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Lot 451 – 500 | Hesse-Auktionen
Lot 451 – 500

451  Bauhaus – Herbert Bayer. Bauhaus-Ausstellung Weimar Juli–August–September 1923.

Schätzpreis/Estimate: € 5000 ( R19 )

Ausruflimit/Reserve price: € 4500 ( R19 )

Farblithographie. 1923. 15,2 : 10,3 cm. Rückseitig typograpisch signiert.

Die elfte von insgesamt 20 realisierten Karten zur Ausstellung 1923, die von 13 Bauhaus-Meistern und -Studenten – u. a. Feininger, Kandinsky, Klee, Marcks, Moholy-Nagy, Schlemmer, Hirschfeld-Mack – entworfen und originalgraphisch ausgeführt wurden. – »Für die erste, umfassende Ausstellung, die die thüringische Landesregierung dem umstrittenen Bauhaus abverlangte, wurde in bisher am Bauhaus unbekanntem Umfang Reklame gemacht. […] Während der Ausstellungsvorbereitungen […] hören wir zum ersten Male von einer ›Reklameabteilung‹, die sich in der Werkstatt für Wandmalerei unter Kandinsky zusammengefunden hatte.« In dieser Werkstatt ließ sich Herbert Bayer während seines Studiums am Bauhaus (Oktober 1921–Juli 1923 und Oktober 1924–Februar 1925) ausbilden. Nach seiner Gesellenprüfung im Frühjahr 1925 wurde er der leitende Werbegestalter des – mittlerweile in Dessau angesiedelten – Bauhauses. Bereits für die Ausstellung 1923 entwarf er Hinweisschilder, Orientierungsplakat sowie den Einband des berühmten Katalogbuches (vgl. A und O Bauhaus, Seiten 61ff.) – Rückseitig mit Aufdruck zur Verwendung als Postkarte und dem Stempel mit korrigiertem Ausstellungszeitraum.

A und O des Bauhauses, KatNr. 25, Abb. 44. – Fleischmann, S. 67, Abb. 11. – Britsch/Weiss 99

452  László Moholy-Nagy. Staatliches Bauhaus Weimar 1919 1923.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 800 ( R7 )

Einladungsprospekt zur Subskription des Katalogbuches. Faltblatt, zweifarbiger Offsetdruck. 1923. 25 : 25 cm (geschlossen). Mit zwei Abbildungen.

Seltener Subskriptionsprospekt in mustergültiger Typographie Moholy-Nagys. – Als Musterabbildungen wurden hier Molnars Haus »Der rote Würfel« und eine Fotoansicht der Werkstatt der Steinbildhauerei des Bauhauses gewählt. – Das Katalogbuch zur ersten großen Bauhausausstellung gestaltete ebenfalls Moholy-Nagy. Es sei »in erster Linie Dokument dieser Anstalt; es reicht aber, dem Charakter der Anstalt entsprechend, weit über eine örtliche und spezifische Angelegenheit hinaus ins allgemeine, gegenwärtige und zukünftige Gebiet künstlerischen Schaffens und künstlerischer Erziehung« (aus dem Werbetext). – Ehemals Sammlung Hans Hildebrandt (1878–1957, Stuttgarter Kunsthistoriker und Förderer des Bauhauses) mit zwei Stempeln auf den Innenseiten. Seine Ehefrau Lily, die zeitweise in sehr engem Kontakt mit Walter Gropius stand, veröffentlichte 1918 das ihrem Sohn Rainer gewidmete Kinderbuch »Klein-Rainers Weltreise« (siehe KatNr. 339).

Falz- und zwei kleine Randeinrisse mit Japan fixiert. Kleiner Farbfleck. – Erfreulicherweise ohne die beim Exemplar des Bauhaus-Archivs vorhandenen Heftlöcher.

Bayer/Gropius 1938, Abb. auf S. 81. – Das A und O des Bauhauses KatNr. 41. – Fleischmann S. 81f. (mit drei Abbildungen)

453  Verkaufsbedingungen

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 260

für die ausgestellten Werkstättenerzeugnisse und Bilder der Ausstellung 1923 d. Staatl. Bauhauses Weimar. Einblattdruck, Buchdruck. 28,8 : 22,2 cm.

Einblattdruck. – Typographische Gestaltung von Herbert Bayer. – Seltenes Dokument zur Ausstellung im Sommer 1923.

Geglätteter Horizontalknick. – Leichter Bräunungsabklatsch, kleine Tintenkritzelei.

Nicht bei Fleischmann und »Das A und O des Bauhauses«

454  László Moholy-Nagy – C. August Emge. Die Idee des Bauhauses. Kunst und Wirklichkeit.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 470

Vorträge […] auf Einladung des Instituts für Wirtschaftsrecht anlässlich der Pfingstkurse Juni 1924 in Jena. Berlin, Pan-Verlag Rolf Heise [1924]. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Umschlaggestaltung von László Moholy-Nagy. – »Gleichzeitig zu den Bauhausbüchern führt Moholy Aufträge zur Buchgestaltung aus. […] Auf dem Umschlag ›August Emge‹ bringt Moholy eine photographische Idee in die Buchgestaltung, indem er das Schrift-Negativ vom Umschlag auf das darunterliegende Titelblatt ins Positiv ›kopiert‹.« (Das A und O des Bauhauses, S. 164). – Buchdruck Ohlenroth, Erfurt. – Carl August Emge wurde 1928 außerordentlicher Professor für Philosophie und Soziologie der Universität Jena. Seine beiden Vorträge interpretieren die Ideen des Bauhauses in dem für den Weggang aus Weimar entscheidenden Jahr positiv.

23 : 16 cm. 35, [5] Seiten. – Umschlagränder leicht gebräunt. – Innen tadellos.

Das A und O des Bauhauses, KatNr. 132 und Abb. 197. – Fleischmann S. 95. – Neumann, Functional Graphic Desing in the Twenties, Abb. 55. –

455  László Moholy-Nagy. Im Verlag Albert Langen München erscheinen die Bauhausbücher. […] Die erste Serie ist erschienen: 8 Bauhausbücher.

Schätzpreis/Estimate: € 600 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Bücherprospekt. Faltblatt, Offsetdruck. 1926. 29,5 : 21,8 cm (geschlossen). Mit 25 Abbildungen.

Werbebeilage für die Zeitschrift »Offset« (Heft 7/1926), gedruckt wohl in einer Auflage von nur 1600 Exemplaren. – Die legendäre Buchreihe »Bauhausbücher«, deren Schriftleitung Walter Gropius und László Moholy-Nagy innehatten, erschien seit 1925 in schneller Folge. Die Typographie der Bände entwarf Moholy-Nagy. Im Sommer 1926 waren die Bände 9 und 10 im Druck, weitere 25 wurden hier als »in Vorbereitung« genannt. Die Reihe wurde allerdings nach Band 14 eingestellt. – Seines ephemeren Charakters wegen sehr selten, zumal so gut erhalten. – Diese Variante mit dem »Gruppenfoto« nicht in »Das A und O des Bauhauses« abgebildet, dort bescheinigt man der kurze Zeit später gedruckten Ausgabe »10 Bauhausbücher« im Gegensatz zur hier vorliegenden: »Die wenig sorgfältige Gliederung dieser Blätter verrät die große Produktionseile«.

Fleischmann S. 151 mit ganzseitiger Abbildung. – Das A und O des Bauhauses KatNr. 143 (mit wichtigem Hinweis zur Auflagenhöhe). – Moholy-Nagy – Future Present, New York Guggenheim Museum, Nr. 366

456  Walter Gropius. Internationale Architektur.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Zweite veränderte Auflage. Viertes bis sechstes Tausend. München, Albert Langen [1927]. Mit zahlreichen Abbildungen. Gelber Originalleinenband mit Rotdruck.

Bauhausbücher 1. – Der erste Titel der legendären Reihe, herausgegeben vom Direktor des Bauhauses, der auf mehr als 100 meist ganzseitigen Abbildungen die gesamte Elite der zeitgenössisch modernen Architektur in herausragenden Beispielen vorstellt: Peter Behrens, Marcel Breuer, Le Corbusier, Theo van Doesburg, Walter Gropius, Adolf Loos, Erich Mendelsohn, Mies van der Rohe, Farkas Molnar (der auch den Umschlag entwarf), Georg Muche, J. J. P. Oud, Hans Poelzig, Bruno Taut, Henry van de Velde, Frank Lloyd Wright u. a. m. – Sehr schönes Exemplar, leider wie meist ohne den Schutzumschlag. – Dazu: Paul Klee. Pädagogisches Skizzenbuch. München, Albert Langen 1925. Mit 97 Abbildungen. Gelber Originalleinenband mit Rotdruck. Bauhausbücher 2. Außen und innen leicht stockfleckig.

24 : 18 cm. 111, [1] Seiten.

Wingler 563

457  László Moholy-Nagy. Malerei · Fotographie · Film.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Zweite, veränderte Auflage. Drittes bis fünftes Tausend. München, Albert Langen 1927. Mit 100 meist ganzseitigen Abbildungen nach Fotografien und Filmausschnitten. Gelber Originalleinenband mit Rotdruck.

