seiner Frau Margarethe. – Tadellos schönes Exemplar.

12,8 : 16,5 cm. 32 Radierungen.

475  Reiher-Verlag – Honoré de Balzac. Das Mädchen mit den Goldaugen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Weimar, Reiher 1924. Mit sieben signierten Radierungen von Walther Klemm, davon eine als Titelvignette. Roter Originalhalbmaroquinband mit schwarz-goldenen Buntpapierbezügen. Rückentitel, Deckelfileten und Kopfschnitt vergoldet (Otto Dorfner, Weimar).

Eins von 100 Exemplaren der Ausgabe B (Gesamtauflage 150). – Otto Dorfner hatte 1922 den Reiher-Verlag gegründet. Künstlerische Mitarbeiter waren Alexander Olbricht und Walther Klemm. – Den Text druckte die renommierte Weimarer Druckerei Deitsch & Brückner, die Radierungen H. Wetteroth, München. – Auf feingeripptem Bütten.

25,3 : 16,9 cm. [2], 101, [3] Seiten, 6 Radierungen. – An den Kapitalen minimal berieben. – Die äußersten Ränder leicht angestaubt.

Sennewald 24, 1. – Fromm I, 1537

476  Weimarschau-Verlag – Gottfried August Bürger. Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen,

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner Freunde selbst zu erzählen pflegt. Mit vielen Holzschnitten von Walther Klemm. Weimar, Weimarschau-Verlag 1923. Mit 52 signierten und kolorierten Holzschnitten, davon fünf blattgroß. Dunkelbrauner Ecrasélederband mit reicher Steh- und Innenkanten-, sowie Rückentitel- und Kopfschnittvergoldung (signiert: Johannes Gerbers Hamburg 1923). Im samtgefütterten Schuber mit Lederkanten.

Erster Druck des Weimarschau-Verlages, in dem 1923 drei von Klemm illustrierte Bücher erschienen. – Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen, von der nur 100 nummerierte Exemplare mit signierten Holzschnitten erschienen sind. Hier eins der wenigen Exemplare mit kolorierten Holzschnitten, also eine Vorzugsausgabe der Luxusedition. – Walther Klemm (1883–1957) war bereits seit 1913 Leiter der Graphikabteilung der Weimarer Großherzoglich Sächsischen Hochschule, aus der 1919 das Bauhaus hervorging. Er zählte von Anfang an zu dessen Meistern. »Große Verdienste erwarb er sich als Illustrator von Werken der Weltliteratur. Seine Bildbeigaben zu Goethes »Reiner Fuchs« und Cervantes’ »Don Quixote« sind Meisterwerke der Buchillustrationskunst […]« (Tesch/Völkel, Kleines Lexikon Bauhaus). – Gedruckt in der dem Bauhaus nahestehenden Utopia-Druckerei. – Auf Bütten, Teile des Titels und die Kapitelüberschriften wurden in Blau gedruckt. – Gebunden in der Hamburger Meisterbuchbinderei, außen zurückhaltend, innen mit breiten vergoldeten Bordüren und Marmorpapierspiegeln und -vorsätzen prächtig. – Vom leicht aufgehellten Rücken abgesehen – tadellos erhalten.

29,6 : 23,0 cm. 95, [5] Seiten.

Wackermann 1.112 (»Sehr seltene Ausgabe«). – Sennewald 23,1

477  Weimarschau-Verlag – Miguel de Cervantes Saavedra. Leben und Taten des scharfsinnigen Junkers Don Quixote de la Mancha.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Mit vielen Original-Steinzeichnungen von Walther Klemm. Weimar, Weimarschau-Verlag 1923. Mit 52 monogrammierten Lithographien im Text, davon sechs blattgroß. Späterer Halblederband mit Rückenschild.

Zweiter Druck des Weimarschau-Verlages. – Wohl neben der Auflage von nur 100 nummerierten Exemplaren gedruckt, vom Künstler im Druckvermerk signiert und mit »wurde als Sonderdruck hergestellt« bezeichnet. – Gedruckt in der dem Bauhaus nahestehenden Utopia-Druckerei. – Auf Bütten. – Die Lithographien mit Tonplatte gedruckt und alle monogrammiert. – Alle blattgroßen Lithographien mit dem Sammlerstempel von Heinrich Stinnes (Lugt 4437), zwei mit Bleistiftanmerkungen des Künstlers »Sonderdruck vor der Auflage«, zwei mit »1/100 Bütten«.

29,5 : 23,5 cm. [3]-286, [4] Seiten. – Es fehlt wohl das Vortitelblatt. Das erste und letzte Blatt minimal geknickt.

Sennewald 23,2

478  Walther Klemm – Gustave Flaubert. Die Sage von St. Julian dem Gastfreien.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Holzschnitte von Walther Klemm. Weimar, Martin Biewald [1923]. Mit acht kolorierten und signierten blattgroßen Holzschnitten. Originalhalbpergamentband mit kolorierter Holzschnitt-Deckelvignette.

Eins von 150 Exemplaren (Gesamtauflage 165). – Auf blütenweißem Japanbütten »Zonen Van Geldern« und wie die Vorzugsexemplare koloriert und signiert. – Die Einbände der 15 Vorzugsexemplare fertigte Anny Wottitz, es kann vermutet werden, dass die 150 Halbpergamentbände in der Werkstatt Dorfner entstanden. – Der Weimarer Verleger Martin Biewald übernahm auch die Auslieferung für Publikationen des Utopia-Verlags. – Die Übersetzung von Bruno Maria Adler war bereits die sechste deutsche Fassung. Der Text wurde in diesen Jahren auch von Max Kaus und Max Unold illustriert.

24,3 : 17,0 cm. [70!] Seiten.

Rodenberg 166, Anm. 8. – Sennewald 23, 4. – Katalog Lindenau-Museum 1990–1997 (datiert 1928). – Fromm III, 9317

479  Walther Klemm. Das Tierbuch.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

60 Lithos. [München um 1940?]. Mit 60 Lithographien. Originalhalbleinenband mit Deckelillustration.

Eins von 50 mit der Hand noch vor der öffentlichen Ausgabe abgezogenen Exemplaren. – Mit eigenhändigem und signierten Druckvermerk von Walther Klemm und seiner eigenhändigen Widmung »zur freundlichen Erinnerung« für die Schweizer Künstlerin Elly Bernet-Studer auf dem Vorsatzblattt. – Die Deckelillustration der Ausgabe von 1943 (München, Einhorn) ist abweichend, die hier vorliegende Version diente dort als Titelillustration. Bereits 1929 erschien eine Ausgabe mit 150 Illustrationen in anderem Format. – Sehr selten.

27,0 : 39,0 cm. 60 Blätter. – Leinenrücken mit kleinen Stockflecken, unteres Kapital leicht bestoßen. – Vorsatzblätter mit Spuren von entfernten Klebestreifen. Drei Tafeln mit restaurierten Einrissen, eine mit Knick. Ränder papierbedingt etwas gebräunt, vereinzelt mit winzigen Randläsuren.

Sennewald 43,6 (ungenau und irreführend)

480  Bremer Presse – [Johann Wolfgang von] Goethe. Faust.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1100

Nach der Abschrift der Luise von Goechhausen (Urfaust) mit Übertragung in Goethes Schreibweise. Bad Tölz 1920. Originalpergamentband. Rückentitel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Bremer Binderei F. TH.).

Eins von 270 Exemplaren. – Auf Zanders-Bütten. – Herausgegeben von Max Hecker. – Titel und Initialen von Anna Simons. – Nicht von ungefähr verweist Julius Rodenberg hier auf die Faust-Drucke von Cobden-Sandersons Doves Press: Auch beim Druck der Bremer Presse übernahm man z.B. die in Hammersmith übliche Bogensignatur „a“ auf der ansonsten leeren und unpaginierten ersten Seite.

27,4 : 18,0 cm. [6], 110, [8] Seiten.

Lehnacker 7. – Rodenberg 57, 7

481  Bremer Presse – Biblia.

Schätzpreis/Estimate: € 2500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Das ist: Die Gantze Heilige Schrifft – Deudsch. D. Martin Luther. Erster [bis] Fünfter Band. München 1926–1928. Handgebundene terrakottafarbene Lederbände mit Filetenvergoldung der Rückenfelder und Deckelkanten und je zwei braun-goldenen Rückenschildern.

Eins von 365 nummerierten Exemplaren. – Auf unbeschnittenem Zanders-Bütten. – Gesetzt aus der für diese Bibel-Ausgabe geschnittenen »Deutschen Schrift«, der danach sogenannten »Bibel-Type«, die wie alle Druckschriften der Presse 1944 bei einer Bombardierung Münchens vernichtet wurde. – Die Titel und alle Initialen zeichnete Anna Simons. – Dieses umfangreichste Werk der Bremer Presse erschien anlässlich der 400 Jahre zuvor abgeschlossenen Luther-Übersetzung. Die Textdurchsicht auf Grundlage der Luther-Ausgaben von 1545 und 1546 übernahm der Münchner Germanist Carl von Kraus, der bereits andere Ausgaben der Bremer Presse betreut hatte. – Gliederung: Die fünf Bücher Mose; Die historischen Bücher des Alten Testaments; Die prophetischen Bücher und die Apokryphen; Die Propheten; Das Neue Testament. – Tadellos erhaltenes Exemplar dieser typographischen Großtat in schönen Handeinbänden im Stil der Bremer Binderei.