Bauhausbücher 8. – Mit der modernisierten Typographie, u. a. nun »Foto« statt »Photo«. – Die Typographie der gesamten Reihe entwarf Moholy-Nagy. – Bahnbrechendes Werk, in dem Moholy-Nagy erstmals 1925 die Themen Geschichte und Technik der Fotografie und besonders die moderne Bildgestaltung behandelt. – »Kunstwerk und Pamphlet, Erfahrungsbericht und Vision. Das Buch propagiert die ›neue visuelle Literatur‹ und ist gleichzeitig ihr erster Versuch.« (Autopsie). – Mit zahlreichen Anwendungsbeispielen aus Buchillustration, Werbung und Propaganda. Das Bildmaterial, darunter zahlreichen Fotogramme und Fotomontagen, stammt von Moholy-Nagy, Hannah Höch, Albert Renger-Patzsch, P. Citroen, Man Ray und anderen. – Schönes Exemplar.

24 : 18 cm. 140 Seiten. – Leicht angestaubt, winzige Farbverluste auf dem Vorderdeckel.

Parr/Badger I, 92/93. – Autopsie I, 164ff. – Wingler 575

458  Kasimir Malewitsch. Die gegenstandslose Welt.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Die Übersetzung besorgte A. von Riesen. München, Albert Langen 1927. Mit 92, meist ganzseitigen, Abbildungen. Originalbroschur mit farbig illustriertem Originalumschlag.

Erste deutsche Ausgabe. – Bauhausbücher 11. – Kasimir Malewitschs kunsttheotischer Beitrag zu den Bauhausbüchern, unter anderem mit einer Abhandlung zum Suprematismus. Durch zahlreiche eigene Werke und Arbeiten aus verschiedensten Kunstepochen illustriert. – »Drei Tage in Weimar, und man kann auf Lebenszeit kein Quadrat mehr sehen. Malewitsch hat 1913 schon das Quadrat erfunden. Welch ein Glück, daß er sich’s nicht hat patentieren lassen.« (Paul Westheim). – Die Umschlaggestaltung stammt von Laszlo Moholy-Nagy. – So gut erhaltene Broschurausgaben sind selten geworden. – Dazu: Albert Gleizes. Kubismus. Die Übersetzung besorgte Eulein Grohmann. München, Albert Langen 1928. Mit 47 ganzseitigen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur. Bauhausbücher 13. Umschlag fleckig und mit Fehlstellen. – Bauhaus 1919 – 1928. Edited by Herbert Bayer, Walter Gropius, Ise Gropius. New York, MoMA 1938. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalleinenband. Originalausgabe der legendären Ausstellung. – Alexander Dorner. The way beyond ›art‹. The work of Herbert Bayer. 2nd printing. New York 1949. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalbroschur.

23 : 18 cm. 104 Seiten.

Wingler 563, 11 und Abb. auf Seite 425

459  Architektur – Otto Lossen. Werkbund-Ausstellung »Die Wohnung« Stuttgart 1927.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

15 Originalfotografien (Vintage, Silbergelatine-Abzüge, rückseitig mit Typodruck). 1927. 14 : 10 cm.

Schöne und umfangreiche Sammlung mit Außen- und Innenansichten von Häusern der berühmten Weißenhofsiedlung, u. a. die Bauten von Le Corbuiser (Blick über die Terrasse auf die Stadt Stuttgart), Rading, Oud, Breuer, Behrens, Poelzig. – Die Aufnahmen wurden auch in dem Band »Bau und Wohnung«, herausgegeben vom Deutschen Werkbund, veröffentlicht. – Tadellos erhalten, je drei Karten gemeinsam in einem Passepartout und gerahmt.

460  Bruno Taut. Ein Wohnhaus.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 140

Fünfte Auflage. Stuttgart, Franckh 1927. Mit einer Farbmustertafel, einer Farbtafel und zahlreichen Abbildungen. Gelb-roter Originalleinenband mit montierter Deckelvignette.

Fünfte unveränderte Ausgabe, noch im Jahr der Erstausgabe. – Erschienen innerhalb der Reihe »Kosmos Hausbücher«. – Grundlegendes populäres Werk zum Eigenheimbau, verfasst von dem Architekten Bruno Taut, der dabei sein eigenes Wohnhaus in Blankenfelde-Dahlewitz vorstellt. – Die Gesamtgestaltung des Buches stammt von Johannes Molzahn, der auf Empfehlung von Bruno Taut zum Leiter der Klasse für Gebrauchsgraphik der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg berufen wurde. – Am Ende die Ausfalttafel mit 24 aufgeklebten Farbmusterstreifen nach den Farben der Firma Paul Baumann, Aue.

24 : 16 cm. [4], 118, [4] Seiten; 2 Farbtafeln. – Einband am Rücken etwas verfärbt und mit kleinem Fleck.

Vgl. Jaeger 921

461  Industriedächer: Flache Dächer!

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 130 ( R7 )

Werbeblatt des Verbandes Deutscher Dachpappenfabrikanten. Faltblatt, Buchdruck. 1927. 29,2 : 21,0 cm (geschlossen). Mit neun fotografischen Abbildungen.

Seltene Werbebeilage, nachweisbar in »Die Form« (1927, Heft 5) mit Fotografien von Industriebauten, darunter die berühmte Bauhaus-Ansicht von Lucia Moholy sowie Bauten von Hans Poelzig, Hermann Muthesius, Bruno Buch u. a. in Fotografien von F. Stoedtner, E. Leitner u. a. – Gedruckt bei Edler & Krische, Hannover. – Die Typographie des Faltblattes verweist auf Kurt Schwitters oder Friedrich Vordemberge-Gildewart, zumindest als Vorbilder für den anonymen Gestalter. Vordemberge-Gildewart hatte enge Beziehungen zu der Hannoveraner Druckerei und gestaltete einige der dort gedruckten Industriewerbemittel. – Tadellos erhalten.

462  El Lissitzky. Russland.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Die Rekonstruktion der Architektur in der Sowjetunion. Wien, Anton Schroll 1930. Mit 104, meist ganzseitigen, Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur.

Neues Bauen in der Welt, Band 1. – Erste Ausgabe. – Herausgegeben und eingeleitet von Josef Ganter. – Das erste und zugleich wichtigste Heft der bedeutenden Reihe zur modernen Architektur. – Die Umschlagillustration entstand nach der großartigen Fotomontage von El Lissitzky. – Mit zahlreichen Abbildungen architektonischer Entwürfe von El Lissitzky, aber auch Arbeiten von Tatlin, Barchin, Welikowski u. a. – Zeitgleich erschienen die Bände von Neutra (Amerika) und Ginsburger (Frankreich).

29 : 23 cm. 103, [1] Seiten. – Umschlag am Rücken mit großen, an den Rändern mit einigen kleineren Ausrissen. – Stempel auf dem Titelblatt, ansonsten innen tadellos.

Lissitzky-Küpper, S. 161 mit ganzseitiger Abb. – Andel Avant Garde Page Design, S. 228. – Jaeger 714

463  Ludwig Mies van der Rohe. Drawings in the Collection of The Museum of Modern Art.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Edited by Ludwig Glaeser. New York 1969. Mit 31 Abbildungen, davon einige farbig, auf 27 Tafeln und einige weitere im Text. Originalringbuchbindung.

Mit einem Vorwort und Erläuterungen von Ludwig Glaeser (1930-2006), dem Kurator für Architektur am MoMA und langjährigen Leiter des dortigen Mies van der Rohe-Archives. – Mit faksimilierten Zeichnungen aus allen Schaffensphasen, einige durch Collagen des Künstlers zu »Kunst« erhoben. Seine großen Kohlezeichnungen waren schon in der Entstehungszeit in Ausstellungen der Novembergruppe zu sehen. – Eröffnet wird die Bildfolge mit drei Ansichten des spektakulären »Friedrichstrasse Towers«, entworfen 1921. »It was not until the early 1920s that Mies designed the five projects that established him as one of the major innovators of modern architecture. The first and second of these projects, both glass skyscrapers conceived in 1921, express like manifestos the aspirations of the architectural revolutionaries and embody certain convictions Mies has held ever since.« (Ludwig Glaeser).

46 : 63 cm. [18] Seiten, 27 Tafeln.

464  Franz Wilhelm Seiwert – Percy Bysshe Shelleÿ. Kampf.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Gedichte. Frankfurt am Main u. a., Taifun 1924. Originalpappband mit zweifarbiger Lithographie von Franz Wilhelm Seiwert auf dem Einband.

Sehr selten, erste Ausgabe dieser Auswahl in Übersetzung von R. R. [ungeklärt]. – Die im Stein monogrammierte Lithographie Seiwerts mit dem Motto »Zahllos seid ihr, nichts sind sie!«. – Franz Wilhelm Seiwert gründete 1919 die Kalltal-Gemeinschaft und war 1920 Gründungsmitglied der Gruppe »Kölner Progressive«, die bis zur Machtergreifung 1933 innerhalb des Kölner Kunstbetriebs eine führende Rolle spielte. – Die Dichtungen des englischen Romantikers Shelley (1792–1822) waren von maßgeblichem Einfluss auf die englische Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts. Die hier vorliegende Sammlung wird mit dem Gedicht »Die Fratze der Tyrannei« eröffnet, das Shelley 1819 unter dem Eindruck des Peterloo-Massakers, der blutigen Niederwerfung eines Arbeiteraufstandes in Manchester, verfasst hatte. – Wir konnten nur je ein Exemplar in drei deutschen Bibliotheken nachweisen.

17 : 10 cm. 52 Seiten. – Einband minimal fleckig. – Innen papierbedingt gebräunt.

465  Hans Leistikow – Das Geld liegt auf der Strasse.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Ein Wegweiser für sie, es aufzuheben. Herausgegeben von der Reklamestelle. Frankfurt a.M. ohne Jahr [1928/29]. Mit etwa 30 meist halbseitengroßen Abbildungen nach Fotografien und Fotomontagen. Originalbroschur mit Titelbild.

Werbebroschüre für Außenwerbung. – Die Gestaltung stammt sehr wahrscheinlich von Hans Leistikow (1892–1962), der während der Gestaltung des »Neuen Frankfurts« unter Ernst May von 1925–1930 als Leiter des grafischen Büros der Stadtverwaltung auch für die städtische Reklame zuständig war. 1928 war Leistikow Mitglied des Rings »neue Werbgestalter«. – »Reklame und die Schrift, als neu entwickelte einheitliche Typen sind vom Neuen Frankfurt von Beginn an als eines der effektvollsten Gestaltungsmittel verstanden worden, um eine einheitliche großstädtische Kultur zu bewirken« (Michael Müller in: Avantgarde, Amsterdam 1988, Heft 1, S. 84f.). – Mit zahlreichen interessanten Aufnahmen aus dem Frankfurter Stadtbild, darunter Plakate und Reklameschilder, Leuchtreklamen, Plakatsäulen, Straßenbahn-und Autobus-Reklame und Beispiele an den beiden Frankfurter Markthallen.

23 : 16 cm. 35, [1] Seiten. – Vorderdeckel minimal angestaubt und mit Rotstift-Notiz.

466  Lotte Pottel. Most.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R19 )

Ausruflimit/Reserve price: € 200 ( R19 )

Werbekarte und -plakat. Farblithographien mit Serigraphie. Um 1928. 14,8 : 10,4 cm und 28,8 : 22,7 cm.

Lotte Pottel, Studentin der Kunstgewerbeschule Halle Burg Giebichenstein, war gemeinsam mit ihrem Lehrer, dem Fotografen Hans Finsler, für die Schokoladenfabrik Most in Halle tätig. Als gemeinsame Arbeit erschien 1929 die Festschrift »Wie Kakao und Schokolade entsteht: 70 Jahre Most 1859–1929«. Nur ein Jahr später war sie für die Typographie der Broschüre »Wo in Halle? Halle ist schön« des Halleschen Witschafts- und Verkehrsverbandes verantwortlich. Auch diese Broschüre war mit Fotos von Finsler illustriert. – Beide Werbemittel aufwändig gedruckt, mehrfarbig und mit Gold: I. Schokolade Pralinen Kakao. Unser Vertreter kommt! Rückseitig Postkartenaufdruck. – II. Ich bin der Most-Mann! Rückseitig mit typographischem Text »Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle […]. – Unten links im Druck monogrammiert.

467  Walter Brudi. Esslinger Wolle.

Schätzpreis/Estimate: € 1800 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Fotografien, Werbebroschüren, Plakate, Drucksachen. Esslingen, um 1930.

Walter Brudi (1907–1987) übernahm bereits kurz nach seiner Stuttgarter Studienzeit (1925–1928) bei F. H. Ernst Schneidler den Auftrag der Esslinger Firma Merkel & Kienlin, deren gesamten Werbeauftritt und alle Drucksachen zu gestalten. 1949 wurde er als Nachfolger Schneidlers an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart berufen. »Walter Brudi gilt als Erbe der Schneidlerschen ›Stuttgarter Schule‹. Er veröffentlichte wegweisende Publikationen […] und machte die Ergebnisse seiner Lehre in nationalen und internationalen Ausstellungen – z.B. am Pratt Institute New York – bekannt. 1966 gründete er das ›Institut für Buchgestaltung‹ an der Kunstakademie in Stuttgart« (aus dem Informationsblatt anlässlich der Walter Brudi Ausstellung in der WLB Stuttgart 2008). – Schon Anfang der 1930er Jahre lobte Eberhard Hölscher die gestalterischen Leistungen Brudis in verschiedenen Publikationen. – Das New Yorker MoMA führt in seinen Beständen nur einige »Esslinger Wollhefte« (eins abgebildet, Provenienz: Jan Tschichold Collection). Die Urheberschaft Brudis ist dort allerdings unbekannt geblieben.
Zwei Originalfotografien von Messeständen »Esslinger Wolle« (ca. 13 : 20 cm). – Zwei nach diesen Vorlagen erstellte Farboffsetlithographien, für eine Publikation, möglicherweise Andrucke. – Originalfotografie eines Schaufensters »Esslinger Wolle« (ca. 8 : 10 cm). – Wollhefte 1–4. Je 12 Seiten mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Originalbroschuren, alle Umschläge mit Fotomontagen. – Drei Plakate. Ca. 35 : 25 cm. Druck in Schwarz und Rot. Werbung für Esslinger Trockenwolle. – Fünf Drucksachen: Zwei Bestellkarten, eine Musterliste, eine Versandhülle und ein Andruckbogen mit einer Anzeige und einer Geschäftskarte.

468  László Moholy-Nagy – Feuerfestes Jenaer Durax-Glas

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 240

zum Backen, Braten, Dünsten und Einkochen. Jena [um 1934]. Mit fotografischen Abbildungen und Fotomontagen. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Werbemittel Nr. 5142 Eg. – László Moholy-Nagy wurde auf Empfehlung von Wilhelm Wagenfeld, der bereits seit 1931 für das Unternehmen tätig war, mit der Gestaltung der Werbemittel des Jenaer Glaswerks Schott & Genossen beauftragt. (vgl. Krisztina Passuths Monographie, dort mit Abbildungen). – Die angezeigte Broschüre »Angerichtet kochen« erschien 1934. Trotz der dem »neuen« Geist geschuldeten Titelillustration, finden sich die typischen Gestaltungsmittel Moholy-Nagys: eindrucksvolle Objektfotografien, Fotomontagen und der Umschlag zum Teil in Orange gedruckt. Die Zusammenarbeit währte auch über Moholys Emigration nach Amsterdam (1934) bzw. London (1935) hinaus und endete erst, als er im Jahr 1937 die Leitung des »New Bauhaus« in Chicago übernahm.

15 : 21 cm. 35, [1] Seiten.

Vgl. »In nachbarlicher Nähe – Bauhaus in Jena« S. 268ff

469  John Heartfield – Drei Bücher mit seinen Umschlagillustrationen.

Schätzpreis/Estimate: € 200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 130 ( R7 )

Berlin, Malik 1922–1930 und Prag, Odeon 1934.

I. Upton Sinclair. Man nennt mich Zimmermann. Roman. Berlin, Malik 1922. Originalpappband mit Fotomontage als Deckelbild. Die Rote Roman-Serie VII. – II. Ilja Ehrenburg. Das Leben der Autos. 9.–15. Tausend. Berlin, Malik 1930. Originalleinenband mit Fotomontagen auf dem Schutzumschlag. Mit Wellenmuster, der Rückentitel aber noch nicht schwarz gedruckt, so nicht bei Hermann. – III. A. Avdejenko. Miluji (tschechisch: Ich liebe dich). Prag, Odeon 1934. Originalbroschur mit Fotomontage auf dem Schutzumschlag. Seltene erste Ausgabe. – Dazu: Otto Heller. Sibirien, ein anderes Amerika. Berlin 1930. Mit Tafeln nach Fotografien des Verfassers. Originalbroschur mit Fotomontage von Paul Urban auf dem Schutzumschlag.

Schnitt teils stockfleckig, besonders bei II.

Haufe 15, 119 und vgl. 170 (deutsche Ausgabe mit anderem Motiv). – Hermann 358 a und 51 (I und II). – Melzwig 857.1 (Übersetzung Hermynia Zur Mühlen) und 255.1

470  Buchkunst – Die Form.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. 4. Jahr, Heft 21, 1. November 1929 Berlin, Hermann Reckendorf 1929. Mit zahlreichen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur.

Themenheft »Das Buch« innerhalb der seit 1925 erschienenen Zeitschrift des deutschen Werkbundes. – Mit Textbeiträgen von Paul Renner, Theo van Doesburg, Otto Neurath u. a. – Abgebildet wurden unter anderem Einbände und Buchumschläge von Léger, El Lissitzky, Karel Teige, John Heartfield, Moholy-Nagy, Johannes Molzahn, Walter Dexel und F. H. Ehmcke sowie Schwitters’ Dammerstock-Katalog, Piet Zwarts Katalog der Niederländischen Kabelwerke und französische Plakate. – Der Umschlag mit dem Foto von Hein Gorny, das Design der Umschläge hatte 1928 Walter Dexel – nach einem Wettbewerb, an dem auch Max Burchartz, Hans Leistikow, Paul Renner und Jan Tschichold teilgenommen hatten – übernommen, der damit Joost Schmidts rein typographische Gestaltung ablöste. – Sehr gut erhalten.

30 : 21 cm. Seiten 561–592 innerhalb des Jahrgangs. – Zwei Ränder des Vorderumschlags etwas angestaubt.