36,2 : 26,2 cm. Zusammen etwa 2200 Seiten.

Lehnacker 22–26. – Rodenberg 485, 22. – Schauer II, 69 (mit Abbildungen)

482  Bremer Presse – Corona.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 460

Erstes Jahr. Erstes [bis] Sechstes Heft. München-Zürich, Bremer Presse 1930/1931. Sechs Originalbroschuren in Büttenumschlägen mit goldgeprägten Titeln.

Eins von 125 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Zanders-Bütten. – Im ersten Heft der erste Vorabdruck von Thomas Manns »Jaakobsgeschichten.« – Titel und Initialen wurden von Anna Simons gezeichnet. – Mit Beiträgen von Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke Rudolf Alexander Schröder, Rudolf Borchardt, Lafcadio Hearn, Thomas Hardy, Hermann Hesse, Thornton Wilder, Paul Valéry, Selma Lagerlöf, Hans Carossa u.v.a. – Als 1927 die »Neuen Deutschen Beiträge« von Hugo von Hofmannsthal ihr Erscheinen einstellen mussten, plante Martin Bodmer als Nachfolge die Zeitschrift »Corona«. Durch den Tod Hofmannsthals zerschlug sich der Plan zunächst, erst 1930 erschien nun die neue Zeitschrift, deren Anspruch es war, die geistige Krise Europas zu analysieren und eine hohe literarische Kultur in dunkler Zeit zu bewahren, im Verlag der Bremer Presse. – Sehr schöne Exemplare.

28,5 : 19,5 cm. – Einige Ränder schwach gebräunt.

Lehnacker 84. – Dietzel/Hügel 575. – Potempa D 4.11

483  Büchergilde Gutenberg – Moritz Hartmann. Der Krieg um den Wald.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Eine Historie. Leipzig, Büchergilde Gutenberg 1925. Mit einem blattgroßen Titelholzschnitt und Buchschmuck von Curt Reibetanz. Grüner (Original?)-Maroquinband mit Vergoldung.

Das vierte Buch der Büchergilde, der Roman mit historisch interessanten Berichten von den Reisen des Autors (1821–1872) erschien erstmals 1850. – Neben dem Frontispiz steuerte Reibetanz große, in Blau gedruckte Initialen sowie Holzschnitt-Vignetten und -Bordüren bei. – Beide Deckel mit Fileten-Rhomben-Muster mit Fleurons, wie der Rückentitel und die Innenkantenfileten goldgeprägt. Eventuell stammt der Einband aus der Binderei Gustav Fritzsche, Leipzig, was auf eine Vorzugsausgabe der Büchergilde hinweisen würde. – Mit einem eigenhändigen Brief von Elisabeth Schröder an einen Herrn Braunsdorf, einen langjährigen Mitarbeiter der Büchergilde. Die Schwiegereltern von Elisabeth Schröder waren beide für die Büchergilde tätig. Sie übersendet ihm das Buch aus der Bibliothek ihres Schwiegervaters, der sich »über Ihre Arbeit für die Büchergilde immer gefreut hat«.

22,5 : 17,0 cm. 192, [4] Seiten. – Rücken stark verfärbt, sonst tadellos.

Sieh www.spd.berlin/partei/unsere-geschichte/personen/l-z/schroeder-elisabeth/

484  Chrysos-Druck – E. T. A. Hoffmann. Ignaz Denner.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 230

Mit 12 handkolorierten Originallithographien von Walter Wellenstein. Berlin, Carl P. Chryselius 1923. Mit zwölf signierten handkolorierten Lithographien, eine davon als Textillustration. Originalhalbpergamentband mit Rücken- und Kopfschnittvergoldung.

Erster Chrysos-Druck. – Eins von 200 Exemplaren. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Druck der Lithographien auf der Handpresse des Staatlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin. – Text auf Bütten in der Manuskript-Gotisch. – Walter Wellenstein (1898–1970) studierte an der Kunsthochschule Berlin bei Emil Orlik und der Berliner Akademie. Er veröffentlichte Zeichnungen u. a. im »Simplicissimus« und »Eulenspiegel«, illustrierte das Gesamtwerk von E. T. A. Hoffmann, russische Literatur und Kinderbücher. – Bis auf wenige kleine Stockflecken auf den Vorsätzen tadellos schönes Exemplar.