Holstein, Blickfang S. 279

471  Führer der deutschen Buchkunst.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Sonderdruck des Archivs für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik. Herausgegeben vom Deutschen Buchgewerbeverein. Jahrgang 61, Heft 1. Leipzig 1924. Mit sechs signierten Originalgraphiken und zahlreichen, teils montierten Tafeln und Abbildungen. Handgebundener Originalhalbpergamentband (signiert: Handeinband Enders, Leipzig).

Eins von 350 Exemplaren der Luxusausgabe auf Bütten mit den folgenden signierten Graphiken: Lithographien von Emil Preetorius und Georg Alexander Mathéy, eine Radierung von Hugo Steiner-Prag, ein Holzschnitt von Rudolf Koch, ein Holzstich von Friedrich Wilhelm Kleukens und ein Linolschnitt von Fritz Helmuth Ehmke. – Mit Beiträgen von Julius Zeitler, Rudolf Koch, Fritz Helmuth Ehmcke, Emil Preetorius und anderen. – Mit zahlreichen Einbandabbildungen und Schriftproben. – Textredaktion Julius Zeitler, Buchgestaltung von Georg Alexander Mathéy. – Druck bei Breitkopf & Härtel. – Tadellos schönes Exemplar.

33 : 26 cm. 105, [3] Seiten, 6 Graphiken. – Bezugspapier der Deckel leicht angestaubt, vorn mit zwei kleinen Fehlstellen. – Bei den Graphiken mit kleinem Abklatsch eingelegter Papierstreifen.

Söhn HDOG 706

472  Einbände – Eberhard Hölscher. Georg Salter.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Leipzig 1930. Mit 13 montierten farbigen Originalschutzumschlägen sowie einigen Abbildungen auf Tafeln und im Text. Goldene Originalbroschur mit blindgeprägtem Titel.

Erschien sowohl im »Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik« in der Reihe »Deutsche Buchkünstler und Gebrauchsgraphiker der Gegenwart« als auch als Sonderdruck mit einem farbigen Umschlag. Die hier vorliegende Broschurfassung ist auch Jürgen Holstein unbekannt geblieben. – Die Typographie zu dieser frühen Monographie entwarf Georg Salter. Von den Verlagen wurden unter anderem folgende Originalschutzumschläge (meist nur der Vorderumschlag) für diese Publikation gestiftet: Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz. – Egon Erwin Kisch, Paradies Amerika. – Schreib das auf, Kisch. – François Villon. Balladen. – John Dos Passos, Der 42. Breitengrad. – Lion Feuchtwanger, Erfolg. – Paris. Reiseführer mit Aufnahmen von Sasha Stone.

33 : 24 cm. [32] Seiten, 4 Tafeln. – Broschur leicht fleckig.

Vgl. Holstein, Salter, S. 16 und www.georgsalter.com

473  Richard Lindner – Drei Bücher des Lachens.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Die schönsten heiteren Geschichten von heute. Erster [bis] Dritter Band. Berlin, Ullstein 1928. Farbige Originalleinenbände in illustrierter Originalkassette.

Erste Ausgabe. – Die drei Deckelvignetten und das farbige Bezugspapier der Kassette mit zwei Figurengruppen wurden nach Vorlagen von Richard Lindner (1901–1978) gedruckt und zählen zu den ersten seiner publizierten Graphiken. Zwischen dem Abschluss seines Studiums an der Münchner Akademie und einer Anstellung als künstlerischem Leiter des dortigen Verlages Knorr und Hirth lebte Lindner 1927/28 in Berlin. 1933 floh er nach Frankreich und emigrierte 1941 in die USA. Dort arbeitete er weiter als Gebrauchsgraphiker. Erst spät wandte er sich der Malerei zu und wurde international bekannt.

18 : 11 cm. – Kassette minimal berieben. – Papierbedingt etwas gebräunt.

474  Richard Lindner. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Ohne Ort und Jahr, wohl 1971. Eine Seite.

An den Verleger Fritz Landshoff, vormals Leiter des Amsterdamer Exilverlages Querido und zum Zeitpunkt des Briefes Leiter des Verlages Abrams in New York. – Der Künstler schreibt zu einer deutschen Ausgabe der Lindner-Monographie von Dore Ashton: »es wäre gut, wenn die Titel der Bilder in englisch wären | in der deutschen Übersetzung stimmen sie einfach nicht. Ich habe sie irgendwie in’s Deutsche übersetzt im Fall Sie beide englisch und Deutsch benützen wollen. […] Neue Fotos habe ich im Moment nicht. […] Die neuen Bilder sind alle schon verkauft. Bin ab 15 Oktober wieder in New York«. – Dazu: Hilton Kramer. Richard Lindner. Berlin 1975.

Oberrand (wohl mit fremdem Briefkopf) abgeschnitten, später gelocht. Rückseitig mit Bleistift beschriftet.

475  Georg Muche – Vier Publikationen (Erinnerungen, Werkverzeichnisse, Katalog) von und über Georg Muche, alle von ihm signiert.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

1961–1980.

Georg Muche. Blickpunkt. Sturm, Dada, Bauhaus, Gegenwart. München 1961. Originalleinenband mit -schutzumschlag. – Zwei Werkverzeichnisse: Peter H. Schiller. Georg Muche. Das druckgraphische Werk. 1970. Mit Beilage: Zeichnungen aus den Jahren 1912–1973. – Magdalena Droste, Christian Wolsdorff und Bauxi Mang. Georg Muche. Das künstlerische Werk 1912–1927. Kritisches Verzeichnis der Gemälde, Zeichnungen, Fotos und architektonischen Arbeiten. Berlin 1980. – Georg Muche. Der Zeichner. Ausstellungskatalog Staatsgalerie Stuttgart 1977. – Meist herausgegeben vom Bauhaus-Archiv. – Dazu: Gisela Lindner. Georg Muche. Die Jahrzehnte am Bodensee. Das Spätwerk. 1983. – Der alte Maler. Briefe von Georg Muche 1945–184. Tübingen und Berlin 1992.

476  Josef Albers. Interaction of Color.

Schätzpreis/Estimate: € 1500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1900

Starnberg, Joseph Keller 1973. 80 Doppelblätter mit Farbserigraphien. Mit Text- und Kommentarband (Originalkunstlederband bzw. -broschur) in -Kassette und -schuber.

Deutsche Ausgabe eines der bedeutendsten »Künstlerbücher« des späten 20. Jahrhunderts. – Eins von 1000 Exemplaren. – Josef Albers (1888–1976) lernte und lehrte am Dessauer Bauhaus, 1933 ging er ins Exil. In den 1950er Jahren leitete er das Art Department der Yale University, am Ende seiner Lehrtätigkeit widmete er sein wichtiges und berühmtes Werk zur Farbentheorie seinen Schülern: »This Book is my Thanks to my Students«. Er gilt, zusammen mit Victor Vasarely, als Begründer der »Op-Art«. – Auf 80 Doppelbogen veranschaulichen je eine oder mehrere Farbserigraphien bzw. Farboffsets mit einigen aufklappbaren Farbelementen Albers’ Theorien. Unter anderem erörtert er den Bezold-Effekt, dessen Anwendung ihn zu seinen »Homage-to-the-Square«-Bildern führte. Mit Blick auf seine theoretischen Untersuchungen zu physischen und psychischen Wirkungen verschiedener Farben darf man »Interaction of Color« als legitime Fortsetzung von Goethes Farbenlehre und besonders Runges Farbenkugel bezeichnen. – Gestaltet von Norman Ives, der später auch für Albers’ »Formulation : Articulation« verantwortlich war. – Aufwändig gedruckt und sorgfältig ediert, sehr selten.

35 : 27 cm. 80, 48 Seiten und 80 Klapptafeln. – Schuber etwas fleckig, Kassettenränder angeplatzt.

477  The unanimous Declaration of the thirteen united States of America.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Faksimiledruck der handschriftlichen Fassung der »Declaration of Independence« Um 1876..

Die Gründungsurkunde der Vereinigten Staaten von Amerika wurde zunächst mit der Hand geschrieben, unverkennbar mit der großen Überschrift »IN CONGRESS, JULY 4, 1776« und dem das ganze untere Viertel des Dokuments einnehmenden Unterschriftenblock. – Ein erstes Faksimile stellte 1824 William J. Stone im sogenannten »Wet Ink Transfer«-Verfahren her, das aber dem empfindlichen Original einige Schäden zufügte. Um es zu schonen, wurden alle späteren Nachdrucke von diesem Stone-Druck abgenommen. – Trotz der Verkleinerung auf etwa 50% der Originalgröße strahlt das vorliegende Faksimile gerade durch das verwendete Material eine große Authentizität aus.

40 : 35 cm. Druck auf hellbraunem pergamentähnlichem Dokumentenpapier. – Oberrand und das untere Blattviertel gebräunt, ein restaurierter Randeinriss.

478  Kaiser Wilhelm II. und Familie.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

76 zeitgenössischen Fotografien und Fotopostkarten.

Glanzstück der inhaltsreichen und originellen Sammlung ist sicher eine großformatige Porträtfotografie der Kaiserin Auguste Victoria (Vintage, Bromsilbergelatine, 15,5 : 11,7 cm, montiert auf Kartonblatt) mit eigenhändiger Widmung von Kaiser Wilhelm II. »Zur Erinnerung an die liebe Grossmama von Grosspapa 1921«. Rückseitig signiert oder bezeichnet mit dem Namen des Fotografen, T. H. Voigt, Bad Homburg, dem Hoffotografen der Kaiserfamilie. Die Aufnahme von 1914 diente auch als Vorlage für eine Feldpostkarte. – Album 1: 19 Fotografien mit Porträts, teils nach Gemälden, von Wilhelm I., seiner Familie und Nachfahren. Originalfotoabzüge, montiert auf Kartons mit Titel und Angaben zu den Fotografen. – Album 2: 56 teils farbig lithographierten Postkarten und Fotografien mit Porträts von Wilhelm II., der Kaiserfamilie, dem Kaiser mit seinen Enkeln, der Kronprinzen Wilhelm, Eitel, Adalbert, August Wilhelm, Oskar und Joachim sowie der Kronprinzessin Victoria Luise und anderen mehr. Viele Karten mit faksimilierten Unterschriften und Widmungen. – Alle sehr gut bis tadellos erhalten, in zwei Einsteckalben. – Einige Beigaben.

479  102 Glückwunsch-, Andenken- und Grußpostkarten, alle um 1900.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Umfangreiche Sammlung von originellen und teils kitschigen Postkarten. Meist Chromolithographien, teils folienkaschierter Farbdruck, einige mit Collage. – Aus dem Inhalt: Karten zu allen erdenklichen Feiertagen und Feierlichkeiten: Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Neujahr, Geburtstag, Verlobung, Hochzeit, Niederkunft, Drillingsgeburt (!) und Scheidung. – Farbige Feldpostkarten »O Vaterland du schönster Stern«. – Reisegrüße, teils allgemein, teils mit Ansichten der sächsischen »Metropolen« Aue, Augustusburg, Bitterfeld, Bad Brambach aber auch Magdeburg, Karlsbad, Hamburg und München, darunter eine sehr schöne zum Münchner Oktoberfest (mit kleiner Szene »Heimkehr von der Wiesen«). – Alle sehr gut erhalten, meist beschrieben, frankiert und gestempelt.

480  Zelta Sapnis.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Plakat, farbig lithographiert. 99 : 67 cm. Gefaltet.

Der goldene Cholem (Der goldene Traum). Plakat der Aufführung im Rigaer Idisher Muitim Teater (Rigaer Jüdisches Minderheiten-Theater) am 18. Dezember. – In lettischer und jiddischer Sprache gedruckt. – Wohl aus dem zeitlichen Umfeld der frühen Saeima-Wahlen in den 1920er Jahren. – Seltenes Dokument aus einem der wichtigsten Zentren des europäischen Judentums, das 1941 durch die Massenerschießungen und Deportation nahezu endgültig ausgelöscht schien.

Vertikale und horizontale Knickspuren. Ränder mit wenigen kleinen Ein- und Ausrissen, mittig in der Kchrift kleine Fehlstelle. Linker Rand mit größerem Einriss (10 cm) mit Filmoplast hinterlegt.

481  Walter Crane. Cartoons for the Cause 1886–1896.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

A Souvenir of the International Socialist Workers and Trade Union Congress, 1896. London, Twentieth Century Press 1896. Zwölf Lithographien und ein lithographiertes Titelblatt. Mit sechs Textblättern.

Auf dem Titelblatt von Walter Crane in roter Tinte signiert und mit »43« (Exemplarnummer?) bezeichnet. – In den Drucken mit Cranes Monogramm. – Auf J Whatman-Bütten. – Enthält zwölf Lithographien nach Zeichnungen aus den Jahren 1884–1896, teils in früheren Publikationen wie »Justice«, »Commenweal«, »Labour Leader« und »Clarion« veröffentlicht. – Vom Künstler stammen auch das Vorwort und vier Texte zu einzelnen Blättern. – Walter Crane (1845–1915) zählt zu den wichtigsten Erneuerern der Buchkunst. Gemeinsam mit William Morris publizierte er Bücher und gilt neben Kate Greenaway und Randolph Caldecott zu den führenden Kinderbuchautoren des späten 19. Jahrhunderts. – Sowohl Morris als auch Crane waren begeisterte Sozialisten und Mitglieder der Social Democratic Federation (SDF), der ersten marxistischen Partei Englands. Einige Jahre später verließ Crane die SDF, um sich der 1884 von William Morris gegründeten »Socialist League« anzuschließen. – Die flugblattartigen »Cartoons« mit eindeutig politischer Aussage: »The True Answer to Jingoism« (zum Kongress 1896); »The Party Fight and the New Party« (zur Spaltung der SDF); »The Vampire«, »Vive la Commune«, »The Triumph of Labour«, »The Worker’s May Pole« u.s.w. – Sehr selten.

Ca. 30 : 18 cm (Platten), 50 : 31 cm (Mappe). – Mappe fleckig und etwas bestoßen. Rücken, Kordelheftung und eine Ecke erneuert. – Äußerste Ränder und untere Ecken etwas angestaubt.

481a  Münchner Kriegsblätter.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Erstes [bis] Drittes Kriegsflugblatt der Zeitschrift »Der Zwiebelfisch«. München, Hans von Weber 1914. Mit sechs Lithographien von Bruno Goldschmitt. Lose Blätter.

Bruno Goldschmitt. Michel und seine Nachbarn I und II. Vor dem 1. August 1914. – Nach dem 1. August 1914. Einblattdrucke mit je einer Lithographie. Auf gelblichem Maschinenbütten. – Richard Dehmel. Vier Kriegslieder mit Ur-Steindrucken von Bruno Goldschmitt. Zwei Doppelblätter mit vier Lithographien und Text. Auf Maschinenpapier. – Sehr seltene, zumal so gut erhaltene, Folge mit den frühesten Illustrationsarbeiten des bald schon überaus schaffensreichen Künstlers.

44,5 : 29,5 cm bzw. 40,5 : 27,5 (III).

Sennewald 14, 1 und 2 (ungenau)

482  Manifest und Richtlinien der Kommunistischen Internationale.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 650

(Verfaßt von dem ersten internationalen kommunistischen Kongreß in Moskau, vom 2. bis 6. März 1919, und unterzeichnet von den Genossen C. Ratowsky, N. Lenin, M. Zinovjev, L. Trotzky und Fr. Platten.) Herausgegeben von der Chicago Arbeiter-Zeitung Publishing Company. Chicago [1919?]. Ziegelrote Originalbroschur.

Sehr selten, wohl zeitgleich mit der amerikanischen Fassung in Chicago gedruckt. – Auf dem 1. Weltkongress der kommunistischen Parteien vereinigten sich diese zu einem international agierenden Zusammenschluss, der bis zur Auflösung durch Stalin 1943 unter zunehmendem Einfluss der sowjetischen KP stand. Unter der Führung Lenins schlossen sich im März 1919 in Moskau (unter Enthaltung des Abgeordneten der deutschen KPD) Parteien aus mehr als 25 Ländern zusammen. – Mit einem Vorwort zur Bedeutung des Manifests (»Es stellt nach dem kommunistischen Manifest von Marx und Engels das wichtigste Schriftstück der internationalen sozialistischen Bewegung dar […]«), unterzeichnet von M. F. L., und dem Text »An das Proletariat der ganzen Welt!«. – Wir konnten via WorldCat kein Exemplar in einer Bibliothek nachweisen.

16 : 11 cm. 32 Seiten. – Minimal fleckig, das innerste Doppelblatt aus der Klammerheftung gelöst. Wenige Bleistiftanstreichungen.

483  Plakat – Die Parteien!

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Lithographie und Typendruck. 1919. 44 : 30 cm.

Konservatives Wahlplakat zur Deutschen Nationalversammlung, die am 19. Januar 1919 als erste reichsweite Wahl nach der Novemberrevolution stattfand. An ihr, der ersten nach Verhältniswahlrecht, durften zum ersten Mal in Deutschland auch Frauen teilnehmen. Das Ziel war die Bildung einer verfassunggebenden Nationalversammlung. – Karikierend werden die Vertreter der linken Parteien dargestellt, darunter Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg als »Spartakus-Sozi«. Die beiden Mitbegründer der KPD wurden am 15. Januar 1919, wenige Tage vor der Wahl, ermordet. – Mit mehr Sympathie werden die Vertreter der konservativen Parteien (Christliche Volkspartei, Deutsche Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei) dargestellt. – Am Unterrand die Aufforderung: »Wähle Deutscher! Deine Schicksalsstunde schlägt am 19. Januar 19«. – Aus der Wahl ging die SPD als stärkste Kraft hervor, die daraufhin mit der DDP und der Zentrumspartei koalierte.

Linker und Unterrand mit Verlusten, unten eventuell Wegfall der Angaben zum Druck.

484  Plakate – Nie sollst Du mich befragen …

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausruflimit/Reserve price: € 500

Wahlplakat. Lithographie. Um 1932. 111 : 80 cm.