30,4 : 24,8 cm. 44, [4] Seiten, 11 Lithographien.

Sennewald 23,1

485  Harry Graf Kessler – Georges Lemmen. Werbeprospekt zu Kesslers »Notizen über Mexico«

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 190

Strichätzung in Rot und Schwarz. 1898. 16,1 :11.3 cm. Im Druck monogrammiert.

Sehr seltener Verlagsprospekt für Kesslers Erstlingswerk, das 1898 bei dem Verleger der Zeitschrift »Pan«, F. Fontane in Berlin, erschien. Den Buchschmuck entwarfen Georges Lemmen und J. Burn, Einband und Titel zeichnete George Lemmen. Der belgische Künstler (1865–1916) wurde kurz darauf einer der ersten künstlerischen Mitarbeiter des Insel-Verlages. – Auf Bütten. – Rückseitig Werbetext der Kunstanstalt Albert Fritsch, Berlin.

Brinks, Kessler 2015, S. 12 mit Abbildung

486  Harry Graf Kessler. Kunst und Religion.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 350

I: Die Kunst und die religioese Masse. [Berlin 1899?]. Originalbroschur.

Erste Einzelausgabe. – Sonderabdruck aus der Zeitschrift »Pan« (Heft V, 3), Neusatz in deutlich kleinerem Format. – Gedruckt bei W. Drugulin, Leipzig, auf festem Bütten. – »Kesslers 1897 begonnener Vergleich der Phänomene ›Kunst‹ und ›Religion‹ erscheint […] mit einem Plädoyer für die Kunst als (neue) Religion bzw. Religionsersatz, was ihm v. a. das Lob seines gleichgesinnten Freundes Bodenhausen einbringt, der ihm daraufhin rät, seine immer noch angestrebte Karriere als Diplomat aufzugeben, und ›ganz hinein in die Kunst‹ zu springen, da diese ein ›großer, bestimmender Kulturfaktor‹ sei« (zitiert nach Katalog Burgk). – Kessler unterstützte die Zeitschrift finanziell, konnte sich aber nie zu einem leitenden Engagement entschließen. Auf der auf sein Betreiben hin einberufenen General-Versammlung am 4. November 1899 versuchte er erfolglos eine Fusion mit der neuen Zeitschrift »Die Insel« zu erwirken – im Sommer 1900 erschien das letzte Pan-Heft.

23,5 : 16,5 cm. 47, [1] Seiten. – Umschlag mit kleinen Randläsuren. Rücken oben an den Gelenken eingerissen.

Vgl. Kat. 100 Jahre Cranach Presse (Weimar 2013), S. 32, und Kat. Museum Schloß Burgk 1999, S. 15

487  Cranach-Presse – Aristide Maillol. Tityre [pour Première églogue de Virgile].

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Holzschnitt. 1913/14. 9,0 : 10,3 cm.

Probedruck, wohl sechste und nahezu endgültige Fassung. – Auf Maillol-Kessler-Bütten mit Wasserzeichen. – Fassung vor dem Text, mit kleiner eigenhändiger Anmerkung Kesslers. – Bereits 1913/14 begannen die Vorarbeiten zum ersten großen Druck der Cranach-Presse, Vergils »Eclogen«. Erst 1926 waren die Arbeiten an Holzschnitten, Typographie und Papier, verzögert durch Krieg, Krankheit und finanzielle Schwierigkeiten, abgeschlossen.

Guérin 18

488  Cranach Presse – Maurice Maeterlinck. La puissance des morts.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 4400

Weimar 1916. Gefalteter Bogen.

Exemplar 3 von 50. – Auf Van Gelder-Bütten. – Im Auftrag von Henry van de Velde von der Cranach Presse angefertigter Kriegsdruck, der als Manuskript gedruckt wurde und nicht in den Handel gelangte. – Henry van de Velde, der auch die typographische Gestaltung übernahm, ließ hier – während des Ersten Weltkriegs – mit Maeterlinck einen der wichtigsten belgischen Schriftsteller zu Wort kommen, zwei Jahre nachdem deutsche Truppen die Universitätsbibliothek Löwen in Belgien niedergebrannt hatten. – Aufgrund der kleinen Auflage und des ephemeren Charakters sehr selten. Selbst Renate Müller-Krumbach konnte kein Exemplar nachweisen, ihre Beschreibung beruht auf den Angaben in Kesslers Titelverzeichnis.