Sehr seltenes, für uns bibliographisch nicht nachweisbares Wahlplakat der bayerischen SPD. Inhaltlich verantwortlich zeichnete Thomas Wimmer (1887–1964), langjähriger Vorsitzender der Münchner Sozialdemokraten, von 1924 bis 1933 ehrenamtlicher Stadtrat und von 1948 bis 1960 Münchner Oberbürgermeister. Bereits am 10. März 1933 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet. – Unter dem Lohengrin-Zitat werden folgende brisante Fragen gestellt: »Warum Hitler Südtirol verraten hat? Wer die Geldgeber Hitlers sind? Wo Naziabgeordnete während des Krieges waren? Welche Arbeitslosen die Reichstagsdiäten der Nazi erhielten? Wie hoch das jährl. Gesamt-Einkommen Adolf Hitlers ist? Was sich der Preußen-Kronprinz seinen Hitlerschwarm kosten läßt?« Am Unterrand dann die Aufforderung: »Wählt Sozialdemokraten!« – Die Diskussion um den drohenden Verrat Hitlers an dem seit 1919/1920 zu Italien gehörenden Landesteil südlich des Brenners wurde durch die österreichische Sozialdemokratie seit 1931 geführt. Der Pakt zwischen Mussolini und Hitler wurde erst 1938 abgeschlossen, Jahre nach dem Verbot der Sozialdemokratie in Deutschland und Österreich. Das Plakat ist aber vor 1933 entstanden. – Weitere Anmerkungen: Trotz Millioneneinnahmen aus Spenden und dem Verkauf von »Mein Kampf« wurde Hitler 1935 sogar von der Steuerpflicht befreit. Kronprinz Wilhelm von Preußen galt als eifriger, auch finanzieller Unterstützer Hitlers. Thomas Wimmer war als Stadtrat auch für Gemeindefinanzen zuständig. – Gedruckt bei R. Schumann, München.

Unbeschnitten, links ist der mitdruckende Plattenrand sichtbar geblieben. – Einige Faltspuren, im weißen Rand kleine restaurierte Ausrisse durch ehemalige Anheftung.

485  Freies Deutschland.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Organ des Nationalkomitees Freies Deutschland. [Fünf Ausgaben]. Moskau 1943 und 1945.

Fünf Originalausgaben der Wochenzeitschrift der 1943 im Moskauer Exil gegründeten Gruppe »NKFD«, der neben kommunistischen Exilanten auch Kriegsgefangene angehörten. Dem Gründungskomitee gehörten Erich Weinert, Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Hans Mahle als Vertreter der Emigranten sowie Hauptmann Hadermann, Leutnant von Kügelgen, Feldwebel Stresow und der Gefreite Eschborn als die der Gefangenen an. Stalin misstraute der Gruppe von Anfang an, sah er doch in ihr eine »Schattenregierung«. – Alle Titelseiten mit Bordüren in den Farben des Komitees, die als Zugeständnis an die vertretenen Generäle nicht der schwarz-rot-goldenen Flagge der Weimarer Republik, sondern der schwarz-weiß-roten des Deutschen Kaiserreiches entsprachen. – Vorhanden: Nr. 2, 29. Juli 1943 (Frontberichte, Erste Stimmen zur Gründung des NKFD), Nr. 23, 19. Dezember 1943 (Weihnachtsausgabe); Nr. 20, 16. Mai 1945 (Berlin bleibt deutsch!, Alfred Kurella zur Auflösung der NSDAP, Foto »Hitlerberlin hat kapituliert«, Berichte aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Bergen-Belsen und Buchenwald); Nr. 21, 24. Mai 1945 (Berlin wird versorgt); Nr. 22, 31. Mai 1945 (Stalin dankt dem russischen Volk, Amtseinführung des neuen Berliner Magistrats). – Beigabe (Faksimile der Ausgabe 24. Mai 1945).

59 : 42 cm. – Papierbedingt gebräunt, mehrfach gefaltet.

486  Alliierte Propaganda – 13 englische Flugblätter und Tarnschriften.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

London 1939–1944. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter, meist illustriert, eine Broschur. Meist ca. 21 : 13 cm.

Achtung! Der englische Premierminister Chamberlain richtete am 3. September über den Rundfunk … folgende Worte an das deutsche Volk. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1939]. Code EH.280. Eines der ersten von den Engländern im 2. Weltkrieg abgeworfenen Flugblättern. Wiedergegeben ist eine gekürzte Fassung von Chamberlains Rede zum Kriegseintritt Englands. – Warum? Für Führer und Vaterland / Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen. Fotomontage auf dem Titelblatt. Code G.10. Die grausige Fotomontage zeigt starr gefrorene Soldatenleichen, im Hintergrund Todesanzeigen. – Dieses war der erste Streich. Die Zeit arbeitet endlich für uns. Code G.51. – Die Blase platzt! Zwanzig Jahre haben es die Faschisten in Italien getrieben … Code G.55. – Totaler Krieg. Broschur mit Berichten über die Bombardierungen der Deutschen Luftwaffe in europäischen Städten. – Londoner Rundfunk. Sendungen in deutscher Sprache / B.B.C. Der Londoner Rundfunk. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Code EH.490. Selten, nur 198.000 Exemplare im April 1940 abgeworfen. Über Sendezeiten, Wellenlängen und mit Anweisungen »Fenster zu! Stellen Sie den Empfangsapparat auf ein Kissen!« – Wie lange noch? Lesen und Weitergeben! Nummern 1, 2, 7, 11 und 20. Fünf illustrierte Handzettel. – Zwei weitere Flugschriften.. – Alle sehr gut erhalten.

487  Alliierte Propaganda – Zwölf englische Flugblätter,

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

meist für das von Deutschland besetzte Frankreich. London 1941–1942. Flugblätter und Broschüren, teils illustriert. Meist ca. 21 : 13 cm.

Auch für die französische Bevölkerung in den besetzten Gebieten Frankreichs wurde aufklärende Propaganda gedruckt und von Flugzeugen abgeworfen: L’Amerique en Guerre. 1943. Code USF 64. – L’Arc en Ciel / De Regenboog. 1944. Flugschrift für Das Belgische Volk. Code XB 8. Beide Im verkleinerten Zeitungsformat mit Nachrichten und Artikeln zum Kriegsverlauf. – Aux Populations de la France occupée. Code F8. – La Revue du Monde Libre. Nr. 12. 1943. Code F.180. – Un peu d’arithmétique. De Gaulle _ Giraud + Grenier = Marty. C’est ça, la France nouvelle? Code SW 10. – Quante ancora? Flugblatt für Itailen. Code I 20. – Last Will and Testament of Adolf Hitler alis Adolph Schiklegruber. This is the Last Will and Testament of me Mis-Leader of Germany – Better known as the MAD DOG OF EUROPE. – Zwei weitere Postkarten, eine Broschüre, ein Flugblatt.. – Alle sehr gut erhalten.

488  Alliierte Propaganda – Neun englische Flugblätter und Tarnschriften.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

London 1942–1944. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter, eine Broschur. Meist ca. 21 : 13 cm.

Dieses und die nachfolgenden beiden Konvolute beinhalten eine bemerkenswert vielfältige und gut erhaltene Sammlung von englischen Propagandaflugblättern, wie sie in den Jahren 1939–1945 von der Royal Air Force über Deutschland und von Deutschland besetzten Gebieten abgeworfen wurden. Die meisten der Flugblätter wurden mit einer Codierung versehen. – Freiwillige vor für die U-Boot-Waffe! Wir fahren gegen England / Wir fahren hinab ins kühle Grab. [London, Political Warfare Executive 1942]. Ausziehbares illustriertes Flugblatt. 10,2 cm : 20 cm. [Code G.7]. Als Werbung für die U-Boot Waffe aufgemachtes Flugblatt, das sich erst beim Herausziehen des Schiebestreifens als Feindpropaganda entpuppt. – Ich fühle mich so frisch. Es kommt der Frühling. Mit Fotomontage auf der Titelseite. Code G.14. Die Fotomontage zeigt den amüsierten Hitler umgeben von erfrorenen Soldaten. – Predigt des Bischofs Clemens August Graf von Galen. Gehalten am 13. Juli 1941 in der Lambertikirche zu Münster. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. 4 Seiten. EH.526. Seltenes Flugblatt, das im Oktober und November 1941 über Deutschland abgeworfen wurde. – Schwarze Listen für die Schwarze Schmach. Schluss mit den Greuelmärchen. Code G 22. – Was die Woche zeigt – und was sie verschweigt. / Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen … Code G.21/1942. Mit Fotos eines Hitlerjungen und Soldatenleichen. Rückseitig Todesanzeigen gefallener Soldaten. – Volk am Abgrund. Code G 97. Broschur. Gegenüberstellung in Wort und Bild, Vergleich »Damals« und »Heute«, 1. und 2. Weltkrieg. – Die R.A.F. wirft jetzt in einer Nacht 1 bis 2 Millionen Kilogramm Bomben. Code G. 36. – Zwei weitere Flugblätter in Form von Handzetteln. – Die meisten von derartigen Flugschriften wurden vom Political Warfare Executive (Ausschuss für Politische Kriegsführung), London, verbreitet und für die besetzten Gebiete auch in Englisch, Französisch und Italienisch gedruckt. Das vom Außenministerium 1941 gegründete PWE wurde nach Kriegsende mit der Umerziehung deutscher Kriegsgefangener beauftragt.

489  Arthur Szyk. The New Order.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Introduction by Roger W. Straus. New York, G. P. Putnam’s Sons 1941. Mit farbigen Titelbild und 38 ganzseitigen Illustrationen nach Zeichnungen, davon acht farbig. Originalleinenband mit farbig illustriertem Schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Bissige und teils ur-komische Karikaturen der Eliten des 1000jährigen Reiches. – Der polnisch-amerikanische Künstler Arthur Szyk (1894–1951) wurde besonders durch seine politischen Karikaturen weltweit bekannt. Seit 1939 lebte er in den USA, das Buch erschien im Jahr des Kriegseintritts der USA. »… ich bin kein Künstler. Ich bin Soldat. […] MeinKampf gilt nicht nur Hitler, sondern einem Deutschland, das ihn ermöglichte.« (Aufbau, Vol. X/11, 1943, S. 28). – Sehr gut erhalten. – Dazu: The Book of Job with a Preface by Mary Ellen Chase and illustrations by Arthur Szyk. New York, Heritage Press 1946. Mit acht Farbtafeln nach Aquarellen. Originalleinenband mit montiertem Deckelbild. Im Originalschuber. Erste Ausgabe, zeitgleich mit einer Ausgabe des Limited Edition Club.

25 : 20 cm. [48] Seiten.

490  Mao Zhu Yu Lu

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

(chinesisch: Zitate des Vorsitzenden Mao). [Peking 1964]. Mit Porträt und Faksimileblatt. Rote Originalkunststoffbroschur mit blindgeprägtem Deckeltitel.

Wohl Exemplar aus der zweiten Bindequote der Erstausgabe, nun in dem weltbekannt gewordenen roten Kunststoff-Einband. – Nur die Erstausgabe erschien ohne Datierung, mit der hier vorliegenden Kollation und in dem etwas größeren Format. Bereits die zweite Auflage von 1965 wurde um zwei Kapitel erweitert und das Faksimile der handgeschriebenen Widmung Lin Biaos mit dem »Schreibfehler« in der zweiten Spalte gegen eine korrigierte Fassung ausgetauscht. – Vortitel in Rot, Haupttitel in Grün und Rot gedruckt. – Die Sammlung von Aussprüchen des Führers der chinesischen Volksrevolution erschien auf Anregung des Armeegenerals Lin Biao (1907–1971). Auf seine Initiative hin sollten die Soldaten der Roten Armee Mao-Zitate auswendig lernen, was schlussendlich 1964 zur vorliegenden Sammlung führte. Bis 1967 wurden mehr als 720 Millionen Exemplare und Übersetzungen in mehr als 35 Sprachen gedruckt – nur die christliche Bibel hat weltweit größere Verbreitung gefunden. Wegen seiner zunehmenden Machtfülle misstraute Mao seinem Stellvertreter Lin Biao, der 1971 unter ungeklärten Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Um sein Andenken zu tilgen, wurden die Einwohner Chinas, denen der Besitz der »Mao-Bibel« staatlich verordnet war, aufgefordert, Widmungsblatt und Vorrede aus den bis 1971 erschienenen Exemplaren zu entfernen. – Trotz der weltweit riesigen Auflage sind unkorrigierte Exemplare des Erstdrucks sehr selten. – Eines der folgenreichsten Bücher der Weltgeschichte.

14 : 10 cm. [4], 2, 2, 250, [2 leere] Seiten. – Porträt und das hintere Vorsatzblatt leicht fleckig.

491  Plakatkunst – The Street Wall Journal.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Volume I, No. 1, 2 and 3. – Free New University Conference. New York 1970. Vier Einblattdrucke.

Vollständige Folge der frühesten Ausgaben, laut WorldCat alles Erschienene. – Nummer 1 auf gelbem Papier. – 1970 erreichten die Proteste gegen den Vietnamkrieg und die Ausweitung der Kampfhandlungen in Kambodscha und Laos einen neuen Höhepunkt. Anfang Mai riefen verschiedene Gruppierungen zu einem landesweiten Generalstreik der Studenten auf. Die Plakatzeitschrift erläutert die Beweggründe, verweist auf verschiedene Veranstaltungen und nennt Telefonnummern des Koordinierungskomitees, der Anwaltsvereinigung und einer Notfallzentrale. – Nummer 3 ist dem Kampf und der Verfolgung der »Black Panthers Party« gewidmet; im Rahmen der Proteste waren am 1. Mai 1970 auf dem Campus der Kent State University in Ohio vier Studenten erschossen worden. – Seltene Dokumente der Antikriegsbewegung in den U.S.A.

55 : 43 cm. – Zusammen 4 Blätter.

492  Plakatkunst – The Street Wall Journal.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 140

Volume I, No. 1, 2 and 3. – Free New University Conference. New York 1970. Vier Einblattdrucke.

Vollständige Folge der frühesten Ausgaben. – Nummer 1 auf blauem Papier.

55 : 43 cm. – Zusammen 4 Blätter. – Ränder teils leicht geknickt.

493  Max Sauerlandt. Zwei eigenhändige Briefe mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Ohne Ort, 13. VIII. 1917, und Hamburg, 12. IV. 1933. Zusammen acht Seiten.

I. Von der Ostfront, wo Sauerlandt (1880–1934) als Batterieführer eingesetzt war. Im zweiten Teil des Briefes kommt Sauerlandt auf die Situation in Hamburg zu sprechen: »Und was soll ich über meine ›Hamburger Aussichten‹ viel schreiben, wo doch noch nichts entschieden ist? Gleich nach Brinckmanns Tod bin ich von der ad hoc eingesetzten Kommission an erster Stelle zum Nachfolger vorgeschlagen. Das ist alles, auch das aber bitte ich absolut discret zu behandeln.« Bereits 1915 hatte man Max Sauerlandt, der damals noch Direktor des Städtischen Museums in Halle war, die Nachfolge des berühmten Justus Brinckmann als Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe angetragen. Die Stelle trat er nach Kriegsende an. – II. Am 5. April 1933 wurde Sauerlandt wegen seines Eintretens für die moderne Kunst von den Nationalsozialisten zwangsbeurlaubt. »Lieber Hubert, […] es gab in den letzten Tagen […] viel zu viele Kondolenzbesuche, die für mich eigentlich etwas Humoristisches haben, da ich ja noch lebendig bin (nicht des Amts enthoben, wie fälschlich verbreitet wird, sondern ›vorläufig beurlaubt‹) […] da ich an alle Ideale der ›Bewegung‹ von Herzen selbst glaube und meine, seit 25, mindestens seit 21 Jahren, d.h. seit dem Kauf des Abendmahls [gemeint ist Emil Noldes Gemälde, das Sauerlandt bereits 1913 erworben hatte] […] mit allen meinen Kräften nur nach m. besten Vermögen gearbeitet zu haben, glaube ich vorläufig auch noch, daß das was wir jetzt an Verkennung der echtesten Werte erleben, vorübergehen und der richtigen Einsicht Platz machen wird. Ob mit oder ohne mich spielt dabei gar keine Rolle. […] Die ›heroische Kunst‹, die Hitler in seiner gr. Reichstagsrede fordert, sie ist ja schon da […] sie erkennen sie nur noch nicht […] Also: Frisch auf!« – Die beiden Briefe bilden eine zeitliche Klammer um das Wirken Sauerlandts in Hamburg und die Stärkung der modernen Kunst in den öffentlichen Sammlungen der Hansestadt. – Beilagen: Drei Todesanzeigen sowie Zeitungsartikel zum Tode Max Sauerlandts am 1. Januar 1934. – Dazu: Max Sauerlandt. Die Kunst der letzten 30 Jahre. Herausgegeben von Harald Busch. Berlin, Rembrandt 1935. Mit 80 Abbildungen. Originalleinenband. Die Auflage wurde zum größten Teil nach Erscheinen beschlagnahmt und eingestampft. – Aus dem Nachlass von Hubert Stierling (1882–1950), seit 1915 Assistent des Direktors des Altonaer Museums, seit 1932 dessen Direktor. – Beigabe: Max Sauerlandt. Im Kampf um die moderne Kunst. Briefe 1902–1933. München 1957.

Der erste Brief am Oberrand etwas geknittert und mit Braunfleck.

494  Aby Warburg – Vorträge der Bibliothek Warburg 1923–1924.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

Herausgegeben von Fritz Saxl. Leipzig/Berlin, B. G. Teubner 1926. Mit zwölf Bildtafeln. Originalbroschur. – Mit Widmung von Aby Warburg.

Erste Ausgabe. – Titelblatt mit eigenhändiger Widmung »S[einem] s[ehr] v[erehrten] Hrn. Gebhardt z. fr. Er[innerun]g | Warburg | 7. XI. 1927«. – Bei dem Widmungsempfänger könnte es sich um den Hamburger Erziehungswissenschafter Julius Gebhardt (1884–1966) handeln. – Mit Vorträgen von Ulrich von Wilamowitz-Möllendorff, Ernst Hoffmann, Hans Liebschütz, Richard Reitzenstein, Hugo Greßmann, Franz J. Dölger, Adolph Goldschmidt und Conrad Borchling. – Mit einem Personen- und Sachverzeichnis von Gertrud Bing. – Aus der Bibliothek des Kunsthistorikers Hanns Swarzenski (1903–1985). – Widmungen des Hamburger Kulturwissenschaftlers Aby Warburg (1866–1929) sind sehr selten.