21,8 : 13,5 cm. [2], 5, [1] Seiten. – Vereinzelt wenige, letze Seite mit einigen Stockflecken.

Müller-Krumbach 24. – Brinks, Cranach Presse 40. – Brinks, van de Velde 132. – Weber 74

489  Cranach-Presse – Harry Graf Kessler. Krieg und Zusammenbruch aus Feldpostbriefen 1914–18.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 5500

Weimar 1921. Originalbroschur, Vorderumschlag mit Lithographie von Georg Mathéy.

Privatdruck der Cranach-Presse, Weimar. – Eins von 30 nummerierten Vorzugsexemplaren auf Bütten, ohne Namen des Empfängers (Gesamtauflage 130). – Handpressendruck unter Leitung von Harry Graf Kessler, der mit diesem Buch nach den Kriegsdrucken wieder die Verantwortung für eine Publikation der Presse übernahm. – Die Umschlagillustration ist die erste Arbeit von Georg Mathéy für die Cranach-Presse. – »Dieser Druck ist vertraulich. Es wird gebeten, ihn nicht zu verleihen oder aus der Hand zu geben« (Druckvermerk). Enthalten sind 24 Briefe von Kessler an Gustav Richter, Hugo von Hofmannsthal und seinen Freund Eberhard von Bodenhausen. Der letzte Brief vom 12. November 1918 an Fritz von Schöler in Bern endet: »Sollten die Waffenstillstandsbedingungen nicht gemildert werden, so wird die Katastrophe nicht zu vermeiden sein und der Bolschewismus Europa verschlingen«. Kesslers Befürchtung bewahrheitete sich nicht, die Verführung des Deutschen Volkes durch Adolf Hitler unter Berufung auf den Versailler »Schandfrieden« führte dennoch in die Katastrophe des 20. Jahrhunderts. – Eines der seltensten Bücher der Cranach Presse, hier unbeschnitten und in der Originalbroschur.

25,4 : 16,8 cm. [4], 134, [2] Seiten.

Müller-Krumbach 33. – Brinks 53. – 100 Jahre Cranach-Presse, Weimar 2013, 32. – Schauer II, 75

490  Cranach-Presse – Rainer Maria Rilke. Duineser Elegien.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 7500

Elegies from the Castle of Duino. Translated from the German of Rainer Maria Rilke by V. Sackville-West and Edward Sackville-West. London, Hogarth Press & Leipzig, Insel 1931. Mit 20 Holzschnitt-Initialen von Eric Gill. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt.

Erste Ausgabe der englisch-deutschen Parallelausgabe. – Eins von 230 nummerierten Exemplaren auf handgeschöpftem Maillol-Kessler-Bütten (Gesamtauflage 238). – Im Druckvermerk von den Übersetzern Victoria Mary Sackville-West und ihrem Vater Edward signiert. – Satz aus der Johnston-Kursiv und Jenson-Antiqua in teils verwegener Kombination, gedruckt auf der Cranach Presse, einige Zeilen in Rot. – Rilke schrieb die meisten der zehn Elegien auf Schloss Duino, wo er sich mehrfach länger aufhielt. Die Schlossherrin Teresa Thurn-Hofer Valsassina und ihre Tochter Maria von Thurn und Taxis eröffneten Ende des 19. Jahrhunderts einen Salon der internationalen Kunst, Literatur, Kultur und Politik. Franz Liszt, Johann Strauss, Gabriele d`Anunzio, Victor Hugo, Franz Joseph und Sisi und Erzherzog Franz Ferdinand zählten zu den Gästen, Maria von Thurn und Taxis war lange Jahre mit Rilke befreundet. Beendet wurden die Elegien im Februar 1922, 1923 erschien die deutsche Ausgabe.

25,3 : 16,3 cm. [2], 132, [2] Seiten. – Rücken mit einigen winzigen Braunflecken. Obere Ecken minimal bestoßen. – Die unbeschnittenen Ränder minimal stockfleckig, ein Blatt mit kleinem Braunfleck am Seitenrand.

Müller-Krumbach 54. – Brinks 87. – Schauer II, 75 (Abbildung). – Sarkowski 1338a. – Gill 347. – Mises 601

491  Cranach-Presse – Pierre de Margerie. Allocution prononcée à l’ouverture de l’exposition »Le Salon des Bibliophiles« à Berlin le XIII. Octobre MCMXXIX.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Éloge de la typographie prononcé. Paris, Edition de Cluny 1931. Mit einer großen Initiale von Eric Gill, figürlich ornamentiert von Aristide Maillol, in Rot gedruckt und vergoldet. Originalinterimspappband.

Erste Ausgabe, erster Druck. – Auf Monval-Bütten mit Wasserzeichen »MK«. – Sechs einseitig bedruckte Doppelblätter, somit Schön- und Wiederdruck getrennt, aber in korrekter Seitenfolge geheftet. Nach der unpaginierten Seite 14 mit dem Druckvermerk ist ein weiteres Doppelblatt eingeheftet: Linke Seite mit dem Titel, rechts die Seite 4 mit der Initiale »C«, diese wie bei den Pergament- und einigen Büttenexemplaren handvergoldet und von Max Goertz mit Lapislazuli gehöht. Bei dem Doppelblatt handelt es sich eventuell um einen Probedruck oder ein Werbeblatt auf Auflagenpapier. – Eins der im Januar 1931 gedruckten Exemplare mit Angabe der geplanten Auflagen von 170 Bütten- und 15 Pergamentexemplaren. Im Februar, noch während des Fortdrucks, korrigierte Kessler wohl angesichts geringerer Nachfrage Auflage und Druckvermerk auf 115 Bütten- und 14 Pergamentexemplare. – Die Rede des französischen Botschafters in Berlin anlässlich der Eröffnung einer von der Deutsch-Französischen Gesellschaft ausgerichteten Ausstellung wurde auf der Cranach Presse in Weimar gedruckt. Harry Graf Kessler stand Roland de Margerie, dem Sohn des Botschafters, nahe. Als französischer Gesandtschaftssekretär in Berlin warnte dieser im März 1933 Kessler, er solle von seiner Parisreise nicht nach Deutschland zurückkehren.

29,3 : 18,3 cm. Blätter [3]–12, 2 ungezählte Blätter, 1 Doppelblatt. – Das letzte Doppelblatt mit leichtem Bräunungsabklatsch einer entfernten Beilage.

Brinks 84. – Müller-Krumbach 53. – Schauer II, 75. – Guerin 63.I. – Gill 347a

492  Cranach Presse – The Song of Songs

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 360

in Latin with eleven wood-engravings and eighteen initials designed and cut by Eric Gill. Weimar, Cranach Presse 1931. Gefalzter Doppelbogen.

Englischer Prospekt zum »Canticum Canticorum Salomonis«. – Auf Bütten. – Satz, Druck und Schrift wie in der Buchausgabe. – Das Doppelblatt mit dem Titel in Rot und Schwarz, innen die Seiten 26 und 27 mit einem ganzseitigen Holzschnitt und zwei Holzschnitt-Initialen, auf der Rückseite die Angaben zu den drei Ausgaben (Bütten, Japan, Pergament) mit Preisen und Verlegeranschrift. Die dort angekündigte Extrasuite der Holzschnitte für die Pergamentexemplare wurde ebenso wenig realisiert wie eine hier suggerierte englische Ausgabe. – Der vorliegende Bogen besteht aus zwei identischen noch nicht getrennten Exemplaren des Prospekts und umfasst insgesamt acht Seiten. – Dazu: Le Cantique des Cantiques de Salomon. Texte d’apres la traduction française de Lemaistre de Saci. Weimar 1931. – Das erste von zwei Blättern des französischen Prospekts, der Holzschnitt abweichend von dem im englischen Prospekt.

26 : 13 cm.

Brinks 90 und 92. – Nicht bei Müller-Krumbach

493  Harry Graf Kessler. Aristide Maillol.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Sculptures – Peintures – Dessins – Gravures sur Bois – Livres. Bruxelles, Galerie Georges Giroux 1929. Mit 20 Abbildungen. Originalbroschur.

Erste französische Ausgabe. – In dem Katalog anlässlich der Ausstellung vom 23. Februar bis 6. März 1929 in der Galerie Georges Giroux, Brüssel. Gezeigt wurden 21 Skulpturen, ein Gemälde, 31 Zeichnungen, 33 Holzschnitte und der »Vergil« der Cranach-Presse, vieles aus der Sammlung Kesslers. – Im Dezember 1928 zeigte die Düsseldorfer Galerie Flechtheim eine große Werkschau Maillols, der damalige Text hier in französischer Fassung.

23,0 : 19,0 cm. 30, [2] Seiten. – Umschlag am Rückenfalz eingerissen, etwas gebräunt.