25 : 17 cm. [8], 277, [1] Seiten, 12 Tafeln. – Broschur leicht beschädigt. – Unbeschnitten, 2 Blätter im Register mit Ein- bzw. Ausriss an der oberen Ecke.

495  [Walter Benjamin, pseudonym:] Ardor. [Fünf Aufsätze in:] Der Anfang.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 800 ( R7 )

Zeitschrift der Jugend. Herausgegeben von Georges Barbizon und Siegfried Bernfeld. I. Jahr, Heft 1[–]5. Berlin und Wien, Die Aktion (Franz Pfemfert) Mai–September 1913. Fünf Originalbroschuren.

Erstdrucke der frühesten Veröffentlichungen Benjamins. – Sehr seltene Zeitschrift aus dem Umkreis von Gustav Wyneken, der als Redakteur tätig war. – Enthält von Walter Benjamin: I. Unterricht und Wertung. Heft 1, Seiten 6–10. – II. Romantik. Eine nicht gehaltene Rede an die Schuljugend. Heft 2, Seiten 38–42. – III. Unterricht und Wertung. Über das humanistische Gymnasium. Heft 3, Seiten 69–72. – IV. Gedanken über Gerhart Hauptmanns Festspiel. Heft 4, Seiten 96–100. – V. Romantik – die Antwort des ›Ungeweihten‹. Heft 5, Seiten 144–145. – Walter Benjamin hatte 1912 in Berlin sein Abitur abgelegt und begann noch im gleichen Jahr an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg/Breisgau zu studieren. Dort lernte er den Dichter Christoph Friedrich Heinle kennen und kehrte zusammen mit ihm noch im Wintersemester nach Berlin zurück. Die Veröffentlichungen in »Der Anfang« erschienen noch in Benjamins erstem Studienjahr. In Jena erschien 1914 eine Parodie auf die Zeitschrift (»Das Ende. Zeitschrift für Jugendkubismus«).

22,5 : 15,8 cm. 160 Seiten. – Broschurumschläge lose und mit leichten Läsuren.

Brodersen E12, 13, 14, 16 und 17. – Slg. Leinweber 53–57. – Dietzel/Hügel 117. – Nicht bei Raabe, Zeitschriften

496  Walter Benjamin. Gesammelte Schriften.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 350

Unter Mitwirkung von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Sieben Teile in 14 Bänden. Frankfurt a.M., Suhrkamp 1981–1990. Blaue Originalleinenbände in -kassette.

Bis heute maßgebliche Werkausgabe. – Die seit 1974 erschienenen Einzelbände wurden nach Abschluss der Edition für diese »Kassettenausgabe« zum Teil nachgedruckt. – Gut erhaltenes Exemplar der Leinenausgabe.

21 : 13 cm. – Ein Rücken mit minimalen Wasserflecken

497  Henry Benrath (Albert H. Rausch). Lysis · Alladin.

Schätzpreis/Estimate: € 1000 ( R19 )

Ausruflimit/Reserve price: € 660 ( R19 )

Typoskript mit eigenhändigen Anmerkungen und Korrekturen. 1939. 60 paginierte Blätter, davon fünf eigenhändig und 41 mit maschinengeschriebenen Dichtungen mit Korrekturen und Ergänzungen.

Zwei wohl unveröffentlichte Dichtungen von Albert Heinrich Rausch (1882–1949). Erste Dichtungen erscheinen ab 1907, nach Rauschs Begegnung mit Stefan George, die maßgeblich für seine schriftstellerische Entwicklung war. 1932 hatte Rausch den Georg Bücher-Preis erhalten und benutzte seit dieser Zeit das Pseudonym Henry Benrath. – Die Gedichtzyklen entstanden während Benraths Arbeiten an seinen weltpolitischen Romanen und stellen sicher die erste Sammlung zu den späteren »Spruchbüchern« dar. Das Typoskript enthält folgende Texte: Vorspiel«, »Lysis, 1–6«, »Lysis Anadyömeno, 1–10« sowie »Traum, 1–6« und »Erde, 1–17, 20«. – Titelblatt (mit Zusatz »Endgültige Fassung 1939«), das »Vorwort des Verfassers« und die drei Zwischentitel schrieb Benrath eigenhändig, die Typoskriptseiten eigenhändig betitelt und mit vielen kleinen und umfangreichen Korrekturen, Streichungen und Ergänzungen. – Alle Blätter unten rechts paginiert zur Verwendung für den Satz. – In Papierumschlag, dieser eigenhändig betitelt, signiert mit beiden Namen und mit dem Zusatz »Exemplar von Rose Gut, Letzte Fassung 1939«. – »Der Sinn der Sichtungen ›Lysis‹ und ›Alladin‹ wird nur von solchen Menschen erfasst werden, denen das Göttliche im Bilde wirksam wird. Das Göttliche ist in diesem Buche die attische Helle und der iranische Traum […] Kein Werk des Verfassers ist so nahe an der Grenze irdischer Verklärung geboren wie dieses«(Vorwort). – 1938 hatte Benrath Deutschland endgültig verlassen. Er lebte zunächst in der Schweiz, später im Tessin.

31 : 21 cm.

498  Henry Benrath (Albert H. Rausch). Stoa. Wolfkehl.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R19 )

Ausruflimit/Reserve price: € 330 ( R19 )

Typoskript. 98 Blätter.

Die Dichtung »Stoa« war bereits 1933 abgeschlossen, wurde aber erst 1941–43 zusammen mit den Texten für »Der Weg«, »Unendlichkeit« und »Der Gong« satzfertig gemacht. Einzelne Texte wurden aber bereits früher veröffentlicht, z.B. die George gewidmeten »Dank an Apollon« (Stuttgart 1937) und »Die Stimme Delphis« (Zürich 1939). – Inhalt, jeweils mit eigenhändigem Umschlagblatt: »Stoa/Delphi I« (zwei Typoskriptblätter »Vorspiel«). – »Stoa/Delphi (Teil 1: Ruf an Apollon / Apollons Antwort)« (29 Typoskriptblätter). – »Stoa/Delphi II« (52 Typoskriptblätter). – »Stoa/Delphi (Teil II: Pythische: Moira / Die Mütter)« (fünf Typoskriptblätter »einzeln noch einzureihende Gedichte«). – »Stoa/Delphi (Teil III: Das Standbild und Schlussgesang: Gebet)« (sechs Typoskriptblätter). – »Wolfskehl. Die Stimme« (vier Typoskriptblätter). – Enthält u. a. »An Stefan George« und »An George«. – Besonders in Teil II und III mit eigenhändigen Anmerkungen, Anstreichungen und der ursprünglichen Paginierung zufolge mit zahlreichen Umstellungen. – In Umschlagmappe, eigenhändig betitelt.

25 : 21 cm.

Vgl. Siegfried Hagen, Henry Benrath, Bonn 1978. – Landmann, George 1353 und 1443

499  Franz Blei. Das große Bestiarium der modernen Literatur.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit 18 kolorierten Lithographien, je sechs von Olaf Gulbransson, Thomas Theodor Heine und Rudolf Großmann. Neuer Pergamentband mit geprägtem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Eins von 400 Exemplaren der Ausgabe B auf Hadernpapier (Gesamtauflage 430). – Mit karikierenden Porträts von Bierbaum, Däubler, Edschmid, Kolb, Lasker-Schüler, Mann, Meyrink u. a. Diese kolorierten Lithographien illustrieren den spöttischen Text, der die Literaten als Exoten beschreibt. – Franz Blei beschreibt sein Bestiarium im Vorwort als Versuch, »eine so kurze wie anschauliche und genaue Beschreibung derer lebenden Tiere zu geben, so ans Licht der Bücherwelt zu stellen Gott dem Herrn gefallen hat und soweit sie im Gebiete der deutschen Sprache wesen und unwesen. […] Ganz allgemein will ich nur zu einer in der letzten Zeit wieder lebhafter gewordenen Streitfrage kurz Stellung nehmen, der Frage, ob unsere Tiere Intelligenz besitzen oder nicht.«.

20 : 13 cm. 252, [8] Seiten.

500  Hans Bethge. Die Indische Harfe.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Mit Steinzeichnungen von Bernhard Hasler. Nachdichtung indischer Lyrik. Berlin, Morawe & Scheffelt 1913. Mit elf Lithographien, vier davon farbig. Originalseideneinband mit Kopfgoldschnitt (A. Köllner, Leipzig). In Originalkassette mit Deckelschild.

Eins von 250 Exemplaren. – Gedruckt auf Van Gelder-Bütten. – Die Lithographien druckte Hermann Birkholz, Berlin, nach dem Druck wurden die Steine abgeschliffen. – Beginnend mit den Gesängen des großen Dichters Kalidasa versammelt Hans Bethge in der »Indischen Harfe« eine Auswahl der schönsten Liebesgedichte und Lieder früher indischer Dichter, darunter auch Verse und Sprüche aus den heiligen Büchern und Epen: den Upanishaden, dem Mahabharata und dem Pantschatantra. – Bernhard Hasler (1884–1945) war Schüler von Emil Orlik und Lovis Corinth.

32 : 25. [4], 108, [6] Seiten. – Kassette lichtrandig, Gelenke angeplatzt.