494  Aristide Maillol – Longus. Les Pastorales ou Daphnis et Chloé.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 750

Version d’Aymot revue et complétée par P.-L. Courier. Bois originaux d’Aristide Maillol. Paris, Philipp Gonin 1937. Mit 48 Textholzschnitten und sieben Holzschnitt-Initialen, zwei Suiten der Holzschnitte. Pergamentband und Halbpergamentchemise mit kalligraphierten Titeln, zusammen in Schuber. Originalumschläge eingebunden bzw. eingelegt.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Römisch nummeriertes Exemplar »hors commerce«, die für den Handel bestimmte Auflage betrug 500 Exemplare. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Bütten mit Maillols Wasserzeichen. – Mit einer in Rot auf Bütten gedruckten Suite aller 46 Holzschnitte – zwei Vignetten im Buch wurden dort wiederholt verwendet – und 15 ornamentierten Initialen auf einem Blatt sowie einer Folge von 31 in Schwarz gedruckten, darunter einige Zustandsdrucke vor Entfernung der flächigen Bereiche der Holzstöcke. – »Small in scale, it is perhaps the most harmonious of Maillol’s illustrated books« (Garvey). – Kaum eine Holzschnittfolge Maillols ist anmutiger als die zu der Erzählung von der unschuldigen Liebe der Hirtenkinder Daphnis und Chloe. »Sensual, sometimes erotic but in the best sense of both terms Maillol […] is a perfect illustrator of ancient and modern classics […] the predominant feeling that emanates from the wood engravings is one of tenderness« (W. J. Strachan). – Schönes Exemplar mit Suite und Beigaben, die Einbände von schlichter Eleganz.

22,0 : 14,0 cm. [12], 217, [15] Seiten, 116 Holzschnitte.

Carteret IV, 243. – Rauch 141. – Garvey 174. – Vgl. Guérin 76–127

495  Aristide Maillol – Quintus Horatius Flaccus. Carmina. Odes I [et] II.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Texte latin et traduction en vers par le Baron Delort. Gravures sur bois d’Aristide Maillol. Paris, Philippe Gonin 1939–1958. Mit 118 Textholzschnitten. Halblederbände mit Furnierapplikationen, Rückentitel, Deckelfileten und Kopfschnitt vergoldet (signiert: A. Lobstein). Die Originalumschläge wurden eingebunden.

Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe, jedoch ohne die Suiten (Gesamtauflage 450). – Auf Maillol-Bütten. – Druckvermerke vom Verleger paraphiert. – Ursprünglich plante Harry Graf Kessler eine Ausgabe des Horaz. Bereits 1930 beauftragte er Maillol mit den Illustrationen, es existieren Probedrucke dieses Vorhabens, die Cranach-Presse wurde aber 1931 geschlossen und das Projekt ad acta gelegt. Die Horaz-Holzschnitte von Maillol entstanden bereits 1939, der Textsatz und Druck des Gesamtwerkes erfolgte aber erst 1958. Gonin hatte zeitgleich (1937–1943) auch die von der Cranach-Presse nur bis zu Probedrucken gelangten »Georgica«, den zweiten Teil des Vergil, herausgebracht. – Sehr gut erhalten und elegant gebunden von Alain Lobstein, Paris.

21 : 14 cm. [8], 179, [5] Seiten; [4], 278, [2] Seiten. – Lederexlibris Francis Kettaneh.

Monod 6091

496  Ernst Ludwig Presse – [Johann Wolfgang von] Goethe. Hermann und Dorothea.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 2800

Leipzig, Insel 1908. Mit illustriertem Titel und neun ornamentierten un kolorierten Initialen von Friedrich Wilhelm Kleukens. Cremefarbener Originalkalblederband; Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet. Mit Schutzpapierumschlag in roter Originalseidenkassette mit goldgeprägter Deckelvignette.

Zweites Buch der Ernst Ludwig Presse. – Eins von 180 Exemplaren auf Bütten, aber wie bei den 20 Vorzugsexemplaren hier die blattvergoldeten Initialen mit grün koloriertem Ornamentschmuck und wie die Vorzugsausgabe in helles Kalbleder gebunden und in der roten Originalseidenkassette. Einband und Kassette mit der Titelvignette in Gold, der Einband hier ohne Rückentitel. – Das Titelblatt, eines der berühmtesten der deutschen Buchkultur des 20. Jahrhunderts, wurde in Schwarz gedruckt und blattvergoldet. – Gesetzt aus der Cicero Römische Antiqua. – Mit Dedikationsblatt der Düsseldorfer Buchbinderei Karl Hanke für Prälat Johannes Braun (1879-1958), der seit 1909 im Dienst des Borromäusvereins Bonn stand. – Insgesamt sehr gut erhaltenes Exemplar in einer wahrscheinlich unikaten Variante.

28,2 : 19,3 cm. [4], 57, [3] Seiten. – Die Seidenkassette am Vordergelenk leicht angeplatzt. – Vorderes Innengelenk leicht angeplatzt. Vorsätze leicht, das Folgeblatt minimal stockfleckig. Wie fast immer mit schwachem Abklatsch der Titelillustration auf die angrenzenden Seiten.

Stürz 2. – Sarkowski 587. – Rodenberg 74. – Schauer II, 63. – Kleukens-Archiv ELP 3 u. I, Seite 96 (Notiz von Kleukens zur Handkolorierung der Initialen)

497  Ernst Ludwig Presse – Die Psalmen.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Leipzig, Insel 1911. Mit zahlreichen Initialen von Friedrich Wilhelm Kleukens. Originalpergamentband mit reicher Deckelvergoldung und Kopfgoldschnitt. Im neuen Schuber.

15. Buch der Ernst Ludwig-Presse. – Eins von 440 Exemplaren auf Van Gelder-Bütten (Gesamtauflage 500). – Gesetzt aus der Cicero Kleukens-Antiqua. – Die Titel und die 150 Initialen zeichnete Friedrich Wilhelm Kleukens, der auch den Einband entwarf. Die von ihm vorgeschlagene Titelzeichnung wurde von Anton Kippenberg abgelehnt, der damit zum ersten Mal in die Buchgestaltung der Presse eingegriffen hatte. – Breitrandiger eleganter Druck.

33,0 : 23,0 cm. 119, [1] Seiten. – Kanten leicht berieben. – Exlibris, gegenüberliegende Seite mit Abklatsch. Vorsätze mit wenigen winzigen Stockflecken.

Stürz 15. – Sarkowski 1270. – Rodenberg 75. – Schauer II, 65

498  Ernst Ludwig Presse – [Johann Wolfgang von] Goethe. Gott und Welt.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 280

Darmstadt 1913. Schwarzer Originalkalblederband mit goldgeprägtem Deckeltitel und Kopfgoldschnitt.

21. Buch der Ernst Ludwig-Presse. – Eins von 30 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan (Gesamtauflage 100). – Gesetzt aus der Korpus Helga Antiqua.

23,4 : 16,3 cm. 58, [2] Seiten. – Stehkanten minimal berieben. – Innen makellos.

Stürz 21. – Sarkowski 586. – Rodenberg 76, 21

499  Ernst Ludwig Presse – Georg Trakl. Der Herbst des Einsamen.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

München, Kurt Wolff 1920. Blaugrüner Originalecrasélederband mit Marmorpapiervorsätzen, reicher Deckelvergoldung, goldgeprägtem Rückentitel und Goldschnitt.

Stundenbücher des Kurt Wolff Verlages, Band 1. – Eins von 350 Exemplaren. – Gesetzt aus der Petit Kleukens-Antiqua, Handpressendruck von C. H. Kleukens auf Bütten, die Einbände der Reihe entwarf Emil Preetorius. – 1919 gründete Christian Heinrich Kleukens zusammen mit Rudolf G. Binding die »Kleukens-Presse« in Nieder-Ramstadt bei Darmstadt und übernahm bald darauf auch wieder die Leitung der Ernst Ludwig Presse, die der Verleger Kurt Wolff vorübergehend gepachtet hatte. Für ihn wurden innerhalb von drei Jahren die zehn »Stundenbücher« gedruckt. Es finden sich Gedichtbände eigener Autoren (Trakl, Tagore, Jammes, Werfel) neben Texten von Goethe, Eichendorff, Mörike, Hölderlin u. a. – Innen tadellos.

18 :12 cm. [2], 43, [7] Seiten. – Rücken etwas verblasst und berieben, Gelenke leicht brüchig.

Stürz 27. – Ritzer 1983 2.4. – Raabe/Hannich-Bode 304.5. – Göbel 506

500  Ernst Ludwig Presse – Franz Werfel. Arien.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 250

München, Kurt Wolff 1921. Blaugrüner Originalecrasélederband mit Marmorpapiervorsätzen, reicher Deckelvergoldung, goldgeprägtem Rückentitel und Goldschnitt.

Stundenbücher, Band IX. – Eins von 350 Exemplaren. – Einbandentwurf von Emil Preetorius. – Druck in Rot und Schwarz. – Innen druckfrisch.

18,6 : 12,4 cm. 40, [8] Seiten. – Ecken minimal berieben, Hintergelenk oben angeplatzt. – Exlibris.

Stürz 35. – Raabe/Hannich-Bode 330.14. – Göbel 587